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43 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

rezept, camping, outdoor, berge, trekking

The Great Outdoors

Markus Sämmer , Steffen Schulte Lippern , Peter Greppmayr
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Neuer Umschau Buchverlag, 05.01.2017
ISBN 9783865288332
Genre: Sachbücher

Rezension:

Klappentext:
Du willst raus! Einfach mal offline sein, den Stress des Alltags vergessen und die Muskeln beim Sport arbeiten lassen. Doch draußen gibt es keine Kühlschränke und keine Einbauküchen – wer auch in der freien Natur auf eine gesunde, leckere und abwechslungsreiche Ernährung nicht verzichten möchte, muss manchmal das ein oder andere Hindernis umschiffen.
Das kennt auch Markus Sämmer – ausgebildeter Koch und Outdoor-Spezialist. Für The Great Outdoors hat er seine besten Tricks und Tipps sowie eine Vielzahl gesunder und unkomplizierter Rauszeit-Rezepte zusammengestellt: Ob für den Grill oder den Campingkocher, fürs Frühstück, eine gelungene Powermahlzeit zwischendurch oder ein gediegenes Abendessen, ob Burger, Eintopf oder Curry, ob Durstlöscher oder Dessert – in diesem Buch zeigt sich die ganze kulinarische Vielfalt, die ein Leben unterwegs bieten kann. Zudem liefert Sämmer Informationen für die optimale Vorbereitung zu Hause sowie praxisnahe (und vor allem -erprobte) Tipps zum Leben mit und in der Natur.
Also, auf geht’s! Es ist an der Zeit, sich auf den Weg zu machen: zu Fuß, mit dem Camping-Bus oder dem Mountainbike. Hauptsache raus, dem nächsten eigenen Abenteuer entgegen!

Meinung:
Für ungewöhnliche Kochbücher bin ich ja immer zu haben :) Und ungewöhnlich ist es auf jeden Fall, denn es thematisiert, wie man sich als Camper vollwertig und lecker ernährt und bekocht. Und wartet dabei auch noch mit zahlreichen praktischen Tipps auf.
Nach einer kurzen Einführung des Kochs erhält man in 7 großen Kapiteln eine gute Übersicht, was man wie und wo kochen kann. Angefangen mit dem Kapitel, dass die Vorbereitungen daheim beinhaltet, über das Frühstück, Durstlöscher und Wachmacher, bis hin zu Nachtischen findet man hier Rezepte für jede Lebenslage. Markus Sämmer hält hier Rezepte für Riegel und Brotzeiten ebenso parat wie für die warme Mahlzeit, zubereitet auf dem Gaskocher oder dem Camping Herd. Praktischerweise werden die Mengenangaben hier nicht nur mit Gramm und Kilo angegeben, sondern auch mit Tassen und Löffeln, denn wer hat schon eine Waage auf seinem Outdoor-Ausflug mit dabei?
Die Rezepte sind einfach und simpel geschrieben, so dass das Nachkochen auch dem Laien leicht fallen sollte. Außerdem finden sich über jedem Rezept kleine Symbole, die Aussagen über die Zubereitung geben. So steht z. B. der Rucksack dafür, dass man dieses Gericht gut in eine Brotzeit-Box passt und gut mitgenommen werden kann. Eine genaue Erklärung zu jedem Symbol befindet sich aber auf den ersten Seiten des Buchs.
Neben den echt sehr ansprechenden Bildern der Gerichte, sind auch unzählige Outdoor-Bilder im Buch, die direkt Lust darauf machen, selber loszufahren. Außerdem hält Sämmer hier viele praktische Tipps und Tricks rund ums Campen und den Outdoorspaß bereit, sowie persönliche Anekdoten seiner Reisen. Auch werden verschiedene Freizeitaktivitäten ausführlich erklärt und auf Zubehör zum Campen eingegangen. Somit hat man als Outdoor-Laie hier eine solide Grundlage, die man dann je nach persönlicher Erfahrung abändern oder erweitern kann.
Somit ist The Great Outdoors sehr viel mehr, als einfach nur ein Kochbuch. Und als besonderen Bonus findet sich am Ende des Buchs ein extra Büchlein zum raus- und mitnehmen, in dem nochmal alle Rezepte zusammengefasst sind. So hat man immer die Rezepte zur Hand, ohne das ganze Buch mitzuschleppen.

Fazit:
The Great Outdoors ist ein wirklich spannendes Buch. Neben tollen und simplen Rezepten, die man auch prima daheim nachkochen kann, erhält man hier ein schönes Standard-Werk für Outdoor, Campen und Reisen.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Neuer Umschau Buchverlag für das Rezensionsexemplar.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Zwölf Mal Juli

Astrid Rosenfeld
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.11.2016
ISBN 9783257243673
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
»Liebe Juli, ich komme in zwölf Tagen. Bist Du da? Jakob« Juli, eine Schriftstellerin mit Stapeln unbezahlter Rechnungen, exzentrischen Freunden und einer Neigung zu überlebensgroßen Träumen, bleiben zwölf Tage, bis sie Jakob wiedersieht – den Mann, der ihr das Herz gebrochen hat. In dieser Zeit trifft sie auf zwölf Menschen. Das Porträt einer eigenwilligen jungen Frau in zwölf verrückten und skurrilen Begegnungen.

Meinung:
Wenn einen die große Liebe plötzlich verlässt, steckt man das nicht einfach so weg. Und wenn besagte Person sich nach Jahren der Funkstille unverhofft meldet, geht auch das nicht spurlos an einem vorbei. So ergeht es Juli, die Jakob damals einfach sitzen gelassen hat. Nun ist Juli sich unsicher, wie sie auf Jakobs Kontaktaufnahme reagieren soll. 12 Tage bleiben ihr noch, bis Jakob eintrifft. Ob die Zeit reicht, sich über ihr Leben und ihre Gefühle klar zu werden?
Juli ist eine sehr verloren wirkende Frau. Ihre Familienverhältnisse sind bizarr, die Mutter passt sich den jeweiligen Partnern an, der einst tyrannische Vater lebt in einer vollgestopften Wohnung. Niemanden scheint sie es recht machen zu können und die Kreativität, die ihr Leben finanzieren soll, lässt auch auf sich warten. Meine Sympathien hat Juli ganz eindeutig für sich gewinnen können. Die Nebenfiguren im Roman nehmen zum Großteil nur eine begleitende Rolle ein um Julis Figur abzurunden und voranzutreiben. Mir persönlich hat die Handhabung der Charaktere sehr gut gefallen und ich habe in diesem Werk nichts vermisst.
12 Kapitel durchziehen dieses kleine, aber feine Buch. 12 Menschen begleiten Juli durch die Tage und sorgen dafür, dass Juli sich mit ihrem Leben auseinandersetzt. Astrid Rosenfeld hat einen sehr poetischen, ruhigen Roman geschrieben, der subtil wirkt und stark zum Nachdenken anregt. Julis Geschichte hat mich berührt und ich bin beeindruckt, wie dicht und komplex die Autorin ihre Hauptfigur auf den wenigen Seiten aufgebaut hat. Die Handlung ist etwas verrückt, aber sehr unterhaltsam, was für genügend Spannung und Abwechslung sorgt. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und Julis Geschichte wird in der dritten Person erzählt, wobei der Blickwinkel auf die Hauptfigur gerichtet bleibt.

Fazit:
Zwölf Mal Juli ist ein kleines, aber intensives Buch. Ich mochte Juli und ihre Geschichte sehr gerne. Der Weg durch die 12 Tage war berührend und nachdenklich stimmend, der Erzählstil bezaubernd und prägnant.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

japan, niederlande, kees beijnum, zweiter weltkrieg

Die Zerbrechlichkeit der Welt

Kees Beijnum , Hanni Ehlers
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 03.10.2016
ISBN 9783570102817
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Tokio 1946: Der Richter Rem Brink ist vom niederländischen Außenministerium zu den sogenannten Tokioter Prozessen gesandt worden, um mit den Siegermächten die japanischen Kriegsverbrechen aufzuarbeiten. Brink ist sich seiner besonderen Verantwortung bewusst, sucht gleichzeitig aber auch Zerstreuung in einer Liaison mit der jungen Sängerin Michiko. Durch sie lernt er eine ganz andere, faszinierende Seite Japans kennen. Doch als Michiko ihn um einen Gefallen bittet, der seinen politischen und moralischen Grundsätzen widerspricht, wird die Beziehung auf eine harte Probe gestellt …

Meinung:
Im Jahre 1946 ist der 2. Weltkrieg vorbei und die Verlierer des großen Kriegs müssen sich in Prozessen ihren Taten stellen. So auch Japan, das einstige Kaiserreich, das sich nun einem neuen System unterordnen muss. Der Kaiser ist abgesetzt, die Demokratie soll Einzug halten. Unter den vor Ort gastierenden Richtern ist auch der Niederländer Rem Brink. Das fremde Land und seine fehlende Familie setzen dem Mann zu. Japans Kultur und die Wesenszüge der Einheimischen machen die Einsamkeit noch größer. Als er die Sängerin Michiko kennen lernt, erhält er einen Lichtblick am Horizont, der ihm auch den Blickwinkel auf die Ereignisse rund um die Japaner erweitert. Doch Empathie für die Verlierermacht ist nicht gerne gesehen am Richterhof und Brinks Karriere gerät ins Wanken. Aber auch für Michiko ändert sich das Leben radikal, als sie sich mit Brink einlässt.
Im Vordergrund der Geschichte stehen nicht nur Rem Brink und die Japanerin Michiko, sondern auch Michikos Cousin Hideki, der in China als Soldat der japanischen Armee gedient hat und versiert zurückgekehrt ist. Beeindruckend an den Figuren ist, dass sie sehr gut die japanischen Mentalitäten und Verhaltensweisen wiederspiegeln. So ist Michiko zwar eine großartige Sängerin, die unter westlicher Anleitung eine große Karriere anstrebt, auf der anderen Seite aber ist sie ihrer Erziehung und den Werten der japanischen Gesellschaft treu. So wirken die Japaner eher kühl und etwas undurchsichtig im Roman, agieren aber genau nach den ihnen wichtigen Normen und Regeln und sind somit sehr authentisch. Die Figuren polarisieren, stoßen den Leser aus seiner Komfortzone und wirken lange nach.
Auch die Geschichte selber vermittelt den japanischen Geist, ist eher ruhig, legt das Augenmerk auf die Handlung und stellt augenscheinlich die Gefühle zurück. Doch zwischen den Zeilen brodelt die Handlung und berührt mit ihrer Emotionalität. So bleibt der Roman sich treu, kann den japanischen Geist und die Gesellschaft perfekt wiederspiegeln und berührt den Leser. Der einnehmende Erzählstil, hier übersetzt von Hanni Ehlers, macht das Buch zu einem Pageturner und so habe ich mit Spannung den Weg von Brink, Michiko und Hideki verfolgt, habe mitgelitten, gefiebert, gehofft und gebangt. Die Kapitel sind moderat lang, das Buch selber in drei Teile unterteilt. Und neben den Schicksalen der drei Hauptfiguren erhält man hier einen neuen Blickwinkel auf die Ereignisse im 2. Weltkrieg, sowie Einblicke in eine Kultur, die von unserer so verschieden ist.

Fazit:
Die Zerbrechlichkeit der Welt ist ein zart erzählter, im ersten Eindruck eher kühler Roman, der einen spannenden Einblick in eine uns eher fremde Kultur gewährt, dabei doch hochemotional ist und gut recherchiert wurde. Die Schicksale bestürzen und berühren. Und es war überaus interessant und lehrreich, einen anderen Aspekt und Bereich des 2. Weltkriegs kennen zu lernen.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den C. Bertelsmann Verlag für das Rezensionsexemplar.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Glückssterne

Claudia Winter , Jessica Schwarz
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Der Hörverlag, 12.12.2016
ISBN 9783844524406
Genre: Liebesromane

Rezension:

Klappentext:
Karriere, Heirat, Kinder. Die Anwältin Josefine weiß genau, was sie vom Leben erwartet. Doch kurz vor der Hochzeit brennt Josefines Cousine mit einem Straßenmusiker nach Schottland durch, den legendären Familienring im Gepäck. Als ihre abergläubische Großmutter daraufhin der Ehe ihren Segen verweigert, bleibt Josefine keine Wahl: Kurzentschlossen reist sie hinterher und gerät von einem Schlamassel in den nächsten. Gottseidank ist da auch noch der charismatische Konditor Aidan, der der Braut in spe immer wieder aus der Patsche hilft – dabei ist dieser Charmeur der Letzte, vor dem sie sich eine Blöße geben möchte. Aber der Zauber Schottlands lässt niemanden unberührt, und schon bald passieren seltsame Dinge , die so gar nicht in Josefines Lebensplan passen …

Meinung:
Für die Anwältin Josefine läuft am besten alles nach Plan. Abweichungen hasst sie und Spontanität ist ihr nicht geheuer. Verlobt mit ihrem Anwaltskollegen Justus, der genau die gleichen Ziele wie sie verfolgt, scheint sie den perfekten Partner für sich gefunden zu haben. Dass Justus langweilig ohne Ende ist, stört sie dagegen weniger. Für die Trauung benötigt sie aber unbedingt den Familienbrautring, denn ohne den Ring steht die Ehe unter keinem guten Stern, sind doch alle Ehen, die ohne den Ring geschlossen wurden, gescheitert. Doch so einfach wird es natürlich nicht für Josefine, denn ihre Cousine Charly hat den Ring gestohlen und sich nach Schottland abgesetzt. Kurzentschlossen reist Josefine ihr nach, denn ohne den Ring kein Segen der Großmutter, die als Familienoberhaupt die Zügel in der Hand hält. In Schottland trifft Josefine auf den charismatischen Aidan, der ihr aus so mancher Patsche hilft, denn Charlie zu finden ist gar nicht so einfach. Josefine wird aus ihrer Komfortzone geschubst und muss sich so einige unbequeme Frage über sich und ihr Leben stellen.
Auch wenn Josefine auf den ersten Blick sehr anstrengend wirkt, ich mochte sie von Anfang an sehr gerne und meine Sympathien für sie waren direkt sehr hoch. Als Leser erkennt man den Langweiler Justus direkt und natürlich fragt man sich, was sie an ihm findet. Die Herangehensweise der Charaktere ist somit also nichts neues, dafür aber sehr liebevoll und charmant umgesetzt. Auch Aidan mochte ich natürlich direkt auf Anhieb und die Chemie zwischen Josefine und Aidan lässt das romantische Herz direkt höher schlagen. Die zwei passen sehr gut zusammen, es gibt genügend Reibungspunkte um einige lustige Wortgefechte zu erzeugen und auch die vielen Nebenfiguren sind mit viel Liebe und Charme umgesetzt worden, allen voran die Zwillinge, die meine heimlichen Favoriten im Roman wurden.
Gelesen wird die Geschichte von Jessica Schwarz und nach anfänglicher Skepsis hat sich Frau Schwarz auch als richtige Wahl für dieses Hörbuch erwiesen. Anfangs dachte ich, dass Jessica Schwarz die Geschichte zu getragen erzählt, ist doch auch viel Witz in diesem Buch vorhanden. Doch nach einigem Einhören ist sie die perfekte Wahl für die doch eher etwas spröde Josefine, denn die Geschichte wird in der Ich-Perspektive erzählt. Und den Witz kann die Sprecherin tatsächlich auch gut rüberbringen. Und so wurden mir die Stunden, in denen ich diesem Buch lauschte, nicht lang. Viel zu schnell war die Geschichte erzählt und dass das Hörbuch eine gekürzte Version des Romans ist merkt man ihm nicht an. Natürlich hat das Ende mich nicht wirklich überraschen können, aber der Weg bis zum Happy End hat einfach unheimlich viel Spaß gemacht, besonders da Claudia Winter ihre Figuren auch konsequent weiter entwickelt hat, Ereignisse, Erlebnisse und Erfahrungen nicht einfach schnell abhandelt und somit Glaubwürdigkeit beim Reifungsprozess ihrer Figuren entwickelt.

Fazit:
Auch mit ihrem zweiten Roman Glückssterne konnte mich Claudia Winter wieder überzeugen. Eine schöne, kluge und gut durchdachte Geschichte fürs Herz, sympathische und hervorragend ausgearbeitete Figuren, eine glaubwürdige Entwicklung und ein tolles Setting haben mir unheimlich schöne Hörstunden bereitet.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Hörverlag für das Rezensionsexemplar.

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342 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 136 Rezensionen

trinity, erotik, liebe, audrey carlan, sex

Trinity - Verzehrende Leidenschaft

Audrey Carlan , Christiane Sipeer
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 02.01.2017
ISBN 9783548289342
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Klappentext:
Ich liebe dich. Ich will dich. Ich werde dich nie verlassen. Beim Gedanken an diese Worte bekommt Gillian Callahan Panik. Jahrelang wurde sie von ihrem gewalttätigen Ex-Freund misshandelt. Jetzt ist sie frei und arbeitet für Safe Haven, die Hilfsorganisation, der sie ihre Rettung verdankt. Das Thema Männer hat sie abgehakt. Bis sie bei einer Konferenz den Vorsitzenden von Safe Haven, Chase Davis, kennenlernt. Der attraktive Milliardär ist so sexy, dass Gillian schwindelig wird. Außerdem bekommt er immer, was er will – und er will Gillian. In ihr kämpfen Lust und Angst gegeneinander. Wird sie Chase vertrauen können? Ist sie bei ihm wirklich sicher? Und wie gefährlich ist ihre dunkle Vergangenheit?

Meinung:
Audrey Carlan hat mit ihrer Calendar Girl Reihe ziemlich für Furore gesorgt. Ich selber habe den ersten Teil ganz gerne gelesen, den zweiten empfand ich als etwas schwächer und Teil 3 und 4 stehen bei mir noch aus. Nun liegt mit Trinity bereits eine neue Reihe der Autorin vor und der Klappentext hat mich doch neugierig gemacht.
Schnell war ich dann auch in der Geschichte eingetaucht, denn die Autorin hält sich nicht lange mit großen Einleitungen auf und lässt die beiden Protagonisten Gillian und Chase zügig aufeinander treffen. Gillian fühlt sich direkt zu Chase hingezogen, hat aber immer noch die schlechten Erfahrungen aus ihrer Vergangenheit im Hinterkopf und möchte sich in nichts drängen lassen. Auch Chase ist eigentlich eher der Typ für One-Night-Stands, trotzdem will er unbedingt ergründen, was das mit Gillian ist. Und so nimmt Chase sich schnell einen Platz in Gillians Leben.
So schnell ich auch in der Geschichte drin war, so schnell war ich von den Protagonisten genervt. Gillian hat eine sehr unschöne und brutale Vergangenheit. Misshandlungen und Demütigungen haben sie geprägt, die Trennung von ihrem Ex-Freund hat sie viel Kraft und Mut gekostet. Nun ist sie zwar eine stärke Version ihrer Selbst, die seelischen Narben aber kann man nicht so leicht abschütteln, auch wenn man sich ein neues Leben aufgebaut hat. Gillian arbeitet mittlerweile erfolgreich in einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich um misshandelte Frauen kümmert. Und eigentlich ist sie, wenn sie nicht gerade mit Chase zusammen ist, eine taffe Frau, die zu sich steht und ihren Idealen treu bleiben möchte. Doch immer, wenn sie mit Chase zusammen ist, mutiert sie zum "Weibchen", fügt sich ohne große Hintergedanken all seinen Wünschen und folgt ihm wie ein Schoßhündchen. Zwar beteuert sie immer wieder, dass sie sich bei ihm aufgehoben und sicher fühlt und dass ihr es nichts ausmacht, sich ihm zu fügen, trotz der Erfahrungen, die sie gemacht hat. Aber gerade dieses Verhalten hat mir aufgestoßen und die Szenarien sehr scheinheilig erscheinen lassen, angesichts ihrer Vergangenheit. Chase selber war mir zu oft zu machohaft und bevormundend. Die Chemie zwischen den beiden ist bei mir einfach nicht angekommen.
Neben den Protagonisten hat mich auch die Handlung nicht überzeugt. Der Verlauf war mir zu glatt, die beiden kennen sich erst wenige Stunden und schon trennen sich deren Wege kaum noch. Auch die unzähligen unnötigen Umschreibungen im Roman nervten. Hier wird z. B. jedes Outfit bis ins kleinste Detail beschrieben, inkl. Markennamen und geschätzten Preis bzw. Marktwert. Schade, die Geschichte hätte durchaus Potential haben können, hätte die Autorin auf solche Details verzichtet und ihren Protagonisten mehr Freiraum gegeben. Als starke Frau habe ich Gillian nicht wirklich empfunden. Die erotischen Passagen waren in Ordnung, reichen aber nicht aus, um hier eine glaubhafte Geschichte zu präsentieren.
Erzählt wird der Roman in der Ich-Perspektive aus Gillians Sicht. Die Kapitel haben eine gute Länge und der Erzählstil ist flüssig.

Fazit:
Trinity - Verzehrende Leidenschaft trifft leider nicht meinen Geschmack. Gillians Verhalten und ihr hin und her haben mich mehr genervt, als unterhalten. Und auch Chase empfand ich nicht so als den Traummann, wie die Autorin sich das vielleicht vorgestellt hat. Dazu kommen viel zu viele unnötige Details im Buch, die die Handlung in die Länge ziehen und eine eher unglaubwürdig konstruierte Geschichte. Das kann der eigentlich recht einnehmende Erzählstil und der gute Einstieg in den Roman leider auch nicht mehr viel Wett machen.
Von mir gibt es 2 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die Ullstein Buchverlage für das Rezensionsexemplar.

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71 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

london, liebe, charity, weihnachtsgeschichte, social media

Winterglücksmomente

Karen Swan , Gertrud Wittich
Flexibler Einband: 550 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.10.2016
ISBN 9783442485413
Genre: Liebesromane

Rezension:

Klappentext:
Weihnachtszeit in London: Funkelnde Lichter, tanzende Schneeflocken und köstliche Düfte – für viele ist es die schönste Zeit des Jahres. Für Nettie Watson aber ist es die schmerzliche Erinnerung an das glückliche Leben, das sie einmal hatte. Ablenkung verspricht ihr Job bei einer Charity-Veranstaltung. Doch der Abend endet peinlich: Mit einer Panne zieht Nettie alle Blicke auf sich und landet sogar im Internet. Und plötzlich steht ihr Leben kopf – selbst der Popstar Jamie Westlake wird auf sie aufmerksam. Nettie blockt jede Annäherung ab, zu groß ist ihre Angst vor Nähe – doch sie hat ihre Rechnung ohne die Liebe gemacht ...

Meinung:
Ein Weihnachts-/Winterroman von Karen Swan gehört ja mittlerweile für mich zum festen Programm in der Winterzeit. Und pünktlich dazu lieferte der Goldmann Verlag ein neues Buch der Autorin.
Diesmal geht es um Nettie. Nettie ist nicht besonders mutig und geht nicht gerne Risiken ein. Viel zu schmerzlich sitzt ihr ihre Vergangenheit im Nacken. Doch plötzlich steht Netties Leben Kopf. Auf einer Veranstaltung, bei der sie für ihre Firma Spenden eintreiben sollen, passiert ihr ein Missgeschick, das sie zum Internetstar werden lässt, denn Nettie saust, als blaues Kaninchen verkleidet, eine Eisbahn hinab. Fortan soll sie für den Sponsor weitere Challenges abhalten. Auch der Musiker Jamie Westlake wird auf Nettie aufmerksam. Und ihr bester Freund Dan scheint auf einmal auf mehr von ihr zu wollen, als nur Freundschaft.
Nettie ist einfach nur nett und sympathisch. Und ich habe ganz schön mit ihr mitgelitten, denn die ganze Internet-Sache mit dem blauen Häschen setzt ihr doch ziemlich zu. Wie gewohnt sind auch die Nebenfiguren im Roman wieder sehr schön umgesetzt und runden den Roman gut ab. Zwar ist die eine oder andere Person etwas anstrengend, die Schicksale im Buch aber sind wieder einmal sehr berührend und mit Spannung habe ich die Geschichte verfolgt, denn bei Karen Swan sind die Beziehungsentwicklungen immer wieder überraschend, so dass man sich nicht auf seinen ersten Eindruck verlassen kann.
Die Handlung ist modern und aktuell und greift das Thema Internet, Hashtags und den ganzen Social-Media-Rummel auf. Dabei geht Karen Swan nicht mit einem mahnenden Finger an die Sache heran, zeigt aber auch die Schattenseiten des Internethypes auf. Gut geplottet und unterhaltsam bis zur letzten Seite hat das Buch genau meinen Winterlesegeschmack getroffen und war für mich zur richtigen Zeit zur Hand. Die Kapitel und Seiten flogen nur so dahin und Netties Geschichte wird in der dritten Person erzählt, wobei der Blickwinkel hauptsächlich auf sie gerichtet bleibt. Die Übersetzerin Getrud Wittich hat es ganz toll geschafft, den Flair und Zauber des Buchs ins Deutsche zu bringen. Zwar spielt die Geschichte in der Weihnachtszeit, kann aber auch außerhalb dieser gelesen werden. Für das richtige Flair empfehle ich aber schon die kalte Jahreszeit.

Fazit:
Wer romantische Bücher, die eine interessante und berührende Geschichte erzählen, sucht, ist mit diesem Buch auf jeden Fall gut beraten. Die Handlung ist klug und unterhaltsam erzählt, beinhaltet genügend Witz, um nicht zu schmalzig zu werden, und kann mit seinen sympathischen Charakteren überzeugen.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

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202 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 65 Rezensionen

bourbon, intrigen, geheimnisse, liebe, j.r.ward

Bourbon Kings

J.R.Ward , Marion Herbert , Katrin Kremmler , Katrin Kremmler
Flexibler Einband: 520 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 03.01.2017
ISBN 9783736303225
Genre: Liebesromane

Rezension:

Klappentext:
Seit Generationen geben die Bradfords in Kentucky den Ton an. Der Handel mit Bourbon hat der Familiendynastie großen Reichtum und viel Anerkennung eingebracht. Doch hinter der glänzenden Fassade verbergen sich verbotene Liebschaften, skrupellose Machtspiele, Verrat, Intrigen und skandalöse Geheimnisse ...

Meinung:
J. R. Ward ist für mich keine unbekannte Autorin. Schon mit ihrer Black Dagger Reihe hat mich die Autorin begeistert vor allem wegen ihrem fesselnden Schreibstils und den umfangreichen und gut ausgearbeiteten Plots. Einziger Wermutstropfen bei der Reihe war, dass immer wieder etwas Neues dazu kam, ohne das andere Bereiche abgeschlossen wurden. Das wurde mir auf die Dauer zu lang, weshalb ich damals die Reihe nicht weiter verfolgte. Nun liegt eine Serie der Autorin vor, die mich direkt vom Inhalt angesprochen hat und an die Zeiten von Dallas und dem Denver Clan erinnert hat.
Und auch hier sind Intrigen, Tragödien und Verwicklungen an der Tagesordnung. Im Fokus dieses Romans stehen die Landschaftsgärtnerin Lizzie und der Dynastie-Erbe Tulane, kurz Lane. Die zwei verbindet eine leidenschaftliche Beziehung, die aber aufgrund der Standesunterschiede unglücklich verlief. Lane verließ das Anwesen und ließ Lizzie und seine Frau zurück. Nun kehrt er zurück und in der Familie wird nichts mehr so sein, wie es einmal war. Denn eine riesige Welle an Schwierigkeiten rollt auf die Familie zu und Lane scheint der einzige zu sein, der sie retten kann.
Auch wenn sich die Handlung augenscheinlich auf Lizzie und Lane konzentriert, so stehen doch noch viel mehr Personen im Fokus dieses Romans. So spielen auch Lanes Geschwister Edward und Virginia eine wichtige Rolle, sowie einige weitere Figuren, auf die ich hier nicht alle eingehen möchte, um nicht zuviel von der Handlung vorwegzunehmen. J. R. Ward zeigt wieder einmal, dass sie komplexe Figuren schaffen kann, die glaubwürdig wirken, Sympathien und Antipathien hervorrufen, vielschichtig und nicht immer leicht einschätzbar sind.
Neben den Figuren ist aber auch die Handlung einfach nur fesselnd. Von der ersten Seiten an war ich an das Buch gefesselt. Großartige Szenen, ein spannender, wendungsreicher Plot und eine tolle Kulisse sorgen für atemlose Lesestunden. Ich habe mitgefiebert, gehofft, gebangt, gerätselt und das Buch mit viel Bedauern beendet, denn es bleibt noch so viel zu klären, dass ich es kaum erwarten kann, den nächsten Band in den Händen zu halten.
Die Übersetzerinnen Marion Herbert und Katrin Kremmler haben hier richtig gute Arbeit geleistet und dafür gesorgt, dass sich das Buch zu einem Pageturner entwickelt. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, erzählt wird in der dritten Person, wobei der Blickwinkel sich zwischen den verschiedensten Protagonisten abwechselt. Und obwohl hier eine hohe Anzahl an Personen auftritt, habe ich den Überblick über diese nicht verloren (und das sogar ohne Personen-Register). Weiterhin hat mir unheimlich gut gefallen, dass der Fokus hier nicht rein auf der Liebesgeschichte und den Bettszenen liegt, sondern die Autorin hier eine runde Mischung geschaffen hat.

Fazit:
Wow, was für eine Saga. Was für unsere Mütter Dallas oder Der Denver Clan war, ist für uns nun Bourbon Kings. Spannung, Leidenschaft, Intrigen, hier bleibt kein Stein auf dem anderen und nichts ist so, wie es auf den ersten Blick wirkt. Ich bin selten so restlos von einem Buch angetan, Bourbon Kings hat es geschafft. Mit diesem Buch habe ich ein erstes Lesehighlight in 2017 gefunden. Ein ganz klare Leseempfehlung!
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Lyx Verlag für das Rezensionsexemplar.

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

krieg, hamburg, vergangenheit, vergebung, hass

Gestorben wird immer

Alexandra Fröhlich , Keil & Keil
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Penguin, 11.10.2016
ISBN 9783328100010
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Der Tod war Agnes’ Geschäft. Über Jahrzehnte hinweg führte sie den Steinmetzbetrieb Weisgut & Söhne in Hamburg und lenkte gebieterisch die Geschicke der Familie. Mit 91 Jahren nun hat Agnes von allem und jedem genug, sie will reinen Tisch machen und endlich das Geheimnis lüften, das sie viel zu lange schon mit sich herumträgt. Da ihre Tochter das Weite gesucht hat, beauftragt sie ihre Enkelin Birte, die Einzige, die aus demselben harten Holz geschnitzt ist wie sie, den ganzen Clan zusammenzutrommeln – kein einfaches Unterfangen, denn alle sind sich spinnefeind. Es ist Zeit für die Wahrheit.

Meinung:
Mit ihren 91 Jahren merkt Agnes, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleiben wird. Um sich mit ihrer Vergangenheit auszusöhnen bittet sie ihre Enkelin Birte, die Familie zu versammeln. Kein einfaches Unterfangen für Birte, ist die Familie doch zum Teil untereinander zerstritten und auch zu ihrer eigenen Mutter Magda hat sie keinen Kontakt mehr. Doch Birte tut, worum sie gebeten wurde und muss sich so auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen.
Im Fokus des Buchs stehen Agnes und Birte, sowie Magda. Alle Frauen tragen Wunden aus der Vergangenheit mit sich herum, die sich in den unterschiedlichsten Formen auf ihre Persönlichkeiten auswirken. So ist Birte teils recht schroff, aber auch sehr strebsam und ehrgeizig. Auch Agnes ist ehrgeizig, hält die Zügel fest in der Hand und führt das Familienunternehmen konsequent und scheinbar rücksichtslos. Magda dagegen ist sehr verloren und eigenartig, menschliche Interaktionen fallen ihr schwer. Alle Charaktere, seien es Haupt- oder Nebenfiguren, sind authentisch und mit genügend Tiefe ausgearbeitet. Zwar hat mir Birtes schroffe Art manchmal etwas zu schaffen gemacht, doch die Figur bleibt sich treu und auch das sollte man honorieren.
Kapitelweise wechseln sich in diesem Buch die Zeitebenen ab. Die Geschichte beginnt im Jahr 2008, um dann im nächsten Kapitel in die 70er Jahre zu wechseln und im dritten dann in den 1930er Jahren anzukommen. Dieses Muster zieht sich durch das ganze Buch. So erhält man als Leser nach und nach ein genaues Bild über die Familiengeschichte - und Geheimnisse und erfährt, wie die Ereignisse aus der Vergangenheit immer noch in der Gegenwart nachhallen. Die Zeitsprünge sind übersichtlich und verwirren nicht, die Erzählweise ist der jeweiligen Erzählperspektive angepasst, was dafür sorgt, dass man sich den Charakteren noch näher fühlt. Historisch interessant und fesselnd erzählt kann das Buch bis zur letzten Seite den unterhalten. Und das große Familiengeheimnis bleibt auch recht lange Zeit eins, was für zusätzliche Spannung im Roman sorgt.
Erzählt wird der Roman in der dritten Person, die Kapitel haben eine übersichtliche Länge und die Sichtweise wechselt zwischen Birte, Agnes und Magda.

Fazit:
Gestorben wird immer ist eine gut ausgearbeitete und kurzweilige Familiengeschichte über drei Generationen hinweg, die zeigt, wie sich die Vergangenheit auch auf die Gegenwart aus- und nachwirkt. Zwar waren die Protagonisten nicht immer einfach und manchmal etwas nervig, dafür aber blieben sie ihren Charakterzügen treu.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Liebe wird aus Mut gemacht

Catharina Junk
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 19.05.2017
ISBN 9783499271212
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
"Vielleicht ja, vielleicht nein. Lasst euch überraschen."
Gesund – aber nicht geheilt. Das ist Ninas Diagnose nach überstandener Leukämie.
Für die Zwanzigjährige klingt das wie: Freu dich bloß nicht zu früh. Ohnehin hat die Krankheit alles verändert. Mit ihrer besten Freundin Bahar ist sie zerstritten, ihr Bruder ist streng gläubig geworden, und Nina würde eher einem Hütchenspieler vertrauen als ihrem eigenen Körper. Dann lernt Nina Erik kennen und ist schneller in ihn verliebt, als ihre Angst vor einem Rückfall es erlaubt. Aber wie soll Liebe funktionieren, wenn einem der Mut zum Leben fehlt?

Meinung:
Nina ist gerade mal 20 Jahre alt, als sie an Leukämie erkrankt. Nun, ein Jahr später, ist sie zwar gesund und kann das Krankhaus verlassen, den Status "geheilt" hat sie aber noch nicht erreicht. Immer wieder schwebt die Angst vor einem Rückfall über ihr. Wie soll man da sein Leben fortsetzen, wenn hinter jedem Ziehen und Zwacken der Verdacht auf eine Neuerkrankung lauert? Und überhaupt ist das Leben und die Menschen um Nina herum jetzt anders als zuvor. Jeder ist so rücksichtsvoll und Nina wird mit Samthandschuhen angepackt, dabei will einfach nur mit dem Leben weiter machen. Doch dann verliebt sich Nina in Erik.
Nina erzählt ihre Geschichte in der Ich-Perspektive und gerade das macht dieses Buch sehr intensiv. Ninas Weg ist hart, aber sie ist kein Mensch, der schnell den Mut verliert, auch wenn die Erkrankung an ihrem Gemüt zieht. Ich mochte Nina unheimlich gerne, habe mit ihr gefiebert und gelitten, aber auch gelacht, denn Nina hat eine Art, mit ihrer Umwelt zu agieren, die oft zum Schmunzeln und Lachen führt. Sie kann sehr sarkastisch sein, aber gerade dieser Zug macht ihre Situation so greifbar und besonders.
Überhaupt lässt sich dieses Buch ganz wunderbar lesen. Und trotz der sehr harten und schmerzlichen Thematik schafft es Catharina Junk mühelos, den Leser nicht zu überfordern, Wissen zu vermitteln und Lichtblicke in den Roman einfließen zu lassen. So wechselt sich die Geschichte kapitelweise immer wieder zwischen dem jetzt, in dem Nina gesund ist und ihren Weg zurück ins Leben sucht, ab mit den Zeiten und Erlebnissen im Krankenhaus während ihrer Erkrankung und Genesung. Dieser Mix sorgt dafür, dass die Geschichte nicht zu schwermütig und bedrückend wird. Und dank des lockeren Erzähltons wird dieses Buch zu einem richtigen Pageturner.
Schön fand ich die Botschaft, die Catharina Junk in diesem Roman vermittelt. Nur weil der Status "gesund" lautet, geht es dem Patienten nicht automatisch besser. Und eine schwere Erkrankung zieht noch viel mehr nach sich, als nur das eine Krankheitsbild. Die Ängste und gesundheitlichen Probleme, die einen danach noch begleiten, werden uns Außenstehenden oft kaum gewahr. Und somit ist Auf Null ein wichtiges Buch, dass ich persönlich nur jedem ans Herz legen kann.

Fazit:
An diesen Roman bin ich mit ein wenig Angst heran gegangen, denn wer will schon gerne Bücher über sterbenskranke Menschen lesen? Doch der Mut hat sich gelohnt, denn dieses Buch ist alles andere als schwermütig und deprimierend. Lebensbejahend und mit viel Humor, aber auch sehr einfühlsam erzählt Catharina Junk, wie schwer es für einen Menschen ist, nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung den Weg zurück ins Leben und zum Lebensmut zu finden und für sich selber einzustehen. Habt keine Angst vor dem Thema und lest dieses Buch!
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die Rowohlt Verlage für das Rezensionsexemplar.

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104 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

geister, liebe, dark diamonds, annie j. dean, carlsen

Seelenhauch

Annie J. Dean
E-Buch Text: 439 Seiten
Erschienen bei Dark Diamonds, 28.10.2016
ISBN 9783646300109
Genre: Fantasy

Rezension:

Klappentext:
Die 20-jährige Helen glaubt nicht an Geister. Als fertig ausgebildete Krankenschwester hat sie bereits einige Menschen sterben sehen, aber nie wurde sie von einer rastlosen Seele heimgesucht. Das ändert sich schlagartig, als sie sich nach einer scheinbar harmlosen Partie Gläserrücken plötzlich nicht mehr allein fühlt und von einem sterbenden Patienten um einen letzten Gefallen gebeten wird: Sie soll das Zuhause eines gewissen Kilian aufsuchen. Ihre Recherche führt sie in ein steinreiches Villenviertel und direkt in die Arme des attraktiven Jungdesigners Elias. Zusammen versuchen sie der Geschichte des verstorbenen Erben auf die Spur zu kommen – und werden dabei direkt in die Vergangenheit katapultiert…

Meinung:
Dark Diamonds ist das neue Impress eBook-Label aus dem Carlsen Verlag und Seelenhauch ein Roman aus der ersten Veröffentlichungsreihe. Zeitmangel hat den Roman viel zu lange auf meinem Reader schlummern lassen, doch einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Mit Geistern hat Helen nichts am Hut und nur auf Drängen ihrer Mitbewohnerinnen macht sie bei einer Seance mit. Womit keiner der drei gerechnet hat ist, dass sie sich tatsächlich einen Geist in die Wohnung holen, der besonders auf Helen anspricht und sie nicht mehr loslässt. Sie soll sich auf die Suche nach einem Verstorbenen namens Kilian von Berg machen. Bei ihrer Suche trifft sie auf den Designer Elias, der ebenfalls Erscheinungen mit dem Geist hat. Gemeinsam versuchen sie die Ereignisse aus der Vergangenheit zu ergründen, kommen sich dabei näher und geraten selber in Gefahr.
Ich mochte Helen und Elias unheimlich gerne. Annie J. Dean hat mir viel Fingerspitzengefühl hier sehr sympathische und authentische Charaktere geschaffen, die den Leser direkt ansprechen und in die man sich hervorragend hineinversetzen kann. Sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren sind mit genügend Tiefe aufgebaut und sorgen somit für ein rundes Lesegefühl.
Auch der Schreibstil ist fesselnd und angenehm, die Geschichte spannend geplottet und die Handlung packend umgesetzt. Längen und Lücken finden sich keine Roman und so fliegen die Seiten förmlich dahin. Auch die Liebesgeschichte, die einen Teil der Handlung ausmacht, ist schön, aber nicht kitschig umgesetzt, umrahmt die Handlung, dominiert sie aber nicht. Schon länger hat mich keine Mysteriegeschichte so fesseln können, wie diese. Elias und Helen erzählen ihre Geschichten aus der Ich-Perspektive. Die Kapitel sind moderat lang und viel zu schnell ist man durch die Geschichte durch, die ich mit ein wenig Wehmut beendet habe.

Fazit:
Seelenhauch hat mich richtig positiv überrascht. Die Geschichte ist spannend und mysteriös, die Romanze im Buch berührend aber nicht kitschig und überhaupt ist der Roman richtig schön kurzweilig und unterhaltsam.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Dark Diamonds Verlag für das Rezensionsexemplar.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Sophie und die Sibylle

Patricia Duncker , Barbara Schaden
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 04.10.2016
ISBN 9783827012746
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Im September 1872 herrscht helle Aufregung in den Salons der Berliner Gesellschaft: George Eliot, die weltberühmte Schriftstellerin mit dem Männernamen, weilt in der Stadt. Als rätselhafte Erscheinung, als „Sibylle“, wird sie von ihren Zeitgenossen gleichermaßen bewundert und als skandalös empfunden. Ihre Wirkung auf Männer wie auf Frauen ist legendär, dabei ist sie weder jung noch schön. Ihr deutscher Verleger Max Duncker, ein Heißsporn mit Hang zu Spiel und hübschen Frauen, begegnet der Eliot zum ersten Mal. Auch um sich die Rechte am zweiten Teil von Middlemarch zu sichern, ihrem neuesten Roman, setzt er alles daran, die große Dame zu umgarnen. Doch versprochen hat er sich der Gräfin Sophie von Hahn, einer Tochter aus vermögendem Hause. Sie ist glühende Verehrerin der Autorin und möchte sie unbedingt treffen, obwohl das für eine anständige junge Frau nicht statthaft wäre. Max hingegen will eine solche Begegnung nicht nur deshalb verhindern. Aus Verehrung, Verliebtheit, Eifersucht, Begehren und Verfehlung entsteht ein obsessiver Reigen zwischen Autorin und Verleger, Verleger und Leserin, Leserin und Autorin …

Meinung:
Spricht man über viktorianische Autoren, kommt man an dem Namen George Eliot nicht vorbei. Bei diesem "Autor" handelt es sich aber nicht um einen Mann, sondern um eine Frau. Aber das dürfte den meisten Literaturkennern ja bekannt sein ;)
Patricia Duncker nimmt diese Autorin hier als Grundlage für ihren Roman um den Verleger Max Duncker und die Gräfin Sophie von Hahn. Max soll die junge Gräfin heiraten, so hat sein Bruder es mit Sophies Vater vereinbart. Gleichzeitig soll Max aber auch dafür sorgen, dass das neue Werk der berühmten Autorin in ihrem Haus übersetzt und publiziert wird. So muss Max also zum einen der George Eliot, hier immer bezeichnet als "die Sibylle", hinterherreisen und seinen Charme spielen lassen, aber auch immer wieder bei der Familie von Hahn vorstellig werden, um die Verlobung voranzutreiben. Dabei muss er feststellen, dass die junge Sophie keinesfalls eine ruhige, genügsame, brave Ehefrau sein möchte, sondern ihren eigenen Kopf und ihre Vorstellungen hat. Max findet das keineswegs anziehend, andererseits aber zeigt er enorme Besitzansprüche der Braut in Spe gegenüber. Und die Sibylle? Sie bekommt das Treiben natürlich mit und zieht im Hintergrund die Fäden, wobei es lange sich nicht klar abzeichnet, ob sie für oder gegen das Paar ist.
Ich muss gestehen, ich habe ein wenig gebraucht um in die Geschichte hineinzufinden. Ganz dem großen Vorbild entsprechend ist der Erzählstil dem viktorianischen Zeitalter angelehnt, was zwar wunderbar zur Story passt, dem unbedarften Leser aber etwas Startschwierigkeiten bereitet. Hat man aber einmal in die Erzählweise hineingefunden, entfaltet sich ein gut durchdachter und konzipierter Roman, der durchaus zu fesseln vermag.
Interessant fand ich die Vermengung von realen Figuren und Fiktion. Zwischen der Hauptgeschichte erzählt uns die Autorin in kleinen Kapiteln mehr über die berühmte Autorin. Diese Herangehensweise hat anfangs für ein wenig Verwirrung bei mir gesorgt, ich habe mich aber auch da recht letztendlich schnell hineingefunden. Insgesamt ist die Figurenkonstellation und Entwicklung ganz spannend umgesetzt und der arme Max hat mir manchmal fast leidgetan, wie er so zum Spielball der beiden Damen wurde. Erzählerisch liegt das Hauptaugenmerk aber auf Max und Sophie, die Kapitel haben eine moderate Länge und die Geschichte wurde von Barbara Schaden übersetzt. Ganz besonders gut haben mir aber hier die Schauplatzbeschreibungen gefallen. Patricia Duncker hat es mühelos geschafft, historisch wichtige Orte wie z. B. Berlin zu visualisieren und die damalige Zeit aufleben zu lassen.

Fazit:
Ich habe ein wenig gebraucht, um in die Geschichte einzusteigen. Dann aber war ich drin und hatte einige fesselnde Lesestunden mit Sophie und die Sibylle. Besonders schön ist der Schreibstil, der z. B. Leserherzen von viktorianischen Lektüren höher schlagen lassen dürfte. Die klug konstruierte Geschichte, durchsetzt mit vielen realen Figuren und Fakten hat mir dann doch gut gefallen und ich war froh, dass ich im ersten Teil des Buchs durchgehalten habe.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Berlin Verlag für das Rezensionsexemplar.

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150 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

comic con, roxy, graham, john hughes, nerds

Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums

Sarvenaz Tash , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Magellan, 25.07.2016
ISBN 9783734850271
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Klappentext:
Immer an seiner Seite und doch so unerreichbar wie ein ferner Planet – das ist seine beste Freundin Roxy für Graham. Seit Monaten sucht er einen Weg, ihr seine grenzenlose, epische, unsterbliche Liebe zu gestehen. Bei ihrem gemeinsamen Wochenende auf der New Yorker Comic-Convention will er seine Chance endlich nutzen. Leider kommen ihm immer wieder ein gut aussehender Engländer, seine Schüchternheit und die geheimen Liebesgesetze des Universums in die Quere …

Meinung:
Graham und Roxy sind beste Freunde und leidenschaftliche Comic Fans. Nicht nur, das sie gemeinsam eine eigene Comic-Serie zeichnen, auch ihre Leidenschaft für die Serie "Althena" verbindet die zwei. Doch Grahams Gefühle gegenüber Roxy haben sich verändert und auf der Comic-Con in New York möchte er ihr endlich seine Liebe gestehen. Doch dafür braucht er den perfekten Moment. Als die Ankündigung kommt, dass niemand geringeres als der Schöpfer der "Althena"-Reihe auf der Messe sein wird, sieht Graham darin seine Chance. Doch ein Bändchen für das Event zu ergattern ist alles andere als leicht. Ebenso, wie den perfekten Moment zu finden.
Mit Graham, Roxy und ihren Freunden hat Sarvenah Tash wirklich wundervolle und liebenswerte Charaktere geschaffen. Zwar ist jeder für sich in gewissen Graden ein Nerd, trotzdem wird man von ihnen stark angesprochen, denn mal ehrlich, in jedem von uns steckt doch irgendwo ein kleines Fangirl oder -boy. Und so findet man immer wieder eigene Züge in den Protagonisten wieder oder erinnert sich an Eigenheiten aus der Jugend, die einem vertraut erscheinen. Dabei kommen die Probleme, Ängste, Gedanken und Gefühle der Figuren gut rüber, bleiben realistisch und sind nicht verkitscht.
Nicht nur die Protagonisten haben mir gefallen, auch die Handlung hat mir sehr zugesagt, denn auch diese bleibt realistisch und unterhaltsam. Und so zeigt sich, dass man gerade in den unperfekten Momenten Perfekte finden kann. Denn natürlich läuft für Graham hier nicht alles wie am Schnürchen und es gilt so einige Rückschläge, auch in Bezug auf die Messe, einzustecken. Viele Anspielungen auf bekannte Serien, Filme und Comics laden zum Entdecken ein, und sogar bei mir als Erwachsene wurden einige nostalgische Momente wach (ich sage nur "Pretty in Pink").
Sarvenah Tashs Schreibstil, der hier wirklich schön von Sarah Knuffinke und Jessica Komina übersetzt wurde, ist wundervoll eingängig. Graham erzählt seine Geschichte in der Ich-Perspektive und lässt uns so an seinen Gefühlen und Gedanken teilhaben. Die übersichtlichen Kapitel und die heitere, berührende Geschichte, lassen die Seiten nur so dahinfliegen. Und die liebevolle Aufmachung des Buchs ist ein weiterer Hingucker, ab das nur mal so am Rande erwähnt.

Fazit:
Schon länger habe ich keinen so stimmigen Jugendroman mehr gelesen. Hier stimmt eigentlich alles: Die Protagonisten sind liebenswert und glaubhaft, die Geschichte realistisch und berührend. Und die Geschichte über weite Strecken heiter erzählt. Ich habe mich hier richtig gut aufgehoben, nicht nur als Serien, Comic und/oder Filmfan.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Magellan Verlag für das Rezensionsexemplar.

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49 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

roman, susann rehlein, liebe, berlin, kaufhaus

Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten

Susann Rehlein
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.10.2016
ISBN 9783832198107
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Lucy Schröder würde die Liebe nicht erkennen, wenn man sie mit der Nase darauf stieße. Als sie sieben war, erwischte ihr Vater sie bei einer Testreihe zur Funktionsweise des Küssens und schärfte ihr daraufhin ein, sich von Liebe und Gefühlsduselei fernzuhalten. Jetzt ist sie erwachsen – und hält sich immer noch daran. Erfolgreich wehrt sie jeden Annäherungsversuch ab. Ihr Leben als Schneekugeldesignerin ist auch ohne die Gegenwart anderer Menschen interessant genug, findet sie.
Doch eines Tages ändert sich alles. Als wäre im Himmel die Zuckerwattemaschine verrückt geworden, hüllt Zuneigung die spröde Lucy von allen Seiten ein. Sie hat nämlich eine Beratertätigkeit im maroden Kaufhaus Schönstedt angenommen, und hier arbeiten so liebevolle und freundliche Menschen, dass Lucy gar nicht anders kann, als sich zu öffnen. Die Folge ist der völlige Kontrollverlust, das war ja klar. Lucy verliebt sich. Hals über Kopf. Mit Haut und Haar. Mit Mann und Maus. Da hilft auch das Orakel des fahlen Fisches nicht mehr, das Lucy gerade für eine Schneekugel baut und das für diesen Fall vorschlägt: "Zieh dich warm an, Mädchen, es wird heiß."

Meinung:
Lucy Schröder ist kein wirklich umgänglicher Mensch und das möchte Sie auch nicht sein. Am liebsten ist sie für sich, alleine in ihrem Zimmer, um sich der Produktion ihrer Schneekugeln zu widmen. Leider haben ihre Mitbewohner dafür gesorgt, dass sie einen Therapeuten aufsuchen muss. Und der verordnet Lucy, dass sie auf Menschen zugehen soll. Und Lucy? Die ist davon alles andere als begeistert, stellt aber fest, dass sie eine neue Hose braucht und landet so in dem maroden Kaufhaus Schönstedt. Und dank ihres etwas anderen Blickwinkels auf Umstände und Geschehen wird Lucy als Beraterin in diesem Kaufhaus eingestellt. Das hat aber auch zur Folge, dass Lucy aus ihrer Komfortzone gedrängt wird und sich mit ihrem Leben auseinander setzen muss. Und mit der Liebe, der sie eigentlich aus dem Weg gehen wollte.
Lucy Schröder ist echt keine einfache Protagonistin und ich habe etwas gebraucht, um mit ihr warm zu werden. Denn ihre sehr schroffe, kratzbürstige Art und ihre manchmal sehr verqueren Gedanken haben mir zu schaffen gemacht. Aber ich habe nach und nach viele liebenswerte Eigenheiten an Lucy entdecken können und ihre Geschichte und Vergangenheit fing an, mich zu berühren. Ebenso wie in Rehleins Debüt sind es aber auch hier wieder die vielen Nebencharaktere, die der Geschichte den nötigen Drive verleihen und dafür sorgen, dass Lucy als Person beim Leser besser ankommt.
Nach also anfänglichen Startschwierigkeiten, mich in die Geschichte hineinzufinden, erfasste mich beim Lesen dann doch nach und nach ein Sog, der mich den Roman nicht mehr weglegen ließ. Das Kaufhaus Schönstedt erinnert an ein etwas marodes, altbackenes KaDeWe. Die Szenen sind stimmig ausgearbeitet und mich packte ehrlich gesagt die Lust, mich selber ins Kaufhaus zu stürzen und dort einen Tag zu verbringen. Die Geschichte ist abgedreht und skurril, aber auch liebenswert und berührend. Denn Lucys Geschichte ist schon sehr bewegend und ich konnte immer besser verstehen, warum sie so ist, wie sie ist. Zwar kann ich nicht beurteilen, wie realistisch Lucys Schicksal ist, für entsprechende Unterhaltung hat es aber durchaus gesorgt.
Lucys Geschichte wird in der dritten Person erzählt, der Blickwinkel bleibt aber auf Lucy gerichtet. Genau gekennzeichnete Kapitel finden sich im Buch nicht, Abschnitte sind durch Sterne oder gezeichnete Fische hervorgehoben. Das hat mich anfangs ein wenig verwirrt, nach ein wenig Eingewöhnung aber nicht mehr gestört.

Fazit:
Susann Rehleins zweiter Roman brauchte ein wenig, bis ich mit ihm warm wurde. Lucy ist keine einfache Protagonistin und bedarf einiger Zeit, bis man sich mit ihr anfreunden kann. Trotzdem hat die Geschichte was und ich fühlte mich wohl im Buch. Die Geschichte ist schön konstruiert, berührt und hat sich zu einem kleinen Pageturner für mich entwickelt. Wer ein wenig Geduld mit Lucy mitbringt, kann hier eine schöne Geschichte entdecken.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die DuMont Buchverlage für das Rezensionsexemplar.

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69 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

berlin, gefühlschaos, traurigkeit, planlos, erwachsenwerden

Realitätsgewitter

Julia Zange
Fester Einband: 157 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 14.11.2016
ISBN 9783351036584
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst.

Meinung:
Was hält das Leben für einen bereit? Marla ist Mitte Zwanzig und treibt durch Berlin. Das Studium hat sie abgebrochen, von ihren Eltern erhält sie immer noch finanzielle Unterstützung. Statt einem festen Beruf geht Marla lieber auf Partys. Auf Facebook hat sie über 1000 Freunde, doch wenn sie jemanden braucht, ist keiner für sie da. Doch dann entziehen ihre Eltern ihr die Unterstützung und Marla muss für ihren Unterhalt selbst aufkommen. Marla sieht sich gezwungen, sich mit sich selber und ihrer Familie auseinander zu setzen.
Marla war für mich kein einfacher Charakter. Oft mochte ich sie nicht, ist sie doch sehr selbstbezogen, klammert und jammert, nervt mit ihrem Gehabe und ihrer Einstellung zum Leben. Doch je näher ich Marla kennen lernte, umso mehr tat sie mir doch leid, denn Marla ist ein sehr verlorener Mensch. Ihr fehlt der Rückhalt im Leben durch Freunde und Familie. Und je mehr ich über sie erfuhr, umso klarer wurde mir, wie sie so werden konnte, wie sie ist. Marla polarisiert und stellt somit eine Symbolfigur für eine ganze Generation dar. Die Nebenfiguren im Buch geben Marla den nötigen Rahmen, um sie plastischer darzustellen, ihr Tiefe zu verleihen und ihre Rolle im Buch abzurunden.
Julia Zange nimmt in ihrem Roman viele Themen unters Korn und setzt in klaren, kurzen Sätzen ein Statement zur heutigen Gesellschaft, zu Normen und Sachverhalten. Und sie bringt ihre Ansichten direkt auf den Punkt, ohne groß drum herum zu reden. Überhaupt ist der Erzählstil minimalistisch, aber pointiert. Kein Wort zu viel oder zu wenig. Selten habe ich so gute, treffende Sätze gelesen. Julia Zange hält der Gesellschaft einen Spiegel vor und überlässt es dem Leser, darüber zu entscheiden, was er in diesem sieht.
Die Handlung selber ist straff erzählt, hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf und so passiert doch recht viel auf den wenigen Seiten. Manchmal war es fast schon zu schnell, wie Marlas Leben hier an einem vorbei zieht. Die recht kurzen Kapitel, in denen Marla in der Ich-Perspektive erzählt, was in ihr vorgeht, machen das Buch zu einer sehr kurzweiligen, aber intensiven Lektüre.

Fazit:
Selten ist es mir so schwer gefallen, eine Buchbesprechung zu erstellen und die richtigen Worte zu finden. Realitätsgewitter ist intensiv, kurzweilig und auch schockierend. Kurze, prägnante Sätze und treffende Aussagen, Julia Zange weiß, wie sie den Leser erreicht.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar.

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130 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

liebe, hochzeit, tempting love, lyx verlag, j.lynn

Tempting Love - Hände weg vom Trauzeugen

J. Lynn , Friederike Ails
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 09.12.2016
ISBN 9783736303645
Genre: Liebesromane

Rezension:

Klappentext:
Was Madison Daniels auch versucht, Chase Gamble geht ihr einfach nicht aus dem Kopf. Wie auch, bei seiner charmanten Art und einem Lächeln, das verboten gehört – wie eigentlich alles an ihm. Und seit Chase ihr deutlich zu verstehen gegeben hat, dass Beziehungen für ihn ein rotes Tuch sind, geraten sie bei jeder Gelegenheit aneinander. Da Chase jedoch der Trauzeuge ihres Bruders ist, wollen beide das Kriegsbeil wenigstens für die paar Tage begraben – bis sie erfahren, dass das Hotel völlig ausgebucht ist und sie sich eine romantische Hochzeitssuite teilen müssen …

Meinung:
J. Lynn gehört ja zu einer meiner liebsten Romance-Autorinnen. Ihre New Adult Reihe Wait for you habe ich so gerne gelesen, dementsprechend neugierig war ich auf die Tempting Love Reihe.
Im ersten Band muss Madison als Trauzeugin auf der Hochzeit ihres Bruders herhalten. An sich nicht schlimm, wäre der Trauzeuge nicht der beste Freund ihres Bruders und ihr langgehegter Schwarm Chase. In Washington läuft sie ihm zwar auch immer wieder über die Füße, nun sind die Bedingungen aber noch enger aneinander geknüpft und Madison fürchtet um ihr Herz, denn Chase ist als Herzensbrecher und Frauenschwarm bekannt. Natürlich sorgen die beiden Streithähne für einigen Zündstoff und bald schon folgt hier eins auf andere.
J. Lynns Protagonisten sind nett, das kann man nicht anders sagen. Madison ist herzlich und ein guter Mensch. Chase ist ein tüchtiger Geschäftsmann mit einer gehörigen Portion Selbstzweifel, was das eigene Verhalten, bzw. die vererbten Verhalten betrifft. Und so machen beide natürlich den einen oder anderen Reifungsprozess hier durch um den Roman zum Happy End zu führen. Die Entwicklung der Figuren war solide, aber wenig überraschend und folgt somit gängigen Mustern der Liebesromane. Anhand der Kürze des Romans blieb allerdings nicht ganz so viel Platz um richtig Tiefgang bei den Protagonisten zu erzeugen, so dass man letztendlich das Gefühl hatte, doch nur an der Oberfläche der Figuren gekratzt zu haben.
Auch Handlungsmäßig gibt es hier eigentlich keine Überraschungen, womit ich aber schon gerechnet habe. Und schlimm finde ich es nicht wirklich, denn manchmal braucht man einfach solche kleinen Romane, die einen festen Weg gehen, dabei aber unterhalten können. Denn das Setting, das J. Lynn hier ausgewählt hat, ist schön und anschaulich umgesetzt. So fühlt man sich als Leser gut aufgehoben und kurzweilig unterhalten.
Die Kapitel sind recht kurz gehalten und Madison und Chase erzählen ihre Geschichte abwechselnd in der Ich-Perspektive. Übersetzt wurde der Roman von Friederike Ails.

Fazit:
Tempting Love - Hände weg vom Trauzeugen erfindet das Rad im Bereich Liebesromane nicht neu. Die Handlung ist solide und vorhersehbar, der Schreibstil angenehm und kurzweilig, die Protagonisten stereotyp und nicht unsympathisch, aber mit weniger Tiefgang als erhofft. Unterhaltsame Lesestunden bereitet dieses kurze Buch auf jeden Fall, man sollte halt nur nicht mit zu hohen Erwartungen hier herangehen.
Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Lyx Verlag für das Rezensionsexemplar.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

sammlerstücke, legograph, comic-figuren, lego bildband, lego-figuren

Megalife

Samsofy
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 18.11.2016
ISBN 9783455378245
Genre: Sonstiges

Rezension:

Klappentext:
Legomännchen faszinieren nicht nur Kinder weltweit. So hat man diese Figuren aber noch nie gesehen: Der Franzose Samsofy inszeniert sie und Comic- und Filmfiguren derart verblüffend zu Hause oder im öffentlichen Raum, dass er mit seinen Fotos in kürzester Zeit weltberühmt geworden ist. Seine Fotos überraschen durch ihre Perspektive und Phantasie und sind voll subtilen Humors und Poesie. Jetzt sind die besten »Legographys«, wie Samsofy seine Werke nennt, endlich in einem schönen Geschenkbuch versammelt.

Meinung:
Ich bin ja mit Lego aufgewachsen. Zwar waren in den 80er Jahre die Gesichter der Lego-Männchen noch viel schlichter gehalten und kannten nur einen Ausdruck, freundlich und mit Punkt-Augen, so haben die heutigen Lego-Gesichter doch viel mehr Aussagekraft und vermitteln Stimmungen, sind ängstlich, grimmig oder verdammt gut gelaunt. Auch erinnere ich mich noch gut an so manches legendäre You-Tube-Filmchen, in denen kreative Köpfe ihre Legosammlung mittels Stop-Motion zum Leben erweckte. Und all dem setzte dann später der Kinofilm, der sich auch bei meinen Kindern großer Beliebtheit erfreut, die Krone auf. Mehr geht nicht? Doch, etwas geht immer.
Und das zeigt uns der Franzose Samsofy sehr kreativ in seinem Bildband Megalife. Egal ob Alltagsszenen, Filmszenen oder die Einbindung von Superhelden und anderen populären Charakteren in seinen Bildern, immer wieder setzt Samsofy hier sehr originell und mit sehr viel Witz die Legofiguren in Szene. Da kämpf z. B. Wolverine mit dem Teelöffel, den Magneto um ihn biegt oder da wäscht Batman seine Kostüme oder gar eine Schar Zombie-Legos wollen in Schach gehalten werden, auf jeder Seite gibt es etwas Neues zu entdecken. Besonders faszinierend an den Bildern ist, dass diese manchmal wie Schnappschüsse wirken, Momentaufnahmen in Lego festgehalten. Auch kann man sich die Bilder immer wieder ansehen, entdeckt eine neue Facette darin oder staunt über die Aussagekraft.
Dieses Buch bedarf keiner Worte, es macht einfach Spaß. Und das nicht nur Lego-Fans, sondern auch allen anderen an zeitgenössischer Kunst Interessierten oder gar einem Cineasten. Mein ältester Sohn zieht das Buch immer wieder aus dem Schrank. Wer weiß, vielleicht liefert er mir demnächst auch eigene Lego-Werke?

Fazit:
Megalife macht richtig viel Spaß, egal ob man das Buch selber behält oder verschenkt. Die Bilder sind selbsterklärend, witzig, modern und sprechen kleine und große Leser an. Ein tolles Buch zum immer wieder in die Hand nehmen.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar.

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212 Bibliotheken, 54 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

überwachung, experiment, t. c. boyle, die terranauten, rache

Die Terranauten

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 09.01.2017
ISBN 9783446253865
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
In einem geschlossenen Ökosystem unternehmen Wissenschaftler in den neunziger Jahren in den USA den Versuch, das Leben nachzubilden. Zwei Jahre lang darf keiner der acht Bewohner die Glaskuppel von „Ecosphere 2“ verlassen. Egal, was passiert. Touristen drängen sich um das Megaterrarium, Fernsehteams filmen, als sei es eine Reality-Show. Eitelkeit, Missgunst, Rivalität – auch in der schönen neuen Welt bleibt der Mensch schließlich doch, was er ist. Und es kommt, wie es kommen muss: Der smarte Ramsay verliebt sich in die hübsche Dawn – und sie wird schwanger. Kann sie das Kind austragen? T.C. Boyles prophetisches und irre komisches Buch, basierend auf einer wahren Geschichte, berührt die großen Fragen der Menschheit.

Meinung:
Ich kann mich noch vage erinnern, in meiner Jugend von einem Projekt namens "Biosphere 2" gehört zu haben. In diesem Projekt sollten 8 Menschen 2 Jahre lang in einem isolierten Komplex leben, als Selbstversorger und ohne dass von außen Einfluss genommen wurde. Im zweiten Versuch scheiterte Biosphere 2 damals, die Anlage steht aber immer noch und wird auch mittlerweile wieder für wissenschaftliche Zwecke genutzt. Dem Szenario um diese Biokuppel hat sich nun T. C. Boyle angenommen und daraus einen Roman konstruiert, der sich nahe an den damals tatsächlich stattgefundenen Ereignissen orientiert.
Hier wird das Projekt Ecosphere 2 genannt und auch hier sollen 4 Männer und 4 Frauen 2 Jahre lang autark in der Anlage wohnen. Das erste Projekt ist bereits gescheitert, da von außen zu viele Zugriffe erfolgten. Der 2. Versuch soll deshalb unter keinen Umständen scheitern, egal was kommt und passiert, da sind sich alle Beteiligten sicher. Und jeder ist bereit, alles zu geben, um dieses Vorhaben durchzuziehen. Doch innerhalb der Sphäre ist das Leben nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick wirkt Das enge miteinander setzt den Terranauten gehörig zu. Und auch der Druck von außen ist hoch, schließlich will das Projekt ja finanziert werden. So sollen die Terranauten also jederzeit für Presse und Publikum verfügbar sein, sich anständig benehmen und ja nicht aus der Rolle fallen. Dann aber wird eine Terranautin schwanger und das Projekt droht endgültig zu kippen.
Wenn T.C. Boyle etwas richtig gut kann, dann kluge und fesselnde Charaktere und Zusammensetzungen zu konstruieren. Im Fokus dieses Buchs liegen drei Protagonisten: Die Terranauten Dawn und Richard, sowie Daws Freundin Linda, die es nicht in das Projekt geschafft hat. Jeder der drei erzählt seine Geschichte in der Ich-Perspektive, weshalb man über jeden einen guten Eindruck über deren Charaktereigenschaften, Gedanken und Handlungen erhält. Alle drei Personen sind sehr ich-bezogen, was für reichlich Zündstoff sorgt und dem Leser aber auch öfters mal einen Spiegel vor die Nase hält. Denn in der Extremsituation, in der sie sich befinden, tauchen so manche Züge auf, die nicht nur die Sonnenseiten des Lebens beleuchten. Neid und Missgunst, Ehrgeiz und Rücksichtslosigkeit, dies sind nur ein paar der Motive, die die Protagonisten hier umtreiben. Aber neben all diesen Negativen Eigenschaften schafft Boyle es mühelos, dass man auch bei den unsympatischsten Figuren deren Gefühle und Einstellungen nachvollziehen kann. Ich mochte die Figuren im Buch unheimlich gerne, nicht nur aufgrund ihrer Komplexität, sondern auch wegen ihrer Authentizität.
Aber nicht nur die Charaktere beleben den Roman, auch die Handlung selber ist großartig umgesetzt. Immer wieder fragt man sich, ob die Geschehnisse so auch wirklich passiert sind, wo die Fiktion einsetzt und welche Szenen real sind. Neben den Ereignissen in Ecosphere 2 wird aber auch immer wieder auf Presse und Wissenschaft eingegangen. Boyle zeichnet wieder einmal ein großartiges und zynisches Bild über die westliche Kultur, und zeigt, wie abhängig unsere Wissenschaftler von Sponsoren sind und wie viel Pressearbeit gemacht werden muss, um forschen zu können. Gekonnt lotet er die zwischenmenschlichen Beweggründe aus und lässt den Leser nachdenklich zurück. Der Übersetzer Dirk van Gunsteren hat einen richtigen Pageturner aus Boyles Worten gezaubert und das Buch lies mich nicht mehr los. Die zum Teil recht langen Kapitel fielen daher kaum auf.

Fazit:
Ich mag die Bücher von T.C. Boyle unheimlich gerne, wirft der Autor doch immer wieder einen ganz genauen, kritischen Blick auf unsere Gesellschaft, Menschen und Ereignisse. Auch in Die Terranauten bleibt der Autor sich treu, fesselt den Leser an ein spannendes Stück Geschichte und weiß seine Leser zu unterhalten.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die Hanser Literaturverlage für das Rezensionsexemplar.

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90 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

embryo, drama, mord, hamlet, london

Nussschale

Ian McEwan , Bernhard Robben
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.10.2016
ISBN 9783257069822
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Trudy betrügt ihren Ehemann. Sie wohnt nach wie vor in seinem Haus – einem heruntergekommenen Einfamilienhaus in London, das ein Vermögen wert ist –, aber ohne ihren Gatten, den Dichter und Verleger John. Stattdessen geht dort sein Bruder ein und aus, der zutiefst banale Bauunternehmer Claude. Trudy und Claude haben einen Plan. Doch ihre Intrige hat einen Zeugen: das wissbegierige, knapp neun Monate alte, ungeborene Kind in Trudys Bauch.

Meinung:
Als ungeborenes Kind hat man es nicht einfach, besonders wenn man die Untreue der Mutter mitbekommt und ebenso einen Mordplan, ohne dass man eine Möglichkeit sieht, dem Opfer - in diesem Fall der eigene Vater - warnen zu können. Zur Untätigkeit verdammt begleitet unser Held uns so durch die Ereignisse, in die Trudy und Claude ihn hineingezogen haben und sinniert dabei über das Leben, seine Freuden und dessen Missstände.
Der kleine Mann in diesem Buch ist wahrlich ein sehr altkluges und intelligentes Kerlchen. Mit viel Weitblick und Verstand wirkt er, als hätte er schon eine 60-jährige Lebenserfahrung hinter sich. Auch den angenehmen Dingen im Leben widmet er sich gerne, soweit die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten es ihm gewähren; sei es ein guter Wein oder eine spezielle Delikatesse, allem ist diesem Kind nicht abgeneigt. Dank der Podcasts seiner Mutter ist er auch sehr gut informiert, hat eine eigene Meinung zu vielen Themen und weiß es schon, wie er die Weltverhältnisse zu analysieren hat. Man merkt schon, man darf ihn als Person also nicht mit einem regulären Säugling vergleichen, was mir als Mutter von 2 kleinen Kindern aber enorme Schwierigkeiten bereitet hat.
Denn es fiel mir sehr schwer den Umstand auszublenden, dass es sich um ein ungeborenes Kind handelt, welches hier seine Weisheiten zum Besten gibt. Das Verhalten der Mutter hat mir enorm aufgestoßen und mir die Lektüre etwas verleidet. Was eigentlich total schade ist, denn der Erzählstil im Roman ist großartig, voller tiefer Weisheiten, Denkanstößen und auch viel bitter Ironie und Sarkasmus. McEwan stellt viele Thesen in diesem Roman auf, die sehr viel Wahrheit und sehr viel Kritik enthalten. Diese sprechen auch aktuelle Themen an, wie z. B. die Flüchtlingskrise oder Regierungsprobleme. Und auch die Gesellschaft an sich bekommt in diesem Roman ihr Fett weg.
Neben dem ungeborenen Kind sind aber auch Trudy und Claude wichtige Personen im Roman. Diese waren mir allerdings nicht wirklich sympathisch, stechen sie doch eher mit ihren negativen Charaktereigenschaften als mit den positiven hervor. Aber ohne diese wäre die Geschichte natürlich nur lauwarm und hätte nicht die Dramatik, die man von dieser Hamlet-Adaption erwartet ;)
Spannend ist der Roman aber trotz meiner Schwierigkeiten mit Mutter und Kind allemal, denn man möchte ja doch wissen, ob Trudy und Claude ihr Ziel erreichen und ob sie damit durchkommen werden, sollte der Mord gelingen. Die Kapitel sind moderat lang gehalten und da das Kind seine Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt, erhält man viele ungewöhnliche Einblicke in die Ereignisse.

Fazit:
Nussschale hat mich sehr zwiegespalten zurück gelassen. Auf der einen Seite hat mich der großartige Erzählstil begeistert, auf der anderen Seite hat mich Trudys Umgang mit ihrem ungeborenen Kind abgestoßen. Ich, als junge Mutter, brauche vielleicht mehr Abstand zu der Geschichte, doch es fiel mir schwer, die Umstände auszublenden. Wer sich nicht daran stört, wird hier wahrscheinlilch besser unterhalten, denn das Buch bietet trotz allem unheimlich viele kluge Ansätze und Gedanken.
Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

kurzgeschichten, liebe

Eine letzte Liebschaft

Richard Yates , Thomas Gunkel
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei DVA, 26.09.2016
ISBN 9783421046185
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Richard Yates gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der US-amerikanischen Nachkriegsgeneration, für manche ist er der »missing link« zwischen Tennessee Williams und Raymond Carver. Der Band Eine letzte Liebschaft versammelt die neun letzten noch nicht auf Deutsch veröffentlichten Erzählungen des Autors. Ganz gleich, ob er das unterdrückte Begehren einer Hausfrau in der Vorstadt thematisiert, die Verzweiflung eines Büroangestellten in Manhattan oder das gebrochene Herz einer alleinerziehenden Mutter – niemand porträtiert die Alltagshoffnungen und -enttäuschungen seiner Figuren so schonungslos, doch mitfühlend wie Richard Yates.

Meinung:
Eigentlich lese ich eher selten Kurzgeschichten. Doch die vielen positiven Stimmen zu Richard Yates haben mich neugierig gemacht.
Und schon mit der ersten Geschichte hat Richard Yates mich eingefangen. Mit seinem grandiosen Erzählstil (hier übersetzt von Thomas Gunkel), mit seinen Figuren, mit dem,was Yates zu erzählen hat. Denn auch wenn manche Geschichten zeitlich schon recht alt sind und in den 50er/60er Jahren spielen, so sind die Probleme und Sorgen der Charaktere immer noch aktuell und treffen den Nerv des Lesers.
Besonders beeindrucken empfand ich, wie dicht Yates seine Protagonisten trotz der kurzen Anzahl an Seiten geschaffen hat. Mühelos konnte ich mich in die Figuren hineinversetzen, habe ihre Ängste und Sorgen verstanden, habe mit ihnen gelitten und mich mit ihnen gefreut.
Aber auch die Geschichten selber haben mich berührt, die Auswahl der Themen hat zum Nachdenken angeregt und mich lange und über die Lektüre hinaus beschäftigt. Die kurzen Geschichten ließen sich mühelos in den Lesetag einbauen und viel zu schnell war das Buch durch und hinterließ ein leichtes Gefühl der Leere bei mir, denn gerne hätte ich noch länger in Yates Worten und Welten verbracht.
Ich habe mit diesem Buch einen neuen Schriftsteller für mich entdecken können, denn auch wenn mir der Autor zwar schon was sagte, so war dies doch meine erste direkte Begegnung mit ihm. Aber sie wird nicht meine letzte bleiben ;)

Fazit:
Selten habe ich so gute Kurzgeschichten gelesen, die alles beinhalten, was sie benötigen. Die Geschichten sind dicht, atmosphärisch und berührend, treffen einen Nerv und wirken lange nach. Großartig!
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die DVA für das Rezensionsexemplar.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die kleine Feder

Giorgio Faletti , Gaby Wurster
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 15.11.2016
ISBN 9783455370324
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Eine anrührende Fabel über die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Eine Feder fliegt über ein Dorf, dessen Bewohner nur wahrnehmen, was unmittelbar vor ihren Augen geschieht. Die Feder belauscht einen König und seinen General, die Pläne für einen Krieg schmieden, und sich nicht darum scheren, wer diesen Kampf ausfechten muss; sie begegnet vielen unglücklichen Figuren, ehe sie in den Blick von jemandem gelangt, der fähig ist das zu verstehen, was bis dahin niemand vermochte, bevor sie schließlich in einem Theater landet, wo eine schöne Ballerina mit gebrochenem Herzen tanzt.

Meinung:
Es gibt Bücher, die sind kleine Kleinode. Die kleine Feder ist eines dieser Bücher. Denn in diesem kleinen Märchen begleiten wir eine Feder durch mehrere Kapitel und Szenarien. In diesen trifft die Feder auf verschiedene Menschen, doch alle scheinen zu beschäftigt zu sein, um den Blick zu heben und die Feder zu bemerken.
In einer Kurzgeschichte bleibt natürlich nicht viel Platz, um komplexe Figurenbilder einzubauen. Aber Giorgio Falettis Protagonisten, die hier als Stereotypen fungieren, geben trotzdem ein gutes Bild über ihre Beweggründe. Ob es der im ständigen Krieg liegende König ist, der habgierige Kardinal oder die verliebte Tänzerin, alle werden ihren Rollen gerecht und füllen diese gut aus. Als Leser findet man gut in die Figuren hinein, kann die Beweggründe nachvollziehen und findet sich sogar in der einen oder anderen Figur wieder. Das sorgt natürlich dafür, dass das Buch selber nicht spurlos an einem vorbei geht und stimmt einen Nachdenklich.
Das Buch selber besticht auch durch seine schöne Erzählweise und die Botschaft, die es vermittelt. Die Kapitel sind übersichtlich und eher kurz gehalten, was für einen guten Lesefluss sorgt. Erzählt in der dritten Person und von Gaby Wurster übersetzt, ist das Büchlein kurzweilig, passt perfekt in einen gemütlichen Lesesonntag, regt zum Nachdenken an und ist einfach ein schönes Geschenkbuch. Es hat mir persönlich sehr viel Spaß gemacht, der kleine Feder zu folgen und ihr Geheimnis zu ergründen.

Fazit:
Die kleine Feder ist eine kleine, aber feine Kurzgeschichte, die eine märchenhafte Reise durch menschliche Werte antritt und zeigt, dass es sich lohnt, öfter mal den Blick nach oben zu riskieren und nicht immer alles hinterfragen zu müssen.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar.

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das Geheimnis der verlorenen Zeit

John Wray , Bernhard Robben
Fester Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 21.09.2016
ISBN 9783498073640
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Eingeschlossen in einer Blase angehaltener Zeit sitzt der junge Waldemar Tolliver in einem vermüllten Apartment am Central Park in New York und versucht, Herr seiner Geschichte zu werden. (Aber vielleicht hat er auch nur zu viel Science-Fiction gelesen.) Über hundert Jahre Familiengeschichte muss er erforschen und verstehen, um wieder in die Welt zurückkehren zu können. (Glaubt er.)
Ein grandioses Panorama breitet sich aus: Waldemars Urgroßvater, Produzent eingelegter Gurken und Hobby-Physiker aus dem k.u.k. Znaim, war dem Geheimnis der Zeit auf der Spur. Nein, besser noch: dem Geheimnis menschlicher Reisen durch die Zeit! Leider gingen die Unterlagen bei einem dummen Unfall mit einem Automobil verloren.
Drei Generationen von Tollivers – Genies, Kriminelle, Verlierer, Visionäre - ruhen fortan nicht, das Geheimnis zu lüften, obwohl bald ein deutscher Patentamtsangestellter namens Einstein mit ganz ähnlichen Theorien Schlagzeilen machen wird …

Meinung:
Waldemar hat ein Problem. Er sitzt in einer Zeitblase fest, die sich im Apartment seiner Tanten befindet, ohne Aussicht, diese je wieder verlassen zu können. Also sinniert Waldemar über sein Leben und das seiner Familie, schreibt Briefe an seine große Liebe und erzählt ihr, wie sein Urgroßvater das Geheimnis über die verlorene Zeit fand und gleich darauf verlor und wie seine Familie sich seitdem auf die Suche nach dieser befindet. Somit stellen sich im Roman die zwei großen Fragen: Was ist das Geheimnis um die verlorene Zeit? Und wird es Waldemar gelingen, der Zeitblase zu entkommen?
John Wray hat sich sehr genau mit seinen Charakteren auseinander gesetzt, und man merkt ihnen ihre Tiefe und Komplexität an. Egal ob es sich um Waldemar, seine Tanten, die mysteriöse Mrs. Haven oder andere Figuren handelt, alle bestechen mit ihren Eigenarten, Charakterstärken und -schwächen, sowie den gut ausgearbeiteten Hintergründen. Mir haben die Protagonisten wirklich gut gefallen und mal mehr, mal weniger Sympathien bei mir hervorgerufen. Die Charaktere greifen schlüssig ineinander, wirken teilweise geheimnisvoll und sorgen so für genügend Spannung in der Handlung.
Der Handlungsverlauf selber ist komplex, tiefsinnig und bedarf einiger Aufmerksamkeit beim Lesen, denn neben der Familiengeschichte kommt auch allerlei Fachwissen in diesem Roman vor. Das sorgt auf der einen Seite dafür, dass der Roman sehr umfangreich und komplex wird, auf der anderen Seite ist es aber kein Roman, den man mal soeben nebenbei liest. Man muss Zeit und Ruhe mitbringen, um hinter die Mysterien der Geschichte zu blicken, doch es lohnt sich, diese mitzubringen. Denn man erhält hier auch ein spannendes Bild durch die Zeitgeschichte, einen Liebesroman und eine Familienepos neben so einigen mystischen Elementen und physikalischen Einsichten. Der Sprachstil ist weitestgehend eingängig und sorgt für einen angenehmen Lesefluss, ist man erst einmal in der Geschichte eingetaucht. Neben Waldemars Briefen an Mrs. Haven finden sich Rückblicke auf seine eigene Geschichte, die das Verhältnis zur Briefempfängerin beleuchten und Kapiteln, in denen die Familiengeschichte Waldemars beginnend bei seinem Großvater chronologisch erzählt wird.

Fazit:
Das Geheimnis der verlorenen Zeit ist ein fantastisch anmutender Roman, über physikalische Größen, Familien, Liebe, Verluste und die eigene Identität. Ein wenig Zeit sollte man sich auf jeden Fall für dieses Werk nehmen, denn eine seichte Lektüre für zwischendurch ist dieses Buch auf keinen Fall. Wer Bücher von David Mitchell mag, sollte ruhig einen Blick auf diesen Roman riskieren :)
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die Rowohlt Verlage für das Rezensionsexemplar.

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(31)

69 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

spannung, thriller, michel bussi, spannend, frankreich

Das verlorene Kind

Michel Bussi , Barbara Reitz , Eliane Hagedorn
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 15.08.2016
ISBN 9783352008863
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Klappentext:
Malone ist ein ganz normaler Junge. Er spielt gerne mit seinem Stofftier und liebt es, Geschichten zu erfinden. Oder sagt er etwa die Wahrheit, wenn er behauptet, dass die Frau, bei der er lebt, nicht seine leibliche Mutter ist? Keiner glaubt ihm. Keiner außer dem Schulpsychologen Vasile, dem es nach und nach gelingt, aus Malones Erinnerungsfetzen, die Wahrheit zusammenzusetzen. Doch plötzlich ist sein Leben in größter Gefahr und das von Malone ...

Meinung:
Eigentlich wirkt auf den ersten Blick alles um den kleinen Malone durchaus normal, doch das Kind behauptet, dass die Frau, die ihn aufzieht, nicht seine richtige Mutter ist. Alles nur ein Hirngespinst des 5-jährigen oder ist doch mehr an dem dran, was Malone behauptet? Dem Psychologen Vasile lässt das nicht los und er wendet sich an die Polizei. Doch die haben gerade andere Probleme, um die sie sich kümmern müssen und gehen der Sache deshalb er mal nur halbherzig hinterher. Vasile forscht auf eigene Faust nach, was sein Leben und das des Kindes in höchste Gefahr bringt.
Ich war ja von der Beschreibung des Klappentextes sofort eingenommen. Wie kann das sein, dass ein kleines Kind solche Behauptungen aufstellt? Was ist dran, wie sieht die Wahrheit wirklich aus? Spannungsmäßig hat Michel Bussi hier wieder alle Register gezogen und ich als Leser habe während des Lesens, wieder viele Theorien aufgestellt, verworfen, überdacht und mich von der Auflösung doch überraschen lassen, da ich mit diesem Ausgang so nicht gerechnet hatte. In dieser Hinsicht hat das Buch mich also nicht enttäuscht.
Leider bleiben bei all der Spannung im Buch leider die Charaktere auf der Strecke, die diesmal ziemlich blass wirkten und mit denen ich einfach nicht warm wurde. Viel zu distanziert blieben mir z. B. Vasile, Marianne oder Amanda, deren Motivationen der Autor zwar ausarbeitet, es leider aber nicht schafft, genügend Tiefe zu erzeugen. Sehr schade, denn grundsätzlich hätten diese eigentlich ordentlich Potential gehabt.
Insgesamt hat mich, neben dem eingängigen Erzählstil, hauptsächlich das große Geheimnis um Malone am Buch gehalten. Erzählt wird der Roman in der dritten Person, wobei die Sichtweise zwischen den einzelnen Charakteren wechselt und man so nach und nach ein genaues Bild über die aktuellen und vergangenen Ereignisse erhält. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und der Plot ist gut ausgearbeitet, so dass die Spannung wirklich bis zur letzten Seite gehalten werden kann.

Fazit:
Das verlorene Kind bietet einen vielversprechenden Ansatz, den er leider mit seinen Figuren nicht halten kann. Zwar schafft es Bussi wieder einmal, viele überraschende Wendungen in die Handlung einzubauen, über die schwachen Charaktere kann das leider nicht hinwegtäuschen. Einzig, dass ich der Auflösung entgegen gefiebert habe, hat mich am Roman dranbleiben lassen.
Von mir gibt es 2,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Erzählende Bilder

Richard McGuire , Stephan Kleiner
Fester Einband: 584 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.11.2016
ISBN 9783832199234
Genre: Comics

Rezension:

Klappentext:
Seit über zehn Jahren arbeitet Richard McGuire als Illustrator für das legendäre Magazin ›The New Yorker‹. Neben Coverentwürfen zeichnet er Vignetten – jene unauffälligen visuellen Zierelemente, die, verstreut über den Zeitschriftentext, ehemals als Lückenfüller gedient haben und heute kleine, eigenständige Kunstwerke sind.
Wurden Vignetten in der Vergangenheit mehr oder weniger willkürlich über die Magazinseiten verteilt, begreift McGuire sie erstmals als zusammenhängende Sequenzen. ›Erzählende Bilder‹ verbindet diese originell-geistreichen und humorvollen Mini-Serien zu einer einzigartigen Kurzgeschichtensammlung.
Mal verfährt McGuire mit ihnen wie mit einem Comicstrip, mal als enthüllte er Einzelbilder eines Daumenkinos. Mit nur wenigen Strichen gelingt es ihm dabei, Objekte zum Leben zu erwecken und ihnen eine Persönlichkeit zu verleihen. Eine visuelle Lektüre, die einmal mehr von McGuires Ideenreichtum, Wandlungsfähigkeit und künstlerischer Brillanz zeugt.

Meinung:
Einst dienten Vignetten als Lückenfüller in Tageszeitungen, heutzutage sind diese kleinen Zeichnungen schon sowas wie Kult, zu mindestens in der New York Times. In diesem stimmigen Bildband werden einige Werke von Richard McGuire zu kleinen Comicsequenzen zusammengestellt. Sie erzählen kleine Geschichten, mal unterhaltsam und amüsant, mal nachdenklich stimmend und mit wenigen Strichen auf den Punkt gebracht.
Dieses Buch bedarf nicht vieler Worte, denn die Bilder sprechen hier für sich. So findet man im Buch auch nur eine Einleitung von Luc Sante, der uns unwissenden Leser über die Herkunft und Bedeutung der Vignette aufklärt und den Künstler Richard McGuire näher bringt.
Die einzelnen Bilder sind schlicht, aber detailliert und aussagekräftig. Mir persönlich haben sie gut gefallen und es macht Spaß, in den einzelnen Kapiteln eine ganze Geschichte zu entdecken. Man kann das Buch entweder konsequent von vorne nach hinten durchblättern, oder einfach nach Lust und Laune mittendrin aufschlagen, Freude hat man immer an den Bildern und Szenen. Ein wenig kommen da schon nostalgische Gefühle auf, erinnern die schlichten Bilder mich doch manchmal an die "Vater und Sohn" Bildergeschichten aus meiner Schulzeit.
Die schicke schwarz-weiße Aufmachung des Buchs ist auf jeden Fall ein Hingucker im Regal, und eine tolle Geschenkidee für Kunstinteressierte.

Fazit:
Erzählende Bilder ist ein ungewöhnliches Kunstbuch, das mit seinen schlichten, aber starken Bildern besticht und für viel Spaß und Vergnügen sorgt. Diesen Band nimmt man gerne immer wieder in die Hand. Und im Regal ist er auf jeden Fall ein schicker Hingucker. Wer noch auf der Suche nach einem schönen Band zum Verschenken ist: Hier wird er fündig.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die DuMont Buchverlage für das Rezensionsexemplar.

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135 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

magie, schweden, zauberer, lars vasa johansson, glück

Anton hat kein Glück

Lars Vasa Johansson , Ursel Allenstein , Antje Rieck-Blankenburg
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 21.10.2016
ISBN 9783805203876
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Holla, die Waldfee
Ein Anruf seiner Eltern und eine E-Mail vom Elektrodiscounter sind die einzigen Glückwünsche, die Anton zu seinem 45. Geburtstag erhält. Aber der grummelige Berufszauberer mag Menschen sowieso nicht besonders. Seit Jahren tingelt er mäßig erfolgreich mit seinen Auftritten von Altersheim zu Einkaufszentrum. An und für sich würde ihn all das gar nicht stören. Wäre da nicht sein Erzfeind Sebastian, der mit seiner spektakulären Zaubershow in ganz Schweden Erfolge feiert. Ausgerechnet mit Charlotta an seiner Seite, Antons Ex-Freundin.
Früher waren Anton und Sebastian befreundet und haben gemeinsam gezaubert, nun sieht Anton überall die riesigen Plakate, die Sebastians und Charlottas Tournee ankündigen und auf denen groß in silbernen Buchstaben Together in Magic Forever steht. Es liegt auf der Hand: Für Anton läuft es nicht gut. Im Grunde läuft es überhaupt nicht. Aber niemand ist besser darin als er, sich das Leben schönzureden. Bis er sich eines Nachts im Wald verirrt und ein seltsames Mädchen trifft. Danach scheint Anton plötzlich vom Pech verfolgt zu werden. Als ernsthafter Zauberer glaubt Anton natürlich nicht an Magie. Aber langsam dämmert ihm, dass er etwas an seinem Leben ändern muss…

Meinung:
Anton hat Geburtstag. Er ist 45 geworden und hat keinen Menschen, der mit ihm feiert. Aber was soll's, feiert er halt allein. Außerdem muss er ja noch seinen Auftritt in einem Altersheim über die Bühne bringen, schließlich verdient er als Magier seine Brötchen. Der Auftritt verläuft mehr schlecht als recht, ist das Publikum doch äußerst undankbar, zu mindestens aus Antons Sicht. Und als er dann auf noch auf dem Heimweg mitten im Wald ein Sofa anfährt, ist Antons Stimmung endgültig im Eimer. Auf der Suche nach Hilfe begegnet er im Wald einem kleinen Mädchen, das ihn bittet, mit ihm Blumen zu pflücken. Für derlei Späße hat Anton aber nun absolut keine Zeit, und so handelt er sich einen Unglücks- und Todesfluch von dem kleinen Mädchen ein, schließlich ist sie eine Waldfee. Fortan ist Anton von Pech geplagt und er muss irgendwann einsehen, dass er Hilfe braucht. Hilfe brauchen auch die Bewohner des Waldes, die Anton versprechen, wenn er drei Aufgaben erledigt, ihn von dem Fluch zu befreien. Anton muss sich auf seiner Mission einigen unangenehmen Fragen stellen, besonders seine Person betreffend. Ob er die Aufgaben erledigen kann und von dem Fluch befreit wird?
Es wundert einen nicht, dass Anton verflucht wird, denn er ist wirklich kein sehr umgänglicher Zeitgenosse. Von Neid zerfressen, ständig am Nörgeln, egoistisch und pedantisch. Anton kann man nichts rechts machen und eigentlich sollte ihm immer das Glück zufallen. Das ist zumindest einer seiner Standpunkte, mit denen er sich bei seinen Mitmenschen nicht wirklich beliebt macht. Beim Leser auch nicht unbedingt, denn er ist einfach ziemlich anstrengend. Aber Anton hat mir auch ein wenig leidgetan, sind seine Eltern doch recht kühl ihm gegenüber und die Ansprüche, denen er gerecht werden soll, doch sehr hoch. Insgesamt weisen die Protagonisten im Buch einen sehr typischen, schwedischen Stil auf. Wer also schon Bücher a'la Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand mochte, wird sich hier mit den Charakteren wieder gut aufgehoben fühlen. Mir selber war Anton manchmal etwas zu nervig und überheblich, mit den Nebencharakteren aber hatte ich viel Spaß.
Die Handlung selber ist originell, witzig bis abstrus, und gut durchgearbeitet. Der Erzählstil ist flüssig und unterhaltsam und bringt einem oft zum Schmunzeln, manchmal sogar zum Lachen. Die kurzen Kapitel sorgen ebenfalls für einen guten Lesefluss und machen das Buch sehr kurzweilig. Die Szenen sind schön ausgearbeitet und man erhält ein genaues Bild über die Umgebung und die Umstände. In Rückblick-Kapitel erfährt man neben der eigentlichen Handlung auch mehr über Antons Vergangenheit, so dass man die Figur besser versteht und nachvollziehen kann, warum Anton so ist, wie er ist. Anton erzählt seine Geschichte in der Ich-Perspektive und lässt und so teil an seinem Leben und Vorstellungen haben.

Fazit:
Anton hat kein Glück weiß durchaus zu unterhalten, hat aber auch einen sehr anstrengenden Protagonisten, den man nicht direkt ins Herz schließen kann. Aber es macht Spaß, Antons Unglücksserie zu verfolgen und seinen Weg der Läuterung zu begleiten. Wer Bücher mit schwedischem Humor mag, wird sich hier gut aufgehoben fühlen.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Ein Jahr lang gut essen

Nigel Slater , Sofia Blind , Jonathan Lovekin
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.10.2016
ISBN 9783832199128
Genre: Sachbücher

Rezension:

Klappentext:
Frei nach diesem Wahlspruch hat Nigel Slater sein jüngstes Werk zusammengestellt: Anhand von 250 neuen Rezepten führt er durch das Jahr und teilt seine Neugier, seinen Appetit und seine Freude, andere mit guten Gerichten zu beglücken, mit dem Leser.
Schweinekottelet mit Rhabarber-Chutney im Januar, gegrillter Grünspargel mit Zitronenpüree im Mai, Langustinen mit Parmesan-Butter und Chili im August und Gnocchi mit Sahne und Dolcelatte-Käse im Dezember. Was nach komplizierter Gourmetküche klingt, erklärt Slater in seinen sinnlichen und unterhaltsamen Texten auf lebendige und leicht verständliche Weise, gespickt mit Anekdoten und grundsätzlichen Überlegungen zur Bedeutung von gutem Essen.
Und für Abende, an denen es schnell gehen muss, finden sich zwischen den Tagebucheinträgen vier Jahreszeitenkapitel mit saisonalen Alltagsgerichten, denen man sich auch nach einem langen Arbeitstag noch gewachsen fühlt.
Und wie immer gilt: Die Rezepte sind nicht in Stein gemeißelt, sondern können und sollen ergänzt, verändert und nach den eigenen Wünschen interpretiert werden.

Meinung:
Ein Jahr lang gut essen, das hört sich doch verdammt gut an. Und dementsprechend neugierig klappte ich dieses Koch-Tagebuch auf. Denn wie schon in den Küchentagenbüchern von Nigel Slater ist auch dieses Buch nicht nur ein Kochbuch, sondern auch ein sehr persönlicher Einblick in Nigel Slaters Leben und seine Küche.
Wie der Titel schon verrät startet Slater im Januar, gibt Einblick, wie er zu den Ideen seiner Rezepte kommt und stellt natürlich noch seine Variante des Gerichts vor. Variante triftt es dabei ziemlich genau, denn gleichzeitig zu seinem Grundrezept zeigt er oft auch noch Abwandlungen auf, wie man das Rezept erweitern, verändern und indivualisieren kann. Somit kann man seine Rezepte sehr gut als Basis und Denkanstoß nutzen.
Aber auch bei der Rezepteinteilung merkt man, dass man es hier nicht mit einem klassischen Kochbuch zu tun hat. Eine Aufgliederung nach Vorspeise, Hauptgang oder Nachtisch findet man nicht im Buch, dafür lädt es aber wunderbar zum Schmöckern, Durchblättern und Reinlesen ein. Oft habe ich das Buch in die Hand genommen, um es an einer beliebigen Stelle aufzuschlagen, auf der Suche nach Inspiration, die ich oft auch gefunden habe. Neben den bunt durchmischten Gerichten gibt es auch eine Zusammenstellung von saisonalen Gerichten, gegliedert nach den Jahreszeiten und somit perfektes Soul-Food :)
Die Rezepte selber sind gut und übersichtlich geschrieben, die Mengenangaben sind klar, die Zutaten zumeist alltäglich und kaum exotisch, was der Beschaffbarkeit enorm entgegen kommt. Auch die Arbeitsschritte sind verständlich und klar erklärt, so dass man auch als Anfänger gut mit den Rezepten zurecht kommen sollte. Allerdings merkt man den Gerichten auch an, dass sie von einem Engländer kreiert wurden, denn man stolpert hier doch über die eine oder andere typische englische Eigenart ;) Die Fotos im Buch sind schlicht und auf die Gerichte fokussiert gehalten, der hochwertige Leineneinband machen das Buch schon fast zu schade, um es beim Kochen neben dem Herd liegen zu lassen.

Fazit:
Ein Jahr lang gut essen ist kein klassisches Kochbuch, vielmehr eine Inspirationsquelle mit vielen interessanten Ideen und Rezeptvorschlägen. Aufgelockert mit persönlichen Anekdoten und Erlebnissen des Autors, fühlt es sich an, als würde man ein Tagebuch lesen. Zwar sind die Rezepte mir persönlich manchmal zu "englisch", doch auch immer wieder inspirierend. Perfekt zum Durchstöbern und immer wieder in die Hand nehmen.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die DuMont Buchverlage für das Rezensionsexemplar.

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