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62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

zukunft, zeitreise, krankheit, krankheiten, geomanten

Zeitfuge

Michael J. Sullivan , Oliver Plaschka
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.09.2015
ISBN 9783453316782
Genre: Science-Fiction

Rezension:


https://martinabookaholic.wordpress.com/2015/10/21/rezension-zeitfuge/


Meine Gedanken zum Buch

Es geht also um Ellis Rogers, einen einfachen Mann, der ein offensichtlich schönes Leben führt. Er ist verheiratet, hat einen guten Job und einen besten Freund namens Warren, dessen Leben seit jeher einer holprigen Berg- und Talbahn gleicht. Doch so rosig, wie Ellis‘ Leben aussieht, ist es nicht. Die Ehe ist mehr oder weniger eine Zweckgemeinschaft, woran Ellis nicht unschuldig ist, und jetzt erfährt er nicht nur, dass er nur noch wenige Monate zu leben, sondern auch, dass seine Frau ihn betrogen hat. Da er seiner Ansicht nach nun nichts mehr zu verlieren hat, beschließt er die Zeitmaschine auszuprobieren, die er in seiner Garage nach bestem Wissen und gängigen Theorien zusammengebastelt hat. Er stellt sie so ein, dass sie in 200 Jahre und acht Monate in die Zukunft bringen soll – schließlich will er ja im Sommer ankommen und nicht im Herbst – und drückt den Knopf. Dummerweise läuft nicht alles so, wie es geplant war, und so landet Ellis erst im vermeintlichen Nichts und dann dann mitten in einem Mordfall, aber definitiv nicht dort, wo er landen wollte. Da es aber kein Zurück mehr gibt, bleibt ihm nichts anders übrig, als mit seiner neuen Situation klarzukommen und sich an die so furchtbar fremde Welt und ihre eigenwilligen Bewohner anzupassen.

Ich liebe Bücher, in denen es um Zeitreisen geht, nur leider können die selten bei mir punkten. Das liegt meist nicht an den Geschichte, sondern daran, dass die Zeitreisen selbst vollkommen humbugig dargestellt werden, unlogisch sind und mir die kreierten Paradoxa Knoten im Hirn verursachen. Bei Zeitfuge war es genau anders herum. Die Zeitreise selbst war intelligent gelöst, leider hat mich dafür die Story nicht ganz überzeugen können.

Der Einstieg in die Geschichte war nicht wirklich gelungen, war weder sonderlich interessant noch packend und die Protagonisten haben es in nur zwei Kapiteln tatsächlich geschafft, mir richtig unsympathisch zu werden. Das ist schon eine Leistung für sich. Aber Schwamm drüber, immerhin dauert dieses ganze Vorgeplänkel nicht lang und was danach kommt, entschädigt für den schwachen Anfang.

Denn sobald die Story in Schwung kommt bzw. man richtig in Ellis‘ neues Abenteuer einsteigt und die neue Welt kennenlernt, wird‘s gut. Richtig gut. (Erstmal jedenfalls…) Der Weltentwurf, den Sullivan in für Zeitfuge geschaffen hat, ist – ich kann es nicht anders sagen – genial. Nicht nur die Bewohner dieser Welt sind unglaublich spannend und interessant und besonders, auch die Welt selbst sprüht vor Einfallsreichtum und großartigen Ideen wie an Holodecks erinnernde Umgebungen, in Häuser installierte KI Systeme mit eigener Persönlichkeit oder Replikatoren, die alles herstellen, was man so braucht – aus einem Material, das so verrückt und doch irgendwie logisch klingt. Sullivan hat einen neuen Lebensraum, eine neue Lebensart geschaffen, eben eine ganz neue Welt kreiert, die neben aller Genialität auch noch nahezu perfekt durchdacht und absolut glaubwürdig ist. Bei der Technik bin ich mir nicht ganz sicher, aber Gesellschaftsstruktur und Lebensart könnte mich mir durchaus irgendwann in ferner Zukunft vorstellen. Mehr sage ich an dieser Stelle nicht, weil ich finde, dass das Erfahren und Entdecken dieser Welt den wichtigsten Teil der Geschichte ausmacht und das Ganze totzubeschreiben nur spoilern und den Spaß an der Sache nehmen würde.

Bis hierhin war ich echt begeistert – mein innerer SciFi- und Wordbuilding-Geek durfte sich freuen und storytechnisch konnte ich mich auch nicht beklagen. Denn neben dem Erkunden der Welt nimmt auch die Handlung an Fahrt auf, sorgt mit Todesfällen, rätselhaften Botschaften und einer sich abzeichnenden Verschwörung für Spannung und einen hohen Unterhaltungsfaktor. Leider verliert sich dieser, je weiter die Geschichte fortschreitet. Viel zu schnell setzt eine Art Entmystifizierungsprozess ein, viel zu schnell wird klar, wer hinter den Morden steckt. Die Gründe dahinter sind für mein Empfinden nicht überzeugend, und nicht mal die Frage, wie der Drahtzieher hinter der ganzen Verschwörung tatsächlich der Drahtzieher sein kann, kommt mit einem Knaller daher, sondern ist imo viel zu simpel und viel zu unglaubwürdig beantwortet worden.
Mit der Entmystifizierung wandelt sich auch der weitere Verlauf der Handlung, versucht tiefgründig zu werden, konzentriert sich auf Themen wie Politik, Religion, Glaube, Liebe, Geschlechterrollen, Hierarchie, Unterdrückung oder die menschliche Natur – und das nicht auf angenehme, sondern auf bevormundende Art und Weise, sodass aus einer anfänglich gelungenen SciFi Story ein moralisierendes Trauerspiel wird.

Auch die Protagonisten haben es mir schwer gemacht. Hauptfigur Ellis hätte interessant sein können, zumal er nicht den gängigen Buchheldtypen entspricht. Leider bin ich mit ihm bis zum Schluss nicht warm geworden, er war mir weder sympathisch noch hat er mich auf irgendeine Weise emotional angesprochen, dank leichter Charakterentwicklung samt Lernkurve war bei ihm zum Glück nicht ganz Hopfen und Malz verloren. Der Bösewicht war einfach nur ein langweiliger, verbohrter Idiot. Und Pax, Ellis‘ Kumpel und „Tour Guide“ durch die neue Welt, war anfangs noch annehmbar, hat sich aber immer mehr zu einer weinerlichen Mary Sue entwickelt. Die restlichen Charaktere waren nur schmückendes Beiwerk und dementsprechend blass sind sie auch geblieben. Einzig Alva, die KI in Pax‘ Haus fand ich sehr gelungen.


Cover

Sowohl das deutsche als auch das originale Cover finde ich optisch sehr gelungen. Beide passen sehr gut zum Buchinhalt, beziehen sich lediglich auf andere Aspekte der Story. Vor dem Lesen hat mir die deutsche Version besser gefallen, irgendwie zeitreisiger (ja, das ist ab sofort ein offizielles Wort) auf mich gewirkt. Nach dem Lesen liegt allerdings das Originalcover vorn, weil es die Dinge widerspiegelt, die das Besondere der Geschichte ausmachen.


All in all

Es stimmt mich ein bisschen traurig, dass Zeitfuge mich nicht ganz überzeugen konnte. Das Buch hat alle Voraussetzungen mitgebracht, um ein Megakracher zu werden. Es ist clever, bietet einen tollen Weltentwurf und interessante Gesellschaftsstrukturen. Leider hat es immer mehr auf die falschen Schwerpunkte gesetzt und sich in der in oder anderen Abstrusität verloren, was der eigentlich genialen Geschichte nicht gut getan hat. Insgesamt trotzdem ein für Genrefans empfehlenswertes Buch, das vor allem eins gut kann: zum Nachdenken anregen.

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175 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 58 Rezensionen

jugendbuch, roadtrip, liebe, auf und davon, freundschaft

Auf und davon

David Arnold ,
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Heyne, 24.08.2015
ISBN 9783453269835
Genre: Jugendbuch

Rezension:

https://martinabookaholic.wordpress.com/2015/10/11/rezension-auf-und-davon/

Meine Gedanken zum Buch

Ein neues Leben anzufangen ist nicht leicht. Schon gar nicht für Mim, die erst ihren Verstand, dann ihre Mutter und zuletzt auch noch ihr Zuhause verloren hat. Mehr oder weniger. Mim ist in psychiatrischer Behandlung und muss Medikamente wegen irgendwelcher psychischer Störungen nehmen, ihre Eltern sind geschieden, ihr Vater hat neu geheiratet, und jetzt musste sie ihm und seiner Frau auch noch von Cleveland nach Mississippi ziehen. Sie beschließt, dass die das nicht tatenlos hinnehmen kann und rebelliert, denkt nicht daran, ihre Verärgerung herunterzuschlucken. Als sie dann noch feststellen muss, dass ihr ihre Stiefmutter Briefe von ihrer Mutter vorenthalten hat, und erkennt, dass ihre Stiefmutter ihrer Mutter auch noch nahegelegt hat, den Kontakt zu ihrer Tochter zu meiden ist der Ofen ganz aus. Ohne Rücksicht auf Verluste und Konsequenzen packt sie ein paar Sachen zusammen und haut ab, fest entschlossen nach Hause zu gehen und ihre Mutter zu sehen.
So beginnt sie, die abenteuerliche Reise, die sie fortbringt von schrecklichen Stiefmüttern, noch schrecklicheren Nachrichten und überhaupt allem, was schrecklich ist. Und während sich Mim immer weiter von Mississippi entfernt, nehmen die Ereignisse ihren Lauf und treten neue Menschen in ihr Leben. Und nebenbei nimmt sie sich die Zeit, in einer Art Brieftagebuch, das sie für jemanden schreibt, ihre Vergangenheit aufzurollen und ihr Leben zu hinterfragen.

Dabei zeichnen drei Dinge diesen Roadtrip besonders aus:
1) Er ist unglaubwürdig.
2) Er ist unlogisch.
3) Er ist langweilig.
Und das ist eine sehr ungesunde Mischung.
Obwohl David Arnold nicht mit Dramen und Wendungen spart, plätschert das Buch vor sich hin, vermag weder zu fesseln noch Emotionen zu wecken. Hinzu kommt, dass es so gut wie keine Überraschungen gibt. Weder, was mit Mims Tante, welche ganz oft erwähnt wird, passiert ist, noch was mit Mims Mutter los ist, noch was die in der Geschichte immer wieder angesprochene „Sondermeldung“ ist, sorgt für Überraschungsmomente. Diese Punkte, die die Handlung eigentlich tragen sollten, sind derart vorhersehbar, dass es schon eine Tragödie für sich ist. Lediglich der Fakt, für wen Mim ihre Briefe schreibt, kann für ein erstauntes „Ach sooooooo?“ sorgen.
Damit könnte man leben, wenn denn der Rest passen würde. Tut er aber nicht. Das Buch ist vollgestopft mit und verzettelt sich in an den Haaren herbeigezogenem Drama und tonnenweise konstruierten Zufällen. Einiges, was in Fiktion präsentiert wird, kann man notfalls als künstlerische Freiheit verbuchen, auch wenn es in einer zeitgenössischen Geschichte eher schwer fällt. Dass eine Minderjährige ganz allein mal eben in einen Überlandbus einsteigt, um sonstwieweit zu fahren, ohne dass jemand nachfragt, mag noch okay sein. Dass ein minderjähriger Junge mit Behinderung allein im Wald lebt, ohne dass sich jemand einen Kopf zu machen scheint, kann man sich vielleicht auch irgendwie erklären. Aber dass ich ein Mädchen aus jeder Situation herausreden kann und entgegen aller Wahrscheinlichkeit weiter ihrem Ziel entgegenziehen kann, ist bar jeder Logik. Ebenso, dass es nach einem Unfall zu keiner Konfrontation mit der Polizei kommt. Und wenn es doch dazu kommt, wird mal eben eine Geschichte aufgetischt, mit den Augen geklimpert und gut ist. Ähm, hallo? Wenn sich nicht mal die Polizei dafür interessiert, dass ein minderjähriges Mädchen ganz allein durch die Pampa eiert, dann läuft echt was falsch.
Falsch ist auch, dass einige Dinge nur angerissen, nicht weitergeführt und nur mangelhaft bis gar nicht erklärt wurden. Ganz besonders Mims Krankheit, die ab und an zur Sprache kommt, aber nie richtig aufgeklärt wird. Bis zum Schluss ist mir nicht klar geworden, was nun genau mit Mim los sein soll, sodass es für mich einfach nur so aussah, als würde ihr Vater sie aus Spaß an der Freud, aus Paranoia und aus abstrusen Vermutungen mit Pillen vollstopfen.
Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, konnte ich obendrein nichts mit den Charakteren anfangen. Ganz besonders nicht mit Hauptprotagonistin Mim, die eine voreingenommene Ziege ist, deren Handeln und Nichthandeln teilweise grenzwertig und manchmal auch absolut verwerflich ist, und die Menschen abwertet und über sie urteilt, ohne sie zu kennen. So etwas kann ich absolut nicht ausstehen und damit war Mim bei mir unten durch. Die Protas mit größeren Rollen waren schnarchlangweilig. Die nette alte Dame war die nette alte Dame. Der gruselige Ponchomann war der gruselige Ponchomann, der hübsche Junge, der mit seinem Anblick den Tag rettet, war Angebetete, der den Tag rettet. Keine Überraschungen. Die restlichen Leute war mir zu blass, um wirklich etwas über sie sagen zu können, es ist keiner in meinem Gedächtnis haften geblieben. Und angesichts der Tatsache, wie grotesk und überzeichnet einige von ihnen waren.
Das Beste, was ich über das Buch sagen kann, ist wohl, dass ich die Blicke in Mims Vergangenheit teilweise sehr faszinierend fand. Die haben dafür gesorgt, dass die Geschichte nicht ganz bei mir durchgefallen ist.
Der Schreibstil war auch ganz in Ordnung, allerdings ist mir das Hochtrabende darin auf den Keks gegangen. Was auch anstrengend war, war die Erzählstruktur. Oft hatte ich das Gefühl, ich lese eine Ansammlung von Gedankengängen und keine geschliffene Geschichte.

Cover

Sommerliche Abendstimmung, ein Bus, ein Mädchen, es vermittelt ein Gefühl von Weite und vielleicht auch Einsamkeit, was den Roadtrip Gedanken und zum Teil auch den emotionalen Zustand der Hauptprotagonistin prima widerspiegelt. Das Cover könnte kaum besser passen und optisch ansprechend ist es auch. Selbst der deutsche Titel passt, was ja leider nicht immer der Fall ist.

All in all

Tja... Mich hat das Buch zu keiner Zeit überzeugen können, bin weder mit der Handlung noch mit den Protagonisten warm geworden. Es suggeriert einen Tiefgang, den es aber nicht gibt, wirkt zu gewollt, ist hochtrabend und moralisch fragwürdig. Das "für John Green Fans" Label hätte mir eine Warnung sein sollen und ich denke, seine Fans könnten wirklich ihre Freude damit haben. Ich konnte mit der Geschichte jedenfalls nichts anfangen – und das lag nicht nur daran, dass ich absolut kein John Green Fan bin.

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liebe, kuss, paris, suche, unsichtbar

Der kleinste Kuss der Welt

Mathias Malzieu ,
Flexibler Einband: 156 Seiten
Erschienen bei carl's books, 31.08.2015
ISBN 9783570585474
Genre: Fantasy

Rezension:

https://martinabookaholic.wordpress.com/2015/09/11/rezension-der-kleinste-kuss-der-welt/

Meine Gedanken zum Buch

Kann man, obwohl einem das Herz gebrochen wurde, noch einmal die große Liebe finden? Ein melancholischer Erfinder versucht es zumindest. Er kann nicht anders, nachdem er einer wunderschönen Dame begegnet, die ihn sofort in ihren Bann zieht. Doch als sich ihre Lippen für einen Wimpernschlag berühren, wird die Schöne unsichtbar. Nicht im Sinne von „in Luft aufgelöst“, nein, sie ist noch da, nur eben nicht mehr zu sehen. Nachdem sie sich aus dem Staub gemacht hat, ist der Erfinder von dem Gedanken besessen sie wiederzufinden. Doch wie soll er da anstellen? Wie soll er mitten in Paris eine unsichtbare Frau finden. Er klagt seiner Apothekerin sein Leid und diese weiß zum Glück Rat. Sie schickt ihn zu einem Privatdetektiv, der sich eigentlich schon zur Ruhe gesetzt hat, aber mit seinem Gespür für Frauen nicht nur schon so manche (fragwürdige) Eroberung gemacht, sondern auch die Lösung für das Problem des Erfinders. Er leiht ihm seinen magischen Papagei Elvis, der sowohl als Spürhund als auch als Diktiergerät funktioniert. Der Erfinder füttert den Vogel mit allen Informationen über die unsichtbare Frau, an die er sich erinnern und die auf die ein oder andere schräge Art beschaffen kann, und anhand dieser Daten geschieht das Wunder – Elvis macht die Frau tatsächlich ausfindig. Nach diversen Kommunikationen via Elvis kommt es zu einem Treffen zwischen dem Erfinder und seiner Angebeteten. Doch um wirklich zueinander zu finden, müssen nicht wenige Hürden überwunden werden, denn neben Unsichtbarkeit und gebrochene Herzen gibt es noch weitere gewaltige Schwierigkeiten, die das fragile Glück auf die Probe stellen.

Eigentlich ist es eine klassische Liebesgeschichte, die Mathias Malzieu hier präsentiert. Zwei Menschen mit emotionalem Ballast finden sich, verlieben sich, müssen aber verschiedene Probleme bewältigen, ehe sie miteinander glücklich werden können. Allerdings ist es eine klassische Liebesgeschichte in einem etwas anderen Gewand, umhüllt von einem märchenhaften Mantel. Wenn ich Der kleinste Kuss der Welt mit einem Wort beschreiben müsste, wäre das skurril.
Der Autor baut eine surreale Welt auf, die vor Kreativität und Fantasie nur so strotzt. Alltägliche Charaktere? Fehlanzeige. Verrückte Einfälle? Tonnenweise. Das ganze Gebilde ist außergewöhnlich und einzigartig, zauberhaft und verrückt. Wo bekommt man sonst eine Frau, die vom Küssen unsichtbar wird? Einen Papagei, den man quasi als WhatsApp-Ersatz benutzen kann? Einen Erfinder, der Kampfeichhörnchen züchtet, Mundharmonikabäume pflanzt oder Pralinen kreiert, die nach Kuss schmecken und jeden, der sie probiert in Verzückung geraten lassen? Und es mag merkwürdig klingen, aber die melancholische Grundstimmung, die sich durch die Geschichte zieht, ergänzt diese perfekt.
Genauso wie der absolut großartige Schreibstil, der mit einer Sprachgewalt daherkommt, die mich wahrlich begeistert hat. Ich hatte nie Interesse an der französischen Sprache, dieses Buch lässt mich allerdings wünschen, ich hätte die Sprache gelernt. Denn wenn es auf deutsch schon so wundervoll zu lesen ist, wie mag dann erst das Original klingen? Die vielen Metaphern haben mir wahnsinnig gut gefallen. Eigentlich ist das ganze Buch eine Metapher, was – wenn man denn möchte – ordentlich Interpretationsspielraum lässt. Und wenn man nicht möchte, nimmt man es einfach so hin, wie man es geschrieben steht, ohne dabei etwas zu verlieren.

Leider gibt es neben meiner Schwärmerei auch etliche Dinge, die mir nicht gefallen haben. Da wäre zum Beispiel der Erzählstil, der mir stellenweise viel zu direkt und infodumpig war. Bestimmte Dinge hätte ich gern erfahren und miterlebt, anstatt sie auf einem Silbertablett präsentiert zu bekommen.

Sehr schade fand ich auch die rasche Entmystifizierung der Angebeteten. Eben war sie noch die mysteriöse Unsichtbare, plötzlich ist sie – zwar immer noch unsichtbar – eine „normale“ Liebschaft. Der Reiz des Ungewöhnlichen ist mir viel zu schnell verloren gegangen.
Was mich am meisten gestört hat, waren allerdings Dinge, die der Hauptprotagonist von sich gibt und tut. Als erstes hat mich seine Brust-Besessenheit genervt. Sowohl in der Erzählung selbst als auch in den Gedichten/Geschichtchen, die er schreibt, geht es gefühlt ständig um Brüste. Es mag übertrieben sein, aber ich kann es nicht leiden, wenn Frauen auf ihre Brüste reduziert werden. Worauf ich jedoch besonders allergisch reagiere, sind Aktionen wie Stalking – und was Monsieur Erfinder treibt, ist schon mehr als Grenzwertig – oder „ich steige mal des Nächtens in die Wohnung meiner Angebeteten ein, während diese friedlich schlummert und nichts davon ahnt“. Das geht für mich gar nicht, auch nicht unter dem Deckmantel Märchen. Das hat das Buch ordentlich (Sympathie)Punkte gekostet.

Cover

Ein Traum. Anders kann ich es nicht sagen. Das Cover ist eines der schönsten, die ich bisher gesehen habe. Obendrein passt es zum Buch, spiegelt Teile des Inhalts wider. Auch die Innenseite der Klappbroschur ist wunderschön gestaltet. Es ist einer der Fälle, wo das deutsche Cover unendlich viel besser ist als das originale. Denn dieses ist nicht nur extrem unhübsch (ich wollte nicht hässlich schreiben…), sondern wirkt auch noch ganz schön gruselig.

All in all

Für mich ist es nach wie vor schwierig, das Buch zu bewerten. Mit seiner tollen Sprache und der einzigartigen Plotidee hat es auf jeden Fall geschafft, mich in seinen Bann zu ziehen. Jedoch passieren Dinge, die ich einfach nicht gutheißen kann, auch nicht in einem metaphorischen Märchen wie diesem. Was bleibt, ist eine skurrile Geschichte mit skurrilen Protagonisten und skurrilen Ideen, gespickt mit anrührenden und romantischen Momenten, aber auch mit vielen Schwächen, vor allem im Erzählstil und in den Handlungsweisen der Protagonisten. Das Ende stimmt versöhnlich, lässt die Schwächen aber nicht vergessen. Der kleinste Kuss der Welt ist definitiv nicht für jeden etwas. Wer schräge Liebesgeschichten mit einem gewissen Zauber und Melancholie mag und kein Problem mit tonnenweise Metaphern hat, wird hiermit sicherlich seine Freude haben.

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88 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

thriller, berlin, severin boesherz, vincent kliesch, rätsel

Im Augenblick des Todes

Vincent Kliesch
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.08.2015
ISBN 9783734100543
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


https://martinabookaholic.wordpress.com/?p=34426


4.5 Punkte

Meine Gedanken zum Buch

Wenn man von der Vergangenheit eingeholt wird, ist das kein schöner Anblick – zumindest, wenn man Severin Boesherz heißt, Kommissar beim LKA ist und von einem Fremden zu einem Mord chauffiert wird, der dem eines Falls von vor sechzehn Jahren bis ins kleinste Detail gleicht. Dass dies auch noch der einzige Fall ist, den Boesherz nie hatte lösen können, macht die Sache nicht besser. Und so schlittert man hinein, in die Neuauflage eines Mordes mit anschließender Mordserie, in der Sherlock auf seinen Moriarty, pardon, Boesherz auf seine Nemesis trifft.
Die Geschichte beginnt damit, dass Boesherz, entgegen seiner Gewohnheit in Schlabberklamotten gekleidet, von seiner Partnerin Olivia Holzmann festgenommen und abgeführt wird. Dieser Einstieg ist ein geschickter Schachzug, da durch die Frage „Warum zur Hölle wird Boesherz verhaftet?“ von Anfang an ein hohes Mystery-Level aufgebaut wird, das durch weitere Fragen wie „Was zur Hölle geht da ab?“ und „Was treibt Severin da?“ fast durchgängig gehalten werden kann. Denn aus dem ersten Mord entwickelt sich eine Art Schnitzeljagd, bei der über Botschaften mit komplizierten Rätseln, wie nur Boesherz sie knacken kann, weitere Tatorte mit weiteren Leichen mit weiteren Botschaften gefunden werden müssen. Und bald ist klar, der Täter kennt Boesherz wie kein zweiter, weiß wie er vorgeht, wie er denkt, kennt seine Vergangenheit. Bald schon ist klar, dass auch Boesherz seine Geheimnisse hat, nicht nur trifft er sich heimlich mit einem Teenager, er scheint auch mehr über die Morde zu wissen, als er zugibt.
Und so geht die wilde Mörderhatz voran, sie sich über Wendungen, Finten und Überraschungen zu einem dramatischen Finale und einer vielleicht nicht ganz so unerwarteten Lösung aufschaukelt.

Das alles macht „Im Augenblick des Todes“ zu einer zwar nicht durchgehend spannenden, aber dennoch fesselnden und rätselhaften Reise in menschliche Abgründe. Wohin die Reise geht, ahnt man zwar recht schnell, allerdings schafft es der Autor, immer wieder falsche Spuren zu legen und Zweifel an diesen Ahnungen aufkommen zu lassen. Und auch durch die Frage nach dem Warum, also der Motivation des Täters, birgt gewaltiges „ich muss weiter-weiter-weiterlesen“ Potenzial. Langeweile? Fehlanzeige.
Ebenso fesselnd ist die Reise in Boesherz‘ Vergangenheit, die in diesem Buch aufgerollt wird und dem Leser diesen sehr sperrigen Charakter näher bringt. Es ist interessant zu sehen, dass er nicht immer dieser ultrakorrekt gekleidete Mensch war, der Schwierigkeiten hat mit Frauen anzubändeln (kein Wunder, wenn man die ständig bei Verabredungen sitzen lässt, weil einem gerade ein falltechnischer Geistesblitz überfällt) und generell nicht so wirklich gut mit Menschen umgehen kann, der nicht nur das hochintelligente, analytische Genie ist, sondern auch sensibel, verletzlich und mitfühlend sein kann.
Erzählt wird das Ganze in kurzen, knackigen Kapiteln aus verschiedenen Sichtweisen, temporeich und mit Liebe zum Detail – was besonders bei der Beschreibung der Mordszenerien zum Tragen kommt.
Der tolle Schreibstil tut sein Übriges. Kliesch mag kein Goethe sein, aber er kann wunderbar mit der deutschen Sprache umgehen und bis auf ein paar Kleinigkeiten, die nur meinen persönlichen Geschmack betreffen (wie überflüssige „während“-Sätze), gibt es sprachlich nichts auszusetzen.
Obwohl „Bin in den Tod hinein“ ein zweiter Band ist, kann man das Buch auch ganz gut ohne Vorkenntnisse lesen. Auch die Vorgängertrilogie „Julius Kern“, aus der sich diese Reihe entwickelt hat, muss man nicht kennen, um sein Vergnügen mit Severin und seinem Team zu haben.

Cover

Ein Mann läuft über eine Brücke? Joar, spannendes Cover ;) Es ist nicht hässlich, Gestaltung und Farbgebung gefallen mir, außerdem finde ich den optisch verkratzten Namenszug des Autoren richtig klasse. Mir ist lediglich nicht ganz klar, was genau es mit der Story zu tun hat.

All in all

Mit dem zweiten Severin Boesherz Band hat Vincent Kliesch richtig gute Arbeit abgeliefert. Die Geschichte ist vielseitig und spannend und sehr clever gestrickt. Lediglich die Auflösung und das Ende sind etwas zu konstruiert bzw. dick aufgetragen. Auch sonst gibt es einige Dinge, die etwas anstrengen oder nerven, wie das Name Dropping oder diverse kitschige Kosenamen für einen Teenager. Den interessanten, mitunter eigenwilligen Protagonisten kann allerdings man einiges verzeihen. Es ist kein perfektes Buch, schon gar kein perfekter Thriller. Dennoch er ist trotz seiner Mängelchen schrecklich unterhaltsam, packend und macht furchtbar viel Spaß.

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

roboterkörper, locked-in-syndrom, rezension, krimi, mißbrauch

Das Syndrom

John Scalzi , Bernhard Kempen
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.07.2015
ISBN 9783453316607
Genre: Science-Fiction

Rezension:

3.5 Punkte

Meine Gedanken zum Buch

In einer nicht allzu fernen Zukunft rollt eine furchtbare Pandemie über die Menschheit hinweg. Während die meisten Erkrankten nur von Stufe 1 betroffen sind und kaum mehr Symptome als Kopfschmerzen und Husten verspüren, erwischt es einen kleinen Teil mit Stufe 2, in der die Betroffenen mit einer Art Meningitis flachliegen. Und ein noch kleinerer Teil bekommt es mit Stufe 3 zu tun, dem Lock In. Die Opfer sind hellwach und bei vollem Verstand, können sich aber nicht bewegen oder auch nur im Geringsten mit ihrer Umwelt interagieren. „Ein noch kleinerer Teil Stufe 3“ - allein in den USA sind das fast 2 Millionen Menschen, darunter die Frau von Präsident Haden, nach der das Virus benannt wurde, und deren Tochter.
Auch Jahre nach dem Ausbruch der Krankheit hat niemand ein Heilmittel, geschweige denn eine Möglichkeit gefunden, die „Hadens“, wie die in ihrem Körper gefangenen Opfer nun genannt werden, aus ihrer Lage zu befreien. Dennoch hat die Technik Fortschritte gemacht und den Hadens neue Möglichkeiten eröffnet, wieder mehr oder weniger aktiv am Leben teilzunehmen. Da wäre zum einen die Agora, ein virtuelles Netzwerk, in das sich Hadens und Nicht-Hadens einloggen und miteinander kommunizieren können. Zum anderen sind da die Integratoren, einige wenige der Stufe 2 Erkrankten, deren Hirnstruktur durch die Krankheit verändert wurde und die nun in der Lage sind, von Anderen kontrolliert, ergo von Hadens übernommen zu werden, die den Körper wie einen eigenen benutzen können. Und dann sind da noch die Personentransporter, C3PO ähnliche androide Körper genannt Threeps, in welche Hadens über ein ihn ihre Hirne implantiertes neurales Netzwerk quasi ihre Bewusstsein laden und und sie steuern und somit mit ihr Leben wieder aufnehmen bzw. beginnen können.
Nicht die perfekte Lösung, aber eine, die akzeptabel ist. Allerdings brodelt es gewaltig. Bisher wurden Hadens vom Staat mit Steuergeldern unterstützt, doch nun wurde ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, das diese Unterstützung extrem zusammen- oder gar ganz streicht, was nicht nur bei den Hadens und deren Angehörigen für Unruhe sorgt, sondern auch bei diversen Konzernen, die bisher kräftig an den Hadens (Threeps, Spezialbetten etc.) verdient haben.

Chris Shane ist ein Haden und frisch gebackener FBI Agent. Gleich an seinem zweiten Tag wird er mit einem rätselhaften Fall konfrontiert. Ein Mann liegt mit aufgeschlitzter Kehle tot in einem Hotelzimmer. Ein Integrator, wie sich herausstellt. Ein anderer Mann, über und über mit Blut beschmiert, sitzt mit erhobenen Händen auf dem Bett und sagt, er glaube nicht, dass er es getan hat. Auch der zweite Mann ist ein Integrator. Und während Chris und seiner Partnerin versuchen herauszufinden, was sich in diesem Hotelzimmer abgespielt hat, wer die Integratoren gesteuert hat, ob sie überhaupt gesteuert wurden, müssen sie feststellen, dass dies nur der Anfang einer Reihe merkwürdiger Verbrechen ist.

Würde ich das Buch jetzt nur nach dem Wordbuilding und dem Ideenreichtum bewerten, wäre die Sache in einem Satz abgehandelt. Ich würde mit dem ein oder anderen Superlativ um mich schmeißen, um deutlich zu machen, welch geniale Welt John Scalzi hier erschaffen hat – eine Welt, die sich sehr realistisch anfühlt und sich tatsächlich aus unseren aktuellen Technologien und Sozialstrukturen heraus so entwickeln könnte –, und das Ganze mit der vollen Punktzahl honorieren.
Vielleicht würde ich auch über das Worldbuilding hinausblicken und noch einen Satz mehr schreiben, in dem ich den locker-flockig eingängigen Schreibstil erwähne, der so typisch für Scalzi ist und einfach Spaß macht. Oder die humorigen Untertöne. Den Wortwitz in den Konversationen. Oder die greifbaren, vielseitigen Charaktere, die vielleicht nicht brillant sind und von denen einige auch recht blass bleiben, aber dennoch Charme und Persönlichkeit haben – vor allem natürlich die Hauptprotagonisten und die wichtigeren Sidekicks.
Und die weitestgehend einmalige Story, die eingebrachten politischen und sozialen Probleme, die sich voneinander getrennt entwickelten Kulturen der und die Dynamik zwischen den Hadens und Nicht-Hadens und die Diversität sollten nicht unerwähnt bleiben, denn dadurch wird das Grundgerüst nahezu perfekt abgerundet, macht die Welt lebendig, bunt und absolut glaubwürdig.

Würde ich das Buch allerdings insgesamt bewerten, was ich natürlich auch mache ^^, sieht die Punktzahl nicht mehr ganz so perfekt aus. Die Story ist eigentlich ganz gut und die Mischung aus Gesellschaftsstudie, Krimi und SciFi funktioniert, aber das gewisse Etwas fehlt dem Plot einfach und sonderlich bemerkenswert ist er auch nicht. Ein generischer Kriminalfall, der (mal abgesehen von der SciFi-Komponente) nicht wirklich etwas Neues bietet. Hinzu kommt, dass der Fall an sich unglaublich geradlinig verlaufen und dadurch nicht sonderlich vielschichtig ist und nur wenige Überraschungen geboten hat. Auch war er teilweise zu konstruiert, es gab mir einige bequeme „Zufälle“ zu viel. Die Auflösung konnte mich ebenfalls nicht ganz überzeugen, sie ist in zu vielen Erklärungen versackt und war obendrein meilenweit vorher zu riechen. Da wäre eindeutig mehr drin gewesen, der ein oder andere Twist hätte dem Plot ganz gut getan, zumindest am Ende hätte noch ein Knaller kommen müssen.
Schwierig war der Einstieg in das Buch, denn es dauert eine Weile, bis die Handlung richtig in Schwung kommt. Man muss sich erst einmal durch einen gewaltigen Infodump ackern, der zwar nicht wie einer anfühlt, da er nicht als unverdaulicher Brocken daherkommt, sondern durch (Inter)Aktionen und Dialoge aufgelockert wird, aber trotzdem etwas anstrengend und verwirrend ist. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn auch wenn nicht alles Gold ist, was glänzt, ist Das Syndrom ein unterhaltsamer SciFi-Spaß, der Genre- und Scalzi-Fans gefallen dürfte.

Cover

Ein Eyecatcher ist das Cover nicht gerade. Zu weiß, zu aufgeräumt, zu langweilig und mit der rennenden Silhouette erinnert es mich eher an einen alten Tatort als an eine SciFi Geschichte. Auf den zweiten Blick offenbart sich natürlich, wie gut das Cover einen gewissen Teil des Buches widerspiegelt. Da ist die Silhouette keine Silhouette mehr, sondern der Leiterplattenoptik-Schatten eines verlorenen Geistes. Besser kann man die Situation vieler Hadens gar nicht einfangen. Und auf gewisse Weise passt der Tatort-Gedanke ja auch. Lange Rede, kurzer Sinn: Von der Symbolik her ist das Cover echt gelungen, schön geht allerdings anders ;)

All in all

Das Syndrom ist ein cleverer Mix aus SciFi und Krimi mit einem Hauch Gesellschaftsstudie, dessen Welt von vorn bis hinten durchdacht ist und einfallsreicher kaum sein könnte. Die Storyidee mag nicht einzigartig sein, aber sie ist frisch und unverbraucht, die aufgeworfenen Themen sind interessant und regen zum Nachdenken an, die SciFi-Elemente geben den grauen Zellen Futter, ohne sie zu übersättigen oder überfordern. Obwohl es am Plot hakt, macht er Laune – besonders gerade dann, wenn man den etwas zähen, verwirrenden Einstieg überwunden hat. Insgesamt eine lesenswerte SciFi-Detektivgeschichte mit hohem Unterhaltungsfaktor, die beste auf dem Markt ist sie allerdings nicht.

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

billy dent, verrat, mörder, rezension, familie

Im Namen meines Vaters

Barry Lyga , Fred Kinzel
Flexibler Einband: 460 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 22.06.2015
ISBN 9783734101267
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

https://martinabookaholic.wordpress.com/2015/07/25/rezension-im-namen-meines-vaters/

Meine Gedanken zum Buch

(Spoiler-Warnung: Ich versuche, möglichst spoilerfrei zu bleiben. Da diesem Buch schon zwei Bände voraus gegangen sind, kann es trotzdem passieren, dass kleine Dinge durchrutschen.)

Es ist nicht leicht, der Sohn des schlimmsten Serienkillers aller Zeiten zu sein. Noch dazu, wenn man von düsteren Gedanken, schrecklichen Albträumen und grausamen Erinnerungsfetzen gequält wird, die in Jasper Dent immer wieder die Frage aufwerfen: Bin ich genauso wie mein Vater? Wie mein Vater, der mich geformt, geprägt, zum Killer ausgebildet hat? Steckt sein Wahnsinn auch in meinem Blut?

Wie die Vorgängerbände auch ist Blut von meinem Blut die Geschichte eines Teenagers, der krampfhaft gegen sein dunkles Erbe ankämpft und sich nicht immer sicher ist, ob er diesen Kampf überhaupt gewinnen kann oder gar will.

Das ist natürlich nicht alles, was das Buch mit sich bringt, schließlich haben wir hier kein Psychodrama, sondern einen ausgewachsenen Thriller, der seinem Genre alle Ehre macht.

Die Story setzt da ein, wo der Vorgänger aufgehört hat – mit einem Dreifachcliffhänger – und so steckt man vom ersten Moment an knietief in Trubel, Action und Spannung. Die drei Hauptfiguren (oder auch Möchtegerndetektive) Jasper, Connie und Howie befinden sich getrennt voneinander in prekären, um nicht zu sagen todbringenden Situationen, aus denen sie sich irgendwie befreien müssen, um das kranke Spiel zu beenden, das ein gnadenloser Serienkiller, genannt Krähenkönig, gemeinsam mit seinen Serienkiller-Untertanen spielt, und um Billy Dent, Jaspers Vater (der der Krähenkönig sein könnte oder auch nicht), ein für alle Mal zu vernichten. Das ist ganz besonders Jaspers oberstes Ziel – seinen Vater ein für alle Mal zur Stecke zu bringen für das, was er ihm, seiner Freundin, seinen Opfern und offensichtlich auch seiner Mutter angetan hat. Und dafür ist Jazz bereit, sich seiner dunklen Seite hinzugeben, zu lügen, zu betrügen und all das Wissen einzusetzen, das ihm sein Vater eingetrichtert hat, und dabei alles aufs Spiel zu setzen, das ihn erdet und davon abhält, tatsächlich wie Billy Dent zu werden.

Bosheit, Tod, Verrat, bittere Wahrheiten und fiese Lügen reichen sich in diesem Buch die Hände und lassen sie nicht mehr los. Es wird ein durchgehend hohes Spannungslevel gehalten, das sich zum Ende hin sogar noch aufschaukelt, dabei ist es rasant und packend und unglaublich düster (für ein Jugendbuch jedenfalls). Aufgebrochen wird das Ganze zum Glück immer wieder durch ordentliche Portionen Sarkasmus und Humor, letzteres ist hautsächlich Jaspers Freund Howie zu verdanken.

Die Story ist clever gestrickt und wird immer wieder auf geschickte Art mit Informationen zu real existierenden Serienkillern aus Geschichte und Gegenwart ergänzt, sodass man vielleicht mehr über kranke Geister erfährt, als man eigentlich will, aber auch ein rundes und schlüssiges Bild vermittelt bekommt, das mögliche Zweifel daran, dass es Menschen wie Billy Dent und seine Fans wirklich geben könnte, verblassen lassen und tief verborgene Ängste schüren, was dem Thriller-Gedanken noch mal ordentlich Feuer unter dem Hintern macht (als ob er das nötig hätte ^^).

Die Charaktere haben mir unglaublich gut gefallen, waren facettenreich und authentisch dargestellt. Das ganze Ensemble war toll, ich werde sie alle vermissen. Allen voran natürlich die Wichtigsten.

Obwohl Jaspers Freundin Connie, bodenständig, ehrlich, direkt, und sein bester Freund Howie, durchgeknallt und furchtbar witzig und schlichtweg genial, aus gewissen Gründen diesmal nicht ganz so große Rollen spielen, tragen sie einen wichtigen Teil zur Geschichte bei und versuchen Jasper zu helfen, wo sie nur können, und ihm klarzumachen, dass er kein Psychopath, kein Monster ist.

Jasper selbst war großartig. Die Entwicklung, die er durchmacht, seine Selbstzweifel, der schmale Grat, auf dem er wandelt. In ihm tobt er wahre Kampf zwischen Gut und Böse. das hat alles so intensiv und echt gewirkt, hat den Charakter greifbar und extrem menschlich gemacht.

Am faszinierendsten war allerdings Billy Dent. Was für ein genialer Fiesling. So liebe ich mir meine Bösewichte – charismatisch, intelligent, wortgewandt, auf clevere Art manipulativ, Furcht einflößend, verdorben und durch und durch böse. Barry Lyga hat ein überzeugendes, vielseitiges Monster erschaffen.

Am Schreibstil habe ich nur wenig auszusetzen. Ein paar Satzkonstrukte haben sich sehr oft wiederholt, was allerdings auch als Stilmittel durchgehen könnte. Der Einsatz von „das Cola“ statt „die Cola“ war etwas gewöhnungsbedürftig. Ist zwar nicht falsch, klingt aber sehr fremdartig. Das war‘s auch schon.

Als Kritik könnte ich anbringen, dass sich gestandene FBI Leute und Polizisten vielleicht nicht unbedingt Hilfe von einer Horde Teenagern holen, aber irgendwie leuchtet dies dann doch ein und kann notfalls auch unter künstlerischer Freiheit verbucht werden.

Als nächstes wären da noch die Serienkiller-Jünger, die ihrem Idol nacheifern und für ihn töten. Klingt weit hergeholt, leuchtet aber ebenfalls ein, wenn man bedenkt, was zum Beispiel Charles Manson für Leute um sich geschart hat und was die für ihn getan haben.

Zuletzt wäre da noch der Punkt der Vorhersehbarkeit, denn obwohl die Geschichte mit nicht wenigen Twists glänzen konnte, war der größte davon schon meilenweit gegen den Wind zu riechen. Das ist letztendlich aber nicht weiter schlimm, weil die sich daraus ergebenden Psychospielchen immer noch nervenaufreibend genug sind.


Cover

Das Cover ist genial und so viel schöner als das Originale. Die Krähe, die Farbgestaltung, die dürren Zweige und die wie in die Oberfläche gekratzten Buchstaben passen bestens zum Buch und fangen die Stimmung darin prima ein.


All in all

Das Finale der Jasper Dent Trilogie ist von vorn bis hinten gelungen. Ich hatte hohe Erwartungen, welche mehr als nur erfüllt wurden. Es gab zwar kleine Schwächen und Plotbestandteile, die ein bisschen überzogen waren, aber insgesamt war nichts dabei, das das unbändige Lesevergnügen trüben, die Spannung mindern oder den Spaß verpuffen lassen konnte.

Blut von meinem Blut – der großartige Abschluss einer großartigen Jugendthriller-Reihe, dem ich auch nach einigen Tagen sacken lassen trotz der kleinen Mängel einfach nur die volle Punktzahl geben kann.

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Tags: jugendbuch, rezension, thriller   (3)
 

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mars, science fiction, überleben, astronaut, andy weir

Der Marsianer

Andy Weir , Jürgen Langowski
Flexibler Einband: 509 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.10.2014
ISBN 9783453315839
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Meine Gedanken zum Buch:

Robinson Crusoe auf dem Mars wäre wohl das Naheliegendste, wenn man das Buch kurz zusammenfassen müsste. Hier heißt Robinson allerdings Mark Watney und statt auf einer einsamen Insel strandet er auf dem Mars, da seine Crew aufgrund eines heftigen Sandsturmes ihre Marsmission vorzeitig abbrechen muss und ihn, nach einem Unfall für tot gehalten, allein auf dem roten Planeten zurücklässt.

Natürlich alles andere als tot, sieht sich Watney Schwierigkeiten gegenüber, die beenden könnten, was der Sandsturm begonnen hat: Ohne die Möglichkeit, zu seiner Crew oder zur Erde Verbindung aufnehmen, hockt in einer Wohnkuppel, deren Stabilität auf 31 Tage ausgelegt ist, und muss hoffen, dass diese, der Sauerstoffgenerator und der Wasseraufbereiter nicht den Geist aufgeben. Und als wäre das nicht genug, kommt auch noch das Problem der Nahrungsversorgung dazu. Auf Rettung kann er nicht hoffen, immerhin ist er ja tot. Und die nächste Marsmission, die ihn aufgabeln könnte, lässt noch ein paar Jahre auf sich warten. Um es mit Watneys Worten zu sagen: „Also bin ich wohl im Arsch.“ Trotz seiner recht realistischen Einschätzung seiner Situation kommt aufgeben für ihn nicht in die Tüte und er nimmt dem Kampf ums Überleben auf.

Der Marsianer ist eine klassische „überleben unter widrigen Umständen“ Story und sie als etwas anderes als großartig zu bezeichnen, wäre gelogen. Und wer hätte gedacht, dass ein Buch, das mitunter wie eine Mathe-Chemie-Physik-Bio Lehrstunde daherkommt, so viel Spaß machen kann. Der Autor hat offensichtlich unglaublich gute Recherchearbeit geleistet, sodass die Geschichte und das ganze Drum und Dran rund, schlüssig und authentisch wirken.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Es gibt ein paar Längen und einige Gedankengänge des Hauptprotagonisten können leicht erschlagend wirken, da sie zu ausführlich sind und damit das Hirn eines normalsterblichen Nicht-Astronauten/Astrophysikers/NASA-Freaks mitunter überfordern. Einen Charakter etwas sehr spezifisches tun zu lassen, ohne dies in jeder Einzelheit zu beschreiben, hätte der Authentizität keinen Abbruch getan. Im Gegenzug dazu hätte es nicht geschadet, den Hauptprotagonisten ein wenig verzweifelter, leidender darzustellen; immerhin findet er sich in einer schier ausweglosen Situation wieder, in der auch ein hochspezialisierter, trainierter, ausgebildeter Charakter mal zusammenbrechen darf. Das ist eine Nuance, die Mark Whatney einen kleinen Zacken Realismus raubt.

Aber hey, das alles ist Jammern auf sehr hohem Niveau und es sind auch die einzigen Punkte, die ich als negativ bezeichnen könnte. Ansonsten bin ich voll des Lobes.

Die Charaktere sind fast durch die Bank großartig; keiner ist überflüssig, jede trägt etwas zur Story bei, sie sind greifbar und wirken echt.

Allen voran natürlich Hauptperson Mark Whatney. Abgesehen von den bereits erwähnten klitzekleinen Mängeln, ist er eine großartige Figur macht. Muss er auch, denn schließlich lastet das Buch zum größten Teil auf seinen Schultern. Er ist ein faszinierender Charakter, der seine Erlebnisse in einer recht, ähm, blumigen Sprache und mit ordentlich Witz wiedergibt und sich nicht von der Ernsthaftigkeit seiner Lage unterkriegen lässt. Er ist super clever und mutig, gibt einfach nicht auf und es ist so unglaublich interessant und beeindruckend, ihn dabei zu beobachten, wie er gegen seine Umgebung kämpft, verrückte und vielleicht auch absurde Pläne schmiedet und versucht zu überleben und dabei so gut wie nie seinen (Galgen)Humor verliert und irgendwie immer einen flotten Spruch oder Fluch auf Lager hat.

Abgesehen von der Story und den Charakteren gibt es noch eine Menge kleine Dinge, welche an dieser Stelle nicht genannt, da selbst entdeckt werden sollen, die das Herz einiger Weltraumfans höher schlagen lassen. Und nein, Außerirdische und so Gedöns sind damit nicht gemeint (wären welche aufgetaucht, hätte das Buch ganz schnell gelernt, wie sich ein Flug aus dem Fenster anfühlt ^^).

Am Schreibstil gibt es nichts auszusetzen, der ist flüssig und direkt, ohne große Ausschweifungen, auf den Punkt. Der Autor nutzt verschiedene Stile und Stilmittel, schwenkt zwischen Ich- und Erzählerperspektive hin und her. Es kommen Emails, Blogposts, Quasi-Chatform und „normale“ Erzählweise zum Einsatz und mehr Personen als erwartet zu Wort.

Die meiste Zeit ist es allerdings Mark Whatney, der seine Erlebnisse in Form eines Tagebuches aufzeichnet. Das ist eine Erzählform, die mir eigentlich so gar nicht zusagt, hier aber perfekt passt, weil sie a) logisch ist und b) so bis zum Ende offen bleibt, ob Whatney sein Abenteuer überlebt oder nicht.

Dadurch bleibt die Geschichte durchweg fesselnd, aufregend und lässt den Leser durchweg mitfiebern. Was will man mehr :)


Cover:

Wie schön, dass der Verlag das Originalcover übernommen hat, denn es sieht nicht nur toll aus, es passt auch perfekt zur Geschichte (was ja nicht immer der Fall ist). Es spiegelt auf schlichte, reduzierte Weise wider, worum es in dem Buch geht: einen einsamen Astronauten auf dem Mars in einer prekären Situation. Besser geht es kaum. Ich finde es großartig.


All in all:

Der Marsianer ist eine witzige, unterhaltsame und spannende Überlebensgeschichte, die unglaublich realistisch daherkommt und mit einem sympathischen Alleinunterhalter (mehr oder weniger) als Hauptprotagonisten zu überzeugen weiß. Wer Storys ala Cast Away oder Robinson Crusoe mag und keine Angst vor realitätsnaher Science Fiction hat, kann hier eigentlich bedenkenlos zuschlagen.


4.5/5 Punkten


Zitate:

„Ich bin so was von im Arsch.

Das ist meine wohlüberlegte Meinung.

Im Arsch.“


„Ehrlich, jetzt reicht es, jetzt habe ich die Nase voll! Mir bleiben nur noch ein paar Minuten, ehe mir die Luft ausgeht, und verdammt will ich sein, wenn ich bei dem kleinen Spielchen mitmache, das der Mars mit mir spielen will. Ich habe das alles so satt, dass ich kotzen könnte!“


„Dann fielen mir mehrere Dinge ein.

1. Die einzige Erklärung für die Asymmetrie der Sichtweite ist ein Staubsturm.

2. Staubstürme dämpfen den Wirkungsgrad von Solarzellen.

3. Meine Solarzellen haben seit mehreren Marstagen immer schlechter gearbeitet.

Daraus konnte ich das Folgende schließen:
1. Ich bin seit mehreren Tagen in einem Staubsturm.

2. Mist.“

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liebe, new adult, be with me, college, j.lynn

Be with Me

J. Lynn , Vanessa Lamatsch
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.05.2014
ISBN 9783492305730
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Meine Gedanken zum Buch
„Heldin ohne Rückgrat trifft auf Helden, der aus einer Mücke einen Elefanten macht, um in einem Wirrwarr aus Pseudodrama und hanebüchnem Krimi Sex mit ihm zu haben.“ Das wäre die Inhaltsangabe, die mir zu Be With Me einfallen würde. Dabei ist Be With Me jetzt nicht unbedingt ein durch und durch schlechtes Buch, es ist einfach nur der wasweißichwievieltste Aufguss des ewig gleichen Grundplots, ohne sonderlich clevere Ideen oder Twists. Das macht die Geschichte ziemlich langweilig und vorhersehbar und die nervigen Charaktere tragen nicht unbedingt zur Erheiterung bei.
Sie, Teresa – eine jammernde, naive Nervkuh mit viel zu vollgepackter Hintergrundstory, die mich als Leser wohl mitfühlend stimmen sollte, sich allerdings so gekünstelt und albern angefühlt hat, dass ich nur mit den Augen rollen konnte. Sie lässt sich behandeln wie Dreck und hat keinen nennenswerten Selbstrespekt.
Er, Jase – ein Wischiwaschi-Depp, dessen Hintergrund interessanter hätte sein können, aber viel zu übertrieben dargestellt wurde. Ein Depp, der Dinge tut, wobei ihm hinterher urplötzlich einfällt, dass er eben diese Dinge nicht tun kann, weil er ja Ballast mit sich rumschleppt. Sechs Jahre alter Ballast wohlgemerkt. Weil sechs Jahre ja nicht genug sind, um sich über bestimmte Dinge klar zu werden.
Die Nebencharaktere, von denen mir eigentlich nur einer wirklich in Erinnerung geblieben ist, und das nicht in guter. Teresas Bruder Cam. Was für ein Volldepp von Höhlenmensch. Ich hasse es, wenn Brüder ihren Schwestern Vorschriften machen wollen, ihnen vorschreiben wollen, mit wem sie zusammen sein dürfen und mit wem nicht – natürlich unter dem Deckmantel „Ich will nur dein Bestes, ich will dich nur beschützen“. Auch wenn in dieser Story ein wenig nachvollziehbar ist, warum Cam so höhlenmenschig ist, ist das alles vollkommen übertrieben. Die restlichen Leute sind im Grunde persönlichkeitsarme Pappfiguren, von denen zwei zwar eine etwas größere Rolle spielen und bemerkenswert hätten sein müssen, es aber trotz ihrer Rollen nicht waren.

Die Handlung, nun ja, die Inhaltsangabe sagt eigentlich schon fast alles. Es gibt nichts, das nicht schon einmal dagewesen wäre, nichts, das sich irgendwie von anderen Geschichten dieses Genres abhebt. J. Lynn hat zwar versucht, einen Twist mit Spannungsbogen einzubauen, doch (für mich) ging der Schuss nach hinten los. Denn dieser Twist war weder clever noch originell, dafür extrem konstruiert und nutzlos für die Handlung selbst.

Be With Me hätte ein tolles Buch werden können, wenn es mehr Substanz, mehr Chemie zwischen den Protagonisten und überhaupt erstmal gut ausgearbeitete Protagonisten gegeben hätte. Wenn die Probleme der Hauptfiguren nicht nur pseudoschockierendes Beiwerk gewesen wären und die emotionale Seite intensiver beleuchtet worden wäre. Leider ist alles, was gute Ansätze geliefert hat, nur oberflächlich behandelt worden. Schade drum.

Da es sich bei Be With Me um eine Übersetzung handelt, ist es schwer, etwas über den Schreibstil an sich zu sagen. Aber (wie üblich bei Armentrout/J. Lynn) das Buch lässt sich locker flockig lesen, ist spritzig und frech, die Sprache den Protagonisten angepasst.
Was ich extrem furchtbar fand, war die Übersetzung. Die ist in meinen Augen eine Zumutung. Das amerikanische Englisch ist relativ schlicht und manchmal auch etwas primitiv, aber muss man dies auch mit ins Deutsche übernehmen? Getreu dem Original und dabei alles vergessen, was man mal im Deutschunterricht gelernt hat? Ich kenne die anderen Arbeiten der Übersetzerin nicht, vielleicht liefert sie ja gute Arbeit ab. Hier allerdings hat sie kein gutes Sprachgefühl bewiesen und dafür gesorgt, dass ich das Wort „während“ hassen gelernt habe (denn das kam in gefühlt jedem zweiten Satz vor).

Cover
Das Cover ist nicht unbedingt das umwerfendste, das ich je gesehen habe, ist aber doch recht gelungen. Es passt zum Buch und zum Genre. Das Originale ist auch nicht viel besser, also alles richtig gemacht. Außerdem gefällt mir, dass der Originaltitel übernommen und nicht ein abstruser deutscher oder – noch schlimmer – ein neuer englischer Titel dafür erfunden wurde ;)

All in all
Be With Me hat mich von Anfang bis Ende nicht überzeugen können. Zu konstruiert, zu künstlich, zu langweilig, zu wenig Chemie. Da es mitunter dennoch unterhaltsam war und mit grad so ausreichend amüsanten Momenten punkten konnte, war es keine komplette Enttäuschung. Ich vergebe 2,5 Punkte.

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obsidian, liebe, fantasy, aliens, lux

Obsidian - Schattendunkel

Jennifer L. Armentrout , Anja Malich
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 25.04.2014
ISBN 9783551583314
Genre: Jugendbuch

Rezension:

4.5 Punkte :)

Meine Gedanken zum Buch
Bevor ich Schattendunkel angefangen habe zu lesen, hätte ich nie gedacht, dass ich so viel Spaß damit haben würde, wie ich eben hatte. Das lag zum einen an der eigentlich gar nicht so spannenden Buchbeschreibung, zum anderen an den Wesen, um die sich die Geschichte dreht. Mit Engeln, Monstern, (Halb)Göttern, Feen, Elfen usw. komme ich prima zurecht. Doch wenn es etwas gibt, das mich mehr abschreckt als Werwölfe und Vampire, dann sind es... nein, da die deutsche Zusammenfassung nicht spoilert, um welche Wesen es ich handelt, werde ich das auch nicht tun (obwohl wahrscheinlich eh jeder weiß, worum es geht ^^). Und als wäre das noch nicht abschreckend genug, waren da noch die ganzen Vergleiche mit Twilight, denen ich immer wieder begegnet bin und die nicht gerade anziehend waren, denn auch wenn ich die Twilight-Reihe jetzt nicht unbedingt megagrottig fand, war ich nicht unbedingt auf eine Neuauflage dieser in vielerlei Hinsicht verkorksten Story scharf.
Und dennoch habe ich mich in das Buch gestürzt und es hat nicht lange gedauert, bis es mich richtig gefangen genommen hat.

Um gleich von Anfang an aufzuräumen: Ja, die Story ist nicht gerade neu. Ja, sie ist voller Logik- und Plotlücken. Ja, sie spielt extrem mit Klischees. Ja, sie ist mehr oder weniger Twilight Reloaded. Und JA, ich fand sie trotz aller Mängel und trotz der Wesen-deren-Spezies-ich-nicht-verrate einfach nur toll, was vor allem an den Hauptprotagonisten und der Dynamik zwischen den beiden lag. Davon wird das Buch getragen, es lebt von der frechen, spritzigen Katy und dem unmöglichen und doch unwiderstehlichen Daemon und den amüsanten, unterhaltsamen Diskussionen, Zankereien und Streitereien der beiden. Dem Hin und Her, dem Heiß und Kalt. Das zu lesen macht einfach nur Spaß und hat mich immer wieder zum Grinsen gebracht.

Daemon und Katy sind klasse.
Daemon, heißer, unwiderstehlicher BadBoyMistkerlArsch, bei dem man nicht weiß, ob man ihn schlagen oder knutschen möchte ^^ Optisch ein Traum, doch ein Albtraum sobald er den Mund aufmacht. Unfreundlich, unhöflich und nie um die nächste Beleidigung verlegen. Er beweist aber immer wieder, dass er auch auch anders sein kann – liebenswürdig, hilfsbereit, charmant, aufmerksam, weicher Kern unter rauer Schale. Und je näher man ihn kennenlernt, je mehr er sich öffnet, umso mehr verfällt man ihm und kann ihm seine Arschigkeit nicht mal mehr übel nehmen. Daemon ist toll.
Und Katy steht ihm in nichts nach. Sie ist sympathisch, witzig, clever (wenn auch nicht immer) wunderbar bodenständig und normal, mutig und nicht auf den Mund gefallen. Sie lässt sich Daemons Frechheiten nicht bieten, sich nicht davon abschrecken, weiß sich zu wehren und gibt ordentlich Kontra. Und obwohl sie irgendwann seinem Charme erliegt, lässt sie sich nicht davon einlullen. Sie gehört zu den Protagonistinnen, denen der Kerl nicht in den Kopf steigt, die trotz aller Anziehungskraft das Denken nicht verlernen und die zwischen Lust und Liebe unterscheiden können, womit ein weiterer Punkt aufkommt, warum ich Schattendunkel toll finde: keine Insta!Love.
Dafür eine unglaubliche Chemie zwischen den beiden, Knistern, langsames Annähern, der ganze Bohei eben ;)
Was wohl auch daran liegen könnte, dass Katy eben mehr im Leben zu tun hat, als dem heißen Nachbarsjungen nachzusabbern. Zum einen gärtnert sie gern (was ich persönlich sehr cool finde), zum anderen ist sie eine begeisterte Leserin. Okay, ja, das ist in der YA Sphäre nichts außergewöhnliches, viele Protagonistinnen werden als Leseratten dargestellt. Aber im Gegensatz zu den meisten von ihnen, die offensichtlich nur Klassiker lesen (weil das anscheinend so viel Tiefgründigkeit vermittelt gähn), liest Katy genau das, was höchstwahrscheinlich auch den den Buchregalen der Schattendunkel-Leser zu finden ist: aktuelle YA Literatur. Und sie liest die Bücher nicht nur, sie rezensiert sie auch in einem Blog. Wie soll man das als Ottonormalleser und (Gelegenheits)Blogger nicht absolut bezaubernd finden?

Auch die meisten Nebencharaktere haben mir gut gefallen, allen voran Daemons Schwester Dee, die das absolute Gegenteil ihres Bruders ist – offen, herzlich, fröhlich, eine wunderbare Freundin. Einige der Nebencharaktere sind allerdings recht blass geblieben und die Darstellung der Bösewicht war auch nicht unbedingt überwältigend, aber insgesamt gesehen haben sie ein gutes Bild abgegeben.

Die Handlung, nun ja, wie schon gesagt, neu ist sie nicht. Es werden viele Elemente verwendet, die man schon zig Mal woanders gelesen hat, was allerdings schlimmer klingt, als es ist, da immer noch genug Überraschungen geboten werden und eine Spezies ins Spiel gebracht wird, die man noch nicht zu Tode geschrieben hat.

Apropos geschrieben, bei einer Übersetzung etwas zum Schreibstil zu sagen, ist immer schwierig. Das Buch hat sie wunderbar flüssig lesen lassen. Die Essenz des Originals wurde prima aufgefangen und wiedergegeben und bis auf ein paar Kleinigkeiten gab‘s nichts zu meckern.

Cover
Bei Büchern, deren Originalcover nicht übernommen wurde, sage ich es nicht oft, aber, wow, ich bin mehr als nur positiv überrascht. Das Cover ist unglaublich schön, um Lichtjahre (um mal bei SciFi-Referenzen zu bleiben ^^) schöner als das Original. Das Licht- und Schattenspiel mit dem leicht schimmernden Sonnenstrahlen lässt das Cover schlicht, aber dennoch sehr edel wirken. Obendrein passt es prima zum Buch.

All in all
Schattendunkel ist nicht perfekt. Es hat Schwächen und Mängel. Und doch habe ich es von der ersten bis zur letzten Seite verschlungen, denn es ist ein wirklich tolles Buch, dessen größter Fehler wohl ist, dass ES ENDET! Ist das nicht furchtbar? Es hört einfach auf, obwohl ich nichts weiter tun wollte, als immer und immer weiter zu lesen…
Ob auf deutsch oder in der Originalversion, ich kann das Buch nur empfehlen :)

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abenteuer prinzessin

The Princess Bride

William Goldman
Fester Einband: 399 Seiten
Erschienen bei Random House Inc, 01.12.1998
ISBN 034543014X
Genre: Historische Romane

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