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i love dic, theorie, briefroman, philosophie, 90er jahre

I Love Dick

Chris Kraus
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Serpent's Tail, 05.05.2016
ISBN 9781781256480
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Because most ’serious‘ fiction, still, involves the fullest possible expression of a single person’s subjectivity, it’s considered crass and amateurish not to ‚fictionalize‘ the supporting cast of characters, changing names and insignificant features of their identities. The ’serious‘ contemporary hetero-male novel is a thinly veiled Story of Me, as voraciously consumptive as all of patriarchy. While the hero/anti-hero explicitly is the author, everybody else is reduced to ‚characters‘. […] When women try to pierce this false conceit by naming names because our ‚I’s‘ are changing as we meet other ‚I’s‘, we’re called bitches, libellers, pornographers and amateurs. 'Why are you so angry?' he said to me." (Kraus 2016, S. 55f.)

Dieses Zitat aus I Love Dick erklärt ein Stück weit, warum das erstmals 1997 erschienene Buch von Chris Kraus so lange nicht bzw. nicht besonders positiv rezensiert wurde. Chris Kraus, so scheint es jedenfalls im Rückblick, war etwas zu früh dran, um die Erwartungshaltung einer breiteren Öffentlichkeit bedienen zu können. I Love Dick wurde zunächst, wenn überhaupt, als autobiographische Aufzeichnung einer Frau über ihre nicht erwiderten Gefühle zu einem Mann, Dick, wahrgenommen. Sylvère Lotringer, der Mann von Chris, beschreibt ihre Briefe an Dick als neues Genre, „something between cultural criticism and fiction“ (S. 27). Chris selbst spricht, eine „männliche“ Erwartungshaltung antizipierend, von „The Dumb Cunt’s Tale“ (S. 11), ein „Genre“, das von Dick zwar erwartet, von ihren Briefen aber nicht eingelöst wird: „But Dick, I know that as you read this, you’ll know these things are true. You understand the game is real, or even better than, reality, and better is what it’s all about.“ (S. 12) Die Zitate deuten schon an, dass bei I Love Dick eine Metaebene mitschwingt. Die Handlung, das Verlangen nach Dick, dient letztlich mehr dem Schreiben und der Theoretisierung des Schreibens als umgekehrt. Manchmal muss ‚etwas‘ passieren – vielmehr „passiert werden“, da es sich bei Chris‘ ‚Verlieben‘ in Dick um einen durchaus aktiven Vorgang handelt – damit ein kreativer Prozess in Gang gesetzt werden kann. Der Topos des Schreibens bzw. des künstlerischen Schaffens als ‚weibliche‘ Form der Selbsttherapie wird heranzitiert – „To be female still means being trapped within the purely psychological“ (S. 180) – und in seinem antiquierten, Geschlechterstereotype perpetuierenden Sexismus offengelegt; so beispielsweise, wenn Chris schreibt: „Dear Dick, I’m wondering why every act that narrated female lived experience in the ’70s has been read only as ‚collaborative‘ and ‚feminist.‘ The Zurich Dadaists worked together too but they were geniuses and they had names.“ (S. 134) Das ist nur eine von zahlreichen Referenzen – wir treffen u.a. auf Emma Bovary, Louise Colet (Flauberts langjährige Geliebte), Janis Joplin, Hannah Wilke usw. – die um die Frage „WHO GETS TO SPEAK AND WHY?“ kreisen, laut Chris „THE ONLY QUESTION." (S. 175)

Diese Rezension ist erstmals am 11.5.2017 in der Kategorie #frauen*lesen auf meinem Blog 'chick lit - die neue frauenliteratur' erschienen.



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Tags: chris krau, feminismu, frauenliteratu, i love dic, literatur des 20. jahrhunderts, literatur von frauen, theoretical fiction   (7)
 
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