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bosnien, roman, robert prosser, bürgerkrieg, longlist deutscher buchpreis

Phantome

Robert Prosser
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 15.08.2017
ISBN 9783961010097
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch Phantome hat mir sehr gut gefallen. Der erste Teil, der Monolog von einem Graffitisprayer, der im Buch keinen Namen hat, hat mich anfangs ein wenig ratlos zurückgelassen, ist aber irgendwie total witzig geschrieben. Es geht um illegales Sprayen im U-Bahn System und um die Reisen nach Bosnien, die der Ich-Erzähler mit seiner Freundin Sara unternimmt.
Sara möchte das Heimatland ihrer Mutter kennenlernen und ihr Freund begleitet sie dabei. Letzterer entdeckt auf der Reise ins zu Beginn unbekannte Land immer mehr Spuren des vergangenen Krieges, die bis ins heutige Bosnien reichen.

Ich wusste nicht immer, wo ich mich in der Geschichte gerade befand, was mich störte. Irgendwann war ich dann aber drinnen im Lesen. Graffiti und Hip Hop spielen im ersten Teil eine wichtige Rolle - alles Bereiche, mit denen ich nichts zu tun habe, aber die gut beschrieben sind, wie z.B. dass nur Züge malt, wer Züge richtig liebt ;-) Gerade das macht das Buch interessant, man erfährt viel von Bosnien und von Jugendkultur. Und es gibt Stellen in diesem ersten Teil des Buches, die ich erschütternd fand, etwa die Gedenkfeier zum Genozid in Srebrenica. Diese Stellen zeigen, dass in diesem Land, das eigentlich so nahe und doch so weit weg ist, der Krieg noch lang nicht vorbei ist.

Total mitgerissen hat mich der zweite Teil, der im Vergleich zum ersten in einem klareren Ton geschrieben ist. 1992 wird die damals noch junge Anisa, eine Muslimin (und Saras Mutter), aus Bosnien vertrieben, ihr Vater gilt als verschollen. Die Handlungsstränge von Anisa und ihrem Freund Jovan (ein bosnischer Serbe) folgen recht schnell aufeinander und sie erzählen von ihren Kriegserlebnissen und ihrer Flucht. Trotz dieses Pingpongs verliert man nicht den Faden, es entwickelt sich dagegen eine interessante Geschichte. Und ein paar Cliffhanger sorgen dafür, dass sie ziemlich Spannung entwickelt. Phantome ist ein Roman, der mir viel über Bosnien enthüllt hat, und einfach eine mitreissende, oft auch traurige Erzählung.

Der dritte Teil spielt wie der erste im Jahr 2015 und ist auch ein Ich-Monolog, diesesmal von Jovan. Er bietet eine Art von Abschluss, aber kein richtiges Ende. Ich hätte gern ein klares Ende gehabt, aber es passt gut zum Roman, dass man im Ungewissen gelassen wird.

Mich hat das Buch auf jeden Fall berührt, es wirkt nach, vor allem wegen der Teile des Bosnienkriegs und der Flucht, die Anisa nach Österreich bringt. Ich hab zum Beispiel erstmals von Zvornik gelesen und davon, was dort damals geschehen ist, und dass ich jetzt mehr Ahnung habe, wie es ex-jugoslawischen Arbeitskollegen (oder deren Eltern) damals ergangen ist, das rechne ich dem Roman hoch an.

 

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Tags: bosnien, bosnienkrieg, graffiti, phantom, robert prosser   (5)
 
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