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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Stolz und Vorurteil

Jane Austen
Flexibler Einband: 441 Seiten
Erschienen bei Insel, Frankfurt
ISBN 9783458343301
Genre: Klassiker

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finnland, zufall, schicksal, verlust, glück

Dinge, die vom Himmel fallen

Selja Ahava , Stefan Moster
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 14.02.2017
ISBN 9783866482425
Genre: Romane

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Katzenmusik und Katerstimmung

Elke Heidenreich , Rudi Hurzlmeier
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 14.10.2013
ISBN 9783442746804
Genre: Romane

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ddr, deutsche geschichte, machandel, mecklenburg-vorpommern, wiedervereinigung

Machandel

Regina Scheer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Knaus, 11.08.2014
ISBN 9783813506402
Genre: Romane

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62 Bibliotheken, 16 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

veronica roth, gezeichnet, rat der neun, intrigen, cyra

Rat der Neun - Gezeichnet

Veronica Roth , Petra Koob-Pawis , Michaela Link , Laura Maire
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 17.01.2017
ISBN 9783844524970
Genre: Science-Fiction

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die Gästeliste

Sanne Averbeck
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 16.02.2017
ISBN 9783736302402
Genre: Krimi und Thriller

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

wien, molly preston, geocaching, carine bernard, rätsel

Die Schnitzel-Jagd

Carine Bernard
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.09.2016
ISBN 9783426215579
Genre: Krimi und Thriller

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46 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

thriller, geiselnahme, aufbau, psychospiele, schauspieler

Fürchte dich

J. S. Carol ,
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.01.2016
ISBN 9783746630984
Genre: Krimi und Thriller

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Indianermärchen

Frederik Hetmann
Fester Einband
Erschienen bei Königsfurt-Urania Verlag , 14.11.2016
ISBN 9783868260687
Genre: Sonstiges

Rezension:

MYTHEN, LEGENDEN UND MÄRCHEN DER NORDAMERIKANISCHEN INDIANER...

Das Bild der Indianer wurde jahrhundertelang nach den Vorstellungen der Weißen gezeichnet. Dabei kam es zu einer verzerrten, häufig klischeehaften Darstellung der indianischen Kultur. Ein wirkliches Verständnis ist aber nur möglich, wenn die Indianer aus ihrer eigenen Welt, ihren Mythen, ihren Traditionen und ihrem eigenen Bewusstsein heraus begriffen werden. Dazu können die hier gesammelten Märchen wichtige Anhaltspunkte und Hilfen geben. 

Allerdings sind die Märchen bei den indianischen Stämmen immer nur mündlich tradiert worden. Eine Schriftsprache besaßen die nordamerikanischen Indianer nicht. Nach den Jesuiten im Jahr 1633 waren es vor allem Handlungs- und Forschungsreisende, in deren Aufzeichnungen  über ihre Erlebnisse im Indianerland sich sporadisch auch Elemente von Indianermärchen und -legenden fanden. Als im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts eine breitere Sammlung indianischer Folklore aufkam, neigten die Schreiber leider oft dazu, die indianischen Märchen ihrem eigenen persönlichen Geschmack entsprechend einzufärben und umzuformulieren. 

Durch den Eifer verschiedener amerikanischer Universitäten kam schließlich eine immense Forscher- und Sammlertätigkeit auf. Es gibt mittlerweile kaum einen primitiven Kulturbereich, dessen Mythen, Legenden und Märchen so erschöpfend und genau notiert worden sind, wie derjenige der nordamerikanischen Indianer. 

Die hier vorliegende Auswahl bietet höchstens eine kleine Kostprobe aus der inzwischen umfangreichen Sammlung. Dabei wurde sich bemüht, die Verfälschungen der ursprünglichen Erzählungen durch die Schreiber wieder rückgängig zu machen, um sich dem Original wieder anzunähern. Es wurden vor allem solche Texte ausgewählt, die etwas über die Lebensumstände der einzelnen Stämme, die magischen Vorstellungen und das Selbstverständnis der Indianer aussagen. Die Indianer können so ohne Verfälschung durch das Selbstverständnis der Weißen aus ihrer eigenen Tradition und Weltsicht heraus kennengelernt werden. 

Auch wenn heute nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dass ursprüngliche Überlieferungen vollkommen unverfälscht an uns herangetragen werden können, war ich neugierig darauf, was mich hier erwartet. Und tatsächlich gewährte diese Sammlung einen interessanten Einblick in die Vielfältigkeit der indianischen Stämme einerseits und das Verbindende der indianischen Kultur andererseits. Die Naturverbundenheit, der Aufbau einer indianischen Gemeinschaft, die Lebensgewohnheiten und die Mythen der Ureinwohner Amerikas werden hier glaubhaft präsentiert.

Auch wenn die einzelnen Texte oft recht schmucklos und z.T. fast nüchtern daher kommen, hat mir die Lektüre gut gefallen. Manche Indianerstämme kannte ich  zuvor noch nicht einmal vom Hörensagen. Von anderen habe ich inzwischen ein viel umfassenderes Bild erhalten. In jedem Fall kommt solchen Sammlungen eine immense Bedeutung zu: die Bewahrung von vergänglichen kulturellen Schätzen. 


©parden 

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

einsamkeit, insel, verlust, trauer, schuld

Birk

Jaap Robben , Birgit Erdmann
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 15.08.2016
ISBN 9783869137186
Genre: Romane

Rezension:

KEINE INSELIDYLLE...

Auf einer kleinen Insel zwischen Schottland und Norwegen stehen drei Häuser. Eines davon verfällt zusehends, da dessen letzte Bewohnerin bereits vor einiger Zeit verstorben ist. In den beiden anderen Häusern leben zum einen der dicke Fischer Karl und zum anderen der 9jährige Mikael mit seinen Eltern. Doch eines Tages ist der Vater des Jungen verschwunden.

Davongeschwommen sei er, erzählt Mikael seiner Mutter, unter Wasser sei er geschwommen. Eine groß angelegte Suchaktion verläuft ergebnislos, der Vater bleibt verschwunden - ertrunken. Zurück bleiben drei Menschen in größter Einsamkeit.


„Papa nannte sie nie wieder ‚Papa‘, sondern nur noch ‚Birk‘. Ihren Birk, um mich spüren zu lassen, dass die Schuld auf meiner Seite war und der Kummer auf ihrer. Näher als zwei Tischkanten kamen wir uns nicht mehr.“  (S. 77)       


Schuld. Verzweiflung. Sehnsucht. Fortan lebt der kleine Mikael in einem Kokon der Lieblosigkeit, meist allein mit sich und seinen Gedanken, die Mutter unerreichbar, die mit dem Verlust ihres Mannes einfach nicht fertig wird und ihrem Sohn daran die Schuld gibt - und ihn dies auch spüren lässt. Auch schon vor Birks Tod war der Umgang mit der Mutter nicht unkompliziert, doch der Vater wusste sie stets zu besänftigen.


"Wenn Mama fand, Papa hätte etwas gutzumachen, suchte er (...) nach einem Geschenk für sie. Was genau er falsch gemacht hatte, sagte sie ihm aber nie." (S. 39)


Überhaupt war der Vater derjenige, der durch seine liebevolle Art das empfindliche Gleichgewicht zwischen den Menschen auf der nahezu isolierten Insel im Lot hielt. Seit seinem Tod gerät dieses Gleichgewicht zunehmend in Schieflage. Sechs Jahre seit dem Unglück umfasst die Erzählung, und Mikaels Heranreifen gestaltet die Situation auf der Insel nicht leichter. Er wird seinem Vater immer ähnlicher, und in der Wahrnehmung der Mutter verschwimmen die Grenzen zwischen dem Vater und seinem Sohn immer mehr.


"Ich trockne ab, genau wie sie es am liebsten hat. Erst die Gläser, dann die Teller und zum Schluss die Töpfe. Die Gläser und das Besteck (...) halte ich noch einmal besonders lange ins Spülwasser, damit sie aus Versehen meine Hand berühren könnte." (S. 210)


Aus der Sicht zunächst des kleinen Jungen, später des Jugendlichen, werden die dramatischen Geschehnisse auf der Insel erzählt. Im Kontrast zu dem einfachen und klaren, fast nüchternen Schreibstil steht die Schwere des Inhalts, die düstere Stimmung. Kurz gehalten sind die Kapitel, vieles schwingt zwischen den Zeilen mit und ist beklemmender oft als das Geschriebene selbst.

Die Dramatik wird durch eine in die Erzählung verschlungene Parabel um ein Möwenjunges nocht verstärkt. Mikael findet dieses Junge mit dessen Mutter in dem verfallenden Haus auf der Insel und schaut ihm beim Wachsen zu. Und doch ist ihm klar, an welch seidenem Faden das Leben der kleinen Möwe hängt. Diese Parabel weist eine bedrückende Parallelität zu den Geschehnissen auf der Insel auf und verdeutlicht in ihrer Symbolhaftigkeit die sich zuspitzenden Ereignisse auf der kleinen, abgeschiedenen Insel.

Keine Inselidylle hat Jaap Robben hier geschaffen, sondern ein beeindruckendes Kammerspiel des Grauens - von Menschen, die Gefahr laufen, selbst zu Inseln zu werden. Eine Erzählung mit Nachhall...


© Parden 

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Tags: einsamkeit, psychischer druck, schuld, sehnsucht, trauer, verlust   (6)
 

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freundschaft, außerirdische, flüchtlinge, lausianer, kinderbuch

Krzschrk

Marcus Schneider
E-Buch Text: 156 Seiten
Erschienen bei null, 01.01.2017
ISBN B01MR21WMB
Genre: Kinderbuch

Rezension:

EIN TOLLES KINDERBUCH!

Die Sommerferien sind zu Ende, der erste Schultag ist angebrochen. Charly freut sich darauf, ihre beste Freundin endlich wieder zu sehen, und auf ihren alten Geschichtslehrer ebenso - Charly liebt dieses Fach einfach am allermeisten, und irgendwann will sie mal Archäologin werden! Doch kaum in der Klasse angekommen, werden gleich alle Erwartungen enttäuscht. Charlys Freundin sitzt neben einem anderen Mädchen, und vor der Tafel steht eine ganz andere Geschichtslehrerin. Und als ob das nicht reichen würde, sitzt in der Klasse nun auch noch eine Lausianerin!

Was das ist? Nun, eben ein Mädchen der Außerirdischen, die vor ein paar Monaten mit einem Raumschiff auf dem Flughafen München gelandet waren. 5000 lausianische Flüchtlinge leben seither in Bayern - und eben auch in der Kleinstadt, in der Charly wohnt. Wie sich herausstellt, geht Sarah nicht nur in dieselbe Klasse wie Charly, sondern ist mit ihrer Mutter auch noch in das Haus neben dem von Charlys Familie gezogen. Die blaue Haut lässt die Lausianer fremdartig erscheinen, dazu riechen sie so merkwürdig, und seltsam kleiden tun sie sich auch. Als Sarah mit Charly zusammen zur Schule fahren will, wird dieser ganz anders. Was ist, wenn die anderen denken, sie sei mit Sarah befreundet?!

Doch Charly hat noch mehr Grund, sich aufzuregen. Einige Lausianer beschmieren das Haus ihrer Familie - und als Sarah ihr übersetzt, was da geschrieben steht (schließlich kann Charly kein Lausianisch), wird sie nachdenklich. Ob sie es will oder nicht, es scheint eine Verbindung zu geben zwischen den Lausianern und Charlys Familie - eine Verbindung, die schon seit Jahrhunderten besteht. Charly und Sarah geraten unversehens in ein Abenteuer, das mehr Gefahren birgt, als sie denken, das sie bis in die Zeit der Kreuzritter zurückführt - und das ihnen klar macht, welche Werte im Leben wirklich zählen.


"Ich dachte Menschen und Lausianer wären sich so ähnlich?" --- "Körperlich, rein körperlich." --- "Und mental seid ihr die Einsteins und wir die Affen?" --- "Einstein war auch nur ein Mensch."


Als ich den Titel dieses Buches las, war ich hin und weg. Wie zum T... spricht man das aus?! Auch der Klappentext sprach mich an, und so beschloss ich, dass es wieder einmal an der Zeit wäre, ein Kinderbuch zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht - hier kommen Kinder auf ihre Kosten!

Charly ist ein glaubhafter Charakter, ein starkes, selbstbewusstes Mädchen, das dennoch irgendwie 'dazugehören' will. Die inneren Konflikte im Umgang mit den Gleichaltrigen sind gut geschildert, wie z.B. die Angst, selbst ausgegrenzt zu werden, wenn man mit dem Außenseiter befreundet ist. Mir gefällt, dass Charly kein 'Überfliegercharakter' ist und nicht einfach selbstverständlich immer die moralisch guten Entscheidungen trifft, sondern sich um mögliche Konsequenzen durchaus Gedanken macht.

Die Situation mit den Außerirdischen ist durchaus unterhaltsam, und doch stehen hier die Themen 'Andersartigkeit' und ' gegenseitige Vorurteile' mit im Raum. Die geschilderte Flüchtlingssituation der Lausianer bietet dazu vermutlich nicht von ungefähr Parallelen zur aktuellen Weltlage und könnte z.B. beim Vorlesen oder auch beim Lesen im Klassenverband als Diskussionsgrundlage dienen.

Doch im Vordergrund steht hier natürlich das Abenteuer, die Suche nach einem alten Schatz, auf den plötzlich viele Jagd machen, so dass Charly bald nicht mehr weiß, wem sie eigentlich noch trauen kann. Einige Szenen gerade gegen Ende hin wirkten auf mich etwas zu überzogen, aber Kinder mag es ansprechen, wenn ihre Helden sich gelegentlich ein wenig wie Superman verhalten. Einige etwas unlogische Stellen seien dem Buch verziehen, denn insgesamt wird hier Spannung, Humor und Nachdenkliches in einem sehr unterhaltsamen Gesamtpaket geboten.

Empfohlen wird dieses Buch für Leser und Leserinnen ab 10. Manche gewaltbetonte Passagen fand ich bezüglich dieser Altersangabe etwas grenzwertig - da sollte man als Eltern entscheiden, wie reif sein eigenes Kind ist und bei einem ängstlicheren Naturell vielleicht noch etwas mit der Lektüre warten.

Insgesamt ist dies aber ein tolles Kinderbuch, unterhaltsam, flott zu lesen und spannend. In jedem Fall empfehlenswert!


© Parden

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Tags: außerirdische, bayrische kleinstadt, burg, flüchtlinge, freundschaft, geheimnis, geschichte, kinderbuch, kreuzritter, lausianer, schatz, vorurteile   (12)
 

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

berlin, hörbuch, hype, thriller

Neuntöter

Ule Hansen , Friederike Kempter
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 29.02.2016
ISBN 9783837133417
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

MUMIEN...

Es wurde Abend. Es wurde Morgen. Und niemand fand sie. Berlin, Potsdamer Platz. Auf einem Baugerüst macht ein Junge eine grausame Entdeckung: Drei Leichen, einbandagiert in Panzertape, hängen in schwindelerregender Höhe an den Gerüststangen. Sie sehen aus wie Mumien und scheinen in dieselbe Richtung zu blicken, als würden sie auf etwas warten. Fallanalystin Emma Carow wird schnell klar, dass dieser Fall entscheidend für ihre Karriere ist. Doch je tiefer sie sich verbeißt, desto mehr droht ein altes Trauma sie in den Abgrund zu ziehen.


"Carow, Sie sind der unglücklichste Mensch, den ich kenne..."


Es gibt die (Hör)-Bücher, die man mit einem Seufzer schließt. Bestenfalls mit einem Seufzer des Bedauerns, weil das Buch einen aus der ihm innewohnenden Welt entlässt, bevor man wirklich bereit dazu ist. Schlimmstenfalls, weil die Erleichterung groß ist, das Buch endlich beendet zu haben. Dieser Thriller gehört für mich leider zur letzten Kategorie - und der Seufzer war groß.

Beim Überfliegen der bisherigen Rezensionen hatte ich schon entdeckt, dass das Buch - und allen voran vermutlich die Ermittlerin Emma Carow - polarisiert. Von vollkommener Begeisterung bis zur absoluten Enttäuschung ist da alles dabei. Ich kann die enttäuschten Stimmen leider nur zu gut verstehen. Allein aufgrund des interessanten Tathintergrundes vergebe ich hier zwei Sterne statt einem, so viel schon einmal vorweg...

Zunächst einmal zum Fall selbst: mumienartig verpackte Leichen baumeln tagelang unentdeckt an einem Baugerüst - und als sich herausstellt, dass die Opfer davor schon etliche Tage noch lebendig mit dem Klebeband umwickelt waren und dadurch langsam verhungerten und verdursteten, hat der Täter seinen Spitznamen weg: 'Neuntöter'. Im Mittelalter glaubte man nämlich dass der so benannte Vogel, der seine Beutetiere auf Dornen aufspießt, zunächst neun Opfer sammelt, bevor er sie verspeist.


"Warum tötet ein Mörder seine Opfer nicht?"


Diese Frage beschäftigt das Berliner Team um die Fallanalystin Emma Carow, und noch eine Reihe anderer Fragen dazu. Wie beispielsweise schafft es jemand, unerkannt mehrere Leichen oben auf ein Gerüst zu wuchten und sie dann aufzuhängen? Was könnte das Motiv hinter den Morden sein? Waren das schon alle Opfer? Doch diese durchaus interessanten Fragestellungen und der eigentlich brisante Fall geraten rasch in den Hintergrund, denn hier geht es vor allem um eines: um Emma Carow.

Schwer traumatisiert seit einer Vergewaltigung mit 19 Jahren, kann sich Emma zwar in komplizierte Mörderseelen hineinversetzen, vor Menschen im Allgemeinen hat sie jedoch Angst. Und so tappt sie sozial inkompetent von einem menschlichen Fettnäpfchen ins nächste und hat es nur der Fürsprache ihres Chefs zu verdanken, dass sie nicht längst hat umschulen müssen. Im Laufe der Erzählung gerät der Fall tatsächlich immer wieder aus dem Fokus, und Emmas Leben und Entscheidungen stehen im Mittelpunkt. Ihr Umgang mit Männern beispielsweise oder die wiederaufkeimende Angst, nachdem ihr Vergewaltiger nach einigen Jahren in Haft wieder auf freien Fuß gesetzt wurde - noch dazu mit einer Buchveröffentlichung, in der es um genau diese Tat geht, geschildert aus der Sicht des Täters.


"Wenn Emma ihre Nichte anschaute, sah sie ein kuscheliges Bündel Vertrauen, das rein zufällig dem sexuellen Ideal der meisten Exhibitionisten, Voyeure, Vergewaltiger und Mörder entsprach."


Langatmig, langweilig, viel zu ausschweifend und teilweise wenig glaubwürdig - so empfand ich diese Passagen um die Person Emmas im Wesentlichen. Dazu kommt, dass ich etliche Schlussfolgerungen, die Emma bezüglich des Falls zieht, selbst nach mehrfachem Lesen z.T. nicht nachvollziehen konnte oder schlichtweg nicht verstand. Die Zufälle, die den Fall mit dem Privatleben Emmas verquickten, waren für mich ebenfalls des Guten eindeutlig zu viel. Und die Handlungen Emmas waren für mich darüberhinaus oftmals mehr als fragwürdig. Insgesamt empfand ich die Figur der Fallanalystin als schwer gestört und sehe hier bei aller vermeintlichen Genialität in ihrem Fach eher einen Fall für die Psychiatrie denn eine geeignete Person für den Kampf gegen die Kriminalität.

Der langatmige Effekt wurde dann für mich leider von der Lesung durch Friederike Kempter noch verstärkt. Seltsam distanziert selbst an spannenden Stellen empfand ich den Vortrag, so dass selbst heftige Szenen, an denen mal gebrüllt wurde, wenig glaubhaft wirkten. Für mich leider nicht die ideale Besetzung.

Ich gehöre jedenfalls zu denjenigen, denen sich der (geschürte) Hype um das (Hör)-Buch in keinster Weise erschließt. Von einem Thriller erwarte ich mehr: mehr Spannung, mehr Glaubwürdigkeit, mehr Authentizität, mehr Ausgewogenheit zwischen Fall einerseits und Ermittlerhintergründen andererseits. Für mich hatte das Ganze etwas von 'Durchquälen'. Sehr schade...


© Parden

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Tags: berlin, hörbuch, hype, thriller   (4)
 

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56 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

sterbebegleitung, sterben, roman, familie, tod

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Susann Pásztor
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783462048704
Genre: Romane

Rezension:

VOM LEBEN UND VOM STERBEN...

Fred Wiener ist frisch ausgebildeter ehrenamtlicher Mitarbeiter in einem Hospiz und nun bereit, seine erste Sterbegleitung anzutreten. Viele Bücher zu den Themen Psychologie und Tod hat er schon gelesen, doch nichts davon bereitet einen wirklich auf die Praxis vor. Entsprechend aufgeregt ist Fred, als er an der Tür klingelt - Karla Jenner-Garcia steht auf dem Schild. Doch was immer Fred auch erwartet haben mag - Karla reagiert skeptisch.


"Herr Wiener?", fragte Karla und wartete geduldig, bis er wieder zu ihr aufblickte. "Darf ich Sie fragen, warum Sie das machen? Was bringt Sie dazu, fremde Leute zu besuchen, die bald sterben werden?" (...) "Ich hab mal eine Fernsehsendung über Hospizarbeit gesehen", sagte er. "Ich wusste sofort, dass ich das auch machen wollte." --- "Nehmen die denn jeden?" --- Er entschied sich zu glauben, dass das nicht gegen ihn gerichtet war. (S. 14 f.)


Die 60Jährige verhält sich einfach nicht so, wie Fred es vermutet hat. Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstatdium, höchstens noch ein halbes Jahr zu leben - doch Karla ist sich nicht sicher, ob sie diese Art von Sterbebegleitung wirklich will. Fred jedoch lässt sich nicht beirren, bietet seine Dienste an und hat klare Vorstellungen, wie er dieser Patientin die letzten Wochen und Monate in ihrem Leben verschönern kann.


"Ist das Ihr Unterhaltungsprogramm für Sterbende, Herr Wiener?", fragte Karla. "Ich setze eine Liste mit meinen Wünschen auf, die wir dann zusammen abarbeiten? Ein letztes Mal ans Meer? Noch einen Film für die Nachwelt drehen? Ich war noch nie in einem Sexshop oder so?" --- "Warum nicht", sagte er vorsichtig. --- "Dann sind Sie sehr romantisch, Herr Wiener. Wenn ich Listen schreibe, dann sind es welche, auf denen steht, welche Todesarten mir noch weniger gefallen als die, an der ich sterben werde. Ich schreibe Listen mit meinen gebrochenen Versprechen und all den Dingen, an die ich nie geglaubt habe. Ich schreibe eigentlich nur noch Listen. Für alles andere fehlen mir die Worte." (S. 17 f.)



Karla ist stark, spröde und eigensinnig, ohne Familie und Freunde, und hatte schon immer klare Vorstellungen von ihrem Leben - und nun auch von ihrem Sterben. Doch auch wenn Fred allmählich begreift, dass er seine Vorstellungen von einer Sterbebegleitung hier nicht unbedingt ausleben kann, versucht er immer wieder, sich auf seine Art einzubringen. Aber 'gut gemeint' ist nicht immer das hilfreichste Kriterium, und so kommt es bei dem Versuch, Karla mit ihrer Vergangenheit zu versöhnen, zu einem Bruch. Karla lehnt jede weitere Hilfestellung ab.


"Ich habe eine Schwester, und die ist im Todesfall zu benachrichtigen. Solange ich das noch sagen kann, ist er nicht eingetreten." (S. 19)


Fred Wiener ist am Boden zerstört, und nur die Tatsache, dass sein 13jähriger Sohn Phil Karla weiterhin besuchen kann, tröstet ihn ein wenig. Phil ist nämlich derjenige, der Karlas zahllose Fotos von Konzerten und Musikevents archivieren soll, um sie der Nachwelt zu erhalten. Phil erzählt seinem Vater zwar nicht viel, doch das wenige reicht Fred, um zumindest einen kleinen Eindruck davon zu erhalten, wie es Karla geht. Phil wächst an seiner Aufgabe und diesen sehr besonderen Begegnungen mit der Todkranken, und ganz allmählich verändert sich auch die Beziehung zwischen dem Sohn und seinem Vater. Hausmeister Klaffki ist jedoch schließlich derjenige, der den Kokntakt zwischen Karla und Fred wiederherstellt - in einer Notsituation ruft er den Sterbebegleiter einfach an und bittet um seine Unterstützung. Fred beschließt, fortan vorsichtiger zu sein.


"Wie geht es jetzt weiter? Haben Sie mit Ihrem Arzt darüber gesprochen?" --- "Mein Arzt weigert sich, mir den genauen Todeszeitpunkt zu nennen. Meinen Sie, ich sollte da mehr Druck machen?" (S. 112)


Durch die anderen Bücher von Susann Pásztor wusste ich bereits, dass man bei ihr vor keinem Thema Angst haben muss. Sie schreibt nicht kitschig, drückt nicht auf die Tränendrüse, hängt nicht an Klischees - sie schreibt einfach ehrlich. Ihr Stil ist - so auch hier - warmherzig, gefühlvoll, unpathetisch, humorvoll, verständnisvoll, menschlich, einflühlsam. Dabei gestaltet sie die Dialoge oft knochentrocken und mit viel hintergründiger Ironie, was mir besonders gefällt. Gerade bei einem solch doch recht ernsten Thema ist dies einmal mehr eine überaus gelungene Mischung.


Phil blieb mit der fremden Frau allein im Wohnzimmer zurück. Er suchte verzweifelt nach etwas, das er sagen konnte, aber das Einzige, was ihm einfiel, war 'Ich bin Phil Wiener, und wer verdammt noch mal sind Sie?', und das ging nicht, denn er war das Kind hier und konnte solche Fragen nicht stellen, auch wenn er gerade das Gefühl hatte, von lauter Irren umgeben zu sein (...) und Phil fand, es war eigentlich ein guter Moment, um sich komplett in Luft aufzulösen oder an einem sicheren Ort abzuwarten, bis er volljährig war." (S. 131 f.)


Dennoch oder gerade deswegen berührt die Geschichte. Dabei wird sie nicht auf das Thema Sterben und Sterbebegleitung reduziert, sondern erzählt vielmehr vom Leben. Von Karla erfährt der Leser nur so viel, wie sie ihn von sich wissen lassen möchte - ihre Antworten sind oft abweisend, manchmal aber auch nicht, und wichtig ist ihr nur, dass sie ihre letzten Wochen selbstbestimmt gestalten kann. Fred und Phil jedoch sind zwei einsame Individuen, die sich mögen, aber nicht so recht wissen, wie sie miteinander reden können. Karla und ihr Sterben dient da unbewusst als Katalysator, denn plötzlich bewegen sich Vater und Sohn aufeinander zu. Und gehen gemeinsam ins Leben.

Lachen und Weinen liegen hier ganz dicht beieinander, und doch fühlte sich das Lesen die ganze Zeit über gut an. Susann Pásztor führt sicher durch die Erzählung, lässt hier kein Gefühl überhand nehmen und sorgt dafür, dass das Buch mit einem Gedanken geschlossen wird: Lust. Auf. Leben.

Ich wünsche mir noch viele, viele Bücher von Susann Pásztor.


© Parden 

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Tags: hospiz, lachen und weinen, leben, sterbebegleitung, sterben, trockener humor   (6)
 

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thriller, entführung, kurzgeschichte, berlin, mord

Februar - ...sonst tot

Thomas Nommensen & Jutta Maria Herrmann , Thomas Nommensen
E-Buch Text
Erschienen bei Knaur eBook, 02.02.2015
ISBN 9783426432853
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

ÜBERZEUGENDER KURZTHRILLER...

Ein kalter Tag in den Berliner Winterferien. Börsenmakler Leo Münster wird das Handy seiner halbwüchsigen Tochter Jule zugespielt, auf dem kurz darauf eine SMS eingeht: „Keine Polizei, sonst tot“. Dann erreicht ihn auch noch ein Video, das Jule gefesselt zeigt und in dem ein Lösegeld gefordert wird. Leo glaubt nicht an eine konventionelle Entführung und macht sich auf die Suche nach seiner Tochter. Er ahnt nicht, dass er Teil eines perfiden Spiels ist, dessen Regeln er erst durchschaut, als es zu spät ist. Dunkel und kalt ist der Februar in Berlin, genau so wie das Versteck, in dem Jule Münster gefangen gehalten wird.


"Kalt. Ich spürte, wie sich meine Blase zusammenzog. Tiefer in meinen Körper zu kriechen schien. Wenn ich noch länger auf dem eiskalten Betonboden hocken bliebe, würde ich mich erkälten. Unweigerlich. Vielleicht eine Lungenentzündung bekommen. Sterben. Aber war das überhaupt noch wichtig?"


Wer hat Leos Tochter entführt? Leute, die einen Grund haben, den Börsenmakler zu hassen, gibt es jedenfalls mehr als genug. Die einzige Spur ist Jules Handy, auf dem die Vierzehnjährige gefesselt zu sehen ist, unmissverständlich die Warnung davor, die Polizei einzuschalten. Ohne Vorgeplänkel wird der Leser gleich in die Handlung des nicht einmal 80 Seiten starken Kurz-Thrillers geworfen. Wechselnd wird aus der Perspektive des Vaters und der Tochter erzählt, so dass der Leser die Geschehnisse direkt miterleben kann.

Immer wieder bin ich verblüfft, wenn es einem Kurz-Thriller gelingt, meinen Ansprüchen zu genügen. Ich mag intensive Ermittlungen, ein langsames Herausschälens des Motivs, ein sich allmählich entwickelndes Bild des Täters sowie der Ermittler.  Alles Aspekte, für die bei einem Kurz-Thriller keine Zeit bleibt. Doch hier wird auf gerade einmal 73 Seiten eine Story stringent und in flottem Tempo erzählt, überraschende Wendungen inklusive, das Ende konsequent und glaubhaft. Und trotz des Autorenduos wirkt die Geschichte wie aus einem Guss.

Auch wenn ich dabei bleibe, dass mir Thriller mit deutlich größerem Seitenumfang lieber sind - dieser hier konnte überzeugen.


© Parden

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Tags: berlin, kurzthriller   (2)
 

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

glück, erfolg, sachbuch, zufriedenheit, ratgeber

Der Trick mit dem Glück

Emma Seppälä , Sabine Thiele
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Knaur Balance, 04.10.2016
ISBN 9783426675311
Genre: Biografien

Rezension:

DIE WISSENSCHAFT VOM GLÜCK...

66 Lesezeichen - so viele Post-Its zieren nach der Lektüre tatsächlich das schmale Buch, und ich stehe vor der undankbaren Aufgabe, hierzu nun eine Rezension zu schreiben. Das Buch selbst stellt ja schon die Essenz der wissenschaftlichen und persönlichen Erkenntnisse der Autorin dar - wie soll ich da in einfachen Worten formulieren, worum es hier geht?

Vorab vielleicht ein wenig zur Person der Autorin: Emma Seppälä hat einen Doktortitel in Psychologie und ist wissenschaftliche Leiterin des Zentrums für Mitgefühl und Altruismusforschung an der Stanford University, San Francisco, sowie führende Experitin auf dem Gebiet der Gesundheitspsychologie, des Wohlbefindens und der Resilienz. Wie man im Anhang des Buches erfährt, ist es Seppäläs Ziel, die Wissenschaft vom Glück auf das Leben der Menschen zu übertragen. Sie hat bereits Hunderte von Studenten in Glückskursen unterrichtet, wofür sie mit dem Lyons Award der Stanford University ausgezeichnet wurde.

Manchmal bekommt man ja schon eine Idee, was einen erwartet, wenn man das Inhaltsverzeichnis überfliegt. Hier bereitete mich das Verzeichnis allerdings zwar darauf vor, dass ich es tatsächlich mit einem wissenschaftlichen Sachbuch zu tun hatte, jedoch nicht wirklich, um was es bei den einzelnen Punkten ging. Ich beschloss jedoch, mich davon nicht abschrecken zu lassen, sondern mich in dieses Thema zu vertiefen.

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit voller Informationen und Anforderungen. Nie enden wollende To-do-Listen, ständige Signale von Handys und anderen elektronischen Kommunikationsgeräten beherrschen unseren Alltag - wir stehen rund um die Uhr parat und versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen. Eine ständige Überlastung wird als normal akzeptiert, und da jeder hier Schritt halten zu können scheint, geben wir uns selbst die Schuld dafür, wenn wir uns bei diesem Tempo gestresst, ausgelaugt und überlastet fühlen.

Überhaupt scheint Stress unausweichlich zu sein, wenn man erfolgreich sein will: zielstrebig im Job, als Eltern vorbildlich, ein guter Partner, dazu ein regelmäßiges Pflegen des Freundeskreises - die Anforderungen sind vielseitig. Doch was ist eigentlich, wenn man das Gefühl hat, in einem nie stillstehenden Hamsterrad aus zu erledigenden Aufgaben gefangen zu sein, keine Zeit für die Dinge zu haben, die man eigentlich gerne tun würde?

Das kennt phasenweise doch fast jeder, und hier setzt Emma Seppälä an. Sie entlarvt die Prämissen von 'Disziplin', 'Talent', und 'Stress' und zeigt auf, wie kontraproduktiv es ist, sich beim Streben nach Erfolg daran zu orientieren. Nur wenn man sich wohl fühlt, glücklich ist, kann sich der Erfolg in den verschiedenen Bereichen überhaupt erst einstellen. Die Autorin zeigt auf, wie das persönliche Glücksempfinden die eigene Widerstandskraft stärkt, ebenso wie Kreativität, Produktivität und Charisma. Mehr erreichen ohne chronischen Stress - das ist die Devise.

Sechs Schlüssel zu Glück und Erfolg zeigt Seppälä hier auf, und auch wenn es in der Zusammenfassung noch nicht viel erklärt, möchte ich diese Schlüssel hier nicht vorenthalten:

I m Hier und Jetzt leben (und arbeiten) - Konzentration auf die Gegenwart, nicht auf das, was alles noch erledigt werden muss Aus seiner Resilienz schöpfen - Übungen für das Nervensystem, um Rückschläge leichter wegstecken zu können (Meditation, Atemübungen usw.) Sorgsam mit seiner Energie umgehen - sich nicht in ausufernden Gedanken und Gefühlen verlieren, sondern ruhig und bei der Sache bleiben; auch dies kann trainiert werden Nichts tun - Tätigkeiten, die hohe Konzentration erfordern, sollten sich abwechseln mit solchen, die automatisch ablaufen oder eher der Muße und dem Spaß dienen; so werden Kreativität und Einfallsreichtum gesteigert Gut zu sich selbst sein - keine übertriebene Selbstkritik, eine Abkehr vom Perfektionismus, wohlwollender Umgang mit sich selbst; so lernt man aus etwaigen Fehlern, statt sich dafür zu verurteilen Empathie für andere zeigen - Mitgefühl und Interesse an seinen Mitmenschen (und Kollegen) stützt die Beziehung untereinander, steigert die Loyalität und das Engagement, wodurch wiederum auch die eigene Leistung steigt
Wenn man die genannten Punkte so überfliegt, möchte man meinen: nichts Neues. Und doch stellt Emma Seppälä hier wissenschaftliche Fakten und persönliche Erfahrung gegenüber, die ihre Thesen noch einleuchtender erscheinen lassen - sowohl was den gängigen, aber offensichtlich falschen Weg anbelangt, sein Leben möglichst erfolgreich und glücklich zu gestalten, als auch was die Alternative betrifft. Ihr Buch hat mir geholfen, mir die Fakten und Zusammenhänge deutlicher vor Augen zu halten, und gleichzeitig aufgezeigt, dass es nie zu spät ist, um das Umdenken zu lernen.

Wie so häufig bei Sachbüchern habe ich auch dieses nicht einfach hintereinander weg gelesen, sondern immer mal wieder ein Kapitel oder zwei. Eine durchaus anspruchsvolle Lektüre, die Konzentration erfordert, auch wenn die Autorin (manchmal etwas mantramäßig) die wichtigesten Erkenntnisse häufiger wiederholt.

Ich habe mich jedenfalls gefreut, auf dieses Buch gestoßen zu sein und werde sicherlich künftig darauf achten, die genannten Ratschläge mehr zu beherzigen. Ob ich meiner Chefin das Buch zukommen lassen sollte? Die könnte hier jedenfalls auch noch eine Menge lernen - zur Verbesserung unserer aller Zufriedenheit...


© Parden

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Tags: erfolg, glück, ratgeber, sachbuch, zufriedenheit   (5)
 

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 8 Rezensionen

berlin, liebe, ddr, geheimnis, geheimnisse

Roula Rouge

Mathias Nolte
Flexibler Einband: 410 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 06.02.2009
ISBN 9783426501184
Genre: Romane

Rezension:

EIN OST-WEST-LIEBES-GESELLSCHAFTS-KRIMINAL-SPÄTENTWICKLERROMAN...

Jonathan Schotter hat seine Frau Susanne an einen argentinischen "Dichter und Polospieler" und seinen Job in einer Münchner Werbeagentur, in der er früher ein großer Star war, an einen wesentlich jüngeren Kollegen verloren. Nach einer Herzoperation, seit der er mit einer Herzklappe von einem Stier lebt, landet er in Berlin und streift als distanzierter Beobachter durch die Stadt; vom Leben erwartet er nicht mehr allzu viel. Da trifft er in der
S-Bahn eine junge Frau, die ihn fasziniert. Als sie ihren Laptop im Zug vergisst, nimmt Jonathan diesen mit nach Hause. Um die Unbekannte kennenzulernen, recherchiert er wie ein Besessener, knackt Codes, liest die E-Mails der geheimnisvollen Frau, die sich "Roula Rouge" nennt. Und dann schafft er es, ein scheinbar zufälliges Treffen zu arrangieren...


For every style there is an anti-style in wait. (S. 55)


Jonathan Schotter ist 47 Jahre alt und streift seit seinem Umzug arbeitslos kreuz und quer durch Berlin. Geldsorgen hat er allerdings nicht, da er bei seinem Rauswurf aus der Werbeagentur in München noch eine stolze Abfindesumme kassiert hat. Sein frisch renoviertes und puristisch eingerichtetes Loft sowie seine stets makellose Kleidung spiegeln seine große Ordnungliebe wider. Doch der Zufall will es, dass sich Jonathan plötzlich von eingigen Lebensprinzipien verabschiedet und sich in ein ungeahntes Abenteuer in Berlin einlässt.

In der S-Bahn begegnet er einer jungen Frau, und nichts an dieser Begegnung wäre erinnernswert, wenn diese Frau nicht ihren Rucksack mit einem iBook liegen gelassen hätte. Jonathan dreht vor dem Fundbüro um und beginnt zu seinem eigenen großen Erstaunen, der jungen Frau hinterher zu recherchieren. Roula Rouge heißt sie, wie Jonathan schnell herausfindet, ist gerade einmal 23 Jahre alt und zeigt deutliche anarachistische Tendenzen, die ihn eher erschrecken. Wie kommt es, dass eine so junge Frau so wütend sein kann? Und - beinahe ebenso erschreckend - wie kommt es, dass er sich in so jemanden verliebt, ohne ihr je bewusst begegnet zu sein?


Als die Bahn am Reichstag vorbeikam, sagte ich mir: Du bist siebenundvierzig Jahre alt, Schotter. Du machst dich lächerlich. Und Schotter antwortete: Na und! (S. 90)


Eine Liebesgeschichte also? Ja, auch. Aber ohne jeden Kitsch, sondern eingewoben in eine Liebeserklärung an Berlin, in eine Ost-West-Erzählung, in Lebensgeheimnisse, die es zu erforschen gilt, in kriminalistische Aspekte, in einen Gesellschaftsroman voller Kontraste und unterschiedlicher Extreme, unterhaltsam, humorvoll, spannend und mit zahlreichen Überraschungen, die das Lesen interessant bleiben lassen.

Die Charaktere sind bei aller Gegensätzlichkeit sympathisch gezeichnet und bieten trotz ihrer Annäherung einigen Konfliktstoff, auch wenn mir Roula Rouges Wandel teilweise etwas krass vorkam. Das Ende war vielleicht ein wenig zu glatt, aber immerhin offen genug, um nicht doch ins Kitschige abzugleiten. Insgesamt habe ich den beiden Hauptcharakteren jedenfalls gerne über die Schulter geschaut und ihre Scharmützel und Geheimniskrämereien verfolgt.


Ein kleiner diplomatischer Zwischenfall hatte sich ereignet, als Mariola eines Tages mit der frisch gewaschenen Wäsche ins Loft kam, darunter auch Roula Rouges Jeans mit den Löchern in den Knien. Die Hose hatte plötzlich nicht nur eine Bügelfalte, sie war obendrein auch noch geflickt. "Was ist das denn?", hatte Roula Rouge gefragt, während sie sich die Jeans vor die Hüften hielt. Ich sah blankes Entsetzen in ihrem Gesicht (...) "Das? Das hat meine Mutter gemacht", antwortete Mariola. Löcher sind dafür da, um geflickt zu werden, hat sie gesagt." (S. 257)


Dass das Buch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2007 gelandet ist, hat mich allerdings etwas überrascht, da ich es zwar als angenehm zu lesen empfand, jedoch nicht als stilistisch herausragend. Ein wenig störend fand ich in dem Roman die häufige Aufzählung exklusiver Markennamen, und der arg sorgenfreie oder auch despektierliche Umgang mit Geld und materiellen Gütern stieß mir an manchen Stellen auch etwas unangenehm auf.

Insgesamt jedoch bietet Mathias Nolte hier eine schräge Story, kurzweilig, unterhaltsam und spannend. Lesens- und empfehlenswert!


© Parden

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Tags: anarchie, arm und reich, berlin, geheimnis, kapitalismus, liebe, ost und west   (7)
 

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entführung, witwe, thriller, pädophilie, kindesentführung

Die Witwe

Fiona Barton , Sabine Längsfeld , Hafen Werbeagentur
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 21.05.2016
ISBN 9783805250979
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

GEHEIMNISSE EINER EHE...

Die kleine Bella Elliott ist verschwunden - mit ihren gerade einmal zwei Jahren spurlos aus dem Garten vor ihrem Haus. Die Mutter Dawn ist verzweifelt, nur kurz hat sie ihre Tochter unbeaufsichtigt gelassen. Aber sie glaubt fest daran, dass Bella noch lebt. Doch wer hat das kleine Mädchen entführt? Und weshalb?

Glen Taylor gerät in den Fokus der Ermittlungen. Er lebt alleine mit seiner Frau in einem kleinen Häuschen und arbeitet für ein Lieferunternehmen. Für seine Frau Jean steht fest, dass es sich hier nur um einen riesigen Irrtum handeln kann, zumal Glen stets beteuert, dass sich alles aufklären wird. Doch die Polizei findet immer mehr Indizien und nimmt Glen schließlich fest.

Bob Sparkes ist der ermittelnde Kommissar, und trotz all seiner Berufserfahrung geht ihm der Fall nahe. Er setzt alles daran, den Fall zu lösen und Bella zu finden - lebendig oder tot. Dafür arbeitet er sogar mit der Journalistin Kate Waters zusammen, die alles daran setzt, gute Schlagzeilen für ihre Zeitung zu bekommen. Doch vor Gericht muss Sparkes eine bittere Niederlage einstecken - Glen Taylor wird freigesprochen und bekommt dazu noch eine finanzielle Entschädigung.

Kurze Zeit später ist Glen Taylor tot und Jean Witwe. Die Frau, die während der Ehe stets ein graues Mäuschen war und sich der Dominanz ihres Mannes gebeugt hat, gerät nun in den Fokus des Interesses der Polizei wie der Presse. Was weiß die Witwe?


Ich erzähle ihr, wie es mir damals ging: dass ich zu schockiert war, um zu sprechen, und noch eine Stunde, nachdem die Polizei wieder weg war, starr wie eine Statue mitten in der Diele stand. - "Hatten Sie je Zweiefel an ihm? Kam Ihnen je der Gedanke, er könnte darin verwickelt sein, Jean?" - Ich schlucke einen Mundvoll Kaffee hinunter und schüttle den Kopf. Auf diese Frage habe ich gewartet - das hat mich die Polizei wieder und wieder gefragt (...) "Wie hätte ich je glauben können, er wäre in so etwas Schreckliches verwickelt gewesen?", sagte ich. "Er liebte Kinder. Wir beide liebten Kinder." (S. 337 f.)


Fiona Barton präsentiert hier keinen reißerischen Thriller, sondern psychologische Spannung mit vielen Wendungen. Über vier Jahre spannt sich der Bogen der Erzählung, vier Jahre Suche nach der kleinen Bella, vier Jahre Ermittlungen, vier Jahre Eheleben, vier Jahre Sensationsjournalismus. Durch wechselnde Perspektiven und Zeitsprünge gewährt die Autorin Einblicke in die Gedankenwelt vieler in den Fall involvierter Personen - Jean als Ehefrau des Verdächtigen steht dabei neben ihrem Mann im Fokus des Geschehens.

Der Versuch, die Ehe trotz allem aufrecht zu erhalten, kostet Jean alle Kraft, und hätte sie ihre Pillen nicht, ihre kleinen bunten Helfer, würde sie unter dem ständigen Druck vermutlich zusammenbrechen. Die Polizei, die nicht locker lässt, auch nicht nach dem Freispruch vor Gericht, die Journalisten, die seit Jahren immer wieder vor ihrem Haus stehen und versuchen, ihr oder ihrem Mann etwas zu entlocken oder zumindest einen Schnappschuss zu ergattern, die zahllosen Anfeindungen der Öffentlichkeit - und Glen, der Jean immer fremder wird. Doch was weiß Jean überhaupt?

Bei diesem Roman - das Buch wird auf dem Cover nicht als Thriller benannt - gibt es viele Momente, wo einem beim Lesen übel werden kann. Die Verzweiflung der Mutter, die jahrelang um ihr verschwundenes Kind bangt. Die Enge des Ehelebes und die zunehmende Isolierung von Glen und Jean Taylor, die sich irgendwann nichts mehr zu sagen haben. Die Vorstellung, was mit der kleinen Bella passiert sein könnte. Die Sisyphusarbeit der Polizei, die mühselig und über Jahre hinweg versuchet, kleinste Puzzleteile zu finden und anschließend zu einem Bild zusammenzulegen, doch das entscheidende Teil einfach nicht finden kann. Und die Arbeit einer Journalistin, bedrängend, verführend, schmeichelnd, versprechend - und dann alles vom Tisch wischend, nur um eine gute Schlagzeile zu erhalten. Fiona Barton, die selbst lange bei der 'Daily Mail' sowie bei der 'Mail on Sunday' gearbeitet hat, schildert gerade diese Seite sehr eindrücklich und authentisch, und manchesmal ekelte es mich richtig an.

Für mich lebte der Roman von der psychologischen Spannung und der Frage hinter allem: was ist wirklich geschehen? Die Neugierde auf den Ausgang der Geschichte trieb mich immer weiter durch die Seiten, und das Ende fand ich schließlich überraschend aber passend.

Insgesamt für mich ein gelungenes Debüt mit kleinen Schwächen, das ich gerne gelesen habe.


© Parden

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Tags: kindesentführung, thriller   (2)
 

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indianische mythen, natur, ökologisches märchen

Die Frau, die in der Erde lebt : Roman.


Fester Einband
Erschienen bei null, 01.01.1996
ISBN B0026L82CO
Genre: Sonstiges

Rezension:

EIN ÖKOLOGISCHES MÄRCHEN...

In einer archaischen, geschichtslosen Zeit, vor der Erfindung moderner Maschinen - oder lange nach ihrem Untergang - begegnen wir Sarah, dem Mädchen mit den Mandelaugen. Eine seit Monaten anhaltende Dürre bedroht die Existenz ihrer Eltern, die einen kleinen Bauernhof bewirtschaften. Im Dorf herrschen Furcht und Aberglauben, jeder beobachtet den anderen mit Misstrauen.

Sarah geht mit offenen Augen durch die Welt; die Natur und ihre Geheimnisse faszinieren sie, Tiere betrachtet sie als gleichwertige Lebewesen. So rettet sie einmal einen Fuchs vor der grausamen Spielwut der Dorfkinder - einen ganz besonderen Fuchs, will es scheinen, denn er kann in Gedanken nicht nur mit dem Mädchen sprechen, sondern zeigt ihr auch, wie es ist, ein Falke, ein Blume oder ein Baum zu sein.

Von ihrer Urgroßmutter Lilly erfährt Sarah, dass vor uralten Zeiten Gelbe Seefahrer an dem Ort lebten, wo nun der Bauernhof der Familie steht. Als Sarah die Seele eines der längst verstorbenen Gelben Seefahrer begegnet, erzählt dieser ihr von der Frau, die in der Erde lebt. Und plötzlich ahnt Sarah, wie sie die Dürre des Landes und auch die Dürre in den Herzen der Menschen vertreiben kann...


"... wurde sie geblendt von dem grellen Rechteck, das die Türöffnung mit dem Hof dahinter bildete. Mitten in diesem Licht, mitten auf dem Hof stand der Brunnen, angestrahlt von der gleißenden Sonne. Einen Augenblick schien der Brunnen verschwinden zu wollen, (...) zitternd zu verblassen und nur der grelle Lichtfleck übrigzubleiben, eingerahmt vom staubigen Dunkel des Schuppens (...) ob er versiegen würde?" (S. 13)


Seit nunmehr 21 Jahren stand dieses Buch ungelesen im Regal und fiel mir jüngst wieder in die Hände. Höchste Zeit, daran etwas zu ändern! Und bereits nach wenigen Stunden klappte ich das Buch zu, immer noch im Bann der mythisch anmutenden Erzählung, traumartig, poetisch, voller eigenartiger Bilder.

Swain Wolfe, der in Colorado und Montana aufwuchs und in jungen Jahren Holzfäller, später Bergarbeiter war, schrieb mit 'Die Frau, die in der Erde lebt', sein erstes Buch. Die Themen dieses ökologischen Märchens beschäftigen ihn seit Jahrzehnten. Träume, Erfahrungen aus seinen verschiedenen Jobs, die immer mit der Natur zu tun hatten, seine Auseinanersetzung mit Mythen und Erzählungen vergangener, darunter auch indianischer Kulturen - all dies ging in die Geschichte mit ein.

Dieses traumartig anmutende Gefühl beim Lesen war durchaus angenehm, wenn auch befremdlich. Die mythischen Elemente woben sich konsequent durch die Zeilen, und weil ich beispielsweise mit den indianischen Kulturen nicht vertraut bin, wirkte dies so fremdartig auf mich, gleichzeitig aber auch faszinierend. Dem Vergleich mit 'Der kleine Prinz' von Antoine de Saint-Exupéry - so der Klappentext einer anderen Ausgabe dieses Buches - hält die Erzählung nicht stand, denn sie ist einfach anders.

Mir gefällt der klare, unverstellte Blick, mit dem Sarah die Dinge um sich herum betrachtet, und mit welcher Selbstverständlichkeit sie die teilweise unglaublichen Geschehnisse hinnimmt. Die Geschichte hat auch sehr spannende Momente, denn die Bedrohung, die von der Dürre und den Menschen ausgeht, ist deutlich spürbar.

Ein sehr besonderes Buch, das es verdient hat, endlich von mir wahrgenommen und gelesen zu werden. Ein ökologisches Märchen, das deutlich macht, wie wichtig es ist, den Menschen mit der Natur wieder zu versöhnen. Gerade in der heutigen Zeit kann dies nicht deutlich genug gesagt werden...


© Parden

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Tags: indianische mythen, natur, ökologisches märchen   (3)
 

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amrum, nordseeinsel, hilferuf, vergangenheit, reihenauftakt

Küstenmorde

Nina Ohlandt , Thomas Piper
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Bastei Lübbe, 10.09.2015
ISBN 9783838777757
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

DAS GRAUEN IN DER URLAUBSIDYLLE...

Amrum - Sonne, Watt und Meer, Urlaub und unbeschwerte Tage, Strandwanderung und Wind in den Dünen. Was sonst verbindet man schon mit der herrlichen Urlaubsinsel? Nun, Nina Ohlandt macht die schöne Insel zum Schauplatz zweier grausamer Morde. Am Quermarkenfeuer, dem kleinen Leuchtturm auf Amrum, stirbt ein Mann in einer stürmischen Nacht, kopfüber aufgehängt und vom Wind immer wieder mit dem Kopf gegen das Eisen geschlagen. Kurz darauf wird auch seine Frau tot aufgefunden, nackt an den Boden ihres Schlafzimmers genagelt und mit einem Hammer erschlagen.

John Benthien von der Flensburger Kripo beginnt zu ermitteln. Mit seinem Team mietet er sich in einem kleinen Ferienhaus auf der Insel ein und begibt sich auf Spurensuche. Was anfangs anmutet wie ein hilfoses Stochern im Heuhaufen, offenbart zunehmend Grauenvolles, je tiefer die Ermittler in der Vergangenheit forschen. Beliebt war das Ehepaar bei den Amrumern nicht gewesen - doch die Abgründe, die sich im Laufe der Ermittlungen auftun, hätte wohl niemand vermutet. Als an der dänischen Küste eine weitere Leiche aufgefunden wird, die offensichtlich mit den Amrumer Morden in Zusammenhang steht, ist die Verwirrung komplett.

Eines gleich vorweg: dieser Krimi lässt sich Zeit. Anfangs hatte ich etwas Mühe, mich auf dieses langsame Tempo einzulassen, bis ich mir sagte, dass es zum Lebenstempo auf Amrum und an der Nordsee einfach nur passt. Von Hektik keine Spur, und da sich durch den Bezug der Ferienwohnung die Ermittlungen mit den privaten Anteilen zwangsläufig vermengen, erhält der Hörer auch ausreichend Einblicke z.B. in die Verpflegung und Vorlieben der Kommissare und lernt die verschiedenen Charaktere allmählich etwas kennen. Thomas Piper spricht den Text gediegen und trägt mit norddeutschem Einschlag zum langsamen Tempo der Erzählung noch einmal deutlich bei. Zwischen den einzelnen Kapiteln untermalt ein musikalischer Einschub aus Akkordeon und Meeresrauschen noch die oftmals vorherrschende düster-melancholische Stimmung.

Während es anfangs nur Fragezeichen hinsichtlich des Täters und des Motivs zu geben scheint, tauchen letztlich immer mehr Verdächtige auf, was die Ermittlungen breit auffächern und das Ganze phasenweise etwas unübersichtlich erscheinen lässt. Zusammen mit dem langsamen Tempo war mir das manchmal etwas zu viel des Guten, auch wenn es natürlich zur Verwirrung beitrug. Vor allem im ersten Drittel schienen die 16 Stunden und 59 Minuten des Hörbuchs so kein Ende nehmen zu wollen.

Letztendlich war das Hörbuch für mich aber durchaus unterhaltsam, die Spannung zog die Erzählung in meinen Augen vor allem aus dem Ausloten menschlicher Abgründe. Ruhig und unbeirrt kann man den Ermittlungen folgen - und zwischendurch das Inselflair genießen, das Nina Ohlandt hier so bildhaft schildert, dass man fast glaubt, den Sand selbst zwischen den Zehen zu spüren, das Meer zu riechen, dem Möwengeschrei über den auf den Strand auflaufenden Wellen zu lauschen.

Insgesamt für mich ein gelungener Reihenauftakt um John Benthien von der Flensburger Kripo, der mich neugierig werden lässt auf die weiteren Folgen um den Ermittler.


© Parden

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Tags: amrum, hilferuf, mord, nordseeinsel, rache, reihenauftakt, sadisten, vergangenheit   (8)
 

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kansas

Schwimmen

Nicola Keegan , Bernhard Robben , any.way , Cathrin Günther
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.10.2011
ISBN 9783499248580
Genre: Romane

Rezension:

SCHWIMMEN - UND WAS SONST NOCH?

Boo, Mena, Phil oder Pip – Philomena hat eine Menge Namen und keinen leichten Stand: Ins Haus eines Fledermausforschers hineingeboren zu werden ist das eine. Dort – und noch dazu in Kansas – inmitten einer exzentrischen Familie aufzuwachsen? Eine ganz andere Geschichte. Als das Schicksal gleich zweimal über diesen ungewöhnlichen Haushalt hereinbricht, gehen auch Philomena allmählich die Gründe aus, nicht völlig abzutauchen. Im 50-Meter-Becken des Schulschwimmbads findet sie eine neue Welt. Und sie beginnt eine bemerkenswerte Karriere, die sie zu olympischem Gold, aber auch in die Untiefen der Liebe führen wird.

Philomena wird als zweite von vier Töchtern einer amerikanischen Familie aus Kansas geboren. Bereits als Baby ist das Wasser ihre Welt, nur dort findet sie zu sich selbst, kann sich erschöpfend verausgaben und ihre Energie gezielt bündeln. Als schwere Schicksalsschläge ihre Familie treffen, wird das Schwimmen für Philomena immer mehr zum Zentrum ihres Denkens und schließlich zu ihrem Lebensinhalt. Immer mehr Zeit und Energie setzt Pip, wie Philomena auch genannt wird, in diesen Sport, hartes Training zieht Erfolg nach sich, Anerkennung und Bewunderung - und schließlich etliche Goldmedaillen bei Olympischen Spielen.

Aber eigentlich ist dies kein Buch nur über das Schwimmen. Es geht um Philomena und ihr Leben, das mancherlei Überraschungen für sie bereit hält, und das durchaus nicht immer in positivem Sinne. Deutlich wird, welche Bedeutung das Schwimmen für sie hat: es bietet Halt im Leben, eine Welt, in der nichts anderes existiert als der Rhythmus der Bewegungen, in der Sorgen ausgeschaltet und von Erschöpfung überlagert werden, ein Abtauchen aus dem Leben, ein Übersetzen der Gefühle in gerichtete Energie - alles ist erträglich, solange es diese Welt gibt.

Doch was geschieht, wenn dieser Lebensinhalt von einem Tag auf den anderen nicht mehr existiert? Krise, Einsamkeit, Depression - ein Abtauchen ganz anderer Art, nichts was man sich für seine Lebensplanung wünscht. Wird es aus diesem schwarzen Loch noch eine Wende heraus geben?

Im ersten Drittel des Buches begeisterte mich v.a. der Sprachstil von Nicola Keegan. Sprachwitz, manchmal eine recht schnoddrige Ausdrucksweise, Neologismen, sprühende Lebendigkeit trotz der genannten Schicksalsschläge - die Seiten flogen nur so dahin. Danach wurde die Sprache zunehmend symbolbehafteter, v.a. im letzten Drittel mit vielen Bedeutungen zwischen den Zeilen, die sich mir nicht in jedem Fall erschlossen, düster und nicht immer leicht zu lesen...

Was jedoch festzuhalten bleibt: dieses Buch ist außergewöhnlich, wortgewaltig und gefühlsstark - ein Buch, das in jedem Fall in meiner Erinnerung haften bleiben wird.


© Parden

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Tags: kansas   (1)
 

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

baseball, maurer, wirtschaftskrise, amerika, amerikanische traum

1933 war ein schlimmes Jahr

John Fante , Alex Capus , Alex Capus
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 14.11.2016
ISBN 9783351050313
Genre: Romane

Rezension:

SCHÖNE WIEDERENTDECKUNG...

Gefangen in einer Kleinstadt am Fuß der Rocky Mountains in den dreißiger Jahren, wünscht sich der 17-jährige Dominic Molise nichts mehr, als ein Baseball-Star zu werden. Die großen Siege, die große Anerkennung, die große Liebe. Aber er kämpft stattdessen mit der italienischen Herkunft seiner Eltern und dem Druck, im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Ziegelsteine zu stapeln ist nichts für ihn. Sein Vater hingegen versucht ihn vor dem unausweichlichen Scheitern zu bewahren und zu überzeugen, statt des Baseballschlägers doch lieber eine Maurerkelle in die Hand zu nehmen. Seine Mutter weiß sich nicht besser zu helfen, als zu beten. Aber Dominic hört nicht auf zu träumen.

Der Amerikaner John Fante, (1909-1983), entstammte einer Familie von italienischen Einwanderern – und vor diesem biografischen Hintergrund spielen auch die meisten seiner Romane. Fante veröffentlichte 1938 seinen ersten Roman, später schrieb er Drehbücher für Hollywood, was ihm zumindest einigen Wohlstand bescherte. Erst nach Fantes Tod wurden dann auch nachgelassene literarische Texte entdeckt und veröffentlicht – und einer dieser Romane, "1933 war ein schlimmes Jahr", ist nun in der Übersetzung des Schriftstellers Alex Capus gerade auf Deutsch erschienen.

Dieser Roman führt uns, wie der Titel schon verrät, ins Jahr 1933: Amerika leidet unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise, worunter auch die Bewohner der Kleinstadt Roper - in Colorado am Fuße der Rocky Mountains - sehr leiden. Dominic Molise ist mit seinen siebzehn Jahren für sein Alter zu klein, hat schiefe Zähne und Beine, und kann sich das selbst gegenüber sehr lakonisch eingestehen. Ein Körperteil allerdings hat dieser junge Mann, in das er alle seine Hoffnungen setzt: sein linker Arm, DER ARM, wie er ihn nennt, mit dem er nämlich auf meisterhafte Art und Weise den Baseball zu schleudern vermag.

Der Junge aus ärmlichen Verhältnissen träumt vom großen Aufstieg. Als linkshändiger Pitcher will er versuchen, ein Baseball-Star zu werden. Doch dafür muss er Roper und seine italienische Familie verlassen und bei den großen Mannschaften an der Küste vorspielen. Doch sein Vater, manchmal Maurer, manchmal arbeitslos, hat andere Pläne für seinen Sohn. Der soll bodenständig bleiben und sein Schicksal annehmen, das nach Meinung des Vaters darin besteht, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt.

Dabei sind die gesamten Umstände so, dass man Dominic nur wünschen kann, dass er den Absprung schafft. Die Familie lebt in überaus ärmlichen Verhältnissen. Trotz seiner momentanen Arbeitslosigkeit versucht der Vater irgendwie, seine Familie zu ernähren und mit Billardspielen Geld zu gewinnen. Dies gelingt mal mehr, mal weniger - und überdies kommt der Vater kaum noch nach Hause. Die Mutter sieht sich als Opfer der Umstände, immer schon hat der Vater sie belogen, und sie spielt ihre Rolle als sich aufopfernde Mutter, wenn sie nicht wieder ins Gebet vertieft ist und um Linderung der miserablen Umstände bittet. Doch gleichzeitig ist sie dem Vater nicht böse:


"Ich mache deinem Vater längst keine Vorwürfe mehr, ich bin selbst an allem schuld. Wenn du die Lügen eines Mannes hinnimmst, machst du dich mitschuldig. Dann bist du ein Lügner wie er."



Die Großmutter, die mit in der Familie lebt, hat nie verwunden, dass ihr Mann sie seinerzeit gezwungen hat, die Abruzzen in Italien zu verlassen und in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu ziehen. Sie ist verbittert, hasst alles und jeden und macht den Familienmitgliedern das Leben schwer. Üble Beschimpfungen sind an der Tagesordnung, und sie ist die einzige, die ein Zimmerchen für sich hat. Doch trotz dieser widrigen Umstände, versucht Dominic, seine Träume nicht zu verlieren.

Er besucht mit seinen fast 18 Jahren die von Nonnen geleitete High School und macht selbst nachts noch seine Hausaufgaben. Er trainiert hart seine Fähigkeiten als Baseballspieler und malt sich immer wieder Szenen seines Ruhmes aus. Sein bester Freund Ken träumt denselben Traum, und trotz ihrer unterschiedlichen Welten - Ken kommt aus einem überaus reichen Elternhaus - scheint ihre Freundschaft nichts trüben zu können.

Doch nach und nach sickert die Realität in die langgehegten Träume. Trotz des lakonischen, oft zynischen Stils hält die Pubertät Dominic und seinen Freund fest im Griff, und Dominic muss versuchen, den Spagat zwischen seinen Träumen und der Familie, die ihm ebenfalls viel bedeutet, zu beherrschen. Er muss herausfinden, ob seine Träume den harten Tatsachen des Lebens standhalten können, oder ob das Leben ihn nicht doch in eine ganz andere Richtung dirigiert. Ironie und Sarkasmus sind die Mittel, die oft eher traurigen Verhältnisse zu meistern.

Wer das Nachwort des Übersetzers Alex Capus liest, erfährt eine Überraschung. Dass ein Protagonist einiges vom Autor innehat, ist ja immer wieder mal zu vermuten. Aber diese Anzahl an Übereinstimmungen lässt ja nur den Schluss zu, dass in einer autobiographischen Darstellung lediglich der Name geändert wurde. Den zerrissenen Charakter nimmt man John Fante jedenfalls ab.


"In allen acht Romanen, die John Fante in einer Zeitspanne von fünfzig Jahren geschrieben hat, ist der Held unverkennbar (...) immer derselbe großspurige, großherzige Gernegroß, der seinen Mitmenschen doch mit tiefem Verständnis, großer Zärtlichkeit und intuitiver Weisheit begegnet."


Insgesamt war die Erzählung angenehm zu lesen, der Schreibstil flüssig und bildhaft, voller Metaphern, die oftmals recht ungewöhnlich sind - und trotz der fehlenden Absätze und der vielen Baseball-Anspielungen, mit denen ich persönlich nichts anfangen konnte, habe ich die Lektüre genossen.

Ein bewegender und komischer Roman über die Jugend und ihre Auflösung im Erwachsenenleben. Und eine schöne Wiederentdeckung, nachdem John Fante als Schriftsteller in Vergessenheit geraten und dieser Roman in einer Schublade verschwunden war und erst nach Fantes Tod wiederentdeckt wurde.


© Parden

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Tags: amerika, baseball, erwachsenwerden, lebensträume, weltwirtschaftskrise   (5)
 

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erwachsen werden, ddr, autobiografische züge, wende, längen

Flieg ich durch die Welt

Robert Gold
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Eulenspiegel Verlag, 14.03.2016
ISBN 9783359024972
Genre: Romane

Rezension:

WENDEZEIT...

Zum Abitur schenken sich die Freunde Angelo und Pascal eine Reise. Sie wollen raus aus Ostberlin und planen, gemeinsam mit dem Abenteurer Wolle im Sommer ’89 ans Schwarze Meer zu trampen. Bevor ihr Leben richtig beginnt, wollen sie die kleine große Welt des Ostblocks sehen, losgelöst von Konventionen und elterlichen Ratschlägen, eine Idee von Freiheit im Kopf. Zehn Jahre später zeigt sich, wohin die politischen Umwälzungen, spontane Entschlüsse und amouröse Erlebnisse die jungen Männer gebracht haben. Während Pascal mit einer Werbeagentur erfolgreich ist und Wolle einen Underground-Schuppen eröffnet, bleibt Angelo in den Karpaten verschollen. Ihre Jugend ist vorbei, doch erwachsen sind sie nicht, stattdessen auf dem Weg in eine Zukunft, die vieles verspricht und nur weniges halten kann. Ein aufwühlender Roman, der in die spannende Zeit des Umbruchs entführt.

Pascal und Angelo haben das Abitur in der Tasche und Träume für die Zukunft im Kopf. Und sie stecken voller Abenteuerlust. Mit ihrem Freund Wolle machen sie sich auf den Weg in die rumänischen Karpaten - auf der Suche nach Freiheit, Unabhängigkeit und sich selbst. Nur in Richtung Osten kann es für die drei Berliner Jungs gehen. Als sie durch Ungarn trampen, im Sommer 89, ist auf einmal die Grenze zum Westen durchlässig. Sie treffen Entscheidungen, die ihr Leben aus den vorgezeichneten Bahnen werfen und ihre Jugend jäh enden lassen. Ihre Wege trennen sich. Während Wolle in Amerika sein Glück versucht und sich Angelos Spur zu verlieren scheint, kehrt Pascal zurück. Das alte Leben gibt es nicht mehr, doch auf das aufregende, erstehnte neue fallen die Schatten der Vergangenheit.

Ein Wenderoman, eine Coming-of-Age-Erzählung - mein Zwei-Jahres-Projekt. Vor ungefähr zehn Monaten gehörte ich zu den Gewinnern der Verlosung dieses Buches. Selbst im Westen aufgewachsen, interessiert mir doch die Zeit vor und während der Wende in der ehemaligen DDR, einfach auch weil sie Teil der jüngeren deutschen Geschichte ist. Dies war der Grund, weshalb ich mich bei der Verlosung beworben hatte. Der Autor, geboren 1970 in Ostberlin, lässt hier offenkundig seine eigenen Erlebnisse der 80er und 90er Jahre sowie die seines Freundeskreises in die Erzählung einfließen, was in meinen Augen für Authentizität bürgt.

Die Idee hinter dem Buch fand ich wirklich interessant, und auch den Aufbau der Erzählung empfand ich als positiv. Erzählt wird hier aus wechselnden Perspektiven - meist aus denen von Wolle, Pascal und anfangs auch von Angelo, gelegentlich aber auch aus der Perspektive einer Nebenfigur, was verdeutlicht, wie die Hauptfiguren von außen wahrgenommen werden. So schält sich allmählich ein Bild der zu Beginn Jugendlichen, später der jungen Erwachsenen heraus und lässt den Leser teilhaben an deren Entwicklung.

Die Wahl der doch sehr verschiedenen Charaktere ermöglicht dem Leser nachzuvollziehen, auf welch unterschiedliche Arten seinerzeit mit den politischen Beschränkungen in der ehemaligen DDR umgegangen werden konnte, aber auch wie verschieden die neu gewonnene Freiheit nach der Wende genutzt wurde. Die Verwendung typischer Begriffe im damaligen Ostdeutschland (z.B. 'schauestes Mädchen', 'Kraxe' oder 'urst') verstärken hier noch das Gefühl der Authentizität des Geschilderten.

Leider konnte die Geschichte der drei befreundeten Teenager, die justament zum Mauerfall ins Erwachsenenleben starten, mich dann letztlich aber nicht wirklich überzeugen. Die Möglichkeiten der zahlreichen Perspektivwechsel bergen auf der anderen Seite auch Gefahren, denen der Autor leider aufgesessen ist. So hat er sich oftmals in Details und Nebenhandlungen verloren, und die gesamte Erzählung weist so teilweise unglaubliche Längen auf, die den Lesefluss wirklich erschweren. Dies ist auch der Grund, weshalb ich das Buch immer wieder einmal weggelegt und 'vertagt' habe, wodurch sich die Lesedauer auf 10 Monate hinauszog. Kein übliches Vorgehen bei mir.

Die Schilderung der Charaktere ist neben der Langatmigkeit des Romans mein Hauptkritikpunkt. Obwohl sich durch die langsame Erzählweise allmählich ein deutliches Bild der drei Hauptfiguren herausschälte, fehlte mir persönlich hier der Zugang zu den Personen. Die Gefühle derjenigen, aus deren Perspektive jeweils erzählt wird, bleiben hier weitestgehend außen vor, so dass mir die Möglichkeit genommen wurde, empathisch zu sein. Manchen Leser mag diese eher nüchterne Erzählweise ansprechen - ich gehöre jedoch nicht unbedingt dazu.

Insgesamt halten sich hier für mich die Stärken des Romans und seine Schwachpunkte in etwa die Waage, so dass ich mich für eine Bewertung im mittleren Bereich entschieden habe. Einen interessanten Einblick in das Leben vor, während und nach der Wende in der ehemaligen DDR habe ich durchaus erhalten, doch hatte ich oftmals Mühe, mein Interesse an dem Roman noch wachzuhalten. Das Gefühl der Authentizität der Erzählung ging jedoch zu keinem Zeitpunkt verloren.


© Parden


Der Titel des Buches ist übrigens angelehnt an den Titel eines Songs der Gruppe 'City', die 1972 in Ost-Berlin gegründet wurde:

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Tags: autobiografische züge, ddr, längen, mauerfall, ostberlin, wende, wendezeit   (7)
 

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senioren, verbrechen, gefängnis, altersheim, schweden

Wir fangen gerade erst an

Catherine Ingelman-Sundberg , Stefanie Werner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 16.05.2013
ISBN 9783651000605
Genre: Romane

Rezension:

DEM ALTENKRIMI FEHLT ES AN SCHWUNG...

Dem Leben im Alter sehen viele von uns mit gemischten Gefühlen entgegen - der Umzug in ein Altersheim erscheint für die meisten wenig verlockend. Die Erfahrungen, die die fünf Hauptcharaktere des Buches mit ihrem Wohnsitz machen, sind nun auch nicht dazu geeignet, die Bedenken hinsichtlich dieser Wohnform zu zerstreuen.

Dabei sind Märtha (79), Snille (78), Anna-Greta (81), Stina (77) und Kratze (84) noch recht rüstig für ihr Alter. Doch 'Sparen' heißt die Devise der neuen Geschäftsführung des Seniorenheims 'Diamant', und so gibt es immer mehr Einschränkungen, die die alten Leute über sich ergehen lassen müssen, und kaum noch Entscheidungen, die sie selber treffen dürfen. Was zu viel ist, ist zu viel - und so beginnt allmählich ein Plan zu reifen.

Eine TV-Dokumentation über die Situation in Schwedens Gefängnissen zeigt den Alten, dass es um die Versorgung der Verbrecher besser gestellt ist als um ihre eigene - und da muss Abhilfe geschaffen werden. Und so fliehen die fünf aus dem Altersheim und beginnen ihre Verbrecherkarriere mit dem Ziel, den Rest ihres Lebens letztlich gut versorgt hinter Gittern zu verbringen. Doch aller Anfang ist schwer, zumal hinter der Seniorengang mit ihren Rollatoren niemand etwas Gesetzwidriges vermutet - erst recht nicht die Polizei. Da ist viel Einfallsreichtum gefragt...

Leider hielt das Buch nicht ganz, was ich mir davon versprach. Erwartet hatte ich ein unterhaltsames Buch mit viel Seniorenpower, mit Charme und Witz, schwungvoll und bissig und mit dem Esprit der Geschichten eines Jonas Jonasson oder dem Wohlfühlcharakter der Romane eines Fredrik Backman. Doch dem Roman merkte man das Alter seiner Charaktere an: Unterhaltung mit Längen, teilweise eher lahme Dialoge, eine von zu vielen Zufällen geprägte Handlung und alles in allem eine zu bemüht und konstruiert wirkende Erzählung. Die Charaktere selbst sind recht klischeehaft gestrickt und wirken durch den fehlenden Hintergrund wenig greifbar.

Trotz meiner Enttäuschung fand ich die Idee hinter der Geschichte gut, wenn auch die Umsetzung mehr Potential gehabt hätte. Ebenfalls gefallen hat mir die durchgehend geäußerte Kritik am Umgang der Gesellschaft mit den Alten - an dieser Stelle würde ich mich der Seniorengang gerne anschließen.

Insgesamt eher Mittelmaß - da ist noch deutlich Luft nach oben. Ob Band zwei 'Jetzt kriegt jeder was ab' da eine Steigerung ist? Keine Ahnung. Noch nicht jedenfalls. Aber erst einmal reicht es mir mit den fünf Senioren...


© Parden

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Tags: altersarmut, altersheim, gefängnis, gesellschaftskritik, senioren, verbrechen   (6)
 

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glück, positives denken

Was mein Leben reicher macht: Glücksmomente aus dem Alltag

Wolfgang Lechner
E-Buch Text: 228 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 03.02.2012
ISBN 9783426414194
Genre: Romane

Rezension:

GLÜCKSMOMENTE AUS DEM ALLTAG...

Über 100 Einsendungen wöchentlich erreicht die ZEIT allein zu der Rubrik "Was mein Leben reicher macht", was zeigt, wie beliebt diese bei den Lesern ist. Immer wieder berichten Leser, wie sehr die Lektüre der Einsendungen zu diesem Thema sie bewege, 'bei der auch mal eine Träne fließt oder zwei Minuten innere Stille herrscht'.

Bekenntnisse, Beobachtungen, kleine Geschichten - hier gibt es keine Stilvorgaben. Überzeugende, anrührende, überraschende oder einleuchtende Texte sind hier zu finden, kurz und prägnant und von Lesern für Leser. Der verantwortliche Redakteur Wolfgang Lechner hat die schönsten, ungewöhnlichsten und bewegendsten Einsendungen zu den Themen 'Liebe', 'Freunde', 'Alltägliches', 'Familie', 'Natur', 'Kinder', 'Schönes', 'Begegnungen', 'Dankbarkeit' und 'Erinnerungen liebevoll ausgewählt und zusammengestellt.


"Es müsste ein Gesetz geben, dass jeden Tag nach der Tagesschau im Fernsehen fünf Minuten lang aus dieser Spalte vorgelesen wird!"


Es sind oft die kleinen Dinge, die das Leben schöner machen: eine von einem Fremden uner­wartet überreichte Blume, ein Kuss im Aufzug vom seit Jahren geliebten Mann, das ruhige Atmen der eigenen Kinder im Schlaf, das Schmunzeln der Kollegen im Büro. Solche Momente sind es, die einen das kleine Glück erleben lassen, plötzlich und unerwartet und dadurch oftmals so überwältigend.

Das Buch versammelt solche Momente und lässt uns dadurch ein wenig daran teilhaben. Es öffnet die Augen dafür, wie nah das Glück oft liegt und dass es manchmal reicht, die Aufmerksamkeit auf die kleinen Schönheiten des Alltags zu lenken, um sich reicher zu fühlen.

Manches ließ mich lächeln, manches berührte mich unerwartet - und allen Geschichten ist anzumerken, dass sie von Momenten berichten, die für den Schreibenden etwas Besonderes darstellten. Eine schöne Sammlung, die man immer wieder einmal zur Hand nehmen und darin blättern kann, vielleicht auch gerade dann, wenn das Gefühl vorherrscht, dass das Glück sich von einem abgewendet hat oder aber wenn einem in unserer hektischen Welt der Sinn mal wieder nach einem Moment innerer Stille steht... Oft schon genügt da ein Wechsel der Blickrichtung.

Sicherlich auch als ein passendes Geschenk geeignet für jemanden, mit dem man Glücksmomente teilen möchte oder aber für einen Menschen, der etwas Aufmunterung gebrauchen kann.


© Parden

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Tags: glück, positives denken   (2)
 

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alexandra potter, love from paris, paris, liebe, 30er jahr

Love from Paris

Alexandra Potter , Stefanie Retterbush
Flexibler Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.07.2016
ISBN 9783442479122
Genre: Romane

Rezension:

J'ATTENDRAI...

Ruby Miller ist eine junge Autorin, die schon einige Liebesromane geschrieben hat. Als 'Anwältin in Sachen Liebe' sieht sie sich auch jenseits ihrer Bücher, nur in ihrem eigenen Leben scheint sie damit nicht so recht erfolgreich zu sein. Mit dem Amerikaner Jack verbindet sie zwar eine große Liebe, doch seit drei Monaten haben sie sich nun nicht mehr gesehen. Ruby fiebert daher der Ankunft ihres Liebsten entgegen, denn schließlich hat sie Geburtstag, und in den kommenden Tagen wollen Jack und sie alles nachholen, was sie in den vergangenen Monaten versäumt haben.

Doch Jack kommt nicht. Er teilt ihr telefonisch mit, dass er beruflich verhindert sei, als Ruby schon am Londoner Flughafen steht und auf ihn wartet. Für Ruby bricht die Welt zusammen - ein Wort ergibt das nächste, und schon ist der schlimmste Streit vom Zaun gebrochen. Als sie schließlich auflegt, liegen alle Pläne in Scherben vor ihr. Doch bevor sie sich noch in ihre Wohnung verkriechen und ihr Schicksal beweinen kann, erreicht sie ein weiterer Anruf. Ihre beste Freundin Harriet will nicht nur Rubys Geburtstag mit ihr feiern, sie benötigt auch selbst seelische Unterstützung. Denn seit sie London verlassen hat und wegen des Jobs in einem Auktionshaus nach Paris gezogen ist, droht Harriet die Einsamkeit über den Kopf zu wachsen. Also packt Ruby kurzerhand ihren Koffer und ihren kleinen Hund und setzt sich in den Zug nach Paris.

Harriet und Ruby freuen sich unbändig, sich endlich wiederzusehen. Doch auch wenn Ruby sich ihre Zeit als Autorin selbst einteilen kann, muss Harriet trotz des überraschenden Besuchs ihrer Freundin auch ihren beruflichen Verpflichtungen nachkommen. Als sie eine Wohnung besichtigen soll, in der zahlreiche wertvolle Antiquitäten vermutet werden, die demnächst versteigert werden sollen, kommt Ruby kurzerhand mit. Und schon beim Betreten der Wohnung umweht sie eine geheimnisvolle Atmosphäre. Weshalb wurde dieses Appartement fast 70 Jahre lang heimlich bezahlt, jedoch nie bewohnt? Und was sind das für Briefe, die Ruby unter dem Bett findet, als sie ihren kleinen Hund sucht, der wieder einmal ausgebüchst ist?

Ruby ist hier voll in ihrem Element. Rund um die Liebe dreht es sich eben nicht nur in ihren Büchern, sondern sie mag auch reale Liebesgeschichten. Abgesehen von ihrer eigenen Romanze, die zur Zeit gar nicht so recht läuft, ist es zum einen ihre Freundin Harriet, um die sich Ruby in Sachen Liebe kümmern will, zum anderen aber auch die geheimnisvolle Geschichte, die hinter den gefundenen Briefen in der schon lange verlassenen Wohnung liegt. Jeder dieser Briefe ein Versprechen: 'J'attendrai' - 'Ich werde auf dich warten'. Vergangenheit und Gegenwart berühren sich, und Ruby ist voller Hoffnung, dass eine große Liebe auch die Zeiten überdauert...

Ruby ist ein liebenswerter, etwas schusseliger Charakter und hat das Herz auf dem rechten Fleck. Auch die anderen Figuren des Romans haben, so weit gewollt, etwas Liebenswertes, auch wenn die Charaktere etwas klischeehaft gestrickt sind. Abgesehen von ein paar seeehr bemühten 'witzigen' Stellen, bei denen mir ob der Plumpheit das Lachen verging und einigen langatmig wirkenden Stellen v.a. in der ersten Hälfte des Romans, ist die unglaubliche Anhäufung der Zufälle das, was mich hier gestört hat. Doch Alexandra Potter nimmt dieser Kritik selbst den Wind aus den Segeln:


"Man könnte es Zufall nennen. Oder Fügung (...) Aber die Ruby (...) kann sich des Gedankens nicht erwehren, dass hier höhere Mächte am Werk sind. Dass diese scheinbaren Zufälle allesamt Teil eines großen Plans sind."


Und da der Liebe immer auch etwas Magisches nachgesagt wird, sei der Autorin hiermit verziehen. Denn letztlich bekommt man als Leser genau das, was man von diesem Roman erwartet: einen unterhaltsamen und spannenden Liebesroman voller Geheimnisse, die darauf warten, endlich gelüftet zu werden. Ein Roman mit Pariser Flair, zum Abtauchen geeignet für alle, die dem Genre nicht abgeneigt sind. Für mich war es jedenfalls das Richtige zum Abschalten an einem grauen Januarwochenende.


© Parden



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Tags: liebe, liebesroman, paris, stadt der liebe   (4)
 
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