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53 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

roman, fremdbild, ch: niveau 2016, selbstbild, arbeit

Das Zimmer

Jonas Karlsson , Paul Berf
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 11.04.2016
ISBN 9783630874609
Genre: Romane

Rezension:

55 Minuten Arbeit und dann 5 Minuten Bildschirmpause – Björn, der neue Mitarbeiter in einer riesigen schwedischen Behörde, hat sich vorgenommen dieses Schema einzuhalten. Auch ansonsten folgt seine Arbeit festen Mustern, schließlich möchte er einen guten Eindruck machen und möglichst rasch in der Hierarchie aufsteigen. Das ist aber nicht leicht, in einem riesigen Großraumbüro mit 22 Kollegen, die alle ihre Macken und nervigen Angewohnheiten haben. Björn will durchsetzungsfähig und souverän wirken und hat sich deshalb vorgenommen, sich mit den richtigen Kollegen zu unterhalten und sich nicht mit den falschen Kollegen anzulegen. Eines Tages entdeckt er ein geheimes Zimmer in dem riesigen Bürokomplex, das er fortan häufiger aufsucht, um sich ein wenig zu entspannen. Das Zimmer ist schlicht möbliert und stets gut aufgeräumt. Doch warum wissen die anderen nichts von diesem Zimmer, obwohl es in der Nähe der Toiletten liegt und sie täglich daran vorbeigehen? Björn wundert sich, warum er das Zimmer bereits nach 2 Wochen entdeckt hat und alle anderen diese Entdeckung, teils in mehreren Jahren, nicht gemacht haben. Björn besucht das Zimmer immer häufiger und nimmt auch manchmal Kollegen mit, doch diese scheinen sich danach nie an das Zimmer erinnern zu können. Schließlich gibt es eine Besprechung und Björn wird ultimativ dazu aufgehört, nicht mehr minutenlang an der Wand zu lehnen und ins Leere zu starren. Björn versteht die Welt nicht mehr. Warum kennt nur er dieses Zimmer? Schließlich findet er einen Weg sein ramponiertes Ansehen in der Behörde wieder zu verbessern.

 

Bewertung:

Karlsson Sprache ist nüchtern und schmucklos. Die Humorlosigkeit und der heilige Ernst der Romanfiguren sind bei genauerem Hinsehen sehr komisch. Die Sprache ist vordergründig sachlich, doch auf einer zweiten Ebene schwingt eine feine, distanzierte Ironie mit. Obwohl die handelnden Personen fest davon überzeugt sind einer höheren Mission zu dienen, geht es schlussendlich nur um die Bearbeitung von Akten. Die Büroangestellten sind in ihrer eigenen Welt gefangen und erkennen selbst die einfachsten Zusammenhänge nicht mehr. Die Logik der Behörde blockiert den gesunden Menschenverstand. Karlsson Buch dreht sich um die Frage, ob eine gewisse Verrücktheit schädlich  oder gar die Voraussetzung ist, um in einer riesigen Behörde Akten bearbeiten zu können. Das Buch regt zum nachdenken an und ist noch dazu unterhaltsam, deshalb vergebe ich 5 Sterne.

  

 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Gemischte Gefühle

John Fante
Fester Einband: 231 Seiten
Erschienen bei Eichborn, 01.12.1996
ISBN 9783821801698
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der junge Drehbuchautor John Fante hat sich seinen Traum von einem eigenem Haus erfüllt, in dem er mit seiner schwangeren Freundin Joyce lebt. Doch die Idylle ist nur von kurzer Dauer – Termiten zerfressen den Holzfußboden und das Haus kann nicht mehr gefahrlos betreten werden. John ist aus Kostengründen dazu gezwungen, seinen handwerklich begabten italienischen Vater zur Hilfe zu holen. Der alte Fante ist zwar ein geschickter Handwerker, aber zuweilen launisch und sehr temperamentvoll. Er wünscht sich nichts sehnlicher als einen Enkelsohn und hat auch allerhand Tricks auf Lager, um dies angeblich beeinflussen zu können. Dies und die zunehmende Religiösität seiner Frau gehen John immer mehr auf die Nerven. Fante Senior wird immer unberechenbarer und die Situation wird immer nervenaufreibender, weil sich der alte Fante und die junge Joyce immer besser verstehen, während sich der gestresste John immer mehr von den Beiden entfremdet. Eines Abends spielt John mit seinem Vater Schach, als ein Ereignis eintritt, was das Leben der Familie Fante für immer verändert.

Bewertung:

Das Buch ist in einer sehr lebendigen und witzigen Sprache geschrieben. Die Erzählkunst und die sprachliche Vielfalt Fantes sind bewundernswert. Die kleinen Streitereien und anekdotenhafte Erlebnisse werden sehr detailreich und liebevoll geschildert. Inhaltlich ist das Buch über weite Strecken gut gelungen. Der letzte Teil des Buches ist mir etwas zu kitschig und passt nicht so ganz zur feinen Ironie des restlichen Buches. Daher vergebe ich nur 4 Sterne für dieses ansonsten witzige und wunderbar geschriebene Buch.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Frank

Richard Ford ,
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 28.09.2015
ISBN 9783446249233
Genre: Romane

Rezension:

Let Me Be Frank With You, so lautet der Titel der amerikanischen Originalausgabe dieses Buches. Und das stimmt tatsächlich, der Ich-Erzähler Frank Bascombe ist gnadenlos offen und ehrlich zu sich selbst und seiner Umgebung und beschreibt seine Erlebnisse in einer erfrischend klaren Sprache. Der Hurrikan Sandy hat gerade die Ostküste der USA heimgesucht und viele Menschen haben ihr Hab und Gut verloren. Bascombe, ein pensionierter Immobilienmakler, begegnet einem ehemaligen Kunden, dem er ein jetzt durch den Hurrikan vollständig zerstörtes Haus verkauft hat. Diese Begegnung mit dem kumpelhaften und etwas aufdringlichen ehemaligen Klienten ist eine wahre Pein für Bascombe. Doch mit einer gewissen Nonchalance und einigen aufmunternden Allgemeinplätzen übersteht Bascombe dieses für ihn so unangenehme Gespräch.

Zu Hause angekommen erwartet ihn sogleich die nächste Überraschung. Eine ältere Afro-Amerikanerin, die früher in seinem Haus gewohnt hat, möchte ihr ehemaliges Wohnhaus besichtigen. Bascombe willigt ein, wird aber dann zum Ohrenzeugen einer grausamen Beichte. Er erfährt, dass in seinem Haus einstmals zwei Menschen ermordet wurden. Durch rhetorisches Geschick und seinen stoischen Gleichmut, meistert Bascombe auch diese brenzlige Situation.

Doch es kommt noch dicker, seine kranke Ex-Frau, die wieder in seine Nähe gezogen ist, möchte sich mit ihm treffen.  Frank trifft sich mit ihr, und wird dadurch abermals mit den persönlichen Dramen seines Lebens konfrontiert. Er muss sich bittere Vorwürfe wegen seines vermeintlich schlechten Charakters anhören, kann sich aber auch aus dieser Situation befreien. Schließlich gibt es jedoch kein Entkommen mehr. Ein todkranker ehemaliger Freund meldet sich und auf dem Sterbebett macht er Bascombe ein Geständnis, was seine Sicht auf seine Familie für immer verändern wird.

Bewertung:

Richard Ford schreibt präzise, schnörkellos und humorvoll. Schwere Themen werden von ihm mit einer bewundernswerten Leichtigkeit beschrieben. Ihm gelingt das Kunststück, dem bei näherem Hinsehen nichts besonders netten, weil eher egoistischen und oberflächlichen Frank Bascombe sympathisch darzustellen. Sein wunderbar unaufgeregter und ironischer Schreibstil und die Verknüpfung von persönlichen Schicksalen mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen machen das Buch zu einem wahren Lesevergnügen: 5 Sterne.

  

 

 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Später Ruhm

Arthur Schnitzler , Wilhelm Hemecker , David Österle
E-Buch Text
Erschienen bei Paul Zsolnay Verlag, 09.05.2014
ISBN 9783552057081
Genre: Romane

Rezension:

Begeisterung nennt sich die Gruppe junger Wiener Künstler, die sich Ende des 19. Jahrhunderts regelmäßig in einem Wiener Kaffeehaus trifft. Doch trotz aller Begeisterung der Künstler für ihr jeweiliges Metier (Schauspielerei, Gesang, Dichtung,...) mag den Mitgliedern der Gruppe der künstlerische Durchbruch nicht gelingen. Eines Tages fällt ihnen der Gedichtband "Wanderungen" von Eduard Saxberger in die Hände. Sie sind begeistert und beschließen den inzwischen greisen und in Wien lebenden Saxberger zu besuchen und als Gast in ihre Gruppe einzuladen. Der alte Saxberger, der der Schriftstellerei seit Jahrzehnten abgeschworen hat und einen gewöhnlichen Bürojob ausübt, ist über den Besuch sehr erfreut. Er kommt fortan regelmäßig zu den Treffen und genießt die Anerkennung
und den Respekt der jungen Leute. Als jedoch ein Veranstaltungsabend angesetzt wird, bei dem die Künstler eine
Kostprobe ihres Könnens geben sollen, stellt Saxberger fest, dass er nicht mehr dichten kann und die vielen Jahre als Beamter seine Kreativität zerstört haben. Er trägt schließlich ein altes Gedicht vor und sein Auftritt und alle anderen  Auftritte des Abends werden in der Presse verrissen. Die Künstler sind wütend und enttäuscht und Saxberger macht eine Entdeckung über die jungen Künstler
und seinen Gedichtband, die seine Sicht auf die Welt für immer verändert.

Bewertung:
Die Sprache dieser Novelle ist sehr bildhaft und anschaulich, aber trotzdem nicht zu kitschig oder zu weitschweifend. Die Gedankenwelt
des alten Saxberger wird sehr glaubhaft geschildert und die beschriebenen Themen sind von zeitloser Bedeutung. Dem jungen, damals noch weitgehend unbekannten, Arthur Schnitzler gelingt
es sehr gut, das Problem der Entscheidung zwischen einem bürgerlichen, eventuell langweiligen aber gesicherten Leben und einem abwechslungsreichen Leben als Künstler zu verdeutlichen.
Die menschlichen Eigenheiten der einzelnen Protagonisten werden sehr kunstvoll und mit feiner Ironie herausgearbeitet.
Diese Novelle ist sowohl sprachlich als auch inhaltlich sehr gut gelungen und bekommt deshalb von mir 5 Sterne.



 
    

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

abenteuer, klassiker, buch, seefahrer, abenteuerroman

Der Seewolf

Jack London , Don-Oliver Matthies
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei cbj, 09.11.2010
ISBN 9783570222096
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nicht nur die rohe Kartoffel, die in der berühmtesten Szene des Buches von den kräftigen Händen des brutalen und rücksichtslosen
Kapitäns Wolf Larsen zerquetsch wird, hat es schwer auch die übrigen Besatzungsmitglieder des Robbenschoners Ghost leiden unter dem despotischen Kapitän.

Die Ghost ist Richtung Norden unterwegs, als der feingeistige und sensible Intellektuelle Humphrey van Weyden als Schiffbrüchiger an Bord kommt. Van Weyden wird von Wolf Larsen dazu gezwungen auf dem Schiff zu arbeiten und muss zunächst als Kajütenjunge niedere Arbeiten verrichten. Die körperliche Arbeit ist für den Schöngeist zunächst sehr hart und ungewöhnlich,doch er gewöhnt sich rasch an den rauen Arbeitsalltag und steigt bald zum Steuermann auf.

Die durch Gewalt und das Recht des Stärkeren bestimmte Atmosphäre ist für dem humanistisch geprägten van Weyden nur schwer erträglich. Der extreme Egoismus und die brutale Rücksichtslosigkeit an Bord sind ihm völlig fremd. Doch eines Tages gerät die schöne Maud Brewster als Schiffbrüchige auf die Ghost und van Weyden beginnt schnell Gefühle für die kluge und sensible Frau zu entwickeln. Die beiden ergreifen auf einem Beiboot die Flucht und stranden nach wochenlanger Odyssee auf einer einsamen Insel. Dort
leben sie einige Wochen, bis sie am Strand die auf Grund gelaufene Ghost entdecken. Schließlich kommt es zum finalen Duell zwischen Humphrey van Weyden und Wolf Larsen.

Bewertung:
Das Buch enthält einige sehr interessante Passagen. Die philosophischen Diskussionen zwischen van Weyden und Wolf Larsen sind außerordentlich lesenswert und auch die Betrachtungen über die gruppendynamischen Prozesse an Bord der Ghost sind
sehr gut beschrieben. Elemente von Nietzsche, Darwin und Marx sind an mehreren Stellen deutlich zu erkennen und beweisen
die erstaunliche Vielseitigkeit und den geistigen Horizont des in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen Jack London.

Es gibt allerdings auch etliche Mängel. Die Sprache wirkt mitunter etwas hölzern und ungelenk und auf einigen Seiten werden für die Handlung eher nebensächliche Vorkommnisse in epischer Breite beschrieben. Etliche Abschnitte sind für Landratten kaum verständlich, weil sie voll von nautischen Fachausdrücken sind. Die Brutalität der Handlung ist oft nur schwer ertragbar, obwohl diese Stellen meist nicht so ausführlich beschrieben werden.
Die Liebesszenen sind sehr kitschig und ungeschickt dargestellt. Der Wert der körperlichen Arbeit wird stark idealisiert und glorifiziert, was wohl an der sozialistischen Prägung des Autors liegt. Sehr störend ist auch das vom Aussehen auf den Charakter der Menschen geschlossen wird, die feigen und hinterlistigen sind hässlich und die mutigen und ehrlichen Menschen sind gutaussehend. Diese holzschnittartige Charakterzeichnung ist vollkommen unrealistisch und oberflächlich.

Inhaltlich und von der Spannung ist das Buch trotzdem gut gelungen. Die philosophische Frage, ob man in einer inhumanen und brutalen Umgebung seine moralischen Werte behalten und trotzdem überleben kann, ist zeitlos und wird durchaus nachvollziehbar beantwortet. Wegen der oben erwähnten Mängel vergebe ich für dieses interessante Buch nur 3 Sterne.

 

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

tod, russland, klassiker, russische literatur, realismus

Herr und Knecht

Leo Tolstoi , Hermann Röhl , Leo Tolstoi
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Anaconda Verlag, 31.07.2011
ISBN 9783866477162
Genre: Romane

Rezension:

Brechunow ist ein erfolgreicher Geschäftsmann: er kann sich gut darstellen, er kann gut verhandeln und er kann aus jeder Angelegenheit finanziellen Profit schlagen. Im tiefsten russischen Winter muss dieser Brechunow nun eines Tages geschäftlich mit dem Pferdeschlitten zu einem anderen Kaufmann fahren. Alle Angestellten sind an diesem Wintertag betrunken, einzig sein treuer Diener Nikita ist noch einigermaßen nüchtern. Nikita macht sich dann auch mit Brechunow auf den beschwerlichen Weg. Im Schneesturm ist es aber nahezu unmöglich den Weg durch die gleichförmige russische Landschaft zu finden und sie fahren auch mehrfach im Kreis, bevor sie schließlich in einem Dorf einkehren können. Nach der Pause beschließt Brechunow weiterzufahren, obwohl ihn die Dorfbewohner von der Weiterfahrt abraten. Doch Brechunow ist davon überzeugt, auch diese Gefahr meistern zu können, aber er täuscht sich, in der Dunkelheit bleiben die Beiden schließlich im Schnee stecken und müssen ihre Fahrt unterbrechen. Sie sind dazu gezwungen in der bitterkalten Schneelandschaft zu übernachten und sich mit Decken vor dem Erfrieren zu schützen. Brechunow denkt voller Stolz an sein bisheriges Leben und an das Geld, das er angehäuft hat. Seine Frau und seinen Knecht verachtet er aus tiefstem Herzen, weil sie unfähig sind Geschäfte zu machen. Die Kälte wird immer unerträglicher und der Gedanke ans Überleben in dieser eiskalten Nacht verdrängt alle anderen Gedanken. Sein Knecht Nikita und das arme Pferd liegen zitternd und dem Erfrieren nahe neben ihm und Brechunow fasst schließlich einen folgenschweren Entschluss, der sein Bild in der Öffentlichkeit für immer dramatisch verändern wird.

Diese klassische Erzählung ist zu keinem Zeitpunkt langweilig oder schwer zu lesen. Die Sprache ist sehr nüchtern und präzise und die Spannung baut sich sukzessive auf. Der realistische Erzählstil ist außerordentlich gelungen und die Landschaftsbeschreibungen sind ebenso wie die Charakterbeschreibungen hervorragend formuliert. Das Verhalten von Menschen in Extremsituationen wird in dieser Erzählung sehr geschickt und spannend beschrieben. Die Handlung kann auch auf die heutige Zeit übertragen werden, daher hat dieses Buch nichts von seiner Faszination eingebüßt. Das Ende der Erzählung ist sehr überraschend und eindrucksvoll, deshalb vergebe ich 5 Sterne für diesen Klassiker der russischen Erzählkunst.

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33 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

roman, sinn, tod, leben, frankreich

Der glückliche Tod

Albert Camus
Flexibler Einband
Erschienen bei Rowohlt TB., 01.08.1997
ISBN 9783499151521
Genre: Romane

Rezension:

Mersault führt ein langweiliges Leben. Seine Arbeit und sein Privatleben sind exakt durchorganisiert und jeder Wochentag folgt einem streng festgelegten Schema. Seine einzige Leidenschaft ist seine hübsche und temperamentvolle Freundin. Eines Tage begegnet er im Kino einem ehemaligen Liebhaber seiner Freundin und beginnt vor Eifersucht zu rasen und verlangt in seinem Wahn eine Liste aller ehemaligen Freunde seiner Freundin. Er bekommt schließlich diese Liste und findet auf dieser Liste auch den beinamputierten Zagreus und lernt diesen näher kennen. Bei einem seiner Besuche bei Zagreus entdeckt er eine Pistole bei Zaugreus, die Zagreus für den Fall bereithält, das er sein eigenes Leiden nicht mehr aushält. Einige Tage später steht Mersault plötzlich mit der Pistole in der Hand in Zagreus Wohnung und fasst einen folgenreichen Entschluss.

In der zweiten Erzählung dieses Buches reist Mersault ziellos und rastlos durch Europa und nimmt die Geräusche und Düfte dieser Reise besonders intensiv wahr. Plötzlich sieht er seine Existenz glasklar und fährt nach Algier zurück, um dort fortan in einer Wohngemeinschaft zu leben. Doch das Luxusleben ödet ihn schließlich an und er flüchtet in die Berge. Während einer Wanderung erleidet er einen Herzinfarkt und lässt im Angesicht des Todes sein eigenes Leben Revue passieren.

Camus kann spannende Geschichte in leicht verständlicher Sprache erzählen und dabei die Grundgedanken seiner existenzialistischen Philosophie verdeutlichen. Die Naturbeschreibungen sind besonders eindrucksvoll und als Metapher für den Gemütszustand der handelnden Personen zu verstehen. Der Mensch ist laut Camus dazu verpflichtet, die Sinnlosigkeit der eigenen Existenz zu ertragen (Mythos von Sysiphos) und zu versuchen sein eigenes und das Leben seiner Mitmenschen zu verbessern (Revolte). 5 Sterne für dieses spannende, sprachlich gelungene und philosophisch sehr interessante Buch.

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

fischer, familie, perlenfischer, geschichte, bettler

Die Perle

John Steinbeck , Felix Horst
Flexibler Einband: 96 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.1987
ISBN 9783423106900
Genre: Romane

Rezension:

Coyotito, der kleine Sohn von Juana und Keno, dem Fischer, wird eines Tages von einem Skorpion gebissen. Der Indianerjunge hat furchtbare Schmerzen und eine gewaltige Entzündung an der Schulter. Seine Eltern bringen ihn unverzüglich zu einem Arzt, doch der weigert sich den kleinen Indio zu behandeln, weil seine Eltern den Arzt nicht bezahlen können. Keno gerät in furchtbare Wut und beschließt nach Austern zu fischen, um eine große Perle finden. Schon bald hat er Glück und findet eine Auster mit der größten Perle der Welt. In Gedanken beginnt er sich auszumalen, wie sich sein Leben durch diesen plötzlichen Reichtum verändern würde, doch zunächst verändert sich nur das Verhalten seiner Mitmenschen. „Die Melodie des Bösen“ ist plötzlich allgegenwärtig: Neid, Unehrlichkeit und Schmeicheleien nehmen schnell zu. Er geht zu den Perlenkäufern in die Stadt, doch diese haben sich vorher abgesprochen, und bieten nur sehr wenig für diese sehr wertvolle Perle.  Keno möchte sich schließlich in die Hauptstadt aufmachen, um dort die Perle in Eigenregie zu verkaufen und den Gewinn zu erzielen, den er sich erhofft. Doch dann wird es Nacht, ein Mensch wird getötet und nichts ist mehr so wie es einmal war. Keno und seine Familie geraten in Gefahr und müssen darum fürchten, das wertvollste im Leben zu verlieren.

Bewertung: Das Buch ist sehr einfacher und klarer Sprache geschrieben und sehr gut zu lesen. Die zahlreichen bildhaften Metaphern tragen entscheidend zur Lebendigkeit der Erzählung bei. Der Sprachstil ist zunächst ruhig, wird dann aber immer hektischer und passt sich somit der immer dramatischer werdenden Handlung an. Die Kongruenz von Inhalt und Handlung ist genial umgesetzt worden und einige Sätze sind geradezu philosophisch („denn das Streben nach mehr ist eine der größten Gaben des Menschen, die ihn über das Tier emporgehoben haben, das sich mit dem, was es hat, zufriedengibt.“ ). Steinbecks Gleichnis von der Wirkung des Reichtums auf die Menschen zählt zu den frühen Meisterwerken der amerikanischen Erzählkunst und hat somit 5 Sterne verdient.

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56 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

koreakrieg, usa, judentum, college, olivia

Empörung

Philip Roth , Werner Schmitz , any.way
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.11.2010
ISBN 9783499254963
Genre: Romane

Rezension:

Marcus Messner ist ein wahrer Musterknabe: fleißig, ehrlich und intelligent.Bei seinem Vater lernt er das Metzgerhandwerk in einer koscheren Fleischerei und fängt danach ein Studium an, ohne zu Hause auszuziehen. Die Liebe seines Vaters und dessen Kontrollwahn beginnen den jungen Mann zu erdrücken und er beschließt aus der Nähe von New Jersey ins beschauliche Winesburg in Ohio zu ziehen. 1951 ist der Koreakrieg im vollen Gange und die Uni in Ohio ist sehr konservativ und streng reglementiert. Marcus gerät zweimal hintereinander mit seinen jeweiligen Mitbewohnern aneinander und wohnt schließlich nach wenigen Monaten alleine in einem winzigen Zimmer. Der Studentenbetreuer der Uni bittet ihn zu einem Gespräch und Marcus kann sich nicht beherrschen und fängt einen Streit mit ihm an. Der Atheist Marcus kann seine ablehnende antireligiöse Haltung auch gegenüber seinem streng gläubigen Studentenbetreuer nicht verbergen. Er verliebt sich schließlich in die junge Olivia, die trotz ihrer Jugend bereits einen Selbstmordversuch und einen Alkoholentzug hinter sich hat. Als seine Mutter ihn besucht und die Narbe am Arm seiner Freundin bemerkt, fleht sie Marcus an ,sich in Zukunft von Olivia fernzuhalten. Doch dann ist Olivia verschwunden und Marcus hält die wöchentlichen Pflichtgottesdienste nicht mehr aus und beschließt einen Vertreter zu bezahlen, der für ihn zum Gottesdienst geht und für ihn in der Anwesenheitsliste unterschreibt. Doch der Schwindel fliegt auf und plötzlich ist auch der Krieg im fernen Korea ganz nah und Marcus steht vor existenziellen Schwierigkeiten.


Bewertung:

Durch die knappe und präzise Sprache ist dieses Buch sehr leicht zu lesen. Jeder Satz ist möglichst einfach, aber gleichzeitig möglichst genau formuliert. Roth beherrscht die Kunst Bücher mit komplexen Themen, gesellschaftskritischem Anspruch und philosophischen Gedanken, so zu schreiben, dass sie sehr gut zu lesen sind. Das Buch ist spannend, witzig und traurig zugleich. Die erdrückende Spießigkeit der amerikanischen Provinz der fünfziger Jahre wird geradezu spürbar. Der verzweifelte Kampf des jungen Idealisten gegen das konservative Kleinbürgertum ist zeitlos und kann auch auf die heutige Gesellschaft übertragen werden. Das persönliche Schicksal des jungen Marcus verbindet sich auf geniale Weise mit der Zeitgeschichte: 5 Sterne.

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Tags: college, koreakrieg, usa   (3)
 

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

amerikanische literatur, william faulkner, faulkner, wilde palmen und der strom, hochwasser

Wilde Palmen und Der Strom

William Faulkner
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes, 01.02.1998
ISBN 9783257209884
Genre: Klassiker

Rezension:

Der mächtige Strom fließt jeden Tag direkt an den Sträflingen vorbei. Sie können sein Rauschen hören und von der Freiheit der Menschen, die auf den Schiffen fahren, träumen. Eines Tages tritt dieser mächtige Strom über seine Ufer und verursacht ein gewaltiges Hochwasser. Ganze Ortschaften sind überschwemmt und die Sträflinge werden in hölzerne Ruderboote gesetzt, um bei der Rettung der Menschen, die sich auf die Dächer oder auf die Bäume gerettet haben, mitzuhelfen. So sitzt der Sträfling nun auf einem kümmerlichen Boot und soll helfen, mehrere Menschen zu retten. Doch das Boot kentert in der gewaltigen Strömung - der Sträfling kann sich retten und an sein Boot klammern, plötzlich ist er weit entfernt von seinen Aufsehern und befindet sich in Freiheit. Er rudert ziellos umher, bis er eine hilflose schwangere Frau auf einem Baum entdeckt und auf seinem Boot mitnimmt. Fortan beginnt eine Irrfahrt durch das Überschwemmungsgebiet, weil die großen Schiffe sich weigern, ihn, den wegen seiner Sträflingskleidung stigmatisierten Häftling, aufzunehmen. Das Kind der Frau kommt zur Welt und der wortkarge und scheinbar gefühllose Sträfling findet Gefallen an der Frau und dem kleinen Baby. Doch durch die langjährige Gefangenschaft ist er es nicht mehr gewohnt mit Frauen umzugehen und auch seine Freiheit beginnt ihn langsam zu überfordern. Er fasst einen ebenso folgenschweren wie überraschenden Entschluss.

Bewertung:

Das Thema des Buches ist sehr spannend und originell. Leider sind die Sätze zumeist sehr lang und teilweise auch unverständlich. Schon der zweite Satz geht über fast zwei Seiten, was die Lesbarkeit des Buches sehr erschwert. Inhaltlich ist das Buch sehr gelungen, nur die Sprache ist etwas zu kompliziert, deshalb vergebe ich nur 3 Sterne.

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Tags: faulkner, hochwasser, usa   (3)
 

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

erzählungen, existentialismus, sartre, existenzialismus, kurzgeschichten

Die Kindheit eines Chefs

Jean-Paul Sartre , Uli Aumüller (Übersetzung) ,
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 03.04.1985
ISBN 9783499155178
Genre: Romane

Rezension:

Der kleine Lucien hat wunderschöne blonde Locken und wird als kleines Kind oft für ein Mädchen gehalten. Alle Verwandten und Bekannten hätscheln und verwöhnen ihn. Doch schon bald entwickelt der kleine Knirps manipulative Züge und lernt von seinem Vater, einem Fabrikanten, was Macht und Ansehen bedeuten - schließlich ziehen beim Spaziergang im Park alle Arbeiter vor seinem Vater den Hut und verbeugen sich. Lucien wird älter und macht sich zusehends Gedanken über die menschliche Existenz, durch diese Grübelei wir er immer verwirrter. Er lernt den Existenzialisten Bergere kennen und ist fasziniert von dessen dekadentem Lebensstil und seinen oft schockierenden Gedanken. Zwischen den beiden Männer beginnt eine Affäre und Lucien ist geschockt über sein eigenes Verhalten. Bergere verschwindet aber nach einiger Zeit aus seinem Leben und Lucien wendet sich mehr seiner Familie zu und hat Liebesbeziehungen zu Frauen. Er gerät in eine konservative und nationalistische Gruppe mit ausgeprägtem Elitedenken, die sich hauptsächlich durch die Abgrenzung gegen andere definiert. Die Gruppe lehnt alles ab, was nicht französisch oder christlich ist und behandelt die einfachen Arbeiter mit kaum verhohlener Geringschätzung. Lucien gewinnt an Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, weil ihm andere plötzlich mehr Respekt entgegenbringen. Er scheint bereit zu sein, ein Chef zu werden.

Bewertung:

Sartres Menschenbild ist pessimistisch: nur durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe mit fragwürdigen Idealen gewinnt der junge Lucien an Selbstbewusstsein. Dieses Selbstbewusstsein kommt aber nicht von innen, sondern rührt nur aus der Mitgliedschaft in der Gruppe und seiner vererbten Chefposition. Die anderen respektieren und fürchten ihn, also wird er selbstbewusster. Ob die Ideale der Gruppe menschlich vertretbar sind oder die Chefposition erarbeitet oder vererbt ist, spielt keine Rolle. Er wird nicht wegen seinen Fähigkeiten als Mensch, sondern nur wegen seiner Machtposition respektiert. Das Buch ist sehr leicht zu lesen. Sartre schreibt in einer einfachen und leicht verständlichen Sprache. Die Grundzüge des Existenzialismus werden deutlich und die Beschreibungen des Seelenzustandes der Hauptfigur sind sehr eindringlich und leicht nachvollziehbar: 5 Sterne

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Tags: existenzialismus, frankreich, sartre   (3)
 

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

frankreich

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

André Gide
Fester Einband: 63 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp
ISBN 9783518015919
Genre: Fantasy

Rezension:

Der verlorene Sohn hat einst seine Familie verlassen und kehrt nun reumütig zurück. Er ist völlig verarmt und hat nur noch Lumpen am Körper. Seinen Vater, seine Mutter und seine beiden Brüder interessiert aber nur eine Frage: Warum hat er die Familie verlassen, obwohl er doch allen Luxus von der Familie bekommen hat? Er hat sich von Beeren und Früchten ernährt und bittere Armut erfahren, ist aber trotzdem jahrelang nicht nach Hause zurückgekehrt. Die Normalität und Gleichförmigkeit des Alltags mit materieller Sicherheit haben ihn stärker abgeschreckt, als Hunger und Armut in der vermeintlichen oder tatsächlichen Freiheit. Jedes Familienmitglied hat eine eigene Interpretation der Geschehnisse und der verlorene Sohn versucht in Einzelgesprächen, die Sache zu klären. Durch die verschiedenen Blickwinkel und Ansichten, die in den Gesprächen zutage treten, wird es dem Leser ermöglicht, sich sein eigenes Urteil zu bilden. Schließlich kommt es zum Gespräch mit seinem jüngeren Bruder. Dieser Bruder verspürt einen ähnlichen Freiheitsdrang wie der verlorene Sohn und es kommt zu einer heftigen Diskussion zwischen den Beiden, die ein unerwartetes Ende findet.


Bewertung:

Die Erzählung ist inhaltlich gut gelungen, die Idee eine Situation durch Gespräche aller Beteiligten zu ergründen und dadurch eine komplexe Wahrheit entstehen zu lassen ist sehr interessant. Leider ist die Sprache der Erzählung etwas kompliziert und die Dialoge wirken sehr altmodisch und hölzern: 3 Sterne.

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Tags: frankreich   (1)
 

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53 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

russland, st. petersburg, erzählungen, russische literatur, absurd

Der Mantel. Die Nase.

Nikolai W. Gogol , ,
Flexibler Einband: 90 Seiten
Erschienen bei Reclam, Philipp, 01.01.1997
ISBN 9783150017449
Genre: Klassiker

Rezension:

Der Mantel

Der Beamte Baschmatschkin ist sehr fleißig und lässt sich durch nichts von seiner Arbeit abbringen. Jegliche Einflüsse von außen werden komplett ignoriert und er bearbeitet maschinenhaft seine Schriftstücke. Es bereitet ihm großes Vergnügen, nach Feierabend noch ein Schriftstück abzuschreiben. Doch die Monotonie endet abrupt. Sein Mantel ist kaputt und kann nicht mehr geflickt werden, er muss für 80 Rubel einen neuen Mantel kaufen, um es im kalten Petersburger Winter auszuhalten. Dafür muss er eisern sparen, um seine Schuhsohlen nicht abzunutzen trainiert er sich eine bestimmte Gehtechnik an, das Licht wird nur noch in Ausnahmefällen angeschaltet und auf jegliche Vergnügungen wird verzichtet. Schließlich hat er das Geld für den Mantel beisammen und kauft sich einen neuen Mantel, den er fortan mit großem Stolz trägt. Eines Nachts wird er ihm der neue Mantel gestohlen und er beschließt, sich bei einer „bedeutenden Persönlichkeit“ zu beschweren und den Diebstahl zu melden. Doch er wird nicht ernst genommen und nur angeschrien und gedemütigt. Doch Baschmatschkins Rache ist furchtbar.

Die Nase

Eines Morgen beim gemütlichen Frühstück findet der Barbier Iwan eine abgeschnittene Nase in seinem Brotlaib. Er gerät in Panik, weil er diese Nase eindeutig seinem Kunden, dem Major Kowaljow, zuordnen kann. Er versucht die Nase zu entsorgen, wird dabei aber immer wieder gestört. Schließlich schmeißt er die Nase kurzerhand von einer Brücke in einen Fluss. Wird dabei aber von einem Polizisten beobachtet und zur Rede gestellt. Major Kowaljow hat unterdessen den Verlust seiner Nase bemerkt und versucht diesen körperlichen Mangel durch ein Tuch zu verbergen. Kowaljow geht in die Kirche, wo er eine erstaunliche Entdeckung macht: ein Staatsrat hat seine Nase im Gesicht. Er meldet den Diebstahl schließlich bei der Polizei und plötzlich taucht der Polizist auf der beobachtet hat, wie Iwan die Nase von der Brücke geworfen hat. Schließlich überreicht der Polizist Kowaljow ein ganz besonderes Geschenk.


Bewertung:

Die Geschichten werden von einem allwissenden Erzähler berichtet, der sich auch einige Male direkt an den Leser wendet. Realistische und irreale Teile werden geschickt miteinander verwoben. Die Geschichte „Der Mantel“ hat mir deutlich besser gefallen, besonders die Schilderung des kargen Lebens der Hauptfigur ist sehr eindrucksvoll. „Die Nase“ ist leider etwas langatmig und nicht ganz so spannend. Trotzdem ein gutes Buch mit zwei sehr ungewöhnlichen Novellen: 4 Sterne

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Tags: klassische novellen, nikolai w gogol, russland, st. petersburg   (4)
 

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(6)

13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

humor, krimi, kopenhagen, klassiker, verwechslungskomödie

Die verschwundene Miniatur

Erich Kästner
Buch: 254 Seiten
Erschienen bei Atrium Zürich, 01.03.2009
ISBN 9783855359844
Genre: Romane

Rezension:

Fleischermeister Külz ist sein bisheriges Leben plötzlich Wurst und er beschließt nach Kopenhagen zu fahren.
Der ältere Herr aus Berlin hat vor seinen spontanem Ausflug niemandem Bescheid gesagt und hat zunächst etwas schlechtes Gewissen.
Das legt sich jedoch schnell, als er das bezaubernde Fräulein Trübner erblickt. Die junge Dame muss für ihren Chef eine kostbare Miniatur
nach Berlin schaffen und bittet Külz um Hilfe. Dieser, ganz Kavalier der alten Schule, willigt sofort ein. Plötzlich taucht ein gewisser Herr Struve auf,
der sich den beiden anschließt und dem Fräulein Trübner Avancen macht. Nun ist die Gruppe zu dritt unterwegs und einige Gauner heften sich an ihre Fersen.
Fräulein Trübner hat die echte Miniatur in ihrer Tasche, während die Ganoven nur die Fälschung erbeuten konnten. Eines Abends nehmen Herr Struve, Herr Külz und Fräulein Trübner an einem geselligen Tanzabend in einem Hotel an der Ostsee teil, als plötzlich das Licht ausgeht. Als es wieder hell wird kommt der Schreck - die echte Miniatur und der falsche Herr Struve, der in Wahrheit anders heißt, sind weg. Herr Külz, Fräulein Trübner, die Polizei und etliche Gauner verfolgen nun den falschen Herrn Struve, um
die echte Miniatur zu bekommen. Ein spannendes Verwirrspiel beginnt, welches schließlich in einem unerwarteten Finale mündet.

Bewertung:
Kästner merkt man die Freude am Schreiben und Formulieren deutlich an. Er sprüht geradezu vor Einfallsreichtum und glänzt mit Wortwitz und feiner Ironie. Das Buch ist keine tiefschürfende Analyse des gesellschaftspolitischen Zustandes der Weimarer Republik, sondern ein leichter und sehr gut geschriebener Unterhaltungsroman:
5 Sterne.

  (106)
Tags: humor   (1)
 

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russland, klassiker, klassik, russische literatur

Der Postmeister

Alexander Puschkin , ,
Flexibler Einband
Erschienen bei Reclam, Philipp, 01.01.1997
ISBN 9783150074688
Genre: Romane

Rezension:

Der Postmeister hat die Aufgabe, sich um die mit der Postkutsche reisenden Menschen zu kümmern. Er hört sich ihre Sorgen und Nöte an, versorgt sie mit Essen und Trinken, stellt Pferde zur Verfügung und muss sie vertrösten, falls im Moment keine Pferde mehr da sind. Der Postmeister hat eine junge, hübsche Tochter Dunja, die durch ihren Charme und ihr Aussehen schon so manchem Reisenden den Aufenthalt in der Poststation versüßt hat. Einige bleiben gar länger als unbedingt nötig, um mit Dunja ins Gespräch zu kommen. Eines Tages kommt ein junger Husar in die Poststation, der vorgibt krank zu sein, und wird einige Tage von Dunja liebevoll versorgt. Die junge Frau findet Gefallen an ihm und der Vater erlaubt dem Husaren Dunja zu nächsten Kirche zu kutschieren. Von dieser Fahrt kehrt Dunja allerdings nie zurück und lebt stattdessen fortan mit dem Husaren in der Stadt. Der liebende Vater ist verzweifelt und versucht seine Tochter zurückzugewinnen.


Bewertung:

Der realistische und nüchterne Erzählstil mit kurzen, knappen Sätzen steht im Gegensatz zu den dramatischen Geschehnissen. Durch die Reduktion auf das Wesentliche steht die Handlung im Vordergrund – Landschaftsbeschreibungen oder sonstige Abschweifungen kommen praktisch nicht vor. Diese 1831 entstandene Erzählung ist leicht zu lesen und wirkt durch die einfache Sprache erstaunlich modern: 5 Sterne

  (92)
Tags: klassiker, russland   (2)
 

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argentinien, armut, kindheit, lateinamerika; südamerika

Der Ursprung der Traurigkeit

Pablo Ramos , Susanna Mende
Flexibler Einband: 178 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 01.10.2007
ISBN 9783518459119
Genre: Romane

Rezension:

Der Jugendliche Gabriel wächst in einem Vorort von Buenos Aires in ärmlichen Verhältnissen auf. Das Leben dort ist hart und das Geld ist knapp. Doch er hat echte Freunde, die ihm zur Seite stehen und ihn unterstützen. Rolando, der Friedhofswärter, der ihn in die Geheimnisse des Friedhofs einweiht oder Fernando, der Künstler, der ihm das kostbarste schenkt, was er je bekommen hat – ein Buch mit wunderschönen Geschichten und Zeichnungen. Und natürlich seine Clique mit deren Mitglieder er allerhand Unfug anstellen kann, um der Trostlosigkeit des Alltags zu entfliehen. Er schwärmt für Andrea C., die er leicht bekleidet auf einem Poster in der väterlichen Werkstatt bewundern kann und ist heimlich in die hübsche Marisa aus der Nachbarschaft verliebt. Trost findet die Clique beim Fußball spielen oder Fußball gucken, wobei das Geld nicht dazu reicht einen Eintrittskarte zu kaufen und der Lieblingsverein von einem Hügel außerhalb des Stadions angefeuert werden muss. Sein älteren Bruder hat zwar Mut, nervt aber manchmal fürchterlich und seine einjährige Schwester brabbelt unaufhörlich vor sich hin. Gestohlener Wein kann die oft tristen Tagen etwas erträglicher gestalten, leider muss der Vater seine geliebte Werkstatt schließen und eines Tages findet Gabriel seine depressive bewusstlos Mutter in ihrem Zimmer. Langsam dämmert es ihm, dass seine Kindheit vorüber ist und er sich dem Ernst des Lebens stellen muss.


Bewertung:

Das Buch ist in einer einfachen und oft sehr bildhaften Sprache verfasst. Die Gedanken und Gefühle des jugendlichen „Helden“ werden absolut glaubhaft und anschaulich beschrieben. Der Leser erhält einen realistischen Einblick in die Lebenswirklichkeit der argentinischen Metropole Buenos Aires. Trotz der oft hoffnungslosen Lebensumstände versuchen die Menschen ihr Schicksal mit Humor und Lebensfreude zu meistern: 5 Sterne.

  (88)
Tags: argentinien, lateinamerika; südamerika   (2)
 

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tod, schmerzen, tolstoi, sterben, krankheit

Der Tod des Iwan Iljitsch

Leo N. Tolstoi , Julie Goldbaum
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Anaconda Verlag, 01.01.2008
ISBN 9783866472433
Genre: Klassiker

Rezension:

Iwan Iljitsch ist ein beruflich erfolgreicher Mann, aus gutem Hause stammend, hat er in der juristischen Verwaltung Russlands schnell Karriere gemacht. Seine Ehe verläuft dagegen eher suboptimal und ist von den Wutanfällen seiner keifenden Frau geprägt, Die Kinder machen ihm allerdings wenig Kummer und sind alle brav und strebsam. Er genießt hohes Ansehen und ist auf den Feierlichkeiten der besseren Gesellschaft gern gesehen. Schließlich bekommt er nach seinem Amt als Untersuchungsrichter eine noch besser dotierte Stellung im Ministerium und kann sich seine Wohnung so prunkvoll einrichten, dass seine Verwandten ihn  für seinen Besitz bewundern können.
Eines Tages bekommt er einen Schreck – auf seiner Gardine befindet sich ein furchtbarer Fleck.  Iljitsch kann ihn beseitigen.

Doch bald danach hat er plötzlich richtige Sorgen. Er hat einen schlechten Geschmack im Mund und Schmerzen in der Magengegend und selbst zahlreiche Arztbesuche können sein Leiden nicht lindern. Seine Frau hält ihn für einen Simulanten und viele andere möchten mit seiner Krankheit nicht belästigt werden. Er fühlt den eigenen Tod immer näher kommen. Und die Heuchelei der Menschen in seiner Umgebung, die so tun als wenn er wieder gesund werden könnte, ist für ihn nur schwer erträglich. Von Schmerzen geplagt, denkt er an die glücklichen Momente seines Lebens, die allesamt in seiner Kindheit liegen. Verbittert muss er feststellen, dass in seinem Leben lediglich sein Einkommen, aber nicht sein Glücksgefühl gestiegen ist. Die Schmerzen werden immer stärker und der finale Kampf gegen den Tod beginnt.

Bewertung:
Auch wenn es durch einen Werbespot vor Jahren suggeriert wurde, zumindest dieses Buch von Tolstoi ist keine schwere Kost - es ist in einer geradezu spielerisch leichten und angenehm zu lesenden Sprache formuliert. Die Kritik am Lebensstil der russischen Oberschicht ist auf andere Gesellschaften beliebig übertragbar, daher ist diese Buch zeitlos aktuell. Während die klassischen amerikanischen Schriftsteller, wie Hemingway oder Philip Roth, mit kurzen lakonischen Sätzen brillieren, dominieren bei Tolstoi längere Sätze, die allerdings nie gekünstelt oder übertrieben wirken. Die feine Ironie und die hervorragende Menschenkenntnis des Autors machen dieses Buch zu einem besonderem Leseerlebnis: 5 Sterne.

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wien, korruption, klassiker, harry lime, rollo martins

Der dritte Mann

Graham Greene
Fester Einband: 175 Seiten
Erschienen bei Dressler, 01.01.2004
ISBN 9783791536019
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In der turbulenten Nachkriegszeit ist Wien in 4 Besatzungszonen aufgeteilt und der Schwarzmarkt mit Waren aller Art blüht. Rollo Martins, ein als Benjamin Dexter leidlich erfolgreicher Verfasser von Wild-West- Schundromanen, macht sich auf den Weg nach Wien, um seinen Freund Harry Lime zu besuchen. Doch er kommt zu spät und kann nur noch der Beerdigung von Harry Lime beiwohnen. Anschließend erleidet Martins noch einen weiteren Schock, er wird von der Polizei damit konfrontiert, dass sein Freund Harry Lime in dunkle Machenschaften verwickelt war und sein Geld mit dem Handel mit verunreinigten Medikamenten verdient hat. Rollo Martins beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen und bleibt vorerst in Wien, um auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Harry soll nach Augenzeugenberichten von einem Jeep überfahren worden sein, der es nicht mehr geschafft hat, rechtzeitig zu bremsen. Für diesen tragischen Unfall soll es zwei Zeugen geben, ein Herr Koch meint allerdings drei Männer gesehen zu haben. Martins hält Koch für glaubwürdig und beginnt nach dem geheimnisvollen dritten Mann zu forschen. Als Koch allerdings kurze Zeit später ermordet wird, gerät Martins, als sein letzter Besucher in Verdacht etwas mit Kochs Ermordung zu tun zu haben. Rollo Martins irrt fortan durch Wien und möchte die rätselhafte Geschichte endlich aufklären.

Eines Nachts bemerkt er, dass er verfolgt wird. Er kann seinen Verfolger zunächst nicht erkennen, doch plötzlich fällt ein Lichtschein auf das Antlitz seines Verfolgers. Rollo Martins ist wie erstarrt vor Schreck - denn er glaubt seinen vermeintlich toten Freund Harry Lime zu erkennen. Kurze Zeit später ist dieser aber wie vom Erdboden verschluckt. Eine genaue Nachforschung kann das plötzliche Verschwinden rational erklären und Martins muss in einem dramatischen Finale um sein Leben kämpfen.


Bewertung:

Eine spannende Geschichte ohne überflüssige Nebenhandlungen oder Experimente. Die Einblicke in das Wien der Nachkriegszeit sind sehr interessant und gut beschrieben. Der Moralist Graham Greene schreibt sehr nüchtern und es kommt ein pessimistisches Menschenbild zum Vorschein: Menschen handeln, besonders in Extremsituationen, nur eigennützig. An einigen Stellen wirken die Formulierungen etwas umständlich und altbacken, trotzdem ein gutes Buch: 4 Sterne.

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Tags: klassiker, wien   (2)
 

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klassiker, novelle, unfall, freundschaft, buch

Ein fliehendes Pferd

Martin Walser , Helmuth Kiesel , Helmuth Kiesel
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 01.02.2012
ISBN 9783518188354
Genre: Klassiker

Rezension:

Sabine und Helmut leben seit Jahren nur noch zusammen, aber nicht mehr miteinander. Ihre Ehe ist in Ritualen erstarrt und die Kommunikation auf ein Minimum reduziert. Von Zuneigung oder gar Liebe ist nichts mehr zu spüren.

Während eines Urlaubs begegnen sie Klaus Buch und seiner Frau Helene. Helmut und Klaus kennen sich von früher, wobei Klaus erheblich intensivere Erinnerungen an ihre Freundschaft hat.
Die Beziehung von Klaus und Helene wirkt wesentlicher intensiver und leidenschaftlicher als die Beziehung zwischen Sabine und Helmut und dies wird während der zahlreichen Unternehmungen, die die 4 zusammen machen sehr deutlich.

Klaus Buchs zeichnet sich durch besondere Eloquenz und Redseligkeit aus, während Helmut eher apathisch vor sich hindämmert. Helmut, der nach außen hin, den spießigen und korrekten Kleinbürger verkörpert, hat vor nichts mehr Angst, als dass ihn jemand durchschaut und seine totale innere Leere entdeckt. Als es Klaus schließlich gelingt ein fliehendes Pferd zu bändigen, wird er endgültig von den beiden Frauen bewundert und von Helmut gehasst.

Schließlich brechen Klaus und Helmut zu einem gemeinsamen Segeltörn auf, und Klaus beginnt Helmut von seinem Leben vorzuschwärmen. Diese Ausführungen werden durch ein aufziehendes Unwetter jäh unterbrochen, und die beiden vermeintlichen Freunde müssen gemeinsam gegen den Sturm ankämpfen. Helmut erwacht aus seiner Lethargie und der Hass auf den scheinbar glücklichen Klaus kommt zum Vorschein.


Bewertung:
Das monotone Leben von Helmut und Sabine wird in kurzen monotonen Sätzen beschrieben, sind Klaus und Helene in die Handlung involviert werden die Sätze abwechslungsreicher und länger. Somit besteht eine perfekte Kongruenz zwischen Form und Inhalt. Der resignative Helmut und sein früherer Freund, der optimistische Klaus, sind sich doch viel ähnlicher als sie denken. Sie haben nur eine andere Art mit ihrer Verzweiflung umzugehen und sich nach außen zu präsentieren, aber "einem fliehenden Pferd kannst du dich nicht in den Weg stellen." Diese Novelle ist sehr gut geschrieben, hintergründig, spannend und hat ein überraschendes Ende: 5 Sterne.

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Tags: klassiker, novelle, walser   (3)
 

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tiere, klassiker, gesellschaft, dystopie, fabel

Farm der Tiere

George Orwell
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.01.1974
ISBN B0039EEL0O
Genre: Klassiker

Rezension:

Die Tiere auf der Farm von Mr. Jones haben ihr bisheriges, arbeitsreiches und mühsames Leben satt.
Sie verjagen ihren Peiniger Mr.Jones und verwalten und bewirtschaften die Farm fortan in Eigenregie. Die Schweine setzen sich an
die Spitze der Bewegung und besonders die Schweine Napoleon und Schneeball wetteifern um die Führungsposition innerhalb der Bewegung.
Schließlich setzt sich Napoleon durch und Schneeball wird von der Farm verjagt und gilt fortan unter den Tieren der Farm als Verkörperung
des Bösen schlechthin.

Es werden die sogenannten Sieben Gebote erlassen, an die sich jedes Tier in Zukunft zu halten hat.
Demnach ist alles, was auf zwei Beinen geht, ein Feind, soll kein Tier in einem Bett schlafen, Alkohol trinken oder ein anderes Tier töten.
Mit der Zeit werden diese Gebote jedoch nach und nach modifiziert und es erweist sich, dass sich einige Tiere (die Schweine und ihre Helfer die Hunde)
als gleicher erachten und Sonderrechte für sich in Anspruch nehmen.

Geht etwas, wie der Aufbau einer Windmühle, schief
sind stets äußerer Einflüsse oder ein böser Saboteur schuld, nie liegt es an mangelnder Planung oder an dem Versagen
der herrschenden Schweine. Die Schweine schlafen nach einigen Jahren in Betten während die anderen Tiere nach wie vor
auf dem Boden schlafen müssen und einige Schweine trinken auch Alkohol. Zu diesem Zweck werden die Sieben Gebote
nachträglich geändert oder großzügig ausgelegt.
Aus: kein Tier soll in einem Bett schlafen wird kein Tier soll in einem
Bett mit Leinentüchern schlafen oder aus kein Tier soll Alkohol trinken wird kein Tier soll Alkohol im Übermaß trinken.
Die anfängliche Idee der Gleichheit existiert nur noch pro forma denn längst sind die Schweine die herrschende Tierart und die
übrigen Tiere schuften für die Schweine. Schließlich beginnen die Schweine Kontakte zu den vorher verdammten menschlichen Farmbesitzern zu pflegen
und die übrigen Tiere machen eine erstaunliche Entdeckung, als sie die Schweine bei ihrer Zusammenkunft mit den Menschen beobachten.

Bewertung:
Die Funktionsweise einer Diktatur und die Manipulation durch totalitäre Regime werden durch diese Fabel verdeutlicht.
Die Herrschenden nehmen für sich in Anspruch nur das Beste für ihre Untertanen zu wollen, dabei ist ihnen jedes Mittel
der Manipulation und nachträglichen Geschichtsklitterung recht. In letzter Konsequenz gelten die Gebote nur für
die anderen Tiere, die Schweine passen die Gebote ihren Bedürfnissen an. Orwell ist es in dieser berühmten Fabel gelungen,
die Schwächen von autoritären Massenbewegungen zu verdeutlichen.

Es wird so lange und so penetrant etwas Falsches
behauptet, bis es von den Tieren, besonders den Schafen, als richtig erachtet wird. Diese geniale Fabel enthält viele Verhaltensweisen oder
gruppendynamische Prozesse, die dem aufmerksamen Leser sicher auch schon bei seinen Mitmenschen aufgefallen sind.
Dieses leidenschaftliche und genial geschriebene Plädoyer für eine echte Demokratie hat 5 Sterne verdient.

   

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Tags: fabel, farm   (2)
 

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werfel, klassiker, österreich, 1900, ologie

Der Abituriententag

Franz Werfel
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 01.05.2012
ISBN 9783596903931
Genre: Klassiker

Rezension:

Abituriententag 1927 in der österreichischen Provinz: 25 Jahre nach dem Abitur sind die Haare weniger und die Bäuche größer geworden. Fast alle Ehemaligen sind gekommen, einige sind im ­ersten Weltkrieg gefallen, andere waren nicht auffindbar, unter ihnen ein gewisser Franz Adler. Dieser Adler war einst Klassenprimus, bevor er von seinen Mitschülern gedemütigt und gemobbt wurde. Ein Mitschüler, der zum Untersuchungsrichter aufgestiegene Ernst Sebastian, glaubt über den Verbleib Adlers Bescheid zu wissen, schließlich wurde ihm am Vortag ein gewisser Franz Adler als mutmaßlicher Prostituiertenmörder vorgeführt.
Sebastian kommen die alten Geschichten wieder ins Bewusstsein und er beginnt diese zu notieren. Sebastian und seine Freunde, unter ihnen auch Adler, hatten eine wilde Jugend mit Schulschwänzen, Trinkgelagen und spiritischen Anwandlungen verbracht. Schließlich drohte Adler von der Schule zu fliegen. Sebastian schlich sich schlussendlich ins Lehrerzimmer um Adlers Noten im Klassenbuch zu fälschen, während Adler Schmiere stand. Trotzdem wurden die Beiden ertappt.
Aber Sebastian schob die ganze Schuld auf Adler und konnte Adler schließlich dazu überreden, die Stadt vor der über seine Zukunft entscheidenden Sitzung zu verlassen. Adler blieb danach verschollen, bevor Sebastian ihn jetzt wiederzuerkennen glaubt. Sebastian muss nun als Untersuchungsrichter über Franz Adler richten. Doch dieser Franz Adler hat etwas zu sagen, was die ganze Angelegenheit in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

Bewertung:
In dichter, geradezu fieberhafter Sprache geschriebener Klassiker, der zumindest teilweise spannend und unterhaltsam ist, aber an einigen Stellen gewisse Längen aufweist. Der brillante Schluss entschädigt für den etwas langatmigen Mittelteil: 4 Sterne.

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Tags: klassiker, österreich, werfel   (3)
 

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klassiker, robert louis stevenson, london, dr. jekyll und mr. hyde, mr. hyde

Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Robert Louis Stevenson , Michael Adrian
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.09.2010
ISBN 9783596902903
Genre: Klassiker

Rezension:

Der Anwalt Dr. Uterson führt ein geregeltes und eintöniges Leben, bis eines Tages sein langjähriger Freund Dr. Jekyll in seine Kanzlei kommt. Dr. Jekyll gilt bis dahin als Prototyp des rechtschaffenen und anständigen Menschen. Dieser Dr. Jekyll überreicht Uterson nun sein Testament, in dem er verfügt im Falle seines Ablebens sein ganzes Vermögen einem gewissen Mr. Hyde zu vermachen. Dieser Mr. Hyde wiederum hat einen miserablen Leumund und gilt als rücksichtsloser und böser Zeitgenosse, dessen sehr hässliches Gesicht nur sehr selten zu sehen ist, weil er sich vorzugsweise nachts oder in dunklen Gassen herumtreibt. Mr. Hyde  verhält sich stets unhöflich, brutal und egoistisch. Während Dr. Jekyll als höflicher und rücksichtsvoller Mann das genau Gegenteil von ihm repräsentiert. Dr. Uterson ist sehr verwundert, warum der sympathische Dr. Jekyll den Unsympathen Mr. Hyde als seinen Alleinerben einsetzt.
Ein Jahr später wird Sir Danver Carew auf bestialische Weise umgebracht und Mr. Hyde wird von Zeugen eindeutig als Täter identifiziert, kann aber nicht festgenommen werden. Die Nachforschungen der Polizei verlaufen im Sande, weil von Mr. Hyde keinerlei Abbildungen existieren und er keine näheren Angehörigen hat. Dr. Jekyll zeigt seinem Anwalt Dr. Uterson ein Schriftstück, indem Mr. Hyde versichert, dass man sich um ihn keine Sorgen zu machen brauche. Die Handschrift von Mr. Hyde ähnelt der von Dr. Jekyll so stark, dass ein Schriftexperte feststellt, dass dieser Brief von Dr. Jekyll mit verstellter Schrift geschrieben werden musste. Dr. Uterson wird zunehmend verzweifelter. Warum schützt der ehrenwerte Dr. Jekyll den brutalen Mörder Mr. Hyde?
Bewertung:
In jedem Menschen steckt etwas Böses und etwas Gutes, diese beiden Teile der Persönlichkeit stehen in einem ständigen Konflikt. Der Mensch ist keine Einheit, sondern eine Zweiheit, wie es Stevenson ausdrückt. Dieser Klassiker ist leicht zu lesen und spannend geschrieben: 5 Sterne.

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Tags: england, klassiker, stevenson   (3)
 

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klassiker, hermann hesse, harry haller, selbstfindung, depression

Der Steppenwolf

Hermann Hesse
Flexibler Einband: 421 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 18.06.2012
ISBN 9783518463550
Genre: Klassiker

Rezension:

Harry Haller ist ein Steppenwolf, einsam, verzweifelt und mit einem Gefühl der Verlorenheit in einer ihm scheinbar feindlich gesinnten Welt. Der fast fünfzigjährige hat die Wurzeln seiner bürgerlichen Existenz schon lange gekappt: von seiner Frau hat er sich getrennt, einer geregelten beruflichen Tätigkeit geht er nicht nach und aufgrund einiger pazifistischer Äußerungen wird er von der konservativen Presse als vaterlandsloser Geselle verunglimpft. Er lebt in einer winzigen mit Büchern zugestellten Wohnung und eckt durch sein rebellisches Wesen oft an.
Der Steppenwolf in ihm drängt nach außen und die Verlogenheit und Spießigkeit der bürgerlichen Welt wird für ihn zusehends zur Pein. Sein eintöniges Leben wird durch die plötzliche Begegnung mit der ebenso zauberhaften wie geheimnisvollen Hermine auf den Kopf gestellt. Die junge Frau öffnet ihm, dem rationalen Kopfmenschen das Tor zu einer neuen Welt: der Welt des Tanzes, der Sinnlichkeit und der Liebe. Harry verändert sich schnell und wird offener und geselliger und lernt schließlich eine neu junge Frau kennen.
Schließlich öffnet sich für Harry das magische Theater, durch welches er dem Geheimnis der menschlichen Existenz auf die Schliche kommen soll. Die surrealistische Welt des magischen Theaters birgt allerlei Gefahren und Überraschungen und Harry hat auch noch einen Auftrag erfüllen, er muss seine geliebte Hermine auf ihren eigenen Wunsch hin umbringen.

Bewertung: Der erste Teil der Geschichte ist sehr ausführlich und durch zahlreiche Wiederholungen gekennzeichnet, sodass auf den ­ersten 70 bis 80 Seiten relativ wenig passiert. Ab der Begegnung mit Hermine wird das Buch deutlich spannender und inhaltsreicher. Die Vermischung von Realität und Fantasie wird durch Hesses blumige Sprache gut bewältigt. Hesses rationaler Antiheld Harry Haller befindet sich in einer Lebenskrise, kann diese aber durch die einfache Lebensphilosophie der Künstler und Tänzer überwinden. Insgesamt ist mir der erste Teil zu ausführlich geschrieben und das magische Theater ein bisschen zu verwirrend und unübersichtlich, daher nur 3 Sterne.

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polio, schuld, newark, philip roth, 2. weltkrieg

Nemesis

Philip Roth
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Houghton Mifflin Harcourt, 05.10.2010
ISBN 9780547318356
Genre: Sonstiges

Rezension:

Bucky Cantor ist ein Lehrer, wie man sich ihn als Schüler nur wünschen kann: engagiert, jung und kompetent.
Während der Sommerferien 1944 hat er in Newark die Aufsicht über den Sportplatz und die Kinder spielen dort trotz des heißen Wetters begeistert Baseball. Doch die Idylle ist nur von kurzer Dauer - eine Polio (Kinderlähmung) -Epidemie bricht aus, einige Kinder aus seiner Gruppe erkranken und einige müssen sogar an der grausamen Krankheit sterben.

In der Stadt bricht Panik aus, und die Menschen geben, je nach Weltanschauung, einer anderen Gruppe die Schuld am Ausbruch und an der rasanten Verbreitung der Krankheit. Für die einen sind die Geldscheine die Ursache, die von allen berührt werden, andere halten die dreckigen Imbissbuden mit ihren schlechten hygienischen Zuständen für ursächlich
an der Krankheit und wieder andere meinen in den Bettlern und Gammlern, die sich nicht richtig waschen und alles anfassen, die Ursache für die Epidemie zu sehen. Das Klima wird immer gereizter und aggressiver und auch Bucky Cantor kommt an seine körperlichen und psychischen Grenzen.

Schließlich beschließt er die Stadt, zu verlassen und zu seiner Freundin aufs Land zu gehen und in einem abgelegenen Ferienlager
als Schwimmlehrer zu arbeiten. Er hat zwar zunächst ein schlechtes Gewissen, weil er die Kinder in Newark im Stich gelassen hat, doch die
neue Arbeit macht ihm Spaß und die Kinder im Ferienlager mögen ihn. Eines Tages erkrankt jedoch sein dortiger Lieblingsschüler auch an Polio
und die Seuche erreicht das vorher seuchenfreie Ferienlager.

Hat Bucky Cantor einfach nur Pech? Oder steckt doch etwas anderes dahinter, dass die Krankheit ihn zu verfolgen scheint. Als Bucky Cantor schließlich seine Beine nur noch mühsam bewegen kann, bekommt er eine böse Ahnung.


Bewertung:
Das letzte Buch von Philip Roth ist in einer lakonischen und nüchternen Sprache geschrieben. Der verzweifelte Kampf des jungen und starken Mannes gegen die tödliche Krankheit wird in einfachen, aber dennoch eindrucksvollen Worten beschrieben. Die Sprache ist präzise und die Handlung leicht nachvollziehbar. Sowohl die aufgeheizte Atmosphäre in der Stadt, als auch die zunächst entspannte Stimmung im Ferienlager können sehr gut nachempfunden werden. Der Charakter von Bucky Cantor
und seine Gefühlswelt werden sehr gut verdeutlicht: 5 Sterne.


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Tags: krankheit, new york   (2)
 

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amerikanische literatur, john updike

Hasenherz

John Updike
Fester Einband: 398 Seiten
Erschienen bei Volk und Welt Berlin, 01.01.1982
ISBN B002AACD0I
Genre: Romane

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