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Ich warte auf Dich am Ende der Straße

Jerôme Colin , Christian Kolb
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 05.06.2018
ISBN 9783455600506
Genre: Romane

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Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit

Slavenka Drakulić , Katharina Wolf-Grießhaber
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 13.04.2018
ISBN 9783351037079
Genre: Biografien

Rezension:

Mileva Einstein stammte aus Serbien und war die erste Ehefrau des Physikgenies Albert Einstein. Bis zuletzt stand sie im Schatten ihres Nobelpreis gekrönten Mannes. Grund genug, dass Slavenka Drakulic nun eine Biografie über diese Frau geschrieben hat. Darin nähert sie sich in einfühlsamer Weise an Mileva und deren Schicksal an. 


Mileva durfte als eine der ersten Frauen in Zürich Mathematik und Physik studieren und lernte dabei den Außenseiter Albert Einstein kennen. Eloquent und wissbegierig behauptete sie ihren Platz inmitten einer patriarchalischen Gesellschaft, träumte gar von einer Karriere als Wissenschaftlerin. Doch letzteres sollte nicht eintreffen, was vor allem an Albert Einstein und dessen Aufstieg lag. Die Beziehung und die folgende unglückliche Ehe mit ihm machten die einst so starke Serbin krank, depressiv und willenlos. Für die gemeinsamen Kinder stellte sie gar ihre eigenen Pläne und Bedürfnisse hintenan und akzeptierte Albert Einsteins spätere Beziehung zu dessen Cousine Elsa. Mehr noch, in den gemeinsam mit Albert Einstein verfassten Forschungsaufsätzen wird sie nie genannt werden, während er die Lorbeeren erntete.

Der Protagonistin beim Scheitern zuzuschauen, war nicht immer leicht. Drakulic hat Milevas Rückzug aus dem akademischen wie privaten Leben fesselnd umgesetzt und an passenden Stellen mit Originalzitaten ausgestattet. Das Schicksal dieser wissenschaftlich brillanten Frau, die an der Seite des "Genies" Einstein verkümmert, weil dieser sich ausschließlich der Wissenschaft und den eigenen Interessen widmet, ist ein durchweg tragischer Stoff, den die Autorin in all seiner Bitterkeit ausmalt. Kurzum, das vorliegende Buch ist keine leicht zu lesende Lektüre, weil diese viel Melancholie, Selbstzweifel und Trauer enthält. Ich habe die Biografie trotzdem gern gelesen, weil sie viel über den Privatmenschen Albert Einstein verrät, der zwar wissenschaftlich genial gewesen sein mag, aber im Privaten wenig Feingefühl besaß. Darüber hinaus konnte ich einige inhaltliche Parallelen zu dem ebenfalls 2018 erschienenen Roman "Frau Einstein" von Marie Benedict feststellen. Es reicht also aus, wenn man nur eines der beiden Bücher über Mileva Einstein gelesen hat.

FAZIT
Eine emotionale Biografie über eine gescheiterte Wissenschaftlerin wie Ehefrau, die interessante Einblicke in das Leben am Anfang des 20. Jahrhunderts liefert. 

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Wie heiß ist das denn?

Ellen Berg
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 15.06.2018
ISBN 9783746634074
Genre: Humor

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Schirrmacher

Michael Angele
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 18.05.2018
ISBN 9783351037000
Genre: Biografien

Rezension:

Frank Schirrmacher (1959-2014) war ein streitbarer, visionärer wie technikaffiner Journalist und Autor, dessen Stimme heute fehlt.


Mit gerade einmal 34 Jahren wurde er zum Redakteur des Feuilletons der FAZ ernannt und trat damit in die großen Fußstapfen des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki. Doch Schirrmacher machte vieles anders, wollte revolutionieren, eckte an und trat, wenn es sein musste, auch verbal heftig aus. Er war, so Michael Angele, weiß Gott kein einfacher Zeitgenosse und später als Herausgeber der FAZ mehr "Kindkaiser" und Schelm als nüchterner Berichterstatter. Einerseits provozierte und veröffentlichte er Skandale von Literaten (Martin Walser und Günter Grass) und Politikern (Christian Wulff), andererseits reagierte er auf Kritik an der eigenen Person allergisch. Durch seinen sprunghaften und atemlosen Arbeitsstil konnten ihn Zeitgenossen und Freunde nie wirklich durchschauen. Schirrmacher überraschte und enttäuschte zur gleichen Zeit, war für fast alles begeisterungsfähig und legte stets ein schnelles Tempo vor. 

Das Besondere an Angeles Porträt, das Schirrmachers Werdegang anekdotengleich wiedergibt, sind die Gespräche und Interviews mit ehemaligen Freunden und Kollegen des journalistischen Wunderkinds. Diese offenbaren einen Blick hinter den Machtmenschen, der Unsicherheiten gern laut überspielte und mehr großes Kind als Erwachsener gewesen zu sein scheint. Doch weder durch diese Aussagen Dritter noch durch die Überprüfung unzähliger E-Mails ist es möglich, ein klares Bild, sprich eine hundertprozentige Charakter- und Wesensstudie, Schirrmachers zu erstellen. Deshalb kann sich Angele seinem Protagonisten respektvoll annähern, mehr aber auch nicht. Das Mysterium Schirrmacher ist vielschichtig und noch lang nicht gelöst. Leider kann man ihn nicht mehr selbst dazu befragen. 

Was bleibt?
Ein journalistisch manchmal sperriges Porträt eines unangepassten Zeitgenossen, der zu fast allem eine Meinung hatte und ständig unter Strom stand, für seine Arbeit lebte. 

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antiquitäten, biographie, der schatzsucher, fabian kahl, ratgeber

Der Schatzsucher

Fabian Kahl
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Eden Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH, 08.03.2018
ISBN 9783959101516
Genre: Biografien

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gefühl, lebensweisheit, liebe, malen, nachbarn

Wie Sterne so hell

Mina Teichert
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 20.03.2018
ISBN 9782919800063
Genre: Romane

Rezension:

INHALT

Die Nachbarn Sahra und Mo, beide Anfang 20, können sich anfangs nicht ausstehen. Der drogenabhängige Nachwuchsliterat Mo, der in Bremen als Barkeeper jobbt, hält die zerbrechlich wirkende Sahra für einen verwöhnten Nerd. Doch Sahra ist alles andere als das. Seit dem Tod der Mutter und dem Verschwinden des Vaters kümmert sie sich um ihre blinde Schwester und verdient ihren Lebensunterhalt durch Auftragsmalereien. 

Erst als Sahra Mo eines Tages vor dem Drogentod bewahrt, kommt man sich näher und entdeckt Gemeinsamkeiten. Sie beide kämpfen sich ohne Eltern durch, lieben die Kunst und haben am eigentlichen Leben keine Freude mehr. Infolge halten sie sich beide aneinander fest und wollen einfach nur glücklich sein, doch Sahras Geheimnis stellt alles infrage...

MEINUNG
Mina Teicherts tragisch-schöne Liebesgeschichte hat sich spannend und flüssig gelesen. Beide Charaktere überzeugten durch Authentizität. Stärken und Schwächen wurden schonungslos dargeboten, d. h. emotional packend, abwechselnd aus beiderlei Perspektive (Mo und Sahra) erzählt. Vor allem die Verletzlichkeit beider Charaktere vermochte Teichert eindrucksvoll realistisch darzubieten. Romantisch wurde es dann aber auch, nämlich immer, wenn beide Charaktere zur Poesie und zu Metaphern griffen (vgl. Buchtitel). Kurzum, ernste und verspielte Szenen wechselten sich zu gleichen Teilen ab. 

Persönlich hat mich vor allem das letzte Drittel des 284-seitigen Buchs mitgerissen, in dem sich die ganze Tragik der kurzen Liaison offenbart und ein kleiner Hoffnungsschimmer aufblitzt. 

FAZIT
Eine emotionale Achterbahnfahrt in Romanform, die den Leser nicht mehr loslässt.

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zeitgenössische belletristik

Gebrauchsanweisung für Island

Kristof Magnusson
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 06.04.2018
ISBN 9783492059749
Genre: Sonstiges

Rezension:

Seit 10 Jahren bereist der Übersetzer und Autor Kristof Magnusson, dessen Vater aus Island stammt, regelmäßig dieses mystische wie wettertechnisch unberechenbare Eiland im hohen Norden. Die Eigenwilligkeit von Natur und Bevölkerung haben es ihm einfach angetan. Ob man als Leser nun etwas über den Vulkanismus, die heißen Quellen, die berühmten Islandpferde oder die Sprach- und Sagenkultur Islands erfahren möchte, Magnusson hat stets spaßige Erklärungen wie nützliche Reisetipps parat und räumt ganz nebenbei mit gängigen Klischees auf. Mich haben vor allem die Einblicke in die Arbeitswelt (Rentenalter: 67, mehrere Jobs) und in die Esskultur (anspruchslos und kein Knigge) überrascht. Darüber hinaus empfand ich die eingestreuten, persönlichen Erfahrungsberichte des Autors als recht aufschlussreich und erhellend. Zudem hat es mich gefreut, dass die Lektüre allerlei Aktuelles über Island enthielt.

Lieblingszitat, S. 12:
„Eine Reise in den Norden ist das Gegenteil von Goethes Italienreise. Es geht nicht um Opulenz, sondern um Reduktion.“

FAZIT
Islandratgeber mit viel Esprit, Persönlichkeit und hohem Nutzwert.

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Welten der Antike

Michael Scott , Susanne Held
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 21.04.2018
ISBN 9783608981254
Genre: Sachbücher

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Weltmeister ohne Talent

Per Mertesacker , Raphael Honigstein
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein extra, 11.05.2018
ISBN 9783864930577
Genre: Biografien

Rezension:

Per Mertesacker (geb. 1984) ist vielen sicherlich noch durch das legendäre Eistonnen-Interview anlässlich der Fußball-WM 2014 in Erinnerung geblieben. Doch der Fußballhühne aus dem niedersächsischen Pattensen hat noch mehr zu bieten. Er wuchs in einer sportaffinen Familie mit zwei Brüdern auf und spielte ganz selbstverständlich seit der Kindheit Fußball, noch dazu mit dem Vater als Jugendtrainer. Letzterer war es auch, der Per den Weg in die Bundesliga ebnete. 

Bei Hannover 96 erspielte er sich in der Verteidigerposition erste Meriten und wechselte später zu Werder Bremen. Internationales Ansehen erlangte er durch sein Engagement beim britischen Fußballclub FC Arsenal London. Hier leitet er nach seiner aktiven Karriere seit Sommer 2018 auch die Jugendabteilung. 

Doch so geradlinig, wie es den Anschein haben mag, verlief der Werdegang des Abwehrspielers keineswegs. Unzählige Verletzungen warfen ihn seit der Jugend zurück und verlangten von ihm Geduld wie Kampfeswillen, von beidem besaß er eine Menge. Zudem musste er sich in London wie in der Nationalmannschaft seinen Platz erst erspielen. Und das Leben in der britischen Großstadt stellte ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für Per und seine Familie dar. Heute lebt der sympathische Sportler gern in London und hat sich eingelebt.

Das vorliegende Buch von Per Mertesacker und Ralphael Honigstein (Co-Autor) habe ich mit Gewinn gelesen, weil nicht nur der Erzählton stets flüssig und grundehrlich ist, sondern auch dem Menschen hinter dem Ex-Fußballer genügend Platz eingeräumt wurde. Offen spricht er über Versagensängste, das Kennenlernen seiner Frau, Aufnahmerituale bei Arsenal London oder den eigenständigen Kosmos Nationalmannschaft. 

FAZIT
Eine durchweg lesenswerte Biografie. Good job, Mr. Mertesacker ;-)



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amerika, freiheit, hoffnung, land, abenteuer

Die Amerikafalle

Martin Amanshauser
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Kremayr & Scheriau, 01.03.2018
ISBN 9783218011112
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der österreichische Autor und Übersetzer Martin Amanshauser hat als „writer in residence“ mit seiner Familie vier Monate in der Universitätsstadt Bowling Green (Ohio) verbracht und dabei genauestens die amerikanische Gesellschaft und deren Lebensart studiert. Seine kurzweilige wie subjektive Abhandlung las sich ausgesprochen leicht und hielt für den Amerika-Laien sowohl allerhand Wissenswertes, z. B. zum Autoverkehr, zur Esskultur oder zu Spracheigenheiten, als auch Skurriles, wie z. B. ständig laufende Wohnungslüfter oder den „in-sink-erator“, bereit. Amanshauser, der vor seinem Lehr- und Studienaufenthalt (Januar bis Mai 2017) die USA eher skeptisch betrachtet hat, ändert seine Einstellung aufgrund vielfältiger freundlicher Begegnungen um 180 Grad und wird zum Amerika-Fan, ohne jedoch den Leser ebenso missionieren zu wollen. Mir hat es besonders gefallen, dass der Leser den Autor auf seiner Reise durch die bekanntesten amerikanischen Staaten (New York, New Orleans, Kalifornien usw.) begleiten konnte und dieser dadurch einen groben Überblick über diese bunte Nation und ihre Eigenheiten erhalten hat.

FAZIT
Persönliche Amerikastudie, die den Leser unterhaltsam und facettenreich zugleich in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten entführt. 

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12 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Rezension:

Anke Dietrichs Ramses-Romanreihe geht nunmehr in die vierte Runde. Darin ist Pharao Ramses II. (1279-1213 v. Chr.) inzwischen über 40 und bezieht seinen Palast in der neuen Hauptstadt Piramesse. Die ältesten Kinder Bintanat und Chaemwaset werden erwachsen, eine unbekannte Räuberbande bedient sich aus dem königlichen Schatzhaus und der hethitische Thronfolger bittet Ramses II. um Asyl. Kurzum, inhaltlich wird in diesem Buch einiges geboten. Die Umsetzung ist Anke Dietrich wie immer fabelhaft gelungen. Versiert, weil quellenbasiert und kenntnisreich, entführt sie den Leser in die damalige Zeit, genauer ins 11. Regierungsjahr von Pharao Ramses II. Ihre bildreiche Erzählweise unterstützt das Ganze in angenehmer Weise. Mehr noch, spielerisch verbindet sie Fiktion und Wirklichkeit miteinander und vermittelt dabei allerhand historisches wie kulturelles Wissen, so dass Kenner wie Laien von dieser Lektüre profitieren können. Ich habe die Reise an der Seite des mächtigen Herren der Beiden Länder sehr genossen und freue mich schon jetzt unheimlich auf die beiden noch folgenden, spannungsgeladenen Teile. 

FAZIT
Ein lesenswerter Roman, der die ägyptische Geschichte spannend und leicht verständlich darbietet und damit an Christian Jacq erinnert. 

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frauenrolle, gustav klimt, gustav mahler, wien

Die Muse von Wien

Caroline Bernard
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 18.05.2018
ISBN 9783746633923
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der vorliegende Historienroman von Caroline Bernard erzählt auf berührende Weise die Lebensgeschichte von Alma Schindler (1879-1964, später Alma Mahler-Werfel) - einer verkannten Künstlerin, die ihr Talent und ihre Träume für ihre große Liebe, den Komponisten Gustav Mahler, aufgegeben hat. 


Aufgewachsen inmitten der Wiener Bohème-Szene, der sog. Wiener Secession, ist es nicht verwunderlich, dass Alma schon früh künstlerisch tätig wird. So übt sie nicht nur täglich am Klavier und komponiert eigene Lieder, sondern dichtet auch über ihre wechselnden Seelenzustände. Denn Almas großes Ziel ist eine eigene Musikkarriere. Doch die Männer dominierte Gesellschaft um die Jahrhundertwende sieht in ihr nur eine junge, naive und hübsche Frau, die Künstlerempfänge und Vernissagen etc. liebt. Die wenigsten erkennen und fördern Almas Talent. Als sie dann eines Tages auf das eigenbrötlerische wie unnahbare Musikgenie der Zeit, Gustav Mahler, trifft, kennt ihre Faszination keine Grenzen und schnell entspinnt sich trotz des hohen Altersunterschieds eine Liaison zwischen beiden. Anfangs liebt Alma es mit Gustav Klavier zu spielen und zu fachsimpeln. Doch die lange Einsamkeit während Gustavs Tourneen, seine Besessenheit von der Musik und seine Forderung, für ihn auf ihre eigene Karriere zu verzichten, setzen Alma stetig zu und gipfeln gemeinsamer trotz Kinder in einer tragischen, einseitigen Ehe, bei der ausschließlich Alma gibt. 

Eindringlich, emotional packend beschreibt die Autorin diese Selbstaufopferung von Alma für Gustavs Kunst. Als Leser leidet man regelrecht mit der jungen, quirligen Alma mit, die sich im Laufe der Beziehung mit Gustav immer mehr zurückzieht und -nimmt, bis sie sich gar nicht mehr erkennt. Depressionen, Fehlgeburten und ständige Kuraufenthalte kennzeichnen diese Periode, in der Gustav fröhlich weiterspielt und den schönen Schein nach außen wahrt, währenddessen Alma innerlich stirbt. Hoffnung wird einzig durch die letzten Buchseiten erzeugt, die kurz von Almas Leben nach Gustavs Tod handeln. Kurzum, die insgesamt 496 Buchseiten transportieren viel persönliches Leid, dies aber auf eine frappierend realistische, weil bestens recherchierte Weise. Infolge lassen sich Fiktion und Wahrheit nur schwer auseinanderhalten.

Zu guter Letzt sei noch das ausgesprochen stilvoll gestaltete und in Sepia gehaltene Cover erwähnt, das vom ersten Moment an Lust auf eine literarische Zeitreise macht.

FAZIT
Tragisches Frauenschicksal, das tief in die Wiener Gesellschaft wie Kultur um die Jahrhundertwende blicken lässt und das einmal angefangen, nicht mehr loslässt. 

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32 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

lesen, bücher, felicitas von lovenberg, gebrauchsanweisung, lesefieber

Gebrauchsanweisung fürs Lesen

Felicitas von Lovenberg
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492277174
Genre: Sachbücher

Rezension:

Lesen ist nicht nur für mich ein essentieller Lebensbestandteil, sondern auch für Verlegerin Felicitas von Lovenberg. Sie kann und möchte das Eintauchen in fremde Lesewelten nicht mehr missen und macht sich dafür in einer Zeit stark, die von digitalen Medien und Smartphone und damit von Bild- und Kurznachrichten geprägt ist wie keine zweite. Doch was macht diese Abkehr vom geschriebenen Wort mit unserer Sprache und unserem Wortschatz?

Geschichtlich gesehen ist das Lesen eng mit dem Aufkommen der Schrift verbunden, obgleich damals noch die rein mündliche Kultur vorherrschte. Erst das Aufkommen des Buchdrucks 1450 machte Bücher auch für den Normalsterblichen erschwinglich bzw. konsumierbar. Schade nur, dass die Lesefertigkeit, bereits bei den Kleinsten (s. IGLU-Studie), derzeit immer weiter zurückgeht und wir uns immer mehr von Nebensächlichkeiten ablenken lassen. 

Lesen ist mehr als ein buntes Cover und Seitensammelei. Es fordert nicht nur unseren Verstand, sondern macht uns gesünder, stabiler, verständnisvoller und verlängert gar die Lebenszeit (s. Studie  der YALE University 2016). Nicht umsonst gibt es heutzutage die sog. Romantherapie für Hypochonder und Melancholiker. 
Bücher heben nicht nur die Stimmung, sondern beflügeln auch die Fantasie. Und ganz nebenbei vergrößert sich mit jeder neuen Lektüre unser Wortschatz und unser kritischer Blick auf die Texte.

Darüber hinaus ist von Lovenberg noch den Fragen nachgegangen, wann, wie und wo wir in der heutigen Zeit am liebsten lesen? Dabei kam heraus, dass die Lesegeschwindigkeit, der Lieblingsleseort sowie die Lesezeit (morgens, abends etc.) von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein können. Auch das Ordnungssystem von Bücherregalen, ob nach Autorennamen, Erscheinungsjahr oder Farben, wurde hinreichend thematisiert. Beim Vergleich von analogem und digitalem Buch, gewann die altbekannte Druckform. 

Kurzum, von Lovenbergs Sachbuch vermittelt auf unterhaltsame und prägnante Weise Lesewissen von damals und heute.

Lieblingszitate:
"Bücher erreichen Stellen, da kommt ein Fernseher nicht hin." (S. 24)

"Bücher sprechen Wahrheiten aus, die Autoritäten wie Diktatoren, Parteien, Religionen, Ideologen und zunehmend auch Konzernen unbequem sind." (S. 25)

"Bücher ermöglichen Zeitreisen und Ortswechsel, ohne dass man dafür sein Heim oder auch nur das eigene Bett oder den Lesesaal verlassen muss." (S. 31)

FAZIT
Ein Buch für Leseratten bzw. Bibliophile, die neueste Erkenntnisse gepaart mit persönlichen wie überraschenden Einblicken in die bunte Lesewelt zu schätzen wissen. Ich habe das 128-seitige Buch mit Genuss gelesen. 

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80 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

buchhandlung, liebe, bücher, insel, föhr

Die kleine Inselbuchhandlung

Janne Mommsen
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 27.03.2018
ISBN 9783499291548
Genre: Liebesromane

Rezension:

Janne Mommsens Inselromane sind legendär. Ich durfte schon einige davon lesen und bin deshalb recht gespannt auf das neueste Werk gewesen. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Wieder einmal hat es der Autor formidabel geschafft, mich mitten aus dem Alltagsgeschehen mit auf die abgeschiedene Insel zu nehmen. Chapeau!


INHALT
Greta Wohlert (40) arbeitet als Stewardess bei der Lufthansa und fliegt seit 20 Jahren Langstrecke. Trotzdem hebt der nächste Flieger von Frankfurt nach Shanghai ohne sie ab. Eine Panikattacke zwingt sie zur Auszeit. Dafür nimmt Greta kurzentschlossen die nächste Fähre nach Ohlhörn auf Föhr. Dort lebt ihre Lieblingstante Hille, der sie beim Entrümpeln helfen kann...

MEINUNG
Janne Mommens charmante Selbstfindungsgeschichte um Hauptprotagonistin Greta Wohlert las sich ausgesprochen leicht, entspannt und flüssig. Kein Wort war zu viel; was man bei der norddeutschen Szenerie auch nicht erwartet hätte. 

Langsam, leise und mit viel Sinn für Land, Leute und Emotionen erzählt der Autor vom entschleunigten Inselalltag auf der Nordseeinsel. Und mittendrin ist stets Greta, die alleinerziehende, pflichtbewusste Stewardess. Hier in Olhörn kann sie zum ersten Mal ausspannen und über ihre private wie berufliche Zukunft nachdenken. Denn gleich zwei Männer buhlen um ihre Gunst. Zudem entdeckt Greta ihre Leidenschaft für Bücher wieder und liebäugelt mit einer eigenen Buchhandlung - was Vielleser und Büchernarren gut nachvollziehen können. 

Darüber hinaus mochte ich die Nebencharaktere, allen voran die flippige, 70-jährige Tante Hille, den schmucken wie hartnäckigen Kapitän Florian und den einsilbigen, romantischen Krabbenfischer Jan, sehr. Diese Vielschichtigkeit innerhalb der Figuren belebte die Story ungemein; von den reizvollen (Dünen-)Landschaftsbeschreibungen ganz zu schweigen.

FAZIT
Der perfekte Roman zum Ausspannen und Zurücklehnen, der nicht nur bibliophilen Lesern ein Lächeln aufs Gesicht zaubern wird. 

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

altersstarrsinn, altersweisheit, autoradios, bedienungsanleitungen, altersbeschwerden

Pfeif drauf – morgen hast du's eh vergessen!

Jürgen Brater
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei riva, 12.03.2018
ISBN 9783742304469
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wie sieht das Leben als Renter/-in aus? Was mache ich mit meiner Zeit?


Der pensionierte Zahnarzt Jürgen Brater hat sich diesen Fragen selbstkritisch und mit einer gehörigen Portion Galgenhumor genähert. Entspannt und mit offenem Visier stellt sich der Autor allen Facetten des Alters und nimmt Bekannte dabei gern aufs Korn. Ob Reisewahn, Fernsehsucht oder Fitnesssucht, er kann diesen Trends/Marotten der Bestager so gar nichts abgewinnen und setzt selbst lieber auf Ruhe. Auch das zunehmende Vergessen und den körperlichen Verfall nimmt er spaßig. Sein Credo ist eh: "Pfeif drauf".

Mir hat Braters ironisch-entspannte Sicht aufs Älterwerden imponiert, weil er damit dem Druck der Medien auf die Gesellschaft entgegenwirkt, die ewig fitte und jünger aussehende Senioren im Fokus haben. Und was im Alter wirklich wichtig ist, um nicht allzu früh zu vergreisen, wird zwischen den Zeilen ebenfalls thematisiert.

FAZIT
Eine heitere Lektüre übers Älterwerden, die einen lockeren Umgang mit dem Thema Alter propagiert und m. E. damit genau den richtigen Ton trifft. 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Luftikus & Tausendsassa

Katharina Mahrenholtz
Fester Einband
Erschienen bei Bibliographisches Institut, 09.04.2018
ISBN 9783411711352
Genre: Sachbücher

Rezension:

Katharina Mahrenholtz' Wörtersammlung "Luftikus und Tausendsassa" habe ich mit Gewinn gelesen. 

Auf 155 Buchseiten geht die NDR-Reakteurin ausführlich auf 100 (fast) vergessene Wörter ein, wobei sie nicht nur deren Herkunft und Entstehungszeit klärt, sondern auch Synonyme bzw. übliche Wendungen anführt. 

Wer bisher nicht wusste, was Wörter wie "Kurpfuscher", "Zinnober", "Remmidemmi" oder "Hasenbrot" bedeuten und wie diese im Deutschen gebraucht werden, kann daher ungesehen zu diesem Buch greifen. Auch Sprachpuristen und -liebhaber können von Mahrenholtz' subjektivem Konvolut profitieren. Denn diese veralteten Wörter bereichern unseren, durch die Digitalisierung immer stärker schrumpfenden Wortschatz enorm. Zudem sind diese oft bildhaften Wörter einfach eine Freude und machen den einheitlichen und häufig uninspirierten Sprachalltag bunter und interessanter. 

Abgesehen vom unterhaltsamen wie grundgelehrten Inhalt besticht Mahrenholtz' Lektüre durch ihre farbige und witzige Illustration. Dawn Parisi hat hier wahrlich gute Arbeit geleistet. 

FAZIT
Ein lesenswertes (Sprach-)Kleinod, das nicht nur Kenner zu verzaubern weiß. 

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34 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

julie peters, mein wunderbarer buchladen am inselweg, peters

Mein wunderbarer Buchladen am Inselweg

Julie Peters
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 18.05.2018
ISBN 9783746634135
Genre: Liebesromane

Rezension:

INHALT
Bei Nordlicht Frieke, Anfang 30 und seit 10 Jahren freie Mitarbeiterin bei der Hamburger Zeitschrift KOMET, stehen alle Zeichen auf Neuanfang. Gemeinsam mit ihrem Freund, Kriegsreporter Harald, plant sie, nach Boston auszuwandern und eine eigene Firma zu gründen. Doch kurz vor der Abreise verschlägt es die Journalistin für eine letzte Reportage auf Spiekeroog. Dort soll sie den attraktiven Einsiedler-Ornithologen Bengt interviewen und entdeckt dabei das analoge Inselleben für sich...

MEINUNG
Julie Peters Inselroman basiert auf einer leichten und vorhersehbaren Geschichte, die den Leser wunderbar unterhält und ordentlich Inselfeeling vermittelt.

Wie schon in Janne Mommens Roman "Die kleine Inselbuchhandlung" funktioniert die gerade aktuelle Themenkombi aus Romanze, Inselsetting und Büchern ausgesprochen gut. Schnell kann man sich in Hauptfigur Frieke hineinversetzen und fiebert mit ihr mit. Ihre privaten wie beruflichen Zweifel wirken echt und besonders das Kennenlernen ihres leiblichen Vaters, Ex-Kapitän Ole Hansen, rührt an. Auch Friekes Leidenschaft für Bücher ist glaubwürdig. Zudem ist ihre Gabe, für jeden Menschen das passende Buch auszuwählen, beneidenswert. Kein Wunder, dass Frieke die Inselbuchhandlung auf Spiekeroog übernehmen soll, doch will sie das eigentlich? Auch in Beziehungsfragen ist sie sich uneins, denn ihre Fernbeziehung zu Harald beginnt zu bröckeln, als sie den eigenwilligen Naturburschen Bengt kennenlernt. Kurzum, Friekes Geschichte verspricht Abwechselung und eine Menge Emotionen. Der leise, eindringliche Erzählton passt bestens zum verschlafen-romantischen Handlungsort. Und auch die unterschiedliche Charakterzeichnung der Nebenfiguren, die sich in Stadt- und Inselmenschen teilen, ist der Autorin famos gelungen, weil ab und an typische Eigenarten hervorblitzen. 

FAZIT
Ein Inselroman zum Abtauchen und Wohlfühlen, der Lust aufs Bücherlesen und Reisen macht. 

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Alle Städte der Welt

Daniel Fehr
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei riva, 12.03.2018
ISBN 9783742305084
Genre: Sonstiges

Rezension:

Du hast diese vorgefertigten Städtetouren rund um die gängigsten Sehenswürdigkeiten so satt und willst eine Stadt einmal anders, persönlicher erkunden, dann greife zu Daniel Fehrs kurzweiligem Ratgeber.

Auf 160 Buchseiten, die vorwiegend aus kurzen, meist ein- oder zweizeiligen Tipps bestehen, erfährt man, wie sich eine überraschende bzw. ungewöhnliche Städtetour umsetzen lässt.

Am Anfang einer Städtereise stehe laut Autor immer die Vermeidung von unnötigem, ablenkendem Gepäck (Smartphone, PC, Fotoapparat, Designerkleidung etc.). Was dann folgt, ist eine grobe Planung, die vor Ort am besten gleich wieder über den Haufen geworfen werden sollte, denn der Weg ist das Ziel. Dementsprechend plädiert Fehr darauf, unbekannte Wege einzuschlagen, nicht nur bei der Gestaltung des Trips, sondern auch bei der Wahl von Essen, Unterbringung usw. Warum nicht einmal die Speisekarte aufschlagen und einfach mal das Gericht wählen, auf das man zuerst blindlings tippt. Auch Einheimische nach deren persönlichen, schönsten Flecken zu fragen oder öffentliche Verkehrsmittel nach Nummer und nicht nach Ziel auszuwählen, kann die Sinne neu schärfen und ungewöhnliche Erinnerungen schaffen. Den Gedanken, einfach mal einen Tag lang zu schweigen und alles auf sich wirken zu lassen, halte ich für reizvoll. Mutig fand ich hingegen, sich in einer fremden Stadt in die Universität zu setzen und dort eine beliebige Vorlesung oder ein Seminar zu besuchen - müsste man wirklich einmal machen :-)

FAZIT
Auch wenn nicht alle Tipps und Ratschläge jedermanns Geschmack sein mögen, so helfen sie doch, aus den uniformen, touristisch erschlossenen Pfaden auszubrechen und Städte auf neue Weise zu entdecken und zu erleben. 

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

debüt 2018, internet, roman, zukunft

Serverland

Josefine Rieks
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 19.02.2018
ISBN 9783446258983
Genre: Romane

Rezension:

Im Vorfeld hatte ich mir wirklich mehr von Josefine Rieks Debütroman "Serverland" versprochen, da ich die Vorstellung, in der Zukunft ohne das Internet zu leben, recht spannend und interessant fand. Aber es sollte anders kommen...


Der blasse, wortkarge Hauptcharakter Reiner wurde von Rieks als nerdiger Außenseiter mit hohem IT-Verständnis angelegt, was anfangs noch Spannung versprach, sich aber mit der Zeit, aufgrund seiner Eindimensionalität, abnutzte. Seine Mission klingt aus heutiger Perspektive unvorstellbar. Er möchte nämlich nichts anderes schaffen, als das Internet wiederzubeleben, das von staatlicher Seite abgeschafft worden ist. Demzufolge sammelt er allerlei Elektroschrott und alte PCs. Durch Zufall gelangt er dann auch noch nach Holland und gründet dort in einer alten Fabrikhalle mit stillgelegten Servern eine Jugendbewegung. Gemeinsam will man Youtube, Facebook & Co wieder nutzbar und sehbar machen. 

An sich finde ich Rieks Romanidee in der heutigen, von Social Media dominierten Welt innovativ und philosophisch spannend, doch die Umsetzung erfolgte mehr als mangelhaft. Denn nicht nur die handelnden Personen ließen Esprit und Aktionismus vermissen, sondern auch die Story. Dröge, repetitiv und unspektakulär waberte die Handlung so vor sich hin, weil mehrfach Endlosspiralen aus Gammelei, Alkoholismus, Drogenkonsum und Hippie gleichen Diskussionen abgespult wurden. Kurzum, die jugendliche Internetbewegung scheiterte auf ganzer Linie. Wahllos wurden dabei Videos aus längst vergangenen Tagen konsumiert und die vor sich hin dilettierende Jugendgeneration bloßgestellt. Die deutsch-englischen Dialoge setzten dem ganzen Unfug dann noch die Krone auf.

FAZIT
Ein Debütroman, dessen Sinn sich mir nicht erschlossen hat und der m. E. zu destruktiv ausgefallen ist. Wer endlose Langeweile mag, dem kann ich diese Lektüre getrost empfehlen. 

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Die Zukunft der Rebellion

Micah White , Helmut Ettinger
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 18.05.2018
ISBN 9783351050498
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wie sieht denn die Rebellion bzw. der Protest der Zukunft aus?

Das hat sich Autor Micah White gefragt, nachdem die von ihm mitbegründete Occupy-Wall-Street-Bewegung von 2011 bereits nach einem Jahr gescheitert ist. Mich konnte der selbst ernannte Rebell damit aber leider nicht überzeugen. Warum?

Einerseits fielen seine Beschreibungen viel zu statisch und theoretisch aus, andererseits hätte ich mir persönlich mehr Einblicke in die Occupy-Bewegung gewünscht. Das soll nicht heißen, dass White letztere gar nicht berücksichtigt hat, doch er setzt ein Grundverständnis dieser kollektiven Protestbewegung aus den USA voraus, das nicht jeder europäische Leser mitbringt. Schade. 
Nun weiß ich zwar, dass es grundsätzlich darum ging, die soziale und finanzielle Ungerechtigkeit im Staat zu beseitigen, Details wurden aber ausgespart. Auch die Verbindung zu den Protestinitiativen in Tunesien, Ägypten und Spanien wurde nur angedeutet. 

Was mich aber am meisten nervte und fast die Lektüre abbrechen ließ, waren Whites dröge, seitenlange Ausführungen über die Prinzipien der Revolution, den theoretischen Unterbau (so z. B. zum Voluntarismus oder zur Theurgie) und die Rolle der Revolution in der Historie (vom Alten Ägypten bis zu Marx und Engels).
Weniger wissenschaftliche Rückschauen hätten der durchaus zeitgemäßen Thematik gut getan.

FAZIT
Ein langatmiger Essay, der meine Fragen nicht beantwortet hat und sich alles andere als leicht durchdringen lässt. So gewinnt man keine Mitstreiter für eine neue Bewegung bzw. Rebellion...

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Du bist eine Naturgewalt

Stefan J. Rascher
Flexibler Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Kamphausen Media GmbH, 19.03.2018
ISBN 9783958831490
Genre: Sachbücher

Rezension:

Stefan J. Rascher, Jahrgang 1967, ist ein optimistisches und kämpferisches Stehaufmännchen. Denn trotz Handicap, sog. Elefantenfuß, hat er sich im Leben nie unterkriegen lassen und damit Bedenkenträger wie mitleidige Zeitgenossen gern eines Besseren belehrt. Heute ist Rascher sogar erfolgreicher Coach, Unternehmer und Marathonläufer. Von ihm kann sich der Normalbürger also noch so einiges in Sachen Ehrgeiz, Selbstvertrauen und Verwirklichung von Lebensträumen abschauen. 


Sein Erstling "Du bist eine Naturgewalt!" ist eine bunte und sehr gut lesbare Mischung aus Biografie und Motivationsratgeber. Offen und ehrlich schildert er darin nicht nur seine eigene Geschichte, sondern gibt ganz nebenbei noch Tipps zum besseren, erfolgreicheren Leben, das vor allem auf innerer Freiheit und Zufriedenheit fußt. 

Mir hat besonders Raschers Wagemut imponiert. Denn getreu dem Motto: "Geht nicht, gibt's nicht!" hat er berufliche wie private Hürden stetig übersprungen und ist nun nach exzessiven Sportphasen, Workaholic-Ambitionen etc. bei sich selbst angekommen. Diese unverblümte Art, Schwächen sowie Fehler einzugestehen und daran zu wachsen, gehört zu seinen Stärken und hat mich begeistert. Auch die eingestreuten psychologisch-motivierenden Kapitel wurden vom Autor gut gewählt und pointiert dargeboten.

FAZIT
Eine durch und durch authentische Lektüre, die Mut macht und das Bewusstsein für sich selbst und für die eigenen Stärken schärft. 

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ddr, deutsche dekokratische republik, entwicklung, gregor gysi, interview

Marx und wir

Gregor Gysi , Olaf Miemiec
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 13.04.2018
ISBN 9783351037208
Genre: Sachbücher

Rezension:

200 Jahre Karl Marx - ein Jubiläum, das 2018 zu einigen neuen Veröffentlichungen geführt hat. So auch zu Gregor Gysis ganz persönlichem Porträt. 


In "Marx & wir" beschreibt der linke Vollblutpolitiker Gregor Gysi nicht nur seine eigene Marxrezeption, sondern auch die Wirkung des Trierer Philosophen und Denkers auf die heutige Zeit. Hierbei haben mich vor allem Gysis launige Anekdoten aus der DDR-Zeit mitreißen können. Auch das fiktive Interview mit der 1883 verstorbenen Geistesgröße, bei dem allerlei marxsche Originalzitate hinzugezogen wurden, fand ich spannend und aufschlussreich zugleich. Die Auseinandersetzung mit Marx' Theorien bzw. mit dessen Hauptwerk, dem Kapital, geriet hingegen etwas sperrig und war damit für den weniger vorgebildeten Leser nicht auf Anhieb zu durchdringen. Wiederum empfand ich Gysis Ansatz, Marx' Sozialismus- und Gerechtigkeitskonzept auf die heutige Zeit zu übertragen, recht interessant. Abgerundet wurde die 160-seitige, kurzweilige Lektüre durch drei, von Gysi eigens ausgewählte Originaltexte, die sowohl dem Gesellschaftstheoretiker als auch dem Privatmann Marx gerecht worden. 

PS: Wer im Vorhinein Gregor Gysis Biografie "Ein Leben ist zu wenig" und Margarete Drachenbergs Anekdotensammlung "Ist Mr. Marx zu Hause?" studiert hat, wird einige Parallelen feststellen. 

FAZIT
Ein persönliches Jubiläumsbuch mit innovativem Konzept. 
Wer wissen möchte, ob sich Karl Marx und die heutige Zeit miteinander kombinieren lassen, sollte zu diesem Buch greifen. 

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Schluss mit euren ewigen Mogelpackungen!

Peter Hahne
Fester Einband
Erschienen bei Bastei Lübbe, 23.02.2018
ISBN 9783785726211
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Schluss mit euren ewigen Mogelpackungen!" ist das erste Buch des Journalisten Peter Hahne, das ich bisher von ihm gelesen habe, und es wird sicher nicht das letzte gewesen sein. 

Hahnes Sammelsurium an unausgesprochenen Wahrheiten aus  Politik und Gesellschaft trifft nicht nur den Nerv der Zeit, sondern stellt die gesamte, glatt polierte Politszene in Deutschland in Frage. Wie die gradlinigen Klartext-Politiker Bosbach und Buschkowsky ist er sich nicht zu fein, seine Meinung öffentlich zu verteidigen und den gesunden Menschenverstand einzusetzen, wenn es um die Flüchtlingsthematik, das Gutmenschentum, die Bildungsmisere, die Genderisierung oder um den Datenschutz geht. Unverstellt und bestens recherchiert hält der sog. Schwarze Peter den Politikern und Schönrednern dieser Tage den Spiegel vor. Seine pointierten Reportagen lassen den Normalbürger aufhorchen und sollten m. E. aber vor allem den uneinsichtigen Politikern zu denken geben. 

Mich hat dieses kleine Büchlein (128 Seiten) vollends fasziniert, da es leicht verständlich und beispielhaft längst wahrgenommene Unstimmigkeiten bzw. Fehlentwicklungen in Politik und Gesellschaft schonungslos beim Namen nennt.

FAZIT
Eine aktuelle Politbestandsaufnahme, die ihresgleichen sucht und zu Recht in der SPIEGEL-Bestselllerliste geführt wird. Sapere aude, gens Germanorum!

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Ist Mr. Marx zu Hause?: Anekdoten

Margarete Drachenberg , Karl Marx
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Eulenspiegel Verlag, 14.03.2018
ISBN 9783359013686
Genre: Sonstiges

Rezension:

Margarete Drachenbergs kleine Anekdotensammlung über den Philosophen und Ökonomen Karl Marx (1818-1883) las sich recht passabel, bot aber nicht viel Überraschendes bzw. Neues über den Menschen und Denker. Vielmehr wiederholten sich die kurzen Episoden über Marx' Rastlosigkeit, angeschlagene Gesundheit und dessen finanzielle Notlagen immerfort. Interessant fand ich dann doch die Entstehung des Spitznamens "Mohr", Marx' Sprachbegabung und die moderne Covergestaltung. 

FAZIT
Eine kurzweilige Lektüre zum 200-jährigen Marx-Jubiläum, die sich nicht nur flott lesen lässt, sondern auch gut in die Handtasche passt. Inhaltlich wäre allerdings mehr drin gewesen. 

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Bibliomania

Christian Detoux , Steven Gilbar
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Dörlemann, 13.02.2014
ISBN 9783038200062
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das 160 Seiten starke Buch von Steven Gilbar ist ein wahres Kleinod für alle Büchernarren bzw. Bücherfreunde. Obschon es bereits 2014 erschienen ist, hat es nichts an Aktualität und Faszination eingebüßt. Im Gegenteil, hier kann der passionierte Leser noch einiges Spannendes wie Wissenswertes rund ums Thema "Buch" erfahren, was nicht nur Statistikfans jubilieren lässt. 

Inhaltlich wird viel und vor allem Fakten in Listenform geboten. Ob es nun um die Entstehung des ersten Buchs, die ältesten Bibliotheken, das schwerste Buch, schreibende Mediziner, Autorenpseudonyme, Nobelpreisträger, die ISBN oder bekannte Zitate oder Begriffe aus der Literatur- und Verlagswissenschaft geht, der Autor Steven Gilbar hat an wirklich alles gedacht und sich dabei nicht ausschließlich mit der deutschen Literaturszene beschäftigt, sondern auch die internationale Buchkultur berücksichtigt. 

Mich hat Gilbars detailreiche sowie sehr gut lesbare Liebeserklärung an das immer noch aktuelle Medium Buch ab der ersten Zeile begeistern können. Allerdings sei auch verraten, dass ich selbst an Bibliomanie und -philie leide :-)

FAZIT
Ein faktenreiches Buch für Büchernarren, das sich schnell und mit Gewinn lesen lässt. PS: Der Untertitel ist Programm. 

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