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Juli - Inselkind

Annette Petersen
E-Buch Text: 79 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 02.07.2014
ISBN 9783426432785
Genre: Krimi und Thriller

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Die rubinrote Kammer

Pauline Peters , Marie Bierstedt
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.05.2016
ISBN 9783838778440
Genre: Historische Romane

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irland, hamburg, buch gegen das vergessen, vergangenheit, generationen

Das gerettete Kind

Renate Ahrens
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.03.2016
ISBN 9783426281147
Genre: Romane

Rezension:

DREI FRAUEN, DREI GENERATIONEN, SPRACHLOSIGKEIT...

Irma schaut mit ihren 86 Jahren auf  ein langes Leben zurück und hat gerade einen Herzinfarkt überlebt. Sie wohnt seit dem Tode ihres Mannes vor nunmehr 20 Jahren alleine in ihrem Haus in Dublin, bekommt aber nahezu täglich Besuch von ihren Zwillingssöhnen Jeremy und Thomas, die sie gemeinsam mit ihren Frauen liebevoll umsorgen. Wenig Kontakt hat Irma dagegen zu ihrer Tochter Leah, die sie einfach immer nur als 'schwierig' erlebt.

Leah ist mit ihren 48 Jahren deutlich jünger als ihre Zwillingsbrüder, hat aber nie das Gefühl gehabt, das 'Nesthäkchen' der Familie zu sein. Die Atmosphäre ihrer Kindheit beschreibt sie als kühl und oftmals zurückweisend, und der Rückzug von ihrer Mutter und ihren Brüdern erscheint ihr bis heute als einzige Möglichkeit, um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen.


"Mir schießen Tränen in die Augen. Irma und ich haben uns nichts zu sagen, jede Begegnung hat etwas Quälendes (...) So war es immer schon. Warum habe ich eine so unnahbare Mutter? Ich weiß es nicht. Aber ich muss es aufgeben, daran etwas ändern zu wollen. Ich ertrage es nicht, dass sie mich ständig von neuem zurückweist."


Leah ist nicht glücklich mit ihrem Leben. Ihr Mann hat sie wegen einer Jüngeren verlassen und mit dieser eine neue Familie gegründet, und ihre 18jährige Tochter kapselt sich zunehmend von ihr ab. Ungeliebt fühlt sich Leah und stürzt sich in ihre Arbeit und das Joggen, um ihrem Tag Struktur zu verleihen - und um sich zu spüren. Dabei merkt sie kaum, dass sie ihrer Tochter oftmals ebenso vor den Kopf stößt wie seinerzeit und bis heute ihre eigene Mutter.

Rebecca schließlich ist mit ihren 18 Jahren eine offene, neugierige junge Frau, die nach ihrem Schulabschluss noch nicht so recht weiß, wie sie ihre Zukunft planen soll. Täglich schwimmt sie ihre 1000 Meter, weiß das Leben zu genießen und pflegt ihre Freundschaften. Aber sie trägt auch ein Geheimnis mit sich herum, von dem ihre Familie niemals erfahren darf. Die Tatsache, dass sie seit einigen Wochen einen Freund hat, ist an sich nichts Verwerfliches - aber er stammt nicht aus Irland, sondern ausgerechnet aus Deutschland. Alles, was mit dieser Nation in Verbindung gebracht werden kann, ist nämlich in Rebeccas Familie tabu. Und nun muss Jonas nach seinem Auslandsjahr wieder zurück nach Hamburg...


"Jonas zieht mich zu sich heran und legt mir die Hände auf die Schultern. 'Warum kommst du nicht für eine Weile nach Hamburg? Das habe ich dich schon seit Wochen fragen wollen.' - Ich habe es geahnt, dass es darauf hinauslaufen würde. - 'Du bist gerade mit der Schule fertig, weißt noch nicht, was du studieren willst. Das ist der ideale Zeitpunkt.' - 'Ja...' - 'Ich fände es super. Stell dir vor, wir beide in Hamburg! Wir könnten an der Elbe picknicken, Radtouren ins Alte Land machen und die Nächte in meinen Lieblingsclubs durchtanzen.' - Was soll ich ihm antworten? Ich werde niemals nach Deutschland gehen können. Den Grund dafür kann ich ihm nicht sagen. er würde es nicht verstehen, niemand würde es verstehen."


Rebecca sucht schließlich das Gespräch mit ihrer Großmutter, zu der sie immer schon einen guten Kontakt hatte. Sie wagt es letztendlich, ihr von ihrer großen Liebe zu erzählen und von ihrem Wunsch, für eine Zeitlang nach Deutschland zu gehen. Und Irma versteht und unterstützt ihre Enkelin. Doch gleichzeitig wird dadurch ihre Vergangenheit lebendig, die sie seit Jahrzehnten so erfolgreich verdrängt hat. Ein dunkles Kapitel ihrer Geschichte bricht sich erneut Bahn und droht Irma zu überrollen.


"Die frühen Morgenstunden sind die schlimmsten. Fast jede Nacht liege ich wach und spüre, wie in mir die Gedanken kreisen. Je älter ich werde, desto genauer erinnere ich mich an früher. Dabei will ich alles vergessen. Andere Menschen in meinem Alter klagen über ihr nachlassendes Gedächtnis. Ich wünschte, meins wäre schlechter."


Doch die Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit ist nicht nur schmerzhaft. Indem Irma auch mit Hilfe alter Tagebucheintragungen den jüdischen Kindertransport von Hamburg nach Großbritannien noch einmal erlebt, auf den sie 1939 als Zwölfjährige geschickt wurde, und damit verbunden all ihre damaligen Ängste, ihre Zweifel, die Reise ins Ungewisse, den Verlust ihrer Eltern, beginnen die alten Wunden allmählich zu heilen. Und ihre Enkelin Rebecca mit all ihren Fragen und Nachforschungen ist Irma dabei eine große Hilfe.

Eine spannende Konstellation hat Renate Ahrens hier geschaffen mit den drei Frauen aus drei verschiedenen Generationen. Abwechselnd wird aus der jeweiligen Ich-Perspektive von Irma, Leah und Rebecca erzählt, so dass der Leser einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt aller drei Personen erhält. Leider kamen mir die Charaktere dabei kaum nahe. Die Erzählung wirkte auf mich oftmals wie eine recht nüchterne Berichterstattung, so dass ich die geschilderten Emotionen zwar zur Kenntnis nehmen, aber kaum einmal mitempfinden konnte. Das hätte ich mir anders gewünscht.

Interessant war für mich der Einblick in ein wenn auch fiktives Schicksal eines jüdischen Kindes, das zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland mit vielen anderen Leidensgenossen und ohne die Eltern auf einen Kindertransport nach Großbritannien geschickt wurde. Gerade diese Passagen hätten großes Potential gehabt, beim Leser Empathie und Betroffenheit hervorzurufen - nun, bei mir war es jedenfalls kaum so, was ich sehr schade fand. Die Konflikte, die zwischen den einzelnen Familienmitgliedern schwelen, wurden zwar umrissen und skizziert, die Hintergründe jedoch oftmals nur angedeutet. Und auch wenn durch die einsetzenden Erinnerungen Irmas an ihre Jugend einiges in Bewegung kam - am Ende blieben für mich doch noch Fragen offen, was ich bedauerlich fand.

Insgesamt hat der Roman für mich nicht sein komplettes Potential ausgeschöpft, so dass die Lektüre dank des eingängigen, wenn auch oft recht einfachen Schreibstils zwar flott vonstatten ging, in der Summe aber meine Erwartungen nicht wirklich erfüllt hat.


© Parden

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Tags: buch gegen das vergessen, deutschland, dublin, familienroman, generationen, hamburg, irland, jüdischer kindertransport, kindertransport, nationalsozialismus, vergangenheit   (11)
 

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Das Schloss in der Höhle Xa Xa

Gustav Schwab
E-Buch Text: 38 Seiten
Erschienen bei null, 21.06.2011
ISBN B0057GXH4I
Genre: Sonstiges

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Ein neues Zuhause für die Kellergeigers

Jean-Claude Grumberg , Edmund Jacoby , Ronan Badel , Andreas Fröhlich
Audio CD
Erschienen bei Argon Sauerländer Audio ein Imprint von Argon Verlag, 28.07.2016
ISBN 9783839848630
Genre: Kinderbuch

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indianer, vergewaltigung, selbstjustiz, roman, familie

Das Haus des Windes

Louise Erdrich , Gesine Schröder
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.01.2016
ISBN 9783746631509
Genre: Romane

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garten, liebe, ellen berg, schrebergarten, humor

Mach mir den Garten, Liebling!

Ellen Berg
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 16.11.2015
ISBN 9783746631462
Genre: Humor

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mädchenhandel, recht, korruption, paris, polikit

Das Schloss in der Normandie

Ulrich Wickert ,
Audio CD
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 14.09.2015
ISBN 9783455310276
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

EIN UNDURCHDRINGLICHES GEFLECHT...

Korruption bis in höchste politische Kreise gibt es nicht nur in Afrika, das weiß der Richter aus Paris sehr gut. Doch im Fall des Staatspräsidenten aus Äquatorialguinea geht es offenbar nicht nur um Schmiergelder, französische Luxusimmobilien und teure Autos, sondern auch um Prostitution und Mädchenhandel. Jacques Ricous Klage gegen den Machthaber hat jedoch ungeahnte Folgen: Der französische Präsident entlässt einen Minister, seine Chefin entzieht ihm ihr Vertrauen, und seine Gegenspieler wollen ihn ein für alle Mal ausschalten. Sie planen eine Intrige, die, sollte sie gelingen, den Richter in seinem Amt für immer kaltstellen würde. Der Schlüssel der Affäre liegt in einem Schloss in der Normandie. Aber das findet erst Jacques Freundin, die kritische Journalistin Margaux heraus.

Der Richter Jacques Ricou steht im Zentrum dieses vielschichtigen Krimis, denn er ist es schließlich, der gegen den Widerstand zahlreicher politischer Stimmen die Klage annimmt - die Klage gegen den stellvertretenden Staatspräsidenten Äquatorialguineas wegen des Verdachts der Korruption. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs, wie sich bald herausstellt. Es scheint kaum ein Verbrechen zu geben, in das der Sohn des Präsidenten des afrikanischen Kleinstaates nicht verwickelt ist - nur: was davon lässt sich ihm nachweisen? Und so beginnt der Kampf Gut gegen Böse, bei dem Jacques Ricou lange nicht klar ist, wer hinter dem Angeklagten noch so alles seine Fäden zieht.

Gemeinsam mit einem befreundeten Polizeichef sowie mit Ricous seit kurzem schwangeren Freundin Margaux, die bei einer bekannten Tageszeitung als erfahrene Enthüllungsjournalistin arbeitet, versucht der unbestechliche Richter dem undurchdringlichen Geflecht an Verstößen, Verbrechen, Intrigen und üblen Machenschaften auf den Grund zu gehen. Dabei wachsen im Verlauf nicht nur die Erkenntnisse, sondern zunehmend auch die Sorge davor, zu welchen Mitteln der Angeklagte und seine Hintermänner noch greifen würden. Erst die Undercover-Ermittlungen von Margaux in einer Psychiatrie in einem abgelegenen Schloss in der Normandie bringen Licht ins Dunkle - doch zu welchem Preis?

Ulrich Wickert, den die meisten sicher nur aus seiner langjährigen Tätigkeit bei der ARD-Nachrichtensendung "Tagesthemen" kennen, hat selbst ein Jurastudium absolviert und im Rahmen seiner Tätigkeit als Korrespondent viele Jahre in Paris gelebt. Insofern erscheint es plausibel, die Handlung auf vertrautem Terrain anzusiedeln und dabei einen Richter sowie eine Journalistin gesellschaftlich-politische Themen an den Pranger stellen zu lassen, deren Aktualität dem ganzen einen überaus authentischen Anstrich verpasst. So ist es vielleicht auch einem lebens- und berufserfahrenen ehemaligen Journalisten möglich, Dinge in Romanform zufriedenstellend zu regeln, denen man ansonsten womöglich ohnmächtig gegenübersteht.

Der Autor hat für mich eine interessante Mischung an Themen und Handlungen geschaffen, die trotz des eher bedächtigen Erzähltempos zu fesseln vermag. Dass die Charaktere trotz der Darstellung von Auszügen ihres Privatlebens eher etwas blass blieben, schreibe ich dem Umstand zu, dass es sich hierbei bereits um den sechsten Band einer Reihe um den Richter Jacques Ricou handelt - der allerdings mein erster war. Vom Verständnis der Handlung her fand ich es nicht problematisch, mit dem bislang letzten Band der Serie zu beginnen, allerdings würde ich schon vermuten, dass mir die Charaktere vertrauter wären, wenn ich die Folgen der Reihe nach gelesen hätte.

Aber auch so waren mir Jacques Ricou und seine Freundin Margaux schnell sympathisch. Er ein Mann, der das 'savoir vivre' beherrscht, der ein paar wenige gute Freunde sein eigen nennt, der genussvoll seinen kleinen, harmlosen Lastern nachgibt und der sich vor allem der Gerechtigkeit verpflichtet hat und sich dabei nicht verbiegen lässt. Die Journalistin Margaux liebt ihre Unabhängigkeit und akzeptiert auch die von Ricou, betreibt einen leidenschaftlichen aber verantwortungsbewussten investigativen Journalismus - und hat beschlossen, das Kind auszutragen, das sie von Jacques empfangen hat. Für beide bedeutet das gewaltige anstehende Veränderungen, doch die aktuellen Ereignisse um die Korruptionsaffäre und die anderen Machenschaften lassen die persönlichen Befindlichkeiten des Paares in den Hintergrund treten.

Ulrich Wickert selbst liest das Hörbuch und folgt dem ruhigen Erzähltempo angemessen mit einem fast schon bedächtig zu nennenden Vortrag. Unter der ruhigen Oberfläche jedoch brodeln die brisanten Themen, und bei den ganzen Hintergründen kann einem zuweilen schon fast schlecht werden - denn nichts von dem hier Geschilderten ist außerhalb des Vorstellbaren und weist durchaus Parallelen zu realen Berichterstattungen in der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart, auf.

Ein kleiner Fehler hat sich hier eingeschlichen (das südamerikanische Indianergift 'Curare' lässt einen nicht stundenlang schlafen, sondern lähmt die Muskulatur, wodurch es letztlich zum Atemstillstand kommt). Und das Ende konnte mich nicht ganz überzeugen, da es auf mich übereilt wirkte nach der doch recht ruhigen Entwicklung im Vorfeld. Aber insgesamt macht dieses Hörbuch Lust auf die anderen Folgen der Reihe, nach denen ich gerne Ausschau halten werde...


© Parden

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Tags: afrika, äquatorialguinea, frankreich, geheimdienste, investigativer journalismus, journalistin, kleinstaat, korruption, krimi, mädchenhandel, menschenversuche, paris, prostituion, psychiatrie, recht, richter, richter jaques ricou, unbestechlichkeit, verbrechen   (19)
 

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29 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

italien, mellina, roman, liebe, dolca vita für fortgeschrittene

Dolce vita für Fortgeschrittene

Dori Mellina
E-Buch Text: 300 Seiten
Erschienen bei btb Verlag, 09.05.2017
ISBN 9783641209346
Genre: Liebesromane

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212 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

liebe, freundschaft, dani atkins, familie, intensivstation

Der Klang deines Lächelns

Dani Atkins , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2016
ISBN 9783426519356
Genre: Romane

Rezension:

SEHR EMOTIONAL...

Ally und Charlotte haben sich seit sieben Jahren nicht gesehen. Ausgerechnet auf der Intensivstation eines Krankenhauses treffen die beiden wieder aufeinander. Ally bangt um das Leben ihres Mannes Joe, der einen Jungen aus einem zugefrorenen See vor dem sicheren Tod rettete, und nun im Koma liegt. Charlotte hingegen betet für ihren Verlobten David, dessen Herz nach einer Vireninfektion schwer geschädigt ist. Während beide Frauen auf ein Wunder hoffen, prasseln Erinnerungen auf sie ein - an ihre gemeinsame Studentenzeit, an Partys, an endlose Sommernächte. Aber auch an Verrat, an Untreue und daran, dass sie beide David geliebt haben. In der dunkelsten Stunde der Nacht müssen Ally und Charlotte eine folgenschwere Entscheidung treffen. Werden sie mit der Vergangenheit Frieden schließen können? Von dieser Frage hängt am Ende alles ab - sogar das Leben von Joe und David.


"Die Auswirkungen, die diese Situation auf uns hatte, beraubte uns sämtlicher Worte. Du denkst, du hast dein Leben unter Kontrolle. Du denkst, dass du diejenige bist, die die Entscheidungen trifft, doch dann passiert so etwas wie das hier, und du erkennst, dass du nur eine kleine Schachfigur bist, die von etwas oder jemand Höherem nach Belieben auf dem Spielbrett herumgeschoben wird. Freier Wille? Ich war mir nicht sicher, ob ich noch daran glaubte..."


Nach 'Die Achse meiner Welt' und 'Die Nacht schreibt uns neu' ist dies nun das dritte Buch von Dani Atkins, das ich gelesen habe. Während die ersten beiden Bücher auch von der großen Spannung lebten, was hinter der jeweiligen Geschichte steckt und wie sich das ganze auflösen würde, ahnte ich hier bereits zu Beginn, worauf die Erzählung letztlich hinauslaufen würde - und behielt recht. Dies war für mich durchaus ein kleiner Schwachpunkt, was jedoch nichts daran änderte, dass ich von der ersten Seite an an die Geschichte gefesselt war. Wie immer entwickelt Dani Atkins auch hier einen unheimlichen Lesesog, der einen immer tiefer in die Geschehnisse hineinzieht und einen zunehmend mitbangen lässt. Wie die Überschrift schon verrät: ein überaus emotionales Buch...

Erzählt wird zum einen abwechselnd in der Gegenwart und in Rückblenden in der Vergangenheit, zum anderen auch immer wieder wechselnd aus der Ich-Perspektive von Ally und von Charlotte. Das war anfangs etwas verwirrend, trug letztlich aber dazu bei, dass man als Leser das Geschehen umfassender verstand und auch den jeweiligen Charakteren zunehmend näher kam. Allerdings waren diese mir nicht gleichwertig sympathisch. Während Ally mich sofort für sich einnahm und auch ihre Freunde und Familie mir gefielen, empfand ich Charlotte trotz all ihrer Ängste und Zweifel immer eher als kühl und unnahbar. Zwar sind die Charaktere allgemein ein wenig klischeehaft gezeichnet, wirken aber insgesamt glaubhaft. Leider wird in den Rückblenden in die Vergangenheit der Fokus in erster Linie auf das Geschehen um David gelegt - immerhin waren sowohl Ally als auch Charlotte in ihn verliebt. Die spätere Beziehung zwischen Ally und Joe kommt hier recht kurz, so dass Joe eher eine Randfigur darstellt, was ich schade fand.

Dani Atkins schreibt auch diesmal wieder flüssig und bildhaft, in angenehm zu lesendem Satzbau und Schreibstil. Eine besondere Fähigkeit der Autorin liegt offensichtlich darin, vor allem die Gefühlslage der einzelnen Charaktere sehr eindrücklich zu schildern und damit auch dem Lesenden erlebbar zu machen. Der Verbrauch an Taschentüchern ist hier jedenfalls nicht zu unterschätzen. Manche Szenen waren mir persönlich ein wenig zu kitschig und zu rührselig, aber glücklicherweise hielten diese sich in Grenzen. Auch wurde für meinen Geschmack in manchen Passagen der Zufall ein wenig zu sehr bemüht, doch letztlich ist dies für solch eine Art von Buch wohl in Ordnung.

Insgesamt ein angenehm zu lesender Liebesroman mit einem trotz der hochemotionalen Szenen nicht abzusprechenden Wohlfühleffekt. Einfach nett für zwischendurch...


© Parden

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Tags: intensivstation, liebesroman   (2)
 

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iran, vergangenheit, migrationshintergrund, beerdigung, reise

Sechzehn Wörter

Nava Ebrahimi
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 27.03.2017
ISBN 9783442756797
Genre: Romane

Rezension:

AUF DER SUCHE...

Als ihre Großmutter stirbt, diese eigenwillige Frau, die stets einen unpassenden Witz auf den Lippen hatte, beschließt Mona, ein letztes Mal in den Iran zu fliegen. Gemeinsam mit ihrer Mutter wagt sie die Reise in die trügerische Heimat. Der Rückflug in ihr Kölner Leben zwischen Coworking und Clubszene ist schon gebucht. Doch dann überredet sie ihr iranischer Langzeitliebhaber Ramin zu einem Abschidstrip nach Bam, in jene Stadt, die fünf Jahre zuvor von einem Erdbeben komplett zerstört wurde. Und Monas Mutter schließt sich den beiden an. Die Fahrt wird für Mona zu einer Konfrontation mit ihrer eigenen Identität und ihrer Herkunft, über die so vieles im Ungewissen ist. Aber manchmal wird uns das Fremde zum heimlichen Vertrauten. Und über das, was uns vertraut schien, wissen wir so gut wie nichts...


"Erst war es nur ein Wort. Das Wort, flink und wendig, überfiel mich, wie alle diese sechzehn Wörter, aus dem Hinterhalt. (...) Regelmäßig war ich ihnen ausgeliefert, diesen Wörtern, die nichts mit meinem Leben zu tun hatten. (...) Nichts hatten sie mit meinem Leben zu tun, trotzdem, oder gerade deshalb brachten sie mich immer wieder in ihre Gewalt. Doch dann, einer Eingebung folgend, übersetzte ich ein Wort, und es war, als hätte ich es entwaffnet. (...) Mit einem Schlag verlor es die Macht über mich. (....) Wir waren nun beide frei, das Wort und ich." (S. 7 f.)


Die Iranerin Nava Ebrahimi hat sie genommen, diese sechzehn Wörter, und hat sie den Kapiteln ihres Buches vorangestellt, in arabischer Schrift und auf Persisch - und hat die Ich-Erzählerin Mona sich an diesen Wörtern entlanghangeln lassen auf ihrer Reise in den Iran, in die Vergangenheit, zu ihren Wurzeln, auf der Suche nach Antworten und sich selbst. Die 34jährige Mona erscheint als toughe Frau, die ihr Leben sicher nicht geradlinig führt, aber mit beiden Beinen fest darin zu stehen scheint. Doch tief im Innern schlummern Fragen, lauern Zweifel, bröckelt das Fundament. Dies ist Mona selbst gar nicht so deutlich - bis zu ihrer Reise in den Iran, zum Begräbnis ihrer Großmutter.


"Bevor ich eine Moschee betrete, spüre ich jedes Mal Widerwillen. Bin ich drin, möchte ich sie nicht mehr verlassen. Ich fühle mich dann, wie sich ein Baby auf einer riesigen Krabbeldecke fühlen muss. Gestillt, gepudert, gewickelt. Ich würde am liebsten ganze Tage und Nächte auf den Perserteppichen herumkugeln. (...) In den Nächten bräuchte ich weder Kissen noch Decke, ich schliefe wie ein Neugebornes, das an der Brust der Mutter eingenickt ist und dessen Träume von warmer Milch beim ersten Augenaufschlag wahr würden." (S. 73)


Der Leser reist mit Mona in den Iran, widerwillig eher, pflichtergeben, weil nun einmal die Großmutter verstorben ist. Maman-Bozorg starb in hohem Alter recht unspektakulär im Sessel vor ihrem Fernseher, der zuletzt ihr ein und alles war. Diese Großmutter ist in dem Roman überaus präsent und hat mich des öfteren den Kopf schütteln lassen, mich aber auch wirklich amüsieren können. Immer ein loses und oft ordinäres Mundwerk('Kämm dir mal die Haare. Du siehst aus wie ein verprügelte Nutte.'), lebte Maman-Bozorg von Klatsch und Tratsch, äußerte stets unverblümt ihre Meinung, nahm sich, was sie wollte und hatte ein heimliches Faible für nette Männer. Ihr Lieblingswort war 'Kos', was allen anderen die Schamesröte ins Gesicht trieb, doch nein, ich werde jetzt nicht übersetzen, um was für ein Schimpfwort es sich hierbei handelt.

Die Großmutter gehörte irgendwie immer zu Monas Leben dazu, auch wenn sie sich oft nur einmal im Jahr sahen - meist kam Maman-Bozorg nach Köln, zu Mona und ihrer alleinerziehenden Mutter, reiste stets mit großem Übergepäck, Ezafebar. Mona selbst wurde im Iran geboren, lebt aber bereits seit frühester Kindheit in Deutschland - zwischen den Kulturen, wie ihr nun deutlich bewusst wird. Immer das Gefühl, irgendwie nicht dazu zu gehören: im Iran ist sie die Deutsche, in Deutschland ist sie die Iranerin. Wie ist es möglich, sich so irgendwo zu Hause zu fühlen? Doch Mona begibt sich auf ihrer Reise im Iran nicht nur auf die Suche nach sich selbst - auch ein langgehütetes Familiengeheimnis drängt hier zunehmend an die Oberfläche.


"Glück? Nach drei Bier auf einer Tanzfläche, über mir viel Raum, durch mich hindurch ein Bass, der alles in Schwingung versetzt, um mich herum Menschen, deren Gesichter mir bekannt vorkommen, die ich manchmal zufällig streife, die genau wie ich darauf warten, dass der DJ sein Versprechen einlöst, dass er aufhört, sich und uns zu zügeln, und dann ist es endlich so weit, der Damm bricht, und uns erfasst eine riesige Welle. (...) und ich denke auch daran, dass, nachdem uns alle dieselbe Welle erfasst hat, jeder woanders angespült wird und jeder von vorne beginnt." (S. 186 f.)


Ein Schreibstil, der eher nüchtern daherkommt, wechselnd zwischen leise-poetisch und derb-zotig, dabei nichts davon überstrapazierend. Wie auf einer Welle treibt Nava Abrahimi den Leser durch das Land, das einem bei aller Fremdheit und Befremdlichkeit plötzlich nahe kommt, wodurch aber auch deutlich wird, wie groß der Spagat der in Deutschland lebenden Mona sein muss, um sich zwischen den Kulturen nicht zu verlieren. Subtil dabei das Kreisen um das ominöse Familiengeheimnis, das letztlich nicht nur für Mona in einer gewaltigen Überraschung gipfelt.

Eine leise Erzählung, melancholisch und poetisch, aber auch anarchisch und voll abgründigem Humor. Über die Fremde und das Fremde in uns. Für mich eine ganz besondere Entdeckung...


© Parden

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Tags: deutschland, iran, reise, wurzeln, zeitgenössische literatur   (5)
 

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ddr, stasi, familie, usa, onkel

Immer wieder Dezember

Susanne Schädlich
Fester Einband: 239 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 12.02.2009
ISBN 9783426274637
Genre: Biografien

Rezension:

ZWISCHEN OST UND WEST: DER VERSUCH EINER NEUORIENTIERUNG...

Alles sollte anders werden, als Susanne Schädlich im Dezember 1977 die DDR verließ, da ihr Vater, der Schriftsteller Hans Joachim Schädlich, dort schon lange nicht mehr ungehindert publizieren konnte. Doch die neue Heimat war fremder als gedacht, und der lange Arm der Stasi verfolgte die Familie bis in den Westen. Dreißig Jahre später stößt Susanne Schädlich in den Akten auf eine schlimme Wahrheit und erkennt: Geschichte vergeht nicht, sie holt einen immer wieder ein. Susanne Schädlich erzählt, wie es ist, in zwei Systemen groß zu werden und dennoch nicht dazuzugehören, von einer Generation zwischen Ost und West, die ihren Platz sucht. Und von der Erfahrung eines unglaublichen Verrats: war es doch der eigene Onkel, der im Auftrag der Stasi versuchte, ihre Familie zu zersetzen.

Susanne Schädlich gehört demselben Geburtsjahrgang an wie ich - und doch gibt es vieles, was uns unterscheidet. Sie ist im Osten Deutschlands aufgewachsen zu einer Zeit, als die Mauer noch stand, als das Pionierhalstuch zur festen Kleiderordnung der Schülerinnen gehörte und die Schlangen beim Einkaufen das Alltagsbild prägten. Ich nicht. Die Autorin kannte als Kind keine Jeans und coolen Turnschuhe, auch nicht die im Westen allgegenwärtigen Stars, die Bands und die Fernsehserien - und mir fällt es schwer, mir eine Kindheit in solch eng gesetzten staatlichen und gesellschaftlichen Grenzen vorzustellen und kann deshalb nur darüber lesen.

Susanne Schädlich ist das Kind zweier ehemaliger DDR-Bürger, die dem Regime nicht unkritisch gegenüberstanden. Spätestens seit der Vater, der Autor Hans Joachim Schädlich, eine Protestresolution gegen die Ausweisung Biermanns unterschrieben hatte, stand die Familie unter der strengen Beobachtung der Stasi und war zunehmend Anfeindungen ausgesetzt, die immer offener und kritischer wurden. Susanne Schädlichs Vater bemühte sich vergeblich, seine Werke in der DDR zu veröffentlichen, und auch sein Posten als Übersetzer wurde gestrichen. Nachdem er sein Manuskript von 'Versuchte Nähe' in den Westen schmuggeln konnte, wo es schließich im Rowohlt Verlag erschien, musste der Vater mit ernsten Repressalien rechnen - 'staatsfeindliche Hetze' konnte mit bis zu 10 Jahren Gefängnis bestraft werde. Einer Verhaftung entging der Vater zwar, da seine Kontakte u.a. mit Günter Grass und der dadurch bedingte Bekanntheitsgrad wohl Schlimmeres verhinderten, doch schließlich blieb ihm nichts anderes übrig, als für sich und seine Familie einen Ausreiseantrag zu stellen. Der wurde 1977 genehmigt.


"Der Ausreiseantrag war eine Folge der Existenzentziehung, eine logische Konsequenz, damit die Familie weiterleben konnte. Man hatte keine Wahl, höchstens die Wahl des Zeitpunktes."


Doch der Wechsel in den Westen geriet zum Kulturschock. Obwohl dieselbe Sprache gesprochen wurde, gelangte die Familie in eine vollkommen andere Welt. Die Neuorientierung fiel nicht leicht, nach vielem sehnte man sich zurück, das Gefühl von einem Zuhause wollte sich einfach nicht einstellen. Der Bruder des Vaters, der Onkel von Susanne Schädlich, blieb das Bindeglied zwischen den Welten, hatte stets ein offenes Ohr, bemühte sich um Treffen, tröstete, sprach Mut zu. Jeder in der Familie wandte sich an diesen Onkel, der so hilfsbereit Halt bot. Doch nach dem Mauerfall kam das böse Erwachen, als die Familie Einsicht in die Stasi-Akten verlangte: gerade dieser Onkel war die übelste Laus im Pelz - ausspioniert hat er die Familie über Jahre hinweg als inoffizieller aber freiwilliger Zuträger des Ministeriums für Staatssicherheit. Der Verrat des Vertrauens, so viele Fragen. Und der Onkel beließ es nicht dabei, die Familie aus der DDR zu vertreiben, sondern setzte auch später noch alles daran, die Familie zu zersetzen, was ihm schließlich auch gelang. Der Vater wurde depressiv, begab sich mehrfach in Behandlung und trennte sich schließlich von seiner Familie - die Lebenswege trafen sich nicht mehr.


"Ich fühlte mich als Halbmensch. Die eine Hälfte war in der DDR, die andere in der Bundesrepublik. Darüber redete ich nicht. Niemand redete darüber. Es war ein Kampf gegen die Sehnsucht nach dem vertrauten Leben, nach dem Einfach-mal-rum-Kommen, nach dem Klingeln nur so an der Tür, nach dem Blick in den Kühlschrank, ob man aus Resten noch ein Essen kochen konnte, nach unangemeldeten Besuchen..."


Entwurzelung und enttäuschtes Vertrauen - eine Erschütterung in den Grundfesten. Und Antworten blieben oft aus. Susanne Schädlich bemüht sich in der Aufarbeitung des Gewesenen um einen sehr distanzierten Schreibstil, der mich anfangs eher gestört hat, der letztlich aber nachvollziehbar war. Eigene Erinnerungen bilden die Grundlage des Erzählten, der Geschichte vor und nach der Aussiedlung der Familie aus der DDR. Aber auch die Erinnerungen von anderen fließen hier ein, da Susanne Schädlich ihnen Fragen zu einzelnen Geschehnissen gestellt hat: den Eltern, den Geschwistern, den Freunden der Eltern. Und letztlich werden hier immer wieder auch Ausschnitte der Stasi-Akten zitiert, die den Verrat noch untermauern und den Grad der Entwurzelung noch greifbarer werden lassen.


"Es gibt Tage, an denen es leichter fällt, sich mit all diesen Dingen zu beschäftigen. Die Verfassung wechselt, je nachdem, inwieweit ich mich als Chronistin fühle oder inwieweit als Beteiligte. Beteiligt war ich, sollte es jetzt nicht sein, wenn ich schreibe, ich sollte abstrahieren, darüberstehen, kühl und sachlich. Das gelingt nicht immer."


Susanne Schädlich sah dieses Buch nie als den Versuch einer Abrechnung oder einer Richtigstellung. Ihr ging es um eine Art Standortbeschreibung, um die Annäherung an die Frage, wo sie selbst eigentlich hingehört, was das alles mit ihr, mit ihrer Familie gemacht hat. Dabei war es nicht immer leicht, sich auf die Erinnerungen einzlassen - zuweilen machte sie der Prozess müde und mürbe. Und doch war ihr klar, dass diese Arbeit wichtig ist, nicht nur für sie selbst - unter diese Vergangenheit darf nicht einfach stillschweigend der Schlussstrich gezogen werden. Und gleichzeitig war es für sie selbst wichtig, nicht endlos in der Vergangenheit verhaftet zu bleiben, damit ein Voran überhaupt möglich war.


"Ich blättere in den Akten (...) Es ist die Reduzierung der Personen auf die Sache, die mir zu schaffen macht. Als sei es nie um Schicksale gegangen, sondern um Dinge (...) Wenn das Fremde lesen, Jüngere, Unwissende, oder auch solche, die es nicht anders sehen wollen, hat es fast nichts Erschreckendes. Kein Wunder also, dass es immer wieder heißt, war doch alles halb so schlimm, den Leuten ging es gut, die DDR war doch eher eine 'kommode Diktatur', in der man sich einrichten konnte. Diejenigen aber, die das Wort in die Tat zurückübersetzen können, denen sitzt der Schrecken nochmals in den Gliedern."


Susanne Schädlich wehrt sich gegen ein weichgezeichnetes Bild der DDR, gegen die Unterschlagung der zerstörten Leben und der Repressionen, von  denen auch Nichtbetroffene wussten, dass es sie gab. Sie positioniert sich ganz klar: 'Die DDR war eine Diktatur, und Diktaturen sind per se unmenschlich, sind Unrechtsstaaten.' Auch wenn als verharmlosender Vergleich gerne die deutsche Vergangenheit zwischen 1933 und 1945 herangezogen wird mit der Kriegstreiberei und dem Holocaust der Nationalsozialisten, wehrt sich die Autorin gegen solch zweierlei Maß. Hierzu zitiert sie Hubertus Knabe: 'Beim Umgang mit den Diktaturen verläuft die Grenzlinie nicht zwischen schlimmen und ganz schlimmen Regimen, sondern zwischen Diktatur und Demokratie.'

Kein einfaches Buch, das Susanne Schädlich hier präsentiert - aber das hat sie auch nie behauptet. Schließlich war ihr Lebensweg durch die gezeichneten Umstände auch kein einfacher. Die Aufarbeitung iherer ganz persönlichen Vergangenheit gerät zur Aufarbeitung eines Stückes deutscher Geschichte, für das wir beginnen blind zu werden. Um dies zu verhindern, gebührt derlei Büchern großes Augenmerk. Bleibt noch, der Autorin zu wünschen, ihren Platz im Leben zu finden und wirklich anzukommen.

Von mir gibt es hier ein klare Leseempfehlung.


© Parden

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Tags: ausreiseantrag, brd, ddr, diktatur, mauer, stasi, verrat   (7)
 

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kinderbuch, blaue tür, behinderung, koma, mystery

Hinter der blauen Tür

Marcin Szczygielski , Thomas Weiler , Jens Wawrczeck , Dirk Kauffels
Audio CD
Erschienen bei Argon Sauerländer Audio ein Imprint von Argon Verlag, 25.05.2016
ISBN 9783839847213
Genre: Kinderbuch

Rezension:

MAL EIN GANZ ANDERES JUGENDBUCH...

Von einer Sekunde auf die andere steht die Welt von Lukasz Kopf: Ein Autounfall, der ihn und seine Mutter statt in den Urlaub auf direktem Weg ins Krankenhaus bringt. Doch während Lukasz' Bein allmählich so weit heilt, dass an eine Entlassung zu denken ist, will seine Mama einfach nicht aufwachen. Wochenlang liegt sie schon im Koma, und niemand kann sagen, wann sie wieder die Augen aufschlagen wird - und ob überhaupt. Doch wohin mit Lukasz nach dem Krankenhaus? Seinen Papa hat er nie gesehen, Mama scheint keine Familie zu haben - also was? Eine alte Nachbarin erbarmt sich seiner und nimmt den Jungen mit seinem schmerzenden Knie erst einmal zu sich. Aber arm wie sie ist, ist es ausgeschlossen, dass sie das über eine längere Zeit bewerkstelligen kann. Also muss Lukasz vielleicht ein Heim?

Doch auf einmal taucht da eine Frau auf und behauptet, sie sei seine Tante. Und weil niemand dagegen Einspruch erhebt, nimmt die Fremde Lukasz kurzerhand gleich mit - weg aus Warschau und von allem was er kennt. Ehe der Junge sich versieht, landet er in ihrer kleinen und ziemlich heruntergekommenen Pension irgendwo in der Einöde am Meer. Ganz geheuer ist ihm nicht bei der ganzen Sache – und seine Ahnung soll Lukasz auch tatsächlich nicht trügen. Denn als er auf seinen Streifzügen durch die Pension die blaue Tür entdeckt und herausfindet, was dahintersteckt, landet Lukasz im größten Abenteuer seines Lebens: Hinter der geheimnisvollen Tür tut sich eine magische, silbrig schimmernde Welt auf, die von sonderbaren Schlangenvögeln und einem Schneider mit magischen Kräften beseelt wird. So friedlich, wie sie wirkt, ist die Welt hinter der Tür jedoch nicht – ganz im Gegenteil: Als Lukasz ein Silberfädchen mit in seine Welt nimmt, geschieht das Schreckliche: Seine Tante verwandelt sich in ein spinnenartiges Monster. Und es gibt nur eine Möglichkeit, sie zu retten – Lukasz muss zurück in die Silberwelt und das Böse besiegen.


"Dann werde ich mich vielleicht wirklich für ein halbes Stündchen zurückziehen. Ein Stündchen allerhöchstens Und dann machen wie Abendbrot." - "Genau, das machen wir!", nicke ich und lächle ihr zu. "Alles wird gut." Aber da liege ich so was von falsch.


Der Einstieg in das Hörbuch war denkbar düster und melancholisch. Der Unfall, der alles verändert hat, Lukasz' Schmerzen und vor allem seine Angst um die Mutter, die einfach nicht aufwachen will. So ist Lukasz anfangs im Grunde alles egal, er will einfach nur seine Mama zurückhaben. Die Frage nach seiner Zukunft stellt sich ihm nur nebenbei, doch als seine Tante auftaucht, ahnt Lukasz allmählich, dass er mit seinen zwölf Jahren eben noch nicht so selbstbestimmt leben kann, wie er es vielleicht möchte. Er fügt sich nur zähneknirschend in die neuen Umstände, und die düstere, verfallene Pension ist nicht dazu angetan, seine Stimmung aufzuhellen. Die Tante, unerfahren in Sachen Kindererziehung, versucht ihm den Einstieg auf ihre Art nett zu gestalten, was bei Lukasz jedoch nicht verfängt. Er klammert sich an die täglichen Anrufe in der Klinik, immer mit der Hoffnung, dass sich am Zustand seiner Mutter etwas verändert haben könnte.

Erst als Lukasz das Geheimnis hinter der blauen Tür entdeckt, bekommt sein Leben wieder einen anderen Klang - einen silbrigen. Denn hinter der Tür liegt die Silberwelt, verlockend friedlich - und Lukasz denkt immer wieder, wie gerne er in dieser Welt bleiben würde, wenn es seine Mama nicht gäbe. Die Begegnungen in der Silberwelt jedoch gestalten sich zunehmend gruseliger, und als ein Silberfaden in Lukasz' Welt landet, weiß er, dass er die Folgen nicht ohne Hilfe bewältigen kann. Drei Kinder, mit denen er in den vergangenen Wochen eher unschöne Begegnungen hatte, erklären sich schließlich bereit, mit Lukasz der Sache auf den Grund zu gehen. Floh, Biss und Mona wagen sich mit ihm gemeinsam in die Silberwelt hinter der blauen Tür, um zu retten, was zu retten ist. Aber wird es ihnen gelingen?

Marcin Szczygielski hat hier nicht nur zahlreiche Genres miteinander verknüpft wie Märchen, Fantasy, Grusel, Mysterie und Science Fiction - er bietet hier auch ein vielschichtiges Konglomerat an Themen. Die Frage nach dem verschwundenen Vater steht hier ebenso im Raum wie die Angst um die Mutter, Sehnsüchte, Freundschaft, Koma, Gut und Böse, verschiedene Realitäten, Behinderung, Familiengeschichte, Einsamkeit - reichlich also, und doch so gekonnt in die spannende und voller Überraschungen steckende Geschichte verwebt, dass hierdurch auch der jugendliche Hörer nicht überfordert ist. Wenn die Geschichte oberflächlich gehört wird, seht die spannende Erzählung im Vordergrund und die Bilder, die Marcin Szcygielski hier heraufbeschwört, gerade auch bei der fanatasievollen und atmosphärischen Schilderung der Silberwelt. Doch bei genauerem Hinhören gibt es da noch tiefere Bedeutungen zwischen den Zeilen - und beides hat seinen Reiz.

Das Ende - hat mich dann echt umgehauen. Damit hatte ich wirklich überhaupt nicht gerechnet, und es gab dem Buch noch eine zusätzlich verwirrende und mystische Note, passte letztlich aber hervorragend. Insgesamt ist dieses Buch eine gelungene Mischung aus verschiedenen Genres, ein so ganz anderes Kinderbuch, das durch seinen Schreibstil vielleicht etwas anspruchsvoll für Kinder ab 10 Jahren ist, aber für etwas Ältere eine tolle Leseempfehlung darstellt - und natürlich auch für Erwachsene.

Das 6 Stunden und 24 Minuten lange Hörbuch (ungekürzte Fassung) wird überaus gekonnt gelesen von Jens Wawrczeck - sicher den meisten bekannt als Sprecher des Peter Shaw in den Drei ???-Hörspielen. An manchen Stellen meinte ich wirklich, eine Frau sprechen zu hören, grandios.

Wer also auf der Suche nach einem Jugendbuch abseits des Mainstreams und einem leichten Grusel nicht abgeneigt ist, dem sei dieses Hörbuch empfohlen!


© Parden

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Tags: behinderung, blaue tür, fantasy, grusel, jugendbuch, kinderbuch, koma, mystery, science fiction, silberwelt   (10)
 

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fußball-wm, pseudonym, ermittlung, brandstiftung, thriller

Juni - Deutschland, kein Sommermärchen

Billie Rubin
E-Buch Text: 94 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 02.06.2014
ISBN 9783426432778
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

RECHT NAIVE ERMITTLUNGEN...

Eigentlich arbeitet die Analystin Valerie Artman als Model in den USA, doch als zweites Standbein hat sie Mathematik studiert und hilft nun freiberuflich Firmen, wenn die vor unlösbaren Schwierigkeiten stehen. Als eine entsprechende Anfrage aus Deutschland kommt, bricht Val in den USA kurzerhand ihre Zelte ab, mietet sich in München in einer WG ein und bemüht sich, zwischen den einzelen Firmenparteien einen Konsens zu finden, der die Firma wieder auf Vordermann bringt.

Gleich nach ihrem Einzug in die Münchner WG lernt Val ihre Nachbarin kennen: Dorle, eine nette alte Dame, die fußballverrückt ist und Val spontan einlädt, sich abends ein WM-Spiel gemeinsam anzuschauen - ja, der Kurzthriller spielt im Jahr 2006, als in Deutschland die WM ausgetragen wurde. Dorle zuliebe sagt Val zu, und es bleibt nicht bei dem einen gemeinsamen Fußballabend. Dabei hat Val eigentlich gar nichts mit Fußball am Hut. Doch noch vor Ende der WM brennt Dorles Haus ab - und die alte Dame stirbt. Val merkt, dass sie die Nachbarin richtig lieb gewonnen hat und will einfach nicht glauben, dass der Brand ein Unfall war. Doch wer könnte ein Motiv gehabt haben, hier nachzuhelfen?

In der Ich-Perspektive von Val werden die Ereignisse rund um den mysteriösen Brand im Haus der Nachbarin geschildert. Bei einem Kurz-Thriller kann man nicht erwarten, dass die Charaktere ausgefeilt und in aller Tiefe dargestellt werden. Es reichte aber aus, um sich von den einzelnen Personen ein Bild machen zu können und sie in 'sympathisch' und 'unsympathisch' einzuordnen. Bis zu dem Zeitpunkt, als Val begann, auf eigene Faust recht blauäugig zu ermitteln, hat mir die Geschichte noch ganz gut gefallen. Doch die Naivität der jungen Frau und letztlich die Harmlosigkeit des Geschehens haben mich dann doch nicht recht überzeugen können.

Lachen musste ich übrigens doch beim Namen der Autorin - beruflich schreibe ich häufig Berichte, in denen das Wort 'Bilirubinämie' auftaucht. Was einen zu solch einem Pseudonym treibt, möchte ich mal wissen... (Der richtige Name der Autorin lautet Ute Hacker).

Insgesamt ganz nett zu lesen, aber sicher nicht die stärkste Folge aus der Reihe der Kalender-Thriller. Ich bin gespannt, ob der nächste Band mich wieder mehr überzeugen kann...


© Parden

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Tags: brandstiftung, ermittlung, fußball-wm, pseudonym, short-thriller, thriller   (6)
 

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cherringham, altersheim, krimi, kurzkrimi, erfroren

Cherringham - Ein frostiges Verbrechen

Matthew Costello , Neil Richards
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Erschienen bei Lübbe Audio, 13.08.2015
ISBN B013IGKOQC
Genre: Sonstiges

Rezension:

DER TOTE AUS DEM ALTERSHEIM...

Einer der bedrohlichsten Schneestürme seit Jahren sucht Cherringham heim und schneidet es von der Außenwelt ab. Am Rande des Dorfes kämpft Broadmead Grange, ein finanziell angeschlagenes Altersheim, ums Überleben. Einer der Bewohner, der arme alte Archy, verirrt sich im Schneetreiben und wird zu Cherringhams jüngstem Opfer. Doch sind wirklich die Elemente schuld an Archys Ableben, oder ist hier etwas faul? Jack und Sarah übernehmen den Fall und machen sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Dies ist der achte Band der mittlerweile 24bändigen Reihe englischer Kurzkrimis, bei Audible als ungekürzte Hörbuchfassung (3 Stunden und 30 Minuten) erhältlich. Gelesen wird das Hörbuch von Sabina Godec, die den Vortrag ruhig und unaufgeregt gestaltet, die aber durch ihre charismatische Stimme zu fesseln weiß.

Heftige Schneestürme sind in Cherringham eher selten, doch der ehemalige Detective Jack ist diese Wetterlagen aus New York gewohnt. Er genießt es sogar, dass das beschauliche Dorf nun von einer weißen Decke überzogen wird, doch macht er sich Sorgen um Sarah und ihre Kinder. Aber bei einem kurzen Besuch stellt er rasch fest, dass die kleine Familie auch damit klar kommt. Auf dem Rückweg zu seinem Hausboot gerät Jack mit seinem kleinen Sportwagen jedoch gefährlich ins Schlittern - ein alter Mann tritt einfach auf die Straße und zwingt Jack zu einem Ausweichmanöver, wodurch das Auto in Mitleidenschaft gezogen wird. Doch der alte Mann ist so schnell von der Straße verschwunden, wie er dort aufgetaucht ist.

Als Jack und Sarah am nächsten Tag nach Spuren des alten Mannes suchen, werden sie fündig: unter Schnee begraben liegt sein toter Körper. Archy hieß der alte Mann, wie sich schließlich herausstellt, und entlaufen war er am Vorabend aus dem ortsansässigen Altersheim. Nur dass niemand dort Archys Verschwinden überhaupt bemerkt hat! Unterbesetzt und finanziell angeschlagen ist das Altersheim wahrlich kein Vorzeigeobjekt. Doch war es bloße Fahrlässigkeit, die dazu führte, dass Archy den Schneesturm nicht überlebte? Jack und Sarahs Ermittlungen bringen Erstaunliches zutage...

Nicht gerade die passende Jahreszeit für dieses Hörbuch, aber darauf kommt es ja nicht immer an. Spaß gemacht hat mir auch diese Folge wieder, auch wenn der Anfang sich etwas hinzog und ich diesmal das Gefühl hatte, dass das Potential der Geschichte durch das Format des Kurzkrimis nicht voll ausgeschöpft werden konnte. Die Wendungen erfolgten hier für meinen Geschmack z.T. zu rasch hintereinander, und manche Themen kamen dadurch zu kurz. Insgesamt jedoch war es wieder eine angenehme Unterhaltung in einer Reihe, der ich sicher treu bleibe...


© Parden


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Bisher in der Cherringham-Reihe gehört sind:

Mord an der Themse Das Geheimnis von Mogdon Manor Mord im Mondschein Die Nacht der Langfinger Letzter Zug nach London Die verfluchte Farm Die Leiche im See Ein frostiges Verbrechen

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Tags: altersheim, cherringham, erfroren, krimi, kurzkrimi   (5)
 

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thriller, köln, serienmörder, metzger, fallanalytiker

Blutsommer

Rainer Löffler , ,
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.06.2012
ISBN 9783499257278
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

REICHLICH BLUTIGE THRILLERUNTERHALTUNG - NICHTS FÜR ZARTBESAITETE...

Martin Abel ist ein begnadeter Fallanalytiker - der beste jedenfalls beim Stuttgarter LKA. In aussichtslosen Fällen wird er hinzugezogen, und nun ereilt ihn ein dringender Ruf aus Köln. Kommissar Greiner benötigt dringend Schützenhilfe bei der Jagd nach dem 'Metzger', der die Stadt in diesem unerträglich heißen Hochsommer zum Frösteln bringt. Entsetztlich verstümmelte Leichen lässt dieser Killer überall in Köln zurück, und man mag sich das Martyrium gar nicht vorstellen, dem die Opfer ausgesetzt waren.

Martin Abel ist es gar nicht recht, nach Köln beordert zu werden, denn eigentlich arbeitet er gerade an einem anderen dringenden Fall. Doch die Order seines Vorgesetzten ist deutlich - und es kommt für Abel noch schlimmer. Er bekommt für den Fall des 'Metzgers' auch noch eine Schülerin zugewiesen, talentiert zwar, wie sein Chef betont, aber doch noch ohne gravierende Erfahrungen. Äußerst missgelaunt macht der Fallanalytiker sich auf den Weg nach Köln und gibt sich keine Mühe, seinen Missmut zu verbergen. Sowohl Kommissar Greiner als auch die angehende Fallanalytikerin Hannah Christ merken schnell, dass der Abel vorauseilende Ruf eines eigenbrötlerischen und unwirschen Mannes nicht übertrieben ist - er stößt einfach jeden vor den Kopf.


"Abel schlürfte seinen Kaffee und verzog dabei das Gesicht, als ob Essig darin wäre. 'Ich will mir erst noch die heutigen Erkenntnisse durch den Kopf gehen lassen. Das sollten Sie vielleicht auch tun. Abends kommen einem oft die besten Gedanken.' - Hannah Christ kam sogar ein ziemlich guter Gedanke, doch zu ihrem Bedauern hatte sie ihre Dienstwaffe nicht dabei..."


Doch Martin Abel ist es gewohnt, dass die Menschen ihn nicht mögen. Er konzentriert sich ganz auf seine Arbeit, die ihn selbst nachts nicht loslässt - selten einmal schläft er länger als drei Stunden. Dabei hat er sehr eigenwillige Methoden, die sowohl bei seinen Kollegen als auch bei mir für Erstaunen, gelegentlich aber auch für Kopfschütteln sorgten. Doch trotz aller Anstrengungen gelingt es zunächst nicht, dem Morden Einhalt zu gebieten.

Blutig geht es hier zu - da verspricht der reißerische Buchtitel nicht zu viel. Für Zartbesaitete ist das sicher nichts, denn hier wird einiges sehr detailliert beschrieben, was man so bildhaft erst einmal verkraften muss. Die schrecklich zugerichteten Leichen, die Vorgänge während der Autopsie, einzelne bestialische Handlungen des Täters, Rückblenden in die Vergangenheit des 'Metzgers' - all dies verlangt dem Leser einen stabilen Magen ab. Doch wer vor so vielen blutigen Details nicht zurückschreckt, der wird mit diesem Thrillerdebüt spannende Lesestunden verbringen können.

Zwar gibt es hier ein paar Ungereimtheiten, unlogische Details oder auch Handlungsweisen, die so nicht wirklich vorstellbar sind, doch bietet der Fall selbst alles, was einen guten Thriller ausmacht. Rainer Löffler lockt den Leser immer wieder auf eine falsche Fährte und lässt erst am Ende die Katze aus dem Sack - Showdown inbegriffen. Die Charaktere hätte ich mir weniger klischeebehaftet gewünscht (der brummige Fallanalyst, die hübsche Schülerin, der Kommissar, der viel damit zu tun hat, das Alphamännchen raushängen zu lassen), aber so bleibt immerhin Raum für die Charakatere, sich in den kommenden Folgen weiterzuentwickeln...

Alles in allem ein solides Debüt, das Lust macht auf die nächsten Fälle!


© Parden

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Tags: bestialisch, debüt, der metzger, fallanalytiker, hannah christ, köln, martin abel, morde, thriller, thrillerdebüt   (10)
 

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cherringham, hörbuch, städtepartnerschaft, krimi, kurzkrimi

Cherringham - Die Leiche im See

Matthew Costello , Neil Richards
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Erschienen bei Lübbe Audio, 16.07.2015
ISBN B010VEXIF8
Genre: Sonstiges

Rezension:

STÄDTEPARTNERSCHAFT...

Der Gemeinderat von Cherringham lädt Laurent Bourdain, Bürgermeister eines französischen Dorfs an der Bretagne-Küste, zu einem Galaempfang ein, um eine Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden zu besiegeln. Der Veranstaltungsort soll Lady Reptons Herrenhaus sein, das ihr Enkel in ein Tagungszentrum von Weltrang zu verwandeln hofft. Zu Ehren des französischen Würdenträgers wird ein prächtiges Dinner vorbereitet. Doch während der Abend dahingeht und der Wein fließt, verschwindet der Bürgermeister von der Feier, um bald darauf tot im nahen See gefunden zu werden. Ein Unfall, so scheint es - bis Jack und Sarah herausfinden, was wirklich mit dem Toten im See geschah...

Dies ist der siebte Band der mittlerweile 24bändigen Reihe englischer Kurzkrimis, bei Audible als ungekürzte Hörbuchfassung (3 Stunden und 29 Minuten) erhältlich. Gelesen wird das Hörbuch von Sabina Godec, die den Vortrag ruhig und unaufgeregt gestaltet, die aber durch ihre charismatische Stimme zu fesseln weiß.

Vor allem wirtschaftliche Interessen sind es, die die Vertreter von Cherringham und die des französichen Dorfes zu einer Partnerschaft bewegen. Viel Geld und Zeit ist bereits in die Planungen geflossen, und der Galaempfang in Lady Reptons Herrenhaus soll noch einmal alle Interessenten zusammenschweißen. Sarah hält dort einen gelungenen Vortrag vor den gutsituierten Vertretern, verabschiedet sich jedoch bald nach dem Essen. Deshalb schockiert es sie um so mehr, als sie am nächsten Morgen erfährt, dass der französische Bürgermeister in der Nacht ermordet wurde - und der Enkel von Lady Repton unter Mordverdacht steht.

Höchste Zeit für Sarah und Jack, einmal mehr ihre Fähigkeiten als Hobbydetektive unter Beweis zu stellen. Dabei gestaltet sich das diesmal gar nicht so einfach, denn keiner der Gäste des vergangenen Abends spielt mit offenen Karten, jeder scheint etwas zu verbergen zu haben. Laurent Bourdain scheint an dem Galaabend beschlossen zu haben, die Städtepartnerschaft zu canceln - wem passte das womöglich derart nicht in den Kram, dass er beschloss, den Bürgermeister zu töten? Viele Verdächtige gibt es hier, doch schließlich laufen Sarah und Jack zur Hochform auf - und die betagte Lady Repton mit ihnen...

Auch diese Folge hat mir wieder gut gefallen. Hier empfinde ich es nicht als tragisch, dass die Vertreter der Städtepartnerschaft recht klischeehaft gezeichnet sind - die lakonische Art von Sarah und Jack macht dies mehr als wett. Der Fall selbst ist zwar interessant, aber mehr noch lebt auch diese Folge wieder von dem englischen Flair und den Diskussionen zwischen Sarah und Jack. Wirklich ein liebenswürdiges Ermittlerpaar...

Natürlich bleibe ich der Reihe treu!


© Parden


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Bisher in der Cherringham-Reihe gehört sind:

Mord an der Themse Das Geheimnis von Mogdon Manor Mord im Mondschein Die Nacht der Langfinger Letzter Zug nach London Die verfluchte Farm Die Leiche im See

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Tags: cherringham, galaabend, hörbuch, krimi, kurzkrimi, städtepartnerschaft   (6)
 

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

lita harris, erotik, lilly und antonio, wunderschön, liebesroman

Hearts on Fire: Lilly und Antonio - eine Lovestory (spicy lady)

Lita Harris
E-Buch Text: 105 Seiten
Erschienen bei spicy stories, 08.03.2015
ISBN 9783943957778
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

EROTISCHER KURZROMAN...

Eigentlich hat Lilly nie wirklich Entscheidungen treffen müssen – sogar die Hochzeit mit dem smarten Sören von Voght war irgendwie beschlossene Sache. Plötzlich kommt alles anders und Lilly ist gezwungen, ihr Leben endlich in die eigenen Hände zu nehmen. Doch erstmal muss sie den Kopf freibekommen. Und dafür gibt es keinen besseren Ort als das kleine Häuschen am Meer, in dem Lilly früher sehr viele glückliche Sommer verbracht hat. Und dann gibt es da jemanden aus ihrer Vergangenheit, der Lilly nie vergessen hat … Antonio, ihre erste große Liebe aus Kindertagen.

Erotische Lektüre gehört nicht gerade zu meinen Lieblings-Genres, und doch kommt es beispielsweise durch Challenges dazu, dass ich ein solches Buch auch einmal in die Hand nehme. Ein Kurzroman bot sich da an, denn auch wenn er mir nicht gefallen hätte, wäre ich schnell damit durch gewesen.

Erstaunlicherweise fand ich das Buch dann gar nicht so schrecklich wie befürchtet. Ein flüssiger Schreibstil und eine Geschichte, die man einfach auch als Chicklit hätte stehen lassen können, empfand ich als durchaus angenehm: Eine Welt bricht für Lilly zusammen, sie flüchtet ans Meer, viel Idylle, dort trifft sie auf ihre große Liebe. Dass sich die Erzählung am Ende dann nicht auf einen keuschen Kuss beschränkt, damit konnte ich auch gut leben - wenigstens bestand dieser Kurzroman nicht nur aus Bettszenen. Einzig das Ende wirkte dann einfach nur noch rangeklatscht und erinnerte ernüchternd an einen unbeholfenen Schulaufsatz.

Mein Fazit 'ganz nett' ist bei mir jedenfalls bei einem erotischen Buch als Ritterschlag anzusehen... ;)


© Parden

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Tags: erotik, kurzroman, liebe   (3)
 

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krebs, monster, hörbuch, trauer, unheilbare krankheit

Sieben Minuten nach Mitternacht

Patrick Ness , Siobhan Dowd , Bettina Abarbanell , Maria Furtwängler
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Erschienen bei Der Hörverlag, 16.08.2011
ISBN 9783844507799
Genre: Romane

Rezension:

VON DER MACHT DER GESCHICHTEN...

Conor ist 13 Jahre alt, und das Leben meint es zur Zeit nicht gut mit ihm. Seine Mutter ist an Krebs erkrankt, und auch wenn Conor nicht alles erfährt, so weiß er doch, dass es ihr nicht gut geht. Sein Vater hat die Familie vor Jahren verlassen und lebt jetzt mit seiner neuen Familie in Amerika. Conor möchte den Beteuerungen seiner Mutter glauben, dass es noch Hoffnung gibt, doch als sie ihm mitteilt, dass seine Großmutter für eine Weile bei ihnen wohnen wird, schwindet seine Hoffnung. Mit seiner Großmutter versteht er sich nicht, aber auch sonst hat Conor niemanden, mit dem er sich über seine Ängste austauschen kann. Und so versucht er stark zu sein und seine Mutter zu unterstützen, so sehr er es vermag.

Und als ob die Sorge um seine Mutter nicht ausreicht, um ihn zu quälen, träumt Conor auch noch schlecht. Fast jede Nacht hat er denselben Alptraum, der ihn nicht nur verstört und jedesmal schreiend hochfahren lässt, sondern ihm auch Schuldgefühle macht. Und eines Nachts um sieben Minuten nach Mitternacht klopft zu Conors großem Schreck jemand ans Fenster und ruft seinen Namen - mit eigentümlicher Stimme, einem monsterartigen Ton, wild und ungezähmt. Als der Junge vorsichtig nachschaut, wer da etwas von ihm will, erkennt er - tatsächlich ein Monster.


"Ich habe so viele Namen, wie die Zeit Jahre hat."


Doch dies ist kein Monster, vor dem Conor Angst hat - die Ängste seines Lebens sind viel größer. Uralt ist das Wesen, wild und weise, und allmählich begreift Conor, das es ihm tatsächlich nichts antun will. Aber es lässt sich auch nicht abschütteln - denn Conor hat es gerufen. Auch wenn Conor nicht versteht, was das bedeuten soll, spürt er, dass ihm das Wesen helfen will. Aber es verwirrt ihn auch. Denn was soll an dem Vorschlag hilfreich sein, dass das Monster ihm nach und nach drei Geschichten erzählen wird? Und am Ende soll Conor ihm seinerseits eine Geschichte erzählen: "Und es wird die Wahrheit sein...", fügt das Monster noch hinzu.

Conor hat genug Probleme - auch ohne das Monster. Doch es taucht auf, wann es will und besteht auf den Geschichten. Auch wenn Conor sie eigentlich nicht hören will, gerät er über die Geschichten ins Grübeln. Denn hier ist nicht die enfachste und fast unausweichlich scheinende Variante die wahrhaftigste, sondern die Erzählungen nehmen einen verwirrenden und unerwarteten Verlauf. Nichts ist, wie es scheint - und dies bereitet Conor auf seine eigene Geschichte vor, die er erzählen, von der er sich befreien soll, die ihm solche Schmerzen bereitet...

Siobhan Dowd hatte dieses Buch geplant - es gab bereits den Anfang der Geschichte, einige Protagonisten und eine grobe Vorstellung von der Handlung. Doch dann starb die Autorin an Brustkrebs, viel früher als befürchtet. Die Lektorin wollte die Idee des Buches jedoch nicht sterben lassen, und so bat sie einen anderen Autor, Patrick Ness, es zu vollenden. Und dieses gemeinsame Projekt ist gelungen.

Behutsam und einfühlsam nähert sich die Erzählung einem hochemotionalen Thema, glaubhaft sind die Gedanken und Emotionen des 13jährigen Conor, nachvollziehbar seine Reaktionen. Durch die oftmals ruppigen Auftritte des Monsters gerät die Geschichte nie in den Verdacht der Kitschigkeit oder Rührseligkeit, sondern lässt die Vorstellung zu, wie es ist, in einer solchen Situation zu stecken. Gut für Conor, dass sich das Monster als ein verlässlicher Freund entpuppt, der ihn nicht im Stich lässt - bis zum Ende. Ihn aber auch nicht schont. Neben emotionalen Momenten bietet die Erzählung auch unerwartet humorvolle Stellen, auch wenn einem das Lachen gleich darauf wieder im Halse stecken bleibt.

Maria Furtwängler liest die vollständige Lesung (4 h 36 min) auf eine angenehme und angemessene Weise, unaufgeregt aber behutsam, wirklich gekonnt. Mir hat die Lesung ausgesprochen gut gefallen.

Geeignet ist das Hörbuch ab 12 Jahren, aber auch für Erwachsene ist dies ein eindrucksvolles Hörerlebnis. In jedem Fall empfehlenswert! (Und im Mai kommt die Verfilmung ins Kino...)


 © Parden  


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Tags: abschied, geschichten, hörbuch, jugendbuch, krebs, monster, tod, trauer   (8)
 

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thriller, london, ragdoll, serienmörder, mord

Ragdoll - Dein letzter Tag

Daniel Cole , Conny Lösch
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 27.03.2017
ISBN 9783548289199
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

ALS THRILLER ZIEMLICH HANEBÜCHEN...

Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Lumpenpuppe, einer »Ragdoll«. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes...

Gerade einmal zwei Tage habe ich zum Lesen der 480 Seiten benötigt, was sicherlich für den flotten Schreibstil spricht, für die kurzen Kapitel, die zum fortlaufenden Weiterlesen motivieren, für die Neugierde, die beim Lesen entsteht: wer oder was steckt eigentlich hinter all dem Grauen, das sich hier offenbart?

Der Anfang war auch durchaus vielversprechend, die grausige Entdeckung der 'Ragdoll' warf viele Fragen auf - vor allem, wer die einzelnen zerstückelten und aneinandergenähten Opfer überhaupt waren und weshalb sie getötet wurden. Doch rasch gerieten diese Fragen eher in den Hintergrund, weil der Täter einem TV-Sender eine Liste zuspielte, auf der sechs Namen standen - weitere Opfer mitsamt dem jeweiligen angekündigten Todesdatum. In erster Linie galt es daher zu versuchen, den möglichen zukünftigen Opfern ausreichend Schutz zu gewähren - die Ermittlungen in Sachen 'Ragdoll' liefen deshalb eher nebenher. Schon da drängte sich mir der Eindruck von 'zu viel' auf.

Dieser Eindruck verstärkte sich im Laufe des Lesens noch - zu viele Personen, zu viele Informationen, die nicht alle wirklich relevant waren, zu viele Pannen und Zufälle sowie zu viele Handlungsstränge. Dabei wurde auf die Perspektive des Täters komplett verzichtet, was bei mir wiederum ein Gefühl von 'zu wenig' hervorrief. Auch dieses 'zu wenig' zog sich durch den Thriller - zu wenig tatsächliche Ermittlungsarbeit, zu wenig Hintergrundinformation, und viel zu wenig Plausibilität.

Eine der großen genannten Schwächen ist die eigentliche Ermittlung - der einzige, der da wirklich am Ball bleibt, ist der 25jährige Edmunds, der gerade aus dem Betrugsdezernat in die Abteilung für Kapitalverbrechen versetzt wurde und entsprechend bislang keine Erfahrungen mit dieser Art von Ermittlungen hat. Ausgerechnet dieser Neuling hat dann die entscheidenen Ermittlungsergebnisse vorzuweisen, erstellt ein Täterprofil und entwirft einige Theorien, die die Kollegen zunächst empören, die sich dann aber bald als stichhaltig erweisen. Edmunds entdeckt Zusammenhänge, die anderen verborgen bleiben, beißt sich hartnäckig wie ein Terrier an kleinsten Spuren fest und sagt schließlich sogar dem Chef, was zu tun ist. Unglaubwürdig? Finde ich auch.

Die anderen Kollegen haben jedoch zu viel damit zu tun, kleinere und größere Geheimnisse zu verbergen und vor allem damit, ihre Klischees zu erfüllen. Wolf, der Einzelgänger, der schon zu viel Leid und Unrecht gesehen hat und darunter leidet, der, wie der Prolog bereits verrät, schon einmal den Grat zwischen Gut und Böse verlassen hat und dafür zahlen musste (was sucht der eigentlich noch im aktiven Polizeidienst, jetzt ernsthaft mal?), der nichts von Teamarbeit oder Anweisungen von oben hält, der sich aber einige offenbar unverbrüchliche Freundschaften zugute halten kann. Emily Baxter, resolute und toughe Frau, die jedem einen derben Spruch drückt, der ihr vor die Nase kommt, die Einsamkeit in Alkohol ummünzt und die alles tut, um zu demonstrieren, dass sie sich trotz ihrer zierlichen Gestalt durchaus zu behaupten weiß. Der Chef, der sich angesichts der schleppenden Ermittlungen wiederum seinem Vorgesetzten gegenüber ständig rechtfertigen muss und dafür den Druck auf seine Abteilung erhöht, dazu der Kampf gegen die reißerischen Medien... Nichts Neues und in den Rollen vielfach vorhersehbar.

Abgesehen von den Schwächen der Ermittlungsarbeit (geht es hier überhaupt darum?) und den durchweg klischeehaft besetzten Charakteren hätte der Thriller Potential gehabt. Doch im letzten Drittel der Erzählung habe ich nur noch mit den Ohren geschlackert. Eine Überraschung? In jedem Fall. Allerdings letztlich mit vielen unglaubwürdigen Szenen, gespickt mit zufällig passenden Zufällen und reichlich zurückbleibenden Fragezeichen. Wer wusste was und woher so plötzlich? Hier habe ich oft gestaunt. Zurück bleibt aber auch tatsächlich die Frage, weshalb hier ein Mehrteiler geplant ist. Wie zum T... soll das überhaupt gehen?

Insgesamt war dieser Thriller für mich ein bemühtes Debüt mit einigen guten Ansätzen, jedoch auch mit vielen Schwächen in der Umsetzung. Letztlich ein Pageturner, der mich etwas ratlos zurücklässt...


© Parden

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Tags: liste, london, new scotland yard, serienkiller, thriller   (5)
 

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cherringham, krimi, fluch, kurzkrimi, hexen

Cherringham - Die verfluchte Farm

Matthew Costello , Neil Richards
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Erschienen bei Lübbe Audio, 18.06.2015
ISBN B00Y37N1FW
Genre: Sonstiges

Rezension:

TEUFELSAUSTREIBUNG UND GEISTERBESCHWÖRUNG...

Seit dem 17. Jahrhundert thront Mabbs Farm auf dem Hügel von Cherringham - einer Zeit, als die Einwohner Angst vor dem Teufel hatten und Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Der Legende nach sind alle, die auf der Farm leben, verflucht. Aber liegt es wirklich an dem Fluch, dass die Ernte schlecht ausfällt, die Tiere krank werden und tödliche Feuer auf der Farm ausbrechen? Oder gibt es dafür einen ganz anderen Grund? Weder Jack noch Sarah glauben an das Übernatürliche - und bald entdecken sie sehr reale Verdächtige.

Dies ist der sechste Band der mittlerweile 24bändigen Reihe englischer Kurzkrimis, bei Audible als ungekürzte Hörbuchfassung (3 Stunden und 23 Minuten) erhältlich. Gelesen wird das Hörbuch von Sabina Godec, die den Vortrag ruhig und unaufgeregt gestaltet, die aber durch ihre charismatische Stimme zu fesseln weiß.

Charlie Fox scheint vom Pech verfolgt. Seit er die Farm übernommen hat, läuft nichts so wie es sollte, und manche der Vorkommnisse lassen sich nicht mehr mit dem Zufall erklären. Doch wer oder was steckt dahinter? Es dauert nicht lange, bis auch Sarah von den desaströsen Zuständen auf der Farm hört, und als eine Bekannte sie bittet, sich des Falls anzunehmen, zögert sie nicht lange. Auch Jack, der ehemalige Detective aus New York, der mit seinem Springer Spaniel nach wie vor in seinem Hausboot lebt, ist wieder mit von der Partie.

Diesmal ermitteln die beiden Hobbydetektive allerdings offensichtlich gegen den Willen der Farmbesitzer. Charlie jagt die beiden mit der Flinte von seinem Grundstück, und auch seine Frau zeigt sich allen Hilfsangeboten gegenüber ablehnend. Dabei vergeht auf der Farm kaum ein Tag ohne eine neue Katastrophe. Da sich das Gerücht hartnäckig hält, dass auf der Farm ein Flucht liege, kursieren im Dorf sogar Ideen wie 'Teufelsaustreibung' oder 'Geisterbeschwörung'. Jack entwickelt schließlich einen Plan, wie Sarah und er den Geheimnissen auf der Farm auf die  Spur kommen könnte. Doch es wird nicht ungefährlich...

Dieser Teil der Reihe hat mir wieder gut gefallen. Neben dem allgegenwärtigen englischen Flair punktet diese Folge wieder mit der lakonischen Art der Hauptcharaktere. Vor allem die Kommentare zu den paranormalen Theorien und Praktiken waren einfach herrlich. Sarah und Jack wirken inzwischen wie ein eingeschweißtes Team, wobei der ehemalige Cop stets einen kleinen Wissensvorsprung hat. Dies macht Sarah durch ihren motivierten Einsatz und ihr Erfindungsreichtum aber oft wieder wett.

Die Kürze der einzelnen Folgen (alle etwas länger als drei Stunden) verlockt dazu, einfach immer weiter zu hören. Was ich jetzt auch gleich tun werde. Folge sieben steht schon in den Startlöchern...


© Parden


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Bisher in der Cherringham-Reihe gehört sind:

Mord an der Themse Das Geheimnis von Mogdon Manor Mord im Mondschein Die Nacht der Langfinger Letzter Zug nach London Die verfluchte Farm

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familie, südamerika, mädchen, militärdiktatur, wortbedeutungen

Wörterbuch

Jenny Erpenbeck
Flexibler Einband: 109 Seiten
Erschienen bei btb, 02.01.2007
ISBN 9783442734610
Genre: Romane

Rezension:

VERSTÖREND...

Eine junge Frau erinnert sich an ihre wohlbehütete Kindheit in einem südamerikanischen Land und kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur: Die Eltern, die sich so fürsorglich um sie gekümmert haben, sind nicht ihre leiblichen Eltern. Sie sind Teil eines terroristischen Regimes, das auch ihre Eltern umgebracht hat …

Vater. Mutter. Kind. So wächst das kleine Mädchen heran in einer kleinen Stadt, in einem Land, in dem immer die Sonne scheint. Haus. Die Familie lebt gemeinsam in einem großen Haus, eine Amme kommt, solange das Mädchen klein ist, eine Aufwartefrau hilft der Mutter. Ordnung. 'Ordnung muss sein', sagt der Vater, der als Polizeikommandant dafür sorgt. Klavier. Das Kind soll ein Instrument lernen, also geht es einmal in der Woche zum Unterricht, wo es immer nur die Lehrerin in einem bis auf das Klavier leeren Raum antrifft, niemanden sonst. Schule. Uniformierte Kinder, alle gleich, die Augen geradeaus auf die Fahnen gerichtet, allmorgendlich, hinter der Mauer ein geplatzter Reifen, der auch ein Schuss sein könnte.


"Ich sehe einen Baum und sage Baum. Ich rieche Kuchen, den meine Mutter am Sonntag bäckt, und sage Kuchen. Ich höre einen Vogel im Garten zwitschern, und meine Mutter sagt: Ja, ein Vogel. Das waren vielleicht die einzigen Wörter, die heil waren, als ich sie lernte. Und auch die dann verkehrt, aus mir herausgerissen und andersherum wieder eingesetzt. Für mich standen die Worte fest, aber jetzt lass’ ich sie los, und wenn es nicht anders geht, schneide ich den einen oder anderen Fuß lieber mit ab."


Was ist 'Wörterbuch' nun eigentlich? Kein Heilewelt-Roman, so viel kann ich verraten. Ehrlich gesagt habe ich solch ein Buch bislang noch nie gelesen. Eine bitterböse Parabel träfe es da vielleicht am ehesten. Verstörend ist es allerdings auch.

Vage gehalten sind Orte und Namen, Südamerika ist gewiss, Argentinien zu Zeiten der Militärdikatatur wahrscheinlich - aber auch jede andere Diktatur kann sich hier wiederfinden - Parallelen zu Jenny Erpenbecks eigener Kindheit in der DDR sind wohl ebenfalls nicht zufällig. Die Personen erhalten schwache Konturen, eher Rollenzuschreibungen, lediglich einige Kinder bekommen hier einen Namen. Totalitäres Schreckensregime, ideologische Indoktrination, Verzerrung der Wirklichkeit. Und die Rolle der Sprache. Der Wörter. Die zunehmend nicht mehr das sind, was sie vorgeben zu sein.

Doch auch wenn die Autorin eigentlich ein fatales Szenario beschreibt, liest sich das Ganze über weite Strecken hinweg völlig harmlos, was wohl aus dem unkommentierten Nebeneinander der  geschilderten Fakten einerseits und der naiv-kindlichen Perspektive der Ich-Erzählerin andererseits resultiert. Zwar wird größtenteils chronologisch erzählt, doch die ausschließliche Perspektive des erlebenden Kindes ist assoziativ und sprunghaft. Beiläufiges und Wesentliches vermischt sich so immer wieder. Ein Kind, ein anscheinend intaktes Wortregister, tatsächlich aber ein Nachschlagewerk der Lüge mit einer nur vordergründig harmlosen Begrifflichkeit. Um die (vermeintliche) Bedeutung von Wörtern sowie um die Macht der Sprache, die das erzählende Mädchen im Laufe seines Heranwachsens als Instrument der Beeinflussung erfährt, geht es hier.


"Meine Eltern haben viel Platz. Bei mir ist das anders. Der Kopf, den ich bewohne, war schon immer von fremden Träumen möbliert, kommt mir vor. Da falle ich von Zeit zu Zeit hin oder laufe gegen irgendwas oder klemme mich ein. Vater und Mutter."


Die Beschönigungen des Schrecklichen - nichtssagende Umschreibungen der Folter, vorgestanzte harmlose Floskeln für eine Hinrichtung, märchenhafte Erklärungen für das Verschwinden von Menschen: das Kind in der Erzählung erfährt zunehmend, dass es sich auf das Wort als solches nicht verlassen kann, setzt aber große Anstrengungen darein zu verdrängen, zu leugnen, damit die gelernte Wahrheit auch ihre Wahrheit bleibt. Aber es geht noch weiter, denn die ganze Lebenswelt des Mädchens gerät letztlich nicht nur ins Wanken, sondern stürzt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Es erfährt, dass es nicht das Kind der Menschen ist, die es Mama und Papa zu nennen gelernt hat. Der Mann, der eigentlich ihr Vater war, verschwand spurlos - und die Frau, die sie geboren hat, starb gleich nach der Geburt des Mädchens in den Händen der Militärs. Und doch bleibt das Mädchen seinen vermeintlichen Eltern weiter verbunden. Trotz der Wahrheit, die letztlich ans Tageslicht kommt.

Durch Recherche habe ich erfahren, dass hinter dieser Parabel eine wahre Geschichte steckt, die sich zu Zeiten der Militärdiktatur in Argentinien zugetragen hat. Damals wurden alle Menschen mitgenommen, die potentielle Gegner waren, darunter auch schwangere Frauen. In vielen Fällen wurde dann gewartet, bis das Kind geboren war, danach wurde die Mutter umgebracht, während das Kind oft Polizeibeamten gegeben oder verkauft wurde. In einem dieser Fälle haben später die leiblichen Verwandten nach dem Kind der ermordeten Mutter gesucht und es schließlich gefunden. Dieses Kind hat sich dann letztlich aber für die damaligen Anhänger der Diktatur, ihre falschen Eltern entschieden - denn das war die Wahrheit, in der es aufgewachsen war.


"...wenigstens kommt das, was ich esse, unten wieder heraus, nur das, was ich in die Augen hineintue, wo geht das hin, soll das alles in meinen Kopf hineinpassen, selbst wenn ich das stapeln würde wie unsere Aufwartefrau die Wäsche, zusammenfalten und übereinanderlegen, hätte das keinen Platz, glaube ich, deshalb sage ich, was ich sehe, denn dann macht das in meinem Kopf eine Kurve und geht durch den Mund wieder hinaus. Scheiße, sage ich, als ich später sehe, was aus dem Kuchen geworden ist.."


Während ich die Gedankenwelt des Kindes wie im vorweg genannten Beispiel anfangs spannend und, ja, durchaus philosophisch fand, geriet der Schreibstil für mich dann aber zunehmend zu einem K(r)ampf. Sätze von bis zu einer Seite sind da keine Seltenheit, zahllose Wiederholungen, deren Sinn sich mir letztlich zwar erschloss, die für mich aber einfach nur anstrengend zu lesen waren. Das Spiel mit Wörtern um Worte und Sprache - Jenny Erpenbeck mag da zu einer gewissen Virtuosität gelangen, aber mich überforderte diese geballte Versprachlichung der Verharmlosung des Grauens. Die verschwimmende Grenze zwischen der Realität und der Fantasie des Kindes, die ständigen Umdeutungen, das gelegentliche Abgleiten ins Surreale - es tut mir leid: das war nichts für mich.

Verstörend - der Titel meiner Rezension fasst gut zusammen, wie ich die Lektüre letztlich empfand. Trotz der Kürze der Parabel konnte ich immer nur kleine Häppchen lesen und musste das Buch dann erst einmal wieder zur Seite legen. Dass Jenny Erpenbeck auch anders kann, habe ich ja bei 'Gehen, ging, gegangen' gesehen. Hier jedoch kann ich nur wiederholen: das war nichts für mich...


© Parden

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Tags: argentinien, diktatur, militärdiktatur, parabel, sprache, südamerika, verharmlosung, wortbedeutungen, worte   (9)
 

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cherringham, puppenspieler, hörbuch, krimi, vergangenheit

Cherringham - Letzter Zug nach London

Neil Richards , Neil Richards
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Erschienen bei Lübbe Audio, 15.05.2015
ISBN B00WR3MVNW
Genre: Sonstiges

Rezension:

DUNKLE VERGANGENHEIT...

Die Bewohner von Cherringham sind am Boden zerstört. Otto Brendl, der nette alte Herr, der jeden Sommer das Kasperletheater für die Kinder veranstaltete, stirbt an einem Herzinfarkt. Doch schon bald stolpert Jack über ein paar Ungereimtheiten: War Otto wirklich der nette alte Herr von nebenan? Und steckt vielleicht mehr hinter dem Herzinfarkt? Jack und Sarah befinden sich auf der Spur eines besonders unheimlichen Mörders. Zusammen erkennen sie, dass es nicht nur eine Art von Gerechtigkeit gibt.

Dies ist der fünfte Band der mittlerweile 24bändigen Reihe englischer Kurzkrimis, bei Audible als ungekürzte Hörbuchfassung (3 Stunden und 20 Minuten) erhältlich. Gelesen wird das Hörbuch von Sabina Godec, die den Vortrag ruhig und unaufgeregt gestaltet, die aber durch ihre charismatische Stimme zu fesseln weiß.

Eigentlich sieht das ganze anfangs überhaupt nicht nach einem neuen Fall aus für Sarah und Jack, dem ehemaligen Detective der New Yorker Mordkommission. Beim Schulfest kippt der Puppenspieler tot um, und der Arzt bescheinigt einen Herzinfarkt. Doch die Schulleiterin gesteht den beiden Gelegenheits-Ermittlern, dass sie es seinerzeit versäumt hatte, Informationen über den netten alten Herrn einzuholen, der vor einigen Jahren aus Deutschland nach Cherringham gezogen war. Sollten sich dunkle Flecke in der Vergangenheit des Puppenspielers finden lassen, könnte sich dies u.U. negativ auswirken auf ihre Karriere. Ihre Stellvertretung lauere schließlich schon länger auf ihren Posten.

Sarah und Jack erklären sich bereit, Nachforschungen anzustellen und stoßen bald schon auf einige Fragezeichen. Bei dem Puppenspieler wurde eingebrochen, und tatsächlich schien der alte Mann hinsichlich seiner Vergangenheit nicht immer die Wahrheit gesagt zu haben. Doch was steckt dahinter? Und was bedeutet die Tätowierung auf seinem Arm? Die Ermitller kommen einem üblen Geheimnis auf die Spur - und müssen eine Entscheidung treffen...

Die Wendungen in dem Fall haben mir gut gefallen, auch wenn mir die Ermittlungen diesmal etwas verworren und teilweise auch langatmig erschienen. Was mich hier aber erstaunt hat und wenig begeistern konnte, war das Ende. Eine Überraschung, sicherlich. Aber es gibt Entscheidungen, die ich selbst in einem unterhaltsamen Krimi befremdlich finde. Und so stellt dieser Fall den bislang schwächsten in der Reihe für mich dar. Was mir aber den Spaß an der Reihe nicht vergällt...

Also auf zum nächsten Fall!


© Parden


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Bisher in der Cherringham-Reihe gehört sind:

Mord an der Themse Das Geheimnis von Mogdon Manor Mord im Mondschein Die Nacht der Langfinger Letzter Zug nach London

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Tags: cherringham, hörbuch, krimi, kurzkrimi, puppenspieler, vergangenheit   (6)
 

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piet, kirschkernspuckerbande, freunde, warmherzig, adoption

Die heldenhaften Jahre der Kirschkernspuckerbande

Gernot Gricksch
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2013
ISBN 9783426510650
Genre: Romane

Rezension:

ICH LIEBE DIE KIRSCHKERNSPUCKERBANDE!

Piet und seine Kirschkernspucker-Freunde aus alten Zeiten müssen sich auch mit 40 Lebensjahren noch den Widrigkeiten des Lebens stellen. Die lang ersehnte Lebensweisheit und eine lässige Abgeklärtheit lassen leider auf sich warten. Stattdessen winken die erste Midlife-Crisis, eine späte Schwangerschaft, die immer wieder turbulente Liebe und die Rettung eines vernachlässigten Mädchens. Wenn dazu die eigenen Kinder genauso viel Mist bauen wie man selbst früher, ist das Chaos komplett. Aber mit guten Freunden ist alles zu schaffen. Sogar das Leben.


"Ich weiß nicht, ob die Wet wirklich immer schlimmer wird, ob die Menschen tatsächlich immer gröber und kaputter werden oder ob es mein Alter ist, das mich die Dinge anders wahrnehmen lässt. In den letzten zehn Jahren habe ich so viel Verwahrlosung bei den Menschen gesehen, so viel alleingelassene Kinder, so viel Kälte, Egoismus und Dummheit, dass ich dazu tendiere, zu glauben, dass die Welt generell den Bach runtergeht. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur ein alter Mann geworden und habe in den Früher-war-alles-besser-Modus geschaltet, den ich bis vor kurzem an alten Männern immer so furchtbar gefunden habe." (S. 6/7)


Ja, Piet ist älter geworden. Bereits seinen 50. Geburtstag feiert er im Prolog - wobei: von Feiern kann eigentlich nicht die Rede sein. Zwar sind alle seine Freunde, die Familie und selbstredend die Kirschkernspuckerbande versammelt, doch Angst und Unsicherheit prägen die Szene, und draußen zuckt das Blaulicht. Keine Band, die die ollen Hits spielt, sondern stattdessen eine Durchsage der Polizei: 'Dies ist die letzte Warnung. Sie haben fünf Minuten, um...' Doch der Prolog verrät noch nicht, was da los ist - er präsentiert nur eine ähnlich schräge Eingangsszene wie schon in Band eins.

Das erste Buch endete mit dem Erreichen des 40. Lebensjahres der Freunde, Band zwei setzt nahtlos an dieser Stelle an und begleitet die Kirschkernspuckerbande durch ein weiteres Jahrzehnt. Einen besonderen Stellenwert erhält dabei das Silvesterfest in jedem Jahr, denn seit dem Begräbnis von einem ihrer Freunde treffen sich die anderen samt Anhang stets am letzten Tag des Jahres, um ihres toten Freundes zu gedenken - und einfach, um sich wieder einmal alle zu sehen. Im Alltag ist dies nämlich nicht immer leicht, auch wenn einzelne der Kirschkernspuckerbande sich auch sonst schon mal begegnen.

Midlife-Crisis, pubertierende Kinder und einfach das Leben machen es nicht unbedingt leichter für Piet, Susanne, Sven, Petra und Dille. Obwohl es Piet und Susanne gut geht mit ihrer kleinen Tochter, versinkt Piet unmerklich in einer Sinnkrise. Sven lebt sich mit seinem Mann Jörn allmählich auseinander - während Sven als Theaterregisseur gerade ganz groß durchstartet, führt der arbeitslose Jörn den Haushalt und fühlt sich zunehmend ungesehen. Ein Pflegekind soll helfen, den Riss zwischen den beiden zu kitten. Petra und Dille können nicht mit- und nicht ohneeinander. Sie streiten sich oft wie die Kesselflicker und sind mit der ungeplanten späten Schwangerschaft Petras fast überfordert. Dille probiert laufend neue Aktivitäten aus, weil er ständig das Gefühl hat, im Leben zu kurz zu kommen. Und Petra - sucht die Liebe.


"Ich war mir sehr wohl der Tatsache bewusst, dass Anita das hatte, was man eine psychische Störung nennt. Doch Anita war immer gut gelaunt, sie war voller Energie und Neugier und einer atemberaubenden Offenheit für alles und jeden. Sie war glücklich. Konnte es eine Störung sein, sein Glück gefunden zu haben?" (S. 191)


Den Leser erwartet hier wieder eine turbulente Mischung, die Begegnung mit einigen anderen besonderen Menschen eingeschlossen. Mit Adolf z.B., dem skurrilen WG-Partner von Petras und Dilles Zwillingen. Oder auch mit Anita, der langjährigen Freundin des verstorbenen Freundes der Kirschkernspuckerbande. Lebendig erzählt Gernot Gricksch hier wieder, wie es im Leben so laufen kann - nachdenklicher als im ersten Teil, aber wieder wunderbar lebensbejahend. Humorvoll, warmherzig, berührend - und fast schon hat man das Gefühl dazuzugehören. Ich habe es wieder sehr genossen...


"Ich hoffe, die Kirschkernspuckerbnde hat Sie (wieder) amüsiert und berührt. Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, als die schräge Truppe elf Jahre nach ihrem ersten Abenteuer plötzlich wieder vor meinem inneren Auge auftauchte und Einlass in meinen Kopf begehrte. Erst beim Schreiben habe ich bemerkt, wie sehr ich diese Querköpfe vermisst habe." (S. 315)


Da bleibt nur zu hoffen, dass die Kirschkernspuckerbande hartnäckig bleibt und Gernot Gricksch dazu bewegt, bald wieder einmal von ihren Erlebnissen zu berichten. So - in zehn Jahren vielleicht? Ich würde mich jedenfalls sehr freuen!

Für dieses Buch gibt es wieder eine klare Empfehlung - verbunden mit dem Hinweis, unbedingt mit Band eins zu beginnen, da es hier viele Bezüge zu den vorherigen Ereignissen gibt. Also: ran an die Kirschkernspuckerbande!


© Parden

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cherringham, archäologie, krimi, silber, diebstahl

Cherringham - Die Nacht der Langfinger

Matthew Costello , Neil Richards
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Erschienen bei Lübbe Audio, 12.02.2015
ISBN B00SHRW6B4
Genre: Sonstiges

Rezension:

SCHATZSUCHE...

Zwei Dorfbewohner finden einen Schatz - eine wertvolle römische Platte aus reinem Silber. Zwar müssen sie sich die Belohnung mit dem Farmer und der Besitzerin des Landes, Lady Repton, teilen, aber es bleibt immer noch genug für alle. Der Archäologe Professor Cartwright bietet an, den Fund sicher in seinem Safe zu verstauen. Doch als am nächsten Tag der Experte des Britischen Museums eintrifft, um den Fund zu begutachten, ist dieser verschwunden! Die Polizei verdächtigt eine bekannte Gruppe von Kunstdieben. Aber Jack und Sarah haben eine andere Vermutung...

Dies ist der vierte Band der mittlerweile 24bändigen Reihe englischer Kurzkrimis, bei Audible als ungekürzte Hörbuchfassung (3 Stunden und 17 Minuten) erhältlich. Gelesen wird das Hörbuch von Sabina Godec, die den Vortrag ruhig und unaufgeregt gestaltet, die aber durch ihre charismatische Stimme zu fesseln weiß.

Die beiden Hilfsarbeiter trauen ihren Augen nicht, als auf dem Acker eines Farmers der Metalldetektor wild auszuschlagen beginnt und sie daraufhin eine große silberne Platte ausgraben. Das britische Gesetz schreibt jedoch vor, dass der Finder eines Schatzes diesen nicht für sich behalten darf, sondern ihn mit dem Besitzer des Grundstücks, auf dem der Schatz gefunden wurde, teilen muss. Alle sind aus dem Häuschen, als sie von dem hohen Wert des Fundes erfahren - für die Hilfsarbeiter wäre dies ein Weg aus dem Schuldenberg, der Farmer könnte den hohen Pachtzins auf Jahre hinaus zahlen, und die Besitzerin des Landes, Lady Repton, wäre endlich in der Lage, die längst fälligen Reparaturen an ihrem alten Landsitz vornehmen zu lassen.

Dummerweise posaunen die beiden Hilfsarbeiter die Nachricht von dem Fund abends bierselig im Pub herum. Als am Tag darauf ein Experte vom Britischen Museum erscheint, um den Fund zu begutachten, ist dieser jedenfalls verschwunden. Ausgerechnet aus dem sicheren Safe des im Ruhestand befindlichen Archäologen Professor Cartwright heraus. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Steckt dahinter aber tatsächlich die bekannte Diebesbande, vor der derzeit kein Kunstwerk sicher scheint? Dies scheint jedenfalls die Polizeit zu vermuten - doch Sarah und Jack haben da so ihre Zweifel...

Jack und Sarah gehen zunehmend vertrauter miteinander um. So hilft Sarah dem ehemaligen New Yorker Detective beispielsweise bei der Vorbereitung einer Hausbootparty, zu der Jack das halbe Dorf einzuladen gedenkt. Doch in die Vorbereitungen hinein platzt der Diebstahl der alten und wertvollen römsichen Silberplatte. Begeistert über die Möglichkeit, erneut ermitteln zu können, stürzen sich Sarah und Jack in den neuen Fall. Doch diesmal muss Sarah nicht nur ihre ausgesprochen große Begabung für alles Technische und Digitale in Anspruch nehmen, sondern die beiden Ermittler müssen zudem auch noch tief in die Trickkiste greifen. ..

Die Wiederbegegnung mit dem Ermittlerduo macht mir von Fall zu Fall mehr Spaß, weil die Charaktere immer vielschichtiger werden. Der Fall ist interessant und bietet ein paar Überraschungen, doch in erster Linie ist es erneut das Flair des englischen Krimis, das mich hier begeistern konnte. Ein bisschen wie die 'Fünf Freunde'-Reihe von Enid Blyton, nur für Erwachsene. Der Reihe bleibe ich jedenfalls weiterhin treu!


© Parden


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Bisher in der Cherringham-Reihe gehört sind:

Mord an der Themse Das Geheimnis von Mogdon Manor Mord im Mondschein Die Nacht der Langfinger

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Tags: archäologie, cherringham, diebstahl, krimi, kurzkrimi, römische antike, schatz, silber   (8)
 
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