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Das Herzogsgut

Josefa vom Jaaga
Fester Einband: 276 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 06.10.2011
ISBN 9783842370371
Genre: Historische Romane

Rezension:

[quote]Im Jahr 788 AD wird der letzte bairische Agilolfingerherzog Tassilo III auf dem Reichstag zu Ingelsheim durch Karl den Großen abgesetzt. Zeitgleich machen sich von verschiedenen Orten kleine Trupps fränkischer Soldaten auf den Weg, um die Besitzungen des Herzogs für ihren König zu sichern. Bei einem dieser Trupps befindet sich der achtzehnjährige Fulcko, zusammen mit seiner Schwester und seinem Onkel. Doch ihre Ankunft in dem kleinen Ort Ardeoingas, in den es sie verschlagen hat, gestaltet sich anders als geplant: Ein untreuer Beamter hat sich mit der Kasse abgesetzt. Ein vornehmer fränkischer Herr scheint spurlos verschwunden. Die Einheimischen sind störrisch und plagen sich mit ihren eigenen Sorgen und Kümmernissen.Und wer ist dieser zwielichtige Richter, der als einziger herzoglicher Beamter noch in der Gegend geblieben ist - und der das Pferd des verschwundenen Franken reitet? (Quelle: Klappentext)[/quote]

[quote]Es war so eine Sache, wenn man vom bairischen Bischofssitz Frigisinga nach Ardeoingas reisen wollte, zumal in diesem Frühjahr, im Jahre des Herrn 788. Nicht, daß viele Leute gewußt hätten, daß man das Jahr 788 schrieb. Im Gegenteil. Den allermeisten, sofern sie nicht gerade vorhatten, Bischof zu werden, war vermutlich herzlich gleichgültig, welches Jahr der Kalender der heiligen Stadt Rom vorgab. (Zitat S. 7)[/quote]

Dies sind die ersten Zeilen aus dem historischen Krimi „Das Herzogsgut“ aus der Feder von Josefa vom Jaaga. Ich habe sie bewusst gewählt, obwohl ich sonst eher spätere Zitate auswähle, da sie den Stil Mix der Autorin bemerkenswert gut darstellen. Es wird sehr deutlich, dass sie auf der einen Art und Weise versucht gezielt die alte Sprache zu wählen, jedoch gerne in moderne Aussagen verfällt. Dies ist sehr gewöhnungsbedürftig und macht das Lesen nicht gerade leicht und flüssig. Dies wird durch oft sehr verstrickte Sätze noch verschlechtert.
Besonders deutlich wird bei diesem Zitat auch, dass die Autorin oft das Gefühl hinterlässt, als würde etwas fehlen. Nimmt man den ersten Satz, so hatte nicht nur ich, sondern auch mein Mann, das Gefühl, als fehle dort ein Stück. Zumal in diesem Frühjahr ist eine Aussage, die noch erklärt, warum genau in diesem Frühjahr diese Reise so schwer oder eben eine Sache sei. Die hatte ich an mehreren Stellen.
Genauso erkennt der Leser, dass sie sich an die alte Rechtschreibung hält, denn „daß“ wird schließlich seit einigen Jahren „dass“ geschrieben.

Durch den gewählten Stil hatte ich arge Schwierigkeiten bezüglich des Einstiegs und des Leseflusses. Es ist selten, dass ich wirklich so lange für nicht ganz 300 Seiten benötige.

Auch die Protagonisten sorgten für einige Anlaufschwierigkeiten. Die Namen sind typisch für die Zeit, aber absolut schwer. Bei so schwierigen und unbekannten Namen fällt es mir schwer sie zu behalten, egal wie vielfältig und farbenfroh sie beschrieben sind. Und letzteres ist definitiv der Fall. Handlungen sind genauso präsent, wie das Aussehen, der wichtigsten Charaktere. Sie entwickeln sich im Verlauf der Geschichte sehr gut weiter, und ließen mich noch mehr ins Geschehen eintauchen.

Inhaltlich setzt die Autorin auf die Vermittlung von historischen Fakten. Sie beschreibt mehr als ausführlich die damalige Zeit und insbesondere Altenerding. Man bekommt das Gefühl wirklich vor Ort zu sein. Was besonders hervorgehoben wird, wenn sie wieder in den alten Stil verfällt. Kriminalistisch kann die Autorin jedoch weniger überzeugen. Es sind nette Versuche, aber man merkt, dass ihr dies eher nebensächlich erschien. Da verschwindet jemand spurlos, dann wird eine Kasse geklaut und andere kleinere Dinge. Jedoch nichts Außergewöhnliches. Man merkt, dass die Stärke der Neu-Autorin im Bereich „History“ und nicht im Krimi-Genre liegt.

Besonders auffällig ist jedoch der Preis für das Buch. Bei BoD sind Bücher nicht gerade günstig, aber für einen Krimi 24,90€, habe ich bis jetzt noch nie gesehen. Hier sollte man sich vorab überlegen, ob Stil, Inhalt und Protagonisten dem eigenen Geschmack entsprechen, damit am Ende niemand denkt, er wurde über den Tisch gezogen.

Alles in allen ist das Buch interessant, durchschnittlich spannend, dafür jedoch im Bereich der historischen Recherche sehr gut gelungen. Mit etwas Feinarbeit, wird die Autorin ihren Weg gehen. Von mir bekommt das Buch 3 Sterne.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

kurzgeschichten, liebe, seele, gewonnen, philosophie

Das lodernde Feuer

Julia Molnar
Flexibler Einband: 130 Seiten
Erschienen bei NEPA, 13.03.2012
ISBN 9783981380071
Genre: Romane

Rezension:

Nachdem mich das Buch optisch schon so überzeugen konnte, musste ich es sofort beginnen. Insgesamt sieben Kurzgeschichten mit Titeln wie: „Das lodernde Feuer“, „Bankgespräche“ oder „Das Püppchen“ warten auf den Leser.

Schon bei der ersten Kurzgeschichte „Bankgespräche“ wird deutlich, dass es sich hier um ein ganz besonderes Buch handelt. Die Autorin setzt nicht auf typische Kurzgeschichten, die meist kurzlebig, schnell zusammengefasst und eine interessante Pointe haben.

Hier geht es um tiefgründige Texte, die jeden Leser zum Nachdenken anregen. Sie spricht in symbolischer Form und umschreibt gekonnt interessante Gedankengänge. Auf den ersten Blick sind die Texte vom Inhalt eher unscheinbar, da es sie mich stellenweise manchmal an Märchen, Träumereien und alltägliche Dinge erinnert. Doch liest man genau, mit Herz und Verstand, erkennt man die wahren Hintergedanken, die die Autorin beim Schreiben hatte. Das ist auch der Grund, warum ich so lange für diese wenigen Seiten benötigt habe. Ich musste nach jeder Geschichte erst einmal das Buch aus der Hand legen und sie sacken lassen. Sie berühren das Herz, zeigen neue Perspektiven, Ansichten und Gedankengänge, und sind brillant.

Normalerweise gibt es mindestens eine Geschichte, die besonders hervorsticht und somit mein Favourite ist. In diesem Fall bleibt mir nur zu sagen, dass sie mich mit jeder Geschichte fasziniert hat. Wobei die erste Geschichte mit dem Dämon mir wirklich sofort ins Auge gefallen ist. Aber auch das Tagebuch hat es in sich.

Kombiniert wird das Ganze mit einem umschreibenden, leicht poetischen Stil, der trotzdem auf dem Punkt beschreibt, was wirklich wichtig ist.

Solche Werke aus der Feder einer so jungen Autorin zu lesen, ist einfach nur atemberaubend, und man kann nur hoffen, dass sie mehr davon veröffentlichen wird.

Wer mal etwas anderes als die üblichen Kurzgeschichten lesen möchte, wird mit diesem Buch glücklich werden. Daumen beidseitig hoch.

===Abschließendes Fazit===
Pro: Alles
Contra: nix
Empfehlung: Ja

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Die Hunde-Geheimagenten-Schule

Miriam Frankovic
Flexibler Einband: 130 Seiten
Erschienen bei Shaker Media , 15.03.2012
ISBN 9783868587913
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Jan und Noelia sind gerade aus dem Urlaub gekommen, und müssen bald wieder zur Schule, als es an der Tür klingelt. Sie gehen davon aus, dass ein Freund vor der Tür steht, doch sie staunen nicht schlecht, als es ein ausgewachsener Eisbär ist. Er ist vom Nordpol auf den Weg, um herauszufinden, woher die Wärme kommt. Sein Ziel ist es zusammen mit einem forschenden Pinguin Iglus zu entwickeln, die selbst bei angenehmen Plusgraden nicht schmelzen. Zeitgleich macht den Geschwistern ein baufälliges Haus große Sorgen, denn die Lärmgeister stören gewaltig. Da kann nur der Hund helfen, und dieser gründet kurz entschlossen eine Schule. Dort möchte er andere Hunde zu Geheimagenten ausbilden. Klar, dass das alles nicht ohne eine Portion Abenteuer stattfinden kann. Begleitet die Geschwister, den Eisbären und den Hund auf ihrem spannenden Abenteuer.

Miriam Frankovic setzt bei ihren Werken auf sprechende Tier-Abenteuer. Wenn Ringo, Simba und Balu so erfolgreich sind, kann man es doch auch mit sprechenden Eisbären oder Hunden probieren. Kombiniert mit einer gehörigen Portion Spannung. Ich selbst war weder als Kind, noch jetzt eine begeisterte Leserin, wenn es um Bücher mit sprechenden Tieren ging. Das durfte ich schon beim „Großen Boxer“ aus ebenfalls ihrer Feder feststellen. Nichtsdestotrotz lieben andere Kinder genau diesen Aspekt.

Das Buch besteht nicht nur aus menschlichen, sondern auch tierischen Protagonisten. Diese sind bildhaft und lebendig beschrieben. Sowohl Jungs als auch Mädchen haben eine Figur, mit der sie sich identifizieren können. Sie sind altersgerecht geschildert, so wie es sich Kids im Alter von 8-11 Jahren wünschen. Mutig, tapfer und freundlich. Dadurch sind ihre Handlungen nachvollziehbarer und schlüssiger, wobei sie auch so logisch sind. Genauso wie bei den menschlichen Charakteren ist es bei den Tieren. Sie haben menschliche Züge und Gedankengänge. Man verliebt sich sofort in sie. Bei den Kids kommen diese Figuren natürlich besser an, als bei einem Erwachsenen, der solche Gestalten noch nie mochte. Aber auch ich kann sagen, sie sind süß, und man wird sie schnell mögen.

Genauso bildhaft wie die Autoren auch die Figuren einführt und weiterentwickelt, so gestaltet sie auch die Handlung, Schauplätze und Situationen. Sie verwendet einen fantasievollen Stil, der die Vorstellungskraft und Fantasie der Kinder durchgehend anregt. Dabei greift sie auf leichte Worte und angenehm lange Sätze zurück. Für die Altersgruppe wirklich gut ausgewählt, und auch mir gefällt er sehr gut. So zumindest wünsche ich mir als Mutter den Stil bei Kinderbüchern.

Inhaltlich setzt die Autorin auf Spannung. Geheimagenten, Lärmgeister und sprechende Tiere garantieren Spannung. Allerdings hatte ich anfänglich meine Bedenken, dass das Buch inhaltlich so gut umgesetzt ist, wie ihre anderen Kids-Werke. Schon von meiner Nichte wurde ich angesprochen, in welchem Land denn nur vier Wochen Sommerferien seien. Ich dachte erst, dass sie etwas überlesen habe, aber tatsächlich hat die Autorin verkürzte Sommerferien eingebaut. Ein kleiner Fehler, der ihr unterlaufen ist, weil sie diese Passage mehrfach geändert hat, aber leider vorhanden. Auch wenige Absätze später, unterläuft ihr ein weiterer „Fehler“. Es ist nicht tragisch und auch nicht störend, aber an dieser Stelle wirkten die Protagonisten auf mich sehr unrealistisch, und selbst meine Nichte, hat mich darauf angesprochen.

Als Jan die Tür öffnete, stand statt Tobi ein riesiger Eisbär vor uns und sah uns niedergeschlagen an. … Jan und ich sahen den Eisbären, der mindestens zwei Meter achtzig groß war und bis unter die oberste Kante des Türrahmens ragte, wie vom Donner gerührt an. „Im Keller“, antwortete Jan... (Zitat. S. 2)

Was fällt an diesem Ausschnitt auf? Lediglich ein kleiner Satz, den der Eisbär gesagt hat, wurde von mir ausgelassen. Und auch ohne ihn wird deutlich, dass die Kinder keinerlei Angst verspüren. Egal wie mutig ich als Kind gewesen bin, bei einem so riesigen Eisbären hätte ich geschrien und erstmal die Tür zugeknallt. Hier wird der Eisbär ganz selbstverständlich behandelt. Genauso wenig sind die Eltern schockiert, verängstigt, sondern lassen den Eisbären bei sich übernachten. Nach diesen kleinen Schnitzern fragte ich mich, wie der Rest des Buches wohl werden würde, und ich kann nur sagen Spannend und Fehlerfrei. Man erfährt etwas über Temperaturen, Schnee, den Nordpol und vieles mehr. Während ich selbst das Buch gut aus der Hand legen konnte, war meine Nichte so gefesselt, dass sie es an einem Stück durchgelesen hat.

Besonders zum Schluss hin wurde das Buch sehr spannend. Am Ende war es diesmal mein Stiefsohn der mich fragte, ob und wann es eine Fortsetzung gäbe. Ihm hat das Buch so gut gefallen. Besonders der coole Eisbär hatte es ihm angetan. Wenn eine Autorin erreicht, dass Kinder nach der Fortsetzung fragen, dann hat sie in meinen Augen alles richtig gemacht. Auch wenn ich persönlich keine sprechenden Tiere mag.

18.4.12

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buchmesse, tarnung, krimi, töten, tot

Dämonenspiel

Maren Schwarz
Flexibler Einband: 223 Seiten
Erschienen bei Gmeiner, A, 01.02.2005
ISBN 9783899776386
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

[quote]Eine Reihe mysteriöser Vorkommnisse führt dazu, dass sich das beschauliche Leben von Blanca Büchner, einer erfolgreichen Krimiautorin aus dem Vogtland, schlagartig ändert. Alles beginnt damit, dass sie eines Morgens ein mit Trauerflor zusammengehaltenes Liliengesteck vor ihrer Haustür findet. Von diesem Moment an überschlagen sich die Ereignisse: Pia Sandner, ihre beste Freundin, wird tot aufgefunden. Starb sie eines natürlichen Todes oder half jemand nach? Kurz darauf kommt auch Pias Ehemann bei einem fingierten Verkehrsunfall ums Leben. Für die Polizei steht die Schriftstellerin schnell als Hauptverdächtige fest. Und diese hat in der Zwischenzeit eine furchtbare Entdeckung machen müssen: Das Manuskript für ihren neuesten Kriminalroman diente als Anleitung für die Morde an den Sandners! Während die Ermittlungen ihren Lauf nehmen, hat Blanca eines Nachts einen merkwürdig realen Traum. Sie vernimmt eine Stimme, die zu ihr spricht und sie in Angst und Schrecken versetzt. Alptraum oder R ealität? Die Erkenntnis, dass Letzteres zutreffen könnte, bringt sie fast um den Verstand … (Quelle: Klappentext)[/quote]

Normalerweise gehöre ich zu den Leute, die es bevorzugen Bücher der Reihenfolge nach zu lesen. In diesem Fall habe ich jedoch den zweiten Teil der Blanca-Reihe vorab gelesen, da mich die Thematik mehr gereizt hatte. Nach der leichten Enttäuschung wusste ich nicht, ob ich mich nun an ein noch früheres Werk der Autorin trauen sollte oder nicht.

Der erste Fall beginnt ohne den gewohnten Prolog der Autorin. Sofort wird der Leser mit Blanca Büchner konfrontiert, die an ihrer Türschwelle einen Trauerflor vorgefunden hat. Ein makaberer Scherz oder steckt da mehr dahinter. Das ist die Frage, die den Leser sofort ans Buch fesselt. Mit der Protagonistin konnte mich die Autorin allerdings am Anfang nicht so fesseln, wie ich es mir gewünscht hätte. Aus dem zweiten Teil hatte ich ein spießiges, älteres Bild der Protagonistin vor meinem Auge. Ohne dieses Bild hätte ich mir alleine aus den ersten Teil kein eigenes Bild der Hauptfigur machen können. Optisch, aber auch charaktertechnisch wird sie beschrieben, bleibt jedoch fremd. Während ich im zweiten Band zumindest ihr Verhalten und ihre Gedanken nachvollziehen konnte, obwohl ich sie mir lebendiger gewünscht hätte, war sie mir hier eine Fremde, wo ich mich oft fragte, warum sie so denke oder handle.

Ich denke, dass dies besonders am Stil liegt, er hier noch sehr in den Anfängen steckt. Kein Vergleich zu späteren Werken.

Ein eiserner Ring legte sich um ihre Brust. Sie bekam kaum noch Luft. Es war ihr, als ob eine stählerne Hand nach ihrem Herzen griff. Kalter Schweiß brach ihr aus. Der Druck in ihrem Brustkorb wurde immer unerträglicher. Pia wollte schreien, doch es kam kein Ton über ihre Lippen. (Zitat S. 43)

Maren Schwarz versucht mit kurzen, klaren Sätzen und ausgewählten Worten eine eigene Handschrift zu kreieren, die die Umgangssprache des Alltags auch dorthin verbannt. Mit jedem Wort merkt man deutlich, wie sie sich vorher Gedanken gemacht hat, um es ansprechend klingen zu lassen. Leider wirkt es dadurch oft unbeholfen und leider auch lahm. An ihrem Stil wird deutlich, dass weniger oft mehr ist. Aber zumindest kein Vergleich mehr mit dem Versuch die Sprache bewusst gehoben klingen zu lassen, wie es bei „Grabeskälte“ der Fall war.

Inhaltlich befasst sich die Autorin bei diesem Werk mit einem interessanten Plot, dem Versuch einen anderen Menschen in den Wahnsinn zu treiben. Schizoprenie wird genauso wie Wahnsinn interessant eingebaut. Dazu greift sie die Idee auf, dass ein Täter seine Aktivitäten nach einem Buch / Manuskript abarbeitet. Allerdings muss ich sagen, dass mir die Geschichte inhaltlich bekannt vorkam. Nicht so wie bei anderen Büchern, wo ich dachte, das habe ich schon mal gelesen, um herauszufinden, dass es zwar vom Plot her passt, aber ein anderer Titel war. Hier ist dies nur minimal der Fall, aber nicht so einzigartig, wie ich es sonst von ihr gewohnt bin. Nichtsdestotrotz eine gute Grundidee, die für eine gewisse Spannung sorgt.

Trotzdem fesselte mich das Buch, sodass ich mich irgendwann auf den letzten Seiten befand, und auch hier sagen muss, dass mich der Schluss nicht vom Hocker gehauen hat. Während ich sonst von ihr einen letzten Trumpf gewohnt bin, der dem vorangegangen Plot eine Krone aufsetzt und für eine logische und spannende Auflösung sorgt, musste hier plötzlich alles sehr schnell gehen. Ich hatte das Gefühl, als hätte die Autorin bemerkt, dass ihr die Seiten ausgehen. Nichtsdestotrotz ist er schlüssig und spannend, eben nur eine Spur von hektisch.

Alles in allem ist das Buch nicht schlecht. Andere Autoren haben auch klein angefangen und man merkt deutlich, dass sie ihren Weg gehen wird. Perfekte Ansätze, die im Verlauf geschliffen und abgerundet werden. Anfängliche sprachliche Schwächen und ein „gewöhnlicher“ Plot sorgen für 3 Sterne.

17.4.12

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Zwiespalt

Maren Schwarz
Flexibler Einband: 229 Seiten
Erschienen bei Gmeiner, A, 01.02.2007
ISBN 9783899777192
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nachdem ich schon mehrere Werke aus der Lüders-Reihe von Maren Schwarz gelesen habe, und mich der Klappentext dieses Buches hier sofort faszinierte, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Buch in meinen Händen von Seite zu Seite unter die Lupe genommen wurde. Da ich selbst vor einigen Monaten Mutter geworden bin, fand ich es interessant mal wieder einen Krimi zu lesen, wo eine Schwangere vorkommt.

Maren Schwarz ist mit Blanca eine Protagonistin gelungen, die mich stark an die Autorin selbst erinnert, und bei der sie auch versucht hat, ihre eigenen Erfahrungen als Krimi-Autorin einzubauen. Dies wird schon auf den ersten Seiten deutlich. Doch bin ich mir nicht sicher, ob ich persönlich eine solche Bindung zu einem Protagonisten gut finde. Blanca ist eine 40jährige Autorin, die jedoch deutlich älter dargestellt wird. Während in ihrer anderen Reihe der pensionierte Kommissar Lüders alt ist, jund, humorvoll und trotz Wehwechen dynamisch beschrieben wird, ist Blanca trotz weniger Jahre auf dem Buckel übervorsichtig, ernst, spießig, hausbacken und alles andere als humorvoll. Es ist als wären die Eigenschaften vertauscht worden. Eine gewisse Vorsicht und Häuslichkeit kann ich nachvollziehen. Als werdene Mutter möchte man dem Kind eine ideale Umgebung erschaffen, aber stellenweise hat sie mich an meine 73jährige Mutter erinnert, die aus gesundheitlichen Gründen einfach keinen Elan mehr hat. Hat Maren Schwarz hier eigene Eigenschaften einfließen lassen? Ich kenne sie durch ein Interview jedoch deutlich lebendiger, aber das können andere Leser schlecht beurteilen, und vielleicht falsche Schlüsse ziehen. Auf der anderen Seite sage ich mir, dass sie einfach nur eine Protagonistin erschaffen hat, die durch die hormonelle Umstellung einfach kleinbürgerlicher und langweiliger erscheint, als sie eigentlich ist. Zumindest habe ich die Hoffnung, da der erste Teil der Reihe auch noch zu Hause vorliegt. Trotzdem der Protagonistin etwas Dynamik fehlt, ist sie erstklassig beschrieben. Ihre Gedanken und Handlungen sind alle logisch und für mich komplett nachvollziehbar, genauso wie ich sie mir direkt vor meinem Auge vorstellen konnte.

Inhaltlich setzt die Autorin zum einen auf ein altes, tödliches Geheimnis, welches den Leser bis zur Aufklärung an das Buch fesselt. Auf der anderen Seite befasst sie sich mit der späten Schwangerschaft bei Frauen. Während ihr der Kriminal-Anteil hervorragend gelingt, und die kontinuierliche Spannung nicht besser hätte umgesetzt werden können, begeht die Autorin meines Erachtens einige Fehler, die den Leser an dem Können und der Qualität der Autorin zweifeln lassen.

Wahrscheinlich war sie, entgegen Elvira Kunzes Einschätung, darüber wahnsinnig geworden und hatte sich das Leben genommen. (Zitat S. 69 oben)

Elvira Krug konnte von niemanden mehr zur Verantwortung gezogen werden. (Zitat S. 69/70)

Wie euch sicherlich auffällt, ein Vorname und zwei Nachnamen. Es handelt sich jedoch um ein und die selbe Person, nämlich die Hebamme. Dieser Patzer mit der Namensverwechslung passiert der Autorin in im Bezug auf Elvira häufiger. Gerade von Seite 65-70 sehr oft. Das es ihr passieren kann, ist menschlich, aber einem Lektorat sollte es doch wohl auffallen. Dies sind Fehler, die häufig bei Autoren von Selbstverlagen vorkommen, aber bei einem Gmeiner-Titel eher ungewöhnlich.

Besonders schlimm fand ich jedoch den Fehler, den das Internet oder die Erfahrung als Mutter sofort hätte abhelfen können. Ich habe meinen Sohn schon sehr früh gespürt, wenn man bedenkt, dass er mein erster ist, und man dort eigentlich Kinder erst später wahrnnimmt. In der Regel nimmt man die leicht kribbelnden Bewegungen, ich habe sie Schmetterlingsflügel genannt, gegen 18SSW war.Ich habe sie schon in der 15SSW gespürt, was sonst meist eher bei Folgeschwangerschaften der Falll ist. In der 11SSW, wie es die Autorin jedoch einfließen lässt, ist es auf Grund der Größe unmöglich. Eine gute Recherche ist für mich persönlich in jedem Buch wichtig, nicht nur bei historischen Werken. Von daher war ich doch sehr enttäuscht, da Maren Schwarz sonst so viel Herz, Arbeit und Recherche in ihre Bücher hat einfließen lassen.

Stilistisch merkt man auch bei diesem Werk, dass es eine ihrer ersten Veröffentlichungen ist. Viele Widerholungen und der Versuch krampfhaft eine gute Wortwahl zu treffen, sorgen dafür, dass es nicht immer „gut“ klingt. Jeder Satz wirkt durchdacht, wodurch Widerholungen jedoch noch stärker auffallen.

Bis auf diese zwei Schwächen konnte mich das Buch wirklich ohne wenn und aber überzeugen. Selbst der Schluss ist gut gelungen. Schlüssig und absolut passend. Dementsprechend passend empfand ich den Titel, den die Autorin ausgewählt hat, denn sie hat mich in einen echten Zwiespalt gebracht. Ich weiß, dass ihre Werke später besser geworden sind, und sie Talent hat, aber dieses Werk hat eben extreme Schwächen. Zudem sind es Schwächen, die jeder gute Lektor sofort ausgebessert bzw. gesehen hätte. Dementsprechend fällt es mir schwer, ihr einen Vorwurf zu machen. Letzten Endes ist es jedoch ihr Werk. Spannung Pur, ein interessanter Plot, aktuelle Thematik stehen einem gewöhnungsbedürftigen, leicht schwachen Stil und mehreren Fehlern gegenüber, sodass dieses Werk eher durchschnittlich ausfällt. Plot und Spannung sorgen trotz Fehler und hausmütterlicher Protagonistin für drei Sterne.

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32 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

historischer roman, schwarzwald, spanien, frankreich, dreißigjähriger krieg

Die Sehnsucht der Krähentochter

Oliver Becker
Flexibler Einband: 469 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 12.03.2012
ISBN 9783839212615
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Was ist passiert? Was ist mit Mutter?“ Ihre Stimme hing etwas verloren in der in der klaren Nachtluft, deren Kälte sie sofort umschlang. „Genaues weiß ich nicht. Aber ich befürchte, etwas wirklich Böses bahnt sich an. Morgen ist die Kirchenweihfeier.“ Anselmo schien die nächsten Worte förmlich auszuspucken. „Das große Fest soll anscheinend mit Blut begonnen werden.“ (Zitat S. 7)

Erschreckende Worte, die schon für einen spannenden Einstieg in das zweite Abenteuer der Krähentochter sorgen. Der zweite Teil spielt drei Jahre nach dem ersten Teil, und baut geschickt auf diesen auf. Dies wird im Verlauf des Buches besonders bei der Protagonistin Benina sehr deutlich, die eine gehörige Entwicklung mitmacht, und an einigen Punkten Fragen aufwirft, wenn man den ersten Band nicht kennt. Dies werden Quereinsteiger, wie ich, schnell merken. Obwohl an einigen Stellen gewisse Grundkenntnisse der Protagonisten vorausgesetzt werden, macht das Lesen trotzdem großen Spaß, denn Belina, aber auch ihr Mann und andere Figuren aus dem ersten Teil sind einfach nur herrlich geschildert. Lebendig, liebenswert und einmalig sind nur drei der Adjektive, die mir sofort in den Sinn kommen. Auch neue Charaktere werden genauso detailliert und sicher eingeführt. Man erkennt die Liebe des Autors zu al seinen Figuren. Durch Ecken und Kanten ist jede realistisch und auf ihre Weise interessant.

Genauso authentisch und vielseitig die Protagonisten von Oliver Becker gestaltet wurden, ist auch die düstere Stimmung des Mittelalters. Dabei versucht er jedoch nicht auf die häufig blutigen Taten detailliert einzugehen, sondern mit wenigen, wichtigen Beispielen geschickt eine realistische Atmosphäre zu schaffen, die trotzdem das Kopfkino anregt und nicht den Eindruck vermittelt, dass es hier um Grausamkeit geht, sondern auch um die Vermittlung der gesamten historischen Perspektive. Gekonnt baut er den 30jährigen Krieg ein, und lässt den Leser diese Zeit hautnah erleben. Dabei wird es mit keiner Seite langweilig. Neben der historischen und spannenden Seite, kommt durch die eingebaute Liebesgeschichte zwischen Benina und ihrem Mann ein Hauch Romantik auf, der Liebe, Glauben und Gefühle der Menschen des 17. Jahrhunderts noch anschaulicher darstellt.

Abgerundet wird der Inhalt und die geschichtlichen Fakten des 30 jährigen Krieges durch den präzisen Stil des Autors. Dem Autor gelingt es mit kurzen Sätzen, ausgewählten Worten und dem Augenmerk auf den wesentlichen Details, eine Stimmung zu erschaffen, wie ich es selten bei einem historischen Roman erlebt habe. Er sorgt für einen so angenehmen Lesefluss, dass ich überrascht war, als ich plötzlich auf der letzten Seite angekommen war. Auch der Schluss ist perfekt gelungen. Logisch, konsequent und sogar leicht überraschend. Ich empfand ihn als sehr angenehm, wobei ich hier aber nicht mehr verraten möchte.

Aus diesen Gründen bekommt das Spiel fünf Sterne, obwohl ich den ersten Teil nicht gelesen habe und ich stellenweise sichtbar gemerkt habe, dass mir diese Kenntnisse fehlen. Allerdings konnte mich der Autor inhaltlich und stilistisch überzeugen, und da nehme ich dies gerne in Kauf. Schließlich ist es ihm damit gelungen, dass ich mir zum Geburtstag den ersten Teil gewünscht habe.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

rothenburg ob der tauber, mönche, hilpert von maulbronn, historischer roman, selbstmord

Engel der Rache

Uwe Klausner
Flexibler Einband: 322 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 12.03.2012
ISBN 9783839212677
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Engel der Rache“ ist der fünfte Fall des Bruder Hilperts und mein erster. Dementsprechend war meine Neugierde groß, ob mir der Quereinstieg gut gelingen und mir die Figuren schnell ans Herz wachsen würden.

Schnell wird deutlich, dass auch Quereinsteiger das Buch ohne Sorge genießen können. Alle wichtigen und bekannten Charaktere werden ausnahmslos authentisch eingeführt, sodass man das Gefühl hat sie schon länger zu kennen, ohne die Erlebnisse aus den anderen Büchern wissen zu müssen. In dem Punkt führt der Autor alte Bekannte auf eine angenehme Art und Weise ein. Selbst für Kenner der Reihe wird es nicht langweilig, da nur wenig auf alte Ereignisse eingegangen wird. Es ist so, dass man Personen wiedererkennt, aber ein eigenständiges Buch vor sich hat. Besonders Bruder Hilpert ist ein Charakter, der mich sofort überzeugen konnte. Liebenswert, natürlich und klug kommt er daher. Auch die anderen Figuren werden authentisch eingeführt und konsequent weiter entwickelt, sodass die damalige Zeit einfach realistisch dargestellt werden kann.

Als Schauplatz wird Rothenburg ob der Tauber im Jahr 1418 gewählt. Es ist eine fremde Zeit, die vom Autor jedoch lang und breit eingeführt wird. Von Gehältern, Währungen, Längenmaßen und einer Straßenkarte ist alles dabei. Leider sind es so viele Informationen, die ich mir gar nicht merken konnte. Aber immerhin hat der Leser so die Möglichkeit nachzuschlagen, falls er etwas vergessen hat. Nachdem sich der Autor am Anfang so viel Mühe gegeben hat, alles zu erklären, war ich guter Hoffnung, denn ein historischer Roman muss die Zeit schon authentisch darstellen. Doch danach war ich der Verzweiflung echt nahe.

Uwe Klausner verwendet einen bildhaften und modernen Stil, der durch angenehme Sätze gut zulesen ist. Den Stil kombiniert er jedoch gekonnt mit der damaligen Zeit. Dies hat zur Folge, dass er zahlreiche lateinische Begriffe einbaut und Begriffe verwendet, die in der heutigen Zeit nicht geläufig sind. Und genau das hat bei mir den Lesefluss enorm gehemmt. Zwar übersetzt er wirklich jeden lateinischen Spruch und alle fremden Worte werden ebenfalls erklärt, aber dafür gibt es zahlreiche Fußnoten. Hier hätte der Autor diese auch lieber in einer Liste am Ende zusammenfassen sollen. Bei einzelnen Fußnoten bin ich immer froh, wenn ich diese sofort am Buchrand erläutert bekomme, ohne ständig umblättern zu müssen. Hier ist es jedoch so viel, dass ich mir viele Worte gar nicht merken konnte.

Auf der anderen Seite entsteht ein gutes Bild des mitteralterlichen Schauplatzes. Vom Alltag bis zu medizinischen Erkenntnissen ist alles gut erklärt, sodass das Kopfkino erstklassig entsteht. Selbst einzelne Häuser konnte ich mir auf Grund der Beschreibungen richtig gut vorstellen. Historisch einwandfrei kommt die Spannung jedoch am Anfang zu kurz. Die Ermittlungen nehmen erst im zweiten Drittel Formen an, die rasant voranschreiten müssen. Dadurch kommt es häufig zu Zufällen, Ansätzen und Wendungen, die überraschend eingebaut werden. Das Tempo nimmt zum Schluss so zu, dass man wirklich aufmerksam lesen muss, um kein wichtiges Detail zu überlesen. Die Ermittlungen selbst sind humorvoll, logisch und interessant. So zumindest habe ich mir einen Detektiv des Mittelalters vorgestellt.

Der Kriminal-Fall findet einen krönenden Abschluss in einem konsequenten und schlüssigen Finale, welches für einen letzten Schub Spannung sorgt. Allerdings hatte ich am Ende des Buches eher das Gefühl einen historischen Roman gelesen zu haben, der mit einer angenehmen Prise Ermittlungsarbeit versehen wurde. Spannend, mittelalterlich, aber mit einer Spur zu vielen Fußnoten. Wodurch das Buch nur 3 Sterne bekommt.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

familie, tiere, mut, freundschaft, marienkäfer

Marienkäfer Siebenpünktchen

Marika Krücken , Matthias Gerschwitz
Flexibler Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Pax et Bonum, 01.03.2012
ISBN 9783943650075
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Als Mutter zweier Söhne, 8 Jahre und 6 Monate, ist mir Vorlesen nicht fremd. An Kinderbücher stell ich besonders hohe Anforderungen, sodass es nicht leicht ist, mich zu überzeugen. Lehrgehalt, Wortwahl, Inhalt und Optik muss schon stimmen. Die Idee ein Buch mit einem süßen Marienkäfer auf den Markt zu bringen, empfand ich als klasse. Schließlich gibt es kaum ein Kind, welches Marienkäfer nicht niedlich findet.

Als Mutter fällt sofort auf, dass die Hochglanz-Seiten nicht unbedingt kinderfreundlich sind. Zwar bleibt Dreck nicht unbedingt darauf haften, aber es ist sehr unhandlich, wie ich selbst auch feststellen musste. Gerade für Leseanfänger finde ich persönlich Hardcover-Bücher einfach praktischer.

Die Geschichten sind mit süßen Aquarellen und Fotografien der Autorin versehen und gefallen mir persönlich, aber auch meinen Kids sehr gut. Besonders mein Jüngster mag sich die bunten Bilder gerne ansehen. Da fängt er laut an zu lachen, wenn ich ein Bild mit dem Marienkäfer aufschlage.

Inhaltlich sind die Geschichten optimal. Jede beschäftigt sich mit einem anderen lehrreichen Thema. Sie bieten den Kids die Möglichkeit zu diskutieren und sich über bestimmte Verhaltensregeln zu informieren. Spielerisch lernen sie sozusagen, welche Fehler welche Konsequenzen haben. Die Geschichten sind ideal zum Vorlesen. Sie bieten kleinere Pausen, verfügen über eine gute Wortwahl und kurze Sätze, wodurch Kinder besonders gut folgen und verstehen können. Dabei setzt die Autorin gekonnt auf Wiederholungen. Bei einem Erwachsenen-Roman würde ich dies mangelhaft finden, für ein Kinderbuch empfinde ich dies jedoch als optimal. Gerade bei Figuren oder wichtigen Details können Kinder sich diese leichter merken. Neben dem hervorragend umgesetzten Lehrgehalt, setzt die Autorin inhaltlich auch auf sachliche Informationen. Aus diesem Grund baut sie, leider etwas schlecht abgegrenzt, allgemein Informationen über Spechte und Marienkäfer. Das fand ich als Mutter extrem gut, denn diese Dinge würden Kinder sonst in der Regel erfragen.

In dem Rosenstrauch im Garten wohnte Familie Marienkäfer. Familie Marienkäfer hatte dieses Jahr großes Glück gehabt, diese schöne Wohnung zu finden. Ihre Nachbarn, Familie Grille, waren nicht so zufrieden mit ihrer Wohnung im Fliederbusch. (Zitat S. 7)

Die Geschichten sind kurz gehalten, aber beinhalten alles, worauf es bei einer guten Kinder-Geschichte ankommt. Man kann gut jeden Abend eine Geschichte vorlesen und mit dem Kind noch darüber reden. Alternativ eignet es sich auch gut zum Selbstlesen. Hier können Kids in der ersten Klasse langsam an Sicherheit gewinnen.

Selbst als Erwachsene habe ich Gefallen an dem Buch gefunden. Auch mein Großer, der mit fast 9 Jahren eigentlich zu alt ist fürs Erstlesealter, fand die Geschichten klasse und hat gerne zugehört, wenn ich sie meinem Zwerg vorgelesen habe.

Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass bis auf das Buchformat nichts auszusetzen gibt. Spannend, lehrreich, witzig und komplett süß gestaltet, kann man nur hoffen, dass es von der Autorin noch weitere Siebenpünktchen Bücher geben wird.

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thriller, herz, krimi, mord, überraschend

Grabeskälte

Maren Schwarz
Flexibler Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Gmeiner, A, 01.08.2004
ISBN 9783899776225
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Grabeskälte“ ist der erste Krimi aus der Feder von Maren Schwarz und der erste Band der „Henning Lüders“-Reihe. Nachdem ich zufällig „Treibgut“ gelesen und rezensiert habe, bekam ich von der Autorin den ersten Teil des Buches signiert geschenkt. Klar, dass ich mich nach dem spannenden Wow-Erlebnis bei Treibgut auch gleich mit dem Lesen anfangen musste. Allerdings warnte mich die Autorin vorab, dass es sich hier um ihr erstes Werk gehandelt habe, und ihr Stil dementsprechend noch nicht so ausgeprägt sei.

Der Einstieg in das Buch ist erstklassig. Der Prolog macht Lust auf mehr. Mach möchte wissen, was diese verrückten Jugendlichen planen und in welcher Verbindung dies mit dem Geheimnis dieser Autorin zu tun hat. Nach dem aufwühlenden Prolog geht es weiter mit der Einführung der eigentlichen Protagonistin. Der Leser lernt Cora, eine anstrebende Autorin mit Fehlgeburt kennen. Durch die ausführlichen Schilderungen ihres Kinderwunsches lernt man die Protagonistin kennen und lieben. Sie durchlebt regelmäßig Alpträume, die man näher kennenlernen möchte. Zudem ist es interessant, sie auf ihren Werdegang zu begleiten. Ich hatte das Gefühl, dass Maren Schwarz an dieser Stelle ihre eigenen Erfahrungen mit eingebaut hat. Zudem lernt man den Kommissar Lüders kennen. Obwohl er mir bei Treibgut ohne große Einleitung sehr vertraut war, war meine Neugierde groß, wie es beim ersten Teil sein würde. Würde er mir noch vertrauter sein, würde ich ihn sofort wiedererkennen? Auf beides lautet die Antwort JA. In diesem Fall ist es ihr gelungen das Bild aufrechtzuerhalten und einiges noch verständlicher zu gestalten. Mit Henning Lüders ist ihr der perfekte Kommissar gelungen. Hennning Lüders ist eine eindrucksvolle und starke Persönlichkeit.

Allerdings wird schon auf den ersten Seiten deutlich, was die Autorin mir versucht zu sagen. Ihr Stil ist nur minimal vergleichbar mit dem dritten Fall von Henning Lüders. Sie beschreibt Schauplätze, Charaktere und Situationen authentisch und lebendig. Ich hatte nie Probleme mir etwas bildhaft vorzustellen. Jedoch ist ihr Stil in diesem Buch noch stark in den Anfängen. Es ist schwer zu beschreiben. Ich hatte das Gefühl, dass sie oft zu übertrieben beschreibt, so gehoben. Dadurch kommt der Gedanke auf, dass sie wirklich bewusst darauf achtet, welche Worte sie wählt, um ihre Wortgewandtheit zu demonstrieren, und nicht umgangssprachlich zu wirken. Einerseits eine reife Leistung, die sich sicherlich von anderen Erst-Versuchen unterscheidet. Auf der anderen Seite doch stellenweise zu viel. Mir ging dadurch die Spannung leicht verloren.

Die Themen, die sie aufgreift, wie zum Beispiel der Weg vom Hobby-Schreiber zum Vorstellungsgespräch bei einem Verlag, oder schwarze Messen finde ich interessant. Gut recherchiert und absolut spannend. An Hand von überraschenden Wendungen sorgt sie dafür, dass man das Buch trotz interessantem Stil nicht mehr aus der Hand legen mag. Kontinuierlich spielt sie mit den Ängsten und Gefühlen der Leser. Im Punkto Plot und Inhalt hat die Autorin schon ihren Stil gefunden. Mich konnte sie damit gänzlich überzeugen.

Das ihr Schreibstil nicht so abgerundet und ausgreift ist, wie nach einigen Veröffentlichungen, kann ich ihr verzeihen. Ich kann das Buch nur empfehlen. Es ist ein spannungsgeladener Start einer beeindruckenden Reihe.

===Abschließendes Fazit===
Interessantes Krimi-Debüt im Schriftstellermillieu

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

kleinkinder (ab 5), aufklärung, liebe

Mutter sag, wer macht die Kinder?

Janosch
Fester Einband
Erschienen bei Mosaik
ISBN 9783576100381
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In meiner Kindheit habe ich mit 7 Jahren „Peter, Ida und Minimum“ bekommen und fand es damals echt aufklärend, kindgerecht und anschaulich. Nachdem ich von einer befreundeten Autorin dieses Buch zu meiner Schwangerschaft geschenkt bekommen habe, falls sich mein Großer dafür interessiert, landete es im Schrank, da er sich dafür null interessierte und es nach den ersten Seiten als blöd bezeichnete. Nun musste er in der Schule meinen alten Kindheitsklassiker lesen. Das weckte meine Neugier, wie das andere Buch umgesetzt wurde. Schließlich hatte er das Schulbuch nicht als blöd bezeichnet.

Der Leser wird in die Tierwelt von Tütü, einer kleinen Maus entführt. Sie ist mit Didi, einem Maulwurf zusammen. Doch das ist zu Beginn gar nicht so ersichtlich. Die ersten Seiten lernt das Kind erst einmal Tütü und ihre große Mäusefamilie kennen. Der Alltag mit Schule und dem schrecklichen Kater wird genauso beschrieben, wie das Essen und ihre Schlafplätze. Das ermöglicht den Kindern sich besser in die Geschichte einzufinden, und hat mir echt gut gefallen. Tütü stellt an diesem Punkt auch schon die Frage, woher die Babys kommen, jedoch bleibt die Frage auf Grund einer Störung unbeantwortet. Ich ging also davon aus, dass diese Aufklärung durch die Mutter passiert, die sich später wieder daran erinnert.
Doch dann wird man regelrecht überrumpelt. Didi und Tütü, die eigentlich nur beste Freunde sind, fangen an zu Knutschen, weil Tütü sagt, Didi küss mich endlich. Die ersten kindlichen Lieben in der Grundschule schön und gut, aber von Freundschaft zu einer großen Liebe binnen weniger Sätze, fand ich etwas überfordernd und unpassend. Auf Grund der ersten Liebe und der Küsserei kommen sie sogar zu spät zur Schule. Ich finde so etwas nicht lehrreich. Gerade Kinder in dem Alter sollten gezeigt bekommen, wie wichtig Pünktlichkeit im Leben ist.
Und genau in die Schulstunde, in die sie verspätet platzen, handelt von den Bienchen und Blumen. An Hand einiger Bilder wird dem lesenden Kind erklärt, wie eine Kirschblüte mit der Biene harmoniert und eine Kirsche entsteht. Von der Biene geht es weiter zum Hühnchen und ihrem Ei. Auch Mäusekinder werden erklärt, denn diese entstehen wie die lieben Menschlein. An diesem Punkt beginnt die Überleitung zur eigentlichen Aufklärung am Menschen. An Hand einiger Bilder, wo ich finde, dass man kaum etwas erkennen kann, wird schwach erklärt, wie die Babys entstehen. Man kann es verstehen, auch wenn ich finde, dass danach sicherlich die eine oder andere Frage offen bleibt. In diesem Fall finde ich meinen alten Klassiker um Längen besser. Hier bekommt man an einem menschlichen Beispiel alles erklärt.

„Der Mensch ist etwas größer als eine Maus“, beginnt der Lehrer. „Wir lieben ihn nicht, denn er raubt unsere Ernte aus den Feldern und stellt Mäusefallen auf. Er unterscheidet sich von der Maus, indem er kein so schönes Fell hat, er kann nicht so schnell laufen und hat hinten keinen Schwanz. Der männliche Mensch hat nur vorne einen Schwanz, den nennt er Pimmel oder Piller...“ (Zitat Seite kann ich nicht nennen, da es keine Seitenzahlen gibt)

Von der Periode über den Eisprung, den Sex, die Befruchtung, den Wachstum des Kindes, die Geburt und ersten Tage danach. Klar, dass in dem Janosch Buch, welches sich nur um die Herkunft kümmert, vieles einfach übergangen wird. Aber das sind die Dinge, die Kinder interessieren. Davon abgesehen, konnte ich die Befruchtung bzw. den Weg des Samens zum Beispiel nur sehr schlecht erkennen. Auch die Beschreibungen und Erklärungen des Lehrers wirkten eher plump. Ich kann absolut nachvollziehen, dass mein Großer das vorliegende Buch einfach nur blöd fand. Nach dem Schulbuch hingegen stellte er Fragen und wollte auch etwas zur Herkunft seines Bruders wissen. Genauso erschreckend fand ich es, dass die Mäuse-Eltern am Abend gleich neue Kinder zeugen gegangen sind. Klar, soll dies den Kindern zeigen, dass auch ihre Eltern Sex haben, aber mir war es einfach zu plump.

Die kurzen Sätze sind auf die Kinder ausgelegt, sodass gerade Lese-Anfänger es selbst probieren können. Zum Vorlesen ist dieser Stil jedoch auch geeignet, denn er erfordert keine 100% Konzentration und überfordert die jungen Zuhörer nicht. Eingebunden in der süßen Geschichte, mit dem typisch zauberhaften Zeichnungen im Janosch-Stil ist Aufmerksamkeit garantiert, und wenn es nur das Entdecken der Bilder am Anfang ist.

Beide Bücher sind für Leser ab 5 Jahren. Allerdings interessiert es sicherlich eher Kinder ab 7. Mädchen früher als Jungen.

Das Buch bringt einen zum Schmunzeln, aber ganz ehrlich als Aufklärungsbuch woher die Babys kommen, finde ich es nicht unbedingt empfehlenswert. Wer seinen Kind wirklich erklären möchte, wo es herkommt, sollte auf den Klassiker „Peter, Ida und Minimum“ zurückgreifen. Zwar sicherlich nicht so bekannt und liebevoll gezeichnet wie Janosch, aber inhaltlich 1000 mal besser. Wer sich wirklich nicht anders zu helfen weiß und es noch nicht so direkt erklären möchte, wird jedoch mit dem Janosch-Buch glücklich werden.

===Abschließendes Fazit===
Die Entstehung eines Babys aufs absolute Minimum reduziert.

Pro: Janosch Zeichnungen, Grundidee der Geschichte
Contra: zu große Sprünge, plumpe und schwache Erklärungen
Empfehlung: bedingt

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Kira und der Kunsträuber

Miriam Frankovic
Buch: 152 Seiten
Erschienen bei Shaker Media , 18.05.2010
ISBN 9783868580358
Genre: Kinderbuch

Rezension:

„Der große Boxer und der Kunsträuber“ ist ein Kinderbuch für Leseratten ab 8 Jahren. Genau das richtige Buch für meinen Sohn und meine Nichte.
„Der große Boxer und der Kunsträuber“ ist die Fortsetzung „Der große Boxer und die Rasomiten“. In diesem ersten Band befindet sich Kira in Australien mit einer ganzen Bande aus Tieren. Dieser Teil setzt direkt an, und beginnt mit der Ankunft im verschneiten Deutschland.

Da ich selbst noch sehr gerne Kinderbücher lese, konnte ich an diesem Exemplar nicht vorbei. Den Einsteig empfand ich persönlich eher schwierig. Kira und ihre Tierbande wird dem Leser zwar vorgestellt, sodass man ein kleines Bild bekommt, aber mir persönlich reichte es einfach nicht aus. Vieles wird mit ihrem ersten Abenteuer verbunden, und ich hatte das Gefühl, dass es besser gewesen wäre, diesen vorab gelesen zu haben. Die Charaktereigenschaften der Tiere werden zwar genau genannt, und es wird auch minimal darauf eingegangen, wie sie sich zusammengerauft haben. Allerdings gelang es mir nur sehr schwer mich hineinzufinden. Mir fehlten Informationen, und vieles wirkte fremd.

„Verrückte Sache“, rief der Boxer und verschlang die Mandelhörnchen mit einem Haps.
Für ein normales Durchschnittskänguru hatte der große Boxer wirklich außergewöhnlich großen Appetit. An einem einzigen Tag konnte er so viel in sich hineinstopfen wie andere nicht einmal in einer Woche. Trotzdem wurde er nie satt. Er fraß sogar mehr als Watahulu, unser Bilder malender Elefant, und das sollte schon was heißen. „Das musst du dir echt abgewöhnen“, knurrte Timbu und sah den Boxer so streng an, wie er konnte. Denn Timbu war eigentlich die Gutmütigkeit in Person, und es fiel ihm sehr schwer, streng auszusehen. (Zitat S. 5)

Anfänglich dachte ich, dass es daran lag, dass ich den ersten Teil nicht kannte und vielleicht auch daran, dass meine Fantasie für die ganzen tierischen Freunde nicht ausreichte. Allerdings hat mein Sohn dies ebenfalls bestätigt. Kleinere Bilder oder eine kurze Zusammenfassung des Kennenlernens in einem Prolog hätte ihm besser gefallen. Meine Nichte hingegen besitzt extrem viel Fantasie und sie hatte lediglich ein Problem mit den vielen Namen. In diesem Punkt kam sie gerade am Anfang, da sie sich ebenfalls hineingeworfen fühlte, durcheinander. Das ist bei anderen Kinderbuch-Reihen ausgebauter. Dort werden die Protagonisten auch für Quereinsteiger besser eingeführt. Das soll jedoch nicht heißen, dass es schlecht ist. Nach 30 Seiten ist das Bild so perfekt, als würde man die Figuren aus dem ersten Band kennen. Dies ist jedoch ein Kritikpunkt, der nur minimal einfließt, denn der Fehler liegt ja eigentlich bei mir.

Inhaltlich kann das Buch gänzlich überzeugen. Ihr gelingt es Tiere und Menschen in einen interessanten und spannenden Abenteuer zu vereinen. Ich persönlich war zwar schon als Kind nicht so der Fan von sprechenden Tieren, jedoch kommt es sonst bei der Zielgruppe sehr gut an. Das eigentliche Abenteuer umfasst jedoch nicht nur Tiere, die übrigens sehr authentisch beschrieben wurden, sondern auch das Thema Freundschaft. Diese beschäftigt sich nicht nur mit dem Aspekt Mensch und Tier, sondern geht auch um die erste Liebe. Für Mädchen sehr schön, aber wo mein Sohn nur das Wort Kuss, hat er sich nur geschüttelt. Da dies jedoch nur am Rande eingeflochten wird, ist das Buch auch ideal für Jungs, denn Spannung ist auf Grund der Spuk-Stimmung greifbar.

Doch nicht nur Spannung und Spaß sind vertreten, sondern die Autorin hat auch an den Lehrgehalt gedacht. Absolut kindgerecht versucht sie den jungen Lesern das Leben und die Kunst rund um Leonardo da Vinci zu vermitteln. Dies gelingt ihr ohne Kompromisse. Meine Nichte, die sich eh leicht beeinflussen lässt, hat sich danach diverse Sachbücher geschnappt, um sich mit da Vinci, seinen Erfindungen und seiner Kunst vertraut zu machen. In meinen Augen macht es eine Autorin genau richtig, wenn sie durch ihr Werk die Neugierde eines Kindes weckt. Selbst mein Sohn konnte einige Informationen abspeichern, die er nun bei Verwandten zum Besten gibt.

Die Mischung aus Bildung und Spannung kommt bei den Kids sehr gut an. Auch wenn ich mich persönlich mit sprechenden Tieren noch immer nicht anfreunden kann, hat Miriam Frankovic ihre Arbeit hervorragend erledigt. Als Mutter kann ich das Buch ohne Bedenken empfehlen, und Kinder lieben es auf Grund der Spannung und Tiere. Was will man mehr!?

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jugendbuch, rom, römisches reich, historischer roman, gladiator

Marcus Gladiator - Kampf für Freiheit

Simon Scarrow , Ute Seeberger , Helge Vogt
Fester Einband: 312 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 09.02.2012
ISBN 9783760783772
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Marcus Gladiator“ ist der Auftakt einer neuen Reihe, die im Verlag arsEdition erschienen ist. Das Buch richtet sich an Fans von Spartakus, 300, Gladiator und Co. Die Zielgruppe ist in diesem Fall zwar bei 10 Jahren, aber auch Erwachsene werden sicherlich ihren Spaß haben. Begleitet mich auf meiner Reise ins alte Rom zu den Gladiatoren-Kämpfen. Blut, brutale Kämpfe und ein Junge, der seinen Weg geht, erwarten euch.

In einem kurzen Prolog wird dem Leser die Vorgeschichte von Marcus Vater, der bei dem großen Sieg gegen Spartakus dabei war, nahegebracht. Wenige Seiten später, lernt man den 10jährigen Marcus kennen. Marcus wird dem Leser als mutiger, willensstarker und kämpferischer Junge dargestellt, der niemals aufgibt, um sein Ziel zu erreichen. Er ist ein Protagonist, mit dem sich zahlreiche Jungen im Alter zwischen 10-12 identifizieren können. Auch die anderen Charaktere sind mit interessanten Eigenschaften, die typisch für die damalige Zeit waren, ausgestattet. Mit solchen liebevoll gestalteten Figuren macht das Eintauchen in ein Abenteuer richtig Spaß.

Hintergrund dieser Geschichte ist das Jahr 61 v. Christus. Spartakus, der die Sklaven gegen die römischen Soldaten angeführt hat, der Wunsch nach Freiheit und Gladiatoren-Kämpfe sind allgegenwärtig. Dem Autor gelingt es diese Zeit anschaulich zu präsentieren. Man bekommt das Gefühl selbst in dieser vergangenen Zeit zu stecken. Es ist eine sehr realistische Wiedergabe der Schauplätze, Situationen, Hintergründe und Gefühle. Für Kinder ist dies besonders schön, denn sie lernen etwas über die römische Antike und sehen, dass andere Kinder es früher nicht so schön hatten wie sie.

Immer wieder wird deutlich, dass der Wunsch nach Freiheit groß ist, und viele noch den Verlust von Spartakus im Stillen betrauern. Wie bei Hitler haben auch damals schon die Wände Ohren gehabt. Dies wird durch die brutale Gesellschaft, den Kampf ums eigene Überleben und die gestohlene Freiheit immer wieder sehr deutlich hervorgehoben. Misshandlungen, Folter und Unterdrückung werden nicht nur gut erklärt, sondern spannend in den Plot eingebaut.
Allerdings versucht der Autor oftmals zu viel Spannung aufkommen zu lassen. Kinder wollen Spannung, aber ich bin mir nicht sicher, ob diese Art von Umsetzung nicht doch den einen oder anderen Alptraum hervorrufen wird. Schon im Prolog wird deutlich, wie brutal die damalige Zeit war. Leichen türmen sich auf den Schlachtfeld. Im Verlauf wird auf die Kämpfe eingegangen, und diese werden sehr lebendig geschildert. Pfeile, die den Hals durchbohren oder Schwerter, die den Schädel spalten. Filme sind in der heutigen Zeit auch sehr brutal. Trotzdem fand ich es als Mutter etwas zu heftig. Normalerweise lasse ich meinen 8jährigen Sohn auch Bücher lesen, die für Leser ab 10 sind, aber in diesem Fall hab ich davon abgesehen.

Die Knie des Sklaven begannen wild zu zucken, und die Augen traten ihm beinahe aus dem Kopf, während er seinerseits mit seinen Fingernägeln Titus die Augen auszukratzen versuchte. Der Zenturio drehte den Kopf zur Seite. Immer wilder wurden die Bewegungen des Mannes, doch dann lockerten sich seine Hände, und der Kopf fiel ihm nach hinten. (Zitat S. 13)

Dieses Beispiel zeigt den lebendigen, plastischen und spannungsgeladenen Stil. Ob der Detailreichtum nicht etwas zu viel für Kinder ist, sollte hier jedes Elternteil selbst entscheiden. Nichtsdestotrotz ist der Stil sehr schön, und lässt ein gutes Kopfkino entstehen. Er sorgt für einen guten Lesefluss und stellt auch für Kinder mit Leseschwäche kein Problem dar. Mittellange Kapitel von rund 20 Seiten,kurze und einfache Sätze werden mit einer leichten Wortwahl.

Ich hab das Buch angefangen und in einem Zug durchgelesen. Die historische Umsetzung in Verbindung mit diesem spannungsreichen Plot sorgt dafür, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. Im Anschluss hat mein Mann sich das Buch zu Gemüt geführt, da er ein großer Fan dieser Zeit ist. Auch er war begeistert und mochte es nicht aus der Hand legen. Das zeigt mir, dass sich das Buch auch für ältere Generationen eignet, sofern sie sich für die Welt der Gladiatoren interessieren. Nichtsdestotrotz kommt es auf bei einem Kinderbuch eher auf die Meinung der Zielgruppe an. Aus diesem Grund gebe ich meiner lesebegeisterten Nichte stets meine Kinderbücher zum Lesen. Sie hat das Buch an zwei Abenden gelesen, und war einfach nur fasziniert. Der Protagonist konnte sie sofort überzeugen. Den Inhalt fand sie actionreich und somit klasse. Am Besten hat ihr jedoch die Zeit in der Gladiatoren-Schule gefallen, da sie dort einmal die Ausbildung hautnah miterleben konnte. Sie fand es interessant und lehrreich. Sie ist gleich am nächsten Tag sogar noch in die Bücherei gefahren, um sich Sachbücher zum Thema Gladiatoren auszuleihen. Das spricht dafür, wie sehr Kids das Buch lieben werden. Wobei es auch hier auf den eigenen Lesegeschmack ankommt. Wer jedoch Spannung liebt, wird auch an dieser neuen Reihe gefallen finden.

Der Schluss wird vom Autor noch einmal mit einer extra Portion Nervenkitzen versehen. Man zittert mit dem Protagonisten und lässt die letzten Seiten nur so an sich vorbeirauschen. Der Schlussstrich selbst wird an einer Stelle gesetzt, die gut gewählt wurde. Die Geschichte ist bei einer Reihe logischerweise nicht zu Ende, aber alle offenen Punkte sind vorerst abgearbeitet. Allerdings werden zum Ende hin neue Fakten eingeworfen, die das Interesse und die Neugierde wecken. Man möchte wissen, wie es weitergeht, und wird somit dem zweiten Teil entgegen fiebern.

Sowohl meiner Nichte, meinem Mann, als auch mir hat dieses Kinderbuch sehr gut gefallen. Es gewährt bemerkenswert, spannende Einblicke in das antike Rom, sorgt für blutige Kämpfe und zeigt, wie leicht sich die Leute damals haben beeinflussen lassen. Für mich eins der schönsten Kinderbücher, die der Februar 2012 hervorgebracht hat.

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79 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

kanada, liebe, sägewerk, wildnis, auswanderung

Im Land des Roten Ahorns

Claire Bouvier
Flexibler Einband: 397 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 20.05.2011
ISBN 9783404160341
Genre: Romane

Rezension:

Obwohl mich der Klappentext und die Leseprobe von dem Buch früher nicht überzeugt haben, war ich schon nach wenigen Seiten froh, dass meine Mutter es mir geschenkt hatte. Als gebürtige Hamburgerin, liebe ich Romane, die in meiner Heimat spielen. Gerade historische Romane bieten einen guten Kontrast zum aktuellen Leben in Hamburg. Es ist schön bekannte Plätze zu erkennen und zu sehen, wie es sich entwickelt.

Jaqueline wird dem Leser als sehr naiv und zugleich sehr mutig dargestellt. Nach dem Tod ihres Vaters versetzt sie das letzte Erbstück, um zu einem völlig fremden Mann, den sie nur aus Erzählungen und Briefen her kennt, zu fahren, der am anderen Ende der Welt lebt. Das nenne ich abenteuerlustig und stark. Allerdings verlässt sie sich in jedem Punkt immer auf andere. Erst ihr Diener, dann ihr Anwalt und später auf Alan. Einerseits ist ihre Haltung nachvollziehbar. Sie ist noch jung, und wahrscheinlich hätte ich mich auf den Freund meines Vaters ebenso verlassen und seine Hilfe bei der Auswanderung in Anspruch genommen. Ihre sonstige Darstellung geht leicht unter. Obwohl sie mit roten flammenden Haaren beschrieben wird, bekomme ich von ihr kein Bild in meinen Kopf. Sie wird mit wenig Tiefgang dargestellt und in meinen Augen auf diese beiden Charakterzüge beschränkt. Sie hätte gegen eine x-beliebige andere Figur ausgetauscht werden können, die ebenfalls naiv, aber mutig ist. Auch die anderen Protagonisten sind blass und unterscheiden sich nur von ihren Charaktereigenschaften, die jeweils ins Extreme ausgeprägt sind.

Fahrkrog funkelte ihn hasserfüllt an, bevor er sich Jaqueline zuwandte. „Ich werde dich ruinieren, Miststück!“, drohte er. „Ich werde dafür sorgen, dass du im Bordell landest, und dann werde ich der Erste sein, der dich besteigt!“ (Zitat S. 23)

Handlungen und Gedankengänge sind leider ebenfalls verschwommen. Zum Beispiel versucht ein Gläubiger sie zu vergewaltigen und bezahlt Leute, die das Haus demolieren und sogar den Diener töten. Wozu, nur weil er abgewiesen wurde? Auch die Haltung von Jaqueline ist oft unverständlich. Ich konnte nie verstehen, warum sie nicht auf Anzeige bestanden hat. Solche schwer nachvollziehbaren Gedanken und Handlungen sind im ganzen Buch vorzufinden.

Die Handlung selbst schreitet sehr schnell voran. Das Buch ist in vier Kapitel unterteilt, die sich mit dem Anfängen in Hamburg, der ersten Zeit in Kanada, der Zeit nach der Flucht und im letzten Teil der zarten Liebe und der erneuten Flucht befassen. Manche Teile werden einfach ausgelassen. Mich hätte interessiert, wie die Fahrt von Hamburg nach Kanada ausgesehen hat, aber stattdessen befindet man sich gleich in den USA und wird von dort nach Kanada geführt. Die Landschaft und die einzelnen Situationen sind gut geschildert, sodass man ohne Probleme der Handlung folgen kann. Aber es fehlt immer eine Kleinigkeit. Was fehlt, wird später klar. Die Tatsache, dass man sich im Jahre 1875 befindet und man das Kanada zu dieser Zeit kennenlernen will, muss der Liebesgeschichte weichen. Lediglich nach dem Auftreten von Connor erfährt der Leser etwas mehr über Holzfäller, Fallensteller und Pelzhändler. Es bleibt jedoch alles eher am Rande und kratzt daher nur an der Oberfläche.

Die Liebesgeschichte, die die Autorin so ins Auge fasst, kann jedoch auch nicht überzeugen. Sie hat sich einen roten Faden vorgenommen, und hält diesen strikt ein. Dadurch ist alles vorhersehbar und langweilig. Das Hauptproblem ist jedoch, dass sie um diesen roten Faden auch einzuhalten, oft den Zufall nachhelfen lässt oder bestimmte Dinge als gegeben einfließen lässt, was oft einfach nur kitschig und unbeholfen wirkt. Stellenweise war ich sogar so genervt, dass ich nur noch flüchtig gelesen habe. Erst mit dem Abenteuer des Holztransportes konnte mich das Buch endlich überzeugen. So hätte für mich das ganze Buch sein müssen. Für mich war das Kanada pur, wie ich es mir im Jahr 1875 vorstellte. Dazu noch Abenteuer. Leider ist dieser Teil viel zu schnell beendet. Und wird durch einen letzten Besuch in Hamburg abgeschlossen.

Für mich ist das Buch eine nette Idee, welche jedoch durch die vorhersehbare und oberflächliche Umsetzung erst im letzten Teil wirklich überzeugen kann. Weder der Stil noch der Spannungsanteil kann überzeugen.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Einwegmänner

Miriam Frankovic
Flexibler Einband: 216 Seiten
Erschienen bei Shaker Media, 06.05.2011
ISBN 9783868586473
Genre: Romane

Rezension:

Mein erster Gedanke, den ich bei dem Buch hatte, war „Hera Lind“. Sie ist bekannt für Werke, die sich mit einer weiblichen Darstellerin aus der Fernsehbranche befassen und die Männer dabei mehr oder weniger farbenfroh dastehen lassen. Nach zwei dieser Lektüren bin ich der Auffassung, dass ich eine Hera Lind im Buchregal nicht wiederfinden möchte. Langatmige Details aus dieser Arbeitswelt fand ich auf die Dauer schrecklich. Obwohl mich der Klappentext von Miriam Franković sofort ansprach, waren meine Bedenken, dass sie es wie Hera Lind hält sehr groß.

Gleichzeitig fällt es mir oft schwer mich in Protagonisten hineinzuversetzen, die zwischen 40-50 sind. Mit Ende 20 ist es für mich eine fremde Welt. Doch Miriam Franković gelingt es sofort mich mit Lisa zu überzeugen. Man merkt sofort, dass die Autorin an zahlreichen Daily Soaps mitgewirkt hat. Lisa kommt alles andere als wie 40 vor. Jugendlich, voller Elan, witzig, aufgeschlossen, chaotisch und leicht verträumt kommt sie daher, und zieht mich in ihren Bann. Obwohl sie deutlich älter ist, konnte ich mich ohne Probleme in ihre Gedankenwelt hineinversetzen. Und auch die anderen weiblichen Figuren lassen das Herz höher schlagen. Für jedes Klischee oder besser gesagt für jeden Frauentyp ist etwas dabei. Von der ultimativen Zicke über das Vamp bis zum grauen Mäuschen ist alles mehr oder weniger ausgeprägt vertreten. Die Charaktere wirken, egal ob männlich oder weiblich völlig lebendig und überzeugend, halt aus dem Leben gegriffen.

Die Türklingel schrillte grell in meinen Ohren. „Verdammt noch mal. Welcher Idiot wagt es, mich mitten in der Nacht zu wecken?“ Endlich ging das verklebte Auge auf, und mein einäugiger Blick fiel auf den Radiowecker. 12.34 Uhr. Das konnte unmöglich sein. Oder doch? (Zitat S. 5)

Auch inhaltlich kann die Autorin brillieren. Sicherlich erkennt man an einigen Stellen, dass sie hauptsächlich im Bereich der Daily Soaps tätig ist, aber das ist nicht unbedingt negativ. Emotionen, Schauplätze oder Situationen werden bis ins kleinste Detail beschrieben. Kopfkino ist vorprogrammiert. Allerdings waren es mir an einigen Stellen zu viel der Adjektive. Ich hatte das Gefühl, dass sie ihr eigenes Kopfkino festhalten möchte. Nichtsdestotrotz schadet es dem Lesefluss überhaupt nicht. Witzige Begebenheiten reihen sich aneinander und lassen dem Leser ein Lächeln auf dem Gesicht zurück. Genauso setzt sie auf Spannung und auf die romantische Ader. Wie man daran erkennt, wird es in dieser Geschichte nie langweilig. In dem Punkt ein gelungener Frauenroman, wie ihn sicherlich viele Leserinnen erwarten. Man darf aber nicht die Idee dahinter vergessen. Die Suche nach dem richtigen Mann, und die damit verbundene Tatsache, dass man den falschen auch ziehen lassen muss, um das wahre Glück zu finden. Mit diesem Ansatz verbindet Miriam Franković die humorvolle Seite mit der dem psychologischen Tiefgang. Es lässt über die eigene Beziehung, vergangene Beziehungen und generell die eigene Situation nachdenken. Dies wird besonders durch den logischen und konsequenten Schluss deutlich.

Stilistisch konnte mich die Autorin ebenfalls überzeugen. Wortgewandt, dynamisch, treffend und leicht ironisch ist der Stil der Autorin. Kein Vergleich zu den langatmigen Passagen und Wortwiederholungen einer Hera Lind. Miriam Franković vermeidet dies gekonnt an Hand von durchdachten Sätzen, abwechslungsreichen Worten und ihrer Liebe zum Detail.

Einmal angefangen konnte ich das Buch nur schwer aus der Hand legen, weswegen ich das Buch auch so gerne weiterempfehle. Wer auf der Suche nach einer leichten, humorvollen Liebeslektüre mit gewissen Tiefgang ist, sollte nicht lange überlegen. Miriam Franković wird ihn mit ihrem Werk „Einwegmänner“ nicht enttäuschen.

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

teneriffa, liebe, tauchen, thüringen, internet

Tausche Brautschuh gegen Flossen

Juliane Kobjolke
Flexibler Einband: 276 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 13.02.2012
ISBN 9783839212721
Genre: Romane

Rezension:

„Tausche Brautschuh gegen Flosse“ ist ein Buch, welches mich sofort angesprochen hat. Alleine durch den Klappentext konnte ich mir schon gut vorstellen, dass mir diese Protagonistin gefallen würde. Ähnliches Alter, ebenfalls seit kurzem verheiratet und einen Mann, der beruflich viel unterwegs ist, da sollte es mir nicht schwer fallen, mich mit ihr zu identifizieren.

Der Einstieg ließ jedoch schlimmes ahnen. Die ersten Seiten wurde ich mit Lea überhaupt nicht warm. Ich verstand nicht, warum sie sich so aufregte, ihr Mann war schließlich schon lange Zeitsoldat. Trotz Rückblende der Hochzeit und dem Kennenlernen zwischen Lukas und Lena, hatte ich das Gefühl, dass mir die Hauptfiguren fremd blieben. Glücklicherweise ist dieser Zustand nicht von langer Dauer. Langsam, schleichend, aber kontinuierlich ändert sich dies. Erst macht es sich gar nicht bemerkbar, und dann plötzlich musste ich erkennen, dass mir Lena nicht mehr fremd war, sondern sehr vertraut. Das liegt hauptsächlich an der Situation, in welche die Autorin Lena und Lukas steckt.

Im ersten Moment fragte ich mich, wie kommt man auf die Idee, nur weil der Mann längere Zeit weg ist, die Arbeit auf Eis gelegt ist auf die Idee zu chatten, gerade wenn man glücklich ist!? Dies macht Lena auf den ersten Blick leicht unsympathisch. Doch dann wird diese Thematik vertieft und immer greifbarer und verständlicher. Es ist eine Situation, wie sie jeden, egal ob Männlein oder Weiblein, treffen kann. Es ist eine Minute der Einsamkeit, Frust oder gar Wut, in der ein Gesprächspartner fehlt. Man möchte reden, und in der heutigen Zeit ist das via Internet möglich. Das in dieser Situation heraus Gefühle, Hoffnungen und Wünsche geweckt werden, ist gar nicht so abwegig. Es kann aber auch in einer ganz anderen Situation passieren, ein netter Arbeitskollege, ein Blickkontakt in der Bahn oder der nette neue Nachbar. Versuchungen gibt es überall. Und diese beispielhaft und anschaulich zu präsentieren, ist der Autorin meinen Augen erstklassig gut gelungen.

In der Ich-Perspektive geschrieben, kommen Emotionen, Schuldgefühle, Wünsche und Ängste eindrucksvoll zur Geltung. Ich habe mit der Protagonistin gelitten, gehofft und immer wieder gefragt, wie ich selbst reagieren würde.

Genauso gut, wie ich die Perspektiv-Wahl fand, sieht es mit dem Stil aus. Wortgewandt, erfrischend, charaktervoll und detailliert kommt er daher. Unter ihm sind Schauplätze zum Greifen, Seiten fliegen dahin und der eine oder andere Schmunzler wird erzeugt.

Meistens ersticken solche Bekanntschaften nach wenigen Augenblicken aus Angst, oder weil man erkennt, was man am eigentlichen Partner hat. In diesem Fall wird die Situation drastisch ausgebaut und kommt zum Höhepunkt, als sich die Zwei treffen. Die Kombination aus zurückgelassenen Ehemann und der prickelnden Spannung zwischen Lena und ihrem neuen Schwarm sind ein guter Kontrast, der das Buch temporeich und keineswegs langweilig erscheinen lässt. Bis zum Schluss fieberte ich mit, wie sich Lena wohl entscheiden würde.

Anders und doch erwartet - so würde ich den Schluss beschreiben. Die Beweggründe für die endgültige Entscheidung sind nachvollziehbar und durchdacht. Allerdings hätte ich mir einen anderen Ausgangspunkt gewünscht. Vorhersehbar und ohne große Überraschung ist das Ende plötzlich da. In aller letzter Sekunde scheint dies auch der Autorin bewusst geworden zu sein, denn sie versucht mit einem Schmankerl noch Spannung aufkommen zu lassen. Es ist ein Finale wie es eigentlich fast jeder erwarten würde. Aus dem Grund ist es weder negativ, noch wirklich positiv. Lediglich die Logik sticht positiv hervor, und sorgt bei Personen in einer ähnlichen Grundsituation, für einen Denkanstoß.

Lange hab ich mit mir gefochten, ob ich auf Grund des Anfangs und des Schluss einen Punkt abziehen soll. Ich bin zu dem Resultat gekommen – nein. Betrachtet man allein die Thematik, die Protagonisten und den Stil, kann man von einer ausnahmslos guten, wenn auch leichten Frauen-Lektüre sprechen. In diesen Fällen ist das Ende meist vorhersehbar. Zudem bin ich erfreut, dass endlich mal ein interessantes und aktuelles Thema aufgegriffen wurde. Dementsprechend vergebe ich gerne fünf Sterne.

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Tags: frauen, frauenliteratur, glücklich, teneriffa, thüringen   (5)
 

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

krimi, wien, thriller, e.t.a. hoffmann, serienmörder

Die Muse des Mörders

Nadine d'Arachart und Sarah Wedler ,
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei LABOR edition a, 01.02.2012
ISBN 9783902800039
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Remakes kenn ich eigentlich nur aus der Film- und Spieleindustrie. Als großer Fan von Krimis war dementsprechend meine Neugierde groß, wie das Remake mir gefallen würde. Gerade bei Spielen wie „King's Quest“, die als VGA Remake zahlreiche Spieler begeisterten, weiß man, dass ein Remake erstklassig sein kann.

In diesem Fall liegt das Buch dem Klassiker „Das Fräulein von Scuder“ von E.T.A Hoffmanns zu Grunde. Dessen Handlung spielt im 17. Jahrundert und wird als erster deutscher Krimi gehandelt. Verfasst wurde es 1819. Ein Buch von dem ich bis dato zwar schon mal etwas namentlich gehört hatte. Und dank einer Frage, wurde mir ein Einblick in das Original seitens der Autoren gewährt.

Nadine und Sarah sind damit in große Fußstapfen getreten. Ihr Remake spielt nicht im 17. Jahrhundert sondern in der Neuzeit. Damit traf ich wohl auf das größte Problem bei diesem Buch. Zuerst hatte ich das Jahr 2011 überlesen, und bin davon ausgegangen, dass es sich um die damalige Zeit handle. Erst beim Lesen traten Ungereimtheiten auf, die mich auf meinen Fehler aufmerksam machten. Eigentlich habe ich nichts dagegen, wenn bei einem Remake nicht nur die Sprache aufgefrischt wird. Schließlich wird die Geschichte auch bei einem Film der Neuzeit angepasst, warum nicht auch hier. Die Protagonisten wurden unserer Zeit angepasst. Twitter, Drogen, Aufsässigkeit und Co. verleihen ihnen eine Art, wie sie im Moment aktuell ist. Doch nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Schauplätze wurden dem Jahr 2011 angepasst. Beides ist erstklassig umgesetzt worden. Lebendig, zeitgemäß, detailliert und modern. Jeder Protagonist ist auf seine Art einzigartig und sympathisch. Schauplätze, wie zum Beispiel Wien, wecken Erinnerungen an Urlaube im Kindesalter. Realistischer hätte es nicht umgesetzt werden können. Ein Punkt ist mir jedoch aufgefallen. Negativ würde ich ihn nicht bezeichnen, aber Besonders. Die Stimmung bzw. Atmosphäre, die die zwei Autorinnen einfangen, wirkt älter. Würden nicht neumodische Dinge wie Twitter eingeworfen werden oder der Hinweis mit 2011 sein. Ich würde von der eingefangenen Atmosphäre eher davon ausgehen, dass der Kriminalroman 18. Jahrhundert, oder auch früher spielt. Und diese Stimmung finde ich bemerkenswert schön. Dadurch kam regelmäßig der Wunsch auf, die zwei hätten sich auch zeittechnisch an dieses Jahrhundert gehalten.

Ihr Hausmädchen hatte aber, soweit Madeleine wusste, noch nie Probleme gehabt, nachts Ruhe zu finden. Trotzdem kam sie sich albern vor, als sie wie ein Teenager, der sich über ein elterliches Verbot hinwegsetzt, die Treppe hinunter in die Küche schlich, wo sie einen Kessel mit Wasser aufsetzte. (Zitat aus Kapitel 2)

Parallelen zum Original sind besonders in den Protagonisten und den Fällen zu erkennen. Der Stil und die Umgebung wurden jedoch wirklich sehr angepasst. Es lässt sich dadurch leichter lesen. Und ich finde es beeindruckend, dass sich zwei so junge Talente, an diesen schweren Klassiker herangewagt haben.

Auch sonst ist ihnen die Umsetzung gelungen. Extrem kurze Kapitel, insgesamt 91 erwarten den Leser auf 304 Seiten, sorgen für ein besseres Verständnis, bei den ganzen Sprüngen in der Perspektive. So muss man nicht groß überlegen, wer nun berichtet oder wen man gerade begleitet. Gerade am Anfang finde ich dies ideal, da man zeitgleich drei verschiedene wichtige Protagonisten kennenlernt, und man so besser unterscheiden und nachvollziehen kann.

Von der Spannung her ist es den beiden Autorinnen gelungen, die auf eine kontinuierliche Art und Weise einzufangen. Mit jeder Seite zittert man mit und ist von dieser Geschichte gefesselt. Für eine Krimi genau die Richtige Mischung aus Ermittlungen, Überraschungen und spannenden Momenten.

Der Schluss ist logisch und an die vorhergegangene Geschichte angepasst, sodass dadurch der Krimi harmonisch ausklingt. Er lässt den Leser mit einem Gefühl von erlesener Unterhaltung zurück. Mir war es eine Freude unterhalten zu werden, auch wenn ich oft fand, dass die Atmosphäre und noch perfekter mit der damaligen Zeit harmoniert hätte.

Eigentlich ein perfekter Krimi, der fünf Sterne verdient, aber diese Atmosphäre sorgt dafür, dass ich es nicht mit meinem Bauchgefühl vereinbaren kann. Vielleicht hab ich zu viele alte Krimis gelesen, vielleicht war es auch der Original-Text. Der Wunsch das Buch hätte im 17. Jahrhundert gespielt, ist zwischenzeitlich durch diese Grundstimmung einfach zu groß.

===Abschließendes Fazit===
Außergewöhnliches Remake des ersten deutschen Kriminalfalles.

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Adria-Express

Gerrit Fischer
Flexibler Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 16.08.2011
ISBN 9783842329973
Genre: Romane

Rezension:

Jeder im Leben hatte schon mal eine Situation, wo er am Liebsten einfach irgendwo eingestiegen, und einfach ohne Ziel losgefahren wäre. Egal ob mit der Bahn, dem Auto oder gar dem Flugzeug, einfach dem Straßenverlauf oder einem bestimmten Gleis folgen, sich treiben lassen und schauen, wo man landet.

Diesen Gedanken hat sich Gerrit Fischer zu Nutzen gemacht und dabei seine Erfahrungen, die er in den 90er Jahren auf zahlreichen Bahnreisen mit Freunden in Richtung Süden, mit eingebaut.

In der Ich-Perspektive begleitet der Leser den jugendlichen Tim auf seiner Reise. Eine Reise zum Sinn des Lebens. Tim wird den Lesern als antriebslos, verzweifelt und hilfebedürftig dargestellt. Er ist an einem Punkt in seinem Leben angekommen, wo er seine Träume aufgibt, und die kalte Realität erblickt. Mit dieser kommt er jedoch nicht klar. Es ist eine Situation, wie man sie vielleicht selbst kennt. Und selbst wenn dies nicht der Fall ist, kann man sie trotzdem nachvollziehen, denn Gerrit Fischer gelingt es durch die richtige Wortwahl ein klares, emotionales und tiefgründiges Bild entstehen zu lassen. Diese Liebe für seine Hauptfigur kommt auch bei den anderen Nebenrollen zum Vorschein. Ich hatte ganz oft das Gefühl, dass es sich um reale Figuren handelt, so greifbar und authentisch wurden sie dargestellt.

Alles erscheint sinnlos. Anstrengend. Ziellos. Planlos. Leer. Ich fühlte mich wie eine Flipperkugel. Immer in Bewegung, die Richtung fremdbestimmt, von einem harten Anschlag zum nächsten harten Aufprall geschossen. (Zitat S. 6)

Doch nicht nur bei den Charakteren, sondern auch bei den Schauplätzen und Begebenheiten ist der Stil ein wahrer Genuss. Leicht, plastisch und verträumt schildert er Ortschaften, sodass man sie direkt vor seinem inneren Auge sieht und davon träumen kann. Mitreißen, kräftig und zart hingegen sind die Situationen. An Hand dieser Beschreibungen wurde mir sofort klar, warum dieser Autor schon in der ersten Klasse von seiner Deutsch-Lehrerkraft, für seine Schreib- und Stilsicherheit gelobt wurde. Im fliegen die Worte nur so zu. Es ist eine Freude diese Wortgewandtheit miterleben zu dürfen.

Neben dem Stil kommt auch der Inhalt nicht zu kurz. Spannende Momente werden von lustigen Situationen abgelöst. Kleine Anekdoten, neue Kontakte oder interessante Begebenheiten sorgen für eine gute Abwechslung, sodass in meinen Augen keine Langweile aufkommt. Zeitgleich vergiss Gerrit Fischer die Grundidee nicht. Tiefgründig, Gefühlvoll und zum Nachdenken anregend befasst er sich mit dem Sinn des Lebens, dem Träumen und den Zielen, die man haben sollte.

Gerrit Fischer bezeichnet das vorliegende Werk als Jugendbuch. Ich selbst würde es in die zeitgenössische Literatur einordnen. Der Protagonist ist zwar 18, und Interrailer ist ein Thema, dass gerade junge Leser interessiert, aber durch die Grundidee ist es nicht unbedingt eine Umsetzung die Jugendliche begeistern wird. Trotzdem will ich damit nicht sagen, dass nicht auch Leser ab 16 oder gar ab 14 das Buch lesen können. Im Gegenteil, es eignet sich idealerweise für den Deutschunterricht ab der 9 Klasse. Die stilistischen Mittel, der Inhalt und die Umsetzung bieten nicht nur genügend Material im „Deutsch-Sinn“, sondern auch zum Diskutieren.

Unterhaltsam ist dieser Roman definitiv, aber als leichte Sommerlektüre, würde ich ihn nicht empfehlen. Da muss ich der Mittelhessischen Anzeigen Zeitung widersprechen. Oberflächlich gesehen ist es ein leichtes Thema, aber liest man zwischen den Zeilen, dann ist es tiefsinnig. Und genau diese Kombination macht das Buch so lesenswert. Vergesst den Verlag, denn der Autor kann definitiv überzeugen.

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ärztefehler, insel rügen, elena, krimi, regionalkrimi

Treibgut

Maren Schwarz
Flexibler Einband: 225 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 13.02.2012
ISBN 9783839212325
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Maren Schwarz ist eine Autorin, die die Alpträume einer Mutter geschickt einfängt und für ihre Geschichte zu nutzen macht. Jede Mutter fürchtet sich vor einem unachtsamen Moment, der ihr Leben verändert wird. Eine Angst mit der es leicht ist, einen spannenden Krimi entstehen zu lassen. Dabei setzt sie auf einen altbewährten Ermittler, Henning Lüders, einem pensionierten Kommissar, der trotz seines hohen Alters völlig vital ist. Mit Henning Lüders hat die Autorin einen Ermittler erschaffen, der in meinen Augen sympathischer nicht hätte sein können. Authentisch, liebenswert, resulut und stark im Charakter wird dieser Mann dargestellt. Meine größte Sorge galt der Entwicklung dieser Figur. Schließlich ist der vorliegende Band der dritte Fall. Meine Sorge war jedoch gänzlich unberechtigt. Zwar werden stets andere Fälle erwähnt, und auch andere Protagonisten, die einige Leser aus den vorherigen Bänden kennen werden, kommen auch hier wieder vor. Nichtsdestotrotz hatte ich nicht das Gefühl auf einen Fremden zu treffen, in den ich mich nicht hineinversetzen kann. Maren Schwarz ist das genaue Gegenteil gelungen. Mit wenigen Sätzen gelingt es ihr den Protagonisten so darzustellen, wie auch Alt-Fans der Reihe ihn sehen, ohne diese zu langweilen. Für mich eine bemerkenswerte Leistung, die nur wenigen Autoren gelingt. Doch nicht nur Henning Lüders ist ein außergewöhnlicher Charakter, sondern auch die neuen Figuren, wie zum Beispiel Elena. Jede Figur wird durch einen anderen Charakterzug individuell zum Leben erweckt. Dabei ist sie schonungslos und realistisch. Sie deckt Abgründe auf und spielt gekonnt mit diesen.

„Pass bloß auf, dass du dich da nicht in etwas verrennst“, ermahnte Peer sie. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, fügte er hinzu: „Ich war dabei, als man den Unglücksort gesichert und die Überreste des Kinderwagens aus dem Meer geborgen hat.“ (Zitat Kapitel 2)

Maren Schwarz setzt nicht nur auf den Alptraum einer jeden Mutter, diesen einen unachtsamen Moment, sondern baut zusätzliche Abgründe, wie zum Beispiel Spielsucht, Untreue und Alkoholismus ein. Es sind Schluchten, die bei den Hauptfiguren gar nicht erwartet werden, sondern überraschende Wendungen darstellen und für neuerliche Spannung sorgen. Dies ist einer der positiven Aspekte, die für einen kontinuierlichen Gespanntheit während des Lesen sorgt. Unterstützt wird das Ganze durch den Wunsch selbst die Lösung zu finden. Das Raten gestaltet sich jedoch gar nicht so einfach, denn Maren Schwarz, weiß fachmännisch durch Wendungen, neue Einwürfe, den Leser immer wieder auf neue Fährten zu bringen und dafür zu sorgen, dass es bis zum Schluss dramatisch und offen bleibt.
Dabei legt Maren Schwarz ein Tempo hin, von dem sich andere Krimis eine Scheibe abschneiden können. Langweile kommt an keiner Stelle auf. Von Rügen führen die Ermittlungen über Italien bis in die USA.

225 Seiten und ein solch inhaltlicher Umfang, da muss doch was gespart sein, war nach gut 180 Seiten meine Meinung, aber das konnte ich definitiv nicht feststellen. Doch nicht mal beim Stil kann ich etwas negatives finden. Leicht, mit einer auffallenden Liebe zum Detail fließen die kurzen Kapitel nur so dahin. Selbst der Schluss ist logisch, konsequent, auflösend und ein krönender Höhepunkt. Es wirkt nichts gekürzt oder künstlich.

In meinen Augen ist dies einer der besten Krimis der letzten Zeit, und ich möchte unbedingt mehr von dieser Autorin lesen.

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berlin, kundus, afghanistan, krimi, marie

Alleingang

Wolfgang Brenner
Flexibler Einband: 270 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 13.02.2012
ISBN 9783839212271
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wolfgang Brenner ist mit seinem Krimi „Alleingang“ ein besonderer Kriminalroman gelungen. Ermittlungen seitens Kriminalpolizei oder Detektei wird der Leser hier nicht vorfinden. Stattdessen greift der Autor für seine Lektüre ein höchst brisantes Thema auf, dass in dieser Umsetzung für Gesprächsstoff sorgen wird.

Temporeich lässt Brenner sein Buch beginnen. In präzisen, aber plastischen Sätzen lässt er die Protagonisten zum Leben erwecken. Emotionen, Handlungen und Gedankengänge sind sofort greif- und nachvollziehbar. Seine Figuren beschreibt er wie Freunde, Nachbarn – einfach wie du und ich. Ohne lange zu fackeln geht er gleich zu der heiklen Thematik über. Diese ist dem Leser schon durch den Klappentext vertraut, und trotzdem beginnt Brenner an diesem Punkt ausführlicher in seinen Schilderungen zu werden. Sachlich und nichtsdestotrotz spannend geht er auf die Bundeswehrsoldaten im Krisengebiet ein. In diesem Fall ist sein Protagonist in Kundus, um dort die Zivilisten vor den Taliban zu beschützen. Ein Thema, welches oft in den Medien präsent ist. Zahlreiche zivile Opfer, die von beiden Seiten gefordert werden. Unnötige Todesopfer insbesondere bei Kindern. Dazu kommen Opferzahlen bei den Soldaten, die ebenfalls hätten vermieden werden können, wenn die Regierung eine andere Politik fahren würde. Genau dies versucht Brenner seinen Lesern zu vermitteln.

Spannend mit zahlreichen Höhepunkten, die einen auf bodenständige Art sogar einschüchtern und ängstigen, zeigt er mögliche Machenschaften bei der Bundeswehr auf. Es sind Einblicke, die einen zum Nachdenken anregen, neue Perspektiven aufzeigen und Fragen aufwerfen. Gerade letzteres ist unvermeidbar, denn man möchte wissen, ob es Fiktion oder doch Realität ist. Man möchte wissen wie es weitergeht, was hinter den Aktionen und der Kontrolle der Bundeswehr steckt, und was Karl zu der Sache zu sagen hat. Am Meisten wollte ich jedoch wissen, wie er aus dieser Situation wieder herauskommt. Wanzen, falsche Identitäten oder die ständige Überwachung sorgen für eine trockene Spannung, die nicht auf Brutalität setzt. In Kombination mit dem dynamischen, wortgewandten und doch einfachen Stil, wirkte es nie langatmig oder trocken.

Die Seiten rasen nur so dahin, und man rätselt auf seine Art und Weise mit, was die Bundeswehr versucht zu verbergen, aber auch, wie der Autor versuchen wird seine Geschichte zum Abschluss zu bringen. Und genau dieser Punkt stößt mir negativ auf. Die letzten Seiten sind ein grandioser Höhepunkt, der mich den Atem anhalten ließ, um dann festzustellen, dass der Autor sich für eine diplomatische Lösung entschieden hat. Er lässt das Ende offen. Einige Fragen werden dem Leser beantwortet, aber andere Punkte nicht. Für ein so explosives und aktuelles Thema, sicherlich nicht schlecht, aber ich hatte etwas anderes erwartet, und muss sagen, dass ich das Buch leicht enttäuscht zur Seite legte. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn jede weitere detaillierte Erklärung, würde zu viel verraten.

Ich fühlte mich mit meinen Gedanken alleingelassen. Auf der anderen Seite ist dem Autor ein dramatischer Krimi gelungen, den ich persönlich für sehr wichtig und auf seine Art und Weise spannend finde. Aus diesem Grund kann ich ihn trotz gewöhnungsbedürftigen Finale empfehlen.

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roman, männer, freundschaft, frauen, liebe

Spielball der Götter

Margit Hähner
Flexibler Einband: 226 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 13.02.2012
ISBN 9783839212691
Genre: Romane

Rezension:

„Spielball der Götter“ klang für mich nach einem witzigen, turbulenten Liebesroman. Genau das Richtige für einen entspannten Abend bei diesem kalten Wetter.

Obwohl ich eigentlich Bücher bevorzuge, bei denen die Protagonistin in meinem Alter ist, konnte ich nicht widerstehen, denn die Thematik ist auf jede Altersgruppe anwendbar. Die Protagonistin war mir sofort sympathisch, denn sie erinnerte mich stark an mich selbst. Genauso werden zahlreiche andere Leser denken. Lena ist das typische Bild einer frustrierten, eingeschüchterten, pessimistischen Frau, die nach einigen Rückschlägen nur den Wunsch nach echter Liebe hat, diese jedoch längst abgeschrieben hat. Ihre Gedankengänge sind so realistisch, dass es stellenweise beängstigend ist. Auf der anderen Seite ist es interessant einmal zu sehen, dass es anderen Frauen ähnlich geht, und wie sehr man sich mit dieser Denkweise die Möglichkeiten verbaut. Durch diese Natürlichkeit schließt man Lena nicht nur sofort ins Herz, sondern fiebert durchweg mit ihr mit. Auch die anderen Protagonisten sind durchdacht, authentisch und auf ihre Art und Weise liebenswert.

Die Protagonisten in Kombination mit dem ausgezeichneten Stil, der sich besonders durch seine Leichtigkeit, seinen Detailreichtum und seine Lebendigkeit hervorhebt, verspricht eine Menge Spaß, der in meinen Augen jedoch an der Umsetzung scheitert. Aus dem Thema hätte einiges mehr herausgeholt werden können. Lange Zeit weiß die Protagonistin nicht einmal wer sich hinter Amanda versteckt. Viel zu spät wird sie zusammen mit den anderen Göttern eingeführt. Dadurch zieht sich die Geschichte meines Erachtens anfänglich sehr in die Länge. Zudem hätte ich durch den Klappentext einfach mehr Witz und Spaß erwartet. Stattdessen ist alles sehr vorhersehbar und kopflastig. Die ständigen Ängste und Sorgen sind zwar realistisch, aber nehmen der Story einfach die humorvolle Seite. Gags, die die Autorin durch Amanda einbaut, werden unterbrochen. Dazu kommt die Tatsache, dass Margit Hähner durch verschiedene Männer versucht, das Ende offen zu halten. Im realen Leben gibt es zwar auch meist in den entscheidenden Momenten die Wahl zwischen zwei Kandidaten, aber dieser Zufall bei Arne, fand ich doch etwas deplatziert. Hätte Amanda nachgeholfen oder hätte sie einen fremden Mann kennengelernt okay, aber welcher Arbeitskollege fragt nach Jahren urplötzlich nach einem Date. Sicherlich gibt es dies, aber es wirkte irgendwie komisch. Damit könnte ich noch Leben, aber zwei Punkte habe ich wirklich als störend empfunden. Fangen wir mit dem Schluss an. Hier versucht Margit Hähner fast krampfhaft noch etwas Pepp in die Geschichte zu bringen. Eine neue Variable in der Gleichung bringt noch lange nicht das gewünschte Ergebnis. Der Ausgang des Buches war völlig vorhersehbar und in meinen Augen sogar schwach, da es zwar abgeschlossen, aber leicht abrupt endet. Auf der anderen Seite hat mich der Einbau der Götter irritiert und gestört. Die Idee finde ich erstklassig, aber ich habe mich oft gefragt: Wozu? - Denn Amanda gibt nur kleine Denkanstöße, so wir ihre beste Freundin auch. Im Grunde kann man sagen, dass sie ihren Traumprinzen gänzlich ohne Amanda kennengelernt und erobert hat. Ohne die Götter hätte es vielleicht etwas länger gedauert, wenn überhaupt. In meinen Augen hätte sich die Autorin entweder auf das normale Thema, die negativ denkende Single-Frau konzentrieren soll, so wie es ihr in diesem Buch auch grandios gelungen ist, oder sie hätte sich auf eine wirklich witzige Art mit den Göttern einlassen sollen. Bei dieser Umsetzung kommen die Götter einfach zu wenig zur Geltung. Darin liegt, denke ich mal, mein größtes Problem.

Der Schriftstellerin ist eine realistische Umsetzung der Problematik „Ängste bezüglich neuer Partnerschaft“ gelungen, die auf interessante Art und Weise aufzeigt, wie man sie meistert und sein Glück finden kann. Jedoch eine schwache Umsetzung was die humorvolle Umsetzung seitens der Götter angeht. Zudem hätte ich mir noch einen Hauch Romantik am Schluss, oder eine überraschende Wendung gewünscht. So war es einfach nur passend, aber konnte nicht brillieren.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Die Kirschenkönigin

Justus Pfaue
Fester Einband: 430 Seiten
Erschienen bei Ullstein HC
ISBN 9783550083242
Genre: Romane

Rezension:

„Die Kirschenkönigin“ ist nicht nur ein Buch, welches bei Amazon über zahlreiche positive Kritiken verfügt, sondern auch als Verfilmung erfolgreich ist.

Meine Gefühle bei dem Buch sind jedoch eher gemischt. Es beginnt schon mit der Tatsache, dass hier die Geschichte auf einem Klischee beruht, dass Juden reich sind. In diesem Fall kommt der Reichtum von einem riesigen Geldgewinn bei einer Lotterie und nicht aus übertriebenen Handel, aber trotzdem fand ich damit ein Klischee hervorgerufen.

Abgesehen von diesem Klischee muss ich persönlich sagen, dass mir die Protagonisten nicht sehr sympathisch erschien. Für die damalige Zeit zur Weimarer Republik ist es sicherlich beispielhaft. Mich konnte diese Naivität und das Verständnis gegenüber ihrer rotzfrechen Schwester nicht überzeugen. Ihre sonst starke Seite geht durch diese empfindsame Seite unter. Auch später wirkte sie eher wie das behütete Mädchen, dass von der kalten, brutalen Welt die Augen verschließt. Wobei es damals einige Juden gab, die sicherlich bis zum letzten Moment die Augen verschlossen haben.

Ruth knuddelte Käthe. „Ich verspreche dir, dass du nicht vom Dach springst, Käthe, du dumme Socke! Natürlich verzeih ich dir nicht! Ich habe die Vögel nicht gerade geliebt, aber ich habe fünf Jahre lang gebraucht, um sie zu züchten...“ (Zitat S. 30)

Der Stil selbst ist auf der einen Seite ungewöhnlich, da er stellenweise sehr sachlich wirkt und trotzdem so voller Details und Emotionen steckt. Dabei ist es eine einfache Wortwahl, die gerade durch ihre Leichtigkeit und Sprüche, wie zum Beispiel „Dumme Socke“ so herrlich kindlich wirken. Dieser Kontrast zu den sachlichen Beschreibungen in der Familienordnung sind so unterhaltsam, dass es sich trotz mancher langatmiger Strecken angenehm flüssig und leicht zu lesen ist.

Spannend ist das Buch im Verlauf auf seine ganz eigene Art und Weise. Man zittert trotz der Naivität der Protagonistin und hofft, dass sie das Nazi-Regime überleben wird. Dadurch ist es in einer gewissen Art und Weise spannend, auch wenn kein Mord oder ähnliches passiert.

Der historische Aspekt des zweiten Weltkrieges jedoch fand ich persönlich nicht so besonders gut umgesetzt. Landschaften und andere Schauplätze sind einwandfrei beschrieben, sodass man sich sogar von Ortschaften, wo man noch nie war, ein klares Bild machen kann. Jedoch hätte ich die Hintergründe des zweiten Weltkrieges oder gar den Verlauf nicht 100% nachvollziehen können. Für mich wichtige Details werden einfach außen vor gelassen. Das liegt vielleicht daran, dass ich schon zahlreiche Werke aus dieser Zeit gelesen habe, und ich mir einfach etwas mehr erhofft habe.

Nichtsdestotrotz ist das Buch durchweg interessant, durch seine Schicksalsschläge, seine Überraschungen. Aus diesem Grund kann ich das Buch auch empfehlen, obwohl es mich nicht gänzlich überzeugen konnte.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

100 Kilometer zu Fuß um Jena

Sven Müller
Flexibler Einband: 84 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 02.02.2011
ISBN 9783842339774
Genre: Sonstiges

Rezension:

100km an einem Stück laufen, dass ist die Horizontale von Jena. Der Autor Sven Müller hat sich an diesen ultimative Sportevent gewagt. 100mm am Stück: bergauf, bergab, durch Matsch, über Steine, bei Tag, in völliger Dunkelheit, bei Kälte, Nässe und Hitze. Rationierte Portionen, Schmerzen, die falsche Ausrüstung und eine Motivation, die mit jedem Schritt sinkt, lassen Teilnehmer aufgeben. Sven Müller gibt jedoch nicht auf und möchte andere Ermutigen, auch ihr Limit herauszufinden. Von der Vorbereitung, über seine Erlebnisse auf der Horizontale bis zur Ankunft zu Hause zeigt er auf, wie schwer 100km am Stück sein können.

===Leseprobe===
http://www.amazon.de/100-Kilometer-Jena-Sven-Müller/dp/3842339771/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1329212449&sr=1-1

===Sarahs Meinung===
Einhundert Kilometer, dass klingt eigentlich nicht viel. Was kann man dazu nur schreiben!? Das sind die ersten Gedanken, die mir durch den Kopf wanderten, als ich das Buch das erste Mal sah. Als Kind war ich mit meinen Eltern regelmäßig in den Ferien wandern, und das war doch alles harmlos. Von der Horizontalen oder gar diesen Ultramarathonlauf, die es überall gibt, hatte ich noch nie was gehört.

Gespannt machte ich mich an das Buch, und war von der ersten Seite gefesselt. 100km am Stück war doch etwas anderes, und dann ohne Pause innerhalb von 24 Stunden. Es reizte mich und ich wollte davon mehr erfahren. Interessant schildert der Autor, wie er zu dieser Sportart kam, und wie ein Trainingstag aussieht. Alleine diese Schilderung lässt die Lust auf ein solches Event schnell vergehen. Auf der einen Seite erkennt man, dass ohne ein regelmäßiges Training nichts zu schaffen ist, aber ich fragte mich schon, wie weit man ohne Training kommen würde.

Nach einigen Tipps im Vorfeld wird der Leser auf das eigentliche Event losgelassen. 850 Personen nehmen an diesem Marathon teil. Mit einem Tempo von rund 5kmh machen sich die Teilnehmer an die 100km. Ein Tempo, dass man die ersten Kilometer sicherlich auch als Laie mithalten könnte, aber nach 10-15km wäre man völlig k.o. Anschaulich, und doch auf das Wesentliche beschränkt, versucht Sven Müller aufzuzeigen, wie die Strecke aussieht, wo die Schwierigkeiten liegen, was die Verpflegung, die Motivation und Komplikationen angeht. Fotografien zeigen die Strecke, wobei der Autor leider auch andere Dinge, wie zum Beispiel Blumen, andere Teilnehmer und Co. ablichtet. Als absoluter Lauf-Laie hätte ich mir stellenweise authentischere Fotos gewünscht. Er beschreibt enge Wege, matschige Stellen oder Kilometer an der Autobahn entlang. Hier hätte ich mir mehr Fotos der Strecke gewünscht. Ich will damit nicht sagen, dass die anderen Fotos nicht die Lust wecken, oder interessant sind, jedoch hätte ich mir die Stecke so noch lebendiger vors Auge führen können.

Stellenweise hätte ich mir auch eine ausführlichere Schilderung gewünscht. Der Autor beschreibt bildhaft, lebendig, so wie er es erlebt hat. Allerdings kommen die Strapazen an einigen Stellen nicht so rüber, wie man erahnen kann. 84 Seiten können das Wichtigste beinhalten, allerdings werden hier auch längere Strecken unbehelligt gelassen. Daran erkennt man, dass sich das Buch zwar auch für Laien eignet, aber eher als Austausch und Anregung für Sportkollegen gedacht ist. Diese können sich unter den Beschreibungen mehr vorstellen. Laien hingegen müssen erst eigene Erfahrungen sammeln, um vieles besser begreifen zu können.

Nichtsdestotrotz gelingt es Sven Müller selbst bei einem Sportmuffel wie mir die Lust auf dieses Event zu wecken. Besonders gut fand ich die Darstellung der anderen Teilnehmer, denn es wird deutlich, dass zahlreiche Teilnehmer trotz Vorbereitung im Laufe der Strecke aufgeben müssen. Dialoge sorgen für einen gewissen Witz. Und genau diese Ehrlichkeit überzeugt.

Ich persönlich hätte mir 20-40 Seiten mehr Horizontale-Erfahrung gewünscht, aber diverse Leser werden sich sicher über die knackige Aufklärung freuen. Auch wenn mir stellenweise etwas fehlte, ist es interessant, lehrreich, motivieren, wofür auch die zweite Auflage spricht. Man kann gespannt sein, ob es der Autor 2012 auch wieder wagen wird. Wer einen weiteren Blick auf dieses Event werfen will, kann sich Ursula Dittrich "Die 100-km-Horizontale rund um Jena" kaufen. Dort gibt es weitere Tipps, Erfahrungen und Empfehlungen.

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Meine Berliner Kindheit

Barbara Schilling
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Rosenheimer Verlagshaus, 16.03.2011
ISBN 9783475540783
Genre: Romane

Rezension:

Die Thematik rund um den zweiten Weltkrieg wurde schon in unzähligen Büchern aufgenommen. Früher gerne gelesen, schüttelt inzwischen vielerorts der Leser den Kopf und denkt sich, nicht noch ein bewegendes Schicksal aus dieser Zeit. Einerseits ist dies verständlich, denn inzwischen möchte niemand mehr an diese Zeit denken und wer sich doch dafür interessiert, wird zahlreiche Werke finden. Auf der anderen Seite ist dies ein Stück deutscher Geschichte, die niemals vergessen werden sollte, um jüngere Generationen zu warnen.

Barbara Schilling setzt hier auf eine ganz besondere Umsetzung. Der Leser wird direkt in das Berliner Leben einbezogen. Ein Berlin welches rund 70 in der Vergangenheit liegt. Dabei lässt sie die zahlreichen Fakten weg, und widmet sich dem reinen Schicksal von Helene, ihrer Mutter. Zahlreiche Bücher setzen auf die trockenen, wenn auch wichtigen Fakten, da ist es angenehm nur das Wichtigste zu erfahren. So können Leser selbst bestimmen, ob sie sich weiter informieren wollen oder schon genug wissen, und sich voll und ganz auf das Buch konzentrieren wollen. Schließlich geht es nicht nur um den zweiten Weltkrieg, sondern auch um die ersten Jahre danach.
Geboren 1939 bekommt sie den Krieg nur am Rande mit. Trotzdem gelingt es der Autorin ihre Mutter in angenehmen Farben darzustellen. Das Bild eines kleinen, liebenswerten Mädchens, dass man gerne als freche Göre bezeichnen kann. Sympathisch und in gewisser Weise noch kindlich-naiv beschreibt Barbara Schilling die Kriegsjahre aus den Augen eines Kindes. Sie geht auf Bombennächte in Schutzkellern, Mangel an Lebensmitteln, den Leben ohne Männern und den Nazi-Nachbarn ein. Trotz der kindlichen Erzählweise bekommt der Leser ein authentisches Bild. Leider viel zu schnell zu Ende, denn ein Kind erinnert sich nur an wenige Details. So weiß ich aus Erfahrung, dass Mütter nur die einprägenden Momente an ihre Kinder weitergeben kann. Viele Schilderungen kamen mir komplett bekannt vor, denn meine Mutter ist Baujahr 38. Eingestürzte Häuser, wo noch der Herd mit der dampfenden Suppe steht, während der Rest eingestürzt ist; die Lebensmittelrationen oder kleine Spielsachen, die Kinderherzen für wenige Stunden ablenken. Ich denke, dass wenn man stückweise Dinge erkennt, die Umsetzung wirklich gelungen ist.
Ohne große Lücke wechselt die Autorin in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Die Besetzung von Berlin durch die Russen, die Trümmerfrauen, die verzweifelte Suche nach Männern und der Versuch ein Stück Alltag in das Leben zu bringen. Inhaltlich kann die Autorin voll und ganz überzeugen.

Der Stil selbst ist anschaulich, wächst mit der Protagonistin und weiß den Leser mit ansprechenden und klaren Worten zu fesseln. Dabei setzt die Autorin auf den typischen Charme von Berlin.

Meine Oma schaffte es trotz ihrer geringen Körpergröße, drohend auf das Fräulein hinab zu sehen, die Arme in die breiten Hüften gestemmt: „Hä! Sie Würmchen wollen mir Angst machen? Dass ick nich lache! Lene kriege Se nur über meene Leiche, sach ick Ihnen.Erst müssen Se an mir vorbei!“ (Zitat S. 7)

Und genau darin liegt das Problem, welches den Lesefluss hemmt und das Buch streckenweise recht anstrengend macht. Die Autorin hat ihre gesamten Dialoge mit dem allseits bekannten Berliner Dialekt versehen. Der Leser versteht die wörtliche Rede ohne Probleme, aber bei einigen Berliner Begriffen muss man jedoch nachdenken. Für Berliner sicherlich angenehm, aber für andere Städter schwer. Vereinzelt macht dieser Charme noch Spaß und ist passend. Jedoch ist er überall vertreten und definitiv einfach zu viel. Ich persönlich musste mir immer wieder kleinere Pausen gönnen, und einmal Verschnaufen, weil es mir einfach zu viel war. Ich kann nachvollziehen, dass Barbara Schilling damit eine ganz authentische Atmosphäre schaffen wollte, aber an die zahlreichen Nicht-Berliner hat sie nicht gedacht.

Ebenfalls ist mir noch ein kleinerer Punkt aufgefallen, den ich mir für eine solche Biographie gewünscht hätte. Ich persönlich hätte mir vereinzelt ein paar Fotos gewünscht. Einfach um sich das alte Berlin, ihre Mutter oder bestimmte Personen noch besser vorstellen zu können. Ich will nicht sagen, dass es fehlt, denn Barbara Schilling weiß auch ohne Fotos ein genaues Bild entstehen zu lassen, aber für mich gehören zu einer Biographie einfach Fotos.

Nichtsdestotrotz ist ihr damit ein wertvolles Buch gelungen, dass eindrucksvoll an der Biographie ihrer Mutter zeigt, wie es in Berlin während des Krieges und danach aussah.

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359 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 56 Rezensionen

liebe, fantasy, märchen, eisbär, arktis

Ice - Hüter des Nordens

Sarah Beth Durst , Katrin Harlaß
Flexibler Einband: 348 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 09.02.2012
ISBN 9783802586026
Genre: Fantasy

Rezension:

»Es war einmal vor langer, langer Zeit, da sagte der Nordwind zum König der Eisbären: ›Stehle mir eine Tochter, und wenn sie herangewachsen ist, soll sie deine Braut sein.‹«
Cassie, vier Jahre alt, klammerte sich fest an ihre Bettdecke und blickte unverwandt auf ihre Großmutter. (Zitat S. 7)

Dies sind die ersten Sätze aus dem Prolog und zeigen genau, was das restliche Buch ausmacht. Ein spannendes Märchen, welches an die heutige Zeit angepasst wurde.

Der Einstieg in dieses grandiose Neuzeit-Märchen beginnt mit dem eigentlich alten Märchen, welches Cassie regelmäßig von ihrer Mutter erzählt bekommen hat. Auf Grund des Klappentextes war dem Leser sofort klar, dass es sich nicht nur um eine simple Geschichte, sondern um die Wahrheit handelt. Nach dieser kurzen Einführung springt die Geschichte in die jetzige Zeit, und versucht dem Leser anschaulich Cassie, ihre Familie und ihre Lebenssituation anschaulich darzustellen. Cassie wird dem Leser als eine Protagonistin dargestellt, die einerseits jung, dynamisch, abenteuerlustig, stark, mutig und liebenswert ist. Auf der anderen Seite jedoch ist sie leicht egoistisch, eigensinnig und durchweg stur. Durch die beiden Seiten wirkt sie realistischer, aber nicht rundheraus sympathisch. Im Grunde kann man dies als menschliche Eigenschaften einer jugendlichen Person bezeichnen. Der Bär als weitere Hauptfigur ist ebenfalls sehr geheimnisvoll, aber rundherum liebenswert. Er nimmt Rücksicht auf ihre Gefühle, erfüllt ihr Wünsche und trägt sie im Grunde auf Händen. Ein Charaktere den sich viele junge Mädchen als Traumprinzen vorstellen würden. Er lädt zum Träumen und Hoffen ein.

Die Geschichte geht jedoch nicht nur um diese ungleiche Liebe. Die in meinen Augen perfekt umgesetzt wurde, denn sie zeigt den Lesern, dass man hinter die Fassade schauen sollte, um so vielleicht seinen Seelenpartner zu finden. Des weiteren befasst sich Sarah Beth Durst mit einem zweiten magischen Aspekt. Der Eisbär ist nicht nur ein einfaches magisches Wesen, sondern gehört zu einer Gruppe, die sich der Seelen der Verstorbenen annehmen, um sie bei der Geburt eines neuen Wesen weiterzugeben. Ohne Seele würde dies eine Totgeburt werden. Leider gibt es viel zu wenig solcher Wesen, sodass die Arbeit hart ist. Es ist eine Idee, die mir in diesem Genre so noch nicht untergekommen ist. Es ist ein interessanter Ansatz, der spannend, realistisch und mit einem Hauch Magie perfekt umgesetzt wurde.

Zusammen mit dem lebendigen, jugendlichen und anschaulichen Stil gelingt es der Autorin eine magische Welt zu erschaffen, die mit jeder neuen Seite immer mehr fesselt. Die kurzen Kapitel fliegen einfach nur so an einem vorbei. Anfangs noch verzaubert von der zarten Liebesgeschichte und dem magischen Eisbär, ist man plötzlich auf einer abenteuerlichen Reise voll spannender Momente. Als Leser hofft, zittert und leidet man mit der Protagonistin und wünscht sich nur, dass sie endlich ihren Liebsten befreien kann. Man hofft auf ein Happy End, wie es sonst bei Märchen der Fall ist, aber durch die Modernität, besteht trotzdem immer ein kleiner Angstfunke, dass die Autorin dieses Mal nicht auf ein Happy End setzt oder gar mitten an einer spannenden Stelle abbricht, um eine Fortsetzung zu schreiben.

Mitgerissen im dem temporeichen, spannenden und noch fantasievolleren letzten Drittel fiebert man dem Ende entgegen und hofft zeitgleich diese Welt nie verlassen zu müssen, denn die Figuren, die Handlung und die Schauplätze sind einem mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen.

Genauso stürmisch wie Cassies Großvater ist plötzlich der Schluss da. Einerseits vorhersehbar, auf der anderen Seite leicht überraschend bricht er über dem Leser zusammen. Einen besseren Schluss hätte es in meinen Augen nur geben können, wenn diesem Teil eine Fortsetzung angehören würde. Spannend, logisch und erlösend sind die einzigen Worte, die mir zu diesem grandiosen Finale einfallen. Einige werden ihn abrupt finden. Meine Meinung ist jedoch, dass er nicht besser hätte sein können. Die Geschichte endet mit einem klaren, logischen Schluss, ohne sich noch in weiteren Fantasien zu verlieren und lässt dadurch einen Spielraum für eigene Gedanken und eine eventuelle Fortsetzung.

Dieses Buch zählt zu den Exemplaren, die ich aus der Hand gelegt habe, und das Gefühl hatte etwas leeres im Herzen zurückzulassen, so sehr war ich mit der Geschichte verbunden. Die Kombination aus realer und magischer Welt, der moderne und jugendliche Stil und die gelungene Verschmelzung von Spannung und Romantik, konnte mich zu vollständig überzeugen.

Ich persönlich freue mich auf den nächsten Teil dieser Reihe, der im August erscheinen wird, und hoffe, dass mich auch die neue Protagonistin und die neue Idee genauso überzeugen kann.

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Bis später, Prinzessin

Marie Desplechin
Fester Einband: 270 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, Reinbek
ISBN 9783498013158
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich habe das Buch gesehen, und musste es einfach lesen. Obwohl ich vom Titel her etwas ganz anderes erwartet hatte, machte ich mich nach dem Klappentext sofort ans Lesen.

Doch meine Vorfreude wurde auf der ersten Seite sofort getrübt. Ich persönlich bin eine Leseratte, die nichts mehr hasst, als wenn die wörtliche Rede ohne Zeichen durchgeführt wird. Es ist in diesem Fall total schwer ersichtlich, was wörtliche Rede ist, wer sie spricht oder was ein normaler Satzanfang ist. Oft muss man den Absätze neu lesen, um wirklich zu begreifen, wer welches Satz zum Dialog beigetragen hat. Ich finde diese Wahl extrem anstrengend und das war einer der Gründe, warum ich mich entschlossen habe das Buch nach 190 Seiten abzubrechen.

Bis morgen Abend.
Acht Uhr?
Acht Uhr.
Ich schloss die Tür hinter den dreien in ihren Regenmänteln, er sehr groß, sie sehr klein. (Zitat S. 57)

Ein weiterer Aspekt für meinen Abbruch waren die Protagonisten. Das Buch fängt mittendrin an und es fiel mir unendlich schwer mich in die Figuren hineinzuversetzen oder mir gar ein Bild davon zu machen. Zudem hatte ich das Gefühl mich weder mit der einen noch mit der anderen Protagonistin identifizieren zu können. Obwohl ich verstehen kann, dass man Leuten eine Chance geben muss, fand ich es doch übertrieben, dass eine Frau in meinem Alter einer drogensüchtigen Frau die Chance gibt auf ihre Kinder aufzupassen. Wozu so etwas führe kann, haben wir gerade aktuell in den Medien verfolgen dürfen.

Der Inhalt selbst ist anspruchsvoll gehalten. Es ist kein kitschiger Mist, wie man bei einem Frauenroman erwarten würde. In drei Teilen untergliedert wird die Geschichte aus der ICH-Form der Mutter geschrieben. Es wird über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geredet. Durch den Kontakt entwickeln sich die Frauen zu ganz neuen und eigenen Persönlichkeiten. Zahlreiche dramatische Enthüllungen sorgen für immer neue Spannung.

Der lockere, moderne, und beschreibende Stil geht jedoch durch die indirekte Rede. Man muss sich beim Lesen einfach zu sehr anstrengen, so dass der Lesefluss trotz der allgemein angenehmen Sprachwahl einfach zu sehr ins Stocken gerät.

All diese Punkte führten in Kombination dazu, dass ich zum ersten Mal wieder ein Buch abgebrochen habe. Auf den letzten 80 Seiten wäre auch nichts mehr passiert und der Schluss den ich quer gelesen habe, konnte mich auch nicht überzeugen. Ich sah einfach keinen Grund mich weiter zu quälen. Auch wenn die Idee gut ist, muss der Rest stimmen. Ich hab selten in der Badewanne gelegen, wo ich freiwillig das Buch abgebrochen habe. Denn das bedeutet das entspannende Bad zu beenden.

===Abschließendes Fazit===
Anspruchsvolle Frauenlektüre muss nicht immer überzeugend sein.

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