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Mein Vater, die Dinge und der Tod

Rainer Moritz
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 12.09.2018
ISBN 9783956142574
Genre: Biografien

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Tage mit Ora

Michael Kumpfmüller
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.08.2018
ISBN 9783462051049
Genre: Romane

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Wer Schiffe klaut, kriegt nasse Füße

Rega Kerner
Flexibler Einband: 232 Seiten
Erschienen bei Edition Falkenberg, 04.05.2018
ISBN 9783954941551
Genre: Jugendbuch

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Sixty to Go

Ruth Landshoff-Yorck , Doris Hermanns , Doris Hermanns , Doris Hermanns
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei AvivA, 22.09.2014
ISBN 9783932338632
Genre: Klassiker

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Alpha&Omega

Markus Orths
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 08.07.2014
ISBN 9783895614736
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Zurzeit bin ich ein Lesemuffel. Die Sonne und Hitze brennen mir den letzten klaren Gedanken aus dem Hirn und in vielen Gesichtern spiegelt sich mein eigener Kampf gegen die Sonne und das derzeit herrschende Klima in Deutschland wieder. Klar, wir Deutschen jammern meist über unseren derzeitigen Zustand und im Winter werden wir über den Winter jammern. Ja klar, nicht alle. Aber diese extreme und lange Hitze – nervt mich! Und das Lesen und Konzentrieren strengt an. Umso schöner ist es, ein Buch in der Hand zu haben, das einem so wirkliche Freude bereitet. Das mich den Sommer vergessen lässt und das mich so einfach und sprachgewaltig in Atem hält.

Schon unsere Buchstoff-Mitstreiterin Thursdaynext, die das gepflegte Wort und die chaotischen Wendungen so liebt, hatte vor drei Jahren dieses Buch in alle Himmel gelobt (hier) und jetzt kam ich endlich dazu, ihrem Lob Folge zu leisten. Ich muss euch sagen, liebe Freunde, habt anfangs Geduld. Auch ich habe viele Science-Fiction-Bücher gelesen, doch so eines noch nicht! Zu Beginn war ich hoffnungslos verloren, in der für mich komplett wirren Geschichte. Nein, es wird nicht besser, aber ich hatte mich nach dem Epilog, den ihr unbedingt überstehen müsst, nicht nur daran gewöhnt, ich begann es zu genießen.

Um was geht es?

Das Ende der Welt steht bevor (mal wieder) und die Vernichtung droht diesmal durch einen Kometen. Elias, mit einem Quadrupelhirn ausgestattet, liest sich in einer umfassenden Bibliothek durch die Biografie von Omega, die schon einmal die Welt vor knapp 500 Jahren gerettet hat. Der Bibliothekar, eine KI, bietet ihm an bis zu Omegas Geburt in der Zeit zurückzureisen und die Gründe für die damalige Rettung der Welt zu ergründen. Haken bei der Sache ist: Diese Art der Zeitreise hat noch nie ein Mensch mit gesundem Verstand überlebt. Elias müsste 30 Jahre als Geist ohne Handlungsmöglichkeit in der Vergangenheit verbringen.

Voilà. Wir haben einen Erzähler, der uns die Geschichte Omegas nahe bringen kann. Und ich sage euch, liebe Freunde, jetzt kommen die irrwitzigsten, ausschweifendsten, wahnsinnigsten, kalauerndsten, sprachgewaltigsten 500 Seiten Science Fiction, die ich je gelesen habe! Eine Achterbahnfahrt durch unsere Kultur, Musik, Literatur und Sex! Ja, die Episode als Bitch mit ihrem Mann auf einer einsamen Insel landet, sind die witzigsten, direktesten Beschreibungen unserer Pornokultur, die mir einfallen.  Was es alles so gibt… Aber auch mit kulturellen Verweisen geizt Markus Orths nicht:

„‚Geh noch nicht!‘, flehte Gusto sie an.’Bleib!‘ ‚Nein‘, sagte Sabrina. ‚Ich muss los. Es ist spät. Das heißt ist früh geworden. Hörst du das nicht?‘ ‚Was denn?‘ fragte Gusto. ‚Draußen. Die Müllabfuhr!‘ ‚Es war der Nachtbus und nicht die Müllabfuhr.‘ Sabrina musste lachen. Schlagfertig war er schon, der Gusto. Damit verschwand sie. Also noch nicht endgültig. Das sollte erst später stattfinden. Zunächst verschwand sie ganz gewöhnlich.“

 

Und das alles spielt in Freiburg im Breisgau. Sage noch mal einer von dort kommt nur der Fahrstuhlverein SC Freiburg her. Auch der spielt eine Rolle, da Kolja, der Ehemann von Bitch, ein glühender Verehrer dieses Vereines ist und Bitch zwar keinen Fußball mag, aber die Energie, wenn Kolja über eben diesen spricht. Wie Kolja in den Esoterikladen, in dem Bitch arbeitet, hereinkommt und ihr seine Liebe gesteht, ist in einem Satz auf einer Seite erzählt. Am besten die Seite atemlos jemanden vorlesen, er wird euch das Buch aus der Hand reißen (Vorsicht festhalten!) Die Absurdität, mit der Markus Orth über unser modernes Leben schreibt, findet auch seinen Anklang in diesem Buch. Die schrägen Hauptfiguren, die die Geschichte bevölkern, sind ein herrlicher Gegensatz zur ach so elenden Normalität unseres Lebens.

„Innozenz lehnte sich zurück. Er spürte die göttliche Ruhe in sich, die anderen spürten sie auch. ‚, sagte Innozenz, ‚Die Dinge kommen und gehen. Die Kirche bleibt. Wir haben schon viele Probleme und Zweifel erfolgreich mit Nichtstun bekämpft. Die Kirche wird das machen, was sie am besten kann: die Sache aussitzen. Wir treffen uns in zwei Tagen wieder. Mit Gottes Hilfe hat sich die Sache dann bereits erledigt.'“

Nebenbei gibt es auch noch ein paar Seiten Quantenphysik, irrwitzige Wendungen und jede Seite birgt eine Überraschung. Solche Bücher gibt es leider viel zu selten, deswegen greift euch dieses Panoptikum der Apokalypse. Wie schon Thursdaynext schrieb: Ein ‚must have für jeden Fan des literarischen Endlosschwafelsatzes‘, aber auch des Buches, das wirklich alles beinhaltet. Und, liebe Freunde des guten Geschmackes, ich übertreibe nicht! Holt es euch! Mag der Sommer auch noch so lang sein!

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QualityLand

Marc-Uwe Kling
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 22.09.2017
ISBN 9783550050237
Genre: Science-Fiction

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amerika, anwältin, china, chinesin, familie, fiona, heiraten, hello kitty, jungfernhäutchen, mord, san francisco, sex, tod, tradition, usa

Hello Kitty muss sterben

Angela S. Choi , Ute Brammertz
Flexibler Einband: 283 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 25.10.2010
ISBN 9783630873398
Genre: Romane

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150 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 34 Rezensionen

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Robocalypse

Daniel H. Wilson , Markus Bennemann
Flexibler Einband: 461 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 08.09.2011
ISBN 9783426226001
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Künstliche Intelligenz ist seit dem Computerzeitalter zu einem viel diskutierten Thema geworden. Sogenannte KI’s bezwingen inzwischen Menschen in ihrem ureigensten, dem schöpferischen und kreativen Bereich. GO- und Schachweltmeister sind machtlos gegenüber der schnellen und riesigen Rechnerkapazität der Maschinen. Maschinen, die durchaus die notwendige Erfindungsgabe und Fantasie nicht vermissen lassen. Die Gretchenfrage ist immer: Besitzen diese Maschinen eine eigene Intelligenz, sogar eine Seele? Oder ist die schöpferische Leistung abhängig von den eingepflegten Programmen? Von den dahinterliegenden kreativen Hirnen der Menschen, die diese Programme ersonnen haben?

Diese Frage spaltet die Menschheit und vereinzelt wenden sich religiöse Eiferer gegen diese, aus ihrer Sicht ‚gottlose‘, Entwicklung. Kann etwas Künstliches an das Geborene, Menschliche heranreichen? Wie ist der Status dieser Maschinen? Wie ist deren Wertigkeit?

Diese Fragen haben viele Science-Fiction Autoren schon früh behandelt, am bekanntesten ist sicherlich Isaac Asimov mit seinen Robotergesetzen und dem verfilmten Buch „I, Robot“ Die schönste und witzigste Figur ist für mich der depressive Roboter Marvin, der ausgestattet mit einem Gehirn wie einer Galaxie, Kaffee servieren muss. Hier liegt nun eine Action-Thriller Geschichte von Daniel Wilson vor, die vom Aufstand der Roboter berichtet, die die Menschheit vernichten wollen.

Das Buch beginnt mit dem Ende eines Krieges. Eine Gruppe von Menschen zerstört die Reste der aufständischen Roboter. Wie ist es dazu gekommen? In fünf Kapiteln schildert uns Daniel Wilson, den Verlauf des Aufstandes der Roboter. Das erste Kapitel beginnt mit Vorfällen, die mit den Gehilfen der Menscheit plötzlich auftreten. Putzroboter die wie aus dem Nichts Menschen angreifen. Warum ist das so? Wo liegt der Ursprung? Liegt es an der Erschaffung einer künstlichen Intelligenz, die sich Archos nennt?

„‚Das stimmt. Die Möglichkeiten von uns Menschen sind begrenzt. Unser Leben ist kurz. Aber warum macht dich das traurig?‘ ‚Weil ihr geschaffen seid, etwas zu wollen, das euch schaden kann. Und trotzdem wollt ihr es haben. Ihr könnt nicht anders. Es liegt in eurer Natur. Und wenn ihr es endlich gefunden habt, wird es eure Welt in Brand setzen. Es wird euch zerstören.'“

Und die Vorfälle häufen sich bis der Krieg ausbricht. Die Maschinen richten sich gegen die Menschen und töten diese zu Millionen. Nur eine kleine unbeugsame Schar Menschen rottet sich zusammen und nimmt den Krieg auf.

Daniel Wilson erzeugt anfangs sehr viel Spannung in seinem Endzeit-Thriller. Die einzelnen Kapitel sind aus der Sichtweise verschiedener Menschen geschrieben und wirken sehr authentisch, da sich auch der Schreibstil der erzählenden Person anpasst. Doch leider geht ihm am Ende die Puste aus. Die Beschreibungen werden platter, die Kämpfe gegen die Maschinen lesen sich wie bei Warhammer, die Charakter verlieren sich in platten Attitüden und 08/15-Weisheiten. So richtig durchdacht hat er seine Geschichte anscheinend nicht.

„‚Die Menschen brauchen Katastrophen, um etwas wirklich zu begreifen. Die Menschheit sind eine Spezies, die aus dem Kampf hervorgegangen ist und sich auch nur durch Kampf neu formen lässt.‘ ‚Wir hätten auch in Frieden miteinander leben können.‘ ‚Was soll das für ein Frieden sein, bei dem die eine Rasse herrscht und die andere dient?'“

So fällt dieser Science-Fiction leider in die Kategorie ‚Gut-gemeint‘, aber das war ja immer schon das Gegenteil von gut. Ein insgesamt ordentliches Werk, das sicherlich Anhänger unter SF-Anfängern finden wird, doch habe ich schon so viele Science-Fiction Bücher gelesen, dass mich das nicht mehr vom Hocker reißt.

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Schwere Knochen

David Schalko
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 12.04.2018
ISBN 9783462050967
Genre: Romane

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bestseller, fiktion, glück, lektor, satire

Glück.

Will Ferguson , Marlies Ruß
Flexibler Einband
Erschienen bei List Tb.
ISBN 9783548680453
Genre: Sonstiges

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

anthroposophie, biologisch-dynamischer landbau, christentum, christus, daseinsanalyse, erkenntnisweg, esoterik, esoterisches christentum, esoterische weisheit, geheimlehre, geheimwissenschaft, geist, geisteswissenschaft, geistige reifung, geistiger weg

Rudolf Steiner

Miriam Gebhardt
Fester Einband: 364 Seiten
Erschienen bei DVA, 12.01.2011
ISBN 9783421044730
Genre: Biografien

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Der Gedankenspieler

Peter Härtling
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.03.2018
ISBN 9783462051773
Genre: Romane

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Das Leben des Vernon Subutex 2

Virginie Despentes , Claudia Steinitz
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462050981
Genre: Romane

Rezension:

Die Wut geht in die zweite Runde. Der erste Band über das Leben des Vernon Subutex, in dem pro Seite gefühlte drei Brandbomben geworfen wurden, erfährt eine Fortsetzung. Die Brandbomben auf die Gesellschaft werden immer noch geworfen und sind messerscharf und voller scharfer Glassplitter, die tief in einen eindringen. Aber das Hauptaugenmerk liegt auf den einzelnen Biographien der Mitwirkenden.

Wie im ersten Buch sind die einzelnen Kapitel aus der Sicht der beteiligten Charaktere geschrieben. Wobei jedes Kapitel eine Art Kurzbiographie des Erzählenden darstellt. Die Verbindungen zu den nächsten Kapiteln ergeben sich dann aus der Handlung. Das nächste Kapitel wird aus der Sicht eines der Beteiligten des gerade Erzählenden weiter geführt.

Vernon Subutex und die Kassetten des letzten Interviews des verstorbenen Alex Bleach stehen dabei im Vordergrund. Dabei finden sich in Paris nach und nach alle Personen, die irgendwie in die Geschichte dieser Kassetten oder die von Vernon Subutex eingebunden sind. Es kristallisieren sich Freundschaften und gemeinsame Wege aus ihren Begegnungen heraus.

Gibt es, im Vergleich zum ersten Buch, noch Überraschungen und neue Aspekte? Despentes ist nicht mehr so brachial wie im ersten Band, aber die Sätze bergen eine innere Kraft, die sich etwas subtiler, aber dennoch markig ihren Weg bahnt.

"Er hat eine schöne Wohnung, seine Sachen sind gepflegt, seine Frau ist bei ihm geblieben, er hat eine Tochter und Geld, um sich schöne Ferien zu leisten. Aber er ist frustriert. Sein Humor ist derselbe wie früher, nur weniger lebendig, und an die Stelle der einstigen Wut ist Resignation getreten. Emilie hat gelesen, dass Frauen im Gefängnis weniger leiden als Männer, weil sie sich über die Jahrhundert hinweg daran gewöhnt haben, eingesperrt, überwacht, eingeschränkt, bestraft und ihrer Freiheit beraubt zu werden. Sie haben es zwar nicht im Blut, aber es ist ihr Erbe."

Vernon ist auf der Straße und erlebt den vollkommenen Abstieg. Den sozialen und körperlichen. Das Leben im Park wird für ihn zu einer neuen Erfahrung. Das Leben dort hat andere Rhythmen als das bürgerliche Leben und birgt auch einige Überraschungen. Der körperliche Verfall ist ohne hygienische Möglichkeiten schwer aufzuhalten.

"Vernon konnte den Blick nicht von ihren Füßen lösen. Er dachte an seinen geschwollenen Finger und fragte sich: Wie lange, bis man dahinterkommt? Wie lange bis man überhaupt nicht mehr dem ähnelt, der man mal gewesen ist? Er verspürte keinerlei Wehmut wegen seiner sozialen Identität, deren Umrisse und Anforderungen ihm völlig absurd vorkamen, aber noch schreckte ihn die Aussicht auf den Niedergang seines Körpers. Er hatte also noch ein Stück Weg vor sich bis zur völligen Resignation."

Die große Stärke von Despentes sind ihre unbändige Wut und Energie. Und die Eigenschaft hinter diese kapitalistische, menschenfeindliche Gesellschaft zu schauen. Das tut sie mit erschreckenden Bildern, die einem im Kopf bleiben und erkennen lassen, wie menschenverachtend und ungerührt und unbarmherzig unsere Gesellschaft geworden ist und wie nah sie an der Kante zu weiteren Schreckenstaten steht.

"Du passt dich an, aber eigentlich beugst du dich. Anpassungsfähigkeit ist an sich nichts Schlechtes. Alles hängt von dem System ab, dem du dich anpasst, von dem, was es verlangt. Aus Gehorsam wird bald die Fähigkeit, den Kopf abzuwenden, wenn du am Schlachthof vorbeikommst ... hast du darüber schon mal nachgedacht, Vernon? Wie viele menschliche Einheiten könnte man an einem Tag vernichten, so modern, wie die Fleischfabriken heutzutage sind? Und erzähl mir nicht, an dem Tag, wo jemand die Hightech-Beseitigung von Menschenkörpern an Illegalen und Obdachlosen ausprobiert, wird man mit alldem aufhören und sagen, das sei unerträglich."

Neben diesen guten Gedanken und geschliffenen Sätzen kann Despentes aber auch bitterböse und kurz sein. Sprüche für bestimmte Momente, die man sich merken muss, wie "Ich bin nicht monogam, das ist was für Hässliche."

Auch den zweiten Band empfand ich als eine herrliche und angenehm direkte Leseerfahrung.  Schön, die Anfangs im Buch kurz beschriebenen Charaktere auf die ich doch gerne zurückgegriffen habe. Ich freue mich auf den dritten Band.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

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Die Architektur des Knotens

Julia Jessen
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 07.03.2018
ISBN 9783956142291
Genre: Romane

Rezension:

Die Sage berichtet, dass Alexander der Große auf seinem Siegeszug nach Asien in der persischen Stadt Gordion Halt machte. Hier befand sich der gordische Knoten, dem ein Orakel prophezeite, dass nur derjenige, der den Knoten lösen würde, auch über Asien herrschen könne. Wie jeder weiß, löste Alexander das Rätsel mit einem Schlag seines Schwertes. Heute bedeutet die Redewendung „den gordischen Knoten durchschlagen“ oder „den gordischen Knoten lösen“ die Überwindung eines schwierigen Problems mit energischen beziehungsweise unkonventionellen Mitteln. (Quelle Wikipedia)

So einfach sind solch knifflige Verwicklungen meist nicht zu entwirren; wenn man ein Problem hat, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Sprich, man sitzt in seinen eigenen Problemen begraben und kann sich schwer befreien, um eine Sicht von außen zu bekommen.

So fühlt sich in dem vorliegenden Buch von Julia Jessen, einst Schauspielerin jetzt erfolgreiche Schriftstellerin, Yvonne, eine Frau Mitte dreißig, zwei Kinder, glücklich mit Jonas verheiratet. Glücklich? Yvonne spürt, dass etwas in ihrem Leben nicht stimmt. Eine Katastrophe wird über sie und ihre Familie hereinbrechen.

"Ich beobachte, wie sie eine Weile damit spielen, die Autos über die Straße schieben, Mika lässt den Polizisten den Verkehr regeln, während John alle Holzampeln auf Rot stellt. Mika lacht. Ich warte geduldig, denn ich kann fühlen, wie sie sich an die Katastrophe herantasten. Unter ihren Stimmen vibriert eine Aufregung, die mir bis in die Zehenspitzen kriecht. Normalität, Alltag, etwas, das auf einen Abgrund zuzulaufen scheint. Es ist alles ein Spiel. Ein Experiment. Oder nicht?"

Um Yvonne herum geht das normale Leben weiter. Sie fühlt sich nur nicht mehr als Teil davon, sie steht daneben. Sie stellt die Beziehung zu ihrem Mann in Frage.

"Wir sprechen so nicht mehr. Nicht mehr mit diesem dringenden Wunsch, dem anderen am liebsten unter die Schädeldecke gucken zu wollen. Alles zu erfassen, was da vor sich geht. Als wüssten wir schon alles. Aber wir reden viel. Das ist das Seltsame. Manchmal sind meine heimlichen Gedanken furchtbar laut. Aber sie finden keinen Weg nach draußen. Ich halte sie von ihm fern. Und das macht mich einsam. Zwischen all den Worten, die zwischen uns hin und her wandern, ist immer viel Schweigen."

Anfangs kann Yvonne diese Gedanken nicht fassen. Während eines Besuchs bei Freunden in Dänemark, versucht sie die Normalität einzufangen. Doch immer wieder rutscht sie neben die Dinge, sie kommt mit nichts mehr in Berührung, es ist alles vorhersehbar, bis zum Ende des Lebens. Yvonne verträgt die Sicherheit nicht mehr, das Leben ist für sie unlebendig geworden, wie eine Einkaufsliste, die man abhakt. Bei dem Versuch ihre Gefühle Jonas mitzuteilen, erntet sie nur Unverständnis. Ob sie denn nicht zufrieden sei mit ihrem Leben, was sie denn wolle? Doch Yvonne hat darauf keine Antworten, sie merkt nur, dass sie sich wieder spüren will.

"Mein Körper, mein Kopf sind ein Kokon, in dem all das Unsagbare zurückbleibt, erstarrt und sich verwandelt. In Ungeduld oder Wut und dann in Müdigkeit. Ich kann dabei zusehen, wie es geschieht, und ich weiß, dass es nicht gut ist. Ich weiß nur nicht, wo ich anfangen soll. Es ist wie eine Gewissheit, dass es nicht zu sagen ist. So wie es auch nicht zu hören sein wird. Weil es uns in Frage stellt. Und weil diese Fragen gefährlich sind und uns Angst machen. Und ich weiß nicht, warum das so sein muss. Warum wir uns so eingerichtet haben, dass wir uns davon nichts erzählen dürfen."

Sie bricht an dem Wochenende in Dänemark an einem Abend aus, geht alleine tanzen und schläft mit einem Mann. Dieser schnelle, hastige Moment auf der Toilette hat ihr kurzfristig das Körpergefühl zurückgebracht. Doch innerlich fühlt sie sich immer noch leer. Sie will keine Affären oder einen neuen Mann. Es brennt nicht mehr in Yvonne.

"Ich mag mein Leben. Ich mag die Menschen darin. Ich weiß gar nicht, wie ich es anders machen sollte. Es fehlt nur so viel. Mir ist so vieles abhandengekommen. Es reicht einfach nicht. Der Gedanke hinterlässt eine ungute Spur, während er über alle anderen Gedanken des Tages rüberkriecht. Wie Schneckenschleim klebt er an allem, was geschieht, und beschmutzt es."

Behutsam führt Julia Jessen uns in die Innenwelt von Yvonne, greift ihre Gedanken auf und nimmt den Leser an die Hand auf den verschlungenen Wegen ihres Gefühlschaos. Yvonne merkt, dass sie umdenken muss, aber sie hat keinen vorgedachten Weg, den sie nehmen kann. Sie verlässt die ausgetretenen Pfade, kämpft sich mit der Machete durch den Dschungel, spürt, dass sie eine neue Struktur braucht. Sie möchte das neue Leben spüren, das Leben, das so viel Spannung und Lebendigkeit versprühen kann. Dafür muss sie offen sein, sich selbst neu erfinden. Sie lernt eine Gruppe von Menschen kennen, denen es genauso geht.

"Ich beneide sie, weil für sie alles offen ist, sie haben keine Ahnung, was als Nächstes passiert. Alles könnte passieren. Ich weiß genau, was gleich passiert. Ich weiß ziemlich genau alles, was gleich passiert, und auch, wie es ablaufen wird."

Ein Buch, das versucht das Unsagbare zu sagen, zwischen die Gedanken springt, keine Tabus kennt und immer wieder Bilder aufbaut, die ich so noch nicht gelesen habe. Zarte, zerbrechliche Bilder, die die Protagonistin irritieren, die dazu führen, dass sie sich treiben lässt, ohne Netz und doppelten Boden. Sie ist diejenige, die alle anderen mitreißt in diese Ungewissheit hinaus. Eine Ungewissheit ohne die üblichen vorgelebten Sicherheiten des Lebens. Aber etwas mit viel Weite, Platz und spannenden Momenten. Ein Buch mit Abgründen, aber eines, das Mut macht, neue Wege zu gehen, wenn man selbst erkennt, dass einem etwas fehlt. Ein Buchhöhepunkt des Jahres 2018.



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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Wächterin der Sterne

Sylvia Louise Engdahl
Flexibler Einband: 351 Seiten
Erschienen bei cbt, 09.10.2006
ISBN 9783570303382
Genre: Fantasy

Rezension:

Ende der 60er Jahre wurde eine der Domänen der Männer geknackt, die Science Fiction Literatur. Diese bekam einen weiblichen Anstrich durch zunehmende Anzahl  von Schriftstellerinnen. Tonnen von Büchern über den Aufbruch ins All hatten nur männliche Helden hinterlassen. Die Frauen hockten wohl zu Hause und hielten Küche und Bett warm. Doch mit James Tiptree Jr. (die anfangs als Pseudonym einen Männernamen wählte, um überhaupt wahrgenommen zu werden) und der großartigen Kate Wilhelm, (die am 8. März diesen Jahres verstarb) kam eine sehr soziale, menschliche und poetische Note in die Science Fiction.

Science Fiction wurde nicht mehr zu einem Tummelplatz von Raumschiffen, gigantischen Schlachten im All und unerschrockenen Helden, die Bücher berichteten jetzt mehr von den sozialen Problemen und die Plots verlagerten sich mehr in das Innere der Protagonisten. Und Protagonistinnen. Das weibliche Geschlecht spielte jetzt auch im All eine größere Rolle.

Einen sogenannten Klassiker aus dieser Zeit, möchte ich gerne vorstellen. Ein Jugendbuch, das auf naive und märchenhafte Art etwas anders ist, als nur eine reine Science Fiction. Dieser Klassiker hat in den letzten 34 Jahre nach seinem Erscheinen viele Jugendbuchpreise abgeräumt,

Die Geschichte wird aus der Sicht von Elena erzählt, die eine Ausbildung beim anthropologischen Dienst der Förderation macht. Aufgabe dieser Gruppe ist es, die Entwicklung anderer Völker auf anderen Planeten zu schützen. Dabei dürfen sich die Mitglieder der Förderation nicht zu erkennen geben. Sie begleitet ihren Vater und ihren Verlobten auf ihrer ersten Mission zum Planeten Andresia. Dort sind vor kurzem die Imperialen gelandet, eine Zivilisation auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe als die Föderalisten, und beginnen, den Planeten rücksichtslos auszubeuten. Die Mission ist, diese Ausbeutung zu stoppen, ohne sich den Einwohnern des Planten und den Imperialisten erkennen zu geben.

"Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass sämtliche Menschen Völker des Universums eine ähnliche Vergangenheit haben - was nicht heißt, dass sie ähnliche Besonderheiten aufweisen, sondern dass auf jedem Planeten, dieselben Grundmuster menschlicher Existenz auftreten. Jedes Volk durchläuft drei Stadien: Zuerst die Kindheit, in der alles voller Wunder ist und der Mensch zugibt, dass ihm vieles unbekannt ist. Er nennt das Unbekannte 'übernatürlich', glaubt aber daran. dann kommt die Jugend - der Mensch lehnt alles Abergläubische ab und erhebt die Wissenschaft zu seinem Gott, er glaubt, all ihre Bereiche offen vor sich liegen zu haben und sie sich nur einverleiben zu müssen; und er denkt nicht im Traum daran, dass es besser wäre, gewisse 'übernatürliche' Wunder nicht einfach abzutun, sondern sie verstehen zu lernen. Schließlich folgt als letzte Stufe die Zeit der Reife, wenn der Mensch erkennt, dass das als 'übernatürlich' Bezeichnete ganz und gar natürlich ist und in Wirklichkeit Teil eben jener Wissenschaft, die es zu verwerfen suchte..."

Die Föderalisten haben einen Weg gefunden, ihre Psi-Kräfte zu aktivieren. Zusammen mit der Technik und der ethischen Denkweise stehen sie auf einer höheren Entwicklungsstufe. Als ein Mitglied der Crew von Elena stirbt, wird sie als vollwertiges Mitglied vereidigt und muss ihrem Verlobten und ihrem Vater helfen, die Eingeborenen so weit aufzubauen, dass sie den Imperialisten die Stirn bieten können. Oft fragt sich Elena, ob den Einwohnern des Planeten nicht direkt geholfen werden kann, doch Lernen geschieht nur durch Leid.

"'Wie kannst du behaupten, menschliches Leid sei unnötig?' 'Willst du damit sagen, es sein notwendig?', ereiferte ich mich. 'Warum?' 'Weil Menschen sich nur über die Lösung von Problemen weiterentwickeln; gäbe es keine Probleme zu lösen, käme niemand sehr weit.'"

Die Lösung muss mit den Mitteln der Einwohner passieren, diese müssen selbst lernen, ihre Probleme zu bewältigen. Da die Imperialisten in ihrer Technikgläubigkeit das Übernatürliche erschreckt, liegt hier der Ansatz der Mission von Elena.

"Von allen Stadien, die Frühwelten durchlaufen müssen, ist die Phase der Entzauberung die schwierigste, glaube ich. Wenn man dank Methoden, die man für wissenschaftlich hält, so viel sieht, dass man nicht mehr glauben kann, es gebe noch etwas, was man nicht sieht - das muss schrecklich sein."

Sylvia Engdahl ist ein wunderschöner Mix aus Science Fiction, Fantasy und Mystik gelungen. Auch wenn der Plot ein paar Schwächen und Wiederholungen aufweist, muss man dieses Buch im Kontext des Jahres der Entstehung sehen. Heute mag die Geschichte etwas naiv wirken, doch für Jugendliche, gerade für Mädchen, birgt dieses Buch seinen eigenen Zauber. Eine Perle der Vergangenheit, die es durchaus wert ist zu lesen.

Das Buch ist antiquarisch auf den üblichen Plattformen leicht zu besorgen.

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

Der Graben

Herman Koch , Christiane Kuby , Herbert Post
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462050820
Genre: Romane

Rezension:

Robert Walter ist Ende fünfzig und recht erfolgreich. Er ist Bürgermeister von Amsterdam, ein guter Stegreifredner, beliebt, auch weil er sich aus den politischen Ränken heraushält. Sehr lange und glücklich verheiratet, mit einer schönen Südländerin. Er könnte sein Leben genießen. Doch wenn es keine Probleme gibt, dann werden welche geschaffen. Oder gibt es nicht doch Probleme? Das Gespräch seiner Frau am Neujahrsempfang mit dem doch recht langweiligen Dezernenten Maarten van Hoogstraten irritiert Robert. Da war doch ein kurzes Flackern der Vertrautheit zwischen beiden. Ein insgeheimes Einverständnis, das nur aus einer Affäre herrühren kann. Nach dieser Beobachtung verläuft das Leben von Robert anders. Er wird zu einem Voyeur seines eigenen Lebens, er beobachtet sein Leben nur noch und nimmt nicht mehr daran teil.

„Ich wurde ein verdeckter Ermittler in den eigenen vier Wänden. Über den Rand der Zeitung observierte ich meine Frau. Ich ließ den Blick über die Artikel wandern, las aber nichts, achtete nur darauf rechtzeitig umzublättern. In möglichst natürlichem Rhythmus. Ich war ein Spitzel in Zivil, jemand der die Kleider des Familienoberhauptes trug, der den liebenden Ehemann und Vater gab.“

 

Anfangs wird der Leser recht umständlich in Hermans Koch Buch eingeführt. Lang und breit erzählt der Ich-Erzähler, warum er die Namen seiner Frau und seiner Tochter verändert. Sein eigener Wikipedia Eintrag beinhaltet sogar eine falsche Schreibweise des Namens seiner Frau. Auch wird dem Leser später erklärt, dass der Name des Bruders seiner Frau Rückschlüsse auf dessen Identität gewähren würde. Eine Art sinnlose Bedeckung sondergleichen, zumal alleine die Tatsache dass wir es hier mit einer öffentlichen Person zu tun haben, jegliche Geheimhaltung der Namen zu einem vergeblichen Unterfangen macht.

Roberts Betrachtung seines eigenen Lebens führt dazu, dass er kaum noch entspannt daran teilhaben kann. Jegliche eigene Interaktion mit der Außenwelt wird von ihm selbstkritisch unter die Lupe genommen. Seine Eltern steuern beide auf den hundertsten Geburtstag zu und sein Vater redet davon, Freitod zu begehen. Ein Interview mit einer Journalistin verleitet Robert zu einer Aussage, die einem politischen Selbstmord nahe kommt. Gerade seine Ehe gerät aus den Fugen. Aber dieses Beben ist nur etwas was er spürt, denn nach außen hin verläuft anfangs alles normal. Seine Frau und er sind das perfekte Paar.

„Mit Sylvia und mir verhält es sich ganz einfach: Wo wir sind ist es schön. Wo wir zu zweit sind, sind wir glücklich. Wir haben ganz unterschiedliche Interessen, doch unser Interesse aneinander bleibt sich immer und überall gleich. Gemälde sagen mir an sich wenig, aber eines, vor dem Sylvia stehen bleibt, ist mmer mehr als nur eine Seeschlacht, eine Landschaft oder ein Stilleben mit Obst und totem Hasen.“

Der Ich-Erzähler bleibt in seinen geschwätzigen Monologen meist bei sich. Die anderen Figuren in Der Graben bleiben deswegen meist schemenhaft und werden für die Ausbreitung von interessanten Themen zweckentfremdet. Nach einiger Zeit habe ich mich gefragt, wohin dieses, zwar literarisch sehr interessante, aber doch meist im roten Faden springende breit ausfächernde Buch mich noch hinführt. Was möchte der Autor mir damit sagen? Sei es der Tod oder auch der noch lebende Adel auf der Welt, die Gedankenwelt des Robert Walter ist die eines intelligenten Bildungsbürgers.

„Könige und Königinnen, es finden sich selten Persönlichkeiten darunter. Nie haben sie ihr Bestes geben müssen. Nie haben sie wie John F. Kennedy oder Barack Obama Stadt und Land auf Stimmenfang abklappern müssen. Alles ist ihnen in den Schoß gefallen. Man sieht es ihnen an. Mit jeder Generation werden ihre Gesichter leerer. Geistloser. Schon Königin Juliana konnte man kaum ernst nehmen, im Gesicht ihres Enkels passiert fast gar nichts mehr.“

Gegen Ende passiert dann doch noch eine Überraschung, die aber nicht durch die Geschichte getrieben wurde, sondern die Herman Koch einfach unvermittelt geschehen lässt. Ein zwar schön geschriebenes Buch, was aber viel Potenzial verschenkt. Mit etwas geschickterem Lektorat wäre eine fesselndere Geschichte herausgekommen. 

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278 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 57 Rezensionen

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Mein Freund Pax

Sara Pennypacker , Birgitt Kollmann , Jonathan Klassen
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 16.03.2017
ISBN 9783737352307
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Freundschaft ist eine wichtige Grundlage unseres Zusammenlebens, das verstehen wir schon früh in unserem Leben. Später kommen noch die Freuden und Leiden der Liebe hinzu, aber Freundschaft birgt schon die Insignien eines tiefen Gefühls. Ein Gefühl, das gehegt und gepflegt werden muss. Der Übergang zur Liebe ist fließend und zu lieben sollte bestenfalls auch eine Freundschaft als Basis bedeuten.

Hier liegt nun ein wunderschönes Buch über die Freundschaft eines zwölfjährigen Jungen zu einem Fuchs vor. Pax ist der Name des Tieres, welches schon früh aus einem Wurf toter Welpen gerettet wurde und bei Peter und seinem Vater aufwächst. Peters Mutter starb bei einem Autounfall. Peter lebt alleine mit seinem Vater. Als dieser in den Krieg ziehen muss, wird der Fuchs in der Wildnis ausgesetzt, da der Junge bei seinem Großvater leben soll. Doch schon kurz nachdem sie Pax an der Straße zurückgelassen haben, überkommen Peter tiefe Zweifel und ein großes Schuldgefühl.

Pax hatte es nie gelernt in der Wildnis zu überleben, niemand hat ihn gelehrt zu jagen und selbstständig zu sein. Immer waren da Peter und der volle Futternapf. Peter macht sich schließlich alleine auf die Suche nach Pax.

 

Auf dem Weg durch die Wildnis bricht sich Peter gleich den Mittelfuß und landet bei der Einsiedlerin Vola. Diese hilft ihm seinen Fuß zu versorgen und zeigt ihm, mit Krücken zu laufen. Sie selbst hat im Krieg ihren Unterschenkel verloren. Doch für ihre Hilfe stellt sie Peter drei Bedingungen. Der Junge steht vor einer schweren Bewährungsprobe. Kann er solange mit seiner Suche warten und es riskieren, dass Pax in der Wildnis umkommt? Will er alles tun um Pax zu finden?

„‚Und du ziehst das durch, ganz egal, wer dich davon abzuhalten versucht? Weil du weißt, dass es für dich richtig ist? Ganz tief in dir drin?‘ Vola schlug sich mit der Faust vor die Brust. ‚Tief hier drin?‘ Peter zögerte, denn die Frau – ob sie nun verrückt war oder nicht – hatte sich so angehört, als hinge das Schicksal der ganzen Welt davon ab, was er jetzt sagen würde. Doch als er schließlich sprach, war seine Antwort dieselbe, die er gegeben hätte, wenn er sofort damit herausgeplatzt wäre. Selbst wenn er sein Leben lang darüber hätte nachdenken können – sie wäre immer dieselbe gewesen. Er schlug sich vor die Brust und spürte, wie sein Herzmuskel einen Sprung machte. ‚Ja ganz ehrlich. Es gibt sonst nichts, was ich so sicher weiß, tief in mir drin.'“

Peter lernt, dass der schnellste Weg zu einem Ziel nicht immer der direkteste ist. Und Vola lehrt den Jungen das Ganze zu betrachten und nicht mit Scheuklappen auf sein Ziel loszulaufen. Der buddhistische Gedanke zwei und doch nicht zwei zu sein:

„‚Das ist ein Gedanke aus der buddhistischen Lehre. Dabei geht es um das Eins sein. Und darum, wie Dinge, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, in Wirklichkeit sehr wohl in Verbindung stehen. Nichts existiert nämlich völlig getrennt von allem anderen.‘ Vola griff noch einmal nach Peters Fuchs. ‚Das hier, das sind auch die Wolken, die den Regen brachten und den Baum wässerten; die Vögel, die ihre Nester darin bauten; die Eichhörnchen, die sich von seinen Nüssen ernährten. Es ist das Essen, das meine Großeltern mir gaben und das mich stark genug machte, um den Baum Jahre später fällen zu können, und es ist der Stahl meiner Axt. Alles, was du über deinen Fuchs weißt, steckt hier drin, weil es dir ermöglicht hat, ihn zu schnitzen. Und auch die Geschichte, die du einmal deinen Kindern erzählen wirst, wenn du ihnen das hier schenkst. Lauter voneinander getrennte Dinge, und zugleich ein Ganzes. Untrennbar. Verstehst du?'“

In der Zwischenzeit berichtet Sara Pennypacker wie es dem Fuchs Pax in der Wildnis ergeht. Und hier ist das Besondere des Buches. Auf unglaublich empathische Weise versteht es die Autorin sich in die Tierwelt hinein zu versetzen. Tiere kommunizieren weniger mit Sprache, als mit Gesten, Gerüchen und Körperkontakt.  Und Füchse haben natürlich noch besondere Eigenarten. Den hoffentlich zahlreichen jungen Lesern wird diese tierische Welt sehr feinfühlig erzählt. Insgesamt besticht dieses Jugendbuch durch seine einfache für jüngere Leser geeignete Sprache, durch die Reduzierung der handelnden Personen und die Hauptorientierung auf Peter und Pax. So entsteht ein wunderbares Jugendbuch, das auch für Erwachsene geeignet ist.

„‚Und wenn ich mich verirre?‘ ‚Das wirst du nicht.‘ ‚ Ich glaube fast, ich hab mich schon verlaufen‘ sagte Peter leise. Vola streckte die Arme aus und nahm seinen Kopf fest zwischen beide Hände. ‚Nein. Du bist gefunden worden.'“

Neue Wege machen immer Angst, doch neue Wege führen zu Zielen, die Peter sich nie in seinem bisherigen Leben vorstellen konnte. Und so hat das Ende eine der berührendsten Szenen, die ich in einem Jugendbuch je gelesen hatte. Ein klares MUST READ für Kinder ab zehn Jahren.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Rückblick aus dem Jahre 2000

Edward Bellamy , Wolfgang Both , Clara Zetkin
Fester Einband
Erschienen bei Golkonda Verlag, 05.10.2017
ISBN 9783946503149
Genre: Klassiker

Rezension:

Dystopien sprudeln aus dem Büchermarkt, der Blick nach vorne ist zurzeit sehr negativ behaftet. Doch das war nicht immer so. Im 19. Jahrhundert herrschte, im Hinblick auf die Zukunft,  eine geradezu euphorische Stimmung. Die Industrialisierung war schon weit fortgeschritten, der Glaube an die Technik ungebrochen. Die aufkommenden ökologischen Probleme wurden zwar wahrgenommen, aber noch größtenteils ignoriert. Auch gesellschaftliche Veränderungen standen an. Die Weberaufstände, die teils durch Hunger angetrieben wurden, waren erste frühindustrielle Unruhen, die sich zur Deutschen Revolution 1848/49 ausweiteten. Die gesellschaftlichen Klassen waren gegeneinander gespalten, der Verteilungskampf begann.

Die Zukunft wurde trotzdem in der Literatur noch recht positiv gesehen. Als einer der ersten beschäftigte sich das, zu Unrecht in Vergessenheit geratene, sozialistisch-utopische Buch von Edward Bellamy mit möglichen gesellschaftlichen Veränderungen. Sein Protagonist Julian West, reist in konservierendem magnetischem Schlaf aus dem Jahre 1887 bis ins Jahr 2000. Dort hat sich die Welt komplett verändert. Die Beschreibung der neuen Gesellschaft wird in monologartigen Kapiteln vor dem Leser ausgebreitet.

Hauptursache der Veränderung ist die Errichtung eines genossenschaftlichen Staatswesens. Das Wirtschaftsleben liegt in der Hand des Staates, Gemeinnutz wird großgeschrieben:

„Endlich, und zwar merkwürdig spät, begriff man die so klare Tatsache, dass nichts ihrem Wesen nach so ganz die Sache des Staates ist als die Gütererzeugung, von der der Lebensunterhalt des Volkes abhängt. Das Wirtschaftsleben der Nation Privatpersonen anvertrauen, die ihren Privatvorteil daraus ziehen wollen, ist eine Torheit. Sie ähnelt der anderen, sich politisch von Königen und Adligen regieren zu lassen, die nur an ihren persönlichen Ruhm denken, aber wahrhaftig; sie ist eine noch größere Narrheit.“

Der Individualismus ist einem Gemeinschaftssinn gewichen. Die Menschheit hat erkannt, dass die ökologischen und gesellschaftlichen Probleme nur dadurch gelöst werden können, dass sich jeder als Teil des Ganzen betrachtet.

„[…] der Unterschied zwischen dem Zeitalter des Individualismus und dem der Solidarität werden sehr gut durch die Tatsache gekennzeichnet: Wenn es regnete, so spannten die Bostoner des 19. Jahrhunderts dreimal hunderttausend Regenschirme über ebenso viele Köpfe, die Bostoner des 20.Jahrhunderts dagegen schützten alle diese Köpfe mit einem einzigen Regenschirm.“

Die Luft im Boston des Jahres 2000 ist klar und rein, die Straßen gepflegt, die Menschen tatsächlich gleichberechtigt. Der Wert eines jeden Menschen ist gleich. Jeder wird gleich für seine Arbeit entlohnt, gibt er doch der Gemeinschaft alles, was er in der Lage ist, zu leisten. Bargeld ist abgeschafft, es existieren Kreditkarten, bei denen der Wert des Gutes abgezogen wird. Da jeder gleich entlohnt wird, ist eine Anhäufung von Waren nicht mehr notwendig. Der Wert eines Menschen bemisst sich nicht mehr an dessen Titeln oder Gegenständen, die er besitzt. Massenunterhaltung durch Orchester, die 24 Stunden ein Programm spielen, ist für jeden gegen eine geringe Gebühr zugänglich. Eine Ehe ist nicht mehr eine Frage des Standes oder der Vernunft, sondern der Liebe. Mann und Frau sind in dieser Frage gleichberechtigt, wobei Bellamy, ein Kind seiner Zeit, die Frau doch nicht ganz gleichstellt.

„Verglichen mit der Stellung, die die Frauen früher in der Gesellschaft aller Zeiten eingenommen haben, sind sie jetzt ein sehr glückliches Geschlecht, und ihre Fähigkeit, die Männer zu beglücken, hat natürlich in demselben Maße zugenommen.“

Hier sind der Utopie leider doch ihre Grenzen aufgezeigt. Dagegen sind andere Bereiche sehr weitsichtig beschrieben, gerade der Grund, warum Bildung so wichtig ist, wird schön im gemeinschaftlichen Kontext gezeigt.

„Der Gebildete ihrer Zeit glich jemand, der bis an den Hals in einem ekelhaften Morast steckte und sich damit tröstete, dass er sich ein Riechfläschchen unter die Nase hielt. Vielleicht verstehen Sie jetzt, wie wir die Frage einer allgemein höheren Bildung auffassen. Nichts ist für jeden so wichtig, als kluge, verständige und wohlerzogene Nachbarn zu haben. Nichts von allem, was die Nation für uns zu tun vermag, kann daher mehr zur Erhöhung unseres eigenen Glücks beitragen, als wenn sie unsere Mitmenschen zu gebildeten Leuten erzieht. Unterlässt sie das, so verliert unsere eigene Bildung die Hälfte ihres Werts.“

Bellamys Roman widmet sich fast ausschließlich dem Entwurf einer alternativen Gesellschaft. Die handelnden Figuren im Roman, die sich auf drei begrenzen, Julian West, Edith Leete und ihr Vater, wirken nur als Staffage, eine Art Sprachrohr für Bellamys Ideen einer utopischen Zukunft. Dies reduziert natürlich den Unterhaltungswert des Romans, der sich in zwar interessanten theoretischen Gefilden bewegt, aber einen richtigen Spannungsbogen vermissen lässt. Bellamy unterlässt es gegen Ende nicht, bei seinen Zeitgenossen mahnend den Zeigefinger zu heben und die offensichtlichen Probleme zu schildern. In einem Traum wendet sich Julian West an seine ignoranten Freunde:

„Wisst ihr nicht, dass dicht an euren Türen ungezählte Massen von Männern und Frauen, Fleisch von eurem Fleisch und Bein von eurem Bein, ein Leben führen, das von der Wiege bis zum Grabe nur ein langer Todeskampf ist? Horcht! Ihre Wohnstätten sind ganz nahe. Wenn euer Lachen schweigt, so vernehmt ihr die furchtbaren anklagenden Stimmen: das Jammergeschrei der Kleinen, die am Hungertuch saugend verschmachten; die heiseren Flüche der Männer, die im Elend halb vegetieren und zugrunde gehen; das Feilschen eines Heeres von Weibern, die sich um Brot verkaufen. Womit habt ihr eure Ohren verstopft, dass ihr diese Stimmen nicht hört? In meinem Ohr übertönen sie alles, alles, ich höre nur sie.“

Sehr schön abgerundet wird der neuaufgelegte Roman durch ein Vorwort von Clara Zetkin und einer umfangreichen Einleitung, die auf das Leben des Schriftstellers und die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit, eingeht. Den Abschluss bildet ein interessanter wissenschaftlicher Diskurs über die Frage ‚Wer bei wem abschrieb‘ sowie erweiternde, wichtige Bezüge zu der damaligen Zeit. Ältere Utopien sollten, meiner Meinung nach, nie als reine Literatur, ohne begleitende Erklärungen veröffentlicht werden, damit der Kontext in denen sie geschrieben wurden, erhalten bleibt. Das hat der Golkonda Verlag mit dieser liebevoll aufgemachten und lektorierten Auflage gezeigt. Dass dieses Buch vielerorts als ‚meistgelesene Utopie‘ gilt, war mir so nicht bekannt. Abschließen möchte ich mit dem im Buch enthaltenen Kommentar von Wolfgang Both:

„Wie gesagt, die Sozialisten mochten dieses Buch nicht. Aber lassen Sie sich von ein paar Nörglern, denen zwischenzeitlich ein ganzes Weltsystem abhandengekommen ist, nicht die Leselust vermiesen. Dies ist ein bleibendes Stück Literatur. In diesem Sinne sollten Sie es genießen.“

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99 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

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Menschenwerk

Han Kang , Ki-Hyang Lee
Fester Einband: 222 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 15.09.2017
ISBN 9783351036836
Genre: Romane

Rezension:

„Ich atme, wenn sie mir mit auf dem Rücken zusammengebundenen Händen, einen Knüppel zwischen die Schulterblätter strecken und diesen als Hebel benutzen, bis ich schreie: ‚Bitte, hören sie auf, bitte. Ich bitte um Gnade.‘ Wenn sie mir Metallstifte unter die Finger- und Fußnägel treiben, atme ich nach Luft ringend ein und aus, während unendlich langsam Sekunde um Sekunde verrinnt. ‚Bitte, hören Sie auf, bitte. Ich bitte um Gnade‘, stöhne ich, während die Zeit stillzustehen scheint. Dann ein erneuter Schrei, ein Flehen, mein Körper möge verschwinden, sich sofort in seine Einzelteile auflösen.“

Wer nach diesen Zeilen schluckt und sich sträubt weiter zu lesen, den kann ich gut verstehen. Verpassen würde er ein eindringliches und erschütterndes Manifest über das Tier im Menschen, verpassen würde er auch die Hoffnung und die Menschlichkeit die diesem Tier entgegengesetzt wird.

Das Massaker in der südkoreanischen Stadt Gwangju, resultierte aus einer studentischen Demonstration für mehr Demokratie, die brutal durch das Militär zurückgeworfen wurde. Vom 18. bis 27.Mai 1980, wurden über zweitausend Menschen, meist Zivilisten, wahllos durch das Militär regelrecht abgeschlachtet. Menschenwerk ist ein mit mehreren Erzählungen, die über einige Jahrzehnte entstanden, durchzogenes Buch, das, aus der Sicht der Betroffenen geschildert, ein erschütterndes Bild auf dieses Massaker wirft. Dabei geht es weniger um die Zeit während des Aufstandes, als um die Beschreibung des Grauens der Folter und Misshandlungen, die Unbeteiligte beliebig über sich ergehen lassen mussten.

Das Massaker wird sehr krass dargestellt, Han Kang beschreibt aus der Sicht eines toten Opfers, wie es sich anfühlt auf einem Leichenberg zu liegen. Und von oben heraus sachlich und objektiv auf den eigenen zerstückelten Körper zu schauen.

„Sie drangen in das Unterholz hinter dem leeren Platz vor. Auf den Befehl eines Mannes hin – offenbar der Anführer – stapelten sie dort unsere Körper wieder über Kreuz aufeinander. Meiner war der zweite von unten und wurde von den anderen ziemlich zerquetscht. Trotzdem floss kein Blut mehr aus mir heraus. Nach hinten gekippt, den Mund offen, schien mein Gesicht in der Dunkelheit des Waldes noch fahler als zuvor. Zum Schluss warfen sie einen Strohsack über den Turm aus Leichen, womit dieser wie ein riesiges Ungeheuer aussah, ein Ungeheuer mit einem Dutzend Klauen.“

Dutzende von jungen Studenten sitzen mit Waffen in einem verbarrikadierten Haus und warten den Ansturm des Militärs ab. Sie haben etwas wofür sie kämpfen können. Sie kämpfen für mehr Demokratie, für Freiheit, für ein besseres Leben. Das Militär stürmt das Haus, doch die Studenten bringen es nicht fertig, zu schießen. Warum haben sie nicht geschossen?

„Gerade noch zerrissen und blutend waren sie wieder geheilt. Ich war wie gebannt. Mein Herr, wissen Sie, wie stark es einen machen kann, wenn man überzeugt ist, ein anständiger und guter Mensch geworden zu sein? Kennen Sie das Gefühl, vom Glanz dieses makellosen Schatzes geblendet zu sein und sein Gewissen mitten auf der Stirn zu tragen?“

Die Menschlichkeit, das Gewissen siegt über das Gefühl einen Kampf austragen zu müssen. Doch ein Gewissen zu haben bedeutet im besten Falle Tod, im schlimmsten Falle Folter. Das Kernstück des Buches bilden für mich allerdings nicht, die drastischen Beschreibungen des Krieges, das fast schon klinisch nüchtern beschriebene blutige Gemetzel, nein, Han Kang geht noch weiter. Schmerzlich und subtil erzählt Sie von den Leiden, die ein Mensch ertragen kann. Leiden, die sich abseits des Hauptschauplatzes ereignen. Menschen, die aufgrund des Aufstandes in anderen Städten, Gemeinden aufgegriffen werden. Die verhört und dabei geschlagen werden. Selbst sieben einfache Ohrfeigen benötigen sieben Tage um aufgearbeitet zu werden. Wie lange Zeit braucht es, um die anderen Leiden zu vergessen?

„Wie schaffe ich es bloß, die erste Ohrfeige zu vergessen. […] Den ersten Schock, als sie das Gefühl hatte, ihr Hals säße nicht mehr auf ihren Schultern.“

Die Zeit, sagt man, heilt alle Wunden. Doch die Wunden sitzen hier tief. Die Erzählungen sind im Buch chronologisch nach ihrem Entstehen angeordnet. Nach und nach bildet sich ein erschreckendes Bild des für mich bisher unbekannten Gemetzels ab. Selbst Jahre nach dem Vorfall sind die Wunden der Zurückgebliebenen noch nicht geschlossen. Wie lebe ich mit dem Leid das ich gesehen habe weiter? Wie vergesse ich den grausamen Tod meiner Liebsten? Ein erschütterndes Buch, das mir mal wieder klar gemacht hat, wie zufällig es doch ist, am richtigen Platz zur richtigen Zeit geboren worden zu sein. Uns heutigen westlichen Zivilisationsbürgern, die nie mit dem Krieg oder einer blutigen Gewalt konfrontiert wurden, fällt es schwer, diese blutige Realität ansatzweise zu begreifen. Ein Buch von einer schmerzenden atmosphärischen Dichte, das mich teils sprachlos zurückgelassen hat. Ich musste das Buch immer wieder zurücklegen. Was können Menschen nur für Werke anrichten.

Ausnahmsweise passt hier doch mal ein Klappentext, mit dem ich schließen möchte:

„Han Kang zu lesen ist wie in einen Strudel aus Brutalität und Zärtlichkeit geworfen zu werden, aus dem man durchgeschüttelt, perplex und tief bewegt wieder auftaucht.« Doris Dörrie

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Die Stunde der Rotkehlchen

Jo Walton , Nora Lachmann
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Golkonda Verlag, 17.07.2017
ISBN 9783946503132
Genre: Historische Romane

Rezension:

Um die Gegenwart zu begreifen, ist es unumgänglich, die Vergangenheit zu kennen. Das gilt sowohl für Menschen, als auch für die Geschichte. Geschichte und die Reaktionen der Menschen wiederholen sich und so erkennt man bestimmte Verhaltensmuster von Menschen, aber auch der Geschichte sehr schnell wieder. Wichtig ist ein Gesamtüberblick, der sich aus der Gegenwart nicht immer entschlüsseln lässt. Erst rückblickend wird Geschichte umfassend verstanden. Nichtsdestotrotz begehen wir als Menschen und Menschheit aber auch immer dieselben Fehler. Danach will man es natürlich gewusst haben. Klar. Und dann beginnt das Jammern, hätte man nicht dieses oder jenes … Fehler sollten nicht noch einmal begangen werden.

In der Literatur wird das Thema ‚Was wäre wenn?‘ gerne in den sogenannten ‚Parallelwelten‘ aufgenommen. Dieses Thema beschäftigte schon die alten Griechen in der Antike und dient sicherlich auch der Aufarbeitung von Geschichte. Thema des vorliegenden Buches ist die Hypothese, dass Hitler im zweiten Weltkrieg Frieden mit England geschlossen hat, um sich ganz dem großen Feind, dem Bolschewismus, zu widmen. Dieser Friede, auch ‚Farthing-Friede‘, wurde von einer kleinen Geheimgesellschaft initiiert, die sich in England gebildet hat. Hauptinitiator des Friedens war 1941 Sir James Thirkie, der acht Jahre später plötzlich tot auf dem Landsitz der Familie Farthing aufgefunden wird.

Wie auch in ihrem prämierten Buch: „In einer anderen Welt“ baut Jo Walton den Kriminalfall, diesmal aus der Sicht von zwei Personen, in tagebuchähnlicher Form, behutsam auf. Lucy ist die Tochter des Hauses Farthing und hat sich durch ihre Liebesheirat mit dem Juden David keine gesellschaftlichen Freunde geschaffen. Juden sind in England zwar geduldet, aber wegen des Friedens mit Hitler, der diese auf dem Kontinent interniert und verfolgt, immer ein Dorn im Auge der Engländer. Lucy hat ihren eigenen Kopf und die Angst um ihren Mann und die Abtrennung von ihren gesellschaftlichen, engen Wurzeln bestimmen ihr Denken und Tun.

Das England des Jahres 1949 ist noch stark vom Adel und der englischen Gesellschaft geprägt. Inspektor Carmichael von Scotland Yard, welches bei diesem hochbrisanten, politischen Mord, hinzugezogen wurde, ist der zweite Ich-Erzähler dieses Buches. Er hat einen sehr wachen Geist und merkt schnell, dass dieser Fall ihm über den Kopf wächst, ja, dass über seinen Kopf hinweg Entscheidungen getroffen werden. Im Grunde genommen geht es nicht darum, den wirklich Schuldigen des Mordes zu finden. Es geht darum, den politisch richtigen Schuldigen zu finden.

Jo Walton führt den Leser behutsam in ihre Alternativwelt ein und verknüpft diese geschickt mit dem Mordfall, um dem Leser Hintergrundinformationen ihrer Welt zu liefern. Ihre sehr empathische Art zu schreiben lässt die Personen sehr warm und nahe wirken. Die eingeflochtenen Beschreibungen der herrschenden Zustände in England und auf der Welt sind sehr schlüssig und wirken nie aufdringlich. Man hat wirklich das Gefühl so und nicht anders hätte es durchaus ablaufen können.

Damit kommen wir zu einem sehr perfiden Punkt des Buches. Die Schrecken und Toten des zweiten Weltkrieges und des Naziregimes sind bekannt. Wäre es, nachträglich gesehen besser gewesen, Hitler hätte den Frieden mit England gehalten, was sicherlich ein klügerer Schachzug, als ein Krieg an allen Fronten gewesen wäre, oder ist ein Ende mit Schrecken, wie es abgelaufen ist, dieser Alternativwelt vorzuziehen? Diese Frage ist deswegen so perfide, weil so oder so, beides ein leidvolles und schreckliches Erlebnis bedeuten würde. Und die Frage nach Pest oder Cholera erübrigt sich.

Als Widmung stellt Jo Walton folgendes vorab:

„Für alle, die sich jemals mit den Ungeheuerlichkeiten der Geschichte beschäftigt haben, schaudernd eigentlich, doch vor Überraschungen sicher, als ginge es um die Autopsie eines toten Drachen, nur um im nächsten Augenblick den sehr lebendigen Nachkommen des Drachen gegenüberzustehen und ihnen ins offene Maul zu starren.“

Diese hintergründig lauernde Heimtücke der geschichtlichen Bedeutung, gepaart mit dem wirklich schönen sanften Schreibstil macht dieses Buch zu einem bemerkenswerten Beispiel von gedankenvoller und hintergründiger Literatur. Eine echte Perle, die der Golkonda Verlag liebevoll im Hardcover neu aufgelegt hat. Das erste Buch der Serie um Inspektor Carmichael.

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8 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Das geheimnisvolle Leben der Pilze

Robert Hofrichter
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 22.05.2017
ISBN 9783579086767
Genre: Sachbücher

Rezension:

Pilze sind viel mehr als die wohlschmeckende Beilage in einem Gericht. Als übelriechende dunkle Masse in einer Zimmerecke können sie das ganze Raumklima verpesten und sind, dort angesiedelt, sehr gefährlich. Doch was ist ein Pilz? Wie wird dieses Lebewesen klassifiziert? Was für verschiedene Formen treten in der Natur auf? Und wie verhalten sie sich in Kombination mit Tieren oder Pflanzen?

Diesen Fragen geht Robert Hofrichter in seinem sehr lehrreichen Buch Das geheimnisvolle Leben der Pilze nach. Es werden auch Fragen zur Essbarkeit und Bestimmung der giftigen und ungiftigen Formen geliefert, doch Pilze sind mehr, als das Männchen mit Hut, was sich an unvorhergesehenen Stellen im Wald zeigt.

Nach der Lektüre hat man einen anderen Blick auf diese uns doch meist verborgene, aber sehr vielfältige Welt. Und eines vorab, Pilze sind mehr Tiere als Pflanzen.

Nur weil die sichtbaren Vertreter der Pilze meist im Wald wachsen und so eine lokale Nähe zu Pflanzen haben, stumm dort stehen, sich nicht bewegen und wachsen, sind sie noch lange keine Pflanzen. Nach Untersuchungen der jahrhundertelang sträflich vernachlässigten Lebewesen, sind Pilze durch ihre heterotrophe Art mehr den Tieren zuzuordnen. Hetero…was? Wird jetzt mancher Leser fragen und sicher bei Wikipedia nachschauen. Nein, dies ist wirklich ein Sachbuch, gespickt mit lateinischen Fachbegriffen, die uns Robert Hofrichter da um die Ohren haut. Doch keine Angst, die Begriffe werden verständlich erklärt und es ist eben ein Sachbuch, bei dem der geneigte Leser in die Welt der Mykologie fachlich eingeführt wird.

Und heterotroph bedeutet, dass sich Lebewesen von organischen Nährstoffen ihrer Umgebung ernähren, die sie durch Abgabe von Enzymen aufschließen. Im Gegensatz zu Pflanzen, die phototroph sind, ihren Energiebedarf aus Licht decken. Was mich als Kind immer fasziniert hat, waren die unvorhergesehenen Plätze, an denen Pilze wachsen. Mal wuchsen sie einfach wild im Garten, mal unter bestimmten Bäumen, aber verlassen konnte man sich auf das Vorkommen nicht. Was ich mich immer gefragt habe, warum man viele essbare Pilze, wie Steinpilze oder Trüffel, nicht wie Pflanzen züchten kann? Und auch hier hat die Natur uns einiges voraus. Termitenstämme züchten bereits Pilze für ihre Staaten. Woran Menschen noch verzweifeln, gelingt der Natur, einem Jahrtausende gewachsenen Ökosystem, wahre Wunder.

Wenn man die Natur intensiver betrachtet, dann spürt man diese gewachsene Urkraft, diese Heilung, die sie einem geben kann.

„Denn im Wald finden wir die Quelle für eine Spiritualität, die unser Leben positiv verändern kann. Wenn wir uns öffnen, wachsen wir mit dem Wald, mit den Bäumen, mit all den unsichtbaren Pilzen zu einem großen Myzellium des Lebens zusammen. Eine tiefe Empathie zu allem Lebendigen aber macht uns zu Menschen. Wir haben Wurzeln, und die sind definitiv nicht in Beton gewachsen, betont Andreas Danzer, der Sohn des verstorbenen österreichischen Musikers Georg Danzer. Jeder Mensch verspürt tief in seinem Inneren den Drang nach der Nähe zur Natur.“

Robert Hofrichter beschreibt, anhand der Pilze, diese gewachsene Einheit der Natur, diese unsichtbaren Fäden der Verbundenheit, die Pilze, Boden und Bäume miteinander verbindet. Einige der größten Lebewesen sind Pilze, nicht die Riesenmammutbäume in Nordamerika oder Wale. Pilze sind einfach überall, selbst im Weltraum passen sie sich den Gegebenheiten an, sie werden so manches Mal auch zur Qual für den Menschen. Doch ohne sie funktionieren viele Prozesse in der Natur nicht mehr. Pilze sind, richtig angewendet, Heilbringer (Penicillin) und könnten in Zukunft auch die Müllprobleme der Menschheit lösen.

„Pilze sind Meister der Entsorgung und kaum etwas entgeht ihrem Appetit. Spezialisten unter ihnen können sogar an so extremen Stoffen wie Kerosin naschen und die Treibstofffilter von Flugzeugen verstopfen. In US-amerikanischen Militärjets fand man 23 Arten von Pilzen, die den Begriff ‚Treibstoff‘ auf sich selbst bezogen und in Kerosinleitungen und Filtern prächtig gediehen.“

Robert Hofrichter ist ein teils spannendes, mit wissenschaftlichen Begriffen vollgepacktes, aber auch für den Laien informatives Wunderbuch gelungen. Fast klingt es wie ein Märchen, was tagtäglich vor unseren Augen passiert. Und manch einer wird nach der Lektüre jetzt mehr in einem Pilz am Wegesrand erkennen. Für mich ein sehr zu empfehlendes Sachbuch.

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absturz, betrug, blumenbar, deutsch, enttäuschung, geplatzer trau, isabella straub, krankenhaus, leben, liebe, obdachlose, odyssee, ohne perspektive, roman, wien

Wer hier schlief

Isabella Straub
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 15.09.2017
ISBN 9783351050429
Genre: Romane

Rezension:

Die Meisten jammern darüber – die Wenigsten verändern etwas. Zu sicher und zu reibungslos verläuft das Leben, einmal im Hamsterrad rundgeschleift. Und zwei Wochen in der Sonne, da ist man doch wieder erholt für die Rundtour. In das (vermeintlich) richtige Leben, welches immer wieder schillernd daneben liegt, taucht man dann doch trotz Schimpfens und Meckerns über seinen Zustand, nicht ein. Zu gefährlich, zu ungewiss. Sicherheit geht vor! Im vorliegenden Buch zeigt Isabella Straub wie der Protagonist langsam aus dem Hamsterrad geschoben wird und wie befreiend so ein Leben sein kann. Doch was ist denn, das richtige Leben?

Eigentlich sollte die Sache doch reibungslos vonstatten gehen. Myriam und Philipp hatten dies oft genug im Rollenspiel miteinander geübt. Myriam spielte die Freundin von Philipp, Vera. Wegen Myriam will Philipp Kuhn Vera verlassen. Auch seinen Job als persönlicher Assistent von Vera, die Geschäftsführerin einer Firma von Sicherheitstüren ist, wird er verlieren. Sowie das bequeme Leben in der Villa von Vera. Mit Myriam ist ihm ein Glücksgriff gelungen. Mit Myriam schafft er es, da braucht er keine Sicherheiten mehr. Das Leben liegt satt und strahlend vor ihm.

Die Trennung gelingt dann auch sehr glatt. Philipp Kuhn ist auf dem Weg zu Myriam, doch diese ist plötzlich verschwunden. In ihrer Wohnung wohnt plötzlich eine andere Frau. In dem Wohnhaus kennt Myriam niemand. Er sucht sie überall, an ihr Handy geht sie nicht, er glaubt sie auf einer Demonstration zu sehen. Philipp Kuhn wird ungeduldig. Die Änderungen in seinem Leben müssen jetzt sofort passieren. Lange genug hat er seiner Meinung nach gewartet. Auf Myriams Arbeitsstelle, der Rezeption eines Hotels, trifft er einen alten Mann, der ihm eine Weisheit verrät:

„‚Oh nein‘, sagte der Alte und tätschelte Kuhns Armlehne. ‚Ich kann warten‘, sagte er. ‚Ich bin ein Weltmeister im Warten. Warten macht das Leben süß. Stellen sie sich, man würde immer alles sofort bekommen. Jeder Wunsch im Augenblick erfüllt. Das mein junger Freund ist die Hölle, nichts anderes als die Hölle.'“

So langsam wird Philipp Kuhn aus dem normalen Leben herausgeschoben. Übernachten kann er nirgendswo, seine Sachen passen in wenige Tüten, die Rückzugsmöglichkeit im firmeneigenen Fitnesscenter zu schlafen, bröckelt durch geänderte Öffnungszeiten, draußen wird es kalt. Philipps Sicht auf das Leben wird durch seine Lebenssituation verändert. Er hat Zeit über sein Leben nachzudenken, er muss auf Menschen zugehen, kommunizieren.

„Er folgte dem Toilettenschild, ging an den Pissoirs vorbei in eine Kabine. Aus einem Impuls heraus musste er alleine sein. Er streckte die Arme seitlich aus und berührte die Wände der Kabine. Er schloss die Augen. Wenn es ein Vorher und ein Nachher in seinem Leben gab – vor dem Auszug aus der Bernauer-Villa und danach – dann war Kennzeichen des Danach, dass er niemals mehr allein war. Alleinsein war Ausdruck von Luxus. Das verstand er erst jetzt. Allein sein, das musste man sich verdienen.“

Auch seinen Freund Bruno betrachtet er langsam anders, die Sichtweise verschiebt sich bei Philipp stetig. Isabella Straub, geleitet ihren Protagonisten sanft in die zwar raue, aber auch lebendige Welt.

„Bruno war schon da, und er hatte seine Frau mitgebracht. Sie saßen in einer Nische am Fenster und Kuhn sah sie von der Straße aus, bevor sie ihn bemerkten. Ein Paar, das sich miteinander langweilte, aber nicht die Kraft hatte, sich zu trennen, weil alles, was sie danach erwarten würde, noch tausendmal schlimmer wäre. Der Streit um die Kinder, um den Hund, um das Haus, um den Dreck unter den Fingernägeln.“

Endlich findet Philipp Kuhn so etwas wie ein neues zu Hause. Er schläft in Zimmern, die renoviert werden müssen. Er schließt sich einer Gruppe um Konfuzius an, die sich um Arbeitswillige kümmert. Diese modernen Wohnnomaden suchen die Lücken im System. Übernachten in fremden Häusern, die größtenteils leerstehen, gehen auf offizielle Vernissagen, um sich am Buffet satt zu essen. Die Begegnung mit Tamara, die in der Gruppe mitarbeitet, gerät für Philipp zu einem kompletten Gegensatz zu der leuchtenden Liebe zu Myriam. Tamara ist real, kantig, die Annäherung zu ihr ist ein Synonym für seine Lebenssuche. Die Suche nach Myriam allerdings, rückt langsam in den Hintergrund, das Leben muss gemeistert werden, Träume finden woanders statt.

„‚Bist Du gläubig?‘, fragte Kuhn. ‚Natürlich‘, erwiderte Konfuzius. ‚Das kann doch nicht alles sein: Zwei Ehen, eine Geliebte, zwei Kinder, ein Hund, und wenn du endlich alles überstanden hast, kannst du nicht mehr richtig pinkeln. So viel Humor kann nur ein Gott haben.'“

Wer hier schlief ist ein schön geschriebenes Buch, das die Nuancen der Veränderung Philipp Kuhns sehr lebendig beschreibt.  Isabella Straub versteht es, ihren Protagonisten geschickt und sanft auf dem Weg zu begleiten. Nur am Ende verliert sie ein wenig den Rhythmus, um die Geschichte doch noch befriedigend zu Ende zu bringen. Bemerkenswert ist diese leise Spannung, die um Myriam aufgebaut wird, das Milde und das ruhige Dahingleiten der Geschichte, die aber typisch österreichisch ein wenig schräg aus der Spur läuft, was auch ihren Reiz ausmacht. Es ist eines dieser Bücher, die durch die pointierten Formulierungen der Autorin bestechen, insgesamt sehr positiv ist und auch etwas anders, und so sticht es aus der Masse der Neuerscheinungen heraus.

„Vielleicht war das Leben nicht groß, dachte Kuhn. Vielleicht bestand Lebenskunst in der Übung, es klein und gleichförmig werden zu lassen.“

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Zeitkurier

Wesley Chu , Jürgen Langowski
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.08.2017
ISBN 9783453317338
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Zeit! Zuallererst ist Zeit eine physikalische Größenart. Wie wir sie wahrnehmen, ist sie philosophisch das Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend und in die Zukunft hinführend. Doch zuallererst bildet die Zeit mit dem Raum eine vierdimensionale Raumzeit. (Quelle: Wikipedia) Zeit war schon immer eine sehr subjektive Empfindung. Wartet man, schleicht sie dahin, erlebt man etwas sehr schönes, rennt sie einem davon. Auch ist das Alter eine wichtige Größe, in der Jugend fühlt man sich unsterblich, mit einem unendlichen Zeitkonto ausgestattet, im Alter zerrinnt die verbleibende Zeit zwischen den Fingern.

Schon früh hat die Zeit Schriftsteller fasziniert und animiert. Zeitreiseromane wie ‚Die Zeitmaschine‚ von H.G. Wells, ‚I.N.R.I oder die Reise mit der Zeitmaschine‘ von Michael Moorcock oder die sehr kreative Art eines Philip K.Dick, mit diesem Medium umzugehen, haben mich als Kind immer fasziniert. Dies sind nur einige Beispiele, im deutschsprachigen Raum hat sich gerade Wolfgang Jeschke als Verleger oder auch mit dem Zeitreisebuch: ‚Das Cusanus-Spiel‘ hervorgetan. Mein Lieblingsbuch in dem Genre ist allerdings der wunderbare Liebesroman mit Zeitreise: ‚Ein Tropfen Zeit‘ von Daphne du Maurier.

Natürlich habe ich bei Zeitkurier von Wesley Chu sofort zugegriffen, zumal es sich um den Anfang einer Serie handeln soll. Einen weiteren Grund zuzugreifen war das Titelbild, was mich an die alte Serie Timetunnel erinnerte. Der Wunsch des Menschen in der Zeit zu reisen und sie auch zu verändern ist sehr stark vertreten, doch wäre das immer gut?

Die Erde ist in naher Zukunft grau und öde. Alle Ressourcen sind ausgeschöpft, die Menschheit lebt hauptsächlich auf den umliegenden Planeten im Sonnensystem.

„Elise betrachtete die mit Moos und Dreck bedeckten Wände und strich mit den Fingern über den schmierigen Boden. Alles war feucht, sogar die Luft. Diese Welt war ausgelaugt und müde, als zerschmölze nach und nach der ganze Planet. Verfall, wohin der Blick auch fiel. Selbst die Steine vor ihren Füßen schienen zu trauern.“

Ressourcen werden auch aus der Vergangenheit geholt. Dabei ist aber zu beachten, dass das Raumzeitgefüge nicht gestört wird, das heißt, dass frühere Ereignisse nicht geändert werden dürfen, so dass sie das Heute verändern. Die Chronauten erledigen diese teils recht schwierige und psychisch anstrengende Aufgabe. Die ChronoCom ist die Institution, die das Raum-Zeitgefüge überwacht und auf die Einhaltung der Zeitgebote achtet. James Griffin-Mars (ein selten dämlicher Name für den Hauptprotagonisten) ist ein Chronaut der ersten Stufe und erledigt die wirklich kniffligen Aufgaben. Durch seine sehr burschikose Art macht er sich nicht gerade beliebt, er ist dafür bekannt immer sehr direkt zu sein. Bei einem wirklich sehr kniffligen Auftrag, lässt er sich hinreissen, einen Menschen aus der Vergangenheit mit in die Gegenwart zu nehmen. Damit hat er das erste Zeitgebot gebrochen. Von nun an wird er als Geächteter gejagt.

Zeitkurier beginnt sehr schwungvoll und beschreibt die qualvolen psychischen Probleme der Zeitreisen sehr schön. Die Gedanken, die James bei seinen Reisen in die Vergangenheit hat, dass diese Menschen die er trifft, schon lange tot sind und er ihnen nicht helfen kann. Diese Hilflosigkeit dem Zeitstrom gegenüber, verschafft ihm Albträume und zieht ihn tagtäglich runter. Auch die Beschreibung der Vergangenheit und der Bezug zur Gegenwart wie sie sich entwickelte, fesselte mich an das Buch. Nachdem James eine Frau in die Gegenwart gebracht hat, geschieht etwa in der Hälfte des Buches ein regelrechter Bruch.

Ab da häufen sich die unlogischen Situationen. Der Schreibstil, schon vorher recht einfach gehalten, wird zusehens grob und wirkt dahingeschludert. Auch gehen Wesley Chu die kreativen Ideen aus. James Griffin-Mars verausgabt sich in wilden sinnlosen Zeitsprüngen, die keinen rechten Bezug zur Handlung mehr haben. Am Ende war ich froh, dass das Buch ein Ende hatte, viel weiter hätte ich auch das Zeitchaos nicht mehr verfolgen wollen. Eine recht gute Idee, leider schlurig zum Ende hin ausgeführt. Für mich enden hier die Zeitreise-Tätigkeiten des Zeitkuriers.

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Sieben Nächte

Simon Strauß
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 08.07.2017
ISBN 9783351050412
Genre: Romane

Rezension:

Sieben! Was für eine Mystik verbirgt sich hinter dieser Zahl. Die sieben Weltwunder. In sieben Tagen wurde die Welt erschaffen (jedenfalls nach der Bibel). Sieben Tage hat die Woche. Es gibt die sieben Zwerge. Mancherorts gilt sie als Glückszahl, wobei in vielen Ländern Asiens ist sie eine Unglückszahl. Und natürlich die sieben Todsünden.

Da gibt es einen, der ist auf der Schwelle zum Hamsterrad. Auf der Schwelle zur dreißig, die Zukunft birgt Kinder, Festanstellung und Langeweile. Das Cover zeigt den, der da schreibt. Jung, wild und voller Hoffnung will er sein. Ein junger Wilder, einer der im Club 27 ankommen will. Einer, der was erleben will, den es in die Welt drängt, der Rimbaud sein will, der nicht bis zur Rente warten will.  Einer der Angst hat und schreibt, wie es in den ersten Sätzen heißt. Und der eine Reifeprüfung bekommt, alle sieben Todsünden zu durchleben und in sieben Nächten dem Unbekannten einen Text abzuliefern, um die Prüfung zu bestehen.

Aha! Also wir haben hier hohe Literatur, oder solche die es werden will.

„Ich bin schon als Schwächling auf die Welt gekommen und meine Privilegien haben mich nur noch weiter geschwächt. Was Gefahr heißt, habe ich nie gespürt. Nie geahnt, dass Wege auch nach unten, ins Abseits führen können. Ich bin gefangen in einer Blase aus Glück. Gekämpft habe ich für wenig. Tischtennisplatten in der Schulpause gab es immer genug. Und als ich achtzehn war, wurde der Wehrdienst abgeschafft.“

Da schreibt einer, der alle Privilegien gehabt hat und jammert, dass er keine schweren Aufgaben in seinem Leben bekam. Alle Schwierigkeiten wurden ihm aus dem Weg geräumt. Er musste nichts für sein Dasein tun. Was für ein Leben! Jammern auf allerhöchstem Niveau. Auch Simon Strauss, der junge 1988 geborene Autor hat in seinem Leben nie richtig kämpfen müssen. Insofern ist der Protagonist in seinem Erstlingswerk er selbst. Doch so ohne Kampf und Mühsal geht das Gefühl verloren.

„Deshalb diese Nacht. Deshalb dieses Schreiben. Der einzige Kampf, der jetzt noch lohnt, ist der ums Gefühl. Die einzige Sehnsucht, die trägt, ist die nach dem schlagenden Herzen. Zu viel Gelände ist verloren gegangen an den Zynismus, der seine kalten Finger um alles legt.“

Wo will er denn hin unser Autor/Protagonist? Leben als armer Poet, wie in Spitzwegs Gemälde dargestellt? Voller Hunger und bar jeglicher Kleidung, durch das Dach tropft das Wasser? Ist denn so ein Leben, dem des Satten, Verweilenden vorzuziehen? Fließen die Gedichte, Lyrik, Essays, Romane dann besser? Aber ach, auch das Laster ist ein Problem und die Angst normal zu werden.

„Noch-nicht-dreißig ist das Kriterium und: ein Fragender zu sein, kein Besserwisser.“

Mit dreißig ist alles vorbei? Der Sturm, der Drang, die Jugend, das ganze Leben? Danach ist nur noch Tristesse? Mitnichten, nicht alle Großtaten wurden von unter Dreißigjährigen erreicht, doch ist die Jugend sicherlich in ihrer Ungestümheit noch von vielen Grenzen befreit. Simon Strauss handelt die Todsünden hechelnd in seinem Essay ab, versucht Bezüge zum heutigen Leben herzustellen, doch außer dem Hochmut (der vor dem Fall kommt) gelingen ihm nur ‚Todsündchen‘, ein schwacher Abklatsch der Sünden, die doch laut der Kirche zu ewiger Verdammnis führen. Ist denn der heutige Mensch noch nicht einmal zu Todsünden fähig? Doch! Man denke nur an den Film Sieben, der mir spontan zu dem Thema einfällt und der in eindringlicher und unvergessener Weise, Bilder in meine Netzhaut eingebrannt hat. Kevin Spacey in seiner besten und bösesten Rolle. Unerreicht. Dagegen ist dieses Büchlein nur ein Dahin-jammern. Manches Mal gelingen Simon Strauss nette Vergleiche, schöne Sätze, elegante Absätze.

„Lange Ziit sagen die Schweizer und meinen damit sowohl Langweile als auch Sehnsucht. Ich habe lange Ziit nach dir, heißt so viel wie: Ich sehne mich nach dir. Nur wer sich langweilt, kann sich auch sehnen. Ein Leben, das nie aufschiebt, wird immer nur hecheln, nie frei atmen.“

Die Kritiker sind begeistert, ich denke mal wieder, dass ich mich wohl nie in deren Elfenbeintürmen niederlassen werde. Eines hat mir dieses Buch doch gezeigt, Simon Strauss hat eine achte, neue Todsünde, hervorgeholt: Die Jammerei

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Rimini

Sonja Heiss
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462050448
Genre: Romane

Rezension:

Es gibt Situationen, die das ganze restliche Leben verändern. Nicht nur das eigene, auch das Leben der Menschen die einem nahe sind. Was wäre wenn? ist natürlich eine theoretische Frage, ebenso die Frage, welche Situationen, Aktivitäten welche späteren Ergebnisse ausgelöst haben. Das Leben ist nun mal seriell und wir müssen mit unseren Entscheidungen leben und sie akzeptieren. Das schließt dann eben auch die spontanen Verfehlungen mit ein.

Das vorliegende Buch handelt von einer ganz normalen Familie. Jede Familie hat ihre Geheimnisse, die meist tief vergraben in den Menschen liegen und mit Schichten von Scham, Gedanken und Zeit bedeckt, fast unauffindbar, aber lauernd in der Tiefe des Gemütes schlummern. Diese Familie ist so einfach, aber doch im Einzelnen so besonders, dass ich Euch die einzelnen Charaktere vorstellen möchte. In Sonja Heiss‘ Debüt bekommen alle ihre Zeit und Chance, sich und ihre Gedanken, Gefühle zu äußern.

 

Das Buch beginnt mit einer E-Mail einer Tochter an ihren Vater, der gestorben ist. Das Kapitel fängt mit einer Jahreszahl-Angabe an. Ist das ein Countdown? Ein Countdown wie lange der Vater noch lebte, als Retrospektive? Das Interesse ist erst mal geweckt.

Hans ist ein erfolgreicher Anwalt, verheiratet mit Ellen, zwei Kinder und bekommt seine Wut nicht in den Griff. Schon die Anfangsszene zeigt, was das Buch ausmacht. Hans zerbricht seinen Bleistift (einen Bleistift der Kanzlei Scholting, von Giersberg, Grüben, Schulz und Altmann!) bei Gericht, weil er etwas kaputt machen will. Da er keinen weiteren Bleistift hat und nicht ganz bei der Sache ist, unterbricht der Richter die Verhandlung, um ihm bei der Suche nach einem Stift behilflich zu sein. Die Gegenpartei leiht ihm einen Stift, den er prompt zerbricht, was doch einige Irritation auslöst.

Schon diese absurde Anfangsszene, in der man nicht genau weiß, ob man lachen oder, wegen der inneren Not von Hans, dessen Verzweiflung sehr deutlich dargestellt wird, ihn bedauern soll, zeigt, in welche Richtung uns der Roman führen wird. Die Irrwitzigkeit der Situationen zeigt sich in deren absoluter Normalität. Der Leser sieht, wie lächerlich doch der Alltag sein kann.

Hans hat Probleme mit seiner Frau Ellen. Diese innere Wut muss raus. Sex wäre auch eine Hilfe, doch Ellen mag nicht mehr mit ihm schlafen:

„‚Ich sehe dir auch ins Gesicht.‘ ‚Nein, das tust du nur, wenn wir streiten, ansonsten starrst du mir auf meinen Po und meine Brüste. Du unterhältst dich sogar mit denen anstatt mit mir.‘ Das war natürlich nicht sehr nett, dennoch musste Hans grinsen. Sie hatte diesen ausgeprägten Sinn für Ironie schon immer gehabt, früher hatte sie ihn damit ständig zum Lachen gebracht. Und das tat sie auch jetzt noch ab und an. Manchmal sogar, wenn sie diskutierten, so wie jetzt.“

Masha ist 39 und Hans‘ Schwester. Sie sehnt sich nach einem Familienleben und einem Kind. Doch so langsam wird sie zu alt. Doch ein Partner ist nicht in Sicht, den Freund, den sie hat, kann sie bald nicht mehr riechen und verlässt ihn.

Alexander und Barbara sind die Eltern von Hans und Masha. Beide sind in Rente und wohnen in einer kleinen Wohnung in Frankfurt. Alexander ist immer um Barbara herum und lässt sie nicht alleine, Freunde oder Bekannte haben sie nicht viele, wenn dann über sie. Barbara geht die Fürsorge und das Um-sie-herumschwänzeln ihres Mannes auf die Nerven und so flüchtet sie öfters in den Schlaf oder in den Keller.

„An Sylvester öffneten sie eine Flasche Sekt und aßen Weißbrot mit geräuchertem Lachs. ‚Bin ich froh, dass wir jetzt nicht bei der Hotelgala sind.‘, sagte Alexander, Barbara nickt. Andererseits war Sylvester ein weiteres Mal in ihrem ereignisarmen Leben so fad, dass sie es vorgezogen hätte zu schlafen.“

Alle vier Personen bewegen sich immer am Rande des Abgrundes und man fragt sich als Leser, wann denn dieser Absturz kommt.

„Er hatte einmal gelesen, dass es schweigende Erdbeben gab. Innerhalb von Wochen verschieben sich ganze Landschaften um mehrere Zentimeter, das Sediment wandert so langsam, dass man keine Erschütterung spürt. Erst seit es GPS-Systeme gibt, die es messen können, weiß man davon. Und ohne sich dessen bewusst zu sein, wartete er auf die große Erschütterung, darauf, dass alles einstürzte.“

So verfolge ich, teils atemlos und Seiten verschlingend, wie dieser schmale Grat aus normalen Dialogen und Situationen sich ganz schnell in aberwitzige und merkwürdige groteske Gegebenheiten wandelt. Und so langsam schält sich auch heraus, was denn diese eine, so verändernde Begebenheit war. Da, wo sich alles in die falsche Richtung bewegt hat.

Das Debüt von Sonja Heiss ist eine echte Überraschung und Entdeckung des Jahres. Das Buch ist  bitterkomisch und das Lachen bleibt einem oft im Halse stecken. In vielen Dialogen und Personen wird sich der ein oder andere wieder finden. Bei den Dialogen spürt man die Professionalität der Autorin, die vom Film kommt. So schön wurden die Neurosen und Befindlichkeiten einer Familie lange nicht mehr dargestellt. Klinisch kühl von außen betrachtet, aber dennoch nahe an den Figuren bleibend. Ein Höhepunkt des Jahres 2017

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