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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Bad Friends - Was habt ihr getan?

Gilly Macmillan , Maria Hochsieder
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.07.2018
ISBN 9783426522585
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Geht nahe

Gut, dass der Leser zumindest in einer Hinsicht im Vorteil gegenüber vielen anderen Figuren im Buch ist, was das Wissen um Noahs Krankheit angeht.

Und klar, dass Abdi, Noahs bester Freund (und einziger. Und das war ein hartes Stück Arbeit) so manches am Verhalten Noahs, an diesem Besitz-Ergreifen, an dieser schwelenden Eifersucht möglichen anderen „Freunden“ Abdis gegenüber nicht wirklich versteht.

Und nun, in dieser dunklen Nacht, über Zäune geklettert, um an einen Bach zu gelangen, hat Abdi es aber wirklich dick. Mit gravierenden Folgen. Oder ist das gar nicht Abdis Verantwortung, was da geschieht?

Schon der Anfang des Thrillers zeigt die Richtung auf. Wesentlich stärker als auf verschlungene kriminelle Pfade setzt sich Macmillan in ihrem neuen Werk mit dem menschlichen Inneren, seelischer Not, mit Tod und Sterben, mit Kampf und Aufgabe, mit Freundschaft und Verlustangst auseinander, als es ansonsten in einem Thriller üblich wäre. So verschwimmen durchaus die Grenzen des Genres und wandeln zwischen der spannenden Frage, was genau an diesem Bach passiert ist und einem intensiven Entwicklungsroman angesichts krankheitsbedingter beschränkter Lebenszeit hin und her.

„Warum sehen wir uns nach Menschen, auch wenn sie uns verletzten“?
„Weil wir Angst vor dem Alleinsein haben“.

Und doch ist auch diese Gefühl des Verlassen-Seins im Buch bei nicht wenigen der Protagonisten in vielfacher Hinsicht präsent, geschickt baut Macmillan immer wieder eine neue Wendung, eine neue Perspektive darauf aus, die verschiedenen Facetten der Sprachlosigkeit untereinander und des Versagens aneinander aufzuzeigen. Ohne sich zu scheuen, dabei auch der eigentlichen Hauptfigur des Romans, Noah, einige Sympathiepunkte zu verscherzen.

Keine der Personen ist ungebrochen, Das Drama von Flüchtlingen wird genauso schonungslos brutal und unter Gewalt geschildert, wie das langsame Verlöschen durch schwere Krankheit, das Loslassen müssen von Eltern und die Schuldgefühle von Freunden. Bis dahin, quasi die Stimme zu verlieren.

Das ganze gerahmt von dem langsamen „in den Dienst wieder eintreten“ der zweiten Hauptfigur des Thrillers, Detective Inspector John Clemo, dem dieser unattraktive und zunächst völlig unwichtig erscheinende Fall umgehend vor die Füße geworfen wird.

„Fraser hätte uns die Sache niemals übertragen, wenn sie etwas geahnt hätte“. Welcher breite Reigen von Schmerz, Trauer, Gewalt, Verlust und auch krimineller Energie sich am Ende herausgestellt haben wird.

Dennoch, haften und im Vordergrund bleibt diese langsame, intensive, emotional dichte Annäherung an den Verlust im Leben und wie schwierig es den Menschen fällt, sich einander ganz zu öffnen.

Eine atmosphärisch hervorragend getroffene und emotional spannende Lektüre.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Briefe aus dem Gefängnis

Nelson Mandela , Sahm Venter , Anna Leube , Wolf Heinrich Leube
Fester Einband: 760 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 10.07.2018
ISBN 9783406718342
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ein wahrhafter historischer Spiegel der Person, der Zeit und des Kampfes

„Doch ich weiß, liebe Mntakwethu, dass jeder Deiner Knochen, jedes Gramm Fleisch und jeder Blutstopfen, dass dein ganzes Ich aus einem Block Granit gehauen ist und dass aber auch gar nichts, nicht einmal Krankheit, das Feuer zu löschen imstande ist, dass in dir brennt“.

So schreibt es Mandela am 20. Juni n1970 an seine Frau Winnie und zeigt damit auch poetische Anwandlungen auf „Nelson-Art“. Nicht filigran in den Bildern, aber treffend und klar gezeichnet, mit einfacher Sprache, in der doch Mut, Zuversicht und Sorge zugleich mitschwingt.

„Obwohl ich bei verschiedenen Gelegenheiten wiederholt vorstellig wurde, wurde mein Antrag nicht genehmigt“ (wie viele andere Anträge Mandelas in seinen langen Jahren in verschiedenen Gefängnissen Südafrikas, vom 7.11.1962 an bis zum 11.2.1990.

Ein Briefverkehr, überwacht, beeinträchtigt, mitgelesen vom „System“, penibel im Wortumfang zunächst festgelegt und, wie in allen anderen Bereichen der Haft auch, darauf ausgelegt, die politische Kraft des Mannes nicht mehr wirken lassen zu wollen und den Häftling „zahnlos“ zu machen.

Was nicht gelingt und sicherlich einer der wichtigen, roten Fäden durch diese gesammelten Briefe der Gefängniszeit darstellt. Diese ruhige Unbeugsamkeit, dieses Beharren auf den eigenen Rechten und dem eigenen Weg. An dem Mandela natürlich Tiefen erlebte und dennoch in regem Kontakt mit den Seinen blieb, ein Kontakt, der sich mehr und mehr erweiterte und verbreitete, je länger die Gefängniszeit voranschritt.

So ist zum Ende hin ein vielfacher, reger Briefverkehr im Buch dargelegt, teils kurze und knappe Briefe. Dass auch der Dank für Glückwünsche zum Geburtstag (an den Sekretär Potswa) später Briefe wert sind, zeigt auf, dass die Restriktionen der Worte sich im Lauf der Jahre vielfach gelockert hat und Mandela nicht mehr mit jedem Buchstaben und jedem Blatt Papier haushalten musste.

„Ihr habt mich vielleicht in der Zwischenzeit vergessen, aber ich habe in den vergangenen 27 Jahren oft an Eure ordentliche Wohnung in Jeppe gedacht“.

Intensive Reflektionen über die eigene und die Lage im Land, vor allem intimer Kontakt, soweit das durch die Briefe zu den Seinen möglich war, zudem informelle Briefe und, durchgehend, er selbst bleiben, all das findet sich in der ein oder anderen Weise im Lauf der Jahre immer wieder ausgedrückt in den nun erstmalig umfassend gesammelten Briefen jener 27 Jahre. Bei deren Lektüre der Leser einen tiefen Einblick erhält in die einerseits gradlinige Einfachheit des Mannes und die ebenso vorhandene Unbeugsamkeit, die, zumindest in den Briefen, eigentlich nie unhöflich oder anmaßend daherkommt.

Ebenso wenig stilisiert Mandela sich selbst. Keine abstrakten, mäandernden Sätze, keine Ausarbeitung politischer Programm. Nur einer, der für sich klar hat, wo er steht, der in klaren Worten das Ziel beschreiben kann und der dafür Bedrängung auf sich nimmt. Der durchaus seine Nöte und Dramen der Haft zu vermitteln versteht, dabei aber hartnäckig und standhaft blieb.

Wie exemplarisch der knappe Briefverkehr mit einem Gefängnisdirektor über Zensur von Briefen aufzeigt. Da lässt Mandela nicht locker, wie es seiner Art entspricht. Höflich im Ton, unverrückbar in der Sache, Momente, in denen sich die Durchhaltekraft des Mannes in seinen eigenen Worten finden lässt.

„….ich bitte Sie, mir mitzuteilen, ob dieser Brief angekommen ist oder nicht!“.

Momente aus den frühen 80er Jahren, die aufzeigen, dass eine Lockerung im Umgang oder mehr Privilegien für Mandela auch nach fast 20 Jahren Haft noch nicht im Raum standen. Bis dahin, schon früher, auch zu Beerdigungen im Familienkreis, selbst zu der der eigenen Mutter, keinen Ausgang zu erhalten. Oder den Tod eines seiner Söhne letztlich so gut wie alleine verarbeiten zu müssen.

Eine wichtige, Lektüre, menschlich und historisch, die wie ein Lehrmaterial für das Einstehen für Freiheit und Überzeugungen mit Mut und Beharrungsvermögen dem Leser vor Augen stehen. Was für eine Zeit wieder von starker Bedeutung wird, in der gegenseitige Würde und Respekt angesichts zunehmender rassistischer Tendenzen wieder unter gesellschaftlichen Druck geraten. 

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Kaisersturz

Lothar Machtan
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), 01.07.2018
ISBN 9783806237603
Genre: Sachbücher

Rezension:

Entwicklungen im Hintergrund

Es gibt solche Zeiten. Zeitenwenden, wie man sie nennt. In denen eine bekannte, „alte Welt“, natürlich immer erst von „danach“ betrachtet, vergeht und, zunächst, ein gewisses Chaos hinterlässt (was in diesem Fall zu noch Schlimmeren 20 Jahre später geführt hat).

1918. Das Ende des deutschen Kaiserreiches, zugleich das Ende des ersten, weltumspannenden Krieges und das Ende einer ganzen Epoche von konkreten Werten und Lebensgestaltungen.

Dass dies, natürlich, nicht plötzlich entstand, ist allgemein bekannt, die politischen Hintergründe, auch die verschiedenen Persönlichkeiten und deren Zwänge, die einiges and er Katastrophe grundlegend wohl unvermeidlich machten, sind reit beschrieben. Ergänzend zu dieser breiten Literaturlage setzt Lothar Machtan dennoch einen eigenen Akzent, eine auch „innere Spurensuche“ bei drei der Hauptakteure auf Seiten des Deutschen Kaiserreichs und geht diesen Personen in ihren inneren Verwicklungen, Verwirrungen und ihrem „sich gegenseitig matt stellend“ in Ruhe und gut recherchiert nach.

„In dieser Lage sind politische Akteure mit der Notwendigkeit konfrontiert, weitreichende Entscheidungen zu treffen“.

Und dennoch ist keiner der Akteure in sich völlig frei, der Ratio allein zu folgen, sondern bringt immer die eigene Person mit ihrer inneren Disposition, den Vorlieben und Abneigungen, den Stärken und Schwächen mit ein. Eine Konstellation, die beim Kaiser, bei Max von Baden, dem Kanzler und bei Friedrich Ebert, wohl der einflussreichste deutsche Politiker jener Zeit, was die Breite angeht, zu einem nicht anders als „Drama“ zu nennenden Ergebnis führte, was nicht zuletzt sondern vielleicht sogar vor allem an den inneren Dispositionen der historischen Figuren und deren Verhältnis untereinander seine Ursachen findet.

Denn, auch das legt Machtan durchaus argumentativ überzeugend vor, „Die zentrale Aufgabe, die im Spätsommer 1918 im politischen Raum stand, war prinzipiell lösbar“.

Und so entfaltet sich vor den Augen des Lesers, folgerichtig strukturiert, eine Aufarbeitung eines „gegeneinander“ oder „rein für sich“ Denken und Handeln, das dann unvermeidbare in die völlige politische Katastrophe jener Zeit im Angesicht des verlorenen Krieges führte.

„von Menschen, die eine mehr oder weniger glänzende Vergangenheit hinter sich hatten, aber plötzlich eine ungewisse Zukunft vor sich sahen und sich nun provoziert, ja kopflos fühlten“.

Das ist, auch im Stil, flüssig, informativ und in Teilen gar spannend zu lesen, diese sehr persönliche Ebene, die Machtan in die Betrachtung der relevanten Ereignisse jenes Spätsommers mit aufnimmt.

Klar dabei ist, dass es eine der wesentlichen Aufgaben des Buches daher zunächst ist, auf persönlicher Ebene mit den Figuren vertraut zu machen um daraus heraus die Folgerichtigkeit der folgenden politischen Fehler verständlich abzuleiten. Ein Ansinnen, das Machtan gelingt und dem Leser vielfache Information aus ebenjener persönlichen Perspektive erläutert und damit innere Zusammenhänge eröffnet, die nicht alle unbedingt schon geläufig sind.

Eine sehr zu empfehlende Lektüre auch für die gegenwärtige Situation in der Betrachtung von Entwicklungen auch in den Personen der Beteiligten, die zur Auflösung einer ganzen Gesellschaftsordnung führten.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Kalter Kaffee

Harry Kämmerer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.06.2018
ISBN 9783453271463
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gemächlich, aber unterhaltsam mit liebevoll gezeichneten Figuren

Mailand. Kaffeefirmen. Mafia. Dunkle Geschäfte und krimineller Expansionsdrang. Nicht nur in der Kaffee-Branche, auch was das Bestatter-Wesen angeht, gehen so manch dunkle Gestalten davon aus, dass sich dort prächtig Geld waschen und zudem noch mehr verdienen lässt.

Was den Bestatter Miller kalt lässt, auch wenn es glühend heiß wird in den eigenen Räumlichkeiten.

Der hat eigentlich genug mit seinen beiden Gehilfen zu tun, die zwar aus jedem Fehler immer noch das Beste kreieren können, deren lakonische „Coolness“ aber nicht selten dem Chef die Haare zu Berge stehen lassen.

Was Kommissar Hummel aktuell weniger interessiert, denn gerade hat er einen italienischen Journalisten (und Kronzeugen in einem bald stattfinden, aufsehenerregenden Prozess) vor einer Kugel bewahrt hat und sich unverhofft in der Rolle wiederfindet, jenem Sergio Baroli (und das zu Anfang nicht unbedingt freiwillig) zur Seite zu stehen. Wo er doch viel größeren Drang verspürt, seine bis dato ungekannte Halbschwester näher kennenzulernen

Gut, dass sein Team, samt seinem Chef Mader und dessen Hund „Bajazzo“ unverbrüchlich an Hummels Seite stehen und auch nicht an ihm irrewerden, als Hummel ganz andere Ideen kommen, was hinter den Anschlägen und der Geiselnahme der Familie Barolis stecken könnte.

So vertiefen sich Zankl und Doris vor Ort in Mailand in die verflochtenen Beziehungen hinter den Kulissen (und, was Doris angeht, mit tiefen Blicken für einen italienischen Polizisten ausufern könnte), während Hummel in einer Berghütte sich selbst erstmal zu sortieren hat und der Bestatter Miller ungebetenen Besuch mit einem „Angebot, dass er nicht ablehnen kann“ erhält.

Mit Folgen für einen Autor, der die neue Reihe „Literatur beim Bestatter“ eröffnet hat und ein überaus merkwürdiges Mittel gegen seine Schlafstörungen dabei gefunden hat. Mit „ewigen Folgen“, wie sich herausstellen wird.

Dass sich Zankl in der Notaufnahme noch intensiven Blicken und Fragen auszusetzen hat, was den Arm seiner Tochter Clarissa angeht.

Solche und andere „Nebenszenen“ lässt Kämmerer ebenso spielend leicht mit einfließen, wie er den roten Faden des Mafia-Prozesses und der immer stärker werdenden Gefahren für seine Ermittler konzentriert im Blick behält.

Ein wenig gemütlich kommt allerdings schon daher, und am Ende geht es doch überraschend schnell und ein Stück zu kurz (die Entführungsgeschichte der Familie des Journalisten und ihre Hintergründe hätte schon eine Gelegenheit für eine ausführlichere Betrachtung gegeben, dies ist im Roman zu glatt gelöst, um zu überraschen), das aber macht Kämmerer durch seine sehr flüssige Sprache und den umfassenden Blick auf seine individuell gestalteten Protagonisten durchaus wett.

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39 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

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Die Ewigen

V.S. Gerling
Buch: 480 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 01.05.2018
ISBN 9783956691041
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Brandaktuell, spannend und gelungen

Es ist ein intensiver Bereich der medizinischen und biologischen Forschung. Seit Jahren, Jahrzehnten bereits, denn es geht um die wohl wichtigste Frage der Menschheit, das Sterben und den Tod.

Wieweit die Faktoren für das Absterben von Zellen, das Altern und, am Ende, auf jeden Fall den Tod bereits bekannt und erforscht sind, das liest sich aus diesem neuen Werk von V.S. Gerling ebenso flüssig heraus, wie die Frage, was denn die Folge wäre, würden jene Stammzellen umfassend erforscht und, vor allem, ersetzt werden können.

Das hier die schriftstellerische Freiheit üble Nebenwirkungen einbaut (biologische, aber auch psychische) und dabei Menschen sich in ihren Projekten soweit verlieren können, dass sie jeden anderen nurmehr als Gegner und Funktion betrachten und zu allem bereit sind, ihren Vorteil zu schützen, dass ist der sehr gelungene Spannungsanteil am Thriller, der den Leser umgehend und durchgehend fesselt.

Plan und Gegenplan, Intrigen und harte Bandagen, Strategien für ein Entkommen und alles dafür tun, dass eben keiner entkommt, das liest sich in den austarierten „Gut und Böse“ Figuren bestens, gerade weil alle Figuren auch mit Brüchen versehen sind, die eine einfache stereotype Einordnung immer wieder durchbrechen und daher dem Leser Gelegenheit gegeben wird, an der inneren Entwicklung der Figuren engen Anteil zu nehmen.

Während im Hintergrund durchgehend und, in Teilen, auch sehr plakativ in den Vordergrund rückend, wesentliche gesellschaftliche Fragen geschärft vor Augen geführt werden.

Denn wenn es ein Heilmittel gegen „den Tod“ geben sollte, wenn zumindest das Altern weit nach hinten geschoben werden könnte, wer wäre Nutznießer und was wären die Folgen?

Interessant dabei ist, dass eigentlich inhaltlich gar nicht unbedingt folgerichtig sein müsste, was Gerling als besondere „Reibungsinstanz“ setzt. Dass nämlich zunächst nur 300 auserwählte, natürlich reiche und einflussreiche Personen, in den Genuss der Behandlung kommen sollen. Gerade weil das auch natürlich anders denkbar sein könnte in einem solchen Roman (ewiges Leben umgehend für alle), ist es faszinierend, dass genau diese einschränkende Richtung logisch, folgerichtig und als Abbild der Gegenwart dem Leser überhaupt nicht unrealistisch vorkommt.

Diese Spaltung in „Reich und Arm“, verbunden mit dem unerschütterlich Gedanken, es schon „verdient“ zu haben, „oben“ zu sein und selbstverständlich alle Vorteile der „Hackordnung“ für sich zu nutzen und auszubauen (man achte nur auf das faszinierende Zahlenspiel eines Wissenschaftlers im Buch, was sich aus 300 „Ewigen“ an Zahlen nach 2-3 Generationen entwickeln würde) und der Verlust von Empathie und einfacher Mitmenschlichkeit (selbst bei zunächst aufrichtigen, interessierten und emotional nahen Figuren im Werk) das ist gut recherchiert, verständlich ausformuliert und sprachlich anregend je auf den Punkt gebracht.

Auch im Blick auf die Religion, eine kleine Szene nur im Werk, die das Grundthema des Thrillers dennoch bestens auf den Punkt bringt (auch wenn es ans ich wenig um Religion geht im Roman).

„Gottes Liebe ist nur gegen Kohle erhältlich. Sie ist käuflich. Und wer nicht bereit ist, zu zahlen, dem wird sie entzogen, verwehrt. Ergebnis: Wer austritt, hat kein Anrecht auf eine kirchliche Beisetzung. Echt ne geile Idee. Sehr werbewirksam“.

Ein Problem, das Gerling benennt, das sich durchzieht, Nicht nur im Thriller, auch im Leben. Geld regiert die Welt und alles wird abgewogen und nur jenen gegeben, die es „sich leisten“ können. Ob man es damit auch zugleich „verdient“ hat, das ist dabei keinesfalls gleichzusetzen und darf bei den treibenden Kräften im Werk durchaus bezweifelt werden.

Neben einer anregenden, spannenden und flüssigen Unterhaltung bietet Gerling in seinen neuen Werk somit auch jede Menge Stoff für das Nachdenken über die Richtung, in welche die Welt aktuell immer schneller läuft und die Folgen, die am Ende darin bestehen werden, dass Wenige mit allen Mitteln und aller Macht dafür sorgen wollen, alle Vorteile des Lebens alleine auf ihrer Seite zu haben. Der Rest kann dann sehen, wo er bleibt. Was mit dem Ende des Buches nicht enden wird, soviel ist klar.

Eine sehr zu empfehlende Lektüre.

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

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Eiskalte Freundschaft - Ich werde nie vergessen

Laura Marshall , Leena Flegler
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.06.2018
ISBN 9783734105777
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Intelligentes Verwirrspiel

„Es tut mir leid reicht mir nicht. Ich will nicht, dass es dir leidtut. Ich will, dass du leidest…..“

Und Louise wird leiden. Zunächst ohne Grund, scheinbar, was den Wissensstand des Lesers angeht. Denn lange zurück liegt die Schulzeit, abgehakt und vergessen und das ist gut so für Louise, die zu kämpfen hatte, damals. Wahrgenommen werden als eher graue Maus und ist man da als jugendlicher Mensch nicht bereits, so ziemlich alles zu tun und mitzumachen, nur um bei den angesagten Mitschülern dabei sein zu dürfen?

Klar, zwei anderen Mädchen ging es noch schlechter als ihr. Die eine, Maria, neu an der Schule nach irgendeinem vermeintlichem Skandal an der ehemaligen Schule, der im „Stille-Post-System“ von allen Seiten beleuchtet wird und Esther, mit der Louise auch mal befreundet war, was dann aber einfach nicht mehr „chic“ gewesen wäre.

Zwei Mädchen, die Louises Freundschaft gesucht hatten und beide, je auf ihre Weise, bitter enttäuscht und entblößt wurden.

Abhakt und vergessen? Wirklich? Auch dieser Abschlussball, nach dessen Ende Maria verschwunden und später für tot erklärt wurde?

Die gleiche Maria, die Louise nun, angesichts eines Klassentreffens, eine Freundschaftsanfrage über Facebook schickt. Aber wer könnte dahinterstecken und was ist damals wirklich passiert, was bis in die Gegenwart für Hass und kalte Rachegefühle sorgt?

Marias Bruder? Irgendeine alte Freundin? Tatsächlich Maria selbst?

Beklommen wird die Atmosphäre, nicht zuletzt durch die schleichend beginnenden Drohungen gegen Louises kleinen Sohn, bis dahin, dass jeder verdächtig wird, auf die ein oder andere Weise. Die alten, vermeintlichen Freundinnen, der eigene Ex-Ehemann, alte Mitschüler.

So verarbeitet Marshall mit steigender Spannungskurve das Thema Mobbing unter Jugendlichen und die ganz eigene Grausamkeit, andere auszuschließen, die nicht „cool“ genug erscheinen, entlarvt die Oberflächlichkeit vermeintlicher „Schul-Königinnen“ und verweist ebenso auf die wenig vorhandene Vertrauenswürdigkeit der social media, wenn es darum geht, Gerüchte und Fakten ständig zu vermischen.

„Aber wie konnten die Leute ihm denn glauben“?

„Wenn nur genügend Leute über etwas reden, verselbstständigt es sich irgendwann“.

Mit schwierigen, verletzenden, bedrohlichen, gar tödlichen Folgen.

Flüssig, spannend und die wesentlichen Punkte immer im Blick haltend ergibt sich eine unterhaltsame, aber auch nachdenklich machende, Lektüre, wie zerstörend vermeintliche „Streiche“ und emotionale Grausamkeit wirken.

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(9)

31 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Walkaway

Cory Doctorow , Jürgen Langowski
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.06.2018
ISBN 9783453317932
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Unterhaltsam erzählte Gesellschaftskritik

An manchen Stellen, gerade im ersten Drittel, ist es ein wenig grenzwertig, was den Überhang an Dialogen in Bezug auf den Fluss der Geschichte angeht. Doch, das versteht Doctorow gut umzusetzen, der Tonfall wird dabei nicht belehrend oder besserwisserisch und ist auch nicht mit einem zu hoch erhobenen moralischen Zeigefinger versehen.

Wobei dennoch klar wird, dass das aktuelle „Lebenssystem“ der westlichen Moderne mit „denen da oben“, die ganz fest der Überzeugung sind, dass sie nicht aus Zufall sondern aufgrund eigener Leistung „ganz oben“ angekommen sind und mit „denen da untern“, die mit ein wenig Konsum in ihren prekären Verhältnissen „bei Laune“ gehalten werden, so nicht mehr auf Dauer funktionieren wird.

Im Roman, der in naher Zukunft angesiedelt ist, ist dies bereits akut „ausgebrochen“. Denn immer mehr „Bürger“ verlassen die „sicheren Zonen“ (große Teile der zivilisierten Welt sind verwüstet, teils vergiftet, immer aber „Outland“ aufgrund der harschen Klimaveränderungen) und siedeln sich im „übriggelassenen“ Rest an.

„Walkaways“, „Weg-Gänger“ verschiedenster Natur versuchen ihren Weg eines freien Lebens. Mal miteinander, mal eher für sich. Was den „Zotas“, jenen Reichen, die inzwischen ganz offen die Regierungen stellen, nur solange egal ist, wie es ihren Status nicht gefährdet.

Wollen zu viele „Walkaway“ gestalten, fehlen dienstbare Geister in den Metropolen, da wird auch schon mal das ein oder andere „Nest der Neuansiedelung“ umfassend dem Erdboden gleichgemacht.

Und nun ist das Undenkbare geschehen. Natalie, Tochter eines Hyperreichen, geht. Heimlich. Mit ihren beiden neuen Bekannten. Und stößt auf einen Gasthof der besonderen Art, in dem andere, solidarischere, nicht auf Leistung abgestimmte Lebensformen erprobt werden.

Intensiv und mit Blick in die Tiefe erzählt Doctorow von dieser Utopie und dem, was es an innerer Veränderung dazu braucht. Und hat immer auch den klaren Blick für die menschlich-allzu menschlichen Unzulänglichkeiten. Die Lust am „Wichtig sein“, Neid und Eifersucht und all die anderen Dinge, mit denen sich Menschen selbst oft im Weg stehen.

Gepaart mit der ständig drohenden Gefahr bewaffneter Überfälle und listiger Tricks der Mächtigen, bis hin zu Entführung und versuchter Gehirnwäsche bleibt die Spannung bei der Lektüre weitestgehend erhalten. Und wenn dann technisch die Frage der Übertragung eines Bewusstseins ins „Net“ beginnt, interessant zu werden, bleibt es für den Leser weiterhin hoch interessant, all die Verwirrungen und inneren Verwicklungen zu verfolgen, die Doctorow von allen Seiten her und in allen Facetten beleuchtet. Ohne zu sehr ins trocken-wissenschaftliche abzugleiten.

Am Ende verbleibt eine unaufdringliche und dennoch schonungslose Analyse der gesellschaftlichen Probleme der Gegenwart und eine, ein wenig an die 60er Jahre und die Hippie-Bewegung erinnernde, andere Möglichkeit des Lebens in enger Verbindung mit den vielfachen digitalen Möglichkeiten (samt Kleidungs- und Nahrungsherstellung), die den Leser nachdenklich und erfüllt zurücklässt.

„Sie machte sich Sorgen, denn sie wusste, wie das war, wenn man die Person im Spiegel nicht wiedererkannte. Sie kannte das nagende Gefühl, wenn etwas nicht stimmte“.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Unsere wunderbar kurze Zukunft

Jarett Kobek , Eva Kemper
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.07.2018
ISBN 9783596298334
Genre: Romane

Rezension:

Herzerfrischend

Keine ständig gesenkten Köpfe, die auf kleine Bildschirme starren. Keine edlen Lofts, die auf Patina getrimmt wurden. Keine Textnachrichten, keine Fake-News, all das moderne digitale Brimbamborium ist zum Zeitpunkt der Gegenwart des Romans noch gar nicht erfunden oder steckt weitgehend noch in den Kinderschuhen.

Ende der 80er Jahre. New York. Die freie Welt, das freie Atmen, wo es noch Wohnungen zu besetzten und mit wenig Geld in irgendwelchen Löchern ganz gut gehaust werden kann und den beiden Hauptfiguren vor allem eins wichtig ist: Leben.

Aus dem Vollen heraus. Was bei Kobek nicht heißt, Karriere, Geld und edle Speisen (samt teurer Drogen), sondern für Baby und Adeline liegen die Genüsse der Welt im echten, direkten und zwischenmenschlichen Erleben.

Was Alkohol, Sex, Happenings und, vor allem, Partys an allen Orten eindrucksvoll und hochwillkommen einschließt.

Was gerade das „Landei“ Baby mit allen Sinnen, nach einer gewissen Anlaufphase, in den Rausch des Genusses bringt.

Vom Land, schwul. (was in seiner Jugend bereits einmal für höchste Aufregung sorgte) und nun im Schmelztiegel des Big Apple, in dem jeder macht, was er möchte, aber jeder auch, weitgehend, allein zu Recht zu kommen hat.

Gut, dass Adeline, finanziell eher auf Rosen gebettet, sich Baby eng anschließt und beide als kongeniales Duo dem Leser einen Streifzug durch jene feierwütigen 10 Jahre ermöglicht (beginnend im September 1986), von denen der Roman handelt.

Leger, locker, lässig geschrieben, ohne dabei Tiefe vermissen zu lassen und mit der Kunst versehen, die Figuren sich nachvollziehbar und emotional dicht zu entwickeln zieht es den Leser förmlich hinein in die schweißtreibende Atmosphäre der Nächte, die kurzen, knackigen Dialoge und die immer wieder unentrinnbare Frage nach dem Sinn von allem und wer man eigentlich wirklich ist.

Das, was man besitzt schon mal nicht, wie die ersten Szenen direkt aufweisen werden, in denen jene Reisetasche mit allem intus, was Baby besitzt und mit in die Stadt bringt, umgehend verschwindet.

Doch was solls, das sind ja nur Dinge. Und ist nicht Freundschaft das eigentliche, was zählt? Denn, am Ende des Romans, wie viele Affären, Liebeleien, Sex und Party auch vor den Augen des Lesers vorbeigezogen sein mögen, was den Roman (und damit das Leben an sich) trägt, das ist diese kongeniale, einander ergänzende, aneinander lernende Freundschaft von Adeline und Baby.

„Ich lief am helllichten Tag die 42nd Street entlang. Und wurde nicht überfallen“. Was schon mal ein guter Beginn für Baby ist. Für diesen Mann mit dem fast naiven, aber direkten und klaren Blick auf die Welt.

„Ich hatte Angst, er würde sie ein wenig lächerlich finden….Natürlich tat er das nicht. Das bewunderte ich an Baby. Er war nie grausam“.

Und das legt sich auch dem Leser nahe ans Gemüt. Dass da eine ganze Welt zu entdecken ist, wenn man nur mit offenen Augen und einer gewissen, inneren Neugier und Freundlichkeit darauf zugeht. Dass das Leben sich nicht in digitalen Boxen oder per Textnachrichten leben lässt, sondern nur hautnah am Geschehen.

Wobei es am Ende gar nicht um die Frage geht, ob es damals „besser“ war als heute, sondern der Roman den Leser auffordert, diese Lust am Erleben in sich wieder und neu zu entdecken und ihr Raum zu geben. Da draußen.

Wofür auch all jene Figuren im Buch stehen, von deren Scheitern genau an diesem „echten“ Leben Kobek fast lapidar und wie nebenbei immer wieder im Verlauf der Ereignisse mit erzählt.

Eine klare Leseempfehlung.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Dachschaden kann man nicht versichern

Kristina Fisser , Carina Heer
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.06.2018
ISBN 9783442177042
Genre: Sachbücher

Rezension:

Persönlich erzählte „Erleichterung“ für das Leben

Einerseits ist Kristina Fischer ausgebildete Verhaltenstherapeutin (was die fundierte Darstellung im Buch begründet), andererseits vor allem einfach Mensch und Person mit Erfahrungen (was den lockeren Ton, die gute Verständlichkeit und die Nähe zum Alltag im Werk hervorruft).

Dass man damals, als Jugendliche, alles und jeden ständig bewertet hat, dabei seinen eigenen Platz im Leben suchte, die eigene Person ertastete und nicht selten den Eindruck hatte, dass ein ziemlich großer Teil der Menschheit „verstört“ ist (alle, die nicht so waren, wie man selbst), eben einen „Dachschaden“ hat, darin kann sich sicherlich jeder Leser (und viele nicht nur was ihre jungen Jahre angeht), einfinden.

Doch zum einen, wer sagt, dass „all die anderen“ verstört sind und nicht man selbst? Was sicher die anderen von einem gedacht haben oder denken? Vernünftig wäre es, Fisser zu folgen und anhand der vielen Beispiele aus ihrem persönlichen Leben und derer, die sie vielfach anführt, zu schließen, dass tatsächlich jeder seine Macken hat und, immer im wertenden Blick der anderen, leichte „Dachschäden“ mit sich trägt.

Was, die erste Botschaft des Buches, eben nicht schlimm ist, gar nicht unbedingt bewertet werden müsste (ebenso, wie „richtig und falsch“ nur relative Kategorien darstellen). Die Frage ist weniger die, „normal“ unbedingt zu werden (allein schon ob der Schwierigkeit, dieses „Normale“ objektiv festzulegen), sondern mit sich und seinen Besonderheiten möglichst befriedet und gut leben zu können.


Vor allem, da auch nach wissenschaftlichen Untersuchungen am Ende „nur“ 68% als „normal“ (also durchschnittlich) gelten. Eine ziemlich hohe Zahl also hat in der ein oder anderen Hinsicht „offensichtliche Besonderheiten“ aufzuweisen.

Drei Kernsätze gibt Fisser dabei dem Leser mit auf den Weg und erläutert diese sehr verständlich und flüssig, wobei am Ende der Lektüre (auch das gut gelungen) nicht „Entwarnung um jeden Preis“ zu finden ist (denn manche „Macken“ sollten wir doch näher betrachten, nicht jeder „Dachschaden“ bildet einen Freifahrtschein für merkwürdiges Verhalten), wohl aber „Erleichterung“ über das eigene Wesen und die eigenen „Besonderheiten“.

„Sie können ihre Macken habe. Sie können seltsam sein – und sind trotzdem nicht krank“.

Aber es gilt auch:

„Auch wenn Sie nicht krank sind, können Sie von kleinen Tricks aus der Psychotherapeutenkiste in ihrem Leben profitieren“.

Und zu bedenken wäre:

„Vielleicht sind ja wirklich die anderen die Normalen“. (und das ist gar nicht so schlimm, wie es im ersten Augenblick erscheinen könnte mit all der Angst, im sozialen Verbund Reibung zu erzeugen).

Ruhig und anregend verfasst macht sich Fisser damit in diesem Buch Schritt für Schritt (in erkennbar gut gewählten Struktur) auf den Weg zur Persönlichkeit inmitten der relevanten Lebensfelder der Liebe, der Süchte, der schwierigen Gefühle, des Lästerns und, immer erkennbar, der Angebote an Methoden und Instrumenten, mit sich selbst in diesem Leben besser zurechtzukommen.

Indem man sich als erstes einmal so akzeptieren lernt, wie man ist und dann eigene Schwerpunkte, vielleicht auch zur Veränderung, setzt.

Eine anregende Lektüre.

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71 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

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In deinem Namen

Harlan Coben , Gunnar Kwisinski
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.06.2018
ISBN 9783442205448
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gefährliche Geheimnisse

15 Jahre ist es her.

Der Tod des vertrauten Zwillingsbruders und dessen Freundin, erfasst und zerschmettert von einem Zug.

15 Jahre ist es her, in der Nacht des Unglücks, als die große Liebe der Jugend aus seinem Leben verschwunden ist.

Zwei Ereignisse, die Napoleon „Nap“ Dumas bis in die Gegenwart hinein keine Ruhe lassen. So, wie das zu sein gewesen schien, kann das nicht gewesen sein. Leo, sein Bruder, hätte sich nicht vor eine Eisenbahn geworfen und trotz seiner damaligen Drogenexperimente

Nun ist Nap Polizist, ein hervorragender Ermittler (auch wenn er seiner besten Freundin Elli, Leiterin des Frauenhauses der Kleinstadt, auch in anderer Weise „zur Hand geht“, die sich mit seinem Beruf wenig vereinbaren lassen würde, würde das bekannt werden).

Dass jene Maura von damals sein Herz mitgenommen hat, als sie sang- und klanglos verschwand, steht dabei auf einem anderen Blatt. Eine Frau zumindest ließ Nap seitdem nicht mehr in sein Leben.

Doch, da weiß der Leser mehr als Nap, Maura lebt. Und ist immer noch mit den Ereignissen der damaligen Nacht beschäftigt. Nicht nur innerlich.

Und nun, in der Gegenwart, sterben Menschen. Mit Verbindungen, allesamt, über die damalige Schule und einen „Verschwörungs-Club“, der sich mit einer Regierungseinrichtung in der Stadt intensiv beschäftigt hat. Vielleicht mehr, als gut war.

Oder täuscht Nap sich? Im Gespräch mit dem damaligen Leiter der Einrichtung? Indem er nicht auf die vernünftigen Argumente seines Mentors (und Vaters der Freundin seines Bruders damals), Augie, hört? Sich nicht abbringen lässt von einer Spur, die er aufgenommen hat, als ganz woanders ein Polizist erschossen wird und besondere Fingerabdrücke ihn umgehend in Alarmbereitschaft versetzen.

Doppel- und dreifachbödig ist es, was Harlan Coben dann, aus der Perspektive Naps erzählt, dem Leser an hintergründigen Fäden vorsetzt und, ebenso wie seine Hauptfigur, lange im Unklaren lässt, Schritt für Schritt erst Indizien und Spuren im Thriller verteilt, die ein wenig Licht ins Dunkle bringen könnten. Und doch auch irreführen. Dass der Ermittler dabei am eigenen Leib „Waterboarding“ erleben wird, dass mehr und mehr seine gewohnte Welt Risse bekommt und engste Freunde und Vertraute Geheimnisse hüten, die ihn erschrecken werden, all das führt immer wieder dazu, dass Nap es mit einem Teil seines Wesens bereuen wird, in dieses Wespennest gestoßen zu haben.

Anderseits aber bleibt der Mann beharrlich. Denn es wird Zeit, auch für seinen persönlichen Frieden, all die Puzzlestücke zu einem gesamten Bild zusammenzusetzen.

Mit Tempo, kurzweilig, geschickt und anregend erzählt Coben eine Geschichte, die an nicht wenigen Punkten Verbindungen mit realen Ereignissen und „Einrichtungen“ aufzeigt und versteht es ebenso geschickt, die Spannung hochzuhalten und, in den entsprechenden Momenten, gut getimte Action-Szenen zu setzen.

Eine sehr gute Unterhaltung.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

Im Visier

Lee Child , Wulf Bergner
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 25.06.2018
ISBN 9783764506360
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Trocken, knackig, gut

Einerseits ist es doch eine immer wiedererkennbare Struktur, die Lee Child seinen Jack Reacher Romanen mit auf den Weg gibt. Insofern sind die Werke auf Dauer ein wenig vorhersehbar. Anderseits ist es immer wieder straff, mit Tempo, durchaus realistisch in den Szenarien und einfach auch passend, was die Figuren angeht, was Lee Child ein um das andere Mal abliefert.

Dieses mal gar in Europa, Paris und London sind kongeniale Schauplätze der neuen Fahndung Reachers, die diesmal von offizieller Stelle her auf interessantem Wege her angefragt wird, Wozu dann auch, wie gewohnt, gehört, dass Reacher mit einer attraktiven Frau(en) zusammenarbeitet. Kunstvoll steigert Child in diesem Thriller dann auch die Spannung, in dem er immer wieder Parallelen zu einem alten „Duett“ Reachers zieht und somit die Gefahr für die Agentin Casey Nice ständig steigert.

1300 Meter Entfernung bei einer offiziellen Rede des französischen Präsidenten und dennoch trifft der Schuss fast. Wenn auch von einer neuen Panzerglasumrandung abgefangen.

Nicht viele Scharfschützen auf der Welt wären zu solch einem Schuss befähigt, Und einer der in Frage kommenden „Freelancer“ hat noch eine persönliche Rechnung mit Reacher offen.
Und der G8 Gipfel wird sich in London treffen. Eine interessante Gruppe von Staatslenkern, bei denen schon ein gelingender Anschlag auf 1-2 Chaos auf der Welt verursachen würde.

Nicht umsonst also wird Reacher dem Schützen auf die Fersen geschickt. Wohl auch, doppelbödig, in der Hoffnung, dass der Auftragsmörder mit dem Spezialgewehr sich aus der Reserve locken lässt, um seinen Feind Reacher auf offener Bühne zu erledigen. Was in Paris fast gelingt.

Dass Jack Reacher dabei ebenso doppelbödig zu planen versteht, immer ein As im Ärmel hat, nie die Nerven verliert, im dichten Finale noch ruhig verdeckte Anweisung zu geben versteht und zudem mehr und mehr einen konkreten Verdacht entfaltet, dass all das vordergründige vielleicht gar nicht den eigentlichen Plan darstellt.

Wenn dann Londoner Mafia-Banden gegen ihn in Stellung gebracht werden, gebrochene Nasen und, in einer Szene, satt geschildert, Reacher in einer engen Hütte auf eine Vielzahl ihm übelwollender Gestalten trifft (was diesen, natürlich, auch in eklatanter Überzahl nicht wohl bekommen wird, dann ist Child wieder einmal in seinem Element.

Cool, trocken, schlagkräftig, mit allen Wassern und Waffen gewaschen und einer, der seine „Rechnungen“ bezahlt und nicht gedenkt, in der Schuld eines anderen stehen zu bleiben, dann ist wieder beste Unterhaltung und „Page-Turnen“ angesagt.

Wobei es weiterhin erholsam bleibt, dass Reacher sich weder groß mit Affären noch Liebeleien aufhält (das war in manchen Vorgänger-Romanen anders, was eine Armeeangehörige anging, die nun keine Rolle mehr spielt).

Eine sehr zu empfehlende Lektüre mit perfektem Timing versehen.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Traumwelten

David Lynch , Kristine McKenna
Fester Einband: 752 Seiten
Erschienen bei Heyne, 25.06.2018
ISBN 9783453270848
Genre: Biografien

Rezension:

Umfassende und persönlich kommentierte Werkschau- und Lebensschau

Die Idee hinter dieser Biographie und den zugleich persönlichen Erinnerungen um David Lynch herum ist durchaus besonders und gut.

Nicht nur verfasst Kristine McKenna eine detaillierte Biographie des Regisseurs und „Traumwelten-Erschaffers“ (der besonderen Art), David Lynch, sondern kongenial ergänzt werden die einzelne Etappen von Geburt und Kindheit bis in die Gegenwart hinein durch ein je sich anschließendes Kapitel von Lynch selbst, in dem er ebenso je seinen Erinnerungen an die entsprechenden Phasen seines Lebens zur Verfügung steht.

Wobei vorweggesagt werden muss, dass das Werk zwar immens viele Informationen und „O-Töne“ enthält, sich David Lynch einer konsequenten Einschätzung aber auch nach diesen knapp 750, reichlich bebilderten, Seiten entzieht.

Nicht nur das Werk des Mannes also ist versehen mit verstörenden, durchaus gewalttätigen, teils mythischen Elementen, auch die Person selbst weiß es, wesentliche innere Elemente als Geheimnis zu bewahren. Schräg vor allem, bei aller Akribie bei der Arbeit, das verbleibt als Eindruck von David Lynch.

Und, gar nicht einmal im unangenehm aufstoßendem Sinne, eher als reiner Fakt, klar wird auch, dass da einer um sich, seine Gedankenwelt und seine Projekte je ausschließlich kreist. So kann der Leser nicht ohne Grund den Eindruck erhalten, dass sich Lynch einerseits vom Moment persönlicher Freiheit getrieben sieht (die hohe Erleichterung der künstlerischen Unabhängigkeit, die irgendwann eintritt, ist den Zeilen dicht anzumerken) und, zum anderen, dass sich der Regisseur intensiv in seine Projekte einlässt, diese atmet und lebt.

Davon künden die vielfachen Erinnerungen im Buch von Schauspielern, Schauspielerinnen und Filmcrews, man könnte aber gar meinen, davon künden auch die privaten Beziehungen, Liebeleien, Ehen des Mannes, die interessanterweise mit den konkreten Frauen je während und durch ein Projekt entfachen und dann irgendwann verglühen, wenn das nächste Projekt die Konzentration wieder völlig bannt.

Und auch wenn sich am Ende David Lynch gerade durch seine breiten Erinnerungen, die oft doch äußerlich bleiben, immer auch ein Stück entzieht, informativ ist das durchaus, was das Werk mitzuteilen versteht. Dieses oft und oft erkennbare assoziative Angehen, das Lynch eigen ist. Das Finden kongenialer Partner wie Dino de Laurentis oder, ganz wichtig, dass als hoch kreativ im Buch beschriebene Arbeiten mit Mark Frost. Einer kongenialen Gemeinsamkeit, der nicht nur „Twin Peaks“ entsprungen ist.

„Dieses eher unkonventionelle Material schaffte es nicht zuletzt deshalb ins Network-Fernsehen, weil Frost sich in dieser Welt auskannte……verstand er Rhythmus und Grenzen dieses Mediums...:“.

Wobei dies nur einen kleinen Teil des Schaffens David Lynchs darstellt. Der mit „Blue Velvet“ einen hohen Erfolg vorher bereits verzeichnete (was im Buch ausführlich, bis hin zum überschwänglichen, persönlichen Lob durch Elizabeth Taylor auf einer Oscar-Party minutiös erzählt wird).

Lynch selbst verfasst seine Erinnerungen im Buch dabei einfach, klar und direkt, souverän scheint der Mann mit sich, seinem Werk und seinen Haltungen in eins zu sein. Und lässt doch durchklingen, dass die Nähe zwischen „heiler Welt“ und „Unglück durch Gewalt“ jene beiden Seiten der Medaille darstellen, mit der Lynch die Welt sieht und erklärt. So dass weder der Zuschauer seiner Filme noch der Leser dieser Biographie je ganz sicher sein kann, was als nächstes passiert und wie es wirklich innerlich in den Personen aussieht.

Ein zunächst eher unspektakulär wirkendes und äußerlich daherkommendes Werk, in dem sich aber im Hintergrund erkennbar die Motive der Selbstwerdung und persönlichen Befreiung (im persönlichen und künstlerischen Sinne) vollziehen. Beides Grundelemente der Person des David Lynch, die sich in und durch seine Arbeit entfaltet haben.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Stärker als das größte Leid

Thomas Hohensee
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Nymphenburger, 07.06.2018
ISBN 9783485029520
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wege zur inneren Stabilität

„Resilienz“ ist seit einigen Jahren Thema nicht weniger Ratgeber und Werken über „Lebenseinsicht“. Und tatsächlich ja durchaus eine innere Suche, ein Bestreben des Menschen, mehr auch innerlich souverän im Leben zu stehen, statt sich weitgehend äußeren, nur vermeintlich wirksamen, „Absicherungen“ und „Stützen“ anzuvertrauen.

„Täglich werden wir vor kleine und große Probleme gestellt“ und ebenso täglich ist der Mensch daher gefordert, seinen Weg zu finden. Wozu gehört, „bei sich bleiben“ zu können. Eine innere Stabilität, Resilienz im guten Falle zu entwickeln, weil eben „unverhofft oft kommt“ und starre, äußere Regeln immer wieder an die Grenzen überraschender und ungewohnter Herausforderungen stoßen.

Basierend auf der Trauma-Forschung, der Verhaltenstherapie und der Philosophie des Tao und des Stoizismus führt Hohensee in gewohnter ruhige rund einprägsamer Form den Leser zu den Grundlagen einer „Resilienz“.

Die, logischerweise, damit zu tun hat, seinen Ängsten offensiv zu begegnen. Denn alle äußere Absicherung und Vorsicht des Menschen dient ja in ersten Schritte vor allem dazu, allem Unangenehmen, dem Leiden, zu entkommen, im besten Falle dieses ganz zu vermeiden.

Was unter Stress setzt und letztlich, dass die Erfahrung eines gelebten Lebens, nicht wirklich gelingen wird.

Also wäre, das kann man Hohensee und den alten Einsichten nur folgen, es doch der bessere Weg für ein Leben, das Herausforderungen bewältigt, den Ängsten zu begegnen und eher zu lernen, Leiden annehmen und ertragen zu können als mittels vielfach künstlicher Hilfen und Krücken diesen „dunklen Bereich“ des Lebens ängstlich zu meiden. Denn Leiden gehört zum Leben.

Dieses anzunehmen wäre der erste Schritt, Leiden in konstruktive Energie „umzuwandeln“. Somit Leiden und Bedrängung nicht als „Bedrohung und Versagen“ zu bewerten, sondern einfach als eine andere, aber auch wertvolle, Perspektive, aus der heraus man zumindest aktiv agieren kann statt „am Boden zerstört“ das Leben dann völlig nurmehr „zu erleiden“.

Dazu hilft, dem Leiden einen persönlichen Sinn, eine „Bedeutung über den Moment“ hinaus verleihen zu können. Wasa natürlich nur möglich ist, wenn man bereit ist, sich mit sich selbst darüber auseinanderzusetzen, die bedrängende Stille des Leidens nicht zu meiden, sondern zu suchen (wo es nötig ist, wo es im Leben ansteht, nicht aus reinem Masochismus natürlich).

Zwei Schritte, die Einmünden in jene Haltung, die bewertungsfrei die Ereignisse des Lebens eben nicht in „gut und schlecht“ unterteilt, nicht in „wunderbar, mehr davon“ oder „schrecklich, weg, fliehen“, sondern mit einer Komponente des „Improvisierens“ versieht.

Was natürlich nur möglich ist, wenn man der eigenen, inneren Stärke vertraut, auch Situationen mit „offenem Ende“ aktiv anzugehen und sich vielfach eher von Intuitionen denn von starren „Gebrauchsanweisungen für schwierige Momente“ leiten lässt.

Mit persönlichen Geschichten, biographischen Erlebnissen versehen, gelingt es Hohensee, den Weg zu diesen drei „Wichtigkeiten“ für eine persönliche Resilienz griffig mit Beispielen zu versehen und die Sachkenntnis auf therapeutischer und philosophischer Ebene nicht abstrakt, sondern konkret zu vermitteln.

Dass nun „Vertrauen, innere Stärke und Gelassenheit“ nicht vom Himmel fallen und nicht einfach durch eine Lektüre plötzlich als Kompetenzen zur Verfügung stehen, dass ist dem Leser und auch, glücklicherweise, dem Autor klar.

So kann dieses übersichtliche, versehr verständliche Werk als Impuls dienen. Als eine Wegweisung, bei der deutlich wird, dass der Leser selbst durch Übungen, Lektüre und Reflexion sich „auf den Weg macht“. Die Richtung aber und die möglichen Etappen zur persönlichen Entfaltung, die setzt Hohensee fundiert und gekonnt vor Augen. Auch wenn es zunächst schwierig und ungewohnt wirkt, sich dem „Leid“ offensiv zu stellen, statt sich weg zu ducken. „In den Schmerz“ hineinzugehen, statt mit „Schmerztabletten“ sich (auch im übertragenen Sinne“ zu betäuben. Nur mit „klarem Kopf“ gelingt die Transformation eines „lähmenden Leides“ zu einer „kreativen Energiequelle“.

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80 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 70 Rezensionen

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Der einsame Bote

Gard Sveen , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 08.06.2018
ISBN 9783471351505
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Allein gegen eine düstere Bedrohung

Leichen tauchen auf. Weibliche. Geschändete, zerstörte Körper. Mit semi-professioneller Operationstechnik verstümmelt an den primären und sekundären Geschlechtsorganen. Mit abgetrennten Händen und anderen Gliedmaßen.

Und die 13jährige Amanda ist immer noch verschwunden. Was Tommy Bergmann schlicht wahnsinnig macht. Vor allem, weil er Druck bekommt. Von den eigenen Vorgesetzten, den Kollegen. Denn da hat jemand doch alles gestanden und der bösartige Übeltäter, der im Vorgängerband für soviel Leid gesorgt hat, ist doch tot.

Das Bergmann keine Ruhe geben kann, stößt da gewaltig auf. Da nutzt auch eine Krankschreibung und das Ermitteln auf eigene Faust nicht viel.

Doch was, wenn Jan-Olav Farberg gar nicht tot ist, sondern der gefundene, verbrannte Körper gar nicht er ist?

Was, wenn es eine sehr verschwiegene Sekte geben sollte, irgendwo in Litauen, am Rande der Welt, die ein überaus krudes Verständnis von Erlösung propagiert und für dieses junge Mädchen eines bestimmten Sternzeichens, dringend vor deren 14. Geburtstag, dafür benutzt? Eine Sekte, die zudem eine gewisse Vorstellung davon hat, wie Opfer an Gott in diesem Leben rein körperlich aussehen sollten?

Oder ist das alles nur eine Legende einer oder mehrerer kranker Seelen, die ihre Pädophilie und den inneren Drang zur Grausamkeit hinter solchen Geschichten verstecken wollen?

Und wo genau beginnen, wenn es keine wirklich griffigen Anhaltspunkte gibt?

Das ist die Ausgangslage, der sich Bergmann gegenüber sieht, als er ein Flugzeug nach Litauen besteigt, wohlwissend, dass außer seiner alten, vertrauten Kollegin Sabine, die bedauerlicherweise mit einem aalglatten Staatswalt liiert ist, niemandem vertrauen kann und zu allen möglichen Tricks greifen muss, um überhaupt mit offiziellen Stellen sprechen zu können.

Während sich dieser Teil des Falles eher langsam und mit Schwierigkeiten entwickelt, ist die psychologische Dimension des Romans von Beginn an im Vordergrund vorhanden. Gard Sveen taucht tief in seine, allesamt auf ihre Weise, beschädigten Personen ein und vermittelt souverän zum einen die Verzweiflung Bergmanns (auch ans ich selbst), wie ebenso das kranke, dunkle Denken und Fühlen der „Gegenseite“.

Sei es dabei der „geständige Pädophile“, der so geständig gar nicht ist, dessen glattes und unnahbares Wesen Sveen bestens vermittelt, sei es der Botschafter in Litauen, dessen Gram über ein gewisses „Abgeschoben-Sein“ sich in einem eher unpassenden Fahrzeugt und einer fast Sucht nach ein wenig Aufmerksamkeit niederschlägt.

Dieser Teil des Thrillers ist gut gelungen und fesselt den Leser umgehend, während der eigentliche Fall und die Recherchen nach jener ominösen Sekte einige Längen aufweisen und dort eine Straffung des Tempos dem Roman gut zu Gesicht gestanden hätte.

Alles in allem aber eine durchaus anregende und fesselnde Lektüre, die vor allem die Geschichten der Hauptpersonen weitererzählt und hier vor allem jenen Tommy Bergmann noch einmal weiter als Persönlichkeit vertieft.

Empfehlenswert.

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Schwarzer Engel

Sandrone Dazieri , Claudia Franz
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.06.2018
ISBN 9783492061148
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hervorragende Fortsetzung

War schon der erste Thriller um das kongeniale und mit ausgeprägten „Schattenseiten“ versehene Ermittlerpaar Colombia Caselli und Dante Torre (eine Art traumatisierter Sherlock Homes mit besonderen Fähigkeiten, was Körpersprache angeht, aufgrund seiner dramatischen Gefangenschaft über lange Jahre hinweg) hervorragend zu lesen, so knüpft diese Fortsetzung nahtlos an die Qualität an.

Sowohl, was die Gestaltung der Protagonisten angeht (auch wenn es eine Weile dauert, die vielen Nebenpersonen gerade auf Polizei-Seite namentlich in den Griff zu bekommen) mit ihren Licht- und Schattenseiten (samt tiefsitzender Ängste), wie auch, was den Fall angeht (ausgehend von einer allgegenwärtigen Bedrohungslage durch den Terrorismus der Gegenwart) setzt Sandrone Dazierei wieder ein Ausrufezeichen hinter seinen an sich schon hervorragenden Ruf als Autor in Italien.

Flüssig, mit Tempo, vor allem aber mit einem intuitiv durchgehend passenden Timing versehen führt Dazieri den Leser inmitten eines perfiden Anschlags, vermittelt gekonnt die Angst der Ermittler, die persönliche Bedrohung, die deduktive Ermittlungsarbeit gerade zu Beginn des Falles und paart dies ebenfalls überaus realistisch mit der innere Nervosität der aktuellen Lage vor allem gegenüber der islamischen Kultur inmitten des „zivilisierten“ Westens.

Schon die erste Szene an einer als Moschee genutzten alten Turnhalle zeigt die Gereiztheit, die losen Finger an den Abzügen, die Bereitschaft zu unmittelbaren Gewalt und die angeheizte Stimmung inmitten der Gesellschaft und zu denen, die als Polizisten für deren Schutz zu sorgen haben.

„Sehen sie diese Männer, Imam? Ich bin auch nicht ihr Chef und kann sie nur mit Mühe zurückhalten. Wollen sie wirklich, dass einem ihrer Gläubigen etwas zustößt? Ich bitte sie. Es sind auch Kinder darunter“.

Dass dabei Clombia und Dante noch einmal Sonderfälle darstellen, einerseits klar erkennbar eher Einzelgänger sind, andererseits versuchen, jeweilige „Lagen“ mit zu entschärfen und Vernunft walten zu lassen, bringt auch diese beiden leicht und schnell in Reibung mit den Kollegen.

Eine Gemeingelage, die es der Person hinter dem perfiden Anschlag in einem Zug im Bahnhof zunächst leicht macht, sich hinter vordergründigen „Bekennervideos“ zu verschanzen. Wenn nicht Dante Torres mit seinem ganz speziell und in persönlichem Drama geschulten Blick Ungereimtheiten bemerken würde.

„Verbrecher…..falsche…..Das ist eine Verschwörung“.

Dies aber offiziell auch zu vermitteln, die Hintergründe aufzudecken und die Person hinter all dem aufzuspüren, das setzt einen spannungsreichen Reigen in Gang, der in anregender Ermittlungsarbeit, klar gestalteten Action-Sequenzen und einer zunehmenden Gefahr für die Ermittler selbst kulminiert.

Auch wenn Dante zunächst leger nachweist, dass Elvis den Tod John F. Kennedys in Auftrag gegeben hat und damit eine gehörige Portion Distanz zu alltäglichen Verschwörungstheorien herstellt. Nicht immer ist das an den Haaren herbeigezogen……..

Eine Spannung, die Dazieri dem Leser emotional dicht vermittelt und die bis zum Finale des Thrillers eine stetig ansteigende Kurve aufweist.

Ein hervorragender, intelligenter Thriller mit zwei beeindruckenden Hauptpersonen.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ultima

L.S. Hilton , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.06.2018
ISBN 9783492060530
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Explizit, aber auch mit bekanntem Thriller-Thema

Kernig geht es zur Sache, wenn Judith Rashleigh auf „Männerfang“ ist. Und die Herren der Schöpfung lassen sich im Buch natürlich nicht lange bitten, auch gerne zu zweit, wenn es Judith nach herber Härte gelüstet.

Explizit sind die erotischen Szenen, mit denen Hilton, wie gewohnt, die Fährnisse ihrer Protagonisten nunmehr im dritten Band erzählt.

Wobei eine „gesunde Härte“ der Kunstexpertin auch nicht fremd ist, was körperliche Gewalt (nicht selten mit Todesfolgen) angeht. Da liegen so einige Leiche herum, mit denen Rashleigh ihren bisherigen Weg gepflastert hat.

Nie aus Launen heraus, immer mit Grund oder auf dem Hintergrund persönlicher Bedrohungslagen. Wobei sie einen bisher ausgespart hat, auch mangels echter Gelegenheit. Romero da Silva, Polizist in Italiens Süden und auch mit anderen „Traditionen“ dieser Gegend eng verbunden. Wie auch mit Dejan Raznatovic, einem nicht allseits bekannten, aber sehr umtriebigen Waffenhändler, der die Flüchtlingsströme der Gegenwart zu sehr konkreten und einträglichen Geschäften zu nutzen weiß.

Wobei alle drei Probleme haben. Judith mit da Silva und Raznatovic, da Silva mit Raznatovic, dieser mit Hintermännern, die einiges an Barem von ihm zurückfordern. Was zum roten Faden auch dieses Thrillers führt.

Kunst und wie man mit ihr Geld macht. Auch wenn die Kunst künstlich auf alt getrimmt werden muss, damit der Erlös stimmt. Und wer wäre besser dazu geeignet, als RAshleigh, offiziell natürlich immer noch Galeristin aus Leidenschaft und mit Erfolg.

Allerdings, dass, was da an „Kleingeld“ im Raum steht als benötigter „Erlös“, das würde wohl jedem ein wenig die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Nicht nur ein aufwendiges, auch ein gefährliches Spiel ist es, worauf sich Rashleigh einlassen muss. Immer mit da Silva, dem knurrigen, trockenen, harten Cop an ihrer Seite. Hilfe und Aufpasser zugleich. Ein Job, der die beiden durch halb Europa und herüber nach Nordafrika führen wird.

„Wann genau wolltest du mich eigentlich umbringen“?
„Morgen, meine Süße, oder vielleicht übermorgen“.

Wobei, das mit dem Umbringen, da haben sich ja schon einige dran versucht. Und sich an Judith Rashleigh dabei die Zähne ausgebissen.

Für Spannung ist somit gesorgt, ebenso für ein gewisses Tempo, trocken-ironische Dialoge und nicht wenigen Erläuterungen über Kunst und wie man diese hergestellt hat und aktuell herstellen könnte.

Was allerdings nicht unbedingt neu als Thema und Blaupause eines Thrillers ist, von Hilton selbst bereits ja zweimal bereits solide umgesetzt wurde und auch in diesem dritten Band um die „Maestra“ und „Domina“ Rashleigh nicht unbedingt ganz neue Akzente setzt.

Dennoch, wie gewohnt, eine solide und anregende Unterhaltung.

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 16 Rezensionen

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Franziska zu Reventlow

Kerstin Decker
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 01.06.2018
ISBN 9783827013620
Genre: Biografien

Rezension:

Hervorragend in Sprache, Stil, Sachkenntnis und Einfühlungsvermögen

Das Kerstin Decker ihr „Objekt“ in und auswendig kennt, dass sie in Stil und Sprachform sich in weiten Teilen gar dem direkten, klaren und dennoch eleganten Stil der zu Reventlow kongenial annähert, das sind beides Momente, die diese Biographie aus der Masse der Biographien positiv herausheben. Manches Mal muss man gar zweimal überlegen, ob an bestimmten Stellen im Buch gerade Franziska zu Reventlow zitiert wird, oder Decker eigene Gedanken darlegt, so aus einem Guss wirkt diese Biographie.

So erhält der Leser in dieser Weise nicht nur genaue, intime und psychologisch reflektierte Kenntnisse aus diesem außergewöhnlichen Frauenleben der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert hin, sondern findet sich ebenfalls atmosphärisch und emotional fast „drin“ in diesem leidenschaftlichen Wesen, dem persönliche Freiheit, Liberalität, aufrechte Wahrheit der Welt gegenüber und, zudem, libidinöse Leidenschaft, mit einem klaren, auch kühlen, Blick auf die Welt verbindet.

Ein Leben, das schon zu Kinderzeiten nicht zu zügeln war, weder im familiären Bereich, noch auf der Klosterschule und auch erst recht nicht nach dem Umzug der Familie nach Lübeck, wo die erste leidenschaftliche Verliebtheit deutlich wichtiger war, als der „Benimm“ einer höheren Tochter.

Was sich weiter durch dieses Leben zieht, den Bruch mit der Familie mit sich bringen wird, zu Reventlow aber auch zu einem generell „nicht festhaltbaren“ Geschöpf weiterhin gestaltet.

Eindrucksvoll zieht sich dabei immer wieder die Sprachkraft Deckers durch die Beschreibung.
Wenn in jener Szene, in der zu Reventlow, mit einem ungeborenen Kind im Leib und, kurz darauf, eine heimliche Fehlgeburt erleidend, der damalige Ehemann „mit dem großen Herzen“ von all dem nichts ahnt, seiner Franziska zudem noch ein Jahr Aufenthalt in München „spendiert“, eine Zeit, in der sie auch gegen die eheliche Verbundenheit aufblüht, sich der „Boheme“ Schwabings wieder eng nähert, das freie Leben auch in körperlicher Hinsicht reuelos genießt, all das ist für die damalige Zeit ein Affront, ein Schock, völlig fremd.

Hoch anzurechnen, dass zu Reventlow zugleich dem inneren Zug nach einem „wahrhaftigen Leben“ treu bleibt und, mit viel Anlauf, dann aber doch, ihr Wesen und ihre „Fehltritte“ ihrem Mann eröffnet. Der sicherlich ein ums andere Mal zu schlucken haben wird, als er ihre Tagebuchaufzeichnungen zu Zeiten vor Augen bekommt, in denen er selbst zwar mit Respekt, aber doch bar jeder sexuellen Leidenschaft von Franziska betrachtet wird.

„Seit vier Monaten habe ich Walter nicht mehr gesehen und ich ertrage es nicht ohne ihn – und mit ihm ertrag ich´s auch nicht“.

Zudem eröffnet, was bekannt sein dürfte, Decker vielfach den Blick auf die Literatur der zu Reventlow und erläutert minutiös, dabei ohne jede Länge oder Langeweile in der Lektüre, wie das Biographische immer das literarische maßgeblich bestimmte. Von der Verarbeitung der eigenen Jungend und Schulzeit bis hin zum kühlen, im Tonfall ironisch-heiteren, in der Haltung manches Mal zynischen Blick auf jene „Boheme“ einige Jahre später.

Dass zudem „Schnorren“, jede Menge Klein-Jobs bis hin zur (durchaus mit Gefallen und persönlicher Lust gestaltetem) Prostitution in einem „gehobenen Haus“, diesen Lebensweg begleiten und nicht selten gar gestalten, es ist eine Kunst der Autorin Kerstin Decker, dass dies alles so selbstverständlich wirkt, was für die damalige Zeit so andersartig und verwerflich erschien.

Und immer wieder erstaunt es, wie reflektiert, offen, klar und ehrlich Franziska von Reventlow selbst genau diesen Lebensstil mit allen Konsequenzen füllt.

Wohl gerne wäre sie mit ihrem Mann zusammengeblieben, aber nur, wenn ihr auch andere Männer möglich gewesen wären. Und auch als alleinerziehende Mutter steht zu Reventlow zu den Konsequenzen ihres Lebensstils, wenn eben die je andere Seite nicht in der Lage ist, ihr ihre Freiheit in einer möglichen Gemeinsamkeit zu lassen.

Eine hervorragende, emotional dichte Biographie einer extrovertierten, freien, andersartigen Frau, die, bei allen Härten, die im Raum standen, auf jeden Fall „ihr“ Leben ausgekostet und bis zur Neige gelebt hat.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Fellherz St. Pauli

Simone Buchholz , Debra Bardowicks
Fester Einband: 196 Seiten
Erschienen bei Ankerherz Verlag, 21.04.2017
ISBN 9783945877098
Genre: Sachbücher

Rezension:

Mensch und Tier auf dem Kiez

Da gibt es „Bootsmann“.

„Nils ist der Kapitän, Ela ist die Steuerfrau, Bootsmann ist der Hund, „Klein Erna“ ist die Barkasse“.

Es ist eine Liebesgeschichte, damals, noch ohne „Bootsmann“, als Nils seine Ela kennenlernte und vom Fleck weg zu heiraten gedachte.

Was nicht ganz so schnell, aber natürlich doch stattfand. Und, echte Seeleute, beide eben, statt goldener Ringe sind die unverbrüchlichen Zeichen der Liebe je am Finger tätowiert.

Vier Kinder, drei Enkel, „ich heirate eine Familie“ in real, so erzählt es der schön gesetzte, von Liedtexten begleitete Text. Und dann kam „Bootsmann“. Als Ela das leere Leben nach dem Auszug des letzten Kindes zu leer war. Und statt noch ein Baby kam der Bolonka-Svetna.

„Bootsmann ist ein gelernter Schiffshund, von klein auf ist er auf der „Klein-Erna“ mitgefahren“. Einer, der „die Füße wärmt“ nicht haart und nur wenig bellt, dessen Zuhause knapp vor dem Steuerraum ist.

Eine intensive, rührende, passende „Familiengeschichte“ eröffnet diese, Reigen von 21 Geschichte zwischen Mensch und Hund, St. Pauli und Elbe und Meer, Wind und Wetter, Zuneigung und Verbindung. Sorgsam gestaltet, Texte, die Luft zum atmen lassen und Bilder, die Atmosphäre jeweils transportieren.

Wie der „Bulle“ mit seinen „drei Königinnen“. Ein ehemaliger Spürhund, der mit auf der Bühne im Nachtclub auf St. Pauli steht. Leicht stoisch, aber vor allem eben immer dabei. Wobei die „drei Königinnen“ doch überaus besonders sind.

„Kleine Mädchen fürchten die Dunkelheit, große Mädchen ungünstiges Licht“.

Was „Paco“, den „Rhodesian-Rottweil-Mix“ nicht weiter interessiert. Wohl aber die Nähe zu seinen Grazien und deren Wohlergehen. Im Zwielicht der Nacht.

„Aber hier drin zählt nur die Nacht. So ein Laden kann, mit den richtigen Leuten besetzt, ein dunkles Leuchten verströmen“.

Geschickt verbinden sich in den Geschichten die Motive. Der Kiez. Das besondere Leben der exaltierten Menschen. Die treuen Begleiter, zur Familie gehörend, wichtig und eng verbunden.

So wie bei Michael, der von seinem Stafford „Alien“ im Leben „nur einen Tag getrennt“ war. Und der der Mann nun einen letzten Brief schreibt. Kurz, knapp, herzergreifend.

Geschichten, die nicht stilisiert sind, die nicht „überlebensgroß von „Heldentaten“ berichten, sondern das „ganz normale“ Leben abbilden, was an diesem Ort, dem Kiez, eben dazugehört, von außen betrachtet aber Besonderes darstellt. Was die Autorinnen hervorragend einfangen und mit der tatsächlich treuen Nähe zum Hund wunderbar zu lesen verbinden.

Ein schönes Werk.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Die Erben der Erde

Ildefonso Falcones , Michaela Meßner , Laura Haber , Carsten Regling
Fester Einband: 900 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 11.06.2018
ISBN 9783570103609
Genre: Historische Romane

Rezension:

Zu breit statt episch erzählt

Sein Thema hat Falcones schon längst gefunden. Historische Romane, angesiedelt in Spanien, vor allem um und in Barcelona, die hier wiederum eine Verknüpfung von Sachthemen (in der Fortsetzung von „Die Kathedrale des Meeres“) des Schiffbaus (weniger) und des Weinanbaus und Weinhandels (mehr) im 14. Jahrhundert dem Leser vor Augen führt. Wie immer bei Falcones ist dieser Teil des Buches weitgehend sorgfältig recherchiert und wird dem Leser detailliert nahegebracht.

Und, ebenso wie gewohnt, verknüpft Falcones diesen konkreten Einblick in die spätmittelalterliche (spanische) Welt mit Fragen der religiösen Toleranz (Christentum und, vor allem, die Rolle der Juden in Barcelona um die Jahrhundertwende 1387 und der folgenden Jahre) und der weltlichen Macht (König Pedro stirbt zu Anfang des Werkes, sein Sohn, Juan, folgt ihm rachsüchtig auf den Thron und räumt umgehend umfassend auf. Was in jener Zeit das Rollen adliger Köpfe (und nicht-adliger Feinde, mit denen man noch eine Rechnung offen hat) umgehend zur Folge hat.

Die Feigheit der lokalen Politiker, die Arroganz der Macht, die Zerbrechlichkeit des Lebens, all das fasst Falcones dabei atmosphärisch treffend und durchaus ansprechend zusammen. Wenn Häuser verloren gehen, verwitwete Mütter nur zur Sonntagsmesse ihre Kinder sehen können und ansonsten wie Leibeigene gehalten werden, wenn angesehene Existenzen mit einem knappen Wort zerstört, hingerichtet werden und zurückbleibende Ehefrauen selbst noch die Schuhe abzugeben haben.

Mittendrin der zu Beginn 12jährige Hugo, den es auf den Spuren seines auf See verunglückten und verstorbenen Vaters zunächst in die Werft Barcelonas zieht. Und der dort an der Seite eines inhaftierten genuesischen Schiffbaumeisters (dessen „Fußkettenkugel“ er zu tragen hat) eigentlich getrost in eine Zukunft auf der Werft blickt.

Doch es kommt, natürlich, anders und weitaus verwickelter, oder „schicksalhafter“, als er denkt. Zerschlagen, ernüchtert, heimatlos und voll innerem Grauen über die nun angebrochene Schreckensherrschaft hat er das Glück, das ein (ebenfalls gefährdeter) alter Jude ihn in die „Kunst des Weines“ einführt und Hugo somit beide Welten kennenlernt und miteinander verbinden kann.

Wobei das letzte Element der Falcones Romane (natürlich) hinzutritt, die Liebe. Bei Falcones nicht immer in glücklicher Form. Wie die Hauptfigur des Vorgängerromans, Arnau, wird auch Hugo ein ähnliches Schicksal in der Liebe ereilen. Die wiederum vielfache Wendungen, Belastungen und Irrungen erfahren wird, religiös belastet daherkommt und sich (endlos anmutend) mit sehr wechselhaften Haltungen zueinander, dann in erbitterter Feindschaft, durch die gut 900 Seiten Text zieht.

Was auf eine der Schwächen des Romans bereits hindeutet. Denn zu ähnlich gestrickt ist die Geschichte der Hauptfigur mit der Person des Arnau aus der „Kathedrale der Meere“, zu offenkundig das sehr ähnlich Strickmuster beider Romane, ohne dass Hugo einerseits und der Weinbau andererseits eine ähnliche Zugkraft und innere emotionale Beteiligung beim Leser auslösen können. Wobei sogar (in Teilen) Hugo mit der gleichen Familie in Konflikt gerät, wie Arnau damals.

Die breite Erzählweise Falcones, die hier nicht „episch“ sondern tatsächlich einfach nur breit und langatmig wirkt, bereitet in nicht wenigen Teilen des Romans dem Leser allerdings doch Mühe, die interessanten und lebendig dargestellte Lebensweise jener Zeit in Spanien durchweg zu genießen. Gewürzt mit nicht wenigen einzelnen Schicksalen, einer Prise klarer Erotik, teils brutaler Härte und miteinander im Guten und Bösen verknüpften Lebenslinien.

„Er konnte nichts sehen. Es gelang ihm nicht, die Augen zu öffnen….aber er hörte das Pfeifen der Axt und das knackende Geräusch“.
Was hier nicht von einem zerspaltenem Holz, sondern von einem durchschnittenen Genick herrührt.

Wie gewohnt reich an Details, am Ende aber einfach auch erschlagend, zu breit und langwierig (mitunter auch in komplizierter Sprache) erzählt, zudem zu „provinziell“ (mit zu wenig „Barcelona“) und einfach zu ähnlich dem Vorgänger, um durchgehend zu fesseln.

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Die Bibliothek der Geister - Der magische Schlüssel

D.J. MacHale , Bettina Obrecht
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei cbj, 25.06.2018
ISBN 9783570175415
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Flüssig zu lesen

Nun, wer bei der Erwähnung von Eltern, die einem Unfall zum Opfer gefallen sind, beim Erscheinen von Geistern, beim Lösen eines magischen Rätsels um einen Schlüssel, beim Aufwachsen bei Adoptiveltern und bei einem 13jährigen Jungen ein wenig an Harry Potter denkt, ist sicherlich nicht ganz falsch mit diesen Grundvoraussetzungen für ein magisches (und gefährliches) Abenteuer eines heranwachsenden Jungen.

Doch damit sind die Anklänge an den bekannten „Zauberschüler“ auch erschöpft und MacHale versteht es durchaus, eine ganz eigene Atmosphäre zu kreieren, die mit dunklen Ecken unter Betten und (leicht) gruseligen Bedrohungen (auch mit Todesfolgen) zu punkten versteht.

Was schon der rasante Anfang mit seinen bedrohenden optischen Täuschungen temporeich in den Raum stellt und was mit der Person des (eher Außenseiters) Marcus seinen gelungenen Fortgang findet.

Gemeinsam mit seinen beiden (ebenfalls leicht exotischen) Freunden, dem „Fliegenträger“ Theo und der klugen Lu wird Marcus (mit hoher Zivilcourage ausgestattet und durchaus mutig „Bedrängern“ gegenübertretend) aufgrund seiner (ihm zunächst unbekannten) Herkunft in die Suche nach einem Schlüssel verwickelt.

Dass da auch mal ein Stier über den Gang der Schule wütend schnaubend Anlauf nimmt und ein traurig wirkender Mann im Bademantel in seiner Umgebung erscheint, ohne mit ihm zu reden, dass Worte auf dem Boden aus dem nichts heraus sich zusammensetzten „Gib den Schlüssel heraus“ und dass seine Adoptiveltern ziemlich streng darauf zu achten scheinen, das Marcus nicht und nirgends auffällt, mit all diesen Ereignissen wird klar, dass der Junge ein Geheimnis birgt, welches er selbst zunächst zu lösen hat.

Was, wie er feststellt, permanente Gefahr mit sich bringt.

In eher schlichter, aber flüssiger und anregender Sprache führt Machale den Leser an der Seite dieses Marcus durch die Suche nach besagtem Schlüssel und den, mehr und mehr erschreckend zu Tage tretenden, Hintergründen, was es mit diesem auf sich hat.

Das sorgt für Spannung, für eine permanente Bedrohungslage und für genau den richtigen Flair an Abenteuer, um eine gelungene Lektüre erstehen zu lassen. Die auch vor Opfern nicht Halt macht, so dass man sich auch bei den ruhigeren Passagen nicht in Sicherheit wiegen sollte.

Ein gelungener Versuch, wieder einmal in die Welt der Magie einzutauchen und gekonnt mit dem Grusel zu spielen, ohne dies zu übertreiben.

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Trau dich!

Michaela Dietl
Fester Einband: 180 Seiten
Erschienen bei Kösel, 25.06.2018
ISBN 9783466372041
Genre: Sachbücher

Rezension:

Dem Leben aufgeschlossen begegnen

Die Idee, die Dinge des Lebens kontrollieren und sichern zu können, alles vorweg bereits zu bedenken und damit keine unliebsamen Überraschungen erleben zu müssen, ist sicher so alt wie die Menschheit selbst. Ein Bedürfnis nach Sicherheit, dass eine Grundbefindlichkeit des Menschen darstellt, durchaus ja auch gute Gründe hat, Regularien, religiöse System, zigtausende Seiten an Rechts-Regeln, Versicherungen für alles und gegen jeden und vieles mehr hervorgebracht hat.

Und doch oft rein faktisch schon, so leicht scheitert, zumindest aus der „Ruhe zu bringen ist.

Wie der alte Satz es sagt: „unverhofft kommt oft“, oder „es kommt oft anders, als man denkt“.

Und doch ist es so. Das eben nicht alles vorweg geregelt und kontrolliert werden kann, selbst wenn man das will, um ja jeder Spontaneität von Ereignissen zu entgehen.

Nicht nur, dass es manchmal gar nicht anders geht, weil es eben „unverhofft anders“ kommt, wenn man ehrlich ist: auch in Bezug auf die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bedarf es ja auch des Erprobens, der Herausforderung, des Betretens „noch unbekannten, neuen Gebiets“. Mithin der Kunst der „Improvisation“.

Die Michaela Dietl als Musikerin beherrscht (nachdem sie sich dem Weg der Improvisation mit Arbeit genähert hat, einer gewissen Mühe bedarf es schon, gerade weil es ja zunächst eher dem eigenen Wesen so fremd erscheint) und mit ihren Gedanken im Buch kongenial, verständlich, überzeugend und, vor allem Mut machend, auf das „wahre Leben“ überträgt.

Und wäre es nicht leicht, es morgens mal, auch wenn es ungewohnt ist, mit einer musikalischen Improvisation zum Start in den Tag zu probieren? Ein bisschen Summen, Singen, Geräusche machen, schauen, zu welcher Melodie das führt (und es wird eine Melodie entstehen).

Gut, es benötigt Übung. Aber gar nicht musikalisch oder mit Noten, sondern eine Übung mit sich selbst, sich zu trauen, das Innere frei laufen zu lassen und in Geräusche umzuwandeln.

„Ich lasse alle Gefühle zu, tauche ein in den Moment, beobachte, wo ich mich kontrollieren will, suche die Konfrontation (mit den eigenen Gefühlen und Widerständen)“.

Was dann das Leben in vielfacher Hinsicht emotional erleichtert, die Ängste nach hinten schieben kann und gar größeres Selbstvertrauen entfaltet, auch mit überraschenden Momenten kreativen und guten Umgang finden zu können.

Wobei keiner der Schritte, von denen Dietl eng biographisch erzählt, überfordert.

Auch wenn die eigene Biographie dabei recht griffig vermittelt, was Dietl meint, ist es am Ende deutlich zu sehr auf persönliche Anekdoten hin angelegt. Ein allgemeinerer Ton und eine klarer wirkende Übertragung der vielen Musiker-Beispiele auf die Lebenswelt des Lesers, einige „Etüden“ sozusagen, hätten dem Werk gut zu Gesicht gestanden und werden teils schmerzlich vermisst.

So verbleibt vieles einfach zu persönlich bei der Autorin und wirkt damit für die Breite der Leser belanglos, die Übertragung der persönlichen Erfahrungen auf das Lebend es Lesers kommt zu kurz.
Der Leser ist daher zu sehr alleingelassen und gefordert, die allgemeinen Schlüsse für das eigene Leben zu ziehen, was insgesamt etwas einfacher gegangen wäre.

Aber dennoch, es lohnt sich, den Kerngedanken Dietls zu folgen: Die Kontrolle lernen, stück für stück zu lockern, vielleicht in Momenten gar aufzugeben und eine Frage am Ende aufwirft, die für jeden Leser eine persönliche Antwort anfragt:

„Ich war gespannt darauf, was ich selbst wagen würde, um das Leben mehr zu spüren“.

Eine einfache Melodie nehmen und dann zunächst nur leicht variieren, sich erproben, mutiger werden, bis hin zu später ausgeweiteten, freieren Improvisationen. Was sich ohne Verbiegungen eins zu eins auf das „normale Leben“ übertragen lassen würde. Es müsste nur stetig und mit Geduld geübt werden.

Wozu dieses Werk durchaus motiviert. Ob nicht das „freie Spiel“ der eigenen Kräfte mehr zu sich selbst führt auf Dauer, als dass man alles in Abläufe, Gewohnheiten, Regeln und „Sicherungen“ versucht, zu verpacken.

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AllEin

Alexander Poraj
Fester Einband
Erschienen bei Kösel, 25.06.2018
ISBN 9783466372164
Genre: Sachbücher

Rezension:

Zen für Fortgeschrittene

Das Wort „Allein“ dient in diesem tiefreichenden Werk von Alexander Pojai als Zentrum und Ausgangspunkt und greift damit eine Zen-Kompetenz (und wesentliche Grundhaltung) auf, die dem westlichen Denken (immer noch) eher fremd ist und, in den letzten Jahrzehnten, auch erkennbar fremder geworden ist.

Denn durchaus gängig war es in breiter Form (und ist es in Teilen immer noch) „Alleinsein als Strafe“ mit ins Feld zu führen.

„Geh auf Dein Zimmer“ bei unbotmäßig sich verhaltenen Kindern drückt allein schon aus, dass Alleinsein, verbunden mit Stille, mangelnder Ablenkung und eingeschränkter Aktivitätsmöglichkeit gründlich negativ belegt wird. Eine Linie, die sich durch das „erwachsene Leben“ konsequent durchzieht.

Aktiv sein, Fit, beschäftigt, wichtig, tätig, das sind die „seriösen“ Elemente eines (vermeintlich) guten Lebens in den modernen Gesellschaften des Westens, mit denen man „etwas schafft“ um sich dann, wenn „etwas aktiv geschafft wurde“ dem entsprechenden Belohnungssystem hinzugeben. Was wiederum mit Aktivität und Konsum als Aktivität verbunden wird. Dinge „sich leisten zu können“, Freizeitaktivitäten zu gestalten, möglichst dem Alleinsein, der Stille zu entkommen, die nicht sonderlich gut ertragen werden kann. Davon kündet allein schon die umfassende Breite der „Unterhaltungsindustrie“, die einen fundierten Rückschluss auf die Schwierigkeiten des modernen Menschen mit der Abwesenheit äußerer Reize, eines „All-Ein-Seins“ und damit nur sich selbst ausgesetzt sein deutlich benennt.

Das Leben wendet sich mit hoher Geschwindigkeit weiterhin dem Äußeren zu, so kann man konstatieren. Kontemplation, Meditation, sich selbst spüren sind Fähigkeiten, die kaum mehr gesellschaftliche Relevanz im Alltag besitzen.

„Das Reden Silber und Schweigen Gold sei“, wie es Poraj zur Einleitung anführt, ist somit eine alte Sentenz mit offenkundig wenig Wirksamkeit. Denn sich zeigen, darstellen, am Image feilen, laut sein, fordern können, das sind aktuell die scheinbar „wahren Kompetenzen“ eines erfolgreichen Lebens.

Dem setzt Pojai nun einen interessanten, tief durchdachten, aber auch nicht einfachen Weg in einer Welt des „mit-sich-seins“ gegenüber, der, recht verstanden, gar nicht einsam oder allein sein kann, da am Ende „alles mit allem verbunden ist“. Sei man laut oder leise, mit anderen beisammen oder für sich ganz allein, diese Verbindung kann gefunden und gespürt werden und führt, am Ende, zu einer Form innerer Reife, die dem Menschen wohltut.

Aber nicht einfach beschrieben oder in kurzen Abfolgen „angewiesen“ werden kann, sondern, wie alles, was wertvoll ist, eine Entwicklung und ein Üben benötigt.

„Der überwiegende Teil des Buches beschreibt das Suchen und das Ringen um die Frucht. Nicht die Frucht selbst. Diese kann nämlich nur im Lesenden zur Reife gelangen“.

Es braucht eben eine andere Herangehensweise im Denken und Fühlen, die dem „normalen“ Leser zunächst befremdlich ist und zu Geduld und reflektierendem Lesen aufruft.

„Wir fühlen uns oft allein….Sind wir dann tatsächlich allein? Es lohnt sich, unser Konzept des Alleinseins infrage zu stellen, denn häufig fühlen wir uns allein, ohne uns dieses Zustands in seiner Tiefe bewusst zu sein“.

Stellt man aber anhand dieses Buches (in Ruhe) das vorherrschende Konzept in Frage und wendet sich der Verbundenheit mit dem Leben und dem ganzen restlichen Sein zu, dann ergibt sich im Lauf der Lektüre und es Ringens um das rechte Verständnis allmählich tatsächlich jenes „Gewahr-Werden“ des „All-Ein-Sein“, das Poraj ruhig und bedächtig vor Augen stellt.

„Rühe, Glück und Offenheit“, einhergehend mit Achtsamkeit, dass ist die „Frucht“, die sich einstellen kann, wenn man sich „sich selbst aussetzt“ und Ablenkungen von außen samt dem eigenen, unruhigen Geist mehr und mehr hintenanstellt.

Natürlich ist das fremd und schwer. Zumindest der erste Schritt eines sich darauf Einlassens. Gerade weil Poraj so wenig von „Übungen“ hält.

„Zen Leben – aber nicht Zen üben. Sein und immer wieder nichts werden wollen“.

Aber es lohnt, sich den Inhalten dieses Buches auszusetzen. Denn die Geschichte lehr durchaus, dass „im Außen“ das „innere Glück“ wohl noch nie zu finden war und die spirituelle Ebene innerer Reife für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit des Menschen wohl doch deutlich wichtiger ist, als all das Streben (und in Teilen erreichen) der „äußeren Ziele“. Für diesen Weg eignen sich die Überlegungen im Buch sehr gut. Wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, Schritt für Schritt.

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Kalter Sommer

Gianrico Carofiglio , Verena Koskull
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 11.06.2018
ISBN 9783442312283
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit viel internem Wissen gestaltet

„Soeben ist ein Anruf eingegangen. In Enziteto ist eine Schießerei auf offener Straße…..im Gang“.

Und als die Carabinieri anlangen, mit Verstärkung, ist der Spul bereits vorbei. Die Straße übersät mit Munitionshülsen, aber natürlich hat keiner der Anwohner etwas gesehen oder bemerkt.

Was das Problem im Kampf gegen die Mafia an sich ist. Angst, Ehre, Schweigen um jeden Preis, selbst wenn das eigene Kind entführt wird, eine Unsumme an Lösegeld bezahlt wurde und das Kind dennoch nur noch tot aufgefunden werden kann.

Allerdings, wenn es der Sohn eines der Mafia-Chefs von Bari ist, dann ist dem Carabinieri Fenoglio umgehend klar, dass hier das letzte Wort nicht gesprochen sein wird.

Und auch der leitenden Staatsanwältin geht ein ungutes Licht auf, als der Hauptverdächtige „Konkurrent“ des Mafia-Bosses, Lopez, sich der Polizei zur Verfügung stellt und die „Omerta“ ganz weit nach hinten rückt, um intern auszupacken. Der Mann hat eh nichts mehr zu verlieren, die halbe Mafia der Stadt macht bereits Jagd auf ihn.

Als ehemaliger Staatsanwalt im Bereich des organisierten Verbrechens ist Carofiglio Insider und bewandert genug, um detailliert die Organisation, das Vorgehen, den „Alltag“ der Mafia geschickt in den Thriller mit einfließen zu lassen. Decknamen, das Wissen um mannigfaltige Gewalttaten, die vermeintliche Ehre, die vor allem eine Verteidigung der eigenen Macht darstellt, all das liest sich realistisch, packend und gut. IN Verbindung mit dem Mord an einem unschuldigen Kind und der Bedrohung für die Staatskräfte, die an jeder Ecke lauert, entfaltet sich ein attraktives Puzzle mit Spannung und Tempo.

Ein Gesamtbild, in dem auch der „menschliche Faktor nicht zu kurz kommt. Die leiden einer Mutter, Freundschaften und Feindschaften und auch der Carabinieri Fenoglo zeigt menschlich allzu menschliches in Bezug auf seine Ehe, die gerade pausiert und öffnet sich gar Kollegen gegenüber, was in früheren Zeiten unvorstellbar gewesen wäre.

„Ich weiß, du magst mich nicht. Ich mag mich auch nicht, und das schon seit einer ganzen Weile. Ich kanns dir also nicht übelnehmen“.
„Es ist, als hättest du eine Art Superkraft…… Das macht mich sauer, und ich bewundere es. Vielleicht macht es mich sauer, weil ich es bewundere“.

Aber alle vermeintlichen Superkräfte nutzen zunächst nicht, wenn lange unklar bleibt, was da eigentlich für ein Spiel gespielt wird, wer den Tod des Jungen verschuldet hat und das man Grimaldi, die örtliche Mafia-Größe, einfach nicht wirklich zu fassen bekommt auf seinem verborgenen Feldzug der Rache und seiner Bedrohung gegen Staatsanwältin und überhaupt jeden, der meint, sich ihm in den Weg stellen zu müssen.

Mit der Besonderheit im Stil, dass Carofiglio großen Wert auf realistische Abläufe legt und phasenweise das Tempo des Romans zurücknimmt gegenüber der eher ruhigen, schrittweisen Ermittlungstätigkeit der Polizei vor Ort anzuführen. Dadurch gewinnt der Roman an sachlicher Tiefe und führt den Leser gut ein in die Welt des Mafia-bedrohten, teils -bestimmten Lebens in Süditalien, dieser Realismus benötigt aber auch die entsprechende Geduld und Ruhe des Lesers bei der Lektüre. Schnellschüsse finden sich in diesem Werk nicht.

Eine empfehlenswerte Lektüre.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Letzte Freunde

Jane Gardam , Isabel Bogdan
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 31.05.2018
ISBN 9783423146524
Genre: Romane

Rezension:

Liebevoll, skurril und treffend gestaltete Figuren

Nicht wenige der im Buch auftretenden Personen haben „die letzte Kurve“ ihres Lebens durchaus vor Augen, bereits erreicht, oder, bei den beiden eigentlichen Hauptfiguren, bereits hinter sich gelassen (Terry Veenering und Edward Feathers, über die längste Zeit ihres Lebens hervorragende Anwälte des britischen Rechts, mit einem Faible für die gleiche Frau versehen und einander, bis (fast) zum Schluss in herzlicher Abneigung und Feindschaft verbunden, beide sind gerade gestorben im Abstand von einem Jahr).

Sehr britische Menschen sind es dabei, die den Roman bevölkern, einerseits Rückschau halten auf ihre lange Strecke an Leben, andererseits, in diesem Leben, wenig an den Beziehungen untereinander wurde verändert (so dass der hochbetagte Fiscal-Smith immer noch nicht, und sei es aus alter Verbundenheit heraus, ein herzliches Verhältnis gerade zu Dulce, der uralten Bekannten, immer noch nicht erwiesen bekommt.

„„Sie sind ganz schön arrogant, Fiscal-Smith““.
„“Ich sage nur, wie es ist“, sagte er“.

Selbst wenn man gemeinsam in der alten Dorfkirche bei kühlen Temperaturen eingeschlossen wird, warm und nahe kommt man sich immer noch nicht. Eine Distanz, wenn auch eher eine vermeintliche, die in britischer Tradition jenes unterkühlte, distanzierte miteinander Umgehen ebenso treffend auf den Punkt bringt, wie die Tatsache, dass hinter all jener Distanz und den trockenen, ironischen Sprüchen, durch welche diese Distanz äußere Form findet, doch noch Tiefen der Gefühle zu finden sein werden. Gut verborgen, aber wichtig.

Denn auch Veenering und Feathers hatten da etwas aneinander entdeckt auf ihre alten Tage, was dem Roman einen soliden Spannungsbogen beschert und dem Leser Seite für Seite die Verbundenheit hinter den kühlen Fassaden und verletzend scheinenden Worten mehr und mehr vor Augen führt.

Ein Roman, mit dem Jane Gardam ihre Reihe über jenen „Old Ffith“ Edwart Feathers beendet und in dem sie seinem „Gegenpart“ Veenering viel Raum einräumt. Und damit die Personen der vorhergehenden Romane wunderbar abrundet. Was nicht zuletzt daran liegt, dass es Gardam gegeben ist, mitten aus dem Leben heraus (mit klarer Beobachtungsgabe und ebenso dem Talent, das Menschliche treffend in Worte zu fassen) zu schreiben und den Leser mühelos in das Leben im kleinen Ort und auf den vielen Stationen des gemeinsamen Schicksals der beiden Hauptpersonen emotional mitzunehmen.

Wie Gardam ebenso Längen vermeidet, ein Werk aus einem Guss und mit Tempo (ohne Hast, natürlich) vorlegt, dass in der Tiefe und in jeder der liebevoll gestalteten Szenen (wie das „Historienspiel“ in jener kalten Kirche) ein leicht erscheinendes und doch prägnant treffend psychologisches Einfühlungsvermögen an den Tag legt.

So verliert der Leser in keiner Phase der Lektüre den Überblick trotz der vielfachen Erzählebenen und des häufigen Wechsels der Perspektiven durch die verschiedenen beteiligten Personen hindurch und kommt zudem in den Genuss einer typisch britischen Atmosphäre, die im Personal des Romans bestens zum Leben erweckt wird.

Eine anregende und empfehlenswerte Lektüre.

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

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Dunkle Bestie

Lisa Jackson , Kristina Lake-Zapp
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2018
ISBN 9783426520895
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Solide erzählt

Bereits nach dem Prolog fragt man sich, und das durchaus auch durch die Augen der Hauptfigur Regan Pescoli, Polizistin aus Leidenschaft in der Kleinstadt in Montana, ob das wirklich ernst gemeint ist. Morde durch einen „Bigfoot“.

Solche Bigfoots und ihre Pendants, die Yetis, sind, denkt man, eigentlich durch. Dich in diesem Thriller spielt zumindest der Geruch dieser vermeintlichen Lebewesen eine gewisse Rolle. Und selbst wenn ab der Mitte des Romans etwa andere Ideen der Täterschaft und des Auftauchens eines solchen Fabelwesens mit in den Blick rücken und deutlich wahrscheinlicher werden, so ganz ist die Idee einer „Bestie in den Wäldern“ nicht vom Tisch, wie das Ende des Thrillers zeigen wird.

Doch warum dieser Bigfoot es wohl gerade auf Regans Tochter Bianca abgesehen hat und was die Fabelgestalt mit einigen Morden an jungen Mädchen zu tun haben könnte, das erschließt sich nicht unbedingt klar und eindeutig aus den Ereignissen. Wohl aber, dass die Gruppe der Teenager der kleinen Stadt, in der jeder jeden irgendwie kennt, beileibe nicht in Gänze die Wahrheit sagen.

Was den Mord an Destiny angeht. Der eigentlich ei Doppelmord ist. Was die Bedrohung gegenüber anderen Mädchen ausmachen wird. Wie die „feineren Kreise“ der Stadt ihre Kinder versucht, mit allen Mitteln zu schützen. Teenager, die hinter den Fassaden von Angst und Unschuld so einiges zu verbergen und auf dem Kerbholz haben, was für Aufruhr und eben als Motiv für Morde in Frage käme.

Dies aber zu erkennen, dass ist ein hartes Stück Recherche-Arbeit für Pesconi und ihre kongeniale, kühle und rationale Partnerin Alvarez. Wobei die fortgeschrittene Schwangerschaft Pesconi dabei ebenso behindert, wie ihr Ex-Ehemann, der Dollarzeichen in die Augen bekommt, als ein bekanntes Filmteam sich der Vorkommnisse annehmen wird und die gemeinsame Tochter Bianca eine der tragenden Rollen im Film bekommen soll.

Teenager Leben in den USA, die Legende des gefährlichen Bigfoot und alte Seilschaften und Freund-Feindschaften in der übersichtlichen Bevölkerung vor Ort sind dabei die tragenden Fäden, die Jackson spannt, um ihren neuen Fall zu erzählen.

Was teils unverbunden gegenübersteht (der neue Mann und Vater des bald erwarteten Kindes Persconis wird bedeutungsschwanger eingeführt, taucht aber im Thriller selbst kaum wirklich auf, das Filmteam bleibt ein wenig blutleer, der Sheriff des Ortes, differenziert und interessant durchaus angelegt, verbleibt ebenfalls zu sehr im Hintergrund und wir nur hier und da einmal „hervorgeholt“), aber, zum Glück, kaum im Tempo nachlässt und, was die Querverbindungen der Teenager untereinander angeht, als spannendes Rätsel gestaltet ist.

Ein bisschen weniger „Bigfoot“ hätte bei all dem Thriller allerdings gutgetan, denn letztlich bleibt unklar, was denn dieses Wesen nun genau mit den Gefahren und Bedrohungen für Leib und Leben in den konkreten Fällen zu tun hat.

Eine solide Unterhaltung, die allerdings nicht völlig fesselt.

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