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Blütenschwarz

Silke Bauerfeind
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 07.10.2015
ISBN 9783738642971
Genre: Biografien

Rezension:

Das Buch „Blütenschwarz“ ist eine gelungene Komposition aus vier Erzählungen.

„Aus der Welten Krümmung“ hat mich sofort in den Bann gezogen und zwar sprachlich wie inhaltlich. In sensibler poetischen Wortwahl entführt S. Bauerfeind mich als Leserin in das Leben eines autistischen Kindes, welches in einer Welt ankommt, für die die Sinne dieses Kindes nicht gemacht sind. Eine Welt, in der von Beginn an das Chaos herrscht. Detailliert und sehr einfühlsam wird das Anderssein dieses kleinen Menschen erzählt, ohne Verzweiflung oder Aussichtslosigkeit vermuten zu lassen. Bauerfeind wählt eine leise Sprache, leise Worte, die dennoch das Innerste des Lesers erreichen. Unaufdringlich, nachhaltig. Diese Geschichte hat mich tief berührt ohne Klischees zu bedienen. Für mich ist diese kleine Erzählung eine ganz Große, nämlich unvergesslich.

„Der Geruch von Schnee“ erzählt die Geschichte Elenas, welcher in ihrem Leben unterschiedliche Formen von Gewalt widerfahren ist. Die Autorin versteht es, den Leser Schritt für Schritt in die dramatische Kindheit Elenas hineinzuziehen, bis einem fast der Atem ausgeht. Doch zum Ende hin, erlöst die Gegenwart die Tragödie der Kindheit. Es folgt die Befreiung einer jungen Frau, die in der Liebe, der Partnerschaft Halt und eine Zukunft findet, ohne die Vergangenheit zu verdrängen.

„An einen Dirigenten“ ist eine philosophische Erzählung, die sehr dicht Betrachtungen zur Kunst darlegt. Eine Frau entführt den Leser in Gedankenwelten. Das Beobachten eines Dirigenten löst in ihr verschiedene Fragen aus. So als berühre jeder Ton ihr Innerstes. Die Melodien durchdringen die Beobachterin, bringen ihre Gedanken in Bewegung, lassen sie fließen, fluten, branden. Sie stellt die Frage nach dem Sinn und Zweck von Kunst, nach deren Daseinsberechtigung. Sie stellt die Frage, ob Kunst ein Mantel sei, der ein Wesen verbirgt, verzaubert, verändert? Friedlich endet die Erzählung. Friedlich, unaufgeregt, versöhnlich.

„Bittermandel“ heißt die vierte Erzählung. Katharina ist alt und krank. Sie lebt in einem Haus am Meer, nur mit einer Katze. Sie blickt auf ihr Leben zurück und beginnt durch Tagebuchaufzeichnungen, Begebenheiten aus ihrer Familien zu erinnern. 10 Jahre ist sie alt, als der Krieg ausbricht und sie muss erleben, wie ihr behinderter Bruder Paul nach einer Sterilisation im Sinne des NS Regimes, stirbt. Ein Schlüsselerlebnis, das weitere Familiengeheimnisse nach sich zieht. Schonungslos werden diese aufgedeckt. Katharina steht am Ende ihres Lebens, kann sich dadurch eine grenzenlose Offenheit leisten. Durch die Stimmung am Meer im Winter und die Wahl der Worte, zuweilen der Wortfetzen, die keine

wohlgeordnete Sprache mehr erlauben, da der Inhalt verletzt, entsetzt, stellt die Autorin den Leser nahezu nackt mitten in diese Tragödie. Es ist, als passiere es jetzt. Direkt und nah. Die Gewalttaten des Dritten Reiches versetzen in Atemlosigkeit, lässt die Verwundungen miterleben und dennoch herrscht am Ende der Erzählung ein tiefer Frieden. Auch in dieser Geschichte gelingt am Ende eine Wende. Das Gute deckt sich sanft über das Grauen der NS Zeit.

Alle vier Geschichten berühren tief. Sie thematisieren psychische Probleme bis hin zu menschlichen Abgründen. Die blütenschwarze Seele, die sich durch das Erzählen öffnet und letztendlich lichtvoll erblüht.

Danke an die Autorin, die sich nicht scheut, menschliche Schicksale zu ergründen, die tief in die Sinnhaftigkeit eindringt und den Leser am Ende in die Erkenntnis führt, dass alles, auch das Dunkle, das Negative einen Sinn hat und überwunden werden kann.

Ein faszinierendes Buch, das es schafft, ohne Wertung menschliche Schwierigkeiten und menschliches Fehlverhalten differenziert aufzuzeigen, ohne auch nur ansatzweise in die Versuchung von Anklage zu verfallen. Im Gegenteil, es vollzieht sich eine starke Entwicklung der Charaktere, die aus ihrem Erlebten Kraft schöpfen. Der Autorin gelingt ein sehr würdiger und niveauvoller Umgang mit menschlichem Versagen oder Fehlverhalten. Es liegt nahe, dass der „Mantel der Kunst“, der auch S. Bauerfeind umgibt, sie zu einem versöhnlichen, wertvollen Menschen gemacht hat.

Ein absolut zu empfehlendes Buch für Leser, die sich nicht scheuen mit den Grauschattierungen des Lebens philosophisch tiefgründig auseinanderzusetzen und daran zu wachsen. 

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literarisch wertvoll, biographisch angehaucht, authentisch

Hinter dem Rot

Sabine Katharina Wallefeld
E-Buch Text: 328 Seiten
Erschienen bei Bergischer Verlag, 19.03.2015
ISBN 9783943886832
Genre: Romane

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