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2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

The Handmaid's Tale (Movie Tie-In)

Margaret Atwood
Flexibler Einband: 311 Seiten
Erschienen bei Anchor Books, 18.04.2017
ISBN 9780525435006
Genre: Sonstiges

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

abstrakt, app, arbeit, band 2, chaos, einscannen, emotionalität, freizeit, fusion, geschichte, gesellschaftskritik, handlung, illusion, intelligent, johannes ulbricht

Sumerland 2

Johannes Ulbricht
Flexibler Einband
Erschienen bei Panini, 22.08.2016
ISBN 9783833233708
Genre: Science-Fiction

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

2 sterne, abstrakt, andere welte, anonym, app, augmented reality, band 1, chaos, dilogie, einscannen, freizeit, fusion, gastarbeiter, geschichte, gesellschaftskritik

Sumerland 1

Johannes Ulbricht
Flexibler Einband
Erschienen bei Panini, 22.08.2016
ISBN 9783833233555
Genre: Science-Fiction

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(141)

165 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

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Böses Kind

Martin Krist
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei epubli, 26.10.2017
ISBN 9783745035292
Genre: Krimi und Thriller

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25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

agatha christie, englischer krimi, klassiker, krimi, krimiklassiker, plot twist, spannung

And Then There Were None

Agatha Christie
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Harpercollins, 29.03.2011
ISBN 9780062073488
Genre: Sonstiges

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(23)

64 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Frankenstein

Mary Shelley , Alexander Pechmann , Georg Klein
Fester Einband
Erschienen bei Manesse, 02.10.2017
ISBN 9783717523703
Genre: Klassiker

Rezension:

Inhalt

Der Seefahrer und Forscher Robert Walton sieht irgendwo im nördlichen Polarmeer einen Hundeschlitten mit einer riesenhaften Kreatur vorbeifahren. Kurz darauf gabeln seine Leute einen einsamen Mann mit dem Namen Victor Frankenstein auf einer Eisscholle auf, dessen Erscheinen in dieser Gegend so unwirklich erscheint, wie die Geschichte, die er zu erzählen hat.
Bereits als junger Mann ist Victor Frankenstein er von den Lehren der alten Alchimisten begeistert. Frisch an der Universität, muss er jedoch feststellen, dass diese als längst überholter Humbug gelten. Mit umso mehr Ehrgeiz schmeißt er sich in das Studium der Naturwissenschaften und besonders der Chemie. Schnell macht er sogar seinen Professoren Konkurrenz. Doch vor allem treibt ihn eines an – sein geheimes Projekt, sein Ziel, tote Materie zum Leben zu erwecken. In einer verregneten Nacht gelingt es ihm dann, doch was er sieht, bereitet ihm Keineswegs die Freude, die er sich vom Anblick seiner größten wissenschaftlichen Errungenschaft erhofft hat. Entsetzt und verstört überlässt er die Kreatur ihrem Schicksal…Diese sucht nun, ganz auf sich allein gestellt, verzweifelt die Akzeptanz der Menschen, erfährt jedoch nur Verachtung.
Lange versucht Frankenstein sich, von dem Schrecken seiner Taten abzulenken, was ihm auch teilweise gut gelingt, bis er einen Brief aus seiner Heimat mit einer schrecklichen Nachricht erhält: sein jüngster Bruder wurde ermordet. Sofort ist Frankenstein klar, dass da nur der Dämon, den er erschaffen hat, hinter stecken kann und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Meine Meinung

Ich weiß überhaupt nicht, wie ich meine Gefühle beim Lesen dieses Buches in Worte fassen soll: Staunen, Mitgefühl, Schrecken, Verzweiflung, Wut?
Zuerst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass dieses Buch ursprünglich eine kleine Gruselgeschichte zum Vorlesen im Freundeskreis werden sollte, wie man dem Vorwort entnehmen kann. Tja, und Mary Shelley hat damit einfach eine der größten Geschichten der Weltliteratur erschaffen, die noch heute relevante Fragestellungen aufwirft!
Es ist weniger eine Gruselgeschichte – zumindest nach unseren heutigen Vorstellungen – als viel mehr eine Wissenschaftskritik und eine dramatische Geschichte über Schuld und Verantwortung.
Die Geschichte besteht aus drei Ebenen. Den äußersten Rahmen bieten die Briefe, die der Seefahrer und Forscher Robert Walton an seine Schwester in England schreibt. In diesen berichtet er über seine Begegnung mit Frankenstein und gibt die Geschichte, die dieser ihm erzählt, wieder. Die zweite Ebene und der größte Teil der Geschichte sind eben jene Erzählungen Frankensteins. Die dritte Ebene beginnt, als Frankenstein auf sein Monster trifft, welches ihm berichtet, was ihm seit seiner Schöpfung widerfahren ist. Alle drei Erzählstränge werden demnach in der Ich-Perspektive wiedergegeben.
Diese Erzählform macht es dem Leser möglich verschiedene Sichtweisen auf das Geschehen zu bekommen: die des Schöpfers, die der Kreatur und die eines Außenstehenden.
Ich konnte Frankensteins Schuldgefühle und seine Verzweiflung spüren und ich konnte die Angst, die Verzweiflung und den Schrei nach Liebe und Akzeptanz des Monsters fühlen und seine Wut als Antwort auf die ständige Zurückweisung und die Verachtung durch die Menschen verstehen, was dieses Buch für mich zu einem Wechselbad der Gefühle und der puren Verzweiflung machte. Ich habe das Monster ins Herz geschlossen, konnte aber auch Frankensteins Schwierigkeiten, ihm zu vertrauen, verstehen und habe es daraufhin für seine Taten gehasst.
Versteht ihr jetzt, welche Gefühle dieses Buch bei mir auslöste?
Und gerade, dass dieses Buch es schafft, eben jene Emotionen bei mir und ich denke bei den meisten Lesern auszulösen, macht es so enorm wichtig im Hinblick auf die Fragestellungen: Was darf die Wissenschaft? Darf der Mensch Gott spielen (alleine die vielen Anspielungen auf die Schöpfungsgeschichte, schieben diesen Punkt in den Vordergrund)? Welche Verantwortung hat der Mensch für seine Taten?
Denn das sind meiner Meinung nach keine Fragen, die sich rein rational diskutieren lassen bzw. diskutiert werden sollten. Diese Geschichte zeigt, was dies emotional tatsächlich mit dem Menschen und auch mit seiner möglichen Schöpfung machen würde und das macht es umso erschreckender. Und das Ganze wurde nicht heute, sondern bereits im Jahr 1818 geschrieben, als genetische Modifizierung des Menschen bestimmt noch kein Thema war…das Buch ist heute aktueller denn je!

Dieser spannenden Geschichte, die so wichtige und relevante Themen beinhaltet, wird durch Shelleys detaillierten und künstlerischen Schreibstil unglaublich viel Leben eingehaucht. Man kann Frankensteins Glück im Anblick der schönen Landschaft seiner Heimat ebenso nachvollziehen, wie seine Liebe zu den ihn umgebenden Menschen und den Schrecken und der Qual, die die ständige Erinnerung an seine Schöpfung mit sich bringt. Andererseits ziehen sich manche Passagen dadurch natürlich auch deutlich in die Länge, was gerade, wenn man keine Klassiker gewohnt ist (die ja oft etwas dazu neigen), den Lesefluss etwas stören könnten.

Die Besonderheit an dieser neuen Ausgabe aus der Reihe des Manesse-Verlags ist das wenig klassische Cover und seine handliche Größe. Es ist tatsächlich nicht viel größer als ein Reclam-Heft, dafür aber sehr viel angenehmer zu lesen, gebunden, mit festen Seiten und einer gut lesbaren Schrift. Dass Pink nicht unbedingt meins ist, ändert kaum etwas daran, dass mein Bücherherz beim Anblick dieses schönen kleinen Büchleins höher schlägt.

Fazit

Mit Frankenstein hatte ich wieder einmal mal die Erfahrung, was es bedeutet einen Klassiker und ein wichtiges Stück Weltliteratur zu lesen, das seiner Bezeichnung alle Ehre macht. Ich kann es jedem, der es noch nicht getan hat, empfehlen, dieses Buch zu lesen. Das wichtige Thema des Buches wird durch eine spannende und unglaublich mitreißende Geschichte zu einem großen Lesevergnügen, das lange nachhallt.

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Tags: horro, klassiker, spannun, weltliteratur, wichtige literatu   (5)
 

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240 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 136 Rezensionen

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Targa - Der Moment, bevor du stirbst

B. C. Schiller
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Penguin, 10.07.2017
ISBN 9783328101512
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt

Targa Hendricks ist Undercover-Ermittlerin bei der Polizei und eine absolute Einzelgängerin. Sie hat keine Freunde, keinen Partner und keine Gefühle, also auch keine Angst. Denkt sie zumindest. Ihr neuster Auftrag ist es, einen Serienmörder auf frischer Tat zu überführen. Dafür muss sie ihm ganz nah kommen und sein Vertrauen gewinnen. Dieser Killer ist Falk Sandman, ein attraktiver und charismatischer Hochschuldozent und Hobbytaucher, der auf seinem Blog die letzten Worte Sterbender veröffentlicht. Er ist von diesem Moment, in dem die Luft wegbleibt, dem Moment, kurz vor dem Tod besessen, so sehr dass er immer häufiger selber tötet, um seine Opfer dabei zu beobachten und ihre letzten Worte aufzuzeichnen. Er glaubt in Targa endlich eine Ebenbürtige gefunden zu haben, jemanden, der genauso böse und gefühllos ist wie er.

Meine Meinung

Dieser Thriller macht seiner Genre-Bezeichnung wirklich alle Ehre. An Spannung fehlt es diesem Buch wirklich nicht, was dazu führte, dass die Seiten beim Lesen nur so dahinflogen.
Etwas, das diesen Eindruck jedoch gebremst hat und mich durchweg immer wieder etwas gestört hat, war der für meinen Geschmack sehr einfache und oftmals geradezu plumpe Schreibstil. Dazu trug wahrscheinlich auch die Zeitform Präsens, die die Autoren gewählt haben, bei, die mich immer irgendwie irritiert. Es wirkt auf mich als sollte eine Geschichte damit zwanghaft dramatischer dargestellt werden. Die Dialoge wirkten für mich ebenfalls oft oberflächlich und aufgesetzt. Beschreibungen wurden sehr knapp gehalten, sodass ich auch manchmal Schwierigkeiten hatte, Szenenwechsel nachzuvollziehen. Zwar lässt sich der Thriller so schnell und einfach lesen, mir fehlte jedoch einfach etwas Substanz in der sprachlichen Umsetzung dieser von der Grundidee her wirklich originellen Story.
Was mich ebenfalls von Anfang an irritierte und weshalb die Story für mich stark an Glaubwürdigkeit einbüßen musste, war die Tatsache, dass die Polizei von Anfang an sicher war, dass Sandman der Killer ist, aber immer wieder, wenn es neue Indizien und Beweise gab, hieß es, dass das noch nicht reiche, nur damit Targa noch weiter – noch näher – an ihn heran musste? Ich hoffe ganz ehrlich, dass niemand einfach frei herumläuft, gegen den man schon so viel in der Hand hat, wenigstens für eine Hausdurchsuchung hätte es doch reichen müssen und dann hätte man ihn sehr schnell überführen können.
Alleine die Figur Targa macht dieses Buch jedoch lesenswert. Insgesamt besticht dieser Thriller durch sehr spannende Charaktere.
Targa wurde als Neugeborenes gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester in einer eiskalten Winternacht vor einer Klinik ausgesetzt – nur sie überlebte. Sie verlor in dieser eisigen Nacht nur einen kleinen Zeh und ihr Herz, wovon sie jedenfalls fest überzeugt ist. Targas Kollege Lundt lebt offenbar in einem Hinterzimmer eines zwielichtigen Lokals und hat selbst eine sehr schwierige Vergangenheit, von der wir aber noch nicht viel erfahren. Ja und dann gibt es da noch Carlos Schmidt, einen Insassen im Hochsicherheits-Gefängnis, der regelmäßig mit jemandem skypen darf…Hier wird man lange auf die Folter gespannt, bis man erfährt, was dieser Erzählstrang mit der restlichen Geschichte zu tun hat. Die Erzählperspektive springt immer zwischen Targa, Falk Sandmann und Carlos Schmidt hin und her, was der Story viele Facetten verleiht und dadurch einen guten Spannungsbogen aufbaut. Die Spannung beruht aber nicht wie bei den meisten Thrillern auf der unbekannten Gefahr, die hinter jeder Ecke lauert, sondern auf diesem Katz- und Maus Spiel zwischen Targa und Sandman. Dieser ständigen Frage, wie weit sich Targa auf ihn einlassen kann, ohne eine gefährliche Grenze zu überschreiten und inwiefern Sandman ihr wirklich vertraut…
Auch das Thema an sich ist sehr interessant: Ein Mörder auf der Jagd nach diesem Augenblick kurz vor dem Tod seines Opfers und den berühmten letzten Worten. Das ist irgendwie pervers, unheimlich und originell…Alleine bei diesem Namen „Sandman“ sträuben sich mir die Nackenhaare. Immerhin sieht er seinen Opfern beim Sterben zu…bringt ihnen nicht den Schlaf sondern den Tod…

Fazit

Trotz einiger Schwächen ist „Targa – der Moment, bevor du Stirbst“ ein unterhaltsamer Thriller und überzeugt vor allem durch seine interessanten Charaktere. Richtig umgehauen hat er mich jedoch nicht.
Als Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe macht er aber auf jeden Fall Lust auf mehr, denn gerade Targas Geschichte endet mit einem dramatischen Cliffhanger. Ich möchte unbedingt wissen, wie es mit dieser interessanten Protagonistin weitergeht und freue mich schon auf den Folgeband.

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Tags: crim, krim, spannung, thriller, tolle protagonistin   (5)
 

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(414)

803 Bibliotheken, 33 Leser, 1 Gruppe, 182 Rezensionen

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Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei btb, 20.03.2017
ISBN 9783442756841
Genre: Romane

Rezension:


Inhalt
„Die Geschichte der Bienen“ ist die Geschichte dreier Familien und der ganzen Menschheit verbunden durch die Bienen.
William ist ein Familienvater, Saatguthändler und Naturforscher im 19. Jahrhundert, der ausgelöst durch die fehlende Anerkennung seines Mentors in eine tiefe Depression verfallen ist und seit einiger Zeit das Bett nicht mehr verlässt. Erst als ihm durch Zufall ein Buch über die Bienen in die Hände fällt, eine Spezies mit der sich seine Forschung schon zuvor näher befasst hatte, schöpft er wieder Energie, um weiterzumachen – vor allem für seinen Sohn Edmund, den er versucht auch für die Forschung zu begeistern. Aber Edmund ist bereits dem Alkohol verfallen und zeigt kaum noch Interesse an irgendetwas außer seinem Bett und billigen Partys. Seine Tochter Charlotte hingegen beginnt die Bienen zu studieren und ihren Vater zu unterstützen.
George betreibt im Jahr 2007 eine große Imkerei in Ohio, von der er und seine Familie ganz gut leben können und die, wie er hofft, irgendwann von seinem Sohn Tom weitergeführt wird. Doch Tom ist am College und entwickelt sehr viel mehr Interesse für die Literatur und für umweltpolitische Themen als für die alte Bienen-Farm seines Vaters. Einmal im Jahr fährt George auch mit seinen Bienen zu einem befreundeten Blaubeer-Farmer, damit seine fleißigen Helferlein dort die Blüten bestäuben, eine Praxis, die andere Imker noch sehr viel exzessiver durchführen. Die Saison beginnt gut, doch dann findet er einen Bienenstock nach dem anderen leer vor…das große Bienensterben, der sogenannte CCD – Colony Collapse Disorder hat begonnen und leitet damit einen Wandel in der Welt ein, der in der Zukunft als der Kollaps bezeichnet werden soll…
…einer Zukunft im Jahr 2097, in der Tao mit ihrem Mann Kuan und ihrem Sohn Wie-Wen in einer kleinen Wohnung in China wohnt. Eine Zukunft, in der es keine Bienen mehr gibt, in der aufgrund der fehlenden Bestäubung und der somit fehlenden Pflanzen eine enorme Nahrungsmittelknappheit herrscht. Im Gegensatz zu Amerika und Europa hat China es geschafft die Handbestäubung durch Menschen durchzusetzen. Ein mühsamer Job, der aber auch Taos Lebensunterhalt sichert. An einem ihrer wenigen freien Tage passiert jedoch bei einem gemeinsamen Picknick etwas mit ihrem Sohn. Sie ließen ihn nur kurz aus den Augen und als sie ihn wiederfinden, ist er leichenblass und kann kaum atmen. Er wird mit einem Krankenwagen abgeholt und weggebracht…was mit ihm geschehen ist, will ihnen niemand sagen und so macht sich Tao auf die Suche nach Wei-Wen und nach der Wahrheit.

Meine Meinung
Die Idee hinter diesem Buch ist originell und sehr interessant. Es greift ein unglaublich wichtiges Thema auf, das meiner Meinung nach öffentlich noch viel zu wenig diskutiert wird. Der Colony Collapse Disorder ist keine Fiktion sondern durchaus problematische Realität. Genaue Ursachen können oft nicht wirklich festgestellt werden, aber auch Pestizide, Monokulturen und die Varroamilbe, die sich immer weiter ausbreitet, sind Realität und werden in diesem Roman als die Hauptursache angeführt.
Wenn es keine Bienen mehr gibt, werden keine Blüten mehr bestäubt, folglich gibt es keine Früchte mehr und Pflanzen können sich auch nicht mehr vermehren. Wenn es keine Pflanzen mehr gibt, können auch die ganzen Schweine und Rinder mehr gefüttert werden…wer dann am Ende dran glauben muss, kann sich jeder denken.
Diese Entwicklung über mehr als zwei Jahrhunderte anhand von familiären Schicksalen zu erzählen, die irgendwie mit den Tierchen verbunden sind, ist eine schöne und interessante Art, dieses ernste Thema aufzugreifen.
Leider hatte ich das Gefühl, dass wir bei den drei Familien nur an der Oberfläche kratzen. Die Charaktere werden nur knapp beschrieben und vor allem durch ihre Funktion im Buch definiert: Ihr Leben wird durch die Bienen bestimmt!
Tao ist die einzige Protagonistin, durch die ein bisschen Spannung aufkommt, die Stärke zeigt und bei deren Geschichte ich als Leser richtig mitgefiebert habe.
Der Roman ließ sich dank eines einfachen Schreibstils flüssig lesen und obwohl oft die Spannung fehlte, und ich die Charaktere als sehr flach wahrgenommen habe, konnte ich ihre Verzweiflung gut verstehen. Gerade bei George, für den seine Bienen der Lebensinhalt und nicht nur Existenzgrundlage sind, konnte ich sehr gut mitfühlen, als er die Kästen öffnet und feststellen muss, dass sie weg sind. Die häufigen Perspektiv- und Zeitwechsel führten zudem zu einem hohen Tempo der Erzählung und ließen keine Langeweile aufkommen. Mir hat sehr gut gefallen, dass man so immer mehr Zusammenhänge entdecken konnte.
Außerdem wird einem dadurch erschreckend bewusst, wo wir bereits stehen, wohin unsere heutige Landwirtschaft führen kann und dass sich schnell etwas ändern muss.
Nachdem die Geschichte anfänglich lange so vor sich hin geplätschert ist, kam mir das Ende dann etwas zu schnell, unerwartet war es für mich hingegen keineswegs. Mir war ziemlich direkt klar wohin die Geschichte führen würde. Ich war daher etwas enttäuscht, dass wir nicht noch ein bisschen mehr erfahren haben. Der Kollaps selber wird zum Beispiel nur als geschichtliches Ereignis angesprochen. Es wird erklärt, dass China die Krise durch die Handbestäubung weltweit am Besten abwenden konnte, aber was aus dem Rest der Welt geworden ist bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Die schockierende apokalyptische Atmosphäre, die dem Thema noch einmal Nachdruck verleihen würde, blieb somit aus. Einen nur kurzen Einblick erhaschen wir, als Tao versehentlich in die Randbezirke Pekings gerät…

Fazit
Ich kann auf jeden Fall empfehlen, dieses Buch zu lesen. Alleine wegen des Themas und seiner Relevanz ist es meiner Meinung nach ein Buch, dass sich jeder mal zu Gemüte führen sollte. Großartige Spannung oder eine toll ausgebaute Familiensaga sollte man aber nicht erwarten. Trotz einiger Kritikpunkte habe ich das Buch sehr gerne und zügig gelesen und immer wieder mit Freude zur Hand genommen. Auch wenn mich die Charaktere nicht hundertprozentig Überzeugen konnten, so haben mir die Bienen umso mehr am Herzen gelegen und ich wurde umweltpolitisch noch einmal richtig wachgerüttelt und berührt.

  (1)
Tags: bienen, umwelt, umweltschutz, wichtiges thema   (4)
 

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295 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 92 Rezensionen

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Good as Gone

Amy Gentry , Astrid Arz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 27.02.2017
ISBN 9783570103234
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt

Julie ist dreizehn als sie entführt wird. Ihre jüngere Schwester Jane ist die einzige Augenzeugin. Im Wandschrank versteckt und vor Angst erstarrt beobachtet sie das Geschehen. Acht Jahre lebt die Familie in Ungewissheit, natürlich wissen sie, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass Julie noch lebt. Immerhin sagen alle Kriminalstatistiken dass die Chancen, ein Entführungsopfer lebend wiederzufinden, bereits nach 24 Stunden drastisch sinken. Doch allen Statistiken zum Trotz steht acht Jahre später plötzlich eine Junge Frau vor der Tür: Julie! Ihre Eltern Anna und Tom können ihr Glück kaum fassen. Bis bei Anna die ersten Zweifel an der Identität der jungen Frau, die sich als ihre Tochter ausgibt, aufkommen. Julie lügt, geht nicht zu ihren Therapiesitzungen und sind ihre Gesichtszüge nicht doch irgendwie fremd?

Meine Meinung

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Buch lesen soll. Die vielen Rezensionen zahlreicher Leser, die nach dem Klappentext enttäuscht vom tatsächlichen Inhalt waren, haben mich zunächst davon abgehalten. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass ich mich dazu entschieden habe, es doch zu lesen. Denn es hat meine Erwartungen, besonders nachdem ich die vielen negativen Bewertungen gelesen habe, deutlich übertroffen.

Ich war von der ersten Seite an gefesselt. Man ist sehr schnell mitten im Geschehen. Als Julie bereits nach etwa zwanzig Seiten schon auftaucht, dachte ich sogar „Halt, das geht doch alles zu schnell!“. Aber dem war nicht so. Die Familie versucht sich langsam wieder aneinander zu gewöhnen, während vor allem die Eltern Tom und Anna natürlich gerne alles darüber wissen wollen, was ihrer Tochter zugestoßen ist und sich andererseits nicht trauen, danach zu fragen, um ihre gerade gerettete Tochter nicht direkt erneut zu traumatisieren und sich vielleicht auch selbst die schlimmsten Vorstellungen zu ersparen. Da kam bei mir sehr schnell der Verdacht auf, dass an Julies Geschichte etwas nicht stimmen kann. Sie erzählt etwas von Menschenhandel und einem mexikanischen Gangsterboss mit riesigem Anwesen und die Eltern nehmen das einfach so hin, weil sie lieber nicht weiter nachfragen wollen. Was ja auch aus psychologischer Sicht erstmal durchaus verständlich ist. Als dann irgendwann auffällt, dass Julie bei Kleinigkeiten gelogen hat und ihre teuren Therapiesitzungen ausfallen lässt, kommen bei Anna erste Bedenken auf. Bald darauf kontaktiert sie ein Privatdetektiv, der damals als Julie entführt wurde noch bei der Polizei arbeitete, und macht sie auf einen anderen Vermisstenfall und eine junge Frau in einem Youtube-Video aufmerksam, die der „Julie“, die vor kurzem wieder bei Anna und Tom auftauchte, ziemlich ähnlich sieht und schon beginnt die Auflösung…aber anders als ich dachte!
An diesem Punkt dachte ich wieder einmal, dass das alles viel zu schnell geht und meine Vermutung viel zu schnell bestätigt wurde, denn das alles geschieht in den ersten hundert Seiten.
Doch dann setzten immer mehr Perspektivwechsel zwischen bisher offenbar unbekannten Charakteren ein, die sich langsam, rückwärts erzählt, immer weiter zu einer meiner Meinung nach genialen Konstriktion zusammenweben. Dieser Erzählaufbau machte das Buch für mich zu etwas wirklich Besonderem!

Julies Charakter, oder der Person von der wir erst einmal annehmen, dass es Julie ist, ist sehr tiefgründig und wird auch aus psychologischer Sicht sehr gut beleuchtet. Die anderen Charaktere, vor allem Anna und Tom blieben mir persönlich etwas zu oberflächlich und vor allem Anna war mir durchweg unsympathisch. Das ist für mich normalerweise kein Grund zur Kritik, aber hier kam diese fehlende Sympathie für mich dadurch auf, dass sie für mich so teilnahmslos und irgendwie kalt wirkte angesichts der Entführung und des Wiederauftauchens ihrer Tochter und auch gegenüber ihrer anderen Tochter. Und das war sie eigentlich nicht, wie durch ihr Trinkverhalten nach der Entführung und ihrer Reaktion bei der Rückkehr ihrer Tochter veranschaulicht werden soll. Das kam für mich aber einfach nicht so rüber. Andererseits soll sie auch eher die etwas unterkühlte Karriere-Mutter darstellen. Tom hingegen ist der liebevolle Elternteil, der immer nur nett und verständnisvoll ist und offenbar für die familiäre Atmosphäre zuständig ist. Sein Charakter wird aber tatsächlich nur angekratzt…Hinter Janes Stirn konnte man kaum blicken. Nicht einmal, ob sie sich wirklich aufrichtig freut, dass ihre Schwester wieder da ist, oder ob auch sie eventuell Zweifel an ihrer Identität hegt wird hier besonders deutlich.

Der Schreibstil ist angenehm leicht und flüssig und dennoch sehr bildhaft und oft spielerisch, womit er das, worum es in dem Buch geht, an vielen Stellen gut unterstreicht: Die Identität und was sie ausmacht. Der Titel passt ebenso sehr gut zur Thematik. Mehr möchte ich dazu an dieser Stelle nicht sagen.
Der Aufbau der Erzählung ist hingegen erst einmal verwirrend und oftmals nicht ganz einfach, was den Lesefluss hin und wieder etwas beeinträchtigt. Doch gerade dadurch entwickelte sich die Spannung sehr gut. Ich wollte unbedingt wissen, was das am Ende alles zu bedeuten hat. Und ich muss sagen, dass dieser Aufbau rückblickend betrachtet perfekt gewählt ist.

Fazit

Ein Thriller, den ich stellenweise fast lieber als sehr gut konstruiertes Familiendrama bezeichnen würde. An Spannung fehlt es ihm dank zahlreicher Twists und falscher Fährten dennoch nicht. Amy Gentry baut mit rasantem Tempo eine unglaubliche Konstruktion auf, die wunderbar spannend und auch auf psychologischer Ebene interessant mit der Grundthematik der Identität spielt.

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201 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 107 Rezensionen

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SOG

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei btb, 18.09.2017
ISBN 9783442756643
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein kleines Mädchen wird vergewaltigt und ermordet. Zwölf Jahre später wird in Reykjavik eine Zeitkapsel geöffnet, die zehn Jahre alte Aufsätze von Schülern darüber enthält, wie sie sich ein Island der Zukunft vorstellen. Neben allerlei Ideen zu erneuerbaren Energien und fliegenden Autos findet sich aber auch ein unheimlicher Brief, der den Tod von einigen Menschen vorhersagt. Als wäre das nicht genug, sind auch noch die Initialen der Menschen, die es treffen soll, aufgelistet.
Kommissar Huldar, der nach einer misslungenen Ermittlung aus seiner Leitungsfunktion im Kommissariat degradiert wurde, wird mit der undankbaren Aufgabe betreut, etwas über diesen Aufsatz in Erfahrung zu bringen. Niemand nimmt die Sache sonderlich ernst. Alle halten es für kindliche Spinnereien. Doch dann werden abgetrennte Hände in einer Hot Tub gefunden und bald darauf ist der Besitzer eben dieser heißen Wanne tot – grausam ermordet…

Meine Meinung

Es handelt sich bei „Sog“ um den zweiten Teil einer Thriller-Reihe über Kommissar Huldar und die Kinderpsychologin Freya. Ich habe Band 1 nicht gelesen. Es gibt zwar immer wieder Anspielungen auf die Geschehnisse in Band 1, zum Verständnis der Handlung in Band 2 fehlte mir aber nichts.

Ich muss sagen, dass ich anfänglich Schwierigkeiten hatte, richtig in dieses Buch hineinzufinden. Die Charaktere waren mir etwas zu platt, die Beschreibungen zu oberflächlich und die Story – wenigstens nach dem unglaublich spannenden und schaurigen Prolog – erst einmal etwas zu schleppend.
Etwa nach dem ersten Drittel wurde es dann aber richtig spannend. Wir begleiten Huldar dabei wie er langsam den Zusammenhang zwischen dem Aufsatz aus der Zeitkapsel und den aktuellen Morden herzustellen versucht und wie er dabei wieder einmal mit Freya zusammenarbeiten muss, die davon alles andere als begeistert ist, da nicht nur Huldar nach den gemeinsamen Ermittlungen im letzten Buch beruflich degradiert wurde…

Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, könnte dem Buch noch etwas Besonderes hinzufügen. Für ein bisschen Abwechslung zu den Grausamkeiten sorgen. Aber leider blieben die Charaktere weiterhin eher flach und etwas plakativ, sodass ihre Beziehung und ihre Handlungen für mich oft wenig nachvollziehbar waren. Huldar ist ein grummeliger frustrierter Polizist, der angeblich unglücklich in Freya verliebt ist. Wieso schläft er dann sofort mit der nächstbesten Frau, als er mal wieder einen über den Durst getrunken hat, obwohl sich die nach dem letzten Zusammtreffen ziemlich zerstörte Beziehung zu Freya gerade wieder bessert? Tja, gute Frage…Das klingt für mich ein bisschen nach zwanghaft gewolltem Drama und die Absicht, die Entwicklung der Beziehung noch etwas in die Länge zu ziehen, quasi für den nächsten Band? Freya hingegen macht die ganze Zeit nur deutlich, dass sie Huldar eigentlich gar nicht mag und nur an dem neuen Fall interessiert sei. Sie soll scheinbar die absolut unabhängige, coole Frau darstellen, die sich nur über ihre Freundinnen aufregt, die typische Dinge machen wollen, die Frauen eben so machen und dabei einfach nur unglücklich und einsam ist. Die wechselnden Erzählperspektiven vor allem zwischen Huldar und Freya haben daher meiner Meinung nach im Hinblick auf die Charakterentwicklung und die Beziehung zwischen den Charakteren nicht viel beigetragen. Dass der Erzähler hingegen auch immer wieder in die Perspektive der Opfer geschlüpft ist, trug sehr zum Spannungsaufbau bei.
Die Charaktere gehörten für mich somit wirklich nicht zu den Stärken des Buchs.
Deswegen war es gut, dass die enorme Spannung dies wieder ausgeglichen hat.

Von Kindesmissbrauch, über zerstückelte Leichen bis hin zu bestechlichen Behörden ist hier wirklich alles dabei. Und ich muss sagen, obwohl ich persönlich der Meinung bin, dass ich relativ starke Nerven im Hinblick auf Blut, Gewalt und abartige Morde habe, ging mir gerade die Sache mit dem Kindesmissbrauch etwas zu weit.

Der Schreibstil ist insgesamt flüssig und leicht zu lesen. Gemeinsam mit den wechselnden Erzählperspektiven, trug dieser zu einem starken Spannungsaufbau bei. Dennoch muss ich sagen, dass sich mir keine richtige Island-Atmosphäre eröffnet hat. Klar, ist es düster und kalt, aber das Cover ließ da wirklich auf mehr hoffen.

Die Story ist insgesamt schlüssig, auch wenn ich einige Reaktionen der Charaktere manchmal nicht ganz nachvollziehen konnte. Durch einen Twist am Ende, mit dem ich echt nicht mehr gerechnet hätte, bin ich aber gerne bereit darüber hinwegzusehen.

Fazit

Ein unglaublich spannender und schauriger Thriller. Leider blieben die Charaktere etwas schwach, was aber durch ein rasantes Tempo und einen wirklich verschachtelten Fall ausgeglichen wird. Für Leser mit starken Nerven und Lust auf Spannung, die nicht zu viel Anspruch an die Figuren haben auf jeden Fall zu empfehlen.

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Tags: island, spannun, thriller   (3)
 

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(4)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

düster, krimi, spannung

Totenweg

Romy Fölck
Flexibler Einband
Erschienen bei Bastei Lübbe, 29.09.2017
ISBN 9783404175093
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt

Als sie die Nachricht erreicht, dass ihr Vater nachts brutal niedergeschlagen wurde und im Krankenhaus ums Überleben kämpft, sieht die junge Polizistin und angehende Kommissarin Frida Paulsen sich gezwungen, in die Heimat in der Elbmarsch zurückzukehren und sich somit den Dämonen ihrer Vergangenheit zu stellen. Mit 14 Jahren war sie damals auf ein Internat geschickt worden, kurz nachdem ihre beste Freundin ermordet worden war. Was niemand weiß ist, dass sie damals nicht alles erzählt hatte, was sie wusste. Denn sie kennt den Mörder…
Auch Kriminalkommissar Haverkorn, der damals in dem Fall ermittelte, kehrt nach Deichgraben zurück, um die neusten Geschehnisse zu untersuchen. Auch ihn hat dieser ungelöste Fall niemals losgelassen.
Aber nicht alle Dorfbewohner scheinen sich über Fridas Rückkehr auf den elterlichen Hof zu freuen…

Meine Meinung

Von der ersten Seite an konnte mich dieser Krimi fesseln. Wären nicht lästige Alltagsverpflichtungen gewesen, hätte ich ihn sicher in einem Rutsch durchgelesen.

Die Story ist gut durchdacht und schlüssig und ich muss zugeben, dass ich zwischenzeitlich lange auf der falschen Fährte war.

Besonders hervorzuheben sind für mich, die für einen Krimi sehr schön ausgearbeiteten Charaktere. Mit Frida konnte ich mich sehr gut identifizieren und ihre Zerrissenheit zwischen der Ablehnung und der Zuneigung zur alten Heimat und ihrer Familie spüren. Dass alle Charaktere durch den alten „Cold Case“ schon eine lange gemeinsame Geschichte haben hat dazu beigetragen, die Beziehungen, Eigenheiten und Gefühle der Dorfbewohner zu verstehen.
Auch Haverkorn ist ein interessanter Charakter, den der ungelöste Fall von damals immer noch innerlich auffrisst und sein Leben noch immer irgendwie im Griff hat.

Neben den Charakteren überzeugte mich dieses Buch auch durch die sehr eindrückliche Atmosphäre des kleinen Dorfes in der herbstlichen Elbmarsch. Sie ist schön düster und passt daher sehr gut zur Story und zu den Gefühlen der Protagonisten. Die heruntergekommenen Höfe, die weiten Felder und das nass-kalt-dunkle Herbstwetter…

Die Perspektivwechsel zwischen Frida und Haverkorn sowie zusätzliche Charaktere, die nicht direkt etwas mit dem Geschehen zu tun haben wie Fridas Internatskollegin Jo, verleihen den Charakteren meiner Meinung nach eine zusätzliche Tiefe. Sie erklären neben den spannenden eingeschobenen Rückblenden, wie sich die Protagonisten seit der ersten Begegnung verändert und was sie durchgemacht haben, was sie zu dem gemacht haben, wer sie sind.

Die Dialoge und auch die Entwicklungen der Story fand ich manchmal etwas holprig und schnell. Es werden Themen angesprochen, die seit fast zwanzig Jahren und teilweise länger verheimlicht wurden. Da wirkte es für mich manchmal etwas unglaubwürdig, dass die Charaktere nun so plötzlich damit herausplatzen sollten.

Abgesehen von den teilweise etwas zu "einfachen" Dialogen, gefielen mir Schreib- und Erzählstil aber gut. Sie sind flüssig und leicht zu lesen, sodass dieses Buch für mich ein absoluter Page-Turner war. Die düstere Atmosphäre, war für mich richtig spürbar.

Obwohl ich finde, dass man bei einem klassischen Krimi, keine großartige Aussage braucht, fasste die Protagonistin diese für mich in einem Satz ganz gut zusammen:

„Jede Familie hat ihre Schatten.“

Wie die Familien damit umgehen, ist für Außenstehende oft nicht ganz verständlich und so ging es auch mir hier manchmal. Moralische Entscheidungen bekommen im familiären Umfeld halt oft andere Gewichtungen…

Fazit

Ein schöner Krimi für dunkle Herbsttage, der mich besonders durch seine intensive Atmosphäre und die interessanten und authentischen Charaktere überzeugen konnte.
Wer klassische Krimis mag, wird hier sicher nicht enttäuscht werden!
Ich mochte Frida und Haverkorn so sehr, dass ich mir gut weitere Krimis mit den beiden Protagonisten vorstellen könnte. Ich würde sie auf jeden Fall lesen!

 

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Tags: düster, krimi, spannung   (3)
 

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146 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

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QualityLand

Marc-Uwe Kling
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 22.09.2017
ISBN 9783550050152
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Inhalt

QualityLand ist ein Land der Zukunft, in dem alles durch Algorithmen berechnet und automatisiert ist. Es gibt Online-Versandhandel, die schon wissen, was du kaufen möchtest, Partnerbörsen, die dir den perfekten Partner vorschlagen (Leute die sich „analog“ kennen lernen gelten schon als merkwürdig) und jede Menge künstliche Intelligenzen, die den Großteil aller Jobs übernommen haben. Je nach Vermögen, Bekanntheitsgrad oder Nützlichkeit für die Allgemeinheit etc. sind die Menschen in Level eingeteilt. Ganz oben in den 90ern befinden sich die wohlhabendsten und bekanntesten Menschen, alle Menschen unter Level 10 gelten als Nutzlose. Zu ihnen gehört auch der Protagonist Peter Arbeitsloser, Gebrauchtwarenhändler mit Schrottpresse für kaputte Roboter, nachdem seine Freundin Sandra Admin, die Nachrichten schreibt, die eigentlich nur zu Werbezwecken dienen, ihn verlassen hat. Eines Tages bekommt er – natürlich voll automatisch – ein Paket mit einem rosafarbenen Delfinvibrator zugeschickt, den er natürlich nicht gewollt hat. Er versucht das Ding zurückzugeben, was sich als nicht ganz so leicht herausstellt, denn er muss ihn gewollt haben, das System macht keine Fehler! Oder doch?
Und währenddessen ist, passend zum Erscheinungsdatum des Romans, auch noch Wahlkampf, in dem ein Rechtsradikaler gegen einen eher links-orientierten Androiden antritt…
Sowohl durch Peter und seine Mitstreiter (kaputte Roboter, wie eine Drohne mit Flugangst oder ein Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung, die sich eigentlich von ihm verschrotten lassen sollten und Kiki, eine Frau die es sich zur Aufgabe gemacht hat, möglichst undurchschaubar für das System zu sein) als auch John, den Präsidentschaftskandidaten-Androiden und seine Assistentin Aisha, bekommen wir immer tiefere Einblicke in das System, das außer Konsum, wohl keine Werte kennt.

Meine Meinung

Ich war während des Lesens ständig in dem Zwiespalt, ob ich nun lachen oder weinen soll.
Unsere Realität ist einfach schon so nah dran an dieser Dystopie, dass eigentlich nur noch die allgegenwärtigen künstlichen Intelligenzen und ein paar Gesetze, die uns unserer Rechte an unseren Daten noch mehr und vor allem offiziell berauben, denen wir einfach durch ein Häkchen bei den AGBs zustimmen, fehlen.
Wenn man sich sozial nicht abschotten will, muss man verschiedene Dienste nutzen, diese Dienste kann man nicht nutzen wenn man den AGBs nicht zustimmt. Das Problem ist bereits real. In QualityLand gibt es deshalb auf jede Frage, die dir im Netz begegnet nur die Antwortmöglichkeit „OK“.
Kling schafft es aber mal wieder, diese unschönen Wahrheiten über unsere Gesellschaft und unsere Welt mit unglaublich trockenem Humor in einer erfrischenden Satire zu verpacken.

Peters Mitstreiter in seinem Unternehmen, einen ungewollten pinken Delfinvibrator zurückzugeben, den er von „The Shop, dem weltweit beliebtesten Versandhändler“ zugeschickt bekommen hat, da er ihn laut Algorithmus wollte, sind eine Reihe von kaputten Robotern, die er eigentlich hätte verschrotten müssen: Eine Drohne mit Flugangst, ein Kampfroboter mit Posttraumatischer Belastungsstörung, eine E-Poetin (Autoren-Roboter) mit Schreibblockade und ähnlich skurrile Gestalten. Auch dass einer der Präsidentschaftskandidaten in Klings Zukunftsszenario ein Androide ist, ist eine erschreckende Vorstellung, die wie er beweist aber auch durchaus lustige Aspekte haben kann. Und auch vielleicht die bessere Wahl ist, je nach Kontrahent?
Die richtigen Menschen bleiben in ihrer charakterlichen Ausarbeitung meiner Meinung nach jedoch etwas oberflächlich, was aber bei einer Satire dieser Art gar nicht schlimm ist, da sie ja Stereotypen darstellen, die die verschiedenen Teile unserer Gesellschaft repräsentieren und gleichzeitig kritisieren.

Der Erzählstil und Aufbau des Romans ist besonders hervorzuheben. Die Erzählstränge, die Peter, sowie John und Aisha beim Wahlkampf und zwischendurch Martyn Vorstand, reichen Sohn und Parteimitglied in Johns Partei, begleiten, werden immer wieder von „Nachrichten“ unterbrochen, die von Peters Ex-Freundin geschrieben werden. In diesen Nachrichten geht’s jedoch nicht wirklich darum, die Menschen über das Weltgeschehen zu informieren, sondern eher mit einer aufmerksamkeitsheischenden Schlagzeile (die nicht unbedingt viel Wahrheit enthalten muss) Leser anzulocken und dann möglichst viel Werbung im Text zu verpacken. Auch Leserkommentare zu diesen Nachrichten finden sich jeweils im Anschluss, die sehr schön die Sinnhaftigkeit der meisten Online-Kommentare parodieren. Außerdem werden immer wieder Artikel aus einem QualityLand-Reiseführer eingeschoben, die dem Leser einige Dinge erklären, z.B. was es mit den Levels auf sich hat, wie verschiedener technischer Schnickschnack funktioniert oder welchen Sinn er hat, was es für gesellschaftliche und politische Richtungen gibt etc.
Dieser Aufbau lockert die Erzählung auf, fügt einige witzige Aspekte hinzu und trägt zu einem angenehmen Lesefluss bei.

Der Schreibstil ist dabei wunderbar Kling-typisch ironisch und trocken.

Dieser Roman zeigt uns, wo wir schon angekommen sind und wo das Ganze noch hinführen kann. Es ist eine Karikatur der jetzt schon gegebenen digitalen Vernetzung aber vor allem der kapitalistischen Auswüchse, die dadurch entstehen, dass unsere Daten aus sozialen Netzwerken etc. zu Werbezwecken genutzt werden. Aber es geht sogar noch weiter, denn es zeigt auf, wie sehr wir dadurch wiederum manipuliert werden. Welche Suchergebnisse werden uns überhaupt angezeigt und warum werden uns diese angezeigt? Und was machen wir damit? Beeinflussen wir mit unserer Meinung das, was uns das Netz zeigt oder beeinflussen diese Dinge uns? Fragen, die sich wahrscheinlich jeder schon mal gestellt hat…
Außerdem wird uns eine Zukunft gezeigt, in der es die meisten heutigen Jobs nicht mehr gibt, da sie von Robotern übernommen wurden – ebenfalls ein sehr reales Thema, dass in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft bei Bundestagswahlkämpfen diskutiert wird…
Kling greift das alles in einem meiner Meinung nach großartigen und lustigen Roman auf, vielleicht müssen wir drüber lachen, um es besser zu erkennen.

Ich könnte so viel mehr aufzählen, das mir gefallen hat, denn die Satire sitzt in diesem Buch in jedem kleinsten Detail, aber ich wüsste daher nicht wo ich anfangen und aufhören sollte. Man achte z.B. nur auf die Namen. Der Nachname einer Person entspricht in QualityLand dem Beruf des Vaters bzw. der Mutter (abhängig davon, ob es ein Sohn oder eine Tochter ist) während der Zeugung! Eine berühmte Fernsehmoderatorin, die bevorzugt nackt auftritt, da das natürlich die Zuschauerzahlen in die Höhe treibt, heißt Julia Nonne…soviel zum Witz im Detail! Und das ist nur eins von unglaublich vielen Beispielen.
Das Ende kam mir dann allerdings etwas zu schnell und plötzlich…

Fazit

Die teilweise unschönen Wahrheiten über unsere Welt werden uns von Kling mal wieder mit einer unglaublichen Ironie und trockenem Humor in einer schrägen und witzigen Geschichte vor Augen geführt.
Ich kann das Buch wirklich jedem nur empfehlen, der sich gerne mit ernsten Themen auseinandersetzt und trotzdem lachen will!!!

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Tags: dystopi, lachen und weinen, nachdenklich, roman, satir, witzig   (6)
 

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301 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 154 Rezensionen

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Palast der Finsternis

Stefan Bachmann , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257300550
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt

Anouk ist eine Außenseiterin. Sogar in ihrer Familie ist sie das „schwarze Schaf“: meistens mies drauf und nicht auf andere Menschen angewiesen…denkt sie zumindest.
Als sie dann von der mysteriösen Sapani Corporation eingeladen wird, bei der Erforschung eines unterirdischen Palasts, die ein Adliger während der französischen Revolution als Zuflucht für seine Familie erbaut haben soll, mitzuwirken, greift sie diese Gelegenheit beim Schopfe, um ihr verhasstes Leben hinter sich zu lassen und endlich Anerkennung für ihre Fähigkeiten zu bekommen (sie hat nämlich nur die besten Noten, spricht mehrere Sprachen und studiert bereits Kunstgeschichte).
Gemeinsam mit vier anderen augewählten Jugendlichen trifft sie in Frankreich ein. Sie wurden gewarnt, dass diese Expedition gefährlich werden könnte und ihnen viel Stärke abverlangen würde, doch was sie hinter der Tür mit dem Schmetterlingswappen erwartet, ist nichts, womit sie jemals gerechnet hätten.

Meine Meinung

Es ist schwierig, meine Meinung zu diesem Buch zu erklären, ohne schon zu viel zu verraten, denn es geht sofort sehr spannend los.
Ein Überraschungsmoment jagt das nächste und beim Leser tun sich immer mehr Fragen auf. Warum, wurden diese Jugendlichen ausgewählt? Was versteckt sich im unterirdischen Palast, vor dem scheinbar auch die Sapanis selbst unglaubliche Angst haben? Wer sind die Sapanis eigentlich? Und was haben die Bessencourts damit zu tun?

Neben dem Erzählstrang um Anouk und die anderen Jugendlichen, springt die Erzählung immer wieder in das Jahr 1789 und wir erfahren wie die Adelsfamilie Bessancourt einen unterirdischen Palast erbaut und sich dann getrieben von den Revolutionären in diesem verschanzt. In diesem Erzählstrang wird aus der Sicht der jungen Aurélie de Bessancourt erzählt, die einen irgendwie an Anouk erinnert.

Neben den vielen Abenteuern, die die Jugendlichen erwarten und die das Buch zu einem absoluten Pageturner machen, tragen diese Zeitsprünge noch zusätzlich zum Spannungsaufbau bei, denn man fragt sich immer mehr, wie diese Erzählstränge wohl am Schluss zusammenhängen.

Die nervenaufreibende Spannung ist aber nicht alles, womit das Buch mich überzeugt hat.
Anouk ist eine sehr interessante Protagonistin, die im Laufe der Geschichte eine unglaubliche Entwicklung durchmacht.
Zu Beginn merkt man, dass die Jugendlichen sich nicht besonders gut leiden können. Sie bilden sich viel darauf ein, für dieses Unternehmen ausgewählt worden zu sein und haben offenbar vor, eher als Einzelkämpfer in diesem aufzutreten. Spätestens, als sie die Tür zum unterirdischen Palast hinter sich lassen, sollte aber allen klar sein, dass sie das wohl vergessen können.
Anouk ist sozial ziemlich verbittert. Gerade durch ihre familiären Verhältnisse, die zu Beginn für den Leser auch erstmal nur hinter einem großen Fragezeichen stehen, ist sie nicht besonders gut auf andere Menschen zu sprechen. Sie ist sehr sarkastisch obwohl in ihren inneren Monologen auch immer wieder ein bisschen Traurigkeit mitschwingt. Dies führt häufig zu sehr klugen Sprüchen oder Gedankengängen, die mir als Leser im Gedächtnis geblieben sind.
Die anderen Charaktere, die Jugendlichen Lilly, Hayden, Will und Jules hätten für meinen Geschmack noch etwas näher beleuchtet werden können. Dafür ist in der kurzweiligen Geschichte, in der eine Überraschung und ein Schreck dem nächsten folgt, aber zu wenig Platz und stört somit auch wenig. Über den Leiter der Expedidion Prof. Dorf erfahren wir hingegen immer mehr.

Besonders hervorheben möchte ich noch den tollen Schreibstil. Der Autor benutzt eine Fülle an Metaphern und Vergleichen, die die düstere Atmosphäre des unterirdischen Horrorkabinetts und die Gefühle der Protagonistin für den Leser greifbar machen.
Wie bereits beschrieben, äußern sich diese auch oft in interessanten Gedankengängen von Anouk.

„Wenn andere dich haben weinen sehen, ist es als besäßen sie einen Teil von dir. Es ist, als hätte man sich ein Stück weit geöffnet, und sie hätten durch den Panzer geblickt, den man normalerweise trägt, und einen sorgältigen, langen Blick auf den schreienden, außerirdischen Irren darunter geworfen.“ (S. 212)

Aussagen wie diese machen zum einen die Protagonistin sehr authentisch und konfrontieren den Leser zum anderen mit Weisheiten , die dieser an sich selbst überprüfen kann. Die „Gemeinsam sind wir stark“-Aussage wird durch die charakterlichen Veränderungen der Figuren deutlich und schwingt somit eher subtil mit, als dass sie einem wie so oft offensichtlich um die Ohren gehauen wird.
Neben der spannenden Unterhaltung, war dieser Roman somit für mich immer wieder auch aus soziologischer Sicht interessant.

Das Cover des Buches ist unglaublich. Lasst euch nicht von den Abbildungen im Internet in die Irre führen. In Wirklichkeit schimmert es blau-grün-metallisch und zwar aus jedem Blickwinkel anders. Für die sonst so schlichten Diogenes-Cover ist dieses also eine echte Ausnahme! Es ist wunderschön und gibt schonmal einen Vorgeschmack auf die düstere, mystische Stimmung des Romans.

Fazit
Insgesamt ist es eine sehr spannende und schlüssige Geschichte, die Realität und Fantasy-Elemente sehr gut zusammenführt und somit eine breite Leserschaft anspricht. Die Geschichte wurde für mich an keiner Stelle langweilig, eher hätte ich mir hin und wieder etwas mehr Informationen und ausschweifende Beschreibungen gewünscht, denn für bildhafte Erzählungen hat der Autor wirklich ein Händchen. Am Ende ging mir alles ein bisschen zu schnell…
Nur eine Kleinigkeit hat mich gestört, welche für mich einen klitzekleinen Logikfehler darstellt, den ich aber hier nicht nennen möchte, da es sich um einen Spoiler handeln würde. Die Gesamtwirkung des Buches hat dieser jedoch für mich nicht gestört. Alles in allem ist fand ich es wunderbar und ein wahres Lesevergnügen! Ich bin außerdem gespannt, wann es verfilmt wird, denn das Setting und einige Szenen lassen sich bestimmt sehr bildgewaltig umsetzen…
Von mir gibt’s eine klare Leseempfehlung!

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Tags: fantas, grusel, horror, spannung   (4)
 

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Die Goldene Legende

Nadeem Aslam , Bernhard Robben
Fester Einband: 410 Seiten
Erschienen bei DVA, 04.09.2017
ISBN 9783421047557
Genre: Romane

Rezension:

„Die goldene Legende“ zeigt meiner Meinung nach sehr emotional und und unglaublich liebevoll beschrieben, was religiöser Fanatismus aus einem eigentlich sehr schönen Land, in diesem Fall Pakistan, machen kann.

Wir begleiten vor allem die Charaktere Nargis, Helen und Imran.
Nargis hat gerade ihren Mann Massud verloren, der versehentlich in einen Schusswechsel auf offener Straße geriet. Helen ist die Tochter des christlichen Rikscha-Fahrers Lily, der früher im Haus von Nargis und Massud als Dienstbote tätig war und weiterhin im Nachbarhaus wohnt. Für sie war Helen immer fast wie eine eigene Tochter und so finanzierten sie sogar ihre Ausbildung, die sie sonst als Christin in Pakistan wahrscheinlich nicht erfahren hätte.
Imran kommt ursprünglich aus Kaschmir, nachdem seine Mutter und die anderen Verwandten von indischen Soldaten zum „Verhör“ mitgenommen wurden und nicht mehr wiederkamen, beschließt er, sich in einem Islamisten-Lager ausbilden zu lassen, flieht dort jedoch als er merkt um was es wirklich geht und schlägt sich seitdem in Zamana als Obdachloser durch. Wie es der Zufall will, ist er derjenige, der Massud noch am Unglücksort, wenn auch vergebens, Blut spendet. Als er später Nargis aufsucht, freunden sie sich an und es wird schnell klar, dass sich zwischen ihm und Helen noch mehr entwickeln wird.
Als eines Tages der Muezzin die geheime Liebschaft von Lily und Aysha, der verwitweten Tochter des Geistlichen, vom Minarett herausposaunt, ist plötzlich kein Christ, oder jemand der sich auf ihre Seite stellt, mehr sicher. Mit Imrans Hilfe gelingt Nargis und Helen die Flucht. Doch das war nicht das einzige Geheimnis, das ihnen zum Verhängnis werden kann.

Es ist eine unglaublich tragische, traurige und oftmals brutale Geschichte. Doch der Autor schafft es dennoch immer wieder in kleinen Rückblenden, Referenzen zu anderen Geschichten und Legenden oder einfach der liebevollen Beschreibung von Details, die Schönheit der Landschaft und des Lebens im Allgemeinen darzustellen.
Obwohl alle Figuren Schreckliches erlebt haben unter der täglichen Unterdrückung oder dem religiösen Fanatismus im Land leiden, haben sie dennoch auch so viel erlebt, an das sie sich gerne erinnern oder sie erleben jetzt Dinge, die das Leben trotz allem lebenswert machen. Dem Leser ermöglicht dies ein sehr intimer Blick in die Zerrissenheit eines Landes und seiner Bewohner.

Der Schreibstil, war für mich zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, weshalb ich etwas brauchte, um in die Geschichte hineinzukommen. Doch als ich mich einmal daran gewöhnt hatte, fing ich an diesen zu lieben. Er ist unglaublich bildhaft, oft verliert sich der Autor in den Beschreibung von Details, doch diese haben immer irgendeine wichtige Aussage, tragen zur Aussage des Gesamten bei oder helfen, die Charaktere besser zu verstehen und authentischer zu machen.

Der Wechsel der Erzählperspektive zwischen den verschiedenen Charakteren hat mir gut gefallen, da man das Geschehen so aus verschiedenen Positionen wahrnimmt, was meiner Meinung nach bei einer Geschichte, die die Zerrissenheit eines Landes zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zum Thema hat, sehr wichtig ist, um kein einseitiges Bild zu erschaffen.
Schwierig fand ich jedoch, dass innerhalb der Passagen, die aus der Sicht eines Charakters erzählt werden, wiederum häufig Zeitsprünge passieren, da sie sich an etwas Vergangenes erinnern oder über eine Geschichte nachdenken. Diese Wechsel fand ich nicht immer eindeutig und brauchte auch häufig etwas, um den Sinn dahinter zu verstehen. Dies machte das Lesen oftmals sehr anstrengend.
Zudem werden häufig alte Legenden und Geschichten angesprochen. Eine besondere Rolle spielt dabei ein Buch, welches Massuds Vater geschrieben hat, mit dem Titel „Auf dass sie sich kennenlernen“, welches sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte zieht. Es behandelt Legenden und Erzählungen der verschiedensten Kulturen der Welt und wie diese zusammenhängen, sich kreuzen, einander beeinflussen.
Zu Beginn wird dieses Buch, welches Massud erst kurz vor seinem Tod wiederfindet, von einem Soldaten zerstört, der versucht Nargis damit unter Druck zu setzen. Daraufhin versuchen Nargis, Helen und Imran, dieses Stück für Stück wieder zusammenzusetzen. Dies ist nur eins von vielen Beispielen für die ungeheure Symbolkraft dieses Buches.

Die Protagonisten sind alle sehr klug und weltoffen und ihrem Land somit weit voraus. Sie haben eigentlich nichts verbrochen, außer zur falschen Zeit am falschen Ort geboren zu sein. Das Land und die Bewohner haben ihnen so viel Leid zugefügt und dennoch verlieren sie nicht die Hoffnung, dass es sich irgendwann ändern wird. Die vielen Rückblenden und die sehr tiefgründigen Gedanken der Charaktere bekommen dadurch eine zusätzliche Tiefe. Schade fand ich nur, dass die Auswahl der Protagonisten etwas einseitig war. Die konservativen, strengen Moslems, waren stets „die Anderen“, wodurch man als Leser wenig Einblick in diese Gedankenwelt bekam.
Auch für die Protagonisten hätte ich mir in der Gegenwart noch mehr Handlung gewünscht, um sie noch mehr zu begleiten und besser in die Geschichte einzutauchen.

Die Aussage des Romans kann für mich vor allem durch das Leitmotiv des Buches „Auf dass sie sich kennenlernen“ nicht eindeutiger sein: wenn wir Menschen es schaffen, uns auf unsere Gemeinsamkeiten zu konzentrieren und Unterschiede als etwas Gutes anzuerkennen, wenn wir endlich jahrhundertealte Fehden überwinden und Einzelfälle nicht auf ganze Bevölkerungsgruppen übertragen würden, dann wäre die Welt ein besserer Ort und wir könnten ihre Schönheit endlich wieder schätzen.

Das Cover finde ich wunderschön und es passt für mich hervorragend zu der Atmosphäre, die aufgebaut wird, wenn die Schönheit der Natur, der Gärten und der Gebäude beschrieben wird, die so einen harten Kontrast zur Brutalität der Menschen dort darstellt.

Fazit
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Sowohl die Charaktere als auch die Atmosphäre, die die Zerrissenheit zwischen Schönheit und Brutalität greifbar macht, hat mir sehr gut gefallen. Es regt definitiv zum Nachdenken über unsere Welt an und schaffte wenigstens für mich einen sehr lehrreichen Blick in ein so fremdes Land.

Der facettenreiche Aufbau der Erzählung hat zwar einerseits sehr zur Tiefe des Buches beigetragen, schränkte aber auch oftmals den Lesefluss ein, weshalb es definitiv keine leichte Lektüre war. Hin und wieder hätte ich mir mehr Geschichte im Hier und Jetzt und weniger ausschweifende Erzählungen über Legenden oder vergangene Ereignisse gewünscht. Es war wie ein Mosaik, in dem jedes kleine Detail eine Bedeutung hat, das aber erst zusammengesetzt anfängt einen Sinn zu ergeben.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung – gerade, wenn einem auch Romane wie der „Drachenläufer“ von Khaled Hosseini gefallen haben, wird man hier sicherlich auch auf seine Kosten kommen! Eine einfache Lektüre sollte man aber nicht erwarten.

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Als der Teufel aus dem Badezimmer kam

Sophie Divry , Patricia Klobusiczky
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 22.09.2017
ISBN 9783550081361
Genre: Romane

Rezension:

Sophie ist jung, gebildet und arbeitslos seit sie schon vor einiger Zeit ihren Job als Journalistin verloren hat und auch die Aufträge als freie Mitarbeiterin bei einer Zeitung immer seltener werden. Als dann irgendwann auch die Grundsicherung ausbleibt, die Rechnungen aber zuverlässig weiter bei ihr eintrudeln, merkt sie, dass sich etwas ändern muss. Während die Bürokratie des Sozialstaats, der ständige Hunger und ihr innerer Dämon ihr das Leben schwermachen, versucht sie sich irgendwie, ohne gegen ihre Prinzipien zu verstoßen, aus der Misere zu ziehen…und schreibt einen Roman, in dem ihr endlich einmal keine Grenzen gesetzt sind.

Meine Meinung
Der Roman hat mich von der ersten Seite an gepackt. Sophies Geschichte ist tragisch und ernst. Die Themen Arbeitslosigkeit, soziale Isolation und Armut gepaart mit den deprimierenden Erlebnissen im Bürokratie-Dschungel der Arbeitsagentur werden aufgenommen aber ohne, dass dieses Trauerspiel die Stimmung des Buches einnimmt. Nein, denn ihren Humor hat sie noch nicht verloren.
Selbstkritisch, gesellschaftskritisch und mit einer gehörigen Portion Ironie erzählt sie ihre Geschichte.

Es ist eine Geschichte die keine Grenzen kennt, weder inhaltlich, wenn sie sich plötzlich mit imaginären Figuren oder auch dem Teufel unterhält, die unbedingt ihren Senf zu ihrer Geschichte dazugeben wollen oder Gegenstände zu reden beginnen, noch stilistisch, wenn ihre Erzählung plötzlich durch einen „hervorgehobenen“ Bericht ihres Freundes Hector, der unbedingt will, dass dieser Teil hervorgehoben wird, unterbrochen wird oder sie seitenweise etwas zu einem bestimmten Thema auflistet und erst recht nicht typographisch, wenn plötzlich Wörter am Rand abkippen oder der gesamte Textkörper eine obszöne Form darstellt – immerhin hatte der Teufel sie gewarnt, dass das passieren würde.

Ich konnte mich sehr gut in Sophie hineinversetzen und fand sie sehr sympathisch. Trotz ihrer eigenen prekären Situation, hat sie ein gutes Auge für die Probleme anderer und hebt hervor, dass es anderen noch schlechter geht.
Sie führt dem Leser die Eigenarten des Armseins vor Augen, jedoch ohne mit dem moralischen Zeigefinger zu fuchteln, wie ungerecht die Welt doch ist, dass man als Arbeitsloser auch durchaus selbst an seiner Situation beteiligt ist oder allzu sehr herumzujammern.
Sie stellt ein ganz reales Problem dar: Menschen aus einem liebenden Elternhaus, miteiner guten Bildung und den besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben, werden eben auch nicht immer gebraucht. Da zählen Erfahrungen in der Akkordarbeit eines gastronomischen Unternehmens mehr als ein toller Hochschulabschluss. Und gerade das Gefühl des „Nicht-gebraucht-werdens“ ist bei den vielen Aspekten der Arbeitslosigkeit besonders gravierend. Das führt auch nicht selten dazu, dass Sophie sich gehörig im Selbstmitleid suhlt und wie wenig das bringt ist ihr durchaus bewusst, dass man manchmal aber einfach nicht anders kann, jedoch genauso und das macht sie so authentisch.
Bevor so etwas dann aber den durchweg unterhaltsamen und eher amüsanten Charakter des Buches stören könnte erklärt sie dem Leser die einfachen Regeln des erfolgreichen „An-die-Decke-Starrens“…
Die anderen Charaktere blieben eher plakativ und vor allem durch ihre Marotten gekennzeichnet und brachten genau dadurch noch mehr Witz in die Geschichte.

Sprachlich und stilistisch ist das Buch somit für mich ein wahres Kunstwerk und strotzt nur so vor Neologismen, Metaphern und Vergleichen, die auch oft als solche beschrieben, bzw. in einem inneren Monolog erörtert werden, da wir als Leser ja den Schreibprozess des Romans miterleben sollen. Es ist eine Liebeserklärung an die Sprache und die Literatur und der Übersetzerin sollte meiner Meinung nach auch besonders viel Anerkennung zukommen…das war mit Sicherheit nicht leicht!

Das Cover ist zwar auf den ersten Blick schlicht, doch lassen die ausgestanzten Hörner im Umschlag auf den schwarzen Buchrücken blicken, was auch schon als Metapher aufgefasst werden könnte und einen Vorgeschmack gibt auf das, was einen in dem Roman erwartet. Mit dem Titel verhält es sich ähnlich. Soviel kann gesagt sein: der Teufel kommt wirklich irgendwann aus dem Badezimmer – ob es sich dabei um eine Metapher oder eine Wahnvorstellung handelt…wer weiß? Gut, dass es in diesem Buch keine Grenzen gibt, und so etwas keiner Erklärung bedarf!

Fazit
Dieses Buch ist für mich ein Meisterwerk der Sprache, wie ein abstraktes Gemälde bei dem man in jedem kleinen Detail etwas Neues entdeckt, bei dem Dinge plötzlich passen und möglich erscheinen, die es eigentlich nicht sind…
Die Geschichte konnte mich sofort fesseln: ein ernstes Thema lustig auf einem literarischen Spielplatz verpackt. Ich konnte mich in Sophie hineinversetzen und wäre ihr am Ende gerne noch weiter gefolgt.

Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der mal etwas ganz anderes lesen möchte.

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Tags: als der teufel aus dem badezimmer kam, liebe zur literatur, literatur, sophie divry, sprachliches meisterwerk   (5)
 

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Die geheime Geschichte

Donna Tartt , Rainer Schmidt
Flexibler Einband: 720 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.10.2017
ISBN 9783442487332
Genre: Romane

Rezension:

Richard Papen, der aus einfachen Verhältnissen stammt, kommt nach seinem abgebrochenen Medizinstudium aus dem sonnigen, aber für ihn unglaublich reizlosen Kalifornien durch ein Stipendium neu an das Hampden College in Vermont. Sofort fühlt er sich zu einer Gruppe Studenten hingezogen, die scheinbar irgendwie abgekapselt vom Rest der Studierenden bei dem als sehr sonderbar bekannten Professor Julian Marrow Altgriechisch lernen. Sie sind augenscheinlich engste Freunde, trinken gerne einen über den Durst und wirken dabei dennoch ganz anders als alle anderen Studenten: reich, gebildet und …sonderbar. Von den anderen Studenten werden sie als unnahbar, ja fast arrogant wahrgenommen und bleiben stets unter sich. Richard wird, dadurch, dass er sich entschließt Griechisch als Hauptfach zu wählen, schnell ein Teil dieser Gruppe und merkt aber bald, dass nicht alles so ist wie es scheint. Denn seine Freunde haben ein dunkles Geheimnis, dass die Freundschaft unweigerlich auf die Probe stellt und bald zu Spannungen führt. Richard, weiterhin geblendet von seinem neuen Leben, wird, ohne sich dessen richtig bewusst zu sein, immer mehr in diese mörderischen Abgründe hineingezogen.

Meine Meinung
Uff, wieder so ein 600 Seiten-Brocken! …Das habe ich gedacht, bevor ich dieses Buch angefangen hatte. Abgeschreckt von diesem Umfang musste der Roman lange auf meinem SuB warten und noch viel länger auf meiner Wunschliste. Doch nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte, war diese Sorge vergessen. Kein einziges Mal habe ich die Länge des Buches gespürt. Im Gegenteil…am Ende hätte ich mir gewünscht dass es noch einige hundert Seiten weitergehen könnte. So sehr habe ich mich in der Umgebung verloren, so sehr sind mir die Charaktere (obwohl sie schreckliche Dinge getan haben und deshalb natürlich zwischenzeitlich alles andere als sympathisch sind) ans Herz gewachsen, weil man so viel mit ihnen erlebt und einfach wissen möchte wie es weitergeht. Zudem hatte der Roman -obwohl man weiß, was passiert- diese mysteriöse Spannung. Man analysiert als Leser alles schon auf das Bevorstehende hin, versucht Zeichen zu entdecken usw.
Bereits zu Beginn des Romans erfahren wir was geschehen ist: Richard und seine Freunde haben den sechsten im Bunde, genannt "Bunny" ermordet.
Schon auf der ersten Seite ahnt man jedoch, dass es vielmehr darum geht, wie die Charaktere mit diesem Verbrechen, der Schuld und der Angst umgehen.
Das Buch ist in zwei Teile unterteilt. Im ersten Teil schildert Richard als Ich-Erzähler, die Ereignisse, die zu der Tat geführt haben. Im zweiten Teil widmet er sich dann den darauffolgenden Geschehnissen, der Veränderung der Charaktere durch die Angst und Schuldgefühle und dem langsamen Zerfall der Freundschaft, die unter dieser Last zu zerbrechen droht. Es ist also ein Roman über ein grausames Verbrechen, aber noch viel mehr als das. Es beleuchtet die menschliche Psyche, das Verhalten, zu dem Menschen fähig sind, wenn sie nur genug unter Druck gesetzt werden.
Obwohl man als Leser weiß, was die Charaktere getan haben, konnte ich dennoch nicht anders, als mit den Charakteren mitzufühlen. Obwohl man weiß, worauf alles hinausläuft, ist die Geschichte unglaublich spannend.
Für einen Krimi oder Thriller wäre die Story nichts Außergewöhnliches…Das Besondere ist eher, wie diese Idee umgesetzt ist. Mit tollen, unglaublich, facettenreichen Charakteren und einem nachdenklichen Protagonisten, der dem Leser aus der Ich-Perspektive diese dramatische Geschichte aus seiner Vergangenheit erzählt, als würde er nach einem Gläschen zu viel einem Kumpel am Lagerfeuer von seiner ersten großen Liebe, die leider schlecht gelaufen ist, die er einerseits bereut, aber auch nie wirklich hinter sich lassen kann, berichten. Es ist fast schon eher eine Charakterstudie (von gleich mehreren Charakteren) als ein normaler Kriminalroman.
Ich hatte das Gefühl, dass der Protagonist mit einem liebevollen Vermissen an diese Zeit, die so viel Schlechtes mit sich brachte, zurückdenkt. Und das fand ich sehr faszinierend.
Im Buch werden so viele Facetten der einzelnen Charaktere beleuchtet und trotzdem scheint man sie, wie der Protagonist selbst erkennen muss, dennoch nicht richtig zu kennen. Diese Erkenntnis des Protagonisten macht die Charaktere meiner Meinung nach unglaublich authentisch.
Neben den tollen Charakteren, trug auch die interessante, ja fast nostalgische, rückblickende Erzählperspektive und der wunderbare Schreibstil zu dem besonderen Leseerlebnis bei. Ja der Schreibstil…ich wüsste ganz ehrlich nicht, wann ich einmal etwas Vergleichbares gelesen hätte. Es ist auf jeden Fall kein einfacher Schreibstil. Die Autorin benutzt eine unglaublich bildhafte Sprache, lange Sätze und ausgefallene Wörter (ich bin sehr froh, dass ich mich hier für die deutsche Übersetzung entschieden habe!). Solche detaillierten Beschreibungen führen bei mir sonst oft dazu, dass ich ganze Passagen am liebsten Überfliegen würde. Hier nicht. Ich wollte alles genau aufsaugen, verstehen, mehr wissen. Die schöne bildliche Sprache hat eine so eindringliche Atmosphäre heraufbeschworen, dass man selbst wie der Protagonist auch, von diesem Ort und den Menschen in ihren Bann gezogen wurde und weshalb es mir auch umso schwerer fiel, am Ende die letzte Seite umzuschlagen.
Für den Schreibstil würde ich eigentlich ebenfalls gerne 6 Sterne geben, weil ich selten so etwas Schönes, Flüssiges und dennoch Anspruchsvolles gelesen habe.
Ein einziger kleiner Kritikpunkt sind jedoch die vielen nicht übersetzten französischen, lateinischen und griechischen Aussagen, die ja offenbar bedeutsam sein müssen, sonst wären sie ja nicht dementsprechend hervorgehoben. Ich hatte dadurch das unschöne Gefühl, um noch mehr tolle, geistreiche Bilder, Andeutungen und bedeutsame Aussagen gebracht worden zu sein. 
Zur Aussage lässt sich noch anmerken, dass es eigentlich jedem klar sein sollte, dass das, was sie getan haben Konsequenzen hat und zwar nicht nur strafrechtliche sondern auch persönliche „innere“ Folgen, die einen für immer zerstören können. Zudem sehen die Charaktere das Verbrechen weiterhin als Notwendigkeit an und erfahren außer den zerstörersichen Schuldgefühlen keine Strafe. Die Tat wird jedoch andererseits keineswegs verherrlicht. Wir werden als Leser Zeuge, wie die Charaktere daran zerbrechen und was sie tun, schockiert ohne Zweifel!
Für mich brauchte diese Geschichte jedoch auch keinen „moralischen Zeigefinger“. Jedem ist klar, dass es moralisch falsch war was sie getan haben. Das weiß der Leser ebenso gut wie die Charaktere. Darüber braucht man kein Buch zu schreiben. Aber darauf liegt in meinen Augen auch nicht der Fokus. Wäre es ein normaler Krimi oder Thriller, wäre die grundlegende Geschichte ja auch nicht besonders außergewöhnlich gewesen. Wie ich bereits beschrieb, lag für mich der Fokus vielmehr auf den Charakteren und die Art wie Richard sie kennenlernte…oder auch nicht?
Hier liegt für mich die zentrale Aussage: man weiß nie, wie ein Mensch, egal, wie gut man ihn zu kennen glaubt, wirklich ist und zu was er in einer Extremsituation fähig ist. Eine Freundschaft, so eng und vertraut sie auch sein mag kann an einem gemeinsam durchlebten Ereignis zerbrechen und zwar nur dadurch, dass jeder Mensch unterschiedlich mit Stress, Angst- und Schuldgefühlen umgeht.

Fazit
Ich habe dieses Buch geliebt. Es war spannend und flüssig zu lesen und hat sich für mich an keiner Stelle gezogen. Der Schreibstil und die Charaktere konnten mich so sehr überzeugen, wie es selten bei einem anderen Buch der Fall war. Obwohl mich am Anfang die Länge des Buchs abgeschreckt hat, habe ich mir am Ende gewünscht es würde noch weitergehen. Es ist einerseits ein spannender Krimi/Thriller und andererseits sehr viel tiefgehender mit einem sehr starken Fokus auf die Entwicklung der Charaktere. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der gerne Geschichten über etwas liest, das nicht das ist, was es zu sein scheint…
Und für Fans der Serie „How to get away with murder“! Das Buch hat mich immer wieder so stark an diese Serie erinnert, dass ich mich zwischendurch gefragt habe, ob die Serie wohl darauf basiert?! Bisher habe ich keine fundierten Infos dazu gefunden, aber die Ähnlichkeiten sind wirklich unverkennbar!


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Tags: die geheime geschichte, donna tart, spannend, tolle, tolle charaktere, wunderschöner schreibstil   (5)
 

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3.095 Bibliotheken, 21 Leser, 7 Gruppen, 106 Rezensionen

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Veronika beschließt zu sterben

Paulo Coelho , Maralde Meyer-Minnemann
Flexibler Einband: 223 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.04.2007
ISBN 9783257233056
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt
Die 24-jährige Veronika geht es zwar eigentlich sehr gut, jedoch ist sie ihres eintönigen Lebens überdrüssig und beschließt daher dem ganzen ein Ende zu setzen, bevor das noch Jahrzehnte so weitergeht. Ganz pragmatisch sammelt sie daher über einen längeren Zeitraum Schlaftabletten und versucht sich mit einer gehörigen Menge davon das Leben zu nehmen. Sie kommt in einer psychiatrischen Klinik wieder zu sich und muss erkennen, dass ihr Plan nicht aufgegangen ist. Noch nicht, denn dann wird ihr eröffnet, dass sie ihr Herz mit den Tabletten so sehr geschädigt hat, dass sie nur noch eine Woche zu leben hat. In dieser Woche lernt sie andere "Verrückte" kennen und merkt, dass diese eigentlich das Leben viel eher verstanden haben und dass es ein bisschen Verrücktheit braucht um ein glückliches Leben führen zu können. Sie spürt endlich Hass und Liebe, eine ganze Palette an Emotionen und nicht nur Gleichgültigkeit. Und, da sie eh bald sterben wird, traut sie sich zum ersten Mal diese zuzulassen.

Meine Meinung
Mit dem Inhalt sind auch eigentlich schon die wichtigsten Aussagen des Buches wiedergegeben: "Im Angesicht des Todes, bekommt man endlich den Mut richtig zu leben und kann so lernen das Leben zu lieben" und "'Verrücktsein' ist Ansichtssache bzw. nur, wer ein bisschen Verrücktheit zulässt und zulässt, ganz er selbst zu sein, der kann das Leben richtig genießen".
Und das sind keine subtilen Botschaften, die der Leser durch die Analyse der Handlung und der Entwicklung der Charaktere mühsam herausarbeiten muss, sondern sie werden einem vielmehr die ganze Zeit um die Ohren gehauen, ständig, auf jeder Seite aufs Neue.
Neben diesen Aussagen, die tatsächlich meistens "Aussagen" irgendwelcher Figuren sind, passiert nicht viel. Veronika lernt andere Patienten kennen, wir erfahren ein bisschen etwas über ihre Geschichten und dennoch bleiben alle Charaktere irgendwie flach. Ich hatte das Gefühl, sie werden nur eingeführt um die Aussage - nochmal - zu unterstreichen. Eduard, ein Schizophrener, den ich sogar zunächst ganz sympathisch fand, scheint z.B. nur die Aufgabe zu haben, dass Veronika sich in ihn verlieben kann und so auch noch kurz - da sie ja bald sterben wird - die Liebe finden kann: plakativ beschreibend, aber für mich keinesfalls authentisch und gefühlvoll.
Auch Veronika selbst lernt man kaum kennen. Ja, sie war dadurch verbittert, dass sie ihr Leben eintönig fand, was darauf schließen lässt, dass auch sie auch - wenigstens oberflächlich - ein ziemlich langweiliger Charakter ist. Aber müsste sie sich laut Aussage des Buches im Angesicht des Todes dann nicht selbst finden? Wenn diese Selbstfindung darin bestehen soll, dass sie ausgelassen masturbiert, weiß ich auch nicht weiter...
Die Dialoge sind offenbar ebenfalls nur darauf ausgerichtet, die Aussage des Buches, die man wahrscheinlich eigentlich schon beim Lesen des Klappentextes verstanden hat, zu verdeutlichen. Es wirkt dann eher so als würde ein Philosoph zu einem Priester sprechen, als dass sich gerade ein Psychiatrie-Insasse, der sich gerade zum ersten Mal seit Langem einem Mitmenschen öffnet, einem anderen Psychiatrie-Insassen anvertraut.
Der Stil erinnert insgesamt stark an ein Märchen oder eine Parabel: Es ist ein kurzes Buch, dass eine Lehre herüberbringen soll. Auch die überschaubare Länge von nur etwas mehr als zweihundert Seiten trägt zu diesem Eindruck bei.
Der Schreibstil bleibt dabei sehr einfach und erklärend und wirkte für mich irgendwie plump.
Die Erzähltechnik hingegen ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Die Perspektive wechselt nämlich immer wieder zwischen verschiedenen Charakteren. Während wir einem Großteil der Handlung aus Veronikas Sicht folgen, kommt es immer wieder vor, dass die Perspektive z.B. auch mitten im Gespräch wechselt und dann ein anderer Charakter seine Geschichte erzählt. Dies geschieht zwar immer in der Dritten Person, die Charaktere "denken" aber in der wörtlichen Rede, was wieder irgendwie plump wirkt und mich oft an die Erzählweise eines Kinderbuchs erinnerte: "'Ich weiß, dass die Welt meine Anstrengungen nicht anerkennen wird', sagte er sich..."...
Ganz merkwürdig fand ich es, als Paolo Coelho nach der Beschreibung, wie Veronika in der Anstalt aufwacht, selbst kurz vorkommt, als Autor, der beschließt, diese Geschichte zu erzählen, da er selbst als Jugendlicher in eine Psychiatrie abgeschoben wurde und das Thema ihm sehr am Herzen lag. Hätte er das nicht einfach in einem Vorwort machen können? Oder seine eigene Geschichte als "autobiographische" Rahmenhandlung nutzen können? So war ich jedenfalls erstmal wieder herausgerissen.
Die Aussage des Buches, die wie eine Leuchtreklame über allem schwebt, ist natürlich eigentlich eine sehr wichtige, aber auch nichts wirklich Neues. Man hätte sie sicherlich in einer längeren Geschichte mit interessanten Charakteren und einer liebevoll ausgearbeiteten Handlung gut verpacken können.
Aber so wie sie in diesem Roman verarbeitet ist, hätte es eigentlich kaum eine Geschichte drumherum gebraucht. Eins von diesen Sonnenuntergangs-Bildern mit einem schnörkeligen Text drauf hätte es auch getan.
Was ich diesem Buch aber wirklich zugutehalten muss ist zum einen das Ende und zum anderen die ganze Geschichte um den Chefarzt der Klinik, der versucht zu beweisen, dass ein Großteil der Menschen an einer Bitterkeit erkrankt ist, die dadurch entsteht, dass man nur noch nach festen Regeln und Gewohnheiten lebt. Er erkennt nämlich auch Folgendes:
"Je glücklicher, die Menschen sein können, desto unglücklicher werden sie." (S. 84)
Und alleine dieser Satz hat für mich soviel mehr Aussagewert, als alles andere, was einem in diesem Roman immer wieder vorgekaut wird. Er bezieht sich damit darauf, dass in Krisenzeiten, die Depressionsraten und andere psychische Krankheiten in dem betroffenen Land abnehmen. Wenn das Problem gelöst ist, würden sie wieder ansteigen. Er geht daher davon aus, dass alltägliche Problemchen, wie Stress, Langeweile und Liebeskummer, für die wir nur Zeit und Aufmerksamkeit haben, wenn es uns vergleichsweise gut geht, viel eher zu psychischen Problemen führen.
Warum gab's nicht viel mehr von Dr. Igor?!
Ich möchte das Ende natürlich nicht verraten, aber es gibt dem Buch ein bisschen von der Originalität, die die Geschichte meines Erachtens nach sonst leider ziemlich vermissen ließ. Ich kann also jedem empfehlen, wenn ihr das Buch lest und es euch ähnlich geht wie mir, dass ihr euch zwischendurch denkt, was das denn alles soll, dann lest es zuende, denn es lohnt sich!
Beim Titel des Buches habe ich eigentlich viel mehr "Vorgeschichte" erwartet, dass wir erfahren oder sogar ein bisschen miterleben, was genau Veronika zu diesem Entschluss gebracht hat und dass man sie auch eher bei der Vorbereitung dieses Schrittes begleitet. Stattdessen setzt die Handlung schon mit dem Selbstmordversuch ein, was dem Ganzen irgendwie die Substanz nimmt, die ich erwartet hätte. Selbstmord ist ein ziemlich heftiges Thema, aber hier wird es irgendwie auf die leichte Schulter genommen. Sie bringt sich um, weil sie gelangweilt ist? Das würde vielleicht Sinn machen, wenn man Veronika ein bisschen mehr kennen würde, sich in sie hineinversetzen könnte.

Fazit
Ich empfehle erst einmal jedem, dieses Buch zu lesen. Das klingt nach dieser Rezension wahrscheinlich komisch, hat aber seine Gründe:
1. Es ist sehr kurz und leicht geschrieben, sodass es eine einfache und schnelle Lektüre ist, durch die man sich, wenn sie einem nicht gefällt nicht endlos lange durchquälen muss. Das heißt man kann sich relativ schnell eine eigene Meinung dazu bilden.
2. Offenbar scheiden sich an diesem Buch die Geister…Die einen sind begeistert, die anderen total enttäuscht. Diese Rezension stellt eben nur eine Meinung dar. Vielleicht ist es daher tatsächlich "ein Buch das man gelesen haben muss", um sich eine eigene Meinung bilden zu können.
Der Roman hat definitiv wichtige Aussagen, hat diese für meinen Geschmack nur zu wenig originell und etwas lieblos verpackt. Ich hätte eine herzzerreißende Geschichte über die Schönheit des Lebens im Angesicht des Todes wie bei "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" erwartet. Denn Veronika muss erst einen Selbstmordversuch begehen und in der Psychiatrie landen, um zu merken, wie schön das Leben ist. Blöd nur, dass sie jetzt nur noch eine Woche zu leben hat. Da war das Schicksal doch wirklich ein mieser Verräter. Aber ich wurde enttäuscht. Mir war das alles zu gestellt und aufgesetzt, als dass die Geschichte und vor allem der Charakter Veronika mein Herz hätte berühren können.
Nichtsdestotrotz regt es zum Nachdenken über das eigene Leben an!
Und speziell die Aussage von Dr. Igor (dem Chefarzt) wird mir ewig im Gedächtnis bleiben: Je glücklicher die Menschen sein können, desto unglücklicher werden sie.
Etwas was wir uns täglich vor Augen führen sollten. Uns geht es so gut, das sollten wir nutzen!

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der mensch, menschheitsgeschichte, witziges sachbuch

Best of Menschheitsgeschichte: Die aufrichtigste Wahrheit über den Erdling, seit es Außerirdische gibt

Thore W. Masge
E-Buch Text: 280 Seiten
Erschienen bei epubli, 13.07.2017
ISBN 9783745002188
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Bei diesem Buch handelt es sich, wie der Name erahnen lässt, um ein „Sachbuch“, (wenigstens, wenn man den Aufbau betrachtet, ansonsten lässt es sich nicht wirklich in eine Schublade stecken) über die Geschichte der Menschheit – geschrieben von einem Außerirdischen!

Besagter Außerirdischer geht dabei im ersten Kapitel auf die Vergangenheit des Menschen, also seine Entstehungsgeschichte, im zweiten auf die Gegenwart und im dritten auf mögliche Zukunftsszenarien ein.

Das Ganze ist urkomisch, jede menschliche Eigenart, die einem (als Mensch), wenn man mal ganz ehrlich zu sich ist, im Alltag oft schon nicht ganz erklärlich ist, wird hier aufs Korn genommen und unsere ganze Geschichte und die Evolution stellt sich nach diesem „Geschichtsbuch“ als komplett falsch verstanden heraus.

Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber die, die glauben, wir stammen von Adam und Eva ab, liegen (natürlich) falsch. Ganz ohne überirdische Hilfe haben wir das mit der Evolution aber auch nicht hinbekommen… Nein, wir stammen von Erna und Detlef ab, zwei Bakterienstämmen, die von einem außerirdischen Gremium im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojekts auf die Erde geschickt wurden und dabei aus Versehen auch noch die Dinosaurier ausrotteten…und überhaupt leben wir wahrscheinlich nur noch, um ein intergalaktischens Telepathie-Publikum mit einer meistens ganz unterhaltsamen und ungewollten „BigBrother“-Show erheitern.

So wird eine vermeintliche Wahrheit über unsere Entstehung und Entwicklung nach der anderen aufgenommen und ganz neu beleuchtet.

Ich könnte mir die Story sehr gut als Kabarett-Programm vorstellen. Gerade auch die Bezüge zu Außerirdischen in der irdischen Popkultur, Aufzählungen von menschlichen und menschengemachten Merkwürdigkeiten (im sogenannten „Nachschlag“) sowie den Inhalten des „Kuriositätenkabinetts“ am Ende des Buches verstärken diesen Eindruck noch.
Als Buch, das ich persönlich aber gerne an einem Stück lese, hatte es zwischenzeitlich seine Längen, einige Anekdoten werden häufig wiederholt, was aber wahrscheinlich nicht auffallen würde, wenn man immer mal wieder ein Kapitel liest, zwischendurch andere Bücher liest etc.

Das Kapitel über die Vergangenheit fand ich so unglaublich witzig, dass ich beim Lesen immer wieder lachen musste. Gegen Ende der Vergangenheit und zu Beginn der Gegenwart (ähh …ja: Was ist Zeit eigentlich? Ich merke, dass der Schreibstil des Buches schon auf mich abgefärbt hat), wurde es mir dann aber wirklich etwas zu langatmig und blieb für meinen Geschmack ein bisschen zu nah an der Realität. Die menschlichen Sonderlichkeiten wurden durch den Kakao gezogen, aber der „außerirdische Witz“ fehlte mir dann im Vergleich zum ersten Kapitel etwas. Man muss ja nicht außerirdisch sein, um den Menschen merkwürdig zu finden (oder bin ich außerirdisch?). Für einige Schmunzler über unsere Spezies reichte es aber dennoch vollkommen aus. Die Zukunftsszenarien hingegen fand ich durchweg wieder sehr lustig und kurzweilig geschrieben, wenn auch gar nicht so unwahrscheinlich…?!

Der Autor hat einen Hang zu langen, verschachtelten Sätzen, Wortneuschöpfungen und merkwürdigen Formulierungen. Diesen Schreibstil fand ich wirklich großartig. Er verleiht der Story einen ganz eigenen Ton und wieder konnte ich mir einen Kabarettisten vorstellen, der das Ganze ganz trocken erzählt. Damit schafft der Autor definitiv einen Wiedererkennungswert! Es wird mit mathematischen, physikalischen und was-weiß-ich-was-für Fachbegriffen um sich geworfen, die in Zusammenhang gebracht in Wahrheit wahrscheinlich nicht immer viel Sinn ergeben, aber sehr gut klingen und, durch die man sich als evolutionär zurückgebliebener, dümmlicher Erdling sehr gut in eben diese Rolle hineinversetzt fühlt…
Was mich jedoch ein wenig gestört hat, war das ganze Hin und Her: von einer Zeit zu einer anderen, von einem Thema zum anderen. Die an sich so originellen – ich nenne es mal „alternativen Wahrheiten“ – zur Entstehungsgeschichte der Menschheit, büßten somit für mich oftmals etwas an Plausibilität und somit Witz ein. Das wäre aber bestimmt wiederum kein Problem wenn man es nicht am Stück liest, sondern Teil für Teil für sich.

Die Aussage ist für mich: der Mensch sollte sich nicht so ernst nehmen und mal einsehen, dass er nur ein sehr kleiner Fisch im Teich (Zelle in einem Körper? Elementarteilchen im Universum?) ist, und dass wir uns ohne ein paar glückliche Fügungen (ob nun Aliens daran beteiligt waren oder nicht) längst selbst ausgerottet hätten. Die alltäglichen beobachtbaren Eigenarten des Menschen werden einem durch die Augen eines Außerirdischen erst nochmal richtig ins Bewusstsein gebracht. Und man kann einfach nicht anders, als über sich selbst zu lachen!
Fazit

Insgesamt eine witzige, originelle und lockere Lektüre mit einem Schreibstil von großem Wiedererkennungswert!

Empfehlenswert für alle Fans von Geschichten wie „Per Anhalter durch die Galaxis“ und für alle, die ein paar Lacher zwischendurch (z.B. auf dem Weg zur Arbeit in Bus und Bahn oder in der Mittagspause) suchen und wie ich glauben, dass es da draußen bestimmt noch mehr gibt und sowieso nichts so ist, wie es scheint… Für eine ausgiebige, durchgängige Lektüre, wenn man einen Roman erwartet, war es für mich aber zwischenzeitlich etwas zu viel des Guten.

Definitiv ein tolles Debüt! Ich freue mich schon auf mehr! Das nächste Buch soll wohl ein Roman werden…ich bin sehr gespannt!


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Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Milan Kundera , Susanna Roth
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.09.2009
ISBN 9783596510979
Genre: Klassiker

Rezension:  
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carri, coh, homeless, jarri, leviwiedemann, levi wiedemann, lieb, lusti, obdachlosigkeit, spannend, traurig

Homeless

Levi Wiedemann
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 17.02.2016
ISBN 9781530100743
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt

Homeless erzählt die Geschichte des 16-jährigen John Hartwell, der seine Familie im wohlhabenden Londoner Stadtteil Notting Hill zurückgelassen hat und nun versucht, sich auf den Straßen der fiktiven Kleinstadt Braxton durchzukämpfen. Gemeinsam mit ein paar anderen Straßenkids findet er Unterschlupf im Betonklotz, einem heruntergekommenen und kaum genutzten Parkhaus. Doch kurz bevor der Herbst richtig Einzug erhält und die Nächte unerträglich kalt werden, geht ihre Bleibe eines Nachts unter mysteriösen Umständen in Flammen auf.
Mehr schlecht als recht versucht sich die Gruppe weiter durchzuschlagen und eine neue Unterkunft zu finden. Der nasskalte englische Winter macht dies natürlich nicht einfacher. Es gibt auch andere obdachlose Jugendliche in Braxton, die in einer alten Fabrik hausen…mit Heizung und fließend Wasser. Doch kann John ihnen und vor allem ihrem zwielichtigen Anführer Cain trauen und warum ist Patrick, das selbsternannte Oberhaupt seiner eigenen Gruppe, ihm gegenüber so feindselig gestimmt? Als wäre das nicht alles schon genug, gibt es da auch noch ein Mädchen in der Gruppe – Carrie – die John gehörig den Kopf verdreht.

Meine Meinung

Ich war von der ersten Seite an gefesselt. Der Autor fackelt nicht lange und lässt den Leser direkt in das Geschehen und die Straßenatmosphäre eintauchen. Flüssig folgt ein Ereignis aufs andere, sodass es nie langweilig wird. Während meines Studiums der Sozialen Arbeit hatte ich häufiger mit dem Thema Obdachlosigkeit zu tun. Mir ist klar, dass es unglaublich viele verschiedene Gründe geben kann, auf der Straße zu landen und dass viele die Freiheit auf der Straße einem Leben in Zwängen vorziehen, aber auch, wie gefährlich und traumatisch dies sein kann. Dennoch war es für mich unglaublich interessant, dieses Leben intensiv aus der Sicht eines nicht mal volljährigen Jungen zu erleben und ich kann sagen, dass dieses Buch es keinesfalls verherrlicht oder in irgendeiner Form romantisiert, was ich vorher etwas befürchtet hatte. Keiner der Jugendlichen würde auf der Straße leben, wenn er die Wahl hätte.
Auch John als Protagonist hat mir ganz gut gefallen. Ich konnte seinen Hass auf seine Familie und seine Verzweiflung sehr gut nachvollziehen, allerdings war er mir genau, wie viele andere Charaktere in dem Roman etwas zu sprunghaft, was seine Entscheidungen und Einstellungen anging. Im einen Moment kann er Patrick nicht leiden, hält ihn für ungerecht, aggressiv und unberechenbar und im nächsten ist er für ihn plötzlich der geborene Anführer, auf den er sich jederzeit verlassen kann. Diese veränderten Ansichten sind ja durchaus realistisch passieren aber viel zu schnell. Ähnlich verhält es sich in seiner Beziehung zu Carrie. Obwohl die beiden sich ja schon lange kennen müssen, entwickelt sich so plötzlich eine unsterbliche Liebe, die aber auch genauso schnell wieder in Frage gestellt werden kann?
Ähnlich ist es mit den Handlungen und Ereignissen. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass sich der Autor sich etwas mehr Zeit bei einigen Erzählsträngen gelassen hätte. Stattdessen folgte eins aufs andere, was zwar zur Spannung und zum Lesefluss beitrug, manche Entscheidungen der Charaktere aber als etwas unüberlegt und überstürzt und zudem wenig glaubwürdig erscheinen ließ. Vielleicht trägt das Leben auf der Straße aber auch dazu bei, sich schnell an kleinste Hoffnungsschimmer zu klammern, Angebote anzunehmen und genauso schnell Dinge und Menschen hinter sich zu lassen…
Die Liebesgeschichte zwischen John und Carrie stand für mich oft ein wenig zu sehr im Vordergrund – vielleicht, weil ich eigentlich keine Liebesgeschichte erwartet hatte – und war auch vor allem durch die genannte Sprunghaftigkeit für mich ziemlich überladen. Aus etwas anfänglich so Unschuldigem wurde ziemlich sehr schnell großer Ernst, das hat mich etwas genervt. Andererseits passt es vielleicht wie schon gesagt auch zu dieser Situation der Einsamkeit, sich sehr schnell an etwas zu klammern.
Johns innere Monologe haben mir zudem sehr gut gefallen, sie waren tiefgründig und oftmals weise.
Der Schreibstil hat mir aber im Gegenteil zum für meinen Geschmack etwas etwas zu rasanten und holprigen Erzählaufbau sehr gut gefallen. Der Autor nutzte an den richtigen Stellen einen direkten, einfachen und sehr nüchternen Schreibstil, in anderen Situationen z.B. in Johns Gedanken und inneren Monologen, war dieser jedoch viel bildhafter und spielerischer, sodass man sich einzelne Passagen sogar als eigenständiges Gedicht vorstellen könnte.
Die Aussage bzw. Relevanz des Buches fand ich ebenfalls toll bzw. wichtig. Nur selten gibt es Romane über jugendliche Obdachlose, obwohl alleine in Deutschland laut der Offroad Kids Stiftung jährlich ca. 2500 Jugendliche ab 12 Jahren wenigstens zeitweise auf der Straße landen. Zudem werden die Jugendlichen in Wiedemanns Roman nicht in eine Schublade gesteckt. Es sind keine verzogenen Ausreißer, auf der Suche nach Freiheit und Anarchie, die betteln und stehlen, Drogen nehmen und in den Innenstädten herumlungern. Es sind auch nicht nur Jugendliche, die durch ein sozial benachteiligtes oder nicht vorhandenes Elternhaus schon irgendwie in dieses Leben hineingeboren wurden. Zudem wird das Leben auf der Straße keineswegs durch Freiheit, Zusammenleben mit anderen Jugendlichen und Lagerfeuerromantik verherrlicht. Eher wird dem Leser hier die harte Realität von Kälte, Hunger, Misstrauen und Einsamkeit, trotz vieler Mitstreiter vor Augen geführt.
Obdachlosigkeit ist ein wichtiges Thema, das bei ca. 335.000 (Stand 2016) wohnungslosen Menschen in Deutschland und einer steigenden Wohnungsknappheit keineswegs unter den Teppich gekehrt werden darf. Es gibt so viele Gründe die dazu führen können…
Und der Weg aus der Obdachlosigkeit heraus ist auch nicht einfach, obwohl man in Deutschland durchaus mehr Hilfe bekommen kann als in vielen anderen Ländern. Als Mensch „ohne festen Wohnsitz“ einen Job oder eine neue Wohnung zu finden ist aber auch hier nicht so leicht, gerade beim derzeitigen Wohnungsangebot….
Das sind alles Dinge die man im Hinterkopf behalten sollte. Und es sind Themen die in diesem Buch gut aufgefangen werden. Hinzu kommt speziell die Problematik der Jugendlichen, die sich an keine richtige Hilfe, ja nicht mal an das Krankenhaus wenden können, aus Angst, in ein Heim gesteckt oder zu ihren Eltern zurückgebracht zu werden, vor denen ja viele gerade erst geflohen sind.
Ich finde, dass man in diesem Roman einen guten Einblick in die Probleme, die Gefühlswelt und das Leben obdachloser Jugendlicher bekommt. Durch die Liebesgeschichte zwischen John und Carrie wird aber auch deutlich, dass es andererseits ganz normale Jugendliche mit „alltäglichen“ Problemchen sind.
Das Cover-Design finde ich ziemlich passend und auch der einfache Titel fasst gut zusammen, worum es grundlegend in diesem Buch geht.

Fazit

Insgesamt ist es ein schöner und leicht zu lesender Roman, der mich vor allem durch seine Thematik überzeugte. Die schnelle und lockere Erzählweise war mir zwar oftmals zu holperig und sprunghaft, trug aber sehr stark zum Lesefluss und Spannungsaufbau bei – sonst hätte ich nicht beide Bände an einem Wochenende gelesen.
Ein spannender Debütroman von einem jungen und vielversprechenden Autor!

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dystopie

The Thousandth Floor

Katharine McGee
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Children's Books, 30.08.2016
ISBN 9780062564801
Genre: Sonstiges

Rezension:

Manhattan ist im Jahre 2118 noch mehr in die Höhe geschossen und zwar in einem einzigen Gebäude, genannt einfach „Der Tower“. Ganze Tausend Stockwerke ragt dieser Riese in den Himmel empor.
In diesem Turm leben auch Avery, Leda, Eris, Watt und Rylin.
Während Rylin, die versucht, sich und ihre Schwester nach dem Tod ihrer Mutter irgendwie mit mühseligen Jobs über Wasser zu halten und Watt, der sich mit semi-legalen Hacker-Jobs ein bisschen was dazuverdient, enge Appartements auf den unteren Etagen bewohnen, spielt das Leben von Avery, Eris und Leda in den „upper floors“ nach ganz anderen Regeln. Glamuröse Partys, Shopping-Touren und Yoga-Stunden in exklusiven Clubs gehören dort zum Alltag. Doch auch sie habe ihre Probleme. Leda hat den Sommer nicht, wie jeder glaubt, im Urlaub verbracht, sondern in einer Entzugs-Klinik. Eris findet erschreckende Wahrheiten über ihre Familie heraus, die ihr Leben zu zerstören drohen, und Avery, das Mädchen das alles hat, das mit modernster Gentechnik aus den besten Genen ihrer Eltern zusammengemixt wurde, um „perfekt“ zu sein, die das Penthouse im tausendsten Stock bewohnt, die scheinbar alles haben kann, wovon man nur zu träumen wagt, will aus tiefstem Herzen nur das Eine, was sie doch niemals haben kann…
Averys und Ledas Freundschaft wird auf die Probe gestellt und droht für immer zu zerbrechen und auch Eris sieht sich bald gezwungen sich von ihnen abzuwenden. Rylin und Watt hingegen, werden immer mehr in die komplizierten Verhältnisse der Upper-Class verstrickt.
Das Schicksal nimmt seinen Lauf bis eine Party für eine von ihnen tödlich endet.
Der Aspekt, der mich sofort gefesselt hat, war der Turm… und außerdem der Fakt, dass direkt im Prolog ein Mädchen, unbekannter Identität bei einer Party aus dem obersten Stock stürzt, bevor die Geschichte erst einmal ein paar Monate zurückspringt.
Aber zuerst mal zurück zum Turm:
Auf interessante Zukunftsvisionen springe ich immer schnell an und dass die Menschheit es in dieser mal geschafft hat sich nicht durch Kriege, Umweltverschmutzung oder unüberlegte Experimente selbst fast komplett zu Grunde zu richten, einen großen Teil zu versklaven oder die Erde gänzlich unbewohnbar zu machen, schien mir ziemlich erfrischend.
Der Tower macht dennoch das soziale Gefälle der Bewohner Manhattans mit großem Symbolcharakter sichtbar: oben wohnen die Superreichen, in der Mitte tummelt sich die Mittelschicht und unten leben die, die jeden Monat darum bangen müssen, ob sie es schaffen, das Geld für die Miete rechtzeitig zusammenzukratzen und dann noch genug zum Essen zu haben.
Der Tower ist somit eine Welt für sich, deren Bewohner ihn nur selten verlassen. Ganze ehemalige Bezirke Manhattans sind darin nachgebildet, sogar die Parks finden sich im Turm wieder. Die meiste Zeit war ich während des Lesens einfach nur von dieser Vorstellung fasziniert.
Auch andere technische Errungenschaften, die sich die Autorin ausgedacht hat, sind sehr interessant. Die Menschen tragen Kontaktlinsen, die wie unsere heutigen Smartphones funktionieren. Alle wichtigen Infos, eingegangene Nachrichten etc. werden dadurch direkt in die Augen projiziert. Durch leises Murmeln werden diese bedient. Watt, der über ein enormes technisches Know-How verfügt, hat diese für sich sogar mit einer illegalen künstlichen Intelligenz erweitert, die ihm natürlich einige Vorteile verschafft.
Von diesem Setting und dem ganzen technischen Firlefanz einmal abgesehen, hat die Story jedoch sehr große Ähnlichkeit mit der Gossip Girl-Reihe, sogar die Charakter-Konstellation erinnerte mich immer wieder daran. Doch diese Story geht noch weiter als die Lügen und Intrigen. Die Ausmaße, die das Ganze mit Erpressungen, illegalen Machenschaften und am Ende sogar einem unnatürlichen Todesfall annimmt, lässt an Pretty Little Liars denken.
Die enormen Ähnlichkeiten zu den beiden genannten Reihen, sorgen leider dafür, dass ich für die Story keine vollen fünf Sterne geben kann, obwohl die Idee des Towers, diese verdient hätte.
Die Ähnlichkeit hat mich jedoch beim Lesen überhaupt nicht gestört, der Roman ist nämlich mindestens genauso spannend – ein absoluter Page-Turner!
Die Charaktere sind leider wirklich nichts Besonderes. Wie schon gesagt, erinnern auch sie mich an die Charaktere in Gossip Girl und sind meiner Meinung nach leider sehr stereotypisch und oberflächlich.
Der Story tut das jedoch keinen Abbruch, denn sie lebt von der Spannung. Auch die Erzählweise, dass in jedem Kapitel die Erzählperspektive zu einem anderen der genannten Charaktere wechselt, trägt dazu bei. Da kommt das typische nervenaufreibende IchWillAberJetztWissenWieEsHierWeiterGeht-Gefühl auf! Und dabei ist es gut, sich schnell in die Charaktere hineindenken zu können.
Der Schreibstil ist ebenfalls sehr locker und einfach und trägt somit gut zum Lesefluss bei. Ich persönlich hätte mir an manchen Stellen noch mehr Erklärungen zur Architektur und zum inneren Aufbau des Turms gewünscht…Andererseits lässt das natürlich auch viel Freiraum für die Fantasie. Falls die Story mal verfilmt wird (und das will ich hoffen!) bin ich gespannt, wie die Filmemacher das interpretieren.
Die Aussage finde ich bezogen auf die Zukunftsvision, dass die Menschen sich angesichts zunehmender Überbevölkerung und Landflucht in den Ballungsgebieten nun in die vertikale Richtung ansiedeln und dies eine fast symbolische Wirkung auf das soziale Gefüge der Gesellschaft hat, ziemlich interessant und fast schon sozialkritisch.
Das altbekannte Geplänkel über die Reichen und Schönen, zu denen jeder dazugehören möchte, deren Leben aber auch seine dunkle Kehrseite hat und die Weisheit „Je höher du kommst, desto tiefer kannst du fallen“ (in diesem Zusammenhang fast schon ironisch wörtlich zu nehmen) sind aber einfach nur das: altbekannt und ausgelutscht. Es geht sowieso nie ein Charakter mit der Einsicht daraus hervor, lieber von Anfang an die Finger davon zu lassen und sich mit einem einfachen, glücklichen Leben zufrieden zu geben. Das glamouröse, oberflächliche Upper-Class-Leben scheint immer das Erstrebenswerteste zu sein…das stört mich ein bisschen.
Aber gut, ein solcher Roman, der so sehr von der Spannung lebt, braucht auch keine tiefgründige Aussage, solange es Spaß macht, ihn zu lesen! Und das machte es mir auf jeden Fall!
Titel und Cover finde ich in dieser Version hervorragend. „The thousandth Floor“ klingt mysteriös und irgendwie bedrohlich. Der Turm der schillernd vor dem düsteren Hintergrund emporragt trägt zu dieser Wirkung bei. Warum in der deutschen Version „Beautiful Liars“ daraus gemacht werden musste und der Turm durch ein nachdenklich nach unten schauendes hübsches Mädchen ersetzt werden musste ist mir gänzlich unerklärlich. Damit es noch mehr nach Pretty little Liars, Gossip Girl, The Lying Game etc. klingt und aussieht? Pack die „Lüge“ in den Titel und das Ding verkauft sich?!
Immerhin weiß man beim deutschen Titel auch, was man in etwa bekommt, nur dass der Fokus auf das Einzigartige, Interessante in diesem Roman – der Turm – fehlt…
Fazit
Eine spannende und leicht zu lesende Story über die Lügen und Intrigen hinter der schillernden Fassade der High Society, die hier wirklich ziemlich hoch über den Wolken schwebt! Durch das Interessante Setting und die Science-Fiction-Elemente, hebt sich dieser Roman zudem von vielen anderen ab.
Für Fans von „Pretty Little Liars“ und „Gossip Girl“ absolut zu empfehlen!
Band 1 lässt zum Schluss viele Fragen offen und Band 2 wird am 29.08.2017 auf Englisch erscheinen! Ich will definitiv wissen, wie es weiter geht!

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