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129 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 60 Rezensionen

liebe, bücher, ich treffe dich zwischen den zeilen, roman, literatur

Ich treffe dich zwischen den Zeilen

Stephanie Butland , Maria Hochsieder-Belschner
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.10.2017
ISBN 9783426520758
Genre: Liebesromane

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54 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

reise, rezension, blogger, gesellschaft, fernweh

Gehen, um zu bleiben

Anika Landsteiner
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.05.2017
ISBN 9783442176724
Genre: Sachbücher

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

walter moers, gustave doré, illustrationen von gustave dore, reise, tod

Wilde Reise durch die Nacht

Walter Moers , Gustave Doré
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Knaus, 11.11.2013
ISBN 9783813505771
Genre: Romane

Rezension:

Als Gustave und die Mannschaft der Aventure von einem Siamesischem Zwillingstornado heimgesucht werden, scheint eines unausweichlich: der Tod. Doch dass ihm Gevatter Tod höchstpersönlich begegnet und ihm vor seinem Ableben noch einen Deal anbietet, damit hätte Gustave nicht gerechnet.

Um seine Seele vor dem Einsargen zu bewahren, soll Gustave in einer einzigen Nacht sechs schier unlösbare Aufgaben bewältigen: Er soll eine Jungfrau vor den Klauen eines Drachen befreien, durch einen Wald voller bösartiger Gespenster reiten, sich Rätselhaften Riesen und dem Schrecklichsten aller Ungeheuer stellen, der Zeit den Zahn ziehen und sich letztendlich selbst begegnen, ehe der Tod ihm die sechste und letzte Aufgabe stellt.

Gustave lässt sich auf den Pakt mit dem Tod ein und begibt sich fortan auf eine wilde Reise durch die Nacht, bei der er von der Erde zum Mond, einmal quer durch das ganze Universum und wieder zurückreist und das verrückteste Abenteuer seines Lebens bestreitet.

“Das Leben, mein Junge, ist nicht nur eine wilde, schöne Reise. Leben, das heißt auch: dem Tod bei der Arbeit zuzusehen. Das ist das Härteste überhaupt! Das muss man aushalten können. Bist du bereit, das auszuhalten, mein Junge?”

Zitat, Seite 163

Während ich Moers‘ Zamonien-Romane bereits allesamt verschlungen habe, blieb das vorliegende Werk bis dato immer unentdeckt. Irgendwie hatte ich den Roman, der bereits 2001 im Anschluss an „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ und „Ensel und Krete“ erschienen ist und nicht in Zamonien spielt, all die Jahre übergangen. Welch ein Fauxpas!

Nachdem ich sein neuestes Werk „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ innerhalb kürzester Zeit gelesen hatte, beschloss ich, bis zur Erscheinung der ersten Graphic Novel im Herbst meine moers’sche Lektüren-Lücke zu füllen, und mir eine der alten Hardcover-Ausgaben von „Wilde Reise durch die Nacht“ zu sichern. Wie ich herausfand, ist es neben seinem neuesten Werk ebenfalls mit Illustrationen aus fremder Hand ausgestattet.

Was sich mir in diesem Buch offenbarte, war eindeutig mehr, als ich erwartet hatte. Denn die Geschichte, die Moers um einundzwanzig Holzstiche des scheinbar erfolgreichsten Illustrators des neunzehnten Jahrhunderts entspinnt, ist grandios. Es sind die Bilder von Gustave Doré (1832 – 1883), auf dessen Grundlage die Geschichte basiert. Moers kreiert damit nicht nur ein wahnwitziges Abenteuer, das sich an Dorés Holzstiche entlanghangelt, sondern erschafft damit auch eine Hommage an den Illustrator selbst, der insgesamt 221 Bücher, darunter auch Cervantes Don Quichote, Dantes Inferno, Poes The Raven, Ariostos Orlando Furioso (Rasender Roland) und die Bibel, mit seinen Zeichnungen und Holzschnitten ausgestattet hat. Demnach ist der 12-jährige Protagonist Gustave, den Moers hier auf eine phantastische Reise schickt, niemand geringeres als Gustave Doré selbst.

„Das war der Tod in seiner Sturm-und-Drang-Phase! Vor ein paar hundert Jahren. Wahrscheinlich mal wieder unterwegs, um irgendeine Pest über die Menschheit zu bringen! (…) Damals hatte er noch wesentlich mehr Anhänger, wie du gesehen hast. Und sieh ihn dir heute an! Ein Schatten seiner selbst! Bis aufs Skelett abgemagert. Schiebt Dienst nach Vorschrift und hat sich in seinem Ruhesitz auf dem Mond verkrochen. Der erschreckt höchstens noch kleine Jungs. Mittlerweile hat er nur noch seine bekloppte Schwester. Der Tod ist Rentner geworden.“

Zitat, Seite 149/150

Und so finde ich mich in einem nächtlichen Unterfangen voller Anspielungen, schwarzem Humor, Einfallsreichtum und dramatischen Wendungen wieder. Das wahnwitzige Abenteuer, das mit der Begegnung mit Gevatter Tod und seiner bekloppten Schwester Dementia beginnt, führt mich nicht nur an zickigen Amazonen, dämlichen Riesen, weinerlichen Monstern und zahlreichen Fantasiewesen vorbei, sondern schleudert mich auch durch einen Galaktischen Gully mitten hinein in die Verwaltungsabteilung des Universums, wo ich einen Blick auf Futuristische Eventualitätswaben mit Raumzeitkontinuierlichen Möglichkeitsprojektionen werfen darf.

Was soll ich sagen: Moers‘ überschäumende Fantasie kannte schon damals keine Grenzen. Er jonglierte bereits 2001 mit zahlreichen Fantasiewesen; die mir mitunter vertraut, aber auch gänzlich unbekannt waren; bastelte fleißig Anagramme und dehnte Wörter bis ins Unermessliche. Die begleitenden Holzstiche Dorés sind dabei nicht nur besonders schön anzusehen, sondern machen die „Wilde Reise durch die Nacht“ auch zu einem überaus harmonischen Gesamtwerk, das sich nun perfekt an die restlichen Zamonienromane schmiegt und die klaffende Lücke in der Moers-Regalreihe schließt.

Wer sich auf eine nächtliche Reise fernab von Zamonien einlassen möchte, dem ist dieses Werk schwer ans Herz gelegt. Auch 16 Jahre nach seinem Erscheinen hat es für mich nicht an Reiz verloren. Sicherlich ist in den nachfolgenden Werken eine gewisse literarische Entwicklung von Moers festzustellen. Dem Lesevergnügen des vorliegenden Werkes steht das aber keinesfalls im Weg.

„Je weniger qualvoll die Todesart, desto weniger attraktiv die Tiere. Wenn du friedlich an Altersschwäche stirbst, siehst du nur ein Huhn. Das letzte Huhn. Es gackert, und du bist hinüber.”

Zitat, Seite 154

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Tags: gustave doré, pakt mit dem tod, walter moers, wilde reise durch die nacht   (4)
 

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

glück, zitat, länder, zitate, gedicht

Das Glück wohnt überall

Katharina Teimer , Inka Vigh
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 19.07.2017
ISBN 9783845822198
Genre: Sachbücher

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42 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

handlettering, brushlettering, frau hölle, kalligrafie, selbstgemacht

Handlettering Alphabete

Tanja Cappell
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Edition Michael Fischer, 17.08.2017
ISBN 9783863557683
Genre: Sachbücher

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246 Bibliotheken, 37 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

zamonien, fantasy, walter moers, gehirn, märchen

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Walter Moers , Lydia Rode
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaus, 28.08.2017
ISBN 9783813507850
Genre: Fantasy

Rezension:

„Wenn die Minuten durch die Jahre rufen, erhebt sich der ewige Träumer über seine irdische Last. Und reist mitten hinein, ins dunkle Herz der Nacht.“

Prinzessin Dylia ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien, weswegen sie sich auch gerne „Prinzessin Insomnia“ nennt. Ihr Rekord schlafloser Nächte liegt bei 18 Tage. Während sich der gesamte Königshof den Kopf darüber zerbricht, wie man ihrer heimtückischen Krankheit Einhalt gebieten könnte, hat sich Dylia mit ihrem Zustand längst abgefunden und nutzt die zusätzliche Zeit, sich ihrer ganz besonderen Leidenschaft, der Sprache, zu widmen.

Sie übersetzt und erfindet dabei nicht nur eine Reihe spezieller Wörter, die sie selbst Pfauenwörter tauft, sondern wendet auch ein selbst erdachtes Buchstabenvertauschungsprogramm von verblüffender Wirksamkeit an. Durch das „ridikülisierende Anagrammieren“ kann sie jedes Schreckenswort in eine Karrikatur seiner selbst verwandeln und sogar Krankheiten und dem Tod den Stachel ziehen.

„Prinzessin Dylia hatte nun einmal ein außergewöhnlich leidenschaftliches Verhältnis zu Sprachen. Zu Buchstaben. Zu Wörtern aller Art, deren Verbreitung sie gewissermaßen als ihre ganz eigene diplomatische Mission am Königshof empfand. (…) Sie übersetzte leidenschaftlich gerne von einer in die andere und wieder zurück. Übersetzen, so glaubte Dylia, sei wie Wörtern über die Grenze zu helfen. Selbst illegaler Wörterschmuggel und nicht autorisierte Übersetzungen konnten in ihren Augen wertvolle Beiträge zur Völkerverständigung sein.“

Zitat, Seite 50

Als eines Tages ein merkwürdig hässlicher Gnom mit schimmernd lederner Haut und einem unerhört losen Mundwerk in ihrem Schlafgemach auftaucht, wird ihr dennoch Angst und Bange. Denn Havarius Opal ist ein albtraumfarbener Nachtmahr. Sie sind es, die das Albtraumgeschäft verwalten und ihre Opfer so sehr in den Wahnsinn treiben, dass sie ihrem Leben freiwillig ein Ende setzen. Auch Havarius verheißt Dylia, ihr von nun an nicht mehr von der Seite zu weichen und sie bis zu ihrem befreienden Sprung in den Tod zu begleiten. Doch Dylia beabsichtigt nicht im Geringsten, sich frühzeitig aus dem Leben zu verabschieden. Sie wählt daher die für sie viel interessantere Alternative: eine Reise nach Amygdala. Ein abenteuerlicher Trip in die Stadt der Angst und ins dunkle Herz der Nacht.

„Langeweile, das war für Prinzessin Dylia etwas, worunter kleine Kinder litten, die noch nicht genug Gehirnmasse entwickelt hatten. Oder Vollidioten, bei denen das mit der Gehirnmasse auch im Erwachsenenalter nicht klappte.“

Zitat, Seite 37

Ein irrer Trip durch die Windungen eines Hirns

Da ist es nun, das neue Werk von Walter Moers. Doch es ist nicht „Das Schloss der träumenden Bücher“, auf das Fans bereits seit geraumer Zeit warten, sondern vielmehr ein neues Zamonien-Projekt, das nach Aussage von Moers alle anderen vorübergehend verdrängt hat.

Zu seinem neuesten Werk, das er der zamonischen Spätromantik und erneut dem Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz zuschreibt, wurde Moers von Lydia Rode inspiriert, die sein Werk nicht nur farbig illustrierte, sondern auch an der seltenen und rätselhaften Krankheit Chronic Fatigue Syndom (CFS) leidet, einem chronischen Erschöpfungssyndrom, dessen Leitsymptom eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung ist.

Nun, Moers-Fans wie mir, ist es ehrlich gesagt völlig egal, wie das neue Zamonien-Werk nun heißt und in welche abgelegenen Winkel es mich führen wird, das einzig Wichtige ist, er schenkt mir neuen zamonischen Lesestoff. Und da ist er nun: „Prinzessin Insomnia & der albtraumfarbene Nachtmahr“.

Und Moers enttäuscht mich nicht. Ganz im Gegenteil. Während das vorangegangene „Labyrinth der träumenden Bücher“ zwar eine Reihe an kreativen Ideen beinhaltete, aber auch vor altbekannten Begriffen und Wiederholungen aus den Vorgängerbänden strotzte, überrascht er mich nun mit einer wiedergewonnenen Stärke und einem neu angereicherten Ideenreichtum, mit dem er mich seit jeher zu begeistern versteht.

Dieser besagte Reichtum präsentiert sich nicht nur in einer Vielzahl an raffinierten Wörtern, skurillen Figuren und mysteriösen Schauplätzen, sondern auch durch einen gänzlich neuen Plot. Denn weder der Prinzessin noch dem Nachtmahr bin ich je zuvor begegnet. Es sind ihre rebellischen Persönlichkeiten, die in Konversationen voller unterhaltendem Wortwitz, starkem Sarkasmus und kämpferischem Gefrotzel ausufern. Moers schleudert mir Sprichwörter ums Ohr, die mir irgendwie vertraut vorkommen, und dennoch völlig anders sind. Schreckenswörter verwandelt er in verweichlichte Anagramme und aus merkwürdigen Fantasiebegriffen werden essentielle Pfauenwörter.

Während Moers sich anfangs recht eingehend mit Prinzessin Dylias Krankheit Insomnia und ihrer besonderen Vorliebe für die Sprache beschäftigt, kommt die Geschichte eigentlich erst so richtig mit der Begegnung von Havarius Opal, dem albtraumfarbenen Nachtmahr, und ihrer gemeinsamen Reise nach Amygdala ins Rollen.

Es ist die Schlaflosigkeit der Prinzessin, die uns Zugang zu einer völlig neuen Welt eröffnet und uns ins tiefere Innere ihres Gehirns führt. Eine abenteuerliche Reise voller ungeahnter Gefahren beginnt. Sie lässt uns durch dichte Nebelsuppe flimmen, Denkfalten passieren und in eine Hirnklamm hinabsteigen, wo wir nicht nur fragilen Geistgeistern (bzw. Zwielichtzwergen) und parasitären Zergessern begegnen, sondern auch über Zweifelspfützen springen, Ideen beim Schlüpfen zusehen und Geistesblitzen ausweichen müssen, um sie nicht in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen.

Wir reisen mitten hinein, ins dunkle Herz der Nacht, und winden uns voller Behanglichkeit in der moers’schen Kreativität. Die farbigen Illustrationen von Lydia Rode, die uns während der gesamten Reise durchs Buch begleiten, sind dabei nicht nur besonders schön anzusehen, sondern auch besonders wirkungsvoll. Sie erwecken die zahlreichen Fantasiefiguren und Schauplätze zum Leben und schenken Moers‘ Zeilen eine besondere Tiefe. Als wenn Rode Feenstaub über die Seiten gestreut hätte.

„Dein Gehirn ist ein Dschungel wie jedes andere Gehirn auch. Ein wilder, gefährlicher, gnaden- und gesetzloser Urwald voller unberechenbarer Kreaturen. Perfekte Ordnung und totales Chaos, Diktatur und Anarchie, freier Wille und irrer Zwang, Fressen und Gefressenwerden – all das existiert darin. Wie in einem Zoo, in dem alle Käfigtüren offenstehen.“

Zitat, Seite 111

Insgesamt ist das zamonische Märchen in achtzehn Kapitel eingeteilt, die mit römischen Zahlwörtern versehen sind. So beginnt die Reise mit dem ersten Kapitel Primus und endet mit Octavus Decimus. Darüber hinaus ordnet Moers ihnen noch zusätzliche Unterschriften zur Orientierung wie z.B. Der Friedhof des bunten Humors hinzu. Dank ihnen lässt es sich auch im Nachhinein noch einmal ganz leicht durch die Schauplätze der Geschichte hangeln.

„Jedes Gehirn ist anders, jedes Gehirn ist verrückt und jedes Gehirn ist anders verrückt. Aber auf keinen Fall ist es nur.“

Zitat, Seite 111

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Tags: fantasie, gehirn, insomnia, märchen, moers, schlaflosigkeit, skurrilitä, zamonien   (8)
 

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118 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 69 Rezensionen

marx, darwin, london, karl marx, charles darwin

Und Marx stand still in Darwins Garten

Ilona Jerger
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 11.08.2017
ISBN 9783550081897
Genre: Romane

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60 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

religiös, frauen, www.die-rezensentin.de, befreiung, unterdrückung

Unorthodox

Deborah Feldman , Christian Ruzicska
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei btb, 19.06.2017
ISBN 9783442715343
Genre: Biografien

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462 Bibliotheken, 17 Leser, 1 Gruppe, 154 Rezensionen

liebe, europa, reisen, reise, liebe findet uns

Liebe findet uns

J. P. Monninger , Andrea Fischer
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.07.2017
ISBN 9783548289557
Genre: Liebesromane

Rezension:

Den letzten Sommer nach der Uni wollen Heather, Amy und Constance für eine gemeinsame Europa-Reise nutzen. Während sich Amy in die Arme zahlreicher Männer wirft und Constance sich ihrer Leidenschaft für Madonna-Statuen hingibt, ist Heather ganz vertieft in ihren Hemingway und will sich durch die Gassen der Altstädte treiben lassen. Dass sie im Zug nach Amsterdam auf ihre große Liebe trifft, hätte sie nie für möglich gehalten.

Was als flapsiger Schlagabtausch zwischen zwei Reisenden beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer schicksalhaften Begegnung mit Folgen. Denn Heather und Jack können die Augen nicht mehr voneinander lassen, fühlen sich auf magische Weise zueinander hingezogen.

Und so ergänzt Jack fortan das Dreiergespann und entführt Heather zu den Stationen eines alten Reisetagebuchs seines Großvaters, das seine Reise bestimmt. Sie entdecken dabei die Schönheit ungewöhnlichster Orte und teilen die außergewöhnlichsten Momente zusammen. Doch als Heather klar wird, was sie für Jack empfindet, verschwindet er genauso plötzlich wie er kam.

War ihre Liebe nur für einen Sommer bestimmt?

"Wir standen da und verloren uns in den Augen des anderen. Im Vergleich dazu war jeder Blick, den ich je mit einem anderen getauscht hatte, nur eine Vorübung gewesen. Dieser Moment war überwältigend, wunderschön und beängstigend, und wenn mein Leben jetzt zu Ende gewesen wäre, hätte ich immerhin gewusst, wie es sich anfühlt, den Blick eines anderen festzuhalten und ohne jeden Zweifel zu wissen, dass das, was wir Seele nennen, auf die des anderen reagiert hat. Dass wir diesen Blick, diesen Moment, bis in alle Ewigkeit besitzen würden wie einen seltenen Schatz, zusammen mit dem Wissen, dass keiner von uns jemals wieder allein sein musste, niemals so ganz, nie wieder."

Zitat, Seite 172

Es gibt Bücher, die triefen förmlich nach Liebesroman. Auch dieses hier schien mir so eines zu sein. Ich hatte so lange keine Liebesgeschichte mehr gelesen, dass ich ganz zielsicher nach "Liebe findet uns" griff und überrascht war, als sich die Geschichte doch ganz anders präsentierte. Nun ja, nicht völlig, aber dennoch anders.

Denn Monningers Roman ist ein Mix aus vielem: Roadtrip, Lebens- und Liebesgeschichte. Während Cover und Titel sich ganz eindeutig in die Richtung Liebesroman bewegen, folgen die Zeilen vorerst einer anderem Ziel: einer Reise durch Europa. Was anfangs als reiner Mädelstrip geplant war, wird schon bald zum Abenteuertrip für alle Beteiligten. Allen voran für Heather, die von Jack in ein altes Reisetagebuch eingeweiht wird und fortan mit ihm die Stationen seines verstorbenen Großvaters bereist. Nach Amsterdam folgt u.a. Polen, Italien und Frankreich.

"Egal was du mit nach Paris bringst, die Stadt nimmt es dir und gibt es erst wieder her, wenn sie es nicht mehr braucht. Dann ist es verändert, manchmal nur geringfügig, manchmal stärker, aber immer behält die Stadt einen kleinen Teil für sich. Paris ist ein Dieb. Ein lächelnder Dieb, der sich mit dir über einen Witz amüsiert und dich gleichzeitig beklaut."

Zitat, Seite 227

Es sind die Stationen der Reise, in die Monninger auch seinen Roman unterteilt. Während sich die erste Hälfte seiner Geschichte mit dem Trip und der gemeinsamen Zeit von Heather und Jack befasst, erzählt die zweite von der Zeit danach. Von einer verlassenen Heather, die nach dem Verschwinden von Jack mit aller Macht versucht, ins Leben zurückzufinden und die geheimnisvolle Reisebekanntschaft zu vergessen.

Monningers Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Während er seine Leser stellenweise mit der nötigen Prise Romantik versorgt, findet er immer wieder zu einem gereiften und realistischen Ton zurück. Dieser Stilmix nimmt der Geschichte den unnötigen Kitsch, den ich von so vielen Liebesromanen kenne und lässt auch Heather, aus deren Perspektive erzählt wird, authentischer wirken.

Die Verflechtung der Geschichte mit Momentaufnahmen aus dem Reisetagebuch von Jacks Großvater habe ich sehr genossen. Sie hat den Orten, die Jack und Heather besucht haben, eine authentischere Note verliehen und ihnen einen ganz besonderen Wegbegleiter geschenkt. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass Monninger auf die Beziehung, die Jack mit seinem Großvater verband, noch etwas näher eingeht. Teilweise erschien mir der Verlauf der Passagen zu abrupt, lies mich verstimmt zurück.

Auch der zweite Teil des Romans präsentiert sich in meinen Augen deutlich schwächer als der erste. Es wirkt fast so, als wären Monninger die Ideen ausgegangen, die er im ersten Teil noch so fein ausgearbeitet hat. Er lässt Heather durch eine Reihe an Belanglosigkeiten wandern, die sicherlich der Realität und ihrer Trauerphase um Jack zuzuschreiben ist, seinen Zeilen aber auch ein bisschen an Besonderheit nimmt.

Das Ende hingegen hat mich wieder ein bisschen friedlich gestimmt. Es ist schlicht und ein angenehmer Kontrast zu den üblichen Happy Ends. Eins, das dem Leben ins Auge blickt und den Lesern Spielraum für ihre eigene Interpretation schenkt. So begegnet mir "Liebe findet uns" als angenehm überraschende Liason aus Roadtrip, Lebens- und Liebesgeschichte, die mich trotz einiger Schwächen, gut zu unterhalten wusste und einmal mehr unter Beweis stellt, dass die Liebe ihre ganz eigenen Wege geht.

"Die Liebe, die wir suchen, kommt von selbst und geht, wann sie will. Wer behauptet, wir würden Liebe finden, versteht ihr Wesen nicht. Liebe findet uns, durchfließt uns, zieht weiter. Wir können sie ebenso wenig zwingen, wie man Luft oder Wasser zwingen kann; ohne Luft und Wasser können wir genauso wenig leben wie ohne Liebe. Sie ist lebenswichtig und alltäglich wie Brot. Wenn man offen für sie ist, wird man sie überall sehen und nie ohne sie sein."

Zitat, Seite 378

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367 Bibliotheken, 19 Leser, 1 Gruppe, 93 Rezensionen

rassismus, angie thomas, the hate u give, jugendbuch, thug

The Hate U Give

Angie Thomas , Henriette Zeltner
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei cbt, 24.07.2017
ISBN 9783570164822
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Ein ohrenbetäubter Schrei dringt aus meiner Kehle, explodiert in meinem Mund und nutzt jeden Zentimeter meines Körpers für seine Resonanz. Mein Verstand sagt mir, ich soll mich nicht bewegen, aber alles andere drängt mich, nach Khalil zu sehen. Ich springe aus dem Wagen und renne auf die andere Seite. Khalil starrt in den Himmel, als hoffe er, Gott zu sehen. Sein Mund ist wie zu einem Schrei geöffnet. Ich schreie laut genug für uns beide.“

Zitat, Seite 33

Starr ist 16 Jahre alt, als sie Zeugin von rassistischer Polizeigewalt und ihr bester Freund Khalil vor ihren Augen erschossen wird. Während sie versucht, Khalils starr in den Himmel gerichteten Augen und das grausame Blutbad des Abends zu vergessen, verbreitet sich der Vorfall wie ein Lauffeuer. Starrs schwarzes Viertel kocht vor Wut.

Doch Starr muss die Fassung wahren. Schließlich ist sie in zwei unterschiedlichen Welten zu Hause. Während sie im schwarzen Viertel Garden Heights zu Hause ist, ist sie in ihrer Privatschule Williamson Prep überwiegend von Weißen umgeben. Hier unterdrückt sie sich ihren Ghetto-Slang, achtet auf gepflegte Umgangsformen und genießt alleine schon aufgrund ihrer Hautfarbe einen gewissen Coolnessfaktor.

Doch als den Menschen klar wird, dass es sich bei der Zeugin um Starr handelt, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Starr muss sich entscheiden, ob sie sich weiterhin bedeckt halten soll oder dem toten Khalil eine letzte Stimme schenkt.

„Wozu hat man eigentlich eine Stimme, wenn man in den entscheidenden Momenten schweigt?“

Zitat, Seite 288

Was Angie Thomas uns hier schenkt, ist nicht nur ein beeindruckend mutiges Debüt, sondern auch ein ganz besonderes wichtiges. Das war mir bereits vor dem Lesen klar. Denn Thomas tut das, was sich viele nicht trauen. Sie redet offen über Machtmissbrauch und Rassismus. Mit ihrem schonungslosen Ton trifft sie genau den Nerv der Zeit.

Während die Polizeigewalt in den USA bereits erschreckende Ausmaße angenommen hat, blicken wir in Deutschland noch auf ein einigermaßen geordnetes System. Noch. Doch Rassismus begegnen wir auch in Deutschland. Oftmals sind typisch weiße Denkweisen und Verhaltensmuster zu erkennen, die einem erschreckenden Automatismus unterliegen und Menschen in Schubladen stecken, die ein bestimmtes Klischee erfüllen. Dabei vergessen wir oft, dass es neben Schwarz und Weiß auch noch unendlich viele Grautöne gibt, die Menschen zu Individuen machen.

„Thug Life steht für „The Hate U Give Little Infants Fucks Everybody“. Hör zu! T-H-U-G L-I-F-E. Das bedeutet, was die Gesellschaft uns als Kinder antut, das kriegt sie später zurück, wenn wir raus ins Leben ziehen. Kapiert?“

Zitat, Seite 25/26

Die Besonderheit von „The Hate U Give“ ist bereits auf den ersten Blick erkennbar. Denn sowohl auf dem Cover als auch in der Geschichte des Jugendbuches begegnen wir einem schwarzen Mädchen als Protagonistin: Starr. Während die Schwarzen oft eine Randfigur in Geschichten einnehmen, ist es sie, die hier im Mittelpunkt steht. Es sind ihre Augen, aus der wir die Geschichte erleben; ihr Bewusstsein, in dem die Ereignisse Gestalt annehmen.

Und so katapultiert uns Thomas ohne lange Umschweife direkt ins Geschehen. Wir sind Starr; ein verängstigter Teenager, der mitansehen muss, wie der beste Freund von einem Cop erschossen wird. Doch nicht nur das. Die Folgen, die aus dieser Tat resultieren, sind verheerend. Denn während die Polizei versucht, die Dinge in einem anderen Licht darzustellen und die Wahrheit zu verfälschen, ergreift die schwarze Bevölkerung Partei für Khalil. Ein unerbittlicher Kampf gerät ins Rollen, der neben den üblichen Bandenkriegen noch mehr Wut, Hass und Gewalt nach sich zieht und letztendlich nicht nur Starrs Leben, sondern auch das ihrer Familie und ihren Freunden gefährdet.

„Manchmal machst du alles richtig, und es geht trotzdem alles schief. Entscheidend ist, dass du dennoch nie aufhörst, das Richtige zu tun.“

Zitat, Seite 179/180

Thomas‘ Zeilen sind eine Mischung aus jugendlicher Unsicherheit und provozierend schwarz-amerikanischem Slang. Durch diesen kontrastreichen Stilmix gelingt es ihr vortrefflich, Starrs Gefühlsleben und ihre gegensätzliche Welt authentisch darzustellen, die das Mädchen zwischen ihrem schwarzen Viertel und ihrer weißen Privatschule, zwischen Arm und Reich aber auch zwischen ängstlicher Zurückhaltung und gewagter Unerschrockenheit hin- und herwechseln lässt.

Starr begegnet uns dabei als eine toughe, wenn auch selbstzweifelnde Persönlichkeit, die aus Angst um ihr Leben erst langsam aber sicher ihre Stimme finden muss. Ihre Entwicklung ist ein stetig wachsender Prozess, der sich durch das gesamte Buch zieht und seine Zeit braucht. Durch diesen Entwicklungsprozess schenkt Thomas auch ihren Lesern die Möglichkeit, eine Stimme zu finden.

„Da ist dieses Wort wieder. Mut. Mutigen Menschen zittern bestimmt nicht die Knie. Mutige Menschen haben nicht das Gefühl, gleich kotzen zu müssen. Und mutige Menschen müssen sich bestimmt nicht ermahnen, zu atmen, wenn sie zu sehr an jenen Abend denken. Wäre Mut ein medizinischer Zustand, läge bei mir eine klare Fehldiagnose vor.“

Zitat, Seite 322

Auch die Silhouette von Khalils Charakter gewinnt selbst über seinen Tod hinweg an Sichtbarkeit. Es sind die Erzählungen einzelner, die Khalil zurück ins Leben holen. Seine Wesenszüge und Beweggründe sind es, über die man plötzlich urteilt, ohne den wahren Khalil je kennengelernt zu haben. Die weiße Bevölkerung weist ihm schnell die Rolle eines Thug (eines Kriminellen) und Gangmitglieds zu, der es verdient hätte, zu sterben.

Doch nicht nur Starr und Khalil, sondern auch den zahlreichen Nebenfiguren schenkt Thomas ihre Aufmerksamkeit. So begegnen wir während der Geschichte einer Reihe liebevoll gezeichneter Figuren, die alle ihre Daseinsberechtigung haben und aktiv zum Geschehen beitragen. Vor allem Starr’s Familie und ihre engsten Freunde finden hierbei regelmäßig Beachtung.

„Mutig sein bedeutet nicht, dass du keine Angst hast, Starr“, sagt sie. „Es bedeutet, dass du was tust, obwohl du Angst hast.“

Zitat, Seite 376

Welche Hautfarbe du hast, spielt beim Lesen von „The Hate U Give“ letztendlich keine Rolle. Was zählt, ist vielmehr deine Stimme, die du während dem Lesen findest und das Denken und Handeln, was daraus resultiert. Diese Botschaft vermittelt Thomas durch viele kleine nahezu unscheinbare Details. Sicher hat Starr deshalb auch einen weißen Boyfriend. Durch diesen Schachzug heimst Thomas nicht nur meine Sympathien ein, sondern genießt auch meine volle Wertschätzung für dieses wirklich beeindruckende Werk. Thomas bzw. Starrs eindringliche Stimme wird noch lange in mir nachhallen.

    Den Balanceakt zwischen deutschen und englischen Begriffen meistert Henriette Zeltner bei der Übersetzung ins Deutsche gekonnt. Durch das Beibehalten von schwarz-amerikanischen Begriffen bewahrt sie der Geschichte ihren unverwechselbaren und authentischen Ton. Wem die Bedeutung mancher Begriffe dennoch unklar sein sollten, wird im an die Geschichte anschließenden Glossar fündig.

„Man sagt, Elend zieht Elend an, aber das gilt wohl ebenso für Wut. Ich bin hier nicht die Einzige, die angepisst ist – alle um mich rum sind es auch. Man muss dafür nicht auf dem Beifahrersitz gesessen sein, als es passierte. Meine Wut ist ihre Wut, und ihre ist meine.“

Zitat, Seite 440

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147 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

frankreich, bibliothek, bücher, literatur, bretagne

Das geheime Leben des Monsieur Pick

David Foenkinos , Christian Kolb
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei DVA, 13.03.2017
ISBN 9783421047601
Genre: Romane

Rezension:

"Diese Bibliothek ist gefährlich."

Vorangestelltes Zitat

Crozon, ein bretonisches Küstendorf im Finistère. Hier, in ihrem bescheidenen Heimatort am Ende der Welt rechnet Delphine am Allerwenigsten mit einer Sensation. Doch während ihr Freund Frédéric sich verzweifelt an einem zweiten Roman versucht, stößt die junge Lektorin in der Gemeindebibliothek auf eine ganz besondere Geschichte: "Die letzten Stunden einer großen Liebe".

Doch es ist kein Buch wie jedes andere. Seit Jahren schlummert die Liebesgeschichte in der Bibliothek der abgelehnten Manuskripte, die der frühere Bibliothekar Jean-Pierre Gourvec als Hommage an die Brautigan Library aus den Vereinigten Staaten ins Leben rief, um abgelehnten und verwaisten Manuskripten eine letzte Ruhestätte zu schenken.

Dass es von Henri Pick stammen soll, kann keiner glauben. Denn die Aufmerksamkeit des simpel gestrickten Henri galt zu seinen Lebzeiten nie etwas Anderem als seiner Tätigkeit als Pizzabäcker. Mit seiner Frau Madeleine unterhielt er vierzig Jahre lang die Dorfpizzeria, machte sich neben dem Schreiben des Einkaufszettels weder durch übermäßiges Schreiben noch durch Lesen bemerkbar.

Wie konnte es Madeleine entgehen, dass in ihrem Mann ein Romanautor schlummert? Sind Henris Zeilen, die selbst im fernen Paris für Aufregung sorgen, gar ihr gewidmet? Auf der Suche nach der Inspirationsquelle des rätselhaften Romans, wird nicht nur das bretonische Küstendörfchen Crozon und seine Bewohner, sondern auch die gesamte Literaturwelt auf den Kopf gestellt.

"Der erste Roman ist immer der eines fleißigen Schülers. Nur Genies sind von Anfang an faul. Es brauchte sicher Zeit, um zu begreifen, wie so ein Text atmet, wie man im Geheimen die Fäden spinnt."

Zitat, Seite 39

Es mag an meiner zwiespältigen Beziehung zu französischen Romanautoren und ihrer besonderen Schreibweise liegen, dass mich "Das geheime Leben des Monsieur Pick" nicht übermäßig begeistern konnte. Bereits zum zweiten Mal habe ich mich auf den französischen Bestsellerautor eingelassen, der mit einem reizend anzuschauenden Roman daherkam, der sich mir präsentierte, wie eine Einladung in die Bretagne.

Leider konnte Foenkinos mich, ähnlich wie bei seinem Werk "Nathalie küsst", nicht auf seine Seite ziehen, weshalb ich mich nun der schmerzlichen Erkenntnis ins Auge blicken sehe, dass auch ein weiterer seiner Romane das Ruder nicht herumzureißen vermag. Monsieur Foenkinos und ich scheinen einfach nicht füreinander geschaffen zu sein.

Doch alles der Reihe nach. "Das geheime Leben des Monsieur Pick" kommt als überaus hübsch verpackter Roman daher. Sowohl das Cover als auch die Beschreibung ließen mich auf ein paar unterhaltsame Lesestunden hoffen, die mich gedanklich von der doch recht radikalen Vorgängerlektüre wegtragen sollten. Die mentale Ablenkung gelang Foenkinos zwar, die Entzückung über seine Geschichte blieb dennoch aus. C'est la vie!

Zugegeben, die Geschichte seines Romans ist durchaus originell. Ich begegne einer Bibliothek, die verstoßene Manuskripte beherbergt und einem ganz besonderen Fundstück, das trotz seines Potentials jahrelang keine Wertschätzung erfährt. Auch die bizarren Figuren, an deren Seite mich Foenkinos durch seine Geschichte geleitet und die wohl eher ungewöhnliche Erfolgsgeschichte des Romans sorgen für jede Menge Unterhaltung.

Dennoch, zwischen all den netten Zeilen über die Liebe und das Leben, begegne ich einer Reihe an Belanglosigkeiten. Zeilen, denen eine gewisse Tristesse anhaftet und die in meinen Augen so ganz und gar nicht zu der sonst so spektakulären Geschichte passen. Während seine zahlreichen Fußnoten noch für Belustigung sorgen, langweilen diese Zeilen mich enorm, sorgen für unnötige Längen im Roman und eine gewisse Zähe im Lesefluss.

Trotz seiner heimtückischen Handlungsbremsen begeistert mich Foenkinos aber mit einem ganz und gar schelmischen Blick auf die Verlagswelt, durch die er so manche Entscheidungen fragwürdig erscheinen lässt und sie einmal quer durch den Kakao zieht. Den Erfolg von "Die letzten Stunden einer großen Liebe" schreibt er nämlich nicht der Qualität von Picks Zeilen, sondern vielmehr der sensationsträchtigen Entstehungsgeschichte des Werkes zu, der sehr viel mehr Gewichtung zuzufallen scheint, als alles andere.

Und so bleibt mir nichts anderes übrig, als den Roman auf den Stapel der aussortierten Werke zu legen, die sich dort, ähnlich wie die verstoßenen Manuskripte der Bibliothek von Crozon, nach Wertschätzung sehnen. Wer sich dem Werk annehmen möchte, der möge es mich in der Kommentarspalte wissen lassen.

"Der Anfang vom Ende einer Liebe ist immer schwer genau zu bestimmen. Die Dinge geschehen langsam, sie schleichen sich ein, mit der hinterhältigen Gewandtheit des Sterbens."

Zitat, Seite 142

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178 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 97 Rezensionen

kamerun, usa, new york, finanzkrise, american dream

Das geträumte Land

Imbolo Mbue , Maria Hummitzsch
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783462047967
Genre: Romane

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74 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

freundschaft, jugendbuch, robin roe, königskinder verlag, der koffer

Der Koffer

Robin Roe , Sonja Finck
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.03.2017
ISBN 9783551560292
Genre: Jugendbuch

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312 Bibliotheken, 18 Leser, 0 Gruppen, 89 Rezensionen

barcelona, spanien, zafón, carlos ruiz zafón, friedhof der vergessenen bücher

Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafón , Peter Schwaar
Fester Einband: 944 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 16.03.2017
ISBN 9783100022837
Genre: Romane

Rezension:

„Die Welt ist nicht der unmoralische Ort, den du bisher gekannt hast, Alicia. Die Welt ist schlicht ein Spiegel von uns, die wir sie bilden, und sie ist nicht mehr und nicht weniger als das, was wir alle gemeinsam mit ihr anstellen.“

Zitat, Seite 275

Es ist das plötzliche Verschwinden des Ministers Mauricio Valls, das Alicia Gris zurück nach Barcelona führt, das sie für immer hinter sich lassen wollte. Doch ein Auftrag der politischen Polizei zwingt sie dazu, hinter das Geheimnis eines geheimnisvollen Buches aus der Serie „Das Labyrinth der Lichter“ zu kommen, das sich in Valls Besitz befand und im Zusammenhang mit seinem Verschwinden stehen könnte.

In den Straßen von Barcelona prasseln die Erinnerungen vergangener Tage auf sie ein wie ein brennender Feuerhagel und rauben ihr nahezu die Luft zum Atmen. Trotz seelischer und körperlicher Schmerzen schleppt sie sich durch das mystische Geflecht der Stadt und nimmt die Spur des Ministers auf, die sie direkt in die Buchhandlung Sempere & Söhne spült. Doch in der Buchhandlung empfängt Alicia nicht nur die magische Atmosphäre, die ihr seit jeher innewohnt, sondern auch eine Wahrheit ungeheuerlichen Ausmaßes, die Alles über sie zum Einstürzen bringen könnte.

„Als sie eintrat, wurde sie vom Glöckchen an der Tür empfangen, dem von Tausenden Seiten ausgehenden Duft von Büchern, die auf ihre Chance warteten, und einer nebligen Helligkeit, die die Szenerie mit einem Traumgewebe überzog. Alles war so, wie sie es in Erinnerung hatte, von der Vielzahl der hellen Holzregale bis zum letzten im Licht des Schaufensters gefangenen Stäubchen. Alles außer ihr. Sie betrat diesen Raum, als kehrte sie in eine wiedergefundene Erinnerung zurück.“

Zitat, Seite 361

Sechs Jahre nach seinem Roman „Der Gefangene des Himmels“ beglückt uns Carlos Ruiz Zafón mit dem vierten und letzten Roman der Barcelona-Reihe um das literarische Universum des Friedhofs der Vergessenen Bücher und präsentiert sich besser den je.

Es ist seine lebendige und von Metaphern getränkte Schreibweise, die mich seit jeher in ihren Bann zieht. Kaum ein anderer Autor vermag es die düstere und mystische Seite Barcelonas mit seinem Netz aus Kriminalität, Intrigen und Gewalt so authentisch heraufzubeschwören wie er. Er erweckt die Gässchen, Straßen und Hinterhöfe Barcelonas nicht nur zum Leben, sondern verleiht der katalonischen Hauptstadt auch eine gewisse Anmut, wenn auch mit zwielichtiger Note.

Und so katapultieren mich Zafóns Zeilen in „Das Labyrinth der Lichter“ ohne langes Vorgeplänkel unmittelbar ins Geschehen. Ich bin zurück, im vom Nebelschwaden durchwaberten und düsteren Barcelona.

„Ich zog los, erinnere mich aber, dass die Kleider, die Schuhe und selbst die Haut schwer an mir zogen. Ein Schritt war anstrengender als der andere. Als ich auf die Ramblas gelangte, sah ich, dass die Stadt in einem Augenblick der Unendlichkeit verharrte. Die Menschen waren stehengeblieben, eingefroren wie die Gestalten auf einer alten Fotografie. Der Flügelschlag einer auffliegenden Taube war nur gerade eine verschwommene Skizze. Pollenfäserchen hingen unbeweglich wie pulverisierendes Licht in der Luft. Das Wasser des Canaletas-Brunnens glitzerte im Leeren gleich einem Kollier aus gläsernen Tränen.“

Zitat, Seite 9

Obwohl ich gleich zu Beginn alte Bekannte aus Vorgängerromanen treffe, begegne ich in „Das Labyrinth der Lichter“ einer neuen Protagonistin, Alicia Gris, an deren Seite ich von Zafón durch die Geschichte geführt werde. Die in Barcelona geborene und durch die Folgen eines erbarmungslosen Krieges hartgesottene Alicia wird von Madrid zurück nach Barcelona gespült, wo sie sich nicht nur den Gespenstern ihrer Vergangenheit, sondern auch den schockierenden Wahrheiten stellen muss, die ihre Suche nach dem verschwundenen Minister zu Tage fördert.

Es ist ein heikles und weitreichend verflechtetes Unterfangen, in das die junge aber vom Leben abgehärtete Hauptfigur sich durch die Suche nach Mauricio Valls manövriert, weshalb sich der Leser schnell mit allerhand blutigen, brutalen und schwer verdaulichen Szenen konfrontiert sieht.

Während man Zafóns Barcelona-Bücher durch ihre in sich geschlossenen Geschichten allesamt auch eigenständig lesen kann, empfiehlt sich in meinen Augen dennoch die vorangegangene Lektüre von „Der Schatten des Windes“, „Das Spiel des Engels“ und „Der Gefange des Himmels“. Nur so setzt sich eine puzzleteilartige Verkettung in Gang, die die Figuren und Handlungsstränge des aktuellen Romans mit den der alten verbindet und dem Ganzen eine zusätzliche Dimension schenkt.

Nachdem mich „Das Spiel des Engels“ und „Der Gefangene des Himmels“ aufgrund von zu vielen aufgenommen und zwischendurch fallengelassenen Handlungssträngen etwas enttäuscht zurückgelassen haben, schließt sich nun der Kreis um den Zyklus von Romanen, die sich im literarischen Universum des Friedhofs der Vergessenen Bücher überkreuzen.

Ähnlich wie „Der Schatten des Windes“ übte „Das Labyrinth der Lichter“ eine sogartige Wirkung auf mich aus, die mich unmittelbar auf den ersten Seiten erfasste und mich erst wieder losließ, als ich die über 900 Seiten bewältigt hatte. „Das Labyrinth der Lichter“ ist daher sicherlich nicht die geeigneteste Lektüre für unterwegs, sicherlich aber eine der ausdauernsten und rasantesten aus Zafóns Repertoire.

Carlos Ruiz Zafón at his best!

„Die meisten von uns Sterblichen lernen ihr wirkliches Schicksal nie kennen; wir werden ganz einfach von ihm überrollt. Wenn wir dann den Kopf heben und sehen, wie es sich auf der Landstraße entfernt, ist es schon zu spät, und den Rest des Weges müssen wir im Straßengraben dessen zurücklegen, was die Träumer die Reife nennen. Die Hoffnung ist nichts weiter als der Glaube, dass dieser Moment noch nicht gekommen ist, dass es uns gelingt, unser wirkliches Schicksal zu sehen, wenn es heranrückt, und dass wir an Bord springen können, ehe sich die Chance, wir selbst zu werden, auf ewig verflüchtigt und uns dazu verdammt, leer zu leben und uns nach dem zu sehnen, was hätte sein müssen und nie war.“

Zitat, Seite 360/361

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Tags: atmosphärisch, barcelona, düster, freundschaft, friedhof der vergessenen bühcer, intrigen, mord, zafón   (8)
 

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98 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

liebe, selbstmord, island, mobbing, freundschaft

Das Licht und die Geräusche

Jan Schomburg
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.03.2017
ISBN 9783423281089
Genre: Romane

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67 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

familie, bretagne, tod, frankreich, trauer

Ein geschenkter Anfang

Lorraine Fouchet , Sina de Malafosse
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783455600568
Genre: Romane

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404 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 66 Rezensionen

jugendbuch, physik, liebe, verlust, trauer

Ein bisschen wie Unendlichkeit

Harriet Reuter Hapgood , Susanne Hornfeck
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 23.02.2017
ISBN 9783737340335
Genre: Jugendbuch

Rezension:

 „Ich will alles los sein: Haare, Party, Garten, Jason, Wurmlöcher, Zeit, Tagebücher, Tod – besonders den Tod, ich habe lebenslang genug davon.“

Zitat aus dem Buch

Gottie, mit vollem Namen Margot H. Oppenheimer, trauert mit jeder Faser ihres Körpers. Der Tod ihres geliebten Großvaters Grey sitzt ihr immer noch tief in den Knochen. Fast ein Jahr ist es nun her, dass der quirlige Alt-Hippie aus ihrem Leben verschwand. Sein Verlust ist allgegenwärtig: im Küchenregal stapeln sich die Marmelit-Gläser wie Denkmäler an ihre gemeinsame Zeit, der Garten welkt vor sich hin und Greys Auto rostet in der Garage.

Die Erinnerungen an ihn holen Gottie immer wieder ein. Sie überwältigen sie so plötzlich und heimtückisch, dass sie sie schier bewegungsunfähig machen. Selbst bei ihrer Familie findet sie keinen Trost. Ihr rebellischer Bruder Ned flüchtet nach London und ihr Vater zieht sich komplett aus dem Leben zurück. Als Gotties bester Freund Thomas auch noch nach Kanada auswandert, bleibt Gottie sich selbst überlassen.

Doch als sich Greys einjähriger Todestag nähert, kündigt sich nicht nur eine große Party, sondern auch die Rückkehr ihres besten Freundes Thomas an, mit der Gottie nicht umzugehen weiß. Schließlich gilt es bereits Greys Tod und eine verlorene Liebe zu verarbeiten. Plötzlich wird sie von einem unkontrollierbaren Strudel erfasst, der sie durch die Zeit wirbelt und an ihr haftet wie schwarze Materie.

Wird sie je wieder ins Leben zurückfinden?

„Seit Grey gestorben ist, gelingt es mir kaum, mit meinen eigenen Freunden zu reden, geschweige denn mit denen anderer. Mein gesamter Wortschatz wurde mit ihm eingeäschert.“

Zitat aus dem Buch

Ich muss gestehen, es gab schon lange kein Buch mehr wie dieses, das sowohl für Begeisterung, als auch für Irritation sorgt. Ich bin hin- und hergerissen, fühle mich während dem Lesen, ähnlich wie Gottie, von einem unkontrollierbaren Sog erfasst, der mich am Ende zwiegespalten ausspuckt und es mir nahezu unmöglich macht, zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen.

Eines weiß ich mit Gewissheit, Hapgoods Debüt ist andersartig, und zwar in jeglicher Form. Nachdem sich Cover und Titel überaus entzückend präsentieren, war die Vorfreude groß. Doch der Jugendroman schlägt schon bald eine Richtung ein, die mir nicht vertraut ist. Sie ist eng mit der Physik verbunden. Für mich zu eng. Wurmlöcher und Zeitstrudel begleiten mich fortan, wirbeln mir anhand von Formeln um die Ohren und verwehren mir letztendlich den Zugang zur Geschichte. Bedauerlicherweise.

Hapgoods Figuren allerdings, verstehen mich zu begeistern. Sowohl Gottie, die als nerdiges Physikgenie und zugleich sympathisch schusselige Person daherkommt, als auch Thomas, ihr ehemals bester Freund und Seelenverwandter, der nach seinem plötzlichen Umzug nach Kanada genauso plötzlich wieder in ihr Leben tritt, sind mir sympathisch.

Grey, der überaus schrullige und einzigartige Alt-Hippie, der trotz seinem Tod nie wirklich tot wirkt, weil Hapgood ihn durch ständige Zeitreisen und Erinnerungsfetzen in die Geschichte einbaut, ist einer der Gründe, warum ich mich bis zur letzten Seite durchgekämpft habe. Seine Andersartigkeit ist spritzig, reichert die Seiten mit Weisheiten und Lebensfreude an. Vielleicht wiegt sein Verlust gerade deshalb so schwer auf der Geschichte, weil wir uns wohl alle einen Großvater wie ihn wünschen. Einen, der Gottie über den frühen Verlust der Mutter hinweghilft und zugleich zu einer Art Vaterersatz wird, weil ebenjener vergisst, dass er einer ist.

Doch neben dem engen physikalischen Bezug der Geschichte geht es in „Ein bisschen wie Unendlichkeit“ ganz klar um Trauer und Verlust. Hapgood zeigt auf sehr anschauliche Weise, wie unterschiedlich Menschen den Tod verarbeiten. So lässt sie jede ihrer Figuren auf seine ganz eigene Art trauern. Von Verdrängung über Wut bis hin zu Depressionen ist alles dabei. Auch vom Erwachsenwerden, von der ersten Liebe und von Freundschaft erzählen Hapgoods Zeilen.

„Ein bisschen wie Unendlichkeit“ ist ein interessante Mischung aus intergalaktische Zeitreise und berührender Trauerbewältigung. Denen, die sich auf die Andersartigkeit und den physikalischen Bezug des Romans einlassen kann, steht ein besonders Jugendbuchdebüt bevor. Der Rest sollte mit reiflicher Überlegung zu Hapgoods Debüt greifen.

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50 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

hannah rothschild, haute cuisine, gemälde, roman, dva verlag

Die Launenhaftigkeit der Liebe

Hannah Rothschild , Monika Baark
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei DVA, 12.09.2016
ISBN 9783421047137
Genre: Romane

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

island, mädchen, fuchs, roman, reise

Das ganze Leben da draußen

Nina Sahm
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 04.10.2016
ISBN 9783426305638
Genre: Romane

Rezension:  
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246 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

elefant, gentechnik, zirkus, genmanipulation, zürich

Elefant

Martin Suter
Fester Einband: 351 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 18.01.2017
ISBN 9783257069709
Genre: Romane

Rezension:

Eigentlich verhält sich alles so wie immer. Zumindest denkt der Obdachlose Schoch das, als er aus seinem Drehrausch (so nennt er die Räusche, bei denen sich im Anschluss alles drehte) erwacht und einen rosaroten Minielefanten in seiner Höhle am Flussufer erblickt. Er schreibt die elefantöse Halluzination zunächst dem Alkohol zu, der am Vorabend wieder reichlich floss.

 Doch der kleine Elefant wirkt ziemlich echt und erfüllt Schochs Höhle in der Dunkelheit nicht nur mit einem magisch rosaroten Leuchten sondern hinterlässt auch reichlich Elefantendung im „Flussbett“, das er vom verstorbenen Vorbesitzer Sumi übernommen hat. Schoch fühlt sich verantwortlich für das kleine Wesen und schließlich lebt sich’s in Gesellschaft doch so viel besser. Er kann sich nicht sattsehen, an dem spielzeugartigen Geschöpf, das sich verhält wie ein waschechter Elefant aus dem Zoo.

„Es war ein winziger Elefant, höchstens vierzig Zentimeter lang und dreißig hoch. Er besaß die Proportionen eines Jungtieres und die Haut eines … eines Marzipanschweinchens! Nur ein wenig runzelig. Und mit rosa Härchen auf dem Rücken.“

Zitat, Seite 102

Doch kein Mensch erschafft ein rosa leuchtendes Geschöpf ohne gewisse Absichten und so ahnt Schoch bereits, dass jemand nach der Miniaturausgabe des Elefanten suchen wird. In der „Gassenklinik“, einer Tierarztpraxis für obdachlose Tierbesitzer, sucht er sich Hilfe bei Veterinärin Valerie. Sie hegen und pflegen den kleinen rosa Elefanten heimlich und taufen ihn auf den Namen Sabu.

Indess hat Dr. Roux, Genforscher und rechtmäßiger Besitzer von Sabu, längst die Fährte nach seinem rosaroten Versuchsobjekt aufgenommen, das ihm zum großen Durchbruch in der Gentechnik verhelfen soll. Denn dass der Oozie Kaung, besser bekannt als Elefantenflüsterer des Zirkus Pellegrini, Dr. Roux die Geburt von Barisha (alias Sabu) unterschlagen hat, findet der erst sehr viel später raus. Denn Kaung sieht in Barisha ein heiliges Wesen und wittert bereits vor der Geburt ihre Besonderheit. Er schützt den Elefanten fortan mit seinem Leben.

„Barisha war bezaubert. Sie besaß den Charme, die Neugier, die Tapsigkeit und die Anhänglichkeit aller Elefantenbabys. Nur dass sie viel, viel kleiner war. Und rosa. Und im Dunkeln leuchtete wie ein außerirdisches Wesen.“

Zitat, Seite 175

Doch Sabu Barisha leidet an mikrozephalem osteodysplastischem primordialem Zwergwuchs, das bei Menschen zumeist mit Hirnblutungen und Gefäßverengungen verbunden ist, sprich, mit einer nicht allzu langen Lebensdauer. Und so beginnt für den Elefanten ein Wettlauf gegen die Zeit.

„Sieben Tage oder ein paar Millionen Jahre – Zeit ist relativ. Alles eine Frage der Perspektive. Wie lange kommt der Eintagsfliege ihr Leben vor?“

Zitat, Seite 275

Ich bin kein Suter-Experte. Dennoch habe ich bereits vor dem Lesen vermutet, dass der neue Roman des bekannten Schweizers Autors („Ein perfekter Freund“, „Lila, lila“, „Montecristo“), der mich bereits mit seinem Roman „Der Koch“ gut unterhielt, sich wieder gewohnt subtiler Natur präsentieren wird. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Suter mixt einen hochprozentigen Cocktail aus Sci Fi, Thriller und Märchen, würzt ihn mit gesellschaftskritischen, ethischen und existenziellen Fragen und serviert ihn im rosa fluoreszierenden Look.

Die Geschichte präsentiert sich dabei in gewohnter Manier: facettenreich. Suter stochert wieder in allerhand Dingen herum, streut Salz in offene Wunden und trifft ihn dabei genau: den Nerv der Zeit. Seine vorangegangenen Recherchen auf der Straße, in der Gentechnik und Zoologie münden in einer authentischen Geschichte mit einer Prise Magie. Und so findet sich der Leser nicht nur an einem Handlungsort, sondern an zahlreichen wieder. Die Reise, die in Schochs Unterschlupf am Flussufer beginnt, geht über die Hotspots der Randständigen, das Zirkusgelände des Zirkus Pellegrini, dem Genlabor von Dr. Roux, den tierärztlichen Sippvisiten zweier Veterinäre bis hin zu einer Prachtvilla aus vergangenen Zeiten.

Suters Recherchen scheinen sich dabei ausbezahlt zu haben. Sowohl die Momentaufnahmen aus Schochs Leben als auch aus dem Zirkus Pellegrini wirken nachvollziehbar. Der elefantöse Held der Geschichte, Sabu Barisha, trampelt dabei ganz naturgetreu zwischen den Seiten herum und bäumt sich an der ein oder anderen Stelle auf, um zu beweisen, dass er nicht ausschließlich ein kleines süßes Minielefäntchen, sondern ein Lebewesen ist, dem man Respekt zu zollen hat.

Suter setzt sich außerdem sehr stark mit der Gentechnik auseinander. Er wirft sowohl ethische als auch gesellschaftskritische Fragen in die Runde und setzt ganz klar Grenzen im Hinblick auf die Veränderung der DNA, die ein manipulierender Eingriff in das Leben und die Menschlichkeit darstellt. Leider wird sie nicht nur aus rein präventiven Aspekten im Umgang mit Krankheiten, sondern auch aus materiellen Aspekten vorgenommen. Es entsetzt mich dabei immer wieder, was Sensationsgier aus Menschen macht. Suter scheint uns damit die Ehrfurcht vor der Natur lehren zu wollen.

Durch unterschiedliche Zeitabschnitte, die mithilfe von Datumsangaben der jeweiligen Zeit zuzuordnen sind, verleiht Suter seiner Geschichte eine gleichbleibende Spannung und schafft ein temporeiches Unterfangen. Leider schenkt mir Suter im Mittelteil des Romans dem Obdachlosen Schoch ein klein bisschen zu wenig Aufmerksamkeit und konzentriert sich zu stark auf den Rest, gegen Ende des Romans gelangt er diese aber wieder zurück.

Suter ist ein spannender Roman gelungen, der durch Facettenreichtum, Authentizität und Magie punktet. Ein wahrlich elefantöses Lesevergnügen! Törööö!

„Jemand wollte ein Luxusspielzeug designen, und es ist ein empfindsames Wesen dabei herausgekommen.“

Zitat, Seite 271

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Tags: elefant, gentechnik, gesellschaftskritisch, leben, manipulation, verfolgungsjagd, veterinär, zirkus   (8)
 

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74 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

alzheimer, familie, kreuzfahrt, krankheit, venedig

Tage zwischen Ebbe und Flut

Carin Müller
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426519738
Genre: Romane

Rezension:

Er kam ganz plötzlich: dieser unberechenbare Wellengang in Felix Kopf, der ihn vollends erfasst und seine Erinnerungen durcheinanderwirbelt wie in einer Waschtrommel. Plötzlich herrscht in seinem Kopf Unruhe. Erinnerungen kommen und gehen wie Ebbe und Flut. Er kann sie nicht festhalten.

Felix ist 70 Jahre alt, als ihm das passiert. Ganz heimtückisch überkommt sie ihn, die Krankheit Alzheimer, und macht aus dem sonst so selbstbewussten Mann einen unsicheren und unkontrollierbaren Zeitgenossen.

Auf einer gemeinsamen Kreuzfahrt mit Ehefrau Ellen, Tochter Judith und Enkelin Fabienne soll ihn das Meer besänftigen. Doch während Felix die Reise durchs Mittelmeer als wunderbares Abenteuer erlebt, beginnt für die drei Frauen eine Seelenreise durch tiefes Gewässer, die verborgene Emotionen zutage spült.

„Felix sah aufs Meer. (…) „Das bin ich.“, er deutete aufs Wasser. „Die Wellen sind in meinem Kopf. Alles ist da. Alles. Aber es bewegt sich. Ich kann es nicht festhalten.“

Zitat, Seite 36

Es sind Tage zwischen Ebbe und Flut, die Carin Müller in ihrem gleichnamigen Roman präsentiert. Ein unkontrollierter Seegang, der uns durch das Krankheitsbild der Volkskrankheit Alzheimer spült und uns Momente voller Höhen und Tiefen beschert.

Romane mit dieser Thematik gibts mittlerweile wie Sand am Meer. Was Müllers Roman jedoch von den anderen unterscheidet, ist der Schauplatz. Während sich z.B. Colemans Protagonistin in „Einfach unvergesslich“ in ihrem vertrauten Umfeld bewegt, verlässt Müllers Protagonist sein gewohntes Terrain: das Meer dient als Setting.

Was daraus entsteht, ist eine emotionale Seelenreise für alle Beteiligten. Denn nicht nur Felix wird von den wogenden Wellen des Meeres erfasst, sondern auch seine Begleiterinnen. Das familiäre Chaos ist vorprogrammiert.

„Seine Gedanken waren klar und durchsichtig wie Wasser. Dass sie in seinem Kopf wogten wie Wellen, machte ihm hier nicht zu schaffen. Er hatte gar nicht mehr das Bedürfnis, einen davon festzuhalten oder zu verfolgen, sondern ließ es einfach zu. Und das tat so gut. Ganz diffus, irgendwo weit weg, war die Trauer, die sonst sein ständiger Begleiter war. Die Trauer um den wortgewaltigen, witzigen Mann, der mit Eloquenz und Charme seine Umgebung betört hatte. Das war mit einem Mal nicht mehr wichtig, denn dieser Mann war nur Fassade gewesen. Jetzt war er einfach nur er selbst.“

Zitat, Seite 177

Felix erlebt auf der Reise Momente völliger Klarheit. Mit der Kreuzfahrt geht für ihn ein langgehegter Herzenswunsch in Erfüllung. Er ignoriert die ständigen Rangeleien von Ehefrau und Tochter, überrascht sie mit liebevollen Gesten und Momentaufnahmen aus der Vergangenheit. Doch zu Felix guten Momenten gesellen sich auch jede Menge schlechte: er wird von plötzlich auftretenden Gedächtnislücken, Unsicherheit und Verärgerung heimgesucht, reagiert oft wie ein trotziges Kind. Sein schwer kontrollierbares Wesen wird zu einer Geduldsprobe. Vor Allem, als er von heute auf morgen verschwindet und auf einem benachbarten Kreuzfahrtschiff als blinder Passagier auftaucht.

„Wie schrecklich muss das sein, wenn der geliebte Partner Stück für Stück verschwindet und nur noch eine leere Hülle bleibt? (…) Im Grunde ist das alles Trauer am lebenden Objekt, denn meinen Vater gibt’s schon lange nicht mehr.“

Zitat, Seite 127

Ellen, die von Felix steigender Demenz am Meisten betroffen ist, wirkt völlig hilflos. Ihr Nervenkostüm ist dünn, sie ist leicht reizbar und kompensiert ihre Hilflosigkeit mit Wortkargheit und Großschnauzigkeit, die zu unnötigen Kämpfen mit ihrer Tochter führen, die Partei für ihren Vater ergreift. Die Zankerei der Beiden wird nicht nur für das direkte Umfeld, sondern auch für den Leser nahezu unerträglich. Gerne hätte ich den lächerlichen Streitereien einen Riegel vorgeschoben und um Disziplin gebeten!

Man merkt, dass Müllers Geschichte auf eigenen Erfahrungen basiert. Die Charaktere allen voran Felix, sind liebevoll gezeichnet und das Krankheitsbild präsentiert sich so heimtückisch und unberechenbar wie im wahren Leben. Da ich im familiären Umfeld selbst schon mit den Folgen der Krankheit konfrontiert war, ist mir der schwere physische Prozess bewusst, den Betroffene und Angehörige durchleben. Demente Menschen verlieren Stück für Stück und unwiederbringlich sich selbst.

Carin Müller balanciert mit ihren Roman auf einem schmalen Grad zwischem leichten Unterhaltungsroman und dramatischer Familiengeschichte. Sie lädt ihre Leser auf eine abenteuerliche Schifffahrt durch schwieriges Fahrwasser ein, die nicht nur Verluste, sondern auch jede Menge Erkenntnisse und Chancen mit sich bringt.

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112 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 55 Rezensionen

frankreich, liebe, sommer, strand, le touquet

Die vier Jahreszeiten des Sommers

Grégoire Delacourt , Claudia Steinitz
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 16.07.2016
ISBN 9783455600414
Genre: Romane

Rezension:  
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47 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

liebe, zweite chance, glück, sammlung, doppelgänger

Das Bild aus meinem Traum

Antoine Laurain , Sina de Malafosse
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783455650457
Genre: Romane

Rezension:

„Die Dinge bewahren die Erinnerung derjenigen, die sie besessen haben. (…) Wenn sie alt sind, bewahren sie Seelen.“

Zitat, Seite 27

Pierre-François Chaumonts Herz schlägt für das Sammeln alter Dinge. Jeder Gegenstand aus seiner privaten Sammlung erzählt eine Geschichte und birgt die Erinnerungen seines Vorbesitzers in sich. Als Pierre-François in seinem Pariser Stammauktionshaus Drouot auf ein geheimnisvolles Gemälde aus dem 18. Jahrhundert stößt, trifft ihn jedoch fast der Schlag: es zeigt ihn selbst.

Seine ausgiebige Recherche führt ihn in ein Dorf in Burgund, wo er zu seinem Verwundern als verlorengeglaubter Graf von Mandragore wiedererkannt wird. Er soll das Schloss und die Seite von Gräfin Mélaine de Rivaille wieder mit Leben erfüllen, die seit Jahren auf ihren verschwundenen Gatten wartet. Für den Pariser Anwalt, dem Eheglück und Freude am Beruf nie wirklich vergönnt waren, öffnet sich damit eine Tür in ein neues Leben. Ein Leben, das ihm bereits im Traum begegnet ist.

„Dieses Porträt von mir, das zweieinhalb Jahrhunderte zuvor angefertigt worden war und nun in meinem sechsundvierzigsten Lebensjahr auftauchte, war der Wendepunkt eines vor langer Zeit begonnenen Anhäufens von Dingen. Jahr um Jahr, Gegenstand um Gegenstand, Rechnung um Rechnung, bis zu diesem späten Vormittag im Saal 8 des Auktionshauses Drouot.“

Zitat, Seite 19

Zweieinhalb Jahrhunderte trennen Pierre-François von dem erstandenen Portät. Und dennoch zeigt es zweifellos ihn. Die Ähnlichkeit zum Porträtierten liegt klar auf der Hand, selbst wenn das hämische Gelächter seiner Ehefrau und seinen Freunden eine andere Geschichte erzählt. Er hat seine ganzen Reserven geopfert, um das Gemälde zu ergattern. Denn es scheint nicht nur die Seele seines Vorbesitzers in sich zu bergen, sondern auch einen Teil seiner.

Während seiner Recherche wird Pierre-François von einem immer wiederkehrenden Traum heimgesucht, dessen Ende verschwimmt. Bis er auf das Wappen einer Adelsfamilie in Rivaille stößt, vergehen zahlreiche Tage und Nächte. Sein Weg zum Weingut der Rivaille scheint sein Leben bereits auf völlig neuen Kurs zu lenken, der ihn in den Rosengarten des Anwesens, in die Arme der jungen Gräfin Mélaine de Rivaille, führt.

Antoine Laurains Romane sind nicht nur bezaubernd anzusehen, sondern auch genauso reizend zu lesen. Nahezu federleicht und unschuldig schweben seine Zeilen an dir vorbei, und hinterlassen vorerst nur eine leicht-süßliche Duftnote, deren schweres Aroma sich erst mit der Zeit vollends entfaltet.

Nach „Liebe mit zwei Unbekannten“ und „Der Hut des Präsidenten“ verzaubert Laurain seine Leser nun zum dritten Mal mit „Das Bild aus meinem Traum“. Eine Geschichte, die sich um ein geheimnisvolles Portätgemälde und dessen Ursprung dreht, und dennoch um so viel mehr. In wechselnden Zeitabschnitten erzählt Laurain von der Reise eines Mannes, der sich in einem Leben voller Oberflächlichkeiten und Reichtum verloren hat. Wie ein Kleidungsstück legt er es ab und streift sich eine völlig neue Identität über, die ihm zu neuer Lust und Liebe verhilft.

Es ist eine zweite Chance, für die Laurain seinen Protagonisten weit gehen lässt. Ein gefährliches Spiel aus dreister Hochstapelei und dem unbändigen Wunsch nach Leben. Doch das Schicksal macht auch nicht Halt vor einem Laurain. Und so wartet auf den Leser ein unerwartetes Ende, das dem Roman nicht nur eine gehörige Portion Ironie, sondern auch Realität einhaucht. Ein Laurain, wie man ihn kennt.

„Ohne es zu wissen, verschwand ich bereits.“

Zitat, Seite 94

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Tags: leben, liebe, portät, sammlung, schicksal   (5)
 

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meer, freundschaft, norwegen, roman, freunde

Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen

Morten A. Strøksnes
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Deutsche Verlags-Anstalt, 29.08.2016
ISBN 9783641198824
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Die größten Entdeckungen warten im Meer.“

Zitat, Seite 21

In den Tiefen des Nordatlantiks lauern sie: die sagenumwobenen Eishaie. Es ist der gemeinsame Traum von Morten A. Strøksnes und Hugo Aasjord, einen von ihnen zu fangen. Ein schwieriges Unterfangen, das absolute Windstille erfordert und den Launen der Natur unterliegt. Denn das Gebiet zwischen dem norwegischen Festland und den Lofoten ist unberechenbar: das Warten auf Windstille erfordert Geduld.

Voller Tatendrang fahren die beiden Freunde raus aufs Nordmeer und beobachten beim Warten das Schauspiel der Natur: sie lauschen dem sanften Flüstern und der peitschenden Gischt des Meeres, atmen die salzige Seeluft ein und blicken in das unergründliche tiefe schwarze Meer, das so viele Geheimnisse in sich birgt.

„Die Moleküle setzen sich in schwindelerregendem Tempo zu ständig neuen Variationen zusammen, so wie sich Buchstaben zu neuen Wörtern fügen, um dann zu Sätzen und am Ende zu ganzen Büchern werden. Stellt man sich die Wassermoleküle als Buchstaben vor, könnte man sagen, dass das Meer alle Bücher enthält, die jemals in bekannten oder unbekannten Sprachen geschrieben wurden.“

Zitat, Seite 135

Die Insel Skrova, die zur beeindruckenden Inselgruppe der Lofoten zählt, wird dabei zum Ausgangspunkt des Haifangprojekts. Hier gewährt ihm sein Künstlerfreund Aasjord Unterschlupf in der ehemaligen Fischfabrik Aasjordbruket, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Mette zu einem Kulturzentrum umbaut.

Doch die anfängliche Euphorie, eins der ungeheuerlichsten Meereswesen ins Netz zu bekommen, ebbt über die Zeit ab. Das kleine Schlauchboot der beiden Freunde scheint den unberechenbaren Strömungen des Nordmeeres nur bedingt standzuhalten und lässt sie ihr Unterfangen langsam aber sicher in Frage stellen.

„Das tiefe, salzige, schwarze Meer brandet uns entgegen, kalt und gleichgültig, ohne jede Empathie. Es ist sich selbst genug, es braucht uns nicht, es schert sich nicht um unsere Hoffnungen, unsere Ängste – und schon gar nicht um unsere Beschreibungen. Die dunkle Masse des Meeres ist von überlegener Kraft.“

Zitat, Seite 216

Während die Wellen die Sagen und Mythen des Meeres an ihr Boot spülen, erzählt Strøksnes unterdes vom schier unermesslichen Facettenreichtum der Meeresbewohner, von mutigen Polarforschern, Walfängern, Kartografen und vom harten Alltag der norwegischen Inselbewohner. Auch vor der Brutalität des Walfangs, der Überfischung der Meere und der unerschütterlichen Jagd auf die Eishaie macht er keinen Halt und würzt sein Werk mit grausamen Wahrheiten.

Der Norweger erweist sich über sein gesamtes Werk als sensibler und aufmerksamer Beobachter. Durch seine detailgetreuen und farbenfrohen Beschreibungen erwacht nicht nur das Insel- und Meerestreiben zum Leben, sondern macht „Das Buch vom Meer“ auch zu einer abenteuerlichen Entdeckungsreise. Es liest sich daher wie eine Mischung aus Sachbuch und Belletristik. Der unterhaltsame Ton des Autors hilft dem Leser dabei über so manche Flut an naturwissenschaftlichen Informationen hinweg.

Es ist ein Sehnsuchtsbuch. Ein Buch, das vor Leben sprudelt und die Faszination um das Meer in sich trägt. Strøksnes schenkt uns mit seinem Werk sowohl eine Meeresenzyklopädie als auch einen lebendigen Reiseführer. Es reserviert dir einen Platz auf dem Schlauchboot und katapultiert dich unvermittelt raus aufs Meer. Damit bin ich meinem Wunschreiseland Norwegen schon ein kleines bisschen näher gekommen.

„Das Meer ist der Ursprung aller Dinge. Wellen einer weit zurückliegenden Urzeit durchströmen uns wie das leise Echo eines sanften Plätscherns in einer unzulänglichen Höhle am Meer. Manchmal, wenn wir bei einem starken Sturm am Ufer stehen, hat es den Anschein, als verlangte uns das Meer zurück.“

Zitat, Seite 163

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Tags: eishai, freunde, freundschaft, lofoten, meer, norwegen, sachbuch   (7)
 

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helden, liebe, coming of age, edel und electric, provinz

Wir waren keine Helden

Candy Bukowski
E-Buch Text: 236 Seiten
Erschienen bei edel & electric, 01.07.2016
ISBN 9783960290063
Genre: Romane

Rezension:

„Das Leben ist kein Geschenk. Das ist völliger Unsinn. Es ist ein Gutschein. Und das Einzige, worum es geht, ist, ihn einzulösen, bevor er verfällt.“

Zitat aus dem Buch

Schon das Cover von Candy Bukowskis Romandebüt hat mich umgehauen. Der Tiger verleiht ihm so viel Kraft, Lebendigkeit und Ausdrucksstärke, das man bereits vor dem Lesen vermutet, dass sich dahinter eine charakterstarke Geschichte verbirgt. Das und noch viel mehr. Ein Roman, zum Bersten gefüllt mit Leben.

„Wir waren keine Helden“ ist ein Coming of Age Roman. Die Geschichte, die in den rebellischen 80ern „am Arsch der Welt“ beginnt, strandet irgendwann im nordischen Hamburg. Es geht um Protagonistin Sugar. Eine Frau, die mit Vollgas durchs Leben brettert und dabei stets mit vollem Körpereinsatz dabei ist. Doch ihr Einsatz bringt nicht nur Glücksmomente, sondern auch zahlreiche Niederlagen mit sich. Heftige Momente. Die, in denen man ungedämpft am Boden aufkommt und nicht weiß, ob man je wieder aufstehen kann.

Während Sugar anfangs mit Punker Pete durchs Leben zieht, gesellen sich mit den Jahren Luke und Silver dazu. Männer, die sie ihr Leben lang begleiten und es entscheidend prägen. Doch die Suche nach dem großen Glück und der einzig wahren Liebe verlangt ihr alles ab. Sie wird zu einem Kraftakt in 236 Seiten. Einer, bei der man bis zur letzten Seite mitfiebert; mit pochendem Herzen, heißen Wangen und jede Menge Adrenalin im Blut.

„Der eine, lange, unwiederholbare Moment. Einer von denen, die du dein ganzes Leben lang immer wieder mal vermisst. Der als verblichene Schwarz-Weiß-Fotografie irgendwo in deiner rechten Herzkammer steckt. Nicht im Portemonnaie wie all der andere, vermeintlich wichtige Kram. Das kleine, riesengroße Sepiaglück, mit den richtigen Menschen im richtigen Moment. Das man nicht halten kann, nur bewahren.“

Zitat aus dem Buch

Candy Bukowski ist ein grandioses Romandebüt gelungen. Ihre schonungslosen Zeilen treffen dich mit all ihrer emotionalen Härte. Sie sind berauschend, wortgewaltig und erschreckend ehrlich. Viele Zeilen begleitete ich mit einem zustimmenden Nicken, während mich andere bis ins Mark erschütterten. Sugars Leben ist kein leichtes Spiel, eine ständige Achterbahnfahrt mit allen Hochs und Tiefs. Ein Leben, das irgendwie auch Bukowskis ist. Denn es offenbart die Erlebnisse der Autorin selbst, zu deren Veröffentlichung sie sich nun entschloss.

Doch es kommt noch viel mehr zum Vorschein. Denn neben all der Härte werden Bukowskis Zeilen von Melancholie, aber auch von Hoffnung begleitet. So hangelt sich die Protagonistin bedächtig an ihr entlang. Lernt, trotz Schicksalshaftigkeit des Lebens das Gute nie aus den Augen zu verlieren. Der unkonventionelle Schreibstil der Autorin verleiht den Zeilen dabei nicht nur eine sehr authentische, sondern auch persönliche Note.

„Wenn du einen wachen Moment hast, dann fallen sie dir wieder ein, die ganz großen Geschichten, in den ganz großen Lederbändchen aus gegerbter Menschenhaut mit Lesebändchen aus geflochtenem Erinnerungshaar. Mit all dem Seufzen und Sehnen zwischen den handgeschriebenen Seiten und dem Schönsten. Dem immer wieder schönsten Schluss von allen.“

Zitat aus dem Buch

„Wir sind keine Helden“ ist kein Spaziergang durch den Paradiesgarten Eden. Es ist eine Ode an das Leben mit all seinen Facetten. Eine lehrreiches Abenteuer und eine spannende Entwicklungsreise einer jungen Frau, deren jugendlicher Panzer langsam aber sich einem reiferen und erwachseneren weicht. Der Roman präsentiert sich dabei mithilfe von unterschiedlichen Zeitetappen und den dazugehörigen Songs der damaligen Zeit. Würde ihr Roman als Soundtrack vertont werden, würde sein Beat mit voller Dröhnung durch die Boxen wummern. Mein absolutes Lesehighlight in 2016!

 „Manchmal ist es bedeutend einfacher, unvorstellbare Dinge zu tun, als man dachte. Wenn all die sperrigen Wenn und Aber aus dem Weg geknickt und all die sinnbefreiten Konjunktive vom Herz gerissen wurden, dann läuft es schon irgendwie in die richtige Richtung. In eine zumindest.“

Zitat aus dem Buch

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Tags: einsamkeit, entwicklungsreise, erwachsensein, leben, liebe, schicksal   (6)
 
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