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Mâcher la poussière : roman (Littérature Française)

Oscar Coop-Phane
Sonstige Formate: 244 Seiten
Erschienen bei Grasset, 04.01.2017
ISBN 9782246854968
Genre: Sonstiges

Rezension:

Stefano, baron et grand propriétaire, tue le neveu d’Autruche, chef d’une bande de mafiosi. Au lieu de se venger, ceux-ci décident d’enfermer Stefano dans un grand hôtel duquel il n’a pas le droit de sortir. Une cage dorée car Stefano a tout ce qu’il lui faut mais quand même, ce n’est pas une vraie vie. Les seuls contacts qu’il a, c’est avec le personnel de l’hôtel. En s’enivrant, il parle au barman, avec Mathieu le réceptionniste, il entretient une relation difficile et puis, il y a la femme de chambre, Marie, et son nièce Isabelle qui attire Stefano. La vie s’écoule lentement à l’hôtel et avec la mort d’Autruche, il y a soudain la possibilité d’un changement.

Oscar Coop-Phane a trouvé un endroit bien particulier pour l’action de son roman. L’hôtel est un monde refermé. Il y a ceux qui font partie du « décor » - le barman, la femme de chambre, le réceptionniste – et ceux qui apparaissent et disparaissent quasiment aussitôt. Cela permet d’avoir de courtes rencontres et des relations qui se développent lentement à travers des semaines et mois. Au centre du roman, nous faisons la connaissance de Stefano qui doit délaisser sa vie connue et adorée. Les longues marches dans les vignobles, le contrôle de ceux-ci et, bien sûr, la liberté. Il est étonnant comment il arrive à s’installer dans la nouvelle vie. D’autre côté, son besoin de contact avec d’autres gens, de vraies relations intimes est assez humain. Il souffre quand Isabelle quitte l’hôtel comme tout le monde souffre quand un amour ne se réalise pas.

Ce qui m’a vraiment plu, c’est la variation du point de vue narratif. Oscar Coop-Phane utilise un narrateur externe qui nous décrit ce qui se passe. Puis, il y a aussi le discours indirect libre qui nous permet de mieux connaître les pensées et les sensations des personnages. En plus, le manque d’action externe, comme tout se passe dans un lieu très limité, exige de l’auteur de créer des personnages qui attirent et qui sont intéressants – autrement, on ne continuerait pas la lecture. A ce point, Oscar Coop-Phane a vraiment réussi. 

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aftershock, trauer, unverständnis, tamar verete-zehavi, verzweiflung

Aftershock

Tamar Verete-Zehavi , Eldad Stobezki , Mirjam Pressler
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei cbt, 19.10.2010
ISBN 9783570307113
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Bevor Ella sich mit ihrer Freundin Jerus für den Abend zurechtmachen kann, soll sie noch kurz für ihre Großmutter einige Besorgungen tätigen bevor der Schabbat beginnt. Plötzlich durchzieht ein Knall die Luft, ein Selbstmordattentat vor dem Supermarkt, der Ellas Freundin in den Tod reißt und sie sowie unzählige andere verletzt. Ella hatte Glück, denn sie hat keine allzu schweren Verletzungen und ist noch am Leben – aber ist das wirklich ein Glück? Schon im Krankenhaus drehen sich ihre Gedanken nur noch um die Attentäterin, ein 18-jähriges Mädchen aus Palästina. Sie will nicht wie die extremen Rechten anfangen die Araber zu hassen und doch verspürt sie eine enorme Wut, dass man ihr die Freundin genommen hat. So zu leben wie vorher ist nicht mehr möglich, denn alles hat sich verschoben.

Tamar Verete-Zehavi schildert glaubwürdig aus der Sicht eines jungen Mädchen das einschneidende Erlebnis. Zunächst die unmittelbaren Gedanken bezogen auf sich selbst, bevor sie den größeren Zusammenhang erfassen kann. Die kritische emotionale Lage zwischen dem eigenen Überleben und dem Verlust der Freundin, der bedeutungslos gewordenen Umwelt und den immer tiefer eingrabenden Gedanken um die Motive der Täterin werden intensiv und nachvollziehbar geschildert. Man kann die Reaktionen des Mädchens verstehen, der Wunsch einerseits nach Rache, aber auch danach zu verstehen, warum so etwas passieren kann und gleichzeitig doch auch der Wille nicht noch mehr Hass zu säen, sondern Frieden zu suchen. Die langsame Annäherung an die palästinensische Realität, wo sie ebenfalls auf Schmerz und Wut trifft.

Die Autorin schafft es, eine individuelle Geschichte, wie sie sich leider täglich ereignet, exemplarisch zu erzählen ohne in stereotype Muster zu verfallen und allzu einfache Erklärungen zu geben. Die Zerrissenheit ob der komplexen sachlichen wie emotionalen Lage kommen hierbei gut zu tragen und bieten auch keine schnellen Lösungen für diesen andauernden Konflikt. Sie zeigt auch, dass der Blick nicht nur auf die Täter gerichtet sein darf, sondern die Überlebenden ebenfalls Aufmerksamkeit verdienen in ihrem Kampf zurück ins Leben.

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The Coma

Alex Garland
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Faber And Faber, 07.07.2005
ISBN 9780571223107
Genre: Sonstiges

Rezension:

Auf dem Weg von der Arbeit nach Haus beobachtet Carl in der U-Bahn wie mehrere junge Männer eine Frau belästigen. Diese sucht Hilfe bei ihm mit der Folge, dass die Männer ihn attackieren und schwer verletzen. Als er im Krankenhaus dem Koma erwacht, erscheint vieles seltsam. Zu Hause brechen seine Wunden wieder auf, sein bester Freund Verhältnis völlig unerklärlich und Carl kann sich an vieles aus seiner Kindheit nicht mehr erinnern. Aber auch was sein eigentlicher Beruf ist, will ihm, nicht mehr einfallen. Immer wieder hat er auch komplette Ausfälle und findet sich plötzlich an anderen Orten wieder. Er glaubt an posttraumatischem Stress zu leiden – doch irgendwann wird ihm klar, wo das eigentliche Problem liegt: das Koma.

Alex Garland lässt den Leser langsam in die Geschichte einsteigen. Der Vorfall in der U-Bahn, dann die Verletzungen im Krankenhaus und der langsame Weg zurück ins Leben. Mehr und mehr zweifelt man aber auch als Leser an den Dingen, die Carl berichtet und erlebt. Vieles ist nicht erklärbar, man legt sich Theorien zurecht, was der Protagonist möglicherweise falsch deutet, wie sich die seltsamen Vorkommnisse erklären könnten und doch werden die Fragen immer mehr und die Antworten immer weniger. Ein interessantes psychologisches Spiel mit der Situation und eine unerwartete Erklärung, die jedoch in sich stimmig ist und überzeugt.

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The Unified Theory of Love and Everything (The Delphi Series) (Volume 1)

Travis Neighbor Ward
Flexibler Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Northside Books, 14.10.2016
ISBN 9780996015677
Genre: Sonstiges

Rezension:

Emerson Wheeler could be happy. At 32, she has a loving husband, tow great girls and a small gardening business which is just starting. But after the suicide of her father, she starts questing the decisions she has made in life and when she takes over a new job at Hay Manor, this aggravates. Sybil, the elderly owner of the mansion, introduces her to Finn, an army member who has some very different notions of life. They get along better and better and at a certain point, Emerson has to question her marriage. When Finn offers that both of them and their kids spend the summer at his lake cottage, she agrees knowing that this will be a serious test for her life so far.

Travis Neighbor Ward’s novel addresses many topics all adults have to face sooner or later in life. Emerson seems to have a perfect life, but you can be unhappy and disappointed even by what seems to be picture-perfect from the outside. If your life does not fulfil you, if you had plans that had to be given up for whichever reason, you will be dissatisfied or even frustrated at some point in life. No matter how ideally you might match with your partner, you go on in life and develop further, and you might be forced to reassess if you still what the same things in life and if you still have the carefully constructed balance in your marriage. For Emerson and her husband, this is not true anymore after some years, but instead of talking about it, they find other problems which cover the real troubles. Apart from these, we have grown-up suffering from experiences of their childhood which make them unable to utter their feelings and even permitting feelings at all.

There are a lot of aspects in this novel which are worth thinking about since they are taken from life and it surely offers a lot of ideas to talk about in book clubs. Yet, I missed some surprise in the book. Most of the developments are very stereotypical and foreseeable. The protagonist also seems to be a very clever woman, but her decisions are purely emotion based, I did not have the impression that she was pondering over her situation, but acted impulsively which I found not always very convincing. Nevertheless, I liked the style of writing and especially the hints to Albert Einstein which were cleverly integrated.

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Cap Kalafatis (Littérature Française)

Patrick Besson
Sonstige Formate
Erschienen bei Grasset, 18.01.2017
ISBN 9782246860952
Genre: Sonstiges

Rezension:

Un homme se promène sur une plage du Cap Kalafatis, sur l’île de Mykonos. Il se souvient des événements 25 ans avant. Lui, Nicolas, jeune étudiant qui rencontre Barbara qui se bronze quasiment nue. Elle semble être seule et ne s’intéresse pas aux hommes, mais quand José, un quinquagénaire un peu en surpoids, arrive, Nicolas comprend qu’ils sont un couple amoureux quoique José ait trente ans de plus qu’elle. Un ménage à trois bizarre commence sur l’île grecque et Nicolas ne peut jamais être sûr de ce que Barbara et José lui racontent. José, a-t-il vraiment une assurance-vie qui garantit trois millions à Barbara après sa mort ? Est-il véritablement malade ? Et pourquoi est-ce qu’ils lui forcent à passer la nuit avec Barbara ? C’est quel jeu qu’ils jouent avec l’étudiant ?

Patrick Besson nous non seulement mène à des lieux déserts mais aussi au bord de notre bonne foie. Comme Nicolas, le lecteur ne sait jamais ce qui se passe effectivement, si on peut avoir confiance en Barbara et José où s’ils sont un peu fous – ce n’est pas pour rien que Barbara nomme André Breton comme son auteur préféré. On a un amour bien étrange, ce n’est ni l’amour fou de ceux récemment tombés amoureux, ni celui du vieux couple qui se connaît depuis toujours et s’entend sans parler. Quand-même, il y a une communication entre José et Barbara qui échappe à Nicolas. Mais c’est avant tout la séduisante jeune femme qu’il ne comprend pas, elle semble être trop flottante.

Le roman profite des dialogues vivants et authentiques, des nuances et du jeu que le couple joue. Au moment où on croit avoir compris, tout s’écroule et on commence à nouveau – mais à vrai dire, il y restent même après le dernier mot, des incertitudes et doutes. Patrick Besson sait vraiment jouer avec ses lecteurs. 

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Der Club

Takis Würger
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 22.02.2017
ISBN 9783036957531
Genre: Romane

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Mehr Schwarz als Lila

Lena Gorelik
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 17.02.2017
ISBN 9783871341755
Genre: Romane

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This Is Where It Ends

Marieke Nijkamp
E-Buch Text: 292 Seiten
Erschienen bei Sourcebooks Fire, 05.01.2016
ISBN 9781492622482
Genre: Sonstiges

Rezension:

Teachers and pupils are gathering in the auditorium to listen to the principal. When she has finished, they stand up to leave and head back to their classes. But the doors are locked. Nobody can get out. Only Tyler gets in and soon has everybody’s attention since he is heavily armed. He is seeking revenge for what has been done to him in the last months. When the first teachers and classmates are shot, they realise that this is real. But who can stop him? His sister Autumn? But she is meant to be the next.

The story is told from different perspectives. We are thrown immediately into the action, there is no slow approach, nothing to prepare you. In small chapters covering two to three minutes, we learn what happens and what the different characters think and feel at that specific moment. We get to know Autumn, Tyler's sister who remembers their mother who died a year before and thus triggered a lot of problems for the whole family. Sylvia, Autumn's girlfriend, who had a fierce quarrel with Tyler a couple of weeks before. Tomás, Sylvia's brother who is actually not inside the auditorium because he was about to break into the principal' s office with his friend when all started and now he tries to help is sister and classmates. Claire and the running team who did not attend the meeting and now are left to watch and wait.

There are many novels about school shootings, but most of them focus either on the motives of the shooter or what happens to the victims after this experience. "This is where it ends" stands out since is only covers the minutes of the shooting and the immediate feelings and thoughts. The different perspectives from inside and outside and their diverse links to the shooter give not only a broad but also interesting views on the situation. We do not get any clever explanations and tips of how to prevent it, the action speaks for itself and leaves it to the reader to make up their mind about this topic.

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Death in the Castle: A Novel

Pearl S. Buck
E-Buch Text: 207 Seiten
Erschienen bei Open Road Media, 21.05.2013
ISBN 9781480421486
Genre: Sonstiges

Rezension:

Sir Richard Sedgeley and Lady Mary have lived in Starborough Castle for many decades. Yet, no heir has ever arrived and the couple has problems of maintaining the castle. They even have to admit tourists to the old building to get along. An American investor seems to be the solution; he wants to buy the castle to transform it into a museum. However, only when John Blayne arrives do they understand that his plan is to dismantle everything to transport it to Connecticut. Kate Wells, the maid, is strongly against it and begs her master to think it all over. Lady Mary quickly brings forward that this idea must be strongly against their will, leaving it to John Blayne to understand who “they” are. In the night, strange things happen at the castle and the next morning, people are not the same anymore.

Pearl S. Buck is mainly known for her novels set in China which also awarded her the Nobel prize for literature in 1938. This novel here, however, is quite different form the writings you’d expect from such a laureate. “Death in the Castle” is much more in the tradition of classic ghost stories of the 19th century. It provides all the ingredients necessary: an old spooky castle, an elderly couple, a young woman open for paranatural doings, the butler who seems to hide something and the outsiders who come to spend a night in the old walls. We have some peculiar and inexplicable things happening in the small hours giving the characters the creeps.

Despite all this, I did not really find the story that thrilling. Most of it seems to be too much of a construction to flow smoothly. The characters are too flat to really raise any interest and there is not development at all. Even the love story between Kate and John Blayne is not convincing, he is immediately attracted by her, but she seems to be either stupid or too distracted to really understand what is happening. All in all, most of the novel is oversubscribed to my taste and thus too stereotypical, especially for an author of Pearl S. Buck’s reputation.

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literarischer krimi, wahrer hintergrund, psychostudie, klassiker, vladimir nabokov

Verzweiflung

Vladimir Nabokov , Klaus Birkenhauer ,
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.01.2001
ISBN 9783499229060
Genre: Romane

Rezension:

Ein Zufall führt in Prag den Schokoladenhersteller Hermann und den Landstreicher Felix zusammen. Hermann ist verblüfft ob der Ähnlichkeit, die er zwischen sich und dem anderen zu erkennen glaubt. Aus dieser zunächst unbedeutenden Begegnung erwächst in dem Unternehmer ein bizarrer Plan: da er unter finanzieller Not leidet, plant er seinen eigenen Mord, um die Versicherungsprämie zu kassieren. Doch nicht er, sondern sein vermeintlicher Doppelgänger soll ins Jenseits befördert werden. Akribisch beginnt er zu planen und alles für den entscheidenden Tag, der 9. März 1931 soll es sein, vorzubereiten. Seine Frau wird detailliert instruiert, was sie nach dem Ableben des Gatten zu tun hat, der Schwager wird ins Ausland befördert, um auf seinem Grundstück die Tat zu vollziehen, auch bei Anwälten wird vorgebaut und zuletzt das Opfer angelockt. Das Vorhaben scheint zu glücken und Hermann kann sich wie vorgesehen nach Frankreich absetzen. Doch schon bald zeigt sich, dass etwas nicht planmäßig gelaufen ist.

Die Geschichte wird als Notizen Herrmanns aus dem französischen Exil geschildert. Dabei richtet er sich direkt an seinen Leser, schweift ab, entwirft bisweilen sogar unterschiedliche Kapitelanfänge, schwadroniert über Literatur und Rezeption – kurz gesagt: der schnell erkennbar von einem Wahn ergriffene Erzähler ist nicht zu stringenter, geradliniger und schon gar nicht objektiver Berichterstattung fähig. Dass er auch nur wenig vertrauenswürdig in seiner Darstellung ist, liegt auf der Hand. Die Überhöhung seiner eigenen Person, seiner Genialität bei der Planung des perfekten Mordes und der Täuschung seiner Umwelt und auch der Polizei, alles ein wunderbares Beispiel für den psychisch angeschlagenen Menschen, der die Welt im Tunnelblick wahrnimmt.

Nabokov hat seinen Roman im Berlin der 1930er Jahre auf Basis eines tatsächlichen Mordfalles verfasst, der sich 1929 zugetragen hatte. Zwar wird die eigentliche Tat minutiös in ihrer Vorbereitung und Durchführung am besagten Tag geschildert, aber tatsächlich ist sie nicht das zentrale Element der Erzählung. Die Wahrnehmung der Welt, die Feststellung von Parallelen, Ähnlichkeiten und das Erzählen selbst sind es, die den Autor umzutreiben scheinen. Viele Sprünge hin und her sowie alternative Ausgänge verwirren den Leser und führen ihm vor Augen, wie fragil das, was wir als real zu erkennen glauben und uns zusammenreimen über das Dasein der Welt, doch letztlich ist und welche Gefahr in Hybris und Narzissmus lauern.

Ein bemerkenswert konstruierter Roman, der einem jedoch einiges abverlangt, dieses Mal – im Gegensatz zu Lolita – nicht auf der inhaltlichen, sondern mehr auf der erzählerischen Ebene. 

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Denen man vergibt (Quartbuch)

Lawrence Osborne
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 03.02.2017
ISBN 9783803132864
Genre: Sonstiges

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Predigt auf den Untergang Roms

Jérôme Ferrari , Christian Ruzicska
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Secession Verlag für Literatur, 08.03.2013
ISBN 9783905951202
Genre: Romane

Rezension:

Ein korsisches Dorf. Die Pächterin der einzigen Kneipe verschwindet ohne ein Wort. Die Besitzerin will den Laden schließen, doch ohne geht es auch nicht. Nach und nach versuchen sich unterschiedliche Mieter daran, alle mit zunehmendem Pech. Auch Matthieu und Libéro wollen sich daran versuchen. Beide sind in Paris mit ihrem Philosophiestudium unglücklich und sehen in der Heimat und der Kneipe ihre Erfüllung und die Möglichkeit, frei nach Leibniz „die beste aller möglichen Welten“ einzurichten.

Eine Dorfkneipe, ausgelassene Saufgelage, Wildschweinjagd, zwei Weltkriege, eine Kolonie, die großen Philosophen und dazu noch Augustinus – kann man diese Zutaten in einem Roman überzeugend unterbringen? Schwer vorstellbar, aber Jérôme Ferrari kann das und hat dafür völlig zu Recht 2012 den Prix Goncourt erhalten. Im Vordergrund stehen die beiden jungen Studenten. Matthieu einerseits, mit bildungsbürgerlichem Hintergrund ausgestattet und als Philosophiestudent die Erwartungen erfüllend, aber unglücklich. Sein Großvater Marcel ermöglicht ihm mit einer Finanzspritze den Traum – denn dessen Traum wurde nie Realität. In einem Nebenstrang erfahren wir von Marcels Geburt zu Ende des Ersten Weltkrieges, seine anfällige Gesundheit und der anvisierten Offizierslaufbahn, die durch den Zweiten Weltkrieg und die fehlende gesundheitliche Stabilität verhindert wird. Sein Dasein in den letzten französischen Besetzungsgebieten, der frühe Verlust seiner Frau – das Schicksal lässt nichts aus. Libéro hingegen ist ein Aufsteiger, der sich jedoch nach intensiver Auseinandersetzung mit Augustinus, der als Zeitgenosse den Untergang des römischen Reiches erlebte und seine Kirche ebenso bedroht sah, die Sinnfrage seines Lebens stellt. Mit dem nötigen Geschick und der erforderlichen Weitsicht gelingt es ihnen, die Kneipe zum attraktiven Treffpunkt zu machen.

Der Roman spielt mit vielen Brüchen und eigentlich unvereinbaren Themen. Die Analyse der philosophischen Weltsicht führt zum Besitz einer Kneipe. Möglicherweise weil einerseits die Theorie bloß theoretisch bleibt, während sich in einer Kneipe das wahre Leben gnadenlos und ungeschönt zeigt: der Abstieg der Pächter, die gescheiterten Liebschaften, das pure Verlangen. Und nicht zu vergessen: wer Erfolg hat zieht unweigerlich Neider und die Mafia auf sich. Die Geschichte um Marcel, der sich auf den Krieg regelrecht freut, obwohl er erleben musste, was die Erfahrungen im 1. Weltkrieg mit seinem Vater gemacht hatten. Der auch den Kolonialherren im besetzen Land vertreten will – und letztlich nur durch den Verlust der Frau, die er noch nicht einmal besonders positiv beschreibt, sein Leben lang geprägt und verstört wird, viel mehr als durch die ausgefallenen beruflichen Chancen. Auch die anderen Figuren, Matthieus Schwester Aurélie, die ebenfalls in Nordafrika ihren Träumen hinterherrennt und die Ernsthaftigkeit in der Archäologie zeigt, die sie bei ihrem Bruder vermisst; die Eltern der beiden, die nicht zulässige Liebe pflegen; die Kellnerinnen mit großen Erwartungen und einem Schlafplatz auf einer Matratze – wer hat hier noch ideale, die sich in einem erfüllten Leben wiederspiegeln?

Die Dekadenz auf Erden – wo mehr als in einer Kneipe ließe sich dies verdeutlichen – die zum Untergang des großen Reiches führte, wird sie auch unsere Figuren ins Verderben führen? Den einen mehr, den anderen weniger. Aber wenn die Religion und die Philosophie keine Antwort bieten, dann bleibt wohl nur das Glück im Kleinen zu suchen und die Gewissheit, dass, auch wenn der eine scheitert und untergeht, die Erde sich weiterdrehen wird und es ein Morgen gibt. 

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The Museum of You

Carys Bray
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Hutchinson, 16.06.2016
ISBN 9780091959609
Genre: Sonstiges

Rezension:

The summer she is 12 years old will change a lot for Clover Quinn. She has been living alone with her father all her life, her mother died only six weeks after her birth. There is still a room in their house where her father keeps all the belongings of his beloved wife he never could get rid of. Now, Clover ventures into the room and inspects the items. After having visited a museum with her school, she decides to become a curator herself and to set up an exhibition about her mother. She carefully selects the items and – just like in any other museum – writes accompanying notes for them. The more she advances with her work, the more she knows about her mother, or invents when she does not have any information. Yet, there are blanks which will only be filled when her father sees the museum fir the first time – but this moment ends not as planned.

“The Museum of You” is a really heart-breaking novel about – well, that’s the question. It is about love in different shapes, about friendship and family relationships. But it is also about death and loss and how to cope with it. This extreme combination makes it an emotionally loaded novel which oscillates between the exuberant love the characters sometimes feel, especially Darren for his daughter, and the emptiness because all of them suffer from the loss they have never overcome.

The story line is marked by flashbacks, Darren recollects the time with Becky, thus only slowly the whole picture unfolds and the reader learns how and especially why she died. This is definitely the hardest part of the story. Becky is never a real character in the story but the scenes after Clover’s birth are striking.

Clover of course is the most lovable protagonist you can imagine. She is clever and meticulous when it comes to her museum. Her friendship with Dagmar takes some time to develop, but she is sympathetic and open-minded which allows her so bond with the young Hungarian. Concerning her grandfather and her uncle, two men with severe problems, her carefreeness permits her to interact with them, ignore what has to be ignored and find the right words to talk to them. With her father things are more complicated, the one thing she need she cannot articulate. But this does not reduce her love for him and the way he is – even though he is different from all other dads she knows. Darren, the male protagonist, could be seen as somebody who never achieved something in his life. He always postpones things, lives in a mess and has some difficulties in showing affection. On the other hand, he does what has to be done, he is what you could call a “good person”, he puts himself last and his love for Becky and Clover seems to be limitless. He would do everything for them – isn’t that all that counts in life, to love somebody?

The novel really surprised me, I did not expect so much depth in. Additionally, Carys Bray found their perfect words in describing the characters with so much love and never judging them even if some character traits are not that favourable. 

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Mansfield Park

Jane Austen , Manfred Allié , Gabriele Kempf-Allié
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 22.06.2017
ISBN 9783103972719
Genre: Klassiker

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Unbekannte Briefe

Oleg Jurjew
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Verbrecher, 03.03.2017
ISBN 9783957322333
Genre: Romane

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religiös, suche, mutter-sohn-beziehung, roman, gott

Gotland: Roman

Michael Stavarič
E-Buch Text: 352 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 20.03.2017
ISBN 9783641208943
Genre: Sonstiges

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freundschaft, neapel, roman, studium, italien

Die Geschichte eines neuen Namens

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.01.2017
ISBN 9783518425749
Genre: Romane

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Die Geschichte um Elena und ihre Freundin Lila geht weiter, nachdem die beiden Mädchen die Kindheit hinter sich gelassen haben, inzwischen 16 sind, kommen die schweren Jugendjahre und der Weg des Erwachsenwerdens. Elena besucht weiterhin die Schule, die ihr mal mehr mal weniger Freude macht, langsam ihren Weltblick verändert und sie zunehmend vom Rione entfernt. Für das Studium geht sie sogar nach Pisa, was den endgültigen Bruch mit ihrer Heimat bedeutet. Aus der Ferne beobachtet sie die Entwicklung Lilas, die früh heiratete und dann in einer unglücklichen Ehe feststeckt. Das Leben ist ein täglicher Kampf mit ihrem Mann aber auch ihrem eigenen Jähzorn. Die Aufgaben einer Ehefrau erfüllt sie nicht, insbesondere wird sie nicht schwanger. In die Geschäfte ihres Mannes mischt sie sich immer wieder ein, wie es ihr gerade in den Sinn kommt. Die Wankelmütigkeit der Kindheit setzt sich fort und letztlich riskiert Lila alles, wovon sie eigentlich geträumt hatte.

Nach dem begeisternden ersten Band waren die Erwartungen hoch an den Fortlauf der Geschichte. Immer noch gefällt mir Elena Ferrantes Erzählstil unheimlich gut. Man taucht ein in das Leben des neapolitanischen Vorortes der 50er/60er Jahre und erlebt die Geschehnisse durch Elenas Augen. Die Handlung bleibt in diesem Teil überschaubar. Rund um Elena wird vieles gerafft und zusammengefasst, was ich etwas schade finde, auch ihre Erlebnisse als Studentin hätten mich interessiert, gerade die Anpassungsschwierigkeiten als Mädchen aus einfachen Verhältnissen, die plötzlich von der Intelligenzija umgeben ist, wäre durchaus lesenswert gewesen. Dies wird aber nur in wenigen Sätzen angerissen. Auch das Buch, das sie schreibt, hätte für meinen Geschmack mehr Raum einnehmen dürfen.

Es bleibt daher die Geschichte von Lila. Die pompöse Hochzeit und der folgende Absturz. Die Prügeleien des Gatten – die erschreckenderweise niemanden wirklich stören, denn das scheint der Alltag aller Frauen zu sein. Immer wieder rafft sie sich auf, nimmt ihr Leben in die Hand, wird erfolgreiche Geschäftsfrau, aber es bleibt ihr schwierigster Charakterzug: wenn sie sich für etwas begeistert, gibt sie all ihr Herzblut und Energie, aber sobald sie bekommen hat, wovon sie träumte, ist der Reiz weg und sie wirft ohne zu zögern alles hin. Dies ist eine gewisse Konstanz in ihren sonst eher unstetigen Leben. Großen Raum in der Erzählung nimmt ein Sommer auf Ischia ein, in dem sich Lila verliebt und sieht, was aus ihr auch hätte werden können. Sie empfindet es zunächst als Liebe, aber letztlich war auch Nino nur etwas, das jemand anderes – Elena in diesem Fall – hätte haben können und das sie ihr nicht gönnt.

Gut gefallen haben mir Ferrantes Wechsel in der Erzählgeschwindigkeit. Mal vergehen die Jahre wie im Flug, wenn Elena augenscheinlich vor Arbeit und Lernerei gar nicht merkt, wie die Zeit verfliegt, und dann wieder fast minutiös zu berichten, wir der Sommer am Meer vergeht, der auch in der Wahrnehmung der Figuren viel langsamer verläuft. Der Kontrast der Mädchen, ihr heimlicher Kampf darum, mehr zu erreichen und besser zu sein als die andere und eigentlich nicht zu wissen, was sie im Leben wollen, was ihnen wichtig ist und welcher Sieg am Ende wirklich etwas wert ist, dies ist der für mich interessanteste Aspekt der Lektüre. Auch die schwierigen Beziehungen der Figuren untereinander, Elena zu ihrer Familie, aber besonders auch die mafiösen Strukturen im Ort, haben ihren erzählerischen Reiz. Leider kommt es im zweiten band etwas zu Längen und bisweilen hatte ich den Eindruck, dass sich vieles im Kreis dreht und nicht recht voran geht, daher ein kleiner Abzug für die durchaus gelungene Fortsetzung der Saga.

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Evangelio

Feridun Zaimoglu
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 09.03.2017
ISBN 9783462050103
Genre: Romane

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Das Buch der Spiegel

E.O. Chirovici , Werner Schmitz , Silvia Morawetz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.02.2017
ISBN 9783442314492
Genre: Romane

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Sechzehn Wörter

Nava Ebrahimi
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 27.03.2017
ISBN 9783442756797
Genre: Romane

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vision

Die Terranauten

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Fester Einband
Erschienen bei Hanser, Carl, 09.01.2017
ISBN 9783446253865
Genre: Romane

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china, hörbuch, zeit

Cox

Christoph Ransmayr , Christoph Ransmayr
Audio CD
Erschienen bei Argon, 27.10.2016
ISBN 9783839815076
Genre: Romane

Rezension:

Uhrmacher Alister Cox leidet nach dem Tod seiner geliebten Tochter. Als ihn der Kaiser von China bittet, an seinem Hof Uhren zu bauen, nimmt er den Auftrag an und macht sich mit seinen Gehilfen auf den langen Seeweg. Angekommen im großen Reich, warten sie tagelang auf die erste Begegnung mit dem Herrscher über 10.000 Jahre und müssen zunächst auf das Zeremoniell vorbereitet werden. Das Treffen verläuft anders als geplant, aber Cox weiß, was sich der Kaiser wünscht und macht sich an den Bau einer Maschine, die nicht nur den Lauf der Zeit, sondern auch die Endlichkeit anzeigen kann.

Der Autor selbst hat das Hörbuch eingesprochen, was schon eher ungewöhnlich ist, aber diesem Roman, der von großen Bildern und prächtigen Beschreibungen lebt, guttut. Das fremde Land im fernen Osten erstaunt die englischen Besucher, die aus ihrer Heimat Zeremoniell durchaus gewohnt sind. Doch die intensiven Vorbereitungen und Vorgaben bzgl. der Begegnung mit dem Kaiser sind schon eine ganz besondere Erfahrung. Umso erstaunlicher dann das tatsächliche Zusammentreffen. Am interessantesten fand ich die Beschreibung des Ausflugs an die chinesische Mauer. Reisen im 18. Jahrhundert war einfach eine andere Angelegenheit und diese Episode lässt vor allem die strenge Hierarchie des Kaiserreichs hervortreten.

Der Roman kann nicht mit großer Handlung aufwarten. In weiten Teilen sitzen die Uhrmacher in der verbotenen Stadt und warten ab. Die ausufernden Beschreibungen und die Detailverliebtheit des Autors sind die großen Stärken des Romans, neben den fein dosierten und intelligent eingesetzten kleinen Unterschieden zwischen den beiden Kulturen, die immer wieder Konfliktpotenzial aufweisen.

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"Oh..."

Philippe Djian
null: 241 Seiten
Erschienen bei Editions Gallimard, 30.01.2014
ISBN 9782072525254
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dezember ist der Monat, in dem die Menschen sich betrinken, verletzten, zusammenkommen, Kinder anerkennen, die nicht die ihren sind, flüchten, vor Schmerz wimmern, Sterben. – Michèles Feststellung gegen Ende des Buchs umschreibt so ziemlich die komplette Handlung des Romans. Einen Monat begleitet man als Leser die Ich-Erzählerin, die ihren Sohn ins Unglück stürzen sieht, lernen muss, ihren Exmann mit einer neuen Frau zu sehen, eine alte Affäre beendet und eine rein sexuelle Beziehung zu ihrem Nachbarn beginnt. Währenddessen sterben ihre Eltern, doch der Verlust wird ihr nicht gleich klar. Nach 30 langen Tagen ist in ihrem Leben nichts mehr so, wie es zuvor war.

Philippe Dijans Roman wurde 2012 mit dem renommierten Prix interallié ausgezeichnet. Warum ist leicht nachzuvollziehen: erzählerisch fordert der Roman den Leser heraus, die Szenen fließen ineinander über, man springt von einer Episode direkt in die nächste. Durch die Erzählperspektive dauert es einige Zeit, bis man sich zurechtfindet, die Figuren einordnen und mit einander in Verbindung bringen kann. Daneben gibt es ungeschönte, verstörende Szenen – Michèles Vergewaltigung oder ein Überfall, man weiß nicht genau, was eigentlich passiert ist, denn die Perspektive verhindert eine Beschreibung von außen, so muss man sich mit der diffusen gedanken- und Gefühlswelt der Protagonistin genügen und abwarten.

Keine einfache Protagonistin, kein einfacher Roman, den Dijan uns hier vorlegt. Mir fiel die Gedankenwelt Michèles oft schwer, sie hat einen Hang zu depressiven Stimmungen, immerzu misstrauisch, selten das Positive erkennend und mit wenig Vertrauen zu ihren Mitmenschen. Sie kann nicht als Sympathieträger fungieren, aber ganz sicher ist ihre Sicht auf die Welt nicht so singulär, dass es nicht in der Realität unzählige Menschen gäbe, denen es ebenso geht wie ihr und denen ein wenig mehr Zuneigung guttun würde.

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martin cruz smith

Gorki Park

Martin Cruz Smith , Wulf Bergner , Tobias Gohlis
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Bertelsmann, C, 11.11.2013
ISBN 9783570101902
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Moskauer Gorki Park werden 1980 drei Leichen gefunden. Zwei Männer und eine Frau wurden erschossen, aber niemand hatte etwas gehört und vermisst wurden sie ebenfalls nicht. Arkadi Renko muss den Fall übernehmen, da sie schnell herausstellt, dass auch ein Ausländer unter den Opfern ist, erwartete er, dass der KGB recht schnell übernimmt. Dieser mischt sich zwar immer wieder in die Ermittlungen ein, zieht sie aber nicht an sich. Je mehr Renko herausfindet, desto mehr gerät auch er in Gefahr. Offenbar spielen zwei in der Sowjetunion bekannte Amerikaner eine nicht unwesentliche Rolle, aber auch der russische Polizeiapparat scheint nicht wirklich an einer restlosen Aufklärung interessiert zu sein.

Man fühlt sich inzwischen weit in die Vergangenheit versetzt, wenn man Martin Cruz Smith Roman liest. Die Ermittlungen werden weitgehen ohne technische Unterstützung geführt, lediglich Fingerabdrücke und Haaranalysen werden vorgenommen und die Rekonstruktion eines Gesichts wird schon zur höchsten Kunst erkoren. Schmunzeln musste ich auch, als der Protagonist zum Telegrafenamt fährt, um die Telefonzellen rund um die Wohnung einer Verdächtigen abhören zu lassen, denn über einen eigenen Telefonapparat verfügte sie noch nicht. In vielerlei Hinsicht ist der Roman ein Zeichen seiner Zeit, vor allem natürlich des Kalten Krieges und der Geheimdienste der beiden Großmächte.

Die Handlung selbst verstrickt typische Elemente der Sowjetzeit, insbesondere die Not der Menschen und ihr kreativer Umgang mit dieser mit wirtschaftlichen und politischen Interessen einzelner. So entwickelt sich der Fall von einem durchaus schon spektakulären Dreifachmord in eine internationale Verschwörung. Der Protagonist wird nicht nur durch seine Ermittlungstätigkeit charakterisiert, sondern auch durch sein Privatleben, das zwar nur eine untergeordnete Rolle spielt, aber durchaus zeigt, wie fragil Partnerschaften sein konnten, wenn sich Chancen zum Aufstieg boten.

Interessant in diesem Fall auch das Nachwort. Bekannter als das Buch dürfte die Verfilmung sein, die ich zwar nicht gelesen habe, aber nachdem ich neulich die Drehorte in Finnland besuchte, Anlass zum Lesen des Buchs waren. Offenbar hat man das letzte Drittel modifiziert, um das Ansehen und die Verstrickung der amerikanischen Geheimdienste in einem anderen Licht erscheinen zu lassen als dies im Buch der Fall ist. Offenbar war dies 1983 etwas zu heikel, was das Buch aber umso interessanter macht.

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Konklave

Robert Harris , Wolfgang Müller , Frank Arnold
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 31.10.2016
ISBN 9783837135435
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Papst ist tot – es lebe der Papst. Die Vakanz führt die Kardinäle aus allen Ecken der Welt in den Vatikan zum heiligen Konklave. Kardinal Lomeli muss das jahrhundertalte Verfahren leiten, obwohl er selbst seit Monaten von einer großen Glaubenskrise geplagt wird. Kurz vor Verschließen der Tore hastet noch ein unbekannter Kardinal herbei, Benitez, der Bischof von Bagdad, vom verschiedenen Papst in pectore ernannt und daher nicht auf den offiziellen Listen. Schnell bilden sich Koalitionen, die Italiener bevorzugen einen Kandidaten aus ihren Reihen, die Afrikaner hoffen auf einen Vertreter ihres Kontinents, ebenso wie die spanischsprachigen Hirten. Doch bald schon zeigen sich die Abgründe der Kirche: kaum bildet sich ein Kandidat heraus, sieht dieser sich mit seinen sorgsam vertuschten Fehltritten konfrontiert. Die Kongregation steht vor einer immer schwierigeren Aufgabe, der heikle Stand der Kirche im 21. Jahrhundert spiegelt sich auch hinter den heiligen Mauern wieder, während die Gläubigen auf die erlösenden Worte „Habemus papam“ warten.

Dass Robert Harris aus geschichtlichen Stoffen einen spannenden Krimi schrieben kann, ist bekannt. Nun wagt er sich an dir Kirche und den heiligsten aller Prozesse, die Wahl des Papstes. Sein Protagonist, dessen Gedanken und Sorgen wir begleiten, trägt durch die Handlung, nicht aufgrund seiner tiefen religiösen Überzeugung, sondern wegen seiner Zweifel und bodenständigen, weltlichen Denkweise. Der Reiz des Themas besteht natürlich darin, hinter die verschlossenen Türen der Sixtinischen Kapelle zu blicken, Mäuschen zu spielen bei den Intrigen der Kirchenvertreter. Harris erfüllt hier die Erwartungen vollends: keineswegs sind sie die vorbildlichen Gläubigen, die nie zweifeln, ihr Leben für die Kirche und Gott hingeben und sich desinteressiert zeigen an weltlichen Gütern. Nein, sie horten Reichtümer an, gieren nach Macht, haben heimliche Liebschaften, gar Kinder, und auch ansonsten weisen sie alle Laster auf, denen auch der Normalsterbliche nur schwer entkommen kann.

Der Handlungs- und Spannungsbogen ist recht klar umrissen: von Beginn bis Ende des Konklaves. Der Ausgang ist wenig überraschend, dafür war er von den ersten Minuten an zu klar vorausgeplant, aber hier ist – wie auch schon in seinen anderen historischen Romanen, die der Realität angelehnt waren und deren Ausgang ohnehin bekannt war – weniger das Ergebnis als der Weg dorthin das Ziel. Immer wieder neue Ränke und Enthüllungen verzögern die Wahl, durchaus vielfältig und überzeugend vom Autor angelegt, so dass das vermeintlich langweilige Procedere von knapp 120 älteren Herren, die gemeinsam in einem Raum eingesperrt werden, um aus ihren Reihen einen Führer zu wählen, zu einer unterhaltsamen und spannenden Angelegenheit wird. 

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