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89 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

internat, freundschaft, dolly, schule, mädchen

Dollys großer Tag

Enid Blyton
Fester Einband: 136 Seiten
Erschienen bei Egmont Franz Schneider Verlag, 01.01.1967
ISBN 9783505036514
Genre: Jugendbuch

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90 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

internat, mädchen, schule, freundschaft, schulzeit

Die Klassensprecherin

Enid Blyton
Fester Einband: 137 Seiten
Erschienen bei Egmont Franz Schneider Verlag, 01.01.1966
ISBN 9783505036507
Genre: Jugendbuch

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10 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Jaroslav Kalfar , Barbara Heller
Fester Einband: 367 Seiten
Erschienen bei Tropen, 05.08.2017
ISBN 9783608503777
Genre: Romane

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29 Bibliotheken, 12 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

mariana leky, dorf, westerwald, was man von hier aus sehen kann

Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.07.2017
ISBN 9783832198398
Genre: Romane

Rezension:

„Wenn man die Augen schließt, weil gerade eine große Sorge abgefallen ist, man jemanden oder etwas wieder gefunden hat, einen Brief, eine Zuversicht, einen Ohrring, einen entlaufenen Hund, die Sprache oder ein Kind, das sich zu gut versteckt hatte.“ (S. 9)

Zusammenfassung. In Selmas Traum ist ein Okapi aufgetaucht und das macht ihr ganzes Dorf verrückt, denn immer, wenn das passiert, stirbt einer von ihnen. Und so ändert sich in diesem Zuge tatsächlich auch längerfristig eine ganze Menge in der Dorfdynamik.

Erster Satz. Wenn man etwas gut Beleuchtetes lange anschaut und dann die Augen schließt, sieht man dasselbe vor dem inneren Auge noch mal, als unbewegtes Nachbild, in dem das, was eigentlich hell war, dunkel ist, und das, was eigentlich dunkel war, hell erscheint.

Cover. Für mich symbolisiert dieses Cover ganz hübsch, dass man ein Buch nicht nach seinem Cover bewerten sollte. Im Buchladen hätte mich dieses spezielle Cover nämlich leider gar nicht angesprochen, und das wär wahnsinnig schade gewesen - mehr dazu später.
Da ich plane, das Buch eines Tages zu verschenken, fänd ich es toll, wenn es auch noch eine hübschere Gestaltung gäbe, denn das Buch hat so viel mehr verdient!

Inhalt. Wo fange ich nur an? Sprachlich haben mich schon die ersten zehn Seiten überzeugt. Es gelingt der Autorin so unheimlich gut, so viele Gefühle in vergleichsweise wenige, aber dafür beeindruckend sorgfältig gewählte Worte zu verpacken, dass mir zwischendurch der Atem stockte.
In dieser Hinsicht ist es meiner Meinung nach einfach, herauszufinden, ob das Buch sprachlich den eigenen Geschmack trifft: Das, was man auf den ersten paar Seiten bekommt, das zieht sich durchs ganze Buch. Wenn man mit dem unterhaltsamen, gut lesbaren Stil nichts anfangen kann, dann sollte man wohl besser die Finger davon lassen, da kann man nur enttäuscht werden.
Weiterer Pluspunkt für mich: Ich hatte nicht das Gefühl, zum siebenhundertsten Mal die selbe Geschichte zu lesen, sondern empfand die Handlung als wohltuend anders.

Personen. Besonders wichtig ist hier natürlich die Ich-Erzählerin Luise, die ich endlich mal wieder super fand. Nach einer ganzen Reihe wenig überzeugender Protagonistinnen war ich endlich einmal wieder so richtig verliebt. Aber auch die anderen Charaktere sind wundervoll: Selma und der Optiker, Martin und der Mönch, irgendwie auch Luises Eltern und selbst Palm, auch wenn es bei den einen leichter zu sehen ist als bei den anderen.

Lieblingsstellen. „Das Okapi ist ein abwegiges Tier“ (S. 11)
„Wir fürchteten, dass uns im Wald etwas noch Gefährlicheres als Palm begegnen würde, ein Höllenhund vielleicht, dem es egal war, dass es ihn nicht gab.“ (S. 36)
„Es sind nicht mehr alle da. Aber die Welt gibt es noch. Die ganze Welt minus eins.“ (S. 90)
„es war ein Abenteuer, dich kennenzulernen.“ (S. 100)
„Ich tue übrigens die ganze Zeit nichts anderes, als dich nicht zu küssen“ (S. 148)
„Danke, dass du mir am Ende so viele Anfänge bringst“ (S. 194)
„Wahrscheinlich gehören wir wirklich nicht zusammen. Das ist nicht schlimm. An einem Okapi gehört ja auch nichts zusammen“ (S. 218)

Fazit. Ich bin begeistert. Die Sprache ist fantastisch und ich hätte noch so viel mehr Lieblingsstellen angeben können; die Handlung hat mich emotional echt berührt, drückt aber nicht übertrieben auf irgendeine Tränendrüse; und viele Dinge sind so absurd komisch, so witzig, so platt, dass ich beim Lesen echt Spaß hatte. Sehr, sehr großartig.

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78 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

internat, mädchen, pferd, schule, eingebildet

Ein Pferd im Internat

Enid Blyton
Fester Einband: 121 Seiten
Erschienen bei Egmont Franz Schneider Verlag, 01.01.1976
ISBN 9783505036491
Genre: Jugendbuch

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107 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

internat, mädchen, dolly, freundschaft, schule

Wirbel in Klasse 2

Enid Blyton
Fester Einband: 137 Seiten
Erschienen bei Egmont Franz Schneider Verlag, 01.01.1966
ISBN 9783505036484
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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(75)

141 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 10 Rezensionen

internat, mädchen, freundschaft, dolly, schule

Dolly sucht eine Freundin

Enid Blyton
Fester Einband: 137 Seiten
Erschienen bei Egmont Franz Schneider Verlag, 01.01.1966
ISBN 9783505036477
Genre: Jugendbuch

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64 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

hummerfang, hummer, familiengeschichte, maine, insel

Die Hummerkönige

Alexi Zentner , Werner Löcher-Lawrence
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei btb, 09.05.2017
ISBN 9783442715442
Genre: Romane

Rezension:

„Aus den Tiefen heraufreichende Ungeheuer waren nicht nötig. Das Wasser nimmt sich schon genug.“ (S. 77)

Zusammenfassung. Seit drei Jahrhunderten sind die Kings die ungekrönten Könige der Insel Loosewood Island, die so zwischen Kanada und den USA liegt, dass niemand genau weiß, zu welchem Land sie nun gehört. Alle auf der Insel leben im weiteren oder engeren Sinne vom Hummerfang - oder von dem, was sich mit dem Lokalprominenten, Maler und ersten Inselbewohner Brumfitt Kings verdienen lässt. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Märchen und echten Geschehnissen immer mal wieder.

Erster Satz. Wir sind die Kings, und wenn es auf Loosewood Island so etwas wie eine Königsfamilie gibt, kommen wir dem am nächsten.

Cover. Das Cover ist einer der Gründe, weswegen ich mich ziemlich direkt in dieses Buch verliebt habe. Das Farbspektrum ist toll, das Motiv erst recht und überhaupt... Optisch ein ziemlich ansprechendes Werk. Der Titel wäre aber natürlich im Englischen sehr viel wortwitziger.

Inhalt. Mich beschlich zwischendurch sehr stark das Gefühl, dass das Buch selbst gar nicht so richtig wusste, wo es hinwollte. Die ersten zwei Drittel zogen sich sehr, weil für mein Gefühl nicht viel passierte, und erst als es gegen Ende wirklich spannend wurde, konnte mich das Buch richtig packen.
Was aber schon von Beginn an toll war, war zum einen die Sprache, die die märchenhafte Stimmung ganz wunderbar unterstützt; außerdem die Bezüge, die immer wieder auf Brumfitts Gemälde aufgreifen und so zum Teil in Worte fassen, was kaum in Worte zu fassen ist.

Personen. Leider musste die Hauptfigur und Ich-Erzählerin hart um meine Sympathien kämpfen, denn so richtig meins war sie einfach die ganze Zeit nicht. Sie erinnerte mich zwischenzeitlich immer etwas zu sehr an ein Kleinkind (nicht so sehr wie andere Protagonistinnen, mit denen ich schon das Vergnügen hatte, aber doch genug, um mich ein, zwei Mal mit den Augen rollen zu lassen) statt an eine erwachsene Frau.
Aber als gut gelungen drängt sich dann an der Stelle praktisch auf, dass die Figuren alle eine eigene Persönlichkeit haben und der auch treu bleiben. Das hat mir gut gefallen.

Lieblingsstellen. „Ich schätze, jeder verdient eine zweite Chance?“ [...] „Eine zweite Chance, aber keine dritte.“ (S. 201)
„Es braucht keine Ungeheuer, um das Bild so bedrückend zu machen, es reicht die ruhige See, ein leeres Boot und ein einzelnes Wort hinten auf der Leinwand, der Titel des Bildes: Verschwunden.“ (S. 328)
Und ganz große Liebe für die ganze Seite 346, die ich aus Spoilergründen hier leider nicht zitieren kann.

Fazit. Dieses Buch hinterlässt mich etwas ratlos. Es fiel mir über zwei Drittel der Seiten echt schwer, zum Weiterlesen motiviert zu sein, obwohl die Sprache und das Märchenhafte mir so unheimlich gut gefallen haben - somit könnten die Schwierigkeiten, am Ball zu bleiben, auch an mir gelegen haben.
Und als zum Ende hin alles zunahm: Spannung, Emotionen und Sympathien, da mochte ich das Buch kaum noch weglegen.

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37 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

famili, liebe, patchworkfamilie, ex, patchwork-family

Unter einem Dach

Anneke Mohn , any.way , Barbara Hanke , Cordula Schmidt
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 22.07.2016
ISBN 9783499271977
Genre: Romane

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(65)

118 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

tod, trauer, verlust, roman, 70er jahre

Ein fauler Gott

Stephan Lohse
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.03.2017
ISBN 9783518425879
Genre: Romane

Rezension:

Zusammenfassung. Bens Bruder Jonas ist gestorben, völlig unerwartet und plötzlich – und nun sieht sich Ben der Aufgabe gegenüber, mit Jonas‘ Tod, seiner eigenen Trauer und der Trauer seiner Mutter umzugehen, während er zugleich auf dem Weg in die Pubertät ist.

Erster Satz. Es wäre besser, die Raufaserkrümel bewegten sich.

Cover. Das Cover hat mir auf Anhieb mit seiner Schlichtheit gefallen, als ich allerdings auf Seite 11 angekommen war und auf den Text „Jonas hat dir im Krankenhaus ein Bild gemalt. Es zeigt eine Rakete. […] Jonas‘ Bettnachbar hat sich über die Farbe des Raketenfeuers beschwert. So ein Feuer sei nicht grün.“ stieß, war ich doch etwas enttäuscht; da ich vermute, dass die Coveridee dem von Jonas gemalten Bild entspringt, hätte ihr Feuer gern auch grün sein dürfen.
Das macht es natürlich nicht weniger hübsch, nur im Romankontext weniger cool.

Inhalt. „Ein fauler Gott“ erzählt auf sehr nüchterne Weise vom Umgang mit Trauer und Verlust und von den Entwicklungen eines Jungen auf dem Weg zum Teenager. Auf diese Weise wird die eigentlich sehr tragische und traurige Thematik deutlich weniger rührselig ausgebreitet als es der Fall hätte sein können, das hat mir sehr gut gefallen. Außerdem erhält man trotzdem einen ziemlich ausführlichen Blick in Bens Innenleben – oder auch in das seiner Mutter Ruth, wenn der Erzählfokus zwischendurch mal auf ihr liegt – und die dort festzustellenden Entwicklungen sind wirklich spannend und interessant zu lesen (obgleich ich natürlich nicht weiß, wie nah an der Realität der männlichen Entwicklung das alles tatsächlich ist).
Trotzdem hatte der Roman für mein Empfinden einige Längen, die dafür sorgten, dass meine Motivation, immer weiter zu lesen, leider empfindlich gestört war.

Personen. Im Fokus der Erzählung stehen Ben und seine Mutter Ruth, die schwer mit dem Verlust zu kämpfen haben, und umrahmt werden von einer ganzen Reihe anderer Figuren. Freunde, Lehrer, die Bibliothekarin und viele weitere begleiten beide, im Besonderen aber Ben, und erleichtern ihm das Leben oder erschweren es auch mal.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Freundschaftsbeziehungen, die Ben knüpft. Dabei gefiel mir besonders gut die Unsicherheit im Umgang mit Mädchen und auch Jungen, während sich so vieles im Körper verändert; das Bedürfnis, immer cool zu sein und vor den anderen keine Schwächen zu zeigen; das Gefühl von Alleinsein mit all den Sorgen und Ängsten, weil man niemanden hat, mit dem man reden kann.

Lieblingsstellen. „Knapp unterm Wasserspiegel klebt die Schnecke an der Scheibe und leckt sie sauber. […] Sie weint nie. Oder immer. Das lässt sich unter Wasser kaum feststellen.“ (S. 55)
„Ihre Trauer bleibt unfertig, sie formt sich nicht und findet kein Maß. Sie ist aus der Zeit gefallen, und wo keine Zeit ist, wird sie auch keine Wunden heilen.“ (S. 103)
„Mehr Weihnachten wird es in diesem Jahr nicht geben. Man kann die Geburt eines Kindes nicht feiern, wenn ein Kind gestorben ist.“ (S. 129)
„Du kennst doch das leere Gefühl, das im Bauch entsteht, wenn du betrübt bist. […] Dieses Gefühl nennt man Kummer. Der Kummer beschreibt die Lücke, in der die Seele existiert, die du vermisst, weil du den Menschen, aus dem sie hervorgegangen ist, geliebt hast.“ (S. 224)

Fazit. Während mir die einfache, klare Sprache, die Personen und ihre Beziehungen sehr gut gefallen haben, war das Buch für mich leider trotzdem doppelt so dick wie es hätte sein sollen. Ich hatte selten das Bedürfnis, weiterlesen zu müssen, weil sich vieles zu sehr zog – und das ist leider, leider ein echt großer Kritikpunkt, der es mir unmöglich macht, das Buch uneingeschränkt zu empfehlen.

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274 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 103 Rezensionen

familie, selbstmord, tod, roman, tragödie

Was ich euch nicht erzählte

Celeste Ng , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 27.05.2016
ISBN 9783423280754
Genre: Romane

Rezension:

„Sie hatte so lange Angst gehabt, dass sie ganz vergessen hatte, wie es war, keine Angst zu haben[…].“ (S. 262/263)

Zusammenfassung. Ein schrecklicher Verlust zwingt Lydias Familie, sich schmerzhaften Einsichten zu stellen: Verloren gegangenen Wünschen und Träumen, fehlgeleiteter Kommunikation und der Unfähigkeit, über das zu reden, was wichtig ist.
Ein vielschichtiger Prozess ist notwendig, um Kaputtes zu reparieren und jeden mit dem zu versöhnen, was ohnehin nicht mehr zu retten ist.

Erster Satz. Lydia ist tot.

Meine Meinung. Lydias Tod reißt Wunden auf, von denen niemand geahnt hatte, dass sie da wären: Marilyn und James, die Eltern, die sich versprochen haben, niemals über die Vergangenheit zu reden; James und Lydias Bruder Nathan, die sich so ähnlich sind und doch nicht zusammenfinden; die jüngste Schwester Hannah, die halt irgendwie da ist (aber irgendwie auch nicht); und natürlich immer wieder Lydia, deren Einsamkeit im Kontrast steht zu ihrer Mittelpunktstellung innerhalb der Familie.
Es geling der Autorin immer wieder, den Finger genau auf die Stellen zu legen, an denen kleine Situationen so dramatisch schieflaufen, dass man die Protagonisten nehmen und schütteln möchte – weil man selbst merkt, dass Versagen so einfach sein kann und Glück ein so fragiles Gut.
Dabei hat mir besonders gut die allwissende Erzählperspektive gefallen, die je nach Situation beruhigend oder beunruhigend zu sein vermag und die so sehr im Kontrast steht zu der schmerzhaften Unwissenheit der Protagonisten selbst. Auch die Sprache hat mich für dieses Buch begeistert, Ng findet an so vielen Stellen so schöne Worte, ohne zu klingen, als versuche sie bewusst poetisch zu sein. Das hat mir sehr gut gefallen.
Als besonders gut (und in gleichem Maße erschreckend) empfand ich außerdem die Identifikationsmöglichkeiten mit jedem der beteiligten Charaktere. Wer kann sich schon freisprechen davon, nur das Beste für sein Kind zu wollen? Und ist es nicht tatsächlich viel einfacher, immer ja und amen zu sagen statt für seine eigenen Träume aufzustehen? Am besten hat mir da dann doch die kleine, sanfte Hannah gefallen, die noch unverdorben von eigenen Erwartungen und den Erwartungen anderer offen in ihr Leben blickt.

Lieblingsstellen. „Dann strahlte ihr unbeschwertes Lachen in seinem weißen, kahlen Zimmer; wenn sie atemlos plapperte, flatterten ihre Hände, bis er sie in die seinen nahm und sie warm und still da lagen, wie ruhende Vögel, und dann zog sie ihn wieder an sich.“ (S. 50)
„Als sie in der Dunkelheit weiterfuhr, weinte ihr Haar in kleinen Bächen über ihren Rücken.“ (S. 88)
„Sie schlang die Arme um die Beine und schickte mitfühlende, geduldige Gedanken, aber ihre Schwester hörte sie nicht.“ (S. 169)
„Er hatte nicht gebetet, sondern geträumt – was, wie ihr später klar wurde, fast auf dasselbe hinauslief.“ (S. 248)

Fazit. Ich glaube, dieses Buch kann aufwecken. Es zeigt so sensibel die Schwierigkeiten, aber auch die Schönheit in zwischenmenschlichen Beziehungen im Allgemeinen und familiären Banden im Besonderen, dass ich nicht anders konnte als darüber nachzudenken: Wessen Träume sind es, die ich träume? Wessen Leben lebe ich? Wir sollten alle etwas mehr wie Hannah sein!

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97 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

flucht, geburt, london, baby, naturkatastrophe

Vom Ende an

Megan Hunter , Karen Nölle
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 18.05.2017
ISBN 9783406705076
Genre: Romane

Rezension:

"Man sagt uns, wir sollen Panik vermeiden. Es gibt keine Anweisung, die bei Menschen so todsicher Panik auslöst." (S. 71)

Zusammenfassung. Eine Frau mitten in den Wirren einer Naturkatastrophe, die in der Beziehung mit ihrem Neugeborenen versinkt und darüber das meiste andere, das um sie herum passiert, ausblendet – viel mehr lässt sich zum Inhalt dieser Novelle kaum sagen, ohne zu viel zu verraten.

Erster Satz. Ich stehe Stunden vor der Geburt, vor dem Ereignis, das ich im Leben nicht für möglich gehalten habe, und R ist auf einem Berg.

Inhalt. Klappentext und inhaltliche Zusammenfassungen ließen mich im Vorfeld befürchten, dass „Vom Ende an“ ein Endzeitthriller oder etwas in der Art ist; diese Einschätzung könnte kaum weiter an der Realität vorbei sein.
Ganz im Gegenteil: Die Ich-Erzählerin verdrängt vieles, das um sie her geschieht, sie ignoriert Nachrichten im TV und im Radio und will sich und ihre Familie eigentlich bloß einigeln gegen die Schrecknisse dort draußen – und so erfahren auch wir vieles gar nicht oder nur in Andeutungen. Möglicherweise stört das den ein oder anderen, für mich jedoch war gerade der Stil, der sich in Andeutungen erging und so ungefiltert, so direkt war, eine der besten Eigenschaften dieser Novelle.
Der namenlosen Erzählerin gelingt es mühelos, mich zu packen und viel mehr zu beunruhigen als eines der detailreich geschilderten Weltuntergangsszenarien: eine nahezu intim anmutende, subtile Form des Schreckens.

Personen. In der seltsamen Mischung aus Distanz und Nähe, die hier geschaffen wird, blieben mir die Figuren bis zum Ende ein wenig fremd. Das liegt sicherlich hauptsächlich an der Abstraktion, die die Erzählerin durch die ausschließliche Benutzung von (Anfangs?-)Buchstaben erzeugt: Der Namen ihres Sohnes kommt bloß einmal vor, für den Rest der Geschichte ist er einfach Z, und dasselbe gilt für alle anderen Figuren.
Zudem macht die Erzählweise eine halbwegs zuverlässige Charakterisierung nahezu unmöglich.
All das tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch sondern unterstützt die poetisch anmutende Sprache, die mir an dieser Novelle ganz besonders gefallen hat.

Lieblingsstellen. "Manchmal schläft er so leise, dass er überhaupt nicht mehr da zu sein scheint." (S. 21)
"Die Nachrichten rauschen vorbei. Sie sind leicht zu ignorieren." (S. 22)
"G ist nirgends, und die Küche ist voll von ihr." (S. 26)
"Wir sind im Danach." (S. 122)
"Ich will aufhören, mir Sachen vorzustellen." (S. 154)

Fazit. „Vom Ende an“ ist so viel besser als ich erwartet und zu hoffen gewagt hatte. Es ist poetisch und intensiv, da muss ich mich dem Urteil auf der Buchrückseite („Megan Hunters Debüt ist von archaischer Wucht und poetischer Zartheit“) einfach uneingeschränkt anschließen.
Und auch wenn mir zur Perfektion am Ende noch ein Fünkchen von irgendetwas fehlte, kann ich die Novelle noch jedem empfehlen, der empfänglich ist für die Schönheit von Sprache und Menschlichkeit.

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(43)

49 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

golf, golfen, mord auf dem golfplatz, mord, traunbach

Abgeschlagen

Katrin Schön
E-Buch Text
Erschienen bei Midnight, 05.06.2017
ISBN 9783958191167
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zusammenfassung. Die Kneipenwirtin Lissie Sommer und der Komissar Sebastian Loch haben es endlich geschafft und treffen sich zu einem Date - das prompt von einem Mord überschattet wird. Und natürlich schafft Lissie es dabei nicht, sich aus den Ermittlungen fern zu halten, und ist Sebastian auf diese Weise sowohl eine Hilfe als auch eine Last.
Ob das gutgehen wird?

Erster Satz. Ein frischer Wind pfeift mir um die Ohren, während ich mich mit Eimer, Spülwasser und Lappen bewaffnet den Biergartenmöbeln vor meinem Lokal mit dem schönen Namen Zum Grünen Kränzchen nähere, um ihnen den Winterstaub vom Holz zu wischen.

Inhalt. Tja, wie soll ich anfangen? Zunächst war ich skeptisch, dann las ich in die ersten Seiten rein und fands echt ganz gut, aber dann las ich leider weiter. Dabei war die Handlung im Grunde solide, ein bisschen wie ein durchschnittlicher Tatort: Man hat schon so eine Idee, es gibt keine großen Überraschungen, und am Ende fügt sich alles irgendwie.
Für einen richtig guten Krimi würde ich da mehr erwarten, aber als Nachmittagsunterhaltung an einem heißen Tag wars schon ganz nett.

Personen. Etwas störender fand ich die Charaktere, im Besonderen die gute Lissie. Zu meinem größten Bedauern empfand ich sie nämlich als kindisch, unreif und vor allem unangenehm oberflächlich. Es ist wahrscheinlich der Erzählperspektive geschuldet, dass recht viele (Ver-)Urteil(-ung)e(-n) ungefiltert bei uns ankommen, aber ich hab einfach einen bitteren Beigeschmack im Mund, wenn klischeehaft über ebenso klischeehaft gestrickte Charaktere hergezogen wird. Und dabei habe ich noch gar nicht beachtet, dass es einfach nicht meinem Geschmack entspricht, im Erzähltext über Satzteile wie „pervers geil“ zu stolpern.

Fazit. Ich mag den Tatort sonntags abends, aber ein Buch, das wie ein seichter Tatort geschrieben ist, ist nichts, was ich unbedingt lesen müsste. Daher keine Empfehlung von mir, außer es ist nichts anderes zu lesen da und man möchte etwas Einfaches haben, für das man nicht viel zu denken braucht.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

e-book, lyrik

Zärtlichkeiten: Prosa fürs Herz & Gedichte fürs Sein

Patricia Erne
E-Buch Text: 84 Seiten
Erschienen bei Selfpublisher, 14.12.2015
ISBN B019E6P0I2
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Lyrische, poetische Texte, gar Gedichte, zu rezensieren ist immer eine Herausforderung für sich und gestaltet sich in meinen Augen deutlich schwieriger als das Rezensieren von Romanen und ähnlicher Literatur, aber ich gelobe feierlich, mein Bestes zu geben und in Worte zu fassen.

Zum Inhalt. „Zärtlichkeiten“ beinhaltet eine Reihe Texte, hauptsächlich Gedichte, die sich in den Empfindungen der Liebe suhlen und leidenschaftlich versuchen, diese ungeheuer großen Gefühle in Worte zu fassen. Dabei hat mir ausgesprochen gut gefallen, dass so viel von dem Gefühl wahnsinnig authentisch und glaubwürdig war. Da steckt so viel Intensität hinter, die berührt, weil man sie aus dem eigenen Leben kennt: Das Atemlose, weil alles so perfekt ist und man nur davorstehen und sich selbst beobachten kann; der Unglaube über das Glück, das einem da zuteilwurde; die Überzeugung, dass es niemals besser sein wird; die Hoffnung, dass all das nie vorübergeht.
Zudem hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass sich in den Gedichten die Entwicklung einer Beziehung vollzieht, aber vielleicht ist das auch überinterpretiert und Zufall.
Um zu meinen Kritikpunkten zu kommen: Das Gefühl, dass durch die Zeilen auf mich übersprang, das rührte nahezu ausschließlich von der Glaubwürdigkeit des lyrischen Ichs her. Das ist auf den ersten Blick auch gar nicht schlecht, ich hatte jedoch im Vorfeld auf mehr gehofft: Nämlich auf Gefühl, das mich von den Worten her anspringt, das nicht nur in den bekannten Gefühlen steckt, sondern in der Intensität der Wortwahl. Das ist es, was für mich den Unterschied ausmacht zwischen einem ganz hübschen Gedichtband auf der einen Seite und umwerfenden, atemberaubenden Zeilen auf der anderen. Das Gefühl, dass der Dichter an jedem einzelnen Wort gefeilt hat, jede Zeile perfektioniert hat, bis sie genau so war, wie sie sein müsste. Und genau das hat mir bei „Zärtlichkeiten“ zu meinem Bedauern etwas gefehlt. Vielleicht lag es mit daran, dass ich mich mit den Texten in englischer Sprache so gar nicht anfreunden konnte – hier fehlte mir die Geschliffenheit der Worte noch etwas mehr.

Lieblingsstellen. „Du und ich, und ich und Du, atmen.“ (S. 32)
„Es fliegt sich einfach leichter, so ganz ohne Last.“ (S. 53)

Fazit. Obwohl der Absatz über die Kritikpunkte länger geworden ist (was meinem Bedürfnis, Kritik zu erklären geschuldet ist), will ich niemandem von diesen Gedichten abraten. Ich bin überzeugt, dass sie vielen sehr gut gefallen können, man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt: Auf Gefühle, die nicht aus jeder Wortkonstruktion strömen, die aber trotzdem glaubwürdig da sind.
Und das ist schon eine ganze Menge.

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360 Bibliotheken, 24 Leser, 0 Gruppen, 106 Rezensionen

experiment, wissenschaft, roman, terranauten, usa

Die Terranauten

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 09.01.2017
ISBN 9783446253865
Genre: Romane

Rezension:

„[...]wie zwei normale Mitarbeiter eines normalen Unternehmens, das vielleicht eine Sekte ist, vielleicht aber auch nicht.“ (S. 508)

Zusammenfassung. Acht Menschen, zwei Jahre, eine eigene Ökosphäre, nichts rein, nichts raus: Die Formel der Mission Ecosphere 2 ist denkbar einfach und stellt doch alle Beteiligten vor existentielle Probleme. Wie geht man mit Zurückweisung und Demütigung um, wenn man keine Chance hat, der anderen Person aus dem Weg zu gehen? Wie entwickeln sich zwischenmenschliche Spannungen im Angesicht lebensbedrohlicher Situationen? Und wie ernst kann man eine solche Mission nehmen?

Erster Satz. Man hatte uns von Haustieren abgeraten, desgleichen von Ehemännern oder festen Freunden, und dasselbe galt natürlich für die Männer, von denen, soviel man wusste, keiner verheiratet war.

Cover. Ich bin normalerweise nicht kritisch bei Buchcovern, aber mit diesem konnte ich mich schon von Beginn an irgendwie nicht anfreunden. Die Lektüre hat mich bestätigt: Mir ist bis jetzt nicht klar, was ein Mensch in einem Astronautenanzug mit dem Inhalt des Romans zu tun hat, das ist mir einfach echt ein Rätsel. Sehr viel besser: das englische Originalcover.

Inhalt. Die Idee fand ich schon vom ersten Klappentextlesen an ansprechend (und im selben Maße beunruhigend, denn wer sagt uns, dass nicht tatsächlich bald eine Notwendigkeit besteht, in künstlichen Ökosystemen zu leben?) und das hat sich auch nicht geändert; allerdings hätte ich mehr Spaß an der Lektüre gehabt, wenn sie sich etwas mehr auf die wichtigen Ereignisse konzentriert hätte, diese ausführlich behandelt, und den alltäglichen Vorgängen etwas weniger Raum eingeräumt. Denn obwohl der ungewöhnliche Alltag der Terranauten natürlich wirklich spannend und besonders ist, liefert er gemeinsam mit den zwischenmenschlichen Spannungen zwischen acht Menschen in der Kuppel (und dazu kommen noch die Figuren außerhalb, die nicht unerheblich ebenfalls teilhaben, Einfluss nehmen und beeinflusst werden) zu viel Stoff als dass es (mir) noch nicht zu unübersichtlich würde. Zwischenzeitlich konnte mich der Roman zunehmend weniger packen – bis in die letzten 150, 200 Seiten, da hatte ich schließlich das Gefühl, richtig angekommen zu sein.

Personen. Im Hinblick auf die Figuren bin ich so zwiegespalten wie noch nicht. Auf der einen Seite fand ich es ziemlich großartig, wie ehrlich sie berichtet haben (und überhaupt, die Erzählweise hat mir wirklich gut gefallen, viel mit Andeutungen, vieles blieb offen…) und wie ehrlich selbstkritisch sie auch waren. Größtenteils jedenfalls. Und vielleicht ist mein Kritikpunkt eine fast schon notwendige Folge aus eben dieser Erzählweise und der Ehrlichkeit, aber: Ich mochte beinahe keinen der Charaktere so richtig leiden. Ganz schwer fiel es mir mit Linda, die ich immer nur nehmen und gegen eine Wand hauen wollte, weil sie so furchtbar eifer- und selbstsüchtig und zugleich so ekelhaft aufgesetzt freundlich war. Naturgemäß kam mit dem weiteren Verlauf ein wenig Mitleid dazu, aber bis zum Ende ist mir ihr rachsüchtiges, egoistisches Wesen tierisch auf den Geist gegangen.
Auf der anderen Seite Dawn, die von allen noch die meisten Sympathiepunkte hatte, und mich doch gegen Ende zunehmend den Kopf schütteln ließ; der Rest war irgendwo dazwischen angesiedelt.
Und obwohl die Figuren von ihren Handlungen her in ihrer Rolle geblieben sind, fand ich es schade, dass die verschiedenen Erzählperspektiven sich im Stil kaum unterschieden, sodass ich einmal tatsächlich ein halbes Kapitel lang davon ausgegangen bin, der Erzähler wäre ein anderer.

Fazit. „Die Terranauten“ ist kein Roman, den man gelesen haben muss, aber ich mochte die Erzählweise und die Thematik, und bis zu einem gewissen Grad ließ mich beides über die Figuren und die partielle Langatmigkeit hinwegsehen.

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(675)

1.076 Bibliotheken, 29 Leser, 2 Gruppen, 100 Rezensionen

liebe, humor, rosie, asperger-syndrom, australien

Das Rosie-Projekt

Graeme Simsion , Annette Hahn
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 22.01.2015
ISBN 9783596197002
Genre: Liebesromane

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2.252 Bibliotheken, 58 Leser, 8 Gruppen, 205 Rezensionen

träume, silber, kerstin gier, liebe, fantasy

Silber - Das dritte Buch der Träume

Kerstin Gier
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 08.10.2015
ISBN 9783841421685
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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(98)

165 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 91 Rezensionen

paris, brief, parallelwelt, hagebölling, freundschaft

Der Brief

Carolin Hagebölling
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 09.06.2017
ISBN 9783423261463
Genre: Romane

Rezension:

„Die Realität ist eine Frage der Wahrnehmung, nicht der Wahrheit.“ (S. 51)

Zusammenfassung. Marie lebt ein Leben, das sie liebt, mit der Frau, die sie liebt und eigentlich ist alles ganz wunderbar - bis sie einen Brief bekommt, der scheinbar von ihrer früheren besten Schulfreundin verfasst wurde, jedoch aus einer anderen Realität zu kommen scheint. Wessen Leben ist es, von dem sie Auszüge erfährt, die ihr so fremd und zugleich so seltsam vertraut vorkommen?

Erster Satz. Es war der 26. Mai, als ich den Brief bekam.

Inhalt. Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich überrascht, weil es mir so schmal vorkam. Ein Blick auf die letzten Seiten bestätigte meinen Eindruck: 220 Seiten sind für einen Roman mit einer solch speziellen Idee nun wirklich nicht besonders viel. Und auch beim Lesen blieb mein kritisches Auge bestehen, denn während mir schon die Idee hinter der Geschichte richtig gut gefallen hat und mich auch ihre Fortführung im Prinzip überzeugen konnte, so blieb die ganze Sache trotzdem weniger spannend als erwartet und weniger intensiv als gehofft. Ich wurde das Gefühl bis zum Ende nicht los, dass die Autorin einen echt guten Einfall gehabt hat und dann wahnsinnig schnell dadurch rauschte, mit welchem Ziel auch immer.
Hinzu kam der Schreibstil, der besonders in den Briefen in meinem Ohr ein wenig hölzern klang (das besserte sich jedoch im weiteren Verlauf); und auch das Ende kam für mich zwar überraschend und dadurch irgendwie cool, ließ mich aber leider trotzdem auch irgendwie unzufrieden zurück. In meinem Kopf war das Buch noch nicht fertig, mir blieben zu viele Fragen offen.
Diese Kritikpunkte konnten durch die wirklich spannende Idee nur teilweise gerettet werden.

Personen. Wirkten neben Marie auch die allermeisten Figuren ganz nett, so fehlte ihnen doch für meinen Geschmack ein Fünkchen Charakter: Ich wurde das Gefühl nicht los, dass sie alle bloß die Bühne boten für die Geschichte, die um Marie und ihr Leben erzählt wurde, und das ist irgendwie schade.
Marie selbst machte diesen Eindruck etwas weniger, allerdings wird auch sie mir wahrscheinlich nicht lange im Gedächtnis bleiben (jedenfalls nicht wegen ihres Charakters).

Lieblingsstellen. „Wie uninspirierend wäre das Leben, hätte es keine Geheimnisse mehr.“ (S. 88)

Fazit. Irgendwann vor kurzem habe ich von einem Krimi geschrieben, der in meinen Augen viel Potential verschenkt hat. Nach der Lektüre dieses Romans weiß ich: Ich hatte keine Ahnung, wovon ich redete.
„Der Brief“ liest sich viel zu schnell weg, was schade ist, weil die Idee mir so gut gefiel. Er lässt Möglichkeiten für spannende Situationen einfach so liegen und sorgt auf die Weise dafür, dass ein spannender Roman beinahe belanglos erscheint.
Allerdings ist mein hartes Urteil durch die hohen Erwartungen beeinflusst, die ich im Vorfeld hatte, und das kann man dem Buch ja nun auch nicht vorwerfen. Und so komme ich insgesamt zu dem Fazit, dass Carolin Hagebölling hier ein Roman mit einer coolen Idee gelungen ist, der noch sehr viel cooler gewesen wäre, wenn er seine Möglichkeiten voll ausgeschöpft hätte.

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123 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

tracy rees, liebe, london, schicksal, cornwell

Die zwei Leben der Florence Grace

Tracy Rees , Elfriede Peschel
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783471351567
Genre: Romane

Rezension:

„Manche Menschen sind dafür bestimmt, auf der Erde zu gehen, aber du nicht.“ (S. 225)

Zusammenfassung. Florrie Buckley führt ein armes, dennoch größtenteils glückliches Leben, bis ihre Großmutter stirbt und ihr das Wissen um ihre tatsächliche Herkunft hinterlässt. Völlig unvorbereitet wird sie in ein Leben der besseren Gesellschaft Londons geworfen, in dem sie sich nur schwer zurechtfindet. Wird es ihr gelingen, Frieden zu schließen und sich selbst zu finden?

Erster Satz. Dieses verdammte Pony war wieder durchgegangen.

Inhalt. In diesem Roman begleiten wir das junge Mädchen Florrie auf ihrem Weg, Florence Grace zu werden - mit allen Schwierigkeiten, die das Stadtleben in einem Umfeld, das sich für die „bessere Gesellschaft“ hält, für ein Mädchen vom Land bereithält. All diese Schwierigkeiten machten mich oft genug wütend: Wütend ob der unfairen Behandlung, die dem armen Mädchen zuteil wurde, wütend wegen der widrigen Umstände, die einfach nicht darauf ausgelegt zu sein schienen, irgendjemanden glücklich zu machen. Und trotzdem gelang es Tracy Rees, mich am Ball zu behalten, ohne dass ich frustriert wurde. Immer wieder klarte sich der Himmel über Florence auf, immer wieder zeigte ihr etwas oder jemand, dass es sich lohnt, weiter zu leben.
Und obwohl genug Schweres zwischen den Seiten steckt, vermochte es erst das (und ich hoffe, damit verrate ich nicht zu viel) versöhnliche Ende, mir Tränen zu entlocken.

Personen. In der ich-Perspektive verfasste Bücher machen es mir häufig schwer, mich auf die Geschichte einzulassen; das war hier glücklicherweise nicht der Fall. Naturgemäß jedoch erfahren wir von der Hauptfigur durch diese Gegebenheiten nur aus der Innensicht und durch Handlungen etwas über ihren Charakter, was es leicht macht, Sympathien zu entwickeln.
Doch ich glaube, ich hätte Florrie auch ohne diesen Vorteil gemocht. Sie ist eine starke Figur mit Fehlern, der es in beeindruckender Weise gelingt, sich an äußere Gegebenheiten anzupassen. Und auch die anderen Figuren waren durchweg glaubhaft und in gewisser Weise sympathisch oder doch mindestens mit einer Motivation ausgestattet, die sie mich als Leser nicht vollends hassen ließen.
Mein persönlicher Favorit dabei war übrigens die schöne Calanthe, die mich mit jeder Äußerung etwas mehr an Luna Lovegood aus den Harry-Potter-Büchern erinnerte.

Lieblingsstellen. „Es gibt zu viel Essen und nicht genug Luft.“ (S. 155)
„Das Zusammensein mit ihm kam manchmal einer Freundschaft mit einer Kiste Sprengstoff gleich, die darauf wartete, einen neuen Minenschacht aufzusprengen.“ (S. 174)
„Es waren seltsame Menschen, womöglich nicht einmal gute Menschen, aber sie waren Menschen.“ (S. 252)
„Ich habe in London nicht viele enge Freunde, aber ich denke, dass zwei von eurem Format mehr sind, als viele Menschen haben.“ (S. 293)
„Du gehörst ins Sonnenlicht und in den Wind [...].“ (S. 436)

Fazit. „Die zwei Leben der Florence Grace“ ist ein Roman, der mich an vielen Stellen berührt hat und den ich sehr gern gelesen habe. Er war spannend und fesselnd, insgesamt versöhnlich (in meinen Augen eher eine Spur zu viel als zu wenig) und doch fehlte mir für absolute Begeisterung irgendwie ein kleines Fünkchen.
Was bleibt ist jedoch noch immer ein tolles Buch über eine starke Frau unter widrigen Umständen, und das ist etwas, das ich mir von dem ein oder anderen Buch bisher in diesem Jahr auch gewünscht hätte.

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89 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

skandal, kleinstadt, intrigen, liebe, familie

June

Miranda Beverly-Whittemore , Anke Caroline Burger
Flexibler Einband: 555 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 08.05.2017
ISBN 9783458362739
Genre: Romane

Rezension:

„Ich wusste nicht, dass es ein Verbrechen ist, sich wie ein Erwachsener zu benehmen.“ (S. 452)

Zusammenfassung. Im Sommer 1955 sieht sich die Kleinstadt St. Jude einer Invasion aus Hollywood gegenüber, die alle ihre Bewohner in ihren Bann zieht - bis auf die junge June, die ihrer bevorstehenden Hochzeit mit Arthur entgegensieht und an nichts anderes denkt. Doch dann begegnet ihr der Schauspieler Jack Montgomery und es wird eine Entwicklung losgetreten, die nicht nur ihr Leben nachhaltig verändert.
Sechzig Jahre später bricht das Leben ihrer Enkelin Cassie Stück für Stück über ihr zusammen, als sie plötzlich von einem ungeheuerlichen, unerwarteten Erbe erfährt. Anlass genug, die wahren Geschehnisse des Sommers 1955 aufzudecken!

Erster Satz. Nicht alle Häuser träumen.

Cover. Gemeinsam mit dem Beginn des Romans (mehr dazu unter „Lieblingsstellen“) hat mich das Cover überzeugt, das Buch haben zu wollen: Ich war ohne weitere Umstände direkt verliebt. In die Frisur und das Kleid der jungen Frau, in das Fahrrad und die Schriftart und die Farben... Von diesem Buch konnte ich einfach nicht die Finger lassen!

Inhalt. Leider hat mich das Buch, von dem ich so viel erhofft und erwartet hatte, vor allem enttäuscht. Die Geschichte ist nicht wahnsinnig innovativ, das hätte ich aber auch nicht erwartet und das ist auch nicht mein hauptsächlicher Kritikpunkt; die Wendungen und die Sprünge zwischen den Sommern 2015 und 1955 waren meist an passenden Stellen und hielten für mich die Spannung aufrecht. Dann gab es da aber noch die…

Personen. Das große Problem dieses Romans ist eine seiner Hauptfiguren. Nicht die namensgebende June, die ist vielleicht etwas naiv und verhält sich nicht immer nachvollziehbar, aber damit käme ich noch klar; viel dramatischer ist die kleine Cassie. Wenn im Buch nicht behauptet würde, sie wäre fünfundzwanzig, dann würde ich an dieser Stelle anmerken, dass man eine Fünfjährige unmöglich monatelang allein wohnen lassen kann. Aber so wie es ist, könnte ich das Einstiegszitat eigentlich unterschreiben.
Doch um etwas konkreter zu werden: Cassie ist eine egozentrische, oftmals unverschämte und taktlose Ziege, die mit Vorliebe in Selbstmitleid badet und augenscheinlich nicht zu Empathie fähig ist. Die zwei Auflösungen, die glaubhaft gewesen wären: Sie ist in Wirklichkeit doch ein Kleinkind, das sich das große, echte Leben bloß erträumt, oder sie ist schwerstens depressiv. Zweite Möglichkeit wird angerissen, aber scheint nicht wirklich der Rede wert zu sein.
Hinzu kommt, dass Figuren nicht in ihrer Rolle bleiben, und auch hier bietet Cassie wieder das Paradebeispiel: Da muss sie sich in einer Situation, in der eine andere Person vor ihr sitzt und weint, erst „große Mühe [geben], mitfühlend zu klingen“ (S. 321), kurze Zeit später ist die Rede davon, dass sie „echtes Mitleid“ mit selbiger Person hat (S. 380), nur um einen Satz (!) später festzustellen, es sei „befriedigend, dass hinter ihrer perfekten Fassade einiges im Argen lag“ (S. 380). Ehm, sorry, aber wie bitte? Wo ergibt denn das Sinn? Und das ist nur eine von so, so vielen Stellen, an denen ich nur den Kopf schütteln konnte.

Lieblingsstellen. „Nicht alle Häuser träumen. Die meisten tun das nicht. Doch Two Oaks träumte.“ (S. 11)
„Aber ich muss doch ein Kleid anziehen.“ „Du musst gar nichts. Trag, worin du dich wohlfühlst.“ (S. 356)
„Er verstand einfach nicht, dass etwas Seltenes eben durch seine Seltenheit so wunderbar wurde.“ (S. 421)

Fazit. Ich wünschte wirklich sehr, ich könnte dieses Buch empfehlen. Das Setting und die Idee haben mir auch echt gut gefallen, (und bis zur Mitte dachte ich, dass die guten Seiten die schlechten mindestens weitgehend aufheben könnten). Aber: nö. Die Figur Cassie ist zu allgegenwärtig und hat mir zu meinem Leidwesen echt eine Menge kaputt gemacht.
Ich freu mich jedoch über jeden, der dieses Buch lesen mag, denn vielleicht findet sich ja jemand, der meines haben möchte. Aber empfehlen werde ich es niemandem.

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(1)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

paderborn, historischer krimi deutschland

Im Schatten des Doms

Barbara Meyer
Flexibler Einband: 319 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 01.02.2008
ISBN 9783897055520
Genre: Historische Romane

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(89)

248 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 77 Rezensionen

liebe, freundschaft, ruth hogan, verlorene dinge, down-syndrom

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Ruth Hogan , Marion Balkenhol
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 19.05.2017
ISBN 9783471351475
Genre: Romane

Rezension:

„Wir können nicht immer gewinnen, und wir können nicht immer glücklich sein. Aber wir können es immer probieren.“ (S. 78)

Zusammenfassung. Ein ganzes Arbeitszimmer voller verlorener Dinge hinterlässt Mr. Peardew der überraschten Laura, und neue Freunde noch mit dazu; doch wie soll sie die Aufgabe erfüllen, bei der er sich völlig auf sie zu verlassen scheint? Wer oder was erschwert Laura ihr neues Leben? Und (wie) kommen die Geschichten von Eunice und Laura am Ende zusammen?

Erster Satz. Charles Bramwell Brockley reiste allein und ohne Fahrkarte in dem Zug um 14.42 Uhr von London Bridge nach Brighton.

Inhalt. Dieser Roman stellt mich bezüglich der Rezension vor eine gar nicht so einfache Aufgabe: Denn ich glaube, ich käme zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen, wenn ich ihn rational und kopfmäßig rezensierte, als wenn ich versuchte, meine Gefühle in Worte zu fassen. Um es mit Sunshines Worten zu sagen: „Ich denke das nicht in meinem Kopf, ich fühle es einfach.“ (S. 112).
Ich werde mit Kritikpunkten beginnen.
Mr Peardews Sammlung der verlorenen Dinge ist auch eine Sammlung zugehöriger Geschichten, die zwischen den zwei Hauptsträngen der Erzählung eingeflochten werden. Zudem springen wir innerhalb der Hauptstränge teils über recht große zeitliche Lücken hinweg, was (mir, beim Lesen) nicht immer klar war. Die Kombination aus beidem sorgt dafür, dass ich persönlich dem Buch ein paar mehr als „nur“ die 313 Seiten, die es hat, gegönnt hätte: Ich hatte das Gefühl, dass so viel mehr darin, dahinter steckt, das wir entdecken könnten, wenn die Autorin nur darauf eingegangen wäre.
Ein weiterer kleinerer Kritikpunkt ist der geisterhaft mysteriös angehauchte Teil der Geschichte, den ich etwas kritisch sehe: Ich könnte mir gut vorstellen, dass der ein oder andere darauf durchaus befremdet reagiert. Meine Assoziation mit der Tante-Dimity-Reihe von Nancy Atherton wurde durch diesen Umstand ebenfalls verstärkt.
Was aber viel wichtiger ist: Ruth Hogan verpackt in diesem Roman eine berührende Geschichte, in der ich mich des Öfteren zwischen Lachen und Weinen wiederfand, zwischen einem Haufen verloren gegangener und gesammelter Alltagsgegenstände. Sie schenkt den Figuren neue Chancen und Menschen, die sie lieben, und sie schildert das alles in einer wirklich schönen Ausdrucksweise, die mich schon auf den ersten Seiten in das Buch verlieben ließ.

Personen. Hogan gelingt es in diesem Buch, verschiedenste Charaktere aufeinandertreffen zu lassen, ohne dass einer von ihnen seine Glaubwürdigkeit oder Sympathiepunkte einbüßt. Man wünscht allen vorkommenden Figuren (naja; sagen wir, fast allen) nur das Beste und trauert mit ihnen um alles, was sie verloren haben. Der ein oder andere mag teils überspitzt erscheinen, im Großen und Ganzen habe ich jedoch jeden in mein Herz geschlossen und bin noch immer begeistert von der Komik und der Wahrheit in den Worten zwischen Freddy, Sunshine und Laura.

Lieblingsstellen. „Wenn man nie traurig ist, woher soll man dann wissen, wie es ist, glücklich zu sein?“ (S. 129)

Fazit. Liest man diesen Roman mit bewusst kritischem Blick, so fällt es vermutlich nicht allzu schwer, eine Reihe unerfreulicher Kleinigkeiten zu finden. Aber wer will das schon? Denn so viel Liebe, wie Anthony Peardew sie den verlorenen Schätzen entgegenbringt, war für mich auch zwischen den Seiten fühlbar.
Ich glaube Ruth Hogan, wenn sie schreibt „Dass ich das hier schreibe, bedeutet, mein Traum ist endlich in Erfüllung gegangen, und ich bin eine richtige Autorin.“ (S. 315)
Alles in allem gehört „Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge“ zu den Büchern, die mir in diesem Jahr bisher am besten gefallen haben.

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66 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

toskana, krimi, italien, todsünden, mord

Die Morde von Morcone

Stefan Ulrich
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.05.2017
ISBN 9783548289243
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zusammenfassung. Im toskanischen Morcone treibt ein unbekannter Mörder sein Unwesen und verbreitet Schrecken in der Bevölkerung, der mit dem Tod einer afrikanischen Prostituierten beginnt und scheinbar unaufhaltsam weitergeht. Was haben die seltsamen Zeichen auf den Leichen der Opfer zu bedeuten? Was ist das für ein Spiel, das die einzelnen Bewohner des Orts spielen? Und wie hängt all das mit dem anscheinend christlich fundamentalistisch angehauchten Mörder?
Eigentlich hatte Robert Lichtenwald den Plan gehabt, ein Jahr lang in der Toskana irgendwo in sich den Mann wiederzufinden, der er eigentlich war und sein wollte. Als aber seine neue Heimat auf Zeit durch eine Mordserie erschüttert wird, kann er sich nicht lang von den Ermittlungen fernhalten.

Erster Satz. Es konnte kein Zufall sein.

Inhalt. Dieser Krimi versprach eigentlich so viel: Lust auf Urlaub hatte ich schon nach wenigen Seiten, Appetit auf italienisches Essen ließ auch nicht lange auf sich warten und die aus der Perspektive des Mörders erzählten kurzen Episoden bauten schon zu Beginn Spannung auf. Warum also sprang der Funke trotz all dem nicht so richtig über?
Vielleicht wegen der Erzählstränge, die angeschnitten, aber nie so richtig bis zum Ende erzählt wurden. Vielleicht lag es daran, dass ich schon recht früh einen Verdacht hatte und bis zum Ende hin nicht mehr so richtig überrascht wurde. Vielleicht fehlten mir auch an zu vielen Stellen irgendwie die Erklärungen.
Damit möchte ich keinesfalls sagen, dass der Krimi nicht spannend gewesen wäre. Gerade auf den letzten Seiten war ich meilenweit davon entfernt, es auch nur aus der Hand zu legen. Doch auch dort offenbarte sich der in meinen Augen größte Schwachpunkt: So vieles wurde angeschnitten, der Krimi wollte mehr sein als er im Endeffekt leisten konnte, und so bleiben die wirklich spannenden, mitreißenden Stellen leider in der Minderheit.

Personen. Auch in der Wahl und Ausgestaltung der Charaktere setzt sich fort, was mich an „Die Morde von Morcone“ stört. Das beginnt schon mit der schieren Anzahl handlungsrelevanter Figuren, deren Namen ich fast bis zum Ende durcheinander geworfen habe. Da ist zu viel Hintergrund, zu schnelle Sprünge zwischen den Perspektiven. In ganz engem Zusammenhang dazu steht auch die in meinen Augen ziemlich kurz kommende Trauer um die Opfer des Mörders: Obwohl versucht wird, eine gewisse Nähe aufzubauen, scheitert der Krimi daran, mich wirklich mitfühlen zu lassen - und auch die Morconesi gehen für meinen Geschmack eine Spur zu gefasst mit all den Verlusten um.

Fazit. Stefan Ulrichs „Die Morde von Morcone“ ist sicherlich kein schlechtes Buch, aber weiterempfehlen kann ich es nur Liebhabern italienischer Krimis. Denn die Umgebung hat mir durchaus gut gefallen, doch abgesehen davon konnte mich weder Handlung noch Protagonisten packen. Ziemlich schade!

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58 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

japan, tokio, liebe, krieg, spionage

Demnächst in Tokio

Katharina Seewald
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag , 27.03.2017
ISBN 9783958901063
Genre: Romane

Rezension:

„Und nun griff Deutschland wieder zu den Waffen. Ja, hatten wir denn nichts gelernt?“ (S. 199)

Zusammenfassung. Eine große Liebesgeschichte vor der Kulisse eines der größten Kriege der näheren Geschichte: Elisabeth ist gezwungen, einen Mann zu heiraten, den sie bloß vom Sehen kennt, und ihm an seinen neuen Arbeitsplatz nach Tokio zu folgen. Dort ist alles anders und neu für die gerade 19-Jährige und obwohl der Krieg und der Schrecken der Nazizeit in solcher Ferne beginnen, wird bald schon auch die scheinbare Idylle in der deutschen Botschaft getrübt. Wem kann sie in dieser Zeit trauen und wer spielt ein falsches Spiel?

Erster Satz. Der Kessel verschluckt sich fast an seinem eigenen Pfeifen.

Inhalt. Katharina Seewald ist es in diesem Roman eine Kombination aus vielem gelungen, das mir sehr gut gefallen hat: Wir haben hier eine Geschichte, die die Wirren und Schrecken des Krieges anschneidet; wir erleben ein kleines bisschen Japan den Dreißiger- und Vierzigerjahren; wir haben echt atemberaubend spannende Anteile; und natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz, auch wenn die Situation im Endeffekt für keinen der Beteiligten so ganz einfach ist. Das ist aber vielleicht auch einer der Kritikpunkte für mich am Buch: Bei vielem hatte ich das Gefühl, dass mehr als bloßes Anschneiden nicht drin war (und dabei ist der Roman mit seinen knapp über 400 Seiten ja nun auch echt nicht das schmalste aller Werke). Elisabeth begegnet dem Elend der Bevölkerung und ist schockiert, aber so richtig Thema ist das dann doch nicht - nur um ein kleines Beispiel zu nennen. Auch der Rahmen, in den das ganze eingefasst ist (die inzwischen über 90-Jährige Elisabeth erzählt in einem langen Brief ihrer Tochter Karoline die Geschichte ihres Lebens) schneidet vieles an und bleibt trotzdem wahnsinnig knapp. So könnte man sich die Frage stellen, ob es diesen Rahmen wirklich braucht.

Personen. Ganz ähnlich meinen Kritikpunkten (eigentlich ist es ja bloß ein einziger, dass nämlich vieles nur angerissen wird) wurde uns Lesern auch bei den Personen eine ungeheure Fülle vorgesetzt. So viele Namen kamen vor, dass es mir zum Teil gar nicht so leicht fiel, die entsprechende Figur zuzuordnen. Auch mit den entsprechend vergleichsweise vielen Schicksalen mitzufühlen, ist unter den Voraussetzungen nicht immer einfach - man hätte sich für meinen Geschmack gern etwas mehr auf die Kernfiguren und -geschichten konzentrieren können. Aber abgesehen davon haben mir die Charaktere sehr gut gefallen. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit und handelt auch dementsprechend, jeder hat seine Geheimnisse und nicht alle davon erfährt Elisabeth. Bei einigen dauert es bloß eine Weile, andere werden mit ins Grab genommen und vieles erfahren auch wir als Leser nicht.

Fazit. Es ist so viel einfacher, sich bei einer Rezension auf die Kritikpunkte zu konzentrieren: Die sind (für mein Empfinden jedenfalls) so viel einfacher in Worte zu fassen. Aber damit hier kein falsches Bild aufkommt, muss ich doch klarstellen, dass mir der Roman wirklich richtig gut gefallen hat. Er war berührend und brachte mich zum Weinen, er war schön und erschreckend und ehrlich und wirklich eines meiner Highlights dieses Jahr.

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344 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 172 Rezensionen

mord, psychologie, krimi, erinnerungen, roman

Das Buch der Spiegel

E.O. Chirovici , Werner Schmitz , Silvia Morawetz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.02.2017
ISBN 9783442314492
Genre: Romane

Rezension:

Zusammenfassung. Es beginnt mit dem Manuskript eines gescheiterten Autors und entpuppt sich als verspätete Mordermittlung: Das Buch der Spiegel liefert einen Krimi und verpackt ihn in ungewöhnlich erzählten einzelnen Episoden. Dabei kann man nie so ganz genau wissen, wer nun lügt und wer die Wahrheit sagt - wie auf der Rückseite schon steht: „Die Wahrheit des einen ist die Lüge des anderen“.

Erster Satz. Ich bekam das Schreiben im Januar, als alle in der Agentur sich noch von ihrem Festtagskater zu erholen versuchten.

Inhalt. Es fällt mir schwer, diesen Roman in eine Kategorie einzuordnen, denn obwohl hier ein Mordfall aufgerollt wird, fehlt ihm die nervenaufreibende Spannung, um ein Krimi zu sein. Ich hatte zwischendurch eher den Eindruck, die Geschichte plätschere so dahin, und häufig lag das Buch eine ganze Weile unbenutzt neben mir, weil ich nicht so begierig darauf war, weiter zu lesen. Das ist irgendwie schade!
Denn auf der anderen Seite gefällt mir die Idee des Romans und auch seine Umsetzung wirklich ausgesprochen gut: Die Erzählweise war mir in dieser Form neu und konnte mich (trotz mangelhafter Spannung) überzeugen.

Personen. Sehr gut gefallen hat mir die wiederkehrende Unzuverlässigkeit der Protagonisten und die Unsicherheiten, wem man glauben kann und wer nur auf seinen eigenen Nutzen aus ist; wer alles preisgibt, was er zu wissen glaubt oder weiß, und wer (mit guten Absichten?) lügt. Etwas anstrengend fand ich jedoch die schiere Masse relevanter Charaktere, die Chirovici dem nichtsahnenden Leser um die Ohren haut. Da hatte ich zwischendurch tatsächlich Schwierigkeiten, dem Handlungsverlauf zu folgen und im Kopf zu behalten, wer nun gleich weswegen von Interesse für die Recherchen und Ermittlungen ist.

Fazit. Leider muss ich sagen, dass ich von diesem Roman mehr erwartet hatte, obwohl ich meine Erwartungen nicht in Worte fassen kann. Die Spannung, das Sitzen auf der Stuhlkante, das nicht-ansprechbar-Sein, all das fehlte mir zu einem wirklich packenden Werk.
Was ich jedoch bekam: Eine faszinierende Geschichte darüber, wie anders Dinge sein können, die wir nur von außen sehen; wie wenig wir zum Teil von außen sehen; und wie falsch das sein kann, was wir aufgrund unserer eigenen Erfahrungen, Gedanken und Ängste in das interpretieren, was wir von außen sehen.

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