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Hilda und der Steinwald

Luke Pearson , Matthias Wieland
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 01.05.2017
ISBN 9783956401251
Genre: Comics

Rezension:

Hildas Geschichten sind selbst nach fünf Bänden ausnahmslos grandios und überraschend. Auch Hilda und der Steinwald ist keine Ausnahme. Diesmal hat sich der Zeichenkünstler Luke Pearson wieder einige ganz besondere Kniffe ausgedacht und mich mit seiner Fantasie, seiner Experimentierfreude und seinem Humor wieder mal verzaubert.
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Das sind Trollfeuer. So was hab ich lang nicht mehr gesehen.[…] Sie wollen die Stadt daran erinnern, dass sie noch da sind.

Trollen sind wir schon in einigen Geschichten von Hilda begegnet. Dass sie aber unbeabsichtigt in das Reich dieser unberechenbaren Kreaturen gerät und sich plötzlich in einer steinig, kargen Welt wiederfindet, ist etwas ganz Neues! Und die Trollwelt ist nichts für zarte Gemüter, denn sie ist riesig, unüberschaubar und bedrohlich. Die unheimliche Stimmung des Settings ist so kraftvoll und deutlich in den Panels wiedergegeben, dass man auch als Leser nicht anders kann, als zu erschaudern und sich vor den großen Trollen, die hinter jedem Fels lauern können, zu fürchten. Mir hat das Setting sehr gut gefallen, denn es war wunderbar düster, fremd und schaurig schön!

Ich glaube, irgendwas ist schiefgegangen und nun hat es uns an einen Ort verschlagen, wo wir nicht hinwollten.

Wer schon Geschichten von Hilda gelesen hat, der weiß, dass Hildas Mutter alleinerziehend ist (ein Vater wird zumindest nie erwähnt). Hildas Mutter weiß bis zu einem gewissen Grad über die Abenteuer der Tochter Bescheid und lässt ihr in der Regel viel Freiraum. Trotzdem kommt es immer wieder zu Streitereien, wenn sie Zeit mit ihrer Tochter verbringen will, die aber lieber draußen bei ihren Freunden und Monstern ist. Nicht selten fallen dann auch verletzende Worte, die die Realität in Familien sehr gut wiederspiegeln. Umso schöner fand ich die Idee, die Beziehung von Hilda und ihrer Mutter in diesem Comic in den Vordergrund zu stellen und eine Geschichte zu entwerfen, die die Bindung zwischen Mutter und Tochter stärkt. Hildas Mutter ist nach diesem Abenteuer nicht mehr länger nur eine Zuschauerin und Randfigur in Hildas Leben, sondern nimmt aktiv an den Abenteuern ihrer Tochter teil. Hilda kann ihr endlich beweisen, wie mutig, verantwortungsvoll und selbstbewusst sie ist. Auf der anderen Seite erkennt Hilda, dass es gar nicht so schlimm ist, Zeit mit ihrer Mutter zu verbringen, dass sie Spaß haben und gemeinsam etwas erreichen können.

Ein wenig Nervenkitzel ist ja ganz nett, wenn ich weiß, dass du zu Hause auf mich wartest…

Luke Pearson ist ein wahrer Zeichenkünstler und hat auch diesem Comic mit seinen Zeichnungen und der speziellen Farbgestaltung eine ganz besondere Note verliehen. Jede Seite folgt einer festgelegten Farbgebung, die die Atmosphäre der Geschichte wiederspiegelt und unterstützt. So können Seiten mit vollkommen bunten oder schwarzweißen Panels herauskommen, Seiten mit länglichen oder quadratischen Panels, oder auch ganzseitige Zeichnungen. Jedes Mal, wenn ich eine Seite in einem Luke Pearson Comic umblättere, schlägt mein Germanisten-Herz bis zum Hals, denn ich liebe es mir zu überlegen, was sich der Autor bei der Anordnung und Farbwahl gedacht haben mag und in welchem Zusammenhang das mit der Geschichte steht. Luke Pearson ist in der Hinsicht so experimentierfreudig wie klassisch, und genau das ist es, was mir so sehr an seinen Büchern gefällt!

Fazit & Bewertung

Hilda und der Steinwald ist Band 5 der erfolgreichen Hilda-Reihe und wieder mal ein wahrer Augenschmaus für Comicfans die es sind und noch werden wollen. Nicht nur das wunderbar düstere Setting hat mich in diesem Comic überzeugt, auch die Mutter-Tochter Thematik fand ich dieses Mal besonders gelungen. Eine fantasievolle Geschichte in einer herrlich skurillen und einzigartigen Welt, in der man einfach mal eingetaucht und ein bisschen gelebt haben sein muss. Ich liebe es!

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Der Sommer ihres Lebens

Thomas von Steinaecker , Barbara Yelin
Fester Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 01.09.2017
ISBN 9783956401350
Genre: Comics

Rezension:

Dieser Graphic Novel ist etwas ganz Besonderes, wenn auch nicht für zarte Gemüter. Denn Alter und Tod sind für viele Menschen ein sensibles und auch beängstigendes Thema, über das nur sehr ungerne nachgedacht, geschweige denn gesprochen wird. Aus diesem Grund ist Der Sommer ihres Lebens so lesenswert. Zwar wird der Alltag im Seniorenheim sehr realistisch, aber nicht zu detailliert dargestellt. Trotzdem bleibt eine ungeschminkte Wahrheit, wie alte Menschen mit so einer einschneidenden Veränderung im Alter zurechtkommen, welche Dinge für sie an Wert verlieren und welche an Wert gewinnen. Und genau das hat mich so sehr an dieser Geschichte fasziniert.

In Der Sommer ihres Lebens lernt man Gerda zunächst in der Gegenwart kennen. Im Seniorenheim findet sie sich auf den Fluren schlecht zurecht, sie ist von fremden Menschen umgeben und muss akzeptieren, dass ihr Körper nicht mehr das kann, was sie möchte. Die Arme beim täglichen Waschen zu heben fällt ihr zum Beispiel zunehmend schwer. Wer selbst den körperlichen Verfall eines Menschen hautnah miterlebt, vielleicht Altenheime schon von innen kennengelernt hat, weiß, wir hart das Leben dort und im Alter generell ist. Barbara Yelin hat diese Tatsachen sehr authentisch in ihren Zeichnungen eingefangen und erlaubt damit einen ungeschönten Einblick in einen Lebensabschnitt, den die meisten von uns noch vor sich haben.

Oft denke ich ich bin schon tot. Und das hier ist die Ewigkeit. Früher raste die Zeit. Erinnere ich mich daran, sticht es. Trotzdem will ich jetzt wieder öfter an früher denken. Ich spüre dann, ich lebe noch. (S. 8-9)

Gerdas gedankliche Rückblicke in ihre Vergangenheit werden in den Panels farblich von der Gegenwart abgehoben, sind in warmen und freundlichen Tönen gehalten. Sie beginnen mit ihrer Schulzeit, in der sie sich als einzige Frau für Astrophysik begeistern kann und damit eine ziemliche Exotin darstellt. Gerdas Charakter ist sehr interessant, denn nicht nur ihre Begeisterungsfähigkeit für eine Männerdomäne, auch ihre Sanftheit und ihre Kultiviertheit machen sie zu einer Figur, der man gerne folgt. Ihren Sinn für die Schönheit der Natur und ihre oftmals weisen Gedanken, die sie sowohl in ihrer Jugend schon hatte und auch im Alter nicht verloren hat, haben mich sehr gefesselt und begeistert.

Alles, was möglich ist, geschieht auch. In dieser oder in einer anderen Welt. (S. 50)

Man kann den Graphic Novel Der Sommer ihres Lebens auch als experimentell bezeichnen – aber nur im positiven Sinne. Nicht nur, dass man sich mit der Geschichte an sich schon an ein seltenes Thema herangewagt hat, auch was den Zeichenstil betrifft, wurde von Barbara Yelin einiges ausprobiert. Sowohl was die Anordnung der Panels und die Größe der Zeichnungen anbelangt, als auch was die raumzeitliche Logik betrifft, ist dieser Graphic Novel etwas ganz Besonderes. So kann es sein, dass man das gesamte Buch drehen muss, um eine Zeichnung vollständig erfassen zu können, was ich absolut genial fand!

Wenn es so weit ist werden meine fünfundachzig Jahre (aufgerundet!) ungefähr null Komma null null null null null null zwei Prozent der gesamten Existenz der Erde und null Komma null null null null null null null sieben Prozent jener des Universums ausgemacht haben. (S. 57-58)

Wie schon oben angedeutet, ist die Geschichte genauso belebend, wie gefühlvoll. Vor allem zum Ende hin, musste ich einige Male eine Pause einlegen, um das Gelesene auf mich wirken zu lassen. Dass man berührt ist, zeugt nur von der einfühlsamen Herangehensweise dieses Graphic Novels an ein schwieriges Thema, das ich so zuvor noch nicht gelesen habe. Sowohl Barbara Yelin als auch Thomas Steinaecker haben hervorragend zusammen harmoniert und eine Geschichte erschaffen, die hoffentlich viele lesen und für ihr eigenes Leben nutzen können.

Fazit & Bewertung

Der Sommer ihres Lebens von Barbara Yelin und Thomas Steinaecker ist ein Graphic Novel, den ich jedem empfehlen kann, der warmherzige und authentische Geschichten abseits der kommerziellen Themen sucht. Ein Graphic Novel, der mich sehr berührt hat und mir einen ganz anderen Blick auf die Frage gegeben hat: Bist du glücklich? Lest ihn!

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29 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Sherlock 3

Jay. , Mark Gatiss , Steven Moffat , Gandalf Bartholomäus
Flexibler Einband: 244 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.11.2017
ISBN 9783551728869
Genre: Comics

Rezension:

Als großer Sherlock-Fan sind für mich die gleichnamigen Mangas zur Serie ein muss. Ich liebe die von Sarkasmus und düsterem Humor triefenden Dialoge, Sherlocks verworrene Denkweise und seine Genialität. Und genau das ist in diesem Comic von Jay. und Mark Gatiss zeichnerisch und sprachlich einfach wunderbar umgesetzt. Der dritte Band der Comic-Reihe legt an Humor noch einmal eine Schippe drauf, hat mich von der ersten Seite an toll unterhalten und mir das Gefühl gegeben, die Serie noch einmal Revue passieren zu lassen.

Sherlock ist in dieser Fortsetzung ein genialer Kopf wie eh und je. Weil er vor Langeweile umkommt und sich nicht zu beschäftigen weiß, bekommen die Menschen in seiner Umgebung seine Launen gehörig zu spüren und selbst die Zimmerwand muss für Pistolenschüsse herhalten. Sherlocks Halt- und Rastlosigkeit machen selbst den Leser ganz nervös und lässt einen den nächsten Sherlock-würdigen Fall herbeisehnen. Ich habe es geliebt, erneut Zeuge von Sherlocks skurillen Eigenschaften und seiner trockenen, aber absolut witzigen Art und Weise zu sein.

Watson: „Im Kühlschrank ist ein Kopf! […]“ Sherlock: „Und? Wo soll ich ihn sonst unterbringen? Stört er sie?“ (S.13 )

Das Setting in diesem Comic ist sehr vielseitig und abwechslungsreich. Die Handlung spielt einen großen Teil wieder in Sherlocks und Watsons WG in der Bakerstreet, aber auch in Sherlocks Labor, an Bahnhöfen und verschiedenen anderen Tatorten, an die es die beiden Detektive diesmal verschlägt. Am genialsten finde ich wie immer die Darstellung von Sherlocks zu Hause, denn wie in der Serie kann man auch als Leser dieses Comics so viele ünerraschende Details in seiner Wohnung festgestellen, dass man einfach nur fasziniert sein kann. Ob menschliche Körperteile, Waffen oder sonstiger Kleinkram- Sherlocks Wohnung ist ein Sammelsurium von Merkwürdigkeiten und Sonderbarem, deren Faszination man sich auch als Leser nur schlecht entziehen kann.

Watson: „Die Frau könnte dabei sterben.“ Sherlock: „Na und? Die Krankenhäuser sind voll von sterbenden Menschen. Warum heulen Sie denen nicht hinterher?“ (S. 47)

Wer die Geschichten von Sherlock kennt, weiß, dass sie immer recht komplex und teilweise ein bisschen verworren sind. Auch in dieser Geschichte ist Sherlocks Fall eine harte Nuss, sodass ich jedem nur raten kann, die Geschichte ohne längere Pausen zu lesen, um selbst alles im Gedächtnis zusammenfügen zu können und das Ende zu verstehen. Natürlich ist wie so oft eher Watson derjenige, der auf einer falschen Fährte ist, aber auch Sherlock muss diesmal einige Rückschläge einstecken. Ich habe die Geschichte geliebt und finde, dass sie von ihrer Spannung und den überraschenden Wendungen her eine der besten der ganzen Serie ist.

Sherlock: „Ich habe die Fälschung bemerkt, das muss reichen! Ich habe den Fall gelöst. Der Beweis ist doch nebensächlich.“ (S. 179)

Sprachlich trifft Mark Gatiss wie schon in den letzten beiden Bänden genau den Ton, den Sherlocks Charakter und Benedict Cumberbatch als Schaukapelle so sehr ausmacht. Ich hatte oft die Filmbilder der Serienepisode im Kopf und habe mich völlig in die Geschichte hineinversetzt gefühlt. Auch dem Zeichner Jay. kann man wieder nur ein großes Lob aussprechen. Eine wirklich tolle Umsetzung mit genau der richtigen Mischung an wilder Verspieltheit und klaren Linien.

Fazit & Bewertung

Sherlock: Das große Spiel von Jay. und Mark Gatiss kann ich allen empfehlen, die die Serie Sherlock wie ich geliebt haben. Vorkenntnisse der Serie sind hier von Vorteil, da man den Witz und den Humor, der in den Panels und den Dialogen steckt, meiner Meinung nach nur eindeutig versteht, wenn man Benedict Cumberbatchs Umsetzung der Figur in der Serie kennt. Wie immer eine absolut grandiose Adaption, die bei jedem Fan das Herz höher schlagen lässt.

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

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Dieser Augenblick, erschreckend und schön

Marci Lyn Curtis , Nadine Püschel
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 21.03.2018
ISBN 9783551560285
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ohne zu wissen, was mich erwartet, ohne vorab Rezensionen oder Meinungen gelesen zu haben, habe ich mich in diese Geschichte hineinbegeben. Ich muss zugeben, dass das Cover diesmal bei meiner Wahl eine wichtige Rolle gespielt hat, denn so konnte ich schon erahnen, dass es nicht nur traurige Momente in der Geschichte geben wird. Die Farbgebung und die Gestaltung stehen vielmehr für die Hoffnung, dass das Leben nach schlimmen Erfahrungen nicht vorbei ist, sondern dass man es nur neu skalieren muss. Auch die vielen tiefgründigen, aber meist lebensbejahenden Einsichten der Protagonistin haben mich sehr berührt und mir so viel gegeben, sodass ich euch gerne von diesem tollen Buch berichten möchte.

Unsere Freundschaft erlosch einfach, als hätte ich einen Eimer Wasser auf ein Feuer gegossen: Die Kohlen waren noch da, aber sie glühten nicht mehr. Sie waren kalt. (S.59)

Die Protagonistin Grace hat bereits einiges in ihrem Leben an Schicksalsschlägen einstecken müssen. Doch meine anfänglichen Befürchtungen, dass man es mit einer frustrierten und depressiven Persönlichkeit zu tun zu haben wird, hat sich nicht bewahrheitet. Grace‘ Gefühlswelt besteht hauptsächlich aus Trauer und Enttäuschung. Trauer darüber, ihren Vater und ihr Zuhause verloren zu haben und Enttäuschung darüber, für niemanden mehr von großer Bedeutung zu sein. Ein Leben abseits zu führen. Grace‘ Wut richtet sich anfänglich hauptsächlich gegen ihren Onkel, der nach dem Tod ihres Vaters zwei Jahre gebraucht hat, um ihre Vormundschaft zu übernehmen. Grace‘ Probleme und ihr Gefühle sind für den Leser sehr realistisch und authentisch. Ich konnte mich sehr schnell mit ihr identifizieren und ihre Motivation und ihre Beweggründe für ihr Handeln die gesamte Geschichte über gut nachvollziehen. Grace‘ ist ein herzensguter Mensch mit einer schlimmen Vergangenheit, trotzdem legt die Geschichte es nicht darauf an, Mitleid zu empfinden, vielmehr ist es so, dass man Grace Bewunderung entgegenbringt. Für ihre Kraft und ihre Stärke, ihre Güte und ihren Mut.

Schon komisch, dass man in schlechten Zeiten immer denkt, es müsste mordsmäßig was passieren, damit man sich nicht mehr so mies fühlt. Dabei sind es in Wirklichkeit immer die kleinen Dinge, die einem guttun – Lachen, Sonnenuntergänge und Blumen und ein Apfel-Zimt-Croissant. (S.291)

Dramaturgisch ist die Geschichte mit einigen spannenden Wendungen ausgestattet, denn Grace macht sich nicht nur an die mühsame Arbeit, ihr Leben wieder unter Kontrolle zu bringen, sondern begibt sich auch auf die Suche nach ihrem Vergewaltiger, was ihr gefühlsmäßig einiges abverlangt. Bis zuletzt hat die Autorin die Spannung aufrecht erhalten und mich als Leserin an ihre aufwühlende und auch erschreckende Geschichte gefesselt. Einige entspannende Nebenstränge, z.B. die des Onkels und seiner neuen Flamme, Grace‘ kriminelle Energien oder die Freundschaft zur ehemaligen besten Freundin Janna machen die Geschichte abwechslungsreich und lenken auch ab und an von dem großen Thema des sexuellen Missbrauchs ab, gönnen dem Leser und Grace eine Pause.

Bei aller Schönheit, allem Wunder, aller Liebe ist die Welt ein beängstigender Ort. (S.318)

Auch eine Liebesgeschichte kommt in dem Jugendroman nicht zu kurz. Obwohl sie von Grace‘ Vergangenheit überschattet wird, hat man als Leser dennoch die Hoffnung, dass sich in der Hinsicht alles für sie zum Guten wendet. Man wünscht es ihr so sehr, dass ich schon alleine aus dem Grund, das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Im Gegensatz zu Jugendromanen mit dem Thema erste Liebe, ist in dieser Geschichte das Ende und der Ausgang ganz und gar nicht vorersehbar. Das fand ich klasse und hat gezeigt, wir sehr die Autorin ihr Handwerk beherrscht.

Weiterleben bedeutet nun mal nicht, die Vergangenheit unter den Teppich zu kehren. Es bedeutet, sich für das Glücklichsein zu entscheiden. (S. 365).

Sprachlich ist Marci Lyn Curtis sehr nah an ihrer Zielgruppe. Der Roman lässt sich leicht und flüssig lesen, und wäre meiner Meinung nach auch sehr gut als Schullektüre geeignet, um nicht nur Mädchen für die Thematik zu sensibilisieren.

Fazit & Bewertung

Dieser Augenblick, erschreckend und schön von Marci Lyn Curtis hat mich sehr berührt und mich noch einmal auf ein Thema im Genre Jugendbuch aufmerksam gemacht, das ich lange vernachlässigt habe. Sexueller Missbrauch und Vergewaltigung ist ein Thema, das in der Gesellschaft diskutiert und gehört werden sollte, aber immer noch viel zu oft tabuisiert wird. Aus dem Grund müsst ihr dieses Buch lesen. Es geht um die Zerstörung eines Menschenlebens und um den starken Willen einer jungen Frau, nicht aufzugeben und sich das Glück Stück für Stück zurückzuerobern. Sehr berührend, sehr aufwühlend und erschreckend, aber auch ermutigend.

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136 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

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Du wolltest es doch

Louise O'Neill , Katarina Ganslandt
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 25.07.2018
ISBN 9783551583864
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nachdem ich vor Kurzem den Titel Dieser Augenblick, erschreckend und schön aus dem Königskinder Verlag gelesen und mich damit schon dem Thema Vergewaltigung im Jugendbuch angenähert habe, wollte ich unbedingt mehr erfahren und Schicksale junger Frauen kennenlernen, die dasselbe furchtbare Erlebnis teilen. Auch in Du wolltest es doch geht es um eine junge Frau, deren Vergewaltigung eine besondere Brisanz dadurch erhält, dass sie sich an das Geschehen selbst nicht erinnern kann. Mich hat dieses Buch wahnsinnig erschüttert und ich war schockiert, wie schlimm auch diese Ungewissheit für das Opfer ist und wie sehr es ihr Leben komplett aus den Angeln hebt. Bitte beachtet, dass die folgende Rezension Spoiler enthalten könnte!

Blasse, schlaffe Arme und Beine, lange Haare, der Kopf ist nach hinten aufs Kissen gerollt. Die Fotos zeigen erst nur das Gesicht und arbeiten sich dann langsam den Körper hinab, halten auf dem nackten Fleisch inne.[…] Das bin nicht ich. (S. 155)

Emma ist keine Protagonistin, die man schnell ins Herz schließt. Obwohl sie nach außen hin, das nette, gutaussehende Mädchen ist, sind ihre Gedanken hingegen oft arrogant und selbstgefällig. Emmas Schönheit ist ihr bewusst, trotzdem gönnt sie auch ihren drei Freundinnen Maggie, Ali und Jamie kein Glück, will nicht, dass sie die heißen Typen abkriegen und will selbst von den festen Freunden ihrer Freundinnen bewundert und begehrt werden. Klar, dass das für viel Zündstoff in der Freundschaft der vier Mädchen sorgt. Trotzdem wandelt sich der Eindruck, den man als Leser zu Beginn von Emma erhält. Denn nach der Vergewaltigung ist alles anders. Emma ist nicht mehr das It-Girl Nr. 1 an der Schule, sondern ist auf einmal die Schlampe, die Nutte, die Hure, die sich an Jungs ranmacht, die eine Freundin haben. Vor allem dieser Wandel, Emmas charakterliche Veränderung, ihre offensichtlichen Angst und Depression haben mich dazu gebracht, ihre Figur mit anderen Augen zu sehen. Nämlich als Opfer und Leidtragende, deren Schicksal berührt und mit der man sich identifiziert. Die Emma nach der Vergewaltigung ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, und das ist das, was mich so sehr erschreckt und gleichzeitig gefesselt hat.

Wird jeder Tag gleich sein? Bitter schmeckende Träume, als hätte ich in eine Zitrone gebissen. Niederschmetternde Enttäuschung, wenn ich aufwache und feststelle, dass ich immer noch lebe, dass mein Herz immer noch schlägt, dass meine Lungen immer noch nach Atem ringen. (S. 324)

Die Kernfragen des Romans sind: Wie kann ein Vergewaltigungsopfer eine Tat bezeugen, an die es sich nicht erinnern kann? Und warum wird die Glaubwürdigkeit von Frauen selbst dann in Frage gestellt, wenn es eindeutige Beweise für eine Vergewaltigung gibt? Wie kann einem Opfer jemals gleichzeitig die Schuld für solch ein Verbrechen gegeben werden? Man sollte meinen, dass diese Fragen nicht schwer zu beantworten sind und trotzdem zeigt die Geschichte von Emma, wie gespalten die Gesellschaft auf sie reagiert. Dass es nämlich sehr wohl Menschen gibt, die eindeutige Beweise, wie in Emmas Fall die Fotos, in Zweifel ziehen. Die den Frauen, die Schuld geben, weil sie sich zu freizügig gekleidet, zu aufreizend gegeben und damit die Vergewaltigung erst provoziert hätten. Unglaublich, aber leider alltäglich. Nicht kurze Röcke und rotgeschminkte Lippen sind Schuld an einer Vergewaltigung, sondern die Vergewaltiger!

Eine Statistik am Ende des Buches Dieser Augenblick, erschreckend und schön zeigt:

1 von 6 Frauen war schon Opfer einer versuchten oder erfolgten Vergewaltigung Alle 98 Sekunden wird irgendwo ein Mensch Opfer sexueller Gewalt 7 von 10 Vergewaltigungen finden im Bekanntenkreis statt 2 von 3 Vergewaltigungen werden nicht angezeigt

Da ist sie (Flüstern, ein Stoß in die Rippen mit dem Ellenbogen). Das ist dieses Mädchen, die behauptet, sie wäre…du weißt schon.

Jetzt werde ich für immer „dieses Mädchen“ sein. (S.212)

Deswegen ist es so wichtig, ein Buch wie Du wolltest es doch zu lesen, fiktive Geschichten wie die von Emma publik zu machen, weil es genug Frauen gibt, die sich in ihnen wiederfinden. Die in ihnen Mut oder Trost finden. Über sexuelle Gewalt zu sprechen und sie nicht zu verharmlosen oder zu verschweigen, ist eine der größten Aufgaben unserer Zeit und dieses Buch trägt sehr zu diesem Fortschritt bei!

Die Autorin hat es geschafft, ein hoch brisantes Thema für Jugendliche so aufzubereiten, dass es aufrüttelt und zum Nachdenken anregt. Teilweise drastisch und immer sehr nah an der Gefühlswelt der Protagonistin, schildert Louise O’Neill, wie sehr ein Leben durch solch eine Erfahrung zerstört werden kann. Gleichzeitig schafft sie es stets, leichte und einfach verständlich Worte zu finden, und damit jedem Leser gerecht zu werden. Obwohl mich das Ende überrascht und auch etwas unbefriedigt zurückgelassen hat, habe ich durch das Nachwort der Autorin deren Vorgehensweise in der Plot-Entwicklung sehr gut nachvollziehen können.

Fazit & Bewertung 

Du wolltest es doch hat mich sehr beeindruckt. Die Geschichte von Emma, die sich dem Vorwurf einer Mitschuld an ihrer Vergewaltigung ausgesetzt sieht und von ihren Mitschülern und ihren Freunden dafür verachtet wird, ist erschreckend und aufwühlend. Dieses Buch ist ein großartiger Schritt in die richtige Richtung, nämlich sexuelle Übergriffe nicht länger totzuschweigen, sondern endlich zu thematisieren. Gerade im Zeitalter der #metoo-Bewegung ist dieses Buch ein ganz bedeutendes!

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

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Agalstra

Anna Herzog
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 20.06.2018
ISBN 9783649624516
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Der Klappentext von Agalstra hat mich ziemlich neugierig auf diese Geschichte gemacht. Vor allen Dingen war ich gespannt, wie das Thema Theater in die so wunderbar geheimnisvoll klingende Geschichte integriert wird und ob sich vielleicht danach junge Leser für einen Gang ins Theater begeistern könnten. Ich war in Erwartung einer mitreißenden Geschichte, die vor dem Hintergrund eines aufregenden Settings, einer mysteriösen Burg, spielt und war leider umso enttäuschter, als ich bemerkt habe, wie viele Schwachstellen die grundsätzlich schöne Idee der Geschichte aufwies.

Ich denke, dass es kein gutes Zeichen ist, wenn man ein Buch beendet und sich dabei gleichzeitig fragt: Habe ich etwas überlesen? Muss ich das Buch noch einmal lesen, um es zu verstehen? Gerade im Kinderbuch darf diese Frage am Ende nicht aufkommen. Die Geschichte sollte in sich so plausibel und verständlich sein, dass ein Kind mit zehn Jahren es auf Anhieb versteht. Zurückblättern oder gar von vorne anfangen müssen ist keine Option.

Aber genau das ist die größte Schwachstelle dieses Buchs. Die Autorin wollte teilweise zu viel und hat damit das Gegenteil erreicht. Ein Beispiel: Das Buch wird durchzogen von nennen wir es mal Tagtraumsequenzen der Kinder, in denen sie in die Zeit, in der das Theaterstücks spielt, zurück versetzt werden. Als Leser ist man nach diesen Szenen jedoch nur maßlos verwirrt. Sie werden unmittelbar in die Geschichte eingebaut, die Kinder lassen ihre Erfahrungen danach jedoch unkommentiert, was absolut unverständlich ist und es kommen die Fragen aufwirft: Handelt es sich um eine parallele Geschichte? Die Fantasie der Kinder? Oder gar Realität?

Ein leises Knirschen. Leichte Schritte im Wald, der von oben aussah, als hülle das Mondlicht ihn ein und nichts dringt je in sein dunkles Inneres. (S.7)

Auch wird das Buch durchzogen von Dialogsequenzen, die zwar farblich und mit einem Kasten vom Rest des Textes abgesetzt werden, wer jedoch überhaupt spricht und worum es geht, ist vollkommen unverständlich und auch am Ende der Geschichte nicht klar aufgeklärt. Ebenso verwirrend ist, dass drei Kapitel aus der Sicht einer Figur eingeleitet werden, bei der man sich bis zum Ende nicht sicher ist, um wen es sich handelt und ob diese Sequenzen überhaupt in der Realität stattfinden. Um es kurz zu machen: Der rote Faden der Geschichte wird zu oft von Passagen unterbrochen, die unklar sind und verwirren. Mich hat das teilweise beim Lesen wirklich frustriert und man kann hier nicht von einem strategisch geplanten Spannungsaufbau sprechen, der sich am Ende klar aufklärt. Das Ende der Geschichte hat mich leider deswegen auch sehr unbefriedigt zurückgelassen. Da während der kompletten Story vieles so undeutlich blieb, war das Ende umso überfordernder. Auch hier hatte ich das Gefühl, dass die Autorin ein großes Finale erzwingen wollte, was dadurch aber umso unglaubwürdiger wurde.

Das Porträt unterschied sich in nichts von den anderen. Etwas aber hielt Merles Blick gefangen – und das waren die Augen der jungen Frau. Sie lebten. Merle wandte sich noch einmal um und erschrak. Sie sah ihr nach! Die Frau auf dem Bild sah ihr nach! (S. 47)

Inhaltlich gibt es einige Schwachstellen in Agalstra, aber eine hat mich besonders gestört: Obwohl die Geschichte sich rund ums Theaterspielen dreht und Merle und ihre Freunde einen Theater-Workshop besuchen, wird ihnen rein gar nichts während ihrer Zeit auf der Burg diesbezüglich beigebracht. Wenn ihre Abenteuer, die sie auf der Burg erleben, das rechtfertigen würden, könnte ich das verschmerzen, aber auch denen konnte ich aufgrund der oben genannten Gründen nur wenig folgen. Hinzu kommt, dass die Beschreibung der großen Aufführung der Kinder am Ende so lückenhaft und sprunghaft ist, dass man auch hier als Leser, wenn man die Tagtraumsequenzen schon nicht verstanden hat, von der Geschichte des Stücks nur wenig versteht. Schade!

Hoch in der Burg, in einem Zimmer, das halb ins Tal herabsah und halb auf die bewaldeten Berge, schrak ein alter Mann aus dem Schlaf und setzte sich schwitzend auf. Er fuhr sich mit zitternder Hand über die Stirn. Wieder ein Traum! Wieder ein Alptraum! (S. 153)

Die Ideen von Anna Herzog sind grundsätzlich sehr gut! Sie hat sympathische Figuren, fiese Antagonisten, ein wunderbar gruseliges Setting und eine Story entworfen, die ohne den genannten Kritikpunkten wirklich toll wäre! Ich mochte ihren Schreibstil, die Vielfalt der Geschichte und die Idee, dass die Kinder ein Theaterstück entwerfen müssen, dass eine alte, wahre Begebenheit enthält. Leider war das Zusammenspiel der einzelnen Elemente noch nicht ausgearbeitet genug. Ein großes Lob möchte ich aber auf jeden Fall für die Gestaltung des Buchcovers aussprechen! Das Cover hat einen leichten Holo-Effeckt und ist farblich der unheimlichen Stimmung auf der Burg angemessen. Ich habe mich sofort von dem Cover angezogen gefühlt und finde es toll, dass das Cover eine Aussparung enthält, sodass es beim Aufklappen einem Theatervorhang ähnelt, hinter der die Geschichte beginnt.

Fazit & Bewertung

Ich bin der Meinung, dass diesem Buch eine inhaltliche Überarbeitung gut täte. Zu viele Dinge waren unbegreiflich und holprig, sodass ich die Geschichte, von deren Idee ich grundsätzlich immer noch begeistert bin, nicht genießen konnte. Das Ende hat mich mehr vetwirrt als aufgeklärt, sodass ich das Gefühl hatte, das Buch noch einmal lesen zu müssen, um alles zu verstehen. Schade!

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

abenteuer, familie, freundschaft, geheimagenten, gutenacht-geschichten, mut, spannung

Die Königlichen Kaninchen von London (Bd. 2)

Santa Montefiore , Simon Sebag Montefiore , Claudia Müller , Kate Hindley
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Woow Books, 09.03.2018
ISBN 9783961770083
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Nach meiner Begeisterung für den ersten Band der Königliche Kaninchen-Reihe (Die Königlichen Kaninchen von London) stand für mich fest: Diese Fortsetzung musst du auf jeden Fall lesen! Denn die Abenteuer des kleinen Hasen Shylo sind wagemutig, bedrohlich und witzig zugleich. Hinzu kommt, dass mich das Cover, wie schon beim ersten Band, unheimlich angezogen hat. Diesmal verziert ein bläulicher Lack das Buchcover und lässt es in unterschiedlichen Facetten glänzen und schimmern. Man kann an dieser Stelle nur ein großes Lob an die Illustratorin Kate Hindley und die Gestalter aussprechen, denn das Cover (und auch die Innenausstattung) zählt meiner Meinung nach zu den schönsten im Kinderbuchbereich!

Schon auf den ersten Seiten des Buches wird dem Leser eine Karte präsentiert, die Shylos bisherige Reise dokumentiert und eine Übersicht über sämtliche Höhlen und Gebäude bietet, die für die Geschichte von Bedeutung sind. Auch gibt es wieder eine Auflistung aller Königlichen Kaninchen, die Shylo in seinen Abenteuern begegnen. Diese Übersicht hat mir sehr geholfen, denn ich muss zugeben, dass ich vor allem in diesem Teil mit den Namen recht oft durcheinander kam, denn dem Leser werden viele neue Figuren vorgestellt. Sehr schön ist, dass nicht nur Kaninchen und Ratten, sondern diesmal auch einige Füchse eine wichtige Rolle in der Geschichte einnehmen. Denn nicht nur die britische Königsfamilie, auch der amerikanische Präsident hat eine ganze Horde Aufpasser, nämliche Füchse, die ihm auf seinem Staatsbesuch ungesehen begleiten.

„Das Leben ist ein Abenteuer“, sagte er und blätterte auf die erste Seite. „Alles ist möglich – mit Willenskraft und Glück, mit einer saftigen Karotte, einer feuchten Nase und einer guten Portion Wagemut!“ (S.19)

Ihr könnt euch vorstellen, dass das Aufeinandertreffen zwischen den amerikanischen Füchsen und den Königlichen Kaninchen nicht ganz reibungslos verläuft. Vor allem Shylo ist anfänglich sehr skeptisch was seine natürlichen Feinde betrifft und lernt den Füchsten nur langsam zu vertrauen. Doch sie haben einen gemeinsamen Gegner, die Ratzis, und das schweißt selbst Fuchs und Kaninchen zusammen. Trotz der vielen neuen Charaktere bleibt Shylo der unangefochtene Held der Geschichte und ist gleichzeitig für die anderen Kaninchen ein liebenswerter und verlässlicher Freund. Die Botschaft seiner Figur ist unmissverständlich: Auch wenn man klein und unscheinbar ist, kann man großes bewirken! Denn Shylo schlittert von einem Abenteuer in das nächste, weiß aber stets sich auch aus den unmöglichsten Situationen zu befreien.

„Schlau wie ein Fuchs. […] Du wärst ein guter Fuchs, wenn du nicht diese komischen Hasenohren und diesen eigenartigen Schwanz hättest, der wie ein Staubwedel aussieht.“ (S.114)

Die Geschichte ist wie im ersten Band in London angesiedelt. Diesmal entführen die Autoren ihre jungen Leser nicht nur in die unterirdischen Höhlen unter dem Königspalast, sondern auch an den beliebten Treffpunkt der Füchse, dem Fuchs-Club, in dem die Füchse es sich mit Jukeboxen, Kaffee und Tanzmusik gemütlich gemacht haben. Auch ein Wolkenkratzer, der Shard, ist immer wieder Teil der Geschichte, denn dort befindet sich das Hauptquartier der Ratzis, an dem sämtliche teuflische Pläne ausgeheckt werden. Mir hat der Wechsel der Settings sehr gut gefallen und ich fand es immer wieder toll zu sehen, dass die Autoren viel Fantasie bei der Auswahl ihrer Schauplätze bewiesen haben.

Shylo […] blickte über die Stadt. Die Sonne war noch weiter gesunken, und die Themse sah aus wie ein Strom aus fließendem Gold. Nun war es schon fast ganz dunkel, und es gab nichts, was Shylo tun konnte, um die Königlichen Kaninchen zu warnen. (S.94)

Wie schon in meiner Rezension zu Die Königlichen Kaninchen von London beschrieben, kann ich die Liebe und die Arbeit, die in diesem Buch steckt nur bewundern! Mit unheimlich liebevollen und detailreichen Bildern schafft es die Illustratorin die Abenteuer des kleinen Shylo auf Papier zu bannen und sie nicht nur für junge Leser ansprechend zu machen. Der Schreibstil des Autorenduos ist wunderbar leicht und verständlich, sodass auch Leseanfänger die Geschichte ohne Probleme meistern dürften.

Mein einziger Wehrmutzstropfen an dieser Geschicht: Ich habe eine wichtige Figur vermisst! Horatio, Shylos Mentor und Freund, ein altes und weises Kaninchen, das Shylos im ersten Band Mut macht, die Königlichen Kaninchen aufzusuchen, kommt so gut wie gar nicht in der Geschichte vor. Das fand ich sehr schade, denn er ist mir im ersten Band besonders ans Herz gewachsen und gehört meiner Meinung nach zu den interessantesten Figuren.

Fazit & Bewertung

Obwohl ich die Geschichte diesmal ein bisschen schwächer fand als den ersten Band der Reihe, hat mich die Fantasie des Autorenduos wieder begeistert. Man merkt, dass hinter der Geschichte noch unheimlich viele weitere Ideen lauern, sodass ich davon ausgehe, dass dies nicht die letzte Geschichte der Königlichen Kaninchen gewesen ist. Die Königlichen Kaninchen – Flucht aus dem Turm ist eine wunderbar aufregende Geschichte, die Mut macht und zeigt, dass auch die Kleinsten wahre Größe zeigen können.

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137 Bibliotheken, 11 Leser, 2 Gruppen, 17 Rezensionen

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Love, Simon (Filmausgabe)

Becky Albertalli , Ingo Herzke
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.05.2018
ISBN 9783551317520
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Simon ist ein Protagonist, der einem sofort ans Herz wächst, Die Geschichte wird aus seiner Ich-Perspektive erzählt und gewährt damit tiefe Einblicke in Simons Gefühlswelt und Seelenleben. Ich mochte Simon auf Anhieb, obwohl er eigentlich stinknormal und wie jeder andere ist: Er hat eine normale Familie, coole Freunde, geht auf die Highschool und das Leben läuft für ihn super. Aber, Simons Homosexulaität macht ihm in vielerlei Hinsicht ein Strich durch die Rechnung. Denn dieses Wissen mit anderen zu teilen, anderen zu verkünden, wer er wirklich ist, ist für Simon beängstigend. Simon teilt seine Gefühle mit Blue und hat oft eine sehr nüchterne aber weise Sicht auf ihrer beider Situation. Und gerade diese nüchterne Sicht auf die Dinge, hat mich an Simon so beeindruckt. Er gesteht sich selbst viel ein, kennt sich sehr gut, was ihm von Anfang an dabei hilft, seine Sexualität zu akzeptieren.

[…] ich habe die Nase voll von Coming-out. Ich mache ständig irgendein Coming-out. Ich versuche mich nicht zu ändern, aber ich ändere mich ständig, lauter kleine Verwandlungen.[…] Jedes Mal muss ich mich dem Universum wieder neu vorstellen. (S.63)

Da sich Simon und Blue gegenseitig E-Mails schreiben, liest sich der Roman teilweise wie ein Briefroman. Der größte Teil der Handlung spielt jedoch außerhalb der virtuellen Welt, sodass man als Leser einen guten Einblick darin erhält, in welchem Verhältnis Simon zu seiner Familie steht, wie sein Schulalltag abläuft und wie er seine Freizeit gestaltet. Die verbringt er nämlich hauptsächlich mit seinen Freunden Nick, Abby und Leah. Nick und Simon sind schon ewig Freunde und haben ihre ungeschriebenen Gesetzte: sich nicht zu umarmen zum Beispiel. Trotzdem kann Simon sich nicht überwinden, seinen besten Freunden von Blue oder seiner Homosexulität zu erzählen. Simons Sorge, sie könnten ihn dann anders behandeln oder ihn mit anderen Augen sehen, werden sehr realistisch und authentisch geschildert. Ich konnte Simons Zweifel verstehen und fand es umso wichtiger, dass die Geschichte letztendlich zeigt, das diese Angst unbegründet ist. Nicht nur hinsichtlich dem Thema Coming-out macht die Geschichte Mut, sondern auch dahingehend, die eigenen Zweifel zu überwinden und sich selbst so zu aktzeptieren, wie man ist.

Mal ganz nebenbei, findest du nicht auch, jeder sollte sich Outen müssen? Wieso ist hetero die Normalität? Jeder sollte sich einfach in die eine oder andere Richtung erklären müssen, und es sollte für jeden so eine große, peinliche Sache sein, ob du nun hetero, schwul, bi oder sonst was bist. (S.152)

Die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Simon und Blue hat mich unglaublich ergriffen. Zuletzt hat mich eine Liebesgeschichte so glücklich gemacht, als ich Eleanor & Park von Rainbow Rowell gelesen habe. Auch wenn es in dieser Geschichte nicht um Homosexualität ging, ist doch die Liebe zwischen den beiden Jugendlichen so eine besondere und zerbrechliche. Unaufdringlich und absolut authentisch kommen sich Blue und Simon über ihre E-Mails näher, tauschen Geheimnisse aus, die sonst niemand anderes kennt und verlieben sich in die Seele und den Charakter des jeweils anderen, ohne zu wissen, wer derjenige ist. Das, meine Lieben, ist wirklich etwas fürs Herz!

Ich will hier einfach nur sitzen und an Blue denken. Ich glaube, ich bin allmählich ein bisschen besessen von ihm. […] Es ist so komplett verwirrend. Er ist verwirrend. (S.114)

Becky Albertalli war mir als Autorin bisher weitestgehend unbekannt, doch sie hat mich schon von der ersten Seite an vollends begeistert! Ihr Schreibstil ist flüssig und unglaublich lebendig, sodass sie mich quasi unmittelbar in in den Bann ihrer Geschichte gezogen hat.

Fazit & Bewertung

Nur drei Worte von Becky Albertalli ist ein Jugendbuch mit sehr wichtigem Thema. Homosexualität wird in der Realität leider viel zu oft noch als Tabuthema behandelt. Dieses Buch macht allen Mut, frei ihre Gefühle einzugestehen, sich so zu aktzeptieren wie man ist und Toleranz zu leben, wo sie eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Ein Jugendbuch, das mich vollends in seinen Bann gezogen hat und mich absolut begeistern konnte!

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Hilda und der schwarze Hund

Luke Pearson , Matthias Wieland
Fester Einband: 64 Seiten
Erschienen bei Reprodukt, 01.11.2014
ISBN 9783956400193
Genre: Comics

Rezension:

Nicht umsonst zähle ich die Hilda-Comics von Luke Pearson schon seit dem ersten Band zu meinen absoluten Lieblingen (Weitere Bände: Hilda und der Mitternachtsriese, Hilda und der Troll, Hilda und die Vogelparade). Luke Pearson überrascht seine Leser in jeder Geschichte mit einem ganz eigenen Blick für die vielen wunderbare Dinge, die uns tagtäglich umgeben. Und jedes ist Teil der Abenteuer der Heldin Hilda, die mit viel Wagemut und Neugier diese fantastische Welt erkundet. Hilda und der schwarze Hund ist ein All-Age Comic, der den Leser an einen aufregenden und gefährlichen Ort entführt, den man am liebsten so schnell nicht mehr verlassen möchte.

Irgendwas ist da draußen, was Gefährliches… Und ich schätze, es will uns fressen.

Hilda ist eine unvergleichliche Heldin, die mir so in einem Comic noch nie begegnet ist. Ob Insekten, Trolle oder obdachlose Hausgeister – jedes Lebewesen ist für Hilda etwas Besonderes und jedem einzelnen von ihnen begegnet sie mit ihrer ganz eigenen Herzlichkeit, Ehrlichkeit und Ehrfurcht. Hilda ist im Besitz einer beneidenswert grenzenlosen Fantasie, die anderen um ihr herum verborgen bleibt. So ist sie die einzige, die herumstreunende Nissen, wuschelige, behaarte Hausgeister, in den Straßen von Trollberg entdeckt und sich auf die Suche nach der Ursache ihres heimatlosen Daseins begibt. Pfadfinderin zu werden, scheint daher ein ideales Hobby für Hilda zu sein, denn die Natur zu inspizieren ist eines ihrer größten Leidenschaften. Auch aus dem Grund fühlt man sich Hilda unheimlich nah, denn ihre Neugier erinnert an die eigene, unbeschwerte Kindheit, an spannende Abenteuer, die einem nur die Natur und ihre Wunder bieten konnte.

Das ist der echte Wald, wo die Trolle hausen. Stellt euch vor, während wir schlafen, steht da vielleicht so ein riesiges, grässliches Monster wenige Meter entfernt von uns!

Herrlich ist, dass in allen Hilda-Abenteuern neue fantastische Wesen im Mittelpunkt der Geschichte stehen. Ob Woffel, Holzmännchen, Meeresgeister oder Mitternachtsriesen – kaum eines dieser Wesen ist dem Leser bereits in Fantasy-Geschichte begegnet. Damit bieten sie eine ganz neue Leseerfahrung. Luke Pearsons fantastische Wesen sind ein Highlight, das natürlich auch in dieser Geschichte wieder heraussticht. Hausgeister, oder auch Nissen genannt, leben unsichtbar in jedem Haus, aber auf besondere Art und Weise. Denn sie nutzen Verstecke, hinter denen sich eine ganz eigene Welt verbirgt. Habt ihr schon einmal geglaubt Dinge in eurer Wohnung verlegt oder verloren zu haben? Dann habt ihr ganz sicher auch einen Hausgeist, denn der liebt es Dinge zu stibitzen! Und sebst Hilda kann ihren Augen kaum trauen, als sie sieht, wer da in ihrem Haus verborgen lebt. 

Der Spalt hinter dem Bücherregal, die Ritzen zwischen den Bodendielen, die Oberseite des Schranks, die man von unten nicht sieht […] All diese kleinen Orte zusammengenommen ergeben in jedem Haus einen ganz eigenen Raum, den nur Nissen betreten können. […]

Wie in allen Hilda-Comics wird die Spannung in der Geschichte einerseits durch Hildas Wissensdrang, andererseits durch Situationen erzeugt, die bedrohlich erscheinen. In jedem Fall ist die Geschichte durchgehend auch für junge Leser angemessen und bietet immer wieder unvorhersehbare und aufregende Wendungen und Überraschungen.

Luke Pearsons unverkennbar farbenfroher Zeichenstil zeichnet diesen Comic wieder besonders aus und rundet die Geschichte perfekt ab. Ich finde es toll, dass jede Seite einem bestimmten Farbschema folgt, das die Atmosphäre der Geschichte widerspiegelt. Gleichzeitig wird mit den Rahmungen der Panel gespielt und manche Seiten zeigen sogar großformatige Zeichnungen. Man kann nicht anders als sich in die Darstellung von Hildas Welt zu verlieren und jedes einzelne Detail gierig in sich aufzunehmen.

Fazit & Bewertung

Hilda und der schwarze Hund hat mich wieder vollkommen überzeugt. Hilda ist eine abenteuerlustige Heldin, wie man sie nur selten trifft und die den Leser in eine wunderbare Welt entführt, von der man nicht zu träumen gewagt hätte. Mit viel Witz, Wärme und Fantasie schafft Luke Pearson es sowohl kleine als auch große Leser für Hildas Geschichten zu begeistern. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, noch mehr von Hildas Welt zu erfahren.

Und hier noch ein Tipp für Hilda-Fans: Noch dieses Jahr erscheint Hilda als Serie auf Netflix! Ich bin gespannt!

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101 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

cafe, café, cornwall, england, ferienanlage, hund, küste, liebe, meer, obdachlos, sommerroman, strand, träumereien, unwetter, utopische ideen

Hinter dem Café das Meer

Phillipa Ashley , Marion Herbert
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.05.2017
ISBN 9783832164072
Genre: Romane

Rezension:

Hinter dem Café das Meer von Phillipa Ashley hat meine Erwartung an eine erfrischend leichte Sommerlektüre vollends erfüllt. Schon vor meinem Kauf war mir bewusst, dass es sich bei dem Roman um den Auftakt einer Trilogie handelt, von der inzwischen auch der zweite Band, Weihnachten im Café am Meer* erschienen ist und jetzt im Juni auch der Abschlussband, Hochzeit im Café am Meer*, veröffentlicht wird. Beide Folgebände werde ich auf jeden Fall lesen, denn die Geschichte um Demi und Cal ist eindringlich, mitreißend und einfach wunderschön.

Das Setting des Romans hat mich besonders begeistert, denn die Geschichte spielt vor dem Hintergrund von Cornwalls Küste, die in ihrer vollen Schönheit präsentiert wird. Dass die Ferienanlage von Cal inmitten einer solchen Idylle steht, jedoch heruntergekommen ist und jahrelang dem Verfall ausgesetzt war, erweckt umso mehr den Willen in Demi, aus ihr wieder etwas Besonderes zu machen. Als Leser hat mich die Atmosphäre der Landschaft und der Charme der maroden Anlage beeindruckt und nicht nur einmal habe ich mir gewünscht, bei der Renovierung mitanpacken zu können, mir dabei den salzigen Wind um die Nase wehen zu lassen und mich am Ende des Tages bei einem langen Strandspaziergang mit Mitch zu entspannen.

Der Weg wird von cornwalltypischen Hecken gesäumt, aber die Wiese zur Küste hin fällt sanft ab und erlaubt uns einen wunderbaren Blick auf den Atlantischen Ozean. Die Sonne glitzert auf dem Wasser. (S. 65)

Nicht nur das Setting hat mich in seinen Bann gezogen, auch die Charaktere der Geschichte werden sehr eindringlich beschrieben, sodass man sie  als Leser schnell ins Herz schließt. Erzählt wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Demi und Cal, wobei aus Demis Sicht der Großteil der Geschichte beschrieben wird. Demi wird als eine Figur eingeführt, der das Schicksal schon das ein oder andere Mal übel mitgespielt hat. Sie haut von zu Hause ab, verliert ihren Job und ist obdachlos. Cal wirkt demgegenüber wie der Ritter in der glänzenden Rüstung, denn er bietet Demi nicht nur Arbeit an, sondern lässt sie auch in einem alten Cottage auf der Ferienanlage wohnen. Cal und Demi sind jedoch sehr unterschiedliche Charaktere, denn Demi weiß ihr Glück zu schätzen, sprüht vor Elan und Begeisterung und will das Unmögliche möglich machen. Cal hingegen ist mürrisch und einsilbig, verfolgt stur seine Pläne und hängt einer alten Liebe nach, die ihm das Leben schwer macht. Klar, dass beide wie füreinander geschaffen sind – nur, dass sie es selbst noch nicht wissen.

„Worüber lächelst du?“[…] Ich höre augenblicklich auf zu lächeln und werde stattdessen rot. „Nichts.“ „Oh, doch, du hast wieder diesen Blick.“ „Welchen Blick?“ Ich sehe ihn an und lächle nun wieder, weil ich jetzt diejenige mit einem Geheimnis bin, was zur Abwechslung mal ganz nett ist. (S. 221)

Die Handlung des Romans umfasst die Dauer eines Sommers, in dem die Ferienanlage in St. Trenyan aufpoliert wird und sich Demi und Cal immer näher kommen. Es gibt einige spannende Szenen und überraschende Wendungen, die mich als Leser an die Geschichte gefesselt haben mir noch mehr Lesevergnügen beschert haben. Obwohl es Folgebände gibt, ist die Geschichte in Hinter dem Café das Meer in sich abgeschlossen und endet nicht, wie in so vielen Trilogien, mit einem Cliffhanger. Dennoch möchte man als Leser am Ende wissen, wie es denn mit dem Café am Meer weitergeht, wie die Liebesgeschichte fortgesetzt wird und welche Schwierigkeiten sich noch für die Neueröffnung der Ferienanlage ergeben.

Das Haus ächzt und stöhnt, Glas splittert und ich schreie auf. „Was zur Hölle…?“ Cal bleibt der Mund offen stehen, ein schwarzes Loch im Mondlicht. Als ich aufschaue, sehe ich, wie eine große, schwarze Masse auf uns herabstürzt. (S. 228)

Phillipa Ashleys Schreibstil ist lebendig, abwechslungsreich und dabei leicht verständlich. Sie weiß ihre Leser in ihren Bann zu ziehen und lässt sie vollkommen in die Geschichte eintauchen. Mir hat Phillipa Ashleys Stil so gut gefallen, dass ich sie als Autorin auf jeden Fall auch nach dem Lesen der Café am Meer-Trilogie weiter im Blick behalten werde.

Fazit & Bewertung

Hinter dem Café das Meer ist eine durchweg unterhaltende und wunderbar sommerliche Urlaubslektüre, die ich jedem nur empfehlen kann. Besonders das Setting von Cornwall hat es mir in dieser Geschichte angetan, aber natürlich ist auch die Liebesgeschichte zwischen Demi und Cal etwas fürs Herz. Perfekte Unterhaltung und damit vier Sterne wert!

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Die Auserwählten - Kill Order

James Dashner , Anke Caroline Burger , Katharina Hinderer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 30.04.2018
ISBN 9783551317056
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Erst im vergangenen Jahr habe ich James Dashner Trilogie über die Auserwählten gelesen und ich war absolut begeistert! (Zu meinen Rezensionen: Band 1:Die Auserwählten im Labyrinth , Band 2: Die Auserwählten in der Brandwüste, Band 3: Die Auserwählten in der Todeszone). Der Autor hat es geschafft, mich so für seine Geschichte einzunehmen, dass ich es gar nicht erwarten konnte, zu erfahren, worüber die Vorgeschichte im vierten Band Kill Order handelt. Leider muss ich sagen, dass sich meine Vorfreude beim Lesen dann recht schnell gelegt hat und ich die Geschichte insgesamt ziemlich enttäuschend fand.

James Dashner will mit seinem Buch Kill Order den Hunger seiner Fans nach mehr stillen und natürlich an den Erfolg seiner Die Auserwählten-Trilogie anknüpfen. Um dies zu erreichen, legt er von allem noch eine Schippe obendrauf. Das bedeutet: Noch mehr Spannung, noch mehr Leid und Grauen und ganz klar: noch mehr Action. Und gerade das ist meiner Meinung nach dem Autor diesmal zum Verhängnis geworden, denn er verliert dabei den Blick für eine abwechslungsreiche und unvorhersehbare Handlung – und, was noch wichtiger ist, er schafft es nicht mehr, die Handlung mit einer ausgewogenen Dramaturgie, also einem gesunden Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung zu versehen.

Es war einfach unfassbar grausam, was diese Krankheit mit den Menschen anstellte. Und es war ein fürchterlicher Gedanke, dass es wahrscheinlich ständig schlimmer werden würde. (S.321-322)

James Dashners Erfolgsrezept in seinen bisherigen Büchern war jedoch genau das: Nach einer unglaublich spannenden Szene folgte eine, in der sich der Leser von der Aufregung erholen und die Geschehnisse sacken lassen konnte. Es gab eine Verschnaufpause, bevor es dramatisch weiterging. In Kill Order sind diese Verschnaufpausen für den Leser jedoch nur rar gesäht, denn der Autor jagt seine Helden von einer gefährlichen Situation in die nächste, überschlägt sich geradezu in den Beschreibungen der Kampfhandlungen und bewirkt dadurch, dass die Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit des Lesers immer mehr nachlässt. Die Todesangst des Helden und seine Kämpfe bis aufs Messer lassen zudem kaum einen Fortschritt der Handlung zu, denn sie überwiegen den Großteil der Story, ohne das wirklich etwas passiert.

Es schockierte ihn nicht mehr, wie unsagbar diese neue Welt war. In diesem Haus, jedem Block sagen sie Dinge, die noch schlimmer waren als alles, was sie bis dahin für das Schlimmste gehalten hatten. (S. 349)

James Dashner ist die dramaturgische Gestaltung aber nicht nur innerhalb der Szenen misslungen, sondern auch auf die Gesamtheit der Geschichte bezogen. So wird schon früh in der Handlung klar, wer hinter der tödlichen Virusepidemie steckt, aber genau diese Offenbarung wird am Ende des Buches noch einmal als DIE große Auflösung des Plots präsentiert. Ich war maßlos verwirrt und enttäuscht, denn ich habe mich zum Schluss immer wieder gefragt: Was ist eigentlich in diesem Buch wirklich passiert?

Hinzukommt, dass James Dashner diesmal kaum Wert darauf gelegt hat, seine Figuren mit einem Wiedererkennungswert oder gar irgendwie mit einem einnehmenden Charakter auszustatten. Sowohl der Protagonist Mark, als auch seine Freunde bleiben die ganze Geschichte über blass und stehen hinter den dominierenden Kampfszenen hintenan. Auch eingehende Dialoge oder eine besondere Interaktion zwischen den Figuren sucht man vergebens. Dem Leser wird kaum Gelegenheit geboten, die Figuren näher kennenzulernen, geschweige denn, sich mit ihnen zu identifizieren. Nur in wenigen Rückblenden erfährt man mehr über den Protagonisten Mark und dies sind auch die einzigen Szenen, die ich im gesamten Buch als gelungen betrachte.

Fazit & Bewertung

Leider ist James Dashner mit Kill Order diesmal keine Glanzleistung gelungen. Kaum Handlung, ein Übermaß an Kampfszenen, zu blasse Figuren und eine schlechte Auflösung haben mir den Lesespaß diesmal gründlich verdorben. Schade, denn wir alle wissen, dass der Autor sein Handwerk eindeutig besser beherrscht. Nichts ändert sich jedoch daran, dass ich großer Fan der Die Auserwählten-Reihe bin und deshalb auch dem zweiten Prequel Phase Null, der unmittelbar vor Thomas‘ Zeit im Labyrinth spielt, eine Chance geben werde, sobald er als Taschenbuch erscheint.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß - Neuedition

Hiromi Kawakami , Jiro Taniguchi
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 20.03.2018
ISBN 9783551754493
Genre: Comics

Rezension:

Ungleiche Liebespaare – von ihnen finden sich in unseren Bücherregalen etliche. Ob Romeo & Julia, Elisabeth Bennet & Mr Darcy oder Bella & Edward – ein schier unüberwindbares Hindernis trennt die Liebenden, doch bereits bei der ersten Begegnung ist das gewisse Etwas zu spüren, das beide miteinander verbindet und gegenseitig anzieht. Unmöglich ist es jedoch, eine so außergewöhnliche Liebesgeschichte wie die zwischen Tsukiko und ihrem alten Lehrer mit bekannten Erzählmustern aus Liebesromanen erklären zu wollen. Denn die Schilderung ihrer allmählichen Annäherung vor dem Hintergrund japanischer Traditionen, ist so ganz anders, so viel leichtfüßiger und trotzdem intensiver, als viele Liebesgeschichten, die ich bisher gelesen habe.

Zwei Figuren stehen im Mittelpunkt der Geschichte: Tsukiko und ihr Lehrer, den sie seit ihrem ersten Treffen Sensei nennt. Nur eine weitere Figur könnte man wohlwollend als Nebenfigur bezeichnen, diese ist jedoch für die Fortführung der Handlung wenig bedeutend. Über 440 Seiten lauschen wir also fast ausschließlich Gesprächen zwischen Tsukiko und dem Sensei, die sich meistens in ihrem Stammlokal oder anderen Kneipen aufhalten und sich kulinarische Köstlichkeiten genehmigen. Tsukiko ist eine Figur, die anfänglich nur schwer zu greifen ist. Obwohl wir die Geschehnisse aus ihrer Perspektive geschildert bekommen (ihre Gedanken werden neben den Dialogen in den Panels verschriftlicht), habe ich etwas länger benötigt, um sie wirklich sympathisch zu finden. Tsukiko ist sehr still, scheint sich hinter einer melancholischen Fassade zurückgezogen zu haben und nur der Sensei ist in der Lage, ihr Gefühlsregungen, die sich auch auf ihrem Gesicht abzeichnen, zu entlocken. Mit dem Fortschreiten der Handlung fiel es mir dann leichter, ihren Charakter zu verstehen und mich in ihre Figur hineinzufühlen.

Der Sensei ist ein Mann von Stand und vollkommen verankert in den japanischen Traditionen. Deshalb hält er Distanz zu Tsukiko und lässt sie nur ganz allmählich näher an sich heran. Auch der Sensei war mir zu Beginn der Geschichte ein Rätsel, denn wie ich oben schon erwähnt habe, hat man normalerweise als erfahrener Leser schon bei der ersten Begegnung zweier Personen ein Gespür dafür, ob sie die Liebesgeschichte beherrschen werden. Beim Sensei war ich mir dessen nicht so sicher, nicht nur der hohe Altersunterschied, auch sein traditionelles Verhalten (z.B. will der Sensei nicht, dass Tsukiko ihm etwas zu Trinken nachschenkt) schien so wenig zu einer aufkeimenden Liebesgeschichte zu passen. Doch genau das fand ich letztlich so grandios an dieser Geschichte: Auch durch die mir sehr fremde japanische Kultur hat die Geschichte ständig mit meinen Erwartungen gebrochen und mir die Figuren dafür umso näher gebracht.

Was viele vielleicht als eintönig und langweilig empfinden könnten, hat mir besonders gut gefallen: Dramaturgisch ist die Handlung nicht sehr abwechslungsreich, von einem Spannungsbogen kann man meiner Meinung nach kaum sprechen. Trotzdem hat die Geschichte auf mich einen unglaublichen Reiz ausgeübt, allein dadurch, dass sie so unaufgeregt und still daherkommt. Es geht um die zarte Annäherung zweier Menschen, die die Liebe schon für sich abgeschrieben hatten. Literarische Gespräche sind dabei ebenso bedeutsam, wie die sinnliche Stimulation der Genüsse. Für mich war die Geschichte genau aus dem Grund so unheimlich bereichernd und hat meinen Horitzont im Bezug auf japanische Traditionen und Kultur sehr erweitert.

In einem dem Buch anhängendem Interview zwischem Autor und Zeichner, liest man heraus, dass Hiromi Kawakami restlos begeistert ist über die Comic-Umsetzung seines Romans und ich kann mich dem nur anschließen. Jiro Taniguchi war mit bisher als Zeichner unbekannt, doch seine klären Linien und der unverkennbare Zeichenstil vor allem in landschaftlichen Szenerien haben mich sehr beeindruckt. Außerdem fand ich es angenehm, einen japanischen Comic mit klaren Panelrahmungen zu lesen.

Sprachlich hat sich Jiro Taniguchi sehr eng an der Romanvorlage gehalten, das bedeutet, die Dialoge sind in gehobener bis literarischer Sprache verfasst. Trotzdem sind sie sehr eingängig und verständlich.

Fazit & Bewertung

Der Himmel ist Blau, die Erde ist Weiß von Hiromi Kawakami und Jiro Taniguchi ist eine wunderschöne Literaturadaption, perfekt geeignet für Liebhaber japanischer Traditionen und unaufgeregten, dafür nachhaltigen Geschichten. Mich hat die Geschichte von Tsukiko und ihrem alten Lehrer positiv überrascht, denn es handelt sich wahrhaftig um eine sehr außergewöhnliche Liebesgeschichte, die mich mit ihrer intensiven Erzählweise in ihren Bann gezogen hat.

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Eddi Error

Anne Böhme , Susanne Göhlich
Fester Einband
Erschienen bei Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 16.02.2017
ISBN 9783522184564
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Die Geschichte des kleinen Roboters hat mich schon nach den ersten Kapiteln überzeugt, denn Eddis unfreiwillig komischen Abenteuer, seine Pannen und Katastrophen, seine witzige und liebenswerte Art haben mich köstlich amüsiert und werden jeden Erstleser in ihren Bann ziehen.

Jule fing an zu lachen. „Der ist neu“, rief sie, „guck doch, wie er glänzt!“ Tatsächlich, außer der Stimme war an Eddi nichts rostig. Er funkelte. Er war spielgelglatt wie das Kleingeld, das der Fahrkartenautomat neulich ausgespuckt hatte […]“ (S. 15)

Ein beliebtes Motiv im Kinderbuch ist das des Außenseiters oder Neulings. Auch Eddi Error kommt als Roboter neu in die Familie von Jule und Niels und obwohl Eddis Gefühle hier weniger im Fokus stehen, wird dennoch schön deutlich, wie es sich für die Kinder anfühlt, plötzlich ein neues Familienmitglied zu haben. Doch Eddi ist keineswegs ein Störfaktor, er ist Spielkamerad und Freund. Dabei spielt es für die Kinder keine Rolle, dass er nicht perfekt ist und für einen Aufräumroboter reichlich wenig aufräumen kann. Für sie zählt, dass er ihnen hilft, so gut er eben kann – sein Bemühen, der Familie Gutes zu tun, reicht ihnen vollkommen aus. Schön ist in der Geschichte beschrieben, dass die ganze Familie den kleinen Roboter schnell ins Herz schließt und ähnlich geht es auch dem Leser.

„Error ist Englisch“, sagte Mama verdutzt. „Das heißt FEHLER.“ „Ist doch klar“, rief Papa. „Das passiert, wenn die Elektronik spinnt.“ Aber Niels schüttelte heftig den Kopf. „Eddi spinnt nicht“, sagte er. „Er heißt so: Eddi Error. Wenn er blinkt, stellt er sich vor.“ (S.16)

Die Handlung der Geschichte umfasst einige Wochen, in denen der kleine Roboter bei seiner neuen Familie allerhand erlebt und während denen es gilt, auch ein Geheimnis aufzudecken. Denn so ganz geklärt ist nicht, wie Eddi überhaupt seinen Weg in Niels und Jules Zuhause gefunden hat. Wer hat ihn gestohlen und auf dem Flohmarkt verkauft? Einige Zeit steht das Geheimnis um Eddis Herkunft im Mittelpunkt der Geschichte, während sich allerhand witzige Dinge ereignen, für die meistens Eddi unfreiwillig verantwortlich ist. Mir hat besonders gut gefallen, dass die Geschichte mit Eddis Erlebnissen immer komplexer wurde und es am Ende sogar zu einem kurzen dramatischen Höhepunkt kam.

Es war längst dunkel und sie räumten und räumten: Sie räumten aus und ein und weg und um und hin und her. Sie tuschelten und surrten, kicherten und lachten bis Eddi das Licht seiner Laternen löschte. (S. 37)

Sprachlich hat Anne Böhme genau den richtigen Ton getroffen, um Leseanfänger und Grundschulkinder an ihre Geschichte zu fesseln. Eddis Abenteuer und werden in knappen verständlichen Sätzen erzählt und von wunderschönen, kunterbunten Illustrationen unterstrichen.

Fazit & Bewertung

Eddi Error – Unser Roboter krempelt alles um ist eine zuckersüße Geschichte über Freundschaft und über das Nicht-Perfekt-sein. Mit dem liebenswerten und chaotischen Protagonisten gibt es einiges zu lachen, sodass nicht nur Leseanfänger ihren Spaß haben.


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277 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

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Hummeln im Herzen

Petra Hülsmann
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 23.09.2016
ISBN 9783404175840
Genre: Romane

Rezension:  
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2. weltkrieg, amsterdamm, anne frank, bergen-belsen, bilderbuch, exil, holocaust, judenverfolgung, kastanienbaum, kinderbuch, krieg, nationalsozialismus, nazis, zweiter weltkrieg

Anne Frank und der Baum

Jeff Gottesfeld , Mirjam Pressler , Peter McCarty
Fester Einband: 40 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 22.02.2018
ISBN 9783737355094
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Anne Franks Geschichte wird immer wieder neu adaptiert, ob in Form eines Graphic Diaries, in Filmen oder als Bilderbuch. Ihre Geschichte ist allgegenwärtig und wichtig wie eh und je. In Anne Frank und der Baum wird schon den jüngsten Lesern eine der wohl bedeutsamsten Biografien eines Menschen des vergangenen Jahrhunderts vermittelt. Ich war sehr gespannt darauf, Annes Geschichte aus einem anderen Blickwinkel zu erfahren, und die Perspektive eines Baumes ist so ziemlich das abstrakteste, was ich mir in der Hinsicht vorstellen konnte. Deswegen war ich positiv überrascht über die gelungene Umsetzung des Illustrators und Autors, eine so komplexe Geschichte auf wenige bedeutsame Momente in Anne Franks Leben herunterzubrechen.

Es war ein Kastanienbaum. Seine Blätter waren grüne Sterne; seine Blüten bildeten „Kerzen“ in Weiß und Rosa. Jeden Herbst ließ er Kastanien zu Boden fallen.

Trotzdem sollte man von diesem Bilderbuch nicht mehr erwarten, als von jedem anderen Bilderbuch auch: eine kurzweilige Geschichte, die mehr Wert auf großflächige Illustrationen, als auf Erläuterungen legt. Damit ist das Bilderbuch aber gerade für seine Zielgruppe vollkommen angemessen und verständlich, trotzdem werden vermutlich bei den jüngsten Lesern genügend Fragen auftauchen, denn eines kann das Bilderbuch nicht: Annes Verschwinden erklären. Vielmehr wird deutlich, dass Anne nur eine viel zu kurze Zeit Teil der Geschichte des Buches ist und danach der Hauptaugenmerk auf ihren Tagebüchern liegt und darauf, was aus dem Kastanienbaum geworden ist.

[Der Baum] schlug weitere Wurzeln und streckte sich friedlich himmelwärts. Bis der Krieg kam.

Der Kastanienbaum im Hof der Prinsengracht lebte insgesamt 172 Jahre lang und hat die Kriegsjahre in Amsterdam vollständig miterlebt. Ich fand es sehr schön, dass der Baum zum Symbol und Teil der Kriegsgeschichte wurde. Obwohl er nicht mehr existiert, leben seine Setzlinge in der ganzen Welt als Erinnerung an Anne Frank weiter. Das Bilderbuch illustriert wunderschön, dass diese Erinnerung nie in Vergessenheit geraten darf. Neben der Geschichte des Baumes werden einzelne Momente in Anne Franks Leben thematisiert.

Das Mädchen und sein Vater nähten Vorhänge aus Lumpen für die wichtigsten Fenster. Von Zeit zu Zeit lugte ein Gesicht durch die Vorhänge.

Der Baum wird Zeuge davon, wie der Krieg Einzug in die Stadt hielt, wie die Familie Frank in das Hinterhaus einzog und wie der Baum erkannte, dass die jüngste Tochter der Franks etwas Besonderes war. Sehr schön ist das mit einfarbigen Tuschezeichnungen dargestellt, die oft ganzseitig das Buch gestalten. Es wird kurz auf die Beziehung zu Anne und ihrem Vater eingegangen, wie die Untergetauchten mit dem Begehen von Festen versuchten ihre Religion, für die sie so viel Leid erdulden mussten, aufrecht zu erhalten und wie das Mädchen sich veränderte, dünner und blasser wurde. Die zweite Hälfte des Bilderbuches macht die Jahreszeiten zum Thema und bringt dadurch zum Ausdruck, wie viel Zeit verging, bevor Annes Vater allein ins Hinterhaus zurückehrte. Mir hat die Auswahl der Szenen sehr gut gefallen, denn man erhält einen kleinen Einblick dessen, was Annes Familie während der Kriegsjahre erlebte.

Fazit & Bewertung

Ein kurzweiliges Bilderbuch mit einer wichtigen Geschichte! Anne Frank und der Baum verbindet die Geschichte eines Kastanienbaumes mit dem Leben des wohl bekanntesten Mädchens aus der Kriegszeit. Der Kastanienbaum hat eine distanzierte Sicht auf die Dinge und trotzdem reicht dieser, um Annes Geschichte für Kinder verständlich zu machen. Ich habe das Bilderbuch sehr gerne gelesen, die Illustrationen bewundert und halte es für ein Buch, das allen als Erinnerung an ein ganz besonderes Mädchen dienen sollte.

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802 Bibliotheken, 17 Leser, 2 Gruppen, 218 Rezensionen

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Beautiful Liars - Verbotene Gefühle

Katharine McGee , Franziska Jaekel
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 23.08.2017
ISBN 9783473401536
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von fünf Jugendlichen erzählt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Avery ist die pure Schönheit und lebt im Penthouse des Towers. Sie wird von allen begehrt und bewundert, doch sie sehnt sich ausschließlich und im Geheimen nur nach der Liebe eines einzigen Jungen. Eris hingegen ist es egal, wessen Liebe ihr zufliegt. Sie weiß genau, wie sie ihre Reize einsetzen muss, um zu bekommen was sie will und liebt es zu spielen. Leda war im vergangenen Sommer in einer Entzugsklinik und hat die größten Schwierigkeiten sich in ihr altes Leben wieder einzufinden, in dem rauschende Partys und Drogenexzesse zum Alltag gehören. Watt ist Profi-Hacker und obwohl er weit unten im Tower lebt, Genie darin jeden Schritt der Schönen und Reichen zu beobachten. Rylin hat noch nicht mal das Privileg im Tower zu wohnen, seitdem ihre Eltern gestorben ist, arbeitet sie in einer Imbissbude und vergisst ihr Scheißleben bei regelmäßigen Drogentrips mit ihren Freunden.

Die Hauptfiguren der Geschichte sind sehr individuell entworfen, sodass man schnell eine Bindung zu ihnen aufbaut. Mir hat der Perspektivwechsel zwischen den Figuren besonders gut gefallen, denn der Wechsel bringt ein hohes Erzähltempo und Spannung in die Geschichte. Gefühlt hätte jede Figurenschilderung für mich ewig so weitergehen können, weil mich ihre Persönlichkeiten und ihre Lebensumstände so fasziniert haben. Gekonnt werden von der Autorin so aus den unterschiedlichen Blickwinkeln die Zusammenhänge zwischen den Figuren und innerhalb der Handlung hergestellt.

Die Idee, ein Gesellschaft zu erschaffen, deren unterschiedliche Klassen dadurch zum Ausdruck kommen, in welchem Stockwerk die Menschen leben, hat mich schon beim Lesen des Klappentextes neugierig gemacht. Somit stand der Tower in Manhatten beim Lesen ständig im Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Ich fand es wahnsinnig interessant, wie Katharine McGee eine so vollkommene Welt innerhalb eines Turmes erschaffen konnte, ohne dass die Menschen diesen irgendwann in ihrem Leben einmal verlassen müssten. Der Tower ist so groß, dass jede Etage ganze Wohnviertel inklusive Parks, Geschäfte und Straßen fasst. Jedes Deck wird mit künstlichem Tageslicht, künstlichem Himmel, Sonne und Wolken beleuchtet, sodass es für die Menschen den Anschein erweckt, sie seien draußen. Faszinierend ist, dass kaum einer von ihnen das Gefühl hat eingesperrt zu sein, was mir ständig beim Lesen durch den Kopf ging.

Die Handlung von Beautiful Liars hat mich von der ersten Seite an mitgerissen. Freundschaften, die am seidenen Faden hängen, Geheimnisse, die nicht offenbart werden dürfen, Gefühle die nicht gezeigt werden dürfen – das Zusammenspiel hochexplosiver Themenfelder macht dieses Buch zu einem wahren Meisterwerk im Jugendbuch und steht ganz oben auf meiner Liste von Büchern, die unbedingt einmal verfilmt werden sollten! Sprachlich schafft es Katharine McGee genau die richtige Atmosphäre für ihre Geschichte zu schaffen und auch ihr Schreibstil ist angenehm leicht und konnte mich in seinen Bann ziehen.

Fazit & Bewertung

Beautiful Liars – Verbotene Gefühle ist der spannende Auftakt einer Dystopie, die ich euch nur ans Herz legen kann. Lügen, Intrigen, Liebe und Freundschaft sind die großen Themen die hier gekonnt zu einer Geschichte über fünf Jugendliche gesponnen werden, die Teil einer Welt sind, in der der Reichtum maßgeblich ist für dein Ansehen. Kommt euch das nicht auch bekannt vor? Ein grandioses Buch!

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cornwall, diebstahl, england, exaltierter koch, higher barton, hobbyermittler, hotel, kotzbrocken, krimi, kühltruhe, maiglöckche, mord, rach, reihe, romantikhotel

Auf Eis gelegt

Rebecca Michéle
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Dryas Verlag, 18.09.2017
ISBN 9783940258779
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dass die kleine Grafschaft Cornwall als Haupthandlungsschauplatz der Geschichte ausgewählt wurde, gibt dem Krimi den heimeligen Flair, den man von einem Cozy Crime erwarten würde. Die Bewohner des Städtchens sind eigenartig, voreingenommen und misstrauisch gegenüber allem Neuen. Desto weniger mögen sie es, dass der Landsitz Higher Barton zu einem Romantic Hotel umgebaut wird und damit den lokalen Bed & Breakfirsts die Kundschaft stehlen. Ohne die Landschaft wirklich genießen zu können, sieht sich die Protagonistin Sandra Flemming deswegen bereits zu Beginn mit vielen Problemen konfrontiert. Trotz allem bleibt dem Leser die Schönheit der Umgebung nicht verborgen, denn detaillierte Beschreibungen der Ortschaft und des Hotels  geben einen wunderbaren Einblick in das Setting der Geschichte.

Ihr Blick schweifte über den Park hinweg und über hügelige Wiesen mit weißen Schafen. Kein Strommast oder ein anderes Merkmal des 21. Jahrhunderts störte das harmonische Bild. Sandra dachte unwillkürlich, dass dieser Ausblick seit hundert Jahren unverändert geblieben war. (S.39)

Anders als in den Agatha Christie Krimis, gibt es in Auf Eis gelegt eine recht überschaubare Anzahl an Figuren: die Protagonistin Sandra Flemming, ihr unleidlicher Chef und später Opfer Harris Garvey, die strenge Rezeptionistin Eliza Dexter, der Ermittler Christopher Bourke und eine Handvoll Mitarbeiter und Anwohner des Hotels. Ich fand es erfrischend, dass ich mir bei diesem Krimi, nicht wie bei einigen Hercule Poirot-Geschichten, die Namen der Figuren notieren musste, um beim Lesen nicht durcheinander zu kommen. Die Perspektive wechselt zwischen den Figuren, wobei die Geschichte jedoch hauptsächlich aus der Sicht von Sandra Flemming erzählt wird. Mit ihr gelingt daher die Identifikation auch am besten, denn als Leser erhält man ausführlichen Einblick in ihre Gedanken und dem was sie aufgrund des Mordfalls beschäftigt. Der Wechsel der Erzählperspektive hat mir dennoch sehr gut gefallen, denn er trägt dazu bei, dass der Krimi seine Spannung bis zum Ende aufrechterhält.

Mit Eichenholz getäfelte Wände, an der Decke dunkle Holzbalken, ein mannshoher, gemauerter Kamin, darüber eine Rosette aus alten Handfeuerwaffen. Auch wenn alles vorhanden war, was in einer modernen Hotelhalle erwartet wurde – Sandra fühlte sich um ein Jahrhundert in die Vergangenheit zurückversetzt. (S.29)

Die Entdeckung der Leiche ist relativ unspektakulär, aber auch das kenne ich nicht anders aus anderen Krimis desselben Genres. Die Handlung dreht sich also weniger um die Mordtat an sich, sondern um die Ermittlung und das Verhalten der Beteiligten. Die Autorin schafft es, den Leser bis zum letzten Drittel der Geschichte im Unwissen darüber zu lassen, wer der Täter ist. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass der Tathergang noch ein wenig komplexer und ausgeklügelter gewesen wäre, sodass ich erst am Ende der Geschichte überrascht worden wäre, wer der Mörder ist. So hatte ich schon früh einen Verdacht, der sich letztlich auch bestätigt hat. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass mir der Plot der Geschichte sehr gut gefallen hat.

Der Deckel der Truhe klemmte, Mrs Roberts musste mit beiden Händen kräftig am Griff ziehen, bis der Deckel nach oben schwang. Sie schaute in die Truhe – und direkt in die weit aufgerissenen Augen eines ihr unbekannten Mannes. (S. 86)

Zu guter Letzt möchte ich noch etwas über die Beschaffenheit des Buches an sich sagen. Sofort beim ersten Aufschlagen ist mir das besondere Papier der Seiten aufgefallen, das angenehmer in der Hand liegt, als das Papier so manch anderer Bücher. Ich vermute, es handelt sich hierbei um hochwertigeres Papier, denn es ist unglaublich weich und fühlt sich richtig schön an, sodass ich beim Lesen immer wieder mit den Fingern darüber fahren musste. Auch die Gestaltung der Klappen, des Innenteils der Buchdeckel und das Cover haben mir sehr gut gefallen!

Fazit & Bewertung

Auf Eis gelegt von Rebecca Michéle ist ein Cozy Crime wie er im Buche steht. Ein abgelegener Schauplatz, der sich perfekt für eine Mordtat eignet, Figuren, die undurchsichtiger und rätselhafter nicht sein könnten und ein Mord, der sehr viele Fragen aufwirft. Wunderbar gemütlich und gleichzeitig erfrischend unerklärlich. Eine klare Leseempfehlung von mir!

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deutschland

Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch

Andreas Steinhöfel , Peter Schössow
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2017
ISBN 9783551556653
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Auch wenn Weihnachten nun schon etwas länger vorbei ist, möchte ich euch unbedingt noch dieses tolle neue Kinderbuch aus der Feder von Andreas Steinhöfel vorstellen. Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch ist aber nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern ganzjährig ein wunderbarere Lesespaß, den ihr euch nicht entgehen lassen solltet!  Schon der erste Band der Erfolgsreihe, Rico, Oskar und die Tieferschatten  hat mich köstlich amüsiert und mich von der herrlichen Schreibweise des Autors überzeugt!

Die Leser begegnen den bereits bekannten Hauptfiguren Rico und Oskar, deren Familien und der ganzen Nachbarschaft aus ihrem Mehrfamilienhaus in der Diffe. Neu ist diesmal, dass Rico, der die Geschichte im Tagebuch-Stil aus seiner Perspektive erzählt, Rückblenden in die Vergangenheit vornimmt und von seinen neuen Freunden erzählt, die er im Sommer kennengelernt hat. Die Geschichte „jenes Sommers“ wird noch eine wichtige Rolle an Heilig Abend in der Diffe spielen und für viel Durcheinander und Verwirrung sorgen. Für die Leser sind Ricos Rückblenden eine spannende Abwechslung, denn Rico und Oskar treffen auf Kinder anderer Kulturen, auf starke Persönlichkeiten, denen sie sich mit ihrer jeweiligen Art zunächst annähern müssen. Sowohl Rico, der tiefbegabt ist, als auch der schlaue Oskar lernen durch die neuen Bekanntschaften einiges fürs Leben, denn nicht jeder Mensch ist auf Anhieb durchschaubar und trotzdem ist Freundschaft auf irgendeine Weise möglich.

„Weißt du“, sagte er schmatzend, „Liebe ist, glaube ich, etwas ziemlich Unerschöpfliches. Dir wird nichts weggenommen – wenn jemand Neues dazukommt, wächst für den einfach neue Liebe dazu. Deshalb muss man auch keine Vorräte davon anlegen, es ist immer genug für alle da.“ (S. 94)

Doch die Geschichte hält noch mehr Überraschungen bereit, denn auch der treue Oskar scheint für Rico seit einiger Zeit nicht mehr durchschaubar. Irgendetwas verheimlicht Oskar ihm,  denn er kauft mysteriöse Dinge im Kaufhaus und benimmt sich äußerst seltsam. Jede der Geschichten von Rico und Oskar enthält ein spannendes Geheimnis, das aufgedeckt werden will, was hier wieder besonders schön umgesetzt ist. Doch diesmal muss Rico sich nicht nur Gedanken um seinen besten Freund machen, sondern auch darüber, dass er, seine Mutter und der Bühl bald nicht mehr zu dritt sein werden. Rico bekommt nämlich ein Geschwisterchen und malt sich daher die tollsten Szenarien aus, wie das Baby aus dem Bauch seiner Mutter herauskommt. Nicht nur einmal musste ich herzlich lachen, wenn Rico beschreibt, wie er sich eine Geburt vorstellt und was das mit ihm und seiner Familie macht.

Oskar:“Ich glaube nicht, dass die alle noch Geschenke besorgen […]. Die gehen einfach nur gern einkaufen oder schauen sich Zeugs an, das sie gern hätten, weil sie glauben, dass damit ihr Leben glücklicher wird.“ Rico: „Wirds das denn?“ Oskar: “ Wäre dann noch jemand hier?“ (S. 71)

Neben den spannenden Themen Freundschaft, Vertrauen und Babys, darf der fantastische Sprachwitz des Kinderbuches nicht unangesprochen bleiben. Andreas Steinhöfel ist ein Genie darin, Ricos tiefbegabte Sicht auf die Welt unglaublich sympathisch zu verpacken. So werden die Wörter, die für Rico schwierig zu verstehen sind, jeweils in einem Kasten noch einmal aus seiner Sicht erklärt, sodass der Leser meist überrascht ist, über seine intelligenten Ansichten. Wie die Zitate bereits andeuten, gibt es auch nicht wenige Stellen im Buch, die den Leser deswegen unglaublich amüsieren und Spaß bereiten.

Irgendwer hatte mal hier, mal dort ein paar Tannenzweige, silberne Christbaumkugeln und rote Schleifchen in die Auslage gelegt. Als ob so ein Schnitzel oder ein Steak, wenn es erst mal hier gelandet war, noch einen Grund zum Feiern hätte. (S. 73)

Das Setting der Geschichte ist diesmal fast ausschließlich das Haus in der Diffe, in der Rico und Oskar wohnen. Doch weil an Heilig Abend in ihrem Mehrfamilienhaus alles drunter und drüber geht, werden sämtliche Wohnungen zum Schauplatz lustiger Begebenheiten. Wie jedesmal, gibt es auch diesmal vorne im Buch eine schöne Zeichnung des Hauses, auf der man sehen kann, wer in welcher Wohnung in der Diffe wohnt und wo sich welches Chaos an Heilig Abend abspielt. Ich fand es wunderbar mich wieder in die besondere Hausgemeinschaft von Rico und Oskar zu verlieren und habe mich gefreut, dass wieder sämtliche Nachbarn in die Abenteuer der beiden Freunde hineingezogen werden.

Fazit & Bewertung

In Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch von Andreas Steinhöfel geht es um große Themen, wie Freundschaft und Vertrauen, die kindgerecht und im Rico-Charme erklärt und behandelt werden. Mir hat dieses vierte Buch der Reihe wieder sehr gut gefallen, denn man begegnet den altbekannten zauberhaften Helden, deren Abenteuer diesmal so ganz anders verlaufen als sonst. Mit viel Sprachwitz schafft es der Autor seine Leser zu begeistern und gleichzeitig unglaublich zu amüsieren.

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Like a River Glorious

Rae Carson
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Greenwillow Books, 27.09.2016
ISBN 9780062242945
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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ab 6 jahre, advent, das sams, frau rotkohl, herr mohn, herr taschenbier, kinder- und jugendbuch, reihe, sam, sams, toll, weihnachten, wünsche, wunschpunkte, würstchen

Das Sams feiert Weihnachten

Paul Maar , Nina Dulleck
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 25.09.2017
ISBN 9783789108167
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Vor dem Lesen des Buches sollte man wissen, dass die Geschichte nicht nahtlos an den letzten Band der Reihe anschließt, sondern irgendwo im ersten Drittel des dritten Bandes Neue Punkte für das Sams angesiedelt ist, zu einer Zeit, als Herr Taschenbier mit dem Sams noch bei Frau Rotkohl wohnt und das Sams gerade keine Wunschpunkte hat. Mir hat es richtig gut gefallen, dass die Geschichte losgelöst ist und den Leser quasi in die Vergangenheit entführt, denn zugegeben, mir haben die Geschichten von den Anfängen bei Frau Rotkohl immer am besten gefallen! (Dabei spielt eine große Rolle, dass das Sams im siebten Band bereits 15 Jahren bei den Taschenbiers ist und das meiner Meinung nach eine viel zu lange Zeit ist). Dass die Geschichte nun wieder in Frau Rotkohls Wohnung spielt, fand ich dementsprechend toll! Der Konflikt zwischen der ewig nörgelnden und mürrischen Frau Rotkohl und dem schüchternen und ängstlichen Herrn Taschenbier fand ich immer ziemlich witzig und gerade dann ist das freche Sams für Herrn Taschenbier besonders wichtig.

[…] das Sams reimte drauflos, während es gleichzeitig versuchte, durch das Schaufenster einen Blick in den Laden zu werfen: „Aufgehalten – Gletscherspalten. Gletscherspalten – Waschanstalten. Waschanstalten – Sorgenfalten…“. (S. 41)

Die Geschichte ist, wie von Paul Maar nicht anders zu erwarten, wieder urkomisch und amüsant. Die Besondere Begabung des Samses, die deutsche Sprache falsch zu verstehen und zu verdrehen, wird wieder in zahlreichen Liedern und Reimen herrlich ausgestellt! Witzig sind auch wieder Herr Mon und Frau Rotkohl, die in dieser Geschichte Herrn Taschenbier beim Weihnachtsfest Gesellschaft leisten und von dem Sams regelmäßig auf die Palme getrieben werden. Sowieso hat der Autor die Gabe, jede seiner Figuren so individuell und ulkig zu entwerfen, dass man nicht umhin kommt, laut zu lachen. Was mir jedoch ein bisschen gefehlt hat, war die Magie der magischen Wunschpunkte. Da das Sams in dieser Geschichte selbst keine besitzt, werden auch recht wenig Wünsche geäußert, die noch mehr Chaos, Aufregung und Spannung in die Geschichte hätten bringen können.

„Bevor Frau Rotkohl freundlich schaut, singen Weinbergschnecken laut, fliegen Fische über Tannen, hüpfen Schnitzel aus den Pfannen, Elefanten fahren Mofa, und ein Wal liegt auf dem Sofa.“ (S. 50)

Nicht nur, dass einzelne Bräuche und Sitten zum Weihnachtsfest kindgerecht erklärt werden (das Sams weiß über das Weihnachtsfest so gut wie nichts, denn in der Sams-Welt wird das Fest nicht gefeiert), auch wird die Weihnachtsstimmung im Hause Rotkohl durch zahlreiche kleine kunterbunte Illustrationen im Buch heraufbeschworen. Dass die Illustrationen diesmal nicht vom Autor selbst stammen, fand ich jedoch sehr schade! Natürlich weiß man, dass solche Maßnahmen von Seiten der Verlage ergriffen werden, um Reihen wieder attraktiver zu machen und neue Leser zu gewinnen. Trotzdem finde ich, dass man die Gestaltung einer  langjährigen Reihe  nicht  verändern sollte, denn damit ändert man nicht nur die Atmosphäre der Geschichten, sondern oftmals, so wie auch in diesem Fall, auch gravierend das Aussehen der Figuren (und enttäuscht ganz nebenbei noch treue Fans).

Fazit  & Bewertung

Mich hat Das Sams feiert Weihnachten  in eine besondere Zeit meiner Kindheit zurückversetzt. Die wunderbare Atmosphäre der ersten drei Bände wird in diesem Buch wieder lebendig und viele altbekannte und neue Figuren lassen diese amüsante Weihnachtsgeschichte aufleben. Mit viel Witz und Humor entdeckt das Sams in der Geschichte das Weihnachtsfest für sich und lässt auch den Leser an der weihnachtlichen Stimmung teilhaben. Schade fand ich, dass die Illustrationen diesmal nicht vom Autor selbst stammten und dass die magischen Wunschpunkte in der Geschichtes kaum eine Rolle spielen. Alles in allem handelt es sich hierbei aber um eine wunderbare Sams-Geschichte, die wie immer hält, was sie verspricht.


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Sherlock 2

Jay. , Steven Moffat , Mark Gatiss , Gandalf Bartholomäus
Flexibler Einband: 196 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 01.08.2017
ISBN 9783551728852
Genre: Comics

Rezension:

Schon nach Sherlock 1: Ein Fall von Pink war ich begeistert von dem Zeichenstil und der Umsetzung des Serienauftaktes der Sherlock-Serie. Fans der Serie wissen, dass vor Kurzem die letzten Folgen ausgestrahlt wurden, sodass die Mangas eine tolle Möglichkeit sind, um wieder in die beliebten Geschichten des skurrilen Ermittlers einzutauchen. Jede Folge der Serie wird als einzelner Manga umgesetzt und auf ca. 200 Seiten erzählt. In der zweiten Folge der Serie Der blinde Banker wächst der Schauspieler Benedict Cumberbatch mit seiner Sherlock-Figur über sich hinaus, ist noch brillanter und sonderbarer und leistet eine noch hervorragendere und kaum nachzuvollziehende Denkarbeit. Der zweite Band der Manga-Serie hat mich wieder völlig in die spannende Welt des Londoner Ermittlers zurückversetzt und mich wieder ausgesprochen gut unterhalten, sodass ich diese Comic-Adaption nur jedem empfehlen kann, der von Sherlock nicht genug bekommt.

Das Setting des Comics ist diesmal sehr abwechslungsreich. Sherlock und Watson halten sich selten in ihrer Wohnung, der Bakerstreet 221B auf, sondern sind in verschiedenen Londoner Ecken unterwegs: in riesigen Bankfilialen von Auftraggebern, in kleinen Apartments der Mordopfer, in Chinatown, in chinesischen Performance-Häusern oder im Museum für antike Kunst. Der häufige Ortswechsel ist zwar im Comic gewöhnungsbedürftig, aber auch ziemlich spannend, denn Sherlock stellt sein Können am Ort des Geschehens unter Beweis und nicht nur in seinem stillen Kämmerlein in der Bakerstreet 221B.

Watson: „Sollten wir uns hier nicht noch mehr umsehen?“ Sherlock: „Ich weiß schon alles, was ich brauche.“ (S.28)

Sherlock selbst ist in dieser Geschichte wieder brillant wie eh und je. Mit einem Blick erfasst er Zusammenhänge und Hintergründe, die dem normalen Betrachter im Verborgenen bleiben und kann dadurch Schlüsse ziehen, die jeden erfahreneren Ermittler in den Schatten stellen. Für ihn sind viele Fälle, die er angeboten bekommt, langweilig, weil er sie meist innerhalb weniger Denkmomente gelöst hat. Ihn reizen vor allen Dingen Fälle, die ihn herausfordern, die ihn in Gefahr oder an den Rande des Todes bringen, die ihn so anspornen, dass er alles um sich herum vergisst. Auch in Der Blinde Banker ist Sherlock wieder Feuer und Flamme herauszufinden, wer für die Mordopfer die seltsamen chinesischen Graffiti-Zeichen an den Wänden hinterlässt und es scheinbar schafft, geschlossene Räume zu betreten und wieder zu verlassen. Als Leser ist man gefesselt von den skurrilen Erkenntnissen und Fortschritten von Sherlock, sodass man dem Fall gespannt verfolgt.

Wilkes: „Ihm genügt ein Blick, dann erzählt er einem seine Lebensgeschichte.“ Watson: „Ja…hab ich auch schon erlebt.“ (S.20)

Sherlock hat einen so unglaublich trockenen und oft tiefschwarzen Humor, dem man sich als Zuschauer und Leser kaum entziehen kann! Über seine Denk- und Sprechweise kann man oft einfach nur lachen, um dann im selben Atemzug den Kopf über so viel Eigenart zu schütteln. Auch in diesem Comic haben es die Autoren und Zeichner wieder wunderbar geschafft, Sherlocks besondere Art zu Papier zu bringen – so gut, dass ich die realen Schauspieler der Serie, Benedict Cumberbatch, seine Stimme und seine Mimik ständig vor Augen und im Ohr hatte.

Sherlock: „Falsch! Es ist nur eine der möglichen Erklärungen. Eine gefällige Lösung, die ihnen zusagt und alles, was nicht dazu passt, ignorieren Sie.“ (S.42)

Vom Zeichenstil her steht diese Adaption dem ersten Band Ein Fall von Pink in nichts nach. Auch hier haben mir die klaren Linien, die deutlich voneinander abgetrennten Panels und der präzise Zeichenstil außerordentlich gut gefallen. Sprachlich ist der Comic sehr nah an der Serie und verwendet oftmals dieselben Formulierungen und Sätze, wie auch die Serienfiguren. Das hat mir schon im ersten Band ziemlich gut gefallen, weil dann einfach der besondere Ton der Figuren bestehen bleibt.

Fazit & Bewertung

Sherlock 2: Der Blinde Banker ist die fantastische Comic-Adaption zur gleichnamigen zweiten Folge der britischen Erfolgsserie. Ein spannender Kriminalfall hält unsere Lieblingsfigur Sherlock in Atem und bringt seine altbekannte Brillanz ans Licht! Mich konnten das Setting, die scharfsinnigen und humorvollen Figuren, sowie der klare Zeichenstil wieder sehr beeindrucken, sodass ich weiterhin nicht nur Fan der Serie, sondern auch der Comics bleibe! Ein Muss für alle Sherlock-Fans und die, die es noch werden wollen! Und für alle, die von Sherlock ebenfalls nicht genug bekommen können: Mit dem neuen Band Sherlock 3: Das große Spiel ist beim Carlsen Verlag auch ein toller Sherlock-Schuber erschienen, der die ersten drei Bände und ein Fanposter enthält.

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Die rote Königin

Victoria Aveyard , Birgit Schmitz
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 30.06.2017
ISBN 9783551315724
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mare ist eine starke weibliche Hauptfigur, mit der man sich als Leser schnell identifizieren kann. Durch die Schilderung der Geschehnisse aus ihrer Ich-Perspektive, wird man als Leser Teil ihres Schicksals und erlebt hautnah, was für ein bedauernswertes Leben sie führt. Mare kommt aus ärmlichen Verhältnissen, hat einen kranken Vater, Brüder im Krieg und steht im Schatten ihrer begabten Schwester, die mit Näharbeiten für das Überleben der Familie sorgt. Mare hingegen ist eine Diebin, die keinerlei besondere Begabung zu haben scheint, außer die, ihrer Familie Unglück zu bringen. Als ihre Schwester durch Mares Schuld von den Silbernen ihre Nähhand zertrümmert bekommt, empfindet man für Mare unglaubliches Mitleid, wünscht ihr ein neues und besseres Leben.

Mir bleibt die Luft weg. so deutlich fühle ich die Ketten, in die der König und die Königin mich legen. „Und was ist mit meinem Leben-?“ “ Welches Leben?“ kräht Elara. „Mädchen, du bist Hals über Kopf in ein Wunder gestolpert“. (S. 119)

Die Settings die Victoria Aveyard für ihre Geschichte entwirft, sind wie ihre Figuren einerseits realitätsnah und andererseits fantastisch. Mir hat der Kontrast sehr gefallen, denn nichts spaltet Menschen so sehr, wie ihre verschiedenen Lebensumstände. Die Roten leben in heruntergekommen Dörfern, in Häusern, die nur mithilfe von stark rationierten Stromkarten und Generatoren erhellt werden können. Demgegenüber steht die Sommerresidenz der Silbernen, die streng abgesichert ist und nur von Roten betreten werden darf, die in den Diensten der Silbernen stehen. Die Vorstellung des Palastes hat sich in mein Gedächtnis gebrannt, denn ähnlich wie bei der Selection-Reihe mochte ich auch hier die Vorstellung des horrendem Prunks und Reichtums.

Es gibt Straßen voller Menschen, Läden, Kneipen, Häuser und Innenhöfe, die sich allesamt zu einer schimmernden Monstrosität aus Diamantglas und Marmor hin ausrichtet. Jetzt verstehe ich, wie das Sonnenschloss zu seinem Namen gekommen ist. (S. 44)

Insgesamt habe ich die Handlung der Geschichte atemlos verfolgt. Was ich ein bisschen schade fand war, dass Mares Zeit im Palast, ihr Unterricht, ihre Begegnungen und die Feste, an denen sie teilnehmen muss, eher im Hintergrund bleiben. Genau das hätte für mich die Geschichte insgesamt noch ein wenig atmosphärischer gemacht. Auch die Dreiecksgeschichte zwischen Mare, Cal und Maven hätte für mein Empfinden noch detaillierter und verzwickter sein können. Aber da ich die Folgebände noch nicht kenne, kann es gut sein, dass das dort der Fall ist. Insgesamt habe ich dem Plot der Geschichte sehr gut folgen können und auch dramaturgisch war die Geschichte von unvorhersehbaren Wendungen und spannenden Szenen durchzogen, sodass ich sehr gefesselt war und mich auch der Cliffhanger am Ende so gespannt zurückgelassen hat, wie er sollte.

Er lässt seinen Blick über mich wandern, als wüsste er, dass ich den ersten Schritt auf einem gefährlichen Pfad bereits gesetzt habe. „Ich möchte nicht, dass du dich in etwas verstricken lässt, dem du nicht gewachsen bist.“ Zu spät. (S. 244)

Sprachlich hat mich Victoria Aveyard von ihrem Handwerk überzeugt. Natürlich ist es immer schwierig eine Übersetzung zu bewerten, doch man kann sagen, dass die Autorin durchaus ein Gespür für natürliche Dialoge und unterhaltende Schreibe hat, sodass der Leser interressiert am Ball bleibt.

Fazit & Bewertung

Mich konnte der Reihenauftakt von Die Farben des Blutes überzeugen. Die starke Heldin, die faszinierenden Settings und ein dramaturgisch sehr gut ausgearbeiteter Plot haben mir an Die Königin des Blutes  besonders gut gefallen. Der Roman ist definitiv eine Leseempfehlung für alle, die Fantasy im Jugendbuch lieben und sich von einer neuen Welt und einer neuen Idee verzaubern lassen wollen.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

gute-nacht-geschichte, hasenabenteuer, illustriertes gesamtkunstwerk, vorlesegeschichte

Die königlichen Kaninchen von London (Bd. 1)

Santa Montefiore , Simon Sebag Montefiore , Claudia Müller , Kate Hindley
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Woow Books, 04.08.2017
ISBN 9783961770014
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Die besondere Ausstattung müsst ihr euch genau so vorstellen: Ihr schlagt, dieses wunderbare Buch auf und schon vom Vorsatzpapier leuchten einem goldene Möhren auf königsblauem Grund entgegen. Noch vor dem ersten Kapitel folgt eine Übersicht der Kaninchen, die für die Geschichte eine wichtige Rolle spielen. Das finde ich zur Abwechslung auch für ein Kinderbuch eine wunderbare Idee, weil es oft selbst als Erwachsene schwerfällt, den Überblick über die vielen Figuren zu behalten. Da wären natürlich zum einen der kleine Shylo und der alte Horatio, von denen ihr nun schon gehört habt. Aber es gibt auch Hopster, ein großes, starkes und schlaues Kaninchen. Oder die königlichen Klopfer, die Kaninchen, die der militärischen Spezialeinheit angehören. Ihr Chef ist der Marschall der Klopfer, der ebenfalls in der großen Höhle unter dem Buckingham Palace herumhopst, genau wie die Haushofmeisterin oder der Generalissimo, dem Oberhaupt der Königlichen Kaninchen.

Mitten in der Nacht saß Shylo vor dem Eingang ihrer Höhle und sah hinauf zu den Sternen, die am dunklen Himmel funkelten. Wenn er doch nur genauso schlau und mutig wäre wie die Kaninchen des Geheimbundes, die früher unter dem Buckingham-Palast gelebt und die königlichen Familie vor Gefahren beschützt hatte!

Die kolorierten Illustrationen im Buch kann man nur als liebevoll, detailreich und wunderschön beschreiben. Jede haarfeine Zeichnung ist eine tolle Ergänzung zur Geschichte und lässt gleichzeitig noch viel Platz für die eigene Fantasie. Besonders gefallen haben mir wie immer die Darstellungen der Innenräume, das heißt der Höhle von Horatio, der großen Höhle der Königlichen Kaninchen von London und der Zimmer im Palast der königlichen Familie. Wie ihr seht, gibt es gemeinsam mit Kindern einiges in diesem Buch zu entdecken und vielleicht begegnen wir ja auch der Queen?

„Dies ist einer der Momente, die das Leben eines Kaninchens für immer verändern können – sogar das eines der kleinsten und schwächsten!“ (S. 37-38)

Abgesehen von der wirklich schönen Aufmachung des Buches, hat auch die Geschichte meine Erwartungen übertroffen. Das Autorenduo hat es geschafft, die besondere Entwicklung des kleinen Shylo in eine herzerwärmende Story zu verpacken, die sowohl Abenteuer als auch Spannung ohne Pause verspricht. Ich bin Shylo atemlos in den dunklen Tunnel gefolgt, der ihn von seinem geliebten Zuhause in eine ihm unbekannte Zukunft führte, habe mit ihm gebangt, als er fast von den widerlichen Ratten entdeckt worden wäre und war stolz, wie sehr er sich selbst beweisen konnte, dass er kein Schwächling ist, sondern ein Held. Ich kann euch diese Geschichte deswegen nur ans Herz legen, denn ihr werdet die Figuren lieben, dem Plot atemlos folgen und nicht wollen, dass die Geschichte endet.

Die Sprache der beiden Autoren ist für Erstleser und fortgeschrittene Leser ab 7 Jahren geeignet.

Fazit & Bewertung

Die Königlichen Kaninchen von London von Santa & Simon Sebag Montefiore ist ein wunderschönes Kinderbuch, das sich sehr schön zum Vorlesen, Selber lesen oder Verschenken eignet! Wer also noch ein Weihnachtsgeschenk für Kinder ab 7 Jahren sucht, oder sich selbst beschenken möchte, der möge das doch gerne mit diesem tollen Buch tun. Eine wunderbare Geschichte über kindliche Selbstzweifel und das Überwinden der eigenen Ängste, über den Mut und die Bereitschaft für andere einzustehen. Lest es! (Und für diejenigen, die auch nicht genug von der Geschichte bekommen können: Am 9. März 2018 erscheint bereits die Fortsetzung Die Königlichen Kaninchen von London – Flucht aus dem Turm.)


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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Es weihnachtet im Mäusehaus

Andreas H. Schmachtl
Fester Einband: 24 Seiten
Erschienen bei Arena, 15.09.2009
ISBN 9783401094052
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Die kleinen Leser begegnen in diesem Kinderbuch wieder den beliebten Figuren der Reihe: Tilda Apfelkern, der holunderblütenweißen Kirchenmaus, der Maus Molly, Rupert, dem Igel, Edna Eichhorn, deren Kinder Billy und Benny und dem Rotkehlchen Robin. Wenn man die etwas umfangreicheren Vorlesebücher von Tilda Apfelkern kennt, dann weiß man um die verschiedenen Persönlichkeiten der Figuren, mit denen sich junge Leser sehr gut identifizieren können. Tilda ist mir als Heldin besonders ans Herz gewachsen, denn sie will ihre Freunde am liebsten zu jeder Tageszeit um sich haben und lässt es sich nicht nehmen, sie mit leckerem Essen und in einem einladenden Zuhause zu beherbergen.

„Ich hatte noch keine Zeit, den übrigen Weihnachtsschmuck vom Dachboden zu holen.“ „Das könnten wir doch jetzt machen“, schlug Molly begeistert vor. „Au ja“, nickte Rupert. „Und zwar alle zusammen.“

Was dieses Buch besonders macht, ist die Tatsache, dass die 24 Seiten vollständig illustriert und mit so vielen Details ausgestattet sind, dass es als Wimmelbilderbuch bezeichnet werden kann. Es gibt zwar wenig Text, dafür aber zahlreiche aufklappbare Elemente hinter denen es eine Menge zu entdecken gibt. Jede Doppelseite des Buches zeigt ein gemütliches Zimmer in Tildas kleinem Häuschen und so viele liebevolle Kleinigkeiten, dass man in ihrem Anblick glatt versinken könnte. Ich liebe es, wenn man als Leser einen Einblick in das Zuhause der Figuren bekommt, denn jedes Mal habe ich das Gefühl, sie dadurch noch ein Stückchen besser kennenzulernen.

So plauderten sie eine ganze Weile weiter und schmiedeten noch mehr Pläne für die schönste Zeit des Jahres. Aber mit dem Schnee, der leise vom Himmel herabsegelte, senkte sich schließlich auch ein tiefer Schlaf über die Freunde und das kleine Mäusehaus am Fuße des Kirchturms.

Auch die kurze Geschichte über die Erlebnisse der Freunde in Tildas Zuhause ist wieder wunderbar herzerwärmend und strahlt so viel Gemütlichkeit aus, dass ich traurig war, als das Buch nach wenigen Seiten schon zu Ende war. Für die angestrebte Zielgruppe, nämlich Kindern ab drei Jahren, ist es natürlich völlig angemessen. Wenn man die Adventszeit noch intensiver mit seinen Kindern erleben möchte, ist dieses Buch ein echte Empfehlung von mir, denn eine entspannte und spannende Vorlesezeit ist mit den Kinderbüchern von Andreas H. Schmachtl allemal garantiert!

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Tomte und der Fuchs

Astrid Lindgren , Silke von Hacht , Eva Eriksson
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 23.10.2017
ISBN 9783789108549
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Hell ist es in der Nacht! Die Sterne scheinen, und der Schnee leuchtet weiß. Schleiche, Mikkel, schleiche leise, damit keiner dich sieht. (S. 9)

Tomte ist in Schweden die Bezeichnung für Wichtel, die gerade zur Weihnachtszeit eine wichtige Rolle im Haus einnehmen, ähnlich den deutschen Heinzelmännchen. Ich bin immer schon fasziniert von den Geschichten über die kleinen unsichtbaren Helferelin und da ich Astrid Lindgrens Bilderbuch-Klassiker Tomte Tummetott bisher noch nicht gelesen habe, wollte ich unbedingt endlich mit dieser Neuausgabe von Tomte und der Fuchs aus dem Oetinger Verlag in die Geschichten rund um den Wichtel Tomte einsteigen. Die neuen farbigen Illustrationen von Eva Eriksson lassen einen Weihnachtsklassiker im neuen Licht erstrahlen und verleihen der Geschichte eine  Tiefe, die ich so nicht erwartet hätte.

Der Fuchs huscht hinüber zum Kuhstall. Bestimmt gibt es hier etwas zu fressen für einen hungrigen Fuchs. (S. 14)

In der Erzählung von Tomte und der Fuchs geht es um das Grundbedürfnis eines jeden Lebewesens: das Fressen. Der Hunger lockt den Fuchs aus seinem Bau und in die gefährliche Nähe des Menschen. Doch es ist Weihnachtsabend und weil der Wichtel Tomte auf jedes Lebewesen achtet, kann er den Fuchs nicht in sein Verderben laufen lassen und die Hühner nicht ihrem sicheren Tod überlassen. In Astrid Lindgrens Weihnachtsgeschichte geht es also ums Teilen und um Achtsamkeit dem Nächsten gegenüber und darum, dass jedes Lebewesen gleich ist und niemand dem anderen grundlos als Futter dienen darf. Mich hat die Grundaussage der Geschichte sehr berührt und auch für Kinder ist sie einfach und verständlich.

Da knirschen die Schritte im Schnee. Die Hühner hören sie, und der Fuchs hört sie. Wer schleicht draußen umher? (S. 21)

Die Illustrationen zur Geschichte strahlen eine angenehme Ruhe und Unaufgeregtheit aus, die ich bei vielen Bilderbüchern oft vermisse. Natürlich liebe ich auch Detailreichtum und finde es klasse, wenn Kinder aufgefordert werden, auf Wimmelbildern etwas Bestimmtes zu finden. Trotzdem bin ich der Meinung, dass Kinder auch lernen sollten, einfachen Bildern ihre Aufmerksamkeit zu schenken und sie in ihrer Fantasie mit der gehörten Geschichte zu verbinden. Eva Erikssons Illustrationen fand ich aus diesem Grund wunderbar abwechslungsreich!

Fazit & Bewertung

Tomte und der Fuchs von Astrid Lindgren ist ein Bilderbuch, das eine besondere Atmosphäre vermittelt und gleichzeitig dem Leser leise eine Lehre mit auf den Weg geben möchte. Mir hat die Geschichte um den hungrigen Fuchs und dem Wichtel Tomte sehr gut gefallen und finde sie für die Weihnachtszeit einfach nur perfekt. Kinder ab 4 Jahren werden den Flüsterton der unaufgeregten Geschichte zu schätzen wissen und die sanften Zeichnungen lieben.

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