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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Sophie und die Sibylle

Patricia Duncker , Barbara Schaden
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 04.10.2016
ISBN 9783827012746
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Im September 1872 herrscht helle Aufregung in den Salons der Berliner Gesellschaft: George Eliot, die weltberühmte Schriftstellerin mit dem Männernamen, weilt in der Stadt. Als rätselhafte Erscheinung, als „Sibylle“, wird sie von ihren Zeitgenossen gleichermaßen bewundert und als skandalös empfunden. Ihre Wirkung auf Männer wie auf Frauen ist legendär, dabei ist sie weder jung noch schön. Ihr deutscher Verleger Max Duncker, ein Heißsporn mit Hang zu Spiel und hübschen Frauen, begegnet der Eliot zum ersten Mal. Auch um sich die Rechte am zweiten Teil von Middlemarch zu sichern, ihrem neuesten Roman, setzt er alles daran, die große Dame zu umgarnen. Doch versprochen hat er sich der Gräfin Sophie von Hahn, einer Tochter aus vermögendem Hause. Sie ist glühende Verehrerin der Autorin und möchte sie unbedingt treffen, obwohl das für eine anständige junge Frau nicht statthaft wäre. Max hingegen will eine solche Begegnung nicht nur deshalb verhindern. Aus Verehrung, Verliebtheit, Eifersucht, Begehren und Verfehlung entsteht ein obsessiver Reigen zwischen Autorin und Verleger, Verleger und Leserin, Leserin und Autorin …

Meinung:
Spricht man über viktorianische Autoren, kommt man an dem Namen George Eliot nicht vorbei. Bei diesem "Autor" handelt es sich aber nicht um einen Mann, sondern um eine Frau. Aber das dürfte den meisten Literaturkennern ja bekannt sein ;)
Patricia Duncker nimmt diese Autorin hier als Grundlage für ihren Roman um den Verleger Max Duncker und die Gräfin Sophie von Hahn. Max soll die junge Gräfin heiraten, so hat sein Bruder es mit Sophies Vater vereinbart. Gleichzeitig soll Max aber auch dafür sorgen, dass das neue Werk der berühmten Autorin in ihrem Haus übersetzt und publiziert wird. So muss Max also zum einen der George Eliot, hier immer bezeichnet als "die Sibylle", hinterherreisen und seinen Charme spielen lassen, aber auch immer wieder bei der Familie von Hahn vorstellig werden, um die Verlobung voranzutreiben. Dabei muss er feststellen, dass die junge Sophie keinesfalls eine ruhige, genügsame, brave Ehefrau sein möchte, sondern ihren eigenen Kopf und ihre Vorstellungen hat. Max findet das keineswegs anziehend, andererseits aber zeigt er enorme Besitzansprüche der Braut in Spe gegenüber. Und die Sibylle? Sie bekommt das Treiben natürlich mit und zieht im Hintergrund die Fäden, wobei es lange sich nicht klar abzeichnet, ob sie für oder gegen das Paar ist.
Ich muss gestehen, ich habe ein wenig gebraucht um in die Geschichte hineinzufinden. Ganz dem großen Vorbild entsprechend ist der Erzählstil dem viktorianischen Zeitalter angelehnt, was zwar wunderbar zur Story passt, dem unbedarften Leser aber etwas Startschwierigkeiten bereitet. Hat man aber einmal in die Erzählweise hineingefunden, entfaltet sich ein gut durchdachter und konzipierter Roman, der durchaus zu fesseln vermag.
Interessant fand ich die Vermengung von realen Figuren und Fiktion. Zwischen der Hauptgeschichte erzählt uns die Autorin in kleinen Kapiteln mehr über die berühmte Autorin. Diese Herangehensweise hat anfangs für ein wenig Verwirrung bei mir gesorgt, ich habe mich aber auch da recht letztendlich schnell hineingefunden. Insgesamt ist die Figurenkonstellation und Entwicklung ganz spannend umgesetzt und der arme Max hat mir manchmal fast leidgetan, wie er so zum Spielball der beiden Damen wurde. Erzählerisch liegt das Hauptaugenmerk aber auf Max und Sophie, die Kapitel haben eine moderate Länge und die Geschichte wurde von Barbara Schaden übersetzt. Ganz besonders gut haben mir aber hier die Schauplatzbeschreibungen gefallen. Patricia Duncker hat es mühelos geschafft, historisch wichtige Orte wie z. B. Berlin zu visualisieren und die damalige Zeit aufleben zu lassen.

Fazit:
Ich habe ein wenig gebraucht, um in die Geschichte einzusteigen. Dann aber war ich drin und hatte einige fesselnde Lesestunden mit Sophie und die Sibylle. Besonders schön ist der Schreibstil, der z. B. Leserherzen von viktorianischen Lektüren höher schlagen lassen dürfte. Die klug konstruierte Geschichte, durchsetzt mit vielen realen Figuren und Fakten hat mir dann doch gut gefallen und ich war froh, dass ich im ersten Teil des Buchs durchgehalten habe.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Berlin Verlag für das Rezensionsexemplar.

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139 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

comic con, roxy, nerds, john hughes, freundschaft

Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums

Sarvenaz Tash , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Magellan, 25.07.2016
ISBN 9783734850271
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Klappentext:
Immer an seiner Seite und doch so unerreichbar wie ein ferner Planet – das ist seine beste Freundin Roxy für Graham. Seit Monaten sucht er einen Weg, ihr seine grenzenlose, epische, unsterbliche Liebe zu gestehen. Bei ihrem gemeinsamen Wochenende auf der New Yorker Comic-Convention will er seine Chance endlich nutzen. Leider kommen ihm immer wieder ein gut aussehender Engländer, seine Schüchternheit und die geheimen Liebesgesetze des Universums in die Quere …

Meinung:
Graham und Roxy sind beste Freunde und leidenschaftliche Comic Fans. Nicht nur, das sie gemeinsam eine eigene Comic-Serie zeichnen, auch ihre Leidenschaft für die Serie "Althena" verbindet die zwei. Doch Grahams Gefühle gegenüber Roxy haben sich verändert und auf der Comic-Con in New York möchte er ihr endlich seine Liebe gestehen. Doch dafür braucht er den perfekten Moment. Als die Ankündigung kommt, dass niemand geringeres als der Schöpfer der "Althena"-Reihe auf der Messe sein wird, sieht Graham darin seine Chance. Doch ein Bändchen für das Event zu ergattern ist alles andere als leicht. Ebenso, wie den perfekten Moment zu finden.
Mit Graham, Roxy und ihren Freunden hat Sarvenah Tash wirklich wundervolle und liebenswerte Charaktere geschaffen. Zwar ist jeder für sich in gewissen Graden ein Nerd, trotzdem wird man von ihnen stark angesprochen, denn mal ehrlich, in jedem von uns steckt doch irgendwo ein kleines Fangirl oder -boy. Und so findet man immer wieder eigene Züge in den Protagonisten wieder oder erinnert sich an Eigenheiten aus der Jugend, die einem vertraut erscheinen. Dabei kommen die Probleme, Ängste, Gedanken und Gefühle der Figuren gut rüber, bleiben realistisch und sind nicht verkitscht.
Nicht nur die Protagonisten haben mir gefallen, auch die Handlung hat mir sehr zugesagt, denn auch diese bleibt realistisch und unterhaltsam. Und so zeigt sich, dass man gerade in den unperfekten Momenten Perfekte finden kann. Denn natürlich läuft für Graham hier nicht alles wie am Schnürchen und es gilt so einige Rückschläge, auch in Bezug auf die Messe, einzustecken. Viele Anspielungen auf bekannte Serien, Filme und Comics laden zum Entdecken ein, und sogar bei mir als Erwachsene wurden einige nostalgische Momente wach (ich sage nur "Pretty in Pink").
Sarvenah Tashs Schreibstil, der hier wirklich schön von Sarah Knuffinke und Jessica Komina übersetzt wurde, ist wundervoll eingängig. Graham erzählt seine Geschichte in der Ich-Perspektive und lässt uns so an seinen Gefühlen und Gedanken teilhaben. Die übersichtlichen Kapitel und die heitere, berührende Geschichte, lassen die Seiten nur so dahinfliegen. Und die liebevolle Aufmachung des Buchs ist ein weiterer Hingucker, ab das nur mal so am Rande erwähnt.

Fazit:
Schon länger habe ich keinen so stimmigen Jugendroman mehr gelesen. Hier stimmt eigentlich alles: Die Protagonisten sind liebenswert und glaubhaft, die Geschichte realistisch und berührend. Und die Geschichte über weite Strecken heiter erzählt. Ich habe mich hier richtig gut aufgehoben, nicht nur als Serien, Comic und/oder Filmfan.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Magellan Verlag für das Rezensionsexemplar.

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

roman, susann rehlein, liebe, berlin, kaufhaus

Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten

Susann Rehlein
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.10.2016
ISBN 9783832198107
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Lucy Schröder würde die Liebe nicht erkennen, wenn man sie mit der Nase darauf stieße. Als sie sieben war, erwischte ihr Vater sie bei einer Testreihe zur Funktionsweise des Küssens und schärfte ihr daraufhin ein, sich von Liebe und Gefühlsduselei fernzuhalten. Jetzt ist sie erwachsen – und hält sich immer noch daran. Erfolgreich wehrt sie jeden Annäherungsversuch ab. Ihr Leben als Schneekugeldesignerin ist auch ohne die Gegenwart anderer Menschen interessant genug, findet sie.
Doch eines Tages ändert sich alles. Als wäre im Himmel die Zuckerwattemaschine verrückt geworden, hüllt Zuneigung die spröde Lucy von allen Seiten ein. Sie hat nämlich eine Beratertätigkeit im maroden Kaufhaus Schönstedt angenommen, und hier arbeiten so liebevolle und freundliche Menschen, dass Lucy gar nicht anders kann, als sich zu öffnen. Die Folge ist der völlige Kontrollverlust, das war ja klar. Lucy verliebt sich. Hals über Kopf. Mit Haut und Haar. Mit Mann und Maus. Da hilft auch das Orakel des fahlen Fisches nicht mehr, das Lucy gerade für eine Schneekugel baut und das für diesen Fall vorschlägt: "Zieh dich warm an, Mädchen, es wird heiß."

Meinung:
Lucy Schröder ist kein wirklich umgänglicher Mensch und das möchte Sie auch nicht sein. Am liebsten ist sie für sich, alleine in ihrem Zimmer, um sich der Produktion ihrer Schneekugeln zu widmen. Leider haben ihre Mitbewohner dafür gesorgt, dass sie einen Therapeuten aufsuchen muss. Und der verordnet Lucy, dass sie auf Menschen zugehen soll. Und Lucy? Die ist davon alles andere als begeistert, stellt aber fest, dass sie eine neue Hose braucht und landet so in dem maroden Kaufhaus Schönstedt. Und dank ihres etwas anderen Blickwinkels auf Umstände und Geschehen wird Lucy als Beraterin in diesem Kaufhaus eingestellt. Das hat aber auch zur Folge, dass Lucy aus ihrer Komfortzone gedrängt wird und sich mit ihrem Leben auseinander setzen muss. Und mit der Liebe, der sie eigentlich aus dem Weg gehen wollte.
Lucy Schröder ist echt keine einfache Protagonistin und ich habe etwas gebraucht, um mit ihr warm zu werden. Denn ihre sehr schroffe, kratzbürstige Art und ihre manchmal sehr verqueren Gedanken haben mir zu schaffen gemacht. Aber ich habe nach und nach viele liebenswerte Eigenheiten an Lucy entdecken können und ihre Geschichte und Vergangenheit fing an, mich zu berühren. Ebenso wie in Rehleins Debüt sind es aber auch hier wieder die vielen Nebencharaktere, die der Geschichte den nötigen Drive verleihen und dafür sorgen, dass Lucy als Person beim Leser besser ankommt.
Nach also anfänglichen Startschwierigkeiten, mich in die Geschichte hineinzufinden, erfasste mich beim Lesen dann doch nach und nach ein Sog, der mich den Roman nicht mehr weglegen ließ. Das Kaufhaus Schönstedt erinnert an ein etwas marodes, altbackenes KaDeWe. Die Szenen sind stimmig ausgearbeitet und mich packte ehrlich gesagt die Lust, mich selber ins Kaufhaus zu stürzen und dort einen Tag zu verbringen. Die Geschichte ist abgedreht und skurril, aber auch liebenswert und berührend. Denn Lucys Geschichte ist schon sehr bewegend und ich konnte immer besser verstehen, warum sie so ist, wie sie ist. Zwar kann ich nicht beurteilen, wie realistisch Lucys Schicksal ist, für entsprechende Unterhaltung hat es aber durchaus gesorgt.
Lucys Geschichte wird in der dritten Person erzählt, der Blickwinkel bleibt aber auf Lucy gerichtet. Genau gekennzeichnete Kapitel finden sich im Buch nicht, Abschnitte sind durch Sterne oder gezeichnete Fische hervorgehoben. Das hat mich anfangs ein wenig verwirrt, nach ein wenig Eingewöhnung aber nicht mehr gestört.

Fazit:
Susann Rehleins zweiter Roman brauchte ein wenig, bis ich mit ihm warm wurde. Lucy ist keine einfache Protagonistin und bedarf einiger Zeit, bis man sich mit ihr anfreunden kann. Trotzdem hat die Geschichte was und ich fühlte mich wohl im Buch. Die Geschichte ist schön konstruiert, berührt und hat sich zu einem kleinen Pageturner für mich entwickelt. Wer ein wenig Geduld mit Lucy mitbringt, kann hier eine schöne Geschichte entdecken.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die DuMont Buchverlage für das Rezensionsexemplar.

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61 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

berlin, gefühlschaos, traurigkeit, planlos, erwachsenwerden

Realitätsgewitter

Julia Zange
Fester Einband: 157 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 14.11.2016
ISBN 9783351036584
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst.

Meinung:
Was hält das Leben für einen bereit? Marla ist Mitte Zwanzig und treibt durch Berlin. Das Studium hat sie abgebrochen, von ihren Eltern erhält sie immer noch finanzielle Unterstützung. Statt einem festen Beruf geht Marla lieber auf Partys. Auf Facebook hat sie über 1000 Freunde, doch wenn sie jemanden braucht, ist keiner für sie da. Doch dann entziehen ihre Eltern ihr die Unterstützung und Marla muss für ihren Unterhalt selbst aufkommen. Marla sieht sich gezwungen, sich mit sich selber und ihrer Familie auseinander zu setzen.
Marla war für mich kein einfacher Charakter. Oft mochte ich sie nicht, ist sie doch sehr selbstbezogen, klammert und jammert, nervt mit ihrem Gehabe und ihrer Einstellung zum Leben. Doch je näher ich Marla kennen lernte, umso mehr tat sie mir doch leid, denn Marla ist ein sehr verlorener Mensch. Ihr fehlt der Rückhalt im Leben durch Freunde und Familie. Und je mehr ich über sie erfuhr, umso klarer wurde mir, wie sie so werden konnte, wie sie ist. Marla polarisiert und stellt somit eine Symbolfigur für eine ganze Generation dar. Die Nebenfiguren im Buch geben Marla den nötigen Rahmen, um sie plastischer darzustellen, ihr Tiefe zu verleihen und ihre Rolle im Buch abzurunden.
Julia Zange nimmt in ihrem Roman viele Themen unters Korn und setzt in klaren, kurzen Sätzen ein Statement zur heutigen Gesellschaft, zu Normen und Sachverhalten. Und sie bringt ihre Ansichten direkt auf den Punkt, ohne groß drum herum zu reden. Überhaupt ist der Erzählstil minimalistisch, aber pointiert. Kein Wort zu viel oder zu wenig. Selten habe ich so gute, treffende Sätze gelesen. Julia Zange hält der Gesellschaft einen Spiegel vor und überlässt es dem Leser, darüber zu entscheiden, was er in diesem sieht.
Die Handlung selber ist straff erzählt, hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf und so passiert doch recht viel auf den wenigen Seiten. Manchmal war es fast schon zu schnell, wie Marlas Leben hier an einem vorbei zieht. Die recht kurzen Kapitel, in denen Marla in der Ich-Perspektive erzählt, was in ihr vorgeht, machen das Buch zu einer sehr kurzweiligen, aber intensiven Lektüre.

Fazit:
Selten ist es mir so schwer gefallen, eine Buchbesprechung zu erstellen und die richtigen Worte zu finden. Realitätsgewitter ist intensiv, kurzweilig und auch schockierend. Kurze, prägnante Sätze und treffende Aussagen, Julia Zange weiß, wie sie den Leser erreicht.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar.

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liebe, hochzeit, chandler, lyx verlag, familie

Tempting Love - Hände weg vom Trauzeugen

J. Lynn , Friederike Ails
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 09.12.2016
ISBN 9783736303645
Genre: Liebesromane

Rezension:

Klappentext:
Was Madison Daniels auch versucht, Chase Gamble geht ihr einfach nicht aus dem Kopf. Wie auch, bei seiner charmanten Art und einem Lächeln, das verboten gehört – wie eigentlich alles an ihm. Und seit Chase ihr deutlich zu verstehen gegeben hat, dass Beziehungen für ihn ein rotes Tuch sind, geraten sie bei jeder Gelegenheit aneinander. Da Chase jedoch der Trauzeuge ihres Bruders ist, wollen beide das Kriegsbeil wenigstens für die paar Tage begraben – bis sie erfahren, dass das Hotel völlig ausgebucht ist und sie sich eine romantische Hochzeitssuite teilen müssen …

Meinung:
J. Lynn gehört ja zu einer meiner liebsten Romance-Autorinnen. Ihre New Adult Reihe Wait for you habe ich so gerne gelesen, dementsprechend neugierig war ich auf die Tempting Love Reihe.
Im ersten Band muss Madison als Trauzeugin auf der Hochzeit ihres Bruders herhalten. An sich nicht schlimm, wäre der Trauzeuge nicht der beste Freund ihres Bruders und ihr langgehegter Schwarm Chase. In Washington läuft sie ihm zwar auch immer wieder über die Füße, nun sind die Bedingungen aber noch enger aneinander geknüpft und Madison fürchtet um ihr Herz, denn Chase ist als Herzensbrecher und Frauenschwarm bekannt. Natürlich sorgen die beiden Streithähne für einigen Zündstoff und bald schon folgt hier eins auf andere.
J. Lynns Protagonisten sind nett, das kann man nicht anders sagen. Madison ist herzlich und ein guter Mensch. Chase ist ein tüchtiger Geschäftsmann mit einer gehörigen Portion Selbstzweifel, was das eigene Verhalten, bzw. die vererbten Verhalten betrifft. Und so machen beide natürlich den einen oder anderen Reifungsprozess hier durch um den Roman zum Happy End zu führen. Die Entwicklung der Figuren war solide, aber wenig überraschend und folgt somit gängigen Mustern der Liebesromane. Anhand der Kürze des Romans blieb allerdings nicht ganz so viel Platz um richtig Tiefgang bei den Protagonisten zu erzeugen, so dass man letztendlich das Gefühl hatte, doch nur an der Oberfläche der Figuren gekratzt zu haben.
Auch Handlungsmäßig gibt es hier eigentlich keine Überraschungen, womit ich aber schon gerechnet habe. Und schlimm finde ich es nicht wirklich, denn manchmal braucht man einfach solche kleinen Romane, die einen festen Weg gehen, dabei aber unterhalten können. Denn das Setting, das J. Lynn hier ausgewählt hat, ist schön und anschaulich umgesetzt. So fühlt man sich als Leser gut aufgehoben und kurzweilig unterhalten.
Die Kapitel sind recht kurz gehalten und Madison und Chase erzählen ihre Geschichte abwechselnd in der Ich-Perspektive. Übersetzt wurde der Roman von Friederike Ails.

Fazit:
Tempting Love - Hände weg vom Trauzeugen erfindet das Rad im Bereich Liebesromane nicht neu. Die Handlung ist solide und vorhersehbar, der Schreibstil angenehm und kurzweilig, die Protagonisten stereotyp und nicht unsympathisch, aber mit weniger Tiefgang als erhofft. Unterhaltsame Lesestunden bereitet dieses kurze Buch auf jeden Fall, man sollte halt nur nicht mit zu hohen Erwartungen hier herangehen.
Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Lyx Verlag für das Rezensionsexemplar.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

sammlerstücke, legograph, comic-figuren, lego bildband, lego-figuren

Megalife

Samsofy
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 18.11.2016
ISBN 9783455378245
Genre: Sonstiges

Rezension:

Klappentext:
Legomännchen faszinieren nicht nur Kinder weltweit. So hat man diese Figuren aber noch nie gesehen: Der Franzose Samsofy inszeniert sie und Comic- und Filmfiguren derart verblüffend zu Hause oder im öffentlichen Raum, dass er mit seinen Fotos in kürzester Zeit weltberühmt geworden ist. Seine Fotos überraschen durch ihre Perspektive und Phantasie und sind voll subtilen Humors und Poesie. Jetzt sind die besten »Legographys«, wie Samsofy seine Werke nennt, endlich in einem schönen Geschenkbuch versammelt.

Meinung:
Ich bin ja mit Lego aufgewachsen. Zwar waren in den 80er Jahre die Gesichter der Lego-Männchen noch viel schlichter gehalten und kannten nur einen Ausdruck, freundlich und mit Punkt-Augen, so haben die heutigen Lego-Gesichter doch viel mehr Aussagekraft und vermitteln Stimmungen, sind ängstlich, grimmig oder verdammt gut gelaunt. Auch erinnere ich mich noch gut an so manches legendäre You-Tube-Filmchen, in denen kreative Köpfe ihre Legosammlung mittels Stop-Motion zum Leben erweckte. Und all dem setzte dann später der Kinofilm, der sich auch bei meinen Kindern großer Beliebtheit erfreut, die Krone auf. Mehr geht nicht? Doch, etwas geht immer.
Und das zeigt uns der Franzose Samsofy sehr kreativ in seinem Bildband Megalife. Egal ob Alltagsszenen, Filmszenen oder die Einbindung von Superhelden und anderen populären Charakteren in seinen Bildern, immer wieder setzt Samsofy hier sehr originell und mit sehr viel Witz die Legofiguren in Szene. Da kämpf z. B. Wolverine mit dem Teelöffel, den Magneto um ihn biegt oder da wäscht Batman seine Kostüme oder gar eine Schar Zombie-Legos wollen in Schach gehalten werden, auf jeder Seite gibt es etwas Neues zu entdecken. Besonders faszinierend an den Bildern ist, dass diese manchmal wie Schnappschüsse wirken, Momentaufnahmen in Lego festgehalten. Auch kann man sich die Bilder immer wieder ansehen, entdeckt eine neue Facette darin oder staunt über die Aussagekraft.
Dieses Buch bedarf keiner Worte, es macht einfach Spaß. Und das nicht nur Lego-Fans, sondern auch allen anderen an zeitgenössischer Kunst Interessierten oder gar einem Cineasten. Mein ältester Sohn zieht das Buch immer wieder aus dem Schrank. Wer weiß, vielleicht liefert er mir demnächst auch eigene Lego-Werke?

Fazit:
Megalife macht richtig viel Spaß, egal ob man das Buch selber behält oder verschenkt. Die Bilder sind selbsterklärend, witzig, modern und sprechen kleine und große Leser an. Ein tolles Buch zum immer wieder in die Hand nehmen.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar.

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54 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

vision

Die Terranauten

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Fester Einband
Erschienen bei Hanser, Carl, 09.01.2017
ISBN 9783446253865
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
In einem geschlossenen Ökosystem unternehmen Wissenschaftler in den neunziger Jahren in den USA den Versuch, das Leben nachzubilden. Zwei Jahre lang darf keiner der acht Bewohner die Glaskuppel von „Ecosphere 2“ verlassen. Egal, was passiert. Touristen drängen sich um das Megaterrarium, Fernsehteams filmen, als sei es eine Reality-Show. Eitelkeit, Missgunst, Rivalität – auch in der schönen neuen Welt bleibt der Mensch schließlich doch, was er ist. Und es kommt, wie es kommen muss: Der smarte Ramsay verliebt sich in die hübsche Dawn – und sie wird schwanger. Kann sie das Kind austragen? T.C. Boyles prophetisches und irre komisches Buch, basierend auf einer wahren Geschichte, berührt die großen Fragen der Menschheit.

Meinung:
Ich kann mich noch vage erinnern, in meiner Jugend von einem Projekt namens "Biosphere 2" gehört zu haben. In diesem Projekt sollten 8 Menschen 2 Jahre lang in einem isolierten Komplex leben, als Selbstversorger und ohne dass von außen Einfluss genommen wurde. Im zweiten Versuch scheiterte Biosphere 2 damals, die Anlage steht aber immer noch und wird auch mittlerweile wieder für wissenschaftliche Zwecke genutzt. Dem Szenario um diese Biokuppel hat sich nun T. C. Boyle angenommen und daraus einen Roman konstruiert, der sich nahe an den damals tatsächlich stattgefundenen Ereignissen orientiert.
Hier wird das Projekt Ecosphere 2 genannt und auch hier sollen 4 Männer und 4 Frauen 2 Jahre lang autark in der Anlage wohnen. Das erste Projekt ist bereits gescheitert, da von außen zu viele Zugriffe erfolgten. Der 2. Versuch soll deshalb unter keinen Umständen scheitern, egal was kommt und passiert, da sind sich alle Beteiligten sicher. Und jeder ist bereit, alles zu geben, um dieses Vorhaben durchzuziehen. Doch innerhalb der Sphäre ist das Leben nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick wirkt Das enge miteinander setzt den Terranauten gehörig zu. Und auch der Druck von außen ist hoch, schließlich will das Projekt ja finanziert werden. So sollen die Terranauten also jederzeit für Presse und Publikum verfügbar sein, sich anständig benehmen und ja nicht aus der Rolle fallen. Dann aber wird eine Terranautin schwanger und das Projekt droht endgültig zu kippen.
Wenn T.C. Boyle etwas richtig gut kann, dann kluge und fesselnde Charaktere und Zusammensetzungen zu konstruieren. Im Fokus dieses Buchs liegen drei Protagonisten: Die Terranauten Dawn und Richard, sowie Daws Freundin Linda, die es nicht in das Projekt geschafft hat. Jeder der drei erzählt seine Geschichte in der Ich-Perspektive, weshalb man über jeden einen guten Eindruck über deren Charaktereigenschaften, Gedanken und Handlungen erhält. Alle drei Personen sind sehr ich-bezogen, was für reichlich Zündstoff sorgt und dem Leser aber auch öfters mal einen Spiegel vor die Nase hält. Denn in der Extremsituation, in der sie sich befinden, tauchen so manche Züge auf, die nicht nur die Sonnenseiten des Lebens beleuchten. Neid und Missgunst, Ehrgeiz und Rücksichtslosigkeit, dies sind nur ein paar der Motive, die die Protagonisten hier umtreiben. Aber neben all diesen Negativen Eigenschaften schafft Boyle es mühelos, dass man auch bei den unsympatischsten Figuren deren Gefühle und Einstellungen nachvollziehen kann. Ich mochte die Figuren im Buch unheimlich gerne, nicht nur aufgrund ihrer Komplexität, sondern auch wegen ihrer Authentizität.
Aber nicht nur die Charaktere beleben den Roman, auch die Handlung selber ist großartig umgesetzt. Immer wieder fragt man sich, ob die Geschehnisse so auch wirklich passiert sind, wo die Fiktion einsetzt und welche Szenen real sind. Neben den Ereignissen in Ecosphere 2 wird aber auch immer wieder auf Presse und Wissenschaft eingegangen. Boyle zeichnet wieder einmal ein großartiges und zynisches Bild über die westliche Kultur, und zeigt, wie abhängig unsere Wissenschaftler von Sponsoren sind und wie viel Pressearbeit gemacht werden muss, um forschen zu können. Gekonnt lotet er die zwischenmenschlichen Beweggründe aus und lässt den Leser nachdenklich zurück. Der Übersetzer Dirk van Gunsteren hat einen richtigen Pageturner aus Boyles Worten gezaubert und das Buch lies mich nicht mehr los. Die zum Teil recht langen Kapitel fielen daher kaum auf.

Fazit:
Ich mag die Bücher von T.C. Boyle unheimlich gerne, wirft der Autor doch immer wieder einen ganz genauen, kritischen Blick auf unsere Gesellschaft, Menschen und Ereignisse. Auch in Die Terranauten bleibt der Autor sich treu, fesselt den Leser an ein spannendes Stück Geschichte und weiß seine Leser zu unterhalten.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die Hanser Literaturverlage für das Rezensionsexemplar.

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81 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

drama, london, mord, hamlet, embryo

Nussschale

Ian McEwan , Bernhard Robben
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.10.2016
ISBN 9783257069822
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Trudy betrügt ihren Ehemann. Sie wohnt nach wie vor in seinem Haus – einem heruntergekommenen Einfamilienhaus in London, das ein Vermögen wert ist –, aber ohne ihren Gatten, den Dichter und Verleger John. Stattdessen geht dort sein Bruder ein und aus, der zutiefst banale Bauunternehmer Claude. Trudy und Claude haben einen Plan. Doch ihre Intrige hat einen Zeugen: das wissbegierige, knapp neun Monate alte, ungeborene Kind in Trudys Bauch.

Meinung:
Als ungeborenes Kind hat man es nicht einfach, besonders wenn man die Untreue der Mutter mitbekommt und ebenso einen Mordplan, ohne dass man eine Möglichkeit sieht, dem Opfer - in diesem Fall der eigene Vater - warnen zu können. Zur Untätigkeit verdammt begleitet unser Held uns so durch die Ereignisse, in die Trudy und Claude ihn hineingezogen haben und sinniert dabei über das Leben, seine Freuden und dessen Missstände.
Der kleine Mann in diesem Buch ist wahrlich ein sehr altkluges und intelligentes Kerlchen. Mit viel Weitblick und Verstand wirkt er, als hätte er schon eine 60-jährige Lebenserfahrung hinter sich. Auch den angenehmen Dingen im Leben widmet er sich gerne, soweit die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten es ihm gewähren; sei es ein guter Wein oder eine spezielle Delikatesse, allem ist diesem Kind nicht abgeneigt. Dank der Podcasts seiner Mutter ist er auch sehr gut informiert, hat eine eigene Meinung zu vielen Themen und weiß es schon, wie er die Weltverhältnisse zu analysieren hat. Man merkt schon, man darf ihn als Person also nicht mit einem regulären Säugling vergleichen, was mir als Mutter von 2 kleinen Kindern aber enorme Schwierigkeiten bereitet hat.
Denn es fiel mir sehr schwer den Umstand auszublenden, dass es sich um ein ungeborenes Kind handelt, welches hier seine Weisheiten zum Besten gibt. Das Verhalten der Mutter hat mir enorm aufgestoßen und mir die Lektüre etwas verleidet. Was eigentlich total schade ist, denn der Erzählstil im Roman ist großartig, voller tiefer Weisheiten, Denkanstößen und auch viel bitter Ironie und Sarkasmus. McEwan stellt viele Thesen in diesem Roman auf, die sehr viel Wahrheit und sehr viel Kritik enthalten. Diese sprechen auch aktuelle Themen an, wie z. B. die Flüchtlingskrise oder Regierungsprobleme. Und auch die Gesellschaft an sich bekommt in diesem Roman ihr Fett weg.
Neben dem ungeborenen Kind sind aber auch Trudy und Claude wichtige Personen im Roman. Diese waren mir allerdings nicht wirklich sympathisch, stechen sie doch eher mit ihren negativen Charaktereigenschaften als mit den positiven hervor. Aber ohne diese wäre die Geschichte natürlich nur lauwarm und hätte nicht die Dramatik, die man von dieser Hamlet-Adaption erwartet ;)
Spannend ist der Roman aber trotz meiner Schwierigkeiten mit Mutter und Kind allemal, denn man möchte ja doch wissen, ob Trudy und Claude ihr Ziel erreichen und ob sie damit durchkommen werden, sollte der Mord gelingen. Die Kapitel sind moderat lang gehalten und da das Kind seine Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt, erhält man viele ungewöhnliche Einblicke in die Ereignisse.

Fazit:
Nussschale hat mich sehr zwiegespalten zurück gelassen. Auf der einen Seite hat mich der großartige Erzählstil begeistert, auf der anderen Seite hat mich Trudys Umgang mit ihrem ungeborenen Kind abgestoßen. Ich, als junge Mutter, brauche vielleicht mehr Abstand zu der Geschichte, doch es fiel mir schwer, die Umstände auszublenden. Wer sich nicht daran stört, wird hier wahrscheinlilch besser unterhalten, denn das Buch bietet trotz allem unheimlich viele kluge Ansätze und Gedanken.
Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

kurzgeschichten, liebe

Eine letzte Liebschaft

Richard Yates , Thomas Gunkel
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei DVA, 26.09.2016
ISBN 9783421046185
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Richard Yates gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der US-amerikanischen Nachkriegsgeneration, für manche ist er der »missing link« zwischen Tennessee Williams und Raymond Carver. Der Band Eine letzte Liebschaft versammelt die neun letzten noch nicht auf Deutsch veröffentlichten Erzählungen des Autors. Ganz gleich, ob er das unterdrückte Begehren einer Hausfrau in der Vorstadt thematisiert, die Verzweiflung eines Büroangestellten in Manhattan oder das gebrochene Herz einer alleinerziehenden Mutter – niemand porträtiert die Alltagshoffnungen und -enttäuschungen seiner Figuren so schonungslos, doch mitfühlend wie Richard Yates.

Meinung:
Eigentlich lese ich eher selten Kurzgeschichten. Doch die vielen positiven Stimmen zu Richard Yates haben mich neugierig gemacht.
Und schon mit der ersten Geschichte hat Richard Yates mich eingefangen. Mit seinem grandiosen Erzählstil (hier übersetzt von Thomas Gunkel), mit seinen Figuren, mit dem,was Yates zu erzählen hat. Denn auch wenn manche Geschichten zeitlich schon recht alt sind und in den 50er/60er Jahren spielen, so sind die Probleme und Sorgen der Charaktere immer noch aktuell und treffen den Nerv des Lesers.
Besonders beeindrucken empfand ich, wie dicht Yates seine Protagonisten trotz der kurzen Anzahl an Seiten geschaffen hat. Mühelos konnte ich mich in die Figuren hineinversetzen, habe ihre Ängste und Sorgen verstanden, habe mit ihnen gelitten und mich mit ihnen gefreut.
Aber auch die Geschichten selber haben mich berührt, die Auswahl der Themen hat zum Nachdenken angeregt und mich lange und über die Lektüre hinaus beschäftigt. Die kurzen Geschichten ließen sich mühelos in den Lesetag einbauen und viel zu schnell war das Buch durch und hinterließ ein leichtes Gefühl der Leere bei mir, denn gerne hätte ich noch länger in Yates Worten und Welten verbracht.
Ich habe mit diesem Buch einen neuen Schriftsteller für mich entdecken können, denn auch wenn mir der Autor zwar schon was sagte, so war dies doch meine erste direkte Begegnung mit ihm. Aber sie wird nicht meine letzte bleiben ;)

Fazit:
Selten habe ich so gute Kurzgeschichten gelesen, die alles beinhalten, was sie benötigen. Die Geschichten sind dicht, atmosphärisch und berührend, treffen einen Nerv und wirken lange nach. Großartig!
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die DVA für das Rezensionsexemplar.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die kleine Feder

Giorgio Faletti , Gaby Wurster
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 15.11.2016
ISBN 9783455370324
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Eine anrührende Fabel über die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Eine Feder fliegt über ein Dorf, dessen Bewohner nur wahrnehmen, was unmittelbar vor ihren Augen geschieht. Die Feder belauscht einen König und seinen General, die Pläne für einen Krieg schmieden, und sich nicht darum scheren, wer diesen Kampf ausfechten muss; sie begegnet vielen unglücklichen Figuren, ehe sie in den Blick von jemandem gelangt, der fähig ist das zu verstehen, was bis dahin niemand vermochte, bevor sie schließlich in einem Theater landet, wo eine schöne Ballerina mit gebrochenem Herzen tanzt.

Meinung:
Es gibt Bücher, die sind kleine Kleinode. Die kleine Feder ist eines dieser Bücher. Denn in diesem kleinen Märchen begleiten wir eine Feder durch mehrere Kapitel und Szenarien. In diesen trifft die Feder auf verschiedene Menschen, doch alle scheinen zu beschäftigt zu sein, um den Blick zu heben und die Feder zu bemerken.
In einer Kurzgeschichte bleibt natürlich nicht viel Platz, um komplexe Figurenbilder einzubauen. Aber Giorgio Falettis Protagonisten, die hier als Stereotypen fungieren, geben trotzdem ein gutes Bild über ihre Beweggründe. Ob es der im ständigen Krieg liegende König ist, der habgierige Kardinal oder die verliebte Tänzerin, alle werden ihren Rollen gerecht und füllen diese gut aus. Als Leser findet man gut in die Figuren hinein, kann die Beweggründe nachvollziehen und findet sich sogar in der einen oder anderen Figur wieder. Das sorgt natürlich dafür, dass das Buch selber nicht spurlos an einem vorbei geht und stimmt einen Nachdenklich.
Das Buch selber besticht auch durch seine schöne Erzählweise und die Botschaft, die es vermittelt. Die Kapitel sind übersichtlich und eher kurz gehalten, was für einen guten Lesefluss sorgt. Erzählt in der dritten Person und von Gaby Wurster übersetzt, ist das Büchlein kurzweilig, passt perfekt in einen gemütlichen Lesesonntag, regt zum Nachdenken an und ist einfach ein schönes Geschenkbuch. Es hat mir persönlich sehr viel Spaß gemacht, der kleine Feder zu folgen und ihr Geheimnis zu ergründen.

Fazit:
Die kleine Feder ist eine kleine, aber feine Kurzgeschichte, die eine märchenhafte Reise durch menschliche Werte antritt und zeigt, dass es sich lohnt, öfter mal den Blick nach oben zu riskieren und nicht immer alles hinterfragen zu müssen.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das Geheimnis der verlorenen Zeit

John Wray , Bernhard Robben
Fester Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 21.09.2016
ISBN 9783498073640
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Eingeschlossen in einer Blase angehaltener Zeit sitzt der junge Waldemar Tolliver in einem vermüllten Apartment am Central Park in New York und versucht, Herr seiner Geschichte zu werden. (Aber vielleicht hat er auch nur zu viel Science-Fiction gelesen.) Über hundert Jahre Familiengeschichte muss er erforschen und verstehen, um wieder in die Welt zurückkehren zu können. (Glaubt er.)
Ein grandioses Panorama breitet sich aus: Waldemars Urgroßvater, Produzent eingelegter Gurken und Hobby-Physiker aus dem k.u.k. Znaim, war dem Geheimnis der Zeit auf der Spur. Nein, besser noch: dem Geheimnis menschlicher Reisen durch die Zeit! Leider gingen die Unterlagen bei einem dummen Unfall mit einem Automobil verloren.
Drei Generationen von Tollivers – Genies, Kriminelle, Verlierer, Visionäre - ruhen fortan nicht, das Geheimnis zu lüften, obwohl bald ein deutscher Patentamtsangestellter namens Einstein mit ganz ähnlichen Theorien Schlagzeilen machen wird …

Meinung:
Waldemar hat ein Problem. Er sitzt in einer Zeitblase fest, die sich im Apartment seiner Tanten befindet, ohne Aussicht, diese je wieder verlassen zu können. Also sinniert Waldemar über sein Leben und das seiner Familie, schreibt Briefe an seine große Liebe und erzählt ihr, wie sein Urgroßvater das Geheimnis über die verlorene Zeit fand und gleich darauf verlor und wie seine Familie sich seitdem auf die Suche nach dieser befindet. Somit stellen sich im Roman die zwei großen Fragen: Was ist das Geheimnis um die verlorene Zeit? Und wird es Waldemar gelingen, der Zeitblase zu entkommen?
John Wray hat sich sehr genau mit seinen Charakteren auseinander gesetzt, und man merkt ihnen ihre Tiefe und Komplexität an. Egal ob es sich um Waldemar, seine Tanten, die mysteriöse Mrs. Haven oder andere Figuren handelt, alle bestechen mit ihren Eigenarten, Charakterstärken und -schwächen, sowie den gut ausgearbeiteten Hintergründen. Mir haben die Protagonisten wirklich gut gefallen und mal mehr, mal weniger Sympathien bei mir hervorgerufen. Die Charaktere greifen schlüssig ineinander, wirken teilweise geheimnisvoll und sorgen so für genügend Spannung in der Handlung.
Der Handlungsverlauf selber ist komplex, tiefsinnig und bedarf einiger Aufmerksamkeit beim Lesen, denn neben der Familiengeschichte kommt auch allerlei Fachwissen in diesem Roman vor. Das sorgt auf der einen Seite dafür, dass der Roman sehr umfangreich und komplex wird, auf der anderen Seite ist es aber kein Roman, den man mal soeben nebenbei liest. Man muss Zeit und Ruhe mitbringen, um hinter die Mysterien der Geschichte zu blicken, doch es lohnt sich, diese mitzubringen. Denn man erhält hier auch ein spannendes Bild durch die Zeitgeschichte, einen Liebesroman und eine Familienepos neben so einigen mystischen Elementen und physikalischen Einsichten. Der Sprachstil ist weitestgehend eingängig und sorgt für einen angenehmen Lesefluss, ist man erst einmal in der Geschichte eingetaucht. Neben Waldemars Briefen an Mrs. Haven finden sich Rückblicke auf seine eigene Geschichte, die das Verhältnis zur Briefempfängerin beleuchten und Kapiteln, in denen die Familiengeschichte Waldemars beginnend bei seinem Großvater chronologisch erzählt wird.

Fazit:
Das Geheimnis der verlorenen Zeit ist ein fantastisch anmutender Roman, über physikalische Größen, Familien, Liebe, Verluste und die eigene Identität. Ein wenig Zeit sollte man sich auf jeden Fall für dieses Werk nehmen, denn eine seichte Lektüre für zwischendurch ist dieses Buch auf keinen Fall. Wer Bücher von David Mitchell mag, sollte ruhig einen Blick auf diesen Roman riskieren :)
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die Rowohlt Verlage für das Rezensionsexemplar.

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67 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

spannung, thriller, michel bussi, spannend, frankreich

Das verlorene Kind

Michel Bussi , Barbara Reitz , Eliane Hagedorn
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 15.08.2016
ISBN 9783352008863
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Klappentext:
Malone ist ein ganz normaler Junge. Er spielt gerne mit seinem Stofftier und liebt es, Geschichten zu erfinden. Oder sagt er etwa die Wahrheit, wenn er behauptet, dass die Frau, bei der er lebt, nicht seine leibliche Mutter ist? Keiner glaubt ihm. Keiner außer dem Schulpsychologen Vasile, dem es nach und nach gelingt, aus Malones Erinnerungsfetzen, die Wahrheit zusammenzusetzen. Doch plötzlich ist sein Leben in größter Gefahr und das von Malone ...

Meinung:
Eigentlich wirkt auf den ersten Blick alles um den kleinen Malone durchaus normal, doch das Kind behauptet, dass die Frau, die ihn aufzieht, nicht seine richtige Mutter ist. Alles nur ein Hirngespinst des 5-jährigen oder ist doch mehr an dem dran, was Malone behauptet? Dem Psychologen Vasile lässt das nicht los und er wendet sich an die Polizei. Doch die haben gerade andere Probleme, um die sie sich kümmern müssen und gehen der Sache deshalb er mal nur halbherzig hinterher. Vasile forscht auf eigene Faust nach, was sein Leben und das des Kindes in höchste Gefahr bringt.
Ich war ja von der Beschreibung des Klappentextes sofort eingenommen. Wie kann das sein, dass ein kleines Kind solche Behauptungen aufstellt? Was ist dran, wie sieht die Wahrheit wirklich aus? Spannungsmäßig hat Michel Bussi hier wieder alle Register gezogen und ich als Leser habe während des Lesens, wieder viele Theorien aufgestellt, verworfen, überdacht und mich von der Auflösung doch überraschen lassen, da ich mit diesem Ausgang so nicht gerechnet hatte. In dieser Hinsicht hat das Buch mich also nicht enttäuscht.
Leider bleiben bei all der Spannung im Buch leider die Charaktere auf der Strecke, die diesmal ziemlich blass wirkten und mit denen ich einfach nicht warm wurde. Viel zu distanziert blieben mir z. B. Vasile, Marianne oder Amanda, deren Motivationen der Autor zwar ausarbeitet, es leider aber nicht schafft, genügend Tiefe zu erzeugen. Sehr schade, denn grundsätzlich hätten diese eigentlich ordentlich Potential gehabt.
Insgesamt hat mich, neben dem eingängigen Erzählstil, hauptsächlich das große Geheimnis um Malone am Buch gehalten. Erzählt wird der Roman in der dritten Person, wobei die Sichtweise zwischen den einzelnen Charakteren wechselt und man so nach und nach ein genaues Bild über die aktuellen und vergangenen Ereignisse erhält. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und der Plot ist gut ausgearbeitet, so dass die Spannung wirklich bis zur letzten Seite gehalten werden kann.

Fazit:
Das verlorene Kind bietet einen vielversprechenden Ansatz, den er leider mit seinen Figuren nicht halten kann. Zwar schafft es Bussi wieder einmal, viele überraschende Wendungen in die Handlung einzubauen, über die schwachen Charaktere kann das leider nicht hinwegtäuschen. Einzig, dass ich der Auflösung entgegen gefiebert habe, hat mich am Roman dranbleiben lassen.
Von mir gibt es 2,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Erzählende Bilder

Richard McGuire , Stephan Kleiner
Fester Einband: 584 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.11.2016
ISBN 9783832199234
Genre: Comics

Rezension:

Klappentext:
Seit über zehn Jahren arbeitet Richard McGuire als Illustrator für das legendäre Magazin ›The New Yorker‹. Neben Coverentwürfen zeichnet er Vignetten – jene unauffälligen visuellen Zierelemente, die, verstreut über den Zeitschriftentext, ehemals als Lückenfüller gedient haben und heute kleine, eigenständige Kunstwerke sind.
Wurden Vignetten in der Vergangenheit mehr oder weniger willkürlich über die Magazinseiten verteilt, begreift McGuire sie erstmals als zusammenhängende Sequenzen. ›Erzählende Bilder‹ verbindet diese originell-geistreichen und humorvollen Mini-Serien zu einer einzigartigen Kurzgeschichtensammlung.
Mal verfährt McGuire mit ihnen wie mit einem Comicstrip, mal als enthüllte er Einzelbilder eines Daumenkinos. Mit nur wenigen Strichen gelingt es ihm dabei, Objekte zum Leben zu erwecken und ihnen eine Persönlichkeit zu verleihen. Eine visuelle Lektüre, die einmal mehr von McGuires Ideenreichtum, Wandlungsfähigkeit und künstlerischer Brillanz zeugt.

Meinung:
Einst dienten Vignetten als Lückenfüller in Tageszeitungen, heutzutage sind diese kleinen Zeichnungen schon sowas wie Kult, zu mindestens in der New York Times. In diesem stimmigen Bildband werden einige Werke von Richard McGuire zu kleinen Comicsequenzen zusammengestellt. Sie erzählen kleine Geschichten, mal unterhaltsam und amüsant, mal nachdenklich stimmend und mit wenigen Strichen auf den Punkt gebracht.
Dieses Buch bedarf nicht vieler Worte, denn die Bilder sprechen hier für sich. So findet man im Buch auch nur eine Einleitung von Luc Sante, der uns unwissenden Leser über die Herkunft und Bedeutung der Vignette aufklärt und den Künstler Richard McGuire näher bringt.
Die einzelnen Bilder sind schlicht, aber detailliert und aussagekräftig. Mir persönlich haben sie gut gefallen und es macht Spaß, in den einzelnen Kapiteln eine ganze Geschichte zu entdecken. Man kann das Buch entweder konsequent von vorne nach hinten durchblättern, oder einfach nach Lust und Laune mittendrin aufschlagen, Freude hat man immer an den Bildern und Szenen. Ein wenig kommen da schon nostalgische Gefühle auf, erinnern die schlichten Bilder mich doch manchmal an die "Vater und Sohn" Bildergeschichten aus meiner Schulzeit.
Die schicke schwarz-weiße Aufmachung des Buchs ist auf jeden Fall ein Hingucker im Regal, und eine tolle Geschenkidee für Kunstinteressierte.

Fazit:
Erzählende Bilder ist ein ungewöhnliches Kunstbuch, das mit seinen schlichten, aber starken Bildern besticht und für viel Spaß und Vergnügen sorgt. Diesen Band nimmt man gerne immer wieder in die Hand. Und im Regal ist er auf jeden Fall ein schicker Hingucker. Wer noch auf der Suche nach einem schönen Band zum Verschenken ist: Hier wird er fündig.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die DuMont Buchverlage für das Rezensionsexemplar.

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131 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

magie, schweden, zauberer, lars vasa johansson, glück

Anton hat kein Glück

Lars Vasa Johansson , Ursel Allenstein , Antje Rieck-Blankenburg
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 21.10.2016
ISBN 9783805203876
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Holla, die Waldfee
Ein Anruf seiner Eltern und eine E-Mail vom Elektrodiscounter sind die einzigen Glückwünsche, die Anton zu seinem 45. Geburtstag erhält. Aber der grummelige Berufszauberer mag Menschen sowieso nicht besonders. Seit Jahren tingelt er mäßig erfolgreich mit seinen Auftritten von Altersheim zu Einkaufszentrum. An und für sich würde ihn all das gar nicht stören. Wäre da nicht sein Erzfeind Sebastian, der mit seiner spektakulären Zaubershow in ganz Schweden Erfolge feiert. Ausgerechnet mit Charlotta an seiner Seite, Antons Ex-Freundin.
Früher waren Anton und Sebastian befreundet und haben gemeinsam gezaubert, nun sieht Anton überall die riesigen Plakate, die Sebastians und Charlottas Tournee ankündigen und auf denen groß in silbernen Buchstaben Together in Magic Forever steht. Es liegt auf der Hand: Für Anton läuft es nicht gut. Im Grunde läuft es überhaupt nicht. Aber niemand ist besser darin als er, sich das Leben schönzureden. Bis er sich eines Nachts im Wald verirrt und ein seltsames Mädchen trifft. Danach scheint Anton plötzlich vom Pech verfolgt zu werden. Als ernsthafter Zauberer glaubt Anton natürlich nicht an Magie. Aber langsam dämmert ihm, dass er etwas an seinem Leben ändern muss…

Meinung:
Anton hat Geburtstag. Er ist 45 geworden und hat keinen Menschen, der mit ihm feiert. Aber was soll's, feiert er halt allein. Außerdem muss er ja noch seinen Auftritt in einem Altersheim über die Bühne bringen, schließlich verdient er als Magier seine Brötchen. Der Auftritt verläuft mehr schlecht als recht, ist das Publikum doch äußerst undankbar, zu mindestens aus Antons Sicht. Und als er dann auf noch auf dem Heimweg mitten im Wald ein Sofa anfährt, ist Antons Stimmung endgültig im Eimer. Auf der Suche nach Hilfe begegnet er im Wald einem kleinen Mädchen, das ihn bittet, mit ihm Blumen zu pflücken. Für derlei Späße hat Anton aber nun absolut keine Zeit, und so handelt er sich einen Unglücks- und Todesfluch von dem kleinen Mädchen ein, schließlich ist sie eine Waldfee. Fortan ist Anton von Pech geplagt und er muss irgendwann einsehen, dass er Hilfe braucht. Hilfe brauchen auch die Bewohner des Waldes, die Anton versprechen, wenn er drei Aufgaben erledigt, ihn von dem Fluch zu befreien. Anton muss sich auf seiner Mission einigen unangenehmen Fragen stellen, besonders seine Person betreffend. Ob er die Aufgaben erledigen kann und von dem Fluch befreit wird?
Es wundert einen nicht, dass Anton verflucht wird, denn er ist wirklich kein sehr umgänglicher Zeitgenosse. Von Neid zerfressen, ständig am Nörgeln, egoistisch und pedantisch. Anton kann man nichts rechts machen und eigentlich sollte ihm immer das Glück zufallen. Das ist zumindest einer seiner Standpunkte, mit denen er sich bei seinen Mitmenschen nicht wirklich beliebt macht. Beim Leser auch nicht unbedingt, denn er ist einfach ziemlich anstrengend. Aber Anton hat mir auch ein wenig leidgetan, sind seine Eltern doch recht kühl ihm gegenüber und die Ansprüche, denen er gerecht werden soll, doch sehr hoch. Insgesamt weisen die Protagonisten im Buch einen sehr typischen, schwedischen Stil auf. Wer also schon Bücher a'la Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand mochte, wird sich hier mit den Charakteren wieder gut aufgehoben fühlen. Mir selber war Anton manchmal etwas zu nervig und überheblich, mit den Nebencharakteren aber hatte ich viel Spaß.
Die Handlung selber ist originell, witzig bis abstrus, und gut durchgearbeitet. Der Erzählstil ist flüssig und unterhaltsam und bringt einem oft zum Schmunzeln, manchmal sogar zum Lachen. Die kurzen Kapitel sorgen ebenfalls für einen guten Lesefluss und machen das Buch sehr kurzweilig. Die Szenen sind schön ausgearbeitet und man erhält ein genaues Bild über die Umgebung und die Umstände. In Rückblick-Kapitel erfährt man neben der eigentlichen Handlung auch mehr über Antons Vergangenheit, so dass man die Figur besser versteht und nachvollziehen kann, warum Anton so ist, wie er ist. Anton erzählt seine Geschichte in der Ich-Perspektive und lässt und so teil an seinem Leben und Vorstellungen haben.

Fazit:
Anton hat kein Glück weiß durchaus zu unterhalten, hat aber auch einen sehr anstrengenden Protagonisten, den man nicht direkt ins Herz schließen kann. Aber es macht Spaß, Antons Unglücksserie zu verfolgen und seinen Weg der Läuterung zu begleiten. Wer Bücher mit schwedischem Humor mag, wird sich hier gut aufgehoben fühlen.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Ein Jahr lang gut essen

Nigel Slater , Sofia Blind , Jonathan Lovekin
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.10.2016
ISBN 9783832199128
Genre: Sachbücher

Rezension:

Klappentext:
Frei nach diesem Wahlspruch hat Nigel Slater sein jüngstes Werk zusammengestellt: Anhand von 250 neuen Rezepten führt er durch das Jahr und teilt seine Neugier, seinen Appetit und seine Freude, andere mit guten Gerichten zu beglücken, mit dem Leser.
Schweinekottelet mit Rhabarber-Chutney im Januar, gegrillter Grünspargel mit Zitronenpüree im Mai, Langustinen mit Parmesan-Butter und Chili im August und Gnocchi mit Sahne und Dolcelatte-Käse im Dezember. Was nach komplizierter Gourmetküche klingt, erklärt Slater in seinen sinnlichen und unterhaltsamen Texten auf lebendige und leicht verständliche Weise, gespickt mit Anekdoten und grundsätzlichen Überlegungen zur Bedeutung von gutem Essen.
Und für Abende, an denen es schnell gehen muss, finden sich zwischen den Tagebucheinträgen vier Jahreszeitenkapitel mit saisonalen Alltagsgerichten, denen man sich auch nach einem langen Arbeitstag noch gewachsen fühlt.
Und wie immer gilt: Die Rezepte sind nicht in Stein gemeißelt, sondern können und sollen ergänzt, verändert und nach den eigenen Wünschen interpretiert werden.

Meinung:
Ein Jahr lang gut essen, das hört sich doch verdammt gut an. Und dementsprechend neugierig klappte ich dieses Koch-Tagebuch auf. Denn wie schon in den Küchentagenbüchern von Nigel Slater ist auch dieses Buch nicht nur ein Kochbuch, sondern auch ein sehr persönlicher Einblick in Nigel Slaters Leben und seine Küche.
Wie der Titel schon verrät startet Slater im Januar, gibt Einblick, wie er zu den Ideen seiner Rezepte kommt und stellt natürlich noch seine Variante des Gerichts vor. Variante triftt es dabei ziemlich genau, denn gleichzeitig zu seinem Grundrezept zeigt er oft auch noch Abwandlungen auf, wie man das Rezept erweitern, verändern und indivualisieren kann. Somit kann man seine Rezepte sehr gut als Basis und Denkanstoß nutzen.
Aber auch bei der Rezepteinteilung merkt man, dass man es hier nicht mit einem klassischen Kochbuch zu tun hat. Eine Aufgliederung nach Vorspeise, Hauptgang oder Nachtisch findet man nicht im Buch, dafür lädt es aber wunderbar zum Schmöckern, Durchblättern und Reinlesen ein. Oft habe ich das Buch in die Hand genommen, um es an einer beliebigen Stelle aufzuschlagen, auf der Suche nach Inspiration, die ich oft auch gefunden habe. Neben den bunt durchmischten Gerichten gibt es auch eine Zusammenstellung von saisonalen Gerichten, gegliedert nach den Jahreszeiten und somit perfektes Soul-Food :)
Die Rezepte selber sind gut und übersichtlich geschrieben, die Mengenangaben sind klar, die Zutaten zumeist alltäglich und kaum exotisch, was der Beschaffbarkeit enorm entgegen kommt. Auch die Arbeitsschritte sind verständlich und klar erklärt, so dass man auch als Anfänger gut mit den Rezepten zurecht kommen sollte. Allerdings merkt man den Gerichten auch an, dass sie von einem Engländer kreiert wurden, denn man stolpert hier doch über die eine oder andere typische englische Eigenart ;) Die Fotos im Buch sind schlicht und auf die Gerichte fokussiert gehalten, der hochwertige Leineneinband machen das Buch schon fast zu schade, um es beim Kochen neben dem Herd liegen zu lassen.

Fazit:
Ein Jahr lang gut essen ist kein klassisches Kochbuch, vielmehr eine Inspirationsquelle mit vielen interessanten Ideen und Rezeptvorschlägen. Aufgelockert mit persönlichen Anekdoten und Erlebnissen des Autors, fühlt es sich an, als würde man ein Tagebuch lesen. Zwar sind die Rezepte mir persönlich manchmal zu "englisch", doch auch immer wieder inspirierend. Perfekt zum Durchstöbern und immer wieder in die Hand nehmen.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die DuMont Buchverlage für das Rezensionsexemplar.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Smith & Wesson

Alessandro Baricco , Annette Kopetzki
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 17.09.2016
ISBN 9783455405774
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Tom Smith und Jerry Wesson haben mit der Waffenfabrik nur die Nachnamen gemein. Echte Abenteurer brauchen keine Waffen. Die Habenichtse lernen sich bei den Niagarafällen kennen, wo sich der eine als Erfinder und Meteorologe, der andere als »Leichenfischer« verdingt. Und dann ist da noch die Journalistin Rachel, die der erste Mensch sein will, der einen Sturz von den Fällen überlebt. Zu dritt wollen sie der Welt eine unvergessliche Geschichte liefern und zu Helden werden.

Meinung:
An den Niagarafällen im Jahre 1902 sucht Tom Smith den Fischer Jerry Wesson auf, um diesen für seine Forschungen zu befragen. Den Smith betätigt sich als Wetterforscher, um Anhang von Wahrscheinlichkeiten das Wetter vorherzusagen. Kurze Zeit später werden sie von der Journalistin Rachel frequentiert, die gemeinsam mit den beiden ein großes Ereignis auf die Beine stellen will, um ihre Stelle als Journalistin zu festigen und zu erhalten. Ein abenteuerlicher Plan wird entworfen.
Smith und Wesson haben mit den Waffenherstellern wenig gemeinsam. Der eine ist eher ein Betrüger und Erfinder, der sich mit einigen Tricksereien durchs Leben schummelt, der andere steht im Schatten seines Vaters. Und Rachel ist eine ehrgeizige junge Frau, die darunter leidet, dass man als Frau nicht als ebenbürtig angesehen wird. Trotz der Kürze des Stücks hat Baricco seine Figuren sehr dicht konstruiert.
Smith & Wesson ist kein klassisches Buch, sondern ein Bühnenstück. Somit besteht die Lektüre aus Dialogen und Regieanweisungen. Und gerade das macht das Buch unglaublich unterhaltsam. Man kann sich die Szenen sehr gut vorstellen und erfährt in den Gesprächen unheimlich viel um die Umstände und über die Figuren. So manches Gespräch hat bei mir laute Lacher auslösen können und trotz der Tragik, die im Buch mitschwingt, ist das Buch sehr vergnüglich und selbstironisch geschrieben. Die einzelnen Akte sind kurz und übersichtlich gehalten, was dafür sorgt, dass man das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen hat und mit ein wenig Wehmut zuklappt. Man merkt dem Buch an, dass es richtig gut von Annette Kopetzki übersetzt wurde.

Fazit:
Smith & Wesson ist ein kurzweiliges Bühnenstück über eine abenteuerliche Geschichte an den Niagara-Fällen, die mit minimalem Aufwand große Wirkung erzielt und kurzweilig unterhalten kann. Die Handlung stimmt nachdenklich und bleibt in Erinnerung, der wunderbare Erzählstil tut sein Übriges.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Hoffmann & Campe Verlag für das Rezensionsexemplar.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

hercule poirot, irland, nach agatha christie, krimi

Der offene Sarg

Sophie Hannah , Giovanni und Ditte Bandini
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 07.09.2016
ISBN 9783455600537
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Klappentext:
Die 70-jährige Lady Athelinda Playford, Witwe und Herrin von Lillieoak, lädt zu einem großen Dinner in ihr irisches Gutshaus ein. Die Zusammensetzung der Gäste ist so illuster wie kurios. Neben ihren Kindern mit Anhang und ihrem Sekretär sind auch zwei Anwälte, ein Gerichtsmediziner sowie Hercule Poirot und sein Kollege von Scotland Yard, Edward Catchpool, geladen. Als die Runde komplett ist, legt die alte Dame die Karten auf den Tisch: Sie wird ihr Testament ändern, ihre Kinder enterben und alles ihrem todkranken Sekretär vermachen. Unter den Familienmitgliedern bricht ein Sturm der Entrüstung los. Als man den Sekretär am nächsten Morgen ermordet auffindet, scheint der Fall für alle klar. Nicht aber für Poirot.

Meinung:
Es ist gefühlt schon ewig her, dass ich einen ganz klassischen Krimi gelesen habe. Hercule Poirot ist mir natürlich ein Begriff und Peter Ustinov habe ich im Fernsehen immer gerne bei seinen Fällen als besagter belgischer Meisterdetektiv begleitet. Nun also ein neuer Fall für Poirot in bester Agatha Christie Manier aus der Feder von Sophie Hannah.
In diesem Werk lädt die irische Lady Playford eine Gesellschaft zu sich auf ihr Landgut, um dort eine Ankündigung zu ihrem Testament zu machen, dass nicht allen Beteiligten gefällt. Mit von der Partie ist neben dem Scotland Yard Inspektor Catchpool auch der legendäre Detektiv Hercule Poirot. Kurz nach der Verkündung über die Testamentsänderung kommt es zu einem Mordfall, dessen Opfer der im neuen Testament begünstigte Sekretär Scotcher ist. Ein Glück also, dass die gleich zwei wichtige Ermittler vor Ort sind, die direkt die Ermittlungen aufnehmen. Doch ist es wirklich Zufall, dass beide eingeladen worden sind?
Ein adliger Landsitz lädt natürlich dazu ein, den Charakteren vor Ort einige Stereotypen zuzuordnen. Da gibt es den etwas brummeligen Butler, die einfältige Dienstmagd, die versnobte angehende Lady des Landsitzes etc. Aber trotz dieser Klischees, denen sich Hannah hier bedient, funktionieren die Charaktere sehr gut und man hat immer einen genauen Eindruck über diese. Catchpool, der die Geschichte hier in der ersten Person erzählt, ist grundsätzlich sympathisch. Und auch wenn ich den Vorgängerband nicht kenne, konnte ich einen guten Eindruck von ihm erhalten und mochte ihn sehr.
Handlungsmäßig ist das Buch ein Krimi, wie er klassischer nicht sein könnte. Unerwartete Wendungen, klassische Ermittlungen und viele Dialoge, in denen der Mordfall nach und nach analysiert wird. Die Szenen sind klar gesetzt, in diesem Fall der Landsitz, und zur besseren Orientierung gibt es auf den ersten Seiten des Buchs auch zwei Skizzen mit der Aufteilung der Räume. Als Leser darf man so miträtseln und knobeln, wer der Mörder ist und wie die Umstände um den Mord zustande gekommen sind. Die Kapitel sind recht kurz und übersichtlich gehalten, der Schreibstil ist einnehmend und unterhaltsam. Der Spannungsbogen kann gut bis zur letzten Seite gehalten werden und mein Ausflug in das Krimi-Genre hat sich vollauf gelohnt. Somit habe ich dieses Buch mit einem guten Gefühl beendet und freue mich jetzt schon auf weitere Fälle von Sophie Hannah.

Fazit:
Ein klassischer Krimi, der mich im ersten Moment vom Setting her ein wenig an das Werk Und dann gab's keines mehr erinnerte, aber doch eigenständiger ist und einen klug konstruierten Mordfall präsentiert. Mir hat der Fall viel Spaß gemacht und auch wenn die Charaktere sich vieler Klischees bedienen, tut das dem Lesespaß keinen Abbruch.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar.

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(186)

415 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 87 Rezensionen

black blade, fantasy, monster, jennifer estep, magie

Black Blade - Die helle Flamme der Magie

Jennifer Estep , Vanessa Lamatsch
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492703574
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Klappentext:
Als Diebin hat Lila Merriweather eine Begabung für drei Dinge: Erstens, sich in den Schatten zu verbergen. Zweitens, überall unbemerkt einzubrechen. Und drittens, Geheimnisse zu lüften. Diese Talente kommen ihr auch bei ihrer Arbeit als Bodyguard der Sinclair-Familie zugute - immerhin eine der mächtigsten magischen Mafiafamilien in Cloudburst Falls. Jeder weiß, dass Victor Draconi sie und die anderen Familien einkassieren will - und vorhat, jeden einzelnen Sinclair umzubringen. Doch was niemand weiß, ist, dass Lila ihm auf den Fersen ist. Auf keinen Fall wird sie zulassen, dass der Mann, der ihre Mutter getötet hat, weiteren Menschen, die ihr etwas bedeuten, Schaden zufügt. Nicht so lange es noch Häuser gibt, in die sie einbrechen kann, nicht so lange es noch Dinge gibt, die sie stehlen muss und besonders nicht so lange Devon Sinclair an ihrer Seite kämpft ...

Meinung:
Achtung: Dritter Teil einer Reihe -Spoilergefahr!
Was habe ich nach dem spannenden Ende des zweiten Bandes mich auf das Finale der Trilogie gefreut. Deshalb bliebt der Roman nicht lange ungelesen bei mir liegen und ruck zuck tauchte ich wieder in Lila Merryweathers Welt und in Cloudburst Falls ein.
Die Geschichte setzt nicht lange nach den Ereignissen aus Band 2 ein. Lila und ihre Freunde versuchen ihr Bestes, ihren Gegner Victor aufzuhalten und zu schwächen, denn bald steht wieder ein Essen mit allen Familien aus Cloudburst Falls an.bei dem sie fürchten, dass Victor eine Macht einsetzen wird. Und natürlich überschlagen sich die Ereignisse an diesem Termin und das Leben vieler Menschen ist bedroht. Lila muss all ihr Können einsetzen, um die Menschen, die sie liebt zu retten und Victor auszuschalten.
Ich habe Lilas Entwicklung in den Romanen mit Spannung verfolgt und auch im dritten und finalen Band war ich damit überaus zufrieden, wie die Autorin ihre Figur konsequent weiter entwickelt hat. War sie im ersten Band noch sehr zurückhalten, kann man von Buch zu Buch erleben, wie sie sich immer mehr öffnet. Aber auch die Nebenfiguren haben mir wieder gut gefallen, wenn auch Devons Rolle hier ein wenig blass wirkte im Vergleich zu den anderen Büchern.
Der Einstieg in die Geschichte viel mir nicht schwer, auch wenn etwas her war, dass ich den zweiten Teil gelesen habe. Aber im Gegensatz zum zweiten Band waren die Figuren direkt wieder da und ich konnte der Geschichte mühelos folgen. Wieder einmal kann ich nur betonen, wie gut mir Jennifer Esteps Weltenentwurf gefällt und wie toll diese Reihe von Vanessa Lamatsch übersetzt wurde. Das Buch ist erneut richtig spannend von der ersten bis zur letzten Seite, der Plot gut durchdacht und nahezu atemlos blättern man von Seite zu Seite um dem Finale entgegen zu fiebern. Der Abschluss hat mich gepackt und wurde in meinen Augen gut umgesetzt. Die Kapitel sind wieder zumeist recht kurz und übersichtlich gehalten und auch wie schon in den zwei Bänden vorher erzählt Lila ihre Geschichte selber in der Ich-Perspektive.

Fazit:
Ein würdiger, fesselnder Abschluss dieser Jugend-Fantasy-Reihe, die auch erwachsene Leser durchaus richtig gut unterhält. Ich habe die Reihe ins Herz geschlossen und werde sie in guter Erinnerung behalten.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar.

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64 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

liebe, trennung, jimmy rice, leserunde, lovestory

Alles, was vielleicht für immer ist

Jimmy Rice , Laura Tait , Marion Herbert
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.09.2016
ISBN 9783832163747
Genre: Liebesromane

Rezension:

Klappentext:
Rebecca und Ben ergänzen sich perfekt: Er weint manchmal, wenn er kitschige Liebesfilme sieht. Ihre Augen tränen noch nicht mal beim Zwiebelschneiden. Während sie als Architektin Karriere macht, weiß er nicht so genau, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Ihm fällt es leicht, mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen. Sie hasst Small Talk. Genau aus diesen Gründen sind die beiden das perfekte Paar. Nichts kann sie auseinanderbringen. Das glauben sie zumindest.
Wenn da nur nicht diese eine Sache wäre, die Ben Rebecca eigentlich noch hätte sagen müssen und die sie schließlich selbst herausfindet. Auf einmal sind die beiden gezwungen, alles zu hinterfragen, was sie je voneinander wussten ...

Meinung:
Wer kennt nicht das Sprichwort "Gegensätze ziehen sich an"? Denn auf Rebecca und Ben scheint diese Weisheit perfekt zu passen, ergänzen sie sich doch in allen Dingen, egal ob große oder kleine Angelegenheiten. Wo Rebecca rational und vorsichtig ist, ist Ben wagemutig und offen. So sorgt er dafür, dass Rebecca mehr aus sich herauskommt, und sie dafür, dass Ben auf dem Boden bleibt und nicht zu sehr abhebt. Doch können zwei so unterschiedliche Menschen miteinander glücklich werden? Als Rebecca an Bens Geburtstag mit einer Erkenntnis konfrontiert wird, wird die Liebe auf eine harte Probe gestellt, in dessen Verlauf sich zeigen muss, ob Rebecca und Ben wirklich das perfekte Paar sind, wie sie immer dachten.
Rebecca ist beleibe keine einfache Protagonistin. Sie ist ehrgeizig und eher verschlossen. Beziehungen gegenüber ist sie recht misstrauisch und sie kann verdammt stur sein. Das ist leider nicht immer angenehm im Handlungsverlauf und hat mich ein paar Nerven gekostet, wenn sie wieder so uneinsichtig war. Ben dagegen mochte ich total gerne und er hat mir manchmal richtig leidgetan, so wie Rebecca mit ihm umspringt. Auch die Nebenfiguren leiden unter Rebeccas Benehmen, sind ansonsten aber gut umgesetzt und geben den beiden Hauptfiguren einen guten Rahmen zum Agieren.
Der Einstieg in den Roman fiel mir unheimlich leicht und ich habe mit Spannung das Kennenlernen und die frische Beziehung zwischen Ben und Rebecca genossen. Doch nach und nach schlichen sich die ersten Längen in den Roman an. Gerade Rebecca hat mir mit ihrer sturen Art immer wieder Steine in den Weg gelegt und oft hätte ich mir gewünscht, sie wäre ein wenig offener. Doch sie ist nun mal wie sie ist, und so leidete ich im Verlauf der Geschichte mit Ben. Auch das sich der Handlungsverlauf anders entwickelte, als ich erwartet habe, hat mit dazu geführt, dass mir das weiterlesen immer schwerer fiel und meine Motivation nachließ. Doch ich habe durchgehalten, da ich doch wissen wollte, wie es mit den Zweien ausging. Das Ende ist schlüssig, wird aber nicht jeden Geschmack treffen.
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Rebeccas und Bens Sicht. Dabei wechseln sich die Zwei kapitelweise ab. Die Kapitel selber sind angenehm lang. Der schwungvolle Start lässt aber nach einem Drittel leider nach und es kommt zu ein paar Längen im Roman. Auch der Handlungsverlauf entwickelte sich nicht nach meinem persönlichen Geschmack, habe ich doch etwas anderes erwartet. So war ich am Ende des Buchs recht froh, durch die Geschichte gekommen zu sein. An den Vorgänger Das Beste, das mir nie passiert ist, reicht dieser Roman leider nicht heran.

Fazit:
Alles, was vielleicht für immer ist startet stark, lässt aber leider im Handlungsverlauf etwas nach und konnte mich mit seiner Handlung nicht ganz so begeistern wie erhofft. Rebecca als Hauptfigur ist recht anstrengend und die Geschichte entwickelte sich anders, als erwartet. So war es alles in allem zwar kein schlechtes Buch, der Vorgänger aber hat mir besser gefallen.
Von mir gibt es 3 von 5 Punkten.
Vielen Dank an die Dumont Buchverlage für das Rezensionsexemplar.

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1.027 Bibliotheken, 40 Leser, 1 Gruppe, 201 Rezensionen

mona kasten, liebe, begin again, vergangenheit, new adult

Begin Again

Mona Kasten
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 14.10.2016
ISBN 9783736302471
Genre: Liebesromane

Rezension:

Klappentext:
Er stellt die Regeln auf –
sie bricht jede einzelne davon.

Noch einmal ganz von vorne beginnen – das ist Allie Harpers sehnlichster Wunsch, als sie für ihr Studium nach Woodshill zieht. Dass sie ausgerechnet in einer WG mit einem überheblichen
Bad Boy landet, passt ihr daher gar nicht in den Plan. Kaden White ist zwar unfassbar attraktiv – mit seinen Tattoos und seiner unverschämten Art aber so ziemlich der Letzte, mit dem Allie
sich eine Wohnung teilen möchte. Zumal er als allererstes eine Liste von Regeln aufstellt. Die wichtigste: Wir fangen niemals etwas miteinander an! Doch Allie merkt schnell, dass sich hinter
Kadens Fassade viel mehr verbirgt als zunächst angenommen. Und je besser sie ihn kennenlernt, desto unmöglicher wird es ihr, das heftige Prickeln zwischen ihnen zu ignorieren …

Meinung:
Schon länger hat es mich nicht mehr so richtig zu New Adult Romanen gezogen, vereinten sie doch immer wieder das gleiche Thema in mehr oder weniger gut gewählten Worten. Doch auf diesen Roman hatte ich nochmal richtig Lust und wagte mich an ihn heran. Und bereut habe ich es nicht.
Zwar klingt die Inhaltsangabe nicht neu, doch die Geschichte reizte mich und ich begleitete Allie bereitwillig in ihr neues Leben. Zu Beginn des Romans ist sie auf der Suche nach einem Zimmer und man erfährt direkt, dass sie entgegen der Pläne ihrer Eltern handelt. Allie landet schließlich in der Wohnung von Kaden, der sie eher widerwillig aufnimmt. Er stellt für das Zusammenleben drei Regeln auf, an die Allie sich halten soll. Doch je besser die zwei sich kennen lernen, desto schwerer wird es, diese auch einzuhalten, und zwar für beide Seiten.
Ich mochte Allie und Kaden unheimlich gerne. Allie ist nicht die brave Unschuld vom Lande, hat eine Vergangenheit und verströmt, Gott sei Dank, nicht diese extreme amerikanische Prüderie, wie man sie oft von den amerikanischen Autorinnen kennt. Kaden ist beileibe kein einfacher Mensch, gerade dadurch aber sehr interessant und er bildet einen guten Gegenpart für Allie. Als richtigen Bad Boy würde ich ihn zwar nicht beschreiben, aber definitiv als Mann mit Charakter.
Auch die wie sich die Beziehung entwickelt hat mir gut gefallen. Die zwei kommen sich nämlich erst nach und nach und nicht Knall auf Fall näher. Dadurch wirkt die Geschichte um einiges realistischer. Allerdings bringt diese behutsame Entwicklung ein wenig Länge in den Roman, wo man sich schon fast wünscht, dass Mona Kasten es ein wenig beschleunigt hätte. Ein weiterer Punkt, der mich gestört hat, ist diese, in dem Genre leider weit verbreitete Unart, jedes kleine Detail über die Figuren zu beschreiben: was sie anhaben, wie sie sich schminken, was sie essen, etc. Auch Mona Kasten hat das hier eingebaut, was mir besonders zu Anfang des Romans negativ auffiel, sich im Verlauf des Romans aber besserte. Das sind aber auch die einzigen Punkte, die mir persönlich nicht so zusagten, ansonsten war das Buch aber wirklich sehr unterhaltsam und richtig schön geschrieben. Die Geschichte ist witzig, berührend, manchmal spannend und auch ein klein wenig knisternd. Und auf jeden Fall macht das Buch Lust auf mehr, so dass ich mich schon jetzt auf den Nachfolgeband freue.
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Allies Sicht. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und sind nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang. Bis auf ein wenig Länge im Mittelteil kann Mona Kasten die Spannung gut bis zum Ende hin halten, streut geschickt Informationshäppchen über ihre Protagonisten, ohne die großen Geheimnisse zu schnell zu verraten und den Leser so bei Stange zu halten.

Fazit:
Begin Again ist ein schöner Reihenauftakt, der zwar vereinzelt kleine Schwächen aufweist, im Großen und Ganzen aber gut unterhält und mit einem schönen Mix aus Witz, Spannung und Gefühlen vergnügliche Lesestunden bereitet.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an Bastei Lübbe für das Rezensionexemplar

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

glück, sammlung, zweite chance, roman, trostloses leben

Das Bild aus meinem Traum

Antoine Laurain , Sina de Malafosse
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783455650457
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Maître Pierre-François Chaumont, ein brillanter Pariser Anwalt, ist leidenschaftlicher Kunstsammler und lässt sich keine Auktion entgehen. Von einem alten Ölgemälde kann er eines Tages den Blick nicht mehr abwenden: Der dargestellte Mann mit gepuderter Perücke ähnelt ihm wie sein Spiegelbild! Das Porträt soll seine Sammlung krönen und er ersteigert es, aber schon bald wandelt sich das Glücksgefühl in Paranoia, denn Pierre-François fürchtet, verrückt geworden zu sein: Niemand seiner Familie oder Freunde sieht die frappierende Ähnlichkeit.
Mithilfe des Wappens findet er jedoch die Familie des Porträtierten - ein altes Adelsgeschlecht, das seit Jahrhunderten auf Schloss Mandragore in der Bourgogne lebt. Heimlich reist Pierre-François dorthin und erlebt eine weitere Überraschung: Jeder scheint ihn zu kennen! Man hält ihn für den seit Jahrzehnten verschollenen Grafen, und Pierre-François belässt es dabei - er kann der Versuchung nicht widerstehen, einfach eine neue Identität anzunehmen und ein neues Leben anzufangen … Antoine Laurain erzählt in seinem Debüt von der Suche nach Identität, sich selbst und dem Glück, und von der Faszination für schöne und alte Dinge, die ihre eigenen Geschichten haben.

Meinung:
Ihr könnt ich nicht vorstellen, wie groß meine Freude war, als ich ein Überraschungspaket vom Atlantik Verlag erhielt, und den neuen Roman von Antoine Laurain plötzlich in meinen Händen. Schon mit Liebe mit zwei Unbekannten hat der Autor mein Herz erobert, dass ja besonders für französische Literatur sehr hoch schlägt. Nun hat der Verlag endlich das Debüt des Autors übersetzt und ich versank nur allzu bald in der Welt von Pierre-François Chaumont.
Dieser lebt in Paris und ist ein erfolgreicher Patenanwalt. Seit seiner Jugend hegt er außerdem eine große Leidenschaft für Antiquitäten. Als er eines Tages für eine unverschämt hohe Summe ein Bild ersteigert, gerät seine Welt komplett aus den Fugen. Denn auf dem Bild, dass aus dem 18. Jahrhundert stammt, scheint ihm bis aufs Haar zu gleichen. Doch kaum ersteigert, fängt der Ärger an. Seine Frau und seine Freunde wollen keine Ähnlichkeit erkennen und Chaumont ist frustriert. Er ermittelt die Familie durch das Wappen auf dem Bild und spürt diese auf. Die Suche führt ihn auf ein Weingut, wo er direkt als der dort als verschollen geltende Graf wiedererkannt wird. Chaumont ist begeistert, dass die Ähnlichkeit nun erkannt wird, doch kann er einfach eine fremde Identität annehmen?
Auch wenn Pierre-François Chaumont auf den ersten Blick ein wenig großspurig und überheblich wirkt, so mochte ich ihn doch nach kurzer Zeit sehr gerne. Seine etwas exzentrische Art und seine Begeisterung für Antiquitäten geben ihm etwas Kauziges, aber Liebenswertes. Auch die Nebenfiguren sind weitestgehend gut ausgearbeitet, obwohl von denen nicht so viele hier vorkommen. Einzig Chaumonts Kanzleipartner Chevrier blieb mir zu blass und zu sehr Randfigur. Für ein Erstlingswerk passt die Zusammenstellung und Ausarbeitung schon ganz gut.
Dass Laurain selber mal Antiquitätenhändler war und sich in dem Metier auskennt, merkt man dem Roman direkt an, denn mit viel Liebe zum Detail führt er den Leser in diese Welt ein. Mit schönen, eleganten Sätzen und viel Charme versinkt man beim Lesen im Buch und möchte so schnell nicht wieder daraus auftauchen. Die kurzen Kapitel, Chaumonts Erlebnisse, die in der Ich-Perspektive erzählt werden, und die amüsante Geschichte sorgen für unbeschwerte Lesestunden. Sina de Malafosse hat hier richtig gute Arbeit geleistet und die Sprache des Autors ganz wundervoll ins Deutsche gebracht.

Fazit:
Zwar kommt Das Bild aus meinem Traum nicht ganz an die beiden anderen Romane des Autors ran, trotzdem hatte ich wieder einmal wunderschöne Lesestunden mit dem Roman, habe in der Sprache geschwelgt und mich von der charmanten Geschichte einfangen lassen.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Tief im Land

Neil Ansell , Ulrike Kretschmer
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Allegria, 12.08.2016
ISBN 9783793423119
Genre: Sachbücher

Rezension:

Klappentext:
"Tief im Land" entführt uns in die Ruhe eines archaischen, asketischen Lebens. Neil Ansell verbrachte fünf Jahre zurückgezogen in den Hügeln von Wales. In exzellenter Prosa erzählt er von seinem Alltag in einem alten, halb verfallenen Cottage ohne Strom und Gas. Im Laufe der Zeit verschmilzt er immer mehr mit seiner Umgebung. In bemerkenswerter Selbstvergessenheit beschreibt er Landschaft, Tier- und speziell die Vogelwelt. Auf wunderbare Weise gelingt es ihm, uns in die Stille des Landes hineinzuziehen.
Konzentriert, bildhaft, melodisch erzählt, hat der Text meditativen Charakter. Er vermittelt, was es heißt, ganz im Hier und Jetzt zu sein.
"Tief im Land" entführt uns in die Ruhe eines archaischen, asketischen Lebens. Neil Ansell verbrachte fünf Jahre zurückgezogen in den Hügeln von Wales. In exzellenter Prosa erzählt er von seinem Alltag in einem alten, halb verfallenen Cottage ohne Strom und Gas. Im Laufe der Zeit verschmilzt er immer mehr mit seiner Umgebung. In bemerkenswerter Selbstvergessenheit beschreibt er Landschaft, Tier- und speziell die Vogelwelt. Auf wunderbare Weise gelingt es ihm, uns in die Stille des Landes hineinzuziehen.

Meinung:
Wie der Klappentext schon verrät, erzählt Neil Ansell in diesem Buch von seinem Leben im Wald. Mitten in Wales hat er 5 Jahre lang in einem halb verfallenen Cottage gelebt und dabei viel über seine Umgebung und die Natur gelernt. Inhaltsmäßig gibt es eigentlich nicht so viel zu erzählen, aber es ist faszinierend und fast schon meditativ, Neil Ansell auf seinen Streifzügen durch die Natur zu begleiten.
Ansells Erzählstil hat etwas unheimlich Beruhigendes und Erdendes, was Tief im Land zu einem wirklich wundervollen Buch zum Abschalten nach einem stressigen Tag macht. Es ist wie ein Ausflug aufs Land oder in den Wald, und man sieht die Natur und seine Lebewesen fast schon vor eigenen Augen, wenn man sich in Ansells Schilderungen vertieft.
Allerdings war Tief im Land kein Buch, dass ich in einem Rutsch durchlesen konnte, dafür aber eines, dass ich immer wieder gerne in die Hand nahm, mal in ein Kapitel reinlas und reinblätterte. Zwar empfiehlt es sich, das Buch von vorne nach hinten zu lesen, aber auch wenn man einfach mal in ein Kapitel zwischendrin reinliest, hat man keine Probleme, Ansell zu folgen.
Die Kapitel sind insgesamt recht übersichtlich gehalten und variieren zwischen 20-30 Seiten. Neil Ansell erzählt seine Geschichte in der Ich-Perspektive und lässt und tief an seinen Gedanken und Empfindungen teilhaben. Im Buch selber findet sich auch eine gezeichnete Karte, an der man sich bei Ansells Beschreibungen orientieren kann und die angesprochenen Punkte und Ort findet. Ulrike Kretschmer hat es sehr gut geschafft, Ansells Schreibstil in einer so beruhigenden, einnehmenden Art ins Deutsche zu bringen.

Fazit:
Tief im Land ist ein Buch, dass sehr ruhig, entspannt und fast schon meditativ erzählt ist, wundervolle Landschafts- und Tierbeschreibungen enthält und einem einen Ausflug in die unberührte Natur gewährt, so ursprünglich und beruhigend bringt der Autor seine Erlebnisse zu Papier.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Allegria Verlag für das Rezensionsexemplar.

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664 Bibliotheken, 17 Leser, 1 Gruppe, 84 Rezensionen

dystopie, jugendbuch, fantasy, liebe, magie

Das Juwel - Die weiße Rose

Amy Ewing , Andrea Fischer
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 25.08.2016
ISBN 9783841422439
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Klappentext:
Violet ist auf der Flucht. Nachdem die Herzogin vom See sie mit Ash, dem angestellten Gefährten des Hauses, ertappt hat, bleibt Violet keine Wahl, als aus dem Palast zu fliehen oder dem sicheren Tod ins Auge zu sehen. Zusammen mit Ash und ihrer besten Freundin Raven rennt Violet aus ihrem unerträglichen Dasein als Surrogat der Herzogin davon. Doch das Juwel zu verlassen ist alles andere als einfach. Auf ihrem Weg durch die Kreise der Einzigen Stadt verfolgen die Regimenter des Adels sie auf Schritt und Tritt. Die drei Geflohenen schaffen es nur äußerst knapp, sich in die sichere Umgebung eines geheimnisvollen Hauses in der Farm zu retten. Hier befindet sich das Herz der Rebellion gegen den Adel. Zusammen mit einer neuen Verbündeten entdeckt Violet, dass ihre Gabe sehr viel mächtiger ist, als sie sich vorstellen konnte. Aber ist Violet stark genug, sich gegen das Juwel zu erheben?

Meinung:
Achtung: Zweiter Teil einer Reihe - Spoilergefahr!
Die weiße Rose setzt nahtlos an Band 1 an. Violet wurde mit Ash erwischt, dieser wird nun im Verlies festgehalten, Violet selber in den Gemächern und beide wartet nun auf die Konsequenzen, die die Herzogin folgen lässt. Doch unerwarteter Weise gelingen ihr und ihrem Gefährten die Flucht und eine dramatische Odyssee in ein sicheres Quartier beginnt. Doch so dramatisch die Umstände auch sind, lernt Violet doch mehr über sich und ihre Gaben kennen. Und merkt, dass sie vielleicht doch eine Chance haben, den Adel zu stürzen.
Der Einstieg ins Buch gelang mir relativ gut, ist es doch schon eine Weile her, dass ich den ersten Band gelesen habe. Aber schnell stellten sich die Figuren wieder ein und die Vorgeschichte war wieder präsent. Hier hat die Autorin gute Arbeit geleistet, indem sie kurze Rückblicke gewährt, ohne jedoch ausufernd zu werden und die Hauptgeschichte von Band 2 zu verdrängen. Auch der Schreibstil war wieder sehr kurzweilig und gut lesbar, was auf eine gute Übersetzungsarbeit von Andrea Fischer schließen lässt. Die Handlung selber ging mir diesmal nicht ganz so an die Nieren, wie noch im ersten Band, ist aber durchaus wieder recht dramatisch und auch schonungslos dargestellt. Allerdings empfand ich diesmal den Handlungsverlauf als nicht ganz so überraschend, wie noch im ersten Band.
Die Figurenentwicklung war in Ordnung, berücksichtigt man die Zielgruppe, die Amy Ewing mit dieser Reihe ansprechen möchte. Mir persönlich reift Violet etwas zu schnell heran, auf jeden Fall aber sorgt es für Tempo im Roman, so dass keine Längen erzeugt werden. Denn von denen finden sich tatsächlich keine im Buch und immer ist etwas los oder man erfährt etwas Neues hier. Diesmal werden auch einige Nebenfiguren etwas vertieft, so dass sich ein umfassenderes Bild über die Gesellschaft und die Menschen auf der Insel ergibt.
Grundsätzlich wurde ich hier gut und kurzweilig unterhalten, allzu anspruchsvoll ist die Geschichte aber nicht, bietet aber wieder einmal einige interessante Ansätze zum Nachdenken und Diskutieren. Die Kapitellänge ist angenehm, nicht zu kurz und auch nicht zu lang, und Violet erzählt ihre Geschichte wieder in der Ich-Perspektive. Der Plot ist sauber ausgearbeitet und die Spannung kann konstant bis zur letzten Seite gehalten werden. Natürlich ist das Ende etwas offen und sorgt dafür, dass man ja doch wissen will, wie es nun ausgehen wird. Da müssen wir deutschen Leser uns aber bis nächstes Jahr noch gedulden.

Fazit:
Die weiße Rose setzt Violets Geschichte konsequent weiter, konnte mich aber nicht ganz so überraschen und mitreißen, wie noch der Vorgänger. Trotzdem wird man hier gut unterhalten und erfährt mehr über die Welt und die Insel. Alles in allem ein solider Mittelteil, der Lust auf das Finale macht.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den FJB Verlag für das Rezensionsexemplar.

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(10)

46 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

kanada, nordlicht, geräusch, phantasie, fiktion oder realität?

Das Geräusch des Lichts

Katharina Hagena
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.09.2016
ISBN 9783462049329
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Fünf Menschen im Wartezimmer. Wer könnten sie sein? Eine der Wartenden beobachtet die anderen und erfindet ihre Lebensgeschichten. Da ist die Botanikerin Daphne Holt, so widerstandsfähig und zart wie das Moos, das sie erforscht. Auf den Spuren einer verschollenen Freundin stößt sie in der kanadischen Wildnis auf ein Geheimnis. Da ist der Musiker in seinem dottergelben Hausboot, der den letzten Willen seiner Frau erfüllt und auf dem zugefrorenen See das Nordlicht erwartet. Der zwölfjährige Richard sucht in jeder Öffnung, jedem Schacht, hinter jedem Gitter einen möglichen Weg zum Planeten Tschu. Auf dem befinden sich nämlich seine Mutter und seine Schwester, weil sie nach ihrem Verschwinden ja irgendwo sein müssen. Und da ist die verwirrte Dame, in deren Kopf sich die weiße Leere schon ganz ausgebreitet hat. Schließlich erfindet die Erzählerin ihre eigene Geschichte, einen Thriller über die Verbrechen einer skrupellosen Ölfirma, bei dem sie selbst in Lebensgefahr gerät.

Meinung:
In einem kanadischen Wartezimmer sitzen 5 Menschen und warten auf ihren Termin. Eine der Wartenden ist die Erzählerin des Romans und während sie als letzte drankommen wird, ersinnt sie sich für jeden anderen Patienten eine Geschichte, sogar für sich selber. Dabei scheinen alle Geschichten erst einmal eigenständig zu sein, greifen aber immer wieder Themen und Figuren aus den anderen Geschichten auf. Und so ergibt sich nach und nach ein Bild über unsere Erzählerin und ihre eigene Geschichte.
Das Setting klingt erst einmal aufgeräumt und unspektakulär. Und im Großen und Ganzen bleibt es das auch, denn Katharina Hagena legt ihr Augenmerk auf die Menschen in diesem Buch. Und diese zeichnet sie sehr deutlich und klar, mit all ihren Eigenheiten und Schwächen. Jede ihrer Figuren ist auf der Suche nach etwas und jemanden, sei es eine verschollene Forscherkollegin, eine Mutter, Ehefrau, Freundin oder die Suche nach sich selbst. Und obwohl diese Lektüre nicht wirklich dick ist, schafft die Autorin es, eine unheimlich dichte Atmosphäre um ihre Charaktere zu schaffen, ihnen Tiefe zu verleihen und sie dem Leser näher zu bringen.
Auch die Handlung in diesem Roman hat mich ergriffen. Der sprachlich schöne Schreibstil, der mit einer interessanten Bildsprache, ein wenig Humor und ganz viel Charakter den Leser einzufangen vermag, hat mich an den Roman gefesselt und mich diesen äußerst aufmerksam lesen lassen, denn ich wollte keine Nuance in diesem Buch verpassen. Auch wenn das Buch eigentlich eher ruhig ist und nur zum Ende hin ein wenig Nervenkitzel aufkommen lässt, so hat er doch etwas Beruhigendes verströmt und der eher kühle Novemberanfang hat die ideale Lesegrundlage für das Buch bereitet.
Eingeteilt ist das Buch in fünf Abschnitte, Kapitel gibt es hier in der Form so nicht. Trotzdem ist das Buch sehr kurzweilig und die einzelnen Geschichten greifen gut ineinander. Und auch nach Beenden der Lektüre lässt das Buch einen nicht wirklich los, beschäftigt über das Buch hinaus und wirkt so lange nach.

Fazit:
Sprachlich schön umgesetzt und beruhigend eingängig, erzählt Das Geräusch des Lichts eine fantastische Geschichte über das Suchen und Finden von Menschen und sich selber. Tiefgründig und nachdenklich stimmend, für mich eines der schönsten Bücher im Herbst, die ich bis jetzt gelesen habe.
Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den den Kiepenheuer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar.

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(53)

119 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

venedig, paris, liebe, philosophie, geheimnis

Das Café der kleinen Wunder

Nicolas Barreau , Sophie Scherrer
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Thiele & Brandstätter Verlag , 17.09.2016
ISBN 9783851793680
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:
Eleonore Delacourt ist 25, mag alte Bücher, liebt die Langsamkeit, misstraut schönen Männern, ist heimlich in ihren Philosophieprofessor verliebt, glaubt an Zeichen und würde niemals, nie und unter keinen Umständen ein Flugzeug besteigen. Und leider ist Nelly, wie sie sich selbst nur nennt, nicht so beherzt wie die geliebte Großmutter aus dem bretonischen Finisterre, die ihr einen alten Granatring hinterlassen hat, in dem AMOR VINCIT OMNIA steht. Auf jeden Fall ist Nelly nicht der Typ, der an einem kalten Januarmorgen alle Ersparnisse abhebt, eine rote Handtasche kauft, das winterliche Paris verlässt und einfach so mit dem Zug davonfährt – nach Venedig.

Meinung:
Ich betone an dieser Stelle nicht nochmal mein Faible für französische Literatur. Wer meinen Blog schon länger kennt, weiß, wie sehr ich immer davon schwärme. Nun also der neue Roman von Nicolas Barreau.
Diesmal erzählt er die Geschichte der jungen Nelly. Diese ist leider mit einem sehr ängstlichen Gemüt ausgestattet, leidet unter Flugangst und misstraut gutaussehenden Männern. Dafür schlägt ihr Herz für ihren Professor höher, der zwar nicht besonders gut aussieht und leicht hinkt, dafür aber die gleichen Interessen wie Nelly hegt. Doch der Professor ahnt nichts von Nellys Gefühlen für ihn und bandelt mit einer italienischen Dozentin an. Nellys Herz ist gebrochen, doch in den Vermächtnissen ihrer Großmutter findet sie einen geheimnisvollen Hinweis, der zu dem geerbten Ring der Großmutter passt und sie nach Venedig führt. Ob Nelly dort ihren Liebeskummer vergisst und ihre Ängste überwinden kann?
Nicolas Barreaus Charaktere haben etwas wunderbar Beruhigendes an sich, in dem ich mich gerne verliere und mit dem ich schwelgen kann. Nelly ist zwar auf der einen Seite furchtbar naiv und ihre Überängstlichkeit grenzt schon fast an Nervigkeit, trotzdem hat sie einen immensen Charme versprüht, so dass es sehr viel Spaß gemacht hat, ihren Weg zu verfolgen. Und auch die Nebenfiguren sind charmant und liebevoll umgesetzt, weisen genügend Tiefe und Hintergründe auf, um Nellys Geschichte den passenden Rahmen zu geben.
Auch Barreaus Schreibstil, der hier von Sophie Scherrer sehr schön ins Deutsche gebracht wurde, verzaubert wieder und lässt den Leser in einer sehr bildlichen, leicht poetischen Sprache durch Paris und Venedig schlendern. Die Geschichte an sich ist zwar recht vorhersehbar, das Ende ein wenig zu abrupt und schnell abgehandelt, trotzdem bereitet der Roman unheimlich schöne Lesestunden und lädt zum Abschalten und Entspannen ein.

Fazit:
Ein Roman zum Wohlfühlen für gemütliche Lesestunden auf der Couch oder in der Lieblingsleseecke. Barreau verzaubert erneut mit seinem Charme, da ist es fast nicht schlimm, dass die Geschichte recht vorhersehbar. Wenn das Ende nicht ganz so abrupt gewesen wäre, hätte es mir persönlich noch besser gefallen.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Thiele Verlag für das Rezensionsexemplar.

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