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170 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 80 Rezensionen

entführung, thriller, baby, lügen, kindesentführung

The Couple Next Door

Shari Lapena , Rainer Schumacher
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.03.2017
ISBN 9783785725856
Genre: Krimi und Thriller

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(39)

103 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

verlust, freundschaft, ruth hogan, liebe, roman

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Ruth Hogan , Marion Balkenhol
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 19.05.2017
ISBN 9783471351475
Genre: Romane

Rezension:

„Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“  ist ein zauberhafter Roman über Freundschaft, die wahre Liebe und den Wert vordergründig unscheinbarer Dinge.

Dieses Buch ist mit seiner wunderbaren bis magischen Geschichte eines meiner Lesehighlights diesen Jahres.

Anthony Peardew hat im Laufe der Jahre einen besonderen Blick für verlorene Gegenstände entwickelt. Er sammelt sie ein, etikettiert sie zuhause sorgsam und verewigt viele von Ihnen in seinen Kurzgeschichten. Er selbst hat vor langer Zeit einen geliebten Gegenstand verloren und hofft so auf Vergebung. Seine Bemühungen, die verlorenen Sachen ihren Besitzern zurück zu geben, waren nie von Erfolg gekrönt, diese Aufgabe erbt Anthonys Assistentin Laura gemeinsam mit dem großen Haus. Beides stellt Laura vor große Herausforderungen, führt aber auch zu einigen interessanten Begegnungen und Bereicherungen ihres bisher bescheidenen Lebens. Hilfe findet sie beim Gärtner Freddy und Sunshine, einem 19-jährigen Nachbarsmädchen mit Down-Syndrom, die mit ihrer offenherzigen und ehrlichen Art das Haus mit Leben erfüllt und einen besonderes Gespür für dessen Magie entwickelt.

Ein zweiter Handlungsstrang um den Verleger „Bomber“ und dessen Assistentin Eunice setzt in der Vergangenheit an genau an dem Tag, als Anthony nicht nur seine geliebte Therese verliert sondern auch das Medaillon, das sie ihm geschenkt hat und dessen Verlust seine Sammelleidenschaft entfacht hat. Auch dieser Handlungsstrang beleuchtet in vielen kleinen Anekdoten verschiedene Facetten von Liebe, Freundschaft und Treue.

Dazu werden zu einigen der gesammelten Gegenstände Anthonys Kurzgeschichten eingestreut, die schon für sich genommen einen eigenen Charme besitzen und zu der Magie des Buches beitragen.

Die Charaktere sind großartig gezeichnet, sie sind glaubhaft und insbesondere die Hauptfiguren besitzen jeweils einen ganz eigenen Charme. Es gibt nachdenkliche und komische Momente, bewegende, fast wehmütige und immer wieder auch amüsante Szenen. Die Geschichte verfällt dabei trotz aller Sentimentalität nie in Kitsch, und die mystischen Elemente werden so selbstverständlich vermittelt, dass sie stimmig ins Bild passen und man sie beim Lesen nicht wirklich infrage stellt.

Mich hat dieses Buch sehr bewegt und begeistert, ich habe es als rundum gelungen empfunden.

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(15)

18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

experiment, glashaus, ökologie, team, mission control

Die Terranauten

T.C. Boyle , Dirk van Gunsteren , August Diehl , Ulrike C. Tscharre
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 09.01.2017
ISBN 9783844523843
Genre: Romane

Rezension:

T.C. Boyle ist bekannt dafür, dass er in seinen Romanen oft historische Ereignisse aufgreift und auf sarkastische bis absurde Art verarbeitet. Ich kannte bislang von ihm nur „Willkommen in Velville“ und war sehr gespannt auf die Erlebnisse der Terranauten.

Auch hier gibt es einen historischen Hintergrund, denn Anfang der 90er Jahre wurde tatsächlich das von einem texanischen Ölmilliardär finanzierte Projekt „Biospäre 2“ in der Wüste Arizonas ins Leben gerufen, in dem 4 Männer und 4 Frauen für 2 Jahre in einem abgeschlossenen Ökosystem sich selbst versorgen sollten, autark mit Tieren, Pflanzen, einem eigenen kleinen Ozean mit Korallenriff, Regenwald und simulierten Gezeiten.

Für den Roman „Die Terranauten“ bilden diese historischen Tatsachen den Hintergrund, T.C.Boyle spinnt die Geschichte jedoch weiter, denn im Gegesatz zur Realität wird das Experiment mit dem Einschluss von 8 weiteren Terranauten fortgesetzt.

Die Geschichte wird erzählt aus der Perspektive dreier Hauptcharaktere: der attraktiven Nutztierwärterin Dawn und dem Charmeur Ramsay, der für die Kommunikation der Gruppe nach Außen zuständig ist, als Teil der Crew, sowie Linda, der besten Freundin von Dawn, die "draußen" bleiben muss und das Projekt von dort begleitet. Hierin liegt schon der erste Konflikt des Projekts, denn Linda neidet trotz aller Freundschaft Dawn und den anderen ihren Erfolg und fühlt sich nicht zuletzt aufgrund ihrer asiatischen Herkunft benachteiligt.

Neben diversen zu erwartenden zwischenmenschlichen und gruppendynamischen Problemen, treiben technische Defekte wie ein Stromausfall, Sauerstoffmangel und die stets knappen Nahrungsmittelrationen die Crew an ihre Grenzen. Aber auch von die Projektleitung, von  T.C. Boyles typisch sarkastisch  als „Gottvater“, „Jesulein“ und „Judas“ betitelt, greift immer wieder von außen ein und forciert die Spaltung der Gruppe.

Das tatsächliche Experiment war schon eine Farce, Boyle treibt es in seiner Version auf die Spitze, führt das Engagement Crew und ihrer Helfer ins Absurde und karikiert gelichzeitig TV-Events wie „Big-Brother“ oder „ Das Dschungelcamp. Allerdings bleibt ihm nicht viel Spielraum, weil in der wahren Geschichte schon zu viel Tragik und Komik stecken.

Die Charaktere sind glaubhaft angelegt, durch die bildhafte Sprache und die wechselnden Perspektiven ist der Spannungsbogen durchweg hoch. Im Hörbuch werden die unterschiedlichen Erzählperspektiven durch die verschiedenen Sprecher verdeutlicht. Leider wirkt der Part von Dawn sehr nüchtern vorgelesen und wenig lebendig, obwohl gerade ihr Charakter sehr emotional belegt ist, das gibt für das Hörbuch einen Punkt Abzug.

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(42)

115 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

thriller, spannung, haus, überwachung, psychothriller

The Girl Before

JP Delaney , Karin Dufner
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Penguin, 25.04.2017
ISBN 9783328100997
Genre: Krimi und Thriller

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(27)

40 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

schweden, finnland, petteri nuottimäki, roman, familiengeschichte

Rechne immer mit dem Schlimmsten

Petteri Nuottimäki , Wibke Kuhn
Fester Einband: 356 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 10.04.2017
ISBN 9783959670869
Genre: Romane

Rezension:

Der Stil dieses Buches erinnert mich mit seiner skurrilen Geschichte und seinem verschmitzten Humor an Romane von Arto Paasilinna oder auch „Popmusik aus Vittula“ und „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, entwickelt aber einen ganz eigenen Charme.

„Rechne immer mit dem Schlimmsten“ erzählt die Geschichte von Matti Aalto und seiner Familie. Matti stammt aus einer langen Linie tapferer finnischer Männer und kämpfte unter anderem in den  finnischen Winter- und Fortsetzungskriegen, was ihn nachhaltig geprägt hat. 

In den 60er Jahren flieht er vor kommunistischem Terror mit seiner Frau Beata nach Schweden in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Matti gründet sein eigenes Unternehmen, das nützliche Insekten zur Schädlingsbekämpfung verkauft. Er versucht, sich dem Leben in Schweden anzupassen, und gleichzeitig seine Kinder auf die Unbillen des Lebens vorzubereiten, aber der Zeitgeist der 70er scheint gegen ihn zu sein. Die Menschen haben Haare im Gesicht, tragen Plüschhosen und reden über Gefühle! 

Matti ist überzeugt, dass die moderne Demokratie für engagierte Unternehmer das ideale Umfeld bietet, warum nur tun sich seine Söhne und seine Tochter so schwer damit, seine guten Ratschläge anzunehmen und seinem Weg zu folgen?

Da erfährt Matti von seinem Arzt, dass sein Leben bald zu Ende sein wird. In dieser Situation verteilt er an jedes  seiner Kinder 100 000 Kronen, nicht als Geschenk, sondern als Startkapital für ihre Geschäftsideen. Wer am erfolgreichsten ist, wird das Familienunternehmen erben.

Wie nach den Schilderungen über die Kinder zu erwarten, endet dieses Experiment in einer Katastrophe, doch es ist auch eine besondere Eigenart dieser Geschichte, das manches nicht so ist, wie es dem Betrachter auf den ersten Blick erscheint.

Die Geschichte ist an vielen Stellen überspitzt aber nie absurd und lebt von überraschenden Wendungen und Entwicklungen. Der Autor lässt bewusst offen, was wahr ist, und was vielleicht wahr sein könnte. 

Der Anfang der Geschichte wirkt sprunghaft und etwas holprig, sie nimmt aber schnell an Dynamik zu. Man muss diese Art von trockenem Humor mögen, der insbesondere den Finnen zu eigen zu sein scheint, der Autor schildert die Ereignisse aus einer Distanz und immer mit leichtem Augenzwinkern. Mir hat dieses Debüt sehr gut gefallen und mir einige sehr unterhaltsame Lesestunden beschert.  

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(53)

118 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

new york, drogen, restaurant, alkohol, gastronomie

Sweetbitter

Stephanie Danler , Sabine Kray
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783351036720
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman „Sweetbitter“ wird sehr enthusiastisch beworben als eine großartige kulinarische und Liebesgeschichte, die laut Kommentar der New York Times „eine Menge Leute hungrig machen“ wird. Ich gehöre definitiv nicht dazu, auf mich wirkten die Schilderungen eher abstoßend, ich habe selten ein derart deprimierendes und destruktives Buch gelesen. Vermutlich waren meine Erwartungen zu hoch und die Zielgruppe liegt eher bei jüngeren Lesern Anfang 20, im Alter der Hauptprotagonistin Tess.

Aber auch dieser Zielgruppe sollte diese Geschichte meiner Meinung nach eher als abschreckendes Beispiel dienen.

Dabei beginnt der Roman vielversprechend; Hauptfigur ist ein junges Mädchen, aufgewachsen in der amerikanischen Provinz bei ihrem Vater, das mit Anfang 20 einen Neuanfang in New York sucht und dort auf ein aufregendes Leben hofft. Mit einigem Selbstbewusstsein bewirbt sie sich auf gut Glück bei einem renommierten Restaurant und wird dort tatsächlich als Hilfskellnerin eingestellt. Durch einige Sprünge in der Erzählung ist der Beginn nicht einfach zu lesen, kleine Exkursionen zu geschmacklichen Erfahrungen und Sinnen lockern die Geschichte auf. Doch kaum hat man sich in das Buch eingelesen, fallen Stil und Story deutlich ab. Um in ihrem Job mithalten zu können, passt sich Tess schnell in die Gepflogenheiten des Restaurantbetriebs und der Mitarbeiter an. Auch nach dem harten Job sind ihre Kollegen ihre einzigen Bezugspersonen in New York, quasi blind lässt sie sich von ihnen zu Alkoholexzessen und Drogenkonsum hinreißen, was zu einigen heftigen Abstürzen führt. Statt wie geplant zu beginnen zu leben, begibt sie sich in Abhängigkeiten und merkt nicht, wie sie nur ausgenutzt wird. Im Verlauf verliert sich das Buch in Wiederholungen, Tess Naivität und ihr Hang zur Selbsterniedrigung, haben bei mir mehr Abneigung als Mitleid erweckt. Insgesamt habe ich das Buch als langatmig und wenig ansprechend empfunden, statt Appetit auf kulinarische Köstlichkeiten wurde bei mir eher Ekel geweckt. Junge Mädchen können hier höchstens erfahren, wie man sein Leben nicht gestalten sollten, im Großen und Ganzen würde ich das Buch aber eher als überflüssig einstufen.

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(23)

26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

liebe, tod, krankheit, liebesroman, liebesdrama

Love Story

Erich Segal , Isabella Nadolny , Mark Waschke
Audio CD
Erschienen bei Argon, 23.03.2017
ISBN 9783839815281
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte zu „Love Story“ ist vermutlich vielen bekannt aus der berühmten Verfilmung mit Ally McGraw und Ryan O’Neill. Aber wer kennt auch das Buch dazu? Der argon-Verlag hat eine Neuauflage des Hörbuchs auf den Markt gebracht, um diese bewegende „Love Story“ alten und neuen Hörern näher zu bringen.

Oliver Barret IV ist Anfang 20, rebellierender Sprössling einer Anwalts- und Politiker-Dynastie und Harvard-Student, als er die Musik-Studentin Jennifer Cavalleri kennen lernt und sich in sie verliebt. Auf den ersten Blick haben die beiden nicht viel gemeinsam, Jenny stammt aus einfacheren, bürgerlichen Verhältnissen als Oliver, was in den 60er Jahren, in denen die Geschichte spielt, noch deutlich mehr Gewicht besaß als heute. Für seine Liebe zu Jenny riskiert Oliver selbst den Bruch mit seiner Familie, auch ohne deren Unterstützung meistern die beiden den Alltag und ihr Studium, bis eine schwere Erkrankung Jennys das Glück jäh zerreißt.

Im Hörbuch wird die Geschichte aus der Sicht Olivers dargestellt der rückblickend über seine Beziehung zu Jenny erzählt. Gerade zu Beginn der Geschichte stehen seine Person, seine Sportlerkarriere und seine angespannte Beziehung zu seinem Vater sehr im Vordergrund. Auch wenn Olivers Hintergrund und gerade die gestörte Vater-Sohn-Beziehung ein Schlüsselpunkt der Geschichte ist, kommt für meinen Geschmack Jennys Person etwas zu kurz. 

Marc Waschke ließt das Buch überzeugend, aber auch er kann aus der sehr knapp gehaltenen Vorlage, nicht mehr heraus hohlen. Bei mir ist der Funke nicht übergesprungen, die Charaktere wirken zu flach, Oliver wirkt zu distanziert, so dass die Gefühle kaum vermittelt werden. 

Während häufig eine Verfilmung nicht mit der Buchvorlage mithalten kann, verhält es sich hier genau umgekehrt. Im Vergleich zu dem sehr stimmungsvollen und mitreißenden Film schöpft das Buch das Potential dieser Geschichte bei weitem nicht aus und war für mich eine Enttäuschung. 

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(16)

30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

finnland, moor, krimi, eric berg, thriller

Kalt

Eric Berg
E-Buch Text: 192 Seiten
Erschienen bei bloomoon, 12.02.2016
ISBN 9783845815572
Genre: Sonstiges

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(63)

100 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

schweden, mord, stockholm, psychothriller, alzheimer

Wenn das Eis bricht

Camilla Grebe , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2017
ISBN 9783442757176
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Psychothriller „Wenn das Eis bricht“ von Camilla Grebe wird von der skandinavischen Presse und Autorenkollegen hoch gelobt, die damit geweckten hohen Erwartungen kann er meiner Meinung nach jedoch nicht ganz erfüllen. Der Thriller ist vielschichtig und psychologisch spannend aufgebaut, der große Überraschungseffekt blieb jedoch aus.

Die Geschichte beginnt mit einem grausamen Mordszenario: In einem modernen Vorort Stockholms wird im Haus des schwedischen Geschäftsmannes Jesper Orre eine Frauenleiche aufgefunden. Der Mord erinnert an eine Hinrichtung und lässt Ermittler Peter Lindgren an einen Fall denken, der vor 10 Jahren ungeklärt blieb. Damals war die Kriminalpsychologin Hanne Lagerlind an der Klärung des Falls beteiligt, sie soll auch diesmal bei den Ermittlungen helfen. Niemand ahnt, dass Hanne inzwischen mit einer beginnenden Demenz zu kämpfen hat und die Konfrontation mit der Vergangenheit sie vor unerwartete Herausforderungen stellt. Der Fall gestaltet sich schwierig, da sowohl die Identität des Opfers als auch der Verbleib von Jesper Orre lange im Unklaren bleiben.

Und dann ist da noch Emma, die heimliche Freundin Jesper Orres, die in Rückblenden von ihrer ungewöhnlichen und geheimen Beziehung berichtet sowie von traumatischen Ereignissen ihrer Kindheit.

Neben Emmas Erzählebene wird die Geschichte aus der Sicht von Peter Lindgren und Hanne Lagerlind erzählt. Im Fokus stehen nicht nur die Mordfälle, sondern die individuellen Schwierigkeiten der beteiligten Charaktere im Umgang mit ihren Liebesbeziehungen und die damit verbundenen zum Teil dramatischen Folgen.

Die Autorin wechselt geschickt zwischen den Erzählperspektiven, der Thriller ist sprachlich und auch psychologisch interessant, Täter und Motive bleiben lange unklar, so ganz konnte mich die Auflösung dann aber nicht überraschen. Sprachlich ist das Buch gut umgesetzt, es liest sich trotz des beträchtlichen Umfangs durchweg flüssig, die Charaktere wirken glaubhaft wenn auch nicht unbedingt sympathisch.

Ich habe auch einige der Thriller gelesen, die Camilla Grebe gemeinsam mit ihrer Schwester Åsa Träff geschrieben hat, und die mir gut gefallen haben, aber auch allein hat die Autorin eine überzeugende Geschichte verfasst, die neugierig auf eine Fortsetzung macht.

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30 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

tochter, geheimnis, familie, entführung, as

Good as Gone

Amy Gentry , Astrid Arz , Anna Thalbach , Nellie Thalbach
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 27.02.2017
ISBN 9783844525403
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Buch das offenbar polarisiert, wenn man sich das Spektrum der Rezensionen ansieht. Bei den negativen Bewertungen habe ich allerdings den Eindruck, dass hier das Buch nicht verstanden wurde, in meinen Augen lohnt es sich bei diesem Thriller, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Die Geschichte beginnt mit einem albtraumartigen Ereignis. Die 13-jährige Julie wird vor den Augen ihrer jüngeren Schwester Jane aus dem Elternhaus in Houston entführt. Nach acht Jahren der Ungewissheit und Verzweiflung ist Julie plötzlich wieder da, steht einfach vor der Tür. Die erste Erleichterung weicht aber der Erkenntnis, dass der Albtraum noch lange nicht vorbei ist, zu sehr haben die vergangenen Jahre alle verändert. Und wer ist diese junge Frau, die in das Leben der Familie zurückgekehrt ist? Ist es wirklich Julie? Es gibt Anzeichen, die Zweifel säen und Julies Mutter Anna dazu bringen, Nachforschungen über Julies Vergangenheit anzustellen.

Neben diesem Handlungsstrang, der aus der Sicht von Anna erzählt wird, gibt es einen zweiten Teil, der Julies Sicht der Ereignisse darstellt. Dieser Handlungsstrang ist zunächst etwas verwirrend, da er in der Chronologie rückwärtsläuft, dieses Stilmittel macht aber auch eine Besonderheit des Buches aus. Ich finde den Aufbau des Buches gelungen, in dem zum einen die Geschichte in der Gegenwart vorangeht und die Erlebnisse nach Julies Rückkehr geschildert werden, währen in dem zweiten rückwärts laufenden Handlungsstrang der Leser nach und nach tiefere Einblicke in Julies Schicksal und Vergangenheit erhält. Ähnlich wie bei Anna werden so auch beim Leser zunehmend Zweifel an Julies Geschichte und Identität gesät. Diese wechselnden Identitäten scheinen einige Leser zu verwirren, dabei werden die Zusammenhänge eindeutig geschildert.

Das Buch ist spannend und bedrückend, vielleicht berührt mich die Geschichte auch besonders, weil ich eine Tochter habe in dem Alter, mit dem Julie verschwunden ist und es eine meiner Ängste ist, dass ich in der Pubertät die Verbindung zu ihr zu sehr verlieren könnte. Die Beziehungen innerhalb der Familie sind ein zentrales Thema des Buchs, aber auch Vertrauen, Missbrauch und der Umgang mit Schuldgefühlen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und mich sehr bewegt. Es wird allerdings schnell klar, dass die Geschichte ähnlich wie „Gone Girl“ oder „Girl on the Train“ auf überraschende Wendungen setzt, was beim Lesen die Sinne dafür schärft und das Buch letztendlich eher vorhersehbarer macht, dafür gibt es einen Punkt Abzug.

Ich habe das Hörbuch zum Buch gehört, das von Katharina Thalbach und ihrer Tochter Nellie gelesen wird. Nellies manchmal schleppend wirkender Vortrag passt in meinen Augen nicht zu Julies Charakter, Annas Part ist da deutlich glaubhafter.

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(18)

20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

liebe im alter, frankreich, tod, hörbuch, witwe

Und jetzt lass uns tanzen

Karine Lambert , Pauline Kurbasik , Iris Berben
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 06.03.2017
ISBN 9783837138283
Genre: Liebesromane

Rezension:

Der Roman „Und jetzt lass uns tanzen“ der belgischen Autorin Karine Lambert erzählt auf berührende Weise von der zauberhaften Geschichte einer späten Liebe.

Marguerite und Marcel sind 78 und 73 Jahre alt, als sie sich zufällig während einer Thermalkur in den französischen Bergen begegnen. Beide sind seit wenigen Monaten verwitwet und von diesem Verlust auf ganz unterschiedliche Weise betroffen. Während Marcel nach dem tragischen Unfalltod seiner geliebten Ehefrau mit dem Alleinsein kämpft, wurde Margerite in ihrer Ehe jahrelang von ihrem Ehemann dominiert und muss erst schrittweise lernen, mit ihrer ungewohnten Freiheit und Selbstständigkeit umzugehen. Als Notargattin hat sie zwar ein komfortables aber fremd bestimmtes Leben geführt und nie wirkliche Liebe erlebt. Umso mehr faszinieren sie die Aufmerksamkeit und die sensible Art Marcels. Entgegen der Ressentiments ihres Umfelds und trotz einiger Hindernisse wagen die beiden einen Neuanfang.

Der Roman erzählt abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptcharaktere und beschreibt auf einfühlsame und behutsame Weise von ihren Gefühlen und Vorbehalten ohne ins Kitschige abzurutschen. Mir hat die manchmal einfach erscheinende aber auch prägnante Sprache gut gefallen, die Raum für das Kopfkino lässt. Marcel und Margerite kommen aus ganz verschiedenen Verhältnissen und sind ganz unterschiedliche Charaktere. Ihre Schicksale berühren ebenso wie ihr offener und herzlicher Umgang miteinander. Trotz ihres Alters wirken sie manchmal wie zwei frisch verliebte Teenager. Ihre Geschichte macht Mut, auch nach dem Verlust eines geliebten Menschen nicht die Hoffnung zu verlieren und sich zum „alten Eisen“ abstempeln zu lassen.

Ein wenig gestört hat mich die Gebrechlichkeit, mit denen Marguerite und Marcel zum Teil beschrieben wurden. Gerade mit dem sozialen Hintergrund der beiden sind 73 und 78 Jahre kein Alter, mit dem heutzutage als gebrechlich oder senil gelten muss.

Ansonsten hat mir diese herzerwärmende Geschichte sehr gut gefallen, Iris Berben findet für das Hörbuch den richtigen Ton, so dass es sehr angenehm ist, die Geschichte auf diesem Weg erzählt zu bekommen.  

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(30)

49 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 25 Rezensionen

schwangerschaft, hypochonder, geburt, schwangerschaftsmanager, lustig

Die Schwangerschaft des Max Leif

Juliane Käppler
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.03.2017
ISBN 9783426519745
Genre: Romane

Rezension:


Die sieben Tode des Max Leif haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet, das Leben geht weiter und hat für Max so einige Überraschungen parat. Seine Hypochondrie glaubte er im Griff zu haben, als plötzlich Maja krank wird. Zum Glück stecken keine fremdartigen Parasiten oder gefährlichen Krankheiten hinter ihren seltsamen Symptomen, sie ist einfach „nur“ schwanger - und das auch noch doppelt! 
Das stürzt Max erst einmal in eine Krise und türmt einen Haufen Sorgen vor ihm auf. Was kann in einer Schwangerschaft nicht alles passieren?! Mit Übereifer macht Max sich daran, alle möglichen Stolpersteine während der Schwangerschaft zu ergründen und zu umgehen, was nicht nur Majas und Dr. Bärbeißers Geduld so manches Mal strapaziert, sondern wie schon im ersten Band zu einigen urkomischen Szenen führt.
Es gibt aber auch immer wieder nachdenkliche und auch sehr berührende Momente, wenn Max sich beispielsweise an seinen verstorbenen Freund Max erinnert, der auch jetzt noch großen Einfluss auf sein Leben besitzt.
In neun Kapiteln analog zu neun Schwangerschaftsmonaten kann der Leser an Max und Majas Leben in Form vieler kleiner Anekdoten teilhaben und sich an einem Wiedersehen mit wunderbaren Charakteren wie Jekaterina Poljakow oder dem eher nervigen Machete erfreuen. Aber auch neue Figuren bereichern und beeinflussen die Geschichte.
Es hat mich beim Lesen wieder einmal begeistert, wie lebendig und lebensnah die Figuren wirken. Im ersten Band fand ich Max stellenweise sehr anstrengend, inzwischen wirkt er im Leben mehr angekommen, so dass ich ihn mir noch eher als einen Kumpel von Nebenan vorstellen könnte.Max Leif hat seine Ängste seit dem ersten Band ein gutes Stück bändigen können und wird sowohl durch seine Beziehung zu Maja als auch seien stabilere Lebenssituation geerdet. Entsprechend schwanken auch seine Stimmungen nicht mehr so ins Extreme wie im ersten Band, was der Fortsetzung ein klein wenig von dem Charme des Vorgängers nimmt, so dass ich diesmal 4 von 5 Sternen vergebe.

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(86)

121 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 77 Rezensionen

krimi, schweden, flüchtlinge, organhandel, tom stilton

Schlaflied

Cilla Börjlind , Rolf Börjlind , Christel Hildebrandt
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 20.02.2017
ISBN 9783442757169
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Schlaflied“ ist bereits der 4. Band um die Stockholmer Ermittlerteam Olivia Rönning, Tom Stilton und Mette Olsätter und gehört meiner Meinung nach zu den stärksten der Reihe. 

Schon andere Bände der Reihe griffen politische Hintergründe auf, hier werden gleich mehrere aktuelle Themen zu einem spannenden Krimi verwoben.

Da ist zum einen die Flüchtlingswelle, die auch in Schweden vor große organisatorische Herausforderungen stellt. Olivia Rönning leistet neben ihrem Job wie auch Tom Stiltons Freundin Luna freiwillig Hilfe am Stockholmer Hauptbahnhof. Alleinreisende Jugendliche drohen in dem Chaos unter zu gehen und sind dankbar für angebotene Hilfe, leider ist diese nicht immer so wohlmeinend wie gedacht. Ein kleines, dunkelhäutiges Mädchen wendet sich in ihrer Not an die Obdachlose Muriel, die mit ihr Zuflucht in einer Hütte auf dem Land lebt. Aber sind sie dort sicher? 

Tom Stilton nähert sich derweil Schritt für Schritt wieder einem geregelten Leben und bietet der Stockholmer Polizei Hilfe an bei der Aufklärung eines Mordfalls an einem Jungen, der in einem Wald in Småland vergraben aufgefunden wurde. Schon bald stellt sich heraus, dass dieser Fall weitere Kreise zieht als erwartet, und führt die Ermittler unter anderem nach Rumänien, wo sie am eigenen Leib die Gefahren kennen lernen, die dort in Bukarest in der Unterwelt der Kanalisation herrscht. Mit herkömmlichen und legalen Methoden ist dieser Fall kaum zu lösen, doch dank Tom Stilton und Mette Olsätters Beziehungen können die Ermittler nach und nach die Verstrickungen lösen.

Der Krimi ist komplex und durchgehend spannend, die Charaktere wirken authentisch, überzeugen durch ihre menschliche Art und haben sich im Laufe der Reihe glaubhaft weiterentwickelt. Die Ermittler dürfen auch mal Schwächen zeigen und Verzweiflung angesichts der Aussichtslosigkeit, der Skrupellosigkeit des organisierten Verbrechens Einhalt zu gebieten. Der Krimi überzeugt nicht nur durch die aktuellen Themen, die er aufgreift, sondern überzeugt durch die Nähe zu den menschlichen Schicksalen. Mich hat ein Krimi selten so bewegt und berührt wie dieser.

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(80)

168 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

genmanipulation, gentechnik, elefant, roman, zirkus

Elefant

Martin Suter
Fester Einband: 351 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 18.01.2017
ISBN 9783257069709
Genre: Romane

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(102)

207 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 86 Rezensionen

thriller, vergangenheit, psychothriller, drama, perfect girl

Perfect Girl - Nur du kennst die Wahrheit

Gilly Macmillan , Maria Hochsieder
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.02.2017
ISBN 9783426520567
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

An einem Winterabend ereignet sich nach einer Party ein tragischer Unfall, bei dem drei Jugendliche uns Leben kommen. Am Steuer sitzt die erst 14-jährige Zoe Guerin. Dieses Ereignis erschüttert Zoes Leben zutiefst, auch die Ehe ihrer Eltern zerbricht daran. Nach ihrer Zeit im Jugendarrest, zieht Zoe mit ihrer Mutter Maria nach Bristol, wo deren Schwester Tess lebt. Dort beginnt ihr 2.Leben mit Marias 2. Ehe und einer neuen Familie. Auf einem gemeinsamen Klavierkonzert mit ihrem Stiefbruder kommt es jedoch zu einem Eklat, Zoes Geheimnis droht ans Licht zu kommen, und am nächsten Morgen ist Zoes Muttet tot. 

In diesem Thriller wird das Geschehen in kurzen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Dabei wird schnell klar, dass in dieser Familie hinter der glänzenden Fassade einige Geheimnisse lauern. Aufgrund der sehr persönlichen Schilderungen ist der Leser sehr nah dran an der Handlung. Dieser Thriller ist etwas besonderes, denn er dreht sich nicht um besonders psychopathische oder grausame Taten, sondern spielt raffiniert nicht nur mit den Gefühlen der Charaktere sondern auch mit denen der Leser. Wonach bemisst sich Schuld? Wäre ich selber fähig zu vergeben? Wiesehr lassen wir und von Vorurteilen und oberflächlichen Eindrücken leiten? Abgesehen von den Rückblenden findet das Geschehen in einer sehr kurzen Zeitspanne und einem sehr eingeschränkten Raum statt und erinnert damit ein wenig an ein Kammerspiel. Umso intensiver sind die Erlebnisse für einzelnen Personen und die zum Teil dramatischen Folgen für ihre weitere Zukunft. Das Buch hat mich inhaltlich und sprachlich sehr beeindruckt, der Spannungsbogen ist durchgehend hoch, ich mochte das Buch kaum aus der Hand legen. Dies wird ganz sicher nicht mein letztes Buch von Gilly Macmillan gewesen sein.

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(199)

319 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 165 Rezensionen

mord, psychologie, krimi, manuskript, roman

Das Buch der Spiegel

E.O. Chirovici , Werner Schmitz , Silvia Morawetz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.02.2017
ISBN 9783442314492
Genre: Romane

Rezension:

„Das Buch der Spiegel“ ist ein außergewöhnliches Buch, nicht nur aufgrund der Idee hinter der Geschichte, sondern auch aufgrund der ungewöhnlichen Erzählweise.

Zu Beginn erhält der Literaturagent Peter Katz einen Auszug aus dem Roman des Autors Richard Flynn zur Begutachtung. Flynn erzählt darin eine sehr persönliche Geschichte aus seiner 27 Jahre zurückliegenden Studentenzeit. Damals war er privat mit dem Psychologieprofessor Joseph Wieder bekannt, dessen brutale Ermordung nie aufgeklärt wurde, Richard Flynns Leben aber nachhaltig beeinflusst hat. Nach all den Jahren haben neue Erkenntnisse seine Sicht auf die Vorfälle geändert, so dass er sich die Geschichte in Form eines Romans von der Seele geschrieben hat. An entscheidender Stelle endet das Manuskript, der Literaturagent ist jedoch von Stil und Inhalt der Geschichte so begeistert, dass er mit dem Autor Kontakt aufnehmen und das Buch veröffentlichen will. Leider muss er feststellen, dass Richard Flynn inzwischen verstorben und der Rest des Manuskripts nicht auffindbar ist. Die Geschichte lässt ihn nicht los, so dass er versucht die Wahrheit hinter der Geschichte zu ergründen.

Inklusive Richard Flynn sind es 4 Ich-Erzähler, die nacheinander jeder auf ihre Art zu der Aufklärung der Geschichte beitragen. Die Wechsel der Erzählperspektive sind klar voneinander abgegrenzt, die Charaktere unterscheiden sich deutlich voneinander und verleihen dem Buch so einen besonderen Charme. Am Ende sind nicht alle Fragen eindeutig geklärt, aber das passt zu der Aussage des Buches. 

Es spielt gewissermaßen damit, dass die Wahrheit, die man zu kennen glaubt, oft nur einen Teil der tatsächlichen Wahrheit widerspiegelt und uns eine Realität vorgaukelt, die es so gar nicht gibt. Der Leser wird immer wieder in die Irre geführt und kann mit darüber nachgrübeln, wie die Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben.

Ich finde dieses Buch mit seinen geschickten Wendungen sehr bemerkenswert, weil es viele Denkanstöße gibt und mit einer klaren Sprache eine wunderbare komplexe Geschichte erzählt.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Turm der toten Seelen

Christoffer Carlsson , Susanne Dahmann , Wanja Mues , Mark Waschke
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 09.03.2015
ISBN 9783844518177
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“Der Turm der toten Seelen“ ist der Auftakt einer Krimireihe um den Stockholmer Polizisten Leo Junker, verfasst von dem damals erst 27-jährigen Autor Christoffer Carlsson. Der Autor wird hoch gelobt und als würdiger Nachfolger von Henning Mankell oder Stieg Larsson angepriesen, was mir allerdings nach dem Hören des Hörbuchs des ersten Bandes etwas hochgegriffen erscheint.

Hauptfigur Leo Junker ist Polizist in Stockholm, wurde jedoch vom Dienst suspendiert, nachdem er bei einem Einsatz versehentlich einen Kollegen erschossen hat. Nach diesem Ereignis ist Leo physisch und psychisch stark angeschlagen, der Leser erfährt im Verlauf der Geschichte, dass dies nicht der erste Schicksalsschlag war, den Leo verkraften muss.

Durch den Mord an einer jungen Frau in seinem Wohnhaus wird er aus seiner Lethargie aufgeschreckt und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Ein Detail des Falls erinnert ihn an seine Jugend in Salem, einem kleinen Ort in der Nähe Stockholms, an die dort vorherrschende Gewalt, seine erste Liebe und seinen damaligen besten Freund John Grimberg. Tragische Ereignisse haben die Freundschaft damals zerstört, und obwohl Leo Johns Rache fürchtet, stellt dieser ein wichtiges Bindeglied zu dem aktuellen Mordfall dar.

Dieser Thriller ist sehr eng mit Leos Geschichte verknüpft. In vielen Rückblenden wird von den Ereignissen aus Leos Jugend erzählt, aber auch von den Umständen, die zu seiner Suspendierung geführt haben. Die Erzählung springt zwischen den Zeitebenen, ich brauchte ab und an einen Moment um zuzuordnen, wann das Geschehen gerade angesiedelt ist. Die Stimmung ist analog zu Leos Gemütsverfassung oft düster, wie sein durch Medikamente getrübter Geist, wirken die Schilderungen teils nicht nur schwermütig sondern auch schwerfällig, was dem Thriller leider an Spannung nimmt. Die Einblendungen der an Leo gerichteten Briefe machen zwar zunächst neugierig, sind aber dann doch zu schnell durchschaubar. Lediglich gegen Ende des Buches nimmt die Geschichte mit ein paar spannenden Wendungen Fahrt auf.

Die Schilderungen sind interessant trotz der oft kurzen Sätze, die Atmosphäre ist stimmig. Leo ist als Hauptfigur nicht immer sympathisch aber deutlich vielschichtiger als der Thriller insgesamt. Im Vergleich zu den Büchern von Stieg Larsson fehlt mir die Komplexität, und die Geschichte ist zu vorhersehbar. Gerade gegen Ende der Geschichte zeigt Leo Junker jedoch, was in ihm steckt, so dass ich dennoch neugierig bin, ob die Folgebände eine Steigerung darstellen.

Die Übersetzung des Titels ist wie so oft eher abschreckend, „Der unsichtbare Mann aus Salem“ trifft es deutlich besser. 

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225 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 121 Rezensionen

schweden, krimi, fabian risk, dänemark, mord

Minus 18 Grad

Stefan Ahnhem , Katrin Frey
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 02.01.2017
ISBN 9783471351246
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Minus 18 Grad“ ist bereits der dritte Krimi um den Ermittler Fabian Risk, er setzt zeitlich 2 Jahre nach dem ersten Band „Und morgen Du“ an, spielt wieder in erster Linie in Helsingborg und ist ebenso spannend und komplex wie die anderen Bände.

Es geht um einen seltsamen Todesfall; bei einer Verfolgungsjagd durch Helsigborg landet ein Auto im Hafenbecken. Alles deutet auf einen Unfall hin, doch der Gerichtsmediziner Flätan entdeckt, dass der Fahrer bereits seit 2 Monaten tot war und in der Zwischenzeit offenbar tiefgefroren. Doch wie kann es sein, dass Zeugen den Toten ein paar Tagen zuvor noch lebendig getroffen haben wollen?

Das Team um Fabian Risks Chefin Astrid Tuvesson ist derzeit in keiner guten Verfassung, da einige mit privaten Problemen zu kämpfen haben, dennoch kommen sie schnell zu dem Schluss, dass der Täter offenbar systematisch die Identität des Opfers angenommen hat. Und wie es scheint, ist der Tote im Hafenbecken weder der erste noch der letzte Fall dieser Art. Der Täter geht raffiniert vor, hinterlässt keine Spuren und macht es dem Team schwer, seine wahre Identität zu entlarven.

In einem anderen Handlungsstrang gibt es ein Wiedersehen mit der dänischen Polizistin Dunja Hougaard, die immer noch mit den Rachegelüsten ihres ehemaligen Chefs Kim Sleizner zu kämpfen hat und während ihres Streifendienstes auf die Zeugin eines brutalen Mords trifft. Die Aufklärung des Todes fällt zwar nicht in ihren Kompetenzbereich, die halbherzigen Ermittlungsansätze ihrer Kollegen veranlassen sie jedoch auf eigene Faust zu ermitteln und führen sie unter anderem auch nach Schweden und zu Fabian Risk. Diesmal kommt es zwar zu keiner direkten Zusammenarbeit, dennoch sind beide Handlungsstränge spannend und halten den Leser in Atem.

Der Titel ist als Krimi eingestuft, hat in vielen Punkten aber eher das Potential eines Thrillers mit einigen brutalen Szenen, die die beteiligten Personen psychisch an ihre Grenzen treiben. 

Neben der belastenden Ermittlungsarbeit wird Fabian Risk auch in seinem Privatleben schwer beansprucht. Sein Sohn Theodor erholt sich nur sehr langsam von dem zwei Jahre zurückliegenden Trauma, die daraus resultierenden Spannungen zwischen Vater und Sohn schwelen weiterhin, in Fabians Verhältnis zu seiner Frau Sonja überwiegen weiterhin die Misstöne.

Auch dieser Band hat mir mit seiner Vielschichtigkeit wieder sehr gut gefallen. Der Spannungsbogen ist hoch, die Charaktere sind glaubhaft, wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Die bildhafte Sprache und die zum Teil schonungslosen Schilderungen der Szenen vermitteln eine große Nähe zu den Personen und lassen den Leser an ihren Schicksalen teilhaben. Die Geschichte ist in sich schlüssig, auch wenn die Motive der Täter etwas zu kurz kommen. Die skrupellose und teils wahllos wirkende Gewalt erscheint erst unglaubwürdig und konstruiert. Leider basiert insbesondere der Handlungsstrang um Dunja Hougaard auf realen Fällen und  verleiht dem Krimi zusätzlichen Schrecken und Authentizität.

Das Buch steht für sich allein, gibt kurze Hinweise auf die Vorgeschichte, ohne zu viel von den anderen Bänden zu verraten, um die Entwicklung der Charaktere und ihre Reaktionen zu verstehen, ist es aber durchaus ratsam, die Bände in der chronologischen Reihenfolge zu lesen.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

Lesegören: Jetzt geht´s ab, Girls!

Bianka Minte-König , Carolin Liepins
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Planet! ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 16.02.2017
ISBN 9783522505161
Genre: Kinderbuch

Rezension:

“Jetzt geht’s ab GIRLS!“ ist bereits der 5. und leider auch der letzte Band um Lotte und ihre Freundinnen des GIRLs-Club und bildet einen schönen Abschluss für eine tolle Buchreihe für Mädchen im Alter von 10-12 Jahren.

Im Mittelpunkt steht diesmal die Klassenfahrt von Lotte und ihren Mitschülern, die zunächst fast abgesagt zu werden droht, weil ihre Lehrerin Frau Weissgerber aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig als Begleitperson ausfällt. Doch dank des Engagements der GIRLs wird schnell Ersatz gefunden. So geht es doch noch mit Lehrern, Schülern und nicht zu vergessen Rubber an den Darß, wo es nicht nur viel zu entdecken, sondern auch ein unerwartetes Wiedersehen gibt. Lotte ist nicht immer ganz bei der Sache, weil sie von privaten Sorgen geplagt wird, doch als die Chicks und Marcel mit seinen Dumpfbacken in Schwierigkeiten geraten, ist sie es, die mit ihren GIRLs eine rettende Idee findet.

Meine Kinder und ich haben in allen Bänden mit Begeisterung Lottes Lebensgeschichte verfolgt, auch hier überzeugen wieder die sehr lebendig wirkenden Charaktere und die spannenden Erlebnisse der GIRLs. Das Buch dreht sich genau um die Themen, die Mädels in diesem Alter beschäftigen wie Freundschaft, Eifersucht oder auch erste Verliebtheit. Bianca Minte-König trifft dabei immer den richtigen Ton, schafft mit ihren bildhaften Beschreibungen lebendige Szenarien, während sie bei sensiblen Themen um die erste Liebe behutsam mehr Raum für das Kopf-Kino lässt.

Und so ganz nebenbei lernen die jungen Leser in diesem Band noch einiges über die Besonderheiten des Darß, Naturschutz und nachhaltigen Umgang mit der Natur, geschickt eingepackt in eine spannende Geschichte. Zwischen den Seiten steckt einiges, das zum Nachdenken anregt, auch über den eigenen Umgang mit der Natur, den Freunden oder Klassenkameraden. 

Lotte und ihre Freundinnen haben sich mit ihren Lesern im Verlauf der Reihe weiter entwickelt, sie haben einige Herausforderungen gemeistert und dabei an Selbstbewusstsein gewonnen. Sie nähern sich dem Teenager-Alter, ein neuer Lebensabschnitt beginnt und Lotte muss immer seltener ihren Lebens-Kompass befragen.

Wir haben den GIRLs-Club in dieser Zeit richtig lieb gewonnen und trennen uns nun schweren Herzens von ihnen. Diese Reihe habe ich mit meinen Kindern gemeinsam gelesen, aber auch sie werden älter und wollen zunehmend lieber allein in den Büchern schmökern. Ich bin sicher, dass da auch in Zukunft noch einige Bücher der Autorin dabei sein werden.

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360 Bibliotheken, 22 Leser, 2 Gruppen, 168 Rezensionen

thriller, london, serienmörder, ragdoll, wolf

Ragdoll - Dein letzter Tag

Daniel Cole , Conny Lösch
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 27.03.2017
ISBN 9783548289199
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Ragdoll – Dein letzter Tag“ von Daniel Cole ist ein spannender aber auch brutaler Thriller. Derart gewalttätige Geschichten sind eigentlich nicht mein Fall, der durchweg hohe Spannungsbogen und die Psychothriller-Elemente haben mich jedoch so gefesselt, dass ich dabei geblieben bin.

Schon im Prolog gibt es eine heftige Szene, als während einer Gerichtsverhandlung der Ermittler Detective Layton-Fawkes, genannt Wolf, den Angeklagten brutal niederschlägt.

Die eigentliche Handlung setzt dann gut 4 Jahre später ein, Detective Wolf ist nach einiger Zeit in psychiatrischer Betreuung rehabilitiert und in seinen Job bei der Londoner Polizei zurück gekehrt, als er zu einem grausigen Tatort gerufen wird. Fixiert von hunderten feiner Fäden hängt eine Leiche von der Decke. Und auch der Leichnam selbst ist alles andere als gewöhnlich, denn er wurde aus den Leichenteilen 6 verschiedener Toter grob zusammengenäht. Noch dazu scheint diese Leiche auf Wolfs Wohnung zu zeigen, die in einem Block gegenüber liegt, und seine Exfrau, die als Journalistin bei einem Nachrichtensender arbeitet, erhält eine Liste mit den Namen und Todesdaten von sechs weiteren Opfern, Wolf selbst ist der letzte auf der Liste.

Dieser Fall stellt die Londoner Polizei vor einige Herausforderungen nicht nur aufgrund der emotionalen Betroffenheit der Ermittler. Der Täter ist intelligent und scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein.

Der Autor schont seine Charaktere nicht, er offenbart ihre Schwächen ebenso wie ihre Stärken. Die Sprache ist oft sehr direkt und schockt den Leser so manches Mal mit grausamen Details. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, mal aus Sicht von Wolf, mal aus der seiner Exfrau oder auch der Kollegen Baxter und Edmunds. Dann wieder werden die Geschehnisse von einer Art Erzähler zusammengefasst, was mich an einigen Stellen vom Stil an das Kino-Genre Film-Noir erinnert hat. Die Charaktere sind überzeugend und polarisierend, er entlarvt Schwächen und auch Stärken der Figuren, nimmt gleichzeitig aber auch die Reaktion der Bevölkerung und vor allem der Medien aufs Korn. Das Ende und die Auflösung konnten mich nicht ganz überzeugen, dazu ist für meinen Geschmack die ganze Geschichte zu realitätsfern, insgesamt ist dies aber ein spannender Einstig in eine neue Thriller-Reihe.  

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

hörbuch, ab 10, schenken, trauer, kinderbuch

Ein Junge namens Weihnacht

Matt Haig , Sophie Zeitz , Rufus Beck
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783862318292
Genre: Romane

Rezension:

Mit dem Kinderbuch "Ein Junge namens Weihnacht" hat der Autor Matt Haig wieder einmal seine Erzählkunst bewiesen. Nachdem mir schon "Ich und die Menschen" mit seiner originellen Geschichte und seiner Wortgewandtheit ausgesprochen gut gefallen hat, wurden meine Erwartungen auch hier nicht enttäuscht. Das Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das winterliche Finnland ins Reich der Wichtel und erzählt eine Geschichte darüber, wie es zu dem heute allseits bekannten Mythos um den Weihnachtsmann gekommen ist. Den Weihnachtsmann selbst kennt jedes Kind, aber wer macht sich schon darüber Gedanken, wie es dazu gekommen ist? Matt Haig erzählt hier sehr bildhaft, wie es wohl gewesen sein könnte. Viele Details wie die Wichtel, Elfen oder auch sprechende Tiere lassen die Geschichte wie ein Märchen erscheinen und geben ihr einen besonderen Zauber.

Der kleine Nikolas wächst in ärmlichen Verhältnissen im ländlichen Finnland auf. Sein Vater Joel verdient mehr schlecht als recht mit Holzhacken ihren Lebensunterhalt, Nikolas begleitet ihn oft, zum Spielen besitzt t er lediglich eine aus einer Steckrübe geschnitzte Puppe. Eines Tages erhält der Vater die Gelegenheit, sich mit einer Gruppe Männer auf die Suche nach dem Reich der Elfen und Wichtel zu begeben und dafür reich entlohnt zu werden. Nikolas bleibt in der Obhut seiner Tante Carlota zurück, die sich jedoch als gemein und hartherzig entpuppt. So beschließt Nikolas davon zu laufen und seinen Vater zu suchen. Auf seiner Reise findet er die Freundschaft eines Rentiers, die Mütze seines Vaters und schließlich auch die Wichtel. Er erlebt schöne und schmerzliche Dinge, es ist ein langer Weg, bis er seine Bestimmung erreicht. Das Buch enthält ebenso magische wie grausame Momente, bei dem Hörbuch haucht der großartige Rufus Beck mit seiner differenzierten Lesung den Figuren Leben ein. Es gibt einige tolle Charaktere, neben Nikolas und Blitz hat uns auch die kleine Wahrheitselfe Pixi besonders gut gefallen.

Ich hatte eine zeitlang Zweifel, ob die Altersempfehlung mit 10 Jahren nicht etwas niedrig angesetzt ist, da ein paar Szenen recht brutal sind, allerdings findet man dergleichen auch bei klassischen Märchen, und meine Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren waren begeistert. Lediglich der Schluss zog sich etwas hin, hier wurde die Geschichte eher nachdenklich und hat an Spannung verloren, das hätte man etwas raffen können. Insgesamt ist dies jedoch eine wirklich schöne Weihnachtsgeschichte für Jung und Alt, die wir sicher im nächsten Jahr wieder zur Einstimmung in die Adventszeit hören werden.

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

krimi, schlager, castingshow, musik, odenwald

Der Träume blauer Schlussakkord

Brigitte Pons
Flexibler Einband
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 14.10.2016
ISBN 9783736304918
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“Der Träume blauer Schlussakkord“ ist bereits der vierte Band um den sympathischen Ermittler Frank Liebknecht und erfordert diesmal seinen ganz besonderen Einsatz.

Im Vielbrunner Parkhotel hat sich das Team einer Casting-Show eingemietet. Im Stil der 70er-Jahre wird hier ein Revival des Deutschen Schlagers zelebriert. Als der Chef des Catering-Sevice Frank Liebknecht telefonisch von Gerüchten zu einem geplanten Mordkomplott bei der Show erzählt und kurz darauf spurlos verschwindet, wird Frank hellhörig. Spontan beschließt er, seinen ohnehin anstehenden Urlaub für einen Abstecher in die Musik-Branche zu nutzen und heuert auf eigene Faust bei der Show als Bassist an. Kurz darauf treibt tatsächlich im Hotelpool eine Leiche,  die Erbacher Kripo spielt zum Glück Franks Spiel mit und nutzt seinen Undercover-Einsatz für ihre Ermittlungen. 

Auch Marcel Neidhardt und Sylvia Klingelhöfer sind wieder mit von der Partie, insbesondere Marcel tut sich schwer damit, die neue Chefin Isolde Dannenberg als neue Vorgesetzte anzunehmen. Auch in der Freundschaft zu Frank kriselt es, da Marcel sich von Frank hintergangen fühlt. 

Der Fall ist verzwickt, es gibt nur wenige Spuren und um so mehr Beteiligte. Rund um die Schlager-Show zählt mehr Schein als Sein und macht eine Einschätzung der Motive schwierig, außerdem muss Frank vorsichtig agieren, um seinen verdeckten Einsatz nicht zu gefährden. Der Leser weiß während des gesamten Verlaufs kaum mehr als die Ermittler, kann so miträtseln und spekulieren und wird dabei so manches Mal auf eine falsche Fährte geführt.

Mir hat auch in diesem Band die Mischung wieder sehr gut gefallen aus einem spannendem Mordfall, interessantem Hintergrundwissen, diesmal in die Abgründe des Schlager- Business. 

Die Geschichte ist kurzweilig und pointiert erzählt, es gibt ebenso Szenen zum Schmunzeln wie auch ernste bis bedrückende Passagen. Die Charaktere wirken lebendig, insbesondere Frank Liebknecht und Marcel Neidhardt sind mir im Verlauf der Reihe regelrecht ans Herz gewachsen. Die Entwicklung der Figuren nimmt neben dem Kriminalfall einiges an Raum ein, das muss man mögen, ich habe die Lektüre genossen und mochte das Buch kaum aus der Hand legen. 

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502 Bibliotheken, 19 Leser, 2 Gruppen, 76 Rezensionen

david hunter, thriller, simon beckett, england, backwaters

Totenfang

Simon Beckett , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 14.10.2016
ISBN 9783805250016
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach 5 Jahren Wartezeit hat Simon Beckett endlich seine erfolgreiche Thriller-Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter fortgesetzt. In diesem 5.Band mit dem Titel „Totenfang“ wird Hunter zu einer Leichenbergung hinzugezogen in den Backwaters, einem unwirtliches Mündungsgebiet in Essex. Die Polizei vermutet, dass die Leiche dem seit einem Monat als vermisst gemeldeten Leo Villiers gehört, dem 31-jährigen Sohn einer einflussreichen ortsansässigen Familie. Villiers wurde ein Verhältnis mit der verheirateten Emma Darby nachgesagt, die ebenfalls bereits seit einiger Zeit vermisst wird. Er stand im Verdacht, erst seine Geliebte und später sich selbst umgebracht zu haben. David Hunter soll zunächst nur die Bergung beaufsichtigen, durch einen unglücklichen Zwischenfall muss er jedoch länger in der Gegend verweilen, und nachdem er einen einen einzelnen Fuß im Wasser auffindet, der eindeutig nicht zu Leo Villiers gehört, kommen Hunter Zweifel an der Identität der Leiche. 

5 Jahre sind eine lange Lücke zwischen den Bänden, geht der Reihe die Luft aus? Zumindest braucht diese Geschichte eine Weile, bis sie in Fahrt kommt und Spannung aufbaut. Ich kenne alle vorangehenden Geschichten, musste nach dieser langen Zeit aber trotz einiger Andeutungen zu Hunters Vorgeschichte meine Gedächtnis erst wieder auffrischen, um ein klares Bild von seinem Charakter und den früheren Ereignissen zu bekommen. Man kann diese Geschichte problemlos auch ohne Vorkenntnisse lesen, da dies nicht unbedingt der stärkste Band ist, würde ich das als Einstieg jedoch nicht empfehlen.

Sprachlich ist die Geschichte auch dieses Mal wieder brillant, in den ersten Kapiteln steht jedoch David Hunter mit seinen persönlichen Problemen etwas sehr im Vordergrund, der Fall scheint zunächst eine Nebensache zu sein. Dabei passt das düstere und bedrohliche Szenario der Backwaters zu Hunters psychischer und physischer Verfassung. Die Hintergrundinformationen über Wasserleichen tragen ebenso zum Gruselfaktor bei, wobei die Hunters wissenschaftliche Betrachtung der Dinge dieses Thema eher interessant als eklig werden lässt. Und wenn die Geschichte im letzten Drittel Tempo aufnimmt und sich mehr und mehr Spannung aufbaut, wird klar, wieso die detaillierten Charakterisierungen notwendig waren. Ich habe schon Bücher von Beckett mit mehr psychologischem Thrill gelesen, aber auch hier hat mir die komplexe und überraschende Geschichte wieder gut gefallen.

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

kiel, mord, historischer krimi, krimi, sabotage

Tod am Nord-Ostseekanal

Anja Marschall
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 22.09.2016
ISBN 9783954519781
Genre: Historische Romane

Rezension:

“Tod am Nord-Ostseekanal“ von Anja Marschall ist ein rundum gelungener Krimi vor historischer Kulisse in Schleswig-Holstein im Jahre 1894. Die Geschichte ist spannend aufgebaut und erzählt, die Charaktere wirken ebenso glaubhaft und authentisch wie das Szenario. Die Autorin lebt in der Nähe des Ortes, an dem sie ihren Kriminalroman angesiedelt hat, und man merkt in vielen kleinen Details, dass sie die Gelegenheit genutzt hat, gründlich zu den historischen Hintergründen zu recherchieren. Der Leser bekommt so ganz nebenbei einen Einblick in die Lebensumstände und die Probleme der Menschen in der damaligen Zeit.

Hauptfigur ist wie schon in „Fortunas Schatten“, einem weiteren historischen Kriminalroman der Autorin, der ehemalige Kapitän Hauke Sötje. Inzwischen ist Sötje als Anwärter bei der noch recht neuen Kriminalpolizei in Kiel angestellt. Er hofft auf eine feste Anstellung, um seinem Leben neue Stabilität zu geben und endlich seiner Sophie einen Heiratsantrag machen zu können.

Doch vorher muss er seinen Vorgesetzten von seiner Loyalität und Zuverlässigkeit überzeugen und wird  deshalb zur Aufnahme eines Unfallberichts nach Brunsbüttel geschickt. Dort ist bei den Bauarbeiten zum Nord-Ostseekanal der aus Österreich stammende leitende Ingenieur ums Leben gekommen. Kurz vor dem Besuch des deutschen Kaisers an den Bauarbeiten des Kanals kämen politische Komplikationen äußerst ungelegen, die Polizei hat schon mit zunehmenden Unruhen durch sozialistische Arbeitergruppierungen genügend Probleme.

Wenn Hauke etwas in Angriff nimmt, dann geht er jedoch gründlich vor, so dass er in diesem Fall schnell einige Ungereimtheiten entdeckt, die auf einen Mord an Ingenieur Strasser hindeuten. Auch die wenig versteckten Drohungen des Bauunternehmers Jennings halten ihn nicht von weiteren Untersuchungen ab. Nebenbei lässt Hauke auch das Geheimnis um den Mord an einem Arbeiterführer in Kiel keine Ruhe, nach weiteren Zwischenfällen in Brunsbüttel, die einen Unfall immer unwahrscheinlicher wirken lassen, bekommt er alle Hände voll zu tun.

Neben dem sich spannend entwickelnden Fall erhält der Leser Einblicke in die Lebens - und Arbeitsverhältnisse der damaligen Zeit. Mit den Rechten der Arbeiter und Meinungsfreiheit war es nicht weit her, Vorgesetzte und Unternehmer hatten weitgehend freie Hand, Ausbeutung war an der Tagesordnung. Auch Hauke kommt immer wieder in Gewissenskonflikte, denn wenn er nach seinem Grundsätzen handelt und den Anweisungen der Oberen zuwider handelt, setzt er seine persönliche Zukunft aufs Spiel. 

Zu einer stimmigen Atmosphäre  tragen auch die Kapitelanfänge bei, in denen jeweils kurze Zeitungsauszüge aus der Region abgedruckt sind, die einen ergänzenden Eindruck darüber vermitteln, was den Menschen im Jahr 1894 wichtig war.

Der Krimi hat mich mit seiner wendungsreichen Geschichte und seinem sympathischen Hauptprotagonisten sehr gut unterhalten und immer wieder überrascht. Den ersten Band kenne ich bislang nicht, werde das aber auf jeden Fall nachholen, um mehr über die Vorgeschichte von Hauke Sötje zu erfahren.

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250 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 105 Rezensionen

island, thriller, mord, krimi, psychologin

DNA

Yrsa Sigurdardóttir , Anika Wolff
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 26.09.2016
ISBN 9783442756568
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Island besitzt nach internationalen Studien eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt, Morde sind auf der Insel nicht gerade an der Tagesordnung, aber gerade das scheint die Fantasie der Krimiautoren anzufachen. Zumindest in dem neuen Thriller von Yrsa Sigurðardóttir geht es um einen ausgesprochen perfiden Mörder.

Schon der Prolog ist düster und beklemmend. Er erzählt von drei kleinen Kindern, die durch ein schreckliches Ereignis ihre Eltern verloren haben und nun zur Adoption stehen. Obwohl sich die Geschwister teils sehr nahe stehen, müssen sie getrennt vermittelt werden auch in der Hoffnung, dass sie ihre Vergangenheit so schneller hinter sich lassen und vergessen können.

Die eigentliche Handlung setzt 28 Jahre später ein. Elísa ist mit ihren drei Kindern allein zu Hause, da ihr Mann geschäftlich nach Amerika gereist ist. Als ihre siebenjährige Tochter Margrét nachts zu ihr ins Bett kriecht und berichtet, sie hätte einen Mann im Wohnzimmer gesehen, schreibt Elísa dies zuerst der Fantasie ihrer Tochter zu. Doch kurz darauf ist Elísa tot, auf grausame Weise ermordet, während ihre Tochter sich nur knapp vor dem Mörder verstecken kann. Die Polizei findet am nächsten Tag das völlig verstörte Mädchen, da sie die einzige Zeugin ist, soll sie trotz ihres Traumas mithilfe der Psychologin Freyja befragt werden. Und tatsächlich erfährt der leitende Kommissar Huldar durch Margrét, dass der Täter einen weiteren Mord angekündigt hat. 

Nicht nur aufgrund fehlender Indizien und Spuren stehen Huldar schwierige Ermittlungen bevor. Es ist für ihn der erste Fall als Ermittlungsleiter, und dann erkennt er in Freyja auch noch einen On-Night-Stand wieder, bei dem er sich als Tischler statt als Polizist ausgegeben hatte. 

Während Huldar nach Verdächtigen sucht, taucht in der Geschichte ein junger Mann auf, der mit seinem Funksender rätselhafte Zahlencodes empfängt, in denen er unter anderem seine Personen-ID erkennt, aber auch die einer gewissen Elísa Bjarnadóttir. Auch eine pensionierte Lehrerin bekommt per SMS ähnliche Zahlenreihen und glaubt zunächst an einen technischen Fehler.

Der Thriller ist düster, die Sprache so gewählt, dass eine eindringliche Atmosphäre geschaffen wird. Auch ohne die Schilderung allzu vieler Details ist in einigen Szenen die Angst der Personen oder das Grauen der Opfer fast greifbar und wirkt beängstigend real.

Leider verliert sich der Thriller insbesondere im Mittelteil zu sehr in Einzelheiten aus dem Leben der Charaktere. Noch dazu wirken diese oft sehr steif und hölzern ebenso wie viele der Dialoge. Die meisten der Personen des Buches leiden derart unter ihren Selbstzweifeln, dass sie dadurch in ihrem Auftreten und ihren Entscheidungen stark gehemmt sind. Das war mir insgesamt zu viel und zu deprimierend.  

Abgesehen vom schwachen Mittelteil mit einigen Längen ist der Spannungsbogen jedoch hoch, die Geschichte ist logisch aufgebaut und lässt den Leser mitfiebern. Ich habe die ganze Zeit versucht einen Zusammenhang zwischen dem Prolog und der Haupthandlung zu finden, und die Geschichte konnte mich bis zum Ende hin immer wieder überraschen.

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