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handwerke, freiheit, 18.jh., lassan, sizilien

Wildgänse

Thomas Spyra
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei cristom-kunstverlag, 06.06.2016
ISBN 9783000529443
Genre: Historische Romane

Rezension:

Erster Eindruck: Der Autor muss wahnsinnig viel recherchiert haben oder diese Thematik ist seit Jahren sein Hobby. Die Fülle der Daten und Fakten hätte ich nicht erwartet, macht das Buch aber hochinteressant.

Dann die Erzählkunst, so etwas hat man oder man hat es nicht. Er hat es nun einmal. Die Fakten und ihre Zusammenhänge kommen absolut stimmig rüber und zwar nicht als trockener "Geschichtsunterricht", sondern er hat es hervorragend verstanden, die verschiedenen Geschehnisse so zu verbinden, dass eine spannende Geschichte daraus wurde. Die geschickte und wohldosierte Schilderung scheinbar beiläufiger Details geben dem ganzen Würze.

Als besonders angenehm habe ich empfunden, dass auf die heute manchmal übliche Aneinanderreihung reißerischer "Action-Szenen", die sich an Horror, Grausamkeit und Schrecken überbieten, verzichtet worde. Solche Dinge schaden m.E. der Qualität eines seriösen Buches und machen es letztlich unglaubwürdig.

Das gleiche gilt für die "Botschaft", keine schwarz-weiß gemalte Philosophie, sondern nüchterne und sachliche Klugheiten.

Die Geschehnisse sind stimmig; sie können jederzeit nachvollzogen werden - und sind trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, spannend. Am Ende jeden Kapitels ist man immer schon neugierig darauf wie es weitergeht.

Was mir besonders aufgefallen ist: dem Autor ist es m.E. gelungen, den Zeitgeist dieser geschichtlichen Phase einleuchtend wiederzugeben, den Leser mit in diese Zeit hineinzunehmen und ihn den "ganz normalen Alltag" erleben zu lassen.

N.B.: Die Schilderung der Ansbacher Beamten-"Kaste" ist treffend gelungen. Sie hat mich mehrfach an meine Eindrücke aus den frühen 1960er Jahren (als Beamter in Ansbach!) erinnert. Manchmal denke ich, dass sich da bis heute noch nicht allzuviel grundlegend geändert hat.

Positiv überrascht hat mich der Anhang. Die Register und Karten usw. machen sich sehr gut und unterstreichen noch einmal den Qualitätsanspruch des Buches. Und genauso positiv überrascht war ich von Christl Spyra´s Gedichten!

Zusammenfassung dieser etwas sporadischen Stellungnahme eines Laien: ABSOLUT POSITIV!!.

Am Schluss noch eine kleine Anregung aus meiner Sicht. Wobei ich keinerlei Erfahrung in Dichterlesungen habe. Ich weiß also nicht, was da eigentlich so üblich ist. Aber ich hätte es interessant gefunden, bei dieser Gelegenheit ein paar Hintergrundinformationen über Zusammenhänge, Anlässe für diese oder jene Szene usw. zu geben und mit dem gelesenen Text zu verknüpfen. Die persönlichen Besuche in Sizilien, manches Erlebnis, das so oder in anderer Form im Buch widergespiegelt wird, usw.... Aber, wie gesagt, vielleicht ist das auch unüblich. Ich habe da keine Erfahrung.

FAZIT: Absolut Top! Auch wenn Barthel tot ist – hoffe ich, dass dem Autorr wieder noch was einfallen wird. Und ich denke, seine Frau Christl ist an der Entstehung so mancher Ideen nicht unbeteiligt....

Gunder Richter, Emskirchen

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Tags: 18.jh., ansbach, aufklärung, familengeschichte, franke, freiheit, handwerke, historisch, lassan, lebensgeschichte, leipzig, reisen, sizilien   (13)
 

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Des Meisters Bartel verlorener Ring

Thomas Spyra
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei cristom-kunstverlag, 24.03.2010
ISBN 9783000289088
Genre: Historische Romane

Rezension:

So genau wie möglich schreiben…
Autoreninterview mit Thomas Spyra

Wie entwickelte sich die Idee, den historischen Roman „Des Meisters Bartel verlorener Ring“ zu schreiben?

Die Rektorin der Hermann-Delp-Grundschule fragte bei mir an, ob ich, anlässlich der bundesweiten Lesewoche 2006, nicht für die Grundschüler an einem „besonderen Ort“ etwas lesen könnte. Spontan sagte ich zu und schlug das „Archäologische Fenster zur Stadtgeschichte“, ein kleines sich unter dem Marktplatz befindliches Museum, vor. Hier werden die Ausgrabungen aus den Jahren 2000 bis 2001 dem interessierten Besucher gezeigt, darunter auch als Besonderheit der Ring des Andreas Christoph Bartel.
Natürlich wollte ich etwas historisches Lesen, aber alles Suchen danach blieb zwecklos. Nur Fachliteratur oder Protokolle, aber nichts für Kinder. Kurz entschlossen begann ich eine kleine Geschichte, zu den Funden auf dem Marktplatz, zu schreiben. Die Ermutigungen meiner Frau, und auch der Lehrerinnen und Kinder, denen ich einige Kostproben vorlas, ließen dann aus den angefangenen 40 - 50 Seiten für Kinder den nun vorliegen Roman entstehen.
„Des Meisters Bartel verlorener Ring“ möchte Einblicke in das historische Leben in einer kleinen Reichsstadt geben und zeigt besonders auch den Alltag von Handwerkern und ihren Familien.
Ich wende mich an erwachsenen Leser. Aber auch jugendliche Leser, etwa ab 13 Jahre, können durchaus daran Gefallen an diesem historischen Roman finden, was mir einige Lesungen bewiesen haben.

Wann sind Sie auf die historische Figur des Schneiders Christoph Bartel zum ersten Mal gestoßen?

Bei der Sanierung des Marktplatzes in Bad Windsheim sind umfangreiche archäologische Funde zum Vorschein gekommen. Fast am Schluss der halbjährigen Grabungskampagne ist in dem Abraum, der um den ehemaligen Stadtbrunnen abgegraben wurde, der Messingring gefunden wurden. Anfänglich konnte dieser Ring nicht eingeordnet werden. Wir hatten bis dahin überwiegend Funde (Mauern, Skelette, Alltagsgeschirr usw.) aus dem 8. bis 13. Jahrhundert zutage gefördert. Und nun ein Siegelring mit einer Darstellung einer Figur in der Kleidung des 18. Jahrhunderts. Unmittelbar neben dem ehemaligen Stadtbrunnen auf dem Marktplatz lag der Ring. Besonders ist daran, dass es sich eigentlich nur gut betuchte Meister leisten konnten, einen eigenen Siegelring herstellen zu lassen.
Aufgrund der Initialen ACB hat dann eine freiwillige Helferin die Kirchenbücher durchforstet und konnte einen Heiratseintrag von einem Schneidermeister Andreas Christoph Bartel finden. Die Archäologen haben dies als eine eindeutige Zuordnung bezeichnet. Ein weiterer Hinweis fand sich dann im Stadtarchiv, hier war ein Vermerk, der diesen ACB als Bürger abwies, weil er die Bürgeraufnahmesteuer nicht entrichten konnte.
So lag der Gedanke nahe, dass es ACB entweder später zu Reichtum und Ansehen gebracht hatte, oder dass die Witwe die er heiratete aus dem mit in die Ehe gebrachten Vermögen den Ring bezahlt hatte.

Welche Rolle spielt die Stadtgeschichte Bad Windsheims für Ihren Roman?

Bei einem meiner Hauptprojekte zu der Zeit, dem Umbau der Spitalkirche in Bad Windsheim (1996-2006) zum „Museum Kirche in Franken“, hatte ich ständig Kontakte mit Kunsthistorikern und Archäologen. Über mehrere Jahre war ich verantwortlicher Projektleiter bei den dort durchgeführten Ausgrabungen. Es waren spannende Augenblicke, wenn wieder etwas entdeckt wurde, was sich wie ein Puzzel in die Stadtgeschichte einfügte. Natürlich fließt mein Wissen um die Stadt und ihre Geschichte auch in „Des Meisters Bartel verlorener Ring“ ein.

Wie steht es mit dem Anteil der Fiktion im Roman?

Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten.
Die Zeitabläufe und ein Teil der Figuren, von denen mir oft nur Geburts- und Sterbedatum vorlagen, sind authentisch. Auch die Beschreibungen der Stadt mit ihren Häusern, Gassen und Kellern usw. entsprechen den Tatsachen. Die meisten Gebäude stehen ja noch so, wie ich sie in meinem Roman beschrieben habe. Es gibt genügend Bild- und sogar Fotomaterial.
Dann gibt es aber auch Passagen, in denen ich mich in historische Fakten eingefühlt und sie ausgebaut habe.
Wenn es in der Chronik der Stadt Windsheim heißt: „... der Winter war kalt, viel Hungerns und frieren war da,...“, dann habe ich das veranschaulicht. Ähnlich verfahre ich mit den Einquartierungen die in der Chronik oft nur mit einem einzigen Satz erwähnt werden: „...wieder viel Leids durch 2000 Soldaten, viel wilde Kerle dabei...“.
Frei erfunden ist die Familiengeschichte der Bartels, auch die beiden Kinder Lena und Albrecht. Die italienische Familie De Pachino entspringt ebenfalls meiner Fantasie. Doch die Beschreibungen aus Sizilien und der Toskana und die verschiedenen Handwerkstechniken der Maler und Stukkateure entsprechen den Tatsachen. Die Farbe aus „Kuh“ ist beispielsweise eine erprobte Technik zur Isolierung von Rußflecken. Versuche im Fränkischen Freilandmuseum und eigenes Durchführen erbrachten den Beweis, dass sie funktioniert.
Frei erfunden ist die Geschichte mit der Freundschaft des Meisters Bartel mit dem berühmten Kupferstecher Delsenbach und die Liebesgeschichte der Lena.
Richtig ist wiederum, dass Delsenbach die Kupferstiche vom großen Stadtbrand 1730 nachträglich angefertigt und das der Stadtrat diese mit einem „Werbe- und Bettelbrief“ versehen an alle Reichs- und Hansestädte im Reich versandt hatte. Die daraufhin eingegangene enorme Spendensumme ist im Archiv verbürgt.
Richtig sind auch die Gedanken der Aufklärung, die in dieser Zeit auch in Nürnberg Einzug gehalten hatten. Ob und wie diese eventuell nach Windsheim gelangten, ist nirgends vermerkt.

Lena ist finanziell unabhängig. Ihre Mutter entscheidet sich für eine Ehe mit dem Fremden Christoph Bartel und stellt eigene Bedingungen. Lag Ihnen daran, emanzipierte Frauenfiguren zu zeichnen?

Für mich gehört die Freiheit und Gleichheit jedes einzelnen Menschen mit zu dem höchsten Gut, das wir besitzen können und so waren es für mich gerade diese Gedanken, die ich meinen Protagonisten nahe legen wollte. Die fiktive Geschichte der Lena knüpft hier an einige für die damalige Zeit revolutionäre Aussagen der Frühaufklärung an, die auch in Nürnberg zur Bildung sogenannter Töchterschulen geführt hatten. In diesen Lehranstalten sollten die Mädchen zu „perfekten“ Hausfrauen oder Wirtschafterinnen ausgebildet werden. Aber gerade mit dem Gedankengut zum selbstständigen Denken könnte es dabei doch dazu geführt haben, dass eines der Mädchen wirklich „selbst dachte“. Eine solche Person sollte Lena darstellen.

Ist der historische Roman für Sie ein "Lieblingsgenre"?

Generell lese ich viel und gerne, vom Krimi über den Roman bis hin zu reinen Fachbüchern, meist mit geschichtlichen Inhalt. Bereits in der Schule haben mich Geschichte und Geografie fasziniert und gehörten zu meinen Lieblingsfächern. Ich war immer neugierig und wollte immer wissen, wieso etwas so ist und nicht anders. Vor allem aber welche Geschichte steckt hinter welchem Ereignis oder Bauwerk. Wir sind relativ viel umgezogen und an fast allen Orten in denen wir dann lebten, habe ich mich intensiv mit der jeweiligen Heimatgeschichte befasst. Beim Lesen mancher Bücher ärgert es mich oft, wenn offensichtlich Daten oder Ereignisse nicht stimmen, daher war ich bemüht, in meinem Roman so historisch genau wie möglich zu schreiben.

Das Interview führte Stefanie Schnitzler
Textagentur Schrift, Wort, Tat,
Freie Dramaturgin am Jungen Schauspielhaus Düsseldorf,
www.schnitzler-text.de

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