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74 Bibliotheken, 30 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

glasgow, drogenmilieu, krimi, mord, streifenpolizist

Die Mädchen von Strathclyde

Denzil Meyrick
E-Buch Text: 80 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 10.04.2017
ISBN 9783959676656
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Constable Jim Daley ist noch recht neu bei der Polizei von Glasgow und zum banalen Streifendienst verdonnert. Eigentlich träumt er ja davon, irgendwann einmal bei der Kripo Mordfälle lösen zu können. Ein Anruf eines besorgten Nachbarn liefert ihm auch schon eine Leiche: Tracey Greene wird tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Was zunächst den Anschein eines goldenen Schusses einer sich prostituierenden Drogenabhängigen erscheint, stellt sich rasch als heimtückischer Mord heraus. Schon der dritte innerhalb kürzester Zeit in Glasgow. Jim erhält seine Chance und hat schon bald eine Verbindung zu einem stadtbekannten Obdachlosen im Visier. Dass diese Verbindung noch viel mehr beinhaltet, als das Zusammentreffen zweier gesellschaftlicher Außenseiter, ahnt er noch gar nicht.

Ein knackiger Kurzkrimi, der interessanterweise im Jahr 1986 angesiedelt ist. Handys, Internet, jede Form der modernen Kommunikation entfällt und auch anstelle von Computern sind noch Schreibmaschinen im Einsatz. Eine angenehme Abwechslung im Genre, die von Denzil Meyrick auch glaubwürdig und in die Zeit passend umgesetzt wird.

Aufgrund der Kürze kommt der Krimi weitgehend ohne groß Schnörkel und Nebenhandlungen aus, sondern bleibt recht fokussiert auf den Fall. Die Lösung findet sich entsprechend zügig, aber nicht unglaubwürdig übereilt. Die Spuren sowie das Motiv sind für mich überzeigend und die Handlung insgesamt glaubwürdig. Alles in allem, ein für die Länge passabler Fall, der bei der Figurenzeichnung etwas an Format hätte gewinnen können. 

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

The End We Start from

Megan Hunter
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Grove Press, 07.11.2017
ISBN 9780802126894
Genre: Sonstiges

Rezension:

A young couple, the woman is pregnant, only a couple of weeks before the due day for her baby. London is threatened by a flood, people are being evacuated and the couple is affected by the environmental crisis, too. But then the relief, they can stay in their home. However, after the birth of Baby Z, they need to leave their home and move in with the husband’s parents. The crisis aggravates, first the grandmother, then the grandfather dies, they run out of food, then they have to leave and find shelter in a refugee camp. As they move from one place to the next, they are separated, not knowing if they will ever see each other again. Baby Z however, is discovering the world, making his first movements, first steps and saying his first words.

The novel is striking because of Megan Hunter’s rather plain style of writing. Short sentences coupled in short paragraphs. The characters do not have names, only the first letter of their Christian name is given. This equals the shortage by which they are increasingly affected and it intensifies the feeling of hardship and stress. You can feel the reduction to the very necessary in each sentence. The paratactic style keeps you informed, but you do not smoothly float through the novel. I have not often read novels in which the style equally thus perfectly the story. And Megan Hunter has a way of putting action into words which makes you stumble quite often, for instance: “The day they don’t come back from shopping is beautiful.” (Po. 88) How can you ever reduce such a major event in a character’s life in such a sentence ending with an optimistic and promising adjective like “beautiful”?

The young mother is in the centre of the novel. First, we meet her with the well-known fears which all primipara share. But her fears are quickly overshadowed by the crisis which threatens their lives and the deaths of her parents-in-law. It is interesting to see how the style of writing expresses her emotions rather than functions as means for a description of how she perceives her situation.

The opposing developments of, on the one hand, the environmental crisis and on the other the development of Baby Z is masterly designed by the author. The antithesis in the title also picks up this idea. The life they lead before is gone. Your position in your job and in society, your role or roles in life – everything is submerged and questioned, now, all of the survivors have to start anew. The way the characters cope with the situation is also interestingly and convincingly depicted: some can manage, they are true survivors, other try to break out and run away from the situation.

All in all, a short novel which is striking due to the style it is written in. 

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106 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

trauma, tod, eleanor, mutter-tochter-beziehung, neuanfang

Ich, Eleanor Oliphant

Gail Honeyman , Alexandra Kranefeld
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 24.04.2017
ISBN 9783431039788
Genre: Romane

Rezension:

Eleanor Oliphant ist eine junge Frau, die ein sehr geregeltes Leben führt. Sie geht morgens pünktlich zur Arbeit als Debitorenbuchhalterin, kehrt am Abend zurück, hört dann die Archers im Radio und kocht sich Nudeln mit Pesto. Jeden Tag. Außer freitags, da gönnt sie sich eine Fertigpizza und zwei Flaschen Wodka, mit denen sie dann das Wochenende überleben kann. Kontakt zu Menschen hat sie kaum, mit ihren Kollegen spricht sie nur das Nötigste. Freunde? Fehlanzeige. Nur mit ihrer Mutter telefoniert sie einmal pro Woche. So geht das Leben jahrein jahraus. Bis sie eines Tages nach der Arbeit zufällig zusammen mit ihrem Kollegen Raymond Zeuge eines Zusammenbruchs eines alten Mannes wird. Raymond zwingt sie, dem Mann ebenfalls zu helfen und ihn auch wenige Tage später im Krankenhaus zu besuchen. Raymond ist fasziniert und verwundert zugleich von der Frau, der so jede Sozialkompetenz zu fehlen scheint und die alle Aussagen ihrer Mitmenschen wörtlich zu nehmen scheint. Normale soziale Anlässe überfordern sie, aber langsam bewegt sich etwas in Eleanor und vielleicht gelingt es Raymond ja herauszufinden, wo die Narben herkommen, die in Eleanors Gesicht und Hände prägen.

Zu Beginn des Romans hat mich Eleanor mit ihrer Art etwas überfordert, ähnlich wie auch die Figuren, denen sie im Alltag begegnet. Einerseits macht sie einen intelligenten und gebildeten Eindruck, doch in der Interaktion mit anderen versagt sie kläglich. Sie kann ihre Gesten und Mimik nicht deuten, spricht eine andere Sprache als sie und all das, was für Menschen in ihrem Alter normal zu sein scheint, ist ihr völlig fremd. Sie hat sich Standardsätze antrainiert, mit denen es ihr gelingt, einfache Konversation zu bewältigen, ansonsten hält sie sich von Menschen fern. Ihr Verhalten liegt schon beinahe im Autismusspektrum, so abweichend ist es; die Tatsache, dass sie vom Sozialdienst betreut wird, spricht auch dafür, dass sie doch größere Probleme in der eigenständigen Lebensbewältigung hat. Doch durch den Kontakt zu Raymond lernt sie langsam hinzu und öffnet sich für die Welt. Zu diesen neuen Erfahrungen kommt auch zum ersten Mal so etwas wie Verliebtheit, ein Sänger einer lokalen Band hat es ihr angetan und sie ist fest davon überzeugt, dass sie ihn von sich überzeugen kann. Doch dann kommt der Rückschlag und Eleanor wird in die dunkelste Zeit ihres Lebens zurückgeworfen, langsam erfährt der Leser, warum die junge Frau so geworden ist, wie sie ist und welches Schicksal sie durchleiden musste.

Der Roman überzeugt vor allem durch die Figurenzeichnung Eleanors. Zunächst die in kleinen Szenen verdeutlichte Schwierigkeit im Umgang mit Menschen, aber auch ihre Entwicklung und der unvermeidliche Rückschlag – den ich insbesondere passend fand, im Leben geht nicht immer gradlinig bergauf. Der zweite Aspekt ist die Frage, was in Eleanors Leben geschehen ist. Immer wieder äußert sie im Gespräch kleine Details: sie trägt einen neuen Namen, bekam eine neue Identität, zog als Kind häufig um, es gab irgendwann wohl ein Feuer – doch erst gegen Ende enthüllt sich das ganze Drama, das einem als Leser schier den Atem raubt.

Psychologisch besonders spannend fand ich das Verhältnis zwischen Eleanor und ihrer Mutter. Einerseits haben sie regelmäßig Kontakt, die Mutter nimmt Anteil an ihrem Leben und zeigt Interesse, gleichzeitig beleidigt und beschimpft sie Eleanor. Die junge Frau kann sich ihrem Urteil auch nicht lösen denn, die ist nun einmal ihre Mutter:
„Sie ist ein schlechter Mensch und hat Schlimmes getan, aber eine andere Mutter habe ich nicht.“ (Pos. 5472)

Ein bemerkenswerter Roman, der jedoch für meinen Geschmack mit einer Triggerwarnung versehen werden sollte, denn vieles, was hier dargestellt wird, ist sicherlich nicht für jeden Leser einfach zu ertragen. 

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Die Pest

Albert Camus , Götz Schubert , Jürgen Tarrach
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, 18.03.2011
ISBN 9783862310548
Genre: Romane

Rezension:

Oran, Algerien, 1940er Jahre. Die Stadt versinkt immer mehr im Chaos, denn täglich werden mehr tote Ratten gesichtet. Dr. Rieux ist beunruhigt ob der Plage, aber mehr noch beschäftigt ihn die Krankheit seiner Frau. Eine Kur soll Abhilfe schaffen, so verabschiedet er sich von ihr, nicht ahnend, was ihn in den nächsten Wochen erwartet. Eine unbekannte Krankheit greift immer mehr um sich, die Anzahl der Erkrankten, die nur wenige Stunden nach der Diagnose sterben, steigt rasant an. Die Behörden sind noch zögerlich, doch die Zeichen sind eindeutig: Oran wurde von der Pest heimgesucht. Die Stadt wird abgeriegelt, niemand kann mehr rein oder raus, bis die Plage vorüber ist. Unermüdlich kämpft Rieux um das Leben seiner Patienten, während andere die Flucht versuchen oder religiöse Erklärungen für das Schicksal der Stadt anbieten.

Ein Klassiker der französischen Literatur, basierend auf Camus‘ Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk als Sinnbild für die Résistance gedeutet. Die Sinnlosigkeit, mit der die Plage scheinbar willkürlich wütet, die Absurdität im menschlichen Handeln, die sich an vielen Stellen offenbart und die Gewissheit, dass das Böse nie ganz ausgerottet werden kann, sondern nur schlummert, bis es zum nächsten Ausbruch kommt – und dennoch lohnt es sich, zu kämpfen und sich solidarisch zu zeigen.

Der Umgang der Figuren mit der Pest und der Situation in der abgeriegelten Stadt, machen den Reiz des Roman aus, das in der Hörspielversion ausgesprochen lebendig wirkt. Rieux, der sich aufopfernde Arzt, der sein persönliches Schicksal nicht verdrängt, aber auch nicht in den Fokus stellt. Rambert, der Journalist, der nach Wegen sucht, Oran zu entkommen und im Laufe der Handlung erkennt, worauf es im Leben wirklich ankommt. Jesuitenpater Paneloux, der göttliche Erklärungen liefert und den Menschen zuruft, dass sie ihr Schicksal verdient habe, die Pest als Rache des Herren für ihr Fehlverhalten. Cottard, der aus der neuen Situation Profit zu schlagen weiß.

Für mich die beiden zentralen Stellen sind die Reden des Paters Paneloux, der die ohnehin gebeutelte Gemeinde noch verantwortlich für ihr Los macht und einfache Erklärungen in der Bibel findet, aber keinen Trost spendet. Zum anderen die Sitzung der Verantwortlichen, die davor zurückschrecken, richtige Maßnahmen zu ergreifen, weil sie den Ausbruch der Pest nicht beim Namen nennen wollen, Feigheit regiert hier den gesunden Menschenverstand. 

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American War: A novel

Omar El Akkad
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knopf, 04.04.2017
ISBN 9780451493583
Genre: Sonstiges

Rezension:

Louisiana, April 2075. The Second American War is raging. Sarat Chestnut is too young to fully understand what is going on, but even at her age she understands that times are hard: half of the state is underwater, food is scarce and they are not free to move. Nevertheless, her father wants to go north, where climate is less challenging and where his family can have a future. Another attack kills this dream and Sarat has to flee with her mother, her twin sister and her elder brother to a refugee camp. In Camp Patience, some kind of normal life can be established and from just a weeks of survival become years. People organise themselves according to the new circumstances, however, the chances of enduring peace are small. And, with the time, the danger of another fierce attack grows and Sarat, now a teenager, is in a different position from when her father was killed. She has to witness the worst human behaviour imaginable and this leaves a mark on her. She is not the same person anymore and she will seek revenge for what has been done to her, her family, her people.

Set at some point in the future, Omar El Akkad’s novel is nonetheless easy to imagine. The challenges due to climate change are not that fancy that you could not easily believe them. Since mankind is more prone to securing comfort than thinking ahead for future generations, having vast spaces of land destroyed will definitely be a reality sooner or later. That this – or something completely different – might lead to a civil war even in the United States, is not that inconceivable, either. We have seen many states crumble and fall in the last few years. We can only hope that the novel is much closer to fiction than to reality.

The most striking aspect is of course the protagonist Sarat. We first meet her as a young girl, naive and unaware of most of what happens around her. She is guided by her mother who already shows how powerful women of that family can be. The older she becomes, the stronger she gets. As a teenager, we have a courageous girl who is not only unafraid, but also clever and eager to understand what is going on. This not only saves her life but also makes her the woman she will be later. What she has to witness and go through, strengthens her conviction. As a grown-up woman, especially when she is in prison, we meet an unfaltering and determined woman who cannot be destroyed. Yet, she remains human, she has not completely lost faith in mankind and still can do some good – in her very own understanding.

The experience of war and human beings losing all social behaviour and sympathy for others is what determines the characters’ actions. Sarat realised that 

“the misery of war represented the world’s truly universal language” (Pos. 2985) and “The universal slogan of war, she’d learned, was simple: If it had been you, you’d have done no different.” 

This dystopian view of the world is the only lesson we can learn from watching the news. In accepting the wars around us, we produce generations who are branded by the experiences and thus ready to do harm in the same way. We should not need novels to illustrate this simple calculation. 

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God of Carnage

Yasmina Reza
Audio CD
Erschienen bei L a Theatre Works, 15.12.2016
ISBN 9781682660164
Genre: Sonstiges

Rezension:

Zwei 11-Jährige geraten in Streit, dabei schlägt der eine dem anderen einen Zahn aus. Die Eltern der beiden treffen sich nun, um den Fall zu besprechen. Veronica und Michael, sie engagierte Schriftstellerin und er Besitzer eines Gemischtwarenladens, sind empört über die Gewalt, die man ihrem Sohn angetan hat. Alan und Annette, er erfolgreicher Anwalt und sie Verwalterin des Familienvermögens, möchten die Sache möglichst unaufgeregt hinter sich bringen. Freundlich begegnet man sich, immerhin ist man ja zivilisiert und kann Konflikte besprechen. Doch die Diskussion entwickelt sich anders als erwartet und auch den wohlerzogenen Erwachsenen werden Streithähne, die ihren Kindern in nichts nachstehen und ebenso unsachlich wie aggressiv die gegnerische Partei beschimpfen und sogar attackieren.

Yasmina Rezas Stück, das eigentlich in Paris angesiedelt ist, wurde für die amerikanische Version etwas adaptiert, so sind beispielsweise die Namen dem US Milieu angepasst worden. Das Hörbuch ist ein live Mitschnitt einer Aufführung des „The James Bridge Theater“ in Los Angeles vom Juni 2016.

Im Vordergrund steht die Entwicklung des Konflikts. Zunächst schützen die Figuren sich durch ihre gesellschaftlichen Masken, ihre Berufe definieren sie und schnell entsteht ein Ungleichgewicht. Wer ist erfolgreicher und wichtiger? Ein Blick in die Lebensläufe verstärkt das Konfliktpotenzial, Michael fühlt sich nicht männlich genug neben dem hart verhandelnden Anwalt und brüstet sich mit der Geschichte um den Familienhamster, den er ausgesetzt hat. Aber auch die Ehen stehen auf tönernen Füßen und bald schon offenbaren sich Risse, die wiederum zu neuen Koalitionen zwischen Männern und Frauen führen. Kann dieser Abend für irgendjemanden gut ausgehen?

Eine durch und durch glaubwürdige Aufführung bieten die vier Figuren. Man kann sie sich bildlich vorstellen, vor allem nachdem langsam die Masken fallen und die Schwächen offenkundig werden. Eine sehr genaue Milieustudie der besseren Gesellschaft, die jedoch nur an der Oberfläche den Schein waren kann während es darunter brodelt und die Explosion nur eine Frage der Zeit ist. 

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bulgarien, bellletristik

Shadow Land, The

Elizabeth Kostova
Fester Einband: 504 Seiten
Erschienen bei Text Publishing Company, 11.04.2017
ISBN 9781911231103
Genre: Sonstiges

Rezension:

After the loss of her beloved brother, Alexandra Boyd is listless and drifting. Having completed her studies and worked some time in a library, she decides to enrol for a teaching programme far away and thus she ends up in Sofia, Bulgaria. After a long and arduous journey across the ocean, she only wants to get to her apartment. Waiting for a taxi, she is helping an elderly couple who struggle with their luggage, but when Alexandra finally sits down in a cab herself, she realized that she has one of these people’s bags with her. She has a look at the bag and finds an urn with the name Stoyan Lazarov in it. Since the police are reluctant to help her, she and her taxi driver decide to find the people and return the remains of Stoyan. What starts as an accidental swapping of bags, leads to a journey across Bulgaria and the dark history of the country.

What I really liked about the novel was the fact that you get an unexpected mixture of a mystery story, a bit of romance, the history and culture of an east European country, the life history of a dedicated musician and notion of Bulgaria which is not very well known by many people. Yet, as a consequence, it is not easy to come to a conclusion about it. What I appreciated most were first of all the fairy tales and myths about Bulgaria. I have never been there and always imagined it as a country deeply rooted in its history and legends. Kostova perfectly managed to integrate these into her novel. Second, having the characters travel around the country gave her the chance of introducing the country’s fascinating landscape to the reader. Not only the larger and old cities of Sofia and Plovdiv, but also small villages in the mountain areas are part of the setting.

The mystery plot was a bit constructed to my liking. I cannot really imagine a young, innocent woman going to a really foreign country of which she hardly knows anything at all and especially of which cannot even speak the language, relying on strangers as Alexandra does. It was necessary for the action to send them from one place to the next, encountering different characters linked to the Lazarov family, but again, this is not really realistic. To be welcomed and accommodated once, ok, this is likely, but not making close friends with everybody within minutes. Much more interesting was the story of the dead man’s life, the oppression by the communists, his time in the work camp and particularly his love for music. He certainly is the most interesting character of the novel, above all in comparison to Alexandra who remains a bit shallow and flat throughout the whole story.

All in all, I believe the author has done a lot of research and gives us a multifaceted picture of Bulgaria now and then. I liked ready much of it, but admittedly, there are some longueurs in it, too. 

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Kongo

Èric Vuillard , Nicola Denis
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Matthes & Seitz Berlin, 23.02.2015
ISBN 9783957570796
Genre: Sonstiges

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En finir avec Eddy Bellegueule

Édouard Louis
Flexibler Einband: 216 Seiten
Erschienen bei Points, 06.05.2015
ISBN 9782757852972
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eddy wächst als mittleres von fünf Kindern in einem Dorf in der Picardie auf. Seine Eltern sind arm, im Haus gibt es weder Teppiche noch Türen, nachdem der Vater in der örtlichen Fabrik seinen Job verloren hat, wird die Lage noch prekärer. Aber es ist weniger die finanzielle Not, die kennen alle Familien im Ort, es ist Eddys Andersartigkeit, die ihm zu schaffen macht. Von klein auf ist er kränklich und verhält sich wie ein Mädchen, etwas, was bei der harten Landjugend nicht gerne gesehen wird und so wird er schon früh Opfer von Gewalt und Demütigung. Nicht nur seine Mitschüler, sondern auch sein Vater, der sich regelrecht für den Jungen schämt, und seine Verwandten machen sich regelmäßig über ihn lustig. Eddy merkt schon bald, dass ihn die Mädchen nicht interessieren, aber so etwas wie Homosexualität kann nicht existieren, aber Eddy denkt sich auch, dass es ein Leben jenseits dieses Ortes geben muss, ein Leben, in das er viel besser passt.

Edouard Louis‘ Roman, der auf den eigenen Erfahrungen des jungen Autors basieren, ist keine leichte Kost. Gewalt unter Kindern, sexueller Missbrauch, Mobbing – er lässt eigentlich nichts aus für seinen Protagonisten, der einem von der ersten Seite an leidtut. Er stammt aus einem Milieu, in dem sich Alkoholismus und Gewalt über die Generationen fortsetzt. Das Leben ist vorbestimmt: die Mädchen verlassen jung die Schule, um Kinder zu bekommen oder als Kassiererin im Supermarkt zu arbeiten, die Jungs gehen ebenso zeitig in die örtliche Fabrik. Zu wenig Geld bestimmt danach den Alltag, Streitereien der Erwachsenen, mitunter Väter, die einfach verschwinden, Gewalt unter- und gegeneinander und das sichere Wissen, dass die Regierenden sich auf ihre Kosten bereichern und natürlich den ganzen Immigranten alles zustecken, wofür der einfache Arbeiter täglich malochen muss.

Edouard Louis erzählt all dies mit einer gewissen Distanz, anders wäre das Buch auch kaum zu ertragen. Wie es dem Autor gelungen ist, dies schon in jungen Jahren derart nüchtern betrachten zu können, ist bemerkenswert. Der Roman dient ihm nicht als Therapieersatz, um alles von sich zu schreiben und danach befreit zu sein. Viel mehr zeichnet er ein detailliertes Bild einer vergessenen Klasse. Es sind genau diese Bewohner, die jedoch das Frankreich jenseits der Großstädte ausmachen. Die Abgehängten, die vom Leben wenig erwarten und wenig bekommen und deren Weltbild ihnen auch keine Optionen zur Verbesserung der eigenen Lage bietet.

Homophobie und Xenophobie bestimmen Kindheit und Jugend von Eddy Bellegueule. Wenn man nichts hat, muss man umso mehr das Gruppenideal erfüllen und das ist in diesem Fall „dur“ – ein harter Junge sein. Die Position in der Gruppe – sei es die Schulklasse, der Freundeskreis im Dorf und später als Erwachsener – ist das einzige, was man erreichen kann. Früh werden die Kinder auf diese Weise sozialisiert und geben ihrerseits das Gedankengut an die nächste Generation weiter.

Auch das ländliche Frankreich, durch die Wirtschaftskriese noch mehr gebeutelt als die Städte, wird am kommenden Sonntag zur Präsidentschaftswahl gehen. Einfache Antworten für eine in einfachen Zügen gezeichnete Welt brauchen diese Menschen. Schon die Regionalwahlen im Dezember 2015 haben gezeigt, bei wem diese Bevölkerung sich aufgehoben fühlt. 

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The Hate U Give: The Book Everyone’s Talking About

Angie Thomas
E-Buch Text: 80 Seiten
Erschienen bei Walker Books, 13.03.2017
ISBN 9781406379341
Genre: Sonstiges

Rezension:

Garden Heights – ein Vorort, der sich überall in den USA befinden könnte. Die sechzehnjährige Starr und ihre Stiefschwester Kenya sind auf einer Party, auf der sie besser nicht wäre. Wie erwartet kommt es zu Ärger und als Schüsse abgefeuert werden, verlässt Starr mit ihrem Kindheitsfreund Khalil den Ort des Verbrechens. Auf dem Weg nach Hause werden sie von einem Polizisten gestoppt – grundlos. Oder ist ihre Hautfarbe etwa schon Grund genug? Starr hat von klein auf gelernt, wie sie sich in einer solchen Situation zu verhalten hat: nicht schlauer sein wollen, als man ist; kooperativ zeigen; keine schnellen Bewegungen. Sie hofft, dass Khalil diese Regeln auch beherzigt, doch seine Frage nach dem Warum lässt den Officer schon ausrasten. Er holt den Jungen aus dem Wagen und kurz darauf passiert das Unglaubliche: mehrere Schüsse durchsieben Khalils Körper. Starr traut ihren Augen nicht, wie konnte das passieren? Und wird Officer 115 zur Rechenschaft gezogen werden?

Man kommt im englischsprachigen Raum derzeit kaum an Angie Thomas‘ Roman vorbei. Mit Lobeshymnen wird die Autorin für ihren Debütroman überhäuft. Ohne Frage trifft das Thema des Jugendromans den Nerv der Zeit. Die Black Lives Matter Bewegung prangert völlig zurecht den Umgang der überwiegend weißen Polizisten mit den jungen Schwarzen an und selbst diejenigen, die wie Starr ein redliches und friedfertiges Leben führen, geraten schnell ins Visier.

Interessant sind vor allem die Kontraste, die im Roman geschaffen werden. Zum einen die überwiegend von Schwarzen bewohnte Nachbarschaft, in der der raue Ton der Straße bestimmt, wer und was man ist. Wo niemand wirklich frei ist und Gefängnisaufenthalte zum Alltag gehören. Dagegen steht Starrs Schule, 45 Minuten entfernt in einer rein weißen Umgebung, die von typischen Teenagerproblemen und relativer Sorglosigkeit geprägt ist. Das Mädchen kann die beiden Welten nicht unter einen Hut bringen, sie sieht sich selbst als gespalten und völlig verschiedene Personen, je nachdem, wo sie sich gerade aufhält. Dass ihre Schulfreundinnen ihren Alltag in Garden Heights nachvollziehen könnten, erwartet sie nicht, weshalb das, was sie dort erlebt, außen vor bleibt und sie wie nach einem langweiligen Wochenende montags wieder die Schule besucht, obwohl sie weniger als 48 Stunden vorher mit angesehen hat, wie einer ihrer besten Freunde erschossen wird.

Es ist jedoch weniger Starrs Umgang mit den Erlebnissen und die Trauerarbeit – das kennt sie schon, hat sie bereits einige Jahre zuvor ihre beste Freundin durch einen Schuss verloren – als die Frage, ob es in diesem Fall Gerechtigkeit geben kann und wird. Bezeichnend ihr verhör bei der Polizei. Obwohl die befragende Polizistin selbst als Latina beschrieben wird, macht sich doch das unangenehme Gefühl breit, dass der Fall bereits abgeschlossen ist und einmal mehr die Welt ein wenig besser wurde, weil ein junger schwarzer Gangster weniger auf den Straßen rumläuft.

Der Roman ergreift nicht einseitig Partei. Khalil ist nicht der ganz unschuldige Junge, auch Starrs Familie kann mit einige Straftaten aufwarten. Dennoch zeigt der für unsereins groteske Verlauf der Polizeikontrolle, in welcher Situation sich gerade die Jugendlichen befinden und wie sie versuchen, zwischen Akzeptanz der Gegebenheiten und berechtigtem Hinterfragen des Handelns, einen Ausgleich zu finden, bei dem sie jedoch am Ende die Verlierer sind.

Ein kurzes Buch, das viel Food for Thought bietet und sicherlich die nächsten Monate noch berechtigterweise im Fokus stehen wird.

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Elefant

Martin Suter
Audio CD
Erschienen bei Diogenes, 18.01.2017
ISBN 9783257803815
Genre: Romane

Rezension:

Der Genforscher Roux hat großen vor, nachdem sein ehemaliger Chef ihn um die verdienten Meriten gebracht hat. Glowing Animals sind schon lange keine Sensation mehr, er plant jetzt jedoch einen Elefanten zum Leuchten zu bringen. Das Versuchstier ist auch schon gefunden, ein Zirkus in Finanznöten fragt nicht so genau nach, welche Züchtung ihre Tiere da genau austragen. Doch es kommt zu Komplikationen, der Embryo entwickelt sich nicht richtig, vor allem der Wuchs bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Ob es überhaupt lebensfähig sein kann? Monate später findet der Obdachlose Schoch plötzlich in seiner Wohnhöhle einen unerwarteten Besucher: er traut seinen Augen kaum: ein leuchtender, rosa Minielefant. Doch das Tier scheint krank zu sein. Er sucht Hilfe bei der Tierärztin Valerie, die ebenfalls sofort von dem Tierchen fasziniert ist. Doch wo kommt es her? Sie bringt Schoch und den Minielefanten, den sie Sabu taufen, in eine leerstehende Villa. Sie ahnen, dass es besser ist, den Elefant zu verstecken und sie liegen völlig richtig, denn Forscher Roux lässt sich so leicht nicht austricksen.

Martin Suter erzählt in zwei Handlungssträngen zeitversetzt, zum einen den Beginn der Forschungsarbeiten rund um den rücksichtslosen Roux und den Elefanten im Zoo Pellegrini, die für die Versuche herhalten müssen, sehr zum Leidwesen des burmesischen Pflegers Kaung. Dieser sowie der betreuende Tierarzt schmieden einen Komplott gegen die Forschung. Zum anderen sind wir Monate später bei Schoch und seinem neuen Haustier. Neben den Beobachtungen des Miniaturelefanten kommt hier ach die persönliche Note mit ins Spiel: warum ist der offenbar gebildete Mann auf der Straße gelandet? Und weshalb lebt er dort als Eigenbrötler, wo er offenbar derart empathiefähig ist? Langsam nähern sich die Erzählungen an und man erfährt, wie der Elefant bei Schoch landen konnte.

Auch wenn es die Thematik vermuten lässt, ein wirklich der Genforschung kritisch gegenüberstehendes Buch ist „Elefant“ nicht. Dies scheitert schon allein am niedlichen Ergebnis des Versuchs, den man sich bei Gert Heidenreichs Erzählstimme auch wirklich lebendig vorstellen kann. Etwas, das im Nu alle Herzen erobert taugt nicht als Feindbild. Die ganz persönlichen Geschichten der Figuren stehen ebenfalls hinter dem Elefanten zurück, so dass das Dasein als Obdachloser nicht wirklich thematisiert wird. Tierhaltung im Zirkus, überhaupt der Umgang mit Tieren, wird immer wieder auf unterschiedliche Weise angerissen, bleibt aber letztlich zu peripher, um hier eine wirkliche Aussage zu hinterlassen.

Man wundert sich fast, wie die Geschichte es schafft, einem als Leser zu fesseln. Ein wenig Spannung baut sich durchaus auf, gegen Ende hin wird der Roman sogar regelrecht actionreich. Die Figuren sind es jedoch nicht, diese sind weitgehend stereotyp gezeichnet und kommen über ein-zwei Wesensmerkmale nicht hinaus. Auch wühl der Roman an keiner Stelle wirklich auf oder löst beim Rezipienten Empörung aus. Vielleicht ist es doch einfach der rosa Elefant, der eine so niedliche Stimmung verbreitet, dass man ihn und den Roman liebhaben muss. 

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Der englische Spion

Daniel Silva , Wulf Bergner , Axel Wostry
Audio CD
Erschienen bei Lübbe Audio ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 14.10.2016
ISBN 9783961080106
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein unglaublicher Anschlag: die Exfrau des britischen Thronfolgers wird auf hoher See ermordet. Der Anschlag trägt die Handschrift eines Mannes: Eamon Quinn, der beste Sprengstoffexperte, den die IRA jemals hatte. Die britische Regierung steht unter Zugzwang und erhält Hilfe vom israelischen Geheimdienst, denn niemand anderes als Gabriel Allon, designierter neuer Chef des Dienstes, hat mit Quinn noch eine Rechnung offen. Zusammen mit Christopher Keller, einem ehemaligen SAS Offizier, begibt er sich auf die Suche, nicht ahnend, mit wem sie sich außer Quinn noch angelegt haben, denn dieser arbeitet auf fremde Rechnung.

Band 15 aus Daniel Silvas Reihe um den israelischen Agenten Gabriel Allon bietet alles, was man von einem Krimi im Agentenmilieu erwarten kann: rasante Ortswechsel, immer neue Spuren, globale Verwicklungen, Spionagetechnik auf höchstem Niveau und manchmal auch einfach brutale Gewalt ohne Rücksicht auf Verluste. Dies macht es nicht immer ganz einfach dem Hörbuch zu folgen, denn die Handlung ist komplex und zu lange Hörpausen lassen einem schnell mal die Details vergessen.

Im Fokus stehen die beiden Agenten Gabriel Allon und Christopher Keller, wobei insbesondere ersterer sehr vielschichtig gezeichnet wird und erfreulicherweise ohne stereotype Zuschreibungen auskommt. Bedingt durch seine persönliche Geschichte ist er gebrochen, hat Dämonen, die ihn verfolgen und manchmal an den Rand der Handlungsfähigkeit bringen. Dies macht ihn authentisch und vor allem menschlich. Er ist nicht der Superheld, dem kein Anschlag, keine Verletzung etwas anhaben kann, sondern muss auch Niederlagen hinnehmen und immer wieder aufstehen und sich neu für den Kampf rüsten. 

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Earthly Remains (Commissario Guido Brunetti Mystery)

Donna Leon
Fester Einband: 308 Seiten
Erschienen bei Atlantic Monthly Press, 04.04.2017
ISBN 9780802126474
Genre: Sonstiges

Rezension:

While interrogating a suspect, one of Commissario Brunetti’s colleagues is on the verge of attacking the interviewee. Brunetti has to interfere and fakes a heart attack. He finds himself in hospital before he can explain what has happened. Albeit the doctor does not find any sign of heart attack, she nevertheless advocates for some time off for the commissario to recover from work. One of Paola’s aunts happens to possess a villa in Sant’Erasmo, one of the largest island in the laguna and so Brunetti sets out for some holidays without his family. He spends his days with the housekeeper Davide Casati with whom he likes to row through the laguna. Yet, after a stormy night, Casati does not return and to Brunetti’s sorrow, they find the elderly man drowned. Even though everything points at an accident, Brunetti knows that Casati has been preoccupied and wanted to tell him something he had been researching for months. So Brunetti starts to ask questions that were not meant to be asked.

Donna Leon’s 26th novel in the Brunetti series brings us again into Venice laguna with sympathetic Commissario Brunetti. What I like about these crime novels is the fact that they put the human being into the focus. We do not have the brutal, lurid murder cases, but everyday men and women who act in accordance with their beliefs and convictions and sometimes commit crimes without being thoroughly evil.

This novel is especially slow in pace and thus mirrors quite well the hot Italian summers. After a third of it, still everybody is alive and kicking and I already started to wonder if it could do without any murder at all. Well then of course we have a dead and some suspicion which actually leads to a case. Starting from only small points, the story extends in concentric circles linking the hints and in this way forming a complete picture of a convincing and logic series of events. The characters’ motivation of realistic and comprehensible. Yet, at the very end, Brunetti could surprise me a lot – even though his acted in quite an unexpected way, this was consistent with his personality.

All in all, the perfect crime novel for a hot afternoon.

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verrat, schlüsselroman, gewalt, koalitionsverhandlungen, front national

Der Block

Jérôme Leroy , Cornelia Wend
Flexibler Einband
Erschienen bei Edition Nautilus GmbH, 01.03.2017
ISBN 9783960540373
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Nacht in Paris. Zwei Männer lassen uns an ihren Gedanken teilhaben. Antoine Maynard, Schriftsteller, Intellektueller und Ehemann der bald wichtigsten Frau im Land wartet auf ihre Rückkehr. Im Fernsehen betrachtet er die aktuellen Meldungen zu den seit Wochen anhaltenden Aufständen. Schon 752 Tote. Das wird der Partei in den laufenden Verhandlungen helfen. Er erinnert sich zurück an seine Anfänge, einerseits intelligenter Schüler, der die meiste Zeit mit Bücher verbrachte, gleichzeitig aber auch Karriere als brutaler Einheizer der extremen Rechten, der Jagd auf Muslime, Schwarze und Juden gleichermaßen machte. Doch der rechte Pöbel ist salonfähig geworden und am Ende dieser Nacht werden sie gleich mehrere Ministerien besetzen. Begleitet bei seinem Aufstieg hat ihn Stéphane Stankowiak, Stanko, der neue Leute rekrutierte und für den Straßenkampf ausbildete. Aber Stanko ging einmal zu weit und heute Nacht ist die Order ausgegeben, ihn zu lynchen. Beide Männer warten auf ein Zeichen, das die Grübeleien beendet und doch können sie sich vor den Erinnerungen nicht schützen. Individuelle Erinnerungen, die den fatalen Aufstieg einer extremen Partei beschreiben.

Man muss bei der Besprechung des Buchs eigentlich von hinten anfangen. Das Nachwort des Autors ist wichtig bei der Einordnung seines Romans, den er selbst als „Roman noir“ bezeichnet und somit die Grenze zwischen Gut und Böse verwischt und die gesellschaftskritische Relevanz verdeutlicht. Die Fiktion versucht möglichst nah an der Realität zu bleiben, da sie diese zum wesentlichen Inhalt hat – aber wie kann man über eine extreme politische Partei schreiben, ohne juristische Konsequenzen gleich mit einzukalkulieren? Ein schmaler Grat, der Jérôme Leroy zweifelsohne gelungen ist. Man erkennt den Front National, obwohl er entsprechende Modifikationen vorgenommen hat. Es sind aber auch nicht die ganz prominenten Gesichter der Partei, die ihm Roman handeln, sondern zwei fiktive Nebenerscheinungen, die in dieser Weise real sein könnten oder auch nicht.

Die beiden Ich-Erzähler könnten verschiedener kaum sein, umso interessanter aber, wie sie den Weg zu dieser Partei und dort offenbar eine Ersatzfamilie gefunden haben. Antoine, als Autor wenig beachtet trotz der erzielten Erfolge. Sein Talent im Umgang mit der Sprache und seine Liaison mit der Lieblingstochter des „Alten“, in den 80ern und 90ern unangefochtene Nummer 1 der Partei, macht ihn wertvoll für die Bewegung, kann er doch sprachlich passend neue Zielgruppen erschließen. Interessiert an Geschichte und bedingt durch seine eigene Familie ist er bestens vertraut mit den Geschehnissen in der Welt und doch ist die Partei für ihn attraktiv – womöglich aber liegt hier der besondere Reiz in seiner Ehefrau, für die er seinen Beruf und sein Leben opfert und die heute die Nummer 1 ist und bald auch im Land die wichtigste Person sein wird.

Das extreme Gegenteil davon ist Stanko. Spross einer geradezu typischen Arbeiterfamilie. Als Jugendlicher schon hat er die Untreue der Mutter beobachtet, zugesehen, wie sein Vater die Arbeitslosigkeit im Alkohol ertränke und war bald schon Opfer eines Pädophilenrings geworden. Entwurzelt mit wenig Bildung hat er schnell den Weg zu radikalen Schlägertrupps gefunden. Trotz aller Bemühungen Antoines seinen Intellekt ein wenig zu fördern, ist Stanko doch immer der primitive Arbeiter fürs Grobe geblieben. Und jetzt braucht und will man ihn nicht mehr.

Verwundert schaut man aus Deutschland auf das Nachbarland und den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des Front National. Wer, mit auch nur einem Funken verstand, kann diese Partei unterstützen? Jérôme Leroy gibt Antworten in seinem Roman:
„On nous cache tout. On nous dit rien. Man verheimlicht uns alles. Man sagt uns gar nichts, singt Jacques Dutronc. Genau dieses primitive Ressentiment treibt, unausgesprochen, den Durchschnittsfaschisten an“

Das Gefühl von den Regierenden nicht ernstgenommen zu werden und Wesentliches verheimlicht zu bekommen, lässt den kleinen Mann zu denjenigen rennen, die Wahrheit und Ehrlichkeit versprechen. Die große Masse jedoch bleibt passiv-apathisch in ihrem Alltag gefangen. Schon lange interessieren sie sich nicht mehr für das, was über ihr eigenes Heim hinausgeht. Sicherlich extrem formuliert, aber in der Aussage nicht zu verachten:
„Du fragst dich in dieser Nacht wirklich, was eher deinen Respekt oder dein Opfer verdient: eine Gesellschaft, in der neun von zehn Paaren, wenn sie aus dem Kino kommen, zuerst ihr Handy wieder einschalten, bevor sie miteinander sprechen, oder eine Gesellschaft, in der eine junge, verschleierte Frau fähig ist, sich an einem Grenzposten selber in die Luft zu jagen, im Namen ihres Volkes und ihres Glaubens?”

Wer kurz vor der Präsidentschaftswahl am 23.4. und 7.5.2017 verstehen will, weshalb der FN mit seiner Anführerin Marine Le Pen durchaus eine Chance hat, sollte zu Leroys Roman greifen. Und wer endlich einen Anstoß braucht, nicht mehr nur zuzuschauen, was sich in Europa gerade an extremen Parteien widerstandslos formiert, sollte dieses Buch ebenfalls lesen. 

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The Shape of Bones

Daniel Galera
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hamish Hamilton, 06.04.2017
ISBN 9780241145944
Genre: Sonstiges

Rezension:

Porto Alegre, early in the morning. A man gets up to meet his friend for a hiking trip. He does not wake up his wife or child. Yet, instead of getting to the meeting point, he decides to go somewhere else. A place he left years ago. A place of his past, where one day, he decided to become to man he is now. While getting closer to his destination, memories of the past, long ago buried deep in his brain, come to the surface and he has to face the worst moment of his life again. Today, he needs to do something about it, but can he ever correct what he has done wrong so long ago?

I needed some time to get into the novel. At first, I could not really get together the two plot lines and then I was not really sure which of the boys of the past is the man we get to know in the present. However, while reading and while slowing understanding Daniel Galera’s narrative, more and more suspense is created and you get curious to know what happened, what made him to man we see now.

From the innocent cyclist, he turns into a carefree teenager who enjoys himself with his friends. At the end, he is a rational, rather unemotional and very controlled adult. The relationship with his wife seems to be hardly affectionate, I was not sure if their marriage was already at an end or if this was really due to his character. In his profession, he is considered a prodigy. The doctor who everybody wants to consult, who can communicate with the patients and who is selflessly sacrificing his life for others. Yet, we slowly learn about his dark sides and the decisive point in his life which is not only a surprise, but also a very convincing explanation for how the character could develop in this way.

All in all, not a novel you can easily access, but it is worth the effort to get a complex psychological analysis of a very interesting character.

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usa, england

Ich bin niemand

Patrick Flanery , Reinhild Böhnke
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blessing, 06.03.2017
ISBN 9783896675781
Genre: Romane

Rezension:

Irgendjemand wird seine Aufzeichnungen lesen, da ist sich Jeremy O’Keefe sicher, und derjenige wird, so hofft er, etwas damit anfangen können. Beunruhigende Dinge haben sich in den vergangenen Wochen zugetragen und er weiß nicht mehr, wem er noch vertrauen kann, nicht einmal, ob er seiner eigenen Erinnerung trauen soll. Ein junger Mann begegnet ihm wiederholt, er stellt sich als Freund seines Schwiegersohns vor, taucht aber überall da auf, wo auch Jeremy sich befindet. Es findet gesendete E-Mail in seinem Account, aber diese hat er nie verfasst. Und dann kommen nach und nach die Pakete, Zeugnisse seines Lebens, Papiere, die dokumentieren, wem er wann welche E-Mail geschickt hat, wann er wie lange mit wem telefonierte und Fotos, die die letzten Jahre minutiös belegen. Jeremy wird offenbar überwacht und er hat nur eine einzige Erklärung dafür: es muss mit Fadia zusammenhängen, seiner Doktorandin, die er betreute als er noch in Oxford lehrte und deren Familiengeschichte politische Brisanz hat und ihr Privatleben geradezu Sprengstoff bedeutet.

Der Protagonist schreibt vom Ende her und wendet sich direkt an seinen Leser. Man weiß, dass etwas Entscheidendes passiert sein muss, nur, was bleibt lange im Dunkeln. Jeremy O’Keefe erscheint zunächst wie der typische amerikanische Professor für Geschichte, die Figurenzeichnung ist hier oftmals sehr plakativ und stereotyp gehalten, was durch die Erzählperspektive zudem gefördert wird. Auch wenn er von seiner Zeit in Oxford berichtet, gewinnt er nur wenig an Profil. Die interessanteren Figuren bleiben hingegen am Rand und stets schwer greifbar: die junge Fadia, deren Rolle bis zum Ende mysteriös bleibt. Ähnlich Michael Ramsey, der zwischen der akuten Bedrohung des Feindes und der Möglichkeit eines Freundes schwankt. Auch Jeremys Kollege Stephen Jahn ist eine reizvolle Figur, aber auch er bleibt, wiederum bedingt durch die Erzählperspektive, in seiner Rolle für die Geschehnisse unkonkret, Jeremy schreibt über ihn:


„Mit einem Mal begriff ich, dass Stephen Jahn auf etwas zusteuerte, dass er ein bestimmtes Ziel verfolgte. Was er wollte, hätte ich aber niemals vorhersagen können. Ihr müsst vor allem eins verstehen, dass, was auch immer später geschah, ich der von Stephen Jahn Hintergangene war, zumindest anfangs.“

Es ist diese Unsicherheit in Jeremy, die zunächst den Reiz des Buches ausmachen. Wie der Protagonist kann man die Zeichen nicht deuten, spürt ein Unbehagen und eine langsam wachsende Angst. Zugleich stellt man sich die Frage, inwieweit man ob der Enthüllungen der letzten Jahre genauso wie Jeremy eine Neigung zu Paranoia entwickelt hat und Dinge sieht, die es gar nicht gibt. Dann wiederum bestätigen die Figuren die Befürchtungen:

„»Ich habe immer wieder deutlich gesagt, dass alles wichtig ist«, fuhr Stephen fort. »Hier geht es nicht um Spaß. Ich verstehe gar nicht, wie ein Historiker wie du so blind für die Mechanismen der zeitgenössischen Geschichte sein kann. Das ist Geschichte, Jeremy. Du hast dich in ein Narrativ eingemischt, das schon im Gange ist und uns alle beiseitezufegen droht.“

Eine Rolle zugeschrieben von unbekannten Mächten, dabei ist man selbst doch nur ein kleines Licht, wie sich Jeremy denkt:

»Aber ich bin niemand.«
»Wir sind alle niemand, bis wir etwas tun, um uns in jemand zu verwandeln.«

Langsam dröselt man mit Jeremy auf, was in seinem Leben in den letzten zehn Jahren geschah, dass den unbedeutenden Wissenschaftler so ins Zentrum einer Macht, eines Dienstes oder einer geheimen Organisation bringen konnte. Man nähert sich dem Jetzt, aus dem der Autor berichtet an und wartet gespannt auf die Auflösung --- an diesem Punkt hat mich Patrick Flanery dann enttäuscht wie selten ein Autor. Nein, das Ende ist nicht akzeptabel und dem Roman, der über weite Strecken trotz des gemächlichen Erzähltempos wirklich fesseln und überzeugen kann, nicht würdig. 

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kellnern, kellner, essen

Sweetbitter

Stephanie Danler , Sabine Kray
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783351036720
Genre: Romane

Rezension:

Tess hat ihr Literaturstudium beendet und ist bereit für die große, weite Welt. In New York will sie die Kleinstadt-Langeweile hinter sich lassen und endlich anfangen richtig zu leben. Doch sie braucht Geld, also nimmt sie den ersten sich bietenden Job an: Kellnerin in einem Restaurant. Nein, Hilfskellnerin wird sie, denn sie weiß nichts von dem, was man wissen muss, um in einem hochklassischen Restaurant die Gäste angemessen bewirten zu können. Die erfahrene und immer etwas distanzierte Simone nimmt sie unter ihre Fittiche und weiht sie nach und nach in die Geheimnisse des Weins und der Genüsse hervorragenden Essens ein. Tess ist wie verzaubert von diesem Mikrokosmos, der in einer ganz eigenen Welt zu bestehen scheint, aber am meisten ist sie von Barmann Jake fasziniert.

Stephanie Danler verarbeitet in ihrem Debutroman eigene Erfahrungen als Kellnerin in New York. Dass sie über detailliertes Wissen bezogen auf Herkunft und Geschmack vor allem der Weine, aber auch Austern und Fleisch verfügt, merkt man dem Roman auf jeder Seite an. Er ist eine Hommage an den Genuss, der Essen nicht als funktionale Tätigkeit oder akribisch auf Nährwerte hin aufgeschlüsselte und bewertete Zweckgegenstände sieht, sondern die verschiedenen Geschmackserlebnisse bis in die hintersten Winkel des Mundes auskosten lässt, wenn man dafür Zeit sowie Muse und eine passende Haltung findet.

Die Handlung des Romans ist überschaubar. Tess‘ Ankunft in New York, die harten ersten Wochen im Job und das Partyleben nach Feierabend, sowie die langsam aufkeimende Beziehung zu Jake sind schon die wesentlichen Bestandteile. Die Figuren bleiben weitgehend stereotyp, die Angestellten bewegen am Rand der Handlung und streifen Tess sowie Simone und Jake nur kurz. Lediglich der Geschäftsführer Howard wird noch mit etwas mehr Profil versehen. Tess ist trotz abgeschlossenem Studium das typische Landei, das naiv in die Großstadt kommt und dort vom Leben regelrecht erschlagen wird. Auch am Ende des Romans, als etwa ein Jahr vergangen ist, hat sie sich für mein Empfinden kaum weiter- und vor allem nach wie vor keine Perspektive entwickelt. Ihre beiden Antagonisten, die eine seltsame Verbindung aufweisen, die in weiten Teilen jedoch im Dunkeln bleibt, sind deutlich spannender gezeichnet. Vor allem Simone weißt zahlreiche Brüche und Unstimmigkeiten auf, die sie aber weitaus interessanter und authentischer machen.

Besonders deutlich wurde im Roman die Funktionsweise des Restaurants als Bühne. Es gibt zwei Welten, die sichtbare im Gastraum und das Dahinter, das dem normalen Gast, der ein „geregeltes“ Leben im Einklang mit den Tageszeiten führt, verborgen bleibt. Dieser kleine voyeuristische Blick und die ausufernden Genussdarstellungen sind unterhaltsam und können locker über die dünne Handlung und etwas flache Protagonistin hinwegtäuschen. 

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japan, hass, mobbing, schule, psychothriller

Geständnisse

Kanae Minato , Sabine Lohmann
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 27.03.2017
ISBN 9783570102909
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Am letzten Schultag des Semesters kündigt Lehrerin Moriguchi ihren Achtklässlern an, dass sie nach den Ferien nicht zurückkommen wird. Kein Wunder, denken sich die Kinder, hat die alleinerziehende Mutter doch erst ihre Tochter durch einen tragischen Unfall verloren. Doch wie sie ihnen erläutert, war der Tod des Kindes kein Unfall, sondern Mord und sie hat ihre ganz eigene Rache an den beiden Schuldigen geplant, die sich auch im Klassenraum befinden. Mikuzi, die Klassensprecherin erzählt die Geschichte etwas anders. Auch der beschuldigte Naoki, seine Mutter und Schwester, die die Folgen der Lektion der Lehrerin mitansehen müssen, sowie der zweite Verdächtige, Shuya, kommen zu Wort. Jeder hat einen etwas anderen Blick auf die Geschehnisse. Und jeder gibt einen ganz anderen Grund für sein Handeln, der jedoch dem außenstehenden Betrachter zunächst verborgen bleibt und die Dinge in einem immer wieder neuen Licht erscheinen lässt.

Der Titel des Romans, „Geständnisse“, ist bei Kanae Minato Programm. Nacheinander offenbare sich die Figuren. Immer mehr Abgründe werden sichtbar und führen den Leser an seine Schmerzgrenze. Kaum hat man sich einen Reim auf die Geschehnisse des unheilvollen Tages gemacht, muss dieser ob der neuen Erkenntnisse schon wieder revidiert und adaptiert werden. Geradezu verstörend wirkt die brutale und kaltblütige Macht, die die Figuren in ihren Bann reißt und zu unsäglichen Taten anstiftet. Aber man erkennt auch, welch ein Druck auf den Japanern lastet. Das Gesicht für die Außenwelt, die Selbstdarstellung, ist so viel wichtiger als der Seelenzustand und die hinter der Fassade lauernden Abgründe, die sie schließlich alle ins Verderben stürzen.

Die Autorin gilt in Japan als Meisterin des iyamisu, einer literarischen Unterform des Thrillers, der insbesondere die dunklen Seiten der menschlichen Natur behandelt. Dies gelingt ihr in Geständnisse in der Tat meisterlich. Was die Figuren antreibt, ist ganz unterschiedlich. Ebenso wie sie mit Druck umgehen und gar mit der Angst vor dem drohenden Tod. Es sind vor allem die Beweggründe, die einem zwischen Faszination und Erschrecken auf die Seiten starren lassen. Man kann sich dies alles vorstellen, aber wie kann kein Mensch dafür so weit gehen?

Unweigerlich stellt man sich die Frage, ob dies ein typisch japanisches, oder eher asiatisches Phänomen ist und ob eine solche Geschichte von einem Europäer oder Nordamerikaner in derselben Weise hätte verfasst werden können. Diese sehr eigenen Figuren kamen mit zuletzt in Han Kangs „The Vegetarian“ unter, auch bei der Koreanerin war das Handeln der Figuren nach unseren Maßstäben eher verstörend, aber offenbar in der östlichen Welt völlig stimmig. Das Phänomen der „Hikikomori“ etwa, der Menschen, die sich aufgrund des schulischen und gesellschaftlichen Drucks immer weiter zurückziehen und sich schließlich gänzlich von der Außenwelt abschotten, ist sicherlich in dieser Weise in Europa nicht denkbar, zu individualistisch und hedonistisch streben wir nach Selbstverwirklichung, die sich an den eigenen Normen bemisst.

Kanae Minato reißt allerhand Fragen auf: Schuld und Rache als vorderste, aber auch der Umgang mit einer todbringenden Erkrankung, konkret dem AIDS Virus, dysfunktionale Familienstrukturen, Verlustängste und der Wunsch nach Anerkennung durch diejenigen, die einem wichtig sind. An den Abgründen der menschlichen Seele siedelt sie diese Fragen an, so dass sie keine simplen Antworten dulden können.

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The Lauras


Flexibler Einband
Erschienen bei null
ISBN 9780099510642
Genre: Sonstiges

Rezension:

After a fierce fight with her husband decides Ma to wake up Alex and to leave their home in Virginia. The two of them go on a trip into the mother’s past. She has got a map on which stations of her life are marked. People she met, places she lived, events that shaped her life and character. During their trip, Ma tells Alex about the “Lauras” she has known. Her first real best friend, the girl from the foster home, her flatmate at college. They drive criss-cross through the states, sometimes they stop incidentally, sometimes the mother has a duty to fulfil or to settle an old bill. She accepts any job offered to make some money and to continue their journey. They actually do have a final destination, but it takes more than a year for Alex to finally understand where they are heading to.

Sara Taylors novel “The Lauras” is a mixture of genres. On the one hand, we have a classic road novel. Alex, the narrator, and Ma cross several state borders and stop here and there, meet people, leave them again, always on the run. On the other hand, it is a coming of age novel. Alex is only 13 in the beginning and hardly knows anything about the world. But most of all, Alex is struggling with her/his identity, sometime she feels like a girl, sometimes he is much more a boy. And thirdly, it is a novel about relationships, not just between parent and child, but also between grown-ups and how living on a limited space can change your bonds.

There is some lesson to be learned for Alex. In their encounter with Anna-Maria, it becomes obvious how your environment decides on your view of the world and the development. In a reclusive sectarian world, most of our world simply does not exist. Additionally, mistakes in your life can be corrected at a later point. And sometimes the journey is the reward, not the goal you are heading for or as Sara Taylor puts it: “I realized that what I felt was a sort of anti-homesickness, a sick-of-home homesickness, that home for me was a place I was going to, rather than a place I could occupy.” (Pos. 2935).

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Wunderbare Jahre. Als wir noch die Welt bereisten

Sibylle Berg , Katja Riemann
Audio CD: 4 Seiten
Erschienen bei Audio Media Verlag, 26.09.2016
ISBN 9783956391590
Genre: Romane

Rezension:

Sibylle Berg geht auf Reisen und erlebt dort so allerhand. Im Kosovo ist sie als Journalistin und beobachtet wie mit Flüchtlingen im Grenzgebiet umgegangen wird. Bayreuth zeigt sein wundersames Gesicht durch unsägliche Garderobe. Eine Kreuzfahrt bringt tausende von Menschen unfreiwillig auf engsten Raum. Südafrika ist schon lange nicht mehr wild und aufregend. Auch Los Angeles bietet nicht den Glamour, den man erwarten könnte. Ob er in Cannes gefunden werden kann? – Fehlanzeige. Eine weitere Reise zu Wasser, auf einem Containerschiff dieses Mal, gestaltet sich auch nicht besser als die erste. Ob das Leben noch mehr zu bieten hat? Vielleicht wissen es indische Schamanen, die die Zukunft voraussagen können.

Das Hörbuch ist eine Ansammlung von Essays über das Reisen und die Eindrücke und Erlebnisse der Autorin. Die Länge variiert ebenso wie der Ton. Es überwiegt jedoch eine scharfe Beobachtung gepaart mit etwas distanziert-sarkastischem Kommentar. Die Reisen fanden zwischen Mitte der 1990er und 2016 statt, oftmals werden sie am Ende ergänzt durch Fakten, die das Thema ergänzen und abrunden, wie etwa die Anzahl der Kreuzfahrtschiffe auf den Weltmeeren bzw. die Anzahl von terroristischen Taten bezogen auf den aktuell präsentierten Ort. In der Gesamtschau ein abwechslungsreicher Rundumschlag, jedes Thema wird unter einem anderen Fokus beleuchtet.

Der Titel mutet etwas zynisch an, „wunderbar“ war an den Jahren der Reisen eigentlich wenig, noch weniger, wenn man die Postskripta, die nur wenig Positives zu liefern haben, sondern geprägt sind von grausamen Fakten und erschreckenden Entwicklungen bezüglich Terror, Mord und Gewalt im Allgemeinen. Schon Matthias Claudius wusste: „Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“ und so wie sein Herr Urian erkennt, dass die Menschen überall auf der Welt ebenso verrückt wie zu Hause sind, so erkennt auch Sibylle Berg, dass vielleicht die Schweizer Ruhe dem rastlosen Umherirren vorzuziehen ist. 

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What to Do about the Solomons

Bethany Ball
Fester Einband: 245 Seiten
Erschienen bei Atlantic Monthly Press, 04.04.2017
ISBN 9780802124579
Genre: Sonstiges

Rezension:

Yakov Solomon and his wife Vivienne could despair of their children. Their son Marc has left Israel and is a successful manager in L.A. now, but has to face some accusation of laundering. Their daughter Keren lives in a kibbutz where her husband Guy Gever slowly seems to lose his brains. Liv, another son, has long fled to Singapore to live with another man. Shira, a former TV star and actress, has divorced and raises her son alone but at the moment she has run out of money and hopes for support of her brother Marc. All members of the family eye each other from near and far, always suspicious of each other, yet, if necessary, they are one family. But now, Yakov is dead and his fortune needs to be split.

There were moments while I was reading I thought: “What a luck these characters are only real in the novel and do not actually exist”. Take Shira. She wants to revive her career and flies to the USA. This isn’t something to blame a person for. But: she leaves her 11-year-old son alone at home. He not only has nobody to take care of him, but he does not have anything to eat either. Or Marc and his wife Carolyn. Her first reaction to the police searching their home is to roll a joint and to sink down into oblivion. Guy Gever who suddenly finds his creative vein after many years in the kibbutz – they are all quite strange and singular characters.

Reading this very meticulous drawing of characters was something I really liked about the novel. None of them is flat or stereotypical. Added to this comes a very poignant language which makes you laugh at times and stop breathing at others. There is some typical Jewish absurdity in the characters and in the novel which make it a great entertainment. We do not have the world on black and white, neither are the characters just heroes or losers.  

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Celine: A novel

Peter Heller
E-Buch Text: 353 Seiten
Erschienen bei Knopf, 07.03.2017
ISBN 9780451493903
Genre: Sonstiges

Rezension:

Celine is a very peculiar woman. Her personal history made her become a private eye specialised in reuniting families. She has been tracking down people whom even the FBI could not locate. When Gabriela, a woman with an interesting family history, asks for her help to find her father, Celine does not immediately think of what this case might demand of her. Gabriela’s father disappeared many years ago when he, a professional photographer, was in a national park. The police suppose he was attacked by a bear, but they could never find the body. Celine and her husband agree to start the search anew. But soon they have to acknowledge that there are mighty enemies who will do everything to hinder them from discovering something.

Admittedly, I found the parts of Gabriela’s life as a girl, the strange family situation after her mother died in the ocean and her father married again, the most fascinating in the novel. They way her father’s new wife treats her, how they manage to hide from the outside world what is going wrong inside was most compelling and repellent at the same time. Yet, the search for her presumably dead father also had some interesting aspects, especially when they were looking more closely at the scene of crime and the traces.

Concerning the characters, the protagonist has some noteworthy spots, she is not the mediocre standard investigator whose private life is a mess and who is addicted to alcohol or drugs. Her family life before coming to the States and the things she hides from her own son make her outstanding in the ocean of crime novels. Peter Heller clearly has created a unique character here, but quite often she seemed a bit too peculiar to me to be authentic. In this regard I preferred her husband who is much more down to earth. Nevertheless, this is for me the strongest aspect of the novel: the characters are complex, shaped by their experiences and sensitive to others.

All in all, even though there is some kind of mystery about Gabriela’s father’s disappearance and also some suspense and even a kind of showdown, it is not this aspect that made the novel noteworthy, but Heller’s passion for detail in creating his characters. 

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thriller, nur ein kleiner gefallen, darcey bell, blog, freundinnen

Nur ein kleiner Gefallen - A Simple Favor

Darcey Bell , Juliane Pahnke
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 10.04.2017
ISBN 9783959671019
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Stephanie ist froh, nach dem Umzug in die Vorstadt und dem Tod ihres Mannes endlich wieder eine Freundin gefunden zu haben. Emily ist das, was man unter einer perfekten Frau versteht: groß, schlank und attraktiv arbeitet sie erfolgreich in der Modebranche und kümmert sich dennoch liebevoll um ihren Sohn Nicky und den Ehemann Sean. Als Emily Stephanie bittet, Nicky von der Schule mit nach Hause zu nehmen, bis sie abends zurückkehrt, ist dies nicht ungewöhnlich, ihre beiden Söhne sind befreundet und haben viel Spaß miteinander. Doch Emily erscheint nicht und ist auch am nächsten Tag wie vom Erdboden verschluckt. Sean weilt derweil in England und kann Stephanies aufkeimende Sorge nicht teilen. Doch Emily bleibt verschwunden und als man einige Tage später eine Leiche findet und die DNA abgleicht, steht fest: die perfekte Karrierefrau und Mutter ist tot. Oder doch nicht?

„Nur ein kleiner Gefallen“ folgt im Muster anderen erfolgreichen Romane der letzten Jahre: Girl on the Train und Gone Girl lassen grüßen. Wir bekommen als Leser nur selektive Informationen, machen uns ein Bild und trara: leider waren alle Annahmen falsch, denn das entscheidende Wissen hat uns gefehlt. Auch wenn das Schema sich inzwischen ein wenig abgenutzt hat, kann der Thriller doch fesseln, wenn man sich auf das Spiel einlässt. Man ist vorsichtig bei den Figuren, weiß man doch nicht, welche Geheimnisse sie vor uns verbergen und was im Laufe der Handlung noch ans Licht kommt. Darcey Bell hat das durchaus sehr gelungen umgesetzt.

Die Figuren sind sehr verschieden, am spannendsten natürlich Emily, die lange Zeit wenig greifbar bleibt und dann aber zunehmend an Format und Charakter gewinnt. Etwas enttäuscht war ich von Stephanie, der Inbegriff der intellektuell begrenzten Bloggermom, deren Leben so überschaubar komplex ist wie das einer Amöbe, sie aber permanent an den Rand des Zusammenbruchs befördert. Ich hatte die Hoffnung, dass hier eine große Überraschung kommen könnte. Sean blieb auch eher der genügsame Ehemann, der eigentlich keine Partnerin, sondern eine Hausangestellte brauchte und dem es an jeder Cleverness fehlte, es mit den Frauen aufzunehmen. An dieser Stelle wären ein paar mehr Überraschungen toll gewesen, die Figuren sind so etwas schablonenhaft.

Trotz der schwächelnden Figuren ist der Thriller unterhaltsam zu lesen, spannend allemal und mit zahlreichen immer neu hinzukommenden Aspekten, so dass man dranbleiben möchte, um zu sehen, wer im großen Finale als Sieger den Ring verlässt.

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hörbuch, marina heib, drei meter unter null, thriller, anna thalbach

Drei Meter unter Null

Marina Heib , Anna Thalbach
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 06.03.2017
ISBN 9783837137736
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Frau wird zur Mörderin. Sie sucht sich ihre Opfer gezielt aus, doch auf welcher Grundlage bleibt zunächst unklar. Sie tötet sie nicht nur, die Männer sollen leiden, Schmerz erfahren und Todesängste ausstehen. Schon als Kind war sie anders als andere Kinder, zum einen voller Phantasie, sie konnte sich die wildesten Dinge ausmalen, die andere nur haben staunen ließen. Und zugleich gab es immer wieder Konfrontationen und unkontrollierbare Ausbrüche. Dafür gibt es eine Erklärung, die ihre Eltern jedoch bis in ihr Erwachsenenalter verschwiegen haben. Doch es kommt der Tag, an dem ihre Mutter nicht mehr schweigen will und ihr die Wahrheit erzählt. Die junge Frau kann ihr Leben nicht mehr so weiterleben, sondern begibt sich auf die Jagd.

Der Krimi startet zwei Handlungsstränge parallel. Im Jetzt, wo das Töten bereits begonnen hat und das erste Opfer zu Tode kommt und mit Rückblicken in die Kindheit, an die ersten Erinnerungen der Frau. Durch die langen Phasen der Erzählung ihrer wilden, phantasie-geleiteten Zeit, verzögert sich die eigentliche Krimihandlung immer wieder. Diese Abschnitte sind durchaus inhaltlich interessant und von Anna Thalbach auch ansprechend gelesen, jedoch fehlt ihnen die Spannung. Als man sich langsam der Erklärung für das Verhalten annähert, nimmt auch der Krimi wieder an Fahrt auf und liefert auch eine Begründung für den Titel des Buches.

Psychologisch fand ich die Geschichte ausgesprochen interessant. Zu sehen, was aus einem Menschen unter bestimmten Bedingungen werden kann, wie Einflüsse sich auswirken, bewusst und unbewusst, ist für mein Empfinden glaubwürdig und überzeugend dargestellt. Als Krimi fand ich ihn etwas zu schwach, die Spannung fehlte über weite Strecken und das Hörbuch hatte so manche Länge in der Erzählung. Der zunächst sehr verschwommene Fall gewinnt im Laufe der Geschichte an Klarheit, wird auch komplexer indem er unerwartete Aspekte liefert, die für höhere Brisanz sorgen und endet mit einer sauberen Lösung.

Insgesamt durchaus gute Unterhaltung, wenn auch nicht durchgängig Krimi-mäßig spannend. 

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LOVELYBOOKS-Statistik

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82 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 59 Rezensionen

tod, roman, verlust, krankheit, liebe

In jedem Augenblick unseres Lebens

Tom Malmquist , Gisela Kosubek
Fester Einband: 301 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608983128
Genre: Romane

Rezension:

Toms schwangere Frau Karin wird in kritischem Zustand in die Klinik eingeliefert. Die Ärzte kümmern sich schnell um sie, aber es zeichnet sich bald ab, dass sie die Geburt vorzeitig einleiten müssen, um die Mutter adäquat behandeln zu können ohne das Baby zu gefährden. Die kleine Livia kommt erfreulich stark auf die Welt, aber Karins Zustand verschlechtert sich von Minute zu Minute. Der worst case tritt ein: die Mutter stirbt und Tom ist unerwartet alleine mit dem Baby. Neben seiner mangelnden Erfahrung im Umgang mit Neugeborenen muss er schnell erkennen, wie gnadenlos das Rechtssystem mit einem Vater umgeht, der nicht mit der Mutter des Kindes verheiratet war und nicht als solcher anerkannt wird.

Der Roman beginnt hochdramatisch mit der Schilderung der Stunden und Tage im Krankenhaus. Man kann die Verschlechterung von Karins Zustand minutiös mitverfolgen, ebenso wie die Verzweiflung des liebenden Partners, der fassungs- und tatenlos mitansehen muss, was vor seinen Augen geschieht. Neben den Sorgen um seine Partnerin muss er sich auch um die weiteren Angehörigen kümmern und alte Konflikte bearbeiten, für die er eigentlich weder Zeit noch Sinn hat. Ein Bruch kommt mit dem Tod Karins und der Roman findet einen ganz anderen Schwerpunkt. Der zweite Teil schwankt zwischen den absurden Erlebnissen mit den Behörden, denen Tom sich wehrlos ausgesetzt sieht und seinen Erinnerungen an die Zeit mit Karin. Jetzt erst erfährt man, wie die beiden sich kennenlernten und zueinander gefunden haben. Gemessen an dem hohen Tempo des Beginns, verlangsamt sich die Erzählung hier nun deutlich. Dies zieht sich auch durch den letzten Teil, in welchem Malmquist das Verhältnis zu seinem Vater und den Verlust selbigen thematisiert.

Tom Malmquists Bericht, der offenbar auf den realen Erlebnissen des Autors basiert, legt schonungslos seine Gefühle und Gedanken offen. Seine Freude über das Töchterchen teilt er ebenso wie die Verzweiflung ob der Bürokratie und das schwierige Verhältnis zu Eltern und Schwiegereltern. In dieser Hinsicht kann das Buch wahrlich überzeugen und den Leser an sich fesseln. In der Gesamtstruktur sind mir die Unterschiede zwischen den drei Teilen doch zu eklatant, um ein wirklich rundes Buch zu sehen. So sehr mich der erste Teil mit dem hohen Tempo begeistern konnte, so sehr ließ mein Interesse insbesondere gegen Ende immer weiter nach.

Inwieweit man von Figurenzeichnung bei einem auf Tatsachen beruhenden Roman überhaupt sprechen kann, sei dahingestellt. Der Ich-Erzähler ist mir durch sein Handeln sehr greifbar und authentisch erschienen. Karin wurde durch seine Erinnerungen vor allem im zweiten Teil für mich eher befremdlicher. Insbesondere ihre Neigung zu Engeln und Übersinnlichem entfremdeten sie weiter und weiter von mir. Da sie nur aus einer Sicht und Erinnerung geschildert wird, ist dieses Bild unweigerlich unvollständig und möglicherweise auch nicht adäquat, was der Person/Figur womöglich nicht gerecht wird.

Ein durchaus lesenswerter Roman; ein Leser, der nicht bis zum Ende durchhält, findet aber auch mein Verständnis. 

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