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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das geheime Spiel

Kate Morton
E-Buch Text: 689 Seiten
Erschienen bei Diana Verlag, 26.01.2009
ISBN 9783641016302
Genre: Sonstiges

Rezension:

Grace ist 99 Jahre alt, als sie den Brief einer Drehbuchautorin erhält, in dem sie um ein Gespräch bittet. Ihr neuster Film handle von einer Zeit, die Grace nur zu gerne vergessen würde: das Leben in Riverton, als sich der Dichter R. S. Hunter erschoss. Sie war dabei. Die Begegnung bringt all die Erinnerungen in ihr wieder hoch, die sie zu verdrängen versucht hat. Und mit ihnen ein dunkles Geheimnis... 


Es ist ja immer so eine Sache mit den Büchern im Urlaub. Nicht leicht, abzuschätzen, wie viele man mitnehmen soll. Als mich das Gefühl beschlich, dass mir meine Bücher nicht reichen könnten, hatte ich allerdings Glück: ich bekam ein Buch ausgeliehen, das wohl schon mehrere Leute in ihren Bann geschlagen hat. Die Vorteile, wenn man bei befreundeten Deutschen unterkommt. 

Und auch mich hat es in seinen Bann geschlagen. Ich war regelrecht gefesselt, auch wenn ich mich die meiste Zeit gefragt habe, wieso die Dinge so passieren wie sie passieren. Das Buch ist voller Geheimnisse und voller Schicksalsschläge... unglaublich! Ich meine, ich mag es gerne, weil es das Leben viel besser widerspiegelt als diese Bücher, in denen alles sich rein zufällig in die richtigen Bahnen lenkt. So ist das Leben nicht. Trotzdem wünscht man sich am Ende ja doch irgendwie ein gutes Ende. Auch wenn uns klar ist, dass es nicht immer ein gutes Ende geben kann.

Das Buch hat kein gutes Ende. Wobei das Ende zwei Seiten hat: zum einen wird Grace endlich erlöst (es hat beinahe den Anschein, dass sie erst jemandem die Geschichte erzählen musste, um zuletzt ihren Frieden finden zu können) und zum anderen wird das Geheimnis und das schreckliche Missverständnis aufgelöst, das Grace das Leben schwer gemacht haben muss - zumindest hat es mich am Ende nicht gewundert, dass sie sich selbst die Schuld an der Tragödie gegeben hat. Aber das Ende ist echt. Das Ende zeigt eine Entscheidung, die ich keinem wünsche. Absolut niemandem! Es musste eine Entscheidung gehen, wie jede Situation in gewisser Weise eine Entscheidung braucht. Doch egal, wie die Entscheidung ausgefallen wäre - sie wäre verheerend gewesen. 

Was mich an dem Buch besonders fasziniert hat, ist die Vielseitigkeit, die Morton nutzt, um die Situation zu schildern. Sie nutzt Teile des Drehbuchs, über das die Drehbuchautorin mit Grace sprechen möchte, aber auch Briefe, Zeitungsartikel aus unterschiedlichen Zeiten (Vergangenheit und Gegenwart) und Berichte. Und das alles neben der eigentlichen Geschichte, in der ich das Gefühl hatte, dass das Zeitgefühl der alten Grace immer mehr verschwimmt und sie immer häufiger in die Vergangenheit abdriftet, ja, die Konfrontation mit der Vergangenheit die mehr und mehr in Beschlag nimmt, bis eine etwas unüberlegte Frage sie beinahe das Leben kostet. 

Es ist nichts Neues, dass die Vergangenheit für Menschen tatsächlich eine gewisse Gefahr bergen kann. Dass es besser ist, nicht darin rumzustochern. Dass manche Geheimnisse einen ein Leben lang verfolgen. Und vor allem... dass man noch so sehr versuchen kann, die Vergangenheit zu vergessen und zu verdrängen - irgendwann holt sie einen immer wieder ein. Ich habe Grace dafür bewundert, dass sie sich am Ende ihres Lebens doch noch dafür entscheiden konnte, ihre Geschichte und vor allem die Geschichte ihrer Mistress zu erzählen, ihre Geheimnisse ihrem Enkel zu offenbaren, ob er die Nachrichten nun erhält oder nicht. Dass sie zu besonderen Personen instinktiv eine gewisse Verbindung aufbauen konnte, ohne sich genau im Klaren zu sein, woher diese Vertrautheit kommt. Aber auch das Leben, das sie geführt hat, finde ich bewundernswert. Heute ist es vermutlich wahnsinnig schwer, das Leben des 20. Jahrhunderts in der Weise, wie Grace es erlebt hat, nachzuvollziehen. Sich immer zu ducken, Ja und Amen zu sagen, unsichtbar zu sein... Natürlich hat sie dieses Betragen von klein auf gepredigt bekommen, und konnte sich demnach leichter damit identifizieren und sich eingliedern. Ich kann auch ihre Mutter verstehen, dass sie der kleinen Grace das immer und überall auf die Nase gebunden hat, dass jeder seinen Platz hat und diesen auch wahren soll. Trotzdem ist es aus heutiger Sicht heftig. Auch wenn Grace ihr Leben Freude gemacht hat. 

Die Schicksalsschläge, die das Buch beschreibt, sind teilweise grausam und doch ist es in gewisser Weise nachvollziehbar. Wie ich schon sagte: es sind Entscheidungen. Hopp oder Top. Und doch hatte ich letztlich den Eindruck, dass sich am Ende doch alles irgendwie löst. Ja, die beiden Schwestern haben nicht mehr viel erlebt, weil sie beide jung gestorben sind, aber Grace... Sie hat letztlich erstens etwas aus sich gemacht und ist ihrem Gefühl gefolgt, auch wenn sie vermutlich in erster Linie vor der Vergangenheit weggelaufen ist und zum anderen hat sich auch ihre missliche Lage der Liebe gegenüber irgendwie geglättet, auch wenn ich das gar nicht mehr erwartet hatte. Das war etwas, an dem ich mich wahrlich erfreut habe, auch wenn ich da gerne noch das ein oder andere Detail erfahren hätte. Aber das war letztlich ja nicht direkt Thema des Buches. 

Das Buch ist voll von verschiedenen Themen, die alle eine gewisse Brisanz enthalten. Der Wandel der Zeit, besonders nach dem Ersten Weltkrieg. Die Differenzierung von Dienstbotenschaft und Adel. Die Loyalität unter Bediensteten. Die schleichende Emanzipation der Frauen. Die Schrecken des Krieges. Die Folgen unüberlegten Handelns. Und besonders die Problematik, die aus unausgesprochenen gemeinsamen Geheimnissen entstehen kann. Hätte Hannah Grace an jenem Tag im Dorf zu Wort kommen lassen, dann wäre das alles so nicht passiert. Und wenn sie je darüber gesprochen hätten... Im Grunde sind es immer Kleinigkeiten, die den größte Schaden anrichten können. Morton reiht diese Themen (und viele weitere) so gekonnt aneinander, dass ein herrliches Gesamtwerk entsteht. Sie gestaltet ihre Personen und Situationen so detailreich, dass ich mich hineinversetzt fühlte. Mir war zum Heulen zumute, als Grace von Hannahs Schwierigkeiten erzählt. Von ihrem Unglück. Aber auch von ihren eigenen Sorgen, besonders wenn es um ihren Enkel geht. Es wirkt alles so unglaublich... lebendig! So charakterstark und dramatisch. Die Inszenierung der Details ist so gekonnt, dass ich zwar immer wieder Gedanken hatte, was letztlich passiert sein könnte, nur um im nächsten Moment wieder über den Haufen geworfen zu werden. Es war ein Auf und Ab der Gefühle und manchmal hätte ich es wahrscheinlich wirklich gerne in die Ecke geworfen und geschmollt, nur um es wieder zurückzuholen und wieder darin zu versinken. 


Ich glaube, jetzt hab ich mich genug ausgelassen, auch wenn ich diesmal nicht direkt auf die Einzelheiten und Feinheiten eingegangen bin, sondern mehr die inhaltliche Basis besprochen habe. Aber das ist, was mich daran so sehr gefesselt hat. Die inhaltliche Basis wurde durch den Stil, den Aufbau des Buches, die Ideen der Autorin nur bekräftigt und galten als Unterstützung dessen, was bei mir diese Begeisterung ausgelöst hat. Und somit ist Das geheime Spiel für mich eines der wohl besten Bücher, das ich in diesem Jahr, wenn nicht sogar in meinem Leben gelesen habe. Es ist mitreißend, stürmisch und brisant. Eine Geschichte der drastischen Lebensentscheidungen, die auf jeden Fall Gehör finden sollte. Gehör finden MUSS. Also: lest dieses Buch!

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57 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

unfall, hannah kaiser, icefoxes, jobverlust, zimtzucker

Zimtzucker

Hannah Kaiser
E-Buch Text: 227 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 26.11.2014
ISBN B00Q96R3J0
Genre: Liebesromane

Rezension:

Als Sarah ihren Job verliert, sucht sie eine neue Aufgabe: sie reist zu ihrem Vater und ihrer kleinen Schwester, die gerade den Verlust der Frau bzw. Mutter betrauern. Sie will eine Hilfe sein, merkt allerdings schnell, dass die beiden sich nicht helfen lassen wollen. Als sie auf Eric trifft und vor seinen Augen einen Zusammenbruch erleidet, kommen sich die beiden nahe - bis sie herausfindet, wer er wirklich ist. 


Ach, es ist doch was schönes, wenn man im Urlaub den E-Reader eingepackt hat und in der Sonne lesen kann. In der Sammlung meines Freundes habe ich Zimtzucker entdeckt, war zunächst etwas amüsiert,, habe es mir aber auf den Reader gezogen, falls ich mal was zum Berieseln lesen möchte. 

Schon im ersten Kapitel hatte ich ein ungutes Gefühl beim Lesen. weniger wegen des Inhalts, sondern des Stils. Es ist in Ordnung, wenn zwischen Personen gesprungen wird, vor allem wenn zwei Personen im Zentrum stehen. Aber. Ich bin der Meinung, dass die Perspektive die gleiche bleiben sollte. Ich kam nicht wirklich damit klar, dass zwischen der Ich-Perspektive bei Sarah und der Er-Perspektive bei Eric gesprungen wurde. Es kann vielleicht hilfreich sein, um die verschiedenen Abschnitte voneinander zu differenzieren, aber mir gefiel es trotzdem nicht. Da ist es mir doch lieber, wenn dabei eine Konstante herrscht, es gibt immerhin so viele verschiedene Möglichkeiten, zwei Personen bzw. zwei Perspektiven voneinander abzugrenzen. So muss es doch nicht sein... 
Ansonsten fand ich das Buch eigentlich ganz gut. Anfangs noch ein bisschen seltsam, kam ich nach und nach immer mehr in die Geschichte rein, konnte mich in Sarah einfühlen, teilweise sogar richtiggehend identifizieren. 

Trotzdem war es eben nur "ganz gut". Teilweise war die Geschichte ein bisschen vorhersehbar, teilweise waren die Missverständnisse zu offensichtlich und zu banal. Natürlich sind es gerade diese Missverständnisse und "Vorhersehbarkeiten", die auch im realen Leben immer wieder vorkommen - auf der anderen Seite ist es eben einfach klischeehaft. Wobei ich die Situation dann doch ganz witzig fand, als sich alles mehr oder minder aufgelöst hat. 

Und das ist auch der Grund, warum das Buch die Bewertung von mir bekommen hat, die hier steht: auch wenn ich die Perspektive nicht besonders toll fand und einiges aus der Geschichte mir zu offensichtlich war, kam doch etwas bei mir an. Ich war zum Beispiel kurz vorm Heulen als die beiden ihren Liebeskummer aussitzen und gespannt, als die beiden sich wieder gegenüberstehen. Ansonsten war ich oft am Grinsen, was doch auch eine gute Eigenschaft für ein Buch ist. Es muss ja nicht immer perfekt sein. 

Besonders in einer Hinsicht hat das Buch alle meine Erwartungen erfüllt: es war leicht zu lesen und perfekt, um mich Berieseln zu lassen. Das habe ich erwartet, mir gewünscht, und genau das bekommen. Eigentlich konnte ich gegen Ende hin sogar gar nicht mehr aufhören zu lesen, sodass ich es letztlich in einem Rutsch vollends durchgelesen habe. Wobei das auch nicht großartig schwierig war, weil das Buch doch sprachlich einfach genug war, um es an einem Abend durchzulesen. Die leichte Lektüre für zwischendurch eben, obwohl sich darin ein Thema versteckt, das vielleicht gar nicht so leicht ist und das irgendwie auch nur nebensächlich behandelt wird: die Trauer nach dem Verlust eines wichtigen Menschen. Nachvollziehbar, dass es nur nebensächlich ist, weil es nicht direkt mit Eric und Sarah zusammenhängt, sondern ihre Familie betrifft, trotzdem wäre es doch schön gewesen, da etwas mehr Gefühl zu vermitteln. Aber letztlich war das eben nicht das Thema.


Insgesamt kann ich zu dem Buch gar nicht sonderlich viel mehr sagen als das was ich gesagt habe: es ist leichte Kost, schnell zu lesen, berieselt angenehm, hat aber eben auch diverse Schwachstellen. In Ordnung für zwischendurch mal, mehr aber auch nicht. Immerhin wurden meine Erwartungen etwa erfüllt. Letztlich ist das Buch für mich der Beweis dafür, dass nicht immer alles perfekt sein muss, sondern es manchmal auch vollkommen ausreicht, wenn eine Geschichte "nur" okay ist. 

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10.152 Bibliotheken, 75 Leser, 9 Gruppen, 347 Rezensionen

krebs, liebe, tod, krankheit, john green

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

John Green , Sophie Zeitz
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.05.2014
ISBN 9783423625838
Genre: Jugendbuch

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203 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 8 Rezensionen

schweden, krimi, spionage, alzheimer, kurt wallander

Der Feind im Schatten

Henning Mankell , Wolfgang Butt
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.2012
ISBN 9783423213349
Genre: Krimi und Thriller

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71 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

liebe, barbara wood, medizin, historischer roman, heilerin

Seelenfeuer

Barbara Wood
Flexibler Einband
Erschienen bei Fischer (TB.), Frankfurt
ISBN 9783596283675
Genre: Romane

Rezension:

Der Vater bei ihrer Geburt ermordet, die Mutter mit Zwillingsbruder verschleppt, wächst Selene bei Mera, einer alten Heilerin auf, die ihr alles beibringt was sie weiß. Da verliebt sich Selene in den Arzt Andreas und bringt damit die Pläne ihrer Ziehmutter durcheinander. Als Mera Selene zwingt, mit ihr zu fliehen, kann sie nur eine kleine Nachricht hinterlassen. Doch in Selene flammt noch etwas anderes: der Wunsch, das ganze Wissen über die Heilung in sich zu vereinen und damit anderen Menschen zu helfen.


Schon immer wollte ich bewusst ein Buch von Barbara Woods lesen - da ergab es sich gar prächtig, dass die Schwester meines Freundes in ihrem alten Bücherregal eine Ausgabe von Seelenfeuer stehen hatte, die ich zur Hand nehmen konnte, auch wenn ich am Anfang nicht ganz wusste, was der Titel mit dem Thema der Heilerin zu tun hatte. Zum Glück ergibt sich das aus dem Inhalt relativ schnell. 

Das Buch ist in unterschiedliche große Abschnitte aufgeteilt, die sich nach den Orten richten, in welchen Selene sich befand. Dabei ist die Unterteilung nicht nur nach den Orten, sondern auch nach ihren Namen nachvollziehbar, was wahrscheinlich in erster Linie daran liegt, dass sie an jedem Ort, den sich betrat, einen neuen Namen zugeteilt bekam. An sich empfand ich diese Abgrenzung treffend gewählt, weil jeder Ort seine Berechtigung fand und seine eigene Geschichte erzählen konnte. Dennoch hatte ich ein ganz großes Problem damit: zwischen jedem Ort klaffte eine große zeitliche Lücke, sprich: von hier nach da konnten schon mehrere Jahre vergangen sein. Ja, es ist vielleicht nicht zwangsläufig notwendig, überall alles mitzubekommen - gibt ja auch triviale Zeiten - aber es hat mich doch irgendwie gestört, weil sowas bei mir gerne den Eindruck hinterlässt, als wäre es nicht ganz vollständig. Es passieren Dinge, die vielleicht aufgrund von "Selbstverständlichkeit" heraus gelassen werden, die mich aber vielleicht hätten interessieren können. So werden "nur" die Besonderheiten ihres Lebens aufgezeigt, als ob das Leben nur aus Besonderheiten bestehen würden. Das finde ich irgendwie schade. Wie gesagt, mir hat irgendwie etwas gefehlt. 

Ansonsten war die Geschichte inhaltlich soweit schön durchdacht. Es gab einige Sequenzen, die durchweg interessant gestaltet waren, die ich so auch nicht erwartet habe. Auf der anderen Seite war allerdings auch vieles relativ vorhersehbar. Die Zusammenhänge konnten zu leicht durchschaut werden. Zum Beispiel das Missverständnis zwischen Andreas und Selene, das zwar am Ende aufgelöst wurde, damit die beiden wieder zusammenfinden konnten, das allerdings zu Komplikationen führte. Für den Leser war es von Anfang an klar, dass das passieren würde - auch wenn der Versuch unternommen wurde, die Situation Selenes möglichst ausführlich darzulegen, damit man sich in sie einfühlen kann. Das wäre tatsächlich etwas besser gelungen, wenn nicht von vornherein klar gewesen wäre, dass es "nur" ein Missverständnis ist.

Was ich persönlich schön fand, war, dass das Buch aus der Sicht von Selene verfasst wurde. Wir erfahren sehr viel von ihr, ihrem Leben, ihren Ängsten und ihrem Leid, auch wenn es kein "Ich"-Erzähler ist. Wir sind praktisch immer an ihrer Seite. Ein bisschen schwierig fand ich allerdings, dass hier die Autorin etwas uneinheitlich gearbeitet hat. Statt bei Selene zu bleiben, die ja praktisch die Hauptprotagonistin des Buches war, wird ab und zu auf anderen Personen übergegriffen, sei es Paulina, Ulrika oder Andreas. Das sind meist nur kleine Abschnitte, die zwar durchaus interessant und für die Geschichte relevant sind, allerdings wirken sie durch die Tatsache, dass eigentlich die ganze Zeit von Selene ausgehend geschrieben wird, etwas fehl am Platz. Dazu kommt, dass bei mir einige Fragen zurückgeblieben sind - ganz besonders, ob Ulrika wohl ihren Vater gefunden hat oder wie es ihr allgemein ergangen ist. Ja, es ist nicht Teil der eigentlichen Geschichte und wieder etwas für sich - auf der anderen Seite ist es doch etwas, dass mich interessiert hätte und das mir fehlt. 

Jetzt aber genug gelästert - das Buch hatte immerhin auch schöne Seiten. So war das Motiv des Seelenfeuers für mich toll gewählt. Diese Heilung aus dem Inneren heraus - nicht nur für andere, sondern auch sich selbst. Der innere Friede, der von der Flamme ausgeht. Das hat mir sehr gefallen. Auch fand ich es spannend, wie sie so mit ihrem Bruder verknüpft wurde. Das Seelenfeuer ist das Zeichen der beiden Zwillinge, verbindet sie miteinander und grenzt sie doch von den anderen ab. Auch, dass die beiden Flammen ihre eigenen Eigenschaften haben, fand ich schön, weil die beiden Geschwister so in ihrer Gemeinsamkeit doch eine gewisse  Eigenständigkeit erhalten. Beide sind für sich genommen besonders, auch wenn sie etwas eint. 

Auch das Motiv der Reise, das zuerst bei Selene und dann bei Ulrika angewendet wird, fand ich spannend. Dabei meine ich weniger die Reise in Form der Mobilität, wobei diese immer ein Teil davon ist, sondern vielmehr die Reise als Suche nach dem eigenen Schicksal und der Suche nach der eigenen Person. Die Reise als Weg zur eigenen Bestimmung. Dass zunächst Selene davon betroffen war und dann in die gleiche Situation "gedrängt" wird, die auch schon Mera belastete, nämlich: die Tochter auf die Suche nach ihren eigenen Wurzeln machen zu lassen, ist nicht nur ein verbindendes Element, das generationsübergreifend wirkt, sondern auch ein roter Faden, der sich letztlich durch alles hindurchzieht. 

Ebenfalls schön fand ich die Charaktere im Allgemeinen, auch wenn ich es manchmal schwierig fand, wie willkürlich zufällig manche Dinge passiert sind. Nehmen wir zum Beispiel Paulina: sie entscheidet, dass sie die beiden aus dem Haus haben möchte und noch am gleichen Tag rettet Selene einem ihrer besten Bekannten das Leben, woraufhin sie ihre Absicht vergisst, mit Selene über ihre Probleme spricht und sie Freundinnen werden. Solche Situationen finde ich immer zu einfach. Man kann es Schicksal nennen - ich denke trotzdem, dass nicht in jeder schwierigen Lage ein kleines Wunder geschieht, damit alles am Ende doch irgendwie gut ausgeht. Schwierig. Dennoch sind mir die Personen ans Herz gewachsen. Nur der Tod von Rani ging mir ein kleines bisschen zu schnell. 


Insgesamt sind es also viele Kleinigkeiten, die das Buch besonders machen, aber auch viele Kleinigkeiten, die das Buch für mich sehr schwierig machten. Ich konnte mich einfach nicht richtig einfinden, war nicht wirklich überzeugt von dem, was mir vorgelegt wurde. So ist Seelenfeuer ein interessant gemachtes Buch mit vielen kleinen Schwachstellen, aber einer spannenden Botschaft, denn ich glaube, dass in jedem Menschen ein solches inneres Feuer steckt, mit dem anderen Menschen (vielleicht nicht physisch, aber psychisch) geholfen werden kann und das uns selbst das Leben erhellen kann.

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199 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 17 Rezensionen

familie, zeit, liebe, tod, karriere

Zeit deines Lebens

Cecelia Ahern ,
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.11.2010
ISBN 9783596183104
Genre: Romane

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1.009 Bibliotheken, 10 Leser, 17 Gruppen, 50 Rezensionen

vampire, alaska, liebe, kade, vampir

Gezeichnete des Schicksals

Lara Adrian , Katrin Kremmler , Barbara Häusler
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 07.06.2010
ISBN 9783802583209
Genre: Fantasy

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584 Bibliotheken, 8 Leser, 19 Gruppen, 21 Rezensionen

vampire, vampir, lestat, louis, new orleans

Interview mit einem Vampir

Anne Rice
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 08.09.2008
ISBN 9783442469222
Genre: Fantasy

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143 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 5 Rezensionen

philosophie, liebe, unsterblichkeit, tod, paris

Die Unsterblichkeit

Milan Kundera , Susanna Roth
Flexibler Einband: 415 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 01.11.1992
ISBN 9783596106721
Genre: Romane

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109 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

israel, liebe, erotik, abhängigkeit, sex

Liebesleben

Zeruya Shalev , Mirjam Pressler
Flexibler Einband
Erschienen bei Berliner Taschenbuchverlag, 01.02.2002
ISBN 9783442760008
Genre: Erotische Literatur

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777 Bibliotheken, 17 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

mittelalter, rollenspiel, thriller, fluch, ursula poznanski

Saeculum

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Loewe, 17.06.2013
ISBN 9783785577837
Genre: Jugendbuch

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90 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

sex, ratgeber, erotik, liebe, frauen

Die perfekte Liebhaberin

Lou Paget , Beate Gorman
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 01.09.2000
ISBN 9783442162635
Genre: Sachbücher

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

sex, erotik, lust, liebe, verführung

Der perfekte Liebhaber

Lou Paget , Beate Gorman
Flexibler Einband: 255 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 01.05.2001
ISBN 9783442163434
Genre: Sachbücher

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

arm, mädchen, tod, samt, das cape

Das Cape aus rotem Samt

Nina Schindler
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 01.10.2009
ISBN 9783596808892
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Marguérite ist noch ein Kind als ihre Eltern an einer Diphterieepidemie starben. Mit ihnen verlor sie alles: ihre Familie, ihre Gouvernante, ihr Zuhause, ihre beste Freundin und ihr schönes Leben. Bei ihrem Onkel, der unter der Fuchtel seiner Frau steht, findet sie ein neues Heim, in dem ihr der Hass der Tante unentwegt das Leben schwer macht. Doch dann erfährt sie, dass ein reiches Kind entführt werden soll und macht sich auf den Weg, das Mädchen zu warnen - und wird dabei geradewegs selbst entführt.


Als wildes Buch aufgegriffen, war ich schon sehr gespannt auf das Buch, dessen Klappentext mir sehr zugesagt hat. Erst als ich das erste Mal reingeschaut habe, ist mir eigentlich klar geworden, dass es sich um ein Kinder- beziehungsweise Jugendbuch handelte, da die Seiten sehr groß und mit vergleichsweise wenig Text beschrieben sind. War jetzt aber an sich auch kein Problem - so konnte ich das Buch in kurzer Zeit durchlesen und hatte mal wieder ein kleines Erfolgserlebnis, nachdem ich die letzte Zeit eher weniger zum Lesen komme.

Entsprechend des ersten Eindrucks war die Sprache des Buches tatsächlich relativ einfach gehalten. Dennoch zeichnet es sich durch eine Kleinigkeit aus, die ich persönlich eigentlich immer sehr nett finde: die Personen sprechen im entsprechenden Dialekt. Bremen als norddeutsche Stadt gehört in den Bereich, in dem besonders die in dieser Zeit herrschende niederere Bevölkerungsschicht eher Plattdeutsch spricht und so ist besonders bei Jörn der Dialekt vermehrt vertreten. Toll ist dabei der Effekt, als er sie zum ersten Mal bei ihrer Schweizer Arbeitgeberin besuchen kommt und dabei wegen seiner Aufregung immer mehr in den Dialekt verfällt, wie im Text selbst angekündigt wird. Auch die Gouvernante als Französin wird geschrieben wie man sie sich sprechen vorstellt. Das macht das Bild von den Menschen irgendwie klarer, realistischer und greifbarer. Es verrät schon viel über die Charaktere, ohne dass viel über sie gesagt wird. Ein wirklich schöner Effekt. Nur bei einer Person hab ich mich ein bisschen schwer getan, mir das Gesprochene im Geschriebenen vorzustellen und das war bei der Milchbäuerin:

"Jetzt setz dich an den Tisch und iss erst mal was. Das sieht ja ein Blinder mit 'nem Krücks-tock, dass du kurz vorm Verhungern büst. Und dat wollen wir doch nicht - hm?" (S. 143)

An und für sich vorstellbar, sie ist allerdings eher... inkonsequent dargestellt. An manchen Stellen kann man sich die Norddeutsche im Gesprochenen richtig gut vorstellen, auch der anderen Seite gefühlt eben nur so halb. 

Auch die Geschichte des Buches ist sehr einfach gestrickt. Es gibt keine großen Brüche, sondern man bleibt als Leser immer bei Marguérite, aus deren Perspektive gesprochen wird. Es sind ihre Gedanken, ihre Erfahrungen, ihre Geschichte die wir mitverfolgen. Es ist auf jeden Fall sehr konsequent. So erfahren wir beispielsweise was aus Jörn geworden ist erst, als Marguérite ihn das nächste Mal trifft, statt es aus seiner oder einer allwissenden Perspektive schon im Voraus gesagt zu bekommen. Dadurch erhält das Buch meiner Meinung nach eine einheitlich chronologische Linie, die es auch grundsätzlich (bis auf an einer Stelle, an der sie erzählt, wie sie in ihre Situation gekommen ist - der Tod der Eltern, der Verlust ihres Lebens,...) einhält. 

Allerdings ist die Geschichte auch sehr vorhersehbar und das Ende mir ein bisschen zu perfekt. Ich kann mir vorstellen, dass gerade wesentlich jüngere Menschen als ich mit solchen Geschichten ein bisschen mehr anfangen können, weil sie einfacher zu verstehen sind - für mich war es ein bisschen zu reibungslos. Immer wenn es ein Problem zu geben scheint, ist die Lösung ganz einfach und liegt auf der Hand. Zufälle gehen miteinander einher und machen alles noch ein bisschen einfacher. Sie wird entführt und zufällig sind die Bedingungen um die Entführung so gestrickt, dass Jörn sie begleiten und sofort retten kann. Zum Beispiel. Der plot twist nach der Entführung war eigentlich ganz spannend, wenn auch hier mir alles zu einfach war. Die Milchbauern nehmen sie einfach auf. Die Gouvernante hat ganz schnell eine Alternative. Und so weiter. Sie baut sich ihr Leben nach oben wieder auf als wäre es das einfachste auf der Welt. Natürlich ist es schön für sie, dass es so ist. Für mich ist es nur ein bisschen unrealistisch und das Ende ein bisschen zu "happy" gewesen. 

Was ich wiederum sehr schön fand, waren die Zitate, die die Autorin in das Buch eingebaut hat. Sie alle haben irgendwie einen motivierenden Charakter. Einzig dachte ich, dass es nicht nötig gewesen wäre, zu Beginn eines jeden Kapitels ein neues Zitat zu bringen, weil es doch in gewisser Weise ein Bruch ist, der die Geschichte aus ihrem Fluss löst. Hier hätte ich wohl eher Sinnabschnitte gewählt, die durch Zitate miteinander abgetrennt sind, also nur alle paar Kapitel. Aber das ist vermutlich auch mehr Geschmackssache. 


"Das Cape aus rotem Samt" ist meiner Meinung nach eine nette Geschichte für Zwischendurch, die bestimmt auch für jüngere Menschen sehr, sehr gut geeignet ist. Sie ist sehr einfach gestrickt, es ist ein Einfaches, sich in die Handlung und die Charaktere hineinzuversetzen und auch wenn es für mich etwas vorhersehbar war, hab ich doch meine Freude daran gehabt.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die unzuverlässigste Sache der Welt

Susanna Moore
Flexibler Einband: 309 Seiten
Erschienen bei Rowohlt TB.
ISBN 9783499229022
Genre: Romane

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563 Bibliotheken, 13 Leser, 3 Gruppen, 20 Rezensionen

japan, haruki murakami, kafka, liebe, katzen

Kafka am Strand

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Flexibler Einband: 891 Seiten
Erschienen bei btb, 21.09.2009
ISBN 9783442740437
Genre: Fantasy

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

jeanne, 11. jahrhundert, gegewart, kelten, mönch roman

Der Fluch des Mont-Saint-Michel

Frédéric Lenoir , Violette Cabesos , Elsbeth Ranke
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2008
ISBN 9783492252577
Genre: Krimi und Thriller

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69 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

algerien, pest, oran, existenzialismus, tod

Die Pest

Albert Camus

Erschienen bei ROWOHLT TASCHENBUCH VLG, 01.01.1999
ISBN 9783499100154
Genre: Klassiker

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Judith Kerr
Flexibler Einband
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 01.01.1987
ISBN B001HAMTU6
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es ist das Jahr 1933. Anna ist gerade neun Jahre als, als ihr Vater beschließt, dass es besser sei, über Prag in die Schweiz zu flüchten. Er fürchtet sich vor einer möglichen Machtergreifung Hitlers - denn sie waren Juden. Nur mit dem nötigsten Gepäck folgten Anna, ihr Bruder Max und die Mutter dem Vater in die Schweiz. Eine Zeit des Reisens und der Heimatlosigkeit beginnt, denn schon bald versteht Anna, dass sie Flüchtlinge sind, die so schnell nicht mehr in ihr altes Leben zurückkehren können.


Als ich einmal angefangen habe, mir die unterschiedlichen Bücher-Leserlisten durchzuschauen, ist mir Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl aufgrund seines recht skurilen Titels sofort ins Auge gestochen. Ich selbst hatte es als Kind nie gelesen, kannte es nicht einmal dem Titel nach und war demnach gespannt. Viel konnte ich mir nicht vorstellen. Deswegen freute ich mich, als ich das Buch in einer Kiste voller wilder Bücher entdeckte und damit mein Eigen nennen konnte. Es wurde gleich auf die Liste der als nächstes zu lesenden Bücher gesetzt - und habe mich gefreut, als es endlich an der Zeit war, es in die Hand zu nehmen. 

Zunächst ist auffällig, dass das Buch einen sehr einfachen Charakter hat, wobei das erstens nicht weiter tragisch ist, weil es ein Jugendbuch, wenn nicht sogar "Kinder"buch ist. Zweitens passt es zu dem Werk selbst, weil es aus der Sicht der kleinen Anna verfasst ist. Aus diesem Blickwinkel heraus konnte ich mich mit dem Schreibstil etwas schneller vertraut machen, der tatsächlich sehr einfach gehalten ist, in seiner Banalität allerdings vollkommen charmant ist. Das Buch spiegelt die Emotionen, die Anna während der ganzen Zeit empfindet, wunderbar wieder, sodass es ein leichtes ist, sich in die Situation selbst hineinzuversetzen und mitzufühlen, auch wenn es aus unserer Sicht vielleicht schwer ist zu verstehen, wie ein Mensch sich in einer solchen Situation fühlt. 

Ich selbst habe noch beim Lesen darüber nachgedacht, wie naiv Anna in ihrer teilweise positiven Sichtweise ist. Zwar hängt sie oft traurigen Gedanken nach und gerade in ihrem zweiten Schuljahr in Paris ist sie ja viel müde. Trotzdem geht sie immer von der Annahme aus, dass alles gut ist, solange die vier Familienmitglieder nur zusammen seien. Es scheint irgendwie nachvollziehbar, dass sie so denkt, wenn man darüber nachdenkt, was in dieser Zeit so alles passiert ist, wie viele Familien in Lagern oder auch sonst auseinandergerissen wurden... Da ist dieser tiefe Wunsch wirklich nachvollziehbar. Auf der anderen Seite hat es auf mich einen verharmlosenden Eindruck gemacht. Und dann habe ich versucht, weiterzudenken. Sie ist ein Kind von zunächst neun und später zehn und elf Jahren. Ein Mädchen, das vermutlich noch nicht zu viel von der Situation versteht, auch wenn ihr vieles schon geläufig ist. Die nicht weiß, wie es um Politik und ähnliches steht. Und natürlich darf sie in ihrem kindlichen Leichtsinn auch ein bisschen naiv sein. Aber das habe ich erst im Nachdenken verstanden. 

Allgemein ist das Thema ein sehr ernstes und es gefällt mir, wie damit umgegangen ist. Natürlich ist der Titel - nennen wir es "gewagt". Es ist einfach zu sagen, dass das rosa Kaninchen zurückgelassen wurde und demnach nicht gestohlen wurde. Auf der anderen Seite... wollte die Familie ihr Hab und Gut ja unter Umständen nachsenden lassen. Das Konfiszieren der Habseligkeiten der Familie können durchaus als "Diebstahl" gesehen werden, insbesondere aus der Sicht eines kleines Kindes, das aufgrund der Flucht vor einem Mann namens Hitler ihr liebstes Kuscheltier verloren hat. 

Einige Szenen haben mich im Allgemeinen doch recht herzlich zum Schmunzeln gebracht, was vermutlich gerade an der Naivität der kleinen Anna gelegen haben kann - wobei hier auch im Laufe des Buches ein Wandel eintritt, der vermutlich mit dem Älterwerden Annas begründet werden kann. Eine Stelle fand ich persönlich besonders nett. Sie zeigt auch den allgemeinen Stil sowie die sprachliche Ausgestaltung des Buches:

"Als Herr Graupe die Aufgaben nachgesehen hatte, hatte er mehrere Fehler gemacht, und auch in der Rechtschreibung schien er nicht allzu sicher zu sein.
"Nun, das ist nicht so wichtig", sagte Mama. "Es wird dir ganz gut tun, wenn du dich nach deiner Krankheit ein wenig ausruhen kannst." 
"Das Singen gefällt mir", sagte Anna. "Sie können alle jodeln, und sie wollen es mir beibringen."
"Um Himmels willen!", sagte Mama und ließ sofort eine Masche fallen." (S. 46)

Das ist der Charme, von dem ich spreche. Vielleicht ist der sprachliche Stil nicht optimal. Aber es liest sich einfach nett. Es herrscht beinahe durch das ganze Buch eine kindliche Atmosphäre, die sich nicht abschütteln lässt. Am wenigsten verstanden habe ich so die Stelle an der Anna "auf einmal" aus dem Kopf Französisch sprach. Kann ich selbst nicht nachvollziehen, aber vielleicht ist das ja tatsächlich so, wenn man eine Weile im Ausland ist. 

So ist das Buch also teilweise ein bisschen willkürlich, ja. Es ist naiv, ja. Aber es ist niedlich. Vor dem Hintergrund ist diese Einschätzung unter Umständen etwas gewagt und vielleicht schwer verständlich. Aber meiner Meinung nach ist es ein Buch, das zwar ein großes Unglück beschreibt, das allerdings aus Kinderaugen als gar nicht so dramatisch wahrgenommen wurde. Der kindliche Charakter des Buches macht es irgendwie besonders und hübsch. 


Als Hitler das rosa Kaninchen stahl ist ein Kinder- bzw. Jugendbuch. Daran lässt sich nicht rütteln. Es sprüht vor Einfachheit, aber auch vor einer herzlichen Sympathie. Nicht immer herrscht darin Friede, Freude, Eierkuchen, aber im Grund herrscht die Grundstimmung, dass am Ende doch irgendwie alles in Ordnung ist. Es zeigt ein Stück weit, dass auch in schwierigen Situationen noch ein Silberstreif am Horizont wartet und es immer schlimmer sein könnte. Es ist ein Buch, auf das man sich in seiner Art einlassen muss - das aber ein wertvolles kleines Juwel ist, das auch auf einfache und für junge Menschen verständliche Art und Weise die Problematik des Lebens auf der Flucht vor Hitler beschreibt.

Schade finde ich, dass das Buch so abrupt mit der Reise nach London endet. Mit dem Klappentext hatte ich mir da ein bisschen mehr erwartet - zumindest einige Episoden aus London selbst. Vermutlich würde ich dafür die Fortsetzung lesen müssen, von der ich bisher noch nichts wusste. Zumindest habe ich diese jetzt auf dem Schirm. 

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The Underground Man. Der Untergrundmann, engl. Ausgabe

Mick Jackson
Flexibler Einband: 266 Seiten
Erschienen bei Picador
ISBN 9780330352352
Genre: Sonstiges

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arkansas, usa, thriller, farm, junge

Die Farm

John Grisham , Anette Grube
Flexibler Einband: 462 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.02.2004
ISBN 9783453873940
Genre: Krimi und Thriller

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justiz, anwalt, krimi, john grisham, zeugenschutz

Der Klient

John Grisham
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 01.01.1994
ISBN 9783455024937
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als Mark und sein kleiner Bruder Ricky im Wald heimlich rauchen, beobachten sie einen Selbstmordversuch. Doch statt wegzulaufen, möchte Mark etwas tun, wir aber erwischt. Er wird in den Wagen gezogen und soll mit dem dicken, betrunkenen Mann sterben. Dabei erfährt er ein Geheimnis - und überlebt. Lange bleibt nicht verborgen, dass Mark etwas weiß, das mit einem wichtigen Fall zusammenhängt und gerät so ins Schussfeld von Mafia, FBI und Bundesrichtern. Er wendet sich an eine Anwältin und die setzt sich völlig für ihn ein, als Mark niemanden mehr hat, der ihn sonst schützen kann.


Früher habe ich Grisham geliebt. Ich weiß nicht mehr was ich von ihm gelesen habe, aber ich habe ihn geliebt. Lang lang ist es her. Inzwischen habe ich eine leichte Abneigung gegen alles gebildet, was mit Krimi und Thriller zu tun hat. Aber ich habe ihn nie so ganz vergessen. Deswegen war es mal wieder an der Zeit, ihm eine Chance zu geben und so hab ich mich von meinem Freund beraten lassen, welches Buch ich lesen soll und mich für Der Klient entschieden.

Zum einen ist die Thematik an sich ja schon brisant. Der Kronzeuge in einem Fall zu werden, weil man zufällig an eine Information gerät, die man nicht wissen sollte und damit zur hundertprozentigen Verurteilung einer Hauptfigur aus Mafiakreisen führt, ist schon hart genug. Als elfjähriger Junge ist das alles nochmal eine Spur härter. Vor allem, weil es nicht geheim bleibt, sondern durch einen ganz speziellen Reporter mit Mitteln und Wegen veröffentlicht wird. Damit ist nicht nur Mark letztlich in Gefahr, sondern auch seine Familie, die gerade weitaus mehr Probleme hat, weil sein kleiner Bruder seit der Situation im Wald unter einem posttraumatischem Schock leidet und seine Mutter Tag um Tag an seinem Krankenbett zubringen muss. Damit steht er praktisch allein auf weiter Flur. Und das ist das wahrscheinlich härteste an der Geschichte: dass ein elfjähriger Junge von allen Seiten unter Beschuss steht und dabei niemanden hat, an den er sich wenden kann. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass er sich einen Verbündeten wünscht und ihn in einem Anwalt sucht. Nur, dass er eine Anwältin findet. Glücklicherweise eine Anwältin, die sich besonders für Kinder einsetzt. Ja, vielleicht ein dummer Zufall, den ich in Büchern im Normalfall etwas gestellt finde, aber irgendwie passend. Letztlich machts eben die Inszenierung. 

Was ich bei Grisham immer toll finde, ist die Akkuratesse mit der er seine Bücher aufarbeitet. Natürlich ist es praktisch, dass er als Jurist Bücher verfasst, die einen juristischen Hintergrund haben, wenn sie nicht sogar im Vordergrund stehen. Auch hier ist alles perfekt recherchiert und ausgearbeitet. Ich habs ja nicht so mit Jura, aber mich verließ nie der Eindruck, dass alles stimmig ist. Vielleicht, weil es stimmig war. 

Zusätzlich zur juristischen Genauigkeit des Romans, war auch die Darstellung der Persönlichkeiten höchst genau und detailliert. Grisham hat sich einen genauen Plan ausgedacht und ihn super umgesetzt. Die Spannung blieb immer bestehen. Ich konnte nie so genau sagen, wie welche Person jetzt aus welchem Grund reagieren wird. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass sich Reggie dazu überreden lassen würde, mit Mark nach New Orleans zu fahren. Insgesamt ist Mark eine sehr überzeugende Person dafür, dass er elf Jahre alt ist. Auf der anderen Seite kann ich es auch gut verstehen, dass jemand, der schon in jungen Jahren solche Erlebnisse zu verarbeiten hat, eine bestimmte Reife mit sich bringt, auch wenn ihm scheinbar keiner beigebracht hat, dass Lügen nicht ganz optimal ist. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass Mark irgendwie trotzig wäre, sondern dass er vielmehr rational abzuwägen versucht, welche Situation ihn weiterbringt und welche nicht. Das Gesetz der Straße: Fressen oder gefressen werden. Er möchte sich nach allen Richtungen hin absichern und tut dafür alles mögliche. Auch wenn es heißt, dass er lügen muss. Also ist er eigentlich ein cleveres Kerlchen und irgendwie habe ich ihn für seinen Mut (oder seine Dummheit - das liegt immer so nah beisammen) bewundert. 

Die Geschichte ist äußerst rasant und meiner Meinung nach wirklich IMMER spannend. Vielleicht konnte ich auch deswegen nicht aufhören zu lesen bis das Buch vorbei war. Eindeutig eine dumme Angewohnheit. Aber zurück zum Buch.

Ich erkenne im Buch unter anderem eine Kritik am amerikanischen Rechtssystem, aber auch am Egoismus von politisch ambitionierten Persönlichkeiten, die sich mehr um ihren eigenen Ruf und um ihre Möglichkeiten scheren, als die Sicherheit ihrer "Schutzbefohlenen" zu wahren. So mochte ich den Bundesanwalt Roy Foltrigg überhaupt nicht. Solche Personen gehören meiner Meinung nach nicht in solche Berufe - und trotzdem gibt es gerade dort zu viele von ihnen, weil sie das gewisse Etwas haben. Leider. Ich war beinahe erleichtert als ihm am Ende ein Verfahren droht, weil er unter allen Umständen und mit jedem möglichen Mittel, ob gerechtfertigt oder nicht, den Jungen in die Zange nehmen wollte. Vielleicht zeigt sich das Buch doch ein bisschen von der Seite der Gerechtigkeit. Wo ich so darüber nachdenke macht es fast den Eindruck als wandle sich das Buch vom Anfang zum Ende immer weiter zum Guten. Während noch am Anfang alle um ihn herumkreisen, ihn bedrohen und zu einer Aussage zwingen wollen, werden sie nach und nach zugänglicher und am Ende so freundlich, dass Mark Vertrauen zu ihnen aufbauen kann.

Eine Kleinigkeit hat mich allerdings ein kleines bisschen gestört, aber das kann auch an meiner "Ausgabe" liegen: ich hab mich manchmal ein bisschen schwer getan zu unterscheiden, wann eine andere Perspektive eingenommen wurde. Ich hab das Buch als E-Book gelesen und in meiner "Ausgabe" wurden hier keinerlei kleine Symbole oder Striche gemacht, um anzuzeigen, dass beispielsweise von Mark zu seiner Anwältin zum Richter zum Mafiaboss gewechselt wurde. Das machte das Lesen manchmal ein bisschen schwierig, weil ich immer wieder eine Seite zurückgeblättert habe, um zu schauen, ob es irgendeine Anmerkung gibt oder nicht. Aber letztlich ist das vermutlich nicht die Schuld des Autors oder gar des Buches, sondern der Ausgabe und ist deswegen nicht weiter von Belang.

Ein bisschen schlimmer finde ich da die Tatsache, dass ich gerne noch mehr gewusst hätte. Mich hätte interessiert wie es weitergeht. Ja, in gewisser Weise hat das Buch einen passenden Schluss und kann damit so enden - keine Frage. Trotzdem hätte ich gerne erfahren, wie es mit Foltrigg weitergeht und welche Strafe ihm blüht. Ich hätte zu gerne sein Aufeinandertreffen mit dem Jugendrichter erlebt. Gehört, welche Flüche die Mafia über die Familie ausspeit. Mit welchen Konsequenzen Reggie letztlich zu rechnen haben musste. Es gibt so viele Dinge, die ich am Ende gerne noch mitgenommen hätte. So muss ich respektieren, dass mit Marks Verschwinden von der Bildfläche auch die Geschichte ihr Ende findet. Immerhin ist es seine.


Insgesamt ist Der Klient ein wunderbarer Roman voller Spannung, der mich sehr gefesselt und mitgerissen hat. Und auch wenn es diese Schwachstelle mit dem Ende gibt, ist es doch ein abgeschlossener Roman, der durchaus gelesen werden sollte, ja, gelesen werden muss! Grisham ist ein talentierter Schriftsteller, der es schafft, in das Wesen der Justiz einzuführen, Kritik daran zu üben, ohne dass es abgedroschen wirkt oder ähnliches. Ich bin immer wieder fasziniert und freue mich schon fast darauf, wenn ich den nächsten Roman von ihm lesen kann, das ein brisantes Thema, mit detailreichen Personen und einer toll durchdachten Geschichte verbindet.

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gericht, john grisham, krimi, jury, thriller

Die Jury

John Grisham
Flexibler Einband
Erschienen bei Wilhelm Heyne, 01.01.1992
ISBN B002FX1UTU
Genre: Krimi und Thriller

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testament, brasilien, abenteuer, justiz, krimi

Das Testament

John Grisham
Flexibler Einband: 492 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.09.2001
ISBN 9783453190023
Genre: Krimi und Thriller

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thriller, geiselnahme, krimi, obdachloser, verschwörung

Der Verrat

John Grisham , Dirk van Gunsteren
Flexibler Einband: 428 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.09.2000
ISBN 9783453169241
Genre: Krimi und Thriller

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