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2.096 Bibliotheken, 62 Leser, 6 Gruppen, 313 Rezensionen

thriller, psychothriller, sebastian fitzek, fitzek, paket

Das Paket

Sebastian Fitzek
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Droemer, 26.10.2016
ISBN 9783426199206
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Klassischerweise beginnt auch dieser Psychothriller von Fitzek mit einem Prolog, den man in den ersten Augenblicken noch nicht recht einzuordnen vermag.


Die kleine Emma schleicht sich eines Nachts völlig verängstigt in das Schlafzimmer ihrer Eltern – denn in ihrem Schrank lauert wieder der gruselige, fremde Mann. Ihre Eltern kennen das schon. Emmas Fantasie geht wieder einmal mit ihr durch - das wird sich verwachsen.


Und das tat es.

28 Jahre später, das selbstreflektierte Denken gelernt, ist ihr Interesse an der menschlichen Psyche ungebrochen. Sie ist Psychiaterin geworden und hilft ihren KlientInnen durch die schwersten seelischen Erschütterungen.


Doch auch PsychologInnen sind nicht vor psychischen Erkrankungen geschützt. Und schon gar nicht, wenn sie ein schweres Trauma zu verarbeiten haben:

Emma wurde während es eines Kongresses in ihrem Hotelzimmer überrascht und vergewaltigt.


„Das Problem mit psychischen Erkrankungen war die Unmöglichkeit von Selbstdiagnosen. Sein Gehirn mit dem eigenen Gehirn verstehen zu wollen, war in etwa so erfolgversprechend wie der Versuch eines einarmigen Chirurgen, die eigene Hand wieder anzunähen.“ (S.142)


Emotional völlig instabil und verängstigt, gelingt es ihr nicht mehr das Haus zu verlassen, geschweige denn ihren Alltag allein zu meistern. Da ihr Mann Philipp beruflich oft unterwegs ist, ist sie auf den Postboten angewiesen – denn er ist ihr Kontakt zur Außenwelt und bringt ihr beinahe täglich die georderten Produkte aus dem Internet. Doch heute bittet sie der Postbote, ein Paket für einen Nachbarn anzunehmen. Für dich und mich wahrscheinlich selbstverständlich, stellt es für Emma ein kaum zu meisterndes Problem dar, denn ihr Peiniger aus der Schreckensnacht ist bis heute auf freiem Fuß – und den Namen des Nachbarn hat sie noch nie gehört.


Dieses Setting ist vor allem für all diejenigen unter uns interessant, die besonderen Wert auf das „Psycho“ in „Psychothriller“ legen.

Denn zunächst wird erst einmal das Urvertrauen der Protagonistin und somit auch das der LeserInnen schwer in Mitleidenschaft gezogen: Ein sexueller Missbrauch und das anschließende Rasieren des Kopfes als Zeichen der Aberkennung der Weiblichkeit, sind wohl zwei der intimsten Eingriffe in die Privatsphäre und Würde eines jeden Menschen. Hier bedarf es dann auch keiner detaillierten Beschreibungen: Fitzek setzt voll und ganz auf die Fantasie der Leserschaft.


So wird gleich zu Anfang ein Gänsehautmoment geschaffen, dessen Nachwehen sich das komplette Buch hindurch schlängeln. Ein mulmiges Gefühl breitet sich langsam und bedächtig aus und wird durch das sich langsam aufbauende Spannungsgefüge noch verstärkt. Denn, anders als bei anderen Geschichten des Autors, fährt die Story meines Erachtens relativ langsam hoch. Die ersten 100 Seiten mögen die LeserInnen in die richtige Stimmung versetzen, die typischen Cliffhanger und die damit verbundene kaum auszuhaltende Spannung, beginnt erst danach richtig Fahrt aufzunehmen.


Doch ab diesem Wendepunkt geht es dann auch richtig los. Dauerhaft hat man als LeserIn das Gefühl, dass sich der Plot bereits am Höhepunkt befindet, bevor Fitzek den nächsten Twist einfügt.

Omnipräsent ist die Frage nach dem Täter. Zwischenzeitlich wirst du einfach jeden verdächtigen und am Ende trotzdem überrascht sein.


Leider ist dieses Hochgefühl nicht auch auf die Protagonistin zu übertragen. Obschon sie in der Theorie aufgrund ihres Werdegangs eine spannende Person ist, hatte ich persönlich so meine Probleme, einen Zugang zu ihr zu finden. Manche ihrer Handlungen waren nicht recht stimmig und wirkten auf mich nicht rund. Emma ist meines Erachtens eine zu stark konstruierte Person, die dadurch an Glaubwürdigkeit verliert – oder andererseits durch ihre übertriebene Paranoia an den Nerven zerrt.


Der Schreibstil ist angenehm einfach. Wer auf eine gehobene Sprache und verschachtelte Sätze Wert legt, wird enttäuscht werden. Fitzeks Bücher sind und bleiben Storys für jeden.


Clever gelöst ist im hiesigen Fall auch die Perspektive der Erzählung. Wir finden nämlich Kapitel, die zum Zeitpunkt x spielen, nämlich genau dann, als die ganze Story um das ominöse Paket losgeht. Und andere Kapitel spielen wiederum drei Wochen später, als die Protagonistin diese Ereignisse einem Anwalt erzählen muss. Eine Geschichte in der Geschichte sozusagen. Und das hat einen guten Grund.


Wie oben erwähnt, ist das Ende wieder einmal großartig – da einfach nicht vorauszusehen. Wenn du dich an die Story aus „Der Nachtwandler“ erinnerst, kann ich dir ohne zu spoilern verraten, dass du dir auch hier keine große Mühe machen musst, den letzten ausschlaggebenden Twist vor Beendigung des Buches vorherzusehen. Und genau das ist es doch, was einen Psychothriller zu einem GUTEN Psychothriller macht, nicht wahr?



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104 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

berlin, thriller, alanna, grausam, martin krist

Böses Kind

Martin Krist
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei epubli, 26.10.2017
ISBN 9783745035292
Genre: Romane

Rezension:

Suse ist eine heillos überforderte
Mutter – sitzen gelassen von ihrem Ehemann, versucht sie sich und
ihre drei Kinder mit einem Teilzeitjob in der Drogerie über Wasser
zu halten.


Was in jedem Fall einfacher gelingen
würde, wenn ihre pubertierende Tochter Jaqui nicht zusätzlichen
Stress bereiten würde. Wieder einmal ist sie von zu Hause
ausgerissen.





Die ersten Seiten versetzen die
LeserInnen sofort in eine Stresssituation. Man kann förmlich die
Hektik und Lautstärke spüren, der Suse ausgesetzt ist. Ein
unbehagliches Gefühl zwischen Mitleid und der
„Situation-entfliehen-wollen“ macht sich breit, bevor die
Kopfschmerzen der Protagonistin die eigenen werden. Ein
hervorragender Einstieg: So authentisch eine Problemsituation zu
schildern, ohne dabei auf Biegen und Brechen eine Geschichte
konstruieren zu wollen, gelingt in den seltensten Fällen.





Bald darauf machen wir Bekanntschaft
mit Ermittler Henry Frei. Auch dieser wirkt wie aus dem echten Leben
gegriffen. Frei hat etwas neurotische Züge und erinnert in seinem
Handeln an Charaktere wie „Monk“ oder „Dr. House“ - um
bekanntere Fernsehgrößen zu nennen, die den Vergleich am
deutlichsten machen. Hier und da fühlt man sich sogar selbst erkannt
- denn wer von uns hat keinen Spleen, der auf andere Menschen
befremdlich wirkt? Gleichzeitig erlebt man ihn immer wieder aufs Neue
als liebevollen Familienvater, der sich fürsorglich um Frau und
Tochter bemüht. Frei wird von Seite zu Seite sympathischer.





Sein Können als couragierter und
disziplinierter Ermittler stellt er ebenfalls unter Beweis, als sich
die Ereignisse alsbald überschlagen:


Auf einer Baustelle wird ein
gekreuzigter Hund gefunden, der zwar kein Fall für die
Mordkommission ist, aber ein grausamer Vorbote für die nächsten
Geschehnisse. Kurz darauf ist das Opfer nämlich kein Hund mehr,
sondern ein Teenager.





Jetzt kommt wieder Suse ins Spiel, die
sich parallel in all ihrem Trubel Sorgen um ihre ausgerissene Tochter
machen muss. So lange fern zu bleiben ist auch für Jaqui nicht
üblich – Suse informiert die Polizei und hat einen grausamen
Verdacht.





Wer jetzt auf einen klassischen Krimi
nach Schema F hofft, wird bitterlich enttäuscht werden – und alle
anderen, inklusive mir, dürfte das besonders freuen. Die
Vorgehensweise ist unüblich und gerade deshalb so kurzweilig und
abwechslungsreich.





Neben diese beiden Erzählsträngen,
die im Laufe des Thrillers zusammenfinden werden und für sich
genommen schon spannend genug sind, erhalten die LeserInnen in
regelmäßigen Abständen einen Einblick in die Szenen einer völlig
unbekannten Person. Eingesperrt in ein Kellerverlies, werden aus
dieser Sichtweise die grausamsten Ängste beschrieben, die man sich
wohl ausmalen kann. Das passiert aber nicht wortwörtlich, sondern
vor allem durch die Fantasie der LeserInnen. Grausame Taten werden
nicht bis ins letzte Detail beschrieben, sondern geschickt mit
wenigen Worten angedeutet und die Leserschaft sich selbst überlassen.





Clever sind auch die eingesetzten
Stilmittel. Beispielsweise hören die Charaktere immer mal wieder
Musik und man wird als LeserIn sofort in die gleiche Stimmung des
Protagonisten versetzt. Ohrwürmer sind garantiert. Ähnlich verhält
es sich mit der immer wieder angezeigten Uhrzeit. Eine prima Methode,
um den LeserInnen eine Hilfe zur zeitlichen Einordnung zu geben, ohne
es umständlich in schlecht konstruierten Sätzen unterbringen zu
müssen.





Und der Schreibstil insgesamt?


Der ist einfach gehalten, ohne
ausschweifende Erzählungen, die mit der Hauptstory nichts zu tun
haben. Die Kapitel enden häufig mit einem Cliffhanger, was mir
persönlich sehr gut gefällt – denn so wird besonders viel
Spannung erzeugt. Das wird weiter unterstützt, durch den
angesprochenen fortlaufenden Perspektivenwechsel der Kapitel. So
müssen die LeserInnen sogar immer wieder ein paar Seiten warten, bis
es mit der gewünschten Person weitergeht und ein weiteres Puzzleteil
hinzukommt – die Spannung steigt so ins Unermessliche und der
Thriller scheint förmlich in den Fingern dahin zu schmelzen.





Das Sahnehäubchen auf diesem Eisbecher
sind die nicht vorauszusehenden Twists, die Krist geschickt einbaut:
Ist man sich endlich sicher, des Rätsels Lösung gefunden zu haben,
merkt man schnell, dass man selbst auch nur ein Opfer ist: Ein Opfer
des Autors, der die LeserInnen subtil aber erfolgreich auf die
falsche Fährte geführt hat. Großartig!





Alleinig das Ende ist meines Erachtens
nicht so perfekt gelungen, wie der Rest.


Das hat jedoch nichts mit der Story an
sich zu tun, welche hervorragend logisch bis zum Ende gedacht wurde.
Viel mehr wurde der Thriller nach des Auflösung so abrupt
abgebrochen, dass ein paar mehr Sätze dazu nicht geschadet hätten.
So fühlte man sich im Stich gelassen, mit zu vielen offenen Fragen
über die Charaktere, die im nächsten Fall für Frei sicherlich
keine Rolle mehr spielen werden. Andererseits hat man plötzlich
Zeit, die Geschichte in Ruhe wirken zu lassen. Denn der letzte Twist?
Wirkt noch immer nach.   

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Trittbrettmörder

Arne Dessaul
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 06.07.2016
ISBN 9783839219485
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Binnen zwei Wochen kommen zwei Menschen in Wolfenbüttel auf tragische Weise ums Leben: Hanno ist Landwirt und stirbt durch eine unentdeckte Mine aus DDR-Zeiten in seinem Trecker. Ellen wird in ihrer Boutique Opfer eines Raubüberfalls – Tausend Euro gegen ein Menschenleben.


Bislang können wir von zwei bedauerlichen Schicksalen sprechen, die unglücklicherweise innerhalb kurzer Zeit im gleichen Ort passiert sind.


Oder aber von vorsätzlichem Mord!


Denn die Serie der plötzlichen Tode geht weiter und langsam lässt sich ein Muster erkennen.


Helmut Jordan ist der zuständige Ermittler und erkennt schnell einen Zusammenhang zwischen den vermeintlichen Unfällen: Alle Opfer gehören zum Abschlussjahrgang 1989 des hiesigen Gymnasiums.

Plötzlich ist allen klar: Das können keine Zufälle mehr sein. Was jedoch nicht klar ist: Wer hat die Absolventen des fast 25 Jahre zurückliegenden Abiturjahrgangs auf dem Gewissen – und warum?


Dessauls Debütroman ist nichts für schwache Nerven oder halbherzige Lesestunden. Eine hohe Informationsdichte sorgt dafür, die Leserschaft so nah wie möglich in die Geschehnisse und Ermittlungen eintauchen zu lassen.


Besonders in den ersten Kapiteln wird die Liebe zum Detail deutlich. Eine Sympathie zu Hanno ist nach einer solch tief gehenden und differenzierten Darstellung unumstößlich und führt die LeserInnen unmittelbar in den ersten Spannungsanstieg, als dieser den Tod durch eine plötzliche Explosion findet.


Langeweile kann in diesem Krimi nicht aufkommen – hier wird von den LeserInnen ein Mitdenken erwartet und vorausgesetzt.


Sollte der rote Faden doch einmal aus den Augen verloren worden sein, erwartet die Leserschaft in regelmäßigen Abständen eine clever verpackte Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse, um neben den zahlreichen Eindrücken die Hauptstory im Blick behalten zu können.


Während der 400 Seiten spürt man immer wieder den Spaß, den der Autor während des Schreibens der unterschiedlichen Todesursachen gehabt haben muss: eine unterhaltsame und zugleich makabere Kreativität, die in Krimis in einem solchen Umfang nur sehr selten zu finden ist.


Dessaul schaut über den Tellerrand der klassischen Vorgehensweise eines Krimis hinaus und vernachlässigt dabei nicht, die Hauptpfeiler zu berücksichtigen, um den Spannungsbogen konstant aufrecht zu erhalten. Selbiger findet wie erhofft, seinen Höhepunkt am Ende des Krimis und mündet in einem großen Finale – voller logischer Zusammenführungen, „Aha-Momente“ und der ein oder anderen Wendung, die trotz dauerhaften Mitratens nicht vorauszusehen war.


Trittbrettmörder ein gelungener Einstieg in die Welt von Helmut Jordan, welcher mit seiner unterhaltsamen Art und Weise das Interesse vieler LeserInnen ansprechen dürfte: Wie aus dem echten Leben sind die Szenen und Schauplätze nicht nur für ortsansässige Mittvierziger interessant, sondern für alle Fans eines logisch zu Ende gedachten Krimis, der durch einen geschickten Plot zu überzeugen weiß.  

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82 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 65 Rezensionen

krimi, berlin, havelland, profiler, strichermilieu

Dunkel Land

Roxann Hill
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 13.11.2017
ISBN 9783959671385
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Ein sternenklarer Himmel an einem lauschigen Abend irgendwo in Berlin. Du sitzt gemütlich auf deiner Veranda und lässt die Seele baumeln. Ein Gedanke hier, ein Gedanke dort – bis du völlig entspannt wieder zurück ins Haus gehst, um mit einem Lächeln dein Werk zu vollenden. Lang genug hast du dich zurückhalten können, um so viel Freude wie möglich mit deinem Spielzeug zu haben. Doch nun..

Nun setzt du im grellen Neonlicht dem jungen Mann den finalen Todesstoß. An einem Haken baumelte er lang genug. Seine Augen könnten nicht noch weiter anschwellen. Der Blutverlust wurde sowieso langsam kritisch.


Der Prolog zu Roxann Hills „Dunkelland“ ist alles andere als leichte Kost. Brutal und verstörend werden die LeserInnen ohne Umschweife in die Tiefen der mörderischen Seele eingeführt und verbleiben mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, bis der Hauptstrang zu erzählen beginnt.


Carl von Wuthenow ist ein intelligenter und mehr als gut situierter Mann. Mit jahrelanger Erfahrung beim FBI in den USA ist er mittlerweile als Berater für die deutsche Kriminalpolizei tätig. Wäre da nicht ein kleines Problem:

Seit einem „Unfall“, bei dem Teile seines Hirns geschädigt wurden, vergisst Carl alles, was er seit diesem Unfall erlebt hat. Sein Gedächtnis fängt nach jedem Schlaf von vorne an. Ohne die allabendlichen Notizen über die Erlebnisse ein kaum zu meisternder Alltag.


Dabei unterstützen soll ihn Verena Hofer. Plötzlich Erziehungsberechtigte für ihre verwaiste Nichte, braucht sie dringend Geld und bezieht mit dem Wissen, eine therapeutische Unterstützung für einen kleinen Jungen namens Carl zu sein, das Gut Wuthenow. Schnell wird eines besseren belehrt und in die polizeilichen Ermittlungen eines zu Tode gequälten jungen Mannes involviert. Sie dient Carl fortan nicht nur als Gedächtnisstütze, sondern entwickelt sich zu einer waschechten Ermittlerin – Ein unverhoffter Jobwechsel mit viel Potenzial.


Der Schreibstil ist angenehm einfach. Eine lückenlose, chronologische Erzählweise machen die Handlungen authentisch und vermitteln das Gefühl, stets ein Teil der Ermittlungen zu sein. Hill braucht auch keine verschachtelten Sätze, blutrünstige Beschreibungen oder eine auf Teufel komm raus konstruierte Geschichte.

Mit gut eingesetzten Stilmitteln gelingt es der Autorin schnell, die LeserInnen mit den Protagonisten sympathisieren zu lassen.



Und die Thematik? So modern und aufgeklärt unsere Gesellschaft in weiten Teilen des Landes auch sein mag: Es gibt immer noch Tabuthemen, über die nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Und die Zensur darüber nur weiter verstärkt.


Kinder- und Jugendprostitution beispielsweise, betrieben von geflüchteten Jungen, die ihre zurückgebliebenen Familien zu unterstützen versuchen. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht – die Ausbeutung von Schutzbefohlenen passiert jeden Tag und jede Nacht. Nur wird darüber ungern gesprochen.


Diese Problematik zum Gegenstand eines Krimis zu machen ist couragiert, ungewöhnlich und gerade deswegen von solcher Bedeutung. Roxann Hill schafft es, auf subtile Art und Weise dem Fremdenhass Einhalt zu gebieten und verliert dabei weder die eigentliche Handlung, noch die Protagonisten aus den Augen.


Im Gegenteil. Verena und Carl werden alsbald zu stark konturierten Persönlichkeiten, deren Gedanken charmant und vor allem nachvollziehbar sind.


Meines Erachtens ist dies ein mehr als gelungener erster Fall eines ungewöhnlichen Ermittlerduos, welcher lediglich durch die mehr als klassische Vorgehensweise (Ein Toter, die Ermittlungen beginnen, weitere Tote, Ermittlungen kommen voran, Twist, TäterInnen werden überführt etc.) einen sanften Dämpfer erleidet. Der Spannungsbogen ist demnach ebenfalls vorhersehbar, aber dennoch vorhanden und ausreichend für einen guten Krimi.


Das Ende lässt definitiv auf einen zweiten Band hoffen.  

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21 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

Die letzte Erkenntnis

Bernadette Calonego
Flexibler Einband: 396 Seiten
Erschienen bei Edition M, 17.10.2017
ISBN 9781542048521
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zwei Menschen - zwei Schicksale. Unterschiedlicher könnten die Protagonisten Lester und Tia wohl kaum sein.
Lester ist Anfang Dreißig, lebt in Kanada, ist ein mehr oder weniger bekannter Schauspieler und wird durch seine gut situierten Familienverhältnisse so schnell nicht in Geldnot geraten. 
Tia dagegen ist Mitte Zwanzig, eine begabte Pianistin aus der Schweiz, die sich nun der Mal- und Musiktherapie von Kindern verschrieben hat.
Was die beiden verbindet? Auf den ersten Blick nicht viel. Sie kennen sich nicht und werden sich durch die zig tausenden Kilometer Entfernung auch so schnell nicht begegnen.
Doch wie Lesters Bruder wurde auch Tias Vater erschossen.
Solche Zufälle passieren ständig, sagst du dir?
Da hast du vermutlich Recht.Doch Lester werden Dokumente zugespielt, auf denen unterer anderem der Name von Tias Vater steht - immer noch ein Zufall? Wohl kaum.
Für Lester ist dieser Fall klar: der mehr schlecht als recht aufgeklärte Mord seines Bruder vor vier Jahren war keine Zufallstat, sondern grausames Kalkül. Genau wie die Morde an den Wissenschaftlern, deren Namen ebenfalls in den Dokumenten auftauchten.  
Parallel zu seiner Geschichte, wechselt die Erzählperspektive immer wieder zurück zu Tia, die nach dem Mord ihres Vater einen Neubeginn startet und auf einer kanadischen Ranch Erholung sucht. 
Auch ohne blutrünstige Beschreibungen der Morde erzeugt dieser Krimi eine hohe Spannung. Calonego versteht es, mit Cliffhangern zu arbeiten und die LeserInnen zappeln zu lassen, bevor sie das nächste Puzzleteil erhalten. 
„Die letzte Erkenntis“ ist kein Krimi, den man nebenbei „schnell mal“ lesen kann: Hier ist Aufmerksamkeit gefragt! Sehr viele Namen und Orte spielen eine besondere Rolle und am Ende wird man belohnt. Wie zwei Zahnräder greifen die Erzählstränge ineinander und überzeugen mit einem perfekt ausgeklügelten, bis ins kleinste Detail geplanten Überbau. 
Die Beschreibungen der Charaktere sind dagegen nicht so durchdacht, wie der Rest des Buches. Obschon über Tia und Lester durchgängig aus der dritten Perspektive erzählt wird, fällt eine Verbindung zu den Protagonisten schwer. Andere (durchaus wichtige!) Charaktere werden nicht näher beleuchtet und hinterlassen viele Fragen. So bleiben neben den Protagonisten auch die anderen Persönlichkeiten zumeist inhaltslose Schatten, bei denen ein Mitfiebern schwer bis nicht möglich wird. 
An die Satzkonstruktionen gewöhnst du dich schnell. Schnelle, kurze und präzise Sätze lassen eine innere Unruhe aufkommen und man läuft Gefahr, den ein oder anderen Satz nur zu überfliegen. Diese Falle erst einmal erkannt, bedarf es auch keiner überflüssigen Nebensätze mehr - Calonego schafft trotzdem - oder gerade deswegen -  eine unheilvolle Stimmung. 
Auch die Zielgruppe des Krimis dürfte eine weite sein: Neben Themen wie Ermittlungsarbeit, Sekten und Politik, bietet „Die letzte Erkenntnis“ vor allem etwas für diejenigen, die sich nach der Ferne sehnen. Calonego spannt einen hervorragenden Bogen zwischen verschiedenen Kulturen - verstreut über den halben Erdball.  

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Warum Tätowierte mehr Sex haben

Mark Benecke
Flexibler Einband: 253 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.11.2010
ISBN 9783404606474
Genre: Humor

Rezension:

Bücher über wissenschaftliche Experimente gibt es viele. Meist sind sie staubtrocken und zugepackt mit unzähligen Fremdwörtern, sodass Otto Normalverbraucher schon nach wenigen Seiten das Interesse verliert.


Es sei denn.. Man untersucht bizarre Fragestellungen.

Kann man eine Kokosnuss anstelle einer Kochsalzlösung zur Infusion verwenden? Mit wie viel Druck sondern Pinguine ihren Kot ab? Haben Tätowierte mehr Sex?


Der Ig-Nobelpreis (engl.: ignoble=unwürdig) untersucht genau die Fragen. Experimente, die so absurd aber gleichzeitig so interessant sind, dass sie zwar niemals eine offizielle Auszeichnung erlangen, aber dennoch einer Würdigung bedürfen.


Mitherausgeber der jährlichen Verleihung ist Mark Benecke. Kommt dir dieser Name bekannt vor? Dann bist du vielleicht Fan von Kriminalsendungen wie Autopsie oder Akte Mord. Dort gibt der Kriminalbiologe spannende Einblicke in die Welt der Forensischen Entomologie und erklärt, wie es den Ermittlern der abscheulichen Morde immer wieder aufs Neue möglich ist, die Täter zu fassen.


Mit einem Doktortitel ausgestattet, ist es nicht verwunderlich, warum sich der tätowierte Kriminalist für die Fragestellung des Titels interessieren könnte.


Doch schnell wird man enttäuscht. Die Antwort dafür wird in den ersten zweieinhalb Seiten gegeben und hinterlässt die Leserschaft dennoch mit einem weiterhin unwissendem Gefühl – es stellt einfach nicht zufrieden.


Wenige Kapitel später, wird die gleiche Frage noch einmal aufgeworfen – dieses Mal mit gepiercten Menschen. Und wieder gewinnt man den Eindruck, dass das keine befriedigende Antwort auf die Frage war.


Die kurzen Kapitel eigenen sich hervorragend, um zwischendurch mal eines davon zu lesen. Sie bauen nicht aufeinander auf. Für den nächsten Abend mit Freunden hast du so immer etwas unnützes Wissen im Hinterkopf parat.


Leider ist der Schreibstil nicht gerade spannungsaufbauend. Einige der Themen wurden so ausgeschlachtet und die Antwort auf das Experiment längst gegeben, dass man gewillt war, das Kapitel abzubrechen um zum nächsten überzugehen. Andere Kapitel hingegen wurden so knapp beschrieben, dass ein paar Sätze mehr dem Sachverhalt nicht geschadet hätten.


Benecke ist ein intelligenter Satiriker – und das merkt man auch. Mit Witz und Charme werden alltägliche Phänomene wissenschaftlich erklärt – aufgelockert durch unzählige Fotos, Diagramme oder Skizzen. So ist das Buch ein relativ kurzes Vergnügen. Das macht jedoch den Eindruck nicht wett, dass man sich hier für eine genaue Zielgruppe hat entscheiden können. Für ein lustiges Buch ist es zu unlustig – für ein wissenschaftliches Buch ist es zu unwissenschaftlich. Der Versuch eine Mischung aus beidem zu erwirken, ist hier nicht sonderlich geglückt, da der eintönige und sich immer wiederholende Ablauf ermüdet.


Am Ende einer jeden Abhandlung gibt Benecke glücklicherweise seine persönliche Meinung kund - und rettet dadurch mit Witz den wissenschaftlichen Anspruch des Buches. Auch Wissenschaftler sind vor Kausalitätsproblemen nicht gefeit und verirren sich im ein oder anderen Gedanken.


Insgesamt gewinnt man so den Eindruck, keine neuen Erkenntnisse zu gewinnen, da man sich die Antworten meist schon denken kann. Keine Überraschungen und das ständige Gefühl, es bereits gewusst zu haben.


Wenn du übrigens das Buch „Warum man Spaghetti nicht durch zwei teilen kann“ schon gelesen hast, dann ist „Warum Tätowierte mehr Sex haben“ definitiv nicht das Richtige für dich. Das ist nämlich nur eine Neuauflage unter einem anderen Titel – mit dem gleichen Inhalt.  

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124 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

stephen king, gwendys wunschkasten, wunschkasten, richard chizmar, kurzgeschichte

Gwendys Wunschkasten

Stephen King , Richard Chizmar , Ulrich Blumenbach
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.10.2017
ISBN 9783453439252
Genre: Fantasy

Rezension:

Was wäre, wenn du einen Knopf drücken könntest, der jeden deiner Wünsche erfüllt? Was wäre, wenn durch den Knopf alles ausgelöscht werden würde, was dich stört?


Was wäre, wenn?


„Du kannst die Dinge wennen, bis du durchdrehst, meine Gute.“ (S.120)



Gwendy ist ein unscheinbares zwölfjähriges Mädchen aus Maine, mit Gedanken und Problemen, die so viele Jugendliche plagen. Ich bin zu dick. Die Jungs mögen mich nicht.“


Die Autoren King und Chizmar finden für diese Kurzgeschichte einen realitätsnahen Einstieg. Wir alle kennen vielleicht noch das ein oder andere Hirngespinst, das uns mit 12 Jahren beschäftigte.


Doch Gwendy wird nicht lange das unsichere, unscheinbare Mädchen bleiben.


Bereits auf der zweiten Seite der Novelle lernt sie Mr. Farris kennen, als sie beim Joggen von ihm angesprochen wird. Erst einmal ins Gespräch gekommen, schenkt der gut gekleidete, alte Mann ihr eine magische Kiste – der Wunschkasten. IHR Wunschkasten.


Wie genau das Kästchen funktionieren soll, weiß Gwendy noch nicht. Ausgestattet mit bunten Knöpfen und Hebeln, soll es jedoch jeden Wunsch erfüllen können – egal ob es jemandem schaden könnte oder nicht. Es schenkt Schokolade, Silbermünzen – oder zerstört.


Allein gelassen von Mr. Farris, ist die Protagonistin fortan in einem Dilemma – zwischen Neugier und Angst. Die Verantwortung die Gwendy von nun an trägt, wächst in den kommenden 10 Jahren ins Unermessliche. Aber was soll sie schon tun?

Schließlich sorgt die mahagonifarbene kleine Kiste dafür, dass sie sich in ihrem Körper wohlfühlt, ihre Eltern ihre Liebe füreinander neu entfachen und Gwendy selbst eine mehr als beliebte Schülerin wird. Und das ohne dafür einen Knopf gedrückt haben zu müssen. Magie? Oder der natürliche Lauf der Dinge?


Hier lässt die Novelle der Fantasie sehr viel Spielraum und hinterlässt die Leserschaft mit vielen unbeantworteten Fragen.

Das kannst du werten wie du möchtest: positiv oder negativ.

Woher kam der Wunschkasten? Wofür ist dieser schwarze Knopf? Wer ist dieser Mr. Farris? Wie hat sich das Leben von Gwendy noch entwickelt?


Meines Erachtens lässt sich der Wunschkasten als Metapher zur reinen Macht interpretieren. Mit der Vorstellung, alles erreichen zu können, was man möchte, können wohl die wenigsten von uns umgehen. Nach Macht kommt Größenwahn – und parallel dazu eine unendliche Verantwortung.

Die reine Macht, gebündelt in einem einzigen Kasten. Dieser darf auf keinen Fall in die falschen Hände gelangen – und genau DAS ist wohl die Aussage dieser Kurzgeschichte.


Mr. Farris hat Gwendy nicht zufällig ausgewählt. Er – mindestens genau so mystisch wie die Kiste selbst – wusste genau, dass das Mädchen, trotz des aufgebürdeten Drucks, mit dieser gewonnenen Macht keine Dummheiten anstellt. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die kleine Kiste in die Fänge eines gewissen Donald T. geraten wäre. Nicht wahr?



Der Unterschied zu so vielen anderen Kurzgeschichten besteht darin, dass „Gwendys Wunschkasten“ eine lange Zeitperiode beschreibt und dadurch einen zwar oberflächlichen aber interessanten Querschnitt der Geschehnisse erlaubt. Der Schreibstil ist King-typisch einfach, aber dennoch spannnungsaufbauend. Beschrieben aus der dritten Person und im dauerhaften Präsens, erscheinen die Ereignisse plausibel und die Handlungen der Protagonistin lassen sich obschon der Kürze der Novelle gut nachvollziehen.


Der Plot brachte keine große Überraschung. Wenn du bei dieser Novelle eine gruselige Horrorstory erwartest, wirst du leider enttäuscht werden. Diese Kurzgeschichte ist viel mehr eine kleine, aber dennoch nicht zu verachtende Zwischenmahlzeit, die die Gier nach neuen mystischen Storys von King zu befriedigen weiß.  

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1.405 Bibliotheken, 63 Leser, 5 Gruppen, 199 Rezensionen

thriller, sebastian fitzek, achtnacht, berlin, fitzek

AchtNacht

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 14.03.2017
ISBN 9783426521083
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wollen wir ein Spiel spielen?

Stell dir vor, du darfst jemanden online und anonym nominieren, der, sofern er ausgewählt wird, für 12 Stunden vogelfrei ist. Du darfst mit ihm machen was du möchtest. Auch töten. Dafür bekommst du sogar eine Prämie von 10 Millionen Euro! 

 

Was würdest du tun?

Wir schreiben den 08.08. um 8Uhr. Der Beginn der AchtNacht.

Du hattest Glück. Dein Name wurde dieses Mal nicht gezogen, sondern der von Ben Rühmann. Ben ist für die nächsten 12 Stunden der Gejagte. Und der Jäger? Jeder. 

Jeder, der bei dieser Lotterie einen Jagdschein für nur einen Euro erworben hat. 

Damit das Spielchen nicht langweilig wird, ziehen wir einfach noch eine zweite Person. Wir wollen doch nicht, dass Ben ein gutes Versteck findet und niemand die Siegesprämie absahnt?

Du hattest wieder Glück. Arezu Herzsprung ist die zweite AchtNächterin.

 

Der Countdown beginnt.

Ben ist ein gescheiterter Musiker, der nicht nur mit einer in die Brüche gegangenen Ehe zu kämpfen hat. Seit einem Autounfall, den er (mit-) verursacht hat, sitzt seine jugendliche Tochter Jule im Rollstuhl - und liegt seit einem vermeintlichen Suizidversuch im Koma. Von Selbstzweifeln und Vorwürfen geplagt, versucht Ben gerade sein blasses Leben in den Griff zu bekommen, als die digitale Diana seinen Namen in der Todeslotterie zieht.

 

Arezu ist Psychologiestudentin und hat in ihrem jungen Leben viel Gewalt erfahren müssen. Psychisch und Physisch. Auch sie 

ist gerade dabei, ihr Leben in geregelte Bahnen zu lenken, als sie plötzlich ihre Taschen packen muss, um zu verschwinden. 

 

Die beiden Protagonisten habe eine jeweils sehr gut konstruierte Vergangenheit, die die LeserInnen neugierig macht. Die (für Fitzek typischen) kurzen Kapitel wechseln zwischen den verschiedenen Charakteren, was einen rapiden Spannungsaufbau mit sich bringt. 

Befeuert wurde dieser auch durch die jeweiligen Überschriften. Die Zeitangabe der Stunden und Minuten bis zum Ende der AchtNacht, provoziert eine zusätzliche Hektik und treibt die Leserschaft in eine unangenehme Ruhelosigkeit - und das ist ein absoluter Pluspunkt. 

 

Leider beginnt das Spannungsgefüge nach und nach zu bröckeln: Die Charaktere der Protagonisten wurden nach und nach vernachlässigt, sodass Ben und Arezu auch bis zum Schluss nicht richtig greifbar waren. 

Aus der töten wollenden Meute wurden immerhin zwei Menschen herausgepickt, deren ganz individuelle Jagd über das Buch hinweg skizziert wurde. Aber eben auch nur skizziert.

Die Abgründe der menschlichen Psyche sind so tief, dass hier mehr hätte rausgeholt werden können. Der Mob blieb meines Erachtens zu anonym.

Schließlich handelt es sich um ein aus dem Ruder gelaufenes Experiment. Aktueller denn je, werden Fake-News für bare Münze genommen und Millionen Menschen glauben tatsächlich, straffrei einen Mord begehen zu können. 

 

Apropos: Wenn die Regierung weiß, dass das Fake-News sind, wieso tut sie dann nichts dagegen? Organisiert Schutz für die AchtNächter und ihre Familien und Daten? Das war meines Erachtens einer der großen Logikfehler dieses Buches. Die exekutive Gewalt des Staates spielt in der AchtNacht überhaupt keine Rolle. Zwar wird Ben kurzzeitig von einem Polizeifreund seines Vaters beschützt, im Rest des Buches findet sie allerdings kaum statt. 

 

Fitzek ließ sich vom Film "The Purge" inspirieren. Auch gibt es eine Folge bei "Rick und Morty", die diesen Gedanken aufnimmt. (Season 2, Episode 9)

 

Diesen Fakt werte ich prinzipiell nicht als negativ. Irgendwie werden SchriftstellerInnen immer von irgend etwas beeinflusst. Schade ist es nur, wenn man diesen Gedanken dann nicht zu Ende spinnt. Die Geschichte wirkt auf mich zu stark konstruiert - als ob Fitzek auf Biegen und Brechen den Überbau der Story logisch gestalten wollte und damit den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sah

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Instamord

Pellmann Lukas
Fester Einband: 296 Seiten
Erschienen bei Text/Rahmen, 06.10.2017
ISBN 9783950434378
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als am 07. November eine Bloggerin erwürgt aufgefunden wird, ahnen die Ermittler Vera Rosen und Moritz Ritter noch nicht, mit welcher Szene des Internets sie schon bald darauf sehr vertraut sein werden.  Als wenige Tage später die zweite Leiche gefunden wird, vermuten sie einen Zusammenhang, da dieses Opfer ebenfalls in der Instagramszene aktiv gewesen ist. Die Ermittlungen zu den Todesfällen beginnen - und damit beginnt derSpannungsbogen in die Höhe zu schießen. Geschrieben ist der Krimi in der dritten Person - Hier wird also bewusst Wert auf die Beschreibung der Umwelt gelegt, und nicht ausschließlich die Gedankenwelt eines einzigen Charakters ausgeschlachtet.  Das lohnt sich! Diese beschriebe Umwelt führt den Leser nach Österreich, genauer gesagt nach Wien. Eindrucksvoll werden die Gebäude und Straßen beschrieben, sodass man das Gefühl bekommt, man wäre vor Ort und könnte den verträumten Glanz der Stadt berühren.  Die Hauptermittler Vera und Moritz haben es mir im Besonderen angetan. Obwohl dies der dritte - und für mich der erste - Fall des Ermittler-Duos ist, schafft Lukas Pellmann mit seiner stringenten Erzählweise, ein sofortiges Sympathisieren mit den Protagonisten.  Moritz flucht und Vera ist durch den Tod ihres Hundes psychisch angeschlagen - das sind reale Situationen, die dir und mir passieren und gerade das macht das ganze Geschehen persönlich, nachvollziehbar und echt.Oft musste ich schmunzeln.  Warum? Der Autor benutzt Begriffe wie "strawanzen" oder "Kapperl" - ab und an musste ich sogar Dr. Google fragen. Oder weißt du, was ein "Grätzl" ist? Der Wiener Dialekt klingt so lieblich. Auch Unschönes klingt plötzlich schön. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und alles Beschriebene wirkte noch authentischer.Das Besondere dieses (und weiterer) Krimis von Lukas Pellmann ist seine Entstehungsgeschichte. Hat der Autor nicht einfach seine Gedanken zu Papier gebracht, wie jeder andere auch? - Nein!  Instamord ist im November 2016 als vierteiliger E-Book-Live-Krimi entstanden. Durch eine Kooperation mit dem österreichischen Instagram-Dachverband "Igersaustria" wurden Teile der Community auch Teil der Handlung. Instagram-User wurden mit ihren Accounts zu Charakteren im Buch und die LeserInnen des E-Books konnten durch diverse soziale Kanäle, wie WhatsApp oder Instagram, einen Beitrag zur Aufklärung leisten.Nicht zu vergessen ist aber, welche wichtige Aussage hinter diesem Buch steht.  "Wir sind schuld an den Geschehnissen! Wir alle mit unserem Medienverhalten, mit unserem Haschen nach Aufmerksamkeit, mit unserem idiotischen Interesse am Privatleben anderer, das erst dazu führt, dass die Menschen einen Status erreichen, der sie als Opfer für andere Menschen attraktiv erscheinen lässt. Verstehen Sie?" (S. 165)
Wenn du von den Begriffen "Instawalk", "Instameet" oder "Hashtagprinter" noch nie etwas gehört hast: Kein Problem - Vera Rosen auch nicht.  So wird dieser Krimi auch für alle spannend, die mit den sozialen Netzwerken nichts am Hut haben. Raffiniert werden den LeserInnen durch die Fragen von Vera Rosen die Strukturen von Instagram näher gebracht.Auch ich, als ambitionierte Instagrammerin, konnte dabei noch etwas lernen. "Instamord" ist ein erfrischender Kriminalroman, der die modernen Probleme unserer Gesellschaft aufgreift. Das Cover ist ansprechend minimalistisch gestaltet und lässt dennoch sofort erkennen, um was es sich handelt.   Einzig und allein die klassische Vorgehensweise empfand ich als etwas spannungsraubend. Die Erzählstruktur, in der anfangs ein Mord passiert, welcher das Buch hindurch versucht wird aufzuklären, ist nichts Neues. Abgerundet wird dieses Vorgehen aber durch die Motive des Täters/ der Täterin, welche rückblickend betrachtet sehr sinnvoll sind und dem ganzen Geschehen einen interessanten Überbau bieten. 

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weihnachten, glasengel, queen victoria, england, london

Winterengel

Corina Bomann
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 13.10.2017
ISBN 9783471351611
Genre: Romane

Rezension:

Anna steckt in einer ausweglosen Situation: Seit ihr Vater gestorben ist, muss sie sich allein um ihre schwerkranke Mutter und ihre pubertierende Schwester kümmern. Außerdem schreiben wir das Jahr 1895. Im Winter. In bitterer Armut. So funktioniert ein guter Einstieg in einen historischen Roman! Eine junge Frau, die sich doch so viel mehr vom Leben erhofft. Sie möchte, wie fast alle in diesem Alter, die Weltsehen und mehr sein, als die Frau eines Mannes. Doch der Geist der Gesellschaft zwingt sie in die Abhängigkeit eines möglichst gut situierten Mannes. Oder? Anna jedoch lehnt den Antrag ab, als ihr Wenzel den Hof macht. Denn zeitgleich erreichte sie ein Brief vom englischen Königshaus. Die Queen ist auf ihre handgefertigten Glasengel aufmerksam geworden und lädt sie nach England ein. Nach langem Zögern willigt Anna ein und tritt, begleitet von dem Gesandten John, das Abendteuer ihres Lebens an.   Jetzt allerdings, beginnt die Dynamik des Romans meines Erachtens nachzulassen. Bis auf die letzten Kapitel, dreht sich das Buch fortan nur noch um die Reise nach England. Unterwegs wurden Annas Engel gestohlen, und nun muss natürlich alles daran gesetzt werden, diese wieder zu finden, um den Besuch der Queen nicht obsolet zu machen. Der Aufenthalt in England und Annas Entwicklung nach dieser Zeit werden leider nur knapp betrachtet. Diese Suche hat wahrlich ihre hellen und aufregenden Momente. Denn, wie bitte findet man in einer Kleinstadt in England eine Kiste mit Glasfiguren wieder - so ganz ohne Facebook, Telefon oder der Deutschen Post?  Schwierig? Richtig.   Den Gedankengängen der Protagonistin kann man hervorragend folgen. Corina Bomann verwendet eine stringente, geradlinige Erzählweise aus der Ich-Perspektive, aufgelockert durch ein paar kursiv gedruckte Kapitel, die die Vergangenheitsform oder einen Briefwechsel symbolisieren. Natürlich darf auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen. Diese ist, ebenso wie die Suche nach den Engeln, im Jahr 1895 nicht gerade einfach. Denn zu jener Zeit blieben die Schichten unter sich - doch Anna verliebte sich ausgerechnet in einen Adligen. Das Ende war meines Erachtens vorhersehbar, doch das finde ich nicht weiter schlimm. Das hier ist schließlich ein gemütlicher Winterschmöker und kein Kriminalroman mit unzähligen Wendungen. Apropos Winterschmöker. Obwohl dieser Roman in der Adventszeit spielt, ist es keineswegs nur ein Buch für Weihnachten. Hier werden durch eine subtile Weise ganz grundlegende, unabdingbare Werte des menschlichen Handelns vermittelt - vor allem Dankbarkeit und die Liebe zur Familie.  Während des Lesens gab es einige Abschnitte, die ich als sehr befremdlich empfand. Beispielsweise, dass Anna, die nach ihrer eigenen Aussage noch nie ein Gesicht gemalt hat, aus dem Kopf ein so gutes Phantombild zeichnen kann, dass es auf der Straße erkannt wird. Oder, dass sie, obwohl sie eine sehr verunsicherte Person ist und den ganzen Tag darüber nachdenkt, wie sie auf ihre Umwelt wirkt, einem Gesandten des Königshauses unmanierliche Antworten gibt. 

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brandenburg, horror, blutschule, die blutschule, gewalt

Die Blutschule

Max Rhode
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783404175024
Genre: Krimi und Thriller

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thriller, paula hawkins, selbstmord, wasser, mord

Into the Water

Paula Hawkins
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Doubleday, 02.05.2017
ISBN 9780857524430
Genre: Krimi und Thriller

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thriller, psychothriller, schlafwandeln, sebastian fitzek, schlafwandler

Der Nachtwandler

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 14.03.2013
ISBN 9783426503744
Genre: Krimi und Thriller

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satire, humor, hitler, adolf hitler, berlin

Er ist wieder da

Timur Vermes
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 08.10.2014
ISBN 9783404171781
Genre: Humor

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thriller, mord, liebe, krimi, jugendbuch

Der Erdbeerpflücker

Monika Feth
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei cbt, 01.05.2012
ISBN 9783570308127
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das Cover des Buches ist sehr ansprechend gestaltet und führt die LeserInnen direkt in das schöne Gefühl des Sommers, mit viel Hitze und frischen Erdbeeren. Die Charaktere sind im Gegensatz zu vielen anderen Krimis hier Jugendliche. Man kann sich schnell in ihre Lage hineinversetzen: Eine Freundin wird ermordet aufgefunden und man hat niemals das Gefühl, dass die Polizei genug für die Aufklärung unternimmt. 
 
" `Bitte ziehen Sie ihr etwas an`, sagte ich zu dem Mann im grünen Kittel. `Ihr ist immer so schnell kalt.` 
Er nickte.
Sagte nicht, dass Tote nicht mehr frieren. Ich dachte es selbst. Und das war viel schlimmer."
 
Die Story wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, was die ganze Geschichte sehr rund erscheinen lässt. So lernt man neben der Protagonistin Jette auch ihre Mutter, den Ermittler aber vor allem auch den Mörder immer besser kennen. 
Der Mörder? Ja, der Mörder. Von Anfang an weiß man, wer das ist. Das kann für einige von euch problematisch werden, da die Spannungskurve viel schwieriger herzustellen ist. 



"Der Erdbeerpflücker" ist ein guter Jugendkrimi. Was ich nicht verstanden habe, ist, dass im Klappentext so viel gespoilert wird. Warum macht man das? Erst die letzten 60 Seiten wurden so richtig spannend. Zu spät für meinen Geschmack. Die Story war insgesamt jedoch spannend, da es sich schließlich um Jugendliche handelt, die versuchen einen Fall aufzudecken. Das hat mich nicht so oft. Der Schreibstil hat mir gut gefallen und auch die Aufmachung des Buches (ich mag es, wenn Seiten dicker sind als Reispapier). 

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