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48 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

grammatik, liebe, pferde, liebesgeschichte, deutsche sprache

Die Grammatik der Rennpferde

Angelika Jodl
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 27.05.2016
ISBN 9783423261050
Genre: Romane

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80 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

holocaust, 2. weltkrieg, konzentrationslager, geschichte, polen

Der letzte Überlebende

Sam Pivnik , Ulrike Strerath-Bolz
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Theiss, Konrad, 01.03.2017
ISBN 9783806234787
Genre: Biografien

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

pakt, teufe, faust, nervenheilanstalt, autor

April - Der Preis der Muse

Ralph B. Mertin
E-Buch Text
Erschienen bei Knaur eBook, 01.04.2014
ISBN 9783426432754
Genre: Krimi und Thriller

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85 Bibliotheken, 10 Leser, 2 Gruppen, 23 Rezensionen

thriller, daniel cole, serienmörder, spannung, london

Ragdoll - Dein letzter Tag

Daniel Cole , Conny Lösch
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 27.03.2017
ISBN 9783548289199
Genre: Krimi und Thriller

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390 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 75 Rezensionen

vorlesen, bücher, liebe, paris, vorleser

Die Sehnsucht des Vorlesers

Jean-Paul Didierlaurent ,
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.09.2015
ISBN 9783423260787
Genre: Romane

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55 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 25 Rezensionen

überlebenskampf, tod, sabbatjahr, schiffbruch, beziehung

Herz auf Eis

Isabelle Autissier , Kirsten Gleinig
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 07.03.2017
ISBN 9783866482562
Genre: Romane

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1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Gravur des Todes

Alfred Leiner
Flexibler Einband: 454 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.04.2016
ISBN 9783426215623
Genre: Krimi und Thriller

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92 Bibliotheken, 4 Leser, 4 Gruppen, 27 Rezensionen

papst, rom, vatikan, krimi, italien

Halleluja!

Johanna Alba , Jan Chorin , ,
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.07.2010
ISBN 9783499253829
Genre: Krimi und Thriller

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kinder, serie, hörspiel, gelungene inszenierung, staffel

Gortimer Gibbon - Mein Leben in der Normal Street: Die komplette Staffel

Uticha Marmon , Jennifer Cubela
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Amazon Media EU Sàrl, 23.09.2016
ISBN B01LX95PK7
Genre: Sonstiges

Rezension:

UNTERHALTSAME HÖRSPIELSERIE FÜR KIDS...

Die drei Freunde Gortimer Gibbon, Mel Fuller und Ranger Bowen leben in der Normal Street eines kleinen amerikanischen Vororts. Dieser ist jedoch nicht so gewöhnlich wie es scheint, denn unter der Oberfläche sind magische Kräfte am Werk...

Dies ist die komplette (erste) Staffel der exclusiven Hörspiele zu einer Amazon Originals Serie. Von der Serie selbt habe ich noch nichts gesehen oder gehört, aber der Klappentext sprach mich an, und ich hatte mal wieder Lust auf etwas Unkompliziertes mit kleinen unterhaltsamen Einheiten. Und genau dies habe ich bekommen.

13 Folgen der Serie beinhaltet diese Staffel, und gedacht ist diese wohl für ältere Kinder. Ein bisschen gruselig (aber wirklich nur ein ganz kleines bisschen) und ein wenig spannend sind die Folgen, in denen es neben den kleinen Abenteuern vor allem und immer wieder auch um die Freundschaft der drei 12- bzw. 13jährigen Kinder geht.

Die einzelnen Folgen dauern jeweils etwa eine halbe Stunde:

Der Frosch des ultimativen Unheils (Gortimer lebt mit seinen Freunden in der nicht richtig normalen Normal Street. Eines Sommers treffen sie die ältere blinde Miss Hudspith und helfen ihr ein Problem aus ihrer Vergangenheit zu lösen.) Gortimer vs. das verwunschene Mobile (Als die Freunde den Pechvogel Stanley in ihr Seifenkisten-Team aufnehmen, hat das Konsequenzen. Um eine Katastrophe zu verhindern müssen die drei sich mit dem verwunschenen Mobile beschäftigen.) Mel vs. der melodramatische Roboter (Mel baut einen Roboter, um den Wissenschaftswettbewerb an ihrer Schule zu gewinnen. Wie sehr sie sich selbst unter Druck setzt, wird ihr erst bewusst, als der Roboter vor lauter Stress durchdreht.) Gortimer und der mysteriöse Gedankenlöscher (Ranger wirft einen Blick in Mels Tagebuch und ist entsetzt: Mel scheint in Gortimer verliebt zu sein! Wie gut, dass der schrullige Fred einen Bleistift hat, mit dem man das Gedächtnis löschen kann...) Gortimer und das Büchermobil (Beim Versuch herauszufinden, wer der Fahrer des mysteriösen Normal Street Büchermobils ist, wird Gortimer seiner Stimme beraubt. Der Fahrer scheint ein spezielles Kinderbuch zu suchen...) Die Legende von Pendragons Hammer (Bei der Wahl zum Präsidenten des Schülerkomitees der Normal Mittelschule sorgt ein geheimnisvoller Hammer für Aufregung. Wer ihn aus einem Kaugummiklumpen löst, wird der nächste Präsident.) Gortimer und der Traumfänger (Gortimer nimmt an einem Rettungsschwimmerkurs teil und hat plötzlich Angst vor dem Wasser. Grund sind Albträume, in denen er seine Mutter bei einem Tauchgang in Lebensgefahr sieht.) Das Geheimnis der Blutmond-Finsternis (Auf Mels Blutmond-Party sorgt eine Taschenuhr dafür, dass sich das Haus in ein Spukhaus verwandelt. Ranger und Gortimer sind plötzlich verschwunden? War das der Blutmond?) Ranger und die geheimnisvolle Verwandlung (Ranger nascht vom wundersamen Schokoladenkuchen seines Opas und wird plötzlich von einem Schwarm Fliegen verfolgt. Es scheint sich sogar selbst in ein Insekt zu verwandeln. Was war wohl in dem Kuchen?) Die Chili-Kochwette (Ein Chili-Kochwettbewerb findet statt. Auf der Suche nach einem Rezept findet Mel ein Fingerspiel, in dem Weissagungen stehen, die wahr werden und die gesamte Kochwette auf den Kopf stellen.) Gortimer und die rätselhafte Unterschrift (Gortimer hat auf seinem Gipsarm Autogramme seiner Jahrgangsmitschüler gesammelt. Besonders fällt der Name eines Mädchens auf, das noch niemand je gesehen hat. Er macht sich auf die Suche.) Gortimers Schatzsuche (Gortimers Vater ist zu dessen Geburtstag nicht da. Also wollen die Freunde ihn aufmuntern: Sie machen sich auf die Suche nach Captain Normals Schatz - was schwierig ist, denn der Captain war clever.) Die Regenbogenmaschine (Gortimers Vater ist zu Besuch. Als er einen Regenbogen sieht, denkt er darüber nach, wieder in die Normal Street zurückzukehren. Das inspiriert Gortimer, einen künstlichen Regenbogen zu bauen.)

Gelesen werden die drei Kinder von den Sprechern Niklas Münnighoff, Paulina Rümmelein und Julian Putzke - in meinen Augen eine gelungene Besetzung. Sie lesen abwechslungsreich und der jeweiligen Situation angemessen, und Mel Fullers Stimmgeberin erinnert in Modulation und Stimmlage der Synchronsprecherin von Hermine Granger in den Harry Potter Filmen. Gemeinsam mit der Musik- und Hintergrundgeräuschgestaltung ist diese Staffel für mich rundum ein schönes Unterhaltungspaket für Kids.


© Parden

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Tags: gelungene inszenierung, hörspiel, kinder, normal street, serie, staffel   (6)
 

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empathie, sommer, verlust, kindheit, debüt

Ein fauler Gott

Stephan Lohse
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.03.2017
ISBN 9783518425879
Genre: Romane

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23 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

hamburg rain 208, hamburg rain, zukunft, sundow, hamburg

Sundown: Hamburg Rain 2084 (KNAUR eRIGINALS)

Heike Wahrheit
E-Buch Text: 196 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 08.10.2015
ISBN 9783426437483
Genre: Sonstiges

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

landgericht essen, gerichtskrimi, strafverteidigerin

Giftiger Prinz: Kriminalroman

Chris Ker
E-Buch Text: 225 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 02.06.2014
ISBN 9783426432709
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

GERICHTSKRIMI MIT AUTHENTISCHEN UND ERSCHRECKENDEN EINBLICKEN...

Anna Bäcker praktiziert als Strafverteidigerin in Essen sowie im umliegenden Ruhrgebiet. Gemeinsam mit einem befreundeten Anwalt führt sie eine eigene Praxis und kann sich über mangelnde Aufträge nicht beklagen. Sonja Heitkamp wendet sich jedoch zunächst nicht in einer Strafsache an die Anwältin, sondern weil sie sich von ihr beraten lassen möchte, da sie sich, obschon schwanger, mit dem Gedanken trägt, sich von ihrem Mann zu trennen. Anna Bäcker verweist sie an ihren Kollegen, der sich auf Familienrecht spezialisiert hat, doch bereits einige Wochen später steht Sonja Heitkamp erneut auf der Matte. Diesmal in Begleitung ihres gutsituireten Ehemannes.

Das Ehepaar Heitkamp möchte die Anwältin Anna Bäcker damit beauftragen, einen Taxifahrer zu verklagen. Dieser habe vollkommen überreagiert, als die schwangere Ehefrau sich in seinem Taxi eine Zigarette angezündet und auch auf ausdrücklichen Wunsch des Fahrers nicht wieder ausgemacht habe. Eine Vollbremsung, eine wüste Beschimpfung und ein Rauswurf mitten in der Nacht an einer unbelebten Stelle seien die Folge gewesen, und durch die Aufregung sei es bei Sonja zu Blutungen gekommen. Eine drohende Fehlgeburt sei mit einem anschließenden Krankenhausaufenthalt gerade noch zu verhindern gewesen. Wie von ihren Mandanten gewünscht, verklagt Anna Bäcker schließlich den Taxifahrer.

Doch nur wenige Wochen später beauftragt die Schwester von Sonja Heitkamp die Anwältin mit einem neuen Fall, der Anna Bäcker zunächst schockiert. Die hochschwangere Sonja wurde in ihrem eigenen Haus überfallen und wies in der Folge schwere Kopfverletzungen auf, die ihr brutal mit einigen Hammerschlägen zugefügt wurden. Der psychisch labile Taxifahrer und offensichtliche Täter, gegen den seinerzeit die Strafanzeige gestellt wurde, lag beim Eintreffen der Polizei tot neben der Schwerverletzten - durch einige Schüsse niedergestreckt vom heimgekehrten Ehemann Sonjas. Notwehr? Rache? Selbstjustiz? Dies gilt es im anschließenden Stafprozess vor dem Landgericht Essen zu klären...


"Du musst dir keine Vorwürfe machen. Mit so einer Reaktion von Kulisch konnte nun wirklich niemand rechnen." - (...) "Danke. Ich fühle mich bei der ganzen Sache irgendwie mitschuldig. Ich frage mich heute, ob ich die Heitkamps von einer Strafanzeige hätte abhalten sollen. Auf der anderen Seite kann ich ja nicht jedes Mal aus Angst vor völlig überzogenen Reaktionen zukünftig keine Strafanzeigen mehr erstatten."


Hinter dem Pseudonym Chris Ker steckt eine Rechtsanwältin aus dem Ruhrgebiet, die wie der Hauptcharakter des Buches als Strafverteidigerin arbeitet. Entsprechend authentisch sind die in diesem Krimi geschilderten Szenen vor Gericht, die das Handwerk des Stafverteidigers vor deutschen Gerichten mit seinen Abläufen, seinen Problemen und auch Enttäuschungen gelungen wiedergeben. Der Charakter der Anna Bäcker ist dabei gut gewählt und in seiner Mischung aus Unnachgiebigkeit vor Gericht und ganz normaler Frau im Alltag glaubhaft gestrickt. Die eingewobene kleine Liebesgeschichte hätte es dabei für mich persönlich nicht geben müssen, nahm andererseits aber auch keinen überdimensionierten Raum ein.

Neben dem spannenden Fall an sich, in dem es immer wieder zu überraschenden Wendungen kommt, waren es die geschilderten Gerichtsszenen, die mich hier faszinierten. Und teilweise auch erschreckten. Die Abläufe vor deutschen Gerichten im Vergleich beispielsweise zur amerikanischen Justiz sind doch um einiges anders. Und deutlich wird auch, dass nicht alles wirklich gerecht ist, was sich Dementsprechendes auf die Fahne schreibt. So gibt es z.B. zwar Gerichtsprotokolle, doch sind diese erstaunlicherweise viel oberflächlicher als erwartet. Dort steht dann beispielsweise, dass ein Zeuge sich zum einem Sachverhalt ausgelassen hat, jedoch nicht inwiefern. Und so bleibt letztlich nur das Vertrauen in den Richter, dass der sich alles wortgetreu merken kann und im übrigen tatsächlich so objektiv und voreingenommen und frei von Sympathie und Antipathie ist wie er sollte - sagt der Richter am Ende nämlich, der Zeuge habe x gesagt, obwohl er y verkündet hat, so gilt x, ohne wirkliche Gelegenheit für die anderen an der Verhandlung Beteiligten, hier noch einmal korrigierend einzugreifen. Für mich erschüttert dies das Bild der deutschen Gerichtsbarkeit noch einmal ganz erheblich.

Insgesamt jedenfalls ein unterhaltsamer und spannender Gerichtskrimi, der authentische (und erschreckende) Einblicke hinter die Kulissen gewährt. Gerne mehr davon!


© Parden

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Tags: gerichtskrimi, landgericht essen, strafverteidigerin   (3)
 

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

suche, kabarett, studium der komposition, chanson, musikbranche

Juhu, berühmt! Ach nee, doch nich'

Christin Henkel
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 10.01.2017
ISBN 9783426788509
Genre: Biografien

Rezension:

KLA-KA-SON...

Christin Henkel? Wer zum Teufel ist das? Das jedenfalls dachte ich, als ich das Buch zum ersten Mal sah. Meine Freundin konnte mir da nicht wirklich weiterhelfen, da sie das Buch zwar geschenkt bekommen, es aber noch nicht gelesen hatte. 'Wie wäre es, wenn Du es herausfindest?', grinste sie und drückte mir das Buch in die Hand. Skeptisch begann ich zu blättern, doch als ich nach einigen Zeilen das erste Mal grinsen musste, entschied ich mich, die angebotene Leihgabe tatsächlich anzunehmen.

Was Christin Henkel in diesem episodenhaft erzählten Buch schnell deutlich werden lässt: sie will nicht den ihr vorgezeichneten Weg gehen, sie will nicht mit Mitte zwanzig im Dorf ihrer Familie in Süd-Thüringen versauern und daher nicht ihren Lebensplan mit bravem Ehemann und zwei Kindern beschließen, vielleicht noch als Musiklehrerin an der Schule in der nächstgelegenen Kleinstadt. Aber was sie will, ist ihr eigentlich auch nicht so klar, und so zieht sie wenig planvoll mal nach Berlin zum Rumkünstlern, mal nach Südfrankreich an den Strand zum Surfen, mal nach München zum Studium der Komposition. Ob an der Musikhochschule, bei klassischen Meisterkursen oder beim Hamburger Popkurs - Christin hat an allem teilgenommen, jedoch nie das Richtige für sich gefunden. Ihren Weg durch den verrückten Irrgarten der Musikbranche zeichnet Christin Henkel in diesem Buch nach - mit all seinen Absurditäten und Fehlschlägen.

Mit viel Humor und Ironie erzählt Christin von ihren Aufs und Abs auf ihrem Weg und davon, dass der gesuchte Platz sich womöglich auch zwischen den Stühlen finden lässt. Dabei erhält der Leser ungewohnte und durchaus amüsante Einblicke in das verrückte Treiben der Musikbranche, die Eitelkeiten und Besonderheiten der Künstler und Produzenten, Klischees inbegriffen, die Oberflächlichkeit und Kurzlebigkeit der Szene. Jeder bekommt da sein Fett weg, aber meist nicht unter der Gürtellinie, und da Christin Henkel auch sich selbst immer wieder auf die Schippe nimmt, stoßen auch kleine Bösartigkeiten zwischendurch nicht wirklich auf. Oftmals musste ich grinsen oder auch laut lachen, und so gestaltete sich die Lektüre ungemein kurzweilig.

Wer oder was Christin Henkel nun ist? Das wusste die Autorin lange wohl selbst nicht so recht. Doch durch viele Versuche und Irrtümer hat sie es schließlich geschafft, eine Nische für sich zu entdecken: Sie gewann zahlreiche Song Slams, tourte quer durchs Land und nahm schließlich ihr erstes Album auf. Ihre erste Platte heißt konsequenterweise 'KlaKaSon', denn wenn man versucht, ihren Stil zu umschreiben, dann läuft es wohl auf eine Mischung aus KLA-vier, KA-barett und Chan-SON heraus. Ukulele spielt sie aber auch. Einzelne Songtexte Christin Henkels sind in dem Buch ebenfalls abgedruckt, so dass der Leser sich einen ersten Eindruck von ihrer Art Musik machen kann. Wenn man dann noch googelt, wird man auch rasch fündig:





Ob einem diese Art Musik nun gefällt oder nicht - die junge Frau hat nicht klein beigegeben, obwohl es aureichend Anlässe dazu gegeben hätte. Dem zolle ich in jedem Fall Respekt. Und der schwarze Humor durchzieht nicht nur dieses vorliegende Buch, sondern offensichtlich auch Christin Henkels Songtexte, so dass ich mir vorstellen könnte, dass sie auch in Zukunft bei Auftritten erlebt werden kann wie bei 'Nightwash' oder der Sendung von Dieter Nuhr. Dazu wünsche ich viel Erfolg!


© Parden

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Tags: chanson, kabarett, klavier, musikbranche, studium der komposition, suche, ukulele   (7)
 

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graphic novel, dämonen, hörspiel, schlüssel, keyhouse

Locke & Key: Die komplette Serie

Joe Hill , Gabriel Rodriguez
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Erschienen bei Audible GmbH, 18.02.2016
ISBN B01BI37ITI
Genre: Sonstiges

Rezension:

VON SCHLÜSSELN UND DÄMONEN...

Im idyllischen Sommerurlaub bricht das Grauen über die Lockes herein: Vater Rendell wird vor den Augen seiner Familie brutal ermordet. Verstört und gebrochen zieht Mutter Nina mit ihren Kindern Bode, Kinsey und Tyler von San Francisco ins Keyhouse, dem alten Familiensitz in New England. Der 7-jährige Bode ist der Erste, der dem Geheimnis von "Lovecraft Mansion" auf die Spur kommt. Das Gemäuer birgt verschiedene Schlüssel, die magische Kräfte verleihen: So setzt der Geist-Schlüssel die Seele aus dem Körper frei, der Überall-Schlüssel bringt eine Person an jeden beliebigen Ort, der Reparier-Schlüssel macht Kaputtes wieder ganz und der Kopf-Schlüssel öffnet Köpfe, sodass man Erinnerungen entfernen oder Wissen hinzufügen kann. Doch die magischen Schlüssel sind nicht das Einzige, was sich im Keyhouse versteckt - schon bald entpuppt sich die vermeintlich sichere Zuflucht als ein Ort voller tödlicher Gefahren...

Zuweilen setzt sich das Team von Audible.de recht ehrgeizige Ziele. Die 15-stündige Hörspielinszenierung einer Graphic Novel Reihe gehört für mich jedenfalls dazu. Ein verwunschenes Herrenhaus ist der Schauplatz des Geschehens, über eine glückliche Familie bricht das ultimativ Böse herein, und magische Schlüssel öffnen die Türen zu anderen Welten - all dies macht rasch deutlich, dass dieses Werk dem Genre der Dark Fantasy zuzuordnen ist.

Zunächst ist es allerdings reichlich verwirrend, wenn ein Schlüssel nach dem anderen Einzug in die Handlung hält - da ist es nicht immer einfach, noch den Überblick zu behalten. Die Anzahl der Personen ist ebenfalls beeindruckend, doch gelingt es nach einiger Zeit, die Charaktere wiederzuerkennen - und wenn nicht, sind sie einfach nicht sonderlich wichtig für das Geschehen. In jedem Fall bieten die meist gut besetzten Sprecher (wie z.B. Vera Teltz, Tanja Geke, Jürgen Kluckert sowie deutsche Schauspielgrößen wie Patrick Mölleken, Oliver Wnuk, Max Mauff und Milton Welsh) zusammen mit der ausgefeilten und oftmals dramatisch inszenierten Soundkulisse ein abenteuerliches Hörvergnügen.

Vielleicht liegt es daran, dass einzelne Folgen der Graphic Novel Reihe hier in einer Gesamtinszenierung zusammengefasst sind, dass sich zuweilen einzelne Sprünge in der Handlung auftaten, die mich verwirrten. Auch wiederholtes Hören half da nicht - das Gefühl blieb, dass ich irgendetwas verpasst hatte. Doch in seiner Gesamtheit bietet das Hörspiel eine kompakte Geschichte, die Spannung und Unterhaltung bietet und bei aller Dramatik auch den Humor nicht vergisst.

Für mich letztlich ein gelungenes Experiment, das zeigt, dass auch eine Graphic Novel als Hörspiel zur Geltung kommen kann.


© Parden

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Tags: dämonen, graphic novel, hörspiel, keyhouse, schlüssel   (5)
 

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ivo pala, räucherofen, krimi, whodunit, küste

Ein Fall für Fuchs & Haas: Die Tote im Räucherofen

Ivo Pala
E-Buch Text: 326 Seiten
Erschienen bei Likedeeler, 23.02.2017
ISBN 9783946786092
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

MORD IN MALERISCHER IDYLLE...

Vor Jahren hat Kommissar Bodo Fuchs seine Heimat an der Ostseeküste Vorpommerns verlassen und seinen Dienst in Berlin versehen. Doch einige unschöne Vorfälle dort haben dafür gesorgt, dass er wieder an die Küste versetzt wurde. Bald schon zeigt sich, dass die erhoffte Ruhe in der idyllischen Boddenlandschaft ein Trugschluss ist - gemeinsam mit seiner neuen Kollegin Gisa Haas muss Fuchs gleich in einem brutalen Mordfall ermitteln.


"Du kannst dir nicht vorstellen, wie geräucherter Mensch riecht!"



Nicht nur die besondere Auffindesituation des Opfers schockiert den Kommissar, sondern vor allem die Tatsache, dass die zusammengekrümmte Leiche im Räucherofen Bodos heimliche Jugendliebe war. Andernorts wäre dies ein Grund, ihn wegen Befangenheit von den Ermittlungen auszuschließen, doch in dem idyllischen Landstrich ist man um jeden einsatzkräftigen Ermittler froh. Und so begibt sich Fuchs mit seiner Kollegin mitten hinein in ein Geflecht aus alten Geschichten, Verdächtigen und traditionellen Verknüpfungen.


"Sachen mit einem Leuchtturm als Motiv", sag ich, "werden von Leuten gekauft, die sich nach einem Zuhause sehnen. Nach Sicherheit, Ruhe und Ordnung. Und auch nach Geborgenheit. Schiffsmotive aber suchen all die aus, die sich nach der Ferne sehnen. Nach Abenteuern und Unbekanntem. Leute mit einer großen inneren Unruhe. Leute, die sich schwer zufrieden geben können und immer wieder neue Herausforderungen suchen."


Erzählt wird der Krimi in der Ich-Perspektive aus Sicht des Kommissar Fuchs. Dabei wird geschrieben, wie dem Ermittler der Schnabel gewachsen ist, wenig ausgefeilt und oft auch reichlich derb. Anfangs recht zynisch und auf eigene Art humorvoll (nicht immer konnte mich der Humor hier mitnehmen), wechselt die Tonart dann rasch ins Melancholische. Fuchs Betroffenheit angesichts des Schicksals der Toten, seine Zweifel, ob der Beruf wirklich noch etwas für ihn ist, die fehlende Frau im Leben - mit alldem wird der Leser allmählich konfrontiert. Und ohne es auszusprechen, wird deutlich, dass sich Fuchs wohl mitten in der Midlife-Crisis befindet, was sich auch in seinen amourösen Avancen wiederspiegelt.


"...und den besten freien Kopf bekommt man nun mal, wenn man auf die See hinausschaut und sich den Wind um die Nase wehen lässt. Nichts besänftigt das Herz so gut wie das Rauschen der Wellen, wenn sie nach ihrer Reise um die halbe Welt schließlich über den nassen Sand rollen. So, als würden sie sich freuen, endlich angekommen zu sein. Ich schließ die Augen, atme tief und lausche."


Erhofft hatte ich mir hier einen dieser 'Wohlfühlkrimis', in dem die Ermittlungen zwar eine wesentliche Rolle spielen, ansonsten aber die Charaktere und die idyllische Umgebung von großer Bedeutung sind. Und tatsächlich gelingt es Ivo Pala, ein stimmiges Bild des Landstrichs zu zeichnen - rau und einsam, naturgewaltig und urwüchsig, bei schönem Wetter Touristenmagnet, doch ansonsten sich selbst und den Einheimischen überlassen. Und auch die Bewohner bekommen hier ein passendes Profil mit ihrer Wortkargheit, der von Wind und Wetter gegerbten Haut und der Sturheit der Norddeutschen.

Und doch konnte mich der Krimi nur teilweise überzeugen. Bodo Fuchs zeigte einzelne Facetten, die für mich nicht stimmig waren, der Humor war teilweise nicht meiner, ich mochte die direkte Anrede des Lesers ('du meinst, du hast') nicht, und die Ermittlungen waren einerseits erfrischend untypisch, andererseits hinterließ das Ende bei mir aber einen faden Beigeschmack. Der Zauber der Landschaft und das geruhsame Lebenstempo (ich liebe das Meer!) sowie die zunehmende Spannung in diesem klassischen Whodunit-Krimi dagegen konnten mich für das Buch einnehmen.

Eine nette Lektüre für zwischendurch, und tatsächlich würde ich mich über ein Wiedersehen mit Bodo Fuchs und Gisa Haas freuen.


© Parden

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Tags: bodden, bodo fuchs, krimi, mecklenburg, räucherofen, whodunit   (6)
 

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lebensbejahend, kein kitsch, liebe im alter, berührend, lebensentwürfe

Und jetzt lass uns tanzen

Karine Lambert , Pauline Kurbasik , Iris Berben
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Erschienen bei Random House Audio, 06.03.2017
ISBN 9783837138290
Genre: Romane

Rezension:

ALTER SCHÜTZT VOR LIEBE NICHT...

Beinahe wären sie einander nie begegnet: Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Ehepartner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen Marguerite und Marcel aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?

Marguerite ist 78 Jahre alt, als der Mann, mit dem sie länger als ein halbes Jahrhundert verheiratet war, stirbt. Ein Leben in Abhängigkeiten hat sie bis dahin geführt, vom Elternhaus ist sie ins Eheleben geglitten, hat getan, was von ihr erwartet wurde. Ein kultiviertes Paar ohne Überraschungen waren Marguerite und der Notar Henri, seine Liebe zu ihr war 'würdevoll und tadellos'. Trotz der Lieblosigkeit der Verbindung entsprang ihr ein Sohn, und nun besteht der Höhepunkt der Woche darin, dass ihr einziger Enkel Marguerite besucht. Nach dem Tod ihres Mannes Henri ist Marguerite froh, dass ihr Sohn Frederic dessen Gewohnheiten kopiert und ihr vorgibt, wie sie sich zu verhalten hat.


"Ihr wird die Leere in ihrem Leben bewusst (...) Früher hatte sie ihre Schwester. Aber vor knapp 60 Jahren veränderte eine vereiste Straße den Lauf der Geschichte (...) Weder eine Freundin noch Liebe. Damit ging sie wenigstens nicht das Risiko ein, ein zweites Mal einen geliebten Menschen zu verlieren (...) Deshalb ließ sich ihr Leben in einem Wort zusammenfassen: 'hätte'."


Während einer ärztlich verordneten Thermalkur in den Bergen lernt Marguerite Marcel kennen. Mit seinen 73 Jahren ist er jünger als sie, doch ist er ebenfalls verwitwet. Sein ganzes Leben war er glücklich mit Nora, seiner Kindheitsliebe, nachdem ihre Familie ebenso wie die seine aus Algerien nach Frankreich geflüchtet war. Marcel ist nicht daran gestorben, dass er Nora überlebt hat, aber er ist wie versteinert. Nur dem Drängen seiner Tochter ist es zu verdanken, dass er sich ebenfalls in die Kur begeben hat.

Keiner der beiden hätte damit gerechnet, dass sie sich in ihrem Alter noch einmal einem anderen Menschen zuwenden. Doch Marguerite und Marcel berühren einander - in der Seele, im Geist und auch körperlich. Was als Abenteuer beginnt, lässt sie schließlich nicht mehr los, und so suchen sie auch nach der Kur den Kontakt zueinander. Vor allem Marguerites Sohn stößt das Verhalten seiner Mutter auf, und so sucht er diese Liaison zu beenden. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, Marguerite in ein Altersheim zu stecken, damit alles seine Ordnung hat. Doch lässt sich die Liebe wirklich unterdrücken?


"Öse für Öse öffnet er das unsichtbare Korsett, das sie all die Jahre getragen hat. Er atmet sie ein."


Die mir bis dahin unbekannt belgische Autorin Karine Lambert präsentiert hier eine berührende, lebensbejahende, behutsame Erzählung, die dem Alter der Hauptcharaktere entsprechend ein langsames Tempo anschlägt. Zu keiner Zeit gleitet das Geschehen ins Kitschige ab, und doch kennt der Roman kein Tabu. Liebe im Alter - welch tröstliche Vorstellung, dass es dafür nie zu spät ist. Das Leben genießen zu jeder Sekunde, das ist es, was Marguerite und Marcel bei allen vorhandenen Schwierigkeiten hier vorleben. Eine wahrhaft bezaubernde Geschichte, die von Iris Berben überaus passend gelesen wird.

Ein Hörbuch, das ich gerne auch noch einmal als Buch genießen möchte, weil es so viele Passagen gab, die ich mir gerne notiert hätte. Hier konnte ich in jede einzelne Zeile eintauchen.


© Parden

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Tags: berührend, kein kitsch, lebensbejahend, lebensentwürfe, liebe im alter   (5)
 

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54 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

finnland, schicksal, zufall, verlust, depression

Dinge, die vom Himmel fallen

Selja Ahava , Stefan Moster
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 14.02.2017
ISBN 9783866482425
Genre: Romane

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VON DER MACHT DES SCHICKSALS...

Saara ist gerade einmal acht Jahre alt, als ihr Leben auf den Kopf gestellt wird. Als sie mit ihrem Vater von einer Besorgung nach Hause kommt, ist die Mutter tot: erschlagen von einem von einer Flugzeugturbine herabgefallenen Eisbrocken. Der Vater verfällt in eine schwere Depression, doch wenigstens ist da noch Tante Annu, die die beiden zu sich in das Gutshaus holt. Gerade als sich wenigstens für Saara wieder ein wenig Normalität einzustellen scheint, widerfährt der Tante ebenfalls ein Schicksalsschlag: sie gewinnt zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre den Jackpot im Lotto. Darüber verfällt Tante Annu in einen Schock, der sie schließlich fast vier Wochen lang schlafen lässt. Danach schreibt sie verzweifelte Briefe an einen schottischen Fischer auf den Hebriden, der bereits viermal vom Blitz getroffen wurde und überlebt hat. Wie kommt man damit zurecht, wenn man nicht mehr an einen Zufall glauben mag? Welcher Sinn steckt hinter all diesen Geschehnissen? Und gibt es eine Antwort auf das 'Warum'?


"In der Schule wurde uns von Lots Familie erzählt, zu der die Engel sagten: 'Geht, aber seht euch nicht um. Wir werden jenen Menschen nun etwas Schreckliches antun. Euch werden wir retten, aber ihr dürft es nicht sehen.' Und dann lief Lots Familie davon, aber Lots Frau glaubte den Engeln nicht und drehte sich um. Und sie sah das Schreckliche, das die Engel den Menschen antaten, und verwandelte sich in eine Salzsäule. Lots Frau wurde zur Säule, weil sie nicht ertrug, was sie dort sah. Die Lehrerin sagte, die Säule sei ein Zauber der Engel gewesen, aber ich weiß jetzt, dass man auch ohne Engelszauber zur Säule erstarren kann. Es reicht, dass man etwas sieht, das man nicht aushält." (S. 42 f.)


Aufgeteilt ist die Erzählung in vier Abschnitte, die das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten:

Der erste und umfassendste Abschnitt wird aus der Sicht der achtjährigen Saara erzählt, leicht und kindlich, fast emotionslos im Stil, und doch gelingt es Selja Ahava, die große Fassungslosigkeit, Einsamkeit und Traurigkeit des kleinen Mädchens aber auch der anderen Betroffenen zu transportieren. In diesem Abschnitt fühlte ich mich dem Geschehen nahe, konnte nachempfinden und hoffen, dass die Zeit womöglich tatsächlich alle Wunden heilt.


"Die Zeit blieb stehen. Man konnte nicht vor- und nicht zurückdenken. Jemand zeichnete eine dicke weiße Linie um unsere Gedanken herum, und die Gedanken blieben stehen, und wir steckten darin fest (...) Man kann nur hoffen, dass die Zeit die Wunden heilt. Aber dass die Zeit heilt, war Scheißdreck..." (S. 47)



Der zweite Abschnitt präsentiert den bereits angedeuteten Briefwechsel zwischen Tante Annu nach ihrem zweiten Lottogewinn und dem schottischen Fischer, der bereits vier Blitzeinschläge überlebt hat. Dabei dreht sich nicht alles allein um die persönlichen Erfahrungen der beiden Briefeschreiber, sondern eingeflochten darin befinden sich auch noch andere skurrile Schicksalsschläge, die Gegenstand von Zeitungsberichten oder TV-Dokumentationen waren und die v.a. Annu gesammelt hat. Eine interessante Zusammenstellung von unglaublichen Ereignissen ist dies, und ich vermute, dass Selja Ahava diesen Briefwechsel zwischen Annu und dem Fischer eingeflochten hat, um diese Sammlung in der Geschichte unterbringen zu können.


"...vielleicht braucht die Welt bisweilen Vorkommnisse, die uns alle aufrütteln. In diesem Dorf bin ich derjenige, der die Leute aufgeweckt hat. Wenn ich den Laden betrete, erinnert sich jeder Kunde daran, dass uns zu jeder Zeit der Himmel auf den Kopf fallen kann." (S. 114)



Der dritte Abschnitt wird erzählt aus der Sicht der neuen Frau von Saaras Vater, mit der die beiden vier Jahre nach dem Unglück mit dem herabgefallenen Eisbrocken wieder in dem Haus von Saaras Kindheit leben. Schwanger ist Saaras Stiefmutter, doch verläuft diese Schwangerschaft nicht ohne Sorgen, und wirklich angekommen ist die Stiefmutter in dem Sägemehlhaus auch nie. Die Distanziertheit, mit der die Stiefmutter Saara betrachtet - stets spricht sie von ihr als 'das Mädchen' - hat mich dabei ehrlich gesagt verstört, und irgendwie wirkt diese Stiefmutter wie ein Fremdkörper in diesem Haus.


"Und so wie der Himmel und das Meer nicht zuverlässig sind, so ist es auch die Erde nicht. Eisbrocken fallen vom Himmel, Blitze schlagen ein. Wellen spülen über das Deck, und manchmal reißt schlicht und einfach die Erde auf." (S. 129)


Im vierten Abschnitt schließlich berichtet wieder Saara von ihrem Leben nach der Rückkehr ins Sägemehlhaus. Dieser Abschnitt war für mich der befremdlichste, denn immer wieder halten Inhalte von Märchen hier Einzug, und die Grenzen von Realität und Fiktion verschwimmen. Märchen sind grausam - das Leben manchmal auch. Und die Bilder der Märchen lassen diese Grausamkeit, das Willkürliche, die Gnadenlosigkeit des Zufalls noch einmal deutlicher werden.

Von der Macht des Schicksals erzählt dieses Buch, oft leicht in der Sprache, dabei meist schwer im Inhalt, was einen reizvollen Kontrast darstellt. Die Frage nach dem 'Warum' oder dem 'Warum nicht' wird hier in den Raum gestellt, und dem Leser bleibt nichts anderes übrig, als dieser Frage ebenfalls nachzugehen, sein eigenes Leben zu durchforsten und erleichtert aufzuatmen, wenn das Schicksal ihn bislang verschont hat - doch der Frage nach dem Sinn hinter alldem kann er sich nicht entziehen.

Ein forderndes Buch, keine bequeme Lektüre, doch ein Roman, den ich letztlich wirklich gerne gelesen habe.



© Parden

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Tags: depression, macht des schicksals, schicksal, sinn des lebens, tod, zufall   (6)
 

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

katzenmusik, anthologie

Katzenmusik und Katerstimmung

Elke Heidenreich , Rudi Hurzlmeier
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 14.10.2013
ISBN 9783442746804
Genre: Romane

Rezension:

KATZEN UND MUSIK...

'Was der Teufel für die Geige, das scheint die Hauskatze für das Klavier zu sein', schreibt Bruno Aulich in 'Mondscheinsonate und Katzenfuge'. Elke Heidenreich weiß, wovon er spricht: Ihr Kater Nero lief mit Vorliebe nachts über die Tasten und weckte alle mit modernster Musik. Auch in Frühlingsnächten ertönt Katzenmusik, wenn es bei den Katern um die Liebe und die Revierverteidigung geht. Kurzum: Das Feld der Katzenmusik ist ein weites. Ob schräge Katzenmusik, Katerstimmung oder andere tierisch-musikalische Zustände, das alles vereint diese Sammlung kecker, lustiger, ausgefallener und melancholischer Geschichten.


Im Vorwort zu ihrer neuen großen Anthologie erläutert Elke Heidenreich:

"Schreibt mir etwas", habe ich die Autoren gebeten, "über Katzenmusik, über Katzenjammer, ihr wisst schon...!" - Sie wussten nicht so recht, aber sie ahnten, und ich wusste auch nicht so recht, aber ich wollte solche Geschichten sammeln. Jeder kennt doch die schrillen Töne der Katzen, des Lebens, der Liebe und das scheußliche Gefühl, das schrille Töne in der Regel begleitet, und so kam Unterschiedlichstes zusammen: Von der Katze , die in der Oper mitsingt, bis zum Lebenskatzenjammer schlechthin ist alles dabei. Hat das alles noch mit Musik zu tun? O ja, mit der Musik unseres Lebens, in der es in Dur und Moll dahingeht, mal rauf, mal runter mit der Lebensmelodie, und mal klingt alles fröhlich, mal melancholsich und mal schrill und zerrissen. Katzenmusik eben.


Die andere Seite der Musik wird hier beleuchtet - das Schrille, das Grässliche, das, was einem auf die Nerven geht. Viele Autoren präsentieren hier kleine und kleinste Geschichten zum Thema, was im Leben aus dem Ruder läuft, was uns eben Katzenjammer beschert - eine Menge skurriler, lustiger und auch ernster Beiträge von einer Vielzahl von Autoren. Modeschöpfer Wolfgang Joop ist hier ebenso präsent wie Bernd Schröder, Eva Demski, Harry Rowohlt, Jan Weiler u.v.m. Elke Heidenreich hat natürlich selbst auch eine Geschichte zu dieser Anthologie beigetragen - eine beinah wahre. Der Maler und Cartoonist Rudi Hurzlmeier hat die Geschichten noch mit seinen einzigartigen Bildern bereichert.

Was soll ich sagen? Manche der Geschichten haben mir gut gefallen, andere konnten mich leider gar nicht ansprechen - das Problem vieler Anthologien. Da ist eben für jeden Geschmack etwas dabei, und dass alles begeistert, kann man wohl nicht erwarten. Ein Buch v.a. für Katzenliebhaber. Keine Lektüre, die hintereinander weg gelesen werden sollte, sondern hier mal eine kleine Geschichte, dort vielleicht mal zwei. Häppchen für Häppchen eben, sonst wird es rasch zu viel. In jedem Fall ist es erstaunlich, wie unterschiedlich die einzelnen Beiträge sind.

Vielleicht auch eine schöne Geschenkidee...


© Parden

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Tags: anthologie, katzenmusik   (2)
 

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24 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 5 Rezensionen

ddr, machandel, deutsche zeitgeschichte, deutsche geschichte, zeitgeschehen

Machandel

Regina Scheer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Knaus, 11.08.2014
ISBN 9783813506402
Genre: Romane

Rezension:

MECKLENBURGISCHE MELANCHOLIE...

Als Clara 1985 ihren Bruder Jan vor seiner Ausreise aus der DDR nach Machandel begleitet, findet sie in dem mecklenburgischen Dorf eine verwunschene Sommerkate. Hierhin zieht sie sich mit ihrer jungen Familie vor den turbulenten politischen Entwicklungen in Ostberlin zurück. Zu Beginn ahnt sie nicht, wie sehr ihre persönliche Geschichte mit diesem Dorf verwoben ist. Schon ihr Vater, der Kommunist und von den Nazis verfolgte Hans Langer, fand hier in den letzten Kriegstagen Zuflucht, bevor er im neuen Staat Minister wurde. Doch nun kehrt sein Sohn diesem Staat den Rücken, und seine Tochter engagiert sich in Bürgerbewegungen.

Regina Scheer spannt in Manchandel den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt aus der Perspektive von Clara, ihrem Vater Hans, dem jungen Dissidenten Herbert, der ukrainischen Zwangsarbeiterin Natalja und der 1943 vor den Bomben von Hamburg nach Mecklenburg geflohenen Emma von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten. Sie erzählt von Erstarrung und Enttäuschung, von Lebenslügen und Sich-Einrichten, vom hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen.


"Seit fünfundzwanzig Jahren gehört Machandel, dieses abgelegene Dorf auf dem Malchiner Lobus der Endmoräne, zu meinem Leben. Vorher war ich nie hier gewesen. Dabei sind meine Eltern sich hier begegnet, und mein Bruder Jan, das wusste ich immer, wurde im Schloss von Machandel geboren. Aber Jan ist vierzehn Jahre älter als ich, und bei meiner Geburt im Jahr 1960 wohnte meine Familie schon lange in Berlin. Unsere Großmutter, die in Machandel geblieben war, starb kurz danach, es gab keinen Grund mehr für einen von uns, in dieses Dorf zu fahren. Dachte ich." (S. 14)


Was für ein Roman! Regina Scheer gelingt hier ein großer Wurf, eine vielschichtige Erzählung mit zahlreichen Ebenen und Metaebenen. Nicht allein, dass hier wechselnd aus fünf verschiedenen Perspektiven erzählt wird, wodurch nicht etwa Verwirrung gestiftet, sondern deutlich wird, dass dasselbe Zeitgeschehen von verschiedenen Personen vollkommen unterschiedlich erlebt und bewertet werden kann. Darüber hinaus verwebt Scheer das Thema 'Machandel' auf vielfältige Weise mit der Erzählung - das fiktive Dorf in Mecklenburg hat seinen Namen von den Wacholderbäumen erhalten, die im niederdeutschen Machandelbäume genannt werden und rund um das Dorf anzutreffen sind. Clara befasst sich in ihrer Doktorarbeit außerdem mit dem Grimmschen Märchen 'Machandel' und mit dessen Deutungsmöglichkeiten, und der Autorin gelingt es, hier stets auch einen Bezug zwischen dem Märchenhaften und der Realität herzustellen. Den einzelnen Personen widmet sich Regina Scheer mit einer sorgfältigen Hingabe und schildert das Geschehen mit differenzierten Details, ohne jemals Gefahr zu laufen, sich zu verzetteln. Dafür allein meine Hochachtung.


"Ich spürte und wusste allmählich, dass an diesem Ort, in unserem eigenen Haus, etwas geschehen war, das nicht vergessen war, das sich jederzeit plötzlich zeigen konnte, als ein Schmerz in Nataljas Gesicht, als ein Verstummen im Gespräch der Frauen am Bus, in der Geste, mit der sie sich kaum merklich von Wilhelm abwandten. Dieses Ungesagte verwob sich für mich mit dem Märchen vom Machandelboom, es machte mich traurig. Dennoch fuhren wir so oft wie möglich nach Machandel, als würden wir nur an diesem Ort festhalten können, was uns allmählich verloren ging." (S. 190 f.)


Wie ging es mir nun mit der Lektüre? Ich habe das Lesen als unglaublich intensiv erlebt. Durch die geschilderte Vielschichtigkeit habe ich lange für den Roman gebraucht, da ich nach einigen Seiten stets das Gefühl hatte, 'satt' zu sein. Eine Fülle an Informationen, Emotionen, Nachdenkenswertem wollte verarbeitet werden, so dass ich das Buch immer wieder zur Seite legte. Abgesehen von meiner Faszination über die gelungene Komposition des Romans war die Lektüre auch überaus interessant. So viel Wissenswertes zum Zeitgeschehen in der DDR vom Zweiten Weltkrieg bis zur Wende und darüber hinaus habe ich erfahren - und gleichzeitig gemerkt, dass es dort nicht DEN Traum gab, sondern viele Träume, und dass die Anstrengungen auch der damaligen Opposition nicht zwangsläufig in dieselbe Richtung zielten. Da waren Enttäuschungen vorprogrammiert. Die Melancholie zieht sich so auch durch die Erzählung.


"Immer wieder erfuhr ich, wie scheinbar Vergangenes in die Gegenwart führt, wie es immer um dasselbe geht - um Menschen und ihre Träume, um Macht und Ohnmacht. Und die Dinge sind selten so, wie sie scheinen." (S. 423)


Auch wenn die unterschiedlichen Perspektiven dazu beitragen, dass das Zeitgeschehen nicht eindimensional präsentiert wird, waren mir persönlich nicht alle gleich lieb. Aus Claras Sicht wird das Geschehen am häufigsten geschildert, und sie war es auch, der ich mich am nähesten gefühlt habe. Eher unangenehm waren mir teilweise die (zum Glück eher seltenen) Schilderungen aus der Perspektive von Claras Vater, weil hier oftmals eine Fülle von Informationen auch zu Sozialismus und Kommunismus stakkatoartig auf mich einprasselten, mit unzähligen, mir meist unbekannten Namen und oft nur angedeuteten Zusammenhängen, was ich als anstrengend empfand. Doch in der Summe ist dieser Roman ein faszinierendes Kaleidoskop deutscher Zeitgeschichte vom Krieg bis zur Wende und darüber hinaus...

Überaus beeindruckend!


© Parden

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Tags: ddr, deutsche zeitgeschichte, enttäuschung, grimms märchen, hoffnung, kaleidoskop, machandel, machandelboom, mecklenburg, träume, wende, zeitgeschehen   (12)
 

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

thriller, it-girl, netzwerk, krimi, twitter

Die Gästeliste

Sanne Averbeck
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 16.02.2017
ISBN 9783736302402
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

DIE KEHRSEITE DER SOCIAL MEDIA...

Es erfordert viel Disziplin und Fingerspitzengefühl, um sich in der Welt der Social Media ganz an die Spitze zu katapultieren. Carola Martins jedenfalls ist auf dem besten Weg dahin. Blog, Facebook & Co. haben ihr dazu verholfen, sich einen Namen zu machen, und so bekommt sie lukrative Aufträge von Firmen, schmeißt gefragte Partys und ist ein gern gesehener Gast bei wichtigen Events. Stets auf ein makelloses Auftreten bedacht, zeigt Carola immer nur die glatte Fassade und führt ein skandalfreies Leben - no Sex and Drugs and Rock'n'Roll, jedenfalls nichts, was irgendjemand mitbekommen könnte. Selbst aus ihrer Wohnung hat Carola alles Persönliche verbannt, Fotos, Tagebücher oder sonstige persönliche Aufzeichnungen sucht man hier vergebens.

Denn Carola weiß um die Macht des Wissens. Sie selbst sammelt jede verfügbare Information über die Menschen, mit denen sie es zu tun bekommt, und führt darüber akribisch Buch. 'Die Gästeliste', wie Carola die Informationssammlung auch nennt, steht im Ruf, auch brisantes Wissen zu bergen - und schon lange gibt es Neugierige, die nur zu gerne einmal einen Blick darauf werfen würden. Doch nicht einmal Carolas einzige Vertraute und Freundin aus Kindertagen, Bianca, weiß um diese Details. Dafür verfolgt diese bewundernd Carolas Geschick, sich zielbewusst in den Social Media zu bewegen - subtil gibt das It-Girl nicht nur vor, wer oder was gerade angesagt ist, sondern manipuliert auch geschickt die Meinungsbildung der Follower, so dass selbst Neider ihrem Nimbus nicht wirklich etwas anhaben können.


"Carola ist bewundernswert zielstrebig. Wenn Sie ihr etwas vorwerfen wollen, dann nur, dass sie verstanden hat, wie das Spiel läuft. Alle, die hier sind, netzwerken und versuchen, sich Vorteile zu verschaffen. Carola hat dieses System perfektioniert." (S. 181)


Doch in dieses empfindlich austarierte Gefüge bricht plötzlich eine Folge ungewöhnlicher Todesfälle. Alle scheinen mit Carola zu tun zu haben, und bald schon beginnt ihr Stern zu fallen. Immer weniger Menschen suchen ihre Nähe, die Aufträge von Firmen bleiben aus, und auch die Meinungsäußerungen im Netz lassen nach - niemand will mehr in den Fokus des immer grausamer agierenden Mörders geraten. Doch wer steckt hinter den Taten? Und was ist sein Motiv?

Hinter dem Pseudonym Sanne Averbeck steckt die Autorin Sonja Rüther, von der ich bereits einige Bücher gelesen habe. Und aus Erfahrung weiß ich, dass man sich bei ihren Werken stets auf Überraschungen gefasst machen muss. Geschickt lenkt die Autorin hier den Verdacht des Lesers auf bestimmte Akteure, und gerade, wenn man denkt, der Lösung nahe gekommen zu sein, stellt man fest, dass Sonja Rüther einen genau da haben wollte. Da hilft dann nur Grinsen oder Kopfschütteln - und eben Weiterlesen.


"In einer Welt, die Virtualität und Realität verschmelzen lässt, gelten andere Gesetze - strengere Gesetze (...) Wer heute ein König ist, kann schon morgen mit faulen Worthülsen beworfen werden. Und Sicherheit ist nur ein Mouseclick vom Untergang entfernt. (Lydia Raymond, Sozialwissenschaftlerin, Philosophie der virtuellen Macht)" (S. 5)


Aus wechselnder Perspektive von Carola und ihrer besten Freundin Bianca wird dieser Thriller erzählt, wodurch der Leser stets auf dem selben Wissensstand ist wie die beiden. Den Abschnitten vorangestellt ist oftmals ein Zitat der angeblichen Sozialwissenschaftlerin Lydia Raymond zu dem Bereich der virtuellen Welten (s.o.) - im Rahmen der Leserunde stellte sich heraus, dass diese Person der Fantasie von Sonja Rüther entsprungen ist, und dass es der Autorin ein großes Vergnügen bereitet hat, Statements zum Thema Social Media auf diese Art auszudrücken. Durch den wiederholten Einschub an Screenshots von Diskussionen auf Facebook gewinnt das geschilderte Geschehen zusätzlich an Authentizität. Insgesamt erscheint der Thriller durch die Verknüpfung dieser stilistischen Mittel ansprechend und geschickt konzipiert, was mir gut gefallen hat.

Die Mischung aus spannender Unterhaltung einerseits und kritischen Gedanken zum Umgang mit den Sozialen Medien andererseits finde ich sehr gelungen. Dass es hier für mich nicht zu fünf Sternen reichte, liegt an ein paar Kleinigkeiten - auch wenn dies eher 'Jammern' auf hohem Niveau ist. Fehlende Sympathieträger, einige Längen in der zweiten Hälfte des Buches und kaum Informationen zum Täterhintergrund sind Minuspunkte, die verschmerzbar sind, die aber durch den ständigen Wechsel hinsichtlich der Vermutung, wer denn nun der Täter ist, auch fast wieder wettgemacht werden.

Insgesamt einmal mehr eine spannende Lektüre aus der Feder Sonja Rüthers, die diesmal ein Pseudonym gewählt hat. Immer gerne mehr davon!


© Parden

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Tags: blog, facebook, internet, it-girl, netzwerk, social media, thriller, twitter   (8)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

thriller, kurzthriller, los angeles, dynamik, tempo

März - Medium rare

Ben Berkeley
E-Buch Text: 86 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 02.03.2015
ISBN 9783426432860
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

LUST AUF BURGER?

Der ehemalige FBI-Profiler Sam Burke staunt nicht schlecht, als er nach einer Vorlesung nach Hause kommt. Wieder einmal steht sein gepackter Koffer vor der Tür. Allerdings soll er diesmal nicht das Haus verlassen, sondern mit seiner Freundin und Privatdetektivin Klara Swell verreisen. Ein überraschender Urlaub? Sam Burkes Misstrauen ist berechtigt - Klara Swell hat einen neuen Auftrag angenommen und ihn ohne sein Wissen für die Ermittlungen eingeplant.

Das Ziel der Reise liegt im Südwesten der USA zwischen Las Vegas und Los Angeles, wo in einer Filiale von 'Galactic Burgers' eine Probe mit menschlicher DNA gefunden wurde. Haare oder Hautschuppen reichen für die Verunreinigung keineswegs aus - doch wie ist das menschliche Material in die Burger gelangt?  Sam und Klara verfolgen den Weg des Fleisches und erhalten mehr Einblicke, als ihnen lieb ist. Doch keine der Theorien über das 'Wie' und das 'Warum' scheint wirklich plausibel. Wer steckt hinter dem Ganzen und was treibt ihn dazu an?

Bei diesem Kurzthriller kann einem im wahrsten Sinne des Wortes der Appetit vergehen. Der Blick hinter die auf Hochglanz polierten Fassaden der Fast-Food-Kette bietet Bilder, die teilweise schwer zu verkraften sind. Wer einen schwachen Magen hat, sollte hier wohl eher verzichten. Doch dem Kurzthriller fehlt die Zeit, den Spannungsbogen in Ruhe aufzubauen und zu halten - die Szenen folgen z.T. sehr rasch aufeinander, so dass Bilder und Eindrücke eher stroboskopartig wirken als sich langsam und bedrohlich festzusetzen. Hier hätten mehr Seiten sicherlich gut getan.

Die Ermittlungen steuern allerdings auf eine Überraschung hin, die ich so nicht unbedingt erwartet hätte. In jedem Fall hat dieser Kurzthriller bei mir eines bewirkt: die Lust auf Burger ist mir jedenfalls vergangen.

Insgesamt eine nette, nachdenklich machende Unterhaltung für zwischendurch, die in meinen Augen allerdings deutlich zu kurz geraten ist, um das gegebene Potential wirklich ausschöpfen zu können.


© Parden 

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Tags: fast-food-kette, kannibalismus, kurzthriller   (3)
 

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77 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

gezeichnet, veronica roth, akos, rat der neun, dystopie

Rat der Neun - Gezeichnet

Veronica Roth , Petra Koob-Pawis , Michaela Link , Laura Maire
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 17.01.2017
ISBN 9783844524970
Genre: Science-Fiction

Rezension:

FANTASY IN GALAXY...

Der Eisplanet Thuvhe ist einer der neun Planeten in einer fernen Galaxie. Er wird von zwei Völkern bewohnt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: den friedliebenden Thuvhesi und den stets gewaltbereiten Shotet. Alle Planeten unterstehen dem Rat der Neun, und das Schicksal der Planeten wird gelenkt von den drei Orakeln, die von allen Völkern verehrt werden. Eines der Orakel ist die Mutter von Akos Kereseth und seinen Geschwistern. Es sind die letzten friedlichen Tage der Kereseth, mit denen Veronica Roth die Erzählung beginnt. Doch nur zu bald brechen Ereignisse über sie herein, die die Familie zerstören: Shotet stürmen das Haus der Kereseth, töten den Vater und entführen die beiden Brüder. Über die Federgras-Steppe werden sie verschleppt bis in das Reich der Shotet.

Ryzek ist der Herrscher der Shotet, in dessen Auftrag Akos und sein Bruder entführt wurden. Sein eigenes Schicksal ist es, das dem Herrscher keine Ruhe lässt - mit Hilfe der Brüder Kereseth erhofft er sich eine Wendung zum Guten. Eijeh soll ihm als zukünftiges Orakel helfen, mögliche Versionen seiner Zukunft zu sehen, und Akos soll mit seiner Lebensgabe Cyra, der Schwester von Ryzek, helfen. Cyra leidet unter ständigen Schmerzen, kann diese aber auch umlenken und auf jemand anderen übertagen, weshalb Ryzek sie als Geißel seiner Herrschaft nutzt und als tödliches Folterwerkzeug einsetzt. Durch Akos Berührung lassen Cyras Schmerzen nach, so dass das Leben für sie wieder erträglicher wird und sie für Ryzek von Nutzen bleibt.

Akos und Cyra verbringen fortan den größten Teil ihrer Zeit miteinander und lernen sich allmählich kennen - und mit ihnen auch der Hörer, der durch die wechselnden Perspektiven von Cyra und Akos auch in die Gedankenwelt beider Charaktere Einblick erhält. Die zarte Liebesgeschichte, die sich hier anbahnt, dominiert dabei zu keinem Zeitpunkt das Geschehen, was ich als angenehm und maßvoll empfand. Akos bemüht sich neben dem reinen Überleben in erster Linie darum, aus der Gefangenschaft zu entkommen - aber nur gemeinsam mit seinem Bruder. Doch zunehmend wächst bei ihm die Erkenntnis, dass er dies alleine nicht schaffen kann - Cyra ist seine einzige Chance, diesen Plan auch tatsächlich umzusetzen. Doch wird sie ihm wirklich helfen?

Was einige Teilnehmer der Hörrunde als störend empfanden, fand ich im Gegenteil überzeugend: Veronica Roth lässt sich zu Beginn der Erzählung viel Zeit, um die fremden Welten, Völker, Gegebenheiten und Charaktere vorzustellen. So war es mir möglich, trotz der Vielzahl an fremden Namen und Dingen allmählich wirklich in Thuvhe und Shotet anzukommen und mir ein Bild der fernen Galaxie zu machen. In der zweiten Hälfte dann zog die Spannung zunehmend an, und auch wenn mir mancher Abschnitt gelegentlich etwas sprunghaft erschien, konnte mich die Handlung in den Bann ziehen. Empfindlich sollte man als Hörer dabei allerdings nicht sein, denn hier herrschen Gewalt, Schmerz, Blut und Tod vor.

Die Zeichnung der Charaktere ist für mich plastisch und mehrdimensional und durch die Ausgewogenheit an Stärken und Schwächen auch authentisch und glaubhaft. Der Wechsel der Perspektiven in der Erzählung bringt beide Hauptcharaktere gleichermaßen nahe, auch wenn Cyra (gelesen von Laura Maire) in der Ich-Perspektive präsentiert wird, Akos dagegen (gelesen von Shenja Lacher) etwas distanzierter in der personalen Erzählperspektive. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, die Lesung der jeweiligen Erzählperspektive entsprechend angemessen.

Auch wenn die Präsentation der fremden Galaxie den Scienc-Fiction-Gedanken nahelegt, liegt für mich der Schwerpunkt der Geschichte in erster Linie im Bereich der Fantasy. In meinen Augen ist dies der gelungene Auftakt einer vielschichtigen Dilogie, die durch eine ausgewogene Mischung von Spannung und Gefühl punkten kann. Auf die Fortsetzung bin ich jedenfalls gespannt!


© Parden 

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Tags: akos, cyra, der hohe rat der neun, ehre, eisblumen, fantasy, glaxie, kampf ums überleben, lebensgaben, orakel, planeten, ryzek, schicksal, science fiction, shotet, thuvhe   (16)
 

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

wien, molly preston, rätsel, krimi, geocaching

Die Schnitzel-Jagd

Carine Bernard
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.09.2016
ISBN 9783426215579
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

WIENER SCHMÄH...

Die 27jährige Molly Preston reist in ihrem dritten Fall als EU-Ermittlerin von Düsseldorf nach Wien, um den angeblichen Unfalltod eines jungen Mannes aufzuklären. Ein älterer Freund des Toten zweifelt an der Unfall-Version und hat Mollys Behörde um Mithilfe gebeten - hinter dem Rücken der Wiener Polizei, für die der Fall bereits abgeschlossen ist. Markus Wilhelm war nicht nur ein Freund des Verstorbenen, sondern auch der Leiter eines geheimen Hacker-Clubs, bei dem der junge Informatikstudent ein vertrautes Mitglied war. Kurz vor seinem Tod vertraute dieser Markus an, dass er einem Geheimnis auf der Spur sei, das ihm viel Geld einbringen würde. Markus vermutet nun, dass ihm dieses Geheimnis letztlich zum Verhängnis wurde.

Markus und Molly begeben sich beide auf die Spur dieses Geheimnisses und versuchen, die letzten Tage des jungen Studenten zu rekonstruieren. Tief tauchen sie in den kommenden Tagen ein in die Wirren von Bits und Bites, aber auch in das altkaiserliche Wien mit seinen zauberhaften Ecken, dem charmanten Dialekt und den kulinarischen Besonderheiten. Molly muss dabei mehr als einmal zurückgreifen auf ihre langjährig Erfahrung beim Geocaching, denn nichts anderes als eine Schnitzel-Jagd entpuppt sich auch hier. Aber Markus an ihrer Seite bringt seinerseits seine Erfahrungen ein beim Programmieren von Computern und dem Entschlüsseln von geheimen Dateien. Als charmantes Team geraten sie so immer tiefer in die Wirren des Falls - und in Gefahr...

Nett und flüssig zu lesen ist dieser Krimi, der einem so ganz nebenbei Wien in vielen Facetten nahebringt - und der damit für Kenner und Liebhaber der Stadt sicher ein besonderer Genuss ist. Ich muss gestehen, dass ich noch nie dort war, nun aber unbändig Lust bekommen habe, dies baldmöglichst nachzuholen - tunlichst mit diesem Buch in der Hand, um die schönen Flecken abseits des Touristenstroms zu entdecken.

Viel Wiener Flair und Wiener Schmäh erwartet den Leser hier also, so dass ein Wohlfühlbonus gewährleistet ist. Doch wem es um den Krimi selbst geht, kommt um einige Kritikpunkte nich umhin. Zum einen stößt es demjenigen vielleicht etwas sauer auf, der nicht zu den technischen Genies gehört, dass sich ein Großteil der Ermittlungen in die Untiefen der Computer begibt - und damit in eine Welt, die nur dem Informatik-Experten wirklich zugänglich ist. Ich fühlte mich mit vielen Begrifflichkeiten und Beschreibungen der technischen Vorgänge überfordert und habe deshalb manche Passagen eher überflogen. Zum anderen erscheint das Vorgehen der Ermittler - und hier allen voran eben Molly Preston - manchmal reichlich naiv, und wie in anderen Krimis/Thrillern auch, kann ich die gefährlichen Alleingänge nicht mehr nachvollziehen. Die Auflösung erschien mir letztlich auch etwas sehr rasch und einfach, nachdem sich der Roman zuvor ausreichend Zeit gelassen hat.

Obwohl es bereits der dritte Fall für Molly Preston war, war es für mich persönlich der erste mit dieser Ermittlerin. Dies störte aber nicht wirklich, auch wenn man mit manchen Namen sicher vertrauter wäre, wenn man die Fälle in der richtigen Reihenfolge liest.

Auch wenn der Krimi selbst mich nicht wirklich überzeugen konnte, fand ich die Atmosphäre des Romans überaus gelungen, so dass die gerade einmal 220 Seiten lange Erzählung doch eine angenehme Lektüre war. Vielleicht halte ich mal Ausschau nach den anderen Fällen um Molly Preston.


© Parden 

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Tags: code, datei, ermittlungen, krimi, molly preston, mord, rätsel, wien   (8)
 

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

thriller, geiselnahme, medien, aufbau, schauspieler

Fürchte dich

J. S. Carol ,
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.01.2016
ISBN 9783746630984
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

WAS IST EIN MENSCHENLEBEN WERT?

Die Gäste eines Nobelrestaurants in Hollywood durchleben während einer Geiselnahme drei Stunden des Terrors - Mord, Russisch Roulette, Psychospiele. Der Geiselnehmer zwingt sie, sich auszuziehen und ihm alle Wertgegenstände zu überlassen. Doch das ist ihm nicht genug. Sie müssen außerdem auf ihre Konten zugreifen und ihm ihr gesamtes Vermögen überweisen, um am Leben zu bleiben. Dem neuen Star in Hollywood, Schauspieler Alex King, gelingt es, sich in der Toilette zu verstecken, und er versucht, Kontakt zu Polizei und Medien aufzunehmen. Diese halten den Geiselnehmer für einen Terroristen. Doch wer ist der Mann wirklich, und was ist sein Motiv?

Ganze drei Stunden umfasst der immerhin über 300 Seiten starke Thriller - drei Stunden, die es in sich haben. Erzählt wird hier aus verschiedenen Perspektiven, zwischen denen die kurz gehaltenen Abschnitte stetig hin und her wechseln, was das Tempo hochhält und durch einzelne Cliffhanger auch immer wieder für Spannung sorgt. So kann der Leser zum einen das Geschehen im Restaurant verfolgen - der Geiselnehmer mit seinen gekidnappten Berühmtheiten steht dabei ebenso im Fokus wie der versteckte Schauspieler, der verzweifelt versucht, einen Ausweg aus dieser heiklen Lage zu finden - und zum anderen begleitet der Leser die Berichterstattung in den Medien, die immer perfidere Züge annimmt.


Seth grinste in sich hinein, er konnte nicht anders. Er hörte die Fakten zum x-ten Mal, und sie hatten ihre Wirkung noch nicht verloren. Das war die Story seines Lebens. Wunderschön. (S. 154)



Dass J.S. Carol (ein Psyeudonym von Steve Jackson, der sonst unter dem Namen James Carol schreibt) den Schauplatz dieses Thrillers nach Hollywood verlegt, kommt wohl nicht von ungefähr. Auf diese Art war es ihm jedenfalls möglich, neben dem eigentlichen Geschehen auch noch zahlreiche gesellschaftskritische Aspekte einzuflechten: glatte Fassaden, aufgepimpte Lebensläufe, glattgebügelte weiße Westen, die Werte der Oberflächlichkeit wie Schönheit, Reichtum, Berühmtheit um jeden Preis, und wenn jemand oder etwas dabei auf der Strecke bleibt - so what... Aber auch die Rolle der Medien wird hier drastisch vor Augen geführt, bis an die Grenze des Unerträglichen. Und immer wieder stellt sich die Frage: Was ist ein Menschenleben eigentlich wert?

Doch im Vordergrund steht hier der Thriller selbst, der von der Frage lebt, wer der Geiselnehmer überhaupt ist. Was treibt ihn zu dieser Tat und was erhofft er sich davon?  Die Polizei spielt hier allerdings kaum eine Rolle, um so mehr jedoch die Geiseln selbst sowie die berichterstattenden Medien. Sympathisch ist dabei für mich keine einzige der Figuren, die allesamt recht klischeehaft und wenig greifbar gezeichnet sind. Auch wenn es einige sehr spannende Szenen gab, schaffte der Thriller es nicht, mich durchgehend in den Bann zu ziehen. Trotz der nur wenige Stunden umfassenden Handlung gab es langatmige Stellen sowie Szenen, in denen für meinen Geschmack die gesellschaftskritischen Aspekte zu übertrieben aufgetischt wurden. Sehr gespannt war ich auf die Auflösung, doch hat diese mich letztlich in ihrer Schlichtheit fast ein wenig enttäuscht. Da hatte ich mir ein wenig mehr erhofft.

Insgesamt ein Thriller mit einem interessanten Plot, der mich in der Umsetzung jedoch letztlich nicht ganz überzeugen konnte. Nett zu lesen, aber nicht herausragend.


© Parden 

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Tags: berichterstattung, geiselnahme, geiselnehmer, gesellschaftskritik, hollywood, medien, schauspielder, thriller   (8)
 

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Indianermärchen

Frederik Hetmann
Fester Einband
Erschienen bei Königsfurt-Urania Verlag , 14.11.2016
ISBN 9783868260687
Genre: Sonstiges

Rezension:

MYTHEN, LEGENDEN UND MÄRCHEN DER NORDAMERIKANISCHEN INDIANER...

Das Bild der Indianer wurde jahrhundertelang nach den Vorstellungen der Weißen gezeichnet. Dabei kam es zu einer verzerrten, häufig klischeehaften Darstellung der indianischen Kultur. Ein wirkliches Verständnis ist aber nur möglich, wenn die Indianer aus ihrer eigenen Welt, ihren Mythen, ihren Traditionen und ihrem eigenen Bewusstsein heraus begriffen werden. Dazu können die hier gesammelten Märchen wichtige Anhaltspunkte und Hilfen geben. 

Allerdings sind die Märchen bei den indianischen Stämmen immer nur mündlich tradiert worden. Eine Schriftsprache besaßen die nordamerikanischen Indianer nicht. Nach den Jesuiten im Jahr 1633 waren es vor allem Handlungs- und Forschungsreisende, in deren Aufzeichnungen  über ihre Erlebnisse im Indianerland sich sporadisch auch Elemente von Indianermärchen und -legenden fanden. Als im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts eine breitere Sammlung indianischer Folklore aufkam, neigten die Schreiber leider oft dazu, die indianischen Märchen ihrem eigenen persönlichen Geschmack entsprechend einzufärben und umzuformulieren. 

Durch den Eifer verschiedener amerikanischer Universitäten kam schließlich eine immense Forscher- und Sammlertätigkeit auf. Es gibt mittlerweile kaum einen primitiven Kulturbereich, dessen Mythen, Legenden und Märchen so erschöpfend und genau notiert worden sind, wie derjenige der nordamerikanischen Indianer. 

Die hier vorliegende Auswahl bietet höchstens eine kleine Kostprobe aus der inzwischen umfangreichen Sammlung. Dabei wurde sich bemüht, die Verfälschungen der ursprünglichen Erzählungen durch die Schreiber wieder rückgängig zu machen, um sich dem Original wieder anzunähern. Es wurden vor allem solche Texte ausgewählt, die etwas über die Lebensumstände der einzelnen Stämme, die magischen Vorstellungen und das Selbstverständnis der Indianer aussagen. Die Indianer können so ohne Verfälschung durch das Selbstverständnis der Weißen aus ihrer eigenen Tradition und Weltsicht heraus kennengelernt werden. 

Auch wenn heute nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dass ursprüngliche Überlieferungen vollkommen unverfälscht an uns herangetragen werden können, war ich neugierig darauf, was mich hier erwartet. Und tatsächlich gewährte diese Sammlung einen interessanten Einblick in die Vielfältigkeit der indianischen Stämme einerseits und das Verbindende der indianischen Kultur andererseits. Die Naturverbundenheit, der Aufbau einer indianischen Gemeinschaft, die Lebensgewohnheiten und die Mythen der Ureinwohner Amerikas werden hier glaubhaft präsentiert.

Auch wenn die einzelnen Texte oft recht schmucklos und z.T. fast nüchtern daher kommen, hat mir die Lektüre gut gefallen. Manche Indianerstämme kannte ich  zuvor noch nicht einmal vom Hörensagen. Von anderen habe ich inzwischen ein viel umfassenderes Bild erhalten. In jedem Fall kommt solchen Sammlungen eine immense Bedeutung zu: die Bewahrung von vergänglichen kulturellen Schätzen. 


©parden 

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