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58 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 29 Rezensionen

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Die Hochhausspringerin

Julia von Lucadou
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 23.07.2018
ISBN 9783446260399
Genre: Romane

Rezension:

In einer Welt, die unserer erschreckend nah scheint, sind die beiden Protagonistinnen Riva und Hitomi völlig unterschiedlich, doch beide auf ähnliche Art und Weise in der komplett durchstrukturierten Klassengesellschaft gefangen. Riva, die Hochhausspringerin, ein Star mit vielen Fans, will hieraus ausbrechen. Hitomi soll sie davon abhalten. Schafft sie es nicht, droht ihr eine Strafe. Beiden steht damit die Abschiebung in die „Peripherien“ bevor - der einen freiwillig, der anderen unfreiwillig.

Julia von Lucadou beschreibt in ihrem Debütroman eine neue Welt. Glänzend, begehrenswert, perfekt - aber bei genauerem Hinsehen auch kalt, unpersönlich, komplett transparent und überwacht. Selbstoptimierung, sei es bei der Gesundheit und Fitness, der Beziehung oder der Arbeit, ist hier an der Tagesordnung. Perfekt zu funktionieren ist das oberste Ziel. Das spiegelt sich auch in der Sprache wieder. Einerseits in den Dialogen, aber andererseits auch in Lucadous Schreibstil, bis ins Detail perfekt konstruiert. Kühl, distanziert, prägnant.

Am besten taucht man möglichst unbedarft in diese Geschichte ab und lässt das Geschriebene wirken. Fast automatisch spielt sich ein Film vor Augen ab, dessen einziger Makel es ist, dass er zu kurz scheint, zu ausschnittshaft. Zwar ist der Roman in sich rund, die Figuren vielschichtig, der Spannungsbogen perfekt abgestimmt - aber dann ist der Film auch schon zu Ende, die eben noch so erschreckend realistisch wirkende Welt plötzlich wieder weit entfernt. Ich hätte mir vom Ende ein wenig mehr Nachgeschmack erhofft. Trotzdem ist das Buch eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich für Digital-Dystopien interessieren, und ein großartiges Debüt.

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(62)

90 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 58 Rezensionen

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Weit weg von Verona

Jane Gardam , Isabel Bogdan
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 23.07.2018
ISBN 9783446260405
Genre: Romane

Rezension:

Über Bücher, die mich komplett in ihren Bann gezogen haben, weiß ich meistens am wenigsten zu sagen. Das ist auch hier wieder der Fall. Lest den Klappentext und wenn er euch anspricht, dann lest auch dieses Buch und lasst euch vom Inhalt, vom Witz, von den scharfsinnigen Beobachtungen, der hinreißenden Haupt- und den kaum weniger spannenden Nebenfiguren einfach überraschen - diese Geschichte ist ein wahrer Schatz.

Die Protagonistin Jessica Vye ist 13 Jahre alt und trotzdem eine Identifikationsfigur für Menschen jeden Alters. Die Geschichte ist in den 1930ern angesiedelt, aber absolut zeitlos. Und über all das hinaus schreibt Jane Gardam so authentisch, so originell und voller Herzblut vom Abschied von der Kindheit, dass man dieses Buch wirklich kaum aus der Hand legen kann. Ein großartiger Roman, ganz wundervoll übersetzt von Isabel Bogdan.

Leider muss ich zugeben, dass ich von Jane Gardam vorher noch nie gehört habe. Nach diesem Buch werde ich mich aber auf jeden Fall weiter ihrem Werk widmen.

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

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Die Kunst, einfache Lösungen zu finden

Christian Ankowitsch
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 24.07.2018
ISBN 9783737100106
Genre: Sachbücher

Rezension:

Man steht immer mal wieder vor Problemen - vor alltäglichen Problemen, die uns manchmal einfach nur nerven, vor immer wieder auftauchenden Schwierigkeiten in der Beziehung oder im Berufsleben oder vor Problemen, bei denen wir einfach gar nicht wissen, wie wir sie am besten angehen sollen. Ich frage mich da: Wie kann ein Ratgeber wie "Die Kunst, einfache Lösungen zu finden" von Christian Ankowitsch dabei helfen, für individuelle Probleme Lösungen zu finden, ohne dabei in Allgemeinplätzen und die typischen Tipps und Tricks abzudriften, die man in jeder Zeitschrift findet.

Was dieses Buch von anderen unterscheidet, ist die Herangehensweise. Christian Ankowitsch identifiziert den Kern vieler Probleme als festgefahrene Verhaltensweisen und schlägt vor: Machen Sie einfach mal etwas anders! Dabei liefert er einige Beispiele dafür, wie das konkret funktionieren kann und bietet gute Ansätze für einfache Problemlösungen, die sich leicht umsetzen lassen und große Wirkung haben.

Das Buch ist sehr angenehm und einfach verständlich aufgebaut, bietet sich hervorragend dazu an, einfach mal darin herumzublättern, kann aber auch von vorn bis hinten durchgelesen werden. Für Letzteres ist Ankowitsch mir persönlich jedoch ein wenig zu redundant, was jedoch auch einfach ein wenig an der Thematik liegt und zum Teil auch wieder durch den Unterhaltungswert der angenehm humorvollen Schilderung unterschiedlichster Probleme des Alltags und ihren besten Umgang damit wieder wettgemacht wird.

"Die Kunst, einfache Lösungen zu finden" schafft es, einige Denkanstöße zu geben, aber wie es bei solchen Büchern eben immer so ist, darf man natürlich nicht erwarten, die Ideallösung für seine individuellen Probleme serviert zu bekommen. Da ich das aber eh nicht erwartet habe, war dieser Ratgeber also ausnahmsweise mal wirklich lesenswert und unterhaltsam.

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(52)

72 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

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A Stranger in the House

Shari Lapena , Rainer Schumacher
Flexibler Einband: 346 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 27.07.2018
ISBN 9783785726112
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Shari Lapenas „A Stranger in the House“ geht es um das Ehepaar Karen und Tom Krupp. Sie beide sind glücklich miteinander, haben ein schönes Zuhause und ihr Leben verläuft allem Anschein nach in geregelten Bahnen. Doch mit einem Mal ändert sich alles. Als Tom nach Hause kommt, ist seine Ehefrau verschwunden und nach und nach entfaltet sich vor seinen Augen ein Kriminalfall, der größer ist als er je vermutet hätte. Irgendetwas spielt sich im Haus der Krupps ab und noch dazu hat jeder seine eigenen kleinen Geheimnisse. Alles dreht sich um die Frage, wem man da überhaupt noch vertrauen kann.

Zwar habe ich Shari Lapenas „The Couple Next Door“ nicht gelesen, aber ich habe viel Gutes davon gehört und war daher ziemlich gespannt auf „A Stranger in the House“. Auch die Prämisse hat mir gefallen. Insgesamt war es auch eine fesselnde Geschichte mit einigen unvorhersehbaren Wendungen und Überraschungen, die sich ziemlich schnell liest. Aber leider war es das dann auch fast schon für mich. Ich muss die Figuren eines Romans - oder eines Thrillers - nicht sympathisch finden, um ihre Story mit Spannung zu verfolgen, aber da sich die Geschichte in einem kleinen Rahmen abspielt und man jeden irgendwann verdächtigt, ist es etwas schade, wenn einem eigentlich alle Figuren relativ gleichgültig sind oder sie einen sogar durch ihre Naivität oder ihr zwischenmenschliches Verhalten aufregen.

Darüber hinaus war der Schreibstil relativ schwach, oft wiederholten sich Wörter und Phrasen in kurzen Abständen, und Dialoge wirkten zum Teil sehr gestelzt. Dazu kommt ein schwacher Mittelpart, in dem kaum etwas passiert. Das Ende hat mir zwar gefallen, kam aber etwas plötzlich und war für meinen Geschmack etwas zu kurz - die Fragen wirkten damit etwas lieblos aufgelöst.

Mein Fazit lautet daher: Auch wenn einige Erzählstränge dieses Thrillers nicht besonders originell wirkten und es für mich große Schwächen bei den Figuren gab, war es kein schlechtes Buch. Alles in allem fand ich die Dynamik und das Erzähltempo angemessen. Mir haben viele Ideen gefallen und es gab einige Wendepunkte, die mich überrascht haben. Aufgrund der anfangs hohen Erwartungen, fällt meine Bewertung jedoch insgesamt leider eher ernüchternd aus, da mich die Figuren nicht überzeugen konnten und es ruhig noch etwas spannender hätte sein dürfen.

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(80)

132 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 72 Rezensionen

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Das weibliche Prinzip

Meg Wolitzer , Henning Ahrens
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 24.07.2018
ISBN 9783832198985
Genre: Romane

Rezension:

„Das weibliche Prinzip“ war mein erster Roman von Meg Wolitzer und sicher nicht mein letzter, selbst wenn er mich nicht 100% überzeugen konnte.

Mir gefällt, dass es in dem Roman vor allem um Frauen, um Familie und bedeutungsvolle Beziehungen, aber auch um Greers Ambitionen, ihre Emanzipation und um allgemeine politische und soziale Um- und Missstände geht. Leider konnte Wolitzer das alles aber für mein Gefühl nicht richtig zusammenbringen, so dass die Geschichte in weiten Teilen langatmig wurde, und obwohl so viele interessante Themen angesprochen wurden, fehlte es mir an vielen Stellen an Tiefe, um die fehlende Dynamik in der Geschichte wieder wettzumachen. Das gilt auch für die Figuren, die mir ein wenig zu uninspiriert und zu klischeehaft waren - bis auf eine, nämlich Cory. Und diese Figur bleibt leider wieder viel zu unerforscht.

Das ganze Buch strotzt zwar vor Ideen und interessanten Ansätzen, fühlt sich aber leider nie mutig genug an.

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(60)

64 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

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Die Unruhigen

Linn Ullmann , Paul Berf
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 11.06.2018
ISBN 9783630874210
Genre: Romane

Rezension:

Die norwegische Schriftstellerin Linn Ullmann, Tochter von Liv Ullmann und Ingmar Bergmann schreibt in „Die Unruhigen“ - so der Klappentext - eine fiktive Geschichte, die deshalb aber nicht weniger wahr ist. Es handelt sich hier nicht wirklich um eine Biographie oder um Memoiren, aber doch ist es eine Familiengeschichte - ganz besonders eine Vatergeschichte. Interessant wird es durch Ullmanns Art, Gesprächstranskripte und Erzählungen zu kombinieren, die gänzlich ohne Namen auskommen. Man vergisst fast, um wen es sich handelt, und man liest das Buch als Geschichte über eine Familie, über das Verhältnis von Eltern und Kind, über das Erwachsenwerden, das Altern, über Erinnerungen, über das Zuhause und auch über Unruhe, die vor allem die Mutter und dadurch auch „das Mädchen“, nämlich Linn, in seiner Kindheit umtrieb.

„Die Unruhigen“ ist meiner Meinung nach ein Buch, das man möglichst ohne große Pausen verschlingen sollte, um wirklich tief darin abzutauchen. Dann ist faszinierend geschrieben, interessant, emotional.

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(62)

77 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

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Häuser aus Sand

Hala Alyan , Michaela Grabinger
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.06.2018
ISBN 9783832198558
Genre: Romane

Rezension:

„Häuser aus Sand“ ist ein faszinierender Debütroman von Hala Alyan. Es ist ein Familienroman, aber ein politischer, und mit einer Geschichte, die - wie der Titel schon anklingen lässt - von Vertreibung, von alten und neuen Leben, Veränderungen, aber auch Sehnsucht handelt. Alias Mutter hat vorhergesehen, dass sie ein Leben in ständiger Bewegung führen wird - und so kommt es auch. Sie, ihr Mann und ihre gemeinsamen Kinder müssen ständig unter den Einflüssen der verschiedenen Kulturen, in die sie durch den Krieg und anderen Widrigkeiten geflüchtet sind, neu beginnen und sich auch neu finden. Streckenweise hatte das Buch leider ein Paar Längen, aber Alyan schreibt grandios und hat hier Figuren erschaffen, die komplex, stark und interessant sind. Lesenswert!

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72 Bibliotheken, 4 Leser, 5 Gruppen, 55 Rezensionen

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Barbarentage

William Finnegan , Tanja Handels
Flexibler Einband: 566 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.05.2018
ISBN 9783518468739
Genre: Biografien

Rezension:

Eins muss man vorweg sagen: Man muss sich nicht für's Surfen interessieren, um dieses Buch zu lesen und Spaß daran zu haben. In diesem Buch erzählt William Finnegan davon, dass das Surfen so viel mehr ist als ein Sport, und dass die Suche nach der perfekten Welle viele Lektionen lehren kann.

So mancher einer könnte vermuten, dass das unglaublich langweilig und langatmig sein kann: ein Mann erzählt von seinen Reisen und vom Surfen, vom Surfen und noch mal vom Surfen. So manches Mal war ich auch tatsächlich etwas erschlagen von den Fachtermini und den Beschreibungen technischer Aspekte des Sports. Aber das kann ich verzeihen, denn Finnegan kann das einfach sehr gut. Er schreibt so voller Gefühl, Einfühlsamkeit und auch Humor, dass seine eigene Faszination - seine Besessenheit für das Surfen gar - auf einen selbst übergeht.

Diese Memoiren sind so ganz anders als alle, die ich bisher gelesen habe. Ganz anders auch, als ich es demnach erwartet hatte.
       

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(200)

377 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 93 Rezensionen

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Die Farbe von Milch

Nell Leyshon , Wibke Kuhn
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 22.09.2017
ISBN 9783961610006
Genre: Romane

Rezension:

Unglaublich beeindruckend und fesselnd wird in „Die Farbe von Milch“ die Geschichte der 15-jährigen Mary erzählt - und zwar von ihr selbst. Marys Leben besteht aus harter Arbeit auf dem Bauernhof ihrer Eltern. Sie ist ungebildet, aber ihr Verstand und ihre schonungslose Ehrlichkeit haben ihr schon oft Ärger eingehandelt. Eines Tages soll sie im Haushalt des örtlichen Pfarrers arbeiten und seine kranke Ehefrau pflegen. Sie wird von einer Welt in eine völlig andere geworfen. Das erste Mal erlebt Mary hier die Klassenunterschiede am eigenen Leib, doch gleichzeitig eröffnen sich ihr völlig neue Möglichkeiten - aber nicht nur das. Mary lernt zu lesen und zu schreiben, um ihre Geschichte für die Nachwelt festzuhalten.

Es ist faszinierend, wie eine so kurze Geschichte mit so einfacher, aufs Minimum reduzierter Sprache, so ausdrucksstark und eindringlich sein kann. Allen voran dafür verantwortlich ist natürlich die Protagonistin - das Bauernmädchen Mary - eine schier unvergesslichen Erzählerin, die ihre erschütternde Geschichte so leise, kämpferisch und poetisch erzählt, dass sie einen verfolgt, selbst wenn man das Buch schon vor einer Weile beendet hat. Aber als LeserIn merkt man auch, wie klein Marys Welt und wie eng die für sie vorgesehene Rolle ist. Die gesamte Geschichte wird von einer be- und erdrückenden Atmosphäre begleitet und umso mehr bewundert man Marys stoische, ruhige und doch zielstrebige Art, und den hohen Preis, den sie für das bezahlt, was ihr wichtig ist.

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(26)

40 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

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Der rote Swimmingpool

Natalie Buchholz
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 14.05.2018
ISBN 9783446259096
Genre: Romane

Rezension:

Adams Familie ist perfekt. Seine Mutter ist wunderschön, sein Vater erfolgreich - Adam fühlt sich geliebt und ist glücklich darüber, dass seine Eltern eine so gute Beziehung führen. Doch plötzlich ändert sich alles und Adams heile Welt zerbricht. Durch zwei verschiedene Zeitstränge erfahren wir Stück für Stück vom großen Umbruch bzw. den Grund für den Bruch im Leben des jungen Adam und seine Folgen. Eine spannende Coming-of-Age Geschichte in einer Exploration von Gegensätzen - Liebe und Ablehnung, Schuld und Reue, Drama und Leichtigkeit.

„Der rote Swimmingpool“ ist ein Roman, dessen Fokus jedoch ganz klar auf den Figuren und auf ihren unterschiedlichen Lebensphasen und Situationen liegt bzw. der Art und Weise, wie die Figuren mit den Erfahrungen, die sie machen, umgehen. Dadurch werden diese vielschichtig und interessant. Feinsinnig und sprachlich unglaublich gewandt und clever, schafft Natalie Buchholz es, die großen Themen des Lebens in diese Geschichte hineinzuweben, die nichtsdestotrotz so kompakt bleibt, dass man sie an einem Tag verschlingen kann. Trotzdem - oder vielleicht auch aus genau diesem Grund - hat es bei mir nicht ganz geklickt. Ich hätte mir gewünscht, mehr von allem zu erfahren. Es gab einige Figuren, deren Motive ich nicht ganz verstanden habe, einige Szenen, die zu früh und abrupt endeten und insgesamt fühlte ich mich viel zu schnell aus Adams Leben wieder herausgerissen, um richtig in das Geschehen und in Adams Leben einzutauchen.

Doch das tut diesem interessanten Debütroman in meiner Gesamtwertung nicht allzu großen Abbruch, denn all die anderen genannten Aspekte haben mich durchaus überzeugt und mit großer Spannung hoffe ich auf weitere Romane von Natalie Buchholz.

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2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Mein Herz ist ein Garten

Katharina Teimer , Inka Vigh
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei arsEdition, 12.02.2018
ISBN 9783845823362
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mein Herz ist ein Garten ist eine wunderschön illustrierte Liebeserklärung an den Garten und die Natur. Es macht wirklich unglaublich viel Spaß, darin zu blättern und sich von schönen Sprüchen und Zitaten inspirieren zu lassen, den eigenen Garten mehr zu genießen, sowie (Bastel-)Aktivitäten und Rezepte auszuprobieren.

Leider bin ich mit der Erwartung an das Buch herangegangen, dass es auch etwas mehr ums Gärtnern an sich, d.h. Gartenpflege, Aussaat, Gestaltung usw. gehen würde, aber diesbezüglich wurde ich eher enttäuscht - was aber an mir liegt.

Als Geschenk für junge Menschen, die ein Herz für die Natur haben, oder für all diejenigen, die ein süßes, liebevoll illustriertes Buch über den Garten, gespickt mit Zitaten und allerlei kleinen Tipps und Tricks zum Finden von Seelenfrieden und Ruhe sucht, ist dieses Buch jedoch genau das Richtige.

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(190)

286 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 132 Rezensionen

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Wenn's einfach wär, würd's jeder machen

Petra Hülsmann
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 25.05.2018
ISBN 9783404176908
Genre: Liebesromane

Rezension:

Annika Paulsen ist Lehrerin am Werther-Gymnasium in Hamburg. Hier unterrichtet sie Musik und Geografie. Das ist zwar nicht gerade ihr Plan A im Leben gewesen, aber trotzdem ist sie zufrieden: ihre Kollegen und Kolleginnen sind nett und sie ist beliebt bei den Schülern und Schülerinnen. Doch ausgerechnet an ihrem 27. Geburtstag bekommt sie die Nachricht, dass sie zeitweise an eine andere Schule versetzt wird - eine Brennpunktschule im absoluten Problembezirk. Annika fällt aus allen Wolken, als sie es mit Mobbing und Schülerinnen und Schülern zu tun hat, die kein Interesse am Unterricht haben. Für Annika gibt es nur ein Ziel: möglichst schnell wieder zurück an ihre alte Schule zu kommen. Dafür hat sie sich einen Plan ausgedacht. Sie gründet eine Musical AG, mit der sie den Hamburger Schultheaterpreis gewinnen will. Aber das ist alles schwieriger als gedacht und alleine kaum zu stemmen. Deshalb sucht sich Annika Hilfe bei ihrem ehemaligen Schwarm Tristan, der heute Theaterregisseur ist. Fortan geht es nicht nur auf der Bühne drunter und drüber, sondern auch in Annikas Privatleben.

Wer Petra Hülsmanns andere Romane mag, der wird auch „Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“ mögen - so viel ist klar. Annika Paulsen ist wieder eine Identifikationsfigur, mit der wir mitleiden, mitlachen und mitfiebern können - auch (oder gerade weil?) sie etwas verschroben ist. Dazu kommt das sympathische Ensemble an Nebenfiguren: manchmal recht schrullig, aber immer sehr liebenswert und teilweise mit gleichermaßen lockeren wie auch klugen Sprüchen auf der Zunge.

Mir hat das Schul-Setting in diesem Buch auch besonders gut gefallen. Immer wieder werden auch aktuelle Probleme angesprochen und Themen berührt, die wichtig sind - und trotzdem bleibt die Geschichte mitreißend und lustig, was einfach auch Petra Hülsmanns schlagfertiger, einfühlsam und authentischer Stimme zu verdanken ist.

Natürlich weiß man bei einem Roman wie diesem schnell, wie er ausgehen wird, aber als Leser oder Leserin wird man hier dennoch mit Charakterentwicklungen, einigen kleinen Lebensweisheiten, jeder Menge Witz und einer Liebesgeschichte zum Wohlfühlen belohnt - aber es fehlte auch nicht an Drama und kleinen Twists, die das Lesen immer spannend und stellenweise wirklich emotional machten. Eine Lektüre, die man nicht aus der Hand legen mag.

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(148)

197 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 132 Rezensionen

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Die Schönheit der Nacht

Nina George
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.05.2018
ISBN 9783426654064
Genre: Romane

Rezension:

Die Schönheit der Nacht ist eines dieser seltenen Bücher, die nach dem Zuklappen ein neues Buch in einem selbst aufschlagen. Nina George hat mich mit ihren poetischen und klugen Worten, ihrer Geschichte von der Pariser Verhaltensbiologin Claire und der jungen Julie, und dem Sommer in der Bretagne, der alles verändert, mitten ins Herz getroffen.

Nina George versteht es wie keine Zweite, weibliche Emotionen, Sehnsüchte, Stärken, Schwächen und Geheimnisse zu beschreiben - und das vor einer wunderschönen Kulisse, nämlich dem Meer. Immer wieder musste ich an das Buch „Das Erwachen“ von Kate Chopin denken, denn wie auch dort vereinen sich die Geheimnisse des Meers mit den geheimen Gedanken der Figuren, geben ihnen Kraft, symbolisieren alles was ist, was war und was sein könnte.

Es fällt mir außerordentlich schwer, meine Gedanken zu diesem Buch zusammenzufassen, weil die Worte mir immer noch nachhängen. Ich kann es nur jedem wirklich ans Herz legen. Ich möchte dieses Buch eigentlich jedem schenken, den ich kenne und ich hoffe, dass es viele werdende und gewordene Frauen so tief berührt und nachhaltig prägt wie mich.

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699 Bibliotheken, 18 Leser, 2 Gruppen, 192 Rezensionen

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Fire & Frost - Vom Eis berührt

Elly Blake , Yvonne Hergane
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 14.02.2018
ISBN 9783473401574
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Welt wird von einem Frostkönig regiert, der seine Krieger auf die Jagd nach Firebloods schickt. Seit ihrer Geburt muss sich die 17-jährige Ruby als eine der letzten Firebloods vor den Frostbloods verstecken. Aus diesem Grund hat sie nie gelernt, ihre Gabe richtig einzusetzen – wodurch sie auch zu einer Gefahr für sich selbst und alle Menschen um sie herum wird. Doch um die grausame Regentschaft des Königs zu beenden, muss sie sich der Macht in ihr stellen und die Kontrolle über sie gewinnen. Keine leichte Aufgabe für eine junge Frau mit so viel Feuer im Blut, der es sogar schwer fällt, ihr eigenes Temperament zu zügeln. Das muss auch Frostblood Arcus feststellen, der Rubys Fähigkeiten für seine Rebellion gegen den König braucht, und deshalb mit ihr trainiert. Ihre Gemüter – Feuer und Eis – lassen die beiden oft aneinandergeraten, sorgen aber in ihrer Gegensätzlichkeit auch für eine geheimnisvolle Anziehungskraft zwischen den beiden. Doch dann wird auch der König auf sie aufmerksam und Ruby bleibt nicht viel Zeit, um dem Herrscher auf dem Eisthron Einhalt zu gebieten.

Ich habe „Fire & Frost: Vom Eis berührt“ zwar durch und durch gern gelesen, aber ich würde auch nicht sagen, dass die Geschichte um Ruby besonders originell ist. Tatsächlich weist sie einige Parallelen zu anderen bekannten Young Adult- und Fantasy-Romanen auf wie z.B. Die Tribute von Panem oder Die rote Königin. Diese Ähnlichkeiten ziehen sich nicht nur durch die aufgebaute Welt, die Magie, die Legenden und Sagen oder die politischen Strukturen und Machtkämpfe zwischen unterschiedlichen Fraktionen, sondern auch durch die Figuren. Keine von ihnen wirkt besonders neu – weder die Protagonistin Ruby noch ihr Love Interest, ihre Verbündeten oder ihre Feinde – und allen kann man ihre typische Rolle in der Geschichte zuordnen. Nichtsdestotrotz empfand ich sie als eine interessante Variation bekannter (Stereo-)Typen, gut geschrieben, vielfältig und zum Teil ihren Handlungen und ihrer Umgebung gegenüber auch reflektierter als in vielen anderen Jugendromanen. Ruby ist zwar manchmal etwas anstrengend – gern würde man sie schütteln und ihr sagen, dass sie ihr Temperament in den Griff bekommen soll, weil es sie ansonsten von einem Fettnäpfchen ins nächste befördert (oder gar in Gefahr) – aber ihre Charakterentwicklung hat sie mir sympathisch gemacht. Arcus, der junge Mann mit einer geheimnisvollen Vergangenheit, kam mir in der Geschichte leider etwas zu kurz, um zu einer ausgereiften, komplett runden Figur heranzuwachsen, dennoch gefiel mir die Chemie zwischen ihm und Ruby. Auch hab ich mich immer gefreut, Nebenfiguren (besser) kennenzulernen. Elly Blakes Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen, sowohl in seiner generellen temporeichen Dynamik als auch in den bildhaften Beschreibungen und in den Dialogen, die ich locker, lustig und authentisch fand.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Wer etwas komplett Neues sucht oder ein Fantasyepos, in dessen detailliert beschriebener Welt man völlig versinken kann, der wird in diesem Buch eher nicht fündig. Denn vor allem die Welt hätte Elly Blake durchaus mit mehr Details füttern können. Wer aber Geschichten mag, die, auch wenn sie sich bekannt anfühlen, trotzdem spannend sind und quasi all die Dinge vereinen, die sich im Young Adult/Fantasy-Bereich bewährt haben, dabei noch nicht übersättigt von diesem Genre ist und eine schöne, junge, leichte Unterhaltung sucht, der ist mit Elly Blakes Fire & Frost-Reihe sicher gut bedient. Ich jedenfalls warte nun gespannt auf die Fortsetzung.

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82 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

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Die letzte Reise der Meerjungfrau

Imogen Hermes Gowar , Angela Koonen
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 29.03.2018
ISBN 9783431040821
Genre: Romane

Rezension:

Der Kaufmann Jonah Hancock lebt eher zurückhaltend und bescheiden. Als sein Kapitän jedoch eines Tages eine ganz besondere Ware aus Übersee mitgebracht hat, ändert sich sein Leben von Grund auf. Plötzlich ist er der Besitzer einer Meerjungfrau - und die ist ganz anders als man erwartet, aber umso mehr Aufsehen erregt Mr. Hancock mit ihr, und die Meerjungfrau wird zu einer großen Attraktion. Auf der anderen Seite steht die schöne Edelkurtisane Angelica Neal, deren Leben so ganz anders ist als das von Jonah Hancock, jedoch aufgrund des ungewöhnlichen Fundes seinen Weg kreuzt. Doch die Faszination und die Wirkung, die von den Meerjungfrauen ausgeht, hat noch weitere Folgen.

Aus verschiedenen Perspektiven erzählt, gewährt Imogen Hermes Gowar einen Blick in das Leben unterschiedlichster Personen. In den 1780er Jahren befindet sich die Welt in einem komplett neuartigen Fluss kultureller Veränderungen. Das Buch, welches ein wenig Magie in diese ansonsten doch hauptsächlich realistische, historische Geschichte einwebt, spielt mit den Erwartungen der Leser und Leserinnen, um sie dann mit unerwarteten Wendungen und Handlungssträngen zu überraschen.

Imogen Hermes Gowar ist eine talentierte Autorin mit einer unglaublichen Art und Weise, mit Worten umzugehen. Insbesondere ihr Schreibstil und ihre Beschreibungen von Orten, Umgebungen, Häusern, Gassen, Kleidung und Personen, haben mich in das Geschehen eintauchen lassen, auch, wenn das manchmal etwas schwer war. Dies lag vor allem daran, dass die Geschichte um Jonah Hancock relativ undynamisch war und die Handlung trotz unterschiedlicher Perspektiven eher schleppend vorwärts ging. Auch die Figuren blieben mir insgesamt etwas zu blass und undefiniert, ihre Beweggründe manchmal sogar nicht wirklich nachvollziehbar, und manches Mal hätte ich mir einen besseren Abschluss für einige Handlungsstränge (sowohl die Haupt- als auch die Nebenfiguren betreffend) gewünscht.

Alles in allem war „Die letzte Reise der Meerjungfrau“ aber ein durchaus lesenswerter Debütroman, angesiedelt im England der 1780er Jahre, mit stimmungsvollen und vor allem stimmigen Schauplätzen und einem außergewöhnlichen Schreibstil, nur leider etwas langatmig und mit zu vielen losen Enden.

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150 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 95 Rezensionen

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Alles Begehren

Ruth Jones , Julia Walther
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 02.05.2018
ISBN 9783959672023
Genre: Romane

Rezension:

Im Jahr 1985 lernte der damals 39-jährige und glücklich verheiratete Lehrer Callum die wilde, betörend attraktive und 17 Jahre jüngere Kate kennen - und fast hätte die gewaltige Anziehungskraft und das leidenschaftliche Begehren der beiden sein Leben zerstört. Rückblickend ein unglaublich beschämender Egotrip, der tiefe Furchen in seine Ehe gegraben hat. Doch trotz mehrerer gebrochener Herzen hat sich Callum für seine Familie entschieden, hart daran gearbeitet, dass einstige Vertrauen wieder aufzubauen und 17 Jahre lang sein gemeinsames Leben mit seiner Frau Belinda und ihren drei gemeinsamen Kindern gelebt.

Kate, inzwischen eine berühmte Schauspielerin, und ebenfalls Ehefrau und Mutter, hat es nach der Affäre nicht so leicht geschafft, über Callum hinwegzukommen. Und als sie 17 Jahre später gebeten wird, ihre alte Schule in Edinburgh zu besuchen, trifft sie nach all der Zeit wieder auf ihn. Und auch nach all der Zeit ist die zerstörerische Anziehungskraft zwischen den beiden nicht verschwunden.

Mein erster Gedanke nach ein paar Seiten des Buches war: Eine Geschichte über zwei Menschen, die fremdgehen und damit eine Ehe und Familie zerstören? Wie soll ich diese Geschichte mögen, wenn mir die Hauptfiguren von Grund auf so unsympathisch sind? Aber ich habe mich getäuscht. Schon ein paar weitere Seiten später konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Nicht, weil ich Kate oder Callum sympathisch fand, sondern weil Ruth Jones sowohl mit den Haupt- als auch den Nebenfiguren fantastisch und bewundernswert runde, authentische Personen erschaffen hat, die zwar wirklich voller Fehler, aber dadurch auch sehr nahbar und menschlich sind. Vor allem aber beschönigt oder romantisiert Ruth Jones Fehlverhalten nicht, sondern beschreibt es in all seinen Konsequenzen - emotional, voller Witz und Weisheit, Leidenschaft, Traurigkeit, Liebe und Wärme.

„Alles Begehren“ von Ruth Jones ist ein Pageturner wie er im Buche steht, wunderbar und klug geschrieben, und mit großartigen, komplexen Figuren, die einen sogar in den Nebenhandlungssträngen die Seiten nur so verschlingen lassen.

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71 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 51 Rezensionen

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Fliegende Hunde

Wlada Kolosowa
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 09.03.2018
ISBN 9783961010066
Genre: Romane

Rezension:

„Fliegende Hunde“ ist eins dieser Bücher, das mich unentschlossen zurücklässt. Die Prämisse, der Schreibstil und der Einstieg in die Geschichte selbst haben mir eigentlich gut gefallen - sehr gut sogar. Zunächst bin ich regelrecht durch das Buch geflogen, die abwechselnden Perspektiven haben der Geschichte, die zusätzlich noch gespickt war mit Informationen über die Leningrader Blockade und Einblicken in eine entsetzliche Modelbranche, die passende Dynamik verliehen. Auch fand ich zuerst die Geschichte um die beiden Mädchen, Oksana und Lena, jeweils in Krylatowa und Shanghai, interessant. Aber leider konnte ich nie ganz mit den beiden Protagonistinnen sympathisieren, auch wenn ihre Gedanken, Probleme und Emotionen nahbar geschrieben wurden. Je weiter ich im Buch voranschritt, desto weniger wusste ich jedoch, was mir mitgeteilt werden soll. Und auch am Ende war mir nicht klar, was zwischen Oksana und Lena passiert ist, zu viel blieb für meinen Geschmack und meine Erwartungen am Ende offen. Die Konsequenz war jedoch trotz allem nicht, dass ich das Buch nicht mochte. Vielmehr bin ich neugierig, ob sich meine Meinung und meine Gefühle bei einem zweiten Lesedurchgang ändern werden.

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Der Zopf

Laetitia Colombani , Claudia Marquardt
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 21.03.2018
ISBN 9783103973518
Genre: Romane

Rezension:

Der Zopf von Laetitia Colombani ist einer kleiner Schatz. In diesem Roman geht es um das Leben dreier Frauen: Smita, Sarah und Giulia. Sie alle leben in unterschiedlichen Teilen der Welt (in Indien, Kanada und Italien), führen ein ganz unterschiedliches Leben und doch sind sie alle miteinander verbunden. Durch ihr Haar, aber auch durch ihre Stärke und die unbändige Willenskraft, ihr Schicksal zu meistern und ihren eigenen Weg zu gehen.

In diesen Roman sollte man sich einfach hineinwerfen, in den Bann ziehen und berühren lassen, ohne zuvor zu viel über den Inhalt zu wissen. Laetitia Colombani schreibt authentisch, bildhaft und spannend, und webt in einer wunderbaren, gleichzeitig bestürzenden und motivierenden Art und Weise die Geschichten der drei Frauen zusammen, legt die Erzählstränge vorsichtig übereinander wie Strähnen eines Zopfes. Ein tolles Debüt mit einer Geschichte, die noch lange nachhängt und zum Nachdenken anregt.

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98 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 64 Rezensionen

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Wenn Martha tanzt

Tom Saller
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 09.03.2018
ISBN 9783471351673
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte wird über zwei Zeitstränge hinweg erzählt. Auf der einen Seite, im Jahr 2001, geht es um Thomas, einen jungen Mann, der in New York das Tagebuch seiner Urgroßmutter versteigern lassen will. Wie sich herausstellen wird, ist dieses Tagebuch jedoch wertvoller als gedacht - nicht nur im Geldwert, sondern auch persönlich und emotional. Auf der anderen Seite, Anfang der 1900er Jahre, geht es um Martha - eine junge Frau, aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Pommern, mit der besonderen Gabe, Musik nicht nur zu hören, sondern sie zu sehen und zu spüren, als Farben und Formen. Schon bald verlässt sie ihre Familie und geht ans Bauhaus in Weimar, einerseits, um ihr Talent zu fördern, aber andererseits auch, um endlich verstanden zu werden. In einem Tagebuch hält sie ihre Erlebnisse fest und auch andere berühmte Künstler im Bauhaus verewigen sich darin. Doch eines Tages wird die Kunstschule von den Nazis geschlossen und Martha muss zurückkehren. Aber wie geht die Geschichte weiter?

Tom Sallers Debütroman hat mir außerordentlich gut gefallen - der größte Makel liegt vermutlich darin, dass er einfach zu kurz ist. Nicht nur die historischen und politischen Details und das Setting haben mir gefallen, sondern auch der Schreibstil, die authentischen Dialoge und die detaillierten, bildhaften Beschreibungen. Wie auch schon auf dem Cover des Buches vermerkt: Dieses Buch bereitet ein echtes Kopfkino. Einzig mit den Figuren wurde ich persönlich nur langsam warm, obwohl ich sie nichtsdestotrotz faszinierend und interessant fand. Ihre Geschichte hat mich dennoch bewegt. Eine klare Leseempfehlung!
       

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123 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

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Der Mond des Vergessens

Brian Lee Durfee , Andreas Heckmann
Fester Einband: 880 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 10.03.2018
ISBN 9783608961416
Genre: Fantasy

Rezension:

Der Mond des Vergessens ist so unglaublich sorgfältig ausgearbeitet, dass es in seinem Umfang (immerhin knapp 900 Seiten) und den detaillierten geschichtlichen und religiösen Aspekten und Überlieferungen, von denen man erfährt, schlichtweg überwältigend ist. Ich bin sehr gespannt, wie groß diese Welt noch in den kommenden Fortsetzungen wird. Man erkennt ziemlich gut Durfees Inspiration, die er aus der epischen Fantasy-Reihe Game of Thrones von George R. R. Martin sowie den Werken Stephen Kings zieht. Die Geschichte wird aus vielen verschiedenen Perspektiven und auch von verschiedenen Seiten erzählt.

In vielerlei Hinsicht erinnert Der Mond des Vergessens an klassische Fantasy-Geschichten, mit seinen vielen sehr typischen Elementen und Handlungssträngen, aber trotzdem geht es auch um politische Verstrickungen, wie wir sie heute häufig in epischer Fantasy finden. Leider gab es jedoch für mich auch einige Längen, langweilige Passagen und unnötige Szenen. Der größte Kritikpunkt ist für mich aber die Ausarbeitung der Figuren, die sich doch sehr an bekannten Klischees und Rollen orientiert und auch nie wirklich davon abweicht. Das ist zwar nicht immer schlimm, aber dann doch stellenweise recht repititiv und vorhersehbar. Insgesamt gab es hier einfach ein paar Unstimmigkeiten und Frustrationen mit den Figuren, so dass ich einige Punkte in der Wertung abziehen muss. Die vielen Passagen, die jedoch so reich an Details und gut, spannend und mitreißend geschrieben sind, lassen mich aber trotzdem gespannt auf die Fortsetzung warten.

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54 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

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Die erstaunliche Familie Telemachus

Daryl Gregory , Tobias Schnettler
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Eichborn , 23.02.2018
ISBN 9783847906384
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch ist so eine große, bunte Überraschungstüte, dass es mir etwas schwer fällt, die richtigen Worte dafür zu finden. Die Familie Telemachus, deren Mitglieder übersinnliche Fähigkeiten besitzen, war eins berühmt - bis sie bei einer Show als Bande von Betrügern entlarvt wurde. Einige Jahre später - der Traum von Ruhm und Erfolg im Showgeschäft ist jetzt längst ausgeträumt - leben die Kinder der ehemals erstaunlichen Familie Telemachus ihr eigenes Leben. Die Vergangenheit hat jedoch bei allen von ihnen deutliche Spuren hinterlassen.

In diesem Roman, der sowohl Krimi als auch Familiendrama, Komödie und Coming-of-Age Story ist, tauchen die LeserInnen in das Leben jedes Familienmitglieds ein. Es geht um den Familienpatriarch Teddy, seine Söhne Frankie und Buddy, und seine Tochter, die alleinerziehende Irene sowie ihren Sohn Matty - alle mit ihren exzentrischen Persönlichkeiten, ihren Fehlern, aber auch ihren sympathischen Seiten (wobei die einen davon mehr, die anderen weniger besitzen). Normalerweise bin ich kein Fan von zu vielen Perspektiven, die dann womöglich noch in verschiedenen Zeitebenen umherspringen. Doch Daryl Gregory ist hier etwas gelungen, von dem ich nicht dachte, dass es so elegant und mitreißend möglich gewesen wäre. Und schließlich schafft er es sogar, dass all die verschiedenen Puzzleteile, die nach und nach ins Spiel gebracht wurden, ein großes Bild ergeben.

Die erstaunliche Familie Telemachus ist ein ungewöhnliches Buch, das sich nirgends so recht einordnen lässt. Es ist nostalgisch, es ist lustig, es ist spannend (es gibt deutlich mehr Action und Drama als man annimmt), es ist traurig, es ist berührend. Die Geschichte beleuchtet, wie wichtig die Familie ist, und auch Ehrlichkeit gegenüber denen, die man liebt. Sie zeigt, wie Gaben manchmal mehr Fluch als Segen sein können und beschreibt das Leben einer ungewöhnlichen Familie, das zugleich normal und erstaunlich abgedreht ist.

Am Anfang braucht die Geschichte ein wenig Zeit, um in die Gänge zu kommen. Man lernt nach und nach die einzelnen Figuren in ihrer jeweiligen Erzählperspektive kennen. Mir fiel es jedoch nicht schwer, trotzdem weiterzulesen. Schwer fiel es mir eher, das Buch ab einem bestimmten Zeitpunkt überhaupt noch aus der Hand zu legen. Ich mochte die Figuren, die jede auf ihre Art und Weise liebenswert und interessant waren. Sie alle waren meiner Meinung nach rund und authentisch geschrieben. Alles in allem handelt es sich hier um ein lustiges und fantasievolles Buch, das sich selbst zum Glück nicht ganz so ernst nimmt. Eine (meistens) leichte und lustige Unterhaltung, die wohl eher nicht viel zum Nachdenken anregt, sondern einfach mit seiner Wundertüte an Ideen und den ungewöhnlichen Figuren Spaß macht.

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199 Bibliotheken, 12 Leser, 3 Gruppen, 67 Rezensionen

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Die Geschichte des verlorenen Kindes

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 614 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 02.02.2018
ISBN 9783518425763
Genre: Romane

Rezension:


Mit ihrer neapolitanischen Saga hat Elena Ferrante etwas erschaffen, was einzigartig ist. Nun hat diese Saga ihr Ende gefunden. "Die Geschichte des verlorenen Kindes" ist der Höhepunkt und der Abschluss der Geschichte zweier Freundinnen.

Über den Inhalt möchte ich gar nicht allzu viele Worte verlieren, schließlich gehört das direkte Miterleben der Ereignisse mit Elena und Lila wesentlich zum Lesevergnügen. Mittlerweile befinden wir uns aber in einer Zeit, in der Lila und Elena erwachsene Frauen sind. „Die Geschichte des verlorenen Kindes“ setzt Mitte der 70er Jahre ein, Elena und Lila gehen getrennte Wege. Jeder, der die ersten drei Bände kennt, wird mit Sicherheit das Verlangen verspüren, auch diesen letzten Band zu lesen. Allen denjenigen, die nicht vom "Ferrante Fieber" ergriffen wurden, ist der Reiz der Geschichte um Lila und Elena vermutlich nur schwer nahezubringen. Aber nicht, weil ihre Geschichte so fernab der Realität oder gar langweilig wäre - ganz im Gegenteil. Ihr Leben, ihre Emotionen, ihre Erfahrungen, ihre Freundschaft... all das ist so real, detailliert und authentisch beschrieben, dass die Geschichte mich als Leserin einfach vollkommen einnehmen konnte. Aber nicht nur in der Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen und komplexer Biografien zeigt Ferrante auch in diesem vierten Teil wieder was sie kann, sondern auch in ihrer Erzählung von den politischen Verstrickungen der Figuren in Neapel. 

Mich konnte die neapolitanische Saga von Elena Ferrante vollends überzeugen, auch wenn sie ob ihrer Erzählweise manchmal vielleicht langatmigere Passagen aufwies. Dieser vierte Band bildet da hin und wieder keine Ausnahme, reiht sich perfekt in die Reihe ein, bildet meines Erachtens aber auch einen würdigen Abschluss. Und ich glaube, von allen Ausgaben, die weltweit erschienen sind, gehören die Cover vom Suhrkamp Verlag zu den schönsten. 

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

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In Kalabrien

Peter S. Beagle , Oliver Plaschka
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 10.02.2018
ISBN 9783608962178
Genre: Fantasy

Rezension:

Claudio Bianchi lebt seit vielen Jahren allein auf einem Hügel in den Bergen Süditaliens, in Kalabrien. Er teilt sein Leben lediglich mit seinen vielen Tieren, seinen Kühen, Katzen und Ziegen, auf die Gesellschaft des gelegentlich vorbeischauenden Postbotens oder anderen Nachbarn, die sich anschicken, ihn zu besuchen, scheint er getrost verzichten zu können - ebenso auf das moderne Leben, dem er sich durch seine Zurückgezogenheit verweigert. Er hat sich der Landwirtschaft und der Dichtkunst verschrieben und erwartet nicht, dass sich in seinem Leben noch viel verändert. Doch dann taucht ein Einhorn auf seinem Land auf. Mit seinem plötzlichen Erscheinen verändert er Bianchis Leben auf ungeahnte Weise, und er muss weite Wege gehen, um diese mystische und wunderschöne Gestalt zu beschützen.

Ich hätte "In Kalabrien“ sehr gern mehr gemocht, als ich es letztendlich tat. Die Geschichte hatte eine sehr schöne, ruhige und magische Atmosphäre, und konnte mich durch Beagles wunderschöne Art zu schreiben und vor allem zu beschreiben, wirklich begeistern. So habe ich das Buch sogar in einem Rutsch durchgelesen. Ich bin kein großer Fan von Einhörnern (auch wenn ich natürlich Beagles „Das letzte Einhorn“ schon kannte und mochte), aber dennoch fand ich die Geschichte um das Einhorn, das Claudio Bianchi liebevoll La Signora nennt, und Bianchi selbst, seine Fürsorge für das magische Geschöpf und die Art und Weise, wie so eine Erscheinung das Leben des Mannes, der so zurückgezogen lebt und versteift auf das ist, was er kennt, sehr einnehmend. Auch das Setting gefiel mir wirklich sehr, in den Bergen Süditaliens, in Kalabrien, am großen Zeh des italienischen Stiefels. Einsam, zurückgezogen, ländlich.

Sobald sich aber herausstellte, dass sich eine Romanze zwischen Claudio Bianchi (eigentlich Ende 40, aber oft wie Ende 60 wirkend) und der ein paar Jahrzehnte jüngeren Schwester des Postboten, Giovanna, entwickeln würde, wurde mir etwas schwer ums Herz und ich fing an, mich mit dieser forcierten und falsch anfühlenden "romantischen Entwicklung" unwohl zu fühlen. Leider hat das meinen persönlichen Lesegenuss doch beeinträchtigt, auch wenn dieser Aspekt der Geschichte eher selten im Vordergrund stand. Als etwas störend empfand ich jedoch auch die häufig in Dialoge eingeworfenen italienischen Wörter und Phrasen. Auch wenn ich die meisten davon auch ohne Nachschlagen verstehen konnte, so trugen sie für mich auch nicht zur Authentizität bei, sondern wirkten ebenfalls eher erzwungen oder etwas fehl am Platz. Schließlich sprechen die Figuren zu jeder Zeit Italienisch, nicht immer nur bruchstückhaft. Und auch das Ende konnte mich leider nicht wirklich überzeugen, war sogar für mich etwas verwirrend und hatte nicht mehr so viel von dem Charme des stillen, magischen Realismus, den die Geschichte zuvor sorgsam entwickelt hatte.

Insgesamt mochte ich „In Kalabrien“, auf wenigen Seiten schaffte es Beagle, viel Inhalt in eine schöne, lyrische Sprache zu packen und eine moderne Geschichte mit Einhörnern zu schreiben. Leider waren mir dafür jedoch die Figuren zu wenig entwickelt und nicht vielschichtig genug, als dass mich ihre persönliche Geschichte wirklich interessierte und bewegte. Hinzu kamen die befremdliche Mai-Dezember-Romanze und ein etwas zu actiongeladenes Ende für die zuvor so stille Erzählung. Kleine Makel, durch welche die eine ansonsten sehr schöne und empfehlenswerte Erzählung leider etwas an Magie verliert.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Rekorder

John Darnielle , Tobias Schnettler
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Eichborn , 21.12.2017
ISBN 9783847900290
Genre: Romane

Rezension:

Auf VHS-Kassetten einer Videothek in einer Kleinstadt in Iowa tauchen verstörende Filmschnipsel auf. Eine Prämisse, die klingt, wie aus einem Horrorfilm. Aber je tiefer man in die Geschichte eintaucht, desto weiter führt einen der Roman von dem Geheimnis um das, was auf den Kassetten zu sehen ist, weg, und hin zu den Figuren und ihr Innenleben - dem Videotheksmitarbeiter Jeremy, seinem Vater, seiner Chefin, einer Kundin... Sie alle sind zugleich abgestoßen und angezogen von den schrecklichen Szenen und irgendwas scheint dieses Erlebnis mit ihnen zu machen.

Ich war beim Lesen oft verwirrt. Darnielle experimentiert mit Erzählung, Genre, Sprache und Figuren und macht es einem nicht leicht, einem etwaigen roten Faden zu folgen. Er verlässt die Haupthandlung und kehrt wieder zu ihr zurück, ohne viele Erklärungen zu liefern - überlässt den LeserInnen, Lücken mit der eigenen Vorstellungskraft zu füllen und schließlich ein Gesamtbild zusammenzusetzen. Der Roman war mir insgesamt ein großes Rätsel, über das sich schwer schreiben lässt, aber ein Rätsel, das mir in seiner Verschwiegenheit und seinem gleichzeitigen Experimentalismus, in Verbindung mit Darnielles sehr, sehr fesselndem Schreibstil, seinen lebhaften Bildern und der düsteren Atmosphäre, dann doch gut gefallen hat. Dieser Roman kann vielschichtig sein, aber auch einfach nur verwirrend. Er frustriert, aber er fasziniert auch. Auf jeden Fall aber wird er polarisieren.

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141 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 92 Rezensionen

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All die Jahre

J. Courtney Sullivan , Henriette Heise
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 29.01.2018
ISBN 9783552063662
Genre: Romane

Rezension:

Die beiden Schwestern Nora und Theresa wandern Ende der 50er Jahre von Irland nach Amerika aus. Nora möchte hier ihren Verlobten Charlie heiraten und Theresa soll eine Ausbildung machen. Das Buch beginnt im Jahr 2009, also quasi ein halbes Leben später. Und entsprechend viel hat sich auch verändert, sowohl in Noras als auch Theresas Leben. Auch die beiden haben sich über schwere Entscheidungen hinweg voneinander entfremdet, doch kann die Bindung zur Familie einfach so abbrechen oder finden die beiden wieder zusammen?

Die Autorin J. Courtney Sullivan hat hier einen wunderschönen, gefühlvollen und nie ins klischeehaft Dramatische abdriftenden Roman geschrieben. In einem Zusammenspiel von Gegenwart und Rückblende lernen die LeserInnen die Figuren kennen und lieben - ihre Vergangenheit, ihre Persönlichkeit, ihre Fehler, ihre Gefühle. Real und authentisch.

Der Roman berührt so viele Themen, die einen nachdenklich stimmen - wie die Rolle der Familie und die Rolle, die man selbst in einer Familie einnimmt, aber auch wie jedes Ereignis Teil der Persönlichkeit wird und wie man damit umgeht.

Fazit: Ein sehr schöner, berührender Roman mit multidimensionaler Charakterzeichnung und -entwicklung, angesetzt im Boston beginnend der 50er/60er Jahre und mit Berührungspunkten zu Politik und Religion, aber einem Fokus auf der Familie, auf Geheimnissen und Lebensgeschichten.

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