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dystopie, religion, boualem sansal

2084

Boualem Sansal , Vincent von Wroblewsky
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Merlin, 25.06.2016
ISBN 9783875363210
Genre: Romane

Rezension:

In Abistan, Reich der fernen Zukunft, bestimmen die Verehrung eines einzigen Gottes und das Leugnen der Vergangenheit das Herrschaftssystem. Individuelles Denken ist abgeschafft: eine allgegenwärtige Elite unter Führung von Abi dem Entsandten steuert die Ideen und verhindert abweichendes Handeln.

Offiziell heißt es, die Bevölkerung lebt einvernehmlich und im guten Glauben.
Doch Ati, der Protagonist dieses Romans, der ausdrücklich anknüpft an Orwells Klassiker „1984“, hinterfragt die vorgegebenen Direktiven: Er macht sich auf die Suche nach einem Volk von Abtrünnigen, das in einem Ghetto lebt, ohne in der Religion Halt zu suchen ...
In seinem Roman entwirft Boualem Sansal ein Regime, das auf der religiösen Überhöhung einer Ideologie beruht und sich die Suche des Individuums nach persönlichem Glück auf erschreckende Weise zunutze macht: Das vom System auferlegte Streben nach spiritueller Erleuchtung diktiert das Leben eines jeden Bürgers und wird zum Motor der Gemeinschaft.

Sansals Vision ist zugleich faszinierend und beunruhigend – in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche mahnt sie zu gelebter Brüderlichkeit, toleranter Demokratie und einsichtiger Freiheit.


Abistan, das „Land der Gläubigen“, ist nach dem Propheten Abi genannt, dem Abgesandten Yölahs auf Erden. „Gkabul“ oder „Hinnahme“ heißt das Heilige Buch, verfasst in „abilang“, der einzigen Sprache, die in Abistan benutzt werden darf. „Die Unterwerfung ist der Glaube und der Glaube ist die Wahrheit“ lautet einer der 99 Schlüsselsätze, die Abistans Jugend lernen muss. Neun Mal am Tag muss gebetet werden. Ansonsten werden die Massen mit Pilgerfahrten und Exekutionen von Ungläubigen beschäftigt.

Sind es radikale Islamisten, die in Abistan herrschen? Das Werk spielt in ferner Zukunft, und Boualem Sansal behauptet im Vorwort, alles frei erfunden zu haben. Parallelen mit aktuellen Ereignissen tun sich dennoch auf: So gibt es in Abistan keine Vergangenheit, keine Geschichte. Der Leser denkt an die reale Zerstörung der Tempel in Palmyra...

Ati, Anfang Dreißig, ein kleiner Beamter, steht vor der Entlassung aus einem Sanatorium in den Bergen der Provinz Sîn, wo er seine Tuberkulose ausgeheilt hat. Sorgsam befolgt er alle Gebote und Riten, um nicht als Mitglied der Sekte der „makoufs“ verdächtigt zu werden, den Propagandisten des „Großen Unglaubens“. Und doch wachsen Zweifel in ihm: Vom Sanatorium führt eine verbotene Straße zur „Grenze“.

Wenn es eine Grenze gibt, muss es auch ein Jenseits der Grenze geben. Wie ist dies möglich, wenn nichts existiert als Abistan? Ein Jahr lang dauert Atis Rückkehr in die Hauptstadt Qodsabad, vorbei an endlosen Pilgerzügen: „Auf der Erde laufen wir, in den Himmel wollen wir, lasst fahren dahin das Leben“. Seine Zweifel am Gottesstaat wachsen...


Das Thema mag bekannt vorkommen: Die Islamisierung behandelte auch Michel Houellebecq in seinem Roman Unterwerfung. Der Roman war am am 7. Januar 2015 erschienen, dem Tag des Anschlags auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo.


Und es gibt eine zweite literarische Parallele: “2084” – das erinnert an “1984”, dem berühmten Roman von George Orwell. Der Sozialist beschrieb ebenfalls eine Diktatur – die des totalitären Überwachungsstaats, des “Big Brother”. Boualem Sansal sieht seinen Roman als dessen Fortsetzung. Sansal kommt aber nicht an das große Vorbild ran - zu kompliziert ist die Sprache zu Beginn. Sie wirkt besonders zum Einstieg starr, scheint nicht zu fließen.Vielleicht spielt der Autor aber auch auf die "novlang" an: Denn Sansal geht  so weit, das Orwell’sche „Neusprech“, die „novlang“, wie sie in 2084 heißt, als Basis des abistanischen Systems auszugeben, eine Sprache, die den Willen und die Neugierde der Sprecher vernichte und zu Pflichterfüllung und Gehorsam anleite. Dann ist es genial! (Aber ich musste anfangs kämpfen...)


Dann ändert Sansal seinen Stil, spricht in Petahpern, zaubert Bilder in die Köpfe des Lesers - einfach nur gut. Boualem Sansal hat mit 2084 Das Ende der Welt einen großartigen Roman geschrieben, der im französischen Original – 2084 La fin du monde – bereits im Erscheinungsjahr 2015 mit dem Grand prix du roman de l'Académie française ausgezeichnet wurde; ein politisches Werk und ein Werk über die Schönheit der Sprache, das uns eindringlich warnt vor einem Ende der Geschichtlichkeit und einer Abilangisierung der Sprache - und schreibt damit ein Plädoyer für die Freiheit.

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dsa, orks, bernhard hennen, robert corvus, reviews

Die Phileasson-Saga - Himmelsturm

Bernhard Hennen , Robert Corvus
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453317529
Genre: Fantasy

Rezension:

Sagen und Mythen ranken sich um die legendäre Rivalität zwischen Asleif Phileasson, den sie nur den Foggwolf nennen, und Beorn dem Blender. Nun soll eine Wettfahrt entscheiden, wer von beiden der größte Seefahrer aller Zeiten ist und sich König der Meere nennen darf. In achtzig Wochen müssen die beiden Krieger den Kontinent Aventurien umrunden und sich dabei zwölf riskanten Abenteuern stellen. Abenteuern, die nur die abgebrühtesten Helden zu bestehen vermögen. Es ist der Beginn des größten und gefährlichsten Wettlaufs aller Zeiten ...
Das Rennen um den Titel "König der Meere" geht in die zweite Runde. Asleif Phileasson und Beorn der Blender schenken sich im äußersten Norden Aventuriens nur nichts, sondern bringen ihre Schiffsmannschaften, die Ottojaskos, an den Ran des Zumutbaren - und des Begreifbaren.
Unsichtbare Rampen, im Eis konservierte Mumien von vor Tausenden Jahren verstorbener Elfen-Könige, schemenhafte Bestien, Chimären, Nachtalben....
Gerne weitere Stunden dort verbracht
Ich hätte als Leser noch zig weitere Stunden im Himmelsturm zubringen können - und Bernhard Hennen wären die Ideen dafür wohl auch nicht ausgegangen, aber die Reise muss ja weitergehen. Die Fantasiefülle des Autors tropft regelrecht aus jeder Seite, ist allgegenwärtig, bildhaft greifbar. Hennen beschreibt den Himmelsturm, als wäre er selbst schon zigmal dort gewesen, hätte die Abenteuer selbst erlebt. Klasse!
Tolle Charaktere
Die Charaktere werden noch schärfer gezeichnet, Geheimnisse aufgelöst, neue Spannungsfelder geschaffen - stark, welche Tiefe Hennen seinen Protagonisten gibt. Er ist sich auch nicht zu schade, lieb gewonnenen Charaktere sterben zu lassen und dafür auch neue in die Geschichte aufzunehmen.
Fazit
Mehr davon und zwar schnell! Das war mein erster Gedanke, als ich die letzte Seite von Himmelsturm aufgeschlagen hatte. Mein zweiter: Leider gibt's nur noch ein Buch - da ich von einer Trilogie ausging. Umso höher war der innerliche Luftsprung, als ich bei der Suche nach dem Veröffentlichungstermin des dritten Bandes merkte, dass es zwölf Romane sein werden. Die Phileasson-Saga kann es ohne Weiteres mit "Das Lied von Eis und Feuer" oder der "Enwor"-Reihe aufnehmen. Bleibt nur zu hoffen, dass Hennen schneller schreibt und publiziert als George R. R. Martin...
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Generation Putin

Benjamin Bidder
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei DVA, 12.09.2016
ISBN 9783421047441
Genre: Sachbücher

Rezension:

Als sie auf die Welt kamen, war die Sowjetunion bereits Geschichte. Lena aus Smolensk zum Beispiel, die Putin verehrt und von einer Karriere in der Politik träumt. Die Kreml-kritische Journalistin Wera, die sich nach mehr Demokratie sehnt. Alexander, der im Rollstuhl sitzt und darauf hofft, irgendwann ein selbständiges Leben führen zu können. Sie alle eint, dass sie zur »Generation Putin« gehören, dass sie Kinder des derzeitigen Systems sind.

Diese Generation der nach 1991 Geborenen wuchs in politisch wie ökonomisch turbulente Zeiten hinein. Viele junge Russen sind heute hin- und hergerissen zwischen Ost und West, der Sehnsucht nach einem starken Führer und dem Traum von einem anderen, freieren Leben. In ihren Geschichten spiegelt sich die dramatische Entwicklung Russlands in den letzten 25 Jahren, vom Ende der sowjetischen Weltmacht bis zum Wiedererstarken unter Wladimir Putin. 

SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Benjamin Bidder zeichnet in seinen eindrucksvollen Porträts ein überraschend anderes Bild des heutigen Russlands und zeigt, wie eine junge Generation sich aufmacht, ihr Land zu verändern.


Abbildung: DVA 
Russland – ein Land, auf das sich viel projizieren lässt: von Angst bis Hoffnung, das Geheimnisvolle allemal – ist heute interessanter denn je für die deutsche Öffentlichkeit. In den vergangenen Jahren, getrieben von Russlands nach innen und außen imperialer Politik, erschien eine unüberschaubare Anzahl von Büchern, zumeist mit dem Vorhaben, Russland erklären oder sogar verstehen zu können. Doch wie kann man ein ganzes Land „erklären“, dessen gut 140 Millionen Einwohner „verstehen“?

Bidder lässt diejenigen zu Wort kommen, die das heutige Russland prägen und prägen werden. Dies sind die jungen Russinnen und Russen, die um 1991 geboren wurden, als die Sowjetunion zerfiel. Bidder begleitete seine Protagonisten über Jahre. So ergibt sich aus den persönlichen Geschichten, Orten und Karrieren ein mit den sonst zu oft ungehörten Zwischentönen gespicktes Panorama eines Landes, das so heterogen und umtriebig ist wie seine Menschen und für Beobachter von außen deshalb verwirrend wirken mag.

Erschreckend realitätsnah zeichnet er Bild um Bild, geht ins Detail, beschreibt - und immer ist für den Leser erkennbar, das Bidder das Land eigentlich mag, das er da skizziert."Generation Putin ist erfrischend anders, Bidder packt das Thema, das so viele Menschen bewegt anders an. Und so wie er es tut, nickt man nicht nur einmal mit dem Kopf - obwohl man das eigentlich ja gar nicht will... Lesenswerte Lektüre!

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aliens, endzeit, science fiction, silencer, dystopie

Der letzte Stern

Rick Yancey , Thomas Bauer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 03.10.2016
ISBN 9783442313365
Genre: Science-Fiction

Rezension:


Sie kamen, um uns zu vernichten: die 'Anderen', eine fremde feindliche Macht. Vier Wellen der Zerstörung haben sie bereits über die Erde gebracht. Sie töteten unzählige Menschen, zerstörten Häuser und Städte, verwüsteten ganze Landstriche. Sie verbreiteten ein tödliches Virus und schickten gefährliche Silencer, um jedes noch lebende Wesen aufzuspüren. Jetzt ist die Zeit der fünften Welle gekommen, die Vollendung ihres Plans, alles Menschliche auszurotten. Doch noch gibt es Überlebende: Cassie, Ben und Evan werden weiterkämpfen.Sie wollen die Menschheit nicht aufgeben. Und wenn sie sich selbst dafür opfern müssen...


Mir ging es bei der Lektüre von "Der letzte Stern" nicht viel anders als anderen Lesern: Ich fand nur schwer zurück in die Geschichte. Der Auftakt des Abschlussbandes ist schwierig, meine Erinnerungen aus Band 2 waren wohl nicht mehr frisch genug. Da hätten ein paar mehr Rückblicke nicht geschadet - aber das ist immer ein schmaler Grat.Der Plot nimmt langsam fahrt auf, legt dann im Mittelteil enorm an Geschwindigkeit und Spannung zu, um dann kurzzeitig wieder abzuflachen. Etwas zu sehr abzuflachen. Letztlich ist das wohl aber nur das Luftholen vor dem Sturm.  Denn das Ende ist stark. Anders als erwartet, aber typisch für die Reihe.
Wechselnde Perspektive/Protagonisten
Yancey wirft in seinem Roman die Frage auf: Was ist man bereit zu opfern, um einen geliebten Menschen zu retten und was ist man bereit zu opfern, um das Überleben der Menschheit zu retten? Diese Fragestellung spiegelt sich in den Protagonisten - klar, irgendwie logisch! - wieder. Deren Hoffnungslosigkeit, die ständige Erinnerung an die  Vergänglichkeit des Lebens aber auch die kleinen Lichtblicke oder emotionalen Momente sorgen beim Leser für ein Wechselbad der Gefühle. Wer Einfühlungsvermögen besitzt, wird tief in die Story gezogen - dabei ist die ich-Perspektive, in der Yancey den Roman mittels wechselnden Protagonisten erzählt, eine gute Wahl.
Fazit
Der Finalband überzeigte mich letztlich nicht restlos, ist aber ein durchaus würdiger Abschluss der Trilogie - und die will man schließlich komplett gelesen haben. Zusammen mit den anderen beiden Bänden ein klare Leseempfehlung: Klasse All-Age-Romane mit mal mehr, mal weniger Tiefgang!

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erster weltkrieg, offizier, abenteuerroman, weltkrieg, kriegsschiff

Risiko

Steffen Kopetzky
Flexibler Einband: 730 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453419568
Genre: Historische Romane

Rezension:


Steffen Kopetzkys Roman "Risiko" erzählt die abenteuerliche Geschichte einer deutschen Orient-Expedition im Ersten Weltkrieg. Dabei schafft der Autor wunderbare Bilder und behält seine Erzählfäden sicher in der Hand. Als Leser sollte man trotzdem sehr ausgeschlafen sein, um den vielen akribisch recherchierten Fakten folgen zu können.

Die deutschen Orient-Aktivitäten während des Ersten Weltkrieges sind kein Geheimnis und doch stand zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges im vergangenen Jahr anderes im Vordergrund. Um so schöner, dass sich Steffen Kopetzky dem fantastisch anmutenden Stoff angenommen hat. Auf mehr als 700 Seiten begleitet er die Afghanistan-Expedition in ferne Weltgegenden. Dabei hält er sich an die Fakten und nimmt sich alle Freiheiten, die ein Schriftsteller hat.

Ein bayerischer Protagonist
Den jungen Marinefunker Sebastian Stichnote - seines Zeichens Bayer - kürt Kopetzky zum Protagonisten, für die Leser wird er nicht selten zum Leuchtturm in einem Meer aus Namen, Orten und Ereignissen. Im Prolog lernen wir ihn kennen, da ist er bereits im Orient. Der Roman erzählt dann im Rückblick, was davor geschah. Die Geschichte Stichnotes beginnt auf dem Marinekreuzer Breslau, der vor der Küste Albaniens liegt, genauer gesagt vor Durazzo.Stichnote ist die einzige Figur, die so ganz der Fantasie Kopetzkys entstammt. Er ist von der ersten bis zur letzten Seite mit dabei, erlebt den Krieg und die Expedition nach Afghanistan am eigenen Leib und erweist sich als begnadeter Funker, ist ein schlaues Kerlchen und ein smarter Typ, und das, obwohl er das Leben und die Liebe noch gar nicht kennengelernt hat.
Vergnügliches Leseerlebnis
"Risiko" ist ein Roman, der mit nichts geizt, was es braucht, um eminente geschichtliche Unternehmungen zu einem vergnüglichen Leseerlebnis zu machen und en passant höchst aktuelle Begriffe wie den Jihad historisch zu fundieren. Da begegnet man einem Mann namens Adolph Zickler, der als Sonderkorrespondent für die «Neue Zürcher Zeitung» arbeitet und nur knapp dem Tod entgeht; da gibt es eine meisterhafte Szene, in der halb verdurstete Männer sich nicht um die Blutegel-Invasion in einem Tümpel kümmern; da tummeln sich Doppelagenten und Waffenhändler; da nehmen wir an einem frühen Fussballspiel zwischen Istanbuler Mannschaften teil und wundern uns über den Anachronismus, dass die hitzige Atmosphäre des Spiels mit gelben Karten beruhigt wird, und da kommt natürlich auch die leidenschaftliche und nicht leicht zu realisierende Liebe nicht zu kurz, wenn sich Stichnote in die schöne Arjona verliebt.

Fazit
Mit „Risiko“ ist Kopetzky ein ebenso komplexes wie famoses Werk gelungen. Ein Bildungs- und Abenteuerroman im besten Sinne, ein höchst unterhaltsames und trotz einiger Längen sehr spannendes Buch. Ein toller Roman. Chapeau Herr Kopetzky!

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fantasy, ransom riggs, die bibliothek der besonderen kinder, bibliothek, zeitschleife

Die Bibliothek der besonderen Kinder

Ransom Riggs , Silvia Kinkel
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2016
ISBN 9783426520277
Genre: Fantasy

Rezension:

Nachdem ihre Freunde von den feindlichen Wights entführt wurden, machen Jacob und Emma sich auf eine gefährliche Suche, um sie und die gefangenen Ymbrynen – so nennen sich die Schutzpatroninnen besonderer Kinder – zu befreien.
Die Spurt führt sie in die Zeitschleife Devil’s Acre, wo der Abschaum der Gesellschaft der Besonderen lebt, und schließlich zur geheimen Festung der Wights. Dort decken sie ein noch größeres Geheimnis auf: Caul, Miss Peregrines böser Bruder, will die sagenumwobene „Seelenbibliothek“ Abaton finden und sich mithilfe der dort verborgenen Kräfte zum Herrscher der Besonderenwelt aufzuschwingen. Und Jacob ist der Schlüssel dazu …
"Die Bibliothek der besonderen Kinder" - der lang erwartete Abschluss der Trilogie -  wartet mit einem schaurig-spannenden Finale auf, in dem Jacob über sich hinauswächst und mit seinen verbliebenen Freunden die Gemeinschaft der Besonderen zu retten versucht. Jacob hat hierbei eine ungeheure Wandlung durchgemacht. Der kleine eher schüchterne Junge avanciert zum dramatischen Helden, wird zum Gestrandeten, Verwundeten, Beinahetoten. Auf seiner aufregenden Reise hat gefunden, wonach er immer gesucht hat: Liebe, Freundschaft, ein aufregendes Dasein. 
Dabei tauchen er und Emma tief in die Abgründe der Besonderen-Welt hinab, und nehmen den Leser mit. Der kann sich niemals sicher sein, wer nun Freund oder Feind ist, wer hinter welchen Intrigen steckt, wen der Größenwahn packt und ob sich das Blatt doch noch zum Guten wendet. 

Sicher, die Handlung ist schaurig, durchaus brutal (zumindest für einen All-Age-Roman) und so manches Mal kann es dem Leser die Haare aufstellen, andererseits voller Ereignisse und ruhigen Momenten in denen die Protagonisten (und damit auch der Leser) viel über die Welt der besonderen erfahren -  und genau diese Mischung macht's.
Ransom Riggs ist mit die "Bibliothek der besonderen Kinder" (diese Bibliothek kommt dabei beinahe zu kurz...) ein wunderbarer Abschluss einer wunderbaren Trilogie gelungen. Flüssig zu lesen, schön erzählt, mal schauerig, mal fröhlich - sehr gut!
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konklave, vatikan, thriller, rom, papst

Konklave

Robert Harris , Wolfgang Müller
Fester Einband
Erschienen bei Heyne, 31.10.2016
ISBN 9783453270725
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Papst ist tot. Die um den Heiligen Stuhl buhlenden Gegner formieren sich: Traditionalisten, Modernisten, Schwarzafrikaner, Südamerikaner ... Kardinal Lomeli, den eine Glaubenskrise plagt, leitet das schwierige Konklave. Als sich die Pforten hinter den 117 Kardinälen schließen, trifft ein allen unbekannter Nachzügler ein. Der verstorbene Papst hatte den Bischof von Bagdad im Geheimen zum Kardinal ernannt. Ist der aufrechte Kirchenmann der neue Hoffnungsträger in Zeiten von Krieg und Terror – oder ein unerbittlicher Rivale mit ganz eigenen Plänen? Die Welt wartet, dass weißer Rauch aufsteigt ...
Robert Harris ist bekannt für seine Thriller, in denen er spannende Geschichten vor dem Hintergrund machtpolitischer Konflikte erzählt. In seinem neuen Roman "Konklave" spielt er mit einem besonderen Rahmen - einer Papstwahl. Dramatischer MomentAm Anfang steht ein dramatischer Moment. Der Papst ist gestorben, und nun ist eine der mächtigsten Positionen der Welt nicht besetzt. Dieser Zustand darf nicht lange dauern, immerhin ist der Papst die höchste Autorität für mehr als eine Milliarde Katholiken auf allenKontinenten. Aber es gibt eine seit Jahrhunderten festgelegte Regelung, wie diese Machtvakuum kurzfristig aufgehoben werden soll.Von der Außenwelt abgeschottet
An diesem Punkt setzt der neue Roman des britischen Erfolgsautors Robert Harris (59) ein. In einem Konklave wählen die Kardinäle von der Außenwelt abgeschottet einen aus ihrer Mitte zum neuen Führer der Katholischen Kirche. Nichts darf in diese Versammlung mächtiger alter Männer hineinkommen und nichts darf herauskommen, bis der neue Papst gewählt ist.Seit Jahrhunderten blühen die Spekulationen darüber, was bei einer solchen Papstwahl vor sich geht. Harris geht in "Konklave" mitten hinein in die Papstwahl. Hauptfigur seines Romans ist Jacopo Lomeli, Kardinal im Vatikan und durch sein Amt dafür zuständig, die Papstwahl zu organisieren und zu leiten. Der bescheidene Mann, selbst ohne jegliche Ambitionen auf das Amt, geht in seiner Aufgabe auf, die er als persönliche Pflicht dem verstorbenen Papst ebenso wie der Kirche im Allgemeinen gegenüber empfindet. Neutraler Beobachter
Lomeli ist der neutrale Beobachter, der mehr weiß als alle anderen. So kann er ganz genau die Favoriten benennen und ihre Chancen einschätzen. Aber er weiß auch um ihre dunklen Seiten. Und daher beginnt er 
schon bald, sich Sorgen um die Entscheidung der Versammlung zu machen. Die 
Favoriten entsprechen den klassischen Klischees über die Kurie. Einer ist italienischer Traditionalist, ein anderer ein nordamerikanischer Modernisierer, ein Dritter vertritt die Kirche der Dritten Welt. Nur einer wird sich durchsetzen können, und es sieht nach einen langwierigen Auswahlverfahren aus. Viele Hintergrundinformationen
Der Roman, der so ganz nebenbei viele Hintergrundinformationen über Vatikan und Papsttum vermittelt, nimmt Fahrt auf, als Lomeli Gewissensbisse bekommt und meint, den Entwicklungen nicht einfach zusehen zu können. "Ist es nur meine Pflicht, die Beratungen meiner Kollegen zu organisieren", fragt er sich. "Oder liegt es auch in meiner Verantwortung, mich einzumischen und das Ergebnis zu beeinflussen?"Mysteriöser Kardinal
Hinzu kommt, dass er Vieles von dem, was er weiß, eigentlich gar nicht wissen dürfte, zumal dann auch noch ein mysteriöser Kardinal auftaucht, den niemand kennt oder einschätzen könnte. Hat auch der von Lomeli verehrte verstorbene Papst merkwürdige Spielchen mit den Kardinälen gespielt? Und was hat es auf sich mit den Gerüchten über die Favoriten? Nur ein paar Tage, aber vollgepackt
Die Handlung von "Konklave" nimmt nur ein paar Tage ein, aber diese sind erstaunlich vollgepackt mit Intrigen, Machtpoker und Finten. Die Kandidaten bekämpfen einander mit großer Härte, aber immer innerhalb des Rahmens der offiziellen Regeln. Die Doppeldeutigkeit vieler Aussagen und Fakten macht Lomeli zu einem Detektiv auf der Suche nach der Wahrheit im Konklave. Bis ganz zum Schluss hält 
Harris die Spannung in "Konklave" aufrecht. Es bleibt lange Zeit offen, wer sich durchsetzt und wie es ihm gelingt. Und ganz zum Schluss bringt Harris noch einen besonderen Clou unter - grandios, denn das Ende war irgendwie absehbar, doch was Harris daraus zaubert, ist genial! Fazit"Konklave" ist mit seinem ungewöhnlichen Rahmen und Personal ein Thriller ganz eigener Art. Aber der Roman unterhält vorzüglich.
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Tags: glaube, harris, kirche, papst, thriller, vatikan   (6)
 

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cato, history, marco, syrien, rom

Centurio

Simon Scarrow ,
Flexibler Einband: 516 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.09.2010
ISBN 9783453435056
Genre: Historische Romane

Rezension:



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Im ersten Jahrhundert nach Christus steht nur das kleine Königreich Palmyra zwischen dem römischen Imperium und seinem Erzfeind, dem Reich der Parther. Als die Parther in Palmyra einfallen, um eine Invasion vorzubereiten, werden die beiden Veteranen Macro und Cato mit der Aufgabe betraut, die scheinbar unbesiegbare Übermacht aufzuhalten.


Abbildung: Heyne 

Im Mittelpunkt von Simon Scarrows "Centurio" steht das kleine Königreich Palmyra, das als Pufferstaat zwischen dem römischen Imperium und dem Partherreich liegt. Als in Palmyra ein Bürgerkrieg ausbricht, werden die Kohorten von Macro und Cato als schnelle Vorauseinheit nach Palmyra geschickt, um die römischen Interessen zu wahren und den amtierenden König zu schützen. Da gleichzeitig eine Armee der Parther unterwegs ist, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Zumal die Verbündeten Roms in der dortigen Zitadelle eingeschlossen sind.

Jede Menge Konfliktpotenzial

Natürlich verwickeln sich die beiden römischen Centurionen dabei wieder in allerhand Ränke von Adligen, einen Thronfolgestreit und auch innerhalb ihrer Truppen gibt es ernsthafte Probleme. Dazu kommt, dass der syrische Statthalter Longinus die beiden eher heute als morgen vom Antlitz der Erde getilgt sehen möchte. Eine Menge Konfliktpotential also, zu dem sich auch noch eine geheime und gefährliche Liebe gesellt...

Scarrow bleibt seinem schnellen, spannenden und informativen Schreibstil treu, beschreibt malerisch wenn es angebracht ist, spart aber an Adjektiven, wenn es dem  Handlungsfortschritt dient und bringt so Drive in die Story.  Auch die militärische Taktik und politische Ränkespiele bekommen mehr Platz als in den Vorgängerromanen - ein Ansatz der fruchtet. 

Kurz gesagt: Eines der besseren Bücher der Adler-Serie - und das will durchaus etwas heißen!

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Simon Scarrow: Centurio; Taschenbuch, Broschur, 608 Seiten, Heyne, 9,95 Euro;
ISBN: 978-3-453-43505-6


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Tags: antike, cato, historischer roma, macro, rom, scarrow, syria   (7)
 

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

dystopie, flüchtlinge, indien, gutmenschen, invasion

Das Heerlager der Heiligen

Jean Raspail , Martin Lichtmesz
Buch: 416 Seiten
Erschienen bei Verlag Antaios, 01.07.2015
ISBN 9783944422121
Genre: Romane

Rezension:


Die „Armada der letzten Chance“, eine Flotte aus rostigen Schiffen mit einer Million verhungernder Inder an Bord sticht in See, um im reichen Europa Rettung und eine neue Heimat zu suchen. Sie bildet die Vorhut weiterer unzähliger Massen aus der Dritten Welt, die denselben Weg aus dem Elend wählen werden. Das realitätsblind gewordene Abendland reagiert auf diese drohende, waffenlose Invasion mit einem utopisch-humanitären Taumel, der letztlich seinen Untergang zur Folge hat: innerlich zerfressen von Selbstverachtung, schlechtem Gewissen und schwindendem Selbstbehauptungswillen ist der europäische Kontinent nicht mehr imstande, das Eigene zu verteidigen.

Der legendäre, bitterböse, prophetische Kultroman von Jean Raspail aus dem Jahr 1973, in Frankreich ein bis heute vieldiskutierter Bestseller. Die über das Mittelmeer verlaufenden Schlepperrouten und die Bilder überfüllter Boote, die "Willkommenskultur", die keine persönliche, sondern eine institutionell-opportune ist – all das ist im Heerlager der Heiligen dystopisch vorweggenommen und in Szenen von starker Präsenz umgesetzt.

Raspails Roman war in Deutschland lange vergriffen und ist nun endlich wieder erhältlich – in einer neuen, erstmals vollständigen Übersetzung von Martin Lichtmesz.

Abbildung: Antaios  

Das Heerlager der Heiligen von Jean Raspail ist kein Buch, das man mal so schnell im Vorbeigehen liest. Es enthält Zündstoff - der wurde zwar schon 1973 zwischen zwei Buchdeckel gepresst, mit der Flüchtlingswelle bekommt der fantastische Roman allerdings wieder "Aktualität".
Eine Flotte von Hunderttausenden
In Form einer Swift’schen Satire schildert Raspail, wie eine Flotte mit Hundertausenden hungernden, leprakranken, verzweifelten Indern an Bord auf die Festung Europa zusteuert.Deren Medienmacher, Kleriker, Intellektuelle und Politiker verfallen angesichts dieser bevorstehenden Invasion in einen von postkolonialen Schuldkomplexen angestachelten „Humanitäts“-Rausch, der sich zunehmend mit apokalyptischen Heilserwartungen auflädt.Eine allgemeine Mobilmachung wird ausgerufen, nicht um sich zu verteidigen, sondern um die unterdrückten „Brüder“ aus dem Osten mit offenen Armen zu empfangen. Inzwischen glauben die Millionen in Frankreich lebenden Menschen mit Migrationshintergrund, den Glockenschlag des revolutionären Umsturzes zu vernehmen, der sie zu den neuen Herren des weißen Kontinents machen wird. 

Raspails Roman ist grotesk-apokalyptisch bis zur Obszönität, er schwelgt im Häßlichen, Grausamen, ist aber überdies von starker visionärer Kraft. Der Autor verlängerte, wie Orwell in der negativen Utopie "1984", die Linien seiner Gegenwart. Die traurigste Rolle spielen die Gutgläubigen der multikulturellen Gesellschaft - jene, die an Dialog glauben, aber gleich vom ersten Ansturm am Strand überrannt werden.

Fesselnd, visionär, aktuell
Das Heerlager der Heiligen: fesselnd, visionär, aktuell. Ein Buch, das lange vergessen war, nun wieder auflebt und das man gelesen haben sollte.
Mein Blog: www.live.mittelbayerische.de/Event/bennis_wuehlkiste

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Tags: asyl, dystopie, flüchtlinge, flüchtlingselend, flüchtlingsschicksal, real   (6)
 

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ns, deutsche literatur. drittes reich, regime, nationalsozialismus

Brandstifter und Biedermänner

Michael Grüttner
Fester Einband: 607 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 25.04.2015
ISBN 9783608949162
Genre: Sachbücher

Rezension:


Michael Grüttner bietet für die ersten Jahre des Dritten Reiches eine breit angelegte Darstellung zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Militär und Kultur bis hin zum Geschlechterverhältnis auf der Grundlage aktuellster internationaler Forschung. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der offenkundigen Popularität des NS-Regimes, ihren Ursachen und ihren Grenzen. Die Analyse zeigt, dass Hitler einen weiteren großen Krieg schon Mitte der 1930er Jahre auch als Chance verstand, die Juden und andere unerwünschte Minderheiten gewaltsam zu beseitigen.


Dieses Buch interpretiert die Geschichte des Nationalsozialismus in Anlehnung an Max Frisch als Zusammenspiel von »Brandstiftern« und »Biedermännern«. Als »Brandstifter« werden diejenigen bezeichnet, die die ideologischen Kernziele der Nationalsozialisten – Eroberung von »Lebensraum« und die Rassenideologie – aktiv vertraten. Ihre Politik steuerte von Anfang an auf einen neuen Krieg zu. Doch die Massenbasis des NS-Regimes bildeten die »Biedermänner«, nicht die »Brandstifter«. Die »Biedermänner« – und auch die »Biederfrauen« – empfanden die Jahre von 1933 bis 1939 als die lang ersehnte Rückkehr zu Normalität, Prosperität und Stabilität. Sie freuten sich über die Wiederherstellung von »Ruhe und Ordnung«, während die Zerstörung des Rechtsstaats von ihnen nur beiläufig registriert wurde. Die »Biedermänner« bejubelten Hitlers außenpolitische Erfolge, verdrängten aber lange Zeit die gleichzeitig stattfindenden Kriegsvorbereitungen. Als Hitler und seine Paladine 1938 zu einer Politik des »alles oder nichts« übergingen, zeigte sich jedoch, dass dauerhafte Stabilität mit den langfristigen Zielen der nationalsozialistischen Führung unvereinbar war. (Quelle: Klett-Cotta)



Abbildung: Klett-Cotta 

Die Geschichte des Dritten Reichs ist beinahe lückenlos erforscht un dennoch  bleibt die Frage: Warum nur konnte sich ein brutales Regime derart ungehemmt entfalten, ohne nennenswerten Widerspruch der Mehrheit der Deutschen? Michael Grüttner geht in seinem vielseitigen Werk  "Brandstifter und Biedermänner"  auch dieser zentralen Frage nach.

"Ein wesentlicher Grund ist auf jeden Fall die Tatsache, dass die Weimarer Republik in den Augen der meisten Deutschen 1933/34 vollkommen diskreditiert war. Es gab dann einen zweiten Punkt, der wichtig war: dass viele Menschen 1932/33 das Gefühl hatten, dass man eigentlich nur die Alternative hatte zwischen Nazis und Kommunisten. Und da erschien auch vielen, die keine Nazis im engeren Sinne waren, die NDSAP als das kleinere Übel."

Grüttner bietet seinen Leserinnen und Lesern eine umfangreiche und vielseitige Einführung in die sogenannte "Friedenszeit" des "Dritten Reichs", zudem resümiert er immer wieder anschaulich die großen akademischen Kontroversen, etwa über den Nationalsozialismus als politische Religion oder über Hitlers charismatische Herrschaft.

Für den breiten Leserkreis, an den sich Michael Grüttner – Professor am Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin – wendet, ist die Verbindung von erzählender Darstellung und Forschungsbericht Gewinn bringend. Sein Buch ist nicht einfach nur eine weitere Analyse der NS-Diktatur. Es gibt einen Überblick, bilanziert die bisherigen Forschungen und ist anschaulich erzählt, greift etwa immer wieder zeitgenössische Quellen auf, zum Beispiel die Deutschland-Berichte der Exil-SPD oder auch Tagebücher wie die des Dresdener Romanisten Viktor Klemperer oder des amerikanischen Journalisten William L.Shirer. Zudem lenkt Grüttner das Augenmerk auf gesellschaftliche Themen, zum Beispiel auf den Sport in der NS-Diktatur.

Zahlreiche Themen dargestellt

Michael Grüttner gelingt es, nahezu alle Themenfelder in der Geschichte des "Dritten Reichs" darzustellen. Und immer wieder zieht er den Bogen über die zentrale Zäsur des deutschen Überfalls auf Polen am 1. September 1939 hinaus, schildert Kontinuitäten in der nationalsozialistischen Politik vor und nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Für die letzten zwei Jahre vor Kriegsbeginn verzeichnet er beispielsweise eine nochmalige Radikalisierung der NS-Diktatur, innen- und außenpolitisch.

Die umfangreiche, meist tiefschürfende und eine riesige Menge an Forschungsliteratur überblickende Darstellung ein empfehlenswertes Buch. Es eignet sich als eine viele Perspektiven eröffnende Einführung in die komplexe Geschichte des nationalsozialistischen Deutschland. Wer dieses Werk aufmerksam studiert, hat am Ende eine klare Vorstellung davon,  was in jener Zeit in Deutschland geschah, weshalb das Zusammenspiel von Biedermänner  und Brandstiftern perfekt funktionierte.

Michael GrüttnerBrandstifter und Biedermänner - Deutschland 1933 - 1939; 1. Aufl. 2015, 607 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 32,95 Euro; ISBN: 978-3-608-94916-2

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Tags: deutsche literatur. drittes reich, nationalsozialismus, ns, regime   (4)
 

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rom, adler-serie, simon scarrow, antike

Die Jagd des Adlers

Simon Scarrow , Norbert Stöbe , Martin Ruf
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.02.2014
ISBN 9783453471207
Genre: Historische Romane

Rezension:

Syrien, die östliche Grenze des Römischen Reichs, wird von Unruhen erschüttert. Doch die römischen Truppen sind untergraben von Korruption und Disziplinlosigkeit. Die Centurionen Macro und Cato sollen die Schlagkraft der Kohorten wiederherstellen. Unterdessen sät der Stammesführer Bannus den Hass gegen Rom. Die Revolten nehmen immer bedrohlichere Ausmaße an. Gelingt es Macro und Cato nicht, die römischen Truppen gegen den Feind zu stärken, wird Rom seine östlichen Provinzen verlieren – und sie ihr Leben...


Abbildung: Heyne 

Die Centurionen Macro und Cato - die Helden aus Simon Scarrows Adler-Serie - verschlägt es dieses Mal in den Osten des römischen Reiches, nach Judäa. Wie in den meisten Fällen sind sie auch dieses Mal mit einem Spezialauftrag des kaiserlichen Sekretärs Narcissus ausgestattet und wie immer erwartet die beiden Römer Gewalt, Feinde die Ihnen nach dem Leben trachten, verräterische Vorgesetzte, inkompetente Offizierskollegen und Soldaten, die auf Vordermann gebracht werden wollen. Cato und Macro verschlägt es in die einige Tagesritte von Jerusalem gelegen Wüstenfestung Bushir. Dort sollen sie das Kommando übernehmen und den Rebellenführer Bannus dingfest machen - das ist allerdings leichter gesagt, als getan.

Kampfszenen erfrischend neuartig

Der 7. Band unterscheidet sich nicht nur durch den Wechsel vom regnerischen Britannien oder den Schiffsplanken Kilikiens in den Osten des Reiches, auch der Erzählstil ist diesmal etwas anders. Die Kämpfe sind wieder etwas abwechslungsreicher, bei denen Scarrow in den Vorgängern ja doch häufiger zu Redundanz und Wiederholung neigte, denn offene Feldschlachten gibt es in "Die Jagd des Adlers" ausnahmsweise einmal eher nicht - und stattdessen viele einfallsreiche und von mehr Taktik geprägte Scharmützel und Grabenkämpfe sowie natürlich eine unabwendbare Belagerung der Festung von Bushir. Dazu flicht Scarrow die Geschichte von Jesus von Nazareth - mit einigen Freiheiten - geschickt in die Geschichte ein.

Die Jagd des Adlers bringt, nach dem Ausflug auf See, erneut Schwung in die Adler-Serie, ist erfrischend erzählt, glänzt mit fantasieanregenden Schauplätzen und wagt zudem schon einen Ausblick auf den Folgeband.  


Simon Scarrow: Die Jagd des Adlers; Taschenbuch, Broschur, 592 Seiten, Heyne, 9,99 Euro;ISBN: 978-3-453-47120-7

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Tags: adler-serie, antike, rom, simon scarrow   (4)
 

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metro 2033, dystopie, metro, science fiction, fantasy-horror

Das Marmorne Paradies

Sergej Kusnezow , Anja Freckmann
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2011
ISBN 9783453528611
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ein furchtbarer Krieg hat die Erde in Schutt und Asche gelegt, die wenigen Überlebenden haben sich in den Schächten der Moskauer U-Bahn eine neue Existenz aufgebaut. Doch auch außerhalb der Stadt, im Keller einer Hochschule, kämpfen Menschen ums Überleben. Als diese Kolonie angegriffen wird, können sich der todkranke Sergej und sein Sohn Denis retten. Sie machen sich mit einer Karawane auf die gefährliche Reise zur Metro, durch verstrahltes Gebiet, das nur noch von Mutanten bevölkert zu sein scheint. Und einer ihrer Reisegefährten hat offenbar ganz eigene Pläne …


 
Das Metro 2033-Universum von Dmitry Glukhovsky ist für zahreiche Autoren zur Spielwiese geworden. Denn neben Glukhovskys Romanen Metro 2033 und Metro 2034 wir die Reihe seit Längerem von Co-Autoren fortgesetzt - mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Kusnezows "Das marmorne Paradies" gehört zu den weniger erfolgreichen Ablegern der Serie. Zwar mangelt es der Geschichte rund um Sergej, dessen mit übernatürlichen Fähigkeiten gesegneten Sohn Denis sowie deren undurchsichtigen Begleiter Max, nicht an Ideen, allerdings werden diese teilweise nur angerissen.

Story wirkt teilweise aufgesetzt

Die Storyline des Romans - der Weg der drei von einem kleinen Ort Richtung Moskauer Metro inklusive Begegnungen mit Monstern, degenerierten Menschen sowie Amazonen - dümpelt etwas dahin, der rote Faden ist dürftig. Zwar erschafft Kusnezows Fantasie zahlreiche mutierte Scheusale oder Anomalien, doch teils reißt er diese nur an. Der Leser bekommt das Gefühl, dass Kusnezow zu viel in sein Buch packen will. Viele Erzählteile wirken aufgesetzt, bilden keine homogene Einheit. Lediglich wenn die Handlung nicht ereignisreich und spannend beschrieben werden soll, geht sie flüssig weiter. Sonst ergeht sich Sergej Kusnezow in Belanglosigkeiten.

Das ist vielleicht Jammern auf hohem Niveau (und natürlich völlig subjektiv), angesichts der starken Vorlagen der Hauptromane sowie einiger Ableger (siehe vorige Rezensionen von Metro-Titeln), fällt "Das marmorne Paradies" allerdings ab. 

So geht es vielen Lesern:Ajaxa (bei amazon): "Zusammenfassend kann ich nur sagen - dass ich den Eindruck hatte der Autor wollte, gut es ist ja seine Entscheidung, alles in einen Roman packen. Und das endet meist nicht gut."

Maxim (bei amazon): "Die Reise ins Licht von Andrej Djakow ist ein spannender actionreicher Roman, während "Das Marmorne Paradies" über weite Strecken langweilig ist."

Baans (bei lovelybooks): "Für das Metro-Universum zu märchenhaft. Einige Besonderheiten und Mutationen ist man von den anderen Büchern ja gewohnt und stellt diese kaum in Frage, hier ist es eben ein wenig zuviel."

Aber es gibt auch Liebhaber:
Volker Meyer (bei amazon): "Wenn Steven King eine Metro-Geschichte erzählen würde, würde sie wohl ähnlich wie "Das Marmorne Paradies" sein. Es ist keine schlechte Geschichte.Sie ist anders, als die anderen. Geben Sie ihr eine Chance, Sie werden es nicht bereuen."

Matthias Schaffer (bei wortjunkies.de): "Manchmal neigt Sergej Kusnezow ein wenig zu peinlichen Klischees (z.B. Amazonen, die unbedingt Männer zur Fortpflanzung brauchen).Trotzdem hätte gerne noch zusätzliche 100-200 Seiten gelesen, was definitiv FÜR diesen Fantasy-Roman spricht."



Sergeij Kusnezow: Das Marmorne Paradies; Paperback, Broschur, 384 Seiten, Heyne, 14,00 EuroISBN: 978-3-453-52861-1

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Tags: dmitry glukhovsky, dystopie, fantasy, metro, metro2033   (5)
 

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fink, fantasy

Imperium des Lichts

Torsten Fink
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.11.2015
ISBN 9783734160462
Genre: Fantasy

Rezension:


Das Imperium des Lichts steht auf dem Höhepunkt seiner Macht. Doch die Feinde sammeln sich, und Sebastos Valis – der Kaiser und Erste Hüter des Lichts – ist todkrank. Das einzig mögliche Heilmittel befindet sich im Besitz des ältesten Feindes des Reiches, der Herrin der Dunkelheit. Der junge Offizier Aureus Moris wird ausgewählt, eine Expedition ins Reich der Finsternis zu führen, um über die Herausgabe des Heilmittels zu verhandeln. Doch er erkennt bald, dass die Dunkelheit nicht so schrecklich ist, wie erwartet – und dass sogar das strahlende Licht dunkle Schatten wirft.


Abbildung: randomhouse.de 
Eine Ende mit Schrecken bietet "Imperium des Lichts" nicht im buchstäblichen Sinn, für mich als Leser aber war es da dennoch. Denn mir ruinierte das Ende einen gut geschriebenen und vor guten Ideen strotzenden Fantasy-Roman. Diese Sichtweise ist natürlich subjektiv - andere mögen das Ende klasse finden - ich blieb jedoch mit gemischten Gefühlen zurück.
Enttäuschend war es vor allem deshalb, weil der Roman vorab schnell an Fahrt aufnimmt und viel Fantasie bietet. Der Krieg zwischen zwei Königreichen manifestiert sich in einem Glaubenskrieg: Licht gegen Dunkelheit. An sich nicht unbedingt originell, aber in der Ausführung klasse. Streitende Brüder, das Wandern zwischen Licht und Dunkelheit, respektive Gut und Böse, übernatürliche Wesen kontra irdischen Soldaten, falsche Fährten, ein offensichtlicher Bösewicht, der mit sich hadert sowie ein Held, der am Grat des Wahnsinns wandelt - das hat was.
Zudem lässt Autor Torsten Fink keine Langeweile aufkommen, zeichnet stilvolle unterschiedliche Landschaften, spielt mit seinen Protagonisten und Nebenfiguren und  erzählt flott - am Ende für meinen Geschmack leider eben etwas zu flott. Für Fink-Fans mit Sicherheit lesenswert und alle anderen müssen das Ende des Romans dann bitte selbst beurteilen.
Torsten Fink: Imperium des Lichts; Paperback, Broschur, 576 Seiten, Blanvalet; 13,99 Euro;ISBN: 978-3-7341-6046-2

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Tags: fantasy, fink   (2)
 

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fantasy, staveley, verrat, kampf um den thron, intrigen

Thron in Flammen

Brian Staveley ,
Flexibler Einband: 784 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.11.2015
ISBN 9783453316768
Genre: Fantasy

Rezension:


Seit sie herausgefunden hat, wer ihren Vater ermordet hat, ist Adare – die Tochter des annurischen Kaisers Sanlitun – auf der Flucht, der Unbehauene Thron ist ihren Feinden in die Hände gefallen. Gleichzeitig verfolgen Adares Brüder, Valyn und Kaden, ihre eigenen Pläne: Valyn geht ein Bündnis mit den verfeindeten Barbarenhorden aus dem Norden ein, und Kaden wandelt auf uralten magischen Pfaden, um das Geheimnis zu ergründen, das Annur seit Jahrhunderten vor dem Bösen beschützt. Ein Geheimnis, von dem das Schicksal der gesamten Menschheit abhängt ...

Abbildung: Heyne 
Die drei Geschwister Kaden, Valyn und Adare - die drei Erben des ermordeten Kaisers Sanlitun - versuchen Ordnung in das Königreich Annur zu bringen. Alle drei auf ihren eigenen Wegen und immer im Kampf mit machtgierigen Widersachern, uralten Mächten und sogar Göttern.
War  der Eröffnungsband "Der verlorene Thron" noch geprägt von Langatmigkeit, geht es in"Thron in Flammen" Schlag auf Schlag. Es ist viel Drive in der Geschichte von Brian Staveley.In mehreren Erzählsträngen - rund um die drei Kaiserkinder - schickt der Autor seine Protagonisten auf neue Wege. Adare stellt eine eigene Armee auf, Valyn verbündet sich mit den blutrünstigen Nordvölkern des Reiches und Kaden versucht das Geheimnis der uralten Feinde des Reiches, der Csestriim, zu lüften. Dabei lauern überall Gefahren, vermeintliche Verbündete, werden zu erbitterten Feinden und vermeintliche Todfeinde zu Helfern. 
Die Sympathien wechseln schnell
Lernte der Leser im ersten Band noch Land und Gepflogenheiten der Fantasiewelt kennen, taucht er nun immer tiefer in die Geschichte und auch Abgründe des annurischen Königreichs ein.  Zahlreiche Wendungen lassen den Leser immer wieder seine Sympathien für die Protagonisten und deren Begleiter wechseln - und nicht selten wandeln die Hauptdarsteller nahe am Abgrund. Staveley schreckt dabei auch nicht davor zurück, liebgewonnene Charaktere sterben zu lassen, schildert eindrucksvoll Kampfszenen oder  mitunter martialische und blutige Rituale. Das Ende hat es dann wahrlich in sich - aber das vorwegzunehmen, verbietet schon alleine der Anstand.
Brian Staveley macht mit "Thron in Flammen" wahrlich einen Sprung - vom mittelmäßigen Fantasybuch (siehe meine Rezension) zum fesselnden Roman. Gäbe es Punkte, läge "Thron in Flammen bei starken 6,5 von 10 Zählern. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Staveley im Abschlussband der Trilogie - "Thron der Götter" - noch einmal steigert. Der erscheint am 13.Juni 2016.
Brian StaveleyThron in Flammen; Paperback, Klappenbroschur, 976 Seiten, Heyne; 14,99 EuroISBN: 978-3-453-31676-8

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Tags: fantasy, staveley   (2)
 

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rom, geschichte, antike, cäsar

Rubikon

Tom Holland , Andreas Wittenburg
Flexibler Einband: 463 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 03.06.2016
ISBN 9783608949247
Genre: Sachbücher

Rezension:

Aufstieg und Untergang der Römischen Republik: Mit stilistischer Brillanz und historischem Scharfsinn erzählt Tom Holland die römische Geschichte von ihren etruskischen Anfängen bis zur Ermordung Caesars.

Abbildung: Klett-Cotta 
Der Rubikon, ein kleiner Fluss, der südlich von Ravenna in die Adria mündet, ist geschichtsträchtig und zu einer Metapher geworden.  "Die bewaffnete Überquerung des Flusses in Richtung Süden durch Gaius Julius Cäsar und seiner Truppen im Jahr 49 v. Chr.  – und damit in Richtung Rom – war gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung an den Römischen Senat. Caesar war sich bewusst, dass es ab diesem Punkt kein Zurück mehr gab, was er in dem berühmten Zitat alea iacta est (wörtlich: „Der Würfel ist geworfen worden“) zum Ausdruck brachte." (Quelle: Wikipedia)
"Rubikon"  ist auch deshalb ein aussagekräftiger Titel für das Werk Tom Hollands, der darin die Anfänge der römischen Republik, des römischen Staates, dessen Selbstverständnis, dessen Arroganz und dessen letztlichen Niedergang - zumindest was die Staatsform der Republik und den Übergang in das Prinzipat betrifft - sachlich, aber keineswegs unspannend darlegt.
Kurzweiliger Querschnitt der römischen Gesellschaft
Tom Holland bietet einen Abriss der römischen Geschichte: Von ihren etruskischen Anfängen  bis hin zur Kaiserzeit des Augustus. Die Geschichte bis ca. 100 v. Chr. wird im ersten Kapitel zusammengefasst und auf wenige geschichtliche Höhepunkte beschränkt  die Gründung der Republik, die Punischen Kriege mit "Lieblingsgegner" Karthago, der Beginn der Klassenkämpfe unter den Brüdern Gracchus. Die nachfolgenden Kapitel sind den Jahren 90 v. Chr. - 27 v. Chr. gewidmet. Namen, Zahlen und Fakten werden dabei dem Leser dargebracht, es wird gekämpft, gerächt, geredet, geliebt, gebadet und gespeist, kurz: der Leser erhält einen kurzweiligen Querschnitt der antiken römischen Gesellschaft. Bei Holland wird der Alltag der römischen Politiker lebendig.
Die Beschreibung der politischen (Un-)Kultur in der Römischen Politik nimmt einen großen Teil dessen ein, was nach der Lektüre hängen bleibt:  Rom eurde zwar auf Basis von Gesetzgebung und Wahlen gegründet, doch die Protagonisten waren Meister des politischen Ränkespiels udn auch darin, den  Rahmen der Gesetzgebung  für ihre Interessen auszudehnen oder sogar zu überspannen.  Auch das  Selbstverständnis der Römer - und zwar in allen Schichten - allen Völkern überlegen zu sein und diese das auch spüren zu lassen, tropft quasi aus jeder Seite dieser Monographie. Außerdem:  Die Schere zwischen Arm und Reich, die Dekadenz der Obrigkeit und die oftmals fehlende Klasse - oder besser ausgedrückt: der fehlende Wille - der politischen Oberschicht, auch dann für das Volk zu arbeiten, wenn es einem selbst nicht unmittelbar nützt.
Fazit
Holland gelingt es dabei, alle Winkel und Ecken des politischen Lebens in der römischen Republik zu durchleuchten. Letztlich ist Rubikon ein zwar mit Details durchsetztes aber nicht überfrachtetes Werk, das den römischen Alltag, die römische Politik, das römische Selbstverständnis oder auch die römischen Brutalität und Egozentrik in einer Art und Weise  auf den Punkt bringt, wie zumindest ich es bisher noch in keiner anderen Monographie gelesen habe.
Tom HollandRubikon - Triumph und Tragödie der römischen Republik; 1. Aufl. 2015, 463 Seiten, broschiert, mit Karten, Klett-Cotta, 16,95 EuroISBN: 978-3-608-94924-7

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Tags: antike, cäsar, geschichte, rom   (4)
 

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mars, science fiction, überleben, astronaut, andy weir

Der Marsianer

Andy Weir , Jürgen Langowski
Flexibler Einband: 509 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.10.2014
ISBN 9783453315839
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Alles rund um Bücher auf Bennis Wühlkiste

Der Astronaut Mark Watney war auf dem besten Weg, eine lebende Legende zu werden: Als einer der ersten Menschen in der Geschichte der Raumfahrt betritt er den Mars. Nun, sechs Tage später, ist Mark auf dem besten Weg, der erste Mensch zu werden, der auf dem Mars sterben wird: Bei einer Expedition auf dem Roten Planeten gerät er in einen Sandsturm, und als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Ausrüstung.Ohne Nahrung. Und ohne Crew, denn die ist bereits auf dem Weg zurück zur Erde. Es ist der Beginn eines spektakulären Überlebenskampfes ...

Abbildung: Heyne 
"Ich bin sowas von im Arsch.  Das ist meine wohlüberlegte Meinung.  Im Arsch."
So beginnt Mark Watneys Höllentrip auf dem roten Planeten. Ich weiß nicht, ob es dieser Auftakt war, der mich schon an Andy Weirs Roman fesselte, jedenfalls hat mich "Der Marsianer" von Beginn an in seinen Bann gezogen. Es ist selten geworden, dass mich ein Roman, gerade wenn er so hochtechnisch angehaucht ist, so dermaßen in den Bann zieht, dass ich beim lesen "Überstunden mache". Mark Watney bescherte mir seit Langem wieder ein Gefühl, das ich schon beinahe vergessen hatte. Ein Buch, dass mich regelrecht in Besitz nimmt, in seine Seiten hineinzieht, bei dem man keinen Buchstaben verpassen möchte und man traurig ist, wenn es zu Ende ist. 
Mitfiebern, mitzittern, mitleiden
Wobei Andy Weir genau die richtige Länge findet - nirgends verharrt Astronaut Watney zu lange oder zu kurz, die Spannungskurven sind genau richtig gesetzt, seine Schauplatzwechsel (im NASA-Headquarter wird alles für Watneys Rettung getan) fördern die Spannung und immer, wenn man Mark Watney gerade gratulieren will, lässt Weir die Hölle über ihn hereinbrechen. Ich habe mitgefiebert, mitgezittert, mitgelitten - das ist mir wirklich lange nicht passiert.
Klingt komisch, aber der Astronaut bleibt am Boden...
Auch die Story hat es in sich. Ein Astronaut der um sein Leben kämpft, sich auf einem unfruchtbaren Planeten Essen beschaffen muss, eine Funkverbindung zur Erde herstellen soll, Treibstoff sammelt, um Sauerstoff kämpft, von Gerätschaften alleine gelassen wird, sich beinahe selbst in die Luft sprengt und dabei immer humorvoll und direkt bleibt. Und was Weir noch hervorragend macht: Er lässt Kompliziertes einfach wirken. Abermillionen teure und hochkomplexe NASA-Gerätschaften erklärt er durch Watneys Gedanken in einfachen Worten (alleine für diese massive Recherchearbeit - Weir beschreibt etwa wie der Marsrover von unten aussieht  - gebührt dem Autor Ehre) und lässt den verzweifelten, alleingelassenen Astronauten dabei so menschlich, nah und vertraut wirken. Auch dessen Humor - in teils derber Ausdrucksweise - lässt der Autor nicht zu kurz kommen:
(12:04) JPL: Alles was sie tippen, wird live auf der Erde verbreitet...(12:15) Watney: Seht mal da! Zwei Titten --> (.Y.)
Dazu ist der Protagonist findig, mutig, störrisch, niemals mutlos - ein typischer amerikanischer Held, wenn man so will (das wäre dann vielleicht auch der einzige Kritikpunkt). Der Mars scheint sich für den Chicagoer aber immer neue Qualen auszudenken, bleibt ein mächtiger Gegner. Selten kommt es, wie Watney es geplant hat, doch trotzdem findet er immer eine Lösung, wobei Weir den Leser stets einbezieht. Man könnte glauben, Weir habe selbst ausprobiert, was er Watney im Roman austüfteln lässt.Manchmal übertreibt er es als Autor zwar mit seiner Detailwut, fasziniert aber weit öfter  seine Leser, die beinahe überzeugt sind, dass sich der alte Mars-Pathfinder von 1996 tatsächlich zu einem interplanetaren Mailserver umrüsten lässt.
Wie die Jungfrau zum Kind
Raumfahrt war lesetechnisch für mich seit Apollo 13 eigentlich kein Thema mehr und auch zum Buch kam ich wie die Jungfrau zum Kind: Vom Heyne-Verlag wegen eines Interview-Angebots mit Andy Weir angeschrieben (den ich nicht kannte), googelte ich kurzerhand "Der Marsianer", stieß auf den am 8. Oktober anlaufenden und hochkarätig besetzten Film von Ridley Scott und antwortete: "Scheiß aufs Interview, ich brauch das Buch! (Naja, ich habs wohl irgendwie anders formuliert, aber die Aussage triffts).
Mein Highlight 2015
Letztlich die beste Entscheidung, die ich buchtechnisch in diesem Jahr getroffen habe: "Der Marsianer" ist mein persönliches Lese-Highlight 2015, ein Seitenfresser par excellence, ein Must-Read! Ich kann dieses Buch nur guten Gewissens weiterempfehlen und hoffe, es geht anderen auch so. Aber so falsch kann ich nicht liegen - 4,5 von 5 Sternen bei amazon und 276 Mal fünf Sterne, bei 380 Votes. ALSO: Kaufen und unbedingt vor dem Gang ins Kino noch lesen!!!
Alles rund um Bücher auf Bennis Wühlkiste

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Tags: bennis wühlkiste, mars, marsianer, rezension, scifi   (5)
 

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metro 2033, metro-universum, monster, scifi, tunnel

Im Tunnel

Sergej Antonow , Matthias Dondl
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Heyne, 14.01.2013
ISBN 9783453314078
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Sergei Antonow - Im Tunnel
Anatoli Tomski ist ein junger Anarchist, der keinerlei Autorität anerkennt. Als das Machtgefüge in der Metro aufgrund von Hegemonialgelüsten einzelner Stationen ins Wanken gerät, erkennt Tomski die Bedrohung für seine eigene Freiheit und die seiner Kameraden. Gemeinsam mit einer Handvoll Mitstreitern soll er die Drahtzieher eines geheimen Waffenprojekts unschädlich machen, bevor es zu spät ist. Doch der Weg durch die Tunnel ist weit und voller Gefahren – und welchem seiner Begleiter kann Tomski wirklich trauen?

Abbildung: randomhouse.de 

Sergej Antonows Beitrag zum Metro2033-Universum ist in gewissem Sinne ein klassischer Metro-Roman. Denn neben einem sehr kurzen Ausflug an die verstrahlte Oberfläche erlebt der Leser die Abenteuer von Soldat Tomski und seinen wechselnden Begleitern in den mehr oder weniger sicheren U-Bahn-Tunnelnd er russischen Hauptstadt Moskau. 
Nahe an der Vorlage
Dabei hält sich Tomski in vielerlei Hinsicht präzise an die "Vorgabe" aus Metro2033, dem Hauptwerk der reihe. Bereits bekannte Gesellschaftsformen tauchen wieder auf, Antonow schildert die düstere Hoffnungslosigkeit in der Metro und der Held erlebt eine Odyssee durch den weit verzweigten Moskauer Untergrund.
Interessante Ideen
Dennoch ist im Tunnel teilweise anders: Antonow baut zahlreiche Traumsequenzen und Visionen  ein. Sein Held ist kein Held wie er im Buche steht - und kommt im Gegensatz zu manch anderem Metro-Protagonisten mit erstaunlich wenig Munition aus. Antonow setzt neue Reizpunkte und auf den Menschen als noch größeren Übeltäter als die stets gegenwärtige Verstrahlung und Verräter an der eigenen Rasse. Das klingt auch in anderen Metro-Romanen an, aber nirgends so deutlich wie in "Im Tunnel".
Fazit
Antonows Roman ist kurzweilig, geizt nicht mit Action und setzt an den richtigen Stellen Wendepunkte. Das Ende wird den vorangegangenen Seiten allerdings nicht in vollem Maße gerecht. Es macht den Eindruck, als wollte Antonow mit aller Macht sämtliche Protagonisten und auch scheinbar unbedeutenden Details seines Romans in die abschließenden 20 Seiten quetschen. Das ist etwas too much. Dennoch ist "Im Tunnel" ein abwechslungsreicher Metro-Roman, mit guten Ideen und interessanten Ansätzen.

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Tags: antonow, metro2033, sciencefiction, scifi   (4)
 

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rom, altes rom, historischer roman, antike, legion

Die Ehre der Legion

Anthony Riches , Wolfgang Thon
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 25.05.2015
ISBN 9783764531331
Genre: Historische Romane

Rezension:


Anthony Riches Debütroman "Die Ehre der Legion" hat nicht unbedingt das, was man ein überraschendes Ende nennen kann (Achtung Spoiler): Eine Schlacht, in der die römische Armee nach anfänglich großen Verlusten und einem drohenden Desaster obsiegt und den britannischen Gegner, den fiktiven König Calgus, letztlich doch eine desaströse Niederlage beibringt (Spoiler Ende). Dafür hat Riches Erstlingswerk etwas anderes - es versucht in die Tiefe zu gehen, in die Tiefe der Denkweise der Herrscher, der Präfekten, der Offiziere, der Legionäre und der Auxiliarsoldaten des Imperium Romanum.
Schon zu Beginn des Romans wird schnell klar, dass es der Held, Marcus Valerius Aquila nicht leicht haben wird. "Sein Vater ist ein Verräter, doch ihm ist es bestimmt, das römische Reich zu retten. Kaum ist Marcus Valerius in Britannien angekommen, muss er um sein Leben fürchten, denn Kaiser Commodus hat ihn zum Tode verurteilt. Das lässt Marcus keine andere Wahl, als unter falschem Namen in einer Legion am Hadrianswall zu dienen, bis ihm irgendwann Gerechtigkeit widerfährt. Da stürmt eine zu allem bereite Rebellenarmee auf den Wall zu, und seine Chance ist gekommen. Als Zenturio muss Marcus beweisen, dass er seine Männer in der blutigen Schlacht zum Sieg führen kann ...", beschreibt der Klappentext den Plot.
Denkweise der Protagonisten im Fokus
Während in Simon Scarrows "Adler"-Romanen das militärische Handeln, Taktieren oder die ständig gleich Vorgehensweise der Legionäre in der Schlacht im Mittelpunkt steht, will Riches - neben den für einen historischen Roman essentiellen Passagen zu militärischem Drill oder Kampfszenen - den Geist der Protagonisten und ihre Denkweise in den Fokus rücken. Das gelingt ihm etwa mit Marcus Valerius, der als tragende Figur viel Charaktertiefe aufweist, aber auch mit Dubnus, seinem Optio oder auch einigen Randfiguren der 1.Tungrischen Kohorte, in der Marcus nach seiner Flucht dient. Denen fehlt es im Gegensatz zu Marcus, auch wie etwa dem ein oder anderen Präfekten, Legaten oder Gegenspieler, zwar an Tiefe, da "Die Ehre der Legion" aber nur den Auftakt in die Reihe der "Imperiums"-Romane darstellt, lässt dies eher Spielraum offen, als dass es dem Roman schadet. Im Gegenteil, so behält die Geschichte um den Protagonisten ihren Fluss, wird nicht unnötig an Nebenkriegsschauplätzen künstlich verlängert.
Oft zu durchschaubar
Spannung will ich Riches Erzählung nicht absprechen, dennoch legt er viele Geschehnisse, Intrigen oder Liebeleien zu offen und durchschaubar an. Das zu kritisieren steht mir nicht zu, denn natürlich will Riches spannend und erfolgreich erzählen, aber ihm geht es auch darum, zwischen den Zeilen zu lesen, wie er es selbst in historischen Quellen über Jahre gelernt habe.Wer dann was zwischen den nicht überladenen, sondern zielstrebig formulierten Zeilen entdeckt, das liegt an jedem selbst. Ich habe in römische Dickschädel geblickt, das unverwüstliche Selbstvertrauen und die tödliche Arroganz der römischen Armee kennengelernt und den Machthunger und das Selbstverständnis eines Imperiums herausgelesen, das selbst bis in die kleine Zehe des Soldaten der römischen Hilfstruppen dringt.
Fazit:
"Dei Ehre der Legion" ist kein Meisterwerk, aber ein gut lesbarer, historischer Roman, der trotz aller Ähnlichkeiten zu Vorbildern doch eine spezielle Note trägt. Ich werde die Imperiums-Serie weiterverfolgen, denn es bleiben ja am Ende einige Fragen offen...Zwischendurch werde ich auch wiedermal einen Scarrow lesen.
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islam, is, inside is, terror, bennis wühlkiste

Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat'

Jürgen Todenhöfer
E-Buch Text: 289 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann Verlag, 27.04.2015
ISBN 9783641175528
Genre: Sachbücher

Rezension:

Inside IS - 10 Tage im Islamischen Staat
Es ist blanker Hass, der einem aus vielen der 288 Seiten  aus Jürgen Todenhöfers neuestem Werk "Inside IS - 10 Tage im Islamischen Staat" entgegen schlägt. Die Lektüre des Buches lässt mich verstört zurück, teilweise ratlos, teilweise zornig, oftmals kopfschüttelnd. Es ist die krude totalitäre Ideologie des IS, die Rechtfertigung der Taten durch den Koran und es  sind vor allem Sätze wie "Enthauptungen gibt es definitiv. Je nachdem, welches Verbrechen jemand begeht, wird ihm der Kopf oder die Hand abgeschlagen. [...] Bei Christen ist es so, dass sie die Möglichkeit haben, Jizya [eine Schutzsteuer] zu zahlen und den Islam anzunehmen, oder sie werden halt getötet. Ihre Frauen werden dann versklavt. [...] Wir werden nach Deutschland zurückkehren - aber nicht mit Freundlichkeiten, sondern mit der Waffe in der Hand." , die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Deutsche IS-Kämpfer im InterviewDieser Satz stammt von Abu Qatadah, einem deutschen IS-Kämpfer und überzeugten Jihadisten aus Solingen, der in der Medien-Abteilung des IS arbeitet. Über ihn nimmt Todenhöfer Kontakt  zum IS auf und plant seine zehntägige Reise. Während dieser schildert Todenhöfer Unglaublliches, überlebt manche Situationen nur knapp, wird offen angefeindet, bedroht - immer auf der Suche nach Antworten: Wie mächtig ist der IS wirklich? Welche Motive leiten die Anführer? Was treibt ihre Gefolgschaft zu Greueltaten? Um was geht es dem Westen in diesem Konflikt? Ist Deutschland Terrorziel des IS? 
Auf manche Frage findet der langjährige Bundestagsabgeordnete, der mit seinem Sohn und dessen Freund reist, Antworten, aber oft bleibt er ratlos und zutiefst erschrocken zurück.Doch vielmehr als die Reise selbst fesseln die vorangegangenen Interviews mit zwei deutschen Jihadisten, darunter eben Abu Qatadah alias Christian Emde. Todenhöfer spricht offen, kritisiert, geht auf Konfrontationskurs, überdreht teilweise. Doch es sind nicht die Fragen, es sind die Antworten, die mehr als einige Male schockieren: "Was verstehen Sie unter Vergewaltigung? Das ist immer relativ. Was bedeutet [zum Sex] zwingen? Was bedeutet zwingen, wenn einem diese Frau als Sklavin gehört?" 
Dramatischer ReportTodenhöfers dramatischer Report aus dem Herzen des IS-Kalifats ist eine eindringliche Mahnung, einen politischen Ausweg aus der Gewaltspirale zu finden. Dabei ist der Publizist stets um Respekt gegenüber dem Islam bemüht, geht auf dessen Entstehung durch "die Ignoranz des Westens" ein, warnt eindringlich vor den radikalen, unmenschlichen Zielen des IS, für die es keine Rechtfertigung gibt - auch keine islamische.
Selbstbeweihräucherung hätte man sich sparen könnenDas Buch verstört den Leser, lässt ihn ratlos zurück, lässt in verzweifeln, ist aber fesselnd, spannend und informativ - zumindest meistens: Denn was ich zwischen Seite 32 und 36 zu lesen bekam, hätte mich beinahe dazu veranlasst, das Buch zuzuklappen und wegzulegen.Jürgen Todenhöfers Vita in allen Ehren, aber in einem Kapitel, das "Auf der Suche nach der Wahrheit heißt", eine Selbstbeweihräucherung in diesem Umfang auszubreiten, war mir dann doch zuwider. Da kann Todenhöfer wohl nicht aus seiner "politischen" Haut. Und leider schlägt diese Ader mehrmals zu - auch kurz vor Schluss, wenn Todenhöfer seinen linken Schuh sucht. Ansonsten: TOP! Aber lesen Sie lieber selbst...
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nahrung, marin trenk, hawaii, bennis wühlkiste, essen

Döner Hawaii

Marin Trenk
Flexibler Einband: 297 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 21.03.2015
ISBN 9783608948899
Genre: Sachbücher

Rezension:

Döner Hawaii - unser globalisiertes Essen
Marin Trenk zeigt, wie sich in den vergangenen 500 Jahren bis heute nicht nur fremde Lebensmittel und einzelne Speisen, sondern komplette Küchen erfolgreich ausgebreitet haben. Dabei erfährt man, wie heute in anderen Kulturen gekocht wird. Das Buch öffnet uns die Augen für die mitunter sonderbar anmutenden Tabus, mit denen wir manche Speisen belegen. Und es macht Lust, die vielen kleinen kulinarischen Inseln zu entdecken, an denen der Geschmack der Welt bisher vorübergezogen ist. Nicht zuletzt wirft der Autor einen Blick in die Zukunft kulinarischer Entwicklungen.


"Marin Trenk räumt auf mit lieb gewordenen Vorurteilen über das globalisierte Essen."
Jutta Hoffritz, Die Zeit, 23.4.2015

"Trenk weiß, warum sich der Maggi-Brühwürfel selbst in Westafrika durchsetzte (Faszination des weißen Lebensstils) und wieso ein Chicken Tikka Masala, ein Hühnchen in Tomatensoße, den Sieg Großbritanniens über die einstige indische Kolonie symbolisiert (ein Brite bestand auf viel Soße)."
Katja Thimm, Der Spiegel, 14.3.2015

Nahe meiner Wohnung hat im beschaulichen Städtchen, in dem ich wohne, gerade die internationale Küche Zuwachs bekommen. Ein portugiesisches Restaurant hat seine Pforten geöffnet. Nebendran ist ein Italiener, wiederum daneben ist gerade ein Tapas-Restaurant im Entstehen, wiederum daneben gibt es im Bistro Steak und Burger, keine hundert Meter entfernt ein Serbe und zum McDonalds kann man den Blick von dessen Dachterrasse ebenfalls schweifen lassen - man isst, auch im beschaulichen Niederbayern, international.Nur ein Running-Sushi fehlt uns noch und der Mexikaner ist eingegangen.

Mediterran statt Eisbein

Mitte der 60er-Jahre waren Eisbein und Schweinshaxe noch die Leib- und Magenspeise der meisten Deutschen. Heute schütteln sich viele seiner Studenten, wenn sie nur davon hören, sagt Autor Marin Trenk, Ethnologieprofessor an der Uni Frankfurt.

Mediterran zu essen, sei dagegen in. Und als Imbiss ist der Döner nicht zu schlagen.Deutsches Essen mit Migrationshintergrund! Selbst in die Tiefkühlregale ist Exotik eingezogen oder zumindest das, was exotisch klingt, wie zum Beispiel: die "Mexiko-Pfanne" - die man so im Land der Maya nie finden werde, sagt Trenk. Ebenso wie die Karibik-Pfanne - ein Hauch von Kokos verleiht Exotik -  in der Karibik.

"Döner Hawaii"  ist  in drei Kapitel aufgeteilt: Das erste Kapitel stellt drei wesentliche Wellen der kulinarischen Globalisierung vor (Kolumbus, den Kolonialismus, und die Ethnofood-Welle). Im zweiten Kapitel wird Ethnofood eingehender betrachtet. Trenk wnadert dabei durch die südeuropäischen Küchen (italienisch, jugoslawisch, türkisch etc.), hält sich in Asien auf (chinesisch, thailändisch, japanisch) und schweift dabei auch durch den Rest der Welt (nord-, mittel- und südamerikanisch, afrikanisch etc.). 

Kochshows sehen?  JA! Selbst am Herd stehen? NEIN!

Das ist essenziell für seine drittes Kapitel - ich nenne es, die Abrechnung, die Vision oder Alltagsschau - Trenk nutzt seinen selbst kreierten Begriff „Gastro-Anomie“ und beschreibt die die unübersichtliche, gegenwärtige Kulinariksituation. Kritik bleibt da natürlich nicht außen vor: Seit Jahren werfen zwar unzählige Starköche und solche, die es gerne wären, ebenso viele Kochbücher auf den Markt und ergehen sich in  Kochshows, aber es werde gleichzeitig immer weniger oder gar nicht mehr an den heimischen Herden gekocht. Und falls mal doch, dann meist überkandidelt, in teuren Küchen und nur mit hochwertigstem Equipment, schwer erhältlichen Zutaten und ausgefallenen Rezepten und Zubereitungsmethoden. Immer neuere kulinarische Trends lösen sich immer schneller gegenseitig ab, Standort und Saison spielen kaum noch eine Rolle, alle möglichen Zutaten sind fast überall und oftmals in guter bis bester Qualität erhältlich, regionale Zubereitungstraditionen werden von globalisierten in den Hintergrund gedrängt und geraten zunehmend in Vergessenheit, schimpft Trenk.  Neue Speisekonventionen (Allergien, Intoleranzen, Veggie, Vegan, keine Innereien, nur mageres Fleisch, kurze Zubereitungszeiten, zuckerarm, saisonal, regional, bio etc.) erzeugen höchst individuelle Menü-Pläne in deutschen Städten und Dörfern. Auf der anderen Seite ist Convenience- und Fastfood bei den deutschen Möchtegern-Gourmets allgegenwärtig - und weiterhin auf dem Vormarsch.

Anekdoten, die manchem zu viel werden

Trenk würzt seine Beobachtungen mit zahlreichen Anekdoten - spricht etwa von Kakao als Aphrodisiakum oder einem Fauxpas von Hemut Kohl in China - und weiß den Leser vor allem in den ersten beiden Kapiteln zu überzeugen. Das sagt zumindest Jakob Strobel y Serra von der FAZ: "Der historische Teil über die Globalisierung des Essens nach der Entdeckung Amerikas ist spannend und schwungvoll geschrieben. Doch der Rest des Buches stochert mitunter ziellos im großen kulinarischen Globalisierungtopf herum und wird mit jeder Seite anekdotischer, sprunghafter, fahriger. Und wenn der Ethnologe erst zum Völkerpsychologen wird, um uns unsere Esssitten zu erklären, wird das Eis ganz schnell ganz dünn."

Dem muss ich teilweise entgegentreten: Es kommt auch darauf an, wie man dem Trenkschen Werk entgegentritt. Wer eine wissenschaftliche Abhandlung erwartet oder gar voraussetzt, der wird enttäuscht werden. Wer Information verpackt in launige Unterhaltung sucht, der bekommt genau das. 
Marin Trenk: "Döner Hawaii - unser globalisiertes Essen; Klett-Cotta, 297 Seiten, 17.95 Euro 
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könig, sonnenkönig, ludwig xiv, hengerer, wühlkiste

Ludwig XIV.

Mark Hengerer
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 06.05.2015
ISBN 9783406675515
Genre: Biografien

Rezension:

Das Leben des Sonnenkönigs (Kurzrezension zu Mark Hengerer: Ludwig XIV)"L'état c'est moi! -  Der Staat bin ich! --- Dieser Satz steht beispielhaft für den Absolutismus, wird mit Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, gleichgesetzt, wobei nicht klar ist, ob dieses Zitat wirklich von ihm stammt.


Nichtsdestotrotz wurde Ludwig XIV. während seiner 72-jährigen Regentschaft als König von Frankreich zum Inbegriff des absolutistischen Herrschers. Mark Hengerer beschreibt in seiner Publikation "Ludwig XIV", erschienen in der Reihe C.H.Beck-Wissen, das Leben des Sonnenkönigs von der Regentschaft der mächtigen Kardinäle Richilieu oder Mazarin während Ludwigs Kindheit über die Durchsetzung seiner autokratischen Herrschaft bis zum Krieg um das spanische Weltreich.Kurz, knapp, informativWie in einer Ausgabe von Beckschem Wissen erwartbar, schildert Hengerer, Professor für Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, kurz, knapp und informativ die wichtigsten Fakten und geht dann in die Tiefe, wenn es ihm wichtig erscheint. Hengerer zeichnet dabei auf eindrucksvolle prägnante Weise Ludwig XIV. sowohl als Sonnenkönig, als auch als "roi de guerre", Kriegskönig, Kolonialist oder alternden Monarchen. Das auf 120 Seiten zu Wege zu bringen, ist alleine schon eine Leistung. Weiteren Aufschluss über Ludwig XIV. geben die zwar spärliche aber aussagekräftige Bebilderung, eine Zeitalter-Karte Frankreichs mit den wichtigsten Ereignissen der Epoche sowie eine Genealogie im Anhang.FazitHengerers Werk ist ein kleiner feiner Überblick über das Leben und Wirken des Sonnenkönigs, bestens geeignet etwa als einführendes Werk in ein Uni-Seminar oder für eine Proseminar-Arbeit sowie für den Hobby-Historiker zuhause im Lesesessel. 
Mark Hengerer: Ludwig XIV. - Das Leben des Sonnenkönigs, C.H.Beck, 120 Seiten, 8.95 Euro
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fc bayern, krausser, münchen, stern des südens, fussball

Gebrauchsanweisung für den FC Bayern

Helmut Krausser
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 09.03.2015
ISBN 9783492276481
Genre: Sachbücher

Rezension:


Der FC Bayern München ist wieder deutscher Meister, spielt aber, wenn man einigen Medien glauben schenkt, keine gute Saison. Das Aus im Champions League Halbfinale gegen Barca und im DFB-Pokal gegen Dortmund schmälere die Leistungen der Bayern. Sicher, der FCB setzt selbst hohe Ansprüche an sich, aber das Triple zu erwarten, ist dann doch weit hergeholt. Das denkt sich auch Helmut Krausser, der mit seinem Werk"Gebrauchsanweisung für den FC Bayern" seine schonungslose Liebe zum Rekordmeister offenbart, Kritikern den Wind aus den Segeln nimmt und Bayern-Fans für immer wieder geartete Rechtfertigungen gegenüber anderen Fußballfans Futter gibt.

[ Meinen Blog finden Sie hier]
Foto: Piper Verlag

Krausser wuchs nahe dem Olympiastadion auf, ist seit jeher treuer Bayern-Fan und weiß noch genau das Datum, an dem seine Liebe für den Münchner Vorzeigeklub entbrannte - der 31. August 1974 beim Heimspiel des FCB gegen Hertha BSC Berlin:

"Seither ist viel Wasser die Isar hinabgeflossen. Das Spiel hat undenkbare und unheimliche Dimensionen erreicht - und nicht alles daran gefällt mir. Aber bis heute bin ich für eines außerordentlich dankbar: quasi neben dem Olympiastadion aufgewachsen zu sein in jenen großartigen Jahren, denn von daher benötige ich keine, aber auch nicht die geringste Erklärung oder gar Entschuldigung dafür, Fan dieses Vereins zu sein, der einen zur Ekstase wie zur Weißglut bringen kann, der polarisiert wie kaum sonst etwas auf der Welt."

Das kleine, aber feine Büchlein mit knapp 200 Seiten ist in fast 40 Kapitel zu vielen verschiedenen Facetten des FC Bayern unterteilt. Krausser widmet sich darin natürlich den großen Spielern und den Trainerlegenden des Vereins, darüber hinaus aber auch Immateriellem wie dem Bayern-Dusel, dem "Mia san mia"-Gefühl oder dem Hass, dem man als Bayern-Fan unweigerlich ausgesetzt ist. Selbst für den kürzlich zurückgetretenen Mannschaftsarzt des FC Bayern hat er ein eigenes Kapitel reserviert, die Spielerfrauen unterschlägt Krausser ebenso wenig wie diejenigen Spieler des FC Bayern, die keine einzige Pflichtspielminute in der Bundesliga absolvieren durften. Ihnen setzt er mit einer eigenen Seite quasi das Denkmal für den unbekannten Spieler. Er behandelt die bayerische Transferpolitik, schreibt über Spaßvögel und unfreiwillige Clowns und lässt auch dunkle Kapitel des Vereins nicht außen vor.

Eine gewollt höchst subjektive Darstellung

Die "Gebrauchsanweisung für den FC Bayern" ist beileibe keine weitere Zusammenstellung der Erfolge und der größten Spieler des Vereins. Stattdessen wird in Kraussers Ausführungen ganz im Sinne der "Gebrauchsanweisungen" deutlich, dass es sich hierbei um die höchst subjektive Einschätzung eines einzelnen Menschen geht. Krausser spült nicht weich, sondern nennt seine persönlichen Favoriten klar beim Namen. Aus der Perspektive eines im Jahre 1964 Geborenen ist es daher völlig nachvollziehbar, dass er "Katsche" Schwarzenbecks 40-Meter-Kracher aus der Nachspielzeit der Verlängerung des 74er-Europapokalfinals der Landesmeister als das wichtigste Tor des FC Bayern bezeichnet. Schließlich begann mit dem dadurch erzwungenen und wenige Tage später stattfindenden Wiederholungsspiel der erste Siegeszug der Bayern durch Europa.



Wunderbares Lesevergnügen

Krausser schafft mit seinem Büchlein ein wunderbares Lesevergnügen, das auch für den eingefleischten Bayern-Fan interessante neue Ansichten enthält und nicht nur ebenjenem gefallen dürfte. Es ist eine augenzwinkernde Verneigung vor dem FCB, dem Stern des Südens, dem lukrativen Wirtschaftsunternehmen und Synonym für bayerischen Nationalstolz.

Lesen Sie mehr unter: http://www.live.mittelbayerische.de/Event/bennis_wuehlkiste 

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manchester united, alkohol, george best, fussballstar, depression

George Best

Dietrich Schulze-Marmeling
Buch: 270 Seiten
Erschienen bei Die Werkstatt, 26.01.2016
ISBN 9783730701720
Genre: Sachbücher

Rezension:



"Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst." - Dieses Zitat ist untrennbar mit der Person George Best verbunden. In den Köpfen hängengeblieben ist der Nordire als Exzentriker, Alkoholiker, Frauenheld und Ausnahmefußballer - nun beweist Dietrich Schulze-Marmeling in der Biografie "George Best - der ungezähmte Fussballer", dass auch er als Biograph zwar nicht an Bests Eskapaden und Skandalen vorbeikommt,  aber hinter dem Fussballer Best ein teils schüchterner, depressiver, innerlich zerrissener und tiefgründiger Mensch steckt, der an seiner eigenen Popularität zerbrochen ist. Schulze-Marmeling, ausgewiesener Kenner und Biograf des Fußballs, seiner Vereine und Idole, schildert in diesem Buch auf dem Hintergrund des Nordirland-Konflikts, der George Bests Leben mitprägte, den Aufstieg und den Fall eines Fußballers, der wie kein anderer vor und nach ihm den Traum vom authentischen Fußball und die Sehnsucht nach einem freien Lebensstil verkörperte.
[Lesen sie mehr in Bennis Wühlkiste!]
Foto: Die Werkstatt Ich selbst habe George Best nie spielen sehen, kenne ihn nur aus seinen zahlreichen kruden Zitaten - doch nach der Lektüre von Dietrich Schulze-Marmelings Biographie, denke ich anders über den Ausnahmefußballer und Menschen aus Belfast. 
Best wäre heute wohl unbezahlbar, auf einer Stufe mit Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo.Zumindest wenn man den Lobeshymnen glauben darf: Pelé: "Er war der beste Spieler, besser als ich." 
Best wäre heute millionenschwer, er wäre wohl aber dennoch anders als Messi  Co.: Er wäre ein Typ, ein Mensch, der seine Meinung sagt und eventuell würde er heute nicht mehr an seiner Popularität zerbrechen - denn damals war er alleine damit, heute wäre er einer unter vielen.Ein schüchterner Junge mit guten ManierenSchulze-Marmeling steigt  in seiner Biographie in Best Kindheit ein, erzählt von einem guten Schüler mit guten Manieren, zugleich aber einem unsicheren Jugendlichen und jungen Mann, der mit 15 Jahren von zu Hause auszieht und bei Manchester United sein Glück sucht.Das er dort auch findet: Von 1953 bis 1974 trägt er das Trikot der Red Devils, absolviert 470, erzielt 179 Tore. Sein Stern leuchtet am hellsten, als er 22 Jahre alt ist - 1968 holt er den Pokal der Landesmeister, wird Englands und Europas Fußballer des Jahres. Doch schon damals beginnen seine Probleme.Geld, Frauen, Alkohol, schnelle Autos - sein Ruhm steigt Best zu Kopf. Er schwänzt Trainings, verpasst Spiele, weil er sich mit Schauspielerinnen oder Models ein Wochenende lang in Hotelbetten vergräbt.Best ist depressiv, verkündet mehrmals seinen Rücktritt, nimmt sich wochenlange Auszeiten, wird oft gesperrt. Er ist ein überforderter Popstar, tingelt nach seinem Abschied von Manchester United von 1974 bis 1986 über vier Kontinente und elf Teams. Er säuft weiter, wird spielsüchtig und entflieht der Realität. "Als ich in den Vereinigten Staaten spielte, wohnte ich in einem Haus direkt am Meer. Ich war nie im Wasser. Auf dem Weg war eine Bar", sagt er oder: "Ich habe mit dem Trinken aufgehört. Aber nur wenn ich schlafe." Er war oft betrunken, sogar bei Fernsehauftritten.
Letztlich geht er daran zu Grunde, stirbt mit 59 Jahren 2005 an Leberversagen. Die andere Seite des George BestDas ist der George Best, wie ihn viele kennen, doch Schulze-Marmeling weiß mehr, analysiert Bests Spielkunst, seine überragenden technischen Fähigkeiten, seine Dribblings, seine individuellen Coups. Dem rustikalen Spiel der 60er und 70er scheint Best einen Schritt voraus. Zugleich geht der Autor aber auch auf den nordirischen Bürgerkrieg ein, Bests Gefangenheit darin, auch wenn er neutral blieb, Mordrohungen  gegen ihn, Todesfälle in seiner Familie, ständigen Polizeischutz. Der Protestant Best zerbricht auch daran - er macht sich Vorwürfe, dass aufgrund seiner Bekanntheit seine Familie leiden muss. Schulze-Marmelings Werk liest sich trotz biographischer Detailtreue mehr wie eine fantastische Erzählung, denn als eine Biographie, ist spannend aber aufschlussreich. Er vermittelt Erkenntnisse, die über die gängige Best-Mythologie hinausgehen. Die beste Zusammenfassung seines Werkes und auch der Person George Best liefert der Autor selbst in den letzten drei Zeilen der Biographie: "George Best hat sich die Freiheit genommen, zu fliegen. Auf dem Platz und im übrigen Leben ist er auf seine radikale Art authentisch geblieben. Auch wenn er wusste, dass dafür ein Preis zu zahlen war." 
Dietrich Schulze Marmeling: George Best - Der ungezähmte Fussballer, 272 Seiten, Paperback; Verlag: Die Werkstatt; 16,90 Euro.
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2033, dystopie, metro 2033, metro, gleb

Die Reise ins Licht

Andrej Djakow , Olaf Terpitz
Flexibler Einband: 382 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.05.2011
ISBN 9783453528543
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Andrej Djakow - Die Reise ins Licht
Dmitry Glukhovsky hat mit Metro 2033 und dem Nachfolgeband Metro 2034 nicht nur zwei Bestseller auf den Literaturmarkt geworfen, er hat mit seinen Endzeit-Romanen ein Universum rund um die Metro in Moskau erschaffen, in dem sich seit geraumer Zeit auch andere Autoren austoben. Der erste war Andrej Djakow, der mit "Reise ins Licht", dem  ersten Teil einer Trilogie, die Geschehnisse nach einem verheerenden Atomkrieg in der russischen Metropole St. Petersburg unter die Lupe nimmt.
[WEITERE REZENSIONEN HIER!]


Wie versprochen, habe ich, vom Hörbuch Metro 2033 angefixt, mir nun einen weiteren Band des Metro 2033-Universums vorgenommen. Die Beschreibung auf dem Buchrücken hat mich gleich in den Bann gezogen - vor allem die Aussichten, nicht nur in den schattenwabenden Tunneln einer U-Bahn, sondern auch an der verstrahlten Oberfläche Abenteuer zu erleben, zog mich förmlich ins Buch hinein.

In der Geschichte, die wort- und bildgewaltig erzählt wird, geht es  um einen 12-jährigen Jungen namens Gleb, der mit seinem Meister, dem Stalker Taran, Abenteuer, Gemetzel und  zahllose Überraschungen erlebt. 
Da der Schreibstil bzw. die Übersetzung ins Deutsche den beiden Hauptteilen sehr ähnelt, fliegt man förmlich über die Kapitel hinweg und befindet sich relativ schnell in der Geschichte. 
Ein Trupp von Stalkern, darunter auch ein Mitglied einer einflussreichen Sekte, beginnt eine Reise zu der Quelle eines mysteriösen Lichts außerhalb von St. Petersburg. Man vermutet dort  eine Art Arche, einen Ort, an dem es keine Zerstörung gibt. Ein kleines Stück Paradies in der von Menschenhand erschaffenen Hölle der Nach-Atomkriegs-Ära. Die Aufgabe des Trupps, in dem auch Taran und Gleb mitmarschieren, besteht darin, das Geheimnis um diesen Ort zu lüften. 
Zähe Kämpfe, Alphatier-Gehabe der Protagonisten, gruselige  Schreckensszenarien und einige unerwartete Wendepunkte machten mich zu einem wahren Seitenfresser - und im Buch wird noch etwas ganz anderes als Seiten gefressen!  Man hat das Gefühl, selbst mit Taran und Gleb zu marschieren und vermutet hinter jeder Ecke neue mutierte Wesen, neue Gefahren.

Fazit:
Wer Metro 2033 und 2034 gelesen hat und davon begeistert war, der sollte auch bei der "Reise ins Licht" zugreifen . Die bedrückende Atmosphäre, die  Welt in Endzeitstimmung und das beklemmende Gefühl der Menschen in ihrer scheinbar ausweglosen Situation werden teils sogar besser vermittelt als in Glukhovsky Vorlage - die man allerdings nicht gelesen haben muss. Djakow versteht es sehr gut die Eigenheiten verschiedener Charaktere aufzuzeigen und mit den Kontroversen der Protagonisten zu spielen. Die Spannung steigt stetig und bleibt bis zum - durchaus überraschenden - Ende des Buches auf hohem Niveau.

Deshalb: Für mich mit Sicherheit nicht der letzte Teil aus dem Metro-Universum. Gerade das offene Ende macht Lust auch mehr. Wie würde Arnold Schwarzenegger sagen: "I'll be back!".

TIPP:  Buchrezensionen in meinem Blog "Bennis Wühlkiste" 


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moskau, dystopie, metro, russland, überleben

Metro 2033

Dmitry Glukhovsky , M. David Drevs
Flexibler Einband: 784 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.11.2012
ISBN 9783453529687
Genre: Science-Fiction

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