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59 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

bürgerkrieg, usa, krieg, dystopischer roman, zukunftsvision

American War

Omar El Akkad , Manfred Allié , Gabriele Kempf-Allié
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 27.07.2017
ISBN 9783103973198
Genre: Romane

Rezension:

An diesem Buch kam ich in den letzten paar Monaten nicht vorbei. Egal ob in der Buchhandlung oder im Internet, das Buch war omnipräsent und wurde mir laufend zum Kauf vorgeschlagen. Die guten Bewertungen haben mich dann schussendlich zum Erwerb bewogen. Jetzt nach der Lektüre bin ich in meiner Meinung etwas unschlüssig und alles andere als sicher wie ich es bewerten soll. Ich habe ein paar wirklich gute und fundierte Rezensionen anderer Leser gelesen. Nun frage ich mich, warum die Geschichte mich nicht restlos überzeugen konnte. Es ist zweifellos ein gutes Buch aber zu einem hymnischen Meinungsäusserung lasse ich mich nicht verleiten.

Die Idee einen Endzeit Roman zu schreiben, der fünfzig Jahre in der Zukunft angesiedelt ist, der während und nach dem zweiten amerikanischen Bürgerkrieg spielt finde ich interessant. Wieder sind es ein paar Staaten im Süden die mit dem Norden im Krieg stehen. Die Klimaveränderungen haben das ihre zu dieser misslichen Lage beigetragen. Die Geschichte baut sich rund um Sarat Chestnut auf, die als kleines Mädchen mit ihrer Familie in ein Flüchtlingslager ziehen muss. Dort trifft sie auf mehrere Personen die mal nur eine kleine Episode in ihrem Leben spielen und mal auf Figuren die sie in ihrer Entwicklung und Gesinnung nachhaltig beeinflussen. Und das nicht unbedingt zu ihrem Guten, denn sie radikalisiert sich zusehends und als Leser spürt man, dass dieser Roman auf einen dramatischen Schluss zusteuert.

Der Roman beginnt für mich erst ab Seite 99 richtig interessant zu werden. Die vorherigen Seiten benötigt der Autor um sein Schreckensszenario den Lesern begreiflich zu machen. Für mich zieht sich dieser Teil etwas langsam dahin und meine Vorfreude wurde da etwas gedämpft. Die Zeit mit Sarat im Flüchtlingscamp ist dann spannend und man merkt wie sie sich Leitpersonen sucht und an ihnen orientiert. Sie ganz Kind in einer desaströsen Lage, gefangen in der Eintönigkeit des Alltags. Soweit alles in Ordnung. Die grossen Zeitsprünge innerhalb der Geschichte verhindern, dass es ein Entwicklungsroman wird. Mit zunehmender Lesedauer erscheinen mir die Figuren mehr und mehr nur als Mittel zum Zweck vom Omar El Akkads düsterer Zukunftsvision. Und das ist mein zweiter Dämpfer. Die Bindung zu den Protagonisten bleibt irgendwie auf der Strecke. Mein Drang in diesem Buch zu lesen köchelt zusehends auf kleiner Flamme dahin. Ich habe mehr als 10 Tage gebraucht um diesen Roman zu lesen und das ist für mich als Vielleser eine verdammt lange Zeitspanne.

Fazit: Eine Geschichte mit interessanter Thematik die aber stellenweise etwas unausgegoren wirkt. Schade das primär nur mein Kopf und Verstand angesprochen wird aber mein Bauchgefühl aussen vor bleiben muss. Die, zugegebenermassen sehr hohe, Erwartungshaltung konnte die Geschichte nicht erfüllen. Deshalb die ehrliche drei bis dreieinhalb Sterne-Wertung.

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23 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

schweden, krimi, molly blom, lappland, sam berger

Sechs mal zwei

Arne Dahl , Kerstin Schöps
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2017
ISBN 9783492058117
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Da ich den ersten Band der Berger & Blohm Reihe von Arne Dahl erst vor zwei Wochen gelesen habe, habe ich den Vorteil, dass mir die Personen und der vorhergehende Fall noch ganz frisch im Gedächtnis sind. Und ich bin sehr froh darüber, dass mir noch vieles in Erinnerung ist weil der Beginn in diesen zweiten Band sehr verwirrend ist und Arne Dahl den Lesern den sicheren Boden unter den Füssen wegzieht. Irgendwie ist alles wie im Delirium und vieles spielt sich wie in Traumsequenzen ab. Vollkommen konfus und wie hinter einem einem nebulösen Schleier verborgen spielen sich Szene für Szene ab und ich habe versucht herauszufinden, was zum Teufel mir der Autor da zum Lesen vorsetzt. Nach und nach klären sich die Nebelschleier auf und als Leser fasst man festen Tritt und kann sich ganz dem Geschehen widmen.

Sam Berger und Molly Blom sind nicht mehr im Polizeidienst bzw. beim Geheimdienst und sie müssen erstmal von der Bildfläche verschwinden und untertauchen. (Das hat mit dem üblen Cliffhanger ganz am Ende des ersten Bandes zu tun) Der Geheimdienst fahndet nach den Beiden und dank Mollys spezifischem Wissen können sie sich unbemerkt in die klirrend kalte schwedischen Einöde zurückziehen. Sie stehen dennoch in Kontakt mit Deer (Desiree Rosenqvist) die einen komischen Brief erhält der mit eindeutig zweideutigen Textpassagen gespickt ist der auf Sam, seine aktuelle vertrackte Lage sowie einen alten Kriminalfall Bezug nimmt. Molly und Sam besuchen die Verfasserin des Briefes und geraten in eine desaströse Lage und sind fest als Hauptverdächtige in einen Mordfall verstrickt. Ganz so wie das eine unbekannte und bösartige Person geplant hat. Nun müssen sie sich aus ihrem geheimen Versteck selbst aus der misslichen Situation helfen. Sie werden bei ihren Unternehmungen aber genau beobachtet ...

Ganz ehrlich, dieser Kriminalfall und das Handlungsgerüst wirken auf mich arg konstruiert. Deer, Molly und Sam müssen sehr intelligente Protagonisten sein, sie kommen im Verlauf der Geschichte auf Entscheidungen / Gedankengänge / Lösungen deren Grundlage mir manchmal verborgen blieb und Stellenweise habe ich den Überblick nach dem "Warum jetzt gerade das geschieht was geschieht" verloren. Um alles gedanklich halbwegs einsortieren zu können, musste ich ab und zu zurückblättern und Passagen mehrfach lesen. Vieles ist nicht so wie es scheint aber bis zum Schluss ergibt aber dennoch ein ganzheitliches Gebilde.

Meine Vermutung: Diese beiden ersten Bände sind nur Etappen auf einem Weg zu einer grossen Sauerei die wahrscheinlich bis in höchste schwedische Kreise reicht. (Geheimdienst/Polizei? Wirtschaft? Politik?) Arne Dahl hat ein den jetzigen Fällen übergeordnetes Konstrukt geplant und führt uns Leser nun Stück für Stück an die skandalträchtige Wahrheit heran. Und nur weil ich das vermute und wissen will was Dahl da für ein richtig grosses Wespennest in petto hat bleibe ich an der Serie dran. Wäre es nur lose Aneinanderreihung von Kriminalfällen würde das Handtuch werfen und aus der Serie aussteigen.

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(60)

72 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 53 Rezensionen

krimi, nordirland, irland, adrian mckinty, mord

Rain Dogs

Adrian McKinty , Peter Torberg
Flexibler Einband: 404 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.02.2017
ISBN 9783518467473
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine der derzeit besten Hardboiled-Krimireihe auf dem Markt geht in die fünfte Runde und wo andere Serien mal schwächere Bände haben, bleibt die Sean Duffy Reihe geschrieben vom Schriftsteller Adrian McKinty auf sehr hohem Niveau. Dieser fünfte Band bringt primär den mysteriösen Todesfall einer Journalistin dessen Umstände (Mord oder Selbstmord) es aufzuklären gilt. Privat läuft es Sean Duffy gar nicht gut. Er wird von seiner jüngeren Freundin verlassen und sein Leben entwickelt sich gezwungenermassen in anderen Bahnen weiter und der Roman endet mit einer formidablen Überraschung.

Ungefähr nach dem ersten Drittel des Buches dachte ich, dass der Autor diesmal das Augenmerk stark auf den Kriminalfall legt. Die üblichen Passagen die das schwierige Leben eines katholischen Inspektors mitten im brodelnden Nordirland Konflikt schildern sind diesmal nur kleine Anspielungen. Ich musste aber lernen, dass der Autor dieses delikate und leidvolle Thema für die zweite Hälfte des Romans aufgespart hat.

Wie immer bei einer Krimireihe die Frage, ob die Leser die den Einstieg in die Serie verpasst haben dieses Buch trotzdem lesen können. Ich würde davon abraten, da es etliche inhaltliche Bezüge zu Ereignissen der Vergangenheit gibt. Man versteht einige Dialoge und diesmal sogar den Kriminalfall an sich besser wenn man die jeweiligen Vorgeschichten auf die Bezug genommen wird kennt.

Der gebürtige Nordire Adrian McKinty ist ein souveräner Erzähler der die terrorgeschwängerte Atmosphäre der Achziger Jahre in und rund um Belfast authentisch schildert. Die knallharte Realität unspektakulär zu Papier gebracht und mit vielschichtigen aber bodenständigen Figuren bestückt wird diese Geschichte zum Pageturner. Alkoholismus, Kriminalität jeglicher Couleur und Gewalt sind an der Tagesordnung und das legendäre irische Mistwetter trägt seinen Teil zur gefühlskalten Umgebung bei. Ein Buch für Leser die auf narrative Weichzeichnungen verzichten können und einen Krimi mit politischem Hintergrund mögen. Absolut empfehlenswert!

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(44)

75 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

wien, krimi, nachkriegszeit, mord, historischer krimi

Der zweite Reiter

Alex Beer
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Limes, 27.03.2017
ISBN 9783809026754
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser Historischer Kriminalroman spielt in Wien unmittelbar nach Beendigung des 1. Weltkriegs. Die Folgen der katastrophalen knapp vier Jahre sind deutlich zu spüren. Die Bevölkerung leidet immens und für viele Menschen heisst die Devise: irgendwie Überleben. Leben kann man dieses existieren in bitterer Armut kaum bezeichnen. In dieser schwierigen Zeit versuchen staatliche Organe Recht und Ordnung, so gut wie es möglich ist, aufrecht zu erhalten und durchzusetzen. In diese dramatischen Jahre der unmittelbaren Nachkriegszeit setzt die Autorin Alex Beer die Handlung einer Kriminalgeschichte. Dreh- und Angelpunkt ist Rayoninspektor August Emmerich dessen primäre Aufgabe die Bekämpfung des grassierenden Schwarzmarktes ist. Er stösst bei einem Einsatz auf die Leiche eines verarmten Kriegsinvaliden. Obwohl die Aufklärung der Umstände die zum Tode des Mannes nicht in sein Zuständigkeitsgebiet fällt, versucht er diesbezüglich etwas herauszufinden. Ein zweiter Toter der in Verbindung zum ersten steht lässt ihn Schlimmes vermuten ...

Was von Beginn an auffällt, ist die Besonnenheit mit der die Autorin die Geschichte erzählt. Da ist ein dramatisches Setting mit Nachkriegswirren und ein todbringendes Verbrechen aber der Tonfall bleibt stets ruhig und gefasst. Dieses kontrollierte erzählen weiss grundsätzlich zu gefallen. Es gibt aber ein paar Szenen, bei denen ich mir gewünscht hätte, dass die Autorin etwas aus sich herausgekommen wäre und mit der Kraft der Sprache etwas mehr Dramatik in die Geschichte gebracht hätte. Die Story, die man erst gegen Schluss in seiner Gesamtheit erfasst, ist klug ausgedacht und überzeugt voll und ganz. Das sich die Hauptfigur August Emmerich nicht immer Mustergültig verhält ist plausibel. In dieser schweren Zeit ist Schlitzohrigkeit gefragt, auch wenn das heisst, kleinere Vergehen gegen Gesetze zu begehen. Seinen grundsätzlichen Prinzipien bleibt er hingegen treu und setzt sie auf Teufel komm Raus auch gegen die Obrigkeit und seine eigenen Gefühle durch. Ein absolut glaubwürdiger Mensch der die Hauptrolle in einer mehrteiligen Krimiserie sehr gut ausfüllen und auf seinen Schultern tragen kann.

Fazit: Ein bemerkenswert guter Historischer Kriminalroman mit viel Zeit- und Lokalkolorit. Dass die Geschichte mit einem argen Cliffhanger endet hätte nicht unbedingt sein müssen. Der Krimi hat mich auch so überzeugt und ich hätte die Fortsetzung, sprich 2. Band der Serie, auch ohne diese kleine Anspielung gekauft.

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41 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

hamburg

Housesitter

Andreas Winkelmann
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 18.08.2017
ISBN 9783805251020
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Den neuesten Thriller von Andreas Winkelmann habe ich mir einen Tag nach Erscheinen auf den Kindle geladen und über das vergangene Wochenende gelesen. Da ich mittlerweile schon ein paar seiner Bücher gelesen habe, kann ich sagen, dass es ein paar für ihn typische Figuren und Textpassagen hat. Wenn wir schon im Genre der Thriller sind könnte man sagen, dass nicht nur ein Serientäter einen Modus Operandi hat sondern auch ein Schriftsteller.

Das Setting ist düster und ein Unbekannter beobachtet im Dunkeln von Aussen ein Pärchen im Haus. Diesbezüglich macht das in meinen Augen unansehnliche und nicht gerade verkaufsfördernde Umschlagbild Sinn. Es weckt in uns Lesern ein Unbehagen. Niemand mag es von Fremden beobachtet oder als perfide Steigerung sogar ausspioniert zu werden. Wenn der mysteriöse Fremdling dann noch Böses im Schilde führt, so wie in diesem Buch, dann wird aus den unbehaglichen Gefühl Beklommenheit, Einschüchterung und die beginnende Furcht wächst zur Angst und Panik. Für Andreas Winkelmann sind diese bangen Gefühle nur der Ausgangspunkt der Handlung und er treibt die bösartige Geschichte weiter, viiieeelll weiter und lässt uns Leser an den Gedanken und Taten eines skrupellosen Psychopathen teilhaben. Aber ist er tatsächlich so ein gefühlskaltes Monster? Welche Lebenserfahrungen haben ihn zu dem gemacht, der er heute ist? Eine ganz andere Seite in ihm ist gierig auf ein verklärt romantisches Zusammenleben. Eine tiefe Sehnsucht nach Zweisamkeit die im Hirn einen komplett falschen Weg einschlägt und mangels sozialen Kontakten, die ihn zurück auf den rechten Weg bringen könnten, zu einem fatalen Wahn ausartet.

Eine gute Geschichte, auch im Genre der Thriller, lebt von glaubhaften Protagonisten und von diesen überzeugenden Figuren gibt es in diesem Thriller gleich mehrere. In der Personengestaltung hat sich Andreas Winkelmann viel Mühe gegeben und dies zahlt sich für uns Leser aus. Aus abwechselnder Sichtweise nehmen wir an den Ermittlungen zweier Kommissare und einem Freund des Opfers teil. Jede Perspektive hat seine spezielle Charakteristik und nimmt auf ihre Art einen nachvollziehbaren Fortgang. Der ganze Fall ist für uns Leser gedanklich fassbar und über die fast 500 Seiten musste ich mich nie Fragen oder zurückblättern und nachlesen, warum Personen zu gewissen Entscheidungen / Gedankengänge / Lösungen gekommen sind. Es ist alles von A bis Z nachvollziehbar. (Das ist leider längst nicht bei jedem Krimi/Thriller so) Selbst die abstruse Denkweise des Bösewichts ist irgendwie auf verquere Weise plausibel.

Zu Bemängeln gibt es für mich neben dem schauderhaften Cover nur die Sache, dass es für uns Leser nicht viel zum Rätseln gibt. Das finde ich sehr schade. Ohne gross zu spekulieren oder eigene Gedankenkonstrukte aufzubauen kann man dem Geschehen folgen. Da wir Leser stets mehrere Sichtweisen kennen, sind wir gegenüber den Protagonisten wissensmässig im Vorteil. Dieser Umstand führt dazu, dass der Spannungsbogen ein stetes auf und ab ist. Allerdings auf ansprechendem Niveau. Hat man einmal mit Lesen angefangen, will man auch Wissen was als nächstes Geschieht und wie die bitterböse Geschichte ausgeht. Der "ich will ums verrecken weiterlesen Effekt" ist da und die 500 Seiten sind ratzfatz gelesen. Genau so wie es bei einem guten Thriller sein soll.

In der Wertung schwanke ich zwischen vier und fünf Sternen. Vier oder Fünf? Fünf oder Vier?

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Sieben minus eins

Arne Dahl , Kerstin Schöps
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492311816
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Von Arne Dahl habe ich vor ewigen Zeiten, bevor ich angefangen habe kurze Rezensionen zu schreiben, einen Band der Serie rund um das "A-Team" gelesen und war nur mittelmässig zufrieden. Seither habe ich bis zu diesem Buch keinen Krimi mehr von ihm gelesen. Der Kindle-Deal der Woche hat mir die Möglichkeit gegeben, für kleines Geld Dahls Auftakt zur "Berger & Blohm" Reihe zu lesen. Das Buch ist gut, wenn auch mit zwei oder drei Einschränkungen.

Dass die Geschichte mitten in einem dramatischen Polizeieinsatz beginnt stört mich nicht. Die Handlung und die involvierten Figuren lassen sich gut merken und einsortieren. Relativ schnell kristallisieren sich die wichtigen Protagonisten heraus. Das Augenmerk liegt erstmal auf der Polizeiarbeit und der Jagd nach einem unbekannten Kidnapper. Nach rund einem Drittel wird eine mysteriöse Frau zum Brennpunkt der Ermittlungen, kann identifiziert und zum Polizeiverhör vorgeladen werden. Dort nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung und stellt sicher geglaubte Fakten auf den Kopf. Ich darf natürlich nicht verraten was dies ist aber als übertölpelter Leser glaube dem Autoren von nun nichts mehr. Wer einen solch heftigen Haken in der Handlung schlägt, tut dies auch ein zweites oder drittes Mal. So nach zwei Drittel sind mir zwei oder drei Schritte der Hauptfiguren nicht ganz klar. Warum sind sie zu diesen Entscheidungen gekommen? Für etwa 50 Seiten Seiten erscheint mir das Geschehen etwas wirr. Der Täter ist dann relativ früh bekannt und es folgt die Jagd auf ihn und ein dramatisches Finale. Das die Geschichte mit einem bösen, gaaaaaaaanz bösen Cliffhanger endet findet ich gar nicht gut.

Die Hauptfigur Sam Berger ist richtiggehend in den Fall verbissen bleibt aber lange eine eindimensionale Figur. Er ist ganz klar Dreh- und Angelpunkt der Geschichte aber echte Konturen und Tiefe hat er nicht. Ich vermute mal, das ist vom Autoren so geplant, da im zweiten Teil seine Vergangenheit wichtig wird. In diesem Part soll er wohl für die Leser greifbarer werden. Dies ist meiner Meinung nach nur mittelprächtig gelungen. Von der zweiten Hauptfigur Molly Blom müssen wir gar nicht erst sprechen. Sie taucht erst gegen Mitte des Buches auf und hier liegt in der der Personengestaltung noch viel Potential brach.

Das Buch wird vom Verlag in die Gattung "Kriminalroman" einsortiert. Ich persönlich würde es als „Thriller“ bezeichnen. Für mich ist ein Kriminalroman im Handlungsablauf etwas ruhiger und er hat etwas mehr literarisches "Drumherum" bzw. themenspezifischen Tiefgang in der Handlung. Hier geht es Schlag auf Schlag was die Leser dazu verleitet, sich rasend schnell durch die Geschichte zu pflügen. (So gings mir auch).

Da ich den Auftakt der "Berger & Blohm"Reihe erst knapp ein Jahr nach erscheinen gelesen habe, kann ich in zwei Wochen den zweiten Band umgehend lesen und mein Vorteil ist, dass das Figuren- und Handlungswissen noch ganz frisch im Gedächtnis ist. Ich werde das zweite Buch definitiv zeitnah nach der Veröffentlichung lesen und dann entscheiden, ob ich an der Serie dran bleibe oder aussteige. Mit der Wertung für dieses Buch tue ich mich schwer. Drei oder vier Sterne gehen in Ordnung.

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56 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

krimi, berlin, ddr, stasi, rechtsextremismus

Stimme der Toten

Elisabeth Herrmann
Fester Einband
Erschienen bei Goldmann, 14.08.2017
ISBN 9783442313914
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Beim Stöbern querbeet durch das riesige Angebot bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden und ich habe mir das E-Book spontan auf meinen Kindle geladen. Von Elisabeth Herrmann habe ich bis dato noch kein Buch gelesen aber die durchschnittlichen Bewertungen ihrer bisher veröffentlichten Kriminalromane sind gut bis sehr gut und die Kurzbeschreibung verspricht einen vielschichtigen Krimi mit mehreren interessanten Handlungssträngen. Auch das es fast 550 Seiten sind spricht mich an, da ein längerer Krimi meist etwas mehr "Drumherum" um die diversen Handlungsfäden besitzt.

Von Beginn weg bin ich beeindruckt, mit welch unerschütterlicher Ruhe Elisabeth Herrmann die Geschichte einfädelt und erzählt. Zudem ist die literarische Qualität meiner Ansicht nach weit über dem üblichen Genredurchschnitt. Dies mag einerseits durch den Verzicht auf billige Effekthascherei mit künstlich erzeugter Lesetempobolzerei durch kurze Kapitel die meist mit unsäglichen Cliffhangern enden geschuldet sein. Anderseits ist hier eine überaus talentierte Geschichtenerzählerin am Werk die das Métier des Schreibens beherrscht. Diese Kombination ist die erfolgsversprechende Basis eines jeden guten Kriminalromans.

Auf den Inhalt möchte ich nicht detailliert eingehen, da die Kurzbeschreibung des Verlags die Ausgangslage treffend zusammenfasst. Stellenweise hatte ich das Gefühl, ich müsste Detailwissen aus dem ersten Roman mit Judith Kepler als Hauptfigur besitzen. Dies ist natürlich Quatsch da dieser Krimi im Jahr 2011 veröffentlicht wurde und niemand kann von den Lesern erwarten nach über sechs Jahren noch Detailkenntnisse im Gedächtnis zu haben. Vielleicht kommt dieser Eindruck auch daher, dass ein eminent wichtiger Handlungsfaden sich intensiv mit der Vergangenheit oder besser der Kindheit von Judith Kepler befasst. Woher kommt Judith? Was ist mit ihren Eltern geschehen? Was für ein Insiderwissen wird bewusst verschwiegen?

Ein Attentat soll in Berlin verübt werden was den ganzen europäischen Kontinent erschüttern soll. Nein, nicht mit der zerstörerischen Kraft einer riesigen Bombe oder das Töten eines hochrangigen Politikers sondern durch filigrane Cyberkriminalität. Was haben wir Leser in den vergangen 10-Jahren gelernt welche Branche "Too-big-to-fail" ist? Richtig! Es sind die Banken welche systemrelevant sind und mit viel zu viel Steuergeld vor dem Untergang gerettet wurden und immer noch werden. Eine dieser Lebensnerven der Finanzwelt soll nun gehackt und Daten manipuliert werden. Dies ist eine teuflisch schwere Aufgabe die minutiös geplant und vorbereitet werden muss. Natürlich sind die grossen Geheimdienste der Welt involviert und es entwickelt sich ein Spionageroman mit Agenten und Doppelagenten sowie unabhängigen Söldner die sich opportunistisch immer in den Dienst stellen, welcher ihnen meisten bezahlt.

Als wären Judith Keplers Vergangenheit und die Spionagegeschichte nicht schon genug zum Verarbeiten in einem Kriminalroman wird auch noch ein Nachbarskind von Judith zum Thema, das von einer Kinderschutzbehörde in ein abgelegenes kleines Dorf abgeschoben wird in dem rechtsradikale Kreise das Dorf beherrschen und Andersdenkende terrorisieren. Alles in allem eine Mammutaufgabe die sich die Autorin gestellt hat aber sie löst diese grosse Herausforderung mit Bravour! Als Leser ist man jederzeit gedanklich voll auf der Höhe des Geschehens und kann den verschiedenen Handlungssträngen problemlos folgen. Vorahnungen was geschehen könnte hatte ich aber ich musste lernen, dass ich meist falsch lag und ich mich besser voll und ganz auf die Handlung konzentriere und mich von Elisabeth Herrmann virtuell an die Hand nehmen und mich von ihr durch die Geschichte führen lasse.

Fazit: Ganz grosses Erzählkino! Politische und wirtschaftliche Brisanz in einen tagesaktuellen Kriminalroman gepackt. Die Art und Weise wie diese Geschichten in der Geschichte erzählt werden und miteinander verstrickt sind erinnert mich an den berühmten und leider viel zu früh verstorbenen Stieg Larsson! Ein grösseres Kompliment kann ich nicht machen. Im Nachhinein bereue ich es, "nur" das E-Book gekauft zu haben. Ein solch tolles Buch gehört eigentlich in gedruckter Ausgabe in meine Bibliothek.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

hap collins, leonard pine

Bärenblues

Joe R. Lansdale , Steve Ayan
Buch: 275 Seiten
Erschienen bei Golkonda Verlag, 30.11.2016
ISBN 9783946503040
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Joe R. Lansdale ist der Schriftsteller, von dem ich mit Abstand am meisten Bücher in meiner riesigen Bücherwand habe. Ich habe (fast) alle Werke die in den letzten Jahren auf Deutsch erschienen sind. Romane vom Golkonda Verlag, Tropen, Heyne Hardcore, Dumont oder sogar eine Ausgabe aus dem Shayol Verlag sind in meinem Besitz. Natürlich Allesamt als gedruckte Ausgaben und nicht als E-Book. Immer einen ungelesenen Lansdale zu Hause haben für schlechte Zeiten lautet meine Devise. ;-) Da im Golkonda Verlag im September 2017 ein neues Buch aus der Hap & Leonard Serie erscheint, habe ich diese herrliche Geschichte endlich gelesen. Es war wie immer ein grosses Vergnügen die beiden Haudegen bei ihren abenteuerlichen Unternehmungen zu begleiten.

Da der Golkonda Verlag die Hap & Leonard Serie nicht in chronologischer Reihenfolge veröffentlicht möchte ich erwähnen, dass dies die 3. Episode ist. Leser die die Serie nicht kennen sollten primär mal das erste Buch "Wilder Winter" kaufen und dann kann man die Romane, bis auf eine Ausnahme, lose durcheinander lesen. Wer Hap & Leonard nicht kennt dem sei gesagt, dass sich hier zwei Typen getroffen und angefreundet haben die eigentlich üüüberhaupt nicht zueinander passen. Hap Collins ist weiß, hetero und Kriegsdienstverweigerer. Leonard Pine ist schwarz, schwul und Vietnamveteran. Was die beiden Dickschädel nebst der Freundschaft eint ist, dass sie Probleme konsequent anpacken, einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit haben und ein grosses Herz das auf dem rechten Fleck sitzt.

Diesmal kriegen unsere beiden heldenhaften Draufgänger aber gehörig auf die Mütze! Uuuiii uuuiii uuuiii ! Natürlich teilen sie wie gewohnt auch kräftig aus aber erstmal werden sie übel verprügelt. Und warum? Weil das infernalische Duo in einer Kleinstadt, in der die rassistischen weissen Kapuzenträger des KKK regieren, nach einer schwarzen Frau suchen die spurlos verschwunden ist. Wie es ihrem Naturell entspricht, gehen Hap & Leonard bei ihren Nachforschungen nicht dezent vor sondern offen und provokant. (Stichwort: Weihnachtsameisen … :-) ) Zu Provokativ wie es sich zeigen wird. Unsere beiden streitbaren Gesellen sind zwar eingeschüchtert aber vom Fall loslassen wollen sie dennoch nicht. Bockig und stur wie sie sind kehren sie in das kleine Städtchen zurück und tun das, was getan werden muss …

Die Hap & Leonard Reihe ist gewiss nichts für mimosenhafte Leser die zynische Dialoge deutlich unterhalb der Gürtellinie und weit von der politischen Korrektheit entfernt nicht vertragen. Es geht generell wüst zu und her und in diesem Band ganz besonders. Dieser Roman wurde glaub ich von einem neuen Übersetzer ins Deutsche übertragen und er nutzt die Freiheiten die Reden pointiert und mit triefendem Sarkasmus wiederzugeben. Das ist ganz nach meinem Gusto und trifft mein Humorzentrum voll und ganz. Was habe ich teilweise gegrinst und gelacht!

Fazit: Das Buch ist haptisch ein Genuss und vom Golkonda Verlag sehr schön gestaltet und tiptop gefertigt. Ganz klar Genreliteratur die man mögen muss und für Lansdale Anhänger definitiv Pflicht und für andere Leser/-innen ein "Kann". Bärenstark!

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91 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

psychothriller, pflegefamilie, düster, thriller, psychologischer spannungsroman

Ich bin böse

Ali Land , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 20.02.2017
ISBN 9783442484560
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieses Buch, dass in der Sparte der Krimis gelistet ist, ist in manchen Belangen anders als die meisten handelsüblichen Krimis. Der Verlag bezeichnet es auf dem Umschlagbild folgerichtig weder als Krimi noch als Thriller sondern als "Psychologischer Spannungsroman". Dieser Begriff ist zutreffend aber ungewohnt. Anders ist es auch in seiner Struktur, da es von den bekannten Konzepten der Thriller oder Kriminalromane abweicht. Anders ist es auch vom Schreibstil her. Besonders zu Beginn hatte ich mit der sehr einfachen, zeitweise faden Sprache meine Mühe. Wobei Mühe das falsche Wort ist, es wollte einfach keine rechte Begeisterung für die Geschichte aufkommen.

Inhaltlich beschäftigt sich der Roman mit Annie die miterleben muss, wie ihre Mutter nach und nach neun Kinder tötet. Als die schrecklichen Verbrechen aufgeklärt werden, wird die 15-jährige Annie in einer Pflegefamilie untergebracht und lebt dort zu ihrem Schutz mit dem neuen Namen Milly. In einem neuen Umfeld versucht sie einen einigermassen geregelten Tagesablauf zu finden. Sie wird aber von der Tochter der Pflegefamilie gemobbt und auch sonst ist in dieser Familie einiges im argen. Die psychische Verarbeitung des Erlebten und der stetig näher kommend Gerichtsprozess der Mutter führt bei Milly zu intensiven inneren Zwiegesprächen. Als Leser ahnt man, dass die Geschichte auf eine Eskalation der Ereignisse zusteuert …

Wir Leser erleben primär Millys Welt mit ihren Gedanken und Gefühlen. Dies ist zwar interessant aber in literarischer Hinsicht eine riesengrosse Herausforderung an die Autorin. Die eindimensionale Sicht von nur einer Person auf vergangenen, aktuellen und kommenden Ereignisse (Gerichtsverhandlung) und wie die Hauptfigur dies mental Verarbeitet ist sehr schwer in passende Worte, Sätze und Abschnitte zu fassen. Die Leser möchten dabei einen permanent hohen Spannungsbogen damit sie an der Geschichte kleben. Die heikle Aufgabe hat die englische Schriftstellerin ordentlich aber eben nicht gut oder sehr gut gelöst. (Wenn man die sehr guten Bewertungen anderer Leser betrachtet vertrete ich eindeutig eine Minderheitsmeinung).

Es entwickelt sich ein Lesesog aber der ist längst nicht so intensiv wie bei anderen Bücher der Gattung Krimi. Mit einer etwas drögen Gleichgültigkeit nahm ich das Gelesene wahr und es zog an mir vorbei. Auf den letzten rund sechzig Seiten wird die Geschichte besser und besser aber um auf eine Wertung von vier Sternen aufzurunden reicht es für mich nicht.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

pennsylvania, usa

Auf der Jagd

Tom Bouman , Gottfried Röckelein
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 30.01.2017
ISBN 9783869137223
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Genretechnisch könnte man dieses Buch mit "Country Noir in der Struktur eines Kriminalromans" oder umgekehrt "Kriminalroman mit vielen Elementen aus dem Country Noir" umschreiben. Nicht allen Lesern dürfte der Begriff Country Noir geläufig sein und ich verstehe darunter bittere bis pechschwarze Geschichten aus der verarmten amerikanischen Bevölkerungsschicht in ländlicher Umgebung mit Menschen die (fast) alle Hoffnungen auf ein besseres Leben begraben haben und ein tristes Dasein fristen. Alkohol, Drogen und Gewalt bestimmen den Tagesablauf aber in diesem dreckigen Milieu findet man immer irgendwo ein Pflänzchen des Guten worüber es sich lohnt Geschichten zu schreiben.

Dass es sich bei diesem Krimi um ein Debüt handeln soll mag man aufgrund der sprachlichen Qualität fast nicht glauben. Hier ist ein Schriftsteller am Werk, der das Métier des Schreibens beherrscht und formvollendet mit Worten umgehen kann. Dieser Kriminalroman ist literarisch weit über dem üblichen Genredurchschnitt. Die stoische Ruhe mit der der Autor Tom Bouman die Geschichte erzählt ist der einzige kleine Makel den ich erwähnen möchte. Zeitweise ist es selbst mir als geduldiger Leser zu ruhig und zu detailverliebt so dass ich mir gewünschte hätte, es möge etwas Lebendiger zu und her gehen. Für Thriller-Liebhaber, denen es schnell in den Beinen kribbelt wenn mal 10 Seiten nicht sooo viel geschieht, die schnelle Schnitte und spektakuläre Actionszenen mögen ist dieses Buch definitiv nichts.

Inhaltlich gibt es der guten Kurzbeschreibung nichts hinzuzufügen ohne dass ich zu viel verraten würde. Die Personengestaltung von Henry Farrell überzeugt und er taugt als bodenständige Hauptfigur und er kann die Geschichte problemlos schultern. Schön mal einen glaubwürdigen Ermittler zu haben, der nicht von A bis Z mit psychischen Macken übersät ist. Er ist eine Stütze des Rechtsstaates inmitten der latent vorhanden kriminellen Machenschaften. Die an und für sich landschaftlich schöne Umgebung in der er tätig ist bildet den Kontrast zu den schrägen, manchmal heuchlerischen aber meistens egoistisch veranlagten Mitbürgern die nur ihr persönliches Wohl im Sinn haben ohne Rücksicht auf Verluste.

Fazit: Ein Kriminalroman mit Format. Meine Empfehlung: Kaufen und Lesen!

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58 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

thriller, spannung, psychopat, kinder, katz- und mausspiel

Nummer 25

Frank Kodiak
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.07.2017
ISBN 9783426520093
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mein letztes gelesenes Buch der Sparte "gnadenloser Thriller" war unbefriedigend und ich folgte meinem inneren Drang Nachschub aus diesem heftig-deftigen Genre zu beschaffen. E-Book Technologie und Kindle sei Dank, kann man auch spät Nachts Bücher kaufen und schwuppdiwupp gleich mit lesen loslegen. Auch wenn es nebst Euro auch Schlaf kostet ... Meine Wahl fiel nach kurzem Online-Stöbern auf dieses Buch. Frank Kodiak ist das offene Pseudonym des deutschen Schriftstellers Andreas Winkelmann und ein paar seiner Thriller habe ich letztes Jahr gelesen. Er ist mir als Autor in Erinnerung geblieben, der mit seinen Figuren, ob nun Täter oder Opfer, recht derbe umgeht. Also genau die Gattung Literatur, die ich in dem Moment gesucht habe.

Die Kurzbeschreibung fasst die Ausgangslage und den Inhalt sehr treffend zusammen. Da ich genau dasselbe, nur mühselig in andere Worte gefasst aus den Fingern saugen würde, verzichte ich darauf. Das Setting mit der abgelegenen Hütte im ländlichen Nirgendwo mit markanten Hauptfiguren sowie einem Hund der im Verlauf der Geschichte dazu stösst kommt mir bekannt vor und passt wie die Faust aufs Auge zu Andres Winkelmann ääähhh Frank Kodiak. Die hassenswerte Figur des unbekannten psychopathischen Entführers und Mörders der den eigenbrötlerischen Erfolgsschriftsteller zu einem schrecklichen Duell herausfordert bleibt bis kurz vor Schluss im Dunklen. Wer von den beiden schafft es, seinen Antipoden mehr zu triezen und zu einem Fehler zu verleiten? Verdächtigungen dürfen in jede Richtung angestellt werden. Die gekidnappten Opfer kriegen im Verlauf der Geschichte Namen und Lebenslauf aber nicht so detailliert dass es einem zu sehr ans Herz geht wenn sie sterben müssen. (So verroht und abgestumpft sind wir Leser schon ... Schlimm!)

Andreas W. wird also zu Frank K. und in dessen Buch kommt ein virtueller und sonderlicher Schriftsteller vor der Andreas Z. heisst und eine frappant ähnliche Vita aufweist wie dem realen Andreas W. ... ??? Die Frage nach den autobiografischen Bezügen stellt sich aber es ist wohl nur ein Spielchen des Autors mit seinen Stammlesern. Menschen aus seinem privaten und beruflichen Umfeld werden vielleicht noch mehr Andeutungen aus Textstellen herauslesen als wir normalen Kunden. Sogar die Literatur-Blogger und Hobbyrezensenten im Internet, so wie ich einer bin, sind eine Erwähnung wert. Ich hoffe, der Autor nimmt es mir nicht übel, dass ich trotzdem etwas zu seinem Werk schreibe ...

Das was ich im letzten Buch vermisst habe finde ich in diesem Werk. Es ist hintergründig und die psychologische Aspekte sind nicht nur vorhanden sondern sie sind ein elementarer Bestandteil der Handlung. Das gefällt, weil man als Leser seine eigenen Gedankenkonstrukte aufbaut, manche sind zugegebenermassen auf weichem Untergrund gebaut und arg wacklig, und trotz aller Routine von hunderten gelesenen Büchern ist es gut möglich, dass man dem gewieften Autor auf den Leim kriecht. Ich muss zugeben, dass ich mit meinen Vermutungen falsch lag oder sie zu wenig weit Ausgebaut habe und die Auflösung in der Form habe ich so nicht kommen sehen. Mein Duell mit dem Autoren in Sachen "auf die Schliche kommen" geht leider zu Gunsten des Schriftstellers aus.

Das Debüt von Frank Kodiak ist meiner Meinung das bisher beste Buch von Andreas Winkelmann und in meiner Wertung schwanke ich zwischen vier und fünf Sternen. Da ich den Thriller innerhalb von 24 Stunden gelesen habe und er mich blendend unterhalten und zum Nachdenken animiert hat runde ich auf die Bestwertung auf. Mal schauen was mein nächstes Buch ist, das mich Atemlos durch die Nacht hetzt bis ein neuer Tag erwacht. Oder so ähnlich ... ;-)

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

trilogie, thriller, band 3, jeff menapace, rezension

Das Spiel - Tod

Jeff Menapace , Sven-Eric Wehmeyer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.04.2017
ISBN 9783453677098
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer sich für die Lesermeinungen zu diesem Buch interessiert dürfte die ersten zwei Bände der Spiel-Trilogie von Jeff Menapace kennen. Falls nicht, macht das Durchlesen dieser kurzen Meinungsäusserungen keinen grossen Sinn da ohne Vorkenntnisse dieser deftige Thriller weder gekauft noch gelesen werden sollte. Es wird zu viel inhaltliches Wissen aus den vorigen zwei Büchern vorausgesetzt. Der Abschlussband der Serie ist anderes als die vorhergehenden, da die Familie Lambert diesmal nur Nebenfiguren sind. Es spitzt sich alles auf ein tödliches Duell zweier Protagonisten aus dem zweiten Buch heraus.

Im Wesentlichen sind die ersten zwei Drittel der Handlung Vorbereitungen auf ein wahrlich heimtückisches und bitterböses Spiel und das letzte Drittel logischerweise die Action und Nervenkitzel pur. Ich kann nicht abstreiten, dass die rabiate Geschichte einen Sog entwickelt, ich habe das Buch an einem einzigen Nachmittag gelesen, aber dennoch sind mir einige Schwachstellen aufgefallen.

Das Buch ist vom Umfang her recht dünn geraten, gerade mal 336 Seiten, und viele Kapitel enden mit lediglich ein paar Zeilen auf einer neuen Buchseite. Da ist zwischen den Buchdeckeln also viel unbedrucktes Papier enthalten. Mit ein Grund für die schnelle Lektüre und das schale Gefühl, dass der Autor auf Kosten der literarischen Quantität UND Qualität in möglichst möglichst kurzer Zeit einen 3. Band niedergeschrieben hat. Es geht wieder brutal zu und her aber diesmal ohne die psychologische Raffinesse. Dumpfe Gewaltszenen die an mir als Leser vorbeigehen ohne das es mich berührt. Nein, ich bin diesbezüglich nicht abgestumpft und kein gefühlloser Kerl aber wenn der inhaltliche Pfiff fehlt bleibt es leider nichts sagend. Die beiden Hauptfiguren sind zudem arg Plakativ gehalten. Der Autor versuch ihnen an ein paar Stellen sowas wie Tiefgang anzudichten damit sie etwas interessanter werden aber es bleibt beim erfolglosen Versuch.

Fazit: Das Spiel im letzten Drittel des Buches ist grundsätzlich eine gute Idee und vom Ablauf her einleuchtend konzipiert aber die literarische Umsetzung als Ganzes ist leider oberflächlich und sehr fade. Der Schluss ist dann sogar banal und enttäuschend wobei es sogar einen Anknüpfungspunkt für einen 4. Teil gibt. Ich hoffe, der Autor greift diesen nicht auf sondern schreibt eine komplett neue Geschichte. Dass er die schriftstellerischen Fähigkeiten dazu besitzt, sieht man am guten ersten Buch der Serie.

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22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

psychiatrie, ludwig meyer, hamburg, psychatrie, historisches roman

Von allen guten Geistern

Andreas Kollender
Fester Einband
Erschienen bei Pendragon, 10.02.2017
ISBN 9783865325754
Genre: Romane

Rezension:

Bei einem tadellosen Werk an dem es meiner Meinung nach nicht das Geringste zu mäkeln gibt, darf man sich als Rezensent auch mal kurz halten. Dieser Historischer Roman mit biografischen Elementen vom Leben von Ludwig Meyer ist eine literarische Würdigung eines prinzipientreuen Mannes, der sich entschlossen gegen den herrschenden Zeitgeist Mitte des 19. Jahrhunderts stellt und die allgemein gültigen Meinungen über psychiatrische Behandlungsmethoden aufbricht und auf den Kopf stellt. Geprägt durch eine familiäre Tragödie will Meyer weg vom entwürdigenden und brutalen Wegschliessen von psychischen kranken Menschen hin zu humanen Therapieformen und er muss sich gegen viele Vorurteile und Widerstände behaupten.

Der Schriftsteller Andreas Kollender schreibt wie Eingangs erwähnt einen in jeder Hinsicht überzeugenden Roman. Der Autor fädelt die Geschichte gut ein und schafft es einen Spannungsbogen zu kreieren, der den Leser über die ganzen 440 Seiten an die Handlung fesselt. Er hält eine gesunde Balance zwischen Historischen Fakten, dem belegbaren Lebenslauf Meyers und den fiktionalen Ereignissen und Figuren. Die eingängige Schreibweise und die feine Personenzeichnung, wobei nicht nur die Protagonisten überzeugen sondern auch die Nebenfiguren, runden das famose Buch ab. Für mich eine klare fünf Sterne Wertung und somit eine dicke Leseempfehlung.

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80 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

sex, mississippi, ausreißerin, roman, armut

Fay

Larry Brown , Thomas Gunkel
Fester Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2017
ISBN 9783453270961
Genre: Romane

Rezension:

Der Schriftsteller Larry Brown ist eine weitere starke Stimme aus dem Sub-Genre des amerikanischen Country Noir. Leider Gottes eine, die im Jahr 2004 für immer verstummt ist. Der Heyne Hardcore Verlag hat sich glücklicherweise entschieden, seinen Roman "Fay", der im englischen Original bereits im Jahre 2000 erschienen ist, auf Deutsch übersetzen zu lassen und in schöner Gestaltung als Hardcover zu publizieren. Brown erzählt eine fatale Geschichte aus der verarmten Gesellschaftsschicht in Amerika. Von Menschen, die durch alle sozialen Netze, die in diesem erzkapitalistischen Land eh kaum vorhanden sind, gefallen sind und denen anscheinend ein Grossteil an korrektem bürgerlichen Verhalten, so wie wir es kennen, abhanden gekommen ist. Alkohol, Drogen, und (sexuelle) Gewalt sind in diesem archaischen Fleckchen Erde fast an der Tagesordnung. Zumindest pickt der Autor genau diese Elendsgeschichten heraus und erzählt sie in diesem Buch und hält der amerikanischen Gesellschaft einen Spiegel vor. Er berichtet von Menschen die alles verloren haben und nach ihren eigenen teils verrohten Regeln leben.

Inhalt: Fay Jones ist eine siebzehnjährige Ausreisserin die es in ihrem höllischen Zuhause irgendwo in der Einöde nicht mehr ausgehalten hat. Mit zwei lumpigen Dollar trampt sie gegen Süden mit Ziel Biloxi an der Küste des Golfstroms wo sie sich ein besseres Leben erhofft. Arm ist sie nicht nur an Geld sondern auch an Bildung (was nicht mit Intelligenz verwechselt werden sollte) da sie die Schule früh schmeissen musste weil sie zu Hause zur Arbeit gezwungen wurde. Dafür ist sie reich an Schönheit was den Männern die sie trifft nicht entgeht. Das unbedarfte Mädchen gerät an diverse Kerle und nicht jeder meint es gut mit Fay. Im hilfsbereiten Polizisten Sam und seiner Frau Amy findet die für ein paar Wochen Unterschlupf und fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben geborgen und wohl. Schnell lernt sie ein paar grundlegende Sachen, die für uns selbstverständlich sind, bevor ein dramatischer Unglücksfall sie wieder auf die gefährliche Strasse zwingt …

Es gibt in den amerikanischen Südstaaten eine grosse Tradition und eine währschafte Schar an grossen Literaten die sich mit den Abgehängten und Verlorenen des Gesellschaft beschäftigen und ohne falsche Scheu von ihren tristen Leben erzählen. Angefangen beim Übervater Faulkner über Dexter, Lansdale, McCarthy, Pollock, Thompson oder Woodrell, um nur einige zu nennen, erzählen sie mit universeller Symbolik von der Vergangenheit und der aktuellen Zeitepoche. Country Noir ist und bleibt aber ein Untergenre für ein kleines Grüppchen weil viele Leser lieber von verklärt-romantisierten Sujets lesen als von der sauren Realität. Ich fühle mich von diesen derb-klebrigen Geschichten angezogen und lese diese Art Literatur sehr gerne.

Fays irritierendes Schicksal verwebt sich zu einem Netz falscher Entscheidungen und leitet sie zu einem Lebensweg, bei dem am Ende nur ein klitzekleines Stückchen Hoffnung übrig bleibt. Man könnte auch schreiben, sie ist gefangen im amerikanischen Albtraum. Ich hoffe, dass sie ihr Glück dereinst finden wird.

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160 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

markus heitz, spannung, thriller, kartenspiel, heitz

Des Teufels Gebetbuch

Markus Heitz
E-Buch Text: 672 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 27.02.2017
ISBN 9783426434529
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Fantasy ist nicht mein bevorzugtes Lesegenre und dennoch ist mir Markus Heitz als Schriftsteller bekannt ohne das ich bisher einen Roman von ihm gelesen hätte. Dieses Buch ist dennoch bei mir eingezogen und ich habe es als vergnügliche Lektüre in den vergangenen warmen Junitagen gelesen und ich kann nicht verhehlen, dass mir die Geschichten in der Geschichte vergnügliche und spannende Lesesunden beschert haben.

Im Bereich der Phantastik darf man als geerdeter Leser, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, die Logik getrost etwas beiseite lassen weil vieles was unvernünftig erscheint in diesem Genre möglich und erlaubt ist. Also habe ich mich einfach in die Handlung fallen lassen und mich schnurstracks auf den vorgezeichneten Gedankenweg des Autors begeben. Ich muss zugeben, es ist höchst unterhaltsam was ich da zu lesen bekam. Im Zentrum steht ein verwunschenes Kartenspiel mit magischen Kräften gefertigt im Zeitalter der Aufklärung als ein gewisser Goethe in Leipzig studierte. Das fein ziselierte Blatt trachtet nach Lebensenergie und die Karten sind über den gesamten Erdball verstreut und ein halbes Dutzend Sammler versuchen sich als Jäger und wollen das diabolische Spiel wieder komplettieren. Dabei müssen sie ab und zu ein ebenso einfaches wie tödliches Glücksspiel spielen dass an russisch Roulette erinnert.

Mehr muss man über den Inhalt nicht verlieren, da die Geschichte in Geografie und der Zeitachse hin und her, vor und zurück springt. Als Leser ist man aber jederzeit gedanklich auf der Höhe und kann die verschiedenen Handlungsfäden samt Personen problemlos unterscheiden und sich merken. Dieser Umstand verdient ein Lob an den Autoren und das Lektorat. Wobei es dem Verfasser zupass kommt, dass in dieser Geschichte viel gestorben wird. Wirklich viel …

Wenn ich zwei Kritikpunkte erwähnen darf, dann das Markus Heitz ausschweifend erzählt und auf den 628 Seiten die ein oder andere Szene hätte kürzen oder weggelassen können ohne dass es der Gesamthandlung an etwas gemangelt hätte. Auch die Feinzeichnung einiger Protagonisten finde ich nicht 100 %ig gelungen. Manche sind etwas gar plakativ und die Motive hinter ihrem Handeln und Tun hätte man besser erläutern können. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung und diese muss niemand mit mir teilen. Das ausgezeichnete und informative Nachwort ist wiederum eine separate Erwähnung wert.

Fazit: Eine packende und höchst unterhaltsame Geschichte zum munteren Wegknuspern die den "ich will unbedingt weiterlesen" Drang weckt. Ich sollte mehr Fantasy lesen ... oder mehr von Markus Heitz. Was sich ja nicht gegenseitig ausschliesst ... ;-)

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Moorbruch

Peter May , Silvia Morawetz
Fester Einband
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 30.01.2017
ISBN 9783552058170
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser 3. Teil der Lewis Trilogie (Lewis bezeichnet die äusserste Insel der Hebriden nordwestlich von Schottland im Atlantik gelegen) von Peter May ist ein struktureller Mix aus dem 1. und 2. Band. Die beiden ersten Bücher unterscheiden sich in ihrer Ausstrahlung oder Wirkung auf den Leser. "Blackhouse" war mehr ein ruhig erzählter Roman mit kriminalistischen Spannungselementen. "Beim Leben deines Bruders" fand ich einen tadellosen Krimi der in zwei Zeitebenen spielt. Dieser Dritte Band verbindet die Stärken der beiden vorherigen Bücher.

Wieder ist Fin Macleod der Protagonist und der rätselhafte Fall dreht sich um eine Zeitspanne in seiner Vergangenheit. Ein Moorbruch bringt ein verschollenes Kleinflugzeug ans Tageslicht und Fin sieht sich mit längst vergangenen aber nicht vergessenen Ereignissen aus seinem Leben konfrontiert. Wieder spielen Stränge in der Gegenwart und Vergangenheit gleichermassen wichtige Komponenten für die Gesamthandlung.

Peter May steht in deutschsprachigen Gefilden nicht in der ersten Reihe der Krimiautoren. Eigentlich schade, da er einen sehr gepflegten Schreibstil hat und seine Geschichten ruhig aber atmosphärisch Dicht erzählt. Definitiv kein Buch für Thriller-Leser die kurze aber harte Schnitte und Szenen brauchen die die Nervenfasern triezen. Es bereitet aber dennoch Lesespass, wenn es ein talentierter Autor im Genre der Krimis versteht, die ruhigen Saiten der Gefühlsklaviatur anzuschlagen und trotzdem ein "ich will weiterlesen" Gefühl erzeugen kann. Und bei 336 Seiten ist man als Lesern dennoch ratzfatz am Schluss angelangt. Und Inselkrimis mag ich wegen dem be- und eingegrenzten Raum sowieso. Irgendwo vom tosenden Meerwasser umgeben liegt die Rätsels Lösung begraben. Macht euch auf die Suche nach der Wahrheit!

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das Jahr des Falken

Jo Walton , Nora Lachmann
Buch: 287 Seiten
Erschienen bei Golkonda Verlag, 15.10.2016
ISBN 9783944720692
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der letzte Teil der Trilogie rund um Inspector Carmichael der in einer Welt mit einem alternativen Geschichtsverlauf, bei dem Deutschland und Japan den 2. Weltkrieg gewonnen haben, seinen Dienst verrichtet. Es wird mit diesem Buch auf ausserordentliche Weise beendet was mit "Die Stunde der Rotkehlchen" begonnen und mit "Der Tag der Lerche" fortgeführt wurde.

Wer diese Kurzrezi liest, dürfte mit dem Handlungsgerüst vertraut sein, da es nur dann Sinn macht dieses Buch zu lesen, wenn die beiden vorhergehenden Bände gelesen wurden. Es ist schwierig konkret auf den Inhalt einzugehen, da ich nicht zu viel verraten will. Carmichael ist sozusagen Teil des finsteren Machtapparates geworden der gegen seine innere Gesinnung fungiert und er ist ein wichtiges Puzzleteil bei der Vorbereitung einer Konferenz der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. Er führt im geheimen ein Doppelleben und begibt sich so in grosse Gefahr. In einer Zeit in der Moral und Menschlichkeit lebensgefährlich sind, lauert stets die latente Gefahr entdeckt und überführt zu werden. Ob man den Schluss nun gut bzw. befriedigend findet oder nicht muss jeder Leser für sich selbst entscheiden.

Dieser politische Kriminalroman ist gut geschrieben und die Übersetzung ins Deutsche scheint mir ausserordentlich gut gelungen zu sein. Ein paar sprachliche Finessen sind mit während des Lesens positiv aufgefallen.

Über alle drei Bände gesehen eine starke Trilogie die aber auf dem Buchmarkt ein Nischendasein fristet. Leider. Dabei bietet sie besonders für Vielleser, die schon hunderte von Bücher und Kriminalromane gelesen haben, eine willkommene Abwechslung vom immergleichen Einheitsbrei. Ich jedenfalls empfehle allen die Interesse haben, mal mit dem Rotkehlchen Buch zu beginnen und dann zu entscheiden, ob sie die beiden andern Bücher lesen wollen oder nicht. Erwähnens- und Lobenswert: Ich habe die gedruckten Ausgaben zu Hause da diese Bücher vom Golkonda-Verlag sehr schön gestaltet wurden.

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19 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Bullenbrüder

Hans Rath , Edgar Rai
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 24.03.2017
ISBN 9783805251044
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Schriftstellerduo Hans Rath und Edgar Rai versucht mit diesem Buch eine neue Krimiserie ins Leben zu rufen. Das darf aus der Zusatzbezeichnung "Band1" gedeutet werden. Meiner Meinung nach ist ihnen der Start gut gelungen und es wird sich zeigen, ob die Leser dieses Projekt goutieren. Innerhalb des Krimigenres verorte ich das Buch als eine Mixtur aus Hardboiled und komischem Krimi. Komisch deshalb, weil mich der Tonfall und der Sprachwitz latent an die bekannten Fernsehserien "Two and a Half Men" und "Der letzte Bulle" erinnert haben. Vielleicht auch deshalb, weil beide Serien ihren Reiz aus dem Spannungsfeld von zwei grundsätzlich verschiedenen Protagonisten mit konträren Lebensansichten ziehen. Zudem vermute ich einfach mal ins Blaue hinaus, dass den beiden Autoren beim Schreiben dieser Geschichte viel Spass hatten.

Da es eine Serie werden soll, kriegen die gegensätzlichen Brüder Holger und Charlie Brinks eine umfangreiche Vita und erscheinen so dem Leser als sehr plastisch. Der Kriminalfall an sich, mit einem Mord und Drogen im Unterweltmilieu mit ein paar Verdächtigen aus der gehobenen Gesellschaftsschicht wird das Krimigenre gewiss nicht revolutionieren und er ist insgesamt guter Durchschnitt. In dieser Hinsicht sollte meiner Meinung nach im Band 2 etwas Mehr kommen. In der Gewichtung bzw. um die Aufmerksamkeit der Leserschaft kämpft das oder die aufzulösende Verbrechen mit dem Leben und Reibereien der beiden Protagonisten, bei dem auch eine Femme fatale, von der alle Männer träumen, nicht fehlt. Das entzieht der Geschichte etwas Spannung bzw. teilt sie auf und das wird nicht jeder Leser mögen. Positiv zu erwähnen ist die stilistische und sprachliche Qualität. Die beiden Autoren verstehen das Handwerk des Schreibens sehr gut und das zeigen sie mit diesem Kriminalroman.

Wer ernsthaft geschriebene Krimis mag, dem rate ich vom Kauf ab. Wer unterhaltsame Krimis mag, mit einem Potpourri aus Ernsthaftigkeit, Wortwitz und Situationskomik, dem rate ich zum Kauf und zur Lektüre. Ihr werdet ein paar kurzweilige und vergnügliche Lesestunden haben.

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111 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

china, uhrmacher, zeit, kaiser, verbotene stadt

Cox

Christoph Ransmayr
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 27.10.2016
ISBN 9783100829511
Genre: Romane

Rezension:

Vom Feuilleton letzten Herbst/Winter hoch gelobt hat das Buch auch Einzug bei mir gehalten. Als einfacher Leser aus dem Volke kann ich die Meinungen der studierten Literaturkritiker längst nicht immer nachvollziehen. Dieser Roman hat aber meine Erwartungen erfüllt und ich kann mich den medialen Ovationen, mit ein oder zwei Abstrichen, durchaus anschliessen.

Bereits auf den ersten Seiten macht sich der kultivierte Erzählstil von Ransmayr bemerkbar. Das ist ein ganz anderes Sprachniveau als bei meinen vorherigen Lektüren die zumeist Krimis und somit sprachlich von eher einfacher Natur waren. Dennoch hatte ich nie das Gefühl, dass mich dieser durchaus anspruchsvolle Stil überfordern würde. Der Einstieg in die Geschichte gelingt problemlos und ich folge zusammen mit dem Uhrmacher Cox und seinen Kompagnons an den chinesischen Hof bzw. in deren erweitertes Umfeld der verbotenen Stadt. Dort müssen sie im Auftrag des göttlichen Kaisers drei höchst ungewöhnliche Zeitmesser konstruieren. Wobei Zeit je nach Situation oder Lebensabschnitt gefühlt langsam oder auch schnell fliessen kann. Die ersten zwei feinmechanischen Kunstwerke mit ungewöhnlichem Antrieb finden Anklang und der dritte Chronograph soll nichts geringeres sein als das Perpetuum Mobile, die ewig laufende Uhr. Aber welche Energiequelle kann das Räderwerk einer nie still stehenden Uhr antreiben und in Gang halten?

Die Kernhandlung wird mit dem höfischen Leben und Sterben des Kaisers von China, dem Herr der zehntausend Jahre ausstaffiert und es wird auf die persönliche Lebenssituation von Cox eingegangen. Die Erzählung endet nach genau 300 Seiten und dies ist der Beleg dafür, dass Ransmayr dieses Werk nicht unnötig ausufern lässt sondern die Geschichte in einer vernünftigen Länge erzählt.

Ich habe gesehen, dass die Lesermeinungen zu diesem Roman weit auseinander gehen. Vom Meisterwerk bis zum entnervten Leseabbruch ist alles vorhanden. Ich persönlich halte es aus dem Grund für kein Meisterwerk, da die Ästhetik der Sprache der Handlung Lebendigkeit entzieht und es wird zu viel Gewicht auf Nebensächlichkeiten gelegt. Dies sind aber zwei ganz persönliche Kritikpunkte für einen ansonsten lesenswerten Roman.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

moorleiche, schottland, moor, krimi, kinderheim

Beim Leben deines Bruders

Peter May , Silvia Morawetz
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei btb, 12.12.2016
ISBN 9783442714605
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bei einem tadellosen Krimi dürfen Rezensenten ihr Meinung auch mal kurz und bündig verfassen. Ein atmosphärischer Inselkrimi dessen Handlung auf den sturmgepeitschten Hebriden-Inseln vor der Nordwestküste Schottlands spielt. Meist karg, mal torfig mal steinhart sind die Böden und ebenso urwüchsig sind seine Bewohner die dem rauen Klima seit Jahrhunderten trotzen. Die Menschen sind Traditions- und Geschichtsbewusst und mit einem starken Familiensinn ausgestattet und dennoch bergen die Inseln Geheimnisse die seit Jahrzehnten unter der stacheligen Heide verborgen liegen und von den wenigen Menschen, die sie kennen, werden sie gut gehütet. Als eines der Geheimnisse ans Tageslicht tritt, versucht der aus dem Polizeidienst ausgeschiedene und nach langen Jahren in der Grossstadt lebende und in seine Heimat zurückgekehrte Fin Macloud das alte Rätsel zu lösen. Was für ein Unglück oder Verbrechen hat sich vor fast sechzig Jahren ereignet? Die Aufklärung ist ein unerbittlicher Wettlauf gegen die Zeit, das Schweigen und das Vergessen.

Ein rundum gelungener Kriminal- und Lebensroman der in zwei unterschiedlichen Zeitebenen spielt und bei dem von der Atmosphäre samt Spannungsbogen über die Personengestaltung bis hin zum Erzählstil alles stimmt und für den ich gerne 5 Sterne vergebe. Tipp: Bevor dieses zweite Buch der Lewis-Trilogie gelesen wird empfehle ich zum besseren Verständnis vorab den ersten Band "Blackhouse" zu lesen.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

weltraum, mond, gesellschaftskritik, zukunft, raumfahrt

Moonatics

Arne Ahlert
E-Buch Text: 577 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 14.11.2016
ISBN 9783641197186
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Dieses dicke Buch habe ich mir als Lektüre für die Osterfeiertage ausgesucht. Eine rund 570 Seiten lange Geschichte zu lesen braucht Musse und Zeit und dies ist am ehesten im Urlaub oder über kalendarische Feiertage gegeben. Ich bin kein Science-Fiction Leser, ich habe sogar etwas Mühe mit diesem Genre, aber Ostern lesend und gedanklich auf dem Mond zu verbringen hat seinen Reiz und ist mal etwas komplett anderes.

Als nicht Sci-Fi Leser habe ich mir von der Kurzbeschreibung einen sanften Einstieg in diese Art Literatur oder zumindest eine etwas anders gestaltete Weltraumgeschichte erhofft. Auch ohne grossen Erfahrungswerte im Sci-FI Bereich glaube ich schreiben zu dürfen, dass diese Geschichte sehr ungewöhnlich ist und sie die Leserschaft in ihrem Urteil spalten wird. Ich vermute, dass der Autor sich durchaus bewusst ist, dass er einen speziellen Roman geschrieben hat und dieser unterschiedliche Reaktionen/Bewertungen auslösen wird. Aber manchmal muss man etwas wagen oder ein Projekt konsequent durchziehen. Der renommierte Heyne Verlag hat ihn bei diesem Vorhaben unterstützt und gewährt einem Autoren beim Debüt stattliche 570 Seiten zu um seine Geschichte zu erzählen. Mutig.

Die Ausgangslage ist in der Kurzbeschreibung zusammengefasst. Der Einstieg klappt problemlos und die ersten 102 Seiten lese ich in einem Rutsch. Die Handlung spielt im Jahre 2044 und die Menschheit hat es geschafft, das Klima und somit die Erde aus dem Lot zu bringen mit drastischen Konsequenzen. Der Mond wurde bewohnbar gemacht und zieht allerlei interessante und zumeist extrovertierte Menschen an. In seinem Handeln bleibt sich der Mensch treu, mit all seinen Marotten und Schwächen … Starke aber gegensätzliche Charaktere schaffen ein Spannungsfeld das die Leser fesseln soll. Was im ersten Drittel des Romans gut funktioniert flacht im Verlaufe der Geschichte leider etwas ab und gute Passagen mischen sich mit solchen die man hätte weglassen können. Der Unterhaltungs- und Spannungsbogen ist ein stetes auf und ab. Philosophische Komponenten werden mit eingebunden und ich hab mich zeitweise gefragt, warum mir das der Autor das alles erzählt und wohin das bis zum Schluss führen soll?

Eine gute und eine originelle bis spleenige, ab und zu aber auch etwas belanglose Geschichte die insgesamt zu umfangreich ausgefallen ist. Trotz einem anerkennenswert guten Erzähl-/Schreibstil verliert sie über die Seiten etwas an Spannkraft. Die Bewertung fällt mir schwer, ich schwanke zwischen drei und vier Sternen.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Blackhouse von Peter May (2. Juli 2012) Taschenbuch


Flexibler Einband
Erschienen bei null, 01.01.1600
ISBN B010IORU9Q
Genre: Sonstiges

Rezension:

Bei der Onlinesuche nach einem lesenswerten Krimi bin ich auf Peter May und seine Lewis Trilogie gestossen. Lewis bezeichnet für einmal nicht den Namen der Hauptfigur sondern steht für eine der Hebriden-Inseln die im Atlantik vor Schottland liegen. Da ich Inselkrimis mag und die Bewertungen durchwegs gut sind, habe ich mich spontan für den Kauf entschieden. Dass der erste Band nur noch im E-Book Format erhältlich ist, ist zwar schade, hat mich aber als Kindle Besitzer nicht gestört. 


Nach der Lektüre kann ich berichten, dass dieser Kriminalroman mehr Roman als ein Krimi ist. Die Ausgangslage, dass der Polizeiermittler Fin Macleod, der einen ungewöhnlichen Mordfall in Edinburgh aufklären soll, an einen zweiten Tatort beordert wird da das zweite Opfer nach dem gleichen Schema ermordet wurde wie das Erste, ist zwar krimitypisch aber der Autor macht daraus einen Familien- / Kindheitsroman mit vielen, sehr vielen Rückblenden in die Kindheits- und Jugendzeit des Ermittlers. Er macht dies, weil das zweite Verbrechen in Fins Heimatdorf auf der Isle of Lewis geschehen ist und er an den Ort zurückkehrt, den er vor 18 Jahren verlassen hat. Beim Lesen fühlt es sich an, als ob die Geschichte mit den zwei Zeitebenen nicht recht in die Gänge kommen will. Zu ausführlich sind manchen Szenen geraten (als Beispiel die Obduktion der Leiche oder später die Jagd nach den Gugas). Für diesen Kritikpunkt ziehe ich einen Stern in der Wertung ab. Für Leser die Spannung, Action und Nervenkitzel bevorzugen ist dieses Buch definitiv nicht die geeignete Lektüre. 


Die fehlende Dramatik macht der schottische Schriftsteller mit erzählerischem Können wett. Er hat einen gepflegten Schreibstil und er arbeitet viel gälischen und inseltypsichen Lokalkolorit in seine Geschichte mit ein. Das raue Atlantikküstenklima, die schroffen Klippen samt der zerklüfteten Inseltopografie prägen das Leben und den Charakter der Bewohner. Leser die Zeit und die Musse haben, werden ein Zusammenspiel zwischen Lebens- und Liebesgeschichte mit einem Kriminalfall vorfinden. Fazit: Empfehlenswert mit kleineren Einschränkungen



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140 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

nachkriegszeit, 2. weltkrieg, findelkind, krimi, hamburg

Trümmerkind

Mechtild Borrmann
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droemer, 02.11.2016
ISBN 9783426281376
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Diesen Roman habe ich auf Empfehlung gekauft und es ist zugleich mein erstes Buch von Mechtild Borrmann. Die kurze Recherche über ihre bisher veröffentlichten Werke zeigt mir, dass sie ihre Geschichten stets auf 250 bis 300 Seiten erzählt. Ich schreibe diese Einleitung weil ich nach Beendigung der Lektüre das Gefühl hatte, die Geschichte hätte etwas ausholender, breiter, umfassender und wortreicher erzählt werden können. Andererseits ist auf knackigen 300 Seiten in prägnanter Form erzählt was erzählt werden muss. Der Erfolg und die allseits guten Bewertungen zeigen, dass ich mit meinem Buchgefühl eine Minderheitsmeinung habe.

Die historische Geschichte umfasst drei Handlungsfäden in drei verschiedenen Zeitebenen und es ist schnell klar, dass diese auf irgendeine Weise miteinander verbunden sein müssen. Dieser Gedanke mit dem rätseln nach dem "Wie" und "Warum" gerät aber in den Hintergrund weil der Inhalt zu sehr fesselt und man atemlos dem Geschehen folgt. Vor allem die Handlungsebenen der Jahre 1945 und 1947 haben eine beinahe hypnotische Wirkung währenddessen die aus dem Jahre 1992 lange etwas milchig blass bleibt, was sich zum Ende hin aber ändert. Die unmittelbare Nachkriegszeit mit den bitterkalten Wintern in den zerstörten Städten hat etwas endzeitliches und Menschen die sich in dieser harten Lage menschlich Verhalten gewinnen automatisch die Gunst der Leser. So auch in diesem Buch in dem die Autorin Stück für Stück eine Familiengeschichte erzählt, die bis zum Schluss sogar krimihafte Züge annimmt.

Ein ansprechender und unterhaltsamer Roman der sich auf eines der vielen hunderttausend Schicksale im Nachkriegsdeutschland fokussiert. Trotz der Spannung und der berührenden Geschichte aber auch ein Roman dessen inhaltliches Potential nicht ganz ausgeschöpft wurde.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Bogmail

Patrick McGinley , Hans-Christian Oeser
Fester Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Steidl, 20.01.2017
ISBN 9783958292086
Genre: Romane

Rezension:

Der versierte Krimileser weiss, dass Moorlandschaften manchmal nach Jahrzehnten verborgene Schätze freigeben oder im makaberen Fall Leichen die bei oder nach einem Verbrechen vergraben und entsorgt wurden. In so manchen Archiven von Verlagen liegen literarische Schätze verborgen und warten darauf, in aufgefrischter Form wieder auf den Markt gebracht zu werden. Dieses Buch ist so ein lesens- und lobenswertes Kleinod, dass im englischen Original bereit 1978 erschienen ist und nun nach fast 40 Jahren endlich ins Deutsche übersetzt und vom Steidl Verlag publiziert wird. Der Verlag spendiert dem Buch schwarze Vorsatzblätter die den Leser optisch auf den schwarzem Humor, der in dieser Geschichte steckt, aufmerksam machen sollen.

Auf den ersten Blick bestätigt die Geschichte die Vorurteile die viele Leser gegenüber der ländlichen irischen Lebensart haben. Nach dem Arbeitstag oder je nach dem auch tagsüber trifft man sich im Pub, genehmigt sich gleich mehrere Whiskeys und spricht mit meist männlichen Gleichgesinnten über kleinere oder grössere Probleme die das Leben bereithält. Themen wie Arbeit, Landwirtschaft, Glauben, Kirche und Frauen. Das letzteres im Zusammenhang mit den sexuellen Anspielungen in diesem Roman im streng gläubigen Irland Ende der 1970er Jahre für Aufsehen sorgte kann ich nachvollziehen aber heute, bei der Masse an billigen Gewaltthrillern die in den Buchhandlungen stehen, ist es eher eine Petitesse. Dass das Ganze nicht in eine Aneinanderreihung von Binsenweisheiten ausufert liegt am intelligenten Konzept und dem kultivierten Erzählstil von Patrick McGinley und der exzellenten Übersetzung von Hans-Christan Oeser.

Inhalt: Der Hauptfigur der Geschichte, Gastwirt Roarty, liegt ein quälendes Problem auf der Seele. Sein neuer Barkeeper Eales kann seine Lustfinger nicht von seiner Tochter Cecily lassen und so reift der Gedanke heran, den Missetäter zu töten. Was giftige Pilze nicht schaffen kann ein Band der Enziklopedia Brittanica. Die Leiche nachts im nahegelegen Moor versenkt und weg sind Störenfried und Problem. Dumm nur, dass Roarty beobachtet wurde und der anonyme Augenzeuge für sein Schweigen Geld sehen will. Schnell verortet Roarty den Erpresser unter seinen schrulligen Stammgästen. Bloss, welcher der zechenden Kunden ist es?

Für einmal geht es nicht darum ein Verbrechen aufzuklären und einen Mörder zu finden, den kennen die Leser bestens, sondern darum wie der Täter mit der Tat und der Erpressung umgeht und selbst zum Detektiv wird. Die ungewöhnliche Ausgangslage bietet Potential für allerhand Situationskomik welche der Autor auch nutzt aber es verkommt nie zur klamaukhaften Komödie. Das wird so einige Leser enttäuschen und darum mein neuerlicher Hinweis: Es handelt sich um einen geistreichen Kriminalroman mit eher langsam voranschreitender Handlung der ohne Actionszenen auskommt. Dafür ist viel Esprit, mit gepflegtem schwarzen Humor unterlegt, und Lokalkolorit enthalten für den geduldigen Leser mit Musse und Zeit.

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klassiker, insel, kinder, william golding, herr der fliegen

Herr der Fliegen

William Golding , Peter Torberg
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.06.2016
ISBN 9783596950287
Genre: Klassiker

Rezension:

Über diesen Klassiker vom Nobelpreisträger William Golding stolpert man als Vielleser im Laufe der Jahre immer und immer wieder. Regelmässig wird in Romanen inhaltlich auf dieses inhaltlich  sonderbare Werk Bezug genommen oder es wird zumindest kurz erwähnt. Kein Wunder, in vielen Ländern gehört dieses Buch zur Schullektüre und es scheint zum Basiswissen einer breit gestreuten Leserschicht zu gehören. Ich als Vielleser muss beschämt zugeben, dass ich den Roman bis jetzt noch nicht gelesen habe. Die exzellente Neuübersetzung von Peter Torberg, die als Hardcover im Fischer Verlag erschienen ist, hat mich ermuntert dieses Buch endlich zu kaufen, zu lesen und meine Wissenslücke zu schliessen. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe keine Sekunde meiner Freizeit bereut, die ich in die Lektüre dieses ungewöhnlichen Werkes investiert habe. 

Es ist nicht nur die Handlung die zum Nachdenken anregt sondern auch die Symbolik und deren Interpretation die im Text manchmal unüberlesbar offen, machmal leicht versteckt zu Tage tritt. In der Natur des Menschen liegt der unbändige Überlebenswille. In unserer heutigen zivilisierten Welt die alle Annehmlichkeiten bietet schlummert dieser Urinstinkt im Dämmerschlaf. Verändern sich die sozialen Lebensumstände und geraten in (Lebens-) Gefahr werden die Triebe geweckt und wir passen uns automatisch an die neue Situation an. Dies nicht nur bei Erwachsenen sondern auch bei den als unschuldig geltenden Kinder. Fehlen Zivilisation, Kultur und Leitfiguren kann dies unser Bewusstsein und Verhalten negativ beeinflussen. Die entarteten Individuen innerhalb einer Gruppe die diese nachhaltig manipulieren und zur Eskalation bringen.

Als Inhaltsangabe empfehle ich die gut zusammengefasste Kurzbeschreibung zu lesen. Erwähnenswert ist die wunderbare Sprache und die ausdrucksvollen Beschreibungen der Natur. Die schönen Formulierungen als Kontrast zur immer heftiger und brutaler werdenden Geschichte. Kritisch stehe ich den Figurenzeichnungen gegenüber. Für meinen Geschmack sind die Jugendlichen etwas eindimensional beschrieben was die Unterscheidung der Kinder erschwert und mein Vorstellungsvermögen ab und zu arg strapaziert hat. Dafür erlaube ich mir auch einen Stern in der Wertung abzuziehen. 

Ein Klassiker der zum Erkennen der feinen Nuancen wohl zwei Mal gelesen werden sollte und sicher ein Buch, das jeder regelmässige oder Vielleser einmal im Leben gelesen haben sollte. Empfehlenswert. 

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