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796 Bibliotheken, 20 Leser, 3 Gruppen, 108 Rezensionen

dystopie, alexandra bracken, die überlebenden, flucht, liebe

Die Überlebenden

Alexandra Bracken , Marie-Luise Bezzenberger
Flexibler Einband: 550 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.08.2014
ISBN 9783442479085
Genre: Science-Fiction

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529 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

krebs, liebe, krankheit, freundschaft, jugendbuch

Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe

A. J. Betts , Katharina Diestelmeier , Anja Malich
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 25.09.2014
ISBN 9783596856619
Genre: Jugendbuch

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350 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 97 Rezensionen

ritzen, liebe, lehrer, ilsa j. bick, atemnot

Atemnot

Ilsa J. Bick , Anke Caroline Burger
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei INK, 04.09.2014
ISBN 9783863960643
Genre: Jugendbuch

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363 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 44 Rezensionen

roadtrip, liebe, new adult, erotik, musik

Wenn du mich küsst, dreht die Welt sich langsamer

Jessica Redmerski , Christoph Göhler
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.06.2014
ISBN 9783442383269
Genre: Liebesromane

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2.135 Bibliotheken, 94 Leser, 8 Gruppen, 236 Rezensionen

bücher, fantasy, bibliomantik, magie, libropolis

Die Seiten der Welt

Kai Meyer
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 25.09.2014
ISBN 9783841421654
Genre: Jugendbuch

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482 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 88 Rezensionen

antonia michaelis, suche, jugendbuch, eltern, november

Niemand liebt November

Antonia Michaelis , Kathrin Schüler
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 20.08.2014
ISBN 9783789142956
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zum Inhalt:

Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklärliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heißt, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflöst, sobald sie sich ihm nähert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, und der immer für sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhält? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstörerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft. (© Oetinger Verlag)

Meine Meinung:

“Zwei Fragen.
Erstens: Ist es sinnvoll, weiterzuleben?
Zweitens: Ist es sinnvoll, alleine Geburtstag zu feiern?
Ein Teil von ihr hatte gedacht, sie würden an ihrem Geburtstag wieder da sein. Mit einem Geschenk. Sie waren jetzt seit einer Woche weg. Sie wusste nicht, was passiert war. Sie hatte geschlafen.
Sie hatte den Kuchen ganz allein gebacken. Gut, dass sie die Kerzen gefunden hatte. Vier Stück. Zwei zu wenig. Sie war sechs Jahre alt.” (Seite 7)

“Niemand liebt November” – der Titel ist Programm. In Novembers Vergangenheit. In Novembers Gegenwart.

Antonia Michaelis’ schafft es immer wieder, mich mit den ersten Worten ihrer Geschichte in diese hineinzuziehen. Und am Ende, wenn ich aus dieser wieder in die reale Welt auftauche, fühle ich mich emotional erschöpft, ausgelaugt. Die Schicksale ihrer Protagonisten gehen mir unter die Haut. Auch ihr neuestes Jugendbuch bildet da keine Ausnahme.

November Lark, Spitzname Amber, ist ein einsames Mädchen. Mit ihren 17 Jahren hat sie schon einiges erlebt. Nach dem Verschwinden ihrer Eltern kurz vor ihrem sechsten Geburtstag kam Amber in diverse Heime und Pflegefamilien. Zuletzt lebte sie in einer betreuten WG. Doch Amber hatte immer Probleme, sich in den verschiedenen Einrichtungen anzupassen. Unablässig trieb sie das Gefühl, dass ihre Eltern noch leben. Dass sie sie bloß finden muss, damit ihr Leben wieder lebenswert wird.

“Etwas in ihr schmerzte. Weil nur Lucy Andrusch Pajak küsste und weil November Lark, die echte November, sich danach sehnte, von einem Jungen in die Arme genommen zu werden, der Bücher las und ein rot-gelbes Igluzelt besaß. Von einem Jungen, der auf unerklärliche Art zu ihr gehörte. Und den sie doch nicht finden konnte.” (Seite 51)

Das daraus resultierende Gefühl der Leere und der Unvollständigkeit hat Antonia Michaelis mit ihren Worten wunderbar transportiert. So habe ich zu keiner Zeit an Ambers Taten, Gedanken und Gefühlen gezweifelt. Ich verspürte vielmehr das Bedürfnis, Amber bei ihrer Suche helfen zu wollen. Doch mehr, als ihr meine volle Aufmerksamkeit zu schenken und sie lesend auf ihrem Weg zu begleiten, konnte ich leider nicht tun.

Ambers Charakter hat von der Autorin viele passende Facetten verliehen bekommen. Auf der einen Seite unsicher und introvertiert, kann sie aber auch provokant und aufreizend sein – in Situationen die Amber zu überfordern scheinen. Dann wird aus Amber Lucy. Lucy kann Menschen, vor allem Männer, um den Finger wickeln, Antworten aus ihnen herauslocken. Doch um das zu erreichen tut Lucy Dinge, die Amber zwar die fehlende und nötige Wärme geben, ihr aber in gleicher Weise auch schaden.

“Ihr Handgelenk schmerzte, dort, wo Katja sie festgehalten hatte; das Gefühl war ganz anders als der Schmerz, für den sie bezahlt worden war. Es reichte tiefer. Und das erstaunte sie selbst.” (Seite 299)

Die anderen Charaktere sind ähnlich vielschichtig. Selbst die namenlose Katze, Ambers treue und ständige Begleiterin, zeichnet sich durch einen – zugegebenermaßen von Amber eingebildeten – tiefgründigen Charakter aus. Kneipenwirt Katja, der lesende Junge im rot-gelb leuchtenden Igluzelt und der unbekannte Drohbriefschreiber sowie die Unterschlupf gewährende alte Dame runden die Geschichte, jeder auf seine eigene Art und Weise, ab.

Düster ist die Grundstimmung und auch Färbung der Geschichte – in vielerlei Hinsicht. Die Aura, die Amber umgibt; das Winterwetter in der Großstadt; der Hausflur, in dem Amber ihre Nächte verbringt … Und das ein oder andere Mal wird aus düster auch pechschwarz und dunkel wie die Nacht. Lichtblicke gibt es nur selten. Und wenn, dann in Form des gelb-rot leuchtenden Igluzeltes.

“Sie war nicht mehr als ein Gegenstand. Man konnte ihn wegwerfen oder aufbewahren, für später. Sie fragte sich, ob man nach Gebrauch Pfand für die leere Hülle bekam.” (Seite 238)

Ambers Suche gleicht einer Schnitzeljagd. Mit jedem neuen Hinweis kommt sie dem Rätsel um das Verschwinden ihrer Eltern ein Stückchen näher. Während ihrer Suche lässt sie sich weder durch die mysteriösen Drohbotschaften noch von Katjas Einwänden aufhalten. Denn am Ende, wenn sie ihrer Eltern und somit die Liebe gefunden hat, wird alles wieder gut werden. Davon ist Amber felsenfest überzeugt. Und ich war es auch. Ich habe mit und für Amber gehofft, dass ihre Wünsche – auch die geheimsten – wahr werden.

Im Verlauf der Geschichte passiert so einiges. Amber geht durch viele Tiefen und ab und zu erlebt sie auch mal ein kleines Hoch. Ich klebte wie gebannt an den Seiten und wollte zusammen mit Amber das Geheimnis lösen. Als sich der Nebel der Unwissenheit dann zum Ende hin mehr und mehr verzieht, sieht man zwar einiges deutlicher aber nicht unbedingt klarer. Und für meinen Teil war die Auflösung des Verschwindens ein wenig du dürftig für ein Buch dieses Formates. Das ist aber auch schon der einzige, kleine Minuspunkt und die Auswirkungen auf meinen Gesamteindruck sind nicht von großer Bedeutung.

“Niemand liebt November” war mein drittes Jugendbuch der Autorin und kann problemlos mit “Der Märchenerzähler” und “Die Worte der weißen Königin” mithalten. Antonia Michaelis’ ganz eigene Art und Weise zu schreiben liegt sicherlich nicht jedem. Für mich sind ihre Bücher aber immer ein ganz besonderes Lesevergnügen.

»Jetzt gehörst du mir«, flüsterte er. »Ich bin der Letzte, dem du gehörst. Und damit eigentlich der Einzige.« (Seite 392)

© bookwives.de

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569 Bibliotheken, 16 Leser, 0 Gruppen, 106 Rezensionen

new york, 20er jahre, the diviners, jugendbuch, magie

The Diviners - Aller Anfang ist böse

Libba Bray , Barbara Lehnerer
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.10.2014
ISBN 9783423760966
Genre: Jugendbuch

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101 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

amerika, zukunft, gregory sherl, baltimore, futuristen

Ab morgen ein Leben lang

Gregory Sherl , Stefanie Jacobs , Simone Jakob
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 03.04.2014
ISBN 9783832197469
Genre: Liebesromane

Rezension:

Zum Inhalt:

Evelyn Shriner arbeitet in einer Bibliothek und ist begeisterte Anhängerin von Vergegenwärtigungen. In der Praxis des Futuristen Dr. Chin lässt sie sich regelmäßig mithilfe einer Vergegenwärtigungsapparatur ihre romantische Zukunft mit jedem Mann, der ihr einfällt, zeigen und hofft, so die große Liebe zu finden. Doch der Richtige scheint bislang nicht dabei zu sein und auch die Zukunft mit ihrem aktuellen Freund Adrian ist nicht die, die Evelyn sich wünscht.
Godfrey Burkes arbeitet in einem Fundbüro und hält Futuristen und Vergegenwärtigungen für Quatsch. Doch seine Freundin Madge besteht nach seinem Heiratsantrag darauf, dass die beiden sich in unterschiedlichen Praxen ihre gemeinsame Zukunft vergegenwärtigen lassen, bevor sie Ja sagt.
Was weder Evelyn noch Godfrey bewusst ist, als sie sich in der Warteschlange bei Dr. Chin kennen lernen: In Fällen von wahrer Liebe kann es zu Systemfehlern kommen.

Meine Meinung:

»Dr. Chin präsentiert: Die Zukunft für Weitsichtige.« Und darunter steht: »Es ist leichter, sich für eine Zukunft zu entscheiden, wenn man die Optionen kennt.« (Seite 31/32)

Was im ersten Moment vielleicht furchtbar kitschig und absolut stereotyp zu sein scheint, entpupp sich recht schnell als eine Perle unter den Liebesgeschichten. Eine Liebesgeschichte ohne Kitsch, mit ernsten Untertönen und blumigen Gefühlen. Eine Geschichte aus dem Leben. Ein Leben, das wir alle führen könnten, wenn es diese Vergegenwärtigungsapparaturen wirklich geben würde.

Evelyn und Godfrey sind zwei echte Marken. Sie zeichnen sich durch ihre Eigenarten aus, sind wunderbar skurril und doch auf dem Boden geblieben. Und im Grunde wollen auch beide bloß das eine: die große Liebe finden und nie wieder los lassen. Die Nebendarsteller runden den bunten Charaktermix perfekt ab – allen voran Dot, Evelyns beste und kleptomanische Freundin. Und selbst die Figuren, die keinen richtigen Auftritt im Buch haben, sondern lediglich als Gedanken vorkommen, passen perfekt in die Geschichte.

“Hätte es Futuristen schon vor der Heirat meiner Eltern gegeben, hätten sie es sich womöglich anders überlegt. Und wäre meine Mutter durch eine Vergegenwärtigung vorgewarnt gewesen, dass Mart Thigpen ihr einen Braten in die Röhre schieben und sie sitzenlassen würde, dann gäbe es mich womöglich gar nicht. Vielleicht ist das einer der Hauptgründe, warum all das für mich keinen Sinn ergibt. Es rührt an meine Existenz und die zarte, zweifelhafte, hypothetische Existenz meiner Nachkommen.” (Seite 62)

Gregory Sherl führt den Leser gekonnt durch seine Geschichte und hat seine Grundidee solide umgesetzt. Er überzeugt durch seinen tollen Schreibstil, der humorig, ernst, sarkastisch, liebevoll, rasant, verwirrend, erleuchtend ist. “Ab morgen ein Leben lang” ist zwar nicht rasend spannend, aber zu jeder Zeit hoch interessant. Der Autor speist den Leser nämlich nicht bloß mit der ersten Begegnung von Evelyn und Godfrey und den daraus resultierenden Folgen ab. Es ziehen sich viele Fragen durch das Buch – manche offensichtlich, andere versteckt zwischen Zeilen, Taten und Gedanken. Kann man jemanden wirklich lieben, wenn man ihn nicht wirklich versteht? ist eine dieser Fragen. Auf diese und andere geht der Autor in seiner Geschichte ein. Auf die eine mehr, auf die andere weniger. Mal im großgesponnenen Bogen, mal in dem kleinen Kosmos des Einzelnen. Dabei verliert er seine Geschichte aber nie aus den Augen und kehrt immer wieder zum Geschehen zurück.

“Gibt es überhaupt gute Vergegenwärtigungen oder werden sie alle heimlich von der Pharmaindustrie gesponsert, um den Verkauf von Antidepressiva anzukurbeln?” (Seite 198)

Die Idee der Vergegenwärtigungen finde ich ungemein interessant. Was wäre wohl in der Welt los, wenn sich jeder seine romantische Zukunft mit wem auch immer zeigen lassen könnte? Würden wir, weil wir unser Liebesleben ja quasi beliebig steuern könnten, überhaupt noch die große, wahre Liebe erkennen? Sie zulassen, ohne uns ständig zu fragen, wie es wohl wäre, wenn wir Mr./Mrs. X unser Herz geschenkt hätten und nicht der Person, mit der wir vielleicht gerade im Bett liegen oder in der Küche frühstücken?

Ich bin lange um “Ab morgen ein Leben lang” drum rum geschlichen, konnte mich nicht wirklich entscheiden, ob ich das Buch lesen möchte. Jetzt hab ich es gelesen, ohne dass mir eine Vergegenwärtigungsapparatur bei der Entscheidung geholfen hat, und bereue nicht eine Seite. Gregory Sherl hat ein wunderbares Buch über den Sinn und auch den Unsinn der Liebe und all ihre Facetten geschrieben.

»Ob man glaubt, die Zukunft zu kennen oder nicht, es ist immer ein Sprung ins Ungewisse. Man muss dazu bereit sein.« (Seite 398)

© bookwives.de

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

stuttgart, lieb, halloween, episodenroman, freundschaf

Ein Tag und zwei Leben (Episode 1)

Adriana Popescu
E-Buch Text: 31 Seiten
Erschienen bei null, 02.11.2013
ISBN B00GEZ668A
Genre: Sonstiges

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535 Bibliotheken, 5 Leser, 7 Gruppen, 94 Rezensionen

thriller, robert hunter, chris carter, rache, mord

Der Totschläger

Chris Carter , Sybille Uplegger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 16.06.2014
ISBN 9783548285764
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Er sagt, du hast keine Wahl.
Er sagt, du kannst nur zusehen.
Es liegt nicht in deiner Macht, die Morde zu verhindern. (Buchrücken)

Zum Inhalt:

Robert Hunter – Detective bei einer Sondereinheit des LAPD – erhält einen merkwürdigen Anruf. Er befolgt die Anweisungen des anonymen Anrufers und landet auf einer Website, auf der er, zur Hilflosigkeit verdammt, die brutale Ermordung eines Menschen ansehen muss.
Ohne konkrete Hinweise oder Anhaltspunkte gehen die Ermittlungen in diesem Fall nur sehr langsam voran. Doch für den Täter ist es noch nicht vorbei und Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia erhalten einen zweiten Anruf. Wieder eine Website. Wieder ein brutaler Mord. Doch diesmal geht der Anrufer noch einen Schritt weiter: Hunter soll entscheiden, wie das Opfer sterben soll.
Für Robert Hunter und Carlos Garcia beginnt die Jagd auf ein Internet-Phantom, das ihnen immer einen Schritt voraus zu seien scheint…

Meine Meinung:

Chris Carter ist für mich mittlerweile ein absoluter Qualitätsgarant in Sachen Thriller. Ich musste also nicht lange überlegen, ob ich sein neustes Werk lesen will – den 5. Band der Reihe um Robert Hunter und Carlos Garcia: “Der Totschläger”.

Hunter wusste, dass der Anrufer noch in der Leitung war. »Ich tue, was ich kann, um Ihnen zu helfen. Sagen Sie mir nur, wie.«
»Nun …«, erwiderte der Anrufer. »Sie können entscheiden, wie er sterben soll.« (Seite 12)

Kaum dass ich mit dem Lesen begonnen hatte, stockte – zum Glück – auch das erste Mal mein Atem, denn der aus Brasilien stammende Autor hat sich gerade Mal eine Seite lang mit ein kleiner Einführung beschäftigt. Es hieß also direkt: mittendrin statt nur dabei.

Recht schnell wird klar, dass Chris Carter diesmal ein wenig von seinem bisherigen Schema abweicht. Statt gemeinsam mit Hunter und Garcia die einzelnen Puzzleteilchen zusammenzusetzen, muss man in “Der Totschläger” erst mal etwas finden, was zu einem Puzzleteilchen taugt. So tappt also nicht nur der Leser im Dunkeln, auch die Detectives haben wenig bis keine Ahnung, wer warum und wieso. Für eigene Spekulationen bleibt so zwar kein Spielraum, die Spannung bleibt aber die ganze Zeit über auf einem hohen Niveau und bricht zu keinem Zeitpunk ein, denn die Jagd nach den Antworten ist ungemein spannend und der Weg des Suchens natürlich mit einigen Toten gepflastert, von denen einer brutaler umgebracht wurde als der vorherige.

“Hunter und Garcia wussten beide, dass dies die schlimmste Art von Killer war, mit der es ein Detective zu tun bekommen konnte. Ein Killer, dem scheinbar alles egal war. Für den Töten nichts weiter war als ein Spiel.” (Seite 80)

Einer Sache war ich mir während der ganzen Zeit, die ich zusammen mit den Protagonisten im Dunkeln tappte, aber sicher: Es wird ja wohl einen Grund haben, dass der Unbekannte ausgerechnet Robert Hunter für seine Anrufe ausgewählt hat, oder?

Die Antworten auf alle mit der Zeit aufkommenden Fragen beantwortet Carter gut durchdacht und behandelt in seinem gesamten Buch eine Thematik, wie sie aktueller fast sich sein könnte: Wie viel Wert legt die Menschheit auf Werte wie Moral, Ethik und Empathie? Zudem spielt auch unser Umgang mit dem Internet eine große Rolle.

Als mir das ganze Ausmaß bekannt war, als ich die Hintergründe und Motive des Täters kannte, ertappte ich mich sogar dabei, dass ich ihn vom Grundsatz her verstehen konnte – mir spukte die ganze Zeit der Satz “Die falschen Taten aus den richtigen Gründen” im Kopf rum. Chris Carter hat seinem neuesten Thriller eine sehr menschliche Note gegeben, wie ich finde.

UHR – 1:58, 1:57, 1:56 …
BEGRABEN – 923.
GEFRESSEN – 999. (Seite 104)

Robert Hunter trägt (natürlich) einmal mehr das Buch. Ohne ihn wären es einfach nicht dieselben Bücher und wahrscheinlich wären sie auch nicht so gut. Chris Carter schickt mit ihm Buch um Buch einen der außergewöhnlichsten und besten Ermittler ins Rennen, der mir je in einer Thriller-Reihe begegnet ist. Doch auch der beste Profiler und Detective ist ohne seinen Partner nur die Hälfte wert, und die beiden Detectives Hunter und Garcia ergänzen sich mal wieder hervorragend.

Mein einziger Kritikpunkt ist nicht besonders schwerwiegend und hat auch nichts mit dem Buch an sich zu tun. “Der Totschläger” ist vom Titel her mal wieder ein gutes Beispiel dafür, dass man manchmal vielleicht mit lieb gewonnen Traditionen brechen sollte, denn totgeschlagen wird in diesem Thriller nun wirklich keiner. Im Original fällt der Titel mit “One by one” auch ein wenig aus dem bisherigen Rahmen, ist dafür aber perfekt auf den Punkt gebracht. Um die Reihe der bisherigen Carter-Titel fortzuführen ist der aktuelle zwar geeignet, für mehr aber auch nicht.

“Der nunmehr armlose Mann zappelte und zuckte noch einige Male, jedes Mal weniger heftig als das Mal zuvor, bis er schließlich reglos dalag.
Drei Sekunden später war die Website offline.” (Seite 301)

“Der Totschläger” ist eine rundherum gelungene Fortführung der Reihe rund um die Detectives Robert Hunter und Carlos Garcia und nicht bloß für die Fans von Chris Carter eine absolute Empfehlung im Bereich Thriller.

© bookwives.de

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164 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

unfall, krankenhaus, koma, liebe, cylin busby

Wo immer du bist

Cylin Busby , Sylke Hachmeister
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Boje, 15.04.2014
ISBN 9783414823861
Genre: Jugendbuch

Rezension:

»Ich spürte ihre Wärme, als ihre Finger meinen Arm hinaufwanderten und auf meiner Schulter liegen blieben. Sie lächelte, ihr Gesicht ganz nah an meinem. »Ich hab mir Sorgen gemacht, aber jetzt ist alles gut, oder? Ich bleibe bei dir.« (Buchrücken)

Zum Inhalt:

West liegt nach einem Unfall im Krankenhaus. Er kann sich nicht bewegen, kann nicht sprechen – und doch trifft er genau hier das Mädchen seiner Träume. Olivia ist wunderschön und geheimnisvoll – und auch sie fühlt sich zu ihm hingezogen.
Doch West spürt, dass sie etwas zu verbergen hat. Und ihm ist klar: Wenn er wieder gesund ist, muss er ihr Geheimnis unbedingt ergründen … (© Boje Verlag)

Meine Meinung:

Man schlägt das Buch auf, erwacht gemeinsam mit West in einem Krankenhaus und hat, genauso wenig wie er, eine Ahnung, warum wieso und weshalb.

Schnell wird klar, dass “Wo immer du bist” eine leise Geschichte ist. Eine leise Geschichte, die es versteht, die Leser mit viel Gefühl und auch dank der schnell auftauchenden Fragen an die Seiten zu fesseln.

Die Situation von West ist keine einfache. Er liegt in einem Krankenbett, kann sich nicht bewegen, nicht sprechen, dank der Unterstützung der plötzlich auftauchenden Olivia aber recht bald, unter enormer Kraftanstrengung, wenige Worte auf eine Tafel kritzeln. Ansonsten kommunizieren die beiden während Olivias Besuchen bei West mit den Augen – einmal blinzeln für ja, zweimal für nein.

»Das hier ist die Gegenwart, so sieht’s aus. Und wenn wir nicht hier wären, wäre ich dir nie begegnet. Und du mir auch nicht. Und dich glaube, wir mussten uns begegnen. Ich weiß nicht, warum, aber so ist es.« (Seite 73)

Gefühlvoll und intensiv beschreibt die Autorin die Geschehnisse aus der Sicht von West. Seine Gedanken, seine Ängste und seine Hoffnungen, die durch seinen Kopf kreisen, bringt sie einem ohne großen Schnickschnack nahe. Man versteht, warum West denkt, was er denkt.

Da die Geschichte von West und Olivia so angenehm ruhig verläuft, denkt man gar nicht daran, dass irgendwann ein großer Knall kommen könnte, der alles auf den Kopf stellt. Mir ging es jedenfalls so. Mit dieser alles verändernden Wendung, die die Geschichte nimmt, hätte ich nie gerechnet. Gefallen hat sie mir aber sehr gut. Ich mag den Gedanken, den die Autorin dadurch in ihrer Geschichte verarbeitet hat. Dass es mehr gibt, als wir uns vorstellen können und vielleicht auch wollen. Dass manchmal Dinge geschehen, die einem das Leben retten – auf ihre ganz eigene Art und Weise. Dass es etwas gibt, was es eigentlich gar nicht gibt, solange man nur fest genug daran glaubt.

Der Aufbau von “Wo immer du bist” gefällt mir sehr gut. Die Kapitel beginnen zum Großteil mit Rückblenden. In diesen erinnert sich West zurück an die Zeit vor dem Unfall, in der noch glücklich mit seiner Freundin Allie war, wie er sie kennen gelernt hat und wie Mike zu seinem besten Freund wurde. Es gibt darunter aber auch Passagen, die weder West noch der Leser im ersten Augenblick wirklich einordnen kann. Zum Ende hin werden sie dann aber zu einem der Schlüssel der Geschichte.

“Olivia mochte mich. Und ich war dabei, mich in sie zu verlieben. Ich lag gelähmt im Krankenhaus und verknallte mich in das ungewöhnlichste, verwirrendste, schönste, geheimnisvollste Mädchen, das mir je begegnet war.” (Seite 107)

Leider fiel das Ende für mich zu stark ab. Auf einmal war es da und West nimmt die Geschehnisse und deren Folgen dann einfach so hin. Für mich eine zu einfache und zu einfallslose Auflösung – obwohl mir dir allerletzte Satz wirklich gut gefallen hat.

Insgesamt ist “Wo immer du bist” ein wirklich tolles Jugendbuch, in dem die Grenzen zwischen dem, was wirklich geschieht und dem, was man sich wünscht, nicht immer völlig klar zu erkennen sind.

© bookwives.de

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(216)

350 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 86 Rezensionen

thriller, mord, entführung, entscheidung, helen grace

Eene Meene - Einer lebt, einer stirbt

M. J. Arlidge , Karen Witthuhn
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 02.05.2014
ISBN 9783499238352
Genre: Krimi und Thriller

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(222)

425 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 32 Rezensionen

apokalypse, dystopie, tarot, fantasy, blitz

Poison Princess

Kresley Cole , Kathrin Wolf
Flexibler Einband: 550 Seiten
Erschienen bei cbt, 12.05.2014
ISBN 9783570308981
Genre: Jugendbuch

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(186)

399 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

thriller, amnesie, spannung, mord, gedächtnisverlust

Dreh dich nicht um

Jennifer L. Armentrout , Karl-Heinz Ebnet
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.05.2014
ISBN 9783453269392
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zum Inhalt:

Als die 17jährige Samantha Jo Franco an einer verlassen Landstraße von einem Deputy aufgelesen wird, hat sie keine Ahnung, wo sie ist und wer sie ist. Sie weiß auch nicht, dass sie vier Tage lang verschwunden war, gemeinsam mit ihrer besten Freundin Cassie Winchester. Von ihr fehlt auch weiterhin jede Spur.
Sam kann der Polizei, ihren Eltern und Freunden, nicht erklären, was in den Tagen des Verschwindens geschehen ist. Sie kann ihnen auch nicht, wie es Cassie geht, denn sie hat ihr Gedächtnis verloren – sie erkennt nicht einmal mehr ihr eigenes Spiegelbild.
Mühsam versucht Samantha sich in ihrem alten, neuen Leben zurechtzufinden und muss erkennen, dass sie früher scheinbar ein echtes Miststück gewesen ist und zusammen mit Cassie ihren Mitmenschen das Leben schwer gemacht hat.
Was ist mit Cassie geschehen? Fiel sie einem Verbrechen zum Opfer? Und hat Samantha etwas damit zu tun?

Meine Meinung:

“Wie ich hieß? Jeder wusste doch, wie er hieß. Aber ich starrte den Deputy nur an. Ich konnte seine Frage nicht beantworten. Die Magenkrämpfe wurden stärker. »Ich … ich weiß nicht, wie ich heiße.«” (Seite 7)

Kaum hatte ich das Buch aufgeschlagen und die ersten Seiten gelesen, hatte mich die Geschichte auch schon gepackt. Als Leser weiß man, abgesehen davon, dass Sam verschwunden und vorher ein Ekelpaket war, nämlich nicht viel mehr als die Protagonistin selbst. Und so beginnt bereits nach wenigen Seiten die Suche nach Antworten.

Während dieser Suche fühlte ich mich Samantha unglaublich nah; wollte wissen, was an Abend des Verschwindens wirklich passiert ist, wo Cassie ist und wie es ihr geht. Vor allem aber konnte ich verstehen, warum diese Situation alles andere als einfach für Sam ist. Nicht zu wissen, was man mag, mit wem man befreundet ist, in wen man verliebt ist, und, am allerschlimmsten, nicht zu wissen, wer man selbst ist, ist nicht bloß eine 17-jährige eine äußerst schwere Situation. Zudem plagen Sam auch immer wieder Visionen aus ihrem früheren Leben, die sie nicht wirklich einordnen kann, und sie muss sich ständig fragen, warum sie ausgerechnet mit ihren früheren Freunden befreundet war und sich so unmöglich anderen gegenüber verhalten hat. Dieser innere Zwiespalt von Samantha ist auf allen Seiten deutlich spürbar und wurde von Jennifer L. Armentrout sehr gut und nachvollziehbar dargestellt.

“Überhaupt nichts war gut, und es würde auch nicht gut werden. Ich steckte hier in einem Leben fest, an das ich mich nicht erinnern konnte, steckte in der Schale dieses Mädchens – dieser Samantha Jo Franco -, und je mehr ich über sie erfuhr, umso mehr begann ich sie zu hassen.” (Seite 31)

Zum Schreibstil von Jennifer L. Armentrout kann ich gar nichts anderes sagen als hervorragend. Unnötiges Ausschmücken von Situationen, Gedanken und Äußerlichkeiten sucht man in “Dreh dich nicht um” glücklicherweise vergeblich. Auf ein intensives Leseerlebnis muss man bei diesem Jugendthriller aber nicht verzichten. Selbst dann nicht, wenn man dem Teenageralter schon eine Weile entwachsen ist.

“Wahrscheinlich hatte ich einen so üblen Ruf weg, dass mir viele unterstellten, ich hätte Cassie etwas ganz Schreckliches angetan. Ich wollte darüber nicht nachdenken, spürte aber irgendwo tief in mir die Angst, dass es eventuell genau so gewesen sein könnte.” (Seite 100)

Samanthas Suche nach Antworten und nach sich selbst ist die ganze Zeit über spannend zu verfolgen und hat mich mitgerissen. Schritt für Schritt erfährt Samantha mehr über ihr früheres Leben und muss sich dabei auf die Aussagen der Menschen in ihrer Umgebung verlassen, von denen nicht immer alle die Wahrheit sagen. Außerdem muss sie mit der ständigen Angst leben, was passieren könnte, wenn sie sich wieder erinnern kann.

Dank des guten Plots mit all seinen Überraschungen, der entstehenden Gefühle zwischen Samantha und Carson, ihrem besten Freund aus Kindertagen, und des etwas mysteriösen Touchs durch Sams Visionen fehlt es “Dreh dich nicht um” an nichts. Am Ende, nachdem alle Fragen beantwortet und alle Ungereimtheiten aufgeklärt waren, klappte ich das Buch völlig zufrieden zu und hatte das Gefühl, einen rundherum gelungenen, wenn nicht sogar perfekten, Jugendthriller gelesen zu haben.

“Ich blieb stehen.
Er blieb stehen.
Ich machte einen Schritt. Er ebenfalls.
Das – war nicht gut. Bei mir schrillten sämtliche Alarmglocken. Dann rannte ich los. Neben meinen eigenen Schritten hörte ich, wie er durchs Unterholz brach und mir folgte, mich jagte …” (Seite 179)

© bookwives.de

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(38)

75 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

thriller, geheimnis, familie, psychothriller, schwangerschaft

Aus tiefster Seele

Samantha Hayes , Sabine Schilasky
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.05.2014
ISBN 9783442382576
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zum Inhalt:

Claudia ist glücklich als Frau des Navy-Offiziers James und Stiefmutter seiner beiden kleinen Söhne. Nun erwarten die Eheleute ihr erstes gemeinsames Kind und das Glück scheint vollkommen.
Da James berufsbedingt viel unterwegs ist, entscheiden sich die beiden, eine Nanny einzustellen, damit Claudia ein wenig Unterstützung mit den bald drei Kindern hat. Zoe erscheint mit ihren guten Referenzen perfekt für diese Aufgabe und erweist sich zunächst auch als echter Glücksgriff. Doch Claudia hat von Anfang kein Gutes Gefühl dabei, eine Fremde im Haus zu haben, und es keimen erste Zweifel an der Nanny in ihr auf, die verstärkt werden, als sie sie in ihrem Schlafzimmer erwischt.
Währenddessen hat Detective Inspector Lorraine Fisher alle Hände voll zu tun, als jemand beginnt, schwangeren Frauen schreckliche Gewalt anzutun – eine Frau und ihr ungeborenes Baby sind bereit gestorben, eine weitere Frau überlebt schwer verletzt, ihr Baby jedoch nicht. Wer wird das nächste Opfer sein?

Meine Meinung:

“Aus tiefster Seele” hat mich aufgrund des Originaltitels “Until You’re Mine” und des Klappentextes neugierig gemacht. Die Idee dahinter schien mir perfekt für einen Psychothriller. Meine Erwartungen wurden zum Teil erfüllt, doch es gab auch einige Schwachstellen. Und so fällt meine Meinung insgesamt zwiegespalten aus.

Das Grundgerüst der Geschichte rund um Claudia und Zoe steht prinzipiell auf einem soliden Fundament: Eine schwangere Frau stellt eine Nanny ein, um nach der Geburt Hilfe mit den dann insgesamt drei Kindern zu haben. Diese Nanny wünscht sich den geschriebenen Worten zufolge auch sehnlichst ein Kind und kommt einem mit der Zeit durch einige Situationen im Zuge ihrer Anstellung nicht ganz geheuer vor. So weit, so gut.

“Im Waschbecken lagen ein Hammer und ein Küchenmesser, beides blutig. In der Wanne tropfte der Wasserhahn, sodass sich eine weiße Spur durch das vorherrschende Rot zog. Im Abfluss steckte der Stöpsel. Die Frau in der Wanne war halb nackt, das Baby blau und leblos, die zarte Haut marmoriert.” (Seite 38)

Leider hat die englische Autorin für meinen Geschmack aber nicht aus den Vollen geschöpft und so Potenzial verschenkt. Das Gefühl, einen Psychothriller zu lesen hatte ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Dafür waren die Gedanken, die sich Claudia in Bezug auf Zoe macht einfach zu schnell und zu unbegründet da. Neben den wenigen Szenen, in denen Detective Inspector Lorraine Fisher an den Tatorten ermittelt und dem Leser so einen Einblick in das brutale Geschehen gibt, kommt lediglich noch ein wenig thrillige Atmosphäre auf, wenn Zoe sich merkwürdig verhält und ihre Handlungen und Absichten ziemlich eindeutig scheinen. Daraus ergibt sich im Prinzip schon die ganze Spannungskurve, die zwischendurch immer wieder einbricht.

Zu einem guten Thriller gehört für mich auch immer eine gute Portion Verwirrung dazu – wenn diese denn zu Beginn verwirrend und zum Ende hin immer ein wenig unverwirrender wird. Die Autorin weiß, wie man Leser verwirren kann. Doch leider hat das mit dem Entwirren bei Samantha Hayes nicht so gut geklappt. Zu viele Fragen, wenn auch nicht unbedingt alle essentiell wichtig sind, bleiben am Ende offen, denn der Fokus lag zum Schluss einfach zu sehr auf dem zugegebenermaßen guten Ende, statt auf der Beantwortungen vorheriger Fragen, die, nachdem das Ende dann gelesen war, nicht mehr so beantwortet werden konnten wie noch davor.

“Es dauert nicht mehr lange, bis ich fort bin und nichts als eine hässliche Erinnerung bleibt, ein schlechter Nachgeschmack nach einem Lauffeuer von Gerüchten.” (Seite 190)

Sehr gut gefallen hat mir der Schreibstil. Die Autorin hat die Geschichte aus den Blickwinkeln der drei agierenden Hauptpersonen niedergeschrieben und nicht immer weiß man direkt, ob gerade die werdende Mutter Claudia, Zoe, oder Detective Fisher die Geschichte erzählt. Gerade dann, wenn es auf das Ende zugeht, entsteht dank dieser Erzählweise – zum Glück – die Spannung, die mir vorher größtenteils gefehlt hat. Erwähnenswert ist auch noch, dass die Autorin es geschafft hat, ein Szenario zu suggerieren, welches bei näherem Hinsehen auch ein ganz anderes sein kann. Klar wird einem das aber erst zum Ende hin, wenn man auf einmal mit einem staunenden Gesichtsausdruck dasitzt. Mir ging es zumindest so.

“Aus tiefster Seele” ist für mich eher ein durchschnittlicher Thriller, denn leider ist die Geschichte nicht durchgehend thrillig und zum Ende hin auch nicht unbedingt immer logisch. Schade, denn das Potenzial für einen richtig guten Psychothriller ist auf jeden Fall vorhanden.

© bookwives.de

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1.743 Bibliotheken, 15 Leser, 4 Gruppen, 175 Rezensionen

liebe, layken, will, poetry slam, colleen hoover

Weil ich Will liebe

Colleen Hoover , Katarina Ganslandt
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.05.2014
ISBN 9783423715843
Genre: Jugendbuch

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288 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 67 Rezensionen

thriller, grusel, mord, mystery, vermont

Winter People - Wer die Toten weckt

Jennifer McMahon , Sybille Uplegger
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.03.2014
ISBN 9783548286099
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

thriller, lacey, einfach genial, selbstmord, universität

Dead End - Lacey Flint 2

Sharon Bolton , Marie-Luise Bezzenberger
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.04.2014
ISBN 9783442480609
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Du kannst ihn nicht sehen. Aber er beobachtet dich – und er kennt deine schlimmsten Ängste …” (Buchrücken)

Zum Inhalt:

An der weltbekannten und ehrwürdigen Universität Cambridge gab es in den letzten fünf Jahren zwanzig Selbstmorde. Eine unglaublich hohe Zahl. Noch dazu waren es meist junge Frauen, die sich das Leben nahmen – eine statistische Anomalie – und die gewählten Todesarten der jungen Studenten waren allesamt äußerst bizarr und ziemlich ungewöhnlich.
Um den Dingen auf den Grund zu gehen wird DC Lacey Flint von DI Mark Joesbury undercover als Studentin in Cambridge eingeschleust. Zusammen mit Dr. Evi Oliver, der Leiterin des psychologischen Betreuungsdienstes der Universität, soll Lacey unauffällig Nachforschungen anstellen.
Doch Joesbury hat Lacey nicht die ganze Wahrheit erzählt. Und als Lacey schließlich von denselben Albträumen heimgesucht wird, die auch die verstorbenen jungen Frauen plagten, die bei Evi Oliver in Behandlung waren, wird ihr eines klar: Sie steht auch auf der Liste der Opfer.

Meine Meinung:

Nachdem mich der erste Teil der Thriller-Reihe rund um Lacey Flint “Dunkle Gebete” absolut begeistert hat (hier geht es zu meiner Rezi), musste ich nicht lange überlegen, ob ich auch zum Nachfolger “Dead End” greifen möchte.

“Sie hatte die Botschaft auf dem Badezimmerspiegel nicht gesehen, die erst durch den Dampf des heißen Badewassers sichtbar geworden war.
Ich kann dich sehen, stand da.” (Seite 33)

Dass Lacey auf der Liste derer steht, die in den Selbstmord getrieben werden sollen, wird bereits nach drei Seiten, durch den Prolog, der elf Tage in der Vergangenheit spielt, sonnenklar. Lacey steht auf dem Turm eines Cambridge Colleges und ist kurz davor, von eben jenem Turm in den Tod zu springen. Ob sie springen wird bleibt bis zum großen Showdown ungeklärt. (Wenn man sich allerdings, so wie ich, ein wenig über die Bücher von Sharon Bolton schlau gemacht hat, kann dieser Prolog einem durchaus ein wenig die Spannung rauben.)

Auf den folgenden Seiten wird die Geschichte dann von hinten aufgerollt. In elf Tagen kann so einiges geschehen. Vor allem dann, wenn man Lacey Flint heißt, undercover als Studentin arbeitet und sich nicht immer an die Vorgaben seines Vorgesetzten hält.

»Es fühlt sich an, als wäre jemand in meinem Kopf gewesen, hätte dort rumgekramt und all die Sachen gefunden, vor denen ich am meisten Angst habe, und jetzt benutzt er dieses Wissen, um mich in den Wahnsinn zu trieben.« (Seite 119)

Gemeinsam mit Lacey tauchte ich in das Leben undercover ab, immer darauf hoffend, Hinweise oder Erklärungen zu finden. Dabei hatte ich Lacey gegenüber den Vorteil, dass die Autorin mich in kurzen und prägenden Zwischenkapiteln in die Vergangenheit blicken ließ. So wusste ich ein wenig mehr darüber, wer da am Werk war. Wirklich weiter gebracht hat mich das aber nicht. Dafür ist die Handlung einfach zu geschickt konstruiert – Verdachtsmomente und Täuschungsmanöver sind reichlich vorhanden. Spannungseinbrüche werden dank häufig wechselnder Blickwinkel vermieden. So ging es die ganze Zeit über temporeich zu und der gut zu lesende Schreibstil von Sharon Bolton trug dazu bei, dass ich das Buch am liebsten nicht aus der Hand gelegt hätte.

Blutige Gemetzel sucht man in “Dead End” vergebens. Auf ein beklemmendes und thrilliges Lesegefühl muss man aber nicht verzichten. Das Grauen ist größtenteils psychologischer Natur und fast noch erschreckender als bestialische Bluttaten. Die Albträume, deren wahrer Ursprung noch schrecklicher ist als die Albträume an sich, werden anschaulich beschrieben und können einem durchaus das Blut in den Adern gefrieren lassen. Besonders dann, wenn man des nächtens in einer vollkommen ruhigen Wohnung liest und die Leselampe die einzige Lichtquelle ist. Wenige Male kann aber auch lesen, wie die jungen Frauen sterben. In diesen Situationen nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund und beschreibt ungeschönt, wie sie es anstellen, sich selbst zu töten.

“Und dann, am allerschlimmsten, ein Knarren, das Reibungsquietschen, das Glas beim Anfassen macht, dann ein leiser Aufprall. Die Geräusche, mit denen jemand durchs Fenster gestiegen kam.” (Seite 234)

Neben Lacey Flint und Mark Joesbury, die zum zweiten Mal die Hauptrollen einnehmen, gibt es mit Dr. Evi Oliver eine weitere Person die zum wiederholten Male auftaucht. Aber auch wenn man, so wie ich, das entsprechende Buch nicht gelesen hat, bekommt man genug Infos um alles verstehen zu können, was mit ihr zusammenhängt “Dunkle Gebete” sollte man vorher aber schon gelesen haben, da man dort Dinge über Lacey und auch Mark erfährt, die in diesem Teil von Wichtigkeit sind. Die merkwürdige Beziehung der beiden, die aber keine wirkliche Beziehung ist, wird weiter fortgeschrieben und zum Ende hin auch äußerst wichtig für den Ausgang des Buches.

Trotz aller Begeisterung gab es leider auch einen ganz großen Minuspunkt. Das Ende. Ich bin dahingehend wirklich sehr enttäuscht. Für meinen Geschmack zu kurz, zu überhastet. Fast so, also hätte die Autorin endlich mit ihrer Arbeit an dem Buch fertig werden müssen und deswegen einige Seiten und viele Erklärungen einfach weggelassen. Es muss ja nicht alles bis ins allerletzte Detail aufgeklärt werden. Wenn ich aber selbst auf die grundlegendsten Erklärungen fast gänzlich verzichten muss, bleibe ich ein wenig mürrisch zurück. Bei “Dunkle Gebete” hat Sharon Bolton bewiesen, dass sie es besser kann.

»Wenn Sie rausfinden, was hier läuft«, hatte Joesbury zu mir gesagt, »werden Sie sich wünschen, Sie wären vollkommen ahnungslos.« Er hatte recht gehabt. (Seite 373/374)

Im Großen und Ganzen ist “Dead End” ein gelungener Thriller – wenn man vom unbefriedigenden Ende mal absieht, das meine Begeisterung für das Buch einfach zu sehr getrübt hat. Nichtsdestotrotz werde ich Sharon Bolton nicht von meiner Thriller-Liste streichen. Dafür ist sie einfach zu gut.

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jack the ripper, lacey flint, london, thriller, täuschung

Dunkle Gebete

Sharon Bolton , Marie-Luise Bezzenberger
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.06.2013
ISBN 9783442479429
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“Seine Opfer sind unschuldige Frauen. Der Killer ist ein Phantom. Und die Ermittlerin hütet ein schreckliches Geheimnis …” (Buchrücken)
 
Zum Inhalt:

In London geht eine alt bekannte Angst um. Nachdem alles mit einem Mord begann, auf den sich niemand so wirklich einen Reim machen konnte, steht für die Londoner Polizei nach einem Bekennerschreiben fest, dass sich ein Nachahmungstäter an “Jack the Ripper” orientiert, wenn er unschuldige Frauen auf brutale Art und Weise tötet.
DC Lacey Flint wird für diesen Fall extra in eine andere Einheit versetzt, um mit ihrem Wissen über den berühmt-berüchtigten Serienkiller die Ermittlungen vorantreiben zu können. Doch Lacey hat ein dunkles Geheimnis, welches in Verbindung mit den brutalen Morden zu stehen scheint. Und so muss sie sich neben der Jagd nach dem Killer auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen …

Meine Meinung:

“Dunkle Gebete” ist von der ersten Seite an spannend. Zunächst durch den Prolog, bei dem lange Zeit unklar bleibt, in welchem Zusammenhang dieser zum Rest der Geschichte steht. Mit der Zeit wird aus diesen wenigen Seiten zu Beginn, durch diverse kurze Zwischenkapitel, ein zweiter Erzählstrang, der nach und nach seine wahre Bedeutung offenbart. Bis es soweit ist, gibt es genügend Freiraum für eigene Spekulationen.

“Die Wunde in der Kehle war nicht die schlimmste Verletzung, bei Weitem nicht. Mir fiel wieder ein, dass ich einmal gehört hatte, der weibliche Körper enthielte ungefähr fünf Liter Blut. Ich hatte mir allerdings nie Gedanken darüber gemacht, wie es wohl aussehen würde, wenn das alles auslief.” (Seite 14)

Der Einstieg in die eigentliche Geschichte gestaltet sich kurz und schmerzlos. Zumindest für den Leser. Nicht jedoch für die Frau, die direkt zu Beginn in den Armen von Lacey Flint stirbt, nachdem ein Messer unzählige Spuren auf und in ihrem Körper hinterlassen hat. Für mich ein gelungener Start in einen Thriller.

Die Londoner Polizei steht bald auf dem Schlauch – es gibt keine wirklichen Hinweise, man weiß nicht mal, was das Opfer an jenem Abend an diesem Ort zu suchen hatte. So drehen sich die Ermittler im Kreis, bis irgendwann der Schluss naheliegt, dass der Killer ein Nachahmungstäter sein könnte, der sich “Jack the Ripper” zum Vorbild genommen hat. Die Lösung des Falles ist diese Erkenntnis aber nicht, ganz im Gegenteil. Dadurch fängt das Buch und die Jagd auf Antworten erst so richtig an.

“Amanda Weston kann nicht aufhören zu zittern. Nur dass Zittern etwas ist, was man tut, wenn einem kalt ist. Ihr ist, als könnte ihr vielleicht kalt sein – schließlich ist sie nackt -, aber dieses krampfhafte Schlottern hat nichts mit der Temperatur zu tun. Das ist keine Kälte. Das ist Angst.” (Seite 130)

Für mich war es spannend, das Geschehen in London zu verfolgen. Wobei spannend jetzt leicht untertrieben ist, denn ich war die ganze Zeit über ziemlich angespannt, da ich ebenso wenig wusste, wie die Polizei. Durch Lacey Flint als Ich-Erzählerin ist man hautnah dabei, bekommt die Puzzleteilchen vorgelegt und ist gespannt, wie diese am Ende zusammenpassen werden. Auf dem Weg dorthin knickt der Spannungsbogen zu keinem Zeitpunkt ein. Und das liegt nicht bloß an den Opfern, die einem während des Lesens begegnen, sondern auch an der geschickt konstruierten Geschichte.

“Dunkle Gebete” ist definitiv eher ein Buch für Fans des blutrünstigen Thrillers. Sharon Bolton konfrontiert ihrer Leser zwar nicht mit den brutalen Morden an sich, dafür aber umso mehr mit deren Folgen in Form von detaillierten Beschreibungen der Opfer. Aufgeschlitzte Bäuche, die fast nicht mehr als solche zu identifizieren sind und viele andere Abscheulichkeiten werden ungeschönt beschrieben. Für mich genau das richtige – bei den Gedanken, die mir so zu den Taten durch den Kopf gingen, lief mir mehr als bloß einmal ein eiskalter Schauer über den Rücken.

“Sie würden wissen, dass ich die Mörderin war.” (Seite 276)

Lacey Flint ist eine nicht leicht einzuschätzende Person. Ihr Charakter wird von der Autorin sehr ausgereift, mit vielen Ecken, Kanten und einer undurchsichtigen Vergangenheit dargestellt. Alles in allem konnte ich mich recht schnell an Lacey gewöhnen. Neben den nicht gerade schmeichelhaften Eigenschaften hat Sharon Bolton ihrer Akteurin außerdem einen ziemlich trockenen Humor auf den Leib geschrieben, den ich sehr mag. Die anderen Charaktere, allen voran der smarte und gleichzeitig harte Mark Joesbury, passen ebenfalls gut in die Geschichte.

Die Spekulationen und Theorien, die sich seit jeher um “Jack the Ripper” ranken, bieten eine starke Grundlage für diesen Thriller. Sharon Bolton ist es gut gelungen, die Fakten der echten Morde, die ich so nicht kannte und im Anschluss an das Buch nachgelesen habe, mit ihrer Geschichte zu verbinden. Was sie geschrieben hat, hat Hand und Fuß und ich war überrascht, dass das Phantom “Jack the Ripper” bis heute mehr als genügend Stoff für Spekulationen aller Art bietet und u. a. sogar Lewis Carroll, der Autor von “Alice im Wunderland”, zu den Verdächtigen gehörte.

“Der Kopf lag mit dem Gesicht nach unten ungefähr fünf Meter entfernt auf der anderen Seite des Grabens. Das kinnlange braune Haar war feucht vom Tau. Etwas, das wie geronnenes Blut aussah, zog sich um den Halsstumpf herum.” (Seite 384)

Insgesamt war “Dunkle Gebete” ein Thriller ganz nach meinem Geschmack: guter Plot, spezielle Charaktere und brutale Morde. Für hartgesottene Thriller-Fans spreche ich eine klare Empfehlung aus.

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geister, fantasy, kai meyer, phantasmen, tod

Phantasmen

Kai Meyer
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 14.03.2014
ISBN 9783551582928
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zum Inhalt:

Eines Tages tauchten sie aus dem Nichts auf – die Geister der Toten. Millionen auf der ganzen Welt, und stündlich werden es mehr. Sie stehen da, bewegungslos, leuchtend, ungefährlich.
An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in Europas einziger Wüste, warten zwei junge Frauen auf die Geister ihrer verunglückten Eltern. Rain hofft, die Begegnung wird ihrer jüngeren Schwester Emma helfen, Abschied zu nehmen. Auch Tyler, ein schweigsamer Norweger, ist auf seinem Motorrad nach Spanien gekommen, um ein letztes Mal seine große Liebe Flavie zu sehen.
Dann erscheinen die Geister.
Doch diesmal lächeln sie.
Und es ist ein böses Lächeln. (© Carlsen)


Meine Meinung:

Geister, die an den Stellen auftauchen, an denen die Menschen einst gestorben sind. Geister, die sich nicht bewegen, aus der Körpermitte heraus leuchten und so dem Totenlicht seinen Namen gegeben haben. Super. Mit seiner Idee konnte Kai Meyer mich direkt einfangen – und dass im Prinzip schon als ich lediglich den Klappentext las und von der ersten Seite des Buches noch ziemlich weit entfernt war. Seit ich also erfahren hatte, dass es ein neues Jugendbuch des Autors geben wird, stieg die Vorfreude fast täglich.

“Wie alle Geister hatte er sein Gesicht der Sonne zugewandt. Das war die einzige Bewegung, zu der sie fähig waren. Drehten sich unendlich langsam mit der Sonne von Osten nach Westen, blieben dabei auf der Stelle stehen, sagten nichts, taten nichts. Blickten nur mit leeren Mienen mitten ins Licht, als erinnerten sie sich an etwas, das sie schon einmal gesehen hatten.” (Seite 13)

Zu meiner großen Freude merkte ich recht schnell, dass ich “Phantasmen” verfallen bin. Und noch eines war mir recht schnell klar: Der Autor belässt es nicht bei seiner starken und einfallsreichen Grundidee. Er spinnt diese immer weiter, lässt neue Aspekte einfließen und gestaltet sie weit reichender, als es zunächst den Anschein hat und verleiht ihr einen gruselig wirkenden Touch.

Mit Rain, ihrer jüngeren Schwester Emma, und dem Norweger Tyler schickt der Autor Charaktere ins Rennen, die er nicht bis ins kleinste Detail beschreibt. Meiner Meinung nach ist dies auch gar nicht nötig. Man erfährt trotzdem genug und mir gelang es dennoch problemlos, mich in sie, ihre Gedanken und Taten hineinversetzen zu können. Die Nebenfiguren runden die Geschichte der Phantasmen wunderbar ab und passen hervorragend ins Gesamtbild – gut ausgeklügelte Charaktere, von denen jeder einen gewissen Anteil an der Geschichte hat.

“Dann waren sie da, von einem Augenblick zum nächsten.
Nichts hatte ihr Kommen angekündigt. In einem weiten Radius wurde die Wüste abrupt in Helligkeit getaucht. Buschwerk warf verästelte Schlagschatten über den Sand. Außerhalb des Totenlichts reflektierten Tieraugen den grellweißen Schein.” (Seite 31/32)

Spannend und mitreißend beginnt die Geschichte. Gleichermaßen geht es dann eigentlich auch die ganze Zeit über weiter. Der Punkt, an dem die Eltern von Rain und Emma als Geister erscheinen und mit all den anderen Opfern des Flugzeugabsturzes plötzlich anfangen, böse zu lächeln, ist recht früh erreicht. Somit gibt es ausreichend Platz für weitere Fragen und Mysterien. Und diesen Platz weiß der Autor hervorragend zu füllen.

Der Fokus der Geschichte verschiebt sich dadurch leicht, verliert aber dennoch nie den Ausgangspunkt aus den Augen. Auch, wenn dann am Ende doch alles ganz anders zu sein scheint, als man anfangs noch dachte. Das geheimnisvolle und böse Lächeln der Erscheinungen ist dabei nicht bloß für die Akteure im Buch ein Rätsel. Auch in meinem Leserkopf sammelten sich Fragen über Fragen. Auf die Antworten musste ich lange warten, doch sie kamen. Zugegebenermaßen habe ich auf den ersten Blick, beim ersten Lesen der aufklärenden Sätze, nicht immer alles gleich begriffen. In der Gesamtheit war jedoch alles schlüssig.

“Eine graue, spindeldürre Gestalt tauchte auf allen vieren aus dem Dunkel auf. Die Proportionen waren falsch, Arme und Beine viel zu lang, der Torso zu klein, der Kopf ein hängendes, haariges Ding. Das Wesen schrie sich die Lunge aus dem Hals, es war ein hoher, nicht enden wollender Ton.” (Seite 176)

Es gab eine Stelle in dem Buch, an der ich für einen Moment nicht mehr weiter lesen konnte. Dieses Ereignis hat zwar mit der Geschichte zu tun, ist aber kein elementar wichtiger Punkt. Und doch wurde mit diesen wenigen Sätzen mein ganzes Lesegefühl umgekrempelt. Als ich den Moment, in dem mir fast die Luft weggeblieben ist, hinter mir hatte, konnte ich nur staunen, was Kai Meyer mit dieser Szene in mir ausgelöst hat. Dieses starke Empfinden beruht in erster Linie zwar auf meinen persönlichen Gedanken und Emotionen an einen ganz bestimmten Tag – doch ich kann mir gut vorstellen, dass es vielen (vor allem Erwachsenen, die jenen Tag ähnlich bewusst wie ich in Erinnerung haben) nicht viel anders gehen wird. Kai Meyer beschwört mit seinen Worten in dieser Szene einfach unglaubliche Bilder hinauf. Und mich haben sie einen Moment sprachlos gemacht.

Alles in allem punktet “Phantasmen” mit einer fantastischen Idee, tollen Charakteren, in die man sich hineindenken und auch fühlen muss, um sie vollends verstehen zu können, einer spannenden Story, der zu keinem Zeitpunkt die Luft ausgeht und einem Ende, das nach dem großen Showdown im ersten Moment vielleicht zu schlicht, im Endeffekt aber genau passen ist.

“Zweihundertdreißig Geister, die für alle Zeit am Himmel hingen. Sie standen aufrecht in der Luft, immun gegen die eisigen Temperaturen und Stürme, mehrere Tausend Meter hoch über dem Atlantik. Männer, Frauen und Kinder, die alle innerhalb eines Augenblicks in einem Feuerball ums Leben gekommen waren.” (Seite 275)

Ich war bereits von meinem ersten Buch von Kai Meyer “Asche und Phönix” begeistert. Mit “Phantasmen” hat sich der Autor jetzt auf die Liste meiner Lieblingsautoren geschrieben. Wirkliche Kritikpunkte kann ich nicht benennen, weil ich schlicht und einfach keine gefunden habe – von der einen oder anderen, kleinen Verständnisschwierigkeit, wie oben erwähnt, mal abgesehen. Für mich ein rundherum gelungenes Jugendbuch und eine klare Leseempfehlung.

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372 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

liebe, stuttgart, lieblingsgefühle, adriana popescu, fotografie

Lieblingsgefühle

Adriana Popescu
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.04.2014
ISBN 9783492304511
Genre: Liebesromane

Rezension:

Zum Inhalt:

Als Layla von ihrer Weltreise zurückkehrt, warten in Stuttgart viele neue Lieblingsmomente auf sie: die erste eigene Foto-Vernissage, das erste Treffen mit ihrem neuen Galeristen und vor allem das lang ersehnte Wiedersehen mit Tristan. Alles scheint endlich perfekt. Doch während Layla sich über ihren plötzlichen Erfolg freut und eine neue Welt voll großer Chancen entdeckt, bemerkt sie nicht, dass sie alles, was ihr einmal wichtig war, verlieren könnte … (Quelle: www.piper.de)

Meine Meinung:

Da sind sie endlich – die „Lieblingsgefühle“. Was habe ich mich gefreut, wieder Zeit mit Tristan und Layla verbringen zu dürfen, denn „Lieblingsmomente“ war im letzten Jahr definitiv eines meiner Lese-Highlights.

Der gewohnt gute Stil von Adriana Popescu hat mich dann auch nach wenigen Seiten wieder direkt in die Geschichte hineingezogen. Ich habe mich gefreut, zusammen mit Layla nach ihrer Weltreise wieder in Stuttgart zu landen – Home sweet Home sozusagen. ;-)

“Ich bin zurück in meinem alten Leben – in das ich hoffentlich nach all den Eindrücken und Veränderungen noch immer passe.” (Seite 22)

Recht schnell stellte ich zu meiner Freude fest, dass die Autorin es geschafft hat, aus „Lieblingsgefühle“ eine völlig eigenständige Geschichte und somit eine Fortsetzung und nicht „Lieblingsmomente 2“ zu schreiben. Es dreht sich zwar erneut alles um Tristan und Layla, doch die Vorzeichen sind diesmal völlig andere als noch einige Monate zuvor. Es verändert sich viel bei, um und zwischen den beiden – und das bekommen sie im ersten Moment gar nicht wirklich mit. Ich muss gestehen, dass es mir zu Beginn nicht viel anders ging. Zu fokussiert war ich auf die beiden. Doch irgendwann hat es mich dann wie der sprichwörtliche Blitz getroffen und ich dachte: Adriana, tu mir und ihnen das doch bitte nicht an…

“Tristan ist wieder bei mir … und genau jetzt fängt mein neues Leben an.” (Seite 76)

Ich hatte wirklich Angst, dass mein erhofftes Happy End so nicht zu Stande kommen könnte. Adriana Popescu hat sich da einiges einfallen lassen: Höhen und Tiefen geben sich die Klinke in die Hand, Außenstehende mischen sich in die Beziehung der beiden ein. Aber all das wirkt nicht ausgedacht. Es könnte ebenso gut eine Geschichte aus dem Leben sein. Ob es zum Schluss dann „Ende gut, alles gut“ heißen wird, verrate ich natürlich nicht. Ich kann aber ruhigen Gewissens verraten, dass man ganz wunderbar mit ihnen lieben, leiden und hoffen kann.

Tristan und Layla sind in „Lieblingsgefühle“ natürlich wieder die Hauptakteure und tragen diese, ihre Geschichte. Aber mir haben auch die Nebendarsteller wieder sehr gut gefallen – sie waren ein bisschen das Salz in der Suppe, allen voran Mme Frost. Ihres Zeichens eine junge Dame, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Layla zu nerven und zu piesacken, wo sie nur kann. Eine junge Dame, die man nicht zu mögen braucht und genau das zeichnet sie aus. :-)

“Zwei Mal an einem Tag so verletzt zu werden … von Tristan. »Kein Abstand« bedeutet auch »kein Schutz«.” (Seite 167)

Dass Adriana Popescu toll schreiben kann, war mir ja schon bei „Lieblingsmomente“ klar. Sie schafft es, eine Liebesgeschichte nicht kitschig wirken zu lassen, ruft in mir das Bedürfnis hervor, nach Stuttgart reisen zu wollen, um all die Plätze zu sehen, die in ihren Bücher von Bedeutung sind und lässt mich einfach mit einem guten Lesegefühl zurück. In „Lieblingsgefühle“ zeigt sie eine weitere Seite ihres schriftstellerischen Könnens. Durch die Entwicklung der Geschichte gibt es, anders als noch im Vorgänger, die eine oder andere Szene, in der es ziemlich heiß wird. Und die Autorin schafft es, dass beim Lesen dieser Szenen einfach ein schönes Gefühl hat und sich mit den beiden freut, dass sie endlich zueinander gefunden haben.

“Eine Woche! Das sind 7 Tage, 168 Stunden, 10080 Minuten. 604800 Sekunden. Ohne ihn.” (Seite 360)

Als Fazit spukt mir ein schlichtes: „Lieblingsgefühle“ ist die perfekte Fortsetzung von „Lieblingsmomente“ im Kopf rum. Die Fans von Tristan und Layla müssen sie einfach auf der nächsten Etappe begleiten. Alle anderen sollten möglichst schnell damit anfangen, die beiden in ihr Leserherz einziehen zu lassen. ♥

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297 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

märchen, hänsel und gretel, diana menschig, thriller, schwarzwald

So finster, so kalt

Diana Menschig
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2014
ISBN 9783426514931
Genre: Fantasy

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Renate Hoffmann

Anne Freytag , Jane Davis
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei FREYTAG, 13.09.2012
ISBN 9783844232714
Genre: Romane

Rezension:

“Frau Hoffmann beschließt zu sterben. Doch auch das will gut organisiert sein.” (Buchrücken)

Zum Inhalt:

Frau Hoffmann hat sich entschieden. Sie wird sich von ihrem Balkon in den Tod stürzen. Gründe dafür gibt es genug. Aber leider kommt ihr immer wieder etwas dazwischen. Sei es ihre neue Vorgesetzte, Herberts Briefe oder die Erkenntnis, dass sie noch nie masturbiert hat.
Renate Hoffmann hatte nicht immer sterben wollen. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, in der sie nicht nur am Leben, sondern tatsächlich lebendig gewesen war. Sieben Jahre zuvor schien das Leben noch voller Möglichkeiten. Bis zu jenem verhangenen Tag im November … (© Anne Freytag)

Meine Meinung:

Schon nach wenigen Seiten wird klar: Frau Hoffmann ist anders. Anders im Sinne von speziell. Speziell im Sinne von lethargisch, introvertiert, verunsichert, einzelgängerisch, penibel, kummervoll und des Lebens müde … Daneben zeichnet sie sich jedoch auch noch durch eine auf den Leib geschriebene Liebenswürdigkeit aus, die direkt auf mich übergesprungen ist. Kurzum: Ich mochte Frau Hoffmann von Anfang an. Mit jeder einzelnen Facetten ihres Wesens.

“Als sie gerade versuchte, auf das vom Regen feuchte Geländer zu klettern, um ihrem Leben ein Ende zu machen, fragte sie sich, ob sie es womöglich bereuen könnte, nicht mehr am Leben zu sein. Und in diesem Moment wurde ihr klar, dass sie das gar nicht beurteilen konnte, weil sie die meisten Dinge, die die meisten Menschen als normal empfanden, nicht getan hatte.” (Seite 10)

Da Frau Hoffmann ziemlich schnell bewusst wird, dass sie nicht mal einfach so vom Balkon springen kann, gibt es viel Platz und Zeit für die Entwicklung der Frau Hoffmann. Und diese Entwicklung hat Anne Freytag gut nachvollziehbar zu Papier gebracht. Und mit Frau Hoffmann entwickelt sich peu à peu auch der Ton der Geschichte. Von traurig hin zu vorsichtig hoffnungsvoll. Ich für meinen Teil wünschte mir zumindest mir die ganze Zeit über, dass aus Frau Hoffmann eines Tages wieder Renate wird. Dass die harte Frau Hoffmann sich ein wenig zurückzieht, damit die sanfte Renate wieder ihr Leben genießen kann.

Trotz, oder gerade wegen der teils merkwürdigen Verhaltensweisen, die Frau Hoffmann an den Tag legt, merkte ich mit der Zeit, dass ich Frau Hoffmann verstehen kann. Ich wusste zwar noch nicht wirklich, was an jenem Novembertag vor sieben Jahren wirklich geschehen ist, doch ich hatte so eine leise Ahnung. Es gibt nicht vieles, was eine einst lebensfrohe Frau wie Renate dazu veranlassen könnte, sich in Frau Hoffmann und damit in das genaue Gegenteil zu verwandeln.

Ich konnte, nachdem mir das ganze und vor allem tragische Ausmaß bekannt war, nicht anders, als mich immer wieder zu fragen, wie es mir ergehen würde, hieße ich Renate Hoffmann und hätte erlebt, was sie erleben musste. Eine klare Antwort konnte ich darauf nicht finden. Frau Hoffmanns Variante scheint aber nicht die abwegigste zu sein. Es gibt schreckliche Erlebnisse, die einem durchaus den Boden unter den Füßen wegreißen können. Wenn man dann nicht die Kraft hat, sich seinem Kummer zu stellen, wenn man daran zu zerbrechen droht, legt man den Schalter der Selbsterhaltung um und aktiviert seinen Selbstschutz. Eine so extreme Entwicklung wie bei Frau Hoffmann ist sicherlich nicht alltäglich, aber durchaus möglich, wie ich finde. Menschen, die sich vom Balkon stürzen gibt es ja nun mal nicht nur im Buch…

“Denn auch wenn man es nicht sehen konnte, weil sie atmete und sich bewegte, so war Renate an diesem eisigen Novembertag gestorben und Frau Hoffmann wurde geboren. Sie würde leben, jedoch ohne lebendig zu sein.” (Seite 244)

Stilistisch ist Anne Freytag für mich ganz weit vorne. Mit ihrer Kombination aus ernstem Thema und einer immer passenden Portion Humor hat sie sich ganz ohne Schnörkel direkt in mein Leserherz geschrieben. Ich habe die Zeit mit Frau Hoffmann in vollen Zügen genossen. Auch, wenn es in Frau Hoffmanns Leben nicht viel zu genießen gibt. Ich war einfach gerne an ihrer Seite, habe mit ihr vom Balkon runtergeschaut und durch das Fernglas die Nachbarn beobachtet.

Ein Buch so zart und gleichzeitig so hart. Für mich war “Renate Hoffmann” das erste Buch von Anne Freytag. Das letzte war es aber in keinem Fall. Meine ganz persönliche Botschaft des Buches lautet: Das Leben ist schön. Du musst es bloß erkennen.

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dystopie, partials, liebe, krieg, zukunft

Partials - Fragmente

Dan Wells , Jürgen Langowski
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.03.2014
ISBN 9783492702836
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zum Inhalt:

Die Stimmung in East Meadow ist zum Zerreißen gespannt: Den Wissenschaftlern ist es bislang nicht gelungen, das von Kira vor zwei Monaten entdeckte Heilmittel zu synthetisieren. So sterben die neugeborenen Babys auch weiterhin innerhalb weniger Tage an dem RM-Virus. Zudem droht der Gemeinschaft der Überlebenden erneut Gefahr durch die Partials.
Währenddessen macht sich Kira Walker – nach dem mysteriösen Bild mit der merkwürdigen Botschaft “Finde den Trust!” am Ende des ersten Teils – auf den Weg, um Nachforschungen hinsichtlich ihrer eigenen Herkunft und des Trusts anzustellen. In Manhattan macht sie in einer ParaGen-Niederlassung Entdeckungen, die schon bald dazu führen, dass sie ein unvorhergesehenes Bündnis eingehen muss.
Doch Kira gibt nicht auf. Sie will die Menschheit und auch die Partials retten…

Meine Meinung:

Da ist er nun – der zweite Teil der “Partials”-Trilogie. Und was soll ich sagen? Es geht ähnlich zu wie in Teil 1 – und doch auch ganz anders…

Es liegt nicht viel Zeit zwischen dem Ende von “Aufbruch” und dem Beginn von “Fragmente” und als erstes erfährt man, was passiert, wenn bei einem Partial das Verfallsdatum abgelaufen ist, er also stirbt. Bei dem hochrangigen Lieutenant Colonel Richard Cornwell ist genau dies der Fall. Und wie er stirbt, ist wirklich alles andere als schön… Danach geht es mit Kira weiter. Sie ist mittlerweile in Manhattan angekommen, um in einer ParaGen-Niederlassung nach weiteren Informationen über ihre Herkunft zu suchen. Doch damit, das merkt sie recht schnell, ist es nicht getan. Es tauchen neue Fragen auf, die nach Antworten verlangen. Wie es in East Meadow weitergeht, erfährt man durch Marcus und Haru.

“Ihre Fragen waren immer noch nicht beantwortet: Was war der Trust? Inwiefern standen die Partials mit RM in Verbindung? Wer war sie, und in welchem Plan spielte sie eine Rolle? Die Antworten entschieden möglicherweise über Rettung und Vernichtung der ganzen Menschheit.” (Seite 108/109)

Die verschiedenen Erzählstränge ergeben, nach einem recht gemächlichen Start, mit der Zeit eine spannende und nicht zwangsläufig vorhersehbare Geschichte. War ein Teil der ungeklärten Fragen geklärt, tauchten auch schon wieder neue auf. Der medizinische Part, mit dem ich in Teil 1 so meine Schwierigkeiten hatte, fällt in “Fragmente” deutlich geringer aus – denn das Heilmittel ist grundsätzlich ja schon mal gefunden. Die Frage ist bloß, wie man nun alle Neugeborenen damit retten kann. Völlig problemfrei kam ich aber leider dennoch nicht durch das Buch.

Dan Wells hat sich im zweiten Teil der Trilogie viel Zeit genommen, um stellenweise recht weit auszuholen und vieles ziemlich detailliert zu beschreiben. So ergibt sich zwar eine absolut einnehmende und intensive Atmosphäre – gerade dann, wenn Kira alleine unterwegs ist – die man als Leser auch deutlich spüren kann, doch leider wirkt das Gelesene so manchmal ein wenig zäh und ab und auch langweiliger als der Rest der Geschichte. Zudem hatte ich ein, zwei Mal auch das Gefühl, dass etwas aufgedeckt wurde, ohne im Endeffekt wirklich aufgedeckt zu sein.

“Um wie viel leichter wäre die Welt zu retten, wenn die Leute, die wir retten wollen, sich nicht gegenseitig an die Gurgel gingen!” (Seite 204)

Dennoch ist es die ganze Zeit über spannend, die Geschehnisse und Entwicklungen zu verfolgen, die dadurch entstehen, dass die neugeborenen Babys, abgesehen von Madisons Tochter Arwen, immer noch nicht überleben können, eine Partial-Ärztin mit allen Mitteln versucht, das Verfallsdatum der Partials zu entschlüsseln und Kira mehr über ihre eigene Herkunft erfahren will und sich ihre Suche nach Antworten alles andere als einfach gestaltet – auch wenn die dabei Hilfe von zwei Partials hat.

Besonders gut gefallen hat mir, wie sich der Autor mit Themen wie Moral, Ethik etc. auseinandersetzt, und wie seine Geschichte dadurch zum Nach- und Umdenken anregt – sowohl bei den Protagonisten als auch bei mir als Leserin. Im Laufe der Zeit erweiterten sich meine Gedanken und Meinungen zu den Menschen und den Partials. Und so er ging es auch Kira und den anderen. Dan Wells hat sich mal wieder nicht gescheut, seine Protagonisten einige Konflikte und Meinungsverschiedenheiten austragen zu lassen.

“New York war still und verlassen, aber die Pflanzen erweckten immerhin einen Anschein von Lebendigkeit. Die verfallenen Städte dieser Region waren tot und kahl, angegriffen von Wind und Wetter. Es waren untergehende Monumente in einer konturlosen weiten Ebene.” (Seite 256)

Das Ende ist mal wieder ein fieser Cliffhanger. Ein paar (teils auch böse) Vorahnungen spuken seit der letzten Seite des Buches in meinem Kopf rum, und ich freue mich auf den dritten und letzten Teil.

Wer den ersten Teil “Aufbruch” gelesen hat, muss einfach zu der Fortsetzung “Fragmente” greifen. Man erfährt so einiges und es tauchen genug weitere Fragen auf, die auf einen gelungenen Abschluss der “Partials”-Trilogie hoffen lassen. Die kleinen Unterhaltungseinbrüche haben mich zwar ein wenig gestört, haben aber nicht allzu viel Einfluss auf meine abschließende Meinung.

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wald, liebe, wenn ihr uns findet, emily murdoch, jugendbuch

Wenn ihr uns findet

Emily Murdoch , Julia Walther
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Heyne, 03.03.2014
ISBN 9783453534346
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zum Inhalt:

Klamotten, Partys, Jungs und Schule: Diese Welt ist Carey und ihrer kleinen Schwester Jenessa völlig fremd. Die Geräusche des Waldes, das beengte und doch so vertraute Zusammenleben im Wohnwagen und die oft tagelange Abwesenheit ihrer Mom – das ist der Alltag der Mädchen, die in einem Trailer tief versteckt inmitten eines Naturschutzgebietes leben. Als Careys und Jenessas Vater die Mädchen zu sich und seiner neuen Familie holt, finden die Tage im Wald ein jähes Ende. Zu jäh für die fünfzehnjährige Carey, die sich daran gewöhnt hat, sich und ihre Schwester durchzubringen und zu beschützen, koste es, was es wolle. Dass der Preis dafür mitunter sehr hoch war, begreift sie erst jetzt durch die liebevolle Anteilnahme ihres Vaters. Weil sie das Geheimnis, das auf ihrem Herzen lastet, nicht für immer verdrängen kann … (© Heyne)

Meine Meinung:

Nachdem ich die Leseprobe quasi inhaliert habe, stand für mich fest, dass ich unbedingt wissen muss, wie es Carey und ihrer kleinen Schwester Jenessa im weiteren Verlauf des Buches ergehen wird. Denn bereits die ersten Seiten haben mich emotional gepackt. In dem Moment, als ich das Buch dann aufschlug, um die ganze Geschichte zu lesen, hatte ich direkt wieder dieses Gefühl in mir, und es sollte das ganze Buch über anhalten.

“Ich hab keine Spielsachen aus Kindertagen oder Stofftiere. Ich hab meine Kindheit zurückgelassen, als Mama mitten in der Nacht mit mir losgezogen is’.” (Seite 27)

Die von Emily Murdoch zu Papier gebrachte Geschichte ist an Emotionalität kaum zu überbieten – ganz deutlich und auch zwischen den Zeilen. Carey führt den Leser durch das Buch. Im Hier und Jetzt, angefangen bei dem Moment, wo ihr Vater zusammen mit dem Jugendamt im Wald auftaucht, um die Mädchen nach Hause zu holen.

In immer wieder eingestreuten gedanklichen Rückblenden erzählt Carey von dem Leben davor. Dem Leben in einem Wohnwagen auf einer Waldlichtung. Ein Leben, dass Carey und Jenessa einiges abverlangt hat, und dass nicht nur, wenn die Mutter ihre Töchter mal wieder tage- und wochenlang allein gelassen hat – mit Dosenvorräten, die zum Großteil Bohnen enthalten. Mit jeder dieser Rückblenden wird deutlicher, was Joelle ihren Töchtern angetan hat. Schlimme, furchtbare Dinge kommen ans Licht. Und letztendlich auch das große Geheimnis, das seit der Nacht der weißen Sterne tonnenschwer auf Careys Herz lastet.

Neben all den Momenten, die mich mehr als einmal schwer haben schlucken lassen, gibt es aber auch sehr viel Schönes in diesem Buch – in Form von Liebe und Zuneigung, wie man sie nur von der Familie erfahren kann. Besonders deutlich wird das, neben der tollen Art und Weise des Vaters und der neuen Stiefmutter, durch die unermessliche Schwesternliebe, mit der sich Carey und Jenessa kümmert und schon immer gekümmert hat.

“Dann dreh ich mich um, um die weißen Linien zu verfolgen, die die Gerte hinterlassen hat, und die beiden lila-roten runden Narben von Mamas Zigaretten, direkt unter meiner linken Schulter.” (Seite 103)

Careys Worte wirken ziemlich authentisch, denn die Autorin hat ihre Art und Weise zu sprechen, hervorragend niedergeschrieben. So lässt sie z. B. andauernd das “t” weg und sagt immer “nich” statt “nicht”. Und dennoch wirkt Carey nicht “hinterwäldlerisch” – Emily Murdoch hat da einen guten Mittelweg gefunden. Und auch der Rest der Geschichte ist ein gelungener Mix. Zutiefst erschütternde Momente wechseln sich mit berührend-schönen Ereignissen ab und bieten so eine emotionale Bandbreite, die mich voll eingefangen hat. Die den drei Teilen des Buches vorstehenden Zitate aus “Pu der Bär oder wie man das Leben meistert” runden die Geschichte wunderbar ab, verleihen ihr Tiefe und passen hervorragend zu den geschriebenen Worten der Autorin.

Anfangs konnte ich mit dem Titel nicht besonders viel anfangen. Im Nachhinein macht er mehr Sinn, denn es gibt eine Stelle im Buch, die den Satz quasi vollendet, den Kreis schließt. Und doch hätte ich es besser gefunden, wenn man den englischen Titel “If you find me” übersetzt hätte – dann würde es wegen der besagten Szene einfach besser passen. Das ist aber lediglich eine kleine Randnotiz und hat keinen Einfluss über meine durchweg positive Meinung.

“Ich hasse mich selbst, hasse, was ich getan hab. Ich hab es rückwärts und vorwärts durchdacht, und ich find immer noch keine Lösung, die uns beide verschont.” (Seite 215)

“Wenn ihr uns findet” ist ein wunderbares Jugendbuch, das Schönes und Schlimmes in sich vereint. Ausgeprägte Charaktere und ein toller, ungewöhnlicher Schreibstil runden die Geschichte von Carey und den Menschen an ihrer Seite ab und ergeben ein absolut lesenswertes Ganzes.

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