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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

atemberaubend spannend

Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen

Steven Herrick , Uwe-Michael Gutzschhahn , Kerstin Schürmann Formlabor
Fester Einband
Erschienen bei Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 16.01.2018
ISBN 9783522202466
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Und ich […]
nehme Anlauf, springe
und lasse los.“ (S. 153)


Der junge Harry führt ein verlustreiches Leben in einer Kleinstadt. Für all die Dinge, die einen Teenager beschäftigen – ob Familie, Freunde, Liebe oder Sex – werden in „Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen“ Worte gefunden.

Ein Blick auf das Cover hat gereicht, um mein Interesse an diesem Buch zu wecken, so sehr sticht es zwischen den vielen bunten Jugendbüchern hervor. Noch bevor ich auch nur einen Blick auf den Klappentext geworfen hatte, war ich überzeugt, dass mich das Buch ebenso berühren würde wie das schlichte Bild vorn, und damit lag ich gar nicht so falsch.

„Wie kann er Stimmen hören
bei all diesem Lärm?“ (S. 96)


Man darf das Buch nicht unterschätzen. Auch wenn in Seiten gemessen nicht besonders umfangreich ist, steckt zwischen den Zeilen unheimlich viel Inhalt. Das ist es, was mich am meisten beeindruckt hat.
Herrick benötigt nicht viele Worte, um das auszudrücken, was schwer in Worte zu fassen ist, und trotzdem (oder gerade deswegen?) weiß man, worum es geht.
Naturgemäß sind die einzelnen Charaktere nicht in der Ausführlichkeit ausgearbeitet, wie das vielleicht üblich ist, doch das Gesamtkonzept ist stimmig.

Ein kleines bisschen hatte ich das Gefühl, dass der Text in der Übersetzung etwas verloren hat. Vermutlich geht das gar nicht anders, ich wage mal ernsthaft zu bezweifeln, dass Poesie in irgendeiner anderen Sprache ebenso gut funktioniert wie in der ursprünglichen, und es ist im Großen und Ganzen auch ganz gut gelungen, aber nicht überwältigend.

„Meine Stadt
erzählt mir ihre Geheimnisse,
während ich
still dasitze,
zehn Meter oben
im Himmel.“ (S. 52)


Insgesamt bietet „Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen“ einen poetischen Einblick in das Erwachsenwerden eines Vierzehnjährigen, in dem mehr angedeutet als ausgesprochen wird.
Aus sprachlichen Gründen würde ich allerdings die originalsprachliche Version eher empfehlen als die deutsche.

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87 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 53 Rezensionen

roman, judenverfolgung, juden, nationalsozialismus, flucht

Der Reisende

Ulrich Alexander Boschwitz , Peter Graf
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.02.2018
ISBN 9783608981230
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Ja, die Erde bebt, aber nur unter uns.“ (S. 77-78)

Wohin flüchtet man, wenn das ganze Land ein Gefängnis zu sein scheint? Vor dieser Frage steht Boschwitz‘ Protagonist Otto Silbermann, ein Jude in der Zeit der ersten großen Verhaftungswelle Ende der dreißiger Jahre. Auf seiner Flucht durch Deutschland werden erschütternde menschliche Abgründe deutlich.

Etwas schmerzhaft ist es immer, Romane aus der Zeit der Judenverfolgung zu lesen. Man weiß nicht, wie man sich selbst verhalten hätte, man weiß unter Umständen nicht, wie Familienmitglieder sich verhalten haben, aber vor allem sind die Geschehnisse von damals so unsagbar furchtbar. Jedes Mal, auch bei diesem Buch, schnürt sich mir die Kehle zu, wenn ich von den Ungerechtigkeiten lese, die unschuldigen Menschen widerfahren sind; wenn ich lese, wie „ganz normale“ Leute geredet haben; wie diese ganz normalen Leute plötzlich all ihre Hemmungen verloren haben und sich tatsächlich – wie unglaublich! – im Recht gesehen haben. Machen ja alle.

„Was ich tue, das tun andere auch.“ (S. 59)

Besonders beeindruckend und erschütternd fand ich die Selbsterkenntnis Silbermanns, dass auch er nicht besser ist: Ausgestattet mit dem Glück, zumindest optisch nicht gleich als Jude verdächtigt zu werden, ertappt er sich wiederholt dabei, die Gesellschaft anderer Juden zu meiden, um nicht selbst „kompromittiert“ zu werden. Das verdeutlicht vielleicht mehr als alles andere, wie verlockend es gewesen sein muss, sich unsichtbar zu machen und einfach der Mehrheit anzuschließen – aus welchen Gründen auch immer und so falsch das auch ist. Wer von uns weiß wirklich, was er getan hätte?

Die autobiografischen Einschläge, die dieser Roman sicherlich hat (immerhin ist Boschwitz selbst jüdischer Emigrant aus der Zeit gewesen), sind vermutlich erhebliche Faktoren, die zur Glaubwürdigkeit und zur Intensität beigetragen haben. In jedem Fall: Ziemlich erschütternd und ziemlich lesenswert.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Was nie geschehen ist

Nadja Spiegelman , Sabine Kray
Fester Einband: 394 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 09.03.2018
ISBN 9783351037055
Genre: Romane

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Adele: ihre Songs, ihr Leben

Sean Smith
Flexibler Einband: 360 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 10.04.2017
ISBN 9783959671231
Genre: Biografien

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

Das Sonnenkind

Detlev Meyer , Matthias Frings
Fester Einband: 232 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 19.01.2018
ISBN 9783351037185
Genre: Romane

Rezension:

„In seinem Kopf gibt es keinen Frieden, wochenlang herrscht Waffenstillstand, aber dann brechen die Kämpfe eines Nachts wieder auf, und Scholze stürzt in seine Erinnerungen.“ (S. 47)

Kindheit in einer Familie aus drei Generationen im Nachkriegsdeutschland: Detlev Meyer lässt den Leser hautnah miterleben, wie es ist, in dieser Zeit in Berlin aufzuwachsen, ohne dabei jedoch den Fokus von der Kindheit, vom Aufwachsen selbst und von den Menschen abzulenken.

Der kleine Carsten wird im Truseweg in Berlin Neukölln groß und an seiner Seite erleben wir die Familie, die Nachbarn und seine ganze Welt (die so viel mehr als den Truseweg nicht zu umfassen scheint). Die Handlung scheint leicht zu sein, doch davon darf man sich nicht täuschen lassen: Wir blicken schnell tiefer als die Fassaden es eigentlich zulassen möchten, und sehen Wesenszüge an den Figuren, die diese gern verborgen hätten.

Die Vermutung liegt nahe, dass die biografische Nähe seines kleinen Helden zu Detlev Meyer selbst der Grund dafür ist, dass das ganze Buch sich so glaubwürdig und echt liest. Dem Leser wird nichts auf die Nase gebunden, beinahe kommt das Gefühl auf, man entdecke die Welt zusammen mit dem kleinen Carsten, und manchmal möchte man ihn knuddeln, manchmal für das dem Kind eigene leicht übersteigerte Selbstbewusstsein schütteln. Und dann sind da noch die vielen anderen: Der große Bruder, der sich im Spannungsfeld zwischen Kindheit und Erwachsensein aufhält; die Mutter, die auch nicht nur tugendhaft ist; der Vater, der ein bisschen vom Krieg im Kopf mitgebracht hat; die Oma, die aus der Zeit der Kaiser und Grafen noch nicht über die Weltkriege mitgekommen ist; und schließlich der Opa, der über einige Aspekte seiner Vergangenheit lieber den Mantel des Schweigens breitet.
Viele kleine Figuren sind es, die dort aufeinandertreffen, und die im Zusammenspiel ziemlich facettenreich agieren.

Insgesamt bietet „Das Sonnenkind“ spannende Einblicke in eine Zeit vor unserer, es hebt den Vorhang vor den gutbürgerlichen Fünfzigern und lässt immer wieder tief blicken.
Sehr zu empfehlen ist übrigens auch das Nachwort von Matthias Frings, in dem er den Roman in das Leben seines Schriftstellers einordnet.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Ein zufälliger Irrtum über die Liebe

Brianna Wolfson , Edith Beleites , Gesa Weiß
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 04.06.2018
ISBN 9783959671330
Genre: Romane

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das schweigende Klassenzimmer

Dietrich Garstka
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.02.2018
ISBN 9783548377599
Genre: Biografien

Rezension:

„Es ist schlimm für einen Staat, wenn er von politischen Hohlköpfen regiert wird.“ (S. 135)

Ein erschütternder Bericht mitten aus den relativen Anfängen der DDR ist es, der mit „Das schweigende Klassenzimmer“ vorliegt. Diese Geschichte um eine Schulklasse, die mit einer Kleinigkeit die Obrigkeiten derart aus dem Konzept bringt, dass sich die Angelegenheit immer weiter hochschaukelt und beinahe zur Staatsaffäre wird, bietet ungewohnt tiefe Einblicke in die Funktionsweise eines dysfunktionalen Staats.

Man muss dieses Buch vielleicht aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten, mit zweierlei Maß messen: Zum einen die Geschichte, zum anderen die Art und Weise, wie sie erzählt ist.
Naturgemäß ist die Handlung wirklich spannend. Sie bietet Einblicke in die DDR, ihre Funktionsweisen und ihre Machtzentralen, die mir bis dahin ziemlich fremd gewesen sind. Sie machen die Unsicherheit greifbar, in der sich die handelnden Figuren befanden, in der sie lebten, und die für uns heute so unvorstellbar ist, und allein dadurch ist sie reizvoll.
Dazu kommt, dass bei allem, was man im Geschichtsunterricht über die DDR gehört hat, diese Geschichte nicht vorkam und ich nach der Lektüre ein wenig ungläubig recherchiert habe, um festzustellen: Das ist tatsächlich ganz wirklich so passiert.

Zum Glück, muss ich sagen, besitzt „Das schweigende Klassenzimmer“ dieses Feature der spannenden, wirklichen Geschichte, denn sprachlich und erzählerisch konnte es mich nicht so richtig überzeugen. Die Struktur irritierte mich immer wieder, die zeitliche Abfolge schien bisweilen nicht so richtig zu passen – jedenfalls nicht chronologisch – und immer mal wieder wurden Dinge erwähnt, die schon mehrfach vorher Erwähnung gefunden hatten.
Das macht „Das schweigende Klassenzimmer“ leider zu einem Buch, bei dem das Lesevergnügen dem intellektuellen Vergnügen im Wege steht.

„Die ängstliche Vorsicht wurden wir nicht los. Sie war die Besatzungsmacht in uns selbst.“ (S. 21)
„Die Wirklichkeit ereignete sich außerhalb der wahnhaften Verknüpfungen ihres ideologischen Spinnennetzes.“ (S. 153)


Ich kann das Buch trotzdem empfehlen, allerdings nur für Menschen, die schon Interesse für die Geschehnisse mitbringen und keinen mitreißend erzählten, romanähnlichen Erzählstrang erwarten. Das, was wir hier vorfinden, scheint ausführlich recherchiert zu sein, es ist umfassend und informativ, aber man braucht ein gewisses Durchhaltevermögen, um dabei zu bleiben.

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45 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

coming-of-age, aids, jugendliche, familie, hiv

Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

Carol Rifka Brunt , Frauke Brodd
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 23.02.2018
ISBN 9783961610075
Genre: Romane

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61 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 39 Rezensionen

englisch, deutscher, bayern, kriegsgefangenschaft, deutsch

Ein mögliches Leben

Hannes Köhler
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 23.02.2018
ISBN 9783550081859
Genre: Romane

Rezension:

„Und was Franz gelernt hat über die Angst, ist, dass sie schnell kommt und sich einrichtet, aber nur sehr langsam wieder geht, dass sie Stollen gräbt in ihm, die tief gehen, sich verzweigen, dass sie wächst nur aus sich selbst und sie befeuert, dass sie nur kleine Anlässe braucht, nur das nächtliche Klappen einer Tür, Stimmen am Fenster der Baracke, nur den Blick eines Kameraden, den er nicht deuten kann.“ (S. 110)

Hannes Köhlers „Ein mögliches Leben“ erzählt eine Geschichte aus dem Krieg mit den Auswirkungen, die die Geschehnisse nicht bloß auf diejenigen haben, die direkt beteiligt sind, sondern über Generationen hinweg auf ganze Familien.

Dabei hat mich schon das Bild auf dem Cover in seinen Bann geschlagen, auch wenn man davon bei einem E-Book ja leider nicht so viel hat und ich deswegen wahrscheinlich weniger Wert darauf legen sollte. Und was zwischen den Deckeln dieses Romans steckt, das hat es auch echt in sich.

„Eine Sprache ist nie eine Flause, sondern immer eine Möglichkeit.“ (S. 148)

Hannes Köhler bedient sich in diesem Buch einer Sprache, die mich zum einen sehr begeistert hat, und die er zum anderen auch sehr gut an die verschiedenen Charaktere, denen in den entsprechenden Abschnitten Platz eingeräumt wird, anpassen kann. Dabei werden die Orte, die vorkommen, lebendig und zwischendurch kommt beinahe ein Gefühl von Dabeisein auf, obwohl die Handlung sowohl zeitlich als auch räumlich so weit entfernt ist.
Zwischendurch hatte ich Schwierigkeiten, dem Handlungsverlauf zu folgen, weil plötzliche perspektivische oder zeitliche Sprünge passierten. Das war vermutlich beabsichtigt und ein stilistisches Mittel, es hat mir an sich auch ganz gut gefallen, doch es riss mich auch aus dem Lesefluss. An einer Stelle blätterte ich zurück, weil ich den Eindruck hatte, dass die Seiten in falscher Reihenfolge hintereinander kamen, und das ist doch ein Punkt, der nicht gerade für ein stilistisches Mittel spricht.

„Und Franz nickt, obwohl er nicht begreift, er würde zu allem nicken, er staunt, kann die Augen nicht abwenden, sein Blick ist hungrig, hat einen Appetit, den Franz nicht gekannt hat bisher, der mehr will, nicht satt zu kriegen ist.“ (S. 40)

„Ein Gefühl der Wärme geht aus von den dreien, eine Wärme, die durch ihre Worte und Gesten in ihn eindringt, die sich in seinen Magen setzt und dort einen Klumpen Ruhe formt, einen warmen, glatten Stein.“ (S. 90)

„Ich fühle mich unglaublich müde, ich fühle mich alt, wir sind alle alt hier, auf eine gewisse Art und Weise.“ (S. 215)


Die Sprache, die mich sowieso schon von sich überzeugt hatte, setzte noch einen drauf, indem sie mich mit den Charakteren (allen voran mit dem Großvater Franz) so fabelhaft mitfühlen ließ. Er lässt sich in Metaphern aus, die auf mich nie „zu viel“ wirkten, weil sie genau das richtige Mittel waren, um die krassen Situationen und menschliche Reaktionen darauf einzufangen. Ich musste nicht lesen, was eine Figur gerade empfand, ich konnte es fühlen. Und das ist einer der größten Pluspunkte dieses Romans.

„Ein mögliches Leben“ ist ein beeindruckender Roman, der geschichtliche Perspektiven aufzeigt, die mir bis dahin fremd waren. Es ist ein Roman über Menschen und das, was sie beeinflusst in ihrem Leben, und all das in wirklich schöner Sprache. Dass mir das letzte Fünkchen zur Begeisterung fehlt, hängt vermutlich nur mit der oben erwähnten Irritation beim Lesen zusammen, die mir von Zeit zu Zeit den Flow nahm.

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27 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

alter, helfen, reise, versprechen, gefühl

The Unlikely Pilgrimage Of Harold Fry

Rachel Joyce
Flexibler Einband
Erschienen bei Transworld, 07.03.2012
ISBN 9780857520654
Genre: Romane

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Benedict Cumberbatch: Die Biografie

Marc Halupczok
E-Buch Text: 128 Seiten
Erschienen bei Ubooks Verlag, 04.11.2013
ISBN 9783944154084
Genre: Sonstiges

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98 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

brooklyn, familie, klassiker, armut, betty smith

Ein Baum wächst in Brooklyn

Betty Smith , Eike Schönfeld
Fester Einband: 621 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 23.10.2017
ISBN 9783458177203
Genre: Klassiker

Rezension:

„Lieber Gott“, betete sie, „lass mich in jeder Minute jeder Stunde meines Lebens etwas sein. Lass mich fröhlich sein, lass mich traurig sein. Lass es mir kalt sein, lass es mir warm sein. Lass mich hungrig sein… zu viel zu essen haben. Lass mich wahrhaftig sein, lass mich lügen. Lass mich ehrenhaft sein und lass mich sündigen. Nur lass mich jede gesegnete Minute etwas sein. Und wenn ich schlafe, lass mich die ganze Zeit träumen, damit kein einziges Stückchen Leben je verloren ist.“ (S. 533)

„Ein Baum wächst in Brooklyn“ erschien in den vierziger Jahren zum ersten Mal und erzählt vom Großwerden in den erbarmungswürdigen Zuständen der Armut in Brooklyn in den Anfängen des zwanzigsten Jahrhunderts. Es bieten einen direkten, ungeschönten und zugleich nicht künstlich dramatisierten Einblick in eine Welt, die uns ferner kaum scheinen könnte.

„Und wenn die Welt dann zu hässlich wird, um darin zu leben, kann das Kind auf diese Dinge zurückgreifen und in seiner Phantasie leben.“ (S. 111)
„Sie steckte dies Klümpchen Wissen zu all den anderen, die sie fortwährend sammelte.“ (S. 402)


Es sind elende Verhältnisse, in die uns Betty Smiths Roman entführt, und die direkt aus der Sicht eines Kindes geschildert völlig ungefiltert ankommen und den glaubwürdigsten, wahrhaftigsten Eindruck vermitteln, den ich von einem solchen Viertel jemals hatte. Das liegt sicherlich mit daran, dass niemals bewusst auf die Tränendrüse gedrückt wird, dass die Kindheit der Protagonistin und ihres Bruders gar vor Glücksmomenten geradezu überlaufen, sodass bei mir beinahe ein leises Neidgefühl erwachte: Wie glücklich wäre ich, wenn es mir so leicht fiele, mich für kleine Dinge zu begeistern? Wie glücklich könnte man sein, wenn man das Leben annähme, ohne es zu bewerten, und sich an dem erfreuen könnte, was man hat?

„Die Leute glauben immer, Glück sei etwas Fernes“, dachte Francie, „etwas Kompliziertes und schwer Erreichbares. Aber welche Kleinigkeiten es doch bewirken können, ein geschützter Ort, wenn es regnet – eine Tassen starken Kaffee, wenn man traurig ist, für einen Mann eine Zigarette für die Zufriedenheit, ein Buch zum Lesen, wenn man allein ist –, einfach mit dem zusammen sein, den man liebt. Das alles macht Glück aus.“ (S. 577)


„Ein Baum wächst in Brooklyn“ ist eines der beeindruckendsten Bücher, die ich je gelesen habe, und es wird ganz sicher unter meinen Lieblingsbüchern 2018 einen Platz finden. Und ich bin mir sicher, dass fast jeder, der einen Funken Interesse für das echte Leben in dieser Zeit, an diesem Ort besitzt, an diesem Buch Spaß haben wird.

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156 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 109 Rezensionen

roman, kent haruf, colorado, amerikanische kleinstadt, kleinstadt

Lied der Weite

Kent Haruf , Rudolf Hermstein
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 12.01.2018
ISBN 9783257070170
Genre: Romane

Rezension:

„Das Mädchen sah müde und traurig aus, sie hatte die Decke um die Schultern gewickelt wie jemand, der ein Zugunglück oder eine Überschwemmung überlebt hat, trauriges Überbleibsel einer Katastrophe, die ihren Schaden angerichtet hat und weitergezogen ist.“ (S. 37)

Kent Harufs „Lied der Weite“ verspricht eine unterhaltsame Geschichte vor dem Hintergrund einer amerikanischen Kleinstadt, in der das Schicksal eines Mädchens das Leben anderer Stadtbewohner auf den Kopf stellt.

„Ihre Augen hatten immer noch eine wunde Direktheit, als wären Trauer und Zorn nur knapp unter die Oberfläche gesunken.“ (S. 104)

Auf den ersten Seiten dieses Romans konnten mich Sprache, Figuren und vor allem die Stimmung des Textes ziemlich nachhaltig fesseln, deswegen wollte ich es auch unbedingt lesen. Die vorgestellten Personenkonstellationen und Hintergründe versprachen einen spannenden Verlauf mit vielen potentiellen Reibungspunkten, auf den ich mich echt gefreut habe; rückblickend hätte ich zumindest die ein oder andere Anstrengung voraussehen können. Insbesondere die fehlenden Anführungszeichen in der wörtlichen Rede machten mir das Lesen schwerer als gedacht, und auch die abgehackten Sätze, die zu Beginn reizvoll erschienen, begannen irgendwann zu nerven: „Seit acht Tagen war die Schule aus. Aber das Freibad war noch nicht geöffnet. Die Baseball-Sommersaison hatte noch nicht angefangen. Und auch auf dem Rummelplatz würde es erst in der ersten Augustwoche losgehen.“ (S. 253)

Zu all dem kam, dass mir nicht klar war, worauf der Autor hinauswollte. Das kann natürlich genauso gut auch an mir gelegen haben, sodass diese Feststellung allein mich nicht dazu bringen würde, vom Lesen dieses Romans abzuraten, doch eine Erwähnung ist es mir wohl wert. Auch bei dem Satz „In der Spüle stand kein Geschirr, der Tisch war geschrubbt, auf den Stühlen war nichts mehr von den Lappen und Maschinenteilen zu sehen, und der Boden wirkte so sauber gefegt, als hätte eine Immigrantin den Besen geschwungen.“ (S. 114) musste ich doch sehr schlucken und gleichzeitig überlegen, was damit gemeint sein könnte.

Zuletzt hatte ich den Eindruck, dass es Haruf zu viel Aufwand war, den Brüdern unter seinen Figuren eigenständige Charaktere zu verleihen: Besonders die beiden Jungen hatten kaum eine eigene Persönlichkeit und Absätze wie „Oben im Bad kämmten sie sich mit nassem Kamm, zogen ihr Haar zu Wellen hoch und lockerten es mit den hohlen Händen auf, bis es über der Stirn steil nach oben stand. Wasser tröpfelte ihnen auf die Wangen und hinter die Ohren. Sie trockneten sich ab gingen auf den Flur hinaus und blieben zögernd vor der Tür stehen[…]“ (S. 19) sorgten in meinem Kopf für zugegebener Maßen amüsante Episoden von sich synchron bewegenden Kindern.

Insgesamt fehlt mir leider das, was im Klappentext versprochen wird: Dass das Schicksal des Mädchens, dass die gute Tat der Brüder, die sie aufnehmen, „das Leben von sieben Menschen in der Kleinstadt Holt in Colorado umkrempelt und verwandelt“ (Zitat Klappentext). Ja, wir können in sehr gemächlichem Tempo einer gewissen Entwicklung folgen, wir kommen den Bewohnern dieser Kleinstadt auch sehr nahe, doch leider hatte ich nie das Gefühl, dass wirklich etwas passierte.

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124 Bibliotheken, 5 Leser, 3 Gruppen, 69 Rezensionen

liebe, arktis, deutschland, sehnsucht, diogenes verlag

Olga

Bernhard Schlink
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 12.01.2018
ISBN 9783257070156
Genre: Romane

Rezension:

„Es war ein holpriges Glück, aber ein wirkliches Glück.“ (S. 157)

Olgas Lebensgeschichte ist eine Geschichte der Liebe: Der Liebe zu Herbert, der zu Eik und der zu Ferdinand; eine Geschichte von Liebe, die sich früh manifestiert und ein ganzes Leben lang Halt gibt. Es ist die Geschichte einer Frau, die ziemlich viel gehabt und eine Menge verloren hat, und zugleich die Geschichte eines Landes, das im zwanzigsten Jahrhundert immensen Stürmen ausgesetzt wird.

„Die Spiele der Kinder waren eher eine Vorbereitung auf den Daseinskampf als ein Vergnügen.“ (S. 9)
„Er sah nur das Dunkel der Nacht, so undurchdringlich, als wäre eine Decke über ihn gebreitet, und er wusste nicht, ob er vor dem da draußen Angst hatte oder vor etwas in ihm selbst.“ (S. 44-45)

Zwischendurch war ich mir nicht sicher, ob der Roman wusste, in welchem Tempo er sich fortbewegen wollte. Manche Episoden waren genüsslich und langsam erzählt, dann wieder wurden mehrere Jahre in wenigen Sätzen abgefrühstückt. Sobald man sich daran gewöhnt hat – und an die teils komplizierte Satzstruktur, die mich über einige Sätze hat stolpern lassen und mich so gezwungen hat, das Lesetempo zu verringern – und sich darauf einlässt, ist die Handlung äußerst spannend, und dann macht es Spaß, das Buch in Ruhe zu lesen.

Dass es in der Hauptsache um eine Figur namens Olga geht, ist nach dem Titel des Romans wenig verwunderlich. Und wenn ich oben geschrieben habe, dass Olgas Geschichte eine Liebesgeschichte ist, dann ist das genau so gemeint: Die Liebe zu dem einen oder anderen Mann zieht sich durch ihr ganzes Leben. Trotzdem, und das beeindruckte mich ganz besonders, ist Olga keine Figur, die ihr Wohlbefinden von jemand anderem abhängig macht, und bei all den Gefühlen zu anderen ist sie vielleicht eine der selbstständigsten Gestalten, die mir in der Literatur seit langem untergekommen ist. Ihre unaufgeregte, großzügige Art machte sie dabei auch noch wesentlich sympathischer als es ihren Männern je gelungen ist.
Da ist Herbert, der stolz auf sein Vaterland ist, der am liebsten die ganze Welt kolonialisieren würde und sich mit Begeisterung an den Kämpfen gegen die Herero beteiligt; da ist Eik, der sich in den Reizen des Nationalsozialismus verliert; und ein wenig versöhnlich am Ende Ferdinand, der Olgas Geschichte für sich selbst und den Leser aufdeckt.
Es fiel mehr ungeheuer schwer, Olgas Gefühle für die ersten beiden Menschen nachzuvollziehen, doch vielleicht hat sie einfach recht damit, wenn sie sagt „Ach, Kind, nicht die Eigenschaften machen, dass zwei zusammenpassen, die Liebe macht’s.“ (S. 108)

„Ich vermisse Dich bei allem, was wir gemeinsam gemacht haben und was ich jetzt alleine mache.“ (S. 165)
„Du bist weg, aber Du tust weh, als seist du noch da.“ (S. 212)

Ich mag es ja eigentlich schon echt ganz gern, wenn ich die Charaktere mag, die in dem Buch vorkommen, das ich gerade lese, und wenn ich die Figuren nachvollziehen kann, die im Kern der Handlung stehen. Bedingt dadurch, dass ersteres bei diesem Buch nicht bei allen geklappt hat, war auch das zweite von Zeit zu Zeit schwierig.
Trotzdem hat mir die Geschichte wirklich gut gefallen, sie war interessant und vor allem, und das ist ihr größter Pluspunkt, ist sie durch die verschiedenen Teile und Perspektiven einfallsreich und richtig gut erzählt.

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53 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

max ernst, kunst, maler, künstler, biografie

Max

Markus Orths
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 21.08.2017
ISBN 9783446256491
Genre: Biografien

Rezension:

„Ein Maler ist verloren, wenn er sich findet.“ (S. 566)

„Sechs Frauen, sechs Lieben, ein Jahrhundert“, damit wird der Roman „Max“ von Markus Orths beworben: Ein Roman, der sich am Leben das Malers Max Ernst orientiert, und auf diese Weise wie nebenbei den Verlauf beinahe eines Jahrhunderts Geschichte und Weltgeschehen erzählt, und in dem der Leser eine beeindruckende Mischung diverser hochrangiger Künstler kennenlernen darf.

„Wie kann eine Gruppe von Menschen, die nach Spontaneität und Überraschung strebt, kontrolliert werden? [...] Als wolle man das Meer in ein Einweckglas gießen.“ (S. 191)

Ein echter Hingucker, wie es sich für einen Roman über einen Maler gehört, ist das farbenfroher Cover, das zugleich irgendwie auch durch eine gewisse Schlichtheit besticht: Obwohl die Farben nämlich kräftig sind, ist das Bild klar und nicht überladen. Das gefällt!

Diese Attribute kann ich fast genau so auf den Text übertragen. Die Sprache, die zu den Dingen gehört, die mir bei einem Roman am wichtigsten sind, konnte mich hier fast immer echt überzeugen. Sie setzt das um, was Max sein Leben lang angestrebt zu haben scheint: einen intensiven, impulsiven Rausch – so jedenfalls empfand ich das Lesen. Einzig die kurzen, abgehackten Sätze vermittelten mir hin und wieder das Gefühl, es wäre ein kleines bisschen ZU bewusst künstlerisch formuliert.
Was mir richtig gut gefallen hat: Die Änderungen, die die Atmosphäre erlebt, sobald jemand anderes die Szene betritt. Mal intensiv, mal urkomisch, mal leidenschaftlich, mal stürmisch: Im selben Maße wie die Charaktere der Frauen, die für Max‘ Leben eine Rolle spielten, wechselt sich auch das Lesegefühl. Das ist ziemlich cool.
Wirklich spannend war es, dass die historische Entwicklung des zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur direkten Einfluss auf Max und sein Leben nahm, sondern auf diese Weise auch maßgeblich in den Roman einfloss. Besonders die Kriege dieser Zeit und der Schrecken der Naziherrschaft haben mich beeindruckt und mitgenommen, aber auf eine denkbar gute Weise

„Veränderung ist kein Flächenbrand, sondern das Aufflammen eines Streichholzes.“ (S. 285)
„[...] sie lachten aus Erleichterung, sie lachten, weil sie sonst nur hätten weinen können, sie lachten, weil es die letzte Möglichkeit war, der Verrücktheit der Welt die Stirn zu bieten.“ (S. 390)

Es ist eine interessante Entscheidung, die Geschichte eines Malers mit Fokus auf die Frauen zu erzählen, die eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt haben. Dabei bekommen wir vieles nur gespiegelt mit und erfahren nicht direkt etwas über Max; stattdessen erfahren wir etwas über die Wirkung, die er auf seine Mitmenschen hat, über die Art und Weise, wie seine Frauen mit ihm und wie er mit seinen Frauen umgeht, und lernen ihn auf diese Weise kennen. Bei einem Menschen, der bekannt dafür war, nur wenig zu sprechen, bekommt diese Idee noch eine ganz andere Tiefe.
Natürlich kann einem bei einer solchen Fülle an wichtigen Figuren nicht jede einzelne zusagen, doch in der Gesamtheit konnten sie mich definitiv überzeugen. Alle Charaktere haben eine besondere Note, im Speziellen natürlich die Frauen selbst, und alle handeln glaubwürdig und (im Rahmen ihres Charakters) nachvollziehbar, auch wenn man selbst es vielleicht nicht nachvollziehen kann.

„Ein Schluckauf, dachte sie, das ist das Glück: kommt und geht einfach so.“ (S. 78) (Lou zu sich selbst)
„Eine Optimistin heute ist blind oder naiv.“ (S. 439) (Peggy über Lou)

Insgesamt ist „Max“ ein Roman, der mich gut unterhalten konnte, auch wenn sich für mich zwischendurch einige Momente einschlichen, in denen mir ein kleines bisschen die Motivation zum Weiterlesen fehlte. Diese Momente waren allerdings ausgesprochen selten, deutlich häufiger konnten mich die Präzision und das Künstlerische der Sprache, die Besonderheiten der verschiedenen Figuren und die beeindruckende Genauigkeit der historischen Darstellung packen.

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(162)

326 Bibliotheken, 10 Leser, 2 Gruppen, 119 Rezensionen

roman, belgien, lize spit, freundschaft, jugend

Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Mit einem Eisblock im Kofferraum fährt Eva zurück in das Dorf ihrer Kindheit und damit zurück in die Vergangenheit – ihre eigene, die ihrer Familie, die ihrer Freunde und die der anderen Dorfbewohner. Was ist passiert, damals in jenem verhängnisvollen Sommer und wer trägt die Schuld daran?


„Die Einladung traf vor drei Wochen ein und war übertrieben frankiert.“ (S. 7)


Schon das Cover dieses Buches hat mir wahnsinnig gut gefallen, auch wenn ich mich immer wieder arg wundere, was die Gestaltungsmenschen deutscher Romanausgaben sich bei ihrer Arbeit so denken – man vergleiche dazu einfach einmal die niederländische oder englische Ausgabe mit der deutschen um festzustellen, dass die Unterschiede größer sind als die Parallelen. Mir fehlt auch der Zusammenhang der deutschen Gestaltung zum Inhalt des Buches, wieder einmal, und trotzdem gehört dieses Buch für mich zu den schönsten dieses Jahres. Allein das kräftige Grün in Kombination mit dem dunklen Violett gefallen mir sehr gut.


Wenn es zum Inhaltlichen kommt, ist es gar nicht so einfach, etwas über dieses Buch zu sagen. Während ich es gelesen habe, wurde ich mehrfach von Freunden gefragt, worum es ginge, und in den seltensten Fällen konnte ich darauf eine zufriedenstellende Antwort geben.
Viel eher löst das Buch ein diffuses Gefühl der Unbehaglichkeit aus. Es erinnert daran, wie wir selbst vielleicht sogar einmal waren, und an all die Dinge, die wir lieber vergessen wollten und so sicherlich auch vergessen haben. Lize Spit legt ihren Finger dorthin, wo es wehtut, und manchmal tut es sogar weh, ihre Worte zu lesen, so ehrlich und erschütternd, so gnadenlos offen sind sie; sie stellt mehr Fragen als sie beantwortet. Das ist zugleich gut und beunruhigend.
Nicht ganz glücklich bin ich mit der Übersetzung, auch wenn ich nicht zu packen vermag, woran das liegt. Häufig klingt die Wortwahl für meine Ohren hölzern, mir ist noch immer nicht klar, ob Eva von ihrer Kommunion oder ihrer Firmung spricht, und auch diverse andere Kleinigkeiten sind mir sauer aufgestoßen. In meinen Augen ist eine Übersetzung, über die ich als Leser stolpere, keine gute.


In den Figuren findet man wieder, was auch schon den Inhalt so atemberaubend gut gemacht hat. Sie sind schmerzhaft realistisch. Es tut weh, ihnen zuzuschauen, weil sie so sind, wie man selbst auch sein könnte, gewesen sein könnte, oder sogar so, wie man war und ist. Lize Spit beschönigt auch hier nichts und man möchte eigentlich wegschauen von dem Unheil, das sich zusammenbraut, während man zugleich wissen möchte, wie es ausgehen mag. Alles in allem sind auch die Charaktere, wie schon die Handlung, beängstigend gut.


„Auch wenn wir auf dasselbe schauen, Elisa und ich, werden wir doch immer verschiedene Dinge sehen.“ (S. 261)
„Ich passte nicht mehr so hinein, wie ich immer hineingepasst hatte. Ich war das Duplomännchen in einem Legohaus.“ (S. 287)
„Vielleicht kann man sie daran erkennen, die Familien, in denen die grundlegendsten Dinge schieflaufen – zum Ausgleich haben sie eine Unmenge lächerlicher Regeln und Prinzipien.“ (S. 387)


Es hatte mich skeptisch gemacht, wie über diesen Roman geredet wurde. Nicht, weil ich glaubte, die Brutalität zu grausam zu finden, sondern weil ich befürchtete, dass das Buch den Erwartungen nicht gerecht werden könnte. Mein Fazit ist jedoch recht einfach: Es kann.

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580 Bibliotheken, 21 Leser, 3 Gruppen, 149 Rezensionen

john green, schlaft gut, ihr fiesen gedanken, freundschaft, johngreen, gedankenspirale

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

John Green , Sophie Zeitz
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 10.11.2017
ISBN 9783446259034
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Hast du Angst?“
„Ein bisschen.“
„Wovor?“
„Kann ich nicht sagen. Es gibt kein Wovor. Ich habe einfach Angst.“ (S. 100)


Zusammenfassung. Aza kämpft mit vielem, vor allem mit ihren Gedanken. Sich mit diesem Hintergrund auf die Suche nach einem verschwundenen Milliardär zu machen, das war sicherlich nicht ihr Plan; und daran, dass sie sich bei der ganzen Sache verlieben könnte, hätte sie sicherlich im Vorfeld auch nicht gedacht. Und so begibt sie sich so weit in ihre eigene Gedankenspirale wie niemals zuvor…

Erster Satz. Als mir zum ersten Mal klar wurde, dass ich vielleicht Fiktion bin, verbrachte ich meine Tage an einer öffentlichen Bildungsanstalt namens White River High im Norden von Indianapolis, wo ich von fremden Kräften, die so übermächtig waren, dass ich sie nicht ansatzweise identifizieren konnte, dazu gezwungen wurde, jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit Mittag zu essen, nämlich zwischen 12 Uhr 37 und 13 Uhr 14.

Cover. Man darf bei diesen Büchern ja nicht anfangen, die deutschen mit den originalen Coverbildern zu vergleichen. Denn obwohl mir das deutsche Cover echt ganz gut gefällt, fehlt ihm das Bedrohliche der Spirale, das einen nicht unerheblichen Teil dieses Buches ausmacht. Auch den Titel finde ich nicht optimal – Idee und Formulierung gefallen mir schon, er ist allerdings für meinen Geschmack zu wenig griffig. Ich musste schon mehrfach länger überlegen, wie das Buch noch gleich heißt; das wäre mir mit „Turtles All the Way Down“ vermutlich nicht passiert.

Inhalt. Die Story ist etwas weniger „Wir suchen einen Milliardär“ als ich erwartet hatte, und das fand ich gut. Allerdings kann man ihr so unter Umständen vorwerfen, dass insgesamt etwas zu wenig passiert – wir befinden uns stattdessen die meiste Zeit tief in den Abgründen von Azas Gedankenwelt.
Das, was uns als Geschichte vorgesetzt wird, das ist jedoch absolut lesenswert und hatte auch seinen Anteil daran, dass ich das Buch nicht weglegen mochte, nachdem ich begonnen hatte, es zu lesen.

Personen. Naturgemäß, bei einem Jugendroman, der hauptsächlich um die Gedankenwelt eines jungen Mädchens kreist, sind die Figuren ein wichtiger Faktor, der den Unterschied zwischen gut und mies ausmachen kann. Und obwohl ich den Hang dazu habe, mich von Figuren (gerade diesen Jugendlichen) nerven zu lassen, und obwohl Aza so viele anstrengende Charakterzüge besitzt, ist das bei diesem Buch nicht passiert. Es gelingt John Green einfach so unfassbar gut, die gedanklichen Zwänge im Ansatz nachfühlbar zu machen, dass in meiner Kehle ein Kloß zurückblieb und ich viel schlucken musste. Und auch die Charaktere um Aza herum sind großartig, besonders in Daisy konnte ich mich sehr gut hineinversetzen. So glaubwürdig muss man es erstmal beschreiben, das Gefühl, nur die Nebendarstellerin einer um sich kreisenden besten Freundin zu sein – es ist kein gutes.

Lieblingsstellen. „In die Augen kann man jedem sehen. Aber jemand zu finden, der dieselbe Welt sieht, ist ziemlich selten.“ (S. 13)
„Aber so was kann man nicht laut sagen, und man steht vor der Wahl, ob man lügen oder ernsthaft gestört wirken will.“ (S. 38)
„Sorgen sind die angemessene Reaktion auf das Leben. Das Leben ist besorgniserregend.“ (S. 45)
„Und obwohl ich mitlachte, hatte ich das Gefühl, ich würde das Ganze durchs Fenster beobachten, als sähe ich einen Film über mein Leben, statt es selbst zu erleben.“ (S. 73)
„Mir all die Zukunftsszenarien auszumalen, all die Azas, die ich sein konnte, war eine willkommene Auszeit von dem Leben mit dem Ich, in dem ich im Moment feststeckte.“ (S. 102)
„Das Leben reimt sich, aber nie an der Stelle, wo man es erwartet.“ (S. 110)
„Was ich an der Wissenschaft so liebe, ist, dass man beim Forschen eigentlich keine Antworten findet. Man findet nur bessere Fragen.“ (S. 125)
„Sie sagte – mehr als einmal –, der Meteorschauer findet statt, über den Wolken, auch wenn wir ihn nicht sehen. Wen interessiert, ob sie küssen kann? Sie kann durch die Wolken sehen.“ (S. 133)

Fazit. Ich bin sehr begeistert von den Figuren und von der Intensität, mit der hier dargestellt wird, wie schmerzhaft Gedanken sein können, wie beängstigend es sein kann, sich in sich selbst gefangen zu fühlen, und wie sehr die Psyche das tägliche Leben beeinflussen kann. Das macht die kleineren Schwächen, die die Story selbst in meinen Augen hat, mehr als wett; vielleicht ist es sogar eine der Stärken dieses Romans, nicht zu sehr auf tatsächliche Handlung zu setzen.

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223 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 87 Rezensionen

juli zeh, dystopie, roman, leere herzen, braunschweig

Leere Herzen

Juli Zeh
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 13.11.2017
ISBN 9783630875231
Genre: Romane

Rezension:

„Du denkst, du kannst die Leere in dir auskotzen. Aber Leere kann man nicht auskotzen. Man muss sie füllen.“ (S. 289)

Zusammenfassung. Was braucht die Gesellschaft noch, was brauchen die Menschen noch in der nahen Zukunft, in der alles ausgehöhlt und leer ist? Die Antwort versucht jeder der Protagonisten zu finden und wir begleiten die Mutter und Geschäftsfrau Britta auf ihrem Weg in einer absurden Welt, die vordergründig immer fortschrittlicher wird und doch mit ihrer Rückschrittlichkeit zu kämpfen hat.

Erster Satz. Knut und Janina kamen um fünf.

Cover. Ich mag das Gefühl des geriffelten Einbands sehr, sehr gern und auch die Optik gefällt mir: Irgendwie gelingt es, den Titel „Leere Herzen“ greifbar zu machen durch die Leere des Buchcovers. Ob man die schwarzen Tupfen nun als anachronistische Tintenflecke interpretiert oder als versprengte Bluttropfen, ich hätte im Laden nicht lange gezögert.

Inhalt. Juli Zeh zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der ich nicht leben möchte und die trotzdem leider nicht allzu unrealistisch ist. Zugleich finden wir jedoch nicht, wie ich im Vorfeld befürchtet hatte, einen dystopischen Politthriller mit panischem Unterton vor, sondern vielmehr eine Charakterstudie vor politischem Hintergrund. Was bleibt übrig von uns, wenn die Gesellschaft ausgehöhlt wird? Wie wird man glücklich in dieser Welt? Und gibt es vielleicht unter all dem, was unabänderlich scheint, doch noch die Möglichkeit, etwas zu tun?
Dieses Buch hat es geschafft, mich zu überraschen. Es gefällt mir, wie es aufgebaut ist, wie lange man (auf jeden Fall ich) rätseln musste, wie genau Britta nun ihre Praxis aufgezogen hat und was dahintersteckt, und wie logisch am Ende trotzdem alles erscheint.
Was mir außerdem gut gefällt: Wie selbstverständlich die Dinge eingeführt und erwähnt werden, die für Britta und ihre Mitmenschen normal, für uns jedoch beinahe schockierend, mindestens jedoch irritierend sind. Die Welt wird nicht erklärt, sondern sie fließt als Selbstverständlichkeit, als gegebene Umgebung in den Roman mit ein. Das machte mir persönlich das Lesen angenehmer als ein Buch, in dem zuerst über Seiten hinweg erklärt wird, wie die Welt aussieht.

Personen. Die Protagonisten in Juli Zehs Roman haben alle ihre eigenen Kämpfe auszufechten, besonders gut können wir dabei Britta beobachten. Ihre Entwicklung ist in meinen Augen ziemlich gut gelungen – ihre Erkenntnisse in Bezug auf die Welt um sie herum laufen in gewisser Weise parallel zu ihrer körperlichen Entwicklung und das findet Erwähnung, drängt sich aber dabei nicht auf.

Fazit. Insgesamt muss ich feststellen, dass es mir schwerer fällt als gedacht, meine Begeisterung in Worte zu fassen. Dieser faszinierende Roman ist spannend, zugleich auf die offensichtliche, handlungsbezogene Weise wie auch in einem irgendwie unterschwelligen Sinne. Weder der Begriff des Polit-, noch der des Psychothrillers wird ihm gerecht, vielmehr ist es ein entlarvend ehrliches Bild einer möglichen Zukunft und der Menschen – und damit uns – in dieser zukünftigen Welt, das uns die Augen öffnen kann und sollte.

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92 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

paris, liebe, gegenwart, botanik, malerei

Rendezvous im Café de Flore

Caroline Bernard
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.11.2016
ISBN 9783746632711
Genre: Liebesromane

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285 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 150 Rezensionen

fantasy, horror, palast, abenteuer, expedition

Palast der Finsternis

Stefan Bachmann , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257300550
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Hier unten klingt die Stille anders. An der Erdoberfläche ist Stille etwas Großes, Volles. […] Hier ist die Stille verschlossen und gespannt.“ (S. 147)

Zusammenfassung. Eine Gruppe Jugendlicher, eine Reise nach Frankreich und ein unterirdischer Palast, damit beginnt Stefan Bachmanns „Palast der Finsternis“. Doch was darauf folgt, das überrascht jeden einzelnen der Beteiligten: Hinter den Türen des Palastes lauern Fallen und sehr bald weiß niemand mehr, wem er trauen kann, und wie er aus diesem Palast der Finsternis entkommen soll.

Erster Satz. Ich hörte, wie es gebaut wurde, Vaters geheimes Versailles, ein Palast unterhalb eines Palastes, ein Reich aus Gold und Kristall, verborgen in den Wurzeln Frankreichs.

Cover. Das größte Plus des Covers ist die schicke, glänzende Optik. Abgesehen davon ist das Bild vor allem ein Traumbild, dessen Zusammenhang mit dem Inhalt des Romans sich mir nicht so ganz erschließt. Aber hübsch ist es!

Inhalt. Bis die Geschichte wirklich richtig in Gang kommt, dauert es zugegebenermaßen eine Weile – dann jedoch ist sie spannend, rasant und jedes Kapitel endet so, dass man auf keinen Fall jetzt schon aufhören kann, sondern auf jeden Fall wenigstens noch ein Kapitel lesen muss. Das erinnert fast ein wenig an die Serien dieser Zeit, die uns nach jeder Episode in der Überzeugung zurücklassen, dass wir noch weiterschauen müssen, um das nächste Geheimnis zu lüften.
Ein wenig zu sehr erinnert der Aufbau des Buchs und Palastes, einige Fallen und einzelne Szenen an Das Phantom der Oper und Filme wie Cube, Resident Evil oder Der Exorzist, aber man kann das Rad ja nicht immer wieder neu erfinden. Und wenn man darüber hinwegsieht, dann hat man mit dem Palast der Finsternis wirklich spannenden Jugendhorror, den man eigentlich nur ungern wieder aus der Hand legen möchte.

Personen. An den Figuren wird vielleicht deutlich, dass das Buch ein Jugendbuch ist: Besonders Anouk, aus deren Perspektive wir einen Großteil der Geschichte erleben, hat einen ausgeprägten Hang zum düster Gucken, der Überzeugung, dass niemand es so schwer haben kann wie sie selbst, und zu dem Gefühl, alles zu wissen. Mein Lieblingssatz in dem Zusammenhang: „Hast du das gehört, Bruder? Du bist tot. Anouk hat es gesagt, und sie weiß alles.“ (S. 336)
Aber vielleicht sind diese Überzeugungen das Privileg von Teenagern und man muss darüber etwas mehr hinwegsehen, als es mir gelungen ist. Und Anouks zynisches, sarkastisches Verhalten in akuten Gefahrensituationen hat uns auch mehr als einmal zum Lachen gebracht.
Ein weiteres Manko: Eine der Figuren ist derartig überflüssig, dass man ihre Existenz beinahe optischen Gründen mit Blick auf eine Verfilmung zuschieben möchte. Wer das Buch schon gelesen hat, sollte darauf kommen können, um wen es geht – allen anderen möchte ich das an dieser Stelle nicht verraten.

Fazit. Auch wenn der Palast der Finsternis kein Wunderwerk an innovativen Ideen ist, auch wenn die ein oder andere Figur mich bisweilen sehr tief hat durchatmen und das Buch einen Moment zur Seite legen lassen, ist es empfehlenswert für jeden, der Lust auf ein kleines bisschen Coming of Age vor spannender, nahezu filmisch anmutender Horrokulisse hat.

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460 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 8 Rezensionen

fantasy, harry potter, magie, hogwarts, freundschaft

Harry Potter and the Deathly Hallows

Joanne K. Rowling
Flexibler Einband: 832 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury Publishing, 05.07.2008
ISBN 9780747595861
Genre: Jugendbuch

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151 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

frankreich, bibliothek, bücher, literatur, bretagne

Das geheime Leben des Monsieur Pick

David Foenkinos , Christian Kolb
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei DVA, 13.03.2017
ISBN 9783421047601
Genre: Romane

Rezension:  
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84 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

marc uwe kling, satire, zukunftssatire, schwarzer humor, künstliche intelligen

QualityLand

Marc-Uwe Kling , Marc-Uwe Kling
Audio CD
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 22.09.2017
ISBN 9783957130945
Genre: Romane

Rezension:

„Modelle sind auch nur Meinungen, die sich als Mathematik getarnt haben.“ (Kapitel 38)

Zusammenfassung. Peter Arbeitsloser möchte keinen Delfinvibrator haben, Martin Vorstand hats sowohl im Arbeits- als auch im Privatleben nicht leicht und Toni Parteichef könnte sich mit einer strittigen politischen Entscheidung ziemlich viele Feinde machen – wie all das zusammenhängt in Qualityland, dem besten aller Länder, das erfahren wir in diesem neuen Roman von Marc-Uwe Kling.

Cover. Von der Idee, zwei verschiedene Ausgaben des gleichen Buches herauszubringen, war ich ja ziemlich begeistert. Noch mehr, als ich dann erfuhr, dass die Bücher sich auch (geringfügig) im Inhalt unterscheiden – nach allem, was ich gesehen habe, jedoch ausschließlich im Hinblick auf die Werbe- und Nachrichtenseiten, die zwischendurch eingestreut sind.
Insgesamt hat mir die sorgfältige Aufmachung richtig gut gefallen, vom Einband über das Cover selbst (man beachte das „E“ vor dem eigentlichen Titel) bis hin zu dem kurzen Text auf den Buchseiten, die man normalerweise nicht einmal eines Blickes würdigt.

Inhalt. Anders als bei der Kängurutrilogie bietet dieses Buch eine durchgehende Story, die mir noch besser gefallen hat als ich erwartet hatte. Sie ist spannend und kreativ, und das Ende fand ich richtiggehend emotional – das war im Vorfeld das, was mir etwas Sorgen bereitet hatte, ob Marc-Uwe Kling es schaffen würde, den Spannungsbogen über einen ganzen Roman zu halten. Nicht, dass ich ihm das nicht zugetraut hätte, es ist nur einfach etwas ganz anderes als die episodenhafte Erzählweise beim Känguru.
Ebenfalls sehr überzeugend war natürlich die Sprache und der Humor, es gibt kaum andere Autoren, die mich beim Lesen (oder in diesem Fall beim Zuhören) so zum Lachen bringen wir Marc-Uwe Kling. Der Wortwitz ist großartig, die Anspielungen auf geschichtliche Themen und alle möglichen anderen sorgen dafür, dass man zwischendurch auch mal nachdenken muss, und das Hörbuch bietet noch das unschlagbare Feature, dass es von Kling persönlich gelesen wird. Ich kann mir niemanden vorstellen, der den Charakteren glaubwürdiger Leben einhauchen könnte.
Und auch die technologischen Ideen, mit denen die Welt in Qualityland ausgeschmückt wurde, sowie die Konflikte, mit denen man in dieser neuen Welt zu kämpfen hat, sind zum einen unterhaltsam, zum anderen zeugen sie jedoch auch von einer beeindruckend sorgfältigen Auseinandersetzung mit allem, was heute schon geht, was morgen gehen könnte, und wie uns das dann vielleicht verändert.

Personen. Vielleicht lag es mit daran, dass Kling seinen eigenen Texten für meinen Geschmack ganz fantastisch Leben einhaucht, aber auf jeden Fall hatte ich in jedem Moment des Hörbuchs das Gefühl, alle Figuren nachvollziehen und vielleicht sogar auf die ein oder andere Weise mögen zu können – mindestens jedoch konnte ich sie dank der lebhaften Beschreibungen praktisch vor mir sehen. Durch ihre Sympathie und ihre Macken tragen sie die eh schon einfallsreiche Geschichte und am Ende hatte ich dann sogar große Gefühle für den ein oder anderen Androiden.

Fazit. Mein Freund sagte, und das finde ich sehr treffend: „Was Marc-Uwe Kling beim Känguru schon gut gemacht hat, das ist bei Qualityland noch viel besser geworden.“
Die Geschichte ist spannend, glaubwürdig und vielleicht eine Spur zu realistisch, entlarvt sie doch heute schon manche Mechanismen, über die man eigentlich gar nicht weiter nachdenken möchte; die Charaktere sind liebevoll entwickelt und haben ihren ganz eigenen Charme; und zuletzt ist der Humor für mich einfach wirklich beinahe unschlagbar.

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46 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

comic, sex, sexualität, masturbation, tabus

Sex Story

Philippe Brenot , Valerie Schneider , Laetitia Coryn
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei btb, 25.09.2017
ISBN 9783442757442
Genre: Sachbücher

Rezension:

Zusammenfassung. "Sex Story" erzählt die Geschichte einer so existentiellen Sache für das Überleben unserer Spezies, die trotzdem in den letzten Jahrhunderten vor unserer Zeit mit Verachtung gestraft wurde. Dabei ist von witzigen Anekdoten bis hin zu geschichtlichem Wissen alles dabei.

Cover und Aufmachung. Während das Cover ja vergleichsweise schlicht daherkommt und sich mit Andeutungen der Zeichnungen zufrieden gibt, die sich im Inneren des Einbands finden, sind die Zeichnungen im Buch wirklich hübsch und unterlegen den Inhalt sehr überzeugend mit Hintergrund. So ist es leicht, trotz des möglicherweise im Grunde erst einmal trockenen Themas, sich fesseln zu lassen und Bilder im Kopf zu haben - das ist bei den meisten anderen Büchern wahrscheinlich einfacher als bei einem Sachbuch über Sex.

Inhalt. Den Hauptteil des Buchs machen die geschichtlichen Abschnitte im Comicstil aus, die durch jede Epoche der menschlichen Entwicklung gehen und in denen echt viel Wissen steckte, das mir neu war. Etwas irritiert hat mich, dass im letzten Kapitel die Gegenwart mit der Zukunft zusammen gepackt wurde, aber die ersten 17 Jahre des 21. Jahrhunderts boten vermutlich noch nicht genug Stoff für einen eigenen Abschnitt.
Mit ein paar Seiten zu übergreifenden Themen und Erklärungen greift das Buch dann am Ende noch einige Dinge auf, die bis dahin nur kurz Erwähnung fanden und/oder weiterer Erklärungen bedürfen. Dieser Teil hätte für meinen Geschmack auch in einer etwas seriöseren Schriftart präsentiert werden dürfen (und ob man Sado-Maso grundsätzlich als psychische Störung abkanzeln muss weiß ich auch nicht so genau), aber seis drum.

Fazit. Abgesehen von kleineren Kritikpunkten bietet "Sex Story" einen wirklich umfassenden und spannenden Einblick in diverse interessante Themen um dieses eine große Thema, das seit Jahrhunderten die Menschheit beschäftigt.

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213 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 85 Rezensionen

liebe, bücher, roman, leben, ich treffe dich zwischen den zeilen

Ich treffe dich zwischen den Zeilen

Stephanie Butland , Maria Hochsieder-Belschner
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.10.2017
ISBN 9783426520758
Genre: Liebesromane

Rezension:

„Manchmal verzweifle ich an mir selbst.“ (S. 25)

Zusammenfassung. Loveday hat einen Panzer aus Tattoos und einer abweisenden Miene um sich herum aufgebaut, nachdem sie vor Jahren in einer einzigen Nacht alles verloren hat, das ihr etwas bedeutete. Heute arbeitet sie in einem Laden für gebrauchte Bücher und lässt sehr langsam wieder Menschen näher an sich heran, doch birgt das unter Umständen mehr Gefahren als Nutzen?

Erster Satz. Ein Buch ist ein Streichholz im schwelenden Augenblick zwischen Anreißen und Aufflackern der Flamme.

Inhalt. Nach dem Klappentext hatte ich an dieses Buch eine ganze Menge Erwartungen, im Besonderen hoffte ich auf einen wunderschönen, poetischen Stil. Leider wurde diese Erwartung für mein Gefühl nicht im Geringsten erfüllt. Und dabei bin ich nicht einmal sicher, ob der Grund dafür die Autorin ist oder die Übersetzerin, denn poetische Anteile zu übersetzen, das stelle ich mir relativ schwierig vor. Mir reichte aber das, was dieses Buch bietet einfach nicht aus, dafür ist mir Sprache zu wichtig, dafür sind mir Kleinigkeiten zu wichtig.
Hinzu kommt, dass ich das Ende etwas abrupt empfunden habe und es irgendwie unausgereift und unfertig wirkte, vor allem im Gegensatz zum Rest des Buches. Abgesehen davon hat die Geschichte selbst durchaus mitreißende Elemente und Archie ist eine Figur zum Liebhaben.

Personen. Während mir die Nebencharaktere zum Teil sehr gut gefallen haben (wenn man mal darüber hinwegsieht, dass eine Figur „Melodie“ heißt und ich davon ausgehe, dass sie im Original „Melody hieß – wie kommt man auf die Idee, Namen zu übersetzen?), war die werte Loveday jemand, den ich sehr gern nehmen und schütteln wollte. Charakteristisch für das, was mich an ihr nervte, ist der Satz „[…] wobei es unwahrscheinlich ist, dass Sie, verehrter Leser, wissen, wovon ich spreche […]“ (S. 220), denn Loveday schließt es mit ihrer schweren Vergangenheit einfach völlig aus, dass irgendjemand ebenfalls ein ätzendes Leben gehabt haben könnte, und macht von diesem Blick auf ihre Mitmenschen auch so reichlich Gebrauch („Genau so seid ihr zwei. Ihr seid kleine Welpen beim Spielen im Sonnenschein. Euer Leben ist so unkompliziert.“ (S. 141)), dass sich einer ihrer Mitmenschen zu den Worten „Hast du nur die leiseste Ahnung, was ich durchgemacht habe? Ich. Nicht du. Nur dieses eine Mal.“ (S. 213) verleiten ließ und ich fühlte so so so sehr mit dieser Person mit, dass ich zum ersten Mal wirklich begeistert vom Buch war.

Lieblingsstellen. „Ich konnte nicht dem einen vergeben, ohne den anderen zu beschuldigen.“ (S. 172)
„Und dann hatte ich das Gefühl, gleich loszuweinen, doch ich tat es nicht, sondern saß einfach nur da, bis obenhin so voll mit Tränen und Fragen, dass kein Wort und kein Geräusch herauskommen konnten.“ (S. 216)

Fazit. Ich habe so viel gehofft und so wenig bekommen. Es hat mir persönlich die meiste Zeit über keinen Spaß gemacht, das Buch zu lesen und wenn ich Loveday in die Finger bekommen könnte, würde ich sie nehmen und durchschütteln. Von mir gibt es für dieses Buch deswegen keine Leseempfehlung, außer, ihr legt keinen Wert auf sprachliche Schönheit und mögt vergleichsweise flache Storys und Charaktere.

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