schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerins Bibliothek

319 Bücher, 285 Rezensionen

Zu schnaeppchenjaegerins Profil
Filtern nach
320 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Mein dunkles Herz

Jorge Galán , Angelica Ammar
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin, 14.08.2017
ISBN 9783328101000
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

norddeutschland, bestatter, kindheit, kleinstadt, liebe

Die Tochter meines Vaters

Mareike Krügel
Flexibler Einband: 287 Seiten
Erschienen bei Diana TB, 02.01.2007
ISBN 9783453351592
Genre: Historische Romane

Rezension:


Felizia ist die Tochter eines Bestatters, dessen Vorstellung es ist, dass sie eines Tages das Unternehmen "F. Lauritzen Bestattungen" im norddeutschen Städtchen Kleinulsby übernehmen wird. 
Felizia ist den Umgang mit Toten von Kindesbeinen an gewohnt und hilft ihrem Vater bei der Vorbereitung der Toten für die Begräbnisse und ist bei den Gesprächen mit den Trauernden sowie auf dem Friedhof dabei, um zu lernen. Das Geschäft läuft etwas schleppend, aber der Vater hat die Hoffnung, dass das Unternehmen spätestens in einigen Jahren florieren wird, wenn die Menschen des Neubaugebiets nach und nach das Zeitliche segnen. 


Die Geschichte von Felizia, genannt Felix, wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Man lernt sie als junges Mädchen im elterlichen Betrieb kennen, die vor allem Freundschaften zu Jungs pflegt. 
In der Gegenwart hat sich Felix von ihren Eltern distanziert und verdient ihren Lebensunterhalt als Tarot-Kartenlegerin. Sie schwärmt für Cary Grant und verguckt sich deshalb in Malte Schmidt, der diesem auf den ersten Blick sehr ähnlich sieht. Während Felix versucht ihrem Traum von einem Mann näher zu kommen, pflegt sie sporadische Beziehungen zu zwei Liebhabern, die regelmäßig unangekündigt vor ihrer Tür stehen. 


"Die Tochter meines Vaters" ist die Beschreibung einer außergewöhnlichen Kindheit eines Mädchens, das mit den Tugenden Diskretion, Zurückhaltung, Disziplin und Korrektheit aufwächst, die von ihren Eltern vorgelebt werden und die sie verinnerlicht hat. 
Das Geschäft mit dem Tod behagt ihr jedoch nicht, weshalb sie unter der Voraussetzung studieren zu wollen, zunächst nach Kiel geht und sich der Juristerei widmet. Aber auch das Studium verursacht ihr Bauchschmerzen und so nutzt sie ihr Talent der Wahrsagerei für die selbstständige Tätigkeit als Tarotkartenlegerin. 


Die beiden Erzählstränge wechseln sich ab und mir haben vor allem die Episoden aus ihrer Kindheit gefallen, die mit erfrischender Situationskomik aber dennoch sehr nüchtern erzählt werden. Aber auch die Annäherung um den vermeintlichen Cary Grant-Doppelgänger, bei der ihre 13-jährige Nachbarin Randi behilflich ist, mutet skurril und witzig an. 


Der Roman erzählt die Entwicklung eines gehorsamen, artigen Mädchens, das ihren schrulligen, aber lieben Eltern immer alles Recht machen wollte, aber dann feststellt, dass das Leben ihrer Eltern nicht für sie geeignet ist. Sie bricht aus aus den Schranken ihres Elternhauses, nabelt sich auch von ihren dominanten Schulfreunden - zunächst Gunnar und dann Tobias - ab und beginnt ein eigenständiges Leben, das von der Suche nach Liebe und Geborgenheit geprägt ist. 


Nachdem ich zuletzt "Sieh mich an" von Mareike Krügel gelesen habe, ist "Die Tochter meines Vaters" schon vor über zehn Jahren geschrieben worden, aber wieder ein interessant zu lesender Roman abseits des Mainstreams. Auch hier wird wieder ein nicht ganz normaler Alltag im Leben einer Frau beschrieben, der in einer gelungenen Mischung aus Ernsthaftigkeit und schwarzem Humor erzählt wird. Mir fehlte allerdings bei der erwachsenen Felizia ein roter Faden in ihrer Geschichte oder zumindest ein befriedigender Abschluss. So endete der Roman genauso episodenartig, wie er durchweg erzählt wurde. 

  (0)
Tags: abnabelung, bestatter, bruch mit dem elternhaus, eltern, kindheit, kleinstadt, liebe, norddeutschland, tod   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

16 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

liebe, elter, trauma, bindungsangst, butterbrot

Butterbrot und Liebe

Susanne Friedrich ,
Fester Einband: 296 Seiten
Erschienen bei tredition, 11.07.2017
ISBN 9783743941892
Genre: Romane

Rezension:

Hannah ist Anfang 40 und Inhaberin einer Marketing-Agentur in Berlin. Christoph hat sich zusammen mit Freunden selbstständig gemacht und führt das Café "Butterbrot und Liebe", dass auch Catering anbietet und Firmen mit belegten Broten beliefert. Hannahs Agentur zählt inzwischen zu seinen Stammkunden und Christoph verliebt sich auf den ersten Blick in die attraktive, aber sehr unterkühlt wirkende Chefin. 
Auch Hannah ist von ihrem Lieferanten und seinen delikaten Broten à la Liebe geht durch den Magen sehr angetan,was sie selbst überrascht, schließlich möchte sie keine Beziehung eingehen und ohnehin ist Christoph viel zu jung" für sie. Trotz aller Warnungen seiner Freunde, sich von der "Eiskönigin" fernzuhalten, verabredet sich Christoph mit Hannah. Sie verbringen sodann auch den ein oder anderen schönen Abend miteinander, wenn sie nicht gerade absichtlich sie Nachrichten des anderen ignorieren. Nach einem gemeinsamen Wellness-Wochenende im Spreewald wird Hannah alles zu viel und zu eng und sie beendet abrupt die Beziehung zu Christoph. Dieser kann ihr plötzlich so abweisendes Verhalten und ihre Entschuldigungen dafür nicht nachvollziehen. Halt und Rat gibt ihm seine junggebliebene Mutter Ulli und sein bester Freund Atilla, der nicht nur der Mitinhaber von "Butterbrot und Liebe", sondern auch wie ein Bruder für ihn ist. 
Hannah fährt für kleine Auszeiten regelmäßig zu ihrem Vater, der zurückgezogen auf einem Gutshof in der Lüneburger Heide wohnt. Er macht sich Sorgen um seine Tochter, die Beziehungen so vehement ablehnt und sich ganz auf ihre Karriere konzentriert. 
"Butterbrot und Liebe" ist der zweite Roman, den ich nach "Monstertörtchen" von Susanne Friedrich gelesen habe, der erneut in Berlin spielt und wieder die Themen Gastronomie und Liebe miteinander verknüpft. In diesem Roman sind beide Protagonisten beruflich erfolgreich, haben aber bislang kein Glück in Sachen Liebe, weil sich sich zu sehr auf ihre beruflichen Karrieren fixiert haben und im Fall von Hannah auch noch ein Traum der Vergangenheit zu verarbeiten ist. 
Der Roman braucht wirklich lange, bis er an Fahrt aufnimmt und man als Leser einen roten Faden erkennen kann. Zu Beginn werden Begegnungen von Hannah und Christoph aneinandergereiht und man erhält einen Einblick in ihre Leben, die nur aus Arbeit und gelegentlichen Besuchen bei Mama Ulli bzw Papa Michael zu bestehen scheinen. Eine Nebenrolle spielt die Angestellte des Cafés, die alleinerziehende Ellie, die von ihrem Exfreund Hassan bedroht wird. 
Lange kann man das Verhalten von Hannah nicht nachvollziehen und begreift nicht, warum sie Christoph nur aufgrund seines jüngeren Alters abzulehnen schient, sich aber gleichzeitig sehr zu ihm hingezogen fühlt. Ihre Bindungsangst erklärt sich erst durch die Gespräche mit ihrem Vater und den Nachforschungen von Christophs Mutter. 
Die Perspektiven wechseln häufig, weshalb man zwar Einblick in nahezu alle Charaktere erhält, allerdings sind dies dann auch nur kurz und wirken etwas unbeholfen, um dem Leser die Geschichte schlüssig darzulegen. 
Ich habe nicht so ganz verstanden, warum sich Christoph so Hals über Kopf in Hannah verliebt, von der er eigentlich nur ihr Äußerliches kannte und warum Hannah gerade jetzt beginnt, sich unter Druck ihres Vaters dem Trauma ihrer Vergangenheit zu stellen. Das ewige Hin und Her und die Hinhaltetaktik zu Beginn empfand ich als kindisch, vor allem wenn man bedenkt, dass Hannah bereits über 40 Jahre alt ist und Christoph ein beruflich erfolgreicher Mann mit Erfahrung in Beziehungsdingen ist. Aus dem Alter "wer meldet sich zuerst " bzw, "wie lange warte ich, bis ich auf eine Nachricht antworte" sollten beide inzwischen heraus sein. Das zu erwartende Happy End kam trotz aller Längen dann doch sehr abrupt und für mich nicht ganz nachvollziehbar. Der Weg dorthin war gepflastert von zum Teil sehr phantasievollen Ideen, die mir zu gewollt unterhaltsam und teilweise sogar absurd und zu weit hergeholt waren. 
Der Schreibstil von Susanne Friedrich ist einfach und bindet sogar die "Berliner Schnauze" mitein, allerdings enthält der Roman einige auffällige Wortwiederholungen und gerade bei den Dialogen Floskeln, die verzichtbar gewesen wären. Die Geschichte von Ellie und ihrem gewalttätigen Freund wird immer mal wieder in Einschüben erzählt, was ich für diesen Roman deplatziert fand. Ich hätte mir eher gewünscht, dass diese Seiten verwenden worden wären, um mehr von Hannah und Christoph zu erfahren. So blieben sie für mich blass und ihre Schicksale konnten mich nicht wirklich berühren. 

  (1)
Tags: berlin, bindungsangst, café, elter, hin und her, liebe, trauma, vergangenheitsbewältigung   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

familie, neuanfang, gewalt in der ehe, schottland, sommer

Im siebten Sommer

Rowan Coleman , Marieke Heimburger
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2017
ISBN 9783492308038
Genre: Romane

Rezension:


Die 31-jährige Rose Pritchard hat sich lange genug von ihrem besitzergreifenden und cholerischen Ehemann unterdrücken lassen. Als er eines abends eine Grenze überschreitet, nimmt Rose die dafür schon lange gepackte Tasche und flieht mit ihrer Tochter Maddie in das Dorf Millthwaite, das sie nur von einer Postkarte kennt, die ihr das ganze Eheleben ein Zeichen von Hoffnung war und ihr die Möglichkeit gegeben hat, von einem anderen Leben zu träumen. Die Karte hat sie von dem Kunsthändler Frasier McCleod bekommen, der sie vor sieben Jahre auf der Suche nach ihrem Vater, dem Maler John Jacobs, aufgesucht hat. Damals hatte sie sich auf den ersten Blick in den attraktiven Mann verliebt, der ihr mit so viel Freundlichkeit begegnet war, die sie bisher nicht kannte, und hofft nun, dass er in Millthwaite wohnt. 
Rose und Maddie kommen in dem Bed & Breakfast der geschwätzigen Jenny unter, von der sie erfahren, dass Roses Vater in Millthwaite zurückgezogen in einem Cottage wohnt und Frasier sein Agent ist, der aus dem mittellosen, alkoholkranken Maler einen international anerkannten Künstler gemacht hat. John hatte seine depressive Ehefrau und seine Tochter verlassen, als Rose neun Jahre alt war. Sie war sodann allein verantwortlich für ihre Mutter, die sich Jahre später im Meer ertränkt hat. Rose wollte ihren Vater nie wiedersehen und doch sucht sie nun nach Erklärungen, warum er damals gegangen ist und sich nie wieder bei ihr gemeldet hat. 
"Im siebten Sommer" ist ein Roman über eine seelisch geschundene und körperlich missbrauchte Ehefrau, die eines Tages die Reißleine zieht und den Mut findet, ihr altes Leben zurückzulassen und den Versuch unternimmt, in einem Dorf, das sie nur von einer Postkarte kennt, ihre große Liebe - oder zumindest die Vorstellung davon - wiederzufinden und einen Neuanfang zu wagen. 
Der Roman handelt nicht nur von der Entdeckung der Liebe als vielmehr von der Wiederbegegnung mit dem verantwortungslosen Vater und der Verarbeitung des Traumas der verlassenen Tochter und der Bewältigung der Vergangenheit. Es ist auch die Abnabelung von einem Ehemann, den sie kurz nach dem Tod ihrer Mutter viel zu früh geheiratet hat und der ihr als gesellschaftlich anerkannter Hausarzt auch finanziell eine feste Basis gegeben hat. 
Es ist ein Roman, der sich ganz anders entwickelt, als ich zunächst aufgrund des Klappentextes erwartet habt und keine vorhersehbare Liebesgeschichte ist, sondern überraschenden Entwicklungen aufwarten kann. Interessant ist dabei auch die Rolle der Tochter Maddie, die zwar hochintelligent, aber zunächst sozial völlig inkompetent und ängstlich ist. Ich mochte ihr Wesen und ihre grundehrliche Art, die kein Blatt vor dem Mund nahm und in ihrer fast schon erwachsenen Art nie nervig oder altklug wirkte. Auch die Nebencharaktere waren sehr individuell, aber mit ihren Eigenarten sehr liebenswert und authentisch. Rose Empfindungen und Handlungen konnte ich sehr gut nachempfinden, weshalb es schön zu lesen war, wie sie und Maddie sich weiterentwickeln, an Selbstbewusstsein gewinnen und in dem verschlafenen Nest Millthwaite den Versuch wagen, ein neues Leben zu beginnen und zu ihrem Glück finden. 
 "Im siebten Sommer" ist ein gelungener, unterhaltsamer Roman mit liebenswerten Protagonisten, deren Entwicklung man gern miterlebt. Aufgrund des sehr lebendigen, kitschfreien Schreibstils kann ihn allen Fans von Jojo Moyes an Herz legen. Es wird sicher nicht das letzte Buch sein, das ich von Rowan Coleman gelesen habe.

  (7)
Tags: familie, freundschaft, gewalt in der ehe, gewalttätiger ehemann, kindheit, neuanfang, schottland, vater   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

paris, affäre, liebe, ehe, liebesleid

Das, was sie Liebe nennen

Caroline Bongrand , Carola Fischer
Flexibler Einband
Erschienen bei Heyne, 10.07.2017
ISBN 9783453421745
Genre: Liebesromane

Rezension:

ie namenlose Sie ist Mitte 40 und zum zweiten Mal verheiratet. Sie lebt in einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern und zusammen mit einem Ehemann, mit dem sie nicht mehr glücklich ist. Dann lernt sie einen verheirateten Mann kennen, von dem sie hin und weg ist. Er gibt ihr das Gefühl begehrt zu werden und wieder eine Frau zu sein. Sie treffen sich einige Male unverfänglich zum Mittagessen und - obwohl sie sich auch körperlich sehr stark voneinander angezogen fühlen - beschließen sie, dass sie nicht miteinander schlafen werden. Sie werden ihren jeweiligen Partner nicht verlassen und den Kindern nicht die Idylle einer Familie nehmen. 
Als Er mehrere Tage unterwegs ist und sich nicht bei Ihr melden kann, bricht sie fast zusammen vor Sehnsucht nach seinen liebevollen SMS und dann passiert auch noch ein Unglück... 
"Das, was sie Lieben nennen" ist ein Roman, den ich nur aufgrund des geringen Umfangs des Buches mit knapp 200 Seiten nicht zur Seite gelegt habe. Auch wenn der Roman vom Schreibstil gut war und sich trotz der sehr wenigen Dialoge recht kurzen episodenhaften Abschnitte flüssig lesen ließ, konnte ich mit Ihr nicht ansatzweise identifizieren. Eingangs hat man noch das Gefühl, dass sie mit ihrem zweiten Mann im Gegensatz zu ihrer ersten Ehe zufrieden ist, doch dann ist er nur noch derjenige, der nörgelt, sich über ihre Figur beschwert und dem sie sich nur im Dunkeln hingibt, um ihre ehelichen Pflichten zu erfüllen. Dann lernt sie einen Mann kennen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt, der sie mit seinen schönen Worten betört. Sie treffen sich heimlich, schmachten sich an, schreiben sich vor von sehnsüchtiger Liebe triefende Kurznachrichten und leiden im Alltag unter der Leere, die sie verspüren. Sie kann nichts mehr essen, nimmt in kurzer Zeit über fünf Kilo ab, erleidet an ihrem Arbeitsplatz einen Schwächeanfall und leidet noch mehr, als sich Er nicht bei ihr melden kann. Noch schlimmer wird es, als er ihr ein Zeitfenster vorgibt, in welchem sie sich in einem Hotel treffen können, sie aber aufgrund eines Schulausflugs ihres jüngsten Sohnes nicht rechtzeitig dorthin gelangen kann. Panikartig versucht sie, Ersatz zu finden, Termine zu verschieben, kommt aber nicht auf die Idee, Ihm einfach Bescheid zu geben, dass sie in diesem Zeitraum einfach nicht abkömmlich ist. 
Möglicherweise bin ich zu nüchtern und zu wenig romantisch, aber das Verhalten von Ihr und Ihm - diese Selbstaufgabe in der Liebe, dieses teenagerhafte Verhalten, diese Unbeholfenheit sich selbst zu helfen oder einen gesunden Egoismus an den Tag zu legen und nach einer vernünftigen Lösung zu suchen, statt sich als leidender Märtyrer zu gefallen, hat mich an den Protagonisten massiv gestört und mir die Freude am Lesen vergällt. 

  (6)
Tags: affäre, ehe, liebesleid, paris, seitensprung   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(53)

114 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 48 Rezensionen

frankreich, kurzgeschichten, anna gavalda, erzählungen, paris

Ab morgen wird alles anders

Anna Gavalda , Ina Kronenberger
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 30.01.2017
ISBN 9783446250499
Genre: Romane

Rezension:

"Ab morgen wird alles anders" ist ein Band aus fünf Kurzgeschichten von Anna Gavalda, wobei die beiden Erzählungen "Mathilde" und "Yann" aufgrund ihrer Länge herausragen, meiner Meinung aber nicht die zwei besten sind. 
"Mein Hund wird sterben" (28 Seiten) ist eine sehr traurige Geschichte, die von einem Lkw-Fahrer handelt, der nach dem Tod seines Sohnes Ludovic Trost mit einem Hund findet, den er von der Straße aufnimmt. Mit ihm zusammen ist er auf seinen Touren unterwegs bis er eingeschläfert werden muss. Nach dem Verlust kommt Jeannot jedoch seiner Frau wieder näher.  
"Mathilde" (105 Seiten) handelt von der gleichnamigen jungen Frau, die in einem Café in Paris ihre Handtasche stehen lässt, in der 10.000 € enthalten sind, die sie zur Begleichung von Handwerkerkosten in ihrer WG von den Mitbewohnern gesammelt hat. Sie hat Glück als der Finder/ Dieb (?) ihr nach vier Tagen die Handtasche mit dem gesamten Inhalt wiedergibt. Der junge Mann ist etwas seltsam. Nach dem Treffen ist Mathilde allerdings neugierig auf Jean-Baptiste, von dem sie nur weiß, dass er Koch ist und den sie aber nicht mehr erreichen kann, da sie sich seine Telefonnummer im Halbschlaf falsch notiert hatte. Sie macht sich auf die Suche nach ihm und klappert so ziemlich jedes Restaurant und Hotel der Stadt nach ihm ab. 
In  "Meine Kraftpunkte" (28 Seiten) wird ein Vater von der Direktorin seines Sohnes in die Schule zitiert, als dieser einem Mitschüler den Reifen seines Rollstuhls mit einem Zirkel zerstochen hat. 
"Yann" (98 Seiten) handelt von einem 26-jährigen Studenten, der mit seiner Freundin zusammenwohnt und an einem Abend, als er eigentlich ins Kino wollte, seinen Nachbarn zwei Stockwerke über ihm hilft, eine Kommode hochzutragen. So lernt er die Familie kennen, die ihm bisher nur flüchtig im Hausflur aufgefallen waren. Nach dem Abend, an welchem er mit Nachbarn ein sehr intensives Gespräch bei zwei Flachen Rotwein geführt hat, überdenkt er sein Leben und trennt sich von seine Freundin, für die er dann nur noch Aggressionen übrig hat. 
"Minnesang" (27 Seiten) dreht sich um die Zoohandelsangestellte Lulu, die sich bisher nur mit One-Night-Stands vergnügt hat. Auf einer Party lernt sie einen jungen Dichter kennen, der ihr romantische Zeilen aufsagt und sie damit durch die Nacht bringt. 
Bis auf "Meine Kraftpunkte" handeln alle Kurzgeschichten von mehr oder minder unglücklichen, gescheiterten Existenzen, die am Schluss ihr Leben ändern oder zumindest zu einem Umdenken angeregt werden. Es werden fünf ganz unterschiedliche Menschen in alltäglichen Situationen beschrieben, die unbewusst vor einer Veränderung stehen und auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück sind. Die Enden sind jeweils offen, so dass man als Leser nicht weiß, ob es für die Protagonisten ein Happy End gibt. Zumindest besteht Hoffnung: "Ab morgen wird alles anders". 
Am besten gefallen hat mir "Meine Kraftpunkte", in welchem der Vater pragmatisch seinen analytischen Verstand einsetzt und dadurch beweist, dass das Leben nicht Schwarz-Weiß ist und es stets zwei Seiten einer Medaille zu betrachten gilt - eine sehr ehrliche, lehrreiche Kurzgeschichte, die zum Nachdenken anregt. 
Auch "Mein Hund muss sterben" fand ich eine lesenswerte Erzählung, auch wenn sie fast schon deprimierend war. Am Ende gab es jedoch den Hoffnungsschimmer auf ein glücklicheres Leben.Das Schicksal von Jeannot mit all seinen Verlusten im Leben hätte ich mir auch als Langfassung in Form eines Romans vorstellen können. So wirkte die Kurzgeschichte eher wie ein letztes Kapitel auf mich. 
Den drei anderen Kurzgeschichten konnte ich nicht viel abgewinnen. "Mathilde" und ihre Suche nach dem Koch war mir zu eintönig und zu stark in die Länge gezogen, Yanns radikale Änderung seines Lebens aufgrund eines einzigen Abends mit einem ihm bisher fremden Nachbarn nicht nachvollziehbar und "Minnesang" zu nichtssagend,.Auch wenn es sich bei "Mathilde" und "Yann" um die beiden mit Abstand längsten Erzählungen handelte, blieb mit der Hintergrund der Protagonisten zu wage, um ihre Gedankengänge wirklich nachvollziehen zu können. 
Den Schreibstil von Anna Gavalda empfand ich zudem in den drei Kurzgeschichten aufgrund der zum Teil sehr langen, verschachtelten Sätze und der enthaltenen Poesie als anstrengend zu lesen. Insgesamt konnte mich der Erzählband insofern weder sprachlich noch inhaltlich von sich überzeugen. 

  (7)
Tags: frankreich, kurzgeschichten, liebe, neuanfang, suche nach dem glück, trauer, veränderungen   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

beziehungen, episode, wien, suche nach glück, viele protagonisten

Mittelstadtrauschen

Margarita Kinstner
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei btb, 13.07.2015
ISBN 9783442749027
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman beginnt mit einer Szene in einem Café in Wien, als Marie irritiert von einer stillenden Mutter eine Tasse Kaffee umstößt und dabei Jakob kennenlernt, der sich auf den ersten Blick in Marie verliebt. Jakob trennt sich daraufhin von seiner Freundin Sonja, die mit knapp 30 Jahren Torschlusspanik hat und nicht lange allein sein kann. So lernt diese bald Gery kennen, dessen bester Freund Joe sich bei einem Sprung von einer Brücke in die Donau vor Kurzem das Leben genommen hat. Joe ist wiederum der Exfreund von Marie, dessen Trennung sie nicht verwunden hatte. 
Im Verlauf des Romans begegnet der Leser noch vielen weiteren Personen wie Maries Vater und Jakobs Eltern, Nachbarn und Bekanntschaften. Wie magisch scheinen alle Protagonisten in Wien auf irgendeine Art und Weise in Verbindung miteinander zu stehen. So ist beispielsweise Gery der Essen-auf-Rädern-Lieferant der Großmutter von Jakob, Hedi. Hedis Tochter Traude wird von ihrem Ehemann mit ihrer Schwester Anna betrogen.
Wie ein roter Faden zieht sich der Selbstmord von Joe durch das Buch, bis es am Ende zur kuriosen Testamentseröffnung im Wiener Prater kommt. 
Ich hatte vor allem zu Beginn des Romans Probleme den Überblick über die handelnden Personen und weiteren Nebencharakteren zu behalten, die zum Teil nur einmalig auftreten, und in das Beziehungsgeflecht einzuordnen. "Mittelstadtrauschen" ist damit kein Roman für Zwischendurch, da man als Leser gezwungen ist, konzentriert den Seiten zu folgen, um keine Verbindung zwischen den Personen zu verpassen. 
Aufgrund der Vielzahl der Charaktere ist keine stringente Handlung vorhanden, der man gespannt folgen könnte. Der Roman besticht jedoch durch die sinnreich gewählten Worte der Autorin, intelligente Wortspiele und anschauliche Metaphern, mit der sie dem Leser die sichtbaren und unsichtbaren Verbindungen der Menschen untereinander aufzeigt. Themen wie persönliche Enttäuschungen, Ängste, Liebe und Einsamkeit in einer Großstadt, in der sich Menschen flüchtig begegnen und nicht wirklich wahrnehmen und kennenlernen, stehen dabei im Vordergrund. 
"Mittelstadtrauschen, hatte Joe es genannt. Die Menschen rauschen an dir vorbei, und die meisten von ihnen erkennst du schon am nächsten Tag nicht wieder. Mittelstadtrauschen, das war seine Bezeichnung für Wien. Weder Metropole noch Kleinstadt – Mittelstadt eben."

  (3)
Tags: beziehungen, episode, großstadt, nebencharaktere, suche nach glück, viele protagonisten, wien   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(151)

274 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

liebe, weihnachten, flughafen, stuttgart, versehentlich verliebt

Versehentlich verliebt

Adriana Popescu
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.11.2014
ISBN 9783492306362
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(72)

105 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

familie, krebs, brustkrebs, adhs, liebe

Sieh mich an

Mareike Krügel
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2017
ISBN 9783492058551
Genre: Romane

Rezension:

Katharina ist ungefähr 40 Jahre alt, verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt an einem Ort an der Ostsee. Ihr Mann Costas hat nach seiner Arbeitslosigkeit eine Anstellung als Architekt in Berlin gefunden und ist deshalb nur am Wochenende zu Hause. Den Alltag mit all seinen Tücken muss Katha allein bewältigen. Eine besondere Herausforderung stellt ihre 11-jährige Tochter dar, die unter ADHS leidet und gerade in die Pubertät kommt. Katha schenkt Helli ihre gesamte Aufmerksamkeit, weshalb sie es kaum schafft, den Haushalt zu bewältigen, zumindest stundenweise ein Zubrot als Musikpädagogin zu verdienen, geschweige denn Zeit für sich selbst hat, um einfach nur hinzusitzen oder die Anrufe ihrer Schwester entgegen zunehmen. 
"Sieh mich an" schildert einen einzigen Tag in Kathas Leben. Es ist ein Freitag im Winter und das erste Wochenende, an dem Costas nicht nach Hause kommt, da er sich verpflichtet fühlt, zu einer betriebsinternen Weihnachtsfeier zu gehen. Katha nutzt die Gelegenheit, ihren Studienfreund Kilian wiederzusehen, den sie seit Jahren nicht getroffen hat und der an diesem Wochenende in der Gegend ist. 
Der Tag beginnt schon denkbar schlecht, als Katha von Hellis Schule gebeten wird, ihre Tochter - mal wieder - wegen Nasenbluten abzuholen. Es folgen ein abgefahrener Seitenspiegel am Auto, ein Trockner, der in Flammen aufgeht und der transsexuelle Nachbar, der sich bei der Reparatur seines Rasenmähers den Daumen abtrennt. In dem ganzen Chaos muss Katha zudem jederzeit mit dem nächsten Ausraster ihrer überdrehten Tochter rechnen. 
Scheinbar unberührt - oder einfach schon daran gewöhnt - gehen die Stunden für Katha voran, bis sie am Abend endlich Kilian am Bahnhof abholen kann. Was Katha eigentlich belastet, ist "das Etwas", das sie Tage zuvor in ihrer Brust ertastet hat und dessen gynäkologische Abklärung sie aufgrund ihrer erblichen Vorbelastung vor sich herschiebt. 
"Das Etwas sitzt in meiner linken Brust und tut alles, was es nicht tun soll: Es wird nicht kleiner, ist nicht beweglich und schmerzt nicht. Es ist, was es ist. Aber es ist schließlich auch nicht seine Aufgabe, mir Hoffnung zu machen."
Mit Katha möchte man wahrlich nicht tauschen und so ist es bewundernswert, dass sie diese Abfolge an unvorhergesehene Ereignissen mit scheinbar stoischer Gelassenheit erträgt, als gehörten diese zu einem normalen Familienalltag. Tatsächlich hegt sie allerdings Selbstmordgedanken, wobei nicht ganz klar ist, wie ernst es ihr mit einem Abgang, der möglichst schonend für die Hinterbliebenen sein soll, tatsächlich ist.
"Sieh mich an" ist ein tragikomischer Roman über eine Frau, die als Studentin noch so viel vorhatte, aber dann zu früh in die Mutterrolle rutschte und mit zwei Kindern keine Zeit mehr für ihre Dissertation und eine Anstellung als Musikwissenschaftlerin hatte. Die ADHS-Erkrankung ihrer Tochter wurde zu spät erkannt und ihr Ehemann glänzt durch permanente Abwesenheit, weshalb auch er im Alltag keine Hilfe ist. Für ihn ist Katha "nur" Hausfrau, die Stunden der musikalischen Früherziehung, die sie an der Musikschule gibt, erkennt sie ja selbst nicht als berufliche Tätigkeit an. Katha funktioniert nur noch und nur die Liebe zur klassischen Musik und der turbulente Alltag lenken sie ab, damit sie sich nicht mehr Sorgen um ihre Gesundheit machen muss. 
Das Thema Brustkrebs bleibt bis zum Ende des Roman eher im Hintergrund, so dass die amüsanten, wenn auch zum Teil bestürzenden Szenen, überwiegen und der Roman insgesamt sehr temporeich und humorvoll zu lesen ist. Als Leser taucht man direkt in die Gedankenwelt von Katha und ihren To-do-Listen ein und nimmt kaum wahr, dass es sich tatsächlich nur um einen Tag im Leben von Katha gehandelt hat und ist geradezu froh, dass man selbst ein so vergleichsweise eintöniges Leben führt. Am Ende kann Katha ihre Emotionen aber nicht mehr kontrollieren, sie sieht derart pessimistisch in die Zukunft und da ist es plötzlich doch ihr Ehemann, bei dem sie Halt sucht. "Sieh mich an" ist ein außergewöhnlich geschriebener, tiefgründiger Roman, bei der die Handlung trotz aller Übertreibungen nichts an ihrer Authentizität verliert und der sich mit der Frage beschäftigt, wie viel von der eigenen Individualität im täglichen Wahnsinn noch übrig bleibt.

  (7)
Tags: ablenkung, adhs, alltag, angst, brustkrebs, chaos, hausfrau, klassische musik, musik, mutter, ostsee, rolle der frau   (12)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

37 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

familie, geheimnisse, andalusien, familienroman, fanny blake

Ein Haus voller Träume

Fanny Blake , Katharina Förs , Sonja Schuhmacher
Flexibler Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.07.2017
ISBN 9783458362845
Genre: Romane

Rezension:


Hope ist nach kurzer Krankheit in London gestorben, wo sie von ihrer jüngsten Tochter Lucy gepflegt wurde. Die Einäscherung hat bereits stattgefunden und das Testament wurde eröffnet. Anlässlich Hopes Geburtstag finden sich Freunde und Verwandte, vor allem aber die drei Geschwister in ihrem Haus in Andalusien ein, wo sie als Kinder aufgewachsen sind. 


Lucy, die als selbstständige Köchin, schon immer der Mutter in ihrem Bed & Breakfast ausgeholfen hat, bereitet alles für die Abschiedsfeier vor und wartet auf ihre älteren Halbgeschwister. Sie ist diejenige, die am meisten an ihrem alten Zuhause hängt. 
Tom reist zusammen mit seiner auf den ersten Eindruck sehr oberflächlich wirkenden, perfektionistischen Ehefrau Belle und den beiden Söhnen Ethan und Alex im Teenageralter an. Er ist wenig begeistert von Hopes Art, Abschied zu nehmen und möchte die ganze Zeremonie sowie den Verkauf des Hauses schnellstmöglich vorantreiben. 
Die älteste Tochter Jo trifft als letztes aus London zusammen mit ihrer vierjährigen Tochter Ivy ein. Auf dem Flug nach Malaga ist Jos Koffer verloren gegangen, in dem die sterblichen Überreste von Hope enthalten sind, die in den Wäldern Andalusiens verstreut werden soll. 


Die Geschwister, die alle von unterschiedlichen Vätern sind, haben das Haus in gleichen Teilen geerbt und zusätzlich hat Mutter Hope den dreien noch jeweils eine Überraschung als Abschiedsgeschenk hinterlassen, dass sie bei der Familienfeier lüften sollen. 
Während Jo hofft endlich zu erfahren, wer ihr leiblicher Vater ist, den ihr die Mutter all die Jahre vorenthalten hat, hofft Tom nur, dass er das Geld, das er seiner Mutter vor Jahren geliehen hat zurückbekommt. 
Lucy dagegen wird vielmehr von ihrem Ehemann Art überrascht, der ihr ein Geständnis zu machen hat. Die Ehe der beiden leidet unter der ungewollten Kinderlosigkeit. 


Der Roman handelt an einem verlängerten Wochenende im "Casa de Suenos". Es ist ein Familientreffen von Geschwistern, an welchem sie so manches ungesagte Detail aus der Vergangenheit ihrer Mutter enthüllen werden. 
Alle Protagonisten - sogar die zunächst etwas unleidlich wirkende Belle - sind vielschichtig und sympathisch, so dass es beim Lesen Freude macht, die Charaktere, ihre Hintergründe und nicht zuletzt die exzentrische Hope selbst aus Erzählungen und Erinnerungen kennenzulernen. 


Anders als in vielen Familiengeschichten, die ich schon gelesen habe, werden im "Haus der Träume" keine versteckten Tagebücher oder Aufzeichnungen Verstorbener entdeckt und  hochdramatische, brisante Familiengeheimnisse gelüftet. Es ist ein Geschwistertreffen an dem Ort, an dem sie aufgewachsen sind und an dem sie glücklich waren, bis sie alle nacheinander gezwungen wurden aufgrund einer vermeintlich besseren Schuldbildung nach England zu gehen und dort ihren Weg zu finden. Sie nehmen in Andalusien Abschied von einer Mutter, die ihnen zwar viele Freiheiten ließ, es ihnen aber letztlich nicht immer leicht gemacht hat und vielleicht auch zu wenig gezeigt hat, wie sehr ihre Kinder geliebt hat. 
Vor Ort erfahren sie endlich mehr über die Vergangenheit ihrer Mutter und ihrer eigenen Herkunft. 
Es ist ein sehr authentischer Roman, der eine interessante Frau porträtiert und eine Familiengeschichte an dem wunderschönen Schauplatz Andalusien erzählt. 

  (7)
Tags: abschied, andalusien, begräbnis, familie, geheimnisse, geschwister, halbgeschwister, tod, vergangenheit   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(24)

43 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

hund, antiquariat, liebe, hunde, freude

Herzensräuber

Beate Rygiert
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.07.2017
ISBN 9783734104244
Genre: Liebesromane

Rezension:


Tobias Griesbart nimmt aus seinem Spanienurlaub einen streunenden Hund mit, der sich ihm treu angeschlossen hat. Zolas Herrchen, Postbote Pepe. war kürzlich verstorben und seitdem war der Hund auf sich allein gestellt, musste sich sein Fressen erbellten oder aus dem Müll suchen und sich einem Rudel von Straßenhunden anschließen. Zola braucht jedoch den Menschen. Er verliebt sich geradezu in Tobias und entwickelt einen unwahrscheinlichen Beschützerinstinkt für sein neues Herrchen. 


Tobias wurde vor Kurzem von seiner Freundin Vanessa verlassen und auch das Antiquariat läuft mehr schlecht als recht. Tobias ist einfach kein Geschäftsmann und viel zu gutmütig, so dass er sich von den Kunden immer wieder zu unlukrativen Buchtauschs überreden lässt.Selbst Zola fällt auf, wie selten Tobias die Kasse bedient. der Hund entwickelt auch ein Gespür für die Bücher, die er liebevoll als Herzensräuber bezeichnet., Er erschnüffelt die Gefühle, die beim Leser durch die Geschichten geweckt werden und so trägt er nachts schon einmal die Bücher sortiert in unterschiedliche Ecken, wenn die Bücher, die neben seinem Schlafplatz liegen, mit Angst und Schrecken oder Gefahr verbunden sind.  


Als das Antiquariat kurz vor der Schließung steht, erbt Tobias überraschend eine Villa in seiner Heimatstadt Heidelberg, die ihm seine Großmutter hinterlassen hat. Das Haus wird allerdings von einer kratzbürstigen Alten und einer alleinerziehenden Mutter bewohnt, die sich dort vor ihrem gewalttätigen Ehemann versteckt hält. In seiner Gutmütigkeit lässt Tobias alle drei auf dem Anwesen wohnen und richtet dort sein Antiquariat ein. 


Eigentlich habe ich Vorbehalte Büchern gegenüber, die aus der Perspektive eines Tieres geschrieben sind, mich hat aber bereits die Leseprobe vorab von dem warmherzigen und sehr eingängigen Schreibstil und Zola als einen beeindruckenden Charakter überzeugt. Sehr anschaulich beschreibt die Autorin die Welt aus der Sicht des Hundes und wie dieser gedanklich mit den Menschen interagiert. Zola ist ein guter Hund, der nicht für das Leben auf der Straße geschaffen ist und der sich bedingungslos und treu ergeben seinem Herrchen anschließt. 


"Herzensräuber" ist ein positiver Wohlfühlroman, der so liebevoll geschrieben ist, dass es nebensächlich ist, dass die Geschichte vorhersehbar ist, Zola ist der eigentliche Held, der aufgrund seines Instinkts und Geruchssinns Freund und Feind viel schneller unterscheidet und Gefahr wittert, wenn Tobias noch völlig ahnungslos ist. 


Die süße Geschichte ist vielleicht nicht ganz realistisch - Zola zu lebensklug, Tobias zu passiv - weshalb der Leser ein Faible für Hunde haben sollte, um sich mit der Geschichte wohl zufühlen. 


Der Roman überzeugt weniger durch eine ausgeklügelte,spannende Handlung als vielmehr durch die innige Verbindung zwischen Mensch und Tier, das magische Band, das zwischen Tobias und Zola herrscht und das ihnen in dunklen Zeiten Halt und Kraft gibt. Neben den fantastischen Einblicken in den Hundekopf sind es auch immer wieder die amüsanten Einschübe, die die Beziehung und Missverständnisse in der Interaktion zwischen Mensch und Tier charakterisieren. 
Neben der Rolle von Zola hat mir vor allem auch die Idee mit den "Herzensräubern" - für jeden Mensch und jede Stimmung das passende Buch, an das er sein Herz verlieren kann - gut gefallen. 


"Herzensräuber" ist vor allem für Hundeliebhaber ein charmantes, zauberhaftes Buch, das mir nur am Ende zu sehr ins Kitschige abdriftete. 

  (8)
Tags: antiquariat, bücher, buchhandlung, hund, magisch, mensch und tier, vertrauen, zauberhaft, zusammenhalt   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

familie, kalifornien, vergangenheit, toskana, starke frauen

Die Zeit der Traubenblüte

Jan Moran , Stefanie Retterbush
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.06.2017
ISBN 9783442485758
Genre: Romane

Rezension:


Caterina Rosetta bekommt im Jahr 1956 in San Francisco ein Baby. Die ungewollte Schwangerschaft hat sie sowohl gegenüber dem Vater des Kindes als auch gegenüber ihrer Mutter Ava verschwiegen. Nach der Geburt bringt Caterina es allerdings nicht über das Herz, das Mädchen wie geplant zur Adoption freizugeben. 


Sie fährt sodann nach Napa zum Weingut "Mille Étoiles" ihrer Mutter, um ihr von ihrer Enkelin zu erzählen. Diese empfindet das uneheliche Kind wie erwartet als Schande für die Familie und verweist Caterina aus ihrem Zuhause. Vor Ort trifft Caterina auf Santo Casini, ihren Schwarm aus Jugendtagen und Vater des Kindes, der aber inzwischen verlobt ist, weshalb sie ihm gegenüber weiter verschweigt, dass er Vater geworden ist. Zwischen Santo und Caterina knistert es und sie kommen sich sogar während eines Erdbebens wieder näher, aber sie macht sich keine Hoffnungen auf eine Beziehung mit ihm. 
Fast zeitgleich erfährt Caterina, dass sie von ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter Violetta Maria Romagnoli Rosetta ein Haus in der Toskana geerbt hat. Caterina ist erschüttert. Sie ist bis zuletzt davon ausgegangen, dass ihre Großmutter wie ihr Vater schon seit Jahren tot ist und dass sie keine Verwandten mehr in Italien hat. 


Nach und nach kommen immer mehr Lügen und Halbwahrheiten ihrer sonst so integeren Mutter ans Licht - Familiengeheimnisse, die Caterina endlich lüften möchte. Zusammen mit ihrer Tochter Marisa bricht sie nach Italien auf, um dort das nicht ganz einfache Erbe anzutreten und Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen. 


"Die Zeit der Traubenblüte" ist eine Familiengeschichte, die sich von 1929 bis zum Ende der 50er-Jahre erstreckt, wobei man nur in einzelnen Rückblenden die Vergangenheit ergründet, und die in Italien bzw. in Kalifornien spielt.
Ein Fokus des Romans liegt auf der detaillierten Schilderung der Bewirtschaftung eines Weinguts, des Lebens als Winzerin bzw. Sommelière und den Geschmäcken der Weine. Daneben gilt es, vertuschte Skandale zu offenbaren und lang gehütete Familiengeheimnisse  zu lüften, die aufgrund der antiquierten Moralvorstellungen der damaligen Zeit im Verborgenen bleiben sollten. Da die Familiengeschichte aber prägend für das weitere Leben von Caterina ist, muss sie sich den unbequemen Wahrheiten stellen, um zu ihrem Glück zu finden, auch wenn sie dabei einen Bruch mit ihrer Mutter riskiert. 


Mir war der Roman über die unerfüllte Liebe bzw. die Emanzipation von Caterina einen Hauch zu melodramatisch dargestellt. Sowohl Mutter als auch Tochter haben mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen und es scheint sogar, als würde sich die Geschichte wiederholen, als beide alleinerziehend und ohne Partner, die Verantwortung für eine Weingut übernehmen. Zudem finden sich auch beide nur zu gern in ihrer Märtyrerrolle wieder, indem sie Dinge verschweigen, um andere zu schützen und damit aber selbst die ganze Last tragen müssen, für die sie nicht allein verantwortlich sind. 


Die Geschichte hätte man deutlich kürzer fassen können, wenn die Autorin nicht in epischer Breite jeden Tag aufs Neue beschrieben hätte, für welche Kleidungsstücke sich Caterina morgens für sich und Marisa entscheidet oder wie friedlich Marisa mit dem Windelhintern in die Höhe in ihrem Bettchen schläft bzw. freundlich vor sich hinquäkt. Das "dunkle Geheimnis" um das Erbe deutet sich auch schon früh an, so dass der Roman etwas langatmig zu lesen ist. Das Ende ist dann an Dramatik kaum mehr zu überbieten und übertrieben Schwarz-Weiß-Malerisch als Duell Gut gegen Böse dargestellt.


Wer allerdings Familiengeschichten mag, die sich über mehrere Generationen erstrecken und in denen starke Frauen die Hauptrolle spielen und dann noch ein Interesse für guten Wein hat, wird sich - bis zum letzten Schluck - mit dem schicksalhaften Roman um Vergangenheitsbewältigung, Liebe und Vergebung gut unterhalten fühlen.  

  (4)
Tags: 50er-jahre, familie, familiengeschichte, kalifornien, lügen, starke frauen, toskana, vergangenheit, wein, weingut   (10)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(55)

126 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

liebe, neuanfang, trauer, tod, london

Ein ganz neues Leben

Jojo Moyes , Karolina Fell
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.07.2017
ISBN 9783499291395
Genre: Romane

Rezension:


Lou und Will waren nur sechs Monate - "ein ganzes halbes Jahr" - zusammen, bis Will seinem Leben als Tetraplegiker ein Ende setzte. 
Knapp zwei Jahr später lebt Louisa allein in einem Apartment in London, das sie sich von Wills Erbe gekauft hat und arbeitet als Kellnerin in einem Irish Pub am Flughafen, in dem ein kontrollsüchtiger Chef sie nervt und in welchem sie ein lächerliches Lurex-Kostüm tragen muss. 


Nachdem sie bei einem Unfall von der Dachterrasse ihres Wohnhauses gefallen ist und das Krankenhaus und ihre Familie denken, dass sie sich wegen der Trauer um Will das Leben nehmen wollte, geht sie fortan regelmäßig zu einer Selbsthilfegruppe von Trauernden, der "Weiterleben-Gruppe", und lernt auf diesem Weg einen neuen Mann in ihrem Leben kennen. Es ist der Rettungssanitäter Sam, der sie nach ihrem Sturz, den sie nur mit viel Glück überlebt hatte, versorgt hatte.  


Das Mädchen, das sie an dem Abend auf der Dachterrasse erschreckt hatte, stellt sich als Wills Tochter heraus, die unvermittelt in Lous Leben tritt, um mehr von ihrem Vater, der nichts von ihrer Existenz wusste, zu erfahren und den anderen Teil ihrer Familie kennenzulernen. Lily ist Will nicht unähnlich und ein sehr schwieriger, trotziger Teenager, der sich ungeliebt von der Mutter und dem Stiefvater in Lous Leben breit macht. 


Lous Leben ist fast zwei Jahre nach dem Tod von Will immer noch gezeichnet von ihrer Trauer und einem latent schlechten Gewissen, dass sie ihm nicht helfen konnte. Sie vermisst seine Zuneigung, ihn als Ratgeber und es hat den Anschein, als würde sie es sich selbst nicht gönnen, ein neues Leben zu beginnen und wieder glücklich zu sein. Aus diesem Grund fühlt sie sich verantwortlich für Lily, kümmert sich auch noch um sie, als diese ihre Gutmütigkeit ausnutzt und ihre Familie Unverständnis dafür zeigt. Selbst ein Jobangebot in New York schlägt sie ihretwegen aus. 
Sam hält sie unbewusst auf Abstand, womit er nicht umgehen kann und ihr vorwirft, einen Geist zu lieben. Sie scheut sich davor, wieder an jemanden ihr Herz zu vergeben und hat Angst, dass sie auch eine neue Liebe plötzlich verlieren könnte und dann kommt es tatsächlich zu einem Unglück, dass ihre schlimmsten Befürchtungen wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wahr werden lässt...


Nachdem Jojo Moyes eigentlich nie eine Fortsetzung von "Ein ganzes halbes Jahr" schreiben wollte, hat sie mit "Ein ganz neues Leben" die Geschichte von Lou doch fortgeschrieben, auch wenn die Messlatte durch ihren Bestseller so hochgesetzt war, dass sie mit einem zweiten Teil nur verlieren konnte. 


Für mich ist "Ein ganz neues Leben" aber ein eigener Roman, der sich jedoch kaum lesen lässt, ohne den ersten Band zu kennen. Zu viele Details wie der Charakter von Will oder die Hummelstrumpfhose würden für das Verständnis einfach fehlen. Man kann beide Romane aber nicht miteinander vergleichen, da es schon allein von der Dramatik zwei völlig verschiedene Geschichten sind, weshalb Band 2 nie so herzergreifend tragisch werden konnte wie der Vorgänger. 


Wer den Schreibstil von Jojo Moyes mag, wird ihn auch in diesem Roman unweigerlich nach den ersten wiedererkennen und Seite um Seite weiterlesen müssen. Auch wenn "Ein ganzes halbes Jahr" für mich ein in sich geschlossener Roman war, fand ich es interessant zu lesen, wie es mit Lou weitergeht. Gezeichnet von der Trauer herrscht stets eine melancholische Stimmung und man kann nachvollziehen, wie verloren und einsam sich Lou trotz ihrer sehr lebhaften und eigenwillig-herzlichen Familie fühlt. Sie möchte kein Risiko mehr eingehen, geht mit Scheuklappen durchs Leben und wird erst durch die Begegnung mit Lily wieder wachgerüttelt und findet durch die zurückhaltende Zuneigung von Sam wieder zurück ins Leben. 


"Ein ganz neues Leben" ist ein Wohlfühlroman mit traurigen, aber auch vielen amüsanten Szenen im chaotischen Leben von Lou. Man begegnet ihrer Familie wieder, Schwester Treena, die zu früh Mutter geworden ist, dem etwas altmodischen Vater und Mutter Josie, die sich zu einer bekennenden Feministen entwickelt hat. Eine Nebenrolle haben auch die Eltern Wills, Camilla und Steven Traynor, die beide ganz unterschiedlich mit ihrer Trauer um den Sohn umgegangen sind und inzwischen getrennte Leben führen. 


Im Verlauf der Wochen, die sich nach Lous Unfall ereignen, lernt sie, wie wichtig und normal es auch ist, Trauer zuzulassen, dass man aber auch über den Verlust eines Menschen hinwegkommen kann, indem man ihn loslässt, ohne ihn zu vergessen. Jeder Mensch hat das Recht - und auch die Pflicht - weiterzuleben und glücklich zu sein, ohne dies als Verrat an dem geliebten Toten empfinden zu müssen. All das ist aber nur möglich, in dem man den Mut hat, offen für Neues und das Ungewisse zu sein und Vertrauen in den Rückhalt von Familie und Freunden haben kann. 


Ich habe mich gefreut, als ich gelesen habe, dass am 23. Januar 2018 sogar Lou, Band 3 unter dem Titel "Mein Herz in zwei Welten" erscheint, den ich auch wieder verschlingen werde. 

  (3)
Tags: familie, liebe, london, neuanfang, selbstvertrauen, trauerbewältigung, trauergruppe, vertrauen   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

titanic, geschichte, 20. jahrhundert, südfrankreich, schicksal

Auf der Suche nach Dir

Greta Hansen
Flexibler Einband: 412 Seiten
Erschienen bei Piper, 29.05.2017
ISBN 9783492500784
Genre: Romane

Rezension:


Suzanne Godard wächst bei ihrer Tante Madeleine und ihrem wortkargen Vater in der Provence auf, nachdem ihre Mutter Louise bei ihrer Geburt im Jahr 1890 gestorben ist. Nachdem sie ihre Tante in ein Fotoatelier nach Seillans begleitet hat, in dem diese sich jedes Jahr fotografieren lässt, wird Suzanne neugierig auf die Fotografie und erhält die Möglichkeit, nach ihrem Schulabschluss dort eine Ausbildung zur Fotografin zu beginnen. Nach Ansicht ihrer Tange schickt sich eine Berufsausbildung nicht für eine Frau, aber ihr Vater stimmt ihrer Bitte zu, um ihren drängenden Fragen in Bezug auf ihre Mutter auszuweichen. 


Suzanne entwickelt eine wahre Leidenschaft für die Fotografie und übernimmt die Geschäftsführung des Fotoateliers des alternden Monsieur Felix. Dabei lernt sie den Journalist Robert kennen, der sie bei den Recherchen für seine Artikel als Fotografin mitnimmt. Aus der zunächst rein beruflichen Verbindung wird durch die gemeinsamen Aufenthalte an romantischen Schauplätzen bald mehr. Suzanne und Robert verlieben sich ineinander. Bevor die beiden heiraten können, soll Robert als Reporter für die "Dépêche" von der Jungfernfahrt der RMS Titanic von Southampton nach New York berichten. Lange ist sein Schicksal unklar und Suzanne weiß nicht, ob sie Robert jemals wiedersehen wird. Nachdem auch noch ihr Vater verstorben ist, gibt sie die Fotografie auf und begibt sich zu ihrer einzigen Freundin Camille nach Paris. Obwohl sie Roberts Gegenwart auch in Paris noch spürt und ihr Gefühl ihr sagt, dass Robert noch am Leben sein muss, entschließt sie sich, den treuherzige Mathieu zu heiraten, von dem sie schwanger ist.
Erst Jahre später wird sie Robert, der das Schiffsunglück überlebt hat wiedersehen und vor der Entscheidung stehen, ob sie ihre große Liebe für ihre Familie aufgibt...  


"Auf der Suche nach dir" schildert sehr anschaulich das Leben Anfang des 20. Jahrhunderts in Südfrankreich und in Paris. Man kann sich die Dekadenz von Cannes bildhaft vorstellen und schon fast die salzige Luft des Mittelmeeres riechen. 
Interessant ist, dass Suzanne nicht die übliche Frauenrolle der damaligen Zeit als Hausfrau und Mutter zuteil wird, sondern dass sie als berufstätige, unabhängige Frau mit beiden Beinen im Leben steht. Zudem spürt man die enge emotionale Verbundenheit zwischen ihr und Robert und umso tragischer ist es, dass er an Bord der Titanic geht, weil klar ist, wie diese Überfahrt ausgehen wird. Auch wenn Robert das Glück hat, zu überleben, wird das Paar sich erst dann wiedersehen, wenn beide verheiratet sind und eigene Familien gegründet haben. 


Der Roman ist ein emotionales Auf und Ab. Nachdem Suzanne ohne Mutter, um die sowohl Tante als auch der Vater ein großes Geheimnis machen, eine lieblose Kindheit hatte, findet sie einen Beruf, in dem sie erfolgreich ist und der ihr Freude bereitet. Gleichzeitig trifft sie mit Robert ihre große Liebe. Dann geschieht das Unglück und es folgen Jahre, in denen die französische Bevölkerung unter den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs zu leiden hat. 
Suzanne findet mit Mathieu einen Mann, der sie aufrichtig liebt und mit dem sie glücklich ist, auch wenn er ihre große Liebe nie ersetzen konnte. 


"Auf der Suche nach dir" ist ein emotionales Liebesdrama mit historischem Bezug und einer starken Protagonistin, der flüssig zu lesen ist und durch das Geheimnis um ihre Mutter und die persönlichen Folgen des Schiffsunglücks für Suzanne und die eingängigen Schilderungen eines Lebens zur damaligen für Spannung und beste Unterhaltung der ungefähr 25 Jahre, in denen man Suzanne als Leser begleitet, sorgt. 

  (10)
Tags: 20. jahrhundert, drama, erster weltkrieg, fotografie, geschichte, liebe, schicksal, südfrankreich, titanic   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

11 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

familie, roman, skurril, humor, andrew kaufman

Geborene Freaks

Andrew Kaufman , Eva Bonné
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei btb, 10.07.2017
ISBN 9783442715275
Genre: Humor

Rezension:


Durch einen Ablesefehler von Frenk in Freak umbenannt, war die Familie Freak seit der Einwanderung von England nach Kanada von jeher anders als die Durchschnittsfamilie. Kurz vor ihrem Tod eröffnet Großmutter Annie Freak ihrer jüngsten Enkelin Angie, dass sie Angie und ihre vier Geschwister zur Geburt jeweils mit einer gut gemeinten Eigenschaft ausgestattet hat, die sich als "Flegen" (Fluch + Segen) herausgestellt hat. Oma Freak möchte dies rückgängig machen und bittet deshalb Angie, bis zu ihrem Tod in knapp zwei Wochen die Geschwister bei ihr am Krankenbett zu versammeln. Die hochschwangere Angie ist skeptisch, wird von ihrer Großmutter aber derart unter Druck gesetzt, dass sie dieser glaubt. Knapp einem Flugzeugabsturz entkommen, macht sie sich auf den Weg, ihre Geschwister einzusammeln, die in Kanada bzw. dem fiktiven Königreich Uplifta verstreut leben und zu denen sie zum Teil seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. 


Angies Fluch ist, dass sie jedem verzeihen muss, was sich vor allem negativ auf ihr Liebesleben auswirkt. Männer nehmen sie nicht wirklich ernst und betrügen sie, das sie ihnen ohnehin vergeben wird. Schwester Lucy hat einen ausgeprägten Orientierungssinn, Abba verliert  nie die Hoffnung, Richard wittert jegliche Gefahr für sch und Kent ist eine Kämpfernatur - alles Eigenschaften, die eigentlich positiv sind und hilfreich sein sollten, das Leben der Geschwister bislang allerdings stark beeinträchtigt und negativ beeinflusst haben. 
Lucy hat Angst sich zu verlieren und stürzt sich von einem Sexabenteuer ins nächstem um sie emotional nicht binden zu müssen, Abba lebt als Königin von Uplifta in ihrem rosa Schloss in einer eigenen Traumwelt, Richard scheut jedes Risiko und kann deshalb keine Beziehungen aufbauen und Kent neigt zu gewalttätigen Ausbrüchen. 


Der Roman ist ein Roadtrip, auf dem der Leser die Familienmitglieder der Freaks mit all ihren unterschiedlichen Spleens kennenlernt. Dabei erfährt man in Rückblenden einiges über die Kindheit der fünf Geschwister und ihre Eltern. Während Mutter Nicola nach dem Tod ihres Ehemanns jeglichen Bezug zur Realität verloren zu haben scheint und in einem Pflegeheim die Vorstellung lebt, Friseurin zu sein, wurde die Leiche von Papa Freak nach einem Unfall mit seinem geliebten Maserati nie gefunden. 
Die Geschwister waren seit diesem tragischen Ereignis auf sich allein gestellt und umso schöner ist es zu lesen, dass sich die fünf durch die gemeinsame Reise zur Oma wieder annähern. 


"Geborene Freaks" ist so liebenswürdig absurd geschrieben, dass man als Leser zwischen Kopfschütteln und Lachanfällen schwankt und unweigerlich weiterlesen muss. Es ist nicht nur eine Abfolge skurriler Situationen aufgrund der exzentrischen, schrulligen Charaktere, sondern eine Art modernes Märchen mit einer tiefer gehenden Botschaft über die Notwendigkeit des Zusammenhalts innerhalb der Familie und Geschwisterliebe, die nicht mit dem Ende der Kindheit aufhört sowie mit der Erkenntnis, dass man auch auf seltsame Weise glücklich sein kann. 

  (12)
Tags: absurd, exzentriker, familie, familienzusammenführung, fluch und segen, freaks, großmutter, humor, skurril   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(31)

70 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

teufel, humor, london, ehe, dichter

Der Gentleman

Forrest Leo , Cornelius Reiber
Fester Einband: 296 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783351036737
Genre: Romane

Rezension:


Lionel Savage hat seine Frau Vivien nur aufgrund ihres Vermögens geheiratet, um sich und seiner sechs Jahre jüngeren Schwester, für die er nach dem Tod der Eltern verantwortlich ist, versorgen zu können. 
Savage ist Dichter, seit der Hochzeit vor einigen Monaten befindet er sich allerdings in einer Schaffenskrise und ist inzwischen so verzweifelt, dass er sich umbringen möchte. Da er aber nicht so richtig weiß, wie er seinem Leben ein Ende setzen könnte und er auch seinem Butler nicht mit der Beseitigung seiner sterblichen Überreste behelligen möchte, kommt es Savage ganz gelegen, dass während der Party seiner Ehefrau ein Gentleman in seinem Arbeitszimmer erscheint, mit dem er einen Pakt schließt. Noch am selben Abend ist Vivien verschwunden und Savage verspürt wieder die nötige Kreativität für seine Dichtkunst. 
Als wenig später der Bruder von Vivien von seiner Afrika-Expedition nach London zurückkehrt und Savage erfährt, dass Vivien diesem in Briefen begeistert und scheinbar schwer verliebt von ihrem Ehemann berichtet hat, bekommt Lionel nicht nur ein schlechtes Gewissen, er merkt auch, dass er seine Ehefrau tatsächlich liebt. Er möchte sie wieder aus den Händen des Teufels befreien und so beginnt die abenteuerliche Suche nach seiner Frau und dem Eingang zur Hölle. 


"Der Gentleman" erinnert ein wenig an Goethes Faust und ist auch so geschrieben, dass ich mir den Roman gut als ein Theaterstück hätte vorstellen können. Tatsächlich gibt der Autor in seiner Danksagung an, dass das Buch als Komödie für das Theater konzipiert war. Das fällt vor allem am Ende des Romans auf, als alle Protagonisten zum Finale in einem Raum versammelt sind und das Verschwinden von Vivien aufgeklärt werden kann. 


Der Roman ist voller Ironie und stark übertreibender Dialoge geschrieben, so dass man weder Lionel Savage noch die ganze Handlung allzu ernst nehmen kann. Der Roman ist von einem imaginären Herausgeber verfasst, der von Savage gezwungen wurde, sein Werk zu veröffentlichen. Dieser "pünktliche Hubert" gibt in unzähligen Fußnoten (abwertend) an, was er von Lionel, seiner Dichtkunst und dem Roman hält. 


"Der Gentleman" ist eine etwas absurde Geschichte über einen etwas einfältigen Dichter, der ohne seinen Butler völlig hilflos wäre und bei dem immer erst zuletzt der Groschen zu fallen scheint. Letztlich findet er jedoch aufgrund einer gut gemeinten Finte seiner Ehefrau, die aberwitziger Weise ein größeres Talent zur Dichtkunst zu haben scheint als Lionel selbst, zu seinem Glück. 


Das Buch überzeugt durch seinen kreativen, ungewöhnlichen Schreibstil und ganz amüsante Szenen um den Antiheld Savage, ist aber nicht ganz so unterhaltsam und abenteuerlich wie ich es mir gewünscht hätte. So hatte der Roman doch einige Längen bis es zur etwas ernüchterndem Aufklärung des Verschwindens von Vivien kam. 

  (14)
Tags: 19. jahrhundert, absurde geschichte, butler, ehe, humor, teufel, theaterstück   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(22)

49 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

liebe, ehe, vertrauen, münchen, portugal

Jeder neue Tag mit dir

Luisa Valentin
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.06.2017
ISBN 9783734104251
Genre: Liebesromane

Rezension:


Kathrin und Markus Killian sind seit 13 Jahren verheiratet und wohnen un München. Kathrin ist im vergangenen Jahr Partnerin in einer Werbeagentur geworden ud auch Markus ist als erfolgreicher Kameramann für Filmproduktionen gefragt und sehr oft unterwegs. Oft sieht sich das Paar tagelang nicht und so beschließt Markus, seine Frau zu ihrem Geburtstag zu überraschen und erscheint frühe als angekündigt zu Hause. Dort trifft er auf Kathrin, die eng umschlungen mit ihrem Arbeitskollegen im Wohnzimmer tanzt und offensichtlich gerade dabei ist, Markus zu betrügen. 


Für Markus ist die Situation  unerträglich, er packt seine Tasche und flieht über Nacht zu seinem besten Freund Jan. Bei seinem Aufbruch entdecken Kathrin und Markus auf dem Dachboden einen Koffer, den sie zu ihrer Hochzeit als Geschenk von allen Gästen bekommen haben und erst zu ihrem 15. Hochzeitstag öffnen sollen bzw. dann wenn ihre Ehr vor dem Aus steht. 


Schon bei Jan auf der Couch beginnt Markus in Erinnerungen an Kathrin und die Anfangszeit ihrer Ehe zu schwelgen. Am nächsten Morgen fährt er zurück, um sich mit Kathrin auszusprechen. Trotz der Bedenken mit dem Öffnen des Koffers das Ende ihrer Ehe zu zementieren, werfen sie einen Blick hinein und entdecken im Verlauf des Osterwochenendes liebe, witzige oder hilfreich gemeinte Geschenke, die man nach 15 Jahren Ehe gebrauchen kann. 


Durch das Spiel zu erraten, von wem das jeweilige Präsent sein könnte bzw. der Bedeutung, die damit verbunden ist, kommen sich Markus und Kathrin wieder näher und nutzen die gemeinsame Zeit, offen miteinander zu sprechen. 
Beide haben den Ansporn, ihre Ehe zu retten, aber neben dem aktuellen Fehltritt Kathrins gibt es noch eine weitere unausgesprochene Wahrheit, die den Glauben an eine gemeinsame Zukunft erschüttern lassen. 


"Jeder neue Tag mit dir" ist ein berührender Roman über eine Ehe, die aufgrund eines Fehlers, der nur ein Symptom dafür zu sein scheint, dass zwischen Kathrin und Markus schon seit Längerem mehr im Argen ist, kurz vor dem Scheitern steht. 


Das Ehepaar hat sich, abgelenkt von Beruf und Alltag, zu wenig Zeit für sich genommen und auseinandergelebt. Fraglich ist, ob der Betrug, zu dem es ohne das vorzeitige Eintreffen von Markus unweigerliche gekommen wäre, so schwer wiegt, dass jegliches Vertrauen zwischen Markus und Kathrin zerstört ist und ihre Liebe keine Chance mehr hat. 


Auch wenn er Leser sich auf die Seite von Markus schlägt, ist Kathrin keine unsympathische Protagonistin. Ich konnte mich in beide Ehepartner gut hineinversetzen und es war mit jedem kleinen Geschenk aufs Neue interessant zu erfahren, was sich dahinter verbirgt, welche Erinnerungen es bei Markus und Kathrin hervorruft oder welche Bedeutung es jetzt im Moment für sie hat. 
In Rückblenden erfährt man viel von der Anfangszeit der Beziehung und den glücklichen Tagen ihrer Ehe und umso mehr hofft man selbst, dass die beiden sich wieder emotional annähern und einen Neuanfang wagen. 


Der Roman beschreibt eine Situation bzw. einen Zustand der Ehe, in die/ den jedes Paar gelangen kann. Luisa Valentin schafft es, das Gefühlschaos, die Hilflosigkeit, Unsicherheit und Hoffnung sehr authentisch darzustellen, dass man die Situation auf sich selbst übertragen könnte und mit beiden in dem Wechselbad der Gefühle mitbangt. 
Da Buch zeigt, dass man den (Ehe-)partner gerade in langjährigen Beziehungen nicht zu selbstverständliche nehmen darf und dass man sich kontinuierlich um den anderen bemühen und Respekt zollen muss. Gleichzeitig macht es nachdenklich, ob es die richtige Entscheidung ist, der Liebe eine zweite Chance zu geben oder ob man den Mut haben muss, ein Ende zu akzeptieren, um sich nicht weiter gegenseitig zu verletzen. 


"Jeder neue Tage mit dir" ist keine seichte Liebesgeschichte, sondern ein sehr kurzweiliger Roman mit Tiefgang, auch wenn Titel und rosa Cover auf den ersten Eindruck etwas anderes suggerieren. 

  (15)
Tags: alltag, betrug, ehe, heirat, liebe, münchen, trennung, zeit zuzweit, zweite chance   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(92)

213 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 79 Rezensionen

thailand, liebe, chicklit, lyx verlag, hochzeit

Kopf aus, Herz an

Jo Watson , Barbara Först , Hannah Brosch
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 28.06.2017
ISBN 9783736304215
Genre: Liebesromane

Rezension:


Lilly Swanson ist 24 Jahre alt, als sie am Tag ihrer Hochzeit von ihrem Verlobten Michael ohne eine Begründung vor dem Altar stehengelassen wird. Wut und Verzweiflung machen sich in ihr breit und sie beschließt trotzig, die Hochzeitsreise nach Thailand alleine anzutreten. 



Bereits auf dem Flug, auf dem sie aufgrund ihrer überstürzten Abreise zerzaust, mit verschmiertem Make-up und im Schlafanzug sitzt, lernt sie den hilfsbereiten Damien kennen, der als Gothic-Typ" so rein äußerlich gar nicht ihr Fall ist und ihr sogar ein bisschen Angst macht 


Den Sicherheitsbeamten am Flughafen in Bangkok kommen die beiden verdächtig vor, weshalb sie kurzzeitig wegen des Verdachts des Drogenschmuggels festgenommen werden. Da Damien nach der Bestechung der Polizei pleite ist, bietet Lilly ihm spontan an, die Nacht bei ihr in der Honeymoon-Suite zu verbringen. 


Eine Reihe an Missgeschicken, zahlreiche Fettnäpfchen, in die Lilly springt und kuriose Situationen schweißen das ungleiche Paar zusammen. Schon am ersten Tag sind sie sich so vertraut, dass sie sich gegenseitig traumatische Dinge aus ihrer Vergangenheit erzählen, über die sie sonst nicht sprechen. 


Bevor die beiden aber letztendlich zueinander finden, muss noch das ein oder andere Missverständnis an dem exotischen Schauplatz in Thailand umschifft werden. 


"Kopf aus, Herz an" ist der erste Band der "Destination Love"-Reihe von Jo Watson und beschreibt die persönliche Entwicklung von Lilly, die bislang immer auf ihre Vernunft gehört hat und ein geordnetes, (spieß-)bürgerliches Leben geführt hat. Dass ihr Verlobter sie einfach so unvermittelt vor dem Traualtar und 500 geladenen Gästen stehen lässt, wirft sie verständlicherweise komplett aus der Bahn. Kopflos flüchtet sie auf ihre Hochzeitsreise nach Thailand, wo ihr der unkonventionelle Backpacker Damien vorlebt, spontan zu sein und auf sein Herz zu hören. 


Von dem Roman hatte ich mir wahrlich keine tiefgründige oder berührende Liebesgeschichte, sondern ein lockere, amüsante Chick Lit erwartet, die eine Wende in Lillys bisher streng getaktetes Leben bringt. 


Zu Beginn besteht "Kopf aus, Herz an" fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung aberwitziger Situationen, in die sich die offensichtlich sehr tollpatschige Lilly immer wieder im Beisein von Damien bringt. Was mir auf den ersten Seiten noch ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte, nervte im weiteren Verlauf des Romans eher, als dass es unterhielt, da man auf jeder Seite nur auf das nächste abstruse Ereignis gewartet hat. 
Lilly gebärdete sich so hysterisch überdreht, dass mir nicht wirklich nachvollziehbar war, wie sich innerhalb der Kürze der Zeit eine so vertrauensvolle Nähe zwischen ihr und "Badboy" Damien ergeben konnte. Die körperliche Anziehungskraft zwischen beiden stand dann später im Vordergrund, womit ich gemerkt habe, dass ich mit bei dem Buch im Genre vergriffen habe. Der Sex mit dem Höhepunkt zur Mondfinsternis, Damien als Lillys Lehrmeister, der die Sexualität erst in ihr erweckt, war mir zu explizit.  


Der Roman ist - "Kopf aus" - schnell zu lesen, aber keine Geschichte, für die ich mich begeistern konnte und die mir länger im Gedächtnis bleiben wird. Dafür wirkte die Situationskomik zu erzwungen und stellenweise sogar unrealistisch überzogen, die Protagonisten zu einfältig und stereotyp und die ganze Geschichte zu platt und vorhersehbar. Mir fehlte das gewisse Herzblut der Autorin für ihre Figuren und kreative Highlights, die der einfach strukturierten Handlung mehr Leben eingehaucht hätten. Dass es zwischen Lilly und Damien zum Happy End kommt, empfand ich als aufgrund der Trennungsphase zwischen zwei Thailand-Aufenthalten zu unrealistisch bzw. zumindest zu abrupt.


Band 2 der "Destination Love"-Serie "Herz auf Anfang" erscheint im Dezember 2017 und handelt wieder von einer Urlaubsliebe, jedoch mit anderen Protagonisten. Jo Watson konnte mich aber mit Band 1 nicht für weitere Teile von "Destination Love" begeistern.

  (15)
Tags: badboy, fettnäpfchen, naive protagonistin, neuanfang, sex, thailand, trennung, übertreibung, unsicherheit, weltreise   (10)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(99)

290 Bibliotheken, 20 Leser, 0 Gruppen, 51 Rezensionen

liebe, nachtblumen, trauma, carina bartsch, sylt

Nachtblumen

Carina Bartsch
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.06.2017
ISBN 9783499291081
Genre: Liebesromane

Rezension:


Jana ist 19 Jahre alt und gerade nach Westerland auf Sylt gezogen, um dort eine Ausbildung als Bauzeichnerin zu beginnen. Am Bahnhof wurde sie von ihrer neuen Psychotherapeutin Dr. Thea Flick abgeholt, die Jana ihr neues Zuhause, eine Art betreute Wohngemeinschaft, bringt. Das Ehepaar Völkner nimmt "besondere" Jugendliche und Heranwachsende bei sich auf, die im Leben Hilfe benötigen und dort eine zweite Chance bekommen, um nicht (weiter) abzudriften. Vier Jugendliche im Alter bis 23 Jahren wohnen bei den Völkners und absolvieren jeweils eine Ausbildung in deren Architekturbüro. 


Jana fühlt sich in ihrer Ersatzfamilie zwar wohler als in ihrer letzten Einrichtung in Hannover, ist aber dennoch sehr still, ängstlich und hält sich im Umgang mit den anderen Jugendlichen zurück. Gegenüber Anke und Klaas Völkner hat sie geradezu ein schlechtes Gewissen, dass sie so bedingungslos und liebevoll aufgenommen wird, In der Berufsschule sind ihr zu viele Menschen und als Auszubildende hat sie Angst, Fehler zu machen. Auch in den Therapiesitzungen, in denen die unkonventionelle Thea Flick Jana vermitteln möchte, wieder Freude am Leben zu finden und aus sich herauszugehen, ist Jana sehr verschlossen. 


Sie fühlt sich nur geborgen, wenn sie heimlich versteckt unter dem Bett schlafen kann und zieht sich ansonsten am liebsten allein an den Strand zurück, wo sie ihren Gedanken nachhängt. Dort wird sie neugierig auf ihren Mitbewohner Collin, der bereits im dritten Lehrjahr als Bauzeichner ist, sich von den anderen abschottet und nur mit Klaas zu kommunizieren scheint. Er zieht sich ans Meer zurück, um zu zeichnen. 
Ganz langsam kommen die beiden sich näher und helfen sich dabei gegenseitig, aus ihrer Melancholie herauszufinden. 


Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Jana geschrieben, weshalb man als Leser einen guten Einblick in die Sorgen und Nöte erhält, die sie im Augenblick bewegen. Lange bleibt im Verborgenen, aus welchem Grund Jana Patientin bei Thea Flick ist und was sie in der Vergangenheit durchgemacht haben mag. Man erfährt zunächst nur, dass ihre Mutter schon früh an einer unheilbaren Form der Demenz erkrankt ist. 
Die offenen Fragen, die sich zwangsläufig beim Lesen ergeben, werden erst gegen Ende des Romans gelöst, weshalb trotz der Ruhe und Melancholie der Handlung Spannung aufgebaut wird und man als Leser unbedingt mehr von Jana, aber auch von den anderen Protagonisten erfahren möchte. 


Währenddessen zeichnet sich durch die Annäherung zwischen Jana und Collin eine zarte Liebesgeschichte ab, wobei diese nicht vergleichbar mit Emelys und Elyas Romanze aus "Kirschroter Sommer" bzw. "Türkisgrüner Winter" ist. Es fehlen die Leidenschaft und die tiefen Gefühle, die überspringen und den Leser fesseln könnten. 


"Nachtblumen" ist ein sehr feinfühliger Roman, der überwiegend vom Seelenleben der lange so traurig un hilfsbedürftig wirkenden Jana handelt, die gar nicht den Eindruck erweckt, schon 19 Jahre alt zu sein, das es zu ergründen gilt. Wer vom lang ersehnten Nachfolger der beiden Bestseller von Carina Bartsch einen (Liebes-)roman mit einer aufregenden Handlung oder sich überschlagenden Ereignissen erwartet, wird insofern enttäuscht sein. 


Mir hat dieser berührende Roman dennoch - vor allem aufgrund des sehr sensiblen und bildhaften Schreibstils der Autorin - gut gefallen und zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, auch wen die rein äußerliche Handlung überschaubar ist und mir zwischen Jana und Collin das Prickeln gefehlt hat. 
Im Hinblick auf die Therapie und Janas Gesundung blieb mir die Geschichte zu sehr an der Oberfläche, um das Handeln der Protagonisten und die Weiterentwicklung von Jana nachvollziehen zu können. Wie Jana und Collin am Ende dann doch noch zueinander finden, fand ich im Gegensatz zum Rest der Geschichte nicht ganz so authentisch. 
Nichtsdestotrotz ist "Nachtblumen" eine berührende Geschichte, die Hoffnung macht und zeigt, dass man die Dämonen der Vergangenheit bezwingen kann und auf eine positive Zukunft vertrauen darf, wenn man nur bereit ist, Hilfe anzunehmen und zuzulassen. 

  (3)
Tags: berührend, bewältigung der vergangenheit, hoffnung, new adult, seinsibel, syl, therapie, trauma   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

happy end, klischees, paartherapie, sex, mann und frau

Risiken und Nebenwirkungen der Liebe

Sophie Hart , Andrea Brandl
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.07.2017
ISBN 9783492311038
Genre: Liebesromane

Rezension:


Annie ist Paartherapeutin und verdient ihr Geld damit, angeknacksten Beziehungen wieder auf die Sprünge zu helfen. 
Ihr eigenes Liebesleben liegt seit der Scheidung von ihrem Mann vor knapp zehn Jahren brach und ihre jüngere Schwester Holly versucht sie deshalb immer wieder mit den in ihren Augen geeigneten Single-Männern zu verkuppeln. Dabei bemerkt Annie lange nicht, dass ihr Liebesglück gar nicht so weit von ihr entfernt ist - auch wenn es sich "bloß um [Büronachbar] Jamie" handelt...


Was mir vor der Entscheidung, das Buch zu lesen nicht aufgefallen war ist, dass der Roman als Paperback bereits vor über einem Jahr unter dem Titel "Verliebte Frauen ticken anders" erschienen ist und nun mit einem ganz anderen offensichtlich weniger anzüglichen und eher romantisch gestaltetem Cover neu aufgelegt wurde.  


In "Risiken und Nebenwirkungen der Liebe" wird der Leser mit Pärchen konfrontiert, bei denen mindestens ein Partner in der Beziehung unzufrieden ist und Hilfe bei Annie sucht. "Witzigerweise" vermuten die Patienten, dass es sich bei Annie um eine Sexpertin handelt, die ihnen anschauliche Ratschläge erteilt und diese auch noch praktisch demonstriert oder mit ihnen einübt. 
Ist erst einmal geklärt, dass Annie die jeweilige Beziehung analysiert und die Paare durch ihre Tipps und Hausaufgaben selbst zu einer Problemlösung finden müssen, kommen die mitunter schwierigen und einer Paartherapie skeptisch gegenüberstehenden Partner ins Spiel. Wie im Klappentext beschrieben geht es hauptsächlich um drei Paare verschiedenen Alters und in unterschiedlichen Stadien der Beziehung, die sich hilfesuchend an Annie richten.


Dabei reihen sich zahlreiche Klischees aneinander, wobei in der Regel die eher romantisch veranlagten, liebesbedürftigen Männer unter ihren dominanten, egoistischen Frauen zu leiden haben und offensichtlich bisher nicht das Gespräch mit ihren (Ehe-)frauen gesucht haben. 
Die Geschichte der 34-jährigen Annie kommt dabei leider sehr kurz und ist sehr früh vorhersehbar, dass nur wenig Spannung aufgebaut wird. Bei ihren Patienten sind die Probleme eher trivial und die Protagonisten so eindimensional, dass deren Geschichten weder besonders einfallsreich amüsant und noch weniger emotional berührend sind. 
Auch wenn Annie das Klischee der hoffnungslosen britischen Romantikerin verkörpert, die sich lieber in romantischen Liebesschnulzen verliert und ihren Beruf auch deshalb ergriffen hat, um Pärchen zu ihrem persönlichen Happy End zu verhelfen, hatte ich mir bei der Entscheidung für das Buch vorgestellt, mehr über sie zu lesen und mir bei dem Roman einen anderen Schwerpunkt gewünscht. 

  (2)
Tags: ehe, happy end, klischees, liebesglück, mann und frau, paartherapie, sex   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(84)

206 Bibliotheken, 15 Leser, 0 Gruppen, 67 Rezensionen

dschinny, jessica khoury, aladdin, liebe, ein kuss aus sternenstaub

Ein Kuss aus Sternenstaub

Jessica Khoury , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 360 Seiten
Erschienen bei cbj, 10.07.2017
ISBN 9783570403532
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Zahra von Ambadyen ist über 4.000 Jahre alt, eine der mächtigsten Dschinnys und seit fast 500 Jahren in ihrer Lampe gefangen. Als der Dieb Aladdin dem Prinzen Darian einen Ring stiehlt, wird er von diesem durch die Wüste zu Zahra geführt und erweckt sie wieder zum Leben. Er hat von nun an drei Wünsche frei und einer von ihnen ist, dass er selbst der Prinz des Königreichs Parthenien wird. Er möchte damit auch seine Eltern rächen, die von König Malek als Aufständische getötet worden sind. Mit Hilfe von Zahra kann er sich unter einer falschen Identität als Prinz Rahzad von Istayen in den Hof einschleichen und Prinzessin Caspida, die um das Königreich ihres gerade verstorbenen Vaters zu übernehmen, einen Prinzen heiraten muss, für sich gewinnen. 
Gleichzeitig entwickelt er aber Gefühle für Zahra, die am Hof als treue Dienerin an seiner Seite ist und die er liebevoll "Rauchwölkchen" nennt, aber ihrerseits versucht, ihre Freiheit zu erlangen. Dafür muss sie Zhian, den Sohn des übermächtigen Dschinns Nardukha befreien, um als Dschinny erlöst zu werden. 
Eine Liebe zwischen beiden darf nicht sein und würde zu schrecklichen Konsequenzen führen, die schon einmal vor 500 Jahren dafür gesorgt haben, dass Zahra verbannt wurde. 


"Ein Kuss aus Sternenstaub" ist wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, eine tragische Liebesgeschichte, aber viel mehr auch ein Abenteuerroman in der orientalischen Welt. 


Zu Beginn prasseln sehr viele Informationen auf den Leser ein: die Vorgeschichte der Dschinny, das Schicksal Aladdins und vor allem viele orientalische Namen der unzähligen Protagonisten, die man erst einmal sortieren muss. Hat man sich aber an das fremdartige Setting gewöhnt, kann man in die märchenhafte Erzählung eintauchen. 
Der Roman ist aus Sicht von Zahra geschrieben, so dass man ihre widersprüchlichen Gefühle gut nachvollziehen kann. Einerseits ist sie eine mächtige Dschinny, die für Tod und Zerstörung sorgen kann, aber andererseits ein Wesen, das menschliche Gefühle wie Liebe empfinden kann. Sie ist aber auch abhängig von der Lampe und dem jeweiligen Besitzer, dem sie so lange dienen muss, bis dessen Wünsche erfüllt sind und sie wieder zurück in ihre Lampe muss. Sie befindet sich insofern in dem Zwiespalt, ob sie egoistisch ihr eigenes Ziel verfolgen soll, nämlich Zhian zu befreien, der am Königshaus zusammen mit vielen weiteren Dschinnys gefangen gehalten wird oder ergeben Aladdin zu dienen. 


"Ein Kuss aus Sternenstaub" magischer Roman über eine Liebe, die nicht sein darf, der einerseits das Flair aus Tausendundeiner Nacht einfängt, andererseits aber auch die melancholische Stimmung der Dschinny und ihrer schicksalhaften Gefangenschaft einfängt und durch einen gewitzten Dieb in Form des mittellosen jungen Aladdin überzeugt. 
Es ist ein Roman, der vor allem Jugendliche begeistern dürfte, die sich in diese Traumwelt um die Machtkämpfe um Königreiche und Nationen und zwischen Mensch und Dschinns versetzen lassen möchten, aber auch für junggebliebene Erwachsene geeignet ist, die eine etwas andersartige Liebesgeschichte lesen möchten.  

  (1)
Tags: 1001 nacht, abenteuer, dschinny, fantasy, flaschengeist, jugendroman, junge liebe, magie, orient, zauber   (10)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

48 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

rom, liebesgeschichte, beziehungen, liebe, ro

Via dell'Amore - Jede Liebe führt nach Rom

Mark Lamprell , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 24.07.2017
ISBN 9783764506179
Genre: Liebesromane

Rezension:


Der Roman wird aus der Sicht der "ewigen Stadt" Rom erzählt und handelt von drei Beziehungskonstellationen. Das Ehepaar Alec und Megan Schack ist seit knapp 20 Jahren verheiratet, lebt mit zwei gemeinsamen Kindern in Los Angeles und streitet sich die meiste Zeit nur noch. Als Entschädigung dafür, dass Alec sowohl ihren Geburtstag als auch den gemeinsamen Jahrestag vergessen hat, zwingt Meg ihn, mit ihr für einen Tag nach Rom zu reisen, wo sie sich vor 19 Jahren ineinander verliebt haben. Für die Renovierung ihres Hauses möchte Meg eine Fliese besorgen, die ihr damals auf dem Fußboden eines Hotels aufgefallen war und von der sie ein "Muster" mitgenommen und solange aufbewahrt hatte. Alec findet Megs "Mission" als dekadent, begleitet seine exzentrische Ehefrau aber dennoch. Meg möchte keine Scheidung und versucht durch die Reise die Gefühle von damals zu reaktivieren. 


Constances Ehemann Henry ist verstorben. Die Engländerin reist zusammen mit ihrer Schwägerin Lizzie nach Rom, um auch Wunsch ihres Mannes seine Asche auf einer Brücke über dem Tiber zu verstreuen. Das Ehepaar hatte sich vor 38 Jahren in Rom kennengelernt. 


Die junge Künstlerin Alice reist wie Alec und Meg aus den USA nach Italien, um Inspiration und neue Impulse für ihre Skulpturen zu erhalten, Ihr Weg führt sie zunächst nach Rom, um von dort weiter nach Florenz zu fahre, wo sie ihren Verlobten Daniel treffen möchte. Am Flughafen lernt sie eine Gruppe Architekturstudenten kenne, die sie dazu überreden, die Zeit bis zu ihrer Zugabfahrt gemeinsam zu verbringen. August verliebt sich auf den ersten Blick in die hübsche Amerikanerin, die ihre Gefühle selbst nicht richtig einzuordnen weiß.


Es sind alles Geschichten, die am weitesten Sinn von der Liebe handeln und sich an einem ereignisreichen Tag in Rom abspielen. Der "Geist der Stadt" versucht dabei, den Paaren zu ihrem Glück zu verhelfen. 


"Via dell'Amore ist ein wirklich süßer Sommerroman, der schon durch den Aufhänger der Stadt Rom als Erzähler kreativ wirk und sich damit von den anderen Romanen des Genres abhebt. Da der Roman von drei Paaren handelt und man als Leser nur einen Tag mit ihnen erlebt, kann man aber keine tiefgründige Handlung erwarten. 


Der Roman ist allerdings so lebendig geschrieben, die zum Teil etwas schrulligen Charaktere so eingängig und unterhaltsam, dass man unmittelbar in die Geschichten eintaucht und die einzelnen Episoden in Rom amüsiert verfolgt. 


"Via dell'Amore ist wunderbar leicht zu lesen, ein richtiger Wohlfühlroman für den Sommer, der das Flair der Stadt Rom einfängt und der durch die bissigen Dialoge zwischen Alec und Meg, die zarten Anfänge der Liebesgeschichte von Alice und August und dem Geheimnis um die Ehe von Constance und Henry, das sie gegenüber ihrer Schwägerin lüftet, herzerfrischend unterhält. 

  (1)
Tags: beziehungen, liebe, rom, sommer, sommerroman, urlaubslektüre, wohlfühlroman   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(163)

325 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 91 Rezensionen

liebe, hamburg, krebs, werft, petra hülsmann

Das Leben fällt, wohin es will

Petra Hülsmann
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.05.2017
ISBN 9783404175222
Genre: Liebesromane

Rezension:


Marie ist 29 Jahre alt, lebt in Hamburg und jobbt, obwohl sie Betriebswirtschaftslehre studiert hat und ihr Vater Inhaber einer familiengeführten Werft ist, in einem Café im Kiez. Sie wohnt zusammen mit ihrer Freundin Hanna in einer WG und lebt mehr oder weniger in den Tag hinein, um an den Wochenenden Party im Schanzenviertel zu machen. 
Sie mag ihr unbeschwertes Leben, ohne Verantwortung übernehmen zu müssen, bis die Krebsdiagnose ihrer Schwester Christine ihr Leben komplett durcheinander wirft. 


Christine ist Mutter zweier Kinder und frisch von ihrem Ehemann Robert getrennt, der nach Frankfurt/ Main gezogen ist. Um ihrer Schwester unter die Arme zu greifen, während diese ihre Chemotherapie beginnt, zieht Marie bei ihr ein und wird auch noch gezwungen, Christines Position in der Werft zu übernehmen. Marie ist zunächst völlig überfordert, lässt den Kindern ihren Willen, möchte in der Firma nur gut aussehen und den Anschein eines Familienbetriebs wahren und möglichst wenig mit Daniel zu tun haben, der Streber, der in Vertretung für Christine die Geschäfte übernommen hat. 


Unter dem Druck der schweren Erkrankung der Schwester, die von den Nebenwirkungen der Chemotherapie völlig ausgelaugt ist, kann Marie ihre Fassade als schönes Dummchen nicht lange aufrechterhalten. Sie sagt sich von ihrem oberflächlichen Partyleben los, übernimmt Verantwortung in der Werft, entwickelt sogar eigene Ideen und hat beim Anblick von Daniel plötzlich Schmetterlinge im Bauch. 


Ich hatte bereits "Glück ist, wenn man trotzdem liebt" von Petra Hülsmann gelesen und auch bei "Das Leben fällt, wohin es will" bleibt die Autorin ihrem Stil treu. Wieder geht es um eine junge Frau, die Single ist und in Hamburg wohnt und ihren Platz im Leben noch finden muss. Und wieder verwendet die Autorin kreative Sprachbilder und in Teilen der Dialoge das norddeutsche Platt, das das Buch sehr eingängig und unterhaltsam zu lesen macht. Zudem begegnet man dem Taxifahrer Knut und seiner Freundin, der Kiezkneipenkönigin Irina wieder.   


Marie hat sich das Image eines oberflächlichen Partymädchens gegeben, das nicht an die Liebe glaubt und sich gern darauf beruft, die jüngere Tochter zu sein, die bloß keine Verantwortung in dem Familienunternehmen übernehmen möchte. 
Tatsächlich hat Marie nach wie vor eine versteckte Leidenschaft für das Segeln und ist ganz und gar nicht so einfältig wie sie sich aus Schutz vor Enttäuschung gibt. Als 17-Jährige wurde sie von ihrer großen Liebe sitzengelassen und auch der Vater hat seiner jüngeren Tochter nicht so viel wie der Ältesten zugetraut. Jetzt hat sie Angst, wieder verletzt zu werden und Probleme damit, anderen Menschen Vertrauen entgegenzubringen. 
Nachdem nun die Rollen getauscht werden und die beruflich erfolgreiche Vorzeige-Mutter Christine durch die Krebserkrankung außer Gefecht ist, kann Marie endlich zeigen, was in ihr steckt und damit auch noch das Herz von Daniel erobern bzw. ihres endlich verschenken. 


Trotz des ernsten Themas der Brustkrebserkrankung ist der neue Roman von Petra Hülsmann wieder eine sehr abwechslungsreiche, amüsante Geschichte, auch wenn das Ende von Anbeginn vorhersehbar ist. Die Erzählung und die Protagonisten sind dabei aber so authentisch und aus dem Leben gegriffen, das man als Leser gerne in das chaotische Leben von Marie eintaucht und ihre Entwicklung gespannt mitverfolgt. 
Es ist eine Geschichte über Familie und Zusammenhalt, über Freundschaft und Verantwortung und das Erwachsenwerden, wobei die Liebe nicht zu kurz kommt und man locker-leicht unterhalten wird, da die Erkrankung selbst nur den Rahmen für die Veränderung Maries gibt. 

  (3)
Tags: brustkrebs, erwachsenwerden, familie, hamburg, krankheit, liebe, persönliche weiterentwicklung, verantwortung, werft   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

34 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

befreiung, satmar-gemeinde, rolle der frau, scheidung, www.die-rezensentin.de

Unorthodox

Deborah Feldman , Christian Ruzicska
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei btb, 19.06.2017
ISBN 9783442715343
Genre: Biografien

Rezension:


"Unorthodox" ist ein autobiographischer Roman, der aus Sicht des Mädchens Devoiri das Leben innerhalb der chassidischen Satmar-Gemeinde, einer ultraorthodoxen jüdischen Sekte, in Williamsburg/ New York erzählt. 


Devoiri lebt bei ihren streng religiösen Großeltern Bubby und Zeidi, die auch von ihrer Enkelin erwarten, dass diese sich an die Regeln der Gemeinde hält. Das Leben ist für die Teenagerin, die schon früh im Kleinen gegen die scheinbar absurden Regel aufbegehrt, voller Einschränkungen. Bücher lesen und Fernsehen sind verboten, das Tragen von Kleidung nur nach bestimmten Regeln erlaubt, Frauen müssen sich die Haare abrasieren und tragen stattdessen Perücken, Sexualität ist ein Tabuthema und Zwangsehen sind an der Tagesordnung. Wer die Regeln bricht, löse unweigerlich einen neuen Holocaust aus, wird schon den Kindern eingebläut, weshalb es auch für Devoiri ein Leben voller Verunsicherung und ständiger Angst ist, etwas falsch zu machen. 


Devoiri leiht sich trotzdem in der Bibliothek verbotene Bücher, am liebste schmale Taschenbücher, die sie zwischen Bett und Matratze verstecken kann. Sie ist dann auch die Schülerin, die fast als einzige in der Lage ist, auf Englisch zu lesen und zu schreiben und entwickelt so viel Ehrgeiz, Grundschullehrerin zu werden. 
Schon früh wird sie verheiratet und nachdem es zu Beginn der arrangierten Ehe enorme Schwierigkeiten in ihrem Sexualleben gegeben hat, da beiden jegliches Wissen über den Körper fehlte, degradiert sie Eli wenig später zum Objekt seiner Befriedigung. Einerseits ist Devoiri froh, den Akt schnell über sich ergehen lassen zu können und dass Eli immer seltener zu Hause ist, andererseits hat sie sich ihr Eheleben anders vorgestellt. Sie dachte irrtümlicherweise, dass sie als verheiratete Grau mehr Freiheiten haben würde, als bei ihren Großeltern, fühlt sich nun aber durch ihre Schwiegermutter, Schwägerin und den Rest der Gemeinde unter ständiger Beobachtung. 


Die strenge Glaubensgemeinschaft der chassidischen Juden war mir bisher nicht bekannt, aber auch ohne (religiöses) Vorwissen fällt es einem nicht schwer, in diesen autobiographischen Roman einzutauchen. 
Deborah Feldmann beschreibt ihr Leben als Teenager und junger frau innerhalb der Satmar-Gemeinde, das völlig abgeschottet von der Außenwelt ist. Es ist kaum zu begreifen, wie eine solche Parallelgesellschaft in einer Stadt wie New York möglich ist und dass es Menschen gibt, die dieses Leben voller Einschränkungen über Generationen hinweg aufrechterhalten, das einzig dazu zu dienen scheint, sich Gott unterzuordnen und seine Regeln kompromisslos zu befolgen. Die Satmar-Gemeinde geht sogar so weit, Zionismus und den Staat Israel abzulehnen, da dieser von Menschen errichtet wurde. 


"Unorthodox" ist ein Bestseller, der die Befreiung von Deborah Feldman aus den Fesseln der Satmar-Gemeinde feiert. Ich fand diesen autobiographischen Roman aufgrund der mir fremden Thematik interessant zu lesen und in Teilen wirklich erschütternd zu erfahren, was Frauen dort über sich ergehen lassen müssen. 
Dennoch kommt der Roman meiner Meinung nach nicht dem Hype gerecht. Ich fand den hochgelobten Roman nicht so überragend, da ich mir mehr von dem Befreiungskampf erhofft hatte. Letztlich ist die Satmar-Gemeinde aber eine nach Außen hin friedliche, gewaltfreie Glaubensgemeinschaft, in der eine Scheidung vom ungewollten Ehepartner und ein Austritt aus der Gemeinde nicht unmöglich ist - solange man mit einem Bruch mit der eigenen Familie leben kann. 

  (3)
Tags: befreiung, ehe, einschränkungen, glaube, judentum, religion, rolle der frau, satmar-gemeinde, scheidung   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(281)

708 Bibliotheken, 17 Leser, 0 Gruppen, 132 Rezensionen

pandemie, dystopie, apokalypse, überleben, shakespeare

Das Licht der letzten Tage

Emily St. John Mandel ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.09.2015
ISBN 9783492060226
Genre: Science-Fiction

Rezension:


In Georgien bricht eine tödliche Grippeerkrankung aus, die sich als Pandemie schnell bis nach Nordamerika und die ganze Welt ausbreitet. Innerhalb kürzester Zeit sterben die Menschen, die mit den Erkrankten in Kontakt kommen. 


Den Ausbruch der Katastrophe erlebt der Leser mit Jeevan, einem ehemaligen Paparazzi und Journalist, der gerade noch als Zuschauer im Theaterstück "König Lear" sitzt und miterlebt, wie König Lear, gespielt von Arthur Leander, während der Aufführung an einem Herzinfarkt stirbt. Noch am selben Abend wird ihm von einem befreundeten Arzt empfohlen wegen des Ausbruchs der georgischen Grippe, die Stadt zu verlassen, weshalb er damit beginnt, Lebensmittel zu bevorraten und bei seinem gehbehinderten Bruder einzuziehen. In den Nachrichten erfahren sie, wie sich die Pandemie ausbreitet und letztlich muss sich Jeevan allein auf den Weg in Richtung Süden machen, als die Vorräte zu neige gehen. 


19 Jahre später ist die "Symphonie" unterwegs und zieht als Theater-/ Musikergruppe durch verlassene Städte an der Küste der USA. Dort haben sich vereinzelt autarke Gruppen von Menschen zusammengeschlossen, die das Zusammenleben neu organisieren mussten. Ohne die Annehmlichkeiten, an die man sich in der Gegenwart gewöhnt hatte, leben die Menschen jetzt ohne Benzin, Strom etc. wie in vergangenen Jahrhunderten - mit dem Unterschied, dass sie ein anderes, komfortableres, sicheres Leben kennengelernt hatten. 


Der Roman wechselt zwischen Vergangenheit (vor der Katastrophe) und der gegenwärtigen Situation (knapp 20 Jahre nach der Katastrophe) ab. Beide Erzählstränge sind durch den Comic "Station Eleven", eine Grafic Novel, die die Künstlerin Miranda, die die Ex-Ehefrau von Arthur ist, gezeichnet hat und die Lebensgeschichte des Schauspielers miteinander verknüpft. 
In den verlassenen Häusern, in denen das Symphonie-Mitglied Kristen einbricht, macht sie sich auf die Suche nach Veröffentlichungen des Comics und nach Presseartikeln über Arthur Leander, mit dem sie als Kinderschauspielerin auf der Bühne stand. 


Auf dem Flughafen Severn City in Michigan sind kurz nach dem Ausbruch der Katastrophe, als die Grundversorgung zusammengebrochen ist, die Passagiere mehrere Flugzeuge, darunter auch eine der Ex-Ehefrauen von Arthur und sein Sohn Tyler, gestrandet. Sie harren mehrere Tage am Flughafen aus, bis es an Tag 29 ein Pilot wagt, nach Los Angeles abzufliegen. Die restlichen Menschen verbleiben am Flughafen, ernähren sich vom Wild, das sie in den Wäldern jagen und beginnen sich wieder ein zivilisiertes Leben aufzubauen. Es entsteht sogar ein eigenes kleines Museum, wo sie Dinge sammeln, die sie an ihr altes Leben erinnern, aber nun nutzlos geworden sind. Severn City wird die größte Menschenansammlung in Nordamerika werden. 


Ich hatte mich auf den interessanten Plot dieses Katastrophenromans gefreut, fand die Umsetzung der Erzählung aber unnötig kompliziert und verwirrend und vor allem den Alltag nach der Katastrophe nicht ganz schlüssig nachvollziehbar.


Durch die georgische Grippe wurde ein Großteil der Menschheit ausgelöscht. Die Überlebenden werden in Form der "Symphonie" beschrieben, eine Gruppe von (Laien-)schauspielern und Musikern, die durch die USA ziehen und den verbliebenen Bewohnern der Städte ein Stück Vergangenheit durch die Aufführung von Shakespeare-Stücken zurückbringen. 


Ich habe nicht ganz nachvollziehen können, warum die Menschen es nicht schaffen bzw. gar nicht erst versuchen, wieder eine Infrastruktur aufzubauen und sich damit abfinden, dass sie sich per Pferd fortbewegen und ohne Stromversorgung auskommen. Auch war mir schleierhaft, warum sie sich in Kleingruppen in Tankstellen und Restaurants zusammentun und nicht in ihre Wohnhäuser zurückkehren. 


Ich musste mich wirklich lange in "Das Licht der letzten Tage" einlesen und ab Seite 200 ziehen sich die Fäden dann auch zusammen, der Roman wird runder und spannender zu lesen. Erst dann kann man auch die große Anzahl von Protagonisten unterscheiden und wie sie miteinander zusammenhängen und mit ihren Schicksalen mitfühlen.


Die offenen Fragen und eine Handlung, die nach der Katastrophe immer wieder durch Rückblicken in Arthurs Leben unterbrochen wird und darüber hinaus sich etwas ereignislos in die Länge zieht, störten mich lange in meinem Lesefluss, wobei der Roman in der zweiten Hälfte deutlich an Spannung und Emotionen gewinnen konnte. Der postapokalyptische Plot und die unterschiedlichen Charaktere zusammen mit der melancholische Stimmung hätten durchaus mehr Potenzial gehabt, das die Autorin nicht ganz ausgeschöpft hat. 

  (3)
Tags: apokalypse, krankheit, neuanfang, nordamerika, postapokalyptisch, tod, weltuntergang, zukunft   (8)
 
320 Ergebnisse