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skandal, missbrauch, schule, odenwaldschule, schulwesen

Freiwild

Tilman Jens
Fester Einband: 191 Seiten
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 18.05.2011
ISBN 9783579067445
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eine Verletzung der humanen Werte
Jedes vierte Kind in Deutschland wird sexuell missbraucht. Der sexuelle Missbrauch von wehrlosen Kindern zerstört Biografien, und nicht selten nehmen sich die Opfer das Leben. Es handelt sich hierbei um ein kapitales Verbrechen, dass weder verharmlost noch in irgendeiner Weise relativiert werden kann. Folgerichtig ist es völlig unbedeutend, aus welchem Milieu die Täter kommen, ob sie „begnadete“ Pädagogen, Künstler, Literaten, Theologen oder gescheiterte Existenzen sind. Der Leser eines Sachbuchs über diese Thematik geht davon aus, dass der Autor auf der Grundlage von sorgfältigen Recherchen erhellt, welche Bedingungen ein alltägliches Vergehen ermöglichen. Diese Aufklärungsarbeit hat der Journalist Christian Füller mit seinem Buch“ Sündenfall“ geleistet. Sein Buch öffnet einem die Augen und dient somit der Prävention. Es ist ein aufklärerisches Buch, weil es akribisch mit Fakten umgeht. Mithin kann ein Buch über den sexuellen Missbrauch nur dann von Bedeutung sein, wenn es der Prävention dient. Das Buch von Tilman Jens hingegen übernimmt an keiner Stelle diese Aufgabe. Sein Buch ist insofern gar kein Sachbuch, sondern erweckt den Eindruck, dass es dem Autor Jens darum geht, von der Wahrheit der Zusammenhänge abzulenken. Überhaupt ist Apodiktik und Häme das herausragende Merkmal des vorliegenden Textes. Denn es wird nichts belegt, sondern nur kommentiert, geurteilt und verurteilt. Die Ungenauigkeit fällt einem auch an der geschwollenen, betulichen Sprache des Textes auf. Was angesichts der Thematik oft abstoßend wirkt. Herr Jens war zwei Jahre auf der Odenwaldschule, ich war dreißig Jahre länger dort. Ich denke, ich weiß wovon ich spreche. Die Lektüre des Buches belegt, wie man Widersprüche beliebig vereinbaren kann. Man liest, dass Gerold Beckers Taten schlimm seien. Gleichzeitig wird der Schulleiter als ein großartiger Pädagoge gefeiert. Demnach können Menschen sowohl Knabenführer (Pädagoge) als auch Knabenschänder sein ich kenne unzählige Schüler, die den Unterricht von Herrn Becker unprofessionell und langweilig fanden. Herr Becker war ja über Nacht Leiter der Odenwaldschule geworden, ohne jegliche Erfahrung als Lehrer. Er hatte das Handwerk eines Predigers gelernt. Die Form der Predigt hat er auf der Schule weitergeführt. Auch seine Schriften haben den Charakter von Bekenntnissen und zeigen an keiner Stelle, wie die Prozesse des Lehrens und Lernens zu gestalten seien. Herr Becker war ein Meister der Rhetorik und seine Schriften kann man leicht an vielen Stellen als geschickte Plagiate erkennen. Rhetorik ist eben nicht Pädagogik. Indoktrination fördert das selbstständige Denken nicht. Da hilft das Lesen von Adorno und Beckett auch nicht. wenn einem die Lektüre unverständlich bleibt und nicht hilft, sich kognitiv und emotional weiterzuentwickeln. Zur Odenwaldschule kamen viele Schüler, die an anderen Schulen gescheitert waren, und erlebten nun, dass ihre Leistungen in kürzester Zeit als hervorragend bewertet wurden. Diese verantwortungslose Bewertung verleitete viele Schüler dazu, sich als verkannte Genies zu begreifen. Viele Altschüler beklagen, dass sie auf der Odenwaldschule wenige Kulturtechniken wirklich erworben hätten. Herr Jens verlangt Gerechtigkeit für die Täter. Sie sind ja alle glimpflich davon gekommen. Welche Gerechtigkeit steht einem Menschen zu, der die Seele eines Kindes zertrümmert, ihm eine Kränkung zufügt, die unüberwindbar bleibt? Herr Jens relativiert die Werte der Humanität und maßt sich dabei eine humane Gesinnung an. Die Wahrheit der Zusammenhänge ist auch Herrn Jens zumutbar. Sein Buch ist niemandem zumutbar, weil es die humanen und daher die elementarsten Grundwerte unserer Kultur verletzt. Denn der Text behauptet, dass Herr Becker Schüler geholfen hätte, und vergisst dabei, dass viele Opfer sich das Leben genommen haben.

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