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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Mai - Der weiße Clown

Sven I. Hüsken
E-Buch Text: 110 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 02.05.2014
ISBN 9783426432761
Genre: Krimi und Thriller

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

provence, 2016, krimi, regionalkrimi, erster fall

Der Lavendel-Coup

Carine Bernard
Flexibler Einband: 222 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.12.2015
ISBN 9783426215302
Genre: Krimi und Thriller

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86 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 18 Rezensionen

mord, gefallene engel, nephilim, thriller, bibel

Nephilim

Åsa Schwarz , Sabine Thiele
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 07.02.2011
ISBN 9783426507667
Genre: Krimi und Thriller

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der Traumhändler

Augusto Cury , Mechthild Blumberg
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.06.2013
ISBN 9783548745923
Genre: Romane

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15 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

ch: niveau 2016

Fließsand oder Eine todsichere Anleitung zum Scheitern

Steve Toltz , Klaus Timmermann Ulrike Wasel
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei DVA, 24.10.2016
ISBN 9783421046819
Genre: Romane

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31 Bibliotheken, 20 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

jamie, yonderwood, the secrets of yonderwood, leserunde, cyberworld 4.0

CyberWorld 4.0: The Secrets Of Yonderwood

Nadine Erdmann
E-Buch Text: 369 Seiten
Erschienen bei Greenlight Press, 20.04.2017
ISBN 9783958342583
Genre: Jugendbuch

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29 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

vermont, kulinarisches, zutaten, liebe, usa

Die Zutaten zum Glück

Louise Miller , Katja Bendels
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.04.2017
ISBN 9783458362647
Genre: Romane

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melanie raabe, der hörverlag, krimi, schwestermord, die falle

Die Falle

Melanie Raabe , Birgit Minichmayr , Devid Striesow
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 11.04.2016
ISBN 9783844521276
Genre: Romane

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12 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

nürnberg, mütter, frauenrechte im wandel, 2. weltkrieg, paris

Von Notburga, Maria, Cäcilie, Malin und Pia

Sybille A. Schmadalla
Flexibler Einband: 488 Seiten
Erschienen bei epubli, 30.01.2017
ISBN 9783741888021
Genre: Historische Romane

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

hörbuch, die besonderen kinder, besonderenwelt, fantasy, ransom riggs

Die Bibliothek der besonderen Kinder

Ransom Riggs
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Audible GmbH, 02.11.2016
ISBN B01M3VFRJC
Genre: Sonstiges

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

bibliothek, bilderbuch, bücher, leben, suche

Bücher öffnen Welten

Colin Thompson
Fester Einband
Erschienen bei Lappan, 15.01.2008
ISBN 9783830361633
Genre: Sonstiges

Rezension:

DIE WELT HINTER DEN BÜCHERN...

Was für ein wunderschönes Buch! Ja, es geht um Bücher, um ein bestimmtes Buch, um die Welt hinter den Büchern. Bereits das Cover vermittelt einen guten Eindruck davon, was einen im Inneren erwartet: eine Entdeckerreise, ein Wimmelbuch, eine Liebeserklärung an die Welt der Bücher.

Die Rede ist von einer Bibliothek mit vielen tausend Räumen, wo alle Bücher stehen, die jemals geschrieben wurden. Allein die Vorstellung... Doch damit nicht genug - bei Nacht kommt Leben in die Regale. Lichter gehen an, Türen und Fenster öffnen sich auf den Buchrücken, und aus den Seiten ertönt Stimmengewirr. Die Bücher erwachen zum Leben und mit ihnen die Dinge und Personen, die ihnen innewohnen.

Peter wohnt mit seinen Eltern in einem Regal mit Büchern, deren Titel mit 'Q' beginnen. 'Quiz für Querdenker' und 'Quappen mit und ohne Kaul' stehen in seiner Nachbarschaft. Peter beschäftigt ein Geheimnis - er hat entdeckt, dass eines der Bücher in der Bibliothek spurlos verschwunden ist. Die verstaubte Karteikarte zum  Buch  hat er zufällig gefunden, doch in dem Regal gab es nur eine Lücke voller Staub. Der Titel: 'Für immer leben' reizt ihn jedoch so sehr, dass Peter sich auf eine jahrelange Suche danach begibt. Schließlich stößt er auf den einzigen Menschen, der das Buch je gelesen hat: das uralte Kind.

Ein tiefgründiges Bilderbuch hat Colin Thompson hier geschaffen, und jede einzelne Seite lädt zum Entdecken ein. Es bereitete mir eine nahezu kindliche Freude, wieder und wieder und wieder eines der liebevollen Details zu finden. Es lohnt sich so sehr, sich lange auf die einzelnen Bilder einzulassen - das jeweilge Bild verändert sich laufend, je mehr und tiefer man entdeckt. Alltagsgegenstände und Bücher sind so eng verwoben, und das Surreale in den Bildern wirkt um so mehr, je tiefer man sich hineinschaut. Eine überbordende Fantasie kommt hier in den Seiten zutage, und der Titel könnte nicht passender gewählt sein. Ein Buch zum oft-in-die-Hand-Nehmen, denn immer wieder entdeckt man hier Neues. So schön!

Neben der fantastischen Welt, die es hier zu entdecken gibt, gelingt es Colin Thompson auch, mit seinen Bildern Stimmungen zu erzeugen. Beim Betrachten der Seite mit dem uralten Kind beispielsweise kamen mir fast die Tränen, unglaublich. Dazu verpackt Thompson in dem begleitenden Text auch eine Botschaft, die den Leser auch über die Lektüre hinaus begleitet.

Für mich eine absolute Entdeckung, und entsprechend gebe ich für das Buch eine unbedingte Empfehlung - für alle, die Freude am Entdecken und an Fantasie haben, für Kinder, für Jugendliche, für Erwachsene, einfach für alle, die sich durch Bild und Schrift bezaubern lassen wollen. Auch als wundervolle Geschenkidee geeignet.


© Parden

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Tags: bilderbuch, bücher über bücher, buch über bücher, welt der bücher   (4)
 

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96 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

china, verbotene stadt, automatenbauer, uhrmacher, historisch

Cox

Christoph Ransmayr
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 27.10.2016
ISBN 9783100829511
Genre: Romane

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

lustig, lebensweisheiten, glück, witzig, ein unglück kommt selten allein

Glück kommt selten allein ...

Eckart von Hirschhausen , Eckart Hirschhausen , Eckart von Hirschhausen
Audio CD
Erschienen bei Der Hörverlag, 15.11.2011
ISBN 9783867178662
Genre: Sachbücher

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kurzgeschichten, unheimliches, schaurig

Das siamesische Klavier

Christiane Neudecker
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei btb, 12.03.2012
ISBN 9783442743315
Genre: Romane

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

tucholsky, nachdenklich, verspielt, inneres erleben, schweden

Schloß Gripsholm

Kurt Tucholsky
Audio CD
Erschienen bei Litraton
ISBN 9783894695866
Genre: Romane

Rezension:

EINE ZEITLOSE SOMMER-LIEBES-GESCHICHTE...

"Schloss Gripsholm" ist eine der hinreißendsten Sommergeschichten, die die deutsche Literatur zu bieten hat. Dieses innige, unnachahmlich elegante und amüsante Buch haben sich Liebende seit seinem Erscheinen 1931 immer wieder geschenkt, weil sie in ihm ihre eigene Verliebtheit mit all ihren Torheiten und Verzauberungen erkannten. In einer erstklassigen Lesung belebt Uwe Friedrichsen die Figuren mit seiner markanten Stimme. Und gelegentlich schnackt er auch ein bisschen "plattdütsch". So zeitlos wie die Romanvorlage ist auch diese Umsetzung als Hörbuch.

Die Erzählung beginnt mit einem Briefwechsel des Autors mit seinem Verleger Ernst Rowohlt, in dem dieser Tucholsky bittet, wieder einmal etwas Leichtes zu schreiben, am liebsten eine Liebesgeschichte. Der Autor ziert sich etwas, feilscht um ein höheres Honorar, willigt jedoch schließlich ein.


"Kein Wunder, dass Sie auf Samt saufen, während unsereiner auf harten Bänken dünnes Bier schluckt."



Schließlich fährt der Ich-Erzähler mit seiner Geliebten in den Urlaub -  Sommerwochen in Schweden. Kurt (alias Peter, alias 'Daddy') und Lydia (seine 'Prinzessin') quartieren sich auf Schloss Gripsholm ein und genießen die Tage - die Sonne, die Natur, den Müßiggang, die Zweisamkeit. In ihrer Sommerfrische erhalten sie nacheinander Besuch von Kurts altem Kameraden und Freund Karlchen sowie von Lydias bester Freundin Billie. Die Personen sind sich allesamt sehr zugetan, es knistert wechselseitig zwischen ihnen, und schließlich erleben sie in sehr aufgeräumter Stimmung mit Billie eine Nacht zu dritt - wohl eine biografische Episode, die zu Tucholskys Ruf als Erotomane nicht unwesentlich beitrug...


"Wir lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele."


Doch die Leichtigkeit und Unbeschwertheit der Episodenerzählung kontrastiert mit düsteren Szenen. Auf einem ihrer Spaziergänge begegnen die beiden Liebenden einer Schar Kinder, an deren Ende ein kleines trauriges Mädchen geht. Einige Tage später werden sie Zeuge, wie gerade dieses Mädchen aus der Tür eines Hauses stürmt - ein Kinderheim, wie sich herausstellt, und das Mädchen auf der Flucht vor der tyrannischen und sadistischen Heimleiterin. Peter und Lydia beschließen, dass man hier handeln müsse und setzen alle Hebel in Bewegung, um dem Mädchen zu helfen. Ein Hauch von Melancholie und Vergänglichkeit schleicht sich in die sonst so vergnüglich, frivol und verspielt daherkommende Sommergeschichte - beispielsweise auch dann, wenn der Ich-Erzähler in Gedanken an den Alltag in Deutschland verfällt.


"Die Welt hat eine abendländische Uniform mit amerikanischen Aufschlägen angezogen. Man kann sie nicht mehr besichtigen, die Welt. Man muss mit ihr leben. Oder gegen sie."


Überhaupt lässt Tucholsky den Leser sehr intensiv an den Gedankengängen und Gefühlen des Ich-Erzählers teilhaben. Die Erzählung dominiert weniger durch Aktionen denn durch inneres Erleben - und das erfordert ein sehr genaues Zuhören, damit hier keine Anspielungen und feine Nuancen verloren gehen. Tucholsky verwebt hier witzige und geistreiche Berliner Dialoge mit plattdeutschen Einsprengseln. Dabei zeigt er sein literarisches Können durch stilistisch ausgefeilte feine Formulierungen scharfer und punktgenauer Beobachtungen - ein gehobenes Stück Literatur.

Auch wenn die laufend wechselnde Namensgebung der beiden Hauptpersonen vor allem zu Beginn etwas verwirrend war, habe ich die ungekürzte Lesung (4h 48min) sehr genossen. Uwe Friedrichsen ist eine wundervolle Wahl für den Sprecher, denn das Stück wird durch seine durchdachten Betonungen lebendig, die Stimmungen - ob nun frivol und verspielt oder aber nachdenklich und melancholisch - werden hervorragend transportiert. Gerade aber auch die plattdeutschen Einschübe gelingen Friedrichsen mühelos, was das Geschehen noch authentischer wirken lässt.

Eines der wenigen Hörbücher, die ich sicher nicht nur einmal hören werde. Unbedingt empfehlenswert.


© Parden


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'Schloss Gripsholm' ist das wohl bekannteste Werk Tucholskys - und gleichzeitig das letzte von ihm veröffentlichte. Der Autor verfasste den Roman zu einer Zeit, als er unter den Verschleißerscheinungen seines unermüdlichen politischen Journalismus zu leiden begann. Die Offenheit, Weltklugheit und Großherzigkeit der Hauptfiguren wirken wie ein Gegenentwurf zum kleinkarierten und reaktionären Wesen, das Tucholsky immer wieder beklagte. Das Buch erschien erstmals im Jahr 1931. Am 23. August 1933 stand Tucholskys Name auf der ersten Ausbürgerungsliste der Nationalsozialisten, und sein Vermögen in Deutschland wurde beschlagnahmt. Es gab für ihn keine Publikationsmögichkeiten mehr. Im Dezember 1935 starb der gerade einmal 45jährige Kurt Tucholsky nach längerer Krankheit und in tiefer Resignation an einer Überdosis Schlaftabletten.

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Tags: frivol, inneres erleben, liebesgeschichte, melancholisch, nachdenklich, schloss gripsholm, sommergeschichte, tucholsky, urlaub, verspielt   (10)
 

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sonderpädagogen, recht, integration, behinderung, nrw

Die Inklusionsfalle

Michael Felten
Fester Einband
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 27.02.2017
ISBN 9783579086729
Genre: Sachbücher

Rezension:

ENDLICH EINMAL KRITISCHE TÖNE!

Eine weithin unterschätzte Entwicklung vollzieht sich gegenwärtig. Unter dem hehren Banner der Inklusion werden viele Schulen derzeit umgekrempelt. Immer öfter werden normal oder hoch begabte Kinder zusammen mit leicht oder auch schwer behinderten in einer Klasse unterrichtet, ohne dass die dafür nötigen Ressourcen und Kompetenzen vorhanden wären und ohne dass der Sinn dieser Maßnahme grundsätzlich erwiesen wäre.

Dieses Buch spricht die Probleme der derzeitigen Inklusionsentwicklung offen an: die Unterfinanzierung, die fehlenden Qualifikationen sowie die Irrtümer und Grenzen des Konzepts Gemeinsames Lernen. Es gibt einen Überblick über Praxiserfahrungen und Forschungsbefunde, die in der Inklusionsdebatte bisher in nicht genügender Weise wahrgenommen wurden. Und es skizziert die Maxime, nach der wir den schulischen Umgang mit Behinderung für alle Beteiligten gestalten sollten: 'So viel hochqualitative Integration wie sinnvoll und möglich - anspruchsvoller getrennter Unterricht überall da, wo nötig!'


"Selbst Befürworter der Inklusion merken anscheinend immer deutlicher, dass nicht nur auf ihrem Rücken, sondern auch durch ihr Mitwirken eine Art Menschenversuch stattfindet, der prinzipiell fragwürdig und darüber hinaus unzureichend ausgestattet ist." (S. 33)


Inklusion mit der Brechstange - das ist der Eindruck, den die Schulpolitik der letzten Jahre v.a. in NRW hinterlässt. Ob nun aus ideologischen Gründen oder aufgrund einer Sparstrumpf-Maxime: Förderschulen sollen flächendeckend geschlossen und alle Kinder möglichst nur noch in Regelschulen beschult werden  - ob die Bedingungen dafür nun gegeben sind oder nicht. Wer sich gegen die radikalen Inklusionsbestrebungen ausspricht, gerät rasch in die Ecke desjenigen, der sich auf Veränderungen nicht gut einlassen kann oder, schlimmer noch, mit der These vom 'unwerten Leben' zu sympathisieren.

Doch wodurch ist überhaupt die seit nunmehr etlichen Jahren zunehmende Inklusionsentwicklung angestoßen worden? Ursache ist die UN-Behindertenrechtskonvention von 2008, die sich mit den Themen Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung befasst. U.a. soll dadurch das Recht behinderter Menschen auf Bildung verbindlich gesichert werden. Allerdings ist es einem Missverständnis durch einen Übersetzungsfehler zu verdanken, dass das Bildungssystem in Deutschland - und allen voran in NRW - derart revolutioniert wurde.


"Die Verabsolutierung des Inklusionsprinzips durch den Bundestag wurde dadurch mögich, dass der englische Terminus 'general education system' fälschlicherweise mit dem deutschen Begriff der 'allgemeinen Schulen' (im Unterschied zu den Förderschulen) gleichgesetzt wurde. 'General education system' entspricht aber eindeutig dem, was wir als 'allgemeinbildendes Schulsystem' (im Unterschied zu berufsbildenden Schulen) verstehen, und zu diesem gehören nach deutschem Verständnis eindeutig auch die Förderschulen." (S. 64)


Michael Felten, der selbst seit 35 Jahren als Gymnasiallehrer arbeitet, geht auf dieses umstrittene Thema nicht polemisch ein, sondern lässt Fakten für sich sprechen. Langzeitbeobachtungen, einzelne Beispiele aus der Praxis, gesammelte Klagelisten von Lehrern bei den Personalräten, Stimmen aus Fachgruppen und Verbänden, kritische Stimmen in bundesdeutschen Leitmedien, veränderte und unzureichende Ausbildungsinhalte sowohl bei Lehrern als auch bei Sonderpädagogen - eine beeindruckende Sammlung negativer Aspekte der radikalen Inklusion präsentiert der Autor hier und zeigt damit auf, wie bedrohlich die Lage in der Bildungspolitik bereits ist.

Jeder, der Kinder hat, kann nachvollziehen, was in Eltern vorgeht, deren Kind in ihrer Entwicklung beeinträchtigt oder gefährdt ist. Zufriedenheit, ein selbständiges und auskömmliches Leben mit einem vernünftigen Beruf - das wünschen sich Eltern doch für ihr Kind. Die Möglichkeit der Inklusion beinhaltet für Eltern auch ein Versprechen und damit eine ungeheure Verlockung. Der Makel des 'Nichtnormalen' veschwindet, der beruflichen und sozialen Zukunft des Kindes scheint nichts mehr im Wege zu stehen, die Stigmatisierung durch den Besuch einer Förderschule bleibt aus. Doch die Praxis an den Schulen holt Eltern wie Schüler rasch ein.


"Verhaltensauffällige Schüler (ES) verteilt man möglichst flächendeckend, um die Problemquote an den Regelschulen möglichst gering zu halten. Im Gegenzug erhält der einzelne Problemschüler aber jetzt kaum sonderpädagogische Betreuung, denn Doppelbesetzung gibt es nur wenige Stunden pro Woche, die Regellehrer sind entsprechend chronisch überfordert." (S. 70)


Der Blick über den Tellerrand - also in die Inklusionspolitik anderer Länder - zeigt auf, dass überall dort, wo die Ressourcen, die finanziellen, fachlichen und räumlichen Bedingungen nicht gegeben sind, Inklusion nur auf dem Papier existiert und mit 'Behindertenfreundlichkeit' wenig zu tun hat. Dort, wo die Bedingungen besser sind, läuft die Inklusion jedoch auch nicht immer reibungslos - so gibt es seit der PISA-Studie beispielsweise in nordischen Ländern eine zunehmende Leistungsorientierung und Privatisierung im Schulischen, d.h. leistungsorientierte Kinder finanzstarker Eltern besuchen immer häufiger auch Privatschulen (ohne Inklusion).

Dabei spricht sich Felten durchaus grundsätzlich für alle Bemühungen aus, die behinderten Kindern bessere Entwicklungs- und Bildungschancen verschaffen wollen. Die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung muss jedoch ALLEN Kindern zugute kommen - weder für Förderkinder noch für Regelkinder düfen inklusionsbezogene Entscheidungen zu unangemessenen Belastungen führen. Das Wohl des Kindes muss im Vordergrund stehen - und besondere Maßnahmen, die zur Beschleunigung oder Herbeiführung der tatsächlichen Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen erforderlich sind, gelten nicht als Diskriminierung. Förderschulen können dabei zu den 'besonderen Maßnahmen' gezählt werden.


"Zum Wohl des Kindes bedarf es weiterhin unterschiedlicher Settings." (S. 86)


Michael Felten spricht sich letztlich dafür aus, das Schulsystem nicht zu revolutionieren, sondern zu optimieren. Dazu gehören für ihn u.a. (verkürzt dargestellt):

eine erhöhte Durchlässigkeit zwischen allen Schulformen eine kontinuierliche Weiterbildung der Regellehrer eine flächendeckende und hochqualitative Sicherung der Möglichkeiten zu Gemeinsamem Unterricht in allen Schulformen die Sicherung eines breiten Angebots an hochspezialisierten Sonderpädagogen
Eine übertriebene und unterfinanzierte Inklusion führt nicht nur zu Bildungschaos für alle Schüler, sondern auch zu einer massiven Überlastung der Lehrer, zu ständigem und unnötigem Frust und zu erhöhten Erkrankungsraten. Felten schließt sich hinsichtlich einer sinnvollen Ausgestaltung der Inklusion in deutschen Klassen dem Forderungskatalog des Verbandes lehrerNRW vom 24.2.2016 an. Und er plädiert dringend für den Erhalt der Förderschulen, damit das Wahlrecht der Eltern nicht beschnitten wird und v.a. damit für jedes Kind der tatsächlich geeignete Förderort gefunden werden kann - gemäß der Maxime: 'So viel hochqualitative Integration wie mögich, sinnvoll unterstützende Separation überall da wo nötig!'.

Endlich einmal kritische Töne zum Thema Inklusion - in der Argumentation differenziert und ausgewogen, bezieht Felten eindeutig Position. Er zeigt jedoch nicht nur Hintergründe und Fehlentwicklungen auf, sondern bietet auch Ausblicke und Möglichkeiten von Eltern, Lehrern und Bürgern, den Schülern von heute und morgen zu ihrem Recht zu verhelfen und damit das Wohl der Kinder wieder in den Mittelpunkt zu rücken.

Ein wichtiges Buch!

© Parden

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Tags: behinderung, förderschule, inklusion, integration, kritik, nrw, recht, regelschule, separation, sonderpädagogen   (10)
 

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SUPERBUHEI

Sven Amtsberg
Fester Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Frankfurter Verlagsanstalt, 07.03.2017
ISBN 9783627002343
Genre: Romane

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hörbuch, schlangenkopf, menschenschmuggel, new york, chinesische dissidenten

Das Gesicht des Drachen

Jeffery Deaver
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, Deutschland, 27.03.2012
ISBN B0083JF3MU
Genre: Sonstiges

Rezension:

CHINATOWN...

Lincoln Rhyme, der geniale gelähmte Ermittler, und seine couragierte Assistentin Amelia Sachs erwarten in New York mit einem Team von FBI-Beamten die Ankunft des chinesischen Schmugglerschiffs "Fuzhou Dragon". An Bord befindet sich Kwan Ang, auch "der Geist" genannt - ein gefährlicher Kapitalverbrecher, ein Schlangenkopf, der chinesische Dissidenten und deren Familien nach New York einschleusen will. Doch die sorgsam geplante Verhaftung des Geists misslingt: Mitten im Hafen explodiert das Schiff. Der Geist jedoch entkommt und bleibt unauffindbar. Nun beginnt eine fieberhafte Jagd - eine Jagd nach dem Geist, aber auch nach den überlebenden Chinesen, die sich von Bord retten konnten. Denn der Geist versucht, jegliche Zeugen auszuschalten - ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, und die Spur führt quer durch New Yorks Chinatown...

Nachdem mich Band 1-3 so begeistern konnten, war ich schon sehr gespannt auf den vierten Teil der Reihe um Lincoln Rhyme und Amelia Sachs, doch so viel sei schon einmal vorweg gesagt: dieser Teil kann das hohe Niveau seiner Vorgänger nicht halten. Zwar ist auch dieser Thriller wieder intelligent und komplex konstruiert, doch insgesamt gibt es hier deutlich weniger überraschende Wendungen, und zudem verliert sich die Erzählung teilweise in verzweigten Details, was deutlich auf Kosten der Spannung geht.

Dabei hat Jeffery Deaver zum Thema 'Menschenschmuggel chinesischer Staatsbürger' hervorragend recherchiert. Sehr ausführlich schildert er die politischen Bedingungen in China, die Gründe zur Flucht der Dissidenten, deren Ausbeutung durch die Schlangenköpfe, das Wenige, was den Flüchtlingen nach der geglückten Ankunft im gelobten Land zum Leben bleibt - und bietet einen Einblick in chinesische Denkweisen und Medizin. Durchaus interessant, aber zuweilen eben zu detailverliebt und dadurch langatmig.

Das akribische Aufspüren und Auswerten der Spuren an den Tatorten ist selbstredend wieder Bestandteil des Thrillers, so dass Lincoln Rhyme sein Genie wieder zur Geltung bringen kann. Insgesamt jedoch bleiben die Hauptcharaktere diesmal erstaunlich blass. Die Bissigkeit Lincoln Rhymes bleibt weitestgehend auf der Strecke, und Amelia Sachs erscheint längst nicht so tough wie in den vorherigen Bänden, sondern oft nachdenklich, verletztlich und weniger selbstbewusst - was allerdings auch einen Grund hat, der hier nicht verraten werden soll. Unterhaltsam jedoch ist das Aufeinandertreffen amerikanischer und chinesischer Ermittlungstaktiken, denn unerwartet erhalten Rhyme & Co. Unterstützung durch einen chinesischen Ermittler - und selbst Rhyme muss letztlich erkennen, dass es mehr als einen richtigen Weg gibt, um ans Ziel zu gelangen...

Dietmar Wunder liest die ungekürzte Hörbuchfassung (14 h 27 min) souverän und angenehm betont.

Für Fans der Reihe sicherlich empfehlenswert, ansonten bieten sich als Einstieg sicher eher andere Folgen der Reihe an. Bleibt zu hoffen, dass Band 5 mich wieder mehr überzeugen kann...


© Parden



Bereits gelesen:

1. Der Knochenjäger
2. Letzter Tanz
3. Der Insektensammler
4. Das Gesicht des Drachen

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Tags: amelia sachs, chinatown, chinesische dissidenten, hörbuch, lincoln rhyme, menschenschmuggel, new york, schlangenkopf, thriller   (9)
 

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

hörbuch, marina heib, drei meter unter null, thriller, anna thalbach

Drei Meter unter Null

Marina Heib , Anna Thalbach
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Erschienen bei Random House Audio, 06.03.2017
ISBN 9783837137736
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

ICH WERDE MÖRDERIN...

Was macht eine Frau zur Mörderin? Dies bleibt in diesem Thriller lange im Unklaren, doch deutlich wird rasch, dass die Ich-Erzählerin dabei planvoll, gnadenlos und ohne zu zögern vorgeht. Dabei führte sie bis zu einem Donnerstag des vorletzten Jahres ein ganz normales Leben - so normal jedenfalls, wie ihr das möglich war.


"Ich bin jetzt 34 Jahre alt. Sehr lange habe ich dem Wunsch meiner Mutter entsprechend versucht, etwas 'Normales' zu sein. Und vorgegeben, es zu sein. Es ist mir einigermaßen gut gelungen. Ich bin groß, schlank, hübsch, gebildet und erfolgreich (...) Man akzeptiert mich als selbstbewusste, unabhängige junge Frau."


Doch an dem besagten Donnerstag vor zwei Jahren geschah etwas, das die bisherige Welt der Frau, deren Namen hier keine Rolle spielt, zum Einsturz brachte. Dies war der Punkt, an dem sie beschloss: 'Ich werde Mörderin'.

Dabei war die junge Frau immer schon etwas Besonderes, wie die Rückblenden in ihre Kindheit und Jugend beweisen. Als Kind beschloss sie, Pippi Langstrumpf zu werden und verstand nicht, weshalb die anderen Kinder der Klasse sie deswegen auslachten. Überhaupt hatte sie immer schon ein Faible für Bücher und stürzte sich nur zu gerne in die fremden Abenteuer. Ihr Vater war es, der ihr die Welt der Bücher nahebrachte, und dafür liebte sie ihn ganz besonders. Doch nicht nur diese Bücherliebe unterschied sie von den meisten ihrer Altersgenossen - sie bekam auch Aussetzer, immer wieder, bei denen sie andere Kinder schubste oder verprügelte, manchmal auch ohne wirklichen Anlass. Was war nur mit ihr los? Und weshalb wurde sie so häufig von Albträumen gequält?


"Heute prügele und schubse ich nicht mehr. Ich töte. Aber ich töte weder Menschenschafe noch Opferlämmer - ich töte Wölfe. Wölfe, die Lämmer zur Schlachtbank führen."


Dieser Thriller ist anders als gewohnt - Ermittlungen im herkömmlichen Sinne fehlen hier vollkommen, es geht einzig und allein um die Person der Mörderin und die viele Fragezeichen, mit denen die Autorin den Hörer anfangs sitzen lässt. Erst etwa in der Mitte des Thrillers gibt es eine unerwartete Wendung, die das bereits Gelesene in einem anderen Licht erscheinen und die Puzzleteile an ihrem Platz einrasten lassen - und ab da nehmen Tempo und Spannung auch spürbar zu. Gegenwart und Vergangenheit werden hier gekonnt miteinander verwoben, der Schreibstil ist gehoben, wobei die Kindheits-Szenen recht detailliert geschildert werden, die Gegenwart mit der emotionslosen Beschreibung der Observierung und Tötung der Opfer dagegen oft kurz und abgehackt gerät.

Die Person der Mörderin bleibt unnahbar, doch habe ich dies nicht als störend empfunden. Während die junge Frau anfangs als das personifizierte Böse erscheint, wächst im Laufe der Erzählung das Verständnis für ihr Handeln, ohne dass die Person selbst an Sympathie gewinnt.

Der Titel 'Drei Meter unter Null' findet im Verlaufe der Erzählung eine glaubwürdige und ungeahnte Erklärung, und das Ende kann noch einmal gewaltig überraschen. Dieser Thriller lebt von dem psychologischen Aspekt der Handlung, von den überraschenden Hintergründen der Tat - weniger jedoch von der Spannung an sich. Doch wenn man sich darauf einlässt, erwartet einen ein ganz besonderer Hörgenuss.

Anna Thalbach liest das ungekürzte Hörbuch (6 h, 27 min.) auf ihre ganz eigene, raue, eindringliche Art, was für mich zu der Form dieser Erzählung hervorragend passt.

Insgesamt ein ungewöhnicher Thriller, der trotz der vermeintlichen Nüchternheit der Erzählung unter die Haut geht.


© Parden 

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Tags: anna thalbach, hörbuch, mörderin, rache, thriller   (5)
 

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52 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

grammatik, liebe, pferde, jockey, deutsche sprache

Die Grammatik der Rennpferde

Angelika Jodl
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 27.05.2016
ISBN 9783423261050
Genre: Romane

Rezension:

DAS LEBEN IST EIN ZEBRA...

Grammatik und Rennpferde? Himmel, es gibt schon seltsame Titel. Und manchmal machen sie so neugierig, dass man doch einen zweiten Blick riskiert. Wie um alles in der Welt sollen diese zwei Dinge zusammen passen? Nun, Angelika Jodl lässt einfach beides auf unterhaltsame Art aufeinander treffen.

Grammatik ist das Steckenpferd von Salli Sturm - und mehr als das. Damit verdient sie ihren Lebensunterhalt. An einem Sprachinstitut bringt sie ausländischen Studenten die deutsche Sprache bei. Doch die Sicherheit, die ihr die Regeln der Grammatik sonst auch bescheren, kann über die wachsenden Sorgen der Zweiundfünfzigjährigen nicht hinwegtäuschen. Am Institut regiert seit einiger Zeit ein neuer Direktor - und mit ihm die wachsende Angst vor Entlassungen. Um bösen Überraschungen vorzubeugen, bricht Salli aus ihrer Routine aus und beschließt, sich auf eine private Zeitungsanzeige hin zu melden: "Brauche ich Lehrer für Deutsch. Bitte anrufen mir." Darunter eine Mobilfunknummer.

Sergey Dyck ist der Inserent besagter Kleinanzeige. Der Exil-Russe lebt schon seit einigen Jahren in Deutschland, hat aber nie die Gelegenheit erhalten, die deutsche Sprache korrekt zu erlernen. Als ehemaliger russischer Jockey mistet Sergey jetzt Ställe aus, doch hat er nun einiges vor, wofür es sich lohnt, besser Deutsch zu lernen. So rechnet er sich beispielsweise aus, bessere Chancen zu haben, ein Rennpferd zu kaufen, wenn ihn der Besitzer nicht für einen armseligen Trottel hält. Als Salli auf Sergey trifft, stoßen beide rasch an ihre Grenzen - hier prallen zwei Leben aufeinander, die verschiedener nicht sein könnten...


"Als ich war Kind, ich hatte schöne leben. Später war schwieriger, weil ich muss Geld verdint für ganze familie. Auf Rennbahn ist wider besser worden. Aber jezt in Deutschland ist alles problem. So man kann sagen: mein leben ist gestreift." (...) Sie unterkringelt das letzte Wort und schreibt darüber wechselhaft. "Sonst denkt man an ein Zebra", erklärt sie. - "Sagtma so in Russland", protestiert er: "Leben is Zebra." - "Wirklich?" Sie muss lächeln. "Na schön, dann aber: Das Leben ist ein Zebra." - Artikel einsetzen, mein Gott, das muss er auch endlich lernen, denkt sie. (S. 181)


Grammatik - das klingt nach einer verflixt trockenen Materie. Und tatsächlich gab es einige Stellen im Buch, bei denen ich die Faszination Sallis für das Sujet nicht wirklich nachvollziehen konnte. Glücklicherweise waren dies meist nur kurze Einschübe in die eigentliche Handlung, so dass ich hier zügig darüber hinweglesen konnte. Auch die Thematik der Rennpferde gehört keineswegs zu meinen Hobbys, doch dominierten diese fachspezifischen Passagen noch weniger das Geschehen des Romans. Grammatik sowie Rennpferde stehen hier einfach für die Lebenswelten der beiden Hauptcharaktere.

Salli ist eine erfahrene Lehrerin für Deutsch und liebt es, sich kreative Methoden auszudenken, um ihren ausländischen Studenten die deutsche Sprache und deren Grammatik näher zu bringen. Sie geht ganz in ihrem Beruf auf, korrigiert zu Hause die Arbeiten ihrer Studenten, trifft sich gelegentlich mit einigen Kollegen, und ihr einziges Laster besteht darin, sich gelegentlich heimlich kitschige Filme anzuschauen, wenn Lebenssehnsüchte zu groß zu werden drohen. Salli lebt allein in ihrer Münchner Wohnung, die zwei Lieben in ihrem Leben sind Vergangenheit, Kinder gibt es keine. Sie führt ein korrektes Leben in geordneten Bahnen und ohne große Überraschungen.

Sergey dagegen ist ein verschlossener Charakter, der nur redet, wenn es unbedingt sein muss. Langwierigen Erläuterungen kann er nichts abgewinnen, und er findet russische Sprichwörter meist als ausreichend, um eine Sachlage zu erklären. Dafür arbeietet er hart, zum einen um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, zum anderen aber auch, um seine Träume zu verwirklichen, für die er viel Geld benötigt. Als er Salli auf seine unnachahmliche Art bittet, ihn beim Kauf eines Rennpferdes zu unterstützen und auch beim Anmieten eines Hofes behilflich zu sein, rutscht die Sprachlehrerin unversehens tiefer in Sergeys Angelegenheiten hinein als geplant.

Die beiden Charaktere wirken anfangs spröde und recht unnahbar. Jedoch wird rasch klar, dass Salli durchaus ihre Sehnsüchte hat und eine scharfe Beobachterin ist. Sie analysiert das Geschehen und die Menschen um sich herum und versucht, die Regeln der Grammatik irgendwie auch auf ihr Leben zu übertragen, damit alles planbar und vorhersehbar bleibt. Doch als der wortkarge Sergey in ihr Leben platzt, verliert die Grammatik zunehmend an Bedeutung. Hinter seinem zugeknöpften Wesen ahnt Salli eine sensible Seele. Auch wenn er nicht darüber redet, gibt es Wunden in Sergeys Leben, die bis heute nachwirken. Der Exil-Russe ist zielstrebig und optimistisch, auch wenn dazu nach Sallis Meinung oft gar kein Anlass besteht. Und auch wenn die beiden anfangs umeinander kreisen wie zwei Wesen von zwei verschiedenen Sternen, können sie bald nicht mehr leugnen, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen. Doch kann das eine Zukunft haben?

Eine leise Geschichte hat Angelika Jodl da geschrieben, eine Erzählung rund um ungewöhnliche Themen, die jedoch wohl das Leben der Autorin selbst berühren: sie unterrichtet Studenten aus aller Welt in Deutsch und reitet ein ausgemustertes Rennpferd. In jedem Fall bringt Angelika Jodl hier ihre exzellente Beobachtungsgabe zum Ausdruck, denn die sprachlichen Besonderheiten der ausländischen Studenten sind exakt herausgearbeitet und rufen beim Lesen immer wieder Schmunzeln hervor. Auch wenn mich manche grammatiklastige Passagen etwas ermüdeten, gab es ebenso Schilderungen, die mich durch ihre Bildhaftigkeit und Ausdrucksstärke begeistern konnten.


"...und fährt nun durch ein unbekanntes Land, schräg schraffiert vom Regen, mit Wiesen, die vor Feuchtigkeit zu schmatzen scheinen, und einer durch den Regen geahnten Linie zartblauer Berge am Horizont." (S. 39)



Ein ungewöhnlicher Roman mit leisen Tönen und Charakteren, die sich erst im Laufe der Erzählung nahbarer zeigen - für mich hat es sich in jedem Fall gelohnt, diesem Buch eine Chance zu geben.


© Parden

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holocaust, auschwitz, konzentrationslager, polen, 2. weltkrieg

Der letzte Überlebende

Sam Pivnik , Ulrike Strerath-Bolz
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Theiss, Konrad, 01.03.2017
ISBN 9783806234787
Genre: Biografien

Rezension:

DAS GRAUEN BEKOMMT EIN GESICHT...

Als mein Sohn 13 Jahre alt war, ging er in die 7. Klasse des Gymnasiums, traf sich mit seinen Freunden, spielte Fußball und Gitarre und erkundete allmählich die Welt der Computer. Mädchen waren noch recht uninteressant für ihn, und von Politik wusste er gerade einmal, wie das Wort geschrieben wird.

Sam Pivnik hatte auch eine ganz normale Kindheit, doch als er 13 Jahre alt wurde, bekam er die Folgen der Politik zu spüren. Die Wehrmacht marschierte in Polen ein, und das kleine oberschlesische Städtchen, in dem Sam mit seiner Familie wohnte, begann mit den Repressalien gegen die Juden. Zunächst schien der Alltag trotz allem weiterzugehen, doch schießlich wurden die Pivniks gemeinsam mit den anderen Juden in ein Ghetto gepfercht. Doch dabei blieb es nicht. Auschwitz, Mengele, Todesmarsch - nichts blieb dem Jungen erspart. Doch er lebte. Und überlebte. 14 Mal entging er dem sicheren Tod. Und entschloss sich mit seinen nunmehr 90 Jahren, das lange Schweigen über den Holocaust zu brechen.


"Manchmal werde ich gefragt: 'Warum haben Sie so lange gebraucht, um Ihre Geschichte zu erzählen, Sam?' Das ist eine einfache Frage mit einer komplizierten Antwort."



Chronologisch erzählt Sam Pivnik hier die Geschichte seines Lebens, angefangen bei seiner armen, aber glücklichen Kindheit im Kreise seiner kinderreichen Familie. Erstaunlich, an wie viele Details sich der alte Mann noch erinnern kann - aber letztlich sind Erinnerungen das einzige, was ihm aus seinem früheren Leben geblieben ist. Mit Beginn der Repressalien wird der Schreibstil zunehmend distanzierter, so dass es zeitweise kaum noch wie eine persönliche Erzählung wirkt - aber wer will es Sam Pivnik verdenken? Es reicht, das Geschehen einmal erlebt zu haben und in seinen Albträumen notgedrungen wiederkehren zu lassen, in seinen Schilderungen ist es daher mehr als legitim, die Gefühle, die Verzweiflung, die Todesangst weitestgehend außen vor zu lassen.


"Was war das hier für ein Ort, an dem Männer mit dem Knüppel bewusstlos geschlagen wurden, nur weil sie eine höfliche Frage gestellt hatten? An dem Verrückte im Schlafanzug einem heimlich zuflüsterten, man solle ein falsches Alter angeben?" (S. 85)


Trotz der distanzierten Schreibweise schildert Sam Pivnik schonungslos die Geschehnisse, und wenn ich mein Kopfkino nicht im Griff hatte, konnte es passieren, dass mir beim Lesen schlecht wurde. Deshalb war es mir auch nicht möglich, das Buch hintereinander weg zu lesen, so dass ich die Zäsur am Ende eines der 15 Kapitel jeweils für eine Pause nutzte.

Eingebettet ist die persönliche Erzähung Sam Pivniks in die größeren politischen Ereignisse, die zu der jeweils geschilderten Zeit auftraten. So fällt es dem Leser leichter, das Schicksal des Autors in einen größeren Ereigniszusammenhang einzubetten. Zunächst fand ich das etwas irritierend, weil die Lektüre an diesen Stellen fast schon den Charakter eines Geschichtsbuchs erhielt, schließlich aber gefiel mir diese Vorgehensweise zunehmend gut.


"Wir gingen alle durch dieselbe Hölle, und man hätte denken können, dass uns das verband, uns eine Art Wagenburgmentalität, ein Gefühl von 'wir und die' gab, aber so war das nicht. Die Angst spaltete uns, jeder kämpfte für sich allein." (S. 115)


Sams Erzählung beschränkt sich nicht allein auf den Holocaust, auf die perfiden Foltermethoden der Nazis, die Willkür, die Unberechenbarkeit, die Entmenschlichung. Er berichtet auch von dem 'danach', denn obgleich der Albtraum ein Ende hatte, blieben die Narben, das Trauma, der Verlust. Die Orte von früher hatten ihre Seele verloren, und Sam hatte keine Idee, was er überhaupt tun, wohin er sich wenden sollte. Ohne Heimat, ohne Ziel war es für Sam schwer, überhaupt wieder Fuß zu fassen.

Und dann die Sache mit der Gerechtigkeit. Im Nachkriegseuropa wollten weder die Verlierer noch die Gewinner etwas von diesen Erfahrungen wissen. Vieles wurde unter den Teppich gekehrt oder geleugnet, ein großes Interesse an der Aufklärung der Gräueltaten gab es nicht. Holocaustopfer mussten einfach weiterleben, wo und wie auch immer. Doch obwohl Sam Pivnik hier eher einen deprimierenden Abgesang präsentiert, verblüfft er zwischendurch mit dem Versuch eines Verständnisses.


"... dass​ viele SS-Leute tranken, vor allem an den Nachmittagen und Abenden. Kein Wunder. Nach allem, was ich erlebt habe, empfinde ich kein Mitleid mit ihnen, aber heute ist mir klar, dass sie in demselben Albtraum gefangen waren wie ich." (S. 153)


Alles in allem ist dies ein beeindruckendes Zeugnis eines der letzten lebenden Zeitzeugen des Holocaust - und es ist trotz der eher distanzierten Schreibweise erschreckend und berührend. Allemal lesenswert!


© Parden

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muse, teufe, faust, kurzthriller, kalender-thriller

April - Der Preis der Muse

Ralph B. Mertin
E-Buch Text
Erschienen bei Knaur eBook, 01.04.2014
ISBN 9783426432754
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

IN DER NACHT ZUM 1. APRIL...

Burn-Out. Mit dieser Diagnose hat sich Christin in eine psychiatrische Klinik begeben und hofft nun, dort aus ihrem immergleichen Kreislauf aus Lebens-Unzufriedenheiten herauszukommen. Der Schreibtischjob als Versicherungskauffrau erfüllt die Dreißigjährige nicht, der Ehe mit ihrem Mann Patrik fehlt irgendwie der Pepp - und Kinder fehlen ebenso. In der Klinik spürt Christin alten Träumen nach. Kinder, ja, die will sie, unbedingt. Aber abgesehen davon will sie endlich auch wieder anfangen zu schreiben - am liebsten einen Roman.

In der Nacht zum 1. April erscheint in Christins Zimmer unerwartet eine schöne Frau und stellt sich ihr als 'Muse' vor. Sie beflügele die Fantasie und könne Christin helfen, die perfekte Geschichte zu schreiben. Allerdings habe dieses Angebot auch einen Preis - u.a. würde Chrstin am Ende ihren Ehemann töten. Die Dreißigjährige ist davon überzeugt, dass sie dazu nie fähig wäre und glaubt so fest daran, dass sie sich auf diesen Pakt einlässt. Und so beginnt sie zu schreiben...

Wirr. Das ist der Eindruck, der sich bei mir beim Lesen festsetzte. Zum einen liegt dies sicher an der Wechselwirkung der Handlungsstränge: Christin schreibt etwas und dies geschieht letztlich auch in der Realität - oder umgekehrt? Zum anderen springt die Handlung z.T. sehr und erscheint mir auch nicht immer logisch. Die geraffte Handlung (93 Seiten) nimmt der Geschichte in meinen Augen ihr eigentliches Potential. Dazu wählt Ralph B. Mertin teilweise Umschreibungen, die mich stocken ließen, da mir nicht klar war, welches Bild sie hervorrufen sollten - bei 'Christin schleuderte ihren Oberkörper kreischend aus dem Bett' hatte ich beispielsweise Splatter-Szenen vor Augen, was wohl so nicht gewollt war... ;)

Letztlich fand ich die Geschichte trotz der eigentlich guten Idee nicht wirklich überzeugend und nur mäßig spannend. Das Format der Kurzgeschichte bedingt zudem noch, dass die Charaktere sehr flach bleiben, so dass mich ihr Schicksal so auch nur mäßig berührte. Die letzten paar Seiten waren noch die interessantesten, doch reichte dies nicht mehr aus, um die genannten Kritikpunkte zu überlagern.

Insgesamt ist diese April-Geschichte des Kalender-Thrillers jedenfalls nicht der stärkste Beitrag der Reihe...


© Parden 

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Tags: kalender-thriller, kurzthriller, muse   (3)
 

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thriller, serienmörder, london, ragdoll, daniel cole

Ragdoll - Dein letzter Tag

Daniel Cole , Conny Lösch
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 27.03.2017
ISBN 9783548289199
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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vorlesen, bücher, paris, liebe, vorleser

Die Sehnsucht des Vorlesers

Jean-Paul Didierlaurent
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.09.2015
ISBN 9783423260787
Genre: Romane

Rezension:

KLEINE HELDEN DES GRAUEN ALLTAGS - EIN MODERNES MÄRCHEN...

Diese Geschichte spielt in Paris - wenn auch nicht mittendrin. Ob vor zehn Monaten, heute oder in zweieinhalb Jahren, ist auch nicht entscheidend. Viel wichtiger ist: Guylain Vignolles liebt Bücher. Unseligerweise muss er sich seinen Lebensunterhalt jedoch in einer Papierverwertungsfabrik verdienen. Aus diesem Grund hat er wohl auch diese Macke entwickelt, die ihn Tag für Tag aus der grauen Masse der Pendler herausstechen lässt: Jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit liest er im 6-Uhr-27-Regionalzug laut ein paar Seiten vor, die er tags zuvor der gewaltigen Schreddermaschine entrissen hat - sein heimlicher Akt der Rebellion gegen die Vernichtung von Literatur. Sonst ist der schüchterne Maschinenführer gefangen in einem monotonen Leben. Eines Tages aber geschieht etwas, das die Dinge von Grund auf verändern wird: Direkt vor seinem orangeroten Klappsitz im Zug findet Guylain einen USB-Stick, auf dem das Tagebuch einer ganz besonderen jungen Frau namens Julie abgespeichert ist...


"Für die Passagiere im Waggon war Guylain der komische Kauz, der jeden Morgen ein paar Buchseiten aus seiner Aktentasche zog, um sie mit lauter, klarer Stimme vorzulesen. Es waren nicht die Seiten eines bestimmten Buches. Nein, die Texte hatten rein gar nichts miteinander zu tun (...) Guylain war das egal. Für ihn war der Inhalt bedeutungslos. Was zählte, war der Akt des Vorlesens. Er schenkte jedem einzelnen Blatt seine ungeteilte Aufmerksamkeit, damit das Vorlesen seine magische Wirkung entfalten konnte: Jedes Wort, das ihm über die Lippen kam, befreite ihn ein bisschen von dem Ekel, der ihn beim Gedanken an seine Arbeit überkam." (S. 14)



Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des 36jährigen Guylain, der einen Beruf ausübt, der ihn unglücklich macht. Er, der Bücher liebt, trägt täglich dazu bei, dass die Bestie - die große Schreddermaschine in der Firma - tonnenweise Bücher verschlingt und zu Papierbrei zermalmt, aus dem dann neue Bücher entstehen.  Guylains Ekel vor dieser Tätigkeit ist so greifbar, dass es  einem  selbst beim Lesen vorkommt, als ob die Bestie ein von Grausamkeit geprägtes Eigenleben führt, und die einzige Möglichkeit der Rebellion besteht für Guylain darin, der Maschine einzelne Buchseiten wieder zu entreißen.


"Gespannt schaltete Guylain seine Stirnlampe an. Tief im noch warmen Bauch der Bestie würde er gleich auf seine Diebesbeute stoßen. Sie erwartete ihn immer an derselben Stelle, der einzigen, die der Wasserstrahl aus den Düsen nicht erreichte: Ein paar Buchseiten (...) entgingen so ihrem Schicksal. Giuseppe hatte sie immer 'meine Findelkinder' genannt. 'Das sind die einzigen Überlebenden des Massakers, mein Junge', hatte er Guylain mit bewegter Stimme erklärt, als er ihm vor Jahren die Stelle gezeigt hatte." (S. 47)


Guylain fristet sein ereignisloses Dasein aus Arbeit, einsamen Abenden mit seinem Goldfisch namens Rouget de Lisle und gelegentlichen Treffen mit seinem väterlichen Freund Giuseppe. Er verlangt nicht viel vom Leben, doch eines Tages erhält das gewohnheitsmäßige Alltagsgrau einen kleinen Riss. Guylain findet in der Bahn einen USB-Stick, auf dem ihn die Begegnung mit einem ganz anderen Leben erwartet. Das Tagebuch einer Frau namens Julie gewährt Guylain Einblicke in ein fremdes Leben, und er fühlt sich bald schon hingezogen zu der Fremden, deren Welt auch nicht wesentlich ereignisreicher ist als das seine. Julie arbeitet als Toilettenfrau in einem Einkaufszentrum, doch sie schreibt über ihre Begegnungen und Beobachtungen dort, und Guylain ist fasziniert von ihren Gedanken.


"Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht schreibe - denn das wäre so, als hätte ich an dem Tag nicht wirklich gelebt und mich stattdesen nur auf die Rolle beschränkt, die die Leute mir übergestülpt haben: die Rolle eines bemitleidenswerten Geschöpfs, dessen einziger Daseinszweck es ist, ihre Hinterlassenschaften zu beseitigen." (S. 152)


Guylain ist, als sähe die fremde Schreiberin die Welt mit ähnlichen Augen wie er! Er muss diese Frau finden - doch ohne einen wirklichen Anhaltspunkt kein leichtes Unterfangen. Aber allein durch seine Suche kriecht unaufhaltsam Farbe in sein graues Dasein. Und ganz allmählich verändert sich der zurückhaltende, schüchterne, fast schon menschenscheu anmutende Guylain und entdeckt zunehmend auch schöne Seiten am Leben.

Wer außergewöhniche Geschichten und schräge Bücher mag, der ist hier richtig. Jean-Paul Didierlaurent ist es gelungen, die Figuren in diesem Roman zu kleinen Helden ihres monotonen und grauen Lebens zu machen. Trotz oft einfach anmutender Sprache gibt es nahezu poetische Passagen, und durch die Melancholie des Alltags zieht sich auch stets ein breiter Streifen Humor, der mich immer wieder lächeln ließ. Ein Buch für Bücherliebhaber und ein modernes Märchen - ein Wohlfühlroman, der ein wenig Farbe ins Alltagsgrau zaubert.


© Parden 

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Tags: bücher über bücher, liebe zu büchern, modernes märchen, paris, vorlesen, wohlfühlroman   (6)
 

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überlebenskampf, tod, insel, extremsituation, sabbatjahr

Herz auf Eis

Isabelle Autissier , Kirsten Gleinig
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 07.03.2017
ISBN 9783866482562
Genre: Romane

Rezension:

RÜCKKEHR ZUR NATUR - EIN KAMPF UMS ÜBERLEBEN...

Ein Sabbatjahr wollen sich Ludovic und Louise gönnen, eine Auszeit von ihrem ewiggleichen Pariser Leben, ein Abenteuer. Mit einer kleinen Jacht leben sie ihren Traum von Freiheit und begeben sich auf eine Tour durch den Atlantik. Von den Antillen bis nach Kap Hoorn verläuft die Reise reibungslos, doch dann beschließen sie, verbotenerweise eine kleine Insel anzulaufen, um den maroden Flair einer verfallenen ehemaligen Walfangstation zu genießen. Als während der Erkundung der einsamen Insel ein Unwetter einsetzt, drängt Louise darauf, zur Jacht zurückzukehren. Doch Ludovic will sich das einmalige Erlebnis nicht verderben lassen - denn sind es nicht genau solche Abenteuer, weshalb sie aus ihrem bisherigen Leben ausgebrochen sind?


"Hätte er auf sie gehört, wären sie jetzt gar nicht hier, majestätisch, vollkommen allein am Ende der Welt. Sie hätten das Schiff nicht gekauft und diese grandiose Reise gar nicht angetreten. Tatsächlich, der Himmel verdüstert sich in der Ferne, aber schlimmstenfalls werden sie eben nass. Das gehört zum Abenteuer dazu, genau das ist doch ihre Absicht, aus der Erstarrung des Pariser Büroalltags auszubrechen, in dessen bequemer Trägheit sie draufzugehen und an ihrem Leben vorbeizuleben drohten. Irgendwann hätte der sechzigste Geburtstag vor der Tür gestanden, und sie hätten es bereut, nichts erlebt, nie gekämpft, sich selbst nie kennengelernt zu haben." (S. 8 f.)


Als die Wetterlage noch schlimmer wird, beschließen die beiden jungen Leute, die Nacht auf der Insel zu verbringen und den Sturm abzuwarten. Als sie am nächsten Morgen aus der ehemaligen Unterkunft der Walfänger treten, erwartet sie jedoch nicht nur ein blauer Himmel. Ihre Jacht ist im nächtlichen Unwetter verschwunden - und mit ihr jede Hoffnung auf eine Rückkehr in die Zivilisation. Die prekäre Lage zwingt Louise und Ludovic, sich nicht allzu lang der Verzweiflung hinzugeben - sie müssen alles tun, um nicht zu verhungern.

Das Paar beginnt, den neuen Alltag zu organisieren, der einzig und allein dem Versuch gilt, in dieser unwirtlichen Umgebung zu überleben. Selbst im Sommer beträgt die Höchsttemperatur auf der Insel im Südatlantik lediglich 15° Celsius - da muss das Feuer stets geschürt werden. Das größte Problem jedoch stellt die Beschaffung von Nahrung dar. Wo nichts wächst und Pinguine und Robben die einzigen ererichbaren Lebewesen sind, hat man keine Wahl, wenn es ums nackte Überleben geht. Das Jagen und Schlachten der Tiere gehört bald zu den täglichen Gewohnheiten.


"Alles stinkt nach Rauch, nach ranzigem Fett und Feuchtigkeit. Sie bemerken es nicht einmal mehr. Der Geruch ist ihrer geworden, der Geruch ihres Lebens." (S. 69)


Und doch wird der Hunger zu einem Dauergast. Ludovic und Louise werden immer dünner, obwohl sie stetig versuchen Nahrung zu beschaffen und gleichzeitig nach einem Ausweg aus ihrer misslichen Lage zu suchen. Wie aus der Zivilisation gefallen fühlen sie sich, herauskatapultiert aus der menschlichen Gesellschaft, alleine einer feindlichen Umwelt gegenüber. Das überlieferte Wissen früherer Generationen ist ihnen nicht mehr gegeben - jeden Schritt müssen sich die beiden mühsam erarbeiten, jeden einzelnen Bissen hart erkämpfen. Die Rückkehr zur Natur entpuppt sich als gnadenloser Kampf ums Überleben. Und da, wo die Instinkte zunehmend überwiegen, droht das Menschliche zu versiegen.


"Dieses jämmerliche Dasein hat nicht nur ihren Wohlstand zunichte gemacht. Die Angst hat das Allerwichtigste zerstört: ihre Gefühle, ihre Menschlichkeit. Völlig bloß steht sie da, besessen einzig von dem Drang zu überleben, nicht anders als irgendeins der Tiere, die sie täglich sieht." (S. 113)


Isabelle Autissier, die selbst als erste Frau allein die Welt umsegelte, weiß, wovon sie da schreibt - von der Faszinaion der Natur, dem Zurückgeworfenwerden auf sich selbst, der großen Einsamkeit. Die Einsamkeit zu zweit ist eine ganz besondere, und minutiös beobachtet die Autorin das Geschehen zwischen dem Paar, die Veränderung ihres Verhaltens und ihrer Beziehung zueinander angesichts der existenziellen Bedrohung auf der einsamen Insel. Wächst man zusammen oder driftet man vielmehr auseinander? Hat das Mitmenschliche noch eine Chance, wenn die Instinkte beginnen zu regieren, der reine Überlebenswille?

Gegliedert ist der Roman in zwei Hauptteile - und der zweite Teil spielt in der Zeit nach der Robinsonade. Mehr kann und möchte ich hier nicht verraten, weil ich sonst zu viel vorwegnehmen würde. Doch auch dieser zweite Teil ist atmosphärisch dicht und überzeugt durch genaue Beobachtungen in klarer, präziser Sprache - Leben und Gefühle unter dem Seziermesser, gnadenlos offengelegt. Nicht nur die bildhaften Schilderungen der kargen Einöde auf der Insel, die sich unter den Naturgewalten duckt, ließen mich beim Lesen frösteln - auch die existentiellen Fragestellungen lösten diesen Effekt aus. Und letztlich auch die Frage, wie ich selbst mich in bestimmten Situationen in dieser Extremsituation wohl verhalten hätte und ob das mit dem Bild übereinstimmen würde, das ich gewöhnlich von mir zeichne.

Ein eindringlicher Roman, der nicht zuletzt auch die Frage stellt, was das Menschsein eigentlich ausmacht. Beeindruckend...


© Parden 

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Tags: abenteuer, auszeit, einsamkeit, existenzielle fragen, menschlichkeit, paris, sabbatjahr   (7)
 
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