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52 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

mord, gericht, jugendliche, amoklauf, prozess

Im Traum kannst du nicht lügen

Malin Persson Giolito , Thorsten Alms
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 26.10.2017
ISBN 9783431039931
Genre: Krimi und Thriller

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

basteln, diy, ideen, non-fiction, geschenke

Weihnachten kommt immer so plötzlich!

Marielle Enders
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 29.09.2017
ISBN 9783845822068
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Weihnachten kommt immer so plötzlich“, das haben vermutlich viele schon einmal gedacht. Für alle, die dennoch nicht auf festliche Weihnachten und eine besinnliche Adventszeit verzichten wollen, bietet dieses Buch eine Art Leitfaden und Ideen, wie man mit wenigen Mitteln und etwas Kreativität die Tage vor dem Fest meistert und ohne großen finanziellen Aufwand weihnachtlichen Schmuck und kleine Geschenke selber machen kann.

Der Stil der Ideen ist jung und modern, das muss man mögen, die klassischen Strohsterne oder Keksrezepte wird man vergeblich suchen.

Das Buch startet mit einer Checkliste für die Weihnachtszeit mit Punkten, die wichtig sind oder sein könnten. Beim Durchgehen der Liste merkt man schnell, dass die Autorin diese Zeit mit Humor betrachtet, es geht nicht um Perfektion, sondern um pragmatische Lösungen.

Das Buch ist nicht nur zum Anschauen und lesen da, es können Listen ausfüllt werden zum Beispiel für Geschenkwünsche und Ideen, auf den letzten Seiten gibt es Bastelmaterial zum Heraustrennen und Ausschneiden.

Die Anregungen reichen von schnellen Alternativen für einen Adventskranz, Ideen für einen Adventskalender über Bastelanleitungen für Adventsschmuck und individuelle Verpackungen bis zu handgemachter Tischdeko und einer besinnlichen Geschichte zu Weihnachten.

Vieles von den benötigten Materialien bringt das Buch mit, hat man sowieso zuhause oder sind einfach zu beschaffen, das gefällt mit ausgesprochen gut.

Mir haben die Gestaltung und die Ideen gut gefallen, sie sind mit ein wenig Geschick schnell umgesetzt, beim Durchblättern habe ich gleich ein paar Seiten markiert, die mir besonders gut gefallen haben und die auch auf jeden Fall ausprobieren werde.

Für den Preis von 14,99 Euro könnte man sich auch schon einiges an Deko kaufen, für die begrenzte Zahl der Ideen im Verhältnis zum Preis gibt es einen Punkt Abzug.

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158 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

berlin, vietnam, prenzlauer berg, ddr, integration

Sungs Laden

Karin Kalisa
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 26.08.2016
ISBN 9783406681882
Genre: Romane

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(46)

115 Bibliotheken, 21 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

eishockey, schweden, kleinstadt, kleinstadtleben, mannschaft

Kleine Stadt der großen Träume

Fredrik Backman , Antje Rieck-Blankenburg
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 26.10.2017
ISBN 9783810530431
Genre: Romane

Rezension:

Fredrik Backman ist vermutlich vielen Lesern bekannt als der Autor von "Ein Mann namens Ove". Jetzt hat er einen neuen Roman geschrieben, der ebenfalls das Potential besitzt viele Herzen zu gewinnen; „Kleine Stadt der großen Träume" ist der erste Teil einer geplanten Serie um die fiktive nordschwedische Stadt „Björnstad" und ihre Bewohner.In dieser kleinen Stadt, die in einer unwirtlichen Gegend ums Überleben und gegen den wirtschaftlichen Abstieg kämpft, gibt es wenig Hoffnung auf Besserung der Lage, aber es gibt eine Eishockey-Juniorenmannschaft, die es bis ins Halbfinale der Landesmeisterschaften geschafft hat.

Die 17-jährigen Eishockeyspieler sind der Stolz der Stadt, der Club ist das Zentrum und die Zukunft des Ortes, er stellt ein Synonym dar für Loyalität und Gemeinschaft. Nach einem Sieg der Mannschaft hat ihre kleine Stadt Aussicht, der neue Standort der Eishockeyschule zu werden, die neue Talente und Sponsoren anlockt, vielleicht gibt es dann sogar eine neue Eishalle und ein Einkaufszentrum, das Arbeitsplätze schafft und die Abwanderung der Bewohner stoppt.

Doch in der Nacht nach dem Halbfinale geschieht etwas, dass nicht hätte passieren dürfen, und das in Björnstad alles verändert, die Gefüge verschiebt, einige Persönlichkeiten zerbricht und andere in sich wachsen lässt.

Was bedeutet ein Team für eine Stadt? Was bedeutet ein Sport für eine Familie? Was bedeutet ein einziges Spiel für eine Gesellschaft, die um ihr Überleben kämpft?

Einfach alles. Es bedeutet nur alles.

Im Mittelpunkt des Buchs stehen die Hockeyspieler Kevin, Benji und Amat, der Trainer David, der Sportdirektor Peter und seine Tochter Maya, sowie Peters Frau Mira, die zwischen ihrem Beruf als Anwältin und dem ruhigen Leben im Wald als Ehefrau und Mutter zerrissen wird.    Das Buch dreht sich nur bedingt um Hockey, der Sport bildet den Aufhänger um zu zeigen, was passieren kann, wenn Geld und Macht wichtiger sind als Gerechtigkeit. Es ist eine Geschichte über Familien, über Freundschaft und Loyalität, über weibliche Verletzlichkeit, männliches Rückgrat und Elternschaft. Es geht auch um Klasseunterschiede, um Ausgrenzung, darum, ein Kind zu sein, erwachsener zu werden, ein Erwachsener zu sein und alt zu werden. Über Trauer und Liebe und große Geheimnisse. In der Tat hat dieses Buch so viele verschiedene Facetten wie es Charaktere hat.

Dieses Buch berührt, der Autor versteht sich großartig darauf, die Gefühle und Beweggründe der Personen so treffend zu vermitteln, dass man sich beim Lesen in sie hineinversetzen kann. Das Buch ist schonungslos, zeigt Stärken und Schwächen auf, die Geschichte ist ebenso glaubhaft wie unfassbar, vermutlich hat mich als Mutter dreier Kinder im Teenageralter die Geschichte umso mehr mitten ins Herz getroffen und mich darüber grübeln lassen, wie ich mich wohl in der einen oder anderen Situation verhalten hätte.

Im Schwedischen wurde die Geschichte Björnstads bereits weitererzählt, ich werde auf jeden Fall verfolgen, was mit Benji, Amat, Maya und Ana in der Zukunft passiert.

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(63)

83 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 59 Rezensionen

mexiko, abenteuer, b. traven, hollywood, suche

Wer ist B. Traven?

Torsten Seifert
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Tropen, 14.10.2017
ISBN 9783608503470
Genre: Romane

Rezension:

Eine gute Frage, allerdings muss ich zugeben, dass ich darüber bisher nie nachgedacht habe. Der Name sagte mir nichts, der Titel eines seiner berühmtesten Werkes schon, zumindest kenne ich die Verfilmung von „Der Schatz der Sierra Madre“. Der Name des Autors ist ein Pseudonym, dessen Geheimnis nie gelüftet wurde? Das klingt nach einer interessanten Geschichte, die meiner Meinung nach in diesem Buch auf sehr spannende und authentische Art umgesetzt wurde.

Torsten Seifert lässt den jungen amerikanischen Journalisten Leon Borenstein auf die Suche gehen nach dem Geheimnis, das hinter dem Pseudonym B.Traven steckt. Zu dieser Zeit wird in Mexiko gerade von John Houston der Film zu „Der Schatz der Sierra Madre“ gedreht, als Berater ist ein Mitarbeiter B.Travens mit am Set, Leon möchte sich an die Fersen dieses Hal Croves heften. Aufhänger für Leons Reise an den Set ist ein Interview mit dem auch damals schon berühmten Humphrey Bogart, zu dessen Leben und Persönlichkeit es ganz nebenbei ein paar interessante Einblicke gibt.

Das Buch ist keine trockene Biographie sondern spinnt in einer ausgewogenen Mischung aus Fakten und Fiktion eine ganz eigene Geschichte. Erzählstil und Handlung erinnern an einen Film aus den 40er Jahren. Es entstehen lebendige Bilder der Zeit, die Faszination an der Persönlichkeit dieses Autors mit seinen vielschichtigen Fassetten hat auch mich während der Lektüre gepackt, so dass ich nebenbei im Internet nicht nur nach zusätzlich Material über B.Traven sondern auch nach Informationen über die Schauplätze seiner Wahlheimat Mexiko gesucht habe.

Der Roman greift verschiedene Theorien um die Identität Travens auf, die seine Hauptfigur Leon auf reisen nach Mexiko und Europa mit interessanten Persönlichkeiten zusammen bringen. So erfährt der Leser nach und nach mehr über die Werke und Aussagen des Autors aber auch über das Leben in Mexiko, das in dessen Hauptwerk eine große Rolle spielt. Leon erlebt auf seiner Reise einige Abenteuer, hier schweift der Roman für meine Begriffe manchmal etwas sehr ab, die detailreichen Schilderungen von Gewaltszenen waren mir zu viel und für den Verlauf der Geschichte so nicht notwendig. 

Insgesamt vermittelt das Buch aber den Eindruck, nach umfassenden Recherchen einen sehr ausgewogenen und lebendig erzählten Einblick zu geben in den Mythos um diesen beeindruckenden Autor, dessen persönliche Geschichte ähnlich interessant ist wie seine Werke selbst. 

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

lustig, hörbuch, zukunf, zukunftssatire, marc-uwe kling

QualityLand

Marc-Uwe Kling , Marc-Uwe Kling
Audio CD
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 22.09.2017
ISBN 9783957131010
Genre: Romane

Rezension:

In seinem neuen Werk „Qualitiyland“ gibt Marc-Uwe Kling dem Leser mit viel Liebe zum Detail einen Einblick darauf, wie sich unsere Welt in den nächsten Jahren weiter entwickeln könnte. 

Ein Fokus seiner satirischen Zukunftsvision liegt auf der Ausweitung der heute schon allgegenwärtigen Digitalisierung. In der Zukunft wird kaum noch etwas dem Zufall überlassen: Algorithmen optimieren das Leben der Menschen, steuern ihre Beziehungen, ihre Freunde, ihren Job; der Lieferservice TheShop schickt automatisch Bestellungen los, noch bevor der Kunde realisiert hat, dass er das Produkt überhaupt braucht; das Portal QualityPartner findet über die automatisch angelegten Profile der User auf Anhieb den richtigen Partner; individuelle Entscheidungen sind in dieser optimierten Welt der Superlative nicht mehr notwendig.

Dennoch sind nicht alle Menschen gleich oder gar gleichberechtigt, eine Einstufung nach Leveln begrenzt den Zugang zu einigen Leistungen und Fähigkeiten. Der Maschinenverschrotter Peter gehört zu einer der unteren Kategorien und fühlt sich zunehmend unwohl. Irgendetwas scheint in seinem Leben nicht zu stimmen, er fragt sich, ob an diesem System wirklich alles so perfekt ist. Auf seiner Suche begegnet er anderen Zweiflern und wagt schließlich den Weg in die Öffentlichkeit, unterstützt von ein paar defekten und ausgemusterten Maschinen, die oftmals menschlicher wirken als die Masse der Menschen selbst.

Ein großer Teil des Buches beschäftigt sich mit Erklärungen dazu, wie das Leben in Qualityland funktioniert, teils an beispielhaften Anekdoten, teils in theoretischen Exkursen. Die kleinen Spitzen und Anspielungen auf Ereignisse, Musik oder Filme aus unserer heutigen Zeit sorgen dafür, dass auch diese Passagen nicht langweilig werden. Mir hat der sarkastische Humor des Autors schon in den Känguru-Chroniken gut gefallen, auch hier steckt wieder viel zwischen den Zeilen, und eine große Stärke der Geschichte liegt darin, dass Vieles auf den ersten Blick zwar überspitzt und absurd wirkt, aber im Grunde gar nicht weit weg ist von den Entwicklungen unser aktuellen digitalen Welt. Marc-Uwe Kling versteht es seine Leser zum Lachen zu bringen aber in diesem Fall auch zum Nachdenken darüber, ob man in seinem Umgang mit dem Internet und der digitalen Datenwelt nicht ein wenig mehr Vorsicht und Umsicht an den Tag legen sollte.

Ich habe mir die Hörbuch angehört, dass vom Autor selber wieder einmal sehr pointiert vorgelesen wird. Dass ich morgens auf dem Weg zur Arbeit im Stau stehend mehrfach lauthals auflachen musste, ist für mich ein deutlicher Punkt für die Qualität des Buchs.

Es gibt zwei Versionen, einmal mit einem hellen Cover für Optimisten und mit einem dunklen für Apokalyptiker, die sich jedoch inhaltlich lediglich in den zwischen einigen Kapiteln eingefügten Werbungen und Kommentaren unterscheiden.

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262 Bibliotheken, 14 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

lize spit, belgien, roman, und es schmilzt, kindheit

Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Lize Spits Debüt „Und es schmilzt“ ist kein Roman für zartbesaitete Seelen. Wer in die ersten Seiten hineinliest erwartet vielleicht eine rätselhafte Geschichte über ein einschneidendes Ereignis in der Jugend der Erzählerin, im Verlauf wurden sowohl Inhalt und Sprache jedoch zunehmend direkter, beklemmender und schockierender.

Auf den ersten Seiten passiert nicht viel. Der Leser lernt die Erzählerin Eva kennen, die einer Einladung folgend mit dem Auto in das Dorf ihrer Kindheit zurückkehrt, im Gepäck einen großen Eisblock in einer Kühlbox.

In Rückblicken erinnert sie sich an ihre Kindheit, an ihre Freundschaft mit Pim und Laurens, die sich eigentlich mehr zufällig ergeben hat, weil in Bovenmeer im Jahr 1988 nur sie drei geboren wurden und als Beiklasse in der Grundschule zu einer eingeschworenen Gemeinschaft wurden. Wie bei den „Drei Musketieren“ lautet ihr Motto „einer für alle – alle für einen“.

Je näher Eva auf ihrer Reise dem Dorf kommt, umso konkreter werden die Erinnerungen. Es ist von Anfang an klar, dass sich im Jahr 2002 im Sommer etwas Folgenschweres ereignet haben muss, doch das bleibt lange im Unklaren. Wie der Eisblock nur langsam schmilzt, bricht auch Evas Schutzpanzer nur zögerlich auf, bis sie nach dem Besuch ihres Elternhauses umso schonungsloser das Geschehen in aller Wucht schildert.

Allerdings zeigen sich auch vorher im Verlauf der Geschichte schon Risse auf. Da sind Evas Eltern, die aufgrund von Alkoholproblemen mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind, Evas kleine Schwester Tesje, die zunehmend in ihren Zwangshandlungen gefangen ist, Eva selbst, die mit der ihr aufgebürdeten Verantwortung überfordert ist ebenso mit den Veränderungen, die die Pubertät mit sich bringt und die sich zunehmend in der Freundschaft zu Pim und Laurens unwohl fühlt. Lize Spit spricht diese Dinge nicht direkt aus, der Leser muss diese Entwicklungen aus Evas Anmerkungen herauslesen, muss sich auf ihre Gefühle einlassen, um die Geschichte zu verstehen. Umso tiefer wird man am Ende von der Wucht des tatsächlichen Geschehens getroffen.

Im der ersten Hälfte habe ich das Buch als eher langatmig empfunden, am Ende blieb ein schaler Nachgeschmack und es fällt mir schwer, die Bilder sinnloser und schonungsloser Brutalität aus dem Kopf zu bekommen, die Lize Spit mit ihren detaillierten Schilderungen dort hineingeplatzt hat.  Der Verlag beschreibt das Buch zurecht mit „Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt“

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

humor, depressionen, freundschaft, tragikomödie, roman

Mensch, Rüdiger!

Sven Stricker
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 18.08.2017
ISBN 9783499290787
Genre: Romane

Rezension:

„Mensch, Rüdiger“ ist für mich ein Lesehighlight des Jahres, Sven Stricker hat sich hier mit viel Feingefühl aber auch Witz dem sensiblen Thema Depressionen gewidmet.

Rüdiger ist Lehrer, Vater von zwei Kindern und ansonsten eher unscheinbar. Als selbst sein 40.Geburtstag von niemandem beachtet wird, reicht es ihm, mitten im Unterricht verlässt er die Schule - einfach so.

Tom hat vor einigen Jahren mit einem Buch einen Bestseller gelandet, Glück hat es ihm nicht gebracht, in seinem Leben ist im Gegenteil so einiges schief gegangen, aufgrund seiner Schreibblockade bestreitet er nun mit einem Job an der Supermarktkasse seinen Lebensunterhalt. Auch er hat eines Tages genug, und so sitzen Rüdiger und Tom plötzlich nebeneinander auf der Lembachtalbrücke, um ihrem Leben ein Ende zu bereiten. 

Sie kommen ins Gespräch und zu dem Schluss, sich noch 5 Tage Aufschub zu geben um herauszufinden, ob sie ihren Leben vielleicht doch noch einen Sinn geben können. Ein paar folgenschwere Erlebnisse und Ereignisse stürzen in diesen Tagen Rüdiger und Tom in ein Wechselbad der Gefühle. Sie treffen in diesen Situationen immer wieder auf Menschen, denen das Schicksal auf unterschiedliche Weise über mitgespielt hat, und die ganz unterschiedliche Wege gefunden haben, damit umzugehen. 

Eine Stärke des Buchs liegt für mich darin, dass es beides kann, witzig und ernst sein. Es gibt viele komische bis hin zu an Slapstick erinnernde Szenen und Dialoge voller Wortwitz, auf der anderen Seite aber auch tragische und nachdenklich stimmende Momente, ernste Dialoge über den Sinn und Ziele des Lebens, Szenen die zu Tränen rühren. Diese Gefühlsschwankungen passen zu der depressiven Grundstimmung der Hauptfiguren. Einiges ist sehr überspitzt dargestellt, aber gerade das lässt den Leser auf den realen Kern der Dinge schauen. Mit viel Liebe zum Detail schildert Sven Stricker die kleinen Widrigkeiten des Alltags, blickt seinen Figuren in die Seele, lässt sie mal stark sein, mal schwach.

Das Buch spiegelt glaubhaft die Facetten dieser Krankheit, dieses Gemütszustands wieder und gibt einen kleinen Anstoss, nicht aufzugeben sondern an dem möglicherweise dünn gewordenen Faden des Lebens festzuhalten und den Mut aufzubringen zu Veränderungen.

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

lizzy carbon, rlag, v, tagebuch, teenager

Lizzy Carbon und die Wunder der Liebe

Mario Fesler
Fester Einband
Erschienen bei Magellan, 13.07.2017
ISBN 9783734850264
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Lizzy Carbon und die Wunder der Liebe“ ist der 2.Teil aus der Buchreihe um die titelgebende Hauptfigur.

In diesem Band ist Lizzy fünfzehneinhalb Jahre alt und muss neben einigen teenagertypischen Problemen mit schwerwiegenderen Krisen fertig werden. In Lizzys Elternhaus hängt der Haussegen schief, ihre Eltern streiten nur noch lautstark miteinander, haben weder Zeit noch ein Ohr für die Sorgen ihrer Kinder. Lizzys beste Freundin Kristine ist mit ihren eigenen unglücklichen Liebesgeschichten beschäftigt und hat ebenfalls wenig Zeit für Lizzy. Gut, dass im Nachbarhaus gerade Nils eingezogen ist, ein junger Künstler, der für Lizzy und auch ihren Bruder Max zu einer Rat gebenden Anlaufstelle wird, insbesondere als ein neuer Mitschüler Lizzys Herz in Aufregung versetzt.

Doch dann verschwindet Lizzys Mutter auch noch zeitweise in einem Hotel, Max verhält sich immer seltsamer und Nils scheint ebenfalls abgetaucht zu sein.

Lizzy erzählt von diesen Ereignissen und ihren Gedanken aus der Ich-Perspektive, teilweise rückblickend in Form von Tagebucheinträgen, die durch eine andere Schriftart gut vom Rest der Erzählung abgegrenzt sind.

Mir hat Lizzys offene und manchmal sarkastische Erzählweise gut gefallen. Die Szenen wirken lebendig und die Figuren glaubhaft, mit ihrer oft naiv wirkenden Art kam mir Lizzy allerdings teilweise jünger vor als 15. Ich kenne den ersten Band nicht, so dass ich anfangs Schwierigkeiten hatte, mir ein Bild von Lizzy und ihrer Familie zu machen und die angedeutete Vorgeschichte einzusortieren.

Als Zielgruppe werden Leser im Alter von 12-15 Jahren angegeben, das finde ich bei den angesprochenen Themen etwas niedrig angesetzt. Meine 12-jährige Tochter hat sich mit dem Zugang zu der Geschichte schwergetan und hatte Gesprächsbedarf, da einige ernsthafte Themen sehr knapp und oberflächlich angerissen wurden. Der Umgang von Lizzys Eltern miteinander, ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Sorgen ihren Kinder, die Flucht in Alkohol und sogar Lügen sind starker Stoff, die meiner Meinung nach zu wenig kommentiert werden und an Lizzy kaum Spuren hinterlassen und somit eher verharmlost werden. Lizzys Darstellung ihrer Gefühle bei ihrer eigenen ersten Verliebtheit sind dagegen gut gelungen und nachvollziehbar. Aufgrund des oberflächlichen Umgangs mit wichtigen Themen ziehe ich in der Gesamtwertung zwei Punkte ab.

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91 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

flucht, familie, lissabon, hochstapler, kindheit

So, und jetzt kommst du

Arno Frank
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Tropen, 29.05.2017
ISBN 9783608503692
Genre: Romane

Rezension:

Nach der Lektüre dieses Romans mag man kaum glauben, dass der Autor tatsächlich seine Familiengeschichte aufgeschrieben hat, so unfassbar ist das, was er hier sein jugendliches Ich schildern lässt. In dieser wahren, erfundenen Geschichte bleibt offen, was   tatsächlich passiert und was dazu erfunden wurde, die schlichte und zum Teil distanziert wirkende Erzählung hat mich in jedem Fall beim Lesen durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt zwischen Mitleid, Entsetzen, Abscheu und Traurigkeit.

Es beginnt scheinbar harmlos mit der Schilderung des Lebens einer scheinbar ganz normalen Familie. Vater, Mutter drei Kinder und zwei Hunde, der Vater arbeitet in einem Autohaus und träumt davon, dass die Prophezeiung einer Wahrsagerin in Erfüllung geht, die ihm großen Reichtum vorhergesagt hat. 

„Es steht eben jeden Tag ein Dummer auf“, lautet das  Lebensmotto des Vaters. „Es gibt eben Dummköpfe. Man muss sie nur finden. Oder, besser noch, sich von den Dummköpfen finden lassen.“ Doch die kleinen Geschäfte des Vaters gehen nicht immer gut, die Kinder finden es spannend, sich ab und zu vor der Polizei zu verstecken und in neue Häuser zu ziehen, weil die Eltern es ihnen als Abenteuer verkaufen. Eines Tages, der Ich-Erzähler ist 13 Jahre alt, ist der Vater doch zum großen Geld gekommen, die Eltern feiern begeistert, brechen zuhause alle Zelte ab und reisen in einer Nacht-und Nebel-Aktion mit der Familie nach Frankreich an die Côte d’Azur. Auch der 13-jährige Sohn genießt die Freiheit und die Sonne des Südens und will die Risse nicht wahrhaben, die sich nach und nach aufzeigen, je mehr das ergaunerte Kapital zur Neige geht, sondern bewundert den Ideenreichtum des Vaters, der seine Mitmenschen mit seinem Charme um den Finder wickelt. Als dann Interpol auf ihre Spuren kommt, gehen die Flucht und der Absturz der Familie weiter.

Mit der Zuspitzung der Ereignisse ändert sich auch die Stimmung der Erzählung, der Leser leidet insbesondere mit den Kindern mit, die zunächst naiv wirken und dann erwachsener als ihre Eltern, die nicht nur vor der Polizei sondern auch vor der Realität auf der Flucht sind. 

Die Schilderungen sind teils schlicht, teils naiv und treffen dann mit ihren verstörenden Details mitten ins Herz, eine ebenso beeindruckende wie beklemmende Reise in die Vergangenheit.

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(24)

50 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

vergangenheit, mord, selbstmord, fluss, thriller

Into the Water - Traue keinem.

Paula Hawkins , Christoph Göhler , Britta Steffenhagen , Simon Jäger
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 24.05.2017
ISBN 9783837137507
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit „Into the water“ hat Paula Hawkins meiner Meinung nach erneut einen spannenden und faszinierenden Roman verfasst. Auch wenn es hier um einen, oder auch mehrere Todesfälle geht, sehe ich in diesem Buch keinen Krimi sondern eher eine feinsinnige Gesellschaftsstudie über die Rolle der Frauen heute und in früheren Zeiten, aber auch über  Freundschaft, Loyalität und Vertrauen.

Angesiedelt ist die Geschichte in der englischen Stadt Bedford, in der ein Großteil des Lebens sich rund um den Fluss abzuspielen scheint, der diesen Ort umrahmt. Dieser Fluss hat schon vielen Menschen das Leben gekostet, in früheren Zeiten unter anderem als Schauplatz für Hexenproben, aber auch als Ziel einiger Selbstmörder. Zuletzt ist im sogenannten „Drowning Pool“ Nel Abbott tot gefunden wurden, die seit ihrer Jugend von dem Fluss fasziniert war und an einem Buch über die Geschichten der Menschen gearbeitet hat, die in ihm ihr Leben lassen mussten.

Während Nels 15-jährige Tochter Lena von einem Selbstmord ihrer Mutter überzeugt ist, glaubt Nels Schwester Julia, dass diese auf gar keinen Fall gesprungen sein kann. Aber wie gut kennt Julia ihre Schwester noch nach all diesen Jahren? Seit einigen Vorfällen in ihrer Jugend lehnt Julia den Kontakt zu Nel ab und hat deren Nachrichten, in denen sie um Hilfe angefleht wird, ignoriert. 

Der Roman spielt geschickt damit, dass Wahrheiten und Erinnerungen sich im Laufe der Zeit verändern können. Was ist wirklich passiert? Was glauben wir, dass passiert sein könnte? Was haben andere uns erzählt, dass unsere Erinnerung beeinflusst?

In wechselnden Perspektiven erzählen unterschiedliche Protagonisten aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit ihre Sichtweise der Ereignisse. Dabei geht es nicht nur um Nels Tod, sondern auch um frühere Todesfälle und ihre Beziehung dazu. Nel hat mit ihren Nachforschungen über die Historie des Drowning Pools einige alte Wunden aufgerissen und sich mit ihren Spekulationen im Ort nicht beliebt gemacht.   

Im Hörbuch lassen drei verschiedene Sprecher die Figuren lebendig werden, jeder muss mehreren Personen seine Stimme leihen, was alle drei über Nuancierungen der Erzählweise wunderbar zu verdeutlichen wissen. Außerdem wird über die Kapitelüberschriften jeweils klar, wer gerade aus welcher Zeit erzählt, so dass man beim Hören nicht den Überblick verliert.

Die Schilderungen der unterschiedlichen Charaktere passen nicht immer zusammen, viele Andeutungen säen beim Lesen beziehungsweise Hören Zweifel an der Darstellung einiger Ereignisse und lassen über die tatsächlichen Abläufe und Hintergründe spekulieren. Einiges war vorhersehbar, andere Wendungen kamen überraschend, insgesamt hat mir das Hörbuch einige unterhaltsame Stunden beschert.

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(90)

110 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 84 Rezensionen

spanischer bürgerkrieg, spanien, spionage, bürgerkrieg, franco

Der Preis, den man zahlt

Arturo Pérez-Reverte , Petra Zickmann
Fester Einband: 295 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.09.2017
ISBN 9783458177197
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Der Preis, den man  zahlt“ ist keine einfache Kost. Er spielt zu Beginn des spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) und behandelt damit ein geschichtliches Thema, das mir wenig vertraut ist, und in das ich mich etwas hineinlesen musste, um die Charaktere und politischen Gruppierungen innerhalb der Geschichte einsortieren zu können.

Hauptfigur des Romans ist der charismatische Spion und Lebenskünstler Falcó Lorenzo, der die verworrene politische Situation zu seinen Gunsten nutzt und dabei gegebenenfalls auch skrupellos über Leichen geht. Er erhält zu Beginn der Geschichte einen brisanten Auftrag, der ihn im Süden Spaniens in die sogenannte „rote Zone“ führt, in der die Kommunisten das Sagen haben. Dort soll er eine Operation leiten, während der ein hochrangiger Politiker aus dem Gefängnis in Alicante befreit und vor der Exekution bewahrt werden soll, um die Partei der Nationalisten zu stärken. Vor Ort wird Falcó von drei jungen Aktivisten unterstützt, unter anderem von Eva Rengel, deren entschlossene Art Falcó fasziniert. Er ist es gewohnt, sich bei seinen Einsätzen auf seine Instinkte und Menschenkenntnis zu verlassen, doch diesmal gerät er in ein gefährliches Spiel, in dem bald nichts mehr ist wie es scheint.

Falcó ist eine charismatische aber auch zwiespältige Hauptfigur. Er nutzt seine smarte Erscheinung und gute Ausbildung nicht nur für seine Geschäfte aus, sondern auch für zahlreiche Affären, bei denen sein Charme ihm meist spielend zu erfolgreichen Eroberungen verhilft. Seine Unabhängigkeit und seine scharfe Beobachtungsgabe haben ihm in seiner geschäftlichen Laufbahn neben seiner Skrupellosigkeit zu einigem Ruf verholfen, eine Portion Glück und die schützende Hand seines Chefs, dem „Admiral“ haben ihn bislang mit einer heilen Haut davonkommen lassen. In dieser Geschichte geht es aber um mehr, die politischen Entwicklungen sind brisant und führen geschürt durch den Bürgerkrieg dazu, dass auf beiden Seiten unklar ist, wer noch wem vertrauen kann. Den Einstieg in die Geschichte habe ich als schwierig empfunden, die vielen Personen und politischen Gruppierungen als verwirrend, es hat gut bis zur Hälfte gedauert, bis die Spannung zunahm und mich die Geschichte fesseln konnte. Sprachlich ist das Buch überzeugend und sehr pointiert, insbesondere wer sich für die spanische Geschichte interessiert, dem kann ich dieses Buch empfehlen.

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(164)

306 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 115 Rezensionen

thriller, fbi, spectrum, ethan cross, geiselnahme

Spectrum

Ethan Cross , Rainer Schumacher
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 21.07.2017
ISBN 9783404175550
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Spectrum“ ist der erste Thriller, den ich von Ethan Cross gelesen habe, sein Schreibstil hat mich schon nach wenigen Kapiteln begeistert und in den Bann gezogen.

Mit diesem Titel startet Ethan Cross eine neue Thrillerreihe um den FBI-Agenten Sam Carter, den Polizisten Nic Juliano und den externen Berater August Burke.

Das erste Kapitel spielt in Südafrika, der überwiegende Teil der Handlung findet jedoch in Amerika statt. Zu Beginn habe ich die Sprünge zwischen den Handlungsorten als verwirrend empfunden, nach und nach wurde die Verbindung jedoch deutlich. Der aus Südafrika stammende Söldner mit dem Pseudonym „Krüger“ wird für einen Auftrag in Amerika angeheuert, wo er gemeinsam mit Komplizen in Las Vegas eine Filiale von Go-Box überfällt und dort Kunden und Mitarbeiter als Geiseln festhält. Krüger geht mit außerordentlicher Brutalität vor und stellt die ermittelnden Beamten vor einige Herausforderungen. Bei dieser Geiselname, die nur den Beginn einer Reihe dramatischer Eriegnisse darstellt, kommt es zur Zusammenarbeit zwischen Nic Juliano vom örtlichen SWAT-Team sowie Carter und Burke als Vertreter des FBI. Sowohl Nic als auch Burke sind außergewöhnliche Charaktere: Nic stammt aus einer italienischen Mafia-Dynastie und hat in seiner Jugend aus nächster Nähe Erfahrungen mit der Skrupellosigkeit von Verbrechern gemacht. August Burke hat aufgrund seines Asperger-Syndroms Probleme im Umgang mit seinen Mitmenschen, sein außergewöhnliches analytisches Denkvermögen lässt ihn jedoch in rasantem Tempo Zusammenhänge erkennen, die anderen verborgen bleiben. Burke sorgt mit seinen verblüffenden Reaktionen und seinen unerwarteten Handlungen immer wieder für Überraschungen und wirkt ebenso sympathisch wie Nic und Agent Carter.

Die Brutalität in manchen Szenen und die Skrupellosigkeit einiger Charaktere sind in meinen Augen etwas überzogen und machen diese unglaubwürdig. Dafür ziehe ich in der Gesamtnote einen Punkt ab, ansonsten haben mich der durchweg spannende Handlungsaufbau und die lebendige Erzählweise, die immer mal wieder mit einer erfrischenden Prise Humor und intelligentem Wortwitz durchsetzt ist, so überzeugt, dass ich bei einer Fortsetzung der Reihe auf jeden Fall wieder zugreifen würde.

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(32)

38 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 31 Rezensionen

norwegen, telemark, krimi, mord, thriller

Kein guter Ort

Bernhard Stäber
E-Buch Text: 378 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 15.08.2017
ISBN 9783732542352
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Kein guter Ort“ ist bereits Bernhard Stäbers drittes Buch über den Psychologen Arne Eriksen und die Polizistin Kari Bergland, erreicht jedoch meiner Meinung nach nicht ganz die Spannungsdichte und Atmosphäre des ersten Teils.

Arne Eriksen ist inzwischen in die Region Telemark gezogen, wo er eine Anstellung in einer psychiatrischen Klinik gefunden hat und unter anderem Suchtpatienten betreut. Zu der Bergener Polizistin Kari Bergland hat er nur noch wenig Kontakt, doch kurz nachdem er mal wieder an sie gedacht hat, kommt es zu einem unerwarteten Wiedersehen. Kari ist bei einer Festnahme auf Janne, die Tochter ihres Vorgesetzten gestoßen, die ein offensichtliches Drogenproblem hat. Mit Karis Vermittlung lässt sich Janne darauf ein, bei Arne eine Therapie zu beginnen. Dort wird Janne aufmerksam auf ein verlassenes Hotel in der sogenannten Rabenschlucht, in dem es nach einigen Todesfällen spuken soll, und dessen Geschichte um den ungeklärten Mordfall an einem jungen Mädchen sie so sehr in den Bann zieht, dass sie sich bei riskanten Alleingängen in Gefahr bringt.

Der Mordfall in der Rabenschlucht ist eher der Aufhänger der Geschichte, als das er im Mittelpunkt stünde. Es dreht sich viel um die Beziehungen der Hauptpersonen zu einander sowie um die persönliche Geschichte Arnes aber auch Jannes. Im ersten Band hat mir insbesondere die Mischung aus Psychothriller und mythischen Elementen gefallen, gerade letztere habe ich diesmal als zu konstruiert empfunden, während sie sich im ersten Band eher aus der Geschichte heraus ergeben haben. Sowohl Arnes als auch Jannes Motive, sich auf die Geschichte um den Todesfall zu stürzen, wirken mehr gewollt als schlüssig. 

Ansonsten habe ich auch diesmal wieder Arne und Kari als sehr sympathische Hauptfiguren  empfunden, obwohl ich Band zwei nicht kenne, wirkt ihre charakterliche Entwicklung glaubwürdig und authentisch. Mir gefällt, dass in dieser Reihe statt der klassischen Ermittlungsarbeit eher psychologische Ansätze im Mittelpunkt stehen und mit der Möglichkeit von übersinnlichen Einflüssen gespielt wird. Zudem ist der Kriminalfall insich schlüssig und führt zu einem nicht nur dramatischen sondern auch schlüssigen Finale.

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Eine von uns

Harriet Cummings
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Deuticke Verlag, 24.07.2017
ISBN 9783552063587
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Roman „Eine von uns“ hat mich überrascht und zwar durchweg im positiven Sinne. Erwartet habe ich aufgrund des Klappentextes einen humorvollen Krimi über den skurril anmutenden Fall des sogenannten „Fox“, der zu Beginn der 80er Jahre in einem Dorf nahe London für Unruhe sorgt, da er dort in die Häuser eindringt, aber eher Spuren hinterlässt statt Dinge zu entwenden.

Diese Geschichte ist jedoch mehr der Aufhänger oder die Rahmenhandlung des Romans, statt dessen stehen die Dorfbewohner im Mittelpunkt, sowie die Auswirkung der Ereignisse auf die Dynamik innerhalb dieser Gemeinschaft und auf die persönliche Geschichte einzelner Personen.

Eine der Hauptcharaktere ist die 24-jährige Deloris, die in London in eher einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist und die durch die Heirat mit dem reichen Industriellensohn Harvey ihren Märchenprinzen gefunden zu haben glaubt. Statt dessen fühlt sie sich eher einsam und sieht in den Ereignissen um den Fox zunächst eine willkommene Abwechslung. Als sie sich selbst bedroht fühlt, sucht sie die Freundschaft zu der nur wenig älteren Anna, doch kaum sind sie sich etwas näher gekommen, als Anna plötzlich spurlos verschwindet. Wurde sie etwa Opfer des Foxes? Anna war mit ihrer hilfsbereiten und ruhigen Art beliebt im Dorf, sodass sich viele Bewohner Sorgen machen und sich an der Suche nach ihr beteiligen.

Diese Suche nach Anna bringt Dorfbewohner zusammen, die sonst kaum Kontakt miteinander haben und fördert das Gruppengefüge, gleichzeitig bringen Zweifel an der Integrität des Nachbarn und Verdächtigungen Unruhe in die Gemeinschaft und drohen immer wieder zu eskalieren.  

Mir die Sprache des Buchs sehr gut gefallen, die sehr feinfühlig die Stimmungen und die zwiespältigen Gefühle der Hauptfiguren wieder spiegelt aber auch Raum für Spekulationen lässt. Nach und nach wird deutlich, dass in diesem Dorf vieles nicht so ist, wie es bei oberflächlicher Betrachtung scheint, die feinen Eingriffe in das Leben des Dorfes führt zum Teil zu tiefgründigen Veränderungen bei einzelnen Bewohnern. 

In einigen Punkten habe ich das Buch als weniger glaubwürdig empfunden, so dass ich einen Bewertungspunkt abziehe. Das Eindringen des „Fox“ in die Häuser der Bewohner ist zwar Anlass zu einiger Aufregung, dieser Eingriff in die Privatsphäre, der für mich persönlich traumatisch wäre, wird hier von vielen Betroffenen jedoch mit einem Achselzucken abgetan. Hier fehlt es mir ebenso an emotionaler Tiefe wie in den Szenen, in denen die Dorfbewohner sich gegen Verdächtige zusammen tun, das ist mir zu oberflächlich abgehandelt.

Insgesamt empfinde ich dieses Debüt von Harriet Cummings jedoch als gelungen.

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thriller, david sedlaczek, usa, flucht, geschlossene psychiatrie

Runaway

David Sedlaczek
E-Buch Text: 309 Seiten
Erschienen bei independently published, 28.07.2017
ISBN 9783000570766
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Diese vielversprechende und zunächst interessante Geschichte entpuppte sich für mich im Verlauf mehr und mehr als Enttäuschung.

Hauptfigur ist des Buchs ist Frederick Hagel, der als Lehrer in Almhurst, Massachusetts arbeitet, mit der Bankerin Linda verheiratet ist, in erster Linie aber als Einzelgänger lebt. Als er entdeckt, dass Linda gemeinsam mit einem Kollegen in dubiose Bankgeschäfte verwickelt ist, versucht er sie davon abzubringen, scheitert aber dabei. Wenig später wird Linda ermordet, Indizien belasten Frederick schwer, und durch ein zweifelhaftes Gutachten landet er in der geschlossenen forensischen Psychiatrie, wo er, ruhig gestellt durch unzählige Medikamente mehr oder weniger vor sich hin vegetiert. Nach 18 Jahren reißt ihn eine Entdeckung während der Übertragung eines Baseballspiels aus seiner Lethargie, Frederick gelingt mit einer List die Flucht und er versucht durch die Suche nach der Wahrheit sein Leben zurück zu gewinnen. 

Schon zu Beginn der Geschichte hat mich der sehr einfach gehaltene Erzählstil mit vielen kurzen Hauptsätzen irritiert, der Fall war jedoch so unglaublich und erschütternd, dass ich darüber hinweg gesehen habe und mehr über Fredericks Schicksal und dessen Hintergründe erfahren wollte. Für die Zeit des Aufenthalts in der Psychiatrie passte der reduzierte Stil zu Fredericks benebeltem Gemütszustand, während seines Roadtrips durch die USA habe ich diese Aneinanderreihungen von schlichten Hauptsätzen zunehmend als ermüdend und langatmig empfunden. Ein Beispiel für den Stil vom Ende des 2.Kpitels: „Er stand auf und zupfte an seinem Hemd. Er versuchte, seine Frau in der Menschenmenge zu finden. Keine Spur von ihr. Dann sah er Irwin. Der Zahnarzt zwängte sich gerade an zwei älteren Herrschaften vorbei und versuchte, sein überfülltes Sektglas in Sicherheit zu bringen. Dann verschwand er wieder zwischen den dunklen Sakkos und den Cocktailkleidern. Frederick lief in den Flur. “ 

Das Buch wirkt auf mich in weiten Teilen wie eine Ansammlung von Notizen zu einem Buch oder wie das Skript für die Kommentare zu Untertiteln für Sehbehinderte bei einem Fernsehfilm. Für meinen Geschmack wird die Geschichte zu sehr aus der Distanz erzählt aus der Sicht eines entfernten Beobachters. Es gibt kaum Dialoge, die Beschreibungen sind so reduziert, dass keine Atmosphäre entsteht. Die Figuren erscheinen sehr eindimensional und wenig lebendig, selbst Frederick Hagel als Hauptfigur wirkt in sich nicht stimmig, seine Entwicklung ebensowenig nachvollziehbar wie die Auflösung der Geschichte und die Motivation seiner Widersacher. Einerseits wird es so dargestellt, als wäre Frederick gesundheitlich und psychisch durch die massive Medikamentengabe geschädigt, dann ist er auf der Flucht sofort geistig fit und kann sich problemlos in der insbesondere technologisch weiter entwickelten Welt zurecht finden. Ingesamt gab es für mich zu viele Punkte, die nicht nachvollziehbar und nicht schlüssig wirkten.

Wer an der Geschichte interessiert ist, sollte sich auf jeden Fall eine Leseprobe ansehen, ich habe das Buch nur deshalb nicht abgebrochen, weil ich ein Rezensionsexemplar zur Verfügung bekommen habe und mir ein abschließendes Urteil bilden wollte.

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argon, hörbuch, krimi, knaur

Eisenberg

Andreas Föhr , Michael Schwarzmaier
Audio CD
Erschienen bei Argon, 24.05.2017
ISBN 9783839893326
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Eisenberg“ ist der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe von Andreas Föhr, diesmal nicht mit Wallner und Kreutner im Mittelpunkt, sondern mit der Rechtsanwältin Rachel Eisenberg als Hauptfigur.

Trotz neuer Charaktere bleibt Andreas Föhr seinem Stil treu, bei mir war vermutlich auch deshalb der Wiedererkennungswert groß, da für das Hörbuch der bewährte Sprecher Michael Schwarzmeier die Geschichte wieder brillant eingelesen hat.

Zu Beginn der Geschichte befindet sich Rachel Eisenberg in einer brisanten Situation, sie wird gefesselt von einem ihrer Klienten gefangen gehalten und sieht einem brutalen Tod entgegen.

Es folgt ein Zeitsprung zurück zu dem Tag, an dem sie das erste Mal mit dem Fall konfrontiert wird. Ein Obdachloser wird aufgrund eindeutiger Indizien beschuldigt, wenige Wochen zuvor in München eine junge Frau grausam ermordet zu haben. Rachel Eisenberg erhofft für sich als Mitinhaberin einer angesehenen Kanzlei bei diesem Fall in erster Linie Aufmerksamkeit durch die Medien, umso erstaunter ist sie, als sie in dem verhafteten Obdachlosen einen alten Bekannten aus ihrer Vergangenheit wieder erkennt. Ein zweiter Handlungsstrang spielt ein paar Monate zuvor und dreht sich um eine junge Frau aus Serbien, die mit ihrer Tochter zusammen nach Deutschland flieht und dort in eine Art Hinterhalt gerät.

Die Geschichte ist abwechslungsreich, spannend und wie von Andreas Föhr gewohnt mit ein paar Prisen Humor gewürzt. Die Charaktere sind vielschichtig, glaubwürdig und zum Teil originell, Rachel Eisenberg darf als Hauptfigur Ecken und Kanten zeigen, überzeugt aber insgesamt in ihrer Rolle. Es ist interessant, einen Krimi mal aus der Sicht der Verteidigung zu sehen, hier erfolgen die Ermittlungen mit ganz anderen Mitteln und Intentionen. Im Verlauf der Geschichte gibt es einige lose Fäden zusammen zu führen, der Leser darf miträtseln, was in meinen Augen die Spannung erhöht. Am Ende gibt es nicht nur einen ereignisreichen Showdown sondern auch eine überraschende aber in sich schlüssige Auflösung. „Eisenberg“ ist für mich ein gelungener Auftakt zu einer vielversprechenden neuen Krimireihe.

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thriller, norwegen, insel, langatmi, psychologischer thriller

... und morgen werde ich dich vermissen

Heine Bakkeid , Ursel Allenstein
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.06.2017
ISBN 9783499290558
Genre: Krimi und Thriller

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

band 1

Sühne deine Schuld

Olle Lönnaeus , Ulla Ackermann
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Edition M, 11.07.2017
ISBN 9781542046565
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Autor Olle Lönnaeus ist hierzulande noch eher unbekannt, wie ich finde zu Unrecht, nachdem ich den ersten Band seiner Jonny-Lilja- Reihe eben beendet habe.

Zunächst war ich skeptisch, denn wie in vielen anderen Krimireihen nicht nur aus Skandinavien ist auch in „Sühne deine Schuld“ die Hauptfigur ein Polizist, der aufgrund vielfältiger privater und beruflicher Probleme in seinem Leben an einem Tiefpunkt angekommen ist. Neben der spannenden Handlung haben mich jedoch die sprachliche Qualität und die intensive, stimmige Atmosphäre letztendlich überzeugt und beim Lesen gefesselt.

Jonny Lilja arbeitet als Drogenfahnder bei der Polizei in Malmö und ist durch seine Spielsucht in die Abhängigkeit des Mafiabosses Ratko Jokovic geraten. Um seine Spielschulden zu begleichen, soll Jonny ihn mit Informationen versorgen.

Als seine Probleme ihn zu erdrücken drohen, entscheidet Jonny, sein Elend zu beenden und sich am Strand zu erhängen. Da entdeckt er wenige Meter neben sich ein blasses Mädchen angelehnt an einen Baum, ihre Handgelenke sind aufgeschlitzt.

Die Polizei hakt den Fall schnell als Selbstmord ab, aber Jonny Lilja und Eva Ström von der Polizei in Ystad bekommen Zweifel. Ihre unabhängigen Ermittlungen 

ergeben Hinweise, dass der Tod des Mädchens nicht selbstverschuldet war, und dass es Zusammenhänge gibt zu anderen jungen Frauen, die unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen sind.

Jonny und Eva lässt der Mord an dem jungen Mädchen keine Ruhe, dabei werden sie von ganz unterschiedlichen Motivationen angetrieben. Die Probleme, die beide mit sich herum tragen, nehmen in dem Buch einen großen Raum ein, tragen aber auch zu der Spannung der Geschichte bei. Auf sehr feinfühlige Art lässt der Autor den Leser an den Gedanken und Empfindungen der Hauptfiguren teilhaben. Mit wenigen prägnanten Worten und bildhaften Szenen werden ihre Motivation und ihre Ängste greifbar, die Charaktere sind in ihren Aktionen und Entwicklungen schlüssig und glaubhaft.

Die Übersetzung fand ich allerdings an ein paar Stellen etwas ungenau. So wird nicht allen Lesern klar sein, dass die Summe von 1 Million schwedischen Kronen in etwa einhunderttausend Euro entspricht, oder dass 10 schwedische Meilen immerhin 100 Kilometer beschreiben. Irritierend habe ich zeitweise in der Erzählung den Wechsel zwischen Präsens und Präteritum empfunden, da dieser nichts mit der zeitlichen Abfolge der Ereignisse zu tun hatte.

Ansonsten hat mich dieser Thriller so in seinen Bann gezogen, dass ich auf einen Erfolg dieses Buches hoffe und darauf, dass der in Schweden bereits vor einiger Zeit erschienene Folgeband ebenfalls auf deutsch übersetzt und veröffentlicht wird.

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amrum, krimi, trauer, trauerarbeit, emons

Endstation Nordsee

Ilka Dick
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 18.04.2017
ISBN 9783740800475
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Debüt „Endstation Nordsee“ von Ilka Dick war für mich eine sehr positive Überraschung, da dieses Buch einen anderen Weg geht als die Mehrzahl der Krimis. Im Mittelpunkt stehen nicht die Mordermittlungen oder die Ermittler selbst, sondern vielmehr die Familie des Mordopfers, ihre Gefühle und die Auswirkung eines solchen tragischen Ereignisses auf ihr Leben.

Die Geschichte spielt auf der Nordseeinsel Amrum, deren Idylle jäh gestört wird, als einer ihrer Bewohner ermordet in den Dünen aufgefunden wird. Seine Tochter Aenne kann es kaum fassen, dass ihr geliebter Vater Erk plötzlich nicht mehr da sein soll. Sie kann nicht begreifen, womit er bei jemandem derartigen Hass hervorgerufen hat, der zu dieser grausigen Tat geführt hat.

Der Roman begleitet in erster Linie Aenne bei ihrer Trauerbewältigung und ihrem Versuch dieses Verbrechen verstehen zu können. Es gibt aber auch Passagen aus der Sicht von Aennes Mutter Luise und anderen für Erk und seine Angehörigen wichtigen Personen. In die Geschichte eingeflochten sind zusätzlich einige Rückblenden, in denen der Leser mehr über den Beginn der Beziehung zwischen Erk und Luise erfährt und dessen teils schwierige Umstände.

Mir hat das Buch aufgrund seiner Tiefgründigkeit sehr gut gefallen, auch wenn es in weiten Teilen eher eine Familientragödie beschreibt als einen Krimi. Insbesondere Aennes Verzweiflung und ihre Hilflosigkeit im Umgang mit dem Auf und Ab ihrer Gefühle sind so bildhaft und authentisch beschrieben, dass sie beim Lesen greifbar erscheinen ohne jemals kitschig zu werden. Ich habe den Spannungsbogen als durchgehend hoch empfunden und mochte es zwischendurch kaum aus der Hand legen, das Buch bietet unerwartete Wendungen und eine schlüssige Auflösung.

Der Emons-Verlag hat wieder einmal ein gutes Händchen für einen tollen Krimi bewiesen, und ich hoffe von dieser Autorin bald noch mehr lesen zu dürfen.

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

jugendkrimi, schnee, mord, finnland, internat

Kalt

Eric Berg
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 12.02.2016
ISBN 9783845812311
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Da ich bereits einige Krimis von Eric Berg kenne, die mir gut gefallen haben, war ich neugierig auf diesen Jugendroman und wollte sehen, ob das für meine Kinder etwas wäre. Der Aufbau dieses Buches ist sehr interessant, die Umsetzung konnte mich jedoch nicht überzeugen.

In dieser Geschichte reisen 8 Internatsschüler im Rahmen einer Klassenfahrt mit zwei begleitenden Lehrkräften nach Finnland, um dort bei der Renaturierung einer Moorlandschaft zu helfen. Begleitet werden sie bei der Arbeit in diesem abgelegenen Camp von dem jungen finnischen Studenten Nooa.

Als nach kurzer Zeit beide Lehrer spurlos verschwinden, sind ein paar Schüler beunruhigt und wollen die Exkursion abbrechen, während andere die plötzliche Freiheit ausnutzen und ungestört feiern möchten. Nooa versucht die Situation unter Kontrolle zu behalten und hat damit auch vorerst Erfolg, da er sich sowohl bei den Jungs Respekt verschaffen kann als von den Mädchen umschwärmt wird. Doch als die Lage nach einem unerwarteten Wintereinbruch eskaliert und auch eine Schülerin verschwindet, kann niemand mehr dem anderen trauen.

Das Buch wird in Berichtsform aus wechselnden Perspektiven erzählt. Einige Teilnehmer der reise aber auch Freunde erzählen aus ihrer Sicht über Teile der Ereignisse und Hintergründe zu den Personen. Diese Berichtsform schafft leider eine zu große Distanz zu den Geschehnissen, so dass viel von der bedrohlichen und beängstigenden Atmosphäre in dem Camp verloren geht.

Bei einem Jugendbuch hätte ich mir mehr Tiefgründigkeit gewünscht, das Buch ist sehr knapp gehalten bleibt bei allen Themen wie Freundschaft, Neid, Eifersucht zu sehr an der Oberfläche. Insbesondere das Ende des Buches kommt in meinen Augen sehr übergangslos und abrupt.

Schade, die Idee hinter dieser Geschichte bietet sehr viel mehr, als der Autor auf diesen knapp 180 Seiten herausgeholt hat.

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thriller, schweden, texas, band 2, familie

Bruderlüge

Kristina Ohlsson , Susanne Dahmann
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Limes, 13.06.2017
ISBN 9783809026679
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Bruderlüge“ ist die Fortsetzung des Krimis „Schwesterherz“ von Kristina Ohlsson, er schließt unmittelbar an dessen Geschichte an und ist meiner Meinung nach nicht als eigenständiges Buch zu sehen. Es gibt zwar eine kurze Zusammenfassung am Anfang, aufgrund der verworrenen Ereignisse und Zusammenhänge werden Neueinsteiger aber kaum Zugang zu der Geschichte bekommen.

Ich habe beide Bände in direkter Folge gelesen, bereits „Schwesterherz“ hat mir mit seinem Erzählstil, der stark an klassische Detektivfilme angelehnt ist, wenig gefallen. Ich hatte mit in „Bruderlüge“ eine schlüssige Auflösung der teils verworrenen Entwicklungen gewünscht, doch leider ist der zweite Band noch dürftiger ausgefallen als sein Vorgänger. Nachdem zu den Mordfällen, derer Sara Tell bezichtigt wurde, inzwschen das meiste aufgeklärt wurde, geht es diesmal um die Suche nach ihrem Sohn Mio, der seit Saras Flucht verschwunden ist.

Die Begeisterung für diese Geschichte kann ich nicht teilen, das Ganze ist  in meinen Augen zu unglaubwürdig, an vielen Stellen nicht logisch und mühsam zurecht konstruiert. Leider ist auch die Hauptfigur Martin Benner derart unsympathisch und emotional inkompetent, dass mich sein Schicksal in keinster Weise berühren konnte. Nach dem ersten Drittel dieses Bandes war für mich die Identität Lucifers bereits klar, so dass mich diese Auflösung nicht mehr überraschen konnte, der Rest war zu abstrus und mühsam zurecht gebogen, um bei mir Spannung aufkommen zu lassen. ich habe schon viele Thriller und Krimis gelesen, dieser zählt zu den schwächsten auch aufgrund der eher hölzernen Charaktere und Dialoge. Mir fehlte es bei der Geschichte an Raffinesse.

Als Krimi- und Skandinavien-Fan waren meine Erwartungen an diese hoch gelobten Krimis groß, wurden aber bitter enttäuscht.

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168 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

thriller, schweden, texas, kristina ohlsson, schwesterherz

Schwesterherz

Kristina Ohlsson , Susanne Dahmann
Flexibler Einband: 479 Seiten
Erschienen bei Limes, 10.04.2017
ISBN 9783809026631
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Anwalt Martin Benner gibt im Stockholmer Grand Hotel einem Journalisten ein Interview, um über die dramatischen Ereignisse zu berichten, die er in jüngster Vergangenheit erlebt hat, und die sein Leben nachhaltig verändert haben.

Eines Tages ist ein Mann in Benner Kanzlei gekommen, um ihn zu engagieren, die Unschuld seiner für 5 Morde angeklagten Schwester Sara Tell nachzuweisen und ihren verschwundenen kleinen Sohn Mio aufzufinden. Der Fall ist spektakulär und umstritten, da Sara die Morde zum einen gestanden hat und zum anderen seit 6 Monaten tot. Lehnt Benner den Fall ab. Doch ihr Bruder ist hartnäckig, Martins Neugier und sein Ego geweckt, so dass er sich dennoch zu Recherchen hinreißen lässt und mit seinen Ermittlungen quasi in einen Bienenschwarm sticht. Unvermittelt stehen Martin Benner und seine Partnerin Lucy als Gejagte da.

Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick spannend, konnte mich aber weder inhaltlich noch stilistisch überzeugen. Martin Benner als Hauptperson tritt sehr arrogant und sexistisch auf, seine später auftauchenden Gefühlregungen insbesondere seiner Nichte Belle gegenüber wirken sehr aufgesetzt. Vom Stil erinnert das Buch an klassische amerikanische Detektivfilme, in denen der Held aus dem Hintergrund über einen Fall erzählt. Zusammen mit den Namen der Hauptpersonen und dem Ablauf der Geschichte hat das Buch mich sehr skandinavischen Flair vermissen lassen. Obwohl ich Stockholm kenne, habe ich die Ereignisse gedanklich nie wirklich mit dieser Stadt in Verbindung bringen können. Inhaltlich ist die Geschichte bei weitem nicht so interessant oder reißerisch, wie Martin Benner es im Rahmen der Interview-Abschnitte darstellt. Vieles ist sehr konstruiert und unglaubwürdig, so dass kaum Spannung aufkommt. Viele Entwicklungen sind nur aufgrund eines völlig irrationalen Handelns der Personen möglich, es gibt wenig klare Aussagen zu den tatsächlichen Ereignissen, sondern stattdessen wiederkehrende wenig konkrete Andeutungen. Dazu kommt noch ein offenes Ende und die Tatsache, dass in der Beschreibung des Buches verschwiegen wird, dass zu diesem Buch der Folgeband „Bruderlüge“ mit der (vermutlichen) Auflösung des Falls gehört, die zu meiner Enttäuschung bei „Schwesterherz“ beitragen.

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117 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

istanbul, russland, migration, türkei, identität

Außer sich

Sasha Marianna Salzmann
Fester Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.09.2017
ISBN 9783518427620
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman „Ausser sich“ von Sasha Marianna Salzmann hatte mein Interesse geweckt aufgrund des interessant klingenden Klappentextes und seiner Nominierung zum Deutschen Buchpreis. Im Verlauf der Lektüre wurde ich jedoch zunehmend enttäuscht, zu aneinander gestückelt wirken die einzelnen Kapitel, die Figuren zu blass, die Erzählung konnte mich nicht berühren. 

Dabei bietet Geschichte viel, die Hauptfigur Alissa stammt aus einer jüdisch russischen Familie mit einigen charismatischen Vorfahren, Alissa selbst ist mit ihren Eltern, ihrem Großvater und ihrem Zwillingsbruder Anton Mitte der 90er Jahre von Moskau nach Deutschland umgesiedelt. Mit Mitte 20 verlässt Anton die Familie und verschwindet zunächst spurlos. Eine Postkarte aus Istanbul lässt Ali ihrem Bruder nachreisen, doch nachdem auch sie schon zuhause viele Brücken in ihrem Leben abgebrochen hatte, gerät die Suche nach Anton schnell in den Hintergrund, sie verfällt den Reizen der Stadt Istanbul und lässt sich Treiben, mehr auf der Suche nach sich selbst. 

Insbesondere der Teil um Alis und Antons Aufenthalte in Istanbul ist mir zu gewollt kunstvoll angelegt, die Sprache ist teils überspitzt bildhaft, so dass Ali als Figur sehr nebulös bleibt, dann wieder extrem vulgär und abstoßend, was eine sehr große Distanz zu den Figuren schafft, so dass mir ihr Schicksal beim Lesen zunehmend egal war.

Die angesprochenen Themen wie Migration, Identität nicht nur im Sinne von einer Heimat-Zugehörigkeit sondern auch von Geschlechtsidentität sind tiefgreifende und aktuelle Themen, die hier darunter leiden, dass das Buch ungeordnet wirkt und zu vieles in den nebulösen wie in einem Drogenwahn aufgelösten Gedanken Alis unter geht.

Am interessantesten habe ich noch die Rückblenden in die Familiengeschichte empfunden, die einen Bogen spannt vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die sowjetische Nachkriegszeit und die ebenso von Unterdrückung wie von mythisch anmutendem Heldentum erzählt. Die Rückblenden erfolgen nicht chronologisch und wirken meist zufällig und zusammenhangslos eingestreut, was das Lesen und Verstehen ebenso erschwert, wie die verschiedenen Namen, mit denen die einzelnen Personen benannt werden. Die Schicksale der Familienmitglieder sind geprägt von dem Eindruck, dass sie alle überwiegend in Unglück gelebt haben, Liebe, Unbeschwertheit und die Erfüllung von Träumen haben kaum Platz. Aber auch diese negatives Stimmungen erklären nicht, weshalb Ali und Anton ihr Leben und ihre Freunde aufgeben, um in einem fremden Land ihr eigenes Selbst derart herabwürdigen und ausnutzen zu lassen.

Ich kann den Hype um dieses Buch nicht nachvollziehen, mir fehlt hier die klare Aussage. Das Buch ist offenbar mit Absicht so angelegt, ich bin ein zu rational denkender Mensch, als dass mich das ansprechen könnte.

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162 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 74 Rezensionen

essex, liebe, aberglaube, london, pfarrer

Die Schlange von Essex

Sarah Perry , Eva Bonné
Fester Einband: 520 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 29.09.2017
ISBN 9783847900306
Genre: Romane

Rezension:

Ein Buchpreis und die interessant klingende Beschreibung des Klappentextes haben mich neugierig gemacht, das Buch ist aber im Verlauf zunehmend abgeflacht, zudem konnte ich dem extrem poetischen Sprachstil keine Zugang finden.

Eine der Hauptfiguren des Romans ist Cora Seaburne, die sehr jung in die Ehe mit einem älteren Mann gedrängt wurde, der sich als sehr dominant entpuppt hat und Cora psychisch und physisch Gewalt angetan hat. Der gemeinsame Sohn hat sich in zunehmende Zwangshandlungen und seine eigene Welt zurückgezogen und ihr so mehr und mehr entglitten. Trost haben Cora ihre treue Zofe Martha gespendet und ihr Interesse in die Wissenschaften, speziell in die provokanten Thesen Charles Darwins. Nach dem Tod ihres Mannes genießt Cora ihre neu gewonnene Freiheit und flieht aus dem ungeliebten Heim an die Küste von Essex. Dort wird sie mit einer Geschichte konfrontiert, die dort gerade kursiert und die Bewohner am Rande des Blackwater-Flusses und der Küste in Schrecken versetzt. Ein Ungeheuer in Gestalt einer geflügelten Schlage treibt in der Region sein Unwesen wie schon einmal etwa 200 Jahre zuvor, es soll unter anderem Menschenleben auf dem Gewissen haben. Während bei der Bevölkerung in erster Linie der Aberglaube geschürt wird, ist Coras Forscherdrang geweckt, in der Entlarvung des Ungeheuers sieht sie eine spannende Aufgabe, reist in die Gegend an der Mündung des Flusses und mietet dort sogar ein Häuschen. Dort macht sie Bekanntschaft mit dem Dorfpfarrer Will Ransome, dem Coras offenes und intelligentes Wesen gefällt. Anfangs entspinnen sich zwischen beiden interessante Gespräche über die widersprüchlichen Standpunkte von Wissenschaft und Theologie, trotz ihrer gegensätzlichen Haltungen fühlen sich beide zueinander hingezogen, ihre Gefühle überlagern nach und nach den angeregten Austausch.

In weiteren Handlungssträngen stehen der Mediziner Luke Garett mit seinen in dieser Zeit provokanten Methoden im Vordergrund und auch Coras Zofe Martha mit ihrem politischen Engagement für die unterdrückte Arbeiterklasse.

Nach einem lebendig erzählten Beginn und interessanten Exkursen in die damals umstrittenen Welt der Wissenschaft und Politik flacht das Buch leider immer mehr ab, konzentriert sich auf die unglücklichen Liebesgeschichten und verliert sich in blumigen bis gestelzt poetischen Umschreibungen.

Es ist in meinen Augen ein generelles Problem des Buches, dass es aufgrund der sehr beschönigend bildhaften Sprache zu sehr an der Oberfläche bleibt auch bei solch ernsten Themen wie den sozialen Problemen der Arbeiterklasse und der Wohnungssituation in London.

Sarah Perry wird sehr beeinflusst von der Literatur des viktorianischen Zeitalters und hat die Sprache ihres Debüts bewusst diesem Stil angepasst, das muss man mögen, mir ist das insgesamt zu schwülstig und melodramatisch, das thematisch ansprechende Buch nimmt sich so viel an Glaubwürdigkeit.

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