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familie, flensburg, küsten krimi, mord

Blutmöwen

H. Dieter Neumann
Flexibler Einband
Erschienen bei GRAFIT, 19.03.2018
ISBN 9783894255770
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Bauer Enno Brodersen wird neben seinem Kornfeld mit einem Loch in der Brust tot aufgefunden. Sein Jagdgewehr liegt neben ihm. Nun, beliebt war der Alte im Dorf nicht. Ganz im Gegenteil. Keiner mochte ihn, er hat sich mit allen angelegt und auch seine Kinder scheinen einfach nur froh und erleichtert, dass der Alte endlich fort  ist.

Helene Christ übernimmt gemeinsam mit ihrem deutsch-türkischen Kollegen Nuri Önal die Ermittlungen und hat es nicht einfach. Bereits in ersten Gesprächen mit den Angehörigen stößt sie auf große Mauern, die sie nicht zu durchbrechen vermag.

Was geschah dort in dieser Familie, welche Geheimnisse birgt sie. Wer hatte Nutzen vom Tod des Alten?

Fragen über Fragen, die Christ versucht zu beantworten …

***

Dies ist der fünfte Fall um die Ermittlerin Helene Christ und ich habe keinen einzigen davor gelesen. Denn ich lese eigentlich keine Küsten-Krimis, wahrscheinlich weil ich am Niederrhein lebe . Und genau aus dem Grund hatte ich das Buch auch im Frühjahrsprogramm des Verlages gar nicht ausgewählt. Nun, da ich es dennoch erhalten habe, habe ich dann natürlich auch gelesen.

Für das Verständnis der Handlung war es kein Nachteil, dass ich die ersten Bände nicht kenne. Immer wieder wurden kleine Hinweise eingestreut und auf die Vorgänger hingewiesen. Außerdem gibt es im Anhang einer Übersicht der Bücher des Autors, wo mir die kurzen Inhaltsangaben dann einen kleinen Einblick gegeben haben.


Für mich ist „Blutmöwen“ von H. Dieter Neumann ein klassischer Krimi. Ein Toter, verschiedene Verdächtige, erst einmal kein Durchblick, immer mehr Fäden die ausgeworfen werden und gegen Ende löst sich alles nach und nach auf und immer mehr „aha-Effekte“ stellen sich ein.

Ich fand es manchmal ein wenig zu offensichtlich, wie der Autor sein Wissen über Segelschiffe einbringen wollte und die vielen Fachbegriffe, die mir dann unterkamen, war mir einerseits nicht nur zu hoch und völlig fremd, sondern auch egal. Ich wollte einen Krimi lesen und kein Sachbuch über alte Segelschiffe und deren Benutzung. Aber da habe ich mal einfach drüber weggelesen.

Was mich dann jedoch neugierig gemacht hat, der Hinweis auf die (dunkle) Geschichte der Flensburger Polizeidirektion. Da habe ich dann gleich eine Suchmaschine dazu befragt und der Text des Online Lexikons entsprach dann leider ziemlich exakt dem des Buches. Aber die Bilder waren sehr interessant.

Fazit: Ein solider Krimi, der sich flott liest und auch sicherlich gut geschrieben ist. Einiges hat mich persönlich gestört, ich komme aber – wie gesagt – auch nicht von der Küste 

© Marion Brunner_Buchwelten 2018

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familie, justiz, mord, strafverteidiger

Ein eindeutiger Fall

Andreas Hoppert
Flexibler Einband
Erschienen bei GRAFIT, 26.02.2018
ISBN 9783894255756
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Marc Hagen, zwar Rechtsanwalt, jedoch ohne Kanzlei, Anstellung oder gar Mandanten, überlegt nicht lange, als er gefragt wird, ob er eine Pflichtverteidigung übernehmen möchte, da der eigentliche Strafverteidiger kurzfristig verstarb. Natürlich sagt er zu. Er ist froh, mal wieder einen Fall zu übernehmen, denn seine Kanzlei hatte er ja nun nicht freiwillig geschlossen. Und die Tagesbetreuung seiner Ziehtochter im Teenageralter erfüllt ihn einerseits überhaupt nicht und ist anderseits auch überflüssig. Denn wie erwähnt ist Lizzy ja kein kleines Mädchen mehr.

Der Fall, den Marc Hagen übernehmen soll, scheint eindeutig und absolut klar. Der Angeklagte soll seine Tochter Monja ermordet haben. Die Indizien sprechen alle dafür. Dass die Mutter des verstorbenen Mädchens ausgerechnet Marcs Jugendliebe ist, ist natürlich ein Zufall der besonderen Art.

Marc bekommt die Ermittlungsakten und liest sich ein. Doch je weiter Marc Hagen gräbt und mit dem vermeintlichen Täter spricht, desto größer werden die Zweifel des Anwalts. Denn so klar und eindeutig scheint dieser Fall auf den zweiten Blick absolut nicht zu sein.

***

Dies ist mein dritter Roman von Andreas Hoppert und ich lese ihn sehr gerne. Dass er Jurist ist und als Richter arbeitet, liest man unbedingt heraus. Okay, er arbeitet als Richter am Sozialgericht und nicht als Richter in Strafprozessen, doch Spaß hat er an diesem Bereich alle mal.

Hoppert hat mit seinem Marc Hagen einen sehr netten, charakterstarken Protagonisten geschaffen, der nicht aufgibt und sehr echt rüberkommt. Sei es in seinem Umgang mit der Ziehtochter, seiner Lebensgefährtin, die „die Kohle nach Hause bringt“ (und ihn das auch spüren lässt) oder mit seinem Mandanten.

Ich hatte meinen größten Spaß jedoch vor Gericht, als Marc Hagen einen Zeugen komplett zerlegt hat. Ich saß während dieser ausgesprochen langen Szene mit einem staunenden Dauergrinsen hinter meinem Buch. Denn Hoppert beschert seine Überraschungen nicht nur den Figuren im Buch, sondern auch dem Leser in diesem Moment.

Er hält den Spannungsbogen stramm und wirft immer wieder neue Wendungen ein, was die Handlung auch sehr kurzweilig hält. Die Menschlichkeit des Rechtsanwalts macht viel aus, zum Beispiel sein Umgang mit Lizzy, der Mutter des Opfers, der so echt und natürlich rüberkommt. Dann anderseits der ausgebuffte, sehr starke Jurist, als der er, vor allem vor Gericht, auftritt. Diese sehr gute Mischung sorgt für ein absolutes Lesevergnügen.

Fazit: „Ein eindeutiger Fall“ ist ein besonderer Fall mit vielen Wendungen, tollen Überraschungen und macht einfach nur Spaß.

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afrika, dürre, flüchtlingslager, flüchtlingspolitik, flucht, geld, grafit verlag, grenzen, hunger, jan zweyer, macht, schlepperbanden, tod

Starkstrom

Jan Zweyer
Flexibler Einband
Erschienen bei GRAFIT, 26.02.2018
ISBN 9783894255763
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Um den Flüchtlingsstrom einzudämmen hat sich Zentraleuropa hinter einem Zaun verschanzt. Der soll es Flüchtenden unmöglich machen, in die „gelobten Länder“ einzureisen. Denn Europa will diese Flüchtlinge nicht. Die Menschen warten geballt in Transitzentren auf ihr Schicksal. Die, die offiziell einreisen und einen Asylantrag stellen dürfen, werden durch ein Lotterieverfahren ausgewählt.

Die Firma, die den Zaun unterhält und bewacht (von der Regierung beauftragt) soll es schaffen, den Zaun noch undurchdringlicher zu machen, denn immer noch versuchen Flüchtlinge auf illegalem Weg einzureisen. Die einfachste und günstigste Lösung scheint ein Bluff: Es wird behauptet, dass der Zaun nun unter Starkstrom stehe. Als es dann aber genau dadurch ein Todesopfer gibt, wird die Regierung natürlich erheblichem Druck und Erklärungsnöten ausgesetzt.

Unterdessen begeben sich 2 junge Männer aus dem Senegal auf ihre Reise/Flucht nach Europa. Sie haben den Schritt gewagt und sich für teures Geld in die Hände einer Schlepperbande begeben …

***

Ganz klar, ein Thema, das neugierig macht, kann es doch aktueller gar nicht sein. Genau aus diesem Grund habe ich das Buch ausgewählt. Der Flüchtlingsstrom hält nicht an, immer mehr Menschen fliehen nach Europa. Ob aus Kriegsgebieten oder wie oben erwähnt aus Afrika, wo die Dürre die Menschen nach und nach dahinsiechen lässt.

Alle haben wir in den Medien von Schlepperbanden gehört und Bilder von Flüchtlingen gesehen, die neben zerborstenen Booten im Mittelmeer treiben und mit Glück lebend geborgen werden.

Der Roman „Starkstrom“ spielt in der Zukunft, jedoch nur einige Jahre. Der Autor Jan Zweyer beschreibt hier schon „unsere Welt“, in der wir hier und jetzt leben.

Und auch wenn mir der Roman zu großen Teilen gefallen hat, so hat er mich nicht zu 100 % überzeugt. Die Passagen, die im Senegal spielen, in denen der Leser die beiden Flüchtlinge begleitet, die auf die Schlepper hoffen, die haben mir sehr gut gefallen. Auch die Hintergründe und Verwicklungen waren interessant, erschreckend und leider auch sehr überzeugend.

Dennoch, sobald die Handlung sich in der Politik und dem Großkonzern abspielte, haben mich die Charaktere nicht wirklich überzeugt und ich kam teilweise mit den Namen bis zuletzt oft durcheinander. Die Figuren erschienen alle so gleich und durchsichtig, ich kann es gar nicht genau erklären. Dann waren wiederum Personen miteinander verbunden, wo ich dann schon dachte: dieser Zufall ist etwas an den Haaren herbeigezogen.

Unterm Strich war der Roman auf der einen Seite sicher gut recherchiert und auch erschreckend real. Auf der anderen Seite war er etwas wirr und machte auf mich den Eindruck, als wollte der Autor einem bekannten deutschen Politthriller- Autor nacheifern. Das ist ihm aber leider nicht gelungen.

Fazit: Ich bin ein wenig zweigeteilt, aber lest selbst und macht euch euer eigenes Bild. Für mich hat der Roman leider nicht ganz meine Erwartungen erfüllt.

© Buchwelten 2018

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politik, organhandel, thriller, korruption, flüchtlingslager

Der Preis des Todes

Horst Eckert
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 13.03.2018
ISBN 9783805200127
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sarah Wolf, Journalistin, Produzentin und Moderatorin ihrer eigenen Polit-Talkshow ist seit einigen Monaten mit dem attraktiven und äußerst liebenswerten Staatssekretär Christian Wagner liiert. Sie glaubt, dass sich die Beziehung zu etwas ernsterem entwickelt und sieht der Zukunft sehr positiv entgegen.

Eben dieser Staatssekretär steht zwar derzeit unter Beschuss, da ihm Lobbyismus vorgeworfen wird, weil er angeblich die Machenschaften des Krankenhauskonzerns Samax AG unterstützt. Dabei ist er lediglich ehrenamtlich für eine Stiftung des Konzerns tätig und hat sich ansonsten komplett heraus gezogen.

Währenddessen taucht am Unterbacher See in Düsseldorf die Leiche einer jungen Frau auf. Der Kommissar Paul Sellin, sterbenskrank vom Krebs zerfressen, setzt alles daran den Mörder der jungen Frau zu finden. Hat er es sich vor Jahrzehnten mit seiner eigenen Tochter verscherzt, will er zumindest dieser jungen Frau posthum gutes tun. Er weiß, dass dies sein letzter Fall ist und gibt alles, was er noch kann.

So kommt es, dass Sellin herausfindet, dass die Tote vom Unterbacher See vor ihrem Tod in Kontakt stand mit Christian Wagner, eben dem Staatssekretär, mit dem die Journalistin liiert war. Doch leider kann Sellin diesen nicht mehr zu dem Treffen befragen, denn der Staatssekretär wird tot in seiner Wohnung aufgefunden und es deutet alles auf Selbstmord hin.

Sarah Wolf glaubt jedoch nicht an Selbstmord, darum beginnt sie selbständig zu ermitteln und zu forschen. Und sie trifft auf Unterlagen, die auf ein Flüchtlingsslager in Kenia hinweisen. Kannte Sarah Wolf „ihren“ Staatssekretär wirklich? Oder war er doch ein ganz anderer, als er vorgab …..

* * *

Horst Eckert ist für mich immer wieder ein Faszinosum. Denn eigentlich können mich weder die Politik, noch Politthriller fesseln. Doch bei Horst Eckert ist alles schlicht, einfach und geradeaus geschrieben. Alles verständlich und klar. Und das eigentlich schlimmste ist, dass man liest und sich denkt: das ist so. Das ist real. Genau so kann es sich zutragen. Also der Hinweis: starker Realitätsbezug trifft hier voll ins Schwarze.


Horst Eckert hat hier offensichtlich wieder aufs genaueste recherchiert, ob er selbst in Kenia war, weiß ich nicht, ich kann mich nicht an derlei Fotos in den sozialen Netzwerken erinnern, dennoch liest es sich so. Das Flüchtlinsglager Dadaab gibt es wirklich und als ich die Suchmaschine dazu befragte, sah ich genau die Bilder, die mir mein Kopf vorab zeigte. Und genau diese Machenschaften traue ich der Menschheit ohne weiteres sofort zu.

Dieser Roman steht eigenständig und hat nichts mit seinem Ermittler Vincent Ceh Veih zu tun. Dennoch treffen wir auf alte Bekannte, denn die Amtshilfe in Düsseldorf übernimmt u.a. Anna Winkler. Auch ein kleiner Hinweis auf den Vorgänger-Roman hat Eckert geschickt mit einfließen lassen.

Die Protagonisten hat Horst Eckert sehr gut ausgearbeitet und mit ihnen interessante Charaktere erschaffen. Ich mochte sie gut leiden und habe mit ihnen gelitten und gefiebert.

Auf die Handlung gehe ich näher natürlich nicht ein, bezüglich Spoilergefahr. Ein erster kleiner Aha-Effekt stellte sich bei mir auf Seite 148 ein (sehr gut!) und einen kleinen Nebenstrang hatte ich flott erkannt. Die sonstigen roten Fäden waren wieder einmal sehr geschickt ausgeworfen und zu guter Letzt so verwoben, dass alles passte und ungemein gut überlegt war.

Ich bin wirklich gespannt, wann sein erster Politthriller verfilmt wird (okay, wenn sich jemand herantraut, oder es gezeigt werden darf  )

Mein Fazit: Sehr spannend, skrupellos, brutal und einfach nur erschreckend realitätsnah. Horst Eckert in Hochform.

© Buchwelten 2018

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38 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

bielefeld, krimi, stalker, kiosk, frauenpower

Yasemins Kiosk

Christiane Antons
Flexibler Einband
Erschienen bei GRAFIT, 19.03.2018
ISBN 9783894255824
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nina Gruber, Polizistin, derzeit außer Dienst, bezieht eine Wohnung in einem schönen Mehrfamilienhaus in Bielefeld, nachdem sie bei ihrer Mutter geflüchtet ist. Sie war bei ihrer kranken Mutter wieder eingezogen, damit sie sich um diese kümmern kann, was jedoch in der Praxis einfach nicht funktioniert. Isso!

Ninas Vermieterin Doro ist herzensgut, hat jedoch auch so ihre Probleme. Dann gibt es da noch Yasemin Nowak, astreine Deutsch-Türkin, die den Kiosk im Erdgeschoss betreibt, nebenbei ein bisschen Haare schneidet, Männer datet und ein absolut lebenslustiger Wirbelwind ist. Wäre da nicht der Stalker, der versucht Yasemin das Leben schwerzumachen.

Und als Nina und Yasemin beim Entsorgen des Altpapiers eine Leiche im Altpapiercontainer finden, kennt Yasemin den Toten auch noch. Die Polizei ist damit recht schnell fertig, unsere drei Frauen aber noch lange nicht ….

 ***

Dieser Roman ist das Debüt der Autorin Christiane Antons, und hat mir einfach nur von vorne bis hinten Spaß gemacht. Ich hatte darauf gehofft, dass mich hier eine locker-leichte Krimihandlung erwartet, die mich durch die Seiten fliegen lässt und einfach einige entspannte, recht unkomplizierte Lesestunden beschert.

Das hat der relativ kurze Krimi sehr gut geschafft. Die Autorin hat hier sehr sympathische Figuren erschaffen, die mit Herz und „Schnauze“ unterwegs sind, sich nichts gefallen lassen und wirklich mutig sind. Der Verlag wirbt damit, dass es keinen Ermittler gibt, jedoch eine Leiche am Anfang und eine Lösung des Falles am Schluss. Nun, ein bisschen geschummelt ist das ja schon, denn Nina Gruber ist ja eigentlich schon Polizistin. Zwar derzeit nicht im Einsatz, dennoch hat sie natürlich ihre Erfahrungen in petto und ihre Vitamin-B(eziehungen) nutzt sie auch schamlos aus.

Ein bisschen hatte ich das Gefühl, dass ich einen „Grappa“- Roman von Gabriella Wollenhaupt lese. Der Stil ist doch sehr ähnlich. Ein weibliches Rauhbein, dass ist die dortige Hauptprotagonistin ja auch. Vielleicht kennt und mag die Autorin selbst die „Grappa“ gerne und hat sich ein bisschen inspirieren lassen.

Der Stil ist auf jeden Fall locker und sehr flüssig. Ja, es geht auch mal umgangssprachlich zur Sache, was jedoch in Dialogen völlig in Ordnung und auch lebensecht ist. Der Plot ist gut überlegt und auch wenn es jetzt nicht die Überraschung gab am Ende, waren die Fäden schon gut gesponnen.

Mein Fazit: Ein flotter, spritziger Krimi, der mit tollen weiblichen Figuren als Protagonistinnen echt Freude macht. Empfehle ich gerne weiter.

© Buchwelten 2018

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

farräder, holland, niederlande, utrecht

Fahrräder für Utrecht

Jochen Baier
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Langen-Müller, 10.07.2017
ISBN 9783784434223
Genre: Historische Romane

Rezension:

Am Sterbebett erfährt Hauke von seinem Opa Heinrich, dass dieser während des Krieges in Utrecht stationiert und dort für die Beschlagnahmung und Registrierung der Fahrräder von Juden verantwortlich war.

Außerdem offenbart Opa Heinrich ihm, dass er ein uneheliches Kind mit einer Niederländerin hat, mit Linda, die er im Krieg einfach hat sitzen lassen.

Hauke ist nach dem Tod seiner Eltern bei seinen Großeltern aufgewachsen und empfindet eine tiefe Bindung zu ihnen. Seinen Großvater liebte er über alles, darum kommt ihm der Gedanke der Wiedergutmachung. Ob es wohl möglich ist, eine Aktion zu starten, die den Holländern ihre Fahrräder zurückbringt? Gemeinsam mit seinen zwei engsten Freunden beginnt er zu planen und versucht eine Fahrradtour von Kettwig nach Utrecht in den Niederlanden zu organisieren.

Eine Reise die nicht nur auf Zuspruch trifft und die eine ganze Reihe an Höhen und Tiefen mit sich bringt. Ob am Ende alles gut wird … ?

***

Zunächst einmal mögen die Holländer ja gar nicht, wenn sie Holländer genannt werden. Wenn dann bitte Niederländer . Ich selbst habe sehr viel Verwandtschaft in den Niederlanden. Bei mir war es aber andersrum: Meine Oma aus Köln hat schon weit vor dem Krieg einen Niederländer geheiratet, was uns übrigen Nachkommen ausnahmslos die niederländische Staatsangehörigkeit beschert hat. Und natürlich war ich als Kind immer viel in den Niederlanden, um die Verwandtschaft besuchen. Von den angeblichen bösen Witzen den Deutschen gegenüber in Bezug auf die Fietsen habe ich allerdings noch nie etwas gehört.

Der Schreibstil ist sehr locker und eher umgangssprachlich gehalten. Der Autor Jochen Baier, mein Baujahr, liefert hier aber einen lockeren Road/Ruhr-Movie ab, der Spaß macht, aber natürlich auch zum Nachdenken anregt. Mit der deutschen Nazivergangenheit konfrontiert zu werden, löst bei uns immer noch Beklemmungen aus, das ist auch bei diesem Roman so.

Viele Meinungen kommen zu Tage, viele Ansichten von beiden Seiten. Aus Sicht der Niederländer und aus Sicht der Juden. Die Verlassenen kommen zu Wort und die, die verlassen. Auf der Reise nach Utrecht lernen wir eine Menge Menschen kennen und die machen echt Spaß. Egal, ob ihre Geschichten traurig sind oder nicht.

Manchmal war es mir allerdings einfach alles zu sehr Klischee, zuviel genau das, was noch mit rein musste in die Handlung. Eine türkische Kindergartenfreundin, die ja eigentlich deutsch ist (zum Thema Multi-Kulti), der langjährige Kumpel, die alte Dame, die Jüdin ist, die Schiffer aus der Ruhrorter Hafenspelunke, die soviel Herz haben (In Ruhrort gibt es übrigens kein Lokal namens Schimmi’s , das weiß ich, weil ich lange dort gewohnt habe).

Aber unterm Strich ist es egal, ich habe einfach drüber weg gelesen und versucht, aus dem Buch zu ziehen, was es liefern soll: nämlich Unterhaltung mit einem guten Schuss zum Nachdenken anregend.

Ich hatte Freude bei der Lektüre. Und den Fietsen Dans, den musste ich doch glatt bei Youtube suchen ….

© Buchwelten 2018

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383 Bibliotheken, 3 Leser, 5 Gruppen, 20 Rezensionen

fantasy, horror, stephen king, abenteuer, reise

Der Talisman

Stephen King , Peter Straub
Flexibler Einband: 957 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.07.2004
ISBN 9783453877603
Genre: Fantasy

Rezension:

Jack Sawyer ist 12 Jahre alt und lebt allein mit seiner sterbenskranken Mutter Lily mehr oder weniger auf der Flucht. Jacks Vater ist von einigen Jahren verstorben und Jacks Mom, schwer an Krebs erkrankt, reist mit Jack von Ort zu Ort, um „Onkel Morgan“ zu entkommen. Morgen Sloat ist der ehemalige Partner von Jacks Vater und Freund der Familie. Er will Jacks Mom ständig dazu nötigen, irgendwelche Geschäftspapiere zu unterzeichnen, die ihm von Nutzen sind.

Nun sind sie angekommen im fast leeren Hotel Alhambra Inn and Gardens (die Saison ist vorbei, das Hotel gleicht einer Gruft) in New Hampshire. In diesem Hotel hat Lily, einst gefeierter Filmstar der B-Movies, wundervolle Zeiten verbracht. Und offensichtlich möchte sie hier nun sterben.

Jack lernt im nahegelegenen Freizeitpark am Arcadia Beach den alten Mann Speedy Parker kennen. Er ist ein schwarzer, ehemaliger Musiker, der Jack ein wahrer Freund wird. Und Speedy ist es, der Jack auf eine weite, abenteuerliche und gefährliche Reise schickt.

Er schickt ihn nach Westen, um den Talisman zu holen. Denn der würde seine Mom Lily vor dem Tod retten. Doch dazu muss sich Jack auch in die Welt begeben, von der er immer glaubte, es handele sich um Tagträume, die ihn seit seiner frühen Kindheit begleiten. Doch von Speedy erfährt er, dass es sich nicht um Tagträume handelt. Es gibt sie wirklich: die Welt der Territorien …

+++
Spoilergefahr ist eventuell vorhanden!


Stephen King und Peter Straub haben hier gemeinsam ein sehr umfangreiches Fantasy/Horror Abenteuer geliefert, das die Geschichte des Jungen Jack in bunten Farben und sogar Gerüchen schildert. Es ist dramatisch, gefährlich, sehr brutal und grob, teilweise aber auch sehr leise, absolut emotional und mitfühlend. Es werden sehr viele Themen in dieser Geschichte berührt: Liebe, Familie, Mut, Vertrauen, Freundschaft, Machthunger und Neid, Gier und Angst vor dem Versagen, nicht aufgeben und bedingungsloser Zusammenhalt unter Freunden. Ich könnte noch unzählige weitere Worte finden.

Anfangs zog sich alles etwas in die Länge und ich hatte leichte Anlaufschwierigkeiten, auch wenn die Geschichte mich von Anfang an gefesselt hat (das geht mir übrigens bei Teil 2 gerade genau so: die ersten 100 Seiten sind noch anstrengender). Doch ab dem Moment, in dem Wolf in die Handlung tritt, war ich völlig in den Bann gezogen.

Die Welten der Handlung wechseln und die Ideen sind einfach toll. Ich fühlte mich von der Stimmung und Umgebung oft an den Dunklen Turm erinnert, manches verursachte bei mir sogar ein gewisses „Potter-Feeling“.

Unterm Strich ein absolut gelungener Fantasy Roman, der durch seine krassen und teilweise sehr brutalen und heftigen Szenen durchaus Horror-Charakter hat. Teilweise meine ich zu erkennen, welche Passagen von King und welche von Straub geschrieben wurden, jedoch nicht immer.

Mein Fazit: ein ausführliches und umfangreiches Fantasy/Horror-Abenteuer mit Road-Movie-Charakter, das sicher nichts für schwache Nerven ist, aber immer wieder auch mit sehr ruhigen und intensiven Momenten belohnt.

© Buchwelten 2018

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Die schwedischen Gummistiefel

Henning Mankell , Verena Reichel
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.12.2017
ISBN 9783423217057
Genre: Romane

Rezension:

Fredrik Welin lebt nach wie vor allein und recht einsam auf seiner Insel im Schärengarten. Dort lebt er im vererbten Haus seiner Großeltern mehr oder weniger wie ein Einsiedler, seit ihm als brillanter Chirurg ein Kunstfehler unterlieft.

Zwar hat er vor einigen Jahren unerwarteten Besuch auf seiner Insel erhalten, als seine verflossene Liebe urplötzlich mit ihrem Rollator auf dem Eis stand und in den nachfolgenden Monaten u.a. erfahren, dass er eine erwachsene Tochter hat. Doch letztendlich ist es wie es ist. Fredrik lebt allein in seinem Haus.

Eines Abends erwacht Fredrik durch einen hellen Schein und große Hitze. Als er begreift, dass sein Haus in Flammen steht, rennt er sofort nach draußen und es bleibt ihm nicht mehr, als ein Paar ungleiche Gummistiefel, dem Wohnwagen seiner Tochter, ein Boot und ein Zelt. Er ist geschockt, vor allem als in Erfahrung gebracht wird, dass es sich offensichtlich um Brandstiftung handelt und er sogar selbst in den Verdacht gerät, das Feuer gelegt zu haben.

Die Journalistin Lisa Modin entwickelt sich für Fredrik zu einer wichtigen, aber seltsamen Freundin. Er fühlt sich zu ihr hingezogen, sogar körperlich. Dann ist da nach wie vor der Postbote Jansson, mittlerweile pensioniert, und einige wenige Menschen, zu denen er auf dem Festland Kontakt hält.

Als Louise in Paris, wo sie lebt, in Schwierigkeiten gerät, da sie wegen Taschendiebstahls im Gefängnis sitzt, ruft sie ihren Vater zu Hilfe. Der macht sich auf den Weg, um seiner Tochter zur Freiheit zu verhelfen. Louise ist schwanger und letztendlich erhofft sich Fredrik auch, dass er seine Tochter ein bisschen besser kennenlernt und vielleicht auch ein wenig mehr Einblick in ihr Leben erhält.

Während seiner Reise nach Paris steht ein weiteres Haus in seiner Nachbarschaft in Flammen. Der Verdacht fällt zwar nun von ihm selbst ab, doch dennoch bleibt die unheimliche Frage offen: Wer tut sowas? Wer steckt Häuser in Brand und nimmt in Kauf, dass die Bewohner ums Leben kommen? Es kann doch nur jemand aus dem kleinen Kreis der Bewohner des Schärengarten sein ….

***

Dieser Roman ist eine Fortsetzung des Romans „Die italienischen Schuhe“, den ich erst kürzlich gelesen und hier rezensiert habe (dennoch kann die Geschichte auch problemlos allein gelesen und verstanden werden). Einige Jahre sind vergangen, doch eigentlich hat sich nichts verändert. Wir kennen inzwischen die agierenden Personen gut und ich habe mich gefreut, dorthin zurückzukehren. Der Titel ergibt genauso viel Sinn wie der der Vorgeschichte, denn die schwedischen Gummistiefel spielen für den Protagonisten eine nicht unerhebliche Rolle.

Wieder habe ich Parallelen zum wirklich Leben von Henning Mankell erkannt, da ich sein vorletztes Buch „Treibsand“ auch erst kürzlich gelesen habe. Da dieses Buch von seinem realen Leben handelt, habe ich natürlich bemerkt, wenn er Figuren etwas erleben ließ und /oder Orte aufsucht, die er selbst besucht hat. Das hat mir sehr gut gefallen.

Überhaupt habe ich bei seiner Hauptfigur Fredrik Welin immer Henning Mankell selbst vor Augen. Denn er selbst schaut auf dem Autorenfoto seiner letzten Einbände auch sehr nachdenklich, melancholisch, ja, beinahe traurig in die Kamera.

Fredrik wirkt auch sehr in sich gekehrt, verschlossen und einsam. Das war Mankell vielleicht nicht, wobei er soviel in diesen Protagonisten gelegt hat, dass eigentlich ein gutes Stück selbst mit eingeflossen sein kann.

Dieser letzte Roman beschäftigt sich viel mit dem Älterwerden, was eindeutig ätzend ist und viele Gedanken nach sich zieht. Wer ist mir wichtig, was möchte ich noch (einmal) erleben? Kann ich mich noch einmal verlieben oder hingeben?

Vertrauen, Misstrauen, Freundschaft und Enttäuschung spielen genauso eine Rolle wie Wutausbrüche und Anfälle von Eifersucht und Neid. Aber natürlich hat der Roman durch die Brände auch einen guten kriminalistischen Touch, der zum Mitermitteln anregt.

Kurzum: dieser Roman ist leise, still und sehr stimmungsvoll. Dennoch gewaltig und so umfassend wie das Leben selbst. Top! Ruhe in Frieden, Henning Mankell. Ihre Gedanken, Erinnerungen und Einstellung bleiben uns wenigstens erhalten, da Sie sie für uns aufgeschrieben haben.

© Marion Brunner

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252 Bibliotheken, 28 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

stephen king, sleeping beauties, owen king, fantasy, horror

Sleeping Beauties

Stephen King , Owen King , Bernhard Kleinschmidt
Fester Einband: 958 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.11.2017
ISBN 9783453271449
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In der Kleinstadt Dooling gibt es eigentlich nichts anderes, als in anderen Städten auch: Schulen, eine Polizeistation, Supermärkte, Kneipen und ein Frauengefängnis. Okay, letzteres ist nicht in jeder Stadt zu finden.

Eines schönen Tages bricht eine Epidemie aus, die einschlafende Frauen betrifft. Und zwar nur Frauen, egal welchen Alters und egal auf welchem Teil der Welt. Sobald die Frauen einschlafen, bildet sich ein faseriger, spinnenartiger Kokon um sie herum und hüllt sie ein. Doch sie atmen ruhig und scheinen tatsächlich einfach nur zu schlafen. Entfernen sollte man das Gewebe jedoch auf keinen Fall. Überhaupt sollte man nicht versuchen die Frauen zu wecken. Denn sobald sie erwachen werden sie zu mordenden, brutalen Killermaschinen.

Jedoch taucht eine Frau in Dooling auf, die gegen die Schlafkrankheit – inzwischen Aurora genannt – immun zu sein scheint. Sheriff Lila Norcross bringt die Frau ins Frauengefängnis des Ortes und hält sie dort fest (auch zu ihrem eigenen Schutz). Denn die Männer des Ortes hören von dem Gerücht der Immunität der seltsamen Frau und wollen ihre Frauen und Kinder zurück. Um jeden Preis …..

***

Ich warne zur Sicherheit einfach mal vorab vor eventuellen Spoilern !

„Eine Horrorfantasie mit Realitätsbezug“ lautet ein Zitat auf der Buchrückseite.

Für mich ist der neue Roman von Stephen und Owen King aber eigentlich viel mehr Fantasy oder Fantasy Fiction (wenn es dieses Genre gibt), vermischt mit dystopischen Elementen. Der Horror in diesem Roman ist viel eher auf die teilweise extrem brutalen und extrem blutigen Szenen zu beziehen.

Die beiden Autoren liefern hier eine Geschichte, die fantastisch ist und sehr zum Nachdenken anregt. Denn so traurig es ist, soviel Wahrheit steckt darin. Was braucht es zum Leben, was wird wertgeschätzt, wie schnell kann sich eine offensichtliche Idylle in das totale Chaos umwandeln. Die Natur spielt eine sehr große Rolle und auch die Zwischenmenschlichkeit, egal in welchen Kombinationen, ist sehr großer Bestandteil (Väter und Söhne, Mütter und Söhne, Väter und Töchter, Mütter und Töchter, (Ehe)männer und (Ehe)frauen etc.).

Zu Beginn der Geschichte ist ein Register, in denen alle Figuren aufgeführt sind. Das war für mich sehr hilfreich, denn ich habe oft noch einmal zurückgeblättert, weil es einfach sehr viele Personen gibt, die zur Handlung beitragen und eben auch wichtig sind.

Stephen und Owen King füllen ihren Roman mit einer großen Anzahl von Figuren und den unterschiedlichsten Charakteren. Erzählt er ja über knappe 1000 Seiten die Geschichte einer Stadt im Ausnahmezustand. Ich lernte in der ausführlichen Erzählung alle sehr gut kennen und natürlich baute ich eine Bindung zu den Personen auf.

Der Roman ist außerdem ein gesellschaftskritischer Roman, der mich an die Gemeinschaft von „The Stand“ erinnerte. Allerdings kam mir auch immer wieder „Der dunkle Turm“ in den Sinn, wenn die dystopischen Szenen beschädigte Gebäude beinhalteten oder auch wenn fabelartige Wesen durch die Handlung spazierten.

Die Grundidee der beiden war schlicht und einfach: Was mag wohl passieren, wenn urplötzlich alle Frauen einfach einschlafen und insoweit nicht mehr „vorhanden“ sind. Die Umsetzung dieser Idee ist den beiden gemeinsam sehr gut gelungen. Ich war gefesselt bis zur letzten Seite und hätte gut und gerne noch länger lesen können. Ich fühlte mich sehr wohl in Dooling. Aber das Wichtigste an der Geschichte ist die Botschaft, die sie rüber bringt und die ist erschreckend wahr und gut. Ich konnte beim besten Willen nicht erkennen, welche Passagen Stephen und welche Owen King geschrieben hat. Ich habe wirklich sehr sehr viel von King gelesen und ich meine seinen Stil zu erkennen. Für mich war der Roman einfach ein Stephen King.

Ich füge unten ein kleines Interview der beiden ein, auf das ich beim Stöbern auf der Website von Stephen King gestoßen bin. Da war ich nämlich unterwegs, um einen Blick auf das Originalcover zu werfen. Denn die sind in der Regel immer um einiges besser, als die der deutschen Ausgabe. So auch hier . Aber ich muss sagen, dass in diesem Fall das Cover der deutschen Ausgabe auch sehr schön und vor allem zur Handlung passend ist.

Mein Fazit: Ein großartiges Fantasy-Fiction Abenteuer, dass sehr gesellschaftskritisch ist und zum Nachdenken anregt. Bestückt mit teils wundervollen Bildern, teils extrem brutalen Szenen und sehr gut ausgearbeiteten/agierenden  (nicht nur netten) Charakteren. Knappe 900 Seiten, die wie im Fluge vergehen. King(s) in Bestform!

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

fantasy buch, italien, krankheit, online texte

Die italienischen Schuhe

Henning Mankell , Verena Reichel
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 22.08.2016
ISBN 9783552057944
Genre: Romane

Rezension:

Der ehemalige Chirurg Fredrik Welin lebt einsam und fast allein auf einer kleinen Insel in den Schären. Die Insel gehörte einst seinen Großeltern und dort fristet er genügsam und eigenbrötlerisch seinem Dasein. Er bewohnt ein gemütliches, geräumiges aber einfaches Haus, er besitzt ein Boot, das er eigentlich seit Jahren in Schuss bringen möchte, wozu er sich aber nie aufraffen kann.

Einzig ein alter Hund, eine ebenso alte Katze und ein Ameisenhaufen im Wohnzimmer sind seine Mitbewohner, wobei er die Ameisen eigentlich eher sich selbst überlässt, da er den Raum sowieso nicht nutzt.

66 Jahre ist Welin alt und vor vielen Jahren ist ihm „die große Katastrophe“ passiert und seitdem lebt er so zurückgezogen. Einer der wenigen menschlichen Kontakte, die er hat, sind die Besuche des Postboten Jansson. Der kommt ab und an vorbei, teilt ihm mit, dass er keine Post hat und schildert Welin regelmäßig ein anderes Wehwehchen, dass er dann untersuchen soll.

So gehen die Tage dahin und Welin ist weder glücklich oder unzufrieden. Es ist wie es ist. Doch eines Tages im Winter, da ändert sich alles. Denn da schaut Welin raus aufs Eis und sieht dort jemanden stehen. Mit einem Rollator. Die alte Dame ist Harriet, die Frau, die er vor langer Zeit einmal sehr liebte und die er verließ.

Nun steht sie nach 40 Jahren da und will von Fredrik, dass er ein altes Versprechen einlöst, da sie sterbenskrank ist. Natürlich erinnert er sich an dieses Versprechen und selbstverständlich hält er sich daran.

Also machen die beiden sich auf den Weg, auf eine winterliche Reise, sein Wort einzulösen und auf einen Streifzug in die Vergangenheit …

***

Henning Mankell hat hier einen sehr ruhigen, stimmungsvollen und gefühlvollen Roman geschrieben. Er erzählt von den Fehlern und Macken der Menschen, vom Älterwerden und Einsam sein, vom wieder zum Leben erwachen und vom Sterben.

Auf dieser Reise erfährt der Leser natürlich, was die „große Katastrophe“ im Leben des Chirurgen war, wir treffen aber auch auf die unterschiedlichsten Menschen, die irgendwie mit dem Leben des Protagonisten verbunden sind. Und diese Reise hat mir ein absolutes Lesevergnügen bereitet. Nicht nur, weil ich durch das verschneite Schweden gereist bin und auch laue Sommerabende erlebt habe, nein, Fredrik Welin ist in seiner rauen, einfachen und immer kurz angebunden Weise ein herzensguter und liebevoller Mensch. Wenn man ihn gemeinsam mit Harriet erlebt, dann ist es, als begleite man ein altes Ehepaar und das Miteinander der beiden ist einfach herrlich.

Interessant war es für mich auch deshalb, da ich erst vor kurzem den biografischen Roman „Treibsand“ von Henning Mankell gelesen habe und nun bemerkte, dass er doch einiges von sich selbst hat einfließen lassen in seine Handlung. Ja, er hat sogar eine eigene Aussage wörtlich einer Figur in den Mund gelegt.

Und auch wenn der Roman sehr ruhig erzählt ist, so vergeht er doch wie im Fluge, denn es gibt eine Menge Ereignisse, die alles andere als langweilig sind.

Ich war traurig, als die Geschichte zu Ende war und ich die Schären verlassen musste, habe ich die Menschen doch alle sehr ins Herz geschlossen. Nun, ich habe Glück. Denn posthum ist nun eine Fortsetzung erschienen: „Die schwedischen Gummistiefel“. Die Geschichte wird weitererzählt. Das freut mich sehr und ich bin sehr gespannt wie es weitergeht. Denn geendet hat der Roman mit einem sehr offenen Ende ….


Fazit: Es lohnt sich immer wieder, Bücher aus dem Regal zu nehmen, die nicht auf der (aktuellen) Bestsellerliste stehen oder einen „Spiegel“ Aufkleber haben. Der oben beschriebene Roman ist schon älter, der Autor inzwischen verstorben und eigentlich eher durch seine Wallander-Reihe bekannt geworden. Aber diesen stillen und stimmungsvollen und keinesfalls langweiligen Roman empfehle ich nur gerne.

© Marion Brunner_Buchwelten 2017

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301 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 62 Rezensionen

london, krimi, cormoran strike, detektiv, england

Die Ernte des Bösen

Robert Galbraith , Wulf Bergner , Christoph Göhler , Kristof Kurz
Fester Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 26.02.2016
ISBN 9783764505745
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Robin Ellacot bekommt auf ihrer Arbeitsstelle, der Detektei von Cormoran Strike, ein Paket zustellt, das schockierend und brutal ist. Es ist ein abgetrenntes Frauenbein. Natürlich ist auch Ihr Chef, Cormoran Strike, nicht begeistert. Ihm fallen jedoch auf Anhieb gleich drei Personen ein, denen er diese Art der Zustellung zutraut. Und alle drei sind sie gefährlich und zu derartigen Grausamkeiten fähig.

Die Polizei, mit der Strike in Kontakt steht, fixiert ihre Ermittlungen stur in eine Richtung. Cormoran ist aber der Meinung, dass man alle von ihm benannten Verdächtigen überprüfen sollte.


Darum geht Strike und Robin Ellacot, die ja seit langem mehr als seine einfache Sekretärin ist, neben ihren eigentlich Aufträgen selbständig ihren Ermittlungen nach. Immer tiefer dringen sie ein in die dunklen und gefährlichen Umfelder der drei Männer und dabei ziehen die zwei nicht nur den Unmut der Polizei auf sich, sondern bringen sich selbst auch mehr und mehr in missliche Umstände …

***

Das ist der dritte Teil der Cormoran Strike-Reihe, den die Autorin J.K. Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht. Auch wenn ihre Tarnung ja relativ schnell aufgeflogen ist, schreibt sie nach wie vor unter dem männlichen Deckmantel weiter, den sie, wie sie selbst sagt, als „ihre persönliche Spielwiese“ bezeichnet.

Und wieder einmal kann ich nur sagen: Glückwunsch, sehr gut gemacht. Die beiden Charaktere Cormoran Strike und Robin Ellacot machen so unglaublichen Spaß, dass die knapp 700 Seiten mit einem Fingerschnipser durchgelesen sind. Galbraith hat hier zwei so unterschiedliche, liebenswerte und sich wunderbar ergänzende Figuren geschaffen. In ihrem dritten Teil gehen die beiden natürlich ganz anders miteinander um als im ersten Band. Sie sind sich nähergekommen, so gut das eben bei dem Brummbär Strike so geht und die Stimmung unter diesem Duo der besonderen Art ist einfach toll. Nein, nicht immer friedlich und lieb. Bei weitem nicht. Aber auf das Zwischenmenschliche möchte ich auch nicht näher eingehen, denn dass macht die Romane zum Großteil mit aus, darum einfach selbst lesen . Und es gibt auch immer wieder neue und schräge Vögel als Nebenfiguren, die Galbraith sehr gut darzustellen vermag.

Die Handlung ist wunderbar verzwickt und gut erdacht und der Leser grübelt fleißig mit, kommt aber doch nicht drauf. Zu geschickt legt die Autorin hier ihre Spuren und Fäden aus. Und es ist wieder stellenweise heftig und unschön, also nicht immer was für zarte Nerven. Wobei die letzten Potters ja auch recht heftige Szenen zu bieten hatten. Dennoch, Leser, die es nicht gerne blutig und etwas heftiger mögen, sollen gewarnt sein.

Die Ermittlung des Mordes ist der eine Strang, der zweite sind natürlich die private Seiten der beiden Protagonisten, die außerhalb der Ermittlungsarbeit ihre eigenen Leben mit sämtlichen Problemen und Glücksmomenten zu bieten haben. Auch diese Teile der Geschichte machen Freude und sind sehr gut und auch emotional geschrieben.

Austoben konnte sich Robert Galbraith wieder im Hinblick auf „sein London“. Da kennt er sich aus und das merkt man an den deutlichen liebevollen und detaillierten Beschreibungen auch hier wieder.

Auch wenn die Romane hier in London spielen, habe ich immer irgendwie ein Stimmungsgefühl wie in den Mr. Mercedes Romanen von Stephen King. Ich kann nicht einmal genau erklären warum, doch es ist so. Leser die beides kennen, können mir ja mal sagen, ob es ihnen auch so ergeht.

Mein Fazit: Ein großartiger dritter Teil der Reihe um den Detektiv mit der BeinprotheseEin großartiger dritter Teil der Reihe um den Detektiv mit der BeinprotheseEin großartiger dritter Teil der Reihe um den Detektiv mit der Beinprothes und seiner rotblonden, schlagfertigen und liebenswerten Assistentin Robin Ellacot. Spannend, mitreißend und in einem tollen Stil wird der Leser auf knappen 700 Seiten in einem stimmungsvollen Krimi gefangen und erfährt zudem noch vieles über die Vergangenheiten der beiden Hauptpersonen. Daumen hoch!

© Buchwelten 2017

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85 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

berlin, thriller, folter, mord, grand guignol

Der Todesmeister

Thomas Elbel
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 20.11.2017
ISBN 9783734104145
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

An der Berliner Oberbaumbrücke wird die grausam zugerichtete Leiche eines jungen Mädchens aus dem Wasser geholt. Lange kann sie nicht im Wasser gewesen sein, dafür ist die Leiche noch zu „frisch“. Und das Mädchen ist nicht irgendein Mädchen. Sie ist die Nichte des Berliner Justizsenators. Die Ermittlungen führen ins Internet, wo grausame Foltervideos auftauchen, die zeigen, dass das Mädchen nicht das einzige Opfer sein kann.

Viktor (von) Puppe, auf eigenen Wunsch frisch versetzt vom LKA ins Kriminalkommissariat, wird sofort in die Ermittlungsarbeit mit einbezogen. Gemeinsam mit seinen Kollegen ermittelt er auf Hochtouren, doch von weiter oben werden die Kommissare ausgebremst. Da soll wohl das ein oder andere gar nicht aufgedeckt werden ….


***

Vor ziemlich exakt 6 Jahren habe ich meine erste Rezension zum Debütroman vonThomas Elbel geschrieben. ASYLON war als Erstling in der Science Fiction angesiedelt und bei Piper erschienen. Auch der Nachfolger ELYSION erschien noch dort. Danach wollte man ihn bei Piper wohl nicht mehr. Warum? SciFi verkauft sich nicht? Die Zielgruppe fehlt? Keine Ahnung, ist auch Quatsch aber egal. Denn Thomas Elbel hat deshalb nicht aufgehört zu schreiben. Seinen dritten Roman MEGAPOLIS hat er dann als Selfpublisher auf den Markt gebracht. Ich habe sie alle gelesen und rezensiert und ich mochte Elbels Schreibe immer gern. Auch wenn sie ab und an im Sprachgebrauch nicht so mein Fall war.

Nun hat er hier seinen ersten Thriller, wohl auf dringendes Anraten seines Agenten, geliefert und bei blanvalet ein neues Zuhause gefunden.

Ich habe eine zwar lektorierte, aber unkorrigierte, Fassung als Leseexemplar bekommen und ich hoffe nur, dass die unzähligen, teilweise sehr amüsanten Fehler noch alle vom Korrektorat gefunden und verbessert werden. 

Die Handlung ist sehr gut erdacht, der Spannungsfaden gut und straff gespannt und auch wenn es heftig und grausam ist, richtig gut! Leider ist unsere Welt so schrecklich und alles das gibt es im wahren Leben (leider) mittlerweile viel zu oft. Ich kam dem Täter nicht auf die Spur, obwohl ich natürlich kräftig mitgegrübelt und ermittelt habe. Der Schauplatz Berlin ist natürlich toll und die Beschreibungen sehr gut. Man merkt schon auch, dass der Autor dort lebt, und das gern.

Achtung – Eventuelle Spoilergefahr!:

Was mir nicht so gut gefallen hat, ist die teilweise wieder sehr überzogene, flapsige und extrem umgangssprachliche Sprache einiger Figuren. Es soll alles so unbedingt lustig, modern, cool und multikulti sein, dass es mir zuviel ist. (Ich meine nicht die Jugendsprache der entsprechenden Figuren, sondern die Sprache der erwachsenen Protagonisten).

Da ist auf der einen Seiten der gut erzogene Viktor (von) Puppe, der (natürlich) eine düstere Vergangenheit hat. Der trifft bei der Polizei auf zwei Kollegen, die beide unterschiedlicher, ausländischer Herkunft sind. Wenn der männliche Part den Mund aufmacht, kommen nur dumme und saucoole Sprüche heraus. Der weibliche Part ist eine alleinerziehende Türkin, die die Männer „gefressen“ hat und wenn sie dann auch noch deutsch und zu hilfsbereit sind, geht ihr ständig die Hutschnur hoch.

Dann gibt es natürlich noch den bösen Chef, der immer kurz angebunden und streng ist, obwohl er ja angeblich ganz anders ist. Auch die Rolle der schönen Nymphomanin ist vergeben. Hier wurden für meinen Geschmack zu viele Klischees zwingend zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Und das schmälert meine Begeisterung unterm Strich dann auch um einen Stern.

Insgesamt aber dennoch ein sehr gelungener Thriller, der spannend und rasant ist. Wie bereits erwähnt, stellenweise grausam und brutal, also nichts für zartbesaitete Leser. Lieber Thomas Elbel, der Genrewechsel ist gelungen ;-). Mehr davon.

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

sehr spannend geschrieben, buch

Das Phantom von Manhattan

Frederick Forsyth , Wulf Bergner
Flexibler Einband: 239 Seiten
Erschienen bei Portobello, 14.08.2006
ISBN 9783442554706
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was wurde aus dem Phantom der Oper, welches in den Gewölben unter der l’Operà lebte und die junge Opernsängerin Christine Daaé entführte, da es sich unsterblich in die junge Frau verliebte?

Als Madame Antoinette Giry im Jahre 1906 im Sterben liegt und nach einem Notar verlangt, erzählt sie ihm, wie sie seinerzeit den Jungen Erik Mühlheim aus einem Kurisiositätenkabinett befreite und ihn zunächst in ihrem Heim aufpäppelte und dann an ihrer Arbeitsstätte, unter der Pariser Oper, versteckte. Nach dem skandalösen Vorfall um Christine Daaé verhalf sie ihm dann zur Flucht nach Amerika.

Und ihr letzter Wille ist es nun, dass der Notar Dufour einen Brief an Erik für sie zustellen soll. Und das persönlich und zwar in New York. Erik ist in New York zu großem Reichtum gekommen, ist einer der mächtigsten Männer Amerikas. Zu Gesicht bekommen hat das „Phantom von Manhattan“ jedoch bislang niemand ….

***

Als ich damals Anfang 2016 das Musical „Das Phantom der Oper“ gesehen hatte, war ich so begeistert, dass ich die Geschichte lesen wollte. Ich habe dann den Roman vonGaston Leroux gelesen, der sicherlich gu,t aber doch irgendwie auch ein bisschen komisch war. Stichworte: der Perser, Stromausfall …

Mein Onkel erzählte mir dann, dass er mit meiner Tante im Musical „Das Phantom von Manhattan“ war, das einfach fantastisch sei und ihn absolut begeisterte. Ich wusste seinerzeit gar nicht, dass es eine „Fortsetzung“ des Romans gibt. Mein Mann schenkte ihn mir und ich habe ihn innerhalb der letzten 2 Tage verschlungen.

Zu allererst gibt es ein sehr ausführliches Vorwort von Frederick Forsyth, das so gut, interessant und informativ ist, das es sich allein dafür lohnt, das Buch in die Hand zu nehmen. Er zerlegt den Roman von Leroux in einer liebevollen aber klaren Art und Weise und er erzählt sehr viel über die Hintergründe der damaligen Gerüchte (die den Stoff für den Roman lieferten) den Bau und die Architektur des Opernhauses in Paris, uvm. Sehr spannend!

Wie oben im „Klappentext“ bereits erwähnt, beginnt die eigentliche Geschichte dann mit der Erzählung von Antoinette Giry, der Frau, die wir alle aus dem ersten Roman (und auch natürlich aus dem Musical) kennen. Im Roman war sie eher eine unterbelichtete „Schließerin“ der Logen im Operngebäude. Im Musical war sie die Leiterin des Corps des Ballet (der Tanztruppe) und Mutter der Tänzerin Meg.

Wir begleiten dann den Notar auf seinem Weg nach New York, erfahren wie es Erik nach seiner Ausreise nach Amerika ergangen ist. Auch hier verbaut Forsyth sehr viel Interessantes und historisch Belegtes. Ich habe alles nachgelesen und mir alte Bilder angeschaut, da ich zum einen prüfen wollte, ob er wirklich die wahre Geschichte mit seiner Fiktion verknüpft und es zum anderen einfach so spannend war, dass ich mehr wissen wollte.

Jedes Kapitel wird aus der Sicht einer anderen Person erzählt, die in die Handlung involviert ist, und so sind wir immer sehr nah dabei und es geht bisweilen recht dramatisch zu. Mehr verrate ich von der Handlung nicht, denn ich kann jedem, der „Das Phantom der Oper“ gesehen / gelesen hat nur empfehlen, diesen Roman ebenfalls zu lesen.

Die Idee zum Buch kam (natürlich) durch ein Gespräch mit Andrew Lloyd Webber auf, der dann gemeinsam mit Frederick Forsyth an dieser Handlung herumgefeilt hat.

Und eines weiß ich ganz gewiss: Dieser Roman wird ein fantastisches Musical geworden sein! Ich möchte es unbedingt ansehen. Aber zuerst: lest dieses Buch 

© Marion Brunner für Buchwelten 2017

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23 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Treibsand

Henning Mankell , Wolfgang Butt
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 04.08.2017
ISBN 9783423216937
Genre: Romane

Rezension:

Henning Mankell schreibt über sein Leben. Er erzählt von seiner Kindheit, Lebensstraßen, Ängste, Sorgen und Hoffnungen. Es geht ums Mensch sein, Erinnerungen, und der Treibsand der Angst seine Krebserkrankung zu entkommen.

Zitat Henning Mankell: „… ein Buch darüber, wie die Menschheit gelebt hat und lebt und wie ich mein eigenes Leben gelebt habe …“

***

Henning Mankell. Wahrscheinlich zu allererst durch seine bekannteste Romanfigur Kurt Wallander, die sogar Krimis verfilmt wurden.

Geschrieben hat er aber viel mehr. Einige Afrika-Romane und viele verschiedene Kinderbücher (die meine Kinder zum Teil sogar als Schullektüre durchgenommen haben). Aber eigentlich hat Henning Mankell Theaterstücke geschrieben und Krieg Theaterregisseur. Er hat auch Theater geleitet.

Aber wer war Henning Mankell eigentlich? Wurde er erlebt, war er da, wie geht er mit seiner Krankheit um?

The Wall of the Church of the Henning Mankell erzählt, wie und warum er zB die Figur Kurt Wallander erdacht hat, woher er die Inspirationen für seine (teilweise auch sehr brutalen und heftigen) Krimis genommen hat, der wird enttäuscht werden. Irgendwann um Seite 360 ​​rum erwähnt Henning Mankell mal Kurt Wallander, im Zusammenhang einer schwedischen Insel, die er besucht hat. Das war es in dieser Beziehung aber auch.

Dennoch hat Henning Mankell sehr viel erzählt. Natürlich auch über seine Kindheit, diese Erinnerungen haben ihn begleitet und beschäftigt, nachdem er am 08. Januar 2014 erfuhr, dass er an Krebs erkrankt ist.

Aber auch grundsätzliche Fragen haben ihn beschäftigt. Wie gehen wir mit unserer Welt um? War hinterlassen wir den Generationen sterben in 1.000 Jahren auf der Erde leben? Nur Atommüll, vor dem wir warnen oder den wir einfach vertuschen?

Das Buch war traurig, natürlich, denn wir alle wissen, dass Henning Mankell kurz nach der Veröffentlichung des Romans am 5. Oktober 2015 von seiner Krebserkrankung erlag. Aber ich habe auch sehr viel gelernt. Unter anderem viel Historisches, von dem ich wirklich nie hatte.

Ein Beispiel, das auch kein Spoiler ist:

Die Kadaver-Synode im Jahre 897. Hier hat (wirklich!) Papst Stephan VI den bereits seit 9 Monaten verstorbenen Papst Formosus aus seinem Sarkophag holen lassen.Erlaubt ihn in seinem volles Ornat kleiden und setzt ihn auf die Anklagebank, um ihn zu verurteilen und ihm nach seinem Tode rückwirkend das Pontifikat zu entziehen.Dazu gibt es ein Gemälde des Malers Jean-Paul Laurens, das im Buch abgebildet ist (schaut mal im Internet nach).

Mir hat das Buch viel gegeben. Natürlich regt es zum Denken an, es macht traurig und melancholisch, denn auf jeder Seite konfrontiert uns Henning Mankell mit unserer Sterblichkeit, die wir alle so gerne verdrängen. Das klappt bei der Lektüre jedoch Nicht wirklich.

Ein schöner Abschied von einem ganz großen Mann aus Schweden. Mach’s gut Henning Mankell. Ich wünsche Dir, dass Du nicht zu lange tot bist.
.

© Marion Brunner für Buchwelten 2017

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108 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

lisbeth salander, zwillinge, verfolgung, schweden, mikael blomkvist

Verfolgung

David Lagercrantz , Ursel Allenstein
Fester Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Heyne, 07.09.2017
ISBN 9783453270992
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Lisbeth Salander sitzt im Frauengefängnis Flodberga eine kurze Haftstrafe ab. In diesem besonderen Hochsicherheitsgefängnis sitzt Lisbeth jedoch eher zu ihrer eigenen Sicherheit ein. Sie wurde erst kürzlich dorthin verlegt. In Flodberga sitzt ebenso die gemeingefährliche Benito ein. Benito hat die Macht im Sicherheitstrakt und sogar die Wächter schauen eher weg, als dass sie versuchen, deren Einfluss zu unterbinden. Lisbeth versucht sich von Benito fernzuhalten. Doch Benito und ihre Gang drangsalieren und quälen Lisbeths Zellennachbarin Faria Kazi. Das geht Lisbeth mehr als gegen den Strich. Es macht sie so wütend, dass sie dazwischen geht.

Als Holger Palmgren, Lisbeths jahrelanger Vormund und Beistand, Lisbeth in der Haftanstalt unter den allergrößten körperlichen Mühen besucht, hat er brisante Informationen dabei, die Lisbeths Kindheit betreffen. Sie wurde bekanntlich durch die Behörden und auch Ärzte missbraucht und Palmgren hat hier etwas zu Tage gebracht, dass Lisbeths Neugier und ihren Jagdinstinkt weckt.

Sie bittet Mikael Blomkvist, der sie jeden Freitag in Flodberga besucht, darum, sie bei der Recherche zu unterstützen. Sie enthält ihm bewusst einige Infos vor, da sie weiß, dass Mikael „Kalle“ Blomkvist am allerbesten wühlen und suchen kann, wenn er unvoreingenommen an eine Sache herangeht.

Die Recherche dreht sich um Leo Mannheimer. Er ist ein Finanzanalyst, der aus gehobenen Verhältnissen stammt. Lisbeth hat keinerlei Idee, was er mit ihr zu tun haben soll und die Bedrohung durch Benito und ihre Bagage wird auch immer größer …

***

Verfolgung ist der 5. Band der Millenium-Reihe von Stieg Larsson, und der 2. Band, der von David Lagercrantz geschrieben wurde. Nachdem Stieg Larsson verstorben war, wurde David Lagercrantz von Larssons Familie erwählt, dessen Werk weiterzuführen. Und wie ich es schon in meiner Rezension zu „Verschwörung“ geschrieben habe, macht er das sehr gut.

Wenn man es nicht weiß, erkennt man kaum einen Unterschied im Schreibstil. Lagercrantz vermag genauso gut die Protagonisten zu zeichnen und agieren zu lassen, wie Larsson. Man merkt keine Änderung in deren Charaktereigenschaften. Er schafft es, genau so eine verzwickte und zunächst undurchschaubare Handlung zu spinnen, dass dem Leser ein sehr spannendes Lesevergnügen beschert wird. Teilweise war es mir von den medizinischen und anderen Fachbegriffen ein wenig kompliziert, doch ich habe diese Teile einfach hingenommen und dennoch alles verstanden.

Lagercrantz erzählt diesen 5. Teil in verschiedenen Handlungssträngen und wechselt (innerhalb der sehr langen Kapitel) natürlich immer mit einem gemeinen Cliffhanger. Zwischenzeitlich springt er sogar in die Vergangenheit, was den Plot noch spannender und auch abwechslungsreicher gestaltet.

Mir hat es großen Spaß gemacht, endlich wieder ein wenig Zeit mit Lisbeth Salander, Mikael Blomkvist und auch anderen bekannten Figuren der Millenium-Reihe zu verbringen. Sie wachsen einem doch ans Herz und da David Lagercrantz dem Vermächtnis von Stieg Larsson sehr gerecht wird, hoffe ich sehr, dass es weitergeht mit den spannenden Geschichten aus Schweden.

Leider gibt es wieder kein Nachwort, was ich erneut vermisse. Mich würde es beispielsweise sehr interessieren, ob dieser Band 5 aus Notizen und/oder Textfragmenten von Stieg Larsson erschaffen wurde, oder ob David Lagercrantz die gesamte Idee und Handlung selbst geliefert hat.

Fazit: Ein spannender, fesselnder und hochkarätiger Thriller in bester Stieg Larsson Manier. Salander und Blomkvist sind erneut in Bestform.

© Marion Brunner für Buchwelten 2017

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75 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

dublin, krimi, date, detective, conway

Gefrorener Schrei

Tana French , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 29.12.2016
ISBN 9783651024472
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine junge Frau wird tot in ihrem Cottage aufgefunden. Es sieht alles nach einer eindeutigen Beziehungstat aus. Das Opfer wurde geschlagen, schlug unglücklich mit dem Hinterkopf auf und starb.

Der Fall kommt gegen Ende der Nachtschicht rein und so erhalten die Detectives Antoinette Conway und Stephen Moran den Einsatz, persönlich übergeben vom Chef. Der erfahrene Kollege Breslin soll ihnen jedoch an die Seite gestellt werden, da er „gut mit Zeugen kann“.


Conway und Moran fahren zum Tatort und beginnen ihre Ermittlungen. Durch ein paar kleine Tricks können sie sich den Kollegen noch ein bisschen vom Hals schaffen und alleine arbeiten. Es stimmt, alles sieht nach einer klaren Beziehungstat aus, doch warum scheint dann jemand aus dem eigenen Dezernat Interesse daran zu haben, die Ermittlungen zu behindern oder gar in eine gewisse Richtung lenken zu wollen.

Da Conway sowieso überall nur noch Feinde sieht und einen Komplott gegen ihre – zugegeben nicht einfache – Person sieht, setzt sie alles daran, ihre eigenen Ermittlungen durchzuziehen. Und Moran ist der einzige, der noch zu ihr steht ….

***

Ich war immer großer Fan der Romane von Tana French, da ich ihren besonderen Schreibstil sehr gerne mag. Sie hatte immer eine besondere Gabe, Szenen, Momente und Situationen so bildhaft und poetisch greifbar zu beschreiben, dass es mich umgehauen hat. Irgendwie wollte sich dieses Gefühl bei diesem Roman aber nicht (mehr) einstellen. Einmal, zu Beginn von Kapitel 6 war es glaube ich, hat French einen Moment im Soko-Raum beschrieben, der ein bisschen das alte Gefühl der glitzernden Poesie heraufbeschworen hat.

Aber die Geschichte zieht sich gerade anfangs unheimlich in die Länge und ihre Protagonistin Antoinette Conway ist so verstockt und sieht überall Feinde, dass sie mir – gerade zu Beginn – nur noch auf die Nerven ging. Der Charakter ihres Partners, Stephen Moran hat hier so einiges wieder ausgeglichen, und auch die Nebenfiguren hat Tana French auch wieder sehr gut beschrieben und charakterisiert.

Dennoch, alles war unheimlich lang und ausufernd und beinahe künstlich in die Länge gezogen. Jede Unterhaltung, jedes Verhör, sie nahmen kein Ende. Dieses mal empfand ich die Lektüre als zäh und teilweise wirklich anstrengend.

Das bezieht sich allerdings nicht auf die Handlung, die Geschichte selbst. Denn den Plot hat Tana French wieder sehr gut ausgeklügelt und wunderbar verzwickt gestaltet. Lediglich die Umsetzung war anders, als ich es bisher kannte. Wieder schreibt die Autorin aus der Ich-Perspektive, was hier bedeutet, dass eine ständig genervte, gefrustete und alle gegen sich sehende Ermittlerin erzählt und agiert.

Dies ist auch das erste Mal, dass ein Ermittler-Duo ihre Tätigkeit im Nachfolgeband wiederholt. Bisher hatte Tana French es immer so gehandhabt, dass eine Nebenfigur aus ihrem aktuellen Roman im Nachfolger die Hauptrolle erhielt.

Mein Fazit: Eine Handlung mit einer tollen Idee und auch guten Figuren. Lediglich die Hauptprotagonistin ging mir teilweise richtig auf die Nerven. Ein spannender Plot, der aber leider teilweise sehr langatmig und zäh war. Für mich bislang ihr schlechtester Roman.

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(1.257)

2.148 Bibliotheken, 52 Leser, 3 Gruppen, 242 Rezensionen

harry potter, fantasy, hogwarts, theaterstück, zauberei

Harry Potter und das verwunschene Kind

J.K. Rowling , John Tiffany , Jack Thorne
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.09.2016
ISBN 9783551559159
Genre: Jugendbuch

Rezension:

19 Jahre sind nach dem finalen Kampf in Hogwarts vergangen und Harry Potter und seine Gefährten sind erwachsen und haben längst eigene Kinder.

Natürlich besuchen auch die Kinder Hogwarts, die Schule für Hexerei und Zauberei. Aber logischerweise haben die Kinder ihre eigenen Charakter und kommen nicht unbedingt so nach ihren Eltern wie die es sich wünschen ….

***

Ich denke, dass sich so ziemlich jeder Potter-Fan gewünscht hat, dass J.K. Rowling doch noch einen 8. Teil der Reihe schreibt, eben irgendeine Fortsetzung liefert. Nun, irgendwiehat sie das getan, jedoch so ganz anders, als die Fans das erwartet hatten.

Sie hat keinen weiteren Roman, sondern ein Theaterstück geschrieben, und wir als Leser bekommen hier das Drehbuch dazu als „Fortsetzung“ geliefert.

Ich für mich finde das eine großartige Idee und ich hatte großen Spaß an der Lektüre. Direkt nach den ersten Sätzen der 1. Szene im 1. Akt war alles wieder da: die besondere Stimmung, die Zaubersprüche, die Zauberer, Hexen, Lehrer und Wesen, die man über so viele Jahre liebgewonnen hatte.

Durch die besondere Art des Textes fliegt man nur so durch das Buch und man vergisst sehr schnell, dass man eigentlich ein Drehbuch liest. Denn die Namen, wer gerade was sagt, das überliest man sehr schnell. Man kann den Gesprächen nämlich ohne weiteres folgen und verliert nie den Überblick. Ganz geschickt werden Rückblenden verbaut, die die Erinnerung wieder ein wenig auffrischen, sollte doch etwas in Vergessenheit geraten sein.

Ich fand es großartig, u.a. Scorpius Malfoy und Albus Severus Potter kennenzulernen, sie zu begleiten und mit Ihnen Abenteuer zu erleben. Aber auch die „alten“ kommen in keinster Weise zu kurz. Rowling und ihre Mitschreiber (John Tiffany und Jack Thorne) haben hier eine richtig tolle Story geliefert.

Ich würde das Theaterstück sehr gerne sehen und finde es schade, dass es nicht in Deutschland aufgeführt wird. Aber vielleicht ändert sich das ja noch oder es gibt sogar irgendwann eine Verfilmung?

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

serienmörder, volksfest, weinheim

Die Nacht der tausend Lichter

Silke Ziegler
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei GRAFIT, 11.04.2017
ISBN 9783894254889
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sina Engel arbeitet als Kommissarin in ihrer Heimatstadt Weinheim an der Bergstraße. Derzeit hat sie es alles andere als leicht. Sie ist hochschwanger und hat kurz vor Bekanntwerden der Schwangerschaft ihren Verlobten und Kollegen Carlo verloren. Nun wird Sina das gemeinsame Kind, das seinen Vater niemals kennenlernen wird, alleine großziehen.

Als hätte Sina mit diesem privaten Umstand nicht genug zu tun, muss sie ihre letzten Arbeitswochen bei knappen 40 Grad Sommerhitze damit zubringen, den„Kerweschlitzer“ aufzuspüren. Ein Mörder hat in den vergangen 2 Jahre auf dem großen Volksfest in Weinheim, genannt „Kerwe“, 2 Frauen brutal abgeschlachtet. Natürlich hat die Bevölkerung Angst, dass dies in diesem Jahr wieder geschieht und Sina will dies zum einen unbedingt verhindern und zum anderen natürlich die Ermittlungen vor ihrem Mutterschutz beenden.

Ihr Vorgesetzter stellt Sina als Unterstützung einen Partner zur Seite, der niemand geringerer ist, als der ehemalige Partner ihre verstorbenen/ermordeten Verlobten. Sina ist natürlich alles andere als begeistert und ob sie die beiden zusammenraufen muss sich wohl zeigen ….

***

Es ist nicht der erste Roman der Autorin Silke Ziegler, jedoch der erste den ich von ihr gelesen habe. Da ich eigentlich in diesem Jahr nichts angefordert hatte beim Grafit Verlag, wurde mir der Roman überraschenderweise geschickt und ich hatte den Eindruck, dass ich der Handlung auch folgen könne, wenn ich die Vorgänger nicht kenne.

Mir hat der Roman gut gefallen, er war spannend und hat mich auch gefesselt und ich war sehr flott durch die Geschichte geflogen. Der Verlauf der Handlung war eigentlich nicht absehbar und das Finale ist Silke Ziegler gut gelungen. Für mich hatte es zwar ein wenig von einer gewollten, hochdramatischen Schlussszene eines Films. Aber trotzdem war der Schluss okay.

Ab und an war mir Sina Engel ein bisschen zu jammerig und naiv, auch im Hinblick auf ihre Ermittlungstaktiken, was mir dann nicht so gefiel. Denn sie sollte ja trotz Babybauch und Schwangerschaft als bissige und toughe Kommissarin rüberkommen, die sich nicht in die Quere kommen lassen will.

Ab und an kamen dann auch leicht kitschige Momente zustande, die mir persönlich zu seicht und übertrieben waren. Aber das ist immer Geschmackssache und kann natürlich mit den Hormonen in der Schwangerschaft zusammenhängen :-). Auch wurden viele Hintergrundinformationen zum offenbar sehr schönen Weinheim verbaut, was natürlich dann immer im Zuge einer wörtlichen Rede geschah und manchmal ein bisschen zu viel war, da es wirkte, als wolle die erbrachte Recherche unbedingt untergebracht werden.

Aber dennoch: Ich hatte großes Vergnügen bei der Lektüre und die Autorin hat es gut hinbekommen, bis zum Schluss nicht zu viel preiszugeben. Der Schreibstil ist gut und sauber ausformuliert und die Charaktere waren gut beschrieben und dargestellt.

Mein Fazit: Ein guter Krimi, spannend und brutal auf der einen Seite. Auf der anderen manchmal (für mich) zu seicht und kitschig, was aber anderen gut gefallen mag.

© Buchwelten 2017

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(81)

143 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

thriller, entführung, kindesmissbrauch, bewertung: 5 von 5 sternen, buchreihe

K - Kidnapped

Chelsea Cain , Lilith Winter
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.07.2015
ISBN 9783734100413
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als 6-jährige wird Kathleen „Kit“ Lannigan entführt. 5 Jahre später wird das Mädchen gefunden und gerettet. Ihre Mutter schlägt nach der Rettung Profit und Ruhm aus ihrer Tochter, die jahrelang missbraucht und zur Produktion von Filmen für Pädophile benutzt wurde. Als „Beth“ erlangte sie in diesen Kreisen Berühmtheit. Noch heute, 10 Jahre später kursieren diese Filme im Internet.

Wieder ist ein kleiner Junge ist verschwunden und gemeinsam mit James, ihrem Bruder – wie Kick ( „Kit“ ) ihn selbst nennt – versucht sie, ihn aufzuspüren. Denn diese Fälle beschäftigen sie noch heute. Sie muss zwanghaft jeden Vermissten-Fall lückenlos verfolgen. Denn sie weiß ganz genau, was mit diesen Kindern geschieht. Eines Abends sitzt plötzlich ein ihr unbekannter Mann in Kicks Wohnung. John Bishop sucht professionell vermisste Kinder und ist sich absolut sicher, dass Kick ihm bei seiner Suche nach Adam Rice, dem aktuell vermissten Kind,  helfen kann. Denn sie weiß Dinge, die für Bishop von großem Vorteil sind. Doch dazu muss Kick sich auf eine dunkle Reise in ihre Kindheit begeben. Sie muss Erinnerungen hervorholen, die sie jahrelang versuchte zu verdrängen ….

***

Als jahrelanger Fan von Chelsea Cain (die Gretchen Thriller – ich habe sie hier alle rezensiert) war ich natürlich sehr neugierig auf den Start ihrer neuen Reihe. Und wieder einmal hat mich die Autorin schlagartig gefesselt. Schon lange habe ich kein Buch mehr innerhalb einer Woche gelesen.

Das Thema ist schlimm, pervers und leider aktuell und hochbrisant. Kinderpornografie, Kindesmissbrauch, Entführung und Handel. Alle diese Themen behandelt der neue Thriller der Autorin. Brutal ist er sicher auch, jedoch nicht auf die o.g. Punkte bezogen, hier spielt sich die Grausamkeit eher auf psychologischer Ebene ab. Denn Cain beschreibt keine sexuellen Handlungen an den Kindern. Sie beschreibt, wie sie „gehalten“ wurden, wie sie „klein gemacht“ wurden, wie sie ständig umzogen und die Häuser wechselten.


Ganz extrem finde ich diese Art „Bindung“, die die Autorin beschreibt, die sich zwischen Beth (der kleinen Kick) und ihrem Entführer „Daddy“/Mel aufgebaut hat und die irgendwie immer noch andauert. Er selbst hat Kick körperlich nie weh getan, er hat mit ihr gespielt und war gut zu ihr. Er hat mit ihr Ferien gemacht und Kick mochte ihn. Es klingt unglaublich und mehr erzähle ich auch nicht.

Die Kick der Gegenwart ist tough, stark und schlagfertig auf der einen Seite und auf der anderen immer noch sehr emotional und verletzlich. Die Ermittlungen, gemeinsam mit John Bishop, haben mir großen Spaß gemacht. Die Gespräche der beiden waren einfach sehr gut geschrieben und trotz der ganzen Spannung und Dramatik hat die Autorin hier eine ganz tolle Stimmung erschaffen. John Bishop erinnerte mich immer ein wenig an Jason Statham in „Transporter“ und bei Kick hatte ich immer Lisbeth Salander vor Augen, auch wenn Kick lange und wuschelige Haare hat.

Mein Fazit: Ein absolut gelungener Auftakt einer neuen Reihe, mit einer wunderbaren Protagonistin. Ein schreckliches Thema wird behandelt, aber Cain hat die Gratwanderung mit Bravour gemeistert und einen fesselnden Thriller geliefert, der sehr emotional und dennoch absolut spannend und unterhaltsam ist.

© Marion Brunner_Buchwelten 2017

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32 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

düsseldorf, schwarze kommissarin, afrodeutsche, krimi, datenklau

Das Ende aller Geheimnisse

Stefan Keller
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.01.2017
ISBN 9783499272493
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Heidi Kamemba tritt ihren ersten Tag bei der Kripo in Düsseldorf an. Sie ist nicht nur die Neue, sondern sie ist DIE Neue. Denn: Sie ist farbig. Sie ist die erste schwarze Kriminalkommissarin Deutschlands. Aber sie ist ehrgeizig, voller Tatendrang, war eine der besten in ihrer Ausbildung und sie hat nicht vor, sich wegen ihrer Hautfarbe runtermachen oder minderwertig behandeln zu lassen.

Nun denn, Heidi wird dem Team von HK Bruno Westphalen zugeteilt. Was an sich schon nicht so verlockend ist, da ihr Vorgänger sich vor nicht allzu langer Zeit das Leben nahm und seine Kollegen nach wie vor trauern und der Neuen sehr skeptisch gegenübertreten.

In ihrem ersten Fall bekommt Heidi es mit einer Leiche zu tun, die in einem Waldstück total verkohlt aufgefunden wird. Hinweise oder gar Spuren gibt es so gut wie keine. Heidi hat es leider nicht leicht, denn ihre Kollegen erweisen sich nicht nur als nicht sonderlich hilfsbereit, sondern sogar als abweisend und distanziert. Da Heidi unbedingt wissen will, was mit ihrem Vorgänger geschah und warum ihre Kollegen so verschlossen und abweisend sind, ermittelt sie nicht nur in dem Mordfall. Sie versucht herauszubekommen, was damals mit Becker geschah und was die Kollegen im Team wussten oder gar damit zu tun hatten ….

***

Hmmm, ist so mein erster Gedanke, wenn ich meine Meinung in Worte fassen soll. Ich bin nicht so wirklich sicher, ob mir der Krimi nun gut gefiel oder eher nicht. Ich würde mich auf „mittel“ festlegen. Stefan Keller ist kein unerfahrener Neuling, sondern hat schon einiges geschrieben und auch beruflich viel mit Schreiben und Literatur zu tun. Seine Grundidee, eine farbige Ermittlerin ins Leben zu rufen, die es auch (oder gerade wieder) in der heutigen Zeit sehr schwer hat, finde ich sehr gut. Seine Protagonistin ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, das interessiert aber trotzdem erstmal nicht, als sie ihren neuen Kollegen und dem Vorgesetzten gegenübersteht. Erstmal ist sie anders, kann gar nicht gut sein, wird gemustert und blöd angeschaut.
Das erinnerte mich an ein Erlebnis aus meinem eigenen Berufsleben, denn wir hatten im letzten Jahr eine farbige Referendarin in unserem Betrieb. Hier geboren und aufgewachsen und lustig, lieb und sehr deutsch  Ich weiss nicht, ob es in den diversen Behördenstationen während ihrer Ausbildung Probleme hatte, sie machte nicht den Eindruck.

Die Handlung hat Keller in zwei Stränge aufgeteilt. Einmal die Mordermittlung an sich und dann Heidis Recherchen, was den Mord an ihrem Vorgänger angeht. Die Story war spannend und hat mir ganz gut gefallen, aber irgendwie wurde ich bis zum Schluss nicht so wirklich warm mit den Personen. Auch mit Heidi selbst nicht. Wenn ich jetzt schreibe, sie war mir als Protagonistin einen Hauch zu farblos, dann klingt das im Hinblick auf ihre Hautfarbe womöglich blöd. Aber so war es. Ich fand sie nett, ja. Sie ist taff, ja. Aber irgendwie hat mir das gewisse Etwas gefehlt.

Als es an die Auflösung ging, war mir das Ende des eigentlichen Mordfalls ein bisschen zu vage und teils auch nicht so logisch und genau gelöst. Ich hatte das Gefühl, dass hier ein Finale gleich einem dramatischen Polit-Thriller erschaffen werden sollte, was jedoch nicht so ganz gelungen ist. Die Lösung des zweiten roten Fadens hat bei mir noch so einige Punkte offen gelassen, die mich das Buch letztendlich ein bisschen unbefriedigt haben schliessen lassen.

Fazit: Alles in allem sicher ein guter Krimi, jedoch hoffe ich, dass der Autor im zweiten Fall von Heidi Kamemba ein bisschen draufpackt und die Handlung fesselnder und interessanter, sowie die Figuren ein bisschen tiefer und echter gestaltet.

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© Buchwelten 2017

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 1 Rezension

stormy, dean koontz, völlig glatt und blau, odd thomas

Opferweg

Dean Koontz ,
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.11.2015
ISBN 9783453438286
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Odd Thomas kehrt zurück nach Hause. Pico Mundo ist laut seiner eigenen Aussage, dass Ende seiner Reise. Seine geliebte Stormy hat er lange verloren und eigentlich will Odd ihr schon lange folgen um endlich wieder bei ihr zu sein. Denn Stormy hat immer gesagt: Das Leben, das wir kennen ist nur eine 1. Stufe: das Ausbildungslager. Danach geht’s erst richtig los.

Odd, guter Grillkoch und lieber Junge der er immer war undist, hatte aber immer andere, wichtigere Dinge zu erledigen, sodass das Wiedersehen mit Stormy warten musste. Über viele Jahre hinweg, haben wir Odd begleitet, nun scheint der finale Kampf gegen seine Feinde in seiner Heimatstadt mitten in der Wüste stattzufinden ….

***


*** Achtung – Eventuelle Spoilergefahr !!! ***

Zunächst treffen wir eine Reihe alter Freunde aus Oddies Heimatstadt wieder. Natürlich Chief Porter, aber unbedingt zu erwähnen ist Oddies zweiter Ersatzvater und Mentor: der schräge Schriftsteller Mr. Ozzie Boone.

Im Original heißt der finale Band schlicht und einfach „Saint Odd“ und ich finde den Titel absolut passend. Dean Koontz selbst sagte, dass es für ihn einfach keinen anderen Titel hätte geben können. Aber hier bei uns muss ja immer alles übersetzt werden, sogar wenn es vom Englischen ins Englische ist.

Schön ist es natürlich, nach Pico Mundo zurückzukehren, es gab da Momente in anderen Bänden, da habe ich das vermisst. Bodachs lassen hier im letzten Teil jedoch lange auf sich warten, und auch die netten Geister von Elvis oder Frank Sinatra sind nicht mehr dabei. Alles Dinge, die die ersten Bände ausgemacht haben. Spannend fand ich diesen letzten Teil dennoch, auch wenn er eher ruhiger daher kommt. Mir persönlich ist das düstere und undurchdringliche der alten Teile ein wenig abhanden gekommen. Mir ist zu oft einfach nur von „den Kultanhängern“ die Rede. Das nimmt der Story für mich ein bisschen das Mystische. Aber gut gemacht hat Dean Koontz den letzten Teil der Reihe schon  Jedoch kam mir das wirkliche Finale, DAS worauf alle Fans seit dem ersten Band gehofft und gewartet haben, leider zu kurz. Es war schön geschrieben, ja, doch ich hätte mir hier einen Packen Seiten mehr gewünscht. Ich fand es nicht gebührend genug behandelt und ein bisschen zu schnell runtergeschrieben. Ich weiß, viele Schriftsteller wollen irgendwann einfach nur noch fertig werden, endlich den Schluss runterschreiben, der sie solange in ihrem Kopf beschäftigt.
Dennoch ist der Schluss der Geschichte an sich sehr schön geworden. Bye bye Odd, schade, dass es nun vorbei ist.

Liebe Leser: Wenn ihr noch keinen Roman der Odd Thomas Reihe gelesen habt, dann lasst euch nicht von den heuschreckenartigen Viechern auf den Covern irreleiten oder verunsichern. Die haben absolut gar nichts mit den Romanen zu tun. Es gab eine Zeit, da hatten alle Dean Koontz Romane diese Viecher auf den Covern. Das war wohl gerade chic und in, keine Ahnung.

Was mir zu guter Letzt noch einfällt: Danke HEYNE, dass ihr Band 1 – 5 zunächst als gebundene Ausgabe und danach als Taschenbuch veröffentlicht habt. Warum ging das bei Teil 6 und 7 nicht mehr? Warum wurden die nur noch direkt als Taschenbuch auf den Markt gebracht? Oder müssen die Leser dankbar sein, dass sie überhaupt noch eine Printausgabe bekommen? Nun habe ich eine Buchreihe im Regal, die mit schönen, gebundenen Büchern beginnt und dann zerrissen wird und mit 2 Taschenbüchern endet. Für Leser, die schöne Buchregale schätzen und lieben, geht sowas leider gar nicht.

© Buchwelten 2017

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116 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

entführung, thriller, berlin, kindesentführung, catherine shepherd

Krähenmutter

Catherine Shepherd
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492309653
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Laura Kern bekommt einen seltsamen Fall zugeteilt. Ein Säugling verschwindet am helllichten Tag aus einem Supermarkt. Samt seinem Kinderwagen wurde er entführt, die junge Mutter ist völlig außer sich. Der Vater des Kindes scheint etwas zwielichtig. Er schweigt, ist nicht sonderlich hilfsbereit bei den Ermittlungen und wirkt somit verdächtig. Doch plötzlich verschwindet der Vater des entführten Kindes ebenfalls und Laura und ihr Partner Max müssen sich sputen, die Ermittlungen voranzutreiben. Doch sie stehen vor einem Rätsel ….

***

Diesen Thriller habe ich überraschend vom Verlag bekommen, darum kam ich auch erst recht spät dazu, ihn zu lesen. Die Inhaltsangabe klang nicht schlecht. Das Cover ist hingegen derzeitiger Standard. Schwar-weiß-rot sind sie seit einigen Jahren ja fast alle. Das diese Präsentation nicht für einen spektakulären Inhalt garantiert, wusste ich schon länger.

Fange ich mal damit an, dass ich von Catherine Shepherd bis dato weder was gelesen noch gehört hatte. Eine kleine Anfrage in einer Suchmaschine ergab, dass die Autorin eigentlich Katrin Schäfer heißt und normalerweise Zons-Krimis schreibt, die wohl recht erfolgreich sind. Ich finde es schon komisch, dass eine deutsche Autorin sich ein englisches Pseudonym zulegt, um interessanter zu wirken. So empfinde ich das zumindest.

Die Grundidee dieses Thrillers finde ich wirklich gut, auch die Haupthandlung, den Grund der Entführung, die abschließende Aufklärung. All dies ist eigentlich eine tolle Idee. Ich finde nur die Umsetzung ein wenig zu fad, zu absehbar und mit Protagonisten, mit denen ich die gesamte Handlung über nicht warm wurde. Ich muss gestehen, dass ich die Person des Max (Partner der Ermittlerin) schon irgendwie vergessen habe. Laura Kern selbst wirkte irgendwie gestelzt und unnahbar. Ihr fehlte für mich die Seele, die Tiefe.

Flott lesen lies sich der Thriller allemal. Ich war in zwei Tagen durch und das soll bei meiner Lesegeschwindigkeit mittlerweile (leider extrem runtergeschraubt) doch was heißen.

Mein Fazit: Ein Thriller der von mir, um es mit Sternen auszudrücken, leider nicht mehr als 3 von 5 erhält. Er liefert eine gute Grundidee, die mir jedoch irgendwie zu lieblos oder auch dröge niedergeschrieben wurde. Ist aber alles Geschmackssache. Also, wen die Inhaltsangabe neugierig macht, sollte selbst lesen und sich sein eigenes Bild machen.

© Buchwelten 2017

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

dorfidylle, kriminalgeschichte, ökobewegung, rechtsextreme organisation, völkische bewegung

Die Sippe

Marc-Oliver Bischoff
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei GRAFIT, 25.10.2016
ISBN 9783894254780
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Katharina Hoffmann, Krankenschwester, in länger andauernder Affäre mit einem Arzt, bekommt an einem Abend nach Jahren einen Anruf ihrer Schwester Sara, den sie jedoch nicht annimmt. Seit einigen Jahren ist die Beziehung der beiden untereinander ein wenig unterkühlt und zum Zeitpunkt des Anrufs ist Katharina gerade mit „ihrem Arzt“ anderweitig beschäftigt.

Kurze Zeit später wird Katharina beinahe Opfer eines Überfalls, kommt aber glücklicherweise noch heile davon. Als sie die Nachricht ihrer Schwester abhört, bekommt sie eine Gänsehaut. Als sie Sara zurückrufen will, kann sie sie nicht erreichen. Nicht mobil, nicht auf dem Festnetz, die Mutter hat auch nichts von ihrer zweiten Tochter gehört.

Katharina fährt nach Rostock, wo ihre Schwester lebt und als Gerichtsvollzieherin arbeitet. Ihre Wohnung ist verlassen, es sieht aber nicht aus, als wäre Sara verreist. Katharina sucht und fragt und dann führt ein Hinweis auf ihren letzten beruflichen Einsatz nach Grantzow. Ein kleiner Ort unweit von Rostock. Katharina fährt los und macht sich auf die Suche …..

***

Dies ist der vierte Roman von Marc-Oliver Bischoff. Mir gefiel sein Debüt „Tödliche Fortsetzung“ gut. Der zweite Roman „Die Voliére“ gefiel mir besser, der dritte Roman„Golanhöhen“ stand dem in nichts nach. Sein Debüt war recht krass und blutig, dies wurde in den weiteren Roman bereits etwas entschärft. Hier in diesem vorliegenden Roman geht es in dieser Hinsicht sanft zu. Marc-Oliver Bischoff schrieb selbst in einem Facebook-Kommentar, dass er findet, er sei hier wirklich unblutig gewesen. Stimmt völlig, nimmt der Spannung und Dramatik allerdings überhaupt nichts.

Bischoff führt uns Leser in ein kleines, beschauliches Dorf. Die Idylle ist zu perfekt. Nett hergerichtete alte Häuser und Höfe, Bewohner die untereinander sehr hilfsbereit sind und überhaupt nichts mit der Moderne am Hut haben. Die Höfe produzieren ihre Nahrung selbst, es gibt eine Papiermanufaktur und eine Dorfschmiede. Katharina stutzt jedoch ein wenig, als sie die Schulkinder sieht, die aus der Dorfschule treten. Die Jungs in Hemd und Kniebundhosen, die Mädchen im Kleid und mit geflochtenen Zöpfen.

Katharina versucht dort etwas über ihre Schwester zu erfahren, doch immer wenn sie darauf zu sprechen kommt, machen die Bewohner dicht. Durch einen Vorfall scheint sie jedoch dort festgehalten zu werden und sie kommt nicht weg. Unwohl fühlt sie sich aber auch nicht, was ich als Leser sogar irgendwie total nachvollziehen konnte. Diese Reise in die alte Zeit hatte schon was und ich glaube, dass hier in der Realität die Gefahr liegt.

Der Verlag sagt, dies sei der politischste Roman des Autors, was zutrifft, auch wenn die Idylle der Handlung dies zunächst überhaupt nicht spüren lässt. Die Handlung ist spannend, teilweise sehr schön und angenehm, stellenweise dann doch wieder erschreckend und dramatisch. Ein kleiner Teil der Handlung hat mich immer etwas genervt, eine Figur, die aber dennoch wichtig war und reingeschrieben werden musste, trotzdem. Das hat dem Gesamtbild des Krimis aber keinen Abbruch getan.

In diesem Roman sind die bisherigen Protagonisten des Autors nicht mit dabei, sein Ermittlerteam Gideon Richter und Nora Winter haben hier Pause, dies noch als Hinweis für Fans dieses Duos.

Ich fand es wirklich interessant und auch erschreckend, was sich in den kleinen Dörfern der ehemaligen DDR so abspielt. Auch wenn ich kein fernsehe, so bekomme ich natürlich mit, was in der Welt geschieht. Ich lese über die AFD und auch von sogenannten Reichsbürgern, die Regeln und Gesetze unserer Republik nicht akzeptieren. Das sich jedoch nach und nach immer mehr solcher Gemeinschaften (Sippen) bilden und ansiedeln und klammheimlich die aussterbenden kleinen Orte besiedeln, das habe ich so nicht mitbekommen und das löst doch leichte Beklemmungen aus.

Mein Fazit: Ein ruhiger Krimi, der idyllisch, malerisch und hübsch auf der einen Seite und gefährlich, brutal und erschreckend auf der anderen ist. Der hübsche Schein kann mehr als trügen und politische Hintergründe finden sich offensichtlich vermehrt und extrem in schönen Dörfern, die Heimatfilmgefühle auslösen. Meine klare Leseempfehlung.

P.S.
Marc-Oliver Bischoff hat nicht in der Anthologie „Glaube.Liebe.Leichenschau – Mord am Hellweg VIII mitgewirkt  *räusper*

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255 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 37 Rezensionen

stephen king, thriller, mind control, spannend, bill hodges-trilogie

Mind Control

Stephen King , Bernhard Kleinschmidt
Fester Einband: 580 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453270862
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Brady Hartsfield, bekannt als der Mercedes Killer sitzt/liegt als „Matschbirne“ in einer Klinik für Neurotraumalogie, auch genannt „die Schüssel“, und fristet ein elendes Dasein. Denken zumindest alle, ist aber nicht so, denn Brady ist abgrundtief böse und das Böse in ihm gibt nicht auf. Sein Körper ist ein Wrack, doch Brady findet andere Mittel und Wege seine Macht- und Rachegelüste zu nutzen und umzusetzen.

In der Stadt geschehen plötzlich vermehrt ungeklärte Selbstmorde. Besondere Umstände bringen den ermittelnden Polizisten dazu, seinen Ex-Partner William Kermit (auch genannt Bill) Hodges zu kontaktieren. Denn der hat eine Ahnung, und bringt diese Geschehnisse mit niemand anderem als Brady Hartsfield in Verbindung …

***

Wer die ersten zwei Bände der Mr. Mercedes Reihe gelesen hat, der kennt Brady Hartsfield und der weiß, dass dieser Typ einfach nur ein mieses, böses Etwas ist. Und Stephen King findet hier einen absolut guten, spannenden und gut ausgeklügelten Abschluss seiner Reihe. Wir treffen auf alte Bekannte wie Jerome und Holly Gibney, mit der Bill nach dem ersten Band das Büro „Finders Keepers“ gegründet hat. Diese Charaktere wiederzutreffen und sie zu begleiten macht großen Spaß. Holly hat sich prächtig entwickelt (zumindest für ihre Verhältnisse) und ich habe mich mit ihnen allen sehr wohl gefühlt.

Stephen King flechtet in seine Handlung sehr gut die neumodischen Phänomene wie den großen Einfluss sozialer Netzwerke (in dem Fall bei Teenagern) und die gefährlich hypnotisierende und abhängig machende Wirkung von Smartphones und Computerspielen ein. Wie oben herauszulesen ist, spielt auch das Thema Suizidgefahr und Gedankenbeeinflussung eine große Rolle. Diese Themen hat Stephen King sehr überzeugend und erschreckend deutlich hervorgebracht. Für mich war dieser abschließende Teil irgendwie eine typische X-Akte. Mehr mag ich an dieser Stelle nicht verraten. Aber ich würde jedem Neugierigen empfehlen, alle drei Teil zu lesen, denn die Handlung ist komplex und baut aufeinander auf.

Das Ende des Romans ist gut gelungen und für mich (leider) passend. Nicht enttäuschend und zu schnell herbeigeführt, wie es der Autor in seinen früheren Werken leider oft geliefert hat. Aber dies ist beim „neuen“ King mittlerweile grundsätzlich viel besser geworden.

Das einzige was mich wirklich stört und nervt, ist, warum ein Verlag einen englischen/amerikanischen Originaltitel in einen nicht deutschen Titel übersetzt. Absolut blöd und unsinnig. Ich gebe zu, dass der „deutsche“ Titel „Mind Control“ ziemlich gut zur Handlung passt, wobei er meiner Meinung nach schon zu viel preisgibt. Aber Stephen King, besser gesagt in diesem Fall seine Frau Tabitha, hat im Original den Titel „End of Watch“ gewählt. Und dabei werden sich die beiden garantiert etwas gedacht haben. Mich jedenfalls hat er zum nachdenken angeregt, wie das wohl konkret gemeint ist.

Aber dass Verlage Originaltitel aus dem englischen für unseren Markt in einen englischen Titel „übersetzen“ ist ja leider nichts Neues. Ich kann und muss das nicht verstehen. Dann kann man doch einfach den Originaltitel beibehalten, denn die Leser, die kein Englisch sprechen, müssen sowieso ein Wörterbuch (haha) zu Rate ziehen.

Fazit: Ein gelungener, würdiger, absolut fesselnder Abschluss der Bill Hodges Reihe, der mit einem Schluss die Reihe beendet, der der gesamten Handlung absolut gerecht wird. Achtet auf die roten, flitzenden Fische … oder nein, lieber nicht ….

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Glaube. Liebe. Leichenschau

H.P. Karr , Sigrun Krauß , Herbert Knorr
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei GRAFIT, 13.09.2016
ISBN 9783894254742
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der bereits achte Teil der Mord am Hellweg-Reihe lautet Glaube.Liebe.Leichenschau.

Insgesamt 23 Schrifstteller liefern ihre Kurzgeschichte ab, die jeweils in der Region des Hellwegs handeln. Der Verlag verspricht eine abwechslungsreiche Unterhaltung mit Mord und Totschlag, Schuld und Sühne ….

***

Als Stammleserin vieler Krimis des Grafit Verlages habe ich diesmal auch die Anthologie Mord am Hellweg VIII ausgesucht. Bekannte, namhafte Autoren wie Horst Eckert, Sebastiak Fitzek, Arno Strobel, Elisabeth Herrmann und Rainer Wittkamp haben hier mitgewirkt. Aber außerdem noch eine ganze Reihe an Schreibern, die mir persönlich noch nichts sagten. Gerade das hat mich neugierig gemacht.

Zwischen 15 und 20 Seiten sind die Geschichten lang und so fliegt man natürlich als Leser relativ flott durch dieses Buch. Der Vorteil einer Anthologie und Kurzgeschichten ist, dass man immer mal wieder eine Geschichte lesen kann, wenn die Lesezeit nicht so ergiebig ausfällt. Der Nachteil ist, dass, wenn man eben doch mehr Zeit hat und einige Geschichten hintereinander wegliest, man schnell wieder die ein oder andere Handlung aus seinem Hirn radiert. So ging es mir ab und an auch. Geschichten, die mir zwar ganz gut gefielen, aber dennoch irgendwie nicht haften geblieben sind.

Andere wiederum schon. Hier einige kleine Beispiele und Stichpunkte:

Rainer Wittkamps „Das Iserlohner Reinheitsgelübde“ nahm eine Wendung, die unvorhersehbar war und gut rüberkam.

In „Als Allah nach Herdecke kam“ von Christa von Bernutz kommen sowohl die tragische Aktualität der Handlung sowie ein guter Spritzer herrlicher Humor nicht zu kurz. Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich musste nicht selten schmunzeln. Eine Autorin, die ich mir merke.

Der österreichische Humor in „Danke Kamen – und sorry für den Toten“ von Georg Haderer hat auch wirklich Spaß gemacht.

Das Mädchen vom Wittener Kreuz“ von Matthias Wittekindt hat mich berührt und betroffen gemacht. Eine Geschichte, die einen schalen Nachgeschmack hinterlassen hat.

In „Kein Fall für Hunter“ hat Judith Merchant den Hauptprotagonisten eines bekannten Autorenkollegen zum Leben erwachen lassen. Da ich diese Reihe nicht kenne, hat es bei mir ein bisschen gebraucht, bis ich es kapiert hatte. Gelungen ist diese Geschichte aber sehr.

Sehr gefühlvoll und sanft, ja, teilweise erotisch liest sich die Geschichte „Atmen in Bad Sassendorf“ von Christian Sebastian Henn. Trotz Krimihandlung bringt der Autor hier eine wundervolle Stimmung in seinen Zeilen unter.

Auch die Geschichten der bekannten Herren wie Horst Eckert und Sebstian Fitzek gefielen mir gut. Bei der Story „UNNAtürlich“ von Sebastian Fitzek liefert der Autor seine altbekannten Wendungen, mit denen ich nie rechne, obwohl es sie doch immer wieder gibt. Diese kleinen Verzwickungen haben aber auch großen Spaß gemacht. WhatsApp hat bekanntlich so seine Tücken ….

Horst Eckert war für mich sehr interessant, weil er hier mit „Der Heiler von Hagen“ eine irgendwie so ganz andere Art von Geschichte liefert, als ich sie sonst von ihm kenne. Hat er gut gemacht. Er kann auch ohne Vincent Veih spannendes erzählen.

Elisabeth Herrmann präsentiert in „Letzer Ausstieg Ahlen“ zwei ganz entzückende, alte Damen, die nicht auf den Mund gefallen sind. Eine spritzige Handlung mit Witz.

Ich könnte noch seitenlang weitermachen, ich denke, dass meine Begeisterung ganz gut herauszulesen ist … 

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Mein Fazit: Eine tolle, rasante, böse und humorvolle Anthologie bestückt mit kleinen aber sehr feinen Kriminalgeschichten von bekannten und weniger bekannten Autoren. Hier gebe ich sehr gerne eine klare Leseempfehlung.

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© Buchwelten 2016

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