Leserpreis 2018

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49 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

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Mädelsabend

Anne Gesthuysen
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.11.2018
ISBN 9783462051506
Genre: Romane

Rezension:

Auch Anne Gesthuysen dritter Roman hat mich wie schon die Vorgänger schnell in seinen Bann gezogen. Im Stil kommt „Mädelsabend“ dem Debüt „Wir sind doch Schwestern“ nahe, auch hier spielt wieder die Heimatregion der Autorin am Niederrhein eine große Rolle und es wird eine Familiengeschichte über mehrere Generationen erzählt.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen unter anderem Ruth und ihr Mann Walther, die nach mehr als 60 gemeinsamen Ehejahren auf der „Bönninghardt“ ins Altersheim übersiedeln mussten. Während Ruth dort aufblüht und unter dem Einfluss der Mitbewohnerinnen versucht, der Unterdrückung und dem strengen Regiment ihres Ehemannes zu entkommen, fühlt Walther sich unter den vielen Witwen zunehmend unwohl und sehnt sich nach seinem früheren Zuhause. Engste Vertraute der beiden und manchmal auch Vermittlerin ist Enkelin Sara, die jedoch selbst gerade vor einer wichtigen Lebensentscheidung steht, da der jungen Mutter ein Forschungsstipendium in Cambridge angeboten wurde, das ihre Beziehung auf eine Zerreißprobe stellt.

Mich hat beim Lesen die Lebendigkeit der Figuren begeistert, was vielleicht mit daran liegt, dass die Autorin sich eng an Personen aus ihrer Vergangenheit orientiert und auch eigene Kindheitserinnerungen in die Geschichte einfließen lässt. Ihre Charaktere sind dabei nicht immer einfach. Ruth beispielsweise offenbart im Verlauf anhand von Anekdoten aus ihrer Vergangenheit, welch schweres Schicksal sie bisweilen erdulden musste, zeigt aber auch ihre Schwäche, sich aus eigener Kraft aus diesem Joch zu befreien. Nach 65 Jahren Ehe können Ruth und Walther nicht wirklich mit einander aber auch nicht ohne einander auskommen, sie sind verwachsen in vergangenen Werten, die für uns heute undenkbar scheinen. Während Ruth als junge Frau zuweilen darunter gelitten hat, dass ihr Ehemann die Entscheidungsgewalt über ihr Leben besaß, stellt Enkelin Sara die Gegenseite dar als moderne Frau, die Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen versucht. „Kämpfe nicht gegen dich selbst, sondern richte dich in dem Leben ein, dass dich froh macht.“, das ist ein Rat, den Ruth ihrer Enkelin mitgibt und in dem in meinen Augen viel Wahrheit steckt. 

Das Buch geht mit seiner offenen und teils schonungslosen Art nahe, es hat mich an vielen Stellen nachdenklich gestimmt und lässt mich mit einem anderen Blick auch auf das Leben meiner Eltern und Großeltern blicken.

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202 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 80 Rezensionen

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NSA - Nationales Sicherheits-Amt

Andreas Eschbach
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 28.09.2018
ISBN 9783785726259
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Das Cover von Andreas Eschbachs neuem Roman „NSA“ ist auffallend und wirkt provozierend mit einem leichten Augenzwinkern, das verspricht einen spannenden Thriller à la Eschbach mit originellen Thesen. Doch im Verlauf der Lektüre wuchs meine Verwunderung. Das soll alles sein? Eine derart glatte Geschichte mit klischeehaften Charakteren? Aus diesem vielversprechenden Thema hätte ich mir bei Eschbach eine deutlich originellere und phantasievollere Entwicklung erwartet.

Die Idee ist spannend; Eschbach malt aus, wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn bereits zur Zeit des Nationalsozialismus die Computertechnologie weiter entwickelt gewesen wäre ähnlich wie heute mit mobilen Telefonen, Internet und Emails, was eine totale Überwachung ermöglicht hätte. Im Mittelpunkt seiner Vision stehen die Programmstrickerin Helene Bodenkamp und der Analyst Eugen Lettke. Beide sind eher unpolitische Personen, für die Ideologien des Nationalsozialismus nicht unbedingt empfänglich, lehnen sich aber auch nicht dagegen auf. Beide landen aus ganz unterschiedlichen Intentionen beim NSA, dem Nationalen Sicherheits-Amt. Helene entwickelt Programme zur Überwachung der Bürger des Reichs, ohne sich groß Gedanken über deren Funktion zu machen. Erst als ihre große Liebe aufgrund seiner Fahnenflucht untertauchen muss, wird ihr die Gefahr bewusst, die von den Programmen ausgeht. Sie versucht, ihre Kenntnisse zu nutzen, um ihren Geliebten zu schützen, während sie gleichzeitig von ihrem Vorgesetzten Lettke genötigt wird, ihm dabei zu helfen, das System für seine eigennützigen Zwecke zu missbrauchen, so dass sie sich immer wieder in Gefahr begibt, indem sie das Regime hintergeht. 

Das Buch ist atmosphärisch verfasst, die sprachliche Terminologie an die Zeit angepasst. So ist von Komputern die Rede, dem Weltnetz, Elektrobriefen oder dem Volkstelefon. Amüsant ist die Idee, das Programmieren mit Hausarbeitstätigkeiten wie Backen und Stricken zu vergleichen mit der Konsequenz, dass das „Programmstricken“ reine Frauenarbeit ist und für Männer unwürdig, die für die Technik und die Auswertungen zuständig sind. Helene beweist, wie engstirnig diese Einschätzung ist, steckt sie mit ihrer Intelligenz und ihrem analytischen Denken doch einige in die Tasche. 

Nach einem spannenden ersten Kapitel mit einem vielversprechenden Einblick in die Arbeit des NSA und einer dramatischen Entwicklung kommt es zu einem harten Bruch in der Spannungskurve. Sehr langatmig wird über die Kindheit und persönliche Entwicklung von Helene und Eugen Lettke berichtet, hier hätte Straffung gutgetan. Mich hat es enttäuscht, dass Eschbach wenig eigene Visionen entwickelt, sondern nur historische Begebenheiten etwas anders ablaufen lässt unter Zuhilfenahme der Computertechnik. Hätte nicht auch der Widerstand die technischen Möglichkeiten viel mehr ausnutzen müssen? Wo sind die Hacker, die doch gerade unter diesem Regime jedes Schlupfloch hätten nutzen müssen? Wie von Eschbach gewohnt wirkt das Buch gut recherchiert, es gibt viele interessante technische Einblicke und Hintergrundinformationen, aber erst gegen Ende des Buches wird die ganze Brisanz der Entwicklungen greifbar. Ich hätte mir mehr Kapitel gewünscht wie im etwa letzten Viertel des Buchs.

Besonders eingeprägt hat sich mir folgender Ausspruch: „Ja, schon seltsam. Je mehr Informationsquellen wir haben, desto weniger wissen wir.“

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116 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

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Die Känguru-Apokryphen

Marc-Uwe Kling
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.10.2018
ISBN 9783548291956
Genre: Humor

Rezension:

Als mein Sohn mir vor einigen Wochen von der Ankündigung zu den Känguru-Apokryphen erzählt hat, war ich zunächst skeptisch. Die Känguru-Trilogie hat Kultstatus, einige Aussprüche und Zitate sind in meiner Familie quasi Insider, die Spiele „Halt mal kurz“ oder auch „Game of Quotes“ haben schon des öfteren für Kurzweil gesorgt. Und nun ein paar zusätzlich Anekdoten aus der Schublade? Kann das funktionieren? Mir persönlich hatte schon der dritte Band der Känguru-Reihe nicht mehr allzu gut gefallen, er wirkte sehr hergeholt, die Lacher bemüht, es fehlte an Originalität. QualityLand  hat dann einen ganz anderen Ansatz gefunden, aber neben der neuen und ebenso spitzfindigen Geschichte einen schönen Bogen geschlagen zum Charakter des Kängurus.

Die Känguru-Apokryphen erwecken schon den Eindruck eines kleinen Schmankerls für Fans, es greift bewährte Motive auf, wie die skurrilen Geschäftsideen des Kängurus, die kleinen Sticheleien und natürlich auch einige spitzfindige Kritik am politischen aber auch gesellschaftlichen System. Wie schon bei den übrigen Büchern gab es einiges, das mich zum Schmunzeln gebracht hat, aber auch Kapitel, die mich in schallendes Gelächter haben ausbrechen lassen. Man muss diese Art des Humors mögen, dann findet man auch mit den Apokryphen gute Unterhaltung. Für Neueinsteiger würde ich das Buch nicht empfehlen, einige der Gags funktionieren nur oder besser, wenn man mit dem Humor und den Geschichten der Känguru-Trilogie vertraut ist.

Mir wurde das ebook als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, die Geschichten lesen sich gut, ihren kompletten Charme entfalten sie aber erst in dem Hörbuch mit den Live-Lesungen des Autors. Marc-Uwe Kling versteht es nicht nur, unterhaltsame und gesellschaftskritische Anekdoten zu schreiben, erst seine pointierten Lesungen und die Stimme, die er dem Känguru gibt, machen den Genuss rund.

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318 Bibliotheken, 12 Leser, 0 Gruppen, 114 Rezensionen

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Der Wortschatz

Elias Vorpahl , Julia Marie Stolba
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Buchblatt Verlag, 01.01.2018
ISBN 9783000571695
Genre: Fantasy

Rezension:

Elias Vorpahls Debütroman „Der Wortschatz“ bietet einen interessanten Ansatz. Im Mittelpunkt seiner Geschichte steht keine reale Figur sondern ein Wort, dem der Leser in insgesamt elf Kapiteln auf der Suche nach seiner Bedeutung und Bestimmung folgt. Dabei erlebt das Wort einige Abenteuer in der Welt der Worte und gelangt nach und nach zu der Erkenntnis, wie eng die Existenz und Bedeutung der Worte von den Menschen abhängt, die diese schaffen und benutzen. Abgerundet wird der Band durch liebevolle Illustrationen, die bei der Visualisierung helfen.

Das Buch spielt mit der Sprache und der Wandelbarkeit von Worten, man findet wundervolle Wortkombinationen wie „… sagte das Kamel mit sandiger Stimme“. Es erzählt fantastische Geschichten und bedient sich dabei bekannten Motiven aus Klassikern wie Alice im Wunderland und oder auch der unendlichen Geschichte.

Mich hat das Buch zwiegespalten zurückgelassen. Die Idee hinter dem Buch hat mir gut gefallen. Sprache ist aus unserer Welt nicht weg zu denken, Sprache und Kommunikation sind wichtig, Sprache wandelt sich, das Buch weckt das Bewusstsein, Sprache nicht zu verschwenden, nicht zu verunglimpfen, sondern sensibel damit umzugehen. So ist es für die Worte gefährlich, wenn sie von den Menschen hinausgeschrien oder quasi ausgespien werden, während Gesang für sie eine Wohltat ist. Dem Leser wird neben viel Fantasie aber auch großes Abstraktionsvermögen abverlangt. Während mich einige Szenen verzaubert haben wie Wortspiele oder auch der Freund des Wortes mit dem Namen „Zeig“ oder das Paar „Dichter und Denker“, habe ich mich mit anderen Bildern und Figuren schwergetan. Wieso sieht „die alte Weil“ aus wie eine Schildkröte oder „Wortgewandt“ wie eine Echse?

Auch das zehnte Kapitel um Babel habe ich in seiner Darstellung eher befremdlich empfunden, trotz der anrührenden Auflösung zum Ende des Buchs. 

Insgesamt zeigt sich, wie schwer es ist, einem Wort menschliche Eigenschaften zu geben und sein Dasein mit menschlichen Maßstäben zu beschreiben und zu erklären. In einigen Passagen zeigt der Autor beeindruckende Fantasie, umso weniger habe ich verstanden, dass er an einigen Stellen bekannte Vorlagen bedient. Ich persönlich habe „Alice im Wunderland“ nie besonders gemocht, so dass mir auch in diesem Band einige Szenen eher verleidet wurden. Nachdem das Buch vielfach hoch gelobt wurde, hatte ich mir mehr versprochen.

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128 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 78 Rezensionen

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Die wundersame Mission des Harry Crane

Jon Cohen , Alexandra Kranefeld
Flexibler Einband: 536 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 02.10.2018
ISBN 9783458363620
Genre: Romane

Rezension:

Harry Crane führt ein ruhiges wenn auch nicht immer ausgefülltes Leben als Analyst einer Forstbehörde in Pennsylvania. Als seine geliebte Frau Beth bei einem schrecklichen Unfall getötet wird, gerät Harrys Leben aus den Fugen, er verliert den Halt und wird von Schuldgefühlen geplagt. Eine absurd hohe Schadensersatzzahlung veranlasst ihn, seinen Job zu kündigen und in die abgelegenen Wälder der Endless Mountains zu seinen geliebten Bäumen zu fliehen mit der Absicht sich dort selbst zu verlieren. Stattdessen findet er sich jedoch unversehens als Untermieter eines wundersamen Baumhauses wieder. Diese Obhut verdankt er der Begegnung mit der 10-jährigen Oriana und ihrer Mutter Amanda, die ebenfalls auf ganz unterschiedliche Weise mit dem unerwarteten Tod ihres Vaters beziehungsweise Ehemanns zu kämpfen haben. Die resolute Oriana zieht Harry mit sich in die Märchenwelt, die sie um ihre Trauer errichtet hat, denn sie ist zu dem Schluss gekommen ist, in Harry einen Schlüssel für die Lösung ihrer beider Probleme gefunden zu haben. 

Harry lässt sich erst nur zögernd auf Orianas Vorschläge ein, je mehr im Wald sein Selbstvertrauen wächst, umso überzeugter steigt er in seine Mission ein, die Geschichte des alten Grum lebendig werden zu lassen.

Das Buch erzählt eine bewegende Geschichte über Verlust, Trauer und die Kraft von Freundschaft. In weiten Teilen verläuft die Erzählung eher ruhig, es gibt viele nachdenklich stimmende Momente, andere Stellen verleiten zum Schmunzeln mit ihrer Situationskomik, Spannung kommt in erster Linie gegen Ende auf. 

Eine Besonderheit des Buchs ist sein märchenhafter Charme, es enthält nicht nur ein eigenes Märchen in Form der Geschichte des alten Grum, sondern es tauchen immer wieder Bezüge zu bekannten Märchen auf. Da ist zum Beispiel Oriana, die mit ihrem roten Mantel wie Rotkäppchen durch den Wald streift, der böse Wolf, Harrys und Orianas Mission bedroht, oder auch Anspielungen auf das Märchen von Goldmarie und Pechmarie. Dieses Thema zieht sich konsequent durch das Buch, trotz einem realistischen Grundsatz gibt es Elemente, denen etwas Magisches anhaftet. Sehr gut gefallen hat mir Harrys Charakter, der sehr glaubhaft angelegt ist und mit seiner sensiblen Art überzeugend. Ich habe beim Lesen Anteil genommen an seinem persönlichen Schicksal und seiner Entwicklung, seine Verbundenheit mit den Bäumen hat etwas symbiotisches, der Autor geht sehr einfühlsam mit diesem Thema um. Kleine tragikomische Szenen sorgen dafür, dass das Buch nicht ins Kitschige abrutscht. 

Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen, auch wenn es an einigen Stellen zu sehr detailverliebt wirkt und in Nebenhandlungen verliert, hier hätten ein paar Kürzungen gutgetan. 


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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

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Elbspiel

Nicole Wollschlaeger
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 03.08.2018
ISBN 9783752895261
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei Philip Goldbergs drittem Fall mit dem Titel „Elbspiel“ vereint die Autorin Nicole Wollschläger ihre Leidenschaften für Bücher und für Schauspiel in einem spannenden Kriminalroman.

In Kophusen, einer fiktiven Kleinstadt, in die es den Berliner Ermittler Goldberg vor einiger Zeit aus persönlichen Gründen verschlagen hat, plant der frühere Starschauspieler Arno Menzinger ein Comeback mit der Inszenierung des „Jedermann“. Als besonderer Clou sollen die Rollen ausschließlich mit Laiendarstellern aus der Region besetzt werden. Die Aufregungen um die Besetzungen, die bis in die Kophusener Polizeidienststelle reichen, werden bald durch mysteriöse Zwischenfälle und einen ungewöhnlichen Leichenfund getrübt.

Für mich war dieser dritte Band der Einstieg in die Reihe, mich haben auf Anhieb die spritzige Erzählung und die zum Teil kauzigen Charaktere in den Bann gezogen. Ein paar Anspielungen auf die ersten beiden Bände machen neugierig und werfen ein paar Fragen zur Vorgeschichte auf, da dieser Fall in sich abgeschlossen ist, hatte ich nicht den Eindruck, dass mir elementare Vorkenntnisse fehlen.

Der Krimi enthält neben einer spannenden Geschichte mit einigen verzwickten Wendungen sehr viel Lokalkolorit. Ich lebe in der Gegend, in der die Geschichte spielt, so dass mir viele der erwähnten Schauplätze bekannt und vertraut sind, das schafft beim Lesen klare Bilder von den Szenarien.

Insbesondere die Hauptfiguren der Reihe sind toll getroffen, entsprechen herrlich typischen norddeutschen Charakteren ohne dabei platt zu wirken. In diesem Band gibt es noch dazu einen tiefen Einblick hinter die Kulissen einer Theaterinszenierung, die harte Arbeit die damit verbunden ist aber auch die Schattenseiten dieser oft nur scheinbar glänzenden Welt.

Die rund 280 Seiten dieses Bandes bieten meiner Meinung nach kurzweilige Unterhaltung und ausreichend Originalität, um aus der Masse der Krimis hervorzustechen.

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82 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 39 Rezensionen

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Gun Love

Jennifer Clement , Nicolai von Schweder-Schreiner
Fester Einband: 251 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.09.2018
ISBN 9783518428320
Genre: Romane

Rezension:

In ihrem aktuelle Roman „Gun Love“, beschäftigt sich die US-Amerikanische Autorin Jennifer Clement, die seit einigen Jahren in Mexiko-Stadt lebt, mit den zum Teil erschreckenden  gesellschaftlichen Entwicklung Amerikas und dem oft sorglosen Umgang mit Schusswaffen.

Dabei beginnt die Geschichte zunächst eher beschaulich. Sie wird erzählt aus der Sicht der 14-jährigen Pearl, einem zarten Teenagermädchen, das mit ihrer Mutter Margot in Florida in einem Auto am Rande eines Trailerparks lebt. Margot war erst 16 Jahre alt, als sie von ihrem Lehrer schwanger wurde, heimlich und allein ihre Tochter zur Welt gebracht und mit dem Baby in ihrem Mercury zu eben diesem Trailerpark geflohen ist. Aus dem Provisorium wird schnell eine Dauerlösung, sie und Pearl haben es sich in dem Auto gemütlich eingerichtet. Der Mercury bildet eine Art Mikrokosmos als Gegensatz zu der oft bedrohlich wirkenden Umwelt.

Doch dann taucht ein neuer Bewohner im Trailerpark auf, Margot verfällt auf der Stelle Elis Charme, Pearl wird immer häufiger aus dem Mercury verdrängt und muss sich zunehmend mit den Härten der Realität auseinander setzen. 

Die sehr poetische und bildhafte Sprache steht oft in krassem Gegensatz zu den Entwicklungen der Geschichte und unterstützt den Schein der Geborgenheit und Normalität, in der Mutter und Tochter anfangs leben. Es ist zum Teil verstörend, in einem Moment von Margots Sensibilität zu lesen und im nächsten von sinnfreien Schießereien auf die Alligatoren im Fluss, davon, wie Pearl unbedarft mit giftigem Quecksilber spielt, das sie auf der nahen Müllkippe gefunden hat, oder von dem allgegenwärtigen Geschmack von Insektenspray, das beide umgibt, und mit dem sie abends die Mücken aus dem Mercury vertreiben. 

Das Thema Waffen findet nur schleichend Eingang in den Roman, je mehr Pearl sich aus der Behütung durch ihre Mutter lösen muss, umso präsenter und beherrschender werden sie. 

Ich habe mich zunächst schwer getan mit dieser Mischung aus Poesie, die die Gefahr wie Watte zu umhüllen scheint und den Schilderungen der Trostlosigkeit und Chancenlosigkeit, die die Hauptcharaktere umgibt. Je genauer man beim Lesen hinsieht, umso mehr fällt auf, wieviele Details und Hinweise in kleinen Sätzen stecken, wieviel Ironie und Kritik am System.

„In seinem Innern sah meine Mutter elektrische Eisenbahnen, Spielzeugtrucks und Spielzeugwaffen,, und eine Luftpistole, mit der man Vögel töten konnte.“ „Man lernt schnell, dass Träume besser sind als das Leben, sagte meine Mutter.“ „Ich wusste, dass er nicht der starke Mann mit der weißen Fahne war, sondern mit Tesafilm, Heftklammern und Tesa zusammengeflickt.“

Das sind nur ein paar der bemerkenswerten Sätze, die ich mir gemerkt habe, und die den Charme dieses Buches ausmachen. Es gehört für mich zu den Büchern, die es verdient haben, mehr als einmal gelesen zu werden. 

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Sörensen fängt Feuer

Sven Stricker
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 25.09.2018
ISBN 9783499291760
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Drei Monate nachdem Kommissar Sörensen mit seinen Ermittlungen Unruhe in die scheinbare Idylle Katenbülls gebracht hat, haben sich die Wogen noch nicht ganz geglättet, noch immer sind ihm einige Mitbürger nicht wohl gesonnen. Während einer kurzen Stippvisite Sörensens in seine alte Heimat Hamburg bahnt sich jedoch ein neuer Fall an, als Ole Kellinghusen mitten in der Nacht eine junge Frau vors Auto läuft: blind, unterernährt und barfuß im Nachthemd irrt Jette mitten im Winter kurz vor Weihnachten über die Landstraße. Sörensens gute Vorsätze, die Tabletten gegen seine Angststörung abzusetzen, geraten ins Wanken, als er bei der Suche nach Jettes Herkunft auf eine Leiche trifft. Doch damit nicht genug, da Jette nicht zurück nach Hause kann, sieht Sörensen keinen anderen Ausweg, als seinen Vater zur Hilfe zu holen, und je tiefer er die Hintergründe der Tat beleuchtet umso mehr Details kommen zum Vorschein über den religiösen Wahn und gut gehütete Geheimnisse, die sich um Jettes Geschichte ranken.

Wie schon im ersten Band „Sörensen hat Angst“ hat mir auch hier wieder die Mischung des Krimis gefallen. Sven Stricker hat ein Händchen dafür, die Charaktere und Szenerien so lebendig zu schildern, dass man den Eindruck bekommt, mitten in Katenbüll zu stehen und ihnen beim Agieren zu sehen zu können. 

Sörensen ist kein einfacher Charakter, er wird von seiner Angststörung beherrscht, steht sich oft selbst im Weg mit seiner umständlichen Art und seinem mangelnden Selbstbewusstsein. Dass er nicht perfekt ist und an sich zweifelt, macht ihn aber auch sympathisch. Sörensens persönliche Geschichte nimmt neben dem Kriminalfall viel Raum ein, gerade seine Persönlichkeit, sein manchmal unkonventionelles Handeln und Denken, machen aber den Charme der Geschichte aus. Es gibt eine ordentliche Prise trockenen norddeutschen Humors mit herrlichen Dialogen, die mich beim Lesen immer wieder haben auflachen lassen. 

Der Fall um Jette birgt jedoch einige Tragik, er offenbart die Verzweiflung und Desillusion einiger Beteiligter, hier kommt Sörensen seine sensible Seite zu Gute.

Mich hat der Krimi von Anfang bis Ende gut unterhalten, der Fall ist spannend, und wartet mit einigen überraschende Entwicklungen auf, die Charaktere sind mir weiter ans Herz gewachsen, und ich bin sehr gespannt darauf, wie sich Sörensen in (hoffentlich) folgenden Bänden weiter entwickeln wird.

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150 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 83 Rezensionen

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Deutsches Haus

Annette Hess
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 21.09.2018
ISBN 9783550050244
Genre: Romane

Rezension:

Eva Bruhns ist Anfang 20, lebt wohl behütet mit ihrer Familie in einer Wohnung über der titelgebenden Gastwirtschaft ihrer Eltern in Frankfurt am Main und steht kurz vor der Verlobung mit  dem Unternehmersohn Jürgen. Eva zweifelt manchmal, ob der biedere Jürgen wirklich der Richtige für sie ist, aber sie fügt sich den Erwartungen und die Verbindung bietet ihr einen gesellschaftlichen Aufstieg.

Als gelernte Dolmetscherin für Polnisch wird Eva kurzfristig zur Übersetzung einer Zeugenaussage hinzu gerufen. Erst, als sie am nächsten Morgen in den Tageszeitungen über die Ankündigung der bevorstehenden Auschwitz-Prozesse liest, wird ihr klar, womit sie am Vortag konfrontiert wurde. Da sie zuvor nie etwas von Auschwitz gehört hat, sucht sie das Gespräch mit ihren Eltern, doch diese reagieren abweisend und raten ihr ebenso wie ihr Verlobter davon ab, sich für den Prozess engagieren zu lassen. Eva folgt jedoch ihrem Bauchgefühl, will sich nicht bevormunden lassen und nimmt die Stelle als Dolmetscherin an. Im Verlauf des Prozesses, der sich über 20 Monate hinzieht, gibt sie vielen der Zeugen ihre Stimme und wird in eine Geschichte hinein gezogen, die nicht nur ihr Weltbild verändert sondern auch in unerwartetem Maß zu ihrer eigenen Geschichte wird.

„Deutsches Haus“ ist der erste Roman von Annette Hess, die sich bislang als Drehbuchautorin erfolgreicher Fernsehserien einen Namen gemacht hat. Man merkt dem Buch an, dass sie darin geübt ist, Geschichte und Geschichten lebendig werden zu lassen. Die Sprache ist der Zeit der 60er Jahre angepasst, die gesellschaftlichen Zwänge, das bürgerliche Spießbürgertum und das bewusste Verdrängen der eigenen Geschichte werden auf beklemmende Weise präsent. Beim Lesen werden die Figuren vor dem inneren Auge lebendig, die Beschreibungen von Schauplätzen und Charakteren sind zwar oft knapp aber dabei sehr präzise. Insbesondere die Szenen im Gerichtssaal verfügen über eine Intensität, die mich beim Lesen fast die Luft haben anhalten lassen.  Die Autorin hält sich mit Wertungen zurück, sie beleuchtet die Ausmaße der Verbrechen und des Prozesses durch die Augen der zunächst unbedarften Eva, der Leser spürt durch sie das Unbehagen das entsteht durch das Bestreben vieler Beteiligter, ihre Schuld oder Mitschuld an den Vorgängen abzustreiten. 

Annette Hess hat sich im Vorfeld des Romans intensiv mit dem Verlauf und den Aussagen der Frankfurter Prozesse beschäftigt, anhand des Schicksals Evas und ihrer Familie lässt sie diesen wichtigen Teil der deutschen Geschichte wieder aufleben und stimmt gleichzeitig nachdenklich auch über unseren heutigen Umgang mit aktuellen politischen Entwicklungen.

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120 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

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Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherkönig

Akram El-Bahay
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 31.08.2018
ISBN 9783404209095
Genre: Fantasy

Rezension:

„Bücherkönig“, der zweite Band aus Akram El-Bahays Reihe um die Bibliothek der flüsternden Schatten, entführt den Leser erneut in die fantastischen Welten von Mythia und die in den Tiefen von Paramythia verborgenen Geheimnisse. Die Handlung knüpft nahtlos an die Ereignisse des ersten Bandes an, den man zum Verständnis der Geschichte kennen sollte, um die Ereignisse und Entwicklungen zu verstehen. Während der Band „Bücherstadt“ in großen Teilen eine Einführung in die Besonderheiten der Stadt und ihrer riesigen unterirdischen Bibliothek darstellt, werden in der Fortsetzung einige der Geheimnisse enthüllt und die Charaktere in zum Teil gefährliche Abenteuer verwickelt.

Dieser Band beginnt nach einem kurzen Prolog gleich mit einer spannenden Szene, dennoch kam beim Lesen bei mir schnell die Erinnerung an die Hauptfiguren Samir und Kani zurück wie an einige der fantastischen Wesen, die sie aus Paramythia befreit hatten. Schnell entstanden wieder leuchtende Bilder vor meinem inneren Auge und ich war erneut von der Geschichte in den Bann gezogen. Auch hier begeistert mich wieder Akram El-Bahays Erzählstil, der sich der Szenerie und den unterschiedlichen Charakteren anpasst.

Die Rolle Kanis gewinnt zunehmend an Bedeutung, einige Szenen werden aus ihrer Sichtweise geschildert, die wechselnden Erzählperspektiven generieren zusätzliche Tiefe. Auch die Rollen anderer Figuren wurden ausgebaut und sorgen bei aller Dramatik für Situationen zum Schmunzeln. Insgesamt gefällt es mir an dem Buch gut, dass nach Momenten mit viel Action die Spannung mit ruhigeren Situationen und nachdenklich stimmenden Dialogen etwas heruntergeschraubt wird, auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Gegen Ende dieses Bandes entwickelt sich die Geschichte jedoch in eine sehr von Kampfszenen dominierte Richtung, die ich persönlich nicht mag. Die Entscheidungen und Aktionen mögen zwar wichtig sein für den Verlauf der Trilogie, mir als Leser erschienen sie zu überstürzt und nicht passend zu den Charakteren Kanis und Samirs, die eher von Besonnenheit und Rücksichtnahme auf das Leben anderer geprägt war, zumindest nach meinem Eindruck. Samir wirkte im Laufe der Zeit reifer, verantwortungsbewusster, gegen Ende scheinen die Leben einzelner zunehmend bedeutungsloser zu werden, gleichzeitig mit der wachsenden Brutalität verliert die Geschichte ihren märchenhaften Charme. Ich werde mir genau ansehen, was der Klappentext des dritten Bandes verheißt, wenn dieser so weiter geht, wie der zweite Band endet, dann ist das kein Buch mehr für mich. Inzwischen hat mein 16-jähriger Sohn begonnen die Reihe zu lesen, vielleicht ist das eher nach seinem Geschmack.

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(110)

202 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 80 Rezensionen

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NSA - Nationales Sicherheits-Amt

Andreas Eschbach
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 28.09.2018
ISBN 9783785726259
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Das Cover von Andreas Eschbachs neuem Roman „NSA“ ist auffallend und wirkt provozierend mit einem leichten Augenzwinkern, das verspricht einen spannenden Thriller à la Eschbach mit originellen Thesen. Doch im Verlauf der Lektüre wuchs meine Verwunderung. Das soll alles sein? Eine derart glatte Geschichte mit klischeehaften Charakteren? Aus diesem vielversprechenden Thema hätte ich mir bei Eschbach eine deutlich originellere und phantasievollere Entwicklung erwartet.

Die Idee ist spannend; Eschbach malt aus, wie die Geschichte verlaufen wäre, wenn bereits zur Zeit des Nationalsozialismus die Computertechnologie weiter entwickelt gewesen wäre ähnlich wie heute mit mobilen Telefonen, Internet und Emails, was eine totale Überwachung ermöglicht hätte. Im Mittelpunkt seiner Vision stehen die Programmstrickerin Helene Bodenkamp und der Analyst Eugen Lettke. Beide sind eher unpolitische Personen, für die Ideologien des Nationalsozialismus nicht unbedingt empfänglich, lehnen sich aber auch nicht dagegen auf. Beide landen aus ganz unterschiedlichen Intentionen beim NSA, dem Nationalen Sicherheits-Amt. Helene entwickelt Programme zur Überwachung der Bürger des Reichs, ohne sich groß Gedanken über deren Funktion zu machen. Erst als ihre große Liebe aufgrund seiner Fahnenflucht untertauchen muss, wird ihr die Gefahr bewusst, die von den Programmen ausgeht. Sie versucht, ihre Kenntnisse zu nutzen, um ihren Geliebten zu schützen, während sie gleichzeitig von ihrem Vorgesetzten Lettke genötigt wird, ihm dabei zu helfen, das System für seine eigennützigen Zwecke zu missbrauchen, so dass sie sich immer wieder in Gefahr begibt, indem sie das Regime hintergeht. 

Das Buch ist atmosphärisch verfasst, die sprachliche Terminologie an die Zeit angepasst. So ist von Komputern die Rede, dem Weltnetz, Elektrobriefen oder dem Volkstelefon. Amüsant ist die Idee, das Programmieren mit Hausarbeitstätigkeiten wie Backen und Stricken zu vergleichen mit der Konsequenz, dass das „Programmstricken“ reine Frauenarbeit ist und für Männer unwürdig, die für die Technik und die Auswertungen zuständig sind. Helene beweist, wie engstirnig diese Einschätzung ist, steckt sie mit ihrer Intelligenz und ihrem analytischen Denken doch einige in die Tasche. 

Nach einem spannenden ersten Kapitel mit einem vielversprechenden Einblick in die Arbeit des NSA und einer dramatischen Entwicklung kommt es zu einem harten Bruch in der Spannungskurve. Sehr langatmig wird über die Kindheit und persönliche Entwicklung von Helene und Eugen Lettke berichtet, hier hätte Straffung gutgetan. Mich hat es enttäuscht, dass Eschbach wenig eigene Visionen entwickelt, sondern nur historische Begebenheiten etwas anders ablaufen lässt unter Zuhilfenahme der Computertechnik. Hätte nicht auch der Widerstand die technischen Möglichkeiten viel mehr ausnutzen müssen? Wo sind die Hacker, die doch gerade unter diesem Regime jedes Schlupfloch hätten nutzen müssen? Wie von Eschbach gewohnt wirkt das Buch gut recherchiert, es gibt viele interessante technische Einblicke und Hintergrundinformationen, aber erst gegen Ende des Buches wird die ganze Brisanz der Entwicklungen greifbar. Ich hätte mir mehr Kapitel gewünscht wie im etwa letzten Viertel des Buchs.

Besonders eingeprägt hat sich mir folgender Ausspruch: „Ja, schon seltsam. Je mehr Informationsquellen wir haben, desto weniger wissen wir.“

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246 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 134 Rezensionen

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Das rote Adressbuch

Sofia Lundberg , Kerstin Schöps
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 20.08.2018
ISBN 9783442314997
Genre: Romane

Rezension:

Mit ihrem Debütroman „Das rote Adressbuch“ hat die schwedische Autorin Sofia Lundgberg nicht nur eine Hommage an ihre verstorbene Großtante veröffentlicht, sondern auch ein sehr persönliches Buch, in das viele ihrer eigenen Erfahrungen und Gedanken eingeflossen sind. Man merkt der Geschichte an, dass ihr die Hauptfiguren sehr am Herzen liegen, so liebevoll, wie dieses gezeichnet sind. Sie schildert die Ereignisse, wie sie gewesen sein könnten und hält sich dabei mit Wertungen sehr zurück, was dem Leser Raum gibt, sich seinen eigenen Gedanken zu machen. 

Als Rahmen der Geschichte dient das Titelgebende in rotes Leder gebundene Adressbuch von Doris Alm. Inzwischen 96 Jahre alt, hat sie dieses Adressbuch, das sie 1928 von ihrem Vater zu ihrem 10 Geburtstag geschenkt bekam, viele Jahre lang begleitet. Inzwischen sind die meisten Menschen, die hier ihren Eintrag gefunden hatten, verstorben, so dass ihr Name von Doris durchgestrichen und mit dem Zusatz „tot“ versehen wurde. Nach einem bewegten Leben ist Doris als einizig nahestehende Person die Enkeltochter ihrer Schwester verblieben, die mit ihrer Familie auf der anderen Seite der Weltkugel in Kalifornien lebt und mit der sie in erster Linie über Skype in Kontakt steht. Die Einträge in ihrem roten Adressbuch wecken bei Doris viele Erinnerungen und Geschichten, die sie für  Jenny aufschreibt, damit ihre Erlebnisse nicht völlig in Vergessenheit geraten. Während Doris in der Gegenwart zunehmend an Kraft verliert, nimmt sie in ihren Erinnerungen den Leser mit auf die Reise durch ihr teils aufregendes, teils entbehrungsreiches Leben. Kapitel aus Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich ab, da die Geschichte in chronologisch erzählt wird und die Abschnitte aus der Vergangenheit meist mit dem Namen der im Mittelpunkt stehenden Person betitelt sind, verliert man beim Lesen nie den Überblick.

Es gab im Leben der Autorin eine Großtante mit Namen Doris, die ihr unter anderem ein Adressbuch mit vielen durchgestrichenen Namen hinterlassen hat. Das Leben von Doris aus dem Buch wurde deutlich ausgeschmückt und erzählt so eine bewegende Geschichte, die mit großer Intensität die Lebenserfahrung einer älteren Person darstellt und darauf aufmerksam machen möchte, dass wir eben diese deutlich mehr wertschätzen sollten.

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358 Bibliotheken, 21 Leser, 1 Gruppe, 104 Rezensionen

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Vox

Christina Dalcher , Marion Balkenhol , Susanne Aeckerle
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 15.08.2018
ISBN 9783103974072
Genre: Romane

Rezension:

In ihrem Debütroman „Vox“ entwirft die Autorin Christina Dalcher ein unglaubliches und erschreckendes Szenario, das sich bei näherem Hinsehen als beängstigend realistisch entpuppt.

In den USA haben sich die Republikaner und christlichen Fundamentalisten an die Spitze der Regierung gesetzt. Um die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen umformen zu können, wird für die weibliche Bevölkerung angeordnet, dass sie pro Tag nicht mehr als 100 Wörter sprechen dürfen. Aber auch die schriftliche Kommunikation über Computer, Handy oder auch Papier wird verboten für alle Frauen egal ob jung oder alt. 

Als sich die ersten Anzeichen eines zunehmend totalitären Systems abzeichnen, kann die Neurolinguistin Jean McClellan nicht glauben, dass dies größeren Einfluss auf ihr Leben nehmen könnte. Doch schon bald wird sie an der Ausübung ihres Berufes gehindert, ihre Tochter Sonia, die auf einer Mädchenschule nicht mehr im Lesen und Schreiben unterrichtet wird, verkümmert, und Jean ist zunehmend verzweifelt über ihre isolierte Lage und die Veränderungen in ihrer Familie. Doch dann werden Jeans Kenntnisse für ein Forschungsprojekt gebraucht und sie bekommt die Chance, sich gegen das System aufzulehnen.

Dies ist der erste Roman der Autorin, die bislang mit Kurzgeschichten und Flash Fiction Ansehen erlangt hat. Man merkt dem Buch an, dass sie geübt darin ist, mit wenigen präzisen Worten eindringliche Stimmungen zu schaffen. Die Wut und Hilflosigkeit der Hauptfigur war oft bedrückend greifbar und hat mich beim Lesen in eine gereizte Stimmung versetzt gegenüber diesen selbstgerechten Machtmenschen und totalitären Systemen. Es ist ebenso erschreckend wie leider auch glaubhaft über die Veränderungen im Denken der Menschen und die geschickte Manipulation der Kinder und Jugendlichen zu lesen. Im Roman sind die Maßnahmen und ihre Folgen sehr drastisch geschildert, machen aber auch bewußt, wie viele Frauen weltweit von Männern beherrscht und dominiert werden.

Trotz einiger Schwarz-Weiß- Malerei und zum Teil klischeehaften Charakteren beeindruckt dieses Buch. Es macht bewußt, wie wichtig für uns unsere Sprache und eine Meinungsfreiheit sind, und wie wichtig es ist, für die Wahrung seiner Rechte einzutreten. Mit seinem beklemmenden Szenario zeigt es auf, wie sehr wir es schätzen können, in einer Demokratie leben zu dürfen nach den Prinzipien der Gewaltenteilung, was für viel zu viele Menschen weltweit heutzutage nicht zutrifft.

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39 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

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Erzengel

Voosen | Danielsson , Roman Voosen
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.06.2018
ISBN 9783462051377
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Erzengel“ ist bereits der 6.Band des Autorenduos Voosen/Danielsson um die beiden Ermittlerinnen Ingrid Nyström und Stina Forss und wieder ähnlich spannend und komplex wie seine Vorgänger.

Auch diesmal hat das Ermittlerteam nicht nur mit einem Fall zu tun, was die in der jüngsten Vergangenheit zusammen geschrumpfte Gruppe an den Rand ihrer Belastungsgrenze bringt. Zunächst steht wie schon in anderen Bänden der Reihe ein Fall aus der Vergangenheit im Vordergrund; die Rechtsmedizinerin Ann-Vivika Kimsel stößt auf Ungereimtheiten bei dem 25 Jahre zurück liegenden Selbstmord eines jungen Mannes, der eines grausamen Anschlags auf die Bandmitglieder einer Death-Metall-Band verdächtigt wurde. Bei der Exhumierung der Leiche findet die Kriminalpolizei ein leeres Grab vor und beginnt den Fall neu aufzurollen und auch den Anschlag auf die Band näher unter die Lupe zu nehmen. Keine leichte Aufgabe, da nach dieser langen Zeit viele Spuren kalt sind. Hinzu kommen bald ein weiterer Mord, sowie Brandanschläge auf historische Kirchen. Die Vorfälle erscheinen zunächst ohne Zusammenhang, doch bei den Ermittlungen um den Suizid und den Mord an den Bandmitgliedern tauchen verstärkt Hinweise auf religiösen Fanatismus und Okkultismus auf, die den Schluss nahelegen, dass die aktuellen Ereignisse kein Zufall sind, sondern der alte Fall noch lange nicht gelöst wurde.

Die Geschichte beginnt langsam, je mehr lose Fäden zusammenkommen, umso mehr nimmt die Spannung zu, auch der Leser kommt den Zusammenhängen zwischen den Ereignissen nur nach und nach auf die Spur.

Mir hat wieder die Vielschichtigkeit und Komplexität der Geschichte gefallen, auch wenn der Einstieg diesmal eher ruhig war. Die Charaktere sind mir mit ihren kleinen Macken im Laufe der Reihe ans Herz gewachsen, sie entwickeln sich an den Ereignissen weiter, was es Neueinsteigern erschweren dürfte, einige Anspielungen zu verstehen. Das Rätsel um die Vergangenheit von Stina Forss Vater zieht sich wie ein roter Faden durch die Reihe, wird inzwischen nach meinem Eindruck etwas sehr in die Länge gezogen, ebenso wie das Geheimnis um die Figur Kent Vargens, das schon in den letzten Bänden künstlich hochgehalten wurde und so zu Unglaubwürdigkeit beiträgt. Auch mit dem vermeintlichen Psychopathen wird hier stellenwiese etwas dick aufgetragen.

„Erzengel“ ist nicht das Highlight dieser Reihe, für Fans aber auf jeden Fall eine Leseempfehlung.

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249 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 135 Rezensionen

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Miss Gladys und ihr Astronaut

David M. Barnett , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 28.05.2018
ISBN 9783548289540
Genre: Romane

Rezension:

Der Autor David M. Barnett hat in seinem Heimatland England schon einige Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht, mit „Miss Gladys und ihr Astronaut“ erscheint im Ullstein-Verlag erstmals eines seiner Bücher in deutscher Sprache und hat mich auf Anhieb begeistert.

Die Geschichte ist ebenso skurril wie herzerwärmend, sie ist einerseits nicht ganz ernst zu nehmen und überspitzt dar gestellt, dennoch sind mir die Charaktere und ihre Schicksale beim Lesen schnell ans Herz gewachsen.

Da ist zum einen der Chemieingenieur Thomas Major, der durch einen schicksalhaften Zufall zu seinem Traumjob kommt; er darf als Astronaut allein in einer Raumkapsel zum Mars fliegen und damit den Menschen auf der Erde entkommen, zu denen er im Laufe seines Lebens nie eine wirklich enge Bindung aufzubauen in der Lage war. Doch auch im All findet er nicht die angestrebte Ruhe, denn mit seinem vermeintlichen Anruf bei seiner Exfrau, landet er bei Gladys Ormerod, ein weiterer schicksalhafter Zufall, der nicht nur sein Leben maßgeblich beeinflusst. 

Gladys ist 70 Jahre alt und zur Zeit Erziehungsberechtigte für ihre Enkel James und Ellie, deren Vater gerade eine Gefängnisstrafe ableisten muss. Aufgrund von Gladys zunehmender Demenz ist es aber an der 15-jährigen Ellie, neben der Schule mit ihren 3 Jobs für den Unterhalt der kleinen Familie zu sorgen und Gladys davon abzuhalten, in ihrer Verwirrung Unheil anzustiften. Während ihr jüngerer Bruder James unter dem Mobbing seiner Mitschüler zu leiden hat, lebt Ellie zusätzlich in der ständigen Sorge, die Behörden könnten auf ihre Situation aufmerksam werden und die Familie auseinander reißen. Wie kann da eine Anruf aus dem All eine Wendung bringen? Das sollte man selbst heraus finden, wenn man bereit ist, sich auf diese originelle Geschichte einzulassen. 

In einigen Motiven und Ansätzen hat mich die Geschichte an „Ein Mann namens Ove“ erinnert, anderes ließ mich an „Weit weg und ganz nah“ von Jojo Moyes denken. Als roter Faden zieht sich der Bezug zu Dawid Bowie und seinem Song „Space Oddity“ durch das Buch, was im Original-Titel „Calling Major Tom“ noch deutlicher wird. Auch bei der Idee zu der Performance dieses Titels hat sich der Autor anderweitig inspirieren lassen (unter den Stichworten „astronaut space oddity“ wird man dazu schnell fündig), die Geschichte ist aber so liebenswert erzählt, dass ich ihm das nicht wirklich übel nehmen kann.

Neben einer gehörigen Prise britischem Humor steckt viel soziale Kritik in dieser Geschichte. Es ist ein Buch darüber, allein zu sein oder sich allein gelassen zu fühlen, aber auch darüber gemeinsam zu kämpfen und seine Stärken zu entdecken. Ich werde mir den Autor merken und freue mich auf weitere Werke dieser Art.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Als die Tage nach Zimt schmeckten: Roman

Donia Bijan
E-Buch Text: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 06.07.2018
ISBN 9783843717960
Genre: Romane

Rezension:

Noor ist 17 Jahre alt, als ihr Vater sie im Jahr 1984 gemeinsam mit ihrem älteren Bruder vom Iran in die USA schickt, um sie vor den unsicheren Zeiten nach der Revolution in ihrem Heimatland zu bewahren. Als 30 Jahre später Noors Leben durch das Scheitern ihrer Ehe ein Riß erhält, kommt der Brief ihres Vaters mit der Bitte, sie in Teheran zu besuchen, gerade recht. In den Sommerferien packt sie eine Tasche und reist mit ihrer 15-jährigen Tochter Lily in ihre alte Heimat. Ihre Großelter väterlicherseits sind viele Jahre zuvor von Russland in den Iran ausgewandert, haben dort das Café Leila eröffnet und sich in das Land und die Kultur verliebt. Noors Vater Zod führt immer noch dieses Café, das zwischenzeitlich um ein Hotel erweitert wurde, gemeinsam mit langjährigen Angestellten, die fest mit dem Café und der Familie verbunden sind. 

Der Roman schlägt einen Bogen zwischen dem weltoffenen Persien damals und der teils rauen und gewalttätigen Wirklichkeit heute. Insbesondere für Lily ist es nicht immer leicht, die ihr fremde Kultur zu verstehen und zu akzeptieren. Aber auch ihre anfängliche Ablehnung wird durch de Zauber des Cafés und der dort lebenden Menschen nach einer Weile gebrochen. Das Café bildet eine Art Oase in der manchmal harten Wirklichkeit Teherans heute. In Rückblenden erhält der Leser einen Einblick in die nicht immer einfache Familiengeschichte der Familie Yadegar, der gegenseitige Liebe und Vertrauen insbesondere bei der Bewältigung schwieriger Zeiten eine Stütze war.

Donia Bijan schafft mit ihrer bildhaften und oft poetischen Sprache ein lebendiges Bild vom Leben in diesem für mich fremdartigen Land. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, die Gerüche aus der Küche des Cafés in der Nase spüren zu können, das fröliche Lachen der Menschen im Café klang in meinen Ohren, ich habe Tränen der Freude, der Trauer und des Entsetzens geweint und selten ein Buch erlebt, dass mich derart berührt. Donia Bijan zeigt die widersprüchlichen Seiten dieser faszinierenden Stadt, Noor ist das Bindeglied zwischen der westliche Welt und den Besonderheiten der persischen Kultur. 

Donia Bijans Debütroman, der im Juli 2018 im Ullstein-Verlag erschienen ist, hat mich auf 384 begeistert und ist für mich persönlich eine der Buchhighlights des Jahres.

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104 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

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Hyde

Antje Wagner
Fester Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 10.07.2018
ISBN 9783407754356
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Antje Wagners neuer Roman „Hyde“ aus dem Beltz-Verlag, ist ein sprachlich beeindruckendes Jugendbuch, das mich inhaltlich leider nicht ganz überzeugen konnte.

Katrina ist 18 Jahre alt und als Tischlergesellin auf der Walz unterwegs. Das ist zumindest die offizielle Version, denn eigentlich finanziert sie mit ihren Jobs ihren persönlichen Rachefeldzug und befindet sich nebenbei auf der Suche nach sich selbst und ihrer wahren Identität. Katrina hat einige schicksalhafte Erlebnisse hinter sich, dazu gehören einige Jahre gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Schwester in einem versteckten Haus im Wald namens Hyde und ein paar Jahre, die sie als Gefangenschaft erlebt hat. Nach einem Unglücksfall ist Katrina im Gesicht entstellt und sie musste erfahren, dass die Wirklichkeit, die sie erlebt hat, vielleicht eine Lüge war. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit landet Katrina an einem anderen einsam gelegenen Haus im Wald, das nicht nur in den letzten Jahren stark vernachlässigt wurde und heruntergekommen ist, sondern einige Geheimnisse verbirgt.

Das Buch ist spannend erzählt, Wechsel in den Zeitebenen halten den Spannungsbogen hoch. Während der Leser Katrinas Weg in der Gegenwart folgt, werden in Form von Rückblenden und Erinnerungen immer mehr Details aus ihrer Vergangenheit aufgedeckt.

Das Buch lässt mich zwiegespalten zurück. Einerseits hat mich die detailreiche Sprache und die Nähe zu den Figuren begeistert, andererseits erscheint die Geschichte an einigen Stellen sehr unreflektiert und nicht schlüssig. Katrina fasst beispielsweise zu der Wahrsagerin Josefine Vertrauen, obwohl diese ihr einen sehr ungastlichen Ort als Arbeitsstelle empfiehlt und sie dort absetzt. Eben noch schwer krank mit Fieber kann sie am nächsten Tag eine 12-Stunden-Schicht leisten.

Zum Ende hin bekommt das Buch einen etwas zu fantastischen Einschlag. Das muss man mögen, mein Fall ist es nicht, in meinen Augen nimmt es dem Buch seinen Zauber, auch wenn die Symbolik in Bezug auf das Haus einen reizvollen Ansatz besitzt. Der Schluss kommt sehr schnell und lässt einige Fragen offen, die kitschig anmutende Wendung passt nicht zu dem Bild, das ich zuvor von Katrinas Charakter gewonnen habe.

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148 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 57 Rezensionen

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AMNESIA - Ich muss mich erinnern

Jutta Maria Herrmann
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2017
ISBN 9783426519974
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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62 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 40 Rezensionen

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Pheromon - Sie sehen dich

Rainer Wekwerth , Thariot , Frauke Schneider
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 17.07.2018
ISBN 9783522505543
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Pheromon -Sie sehen dich" ist meiner Meinung nach eine gelungene Fortsetzung beziehungsweise Weiterführung des ersten Bandes. Die Reihe ist konzipiert als Science-Fiction-Geschichte für Jugendliche ab 14 Jahren, bietet aber auch Erwachsenen spannende Unterhaltung. Wie schon im ersten Teil wechseln sich zwei Handlungsstränge ab, einer aus der Gegenwart, der andere aus der Zukunft. Im Jahr 2018 setzt die Geschichte unmittelbar dort an, wo der erste Teil endet, kurz nach dem Anschlag auf die New Yorker HFP-Zentrale. Jakes Begegnung mit Lee und Skagen enthält ein paar wichtige Details aus der Vorgeschichte, auch wenn die Lektüre bei mir schon eine Weile her ist, waren die Ereignisse schnell wieder präsent. Während seine Freundin Amy unerkannt bleibt und nach Hause zurück kehren kann, wo sie zunächst in Sicherheit ist, gerät Jake auf die Fahndungsliste des FBI. Auf seiner Flucht trifft Jake neben Skagen auf weitere der von Lee geretteten Hunter-Kinder, die ähnlich wie er besondere, wenn auch andere, Fähigkeiten besitzen. Im zweiten Handlungsstrang im Jahr 2118 steht diesmal die Juristin Giovanella Muscat im Mittelpunkt, die von einem Mandanten auf die Spur von Jake Merdon angesetzt wird und damit ebenfalls ins Visier des FBI gerät. Durch Giovannas Recherchen erhält der Leser Einblicke in die Zusammenhänge der Zeitschienen und die Gefahren des drohenden Krieges. Beide Handlungsstränge werden dabei geschickt miteinander verknüpft, Personen und Ereignisse aus dem ersten Band erschließen sich aus einem anderen Blickwinkel. Das Buch ist durchgehend spannend, auch wenn es insgesamt wie eine Zwischensequenz wirkt, Höhepunkt und Auflösung der Geschichte folgen augenscheinlich im Abschluss der Trilogie. Die Idee hinter der Geschichte ist interessant, das Thema Zeitreise bedingt, dass nicht alle Ereignisse logisch erklärbar sind. Insbesondere bei der Figur von Carl bin ich gespannt, ob es eine schlüssige Auflösung geben kann. Mir hat auch in diesem zweiten Band die Mischung aus actionreichen Szenen und humorvollen Details sehr gut gefallen, ich freue mich schon auf die Fortsetzung und vermutlichen Höhepunkt des Abenteuers im dritten Teil. Den Preis von 17,- Euro für einen Band von nur 384 Seiten empfinde ich allerdings als unangemessen hoch.

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(132)

186 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 115 Rezensionen

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Der Alphabetmörder

Lars-Erik Schütz
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.06.2018
ISBN 9783548289304
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Lars Schützs Debüt, das im Juni im Ullstein-Verlag erschienen ist, erzählt auf 384 Seiten eine spannende und temporeiche Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat.

Im Westerwald wird in einem Gehege eines Wildparks eine grausam zugerichtete Leiche aufgefunden, ein laienhaft eintätowiertes „A“ lässt die Ermittler gleich auf eine gezielte Tat schließen. Nahezu zeitgleich wird wenig entfernt eine weiter Leiche aufgefunden, auch diese mit einer Tätowierung gezeichnet. Diesmal ist es der Buchstabe „B“, offensichtlich treibt hier ein Serienmörder ein perfides Spiel. Jan Grall und Rabea Wyler, Profiler des LKA in Frankfurt, werden zur Unterstützung der schnell eingerufenen SOKO  „Alphabetmörder“ hinzugezogen. Für Jan Grall ist es die Rückkehr in die Heimat seiner Jugend, die er einige Jahre zuvor nach einschneidenden Ereignissen fluchtartig verlassen hat, neben der Lösung des Falls hat er mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen. Die Zeit drängt, denn es wird nicht nur eine weitere Leiche mit dem Buchstaben „C“ gefunden, sondern vor Jan Gralls Hotelzimmer wird der Buchstabe „Z“ als drohende Botschaft auf die Wand gemalt.

Der Thriller dreht sich um eine Serie von sehr brutalen Morden, die Schilderungen der Taten sind jedoch moderat gehalten, verzichten auf blutrünstige Details und lassen viel Raum für Kopfkino, was mir positiv aufgefallen ist, da ich seitenweise brutale Schilderungen von Gewalt als abstoßend und unangemessen empfinde. Es gibt wechselnde Spuren, verschiedene Personen verhalten sich verdächtig, heiße Spuren erweisen sich als Finte. Der Leser rätselt mit, die Charakterisierung der Hauptfiguren habe ich als gelungen und nachvollziehbar empfunden, der zunehmende Druck und die zeitweise Frustration wirken fast greifbar. Die psychopathische Figur des Täters kommt allerdings in meinen Augen etwas kurz, seine Beweggründe werden fast ausschließlich von Außen analysiert, Nähe zu den Taten entsteht nur durch Szenen, in denen ein gefangenes Opfer sein Martyrium beschreibt. Die Motivation zu den Taten in diesem Ausmaß habe ich als nicht wirklich plausibel empfunden, die Geschichte ansich ist aber komplex und spannend erzählt. Jan Grall als zentrale Figur ist ein interessanter Charakter, über den man in diesem Band einiges erfährt, er dürfte aber auch in Folgebänden für die eine oder ander Überraschung gut sein. Ich werde den Autor und diese Thrillerreihe im Auge behalten.

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41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

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Manchmal hilft nur fauler Zauber

Nicola Lux
Buch: 260 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 02.03.2018
ISBN 9783956691003
Genre: Romane

Rezension:

Nicola Lux Roman „Manchmal hilft nur fauler Zauber“ aus dem Bookspot Verlag ist schwer einzusortieren. Er bildet eine eigentümliche Mischung ab aus schwarzer Komödie und einer Lobes-bis Werbehymne auf die Nordseeinsel Amrum.

Die zumindest anfangs makabre Geschichte ist in einem lockern Plauderton aus der Sicht der Hauptfigur Anna erzählt. Ihr frisch angetrauter Ehemann Hartmut zeigt bereits auf der Hochzeitsfeier sein wahres Gesicht. Seine charmanteren Schmeicheleien waren reine Berechnung, er hat Anna lediglich geheiratet, weil sie ihm bei seinen politischen Ambitionen nützlich sein kann, ansonsten betrügt er sie offen mit seiner Sekretärin Vanessa. Als Anna sich scheiden lassen will, droht er ihr und ihrer Familie Gewalt an. Hoffnung auf Rettung bietet die unerwartete Erbschaft eines Hauses auf Amrum. Zwar hat in diesem Haus eine Frau lebenslanges Wohnrecht, doch mit dieser freundet Anna sich schnell an und findet in ihr eine Verbündete, um Hartmut aus dem Weg zu räumen.

Es spielen noch weitere Mordfälle eine Rolle, allerdings werden diese eher wie Randnotizen abgehandelt. Einen weit aus größeren und im Verlauf des Buches wachsenden Raum nehmen Anekdoten und Beschreibungen rund um Amrum sowie die angrenzenden Inseln Föhr und Sylt ein. Es werden die Vorzüge der Insel aufgeführt sowie ein ausführlicher Einblick in die kulinarischen Spezialitäten der Region gegeben. Das habe ich auf Dauer als nervend empfunden.

Es gibt durchaus ein paar Stellen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, ein paar der Zitate, mit denen die Kapitelanfänge ausgeschmückt werden, sind durchaus interessant, insgesamt fehlt es dem Buch aber sowohl an Witz als auch an Spannung. Die eingebauten Scherze wirken zu bemüht, die Charaktere sind sehr flach angelegt, Anna ist mir mit ihrer naiven und zugleich egozentrischen Art unsympathisch geblieben, ebenso wie ihre Mitbewohnerin Vida erscheint sie zu oberflächlich.

Auf den letzten 17 der 282 Seiten werten ein paar Rezepte von im Buch erwähnten Gerichten das Buch auf, insgesamt war es für mich eher eine Enttäuschung.  

Die sehr fehlerhafte Formatierung der kindle-Version hat mir das Lesevergnügen zusätzlich verhagelt. Umbrüche mitten in den Zeilen, fehlende Leerzeichen nach Satzzeichen und zwischen den Worten erschweren das Lesen zum Teil massiv, das muss dringend nachgebessert werden.

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53 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

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Power Women - Geniale Ideen mutiger Frauen

Andreas Jäger
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei arsEdition, 18.06.2018
ISBN 9783845828626
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dieses Buch erzählt in wundervoll illustrierter Form die Geschichten von 25 Frauen, die mit ihrem Handeln einen wichtigen Einfluss darauf hatten, dass unsere Welt so geworden ist, wie wir sie kennen. Diese Frauen haben auf ganz unterschiedliche Weise gewirkt, „eines haben alle diese Frauen gemeinsam: Sie sind oder waren Feministinnen — das heißt, sie sind der Überzeugung, dass Männer und Frauen ebenbürtig sind. (Was sie selbstverständlich sind.) Und sie haben sich geweigert, Männern den Lauf der Geschichte zu überlassen.“ Dieses Zitat aus dem Vorwort spiegelt gut die Kernaussage des Buches wieder, es will heutigen jungen Mädchen Mut machen, die eigenen Stärken zu entwickeln und selbstbewusst ihren eigenen Weg zu gehen.

Jeder der ausgewählten 25 Frauen, die in unterschiedlichen Epochen der Geschichte bis zur Gegenwart gelebt haben, sind dabei 4 Seiten gewidmet. In Kurzform werden Informationen zur Biografie der jeweiligen Person gegeben sowie zu ihren bemerkenswerten Taten oder Eigenschaften. Neben einer großformatigen Illustration der Figur wird jeweils noch ein passendes 

Zitat angegeben und ein schöner Bezug zu den Leser/innen geschlossen. Zu aktuellen Fragen oder Problemen, die junge Mädchen von heute beschäftigen wird eine Frage gestellt und darüber spekuliert, wie die jeweilige berühmte Persönlichkeit in diesem Fall gehnadelt hätte.

Das Buch enthält eine schöne Mischung von bekannten und weniger Bekannten Frauen, die großes geleistet haben, dabei wird ein Bogen gespannt von der Antike mit Kleopatra bis zu Malala heute.

Einige Frauen haben besonders mutig gehandelt, sich für ein Anliegen eingesetzt, andere haben in der Wissenschaft großes geleistet, was gerade für Frauen in der Vergangenheit kein einfaches Feld war. Bei diesen 25 Frauen ist bestimmt eine dabei, mit der sich ein junges Mädchen von heute identifizieren und sich zum Vorbild wählen kann. Die Informationen sind jeweils knapp gehalten und vereinfacht aber für die Zielgruppe verständlich formuliert. Sie bieten aber vielleicht den Anreiz, sich mit der einen oder anderen Persönlichkeit in weiterführender Literatur näher zu beschäftigen. 

Am Ende runden ein Persönlichkeitstest, in dem die Leser/innen ihre Stärken ermitteln können, und eine Zeitleiste das Buch ab. Mir hat das Buch mit seiner abgerundeten Mischung gut gefallen, es bietet einen leicht verständlichen Einstieg in Geschichtsthemen und kann junge Mädchen von heute darin bestärken, selbstbewusst ihren Lebensweg zu suchen.

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The Stranger - Wer bist du wirklich?

Saskia Sarginson
E-Buch Text: 325 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 01.06.2018
ISBN 9783732547173
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei Saskia Sarginsons neuem Buch „The Stranger - Wer bist du wirklich?“ habe ich aufgrund der Veröffentlichung im Verlag beTHRILLED by Bastei und der Beschreibung einen spannenden Thriller erwartet, es handelt sich jedoch in erster Linie um ein emotionales Beziehungsdrama mit einigen rätselhaften Ereignissen, selbst für die Einstufung als romantischer Thriller fehlt es meiner Meinung nach an Tiefe und Spannungsmomenten. 

Angesiedelt ist die Geschichte in einem kleinen, beschaulichen englischen Dorf, in dem allerdings die Idylle trügt und einiges nicht so ist wie es scheint.

Gleich zu Beginn gibt es eine dramatische Szene, als Eleanor Zeugin wird, wie ihr Ehemann William bei einem Autounfall ums Leben kommt. Eleanor ist verunsichert, denn es passt so gar nicht zu Williams Charakter, dass er derart über die Landstrasse rast und dabei auch noch große Mengen Alkohol im Blut hat. Hinweise, dass William sie betrogen haben könnte, erschüttern ihr Bild von ihrem Ehemann. Hatte er noch weiteres vor ihr verborgen? Aber auch Eleanor selbst trägt seit vielen Jahren ein Geheimnis mit sich herum. Trost findet sie in der Arbeit in ihrer Bäckerei und wenig später in dem kurz nach ihr verwitweten Gutsbesitzer David Mallory. Auch der Wanderarbeiter Luca, der sich um den Garten ihres Cottages kümmert, wird zu einem wichtigen Begleiter.

Zwar flicht die Autorin in die Geschichte einige Ungereimtheiten ein und sät Zweifel an der Integrität einiger Charaktere, das wirkt aber insgesamt zu bemüht, um Nervenkitzel zu erzeugen. Eleanor als Hauptfigur handelt zu gleichmütig, auf auf Anfeindungen ihr gegenüber, ihre Emotionen wirken nicht glaubhaft, es kommt keine Atmosphäre auf.

Erst auf den letzten gibt es ein paar dramatische Entwicklungen, die Auflösung kann jedoch nicht wirklich überraschen, dazu fehlt dem Buch die Raffinesse, es ist zu vorhersehbar, wer hier zu den Bösen und we zu den Guten gehört. Das Buch ist flüssig zu lesen für meinen Geschmack aber zu seicht gehalten.

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Der einsame Bote

Gard Sveen , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 08.06.2018
ISBN 9783471351505
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der einsame Bote“ von Gard Sveen ist der insgesamt dritte Band um den norwegischen Ermittler Tommy Bergmann und die direkte Fortsetzung des Krimis „Teufelskälte“. Er wird zwar von den Ullstein Buchverlagen beworben als geeignet für Fans und Neueinsteiger, in meinen Augen baut dieser aktuelle Band aber stark auf der Vorgeschichte auf. In „Teufelskälte“ hatte Tommy Bergmann mit grausamen Morden an jungen Mädchen zu tun,  deren Serie seit seinem Einstieg bei der Polizei beschäftigt. Am Ende ist der Fall nur scheinbar gelöst, denn es tauchen Hinweise auf, dass der Verdächtige Jon-Olav Farberg nicht wie gedacht ums Leben gekommen ist, sondern erneut ein junges Mädchen gekidnappt hat. Tommy Bergmann steht mit seinen Zweifeln jedoch allein da, seine Kollegen bei der Polizei und die Staatsanwaltschaft wenden sich von ihm ab, ihm droht eine Suspendierung, wenn er seine Ermittlungen nicht einstellt. Doch Tommy sieht eine Chance, dass die 13-jährige Amanda noch lebt, eine Spur zu einer Sekte, die in grausamen Ritualen junge Mädchen opfert, weckt in ihm die Hoffnung, den Fall doch noch lösen und weiter Morde verhindern zu können. Im Alleingang reist Tommy nach Litauen und gerät dort in einige brenzlige Situationen, er zieht lediglich seine Kollegin Susanne Bech ins Vertrauen, die aufgrund von Hinweise zu weiteren Morden zunehmend an Tommys Theorie glaubt. 

Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden ist dieser Krimi mit 304 Seiten eher kurz, dies macht sich auch in der Komplexität bemerkbar und trägt zu dem Eindruck bei, lediglich eine Fortsetzung zu sein. Als Fan der Reihe waren mir die Charaktere weitgehend bekannt, trotz kurzer Rückblenden auf die Vorgeschichte dürfte es Neueinsteigern aber schwer fallen, die Anspielungen und Nuancen der Persönlichkeiten zu verstehen. Im Verlauf der Geschichte gibt es jedoch auch hier einige falsche Fährten und unerwartete Entwicklungen ebenso wie einen actionreichen Showdown. Der Fall um die ermordeten Mädchen ist diesmal gelöst, es gibt jedoch auch diesmal einige los Fäden insbesondere um die Hauptfigur Tommy Bergmann, die auf einen weiteren Band hoffen lassen, der hoffentlich an die Qualität der Vorgänger anknüpfen kann. 

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Beim Morden bitte langsam vorgehen

Sara Paborn , Wibke Kuhn
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei DVA, 16.04.2018
ISBN 9783421048028
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Schweden ist die Autorin Sara Paborn schon seit ein paar Jahren bekannt, nun wird mit „Beim Morden bitte langsam vorgehen“ zum ersten Mal einer ihrer Romane im DVA-Verlag in deutscher Übersetzung veröffentlicht.

Seit 39 Jahren sind Irene und Horst verheiratet, als es Irene endgültig reicht. Sie ist es leid, von Horst wie Luft behandelt oder verhöhnt und mit ihren geliebten Büchern in den Keller verbannt zu werden. Doch mit einer banalen Scheidung soll er nicht davonkommen. „Warum sollte man einem solchen Menschen eine Scheidung gewähren? Das wäre doch wohl ein bisschen zu einfach, oder?“ Als Irene in einer alten Kiste von ihrer Mutter geerbte Bleigewichte entdeckt, reift in ihr eine Idee. Als Bibliothekarin hat sie Zugriff auf alte Chemiebücher, die ihr dabei helfen, sich von der stillen Ehefrau in eine Hobbychemikerin zu verwandeln, die ihrem Mann den morgendlichen Kaffee mit Hilfe von selbst hergestelltem Bleizucker süßt und ihm so langsam aber sicher seiner Lebenskräfte beraubt. 

In einem Notizbuch schreibt Irene sich die Ereignisse und ihre Gedanken von der Seele, durch die Ich-Perspektive entsteht für den Leser eine Nähe zur Hauptfigur, identifizieren konnte ich mich mit Irene jedoch nicht, dafür waren mir ihr Leben und ihre Einstellungen zu fremd.

Der Roman ist amüsant zu lesen, neben einigen Szenen zum Schmunzeln findet man anderseits viele Stellen, die zum Nachdenken anregen zum Beispiel darüber, wie viel man eigentlich von seinem Leben erwartet und was man braucht, um glücklich zu sein. Irenes Methode, sich ihres Mannes zu entledigen, ist ebenso makaber wie brutal. Überwiegt anfangs noch der schwarze Humor, gewinnt nach meinem Eindruck der Sarkasmus im Verlauf immer stärker die Oberhand. Irene wirkt oft sehr verbittert und desillusioniert, die Schwarzmalerei zum Thema Ehe habe ich als zu einseitig empfunden.

Gut gefallen hat mir Irenes schrittweise Metamorphose von der stillen und unterdrückten Hausfrau zu einer selbstbewussten Frau, die ihr Leben nach ihrem Gusto gestaltet.

Die 272 Seiten des Romans sind flüssig und amüsant zu lesen, bleibenden Eindruck haben aber weder die Geschichte noch die Autorin hinterlassen.

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