Leserpreis 2018

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

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Lenz

Michael Theurillat
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 26.10.2018
ISBN 9783550081989
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Prolog - eine Reflektion über Menschen, die anders als die anderen sind - wirkte gar nicht wie ein Krimi. Aber dann geht es weiter mit der Versteigerung einer Nobelpreismünze bei Christie's, der titelgebende Herr Lenz telefoniert über ein altmodisches, schwarzes Bakelittelefon mit Wählscheibe, das jedoch mit modernster Sicherheitstechnik aufgerüstet wurde mit seinem alten Freund Walter, der sehr krank ist und kaum noch aus dem Haus geht, und Lenz um einen kleinen Gefallen bittet. Lenz soll einer alten Freundin einen Umschlag übergeben. Er hat früher im Archiv der Züricher Kripo gearbeitet, daher kennt er den Kommissar Eschenbach, einen der wenigen Kollegen, mit denen ihn eine persönliche Sympathie verbindet.
Ewald Lenz, Walter Habicht und Isabel Cron kennen sich seit ihren Studententagen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, alle drei sind hochintelligent und brillant, haben aber nicht die von ihnen erwartete große Wissenschaftskarriere gemacht. Lenz und Habicht waren beide in Isabel verliebt, aber Lenz hat aus Mitleid mit dem kleinwüchsigen Habicht einen Rückzieher gemacht und hat Isabel seit nunmehr 40 Jahren nicht mehr gesehen.
Kommissar Eschenbach kehrt nach mehrmonatiger Auszeit bei seiner Tochter in Kalifornien wieder in sein Präsidium zurück. Er hat seiner Tochter einen längeren Besuch abgestattet, fühlt sich erfrischt und gestärkt, merkt aber, dass sich die Atmosphäre unter den Kollegen inzwischen verändert, bzw. verschlechtert hat, was vor allem an seiner jungen Stellvertreterin Ivy Köhler zu liegen scheint. Ein aktueller Fall soll schnell abgeschlossen werden, es scheint sich um einen natürlichen Tod gehandelt zu haben, aber Eschenbach entdeckt Unstimmigkeiten und hakt nach.
Der Roman wird abwechselnd aus Lenz‘ und Eschenbachs Perspektive erzählt, es ist kein typischer Whodunnit mit Mord, Spurensuche und Beweisen, jedoch fand ich ihn außerordentlich spannend. Bevölkert von interessanten Charakteren mit ungewöhnlichen Lebensläufen, Einsichten über die Machenschaften von Regierungsorganisationen und Geheimdiensten, von außen angezettelte Kriege, die letztlich nur dazu dienen sollen, die Versorgung Europas und der USA mit Erdöl und Erdgas zu gewährleisten. Und eine sehr ausdrucksstarke Sprache, ein gut zu lesender Schreibstil. Mit der üblichen Krimikost nicht zu vergleichen und daher vermutlich nicht jedermanns Sache, aber mir hat die Lektüre sehr gut gefallen.

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149 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 83 Rezensionen

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Deutsches Haus

Annette Hess
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 21.09.2018
ISBN 9783550050244
Genre: Romane

Rezension:

Interessant verpackte Geschichtslektion! Die junge Frankfurter Gastwirtstochter und Dolmetscherin Eva Bruhns wird zufällig als Übersetzerin beim ersten Auschwitzprozess eingesetzt. Beim ersten Vortermin ist sie noch ganz naiv und versteht nicht, worum es eigentlich geht. Sie ist zu dem Zeitpunkt eher daran interessiert, dass ihr Freund bei ihrem Vater um ihre Hand anhält.
Doch je mehr sie sich damit beschäftigt, desto mehr ist sie involviert und empört über das, was in Auschwitz passiert ist und von weiten Kreisen der Bevölkerung immer noch geleugnet wird. Gegen den Wunsch ihrer Eltern und auch ihres Verlobten beschließt sie, den ganzen Prozess als Dolmetscherin zu begleiten. Diese Erfahrung verändert sie und lässt sie reifen. Außerdem entdeckt sie, dass auch ihre Familie am Rande in die Naziverbrechen verwickelt war, was zum Zerwürfnis mit ihren Eltern führt.
Wie schon in den Fernsehspielen Kudamm 56 und 59 ist es der Autorin hervorragend gelungen, die Atmosphäre der Zeit (hier die mittleren 60er Jahre) zu erfassen. Man kann es kaum glauben, dass im Jahr 1964 ein Ehemann (hier ist es sogar nur ein Verlobter, also ein zukünftiger Ehemann) noch das Recht hatte, ein Arbeitsverhältnis seiner Frau zu kündigen! Die Zeugenaussagen über die Gräueltaten sind ergreifend, nicht nur für die Protagonistin Eva, sondern auch für den heutigen Leser. Durch die Verknüpfung mit Evas Geschichte ist das keine dröge Geschichtslektion, sondern eine spannende, zeitgeschichtliche Erzählung. Angesichts der momentanen politischen Entwicklungen ist dies der richtige Roman zur richtigen Zeit - sehr zu empfehlen!

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Tags: auschwitzprozess, frankfurt, sechziger jahre   (3)
 

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43 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

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Der Mann am Grund

Iva Procházková
Flexibler Einband: 260 Seiten
Erschienen bei Braumüller Verlag, 01.10.2018
ISBN 9783992002221
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer hat "das Dreckschwein" umgebracht? Das Dreckschwein ist ein korrupter Polizist, dem kein Mensch nachtrauert. Es gibt viele Menschen, die er unter Druck gesetzt und deren Leben er zur Hölle gemacht hat.
Der Prager Kommissar Marián Holina, dem gerade ein neuer, junger Mitarbeiter als Partner zugeteilt wurde, stößt auf einen Wust von Spuren. Am Wochenende zuvor hatte er gerade seine Geliebte Sabina - pikanterweise die Frau eines Kollegen - zu einer Konferenz über Astrologie begleitet. Es hat ihn sehr beeindruckt, dass man auch in der Kriminalistik Horoskope zu tieferer Einsicht in die an einem Verbrechen beteiligten Persönlichkeiten verwenden kann. Bei seinen Kollegen stößt er mit seinen neuen Ideen allerdings eher auf Spott.
Holina und sein Partner kommen nicht voran, die Spuren passen hinten und vorne nicht zusammen. Zum Kreis der Verdächtigen gehören unter anderem ein Marihuana-Züchterpärchen, ein renommierter Architekt und dessen kubanische Ehefrau, Inhaberin einer Sprachenschule. Ich habe bis ganz kurz vor Ende nicht geahnt, wer nun wirklich der Täter ist, es bleibt spannend bis zum Schluss. Der Schreibstil liest sich sehr gut und die beiden Ermittler sind sympathisch, nur ein wenig mehr Prager Lokalkolorit hätte ich mir gewünscht!

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Tags: astrologie, korruption, krimi, prag   (4)
 

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61 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

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Stern des Nordens

D.B. John , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 25.09.2018
ISBN 9783805200325
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wann immer ich auf ein Buch oder einen Film mit dem Thema Nordkorea stoße, bin ich sofort fasziniert. Entsprechend reizte mich ein Thriller vor der Kulisse dieses geheimnisvollen und undurchsichtigen Landes.
Das Buch beginnt mit dem Protokoll eines Ereignisses aus dem Jahre 1998, bei dem ein koreanischer Student und eine halbkoreanische Studentin mit amerikanischem Pass an einem Strand Südkoreas verschwinden. Dann geht es weiter im Jahr 2010 in Washington DC, wo die 30jährige Dozentin Jenna Williams von einem Freund ihres verstorbenen Vaters kontaktiert wird, der sie als Agentin für die CIA anwerben will. Jenna ist die Schwester der 1998 verschwundenen Studentin und ihr Vater ist Afroamerikaner, ihre Mutter Koreanerin. Ihr Schicksal ist verwoben mit dem des Parteifunktionärs Cho und dem der Bäuerin Moon.
Die drei Handlungsstränge um diese Protagonisten wechseln sich ab und das liest sich sehr spannend und informativ. Vor allem eins wird deutlich: das nordkoreanische Volk wird mit Angst beherrscht, und das trifft für jeden zu, sei es eine arme Bäuerin, die ums tägliche Überleben kämpfen muss, sei es ein priviligierter Kader, der auch jederzeit in Ungnade fallen kann. Auf der einen Seite große Not und Armut, auf der anderen Seite extremer Luxus für die regierende Dynastie und ihre Höflinge. Grausame Arbeitslager, unter Folter erzwungene Geständnisse, Eliteinstitute für halbkoreanische Kinder, die später als Spione ausgesandt werden sollen, Gehirnwäsche für alle - ein Schreckensregime, aus dem es so gut wie kein Entkommen gibt. Bei all dem ist das Buch jedoch vor allem ein spannender Thriller, den man kaum aus der Hand legen kann. Von mir unbedingte Leseempfehlung!

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Tags: entführung, nordkorea, thriller politthriller   (3)
 

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24 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Tödliches Sushi

Christof A. Niedermeier
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 08.08.2018
ISBN 9783839223475
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Koch und Restaurantbesitzer Jo Weidinger ist ein Serientäter: er kann das Ermitteln nicht lassen und pfuscht der Polizei immer wieder ins Handwerk - mit Erfolg, wohlbemerkt!
In diesem Fall geht es um die Ermordung eines Japaners, der häufiger in seinem Restaurant zu Gast war. Nachdem noch ein zweiter Japaner der in Düsseldorf lebenden japanischen Community getötet wird, und zwar genau wie der erste mit einem traditionellen japanischen Schwert, hat Jo wieder einmal das Jagdfieber ergriffen, so dass er sogar beschließt, seinen Urlaub dafür zu opfern und nach Japan zu fliegen. Damit hat er seine Komfortzone verlassen, denn er spricht kein Japanisch und ist auf Hilfe angewiesen, die er sich eigentlich von seinem alten Freund Kenji Matsuda verspricht, einem Hotelerben, den er aus seiner Zeit als Koch auf einem Kreuzfahrtschiff kennt. Doch Kenji hat keine Zeit und delegiert diese Aufgabe an seine Quasi-Cousine Mikiko, die als jüngste Professorin an der Uni in Tokyo mittelalterliche Geschichte lehrt. Was sich als günstig erweist, da dieser Fall mit der Geschichte aus der Zeit der Samurais zusammenhängt.
Natürlich ist es eher unwahrscheinlich, dass ein deutscher Koch sich nach Japan aufmacht, um dort ein Verbrechen aufzuklären, aber da ich gern Krimis lese, die in Japan handeln, habe ich das einfach mal als Tatsache hingenommen. Das Ganze wirkt schon ein wenig konstruiert, ist aber, wenn man sich darauf einlässt, durchaus spannend zu lesen. Der Autor hat das japanische Umfeld gut recherchiert und einen Mörder erfunden, dessen Rachephantasien sich aus einer alten Legende speisen. Auch wenn Kommissar Zufall dem Ermittler-Duo oft auf die Sprünge hilft. Nach und nach kommen sie auf die Fährte des Mörders und erahnen seine Motive.
Das japanische Ambiente wirkt durchaus gelungen und vor allem gegen Ende wird der Roman immer temporeicher und spannender bis zu einem rasanten Finale. Ich habe mich gut amüsiert und hatte Schwierigkeiten, das Buch aus der Hand zu legen. Spannung, gewürzt mit Humor und Lokalkolorit, was will man mehr? Nur das titelgebende Sushi hat eigentlich mit der Handlung nichts zu tun.

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Tags: japan, samurai, schwert, tokyo, tradition   (5)
 

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49 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

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Die Welt war so groß

Rona Jaffe , Margarete Längsfeld
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 07.09.2018
ISBN 9783548290256
Genre: Romane

Rezension:

Annabel, Daphne, Emily und Chris gehören zu der Elite, die es schafft, im Jahr 19953 am renommierten Radcliffe College - einer Erweiterung der Harvard Universität, an der damals nur männliche Studenten zugelassen waren - einen Studienplatz zu ergattern.
Für Frauen war ein Universitätsstudium damals keine Selbstverständlichkeit. Und auch sind die Mädchen so erzogen, dass sie die vier Unijahre als einen letzten Freiraum betrachten, bevor der Ernst des Lebens mit Ehe und Familiengründung beginnt. Die Uni ist für sie der perfekte Heiratsmarkt. Und auch unsere 4 Protagonistinnen, so verschieden sie auch sind und so unterschiedliche Probleme sie auch haben, streben letztendlich vor allem nach Ehemann und trautem Heim.
Aus heutiger Sicht ist es ziemlich haarsträubend, wie damals gedacht wurde und wirkt fast ein wenig, wie eine ethnologische Studie über eine seltsame Spezies.
Die Themen gehen von Jungfräulichkeit vor der Ehe über Homosexualität, Antisemitismus bis zur Angst, einen Makel (in diesem Fall eine schwere Krankheit, nämlich Epilepsie), eine Abweichung von der Norm einzugestehen.
Annabel die Südstaatenschönheit lässt bei den Männern nichts anbrennen und wird schließlich von den anderen Studenten als "Hure" gebranntmarkt und gemieden. Die schüchterne Emily aus (neu)reicher jüdischer Familie ist die erste aus ihrer Familie, die studiert und hat große Wunschträume für ihre berufliche Zukunft (Kinderärztin), die sie dann jedoch zugunsten der Familiengründung und ihren Status als Arztgattin aufgibt. Chris entstammt einer dysfunktionalen Familie und schämt sich dafür, dass ihre Mutter Alkoholikerin ist. Und dann verliebt sie sich in einen jungen Mann, der homosexuell ist, es aber nicht zugibt. Die wunderhübsche Daphne, das sogenannte "Golden Girl", ist nach außen hin perfekt, verbirgt aber ihre Epilepsie, sogar vor ihrem geliebten Ehemann, aus Angst, dass er sie verlassen würde.
1957 ist das Studium abgeschlossen und wir folgen den Lebensläufen bis zur 20jährigen Jubiläumsfeier, auf der alle 4 unabhängig voneinander Entscheidungen treffen über ihr zukünftiges Leben und den Leser mit einem kleinen Hoffnungsschimmer entlassen. Alle haben sie aus ihren Fehlern gelernt und sind nun bereit, die Weichen neu einzustellen.
Das Alles liest sich sehr flüssig und spannend, weckt Anteilnahme an den Schicksalen der jungen Frauen, auch wenn man sich manchmal die Haare raufen möchte. Besonders gegen den Strich ging mir der Fall von Emily, einer sehr intelligenten, ambitionierten Frau, die bemerkt, dass das Dasein als Hausfrau und Mutter sie nicht ausfüllt und dann die entstandenen Aggressionen gegen sich selbst richtet und psychisch krank wird. Es erschien mir unplausibel, dass sie keinen anderen Ausweg finden kann. Nichtsdestotrotz eine spannende und unterhaltsame Lektüre, im Grunde schon ein historischer Roman. Mich hat er auch stark an den ca. 15 Jahre früher entstandenen Roman "Die Clique" von Mary McCarthy erinnert, einem in den 60er Jahren skandalumwitterten Werk.

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Tags: 50er jahre, eliteuni, emanzipation, frauen, usa   (5)
 

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98 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 75 Rezensionen

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Das Geheimnis der Grays

Anne Meredith , Barbara Heller
Fester Einband: 297 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 22.09.2018
ISBN 9783608962994
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Allmählich kann man es schon als Tradition betrachten, dass Klett-Cotta zur Weihnachtszeit einen britischen Krimiklassiker als bibliophiles Leinenbändchen herausbringt. Dieser scheint sich von den gängigen Cosy-Krimis zu unterscheiden, denn ziemlich bald weiß man, wer der Mörder ist - also definitiv kein klassischer Whodunnit. Zu Beginn kommt die Vorstellung einiger Familienmitglieder sehr analytisch und etwas dröge daher, dann erfährt man, wer der Mörder ist, und ich wurde etwas ungeduldig und dachte, was kann jetzt schon noch kommen! Zum Glück habe ich weitergelesen und wurde dafür belohnt. Denn was folgt, ist eine Charakter-, Gesellschafts- und Zeitgeiststudie mit viel Tiefgang, eine Familiengeschichte, die auf ihre Weise sehr spannend ist.
Die zahlreichen Sprösslinge von Adrian Gray sind mehr oder weniger alle in Geldnot und wollen ihn während der Feiertage um finanzielle Unterstützung bitten. Doch auch Adrian selbst hat sich vom Schwiegersohn zu spekulativem Anlagegeschäften überreden lassen und hat viel Geld verloren. Die Grays sind sich auch untereinander nicht sonderlich gün und die Krise scheint vorprogrammiert. Und dann passiert es - Adrian Gray wird getötet. Das war nicht geplant, es passierte im Affekt und der Mörder selbst ist zutiefst erschrocken. Schafft er es, seine Spuren zu verwischen, den Verdacht auf jemand anderen zu lenken und zu entkommen? Damit befasst sich der größte Teil des Romans und die Frage, wie am Ende alles ausgehen wird erzeugt beim Leser durchaus Spannung.
Wenn man sich darauf einlässt und die (auch durch Aufmachung, Klappentext und Werbung) geweckten Erwartungen an einen klassischen britischen Landhaus-Krimi über Bord wirft, dann wird man sehr gut und tiefsinnig unterhalten. Und bekommt einigen Stoff zum Nachdenken, z.B. über moralisches Verhalten. Empfehlung für anspruchsvolle Leser, wer sich nicht vom Whodunnit-Schema lösen will oder kann, sollte lieber die Finger davon lassen.

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(15)

18 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

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Tod in Schmargendorf

Karla Blum
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 23.08.2018
ISBN 9783740804046
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Cosy-Krimi aus dem beschaulichen Schmargendorf: als Buchhändlerin Wanda - Angestellte im Buchladen ihrer besten Freundin Miriam - in der Sparkassenfiliale Geld wechseln will, ist dort wegen Raubmord geschlossen. Da sie nun so dicht am Tatort war, gibt Freundin und Chefin Miriam grünes Licht für eine Ermittlungstätigkeit Wandas - eine gute Marketingstrategie für einen Krimibuchladen! Offiziell ist allerdings Kommissar Kamat für die Aufklärung zuständig …

Doch Wanda ist ihm immer etwas voraus. Da trifft es sich gut, dass sie jetzt auch noch für eine Lesegruppe in dem Altersheim leiten soll, das sich die Kellerräume mit der Bank teilt.

Der Krimi braucht etwas Zeit, um richtig in Gang zu kommen und verzettelt sich anfangs in der langen Beschreibung der Freundschaft zwischen Wanda und Miriam. Wandas rege Fantasie verführt sie zu allerlei halbgaren Theorien, die doch reichlich naiv sind, aber schlussendlich hat sie doch die Nase vorn und kann dem Kommissar die entscheidenden Hinweise geben.

Der Roman hat einen hohen Schmunzelfaktor und wir treffen auf viele skurrile Nebendarsteller (Bewohner des Altersheims, Nachbarn von Miriam), die humorvoll und lebendig geschildert werden.

Und ein Krimi mit Schmargendorfer Lokalkolorit ist definitiv ein Novum! Die Spannung war indessen nicht sonderlich hoch, erst im rasanten Finale stellte sie sich ein. Der Täter war bis kurz vor Schluss nicht vorhersehbar, denn die Verdächtigen, die Wanda sich nach und nach herauspickt, stellen sich während ihrer Ermittlungen als unschuldig heraus.

Zwischen Wanda und dem Kommissar scheint es zu knistern, aber das bleibt ein Cliffhanger für den möglichen Folgeband.

Ein humorvoller, unterhaltsamer Krimi mit viel Lokalkolorit, dem es ein wenig an Spannung fehlt. Für mich als erklärtem Cosy-Fan war dieser Krimi doch ein wenig zu cosy! Ich empfehle das Buch allen, denen der unterhaltsame Schreibstil am wichtigsten ist.

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Tags: bankraub, cosy, krimibuchhandlung, krimikurs im altersheim, raubmord   (5)
 

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(61)

82 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

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Walter muss weg

Thomas Raab
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2018
ISBN 9783462050950
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einem idyllischen Bergdorf mit überalterter Einwohnerschaft freut sich Frau Huber, dass sie nach über 50 Ehejahren endlich frei ist - frei durch den Tod ihres Gatten, mit dem sie als 17jährige mehr oder weniger zwangsverheiratet worden war . Verschieden bei einem letzten Liebesakt im örtlichen Freudenhaus - Frau Hubers Dank ist der Liebesdienerin Swetlana sicher. Aber dann, oh Schreck, öffnet sich der Sarg während der Beerdigung, und darin liegt nicht Walter, sondern der Bestatter! Wo ist Walter? Und nun beginnt die Huberin zu ermitteln.
Der Schreibstil ist sehr speziell, wenn auch teiweise etwas anstrengend zu lesen, die Beschreibungen des handelnden Personals sind amüsant, spöttisch und voller rabenschwarzem Humor, die Grundkonstellation ist auch sehr erheiternd.
Aber obwohl es um die Aufklärung seltsamer Vorfälle geht, empfand ich den Roman nicht wirklich als Krimi, sondern als eine Beschreibung des dörflichen Lebens im ländlichen Österreich, der Honoratioren und ihrer Machenschaften, der noch nicht wirklich im 21. Jahrhundert angekommenen Lebenskonzepte.
Frau Huber, zuerst sehr ruppig und unsympathisch, durchläuft eine Art Selbstfindungsprozess im Zuge ihrer Ermittlungen und wurde der Leserin allmählich sympathischer.
Bei den Ermittlungen tun sich Abgründe auf, aber das Ende ist eher versöhnlich und in Maßen optimistisch. Bei der Beurteilung des Romans habe ich ganz zwiespältige Empfindungen - für einen Krimi, selbst einen Cosy, wird mir zuwenig Spannung aufgebaut, aber ich finde diese Dorfgemeinschaft nahe der tschechischen Grenze schon sehr interessant, und die Beschreibungen unterhaltsam und witzig. Die Lektüre hat mir gefallen, nicht gelangweilt, aber auch nicht begeistert!

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Tags: österreich, regionalkrimi, schwarzer humor   (3)
 

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(83)

103 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 77 Rezensionen

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Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Thomas Klupp
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 04.09.2018
ISBN 9783827013668
Genre: Romane

Rezension:

Schulalltag im Hier und Jetzt - flotte Ich-Erzählung von Benedikt Jäger, einem knapp 16jährigen Junge aus sogenanntem "Guten Hause", der die Schule hasst, aber trotzdem alles tut, um seinen Eltern sein schulisches Versagen zu verheimlichen. Er ist alles andere als dumm, aber irgendwie sind andere Dinge - wie das Abhängen und Kiffen mit seinen Freunden - immer wichtiger als zu lernen.
Mit viel Einsatz und Raffinesse schafft er es, einerseits Zeugnisse und Klassenarbeiten für seine Eltern und andererseits deren Unterschriften zur Vorlage in der Schule auf den Originaldokumenten zu fälschen.
Für dieses Verhalten gibt es auch Vorbilder unter den Erwachsenen, vor allem seine Mutter, die nach dem von Depressionen geprägten Leben als repräsentative Hausfrau in München, beim Umzug ins kleinstädtische Weiden aufblüht und zur Society-Lady mutiert. Sie lügt fast immer und ihre Auftritte vor anderen Honoratioren sind bravouröse Performances. Benedikt durschaut das alles, bewundert seine Mutter trotzdem und hilft ihr auch bei ihrem Illusionszauber.
Aber auch die Rektorin der Schule, eine stromlinienförmige Karrierefrau, schreckt nicht davor zurück, z. B. sämtliche Noten eines strengen Lehrers zu verändern, damit die Schule weiterhin Auszeichnungen bekommen und ihren guten Ruf wahren kann.
Im Gegensatz zu vielen anderen Rezensenten, die das Buch als eher oberflächlich ja sogar unmoralisch und die verwendete Jugendsprache als nervig empfinden, finde ich das Buch sehr unterhaltsam und gesellschaftskritisch. Ich halte es eher für eine Satire und die muss naturgemäß übertreiben. Und Benedikt ist kein Monster, er ist nur irgendwie in einen Teufelskreis geraten, aus dem er nicht herauskommt. Die verwendete Jugendsprache ist dem Autor meines Erachtens gut gelungen, nicht peinlich anbiedernd. Interessante Schülerbiographie, die mit den Erinnerungen an meine Schulzeit nicht das Geringste zu tun hat. Ich habe den Roman mit großem Vergnügen gelesen.

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Tags: charity ladies, gefälschte zeugnisse, karriereversessene rektorin, schule   (4)
 

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(94)

142 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 80 Rezensionen

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Das weibliche Prinzip

Meg Wolitzer , Henning Ahrens
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 24.07.2018
ISBN 9783832198985
Genre: Romane

Rezension:

Am Ende der Lektüre fragte ich mich, was denn nun das "weibliche Prinzip" sein soll, bis mir die Idee kam, nach dem Originaltitel zu schauen: "The Female Persusasion", was übersetzt etwa "Die weibliche Überredungskunst" heißt. Und das passt auch viel besser, denn Faith Frank, feministische Ikone, die im Leben der jungen Protagonistin Greer Kadetsky eine große Rolle spielt, beherrscht die Kunst der Überredung, ja, der Verführung (nicht im sexuellen Sinne gemeint).
Greer begegnet Faith zum ersten Mal, als diese an ihrem Provinzcollege einen Vortrag hält. Das kurze persönliche Gespräch mit ihr gleicht einem feministischen Erweckungserlebnis für Greer, macht ihr Mut und gibt ihrem Leben eine Richtung.
Wir folgen den beiden über einen Zeitraum von 13 Jahren, in denen es Greer nach Studienabschluss gelingt, einen Job in der von Faith geleiteten Stiftung zu bekommen. Im Zuge dieser Arbeit lernt sie, wo ihre persönlichen Talente liegen, wird aber zu einem späteren Zeitpunkt von Faith enttäuscht und findet schließlich Erfüllung als erfolgreiche Buchautorin.

Neben Greer und Faith spielen noch 2 weitere Personen eine größere Rolle: Greers Studienfreundin Zee und der Nachbarssohn Cory, Sohn portugiesischer Einwanderer und Greers große Liebe. Der Roman springt zwischen den Protagonisten hin und her, erklärt in zahlreichen Rückblenden die Hintergründe der Figuren und liest sich generell gut und spannend. Allerdings ist er mit Themen überfrachtet und verzettelt sich darin: Gleichberechtigung, sexuelle Belästigung, gleichgeschlechtliche Liebe und Ehe, Rückhalt von Kindern in ihren Familien, Klassengesellschaft, Ausbeutung, Kommerzialisierung ... und und und. Es ist durchaus interessant, die handelnden Personen und ihr Leben kennenzulernen, aber mir fehlt irgendwie der rote Faden, ein Fazit, das klar macht, warum die Autorin uns diese Geschichten erzählt.
Nicht schlecht, aber im Verhältnis zum Hype um dieses Buch doch etwas enttäuschend.

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Tags: feminismus, usa   (2)
 

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(63)

81 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

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Slow Horses

Mick Herron , Stefanie Schäfer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070187
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der erste Roman über Jackson Lamb und seine Mannschaft lässt sich etwas schleppend an, da zuerst einmal alle Mitwirkenden recht ausführlich eingeführt werden, nimmt dann aber ca. nach einem Drittel mächtig Fahrt auf: Die schmutzigen Machenschaften beim britischen Geheimdienst MI5 sind atemberaubend und spannend. Die meisten MI5-Mitarbeiter handeln nach den sogenannten "Londoner Regeln", die besagen, dass man im Ernstfall alle hehren Prinzipien sausen lässt und sicherstellt, die eigene Haut zu retten und die eigene Karriere voranzutreiben.
Die Truppe um Jackson Lamb in Slough House sind die Parias, die Gescheiterten, die irgendwann einmal einen Fehler gemacht haben (oder auch nicht) und als Sündenböcke geopfert wurden. Sie werden nicht entlassen, aber in der leitenden Etage hofft man, dass sie von der langweiligen Bürotätigkeit, die man sie machen lässt, so genervt sind, dass sie irgendwann von selber kündigen.
Aber irgendwie geraten sie in einen spektakulären Fall, bei dem ein junger, gut integrierter pakistanischer Mann von ein paar Neo-Nazis entführt wurde und diese damit drohen, ihn vor laufender Kamera zu köpfen.
Die Slow Horses (lahmen Gäule) der Slough House-Truppe sind größtenteils so verbittert über ihre Degradierung und so frustriert von ihrem Los, dass sie alle mehr oder weniger dahin vegetieren und untereinander kaum kommunizieren. Aber als sie bei diesem Fall nun plötzlich doch mal wieder als Field Agents draußen unterwegs sind, geht mit allen eine wundersame Veränderung vor sich: sie leben wieder auf, erinnern sich ihrer Fähigkeiten, stellen fest, dass sie sich aufeinander verlassen können und wachsen unter der Bedrohung von außen zu einem richtigen Team zusammen. Denn natürlich will man ihnen wieder die Schuld an dem ganzen Schlamassel, zu dem sich dieser Fall auswächst, in die Schuhe schieben.
Nachdem ich anfangs ein wenig schwer in die Lektüre hineinkam, konnte ich das Buch nachher gar nicht mehr aus der Hand legen. Sehr spannend, sehr originell und mit einer gehörigen Portion Humor. Und ziemlich anders als die üblichen Geheimdienstthriller, die man sonst so kennt. Die leicht skurrilen Protagonisten, die anfangs eher unsympathisch wirkten, sind mir gegen Ende richtig ans Herz gewachsen. Ich freue mich schon auf die nächsten Bände (auf Englisch gibt es insgesamt schon 5), die möglicherweise noch besser sind, da der Autor sich die Einführungsphase sparen kann.
Wie ich den anderen Rezensionen entnehme, offensichtlich nicht jedermanns Sache, aber von mir gibt es die volle Punktzahl!

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Tags: england, geheimdienst, immigranten, london, mi5, terror   (6)
 

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60 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

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In Schönheit sterben

Stefan Ulrich
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.08.2018
ISBN 9783548290485
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der zweite Auftritt von Robert Lichtenwald und Giada Bianchi: Robert ist inzwischen endgültig in die Maremma umgezogen, hat seine Kanzlei in München aufgegeben und tut sich etwas schwer mit seinem beschaulichen Vorruhestandsleben, nachdem er sein Häuschen komplett durchrenoviert hat und ihm allmählich die Betätigungsfelder ausgehen. Giada hat jetzt eine Stelle bei der römischen Zeitung Mercurio und pendelt zwischen Rom und Morricone.
Im Prolog in einer Trattoria in Rom geht es gleich heftig zur Sache: Es beginnt mit Schutzgelderpressung und einer Vergewaltigung vor 15 Jahren und geht dann in der heutigen Zeit weiter mit einem Spektakel (Der blutige Brunnen) der Futuristen, einer faschistischen Künstlergruppe und dem Mord an Annibale Colasante, dem Lebemann, Kunstliebhaber und Bruder von Cesare Colasante, dem Geldgeber des Mercurio.
Giada beginnt zu recherchieren und bittet Robert um Hilfe und mit den beiden geraten wir in die Welt der Grabräuber, Raubgräber und Kunstsammler, die auch vor illegalen Käufen nicht zurückschrecken. Eine spannende Krimihandlung mit viel italienischem Lokalkolorit, aber für meinen Geschmack hat der Autor am Ende reichlich übertrieben mit einem völlig durchgeknallten Täter! Trotzdem eine unterhaltsame und empfehlenswerte Sommerlektüre.

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Tags: italien, kunstszene, regionalkrimi   (3)
 

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85 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 69 Rezensionen

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Die Tote im Wannsee

Lutz Wilhelm Kellerhoff
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 10.08.2018
ISBN 9783550050640
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Trifft das Zeitkolorit total! Mir als am Rande an diesen Aktivitäten Beteiligte, Studienanfängerin von 1967 und gleich zu Beginn im Sommersemester durch den Mord an Benno Ohnesorg aufgerüttelt, hat dieser zeitgeschichtliche Berlin-Krimi sehr gut gefallen und viele Erinnerungen geweckt. Viele reale Personen spielen eine Rolle, es fallen bekannte Namen wie Rudi Dutschke, Horst Mahler, Otto Schily, Karl-Heinz Kurras usw.
Kommissar Wolf Heller, tätig bei der Mord-Inspektion in der Keithstraße, soll den Mord an Heidi Gent aufklären, die im Wannsee gefunden wurde. Schnell zeigt sich, dass ihm dabei von seinen Vorgesetzten immer wieder Steine in den Weg gelegt werden und allmählich wird dem Leser klar, dass Heller in ein Wespennest bestehend aus alten Nazi-Seilschaften und Stasi-Spitzeln gestochen hat.
Sehr spannend und atmosphärisch geschildert hat mich die Handlung von Anfang bis Ende gefesselt und in Erinnerung gerufen, wie viel sich in diesen fünfzig Jahren verändert hat, meistens zum Positiven. Tolle Kombination von Krimi und Zeitgeschichte, sehr empfehlenswert!

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Tags: 1968, berlin, schlacht am tegeler weg, stasispitzel, wielandkommune   (5)
 

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(72)

99 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 62 Rezensionen

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Weit weg von Verona

Jane Gardam , Isabel Bogdan
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 23.07.2018
ISBN 9783446260405
Genre: Romane

Rezension:

Nachdem die Old F.I.L.T.H.-Trilogie mich restlos begeistert hatte, hatte ich etwas zu hohe Erwartungen und war demzufolge etwas enttäucht von diesem Roman. Worum geht es? England in Kriegszeiten: die dreizehnjährige Ich-Erzählerin Jessica berichtet, wie sie auf die Idee kam, Schriftstellerin zu werden. Sie ist immer ehrlich und sagt unverblümt, was ihr durch den Kopf geht - das ist leider ihrer Beliebtheit unter den Klassenkameradinnen eher abträglich.
Jane Gardam schafft es von Beginn an, dass man ganz in die Welt ihrer Protagonistin eintaucht, ihr gut lesbarer Schreibstil steckt voller subtilem Hunor. Trotzdem plätscherte die Geschichte irgendwie ohne nennenswerte Höhepunkte so dahin und ich war froh, dass ich es geschafft habe, bis zum Ende durchzuhalten. Jessicas Geschichte hat mich nicht wirklich gepackt, und ich konnte ihre Verhaltensweisen oft nicht nachvollziehen. Vielleicht ist die Erzählung autobiographisch geprägt, aber mir war die Protagonistin auch nicht durchgehend sympathisch. Für ein Erstlingswerk sicher nicht schlecht, jedoch noch ohne die Sogwirkung, die die Old F.I.L.T.H.-Trilogie auf mich ausübte. Auch "Flight of the Maidens" hat mich stärker gefesselt. Also hoffe ich, dass bald noch weitere, ausgereiftere Werke von Jane Gardam auf den deutschen Markt kommen.

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Tags: 2. weltkrieg, england, schriftstellerin, teenager   (4)
 

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(84)

91 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 85 Rezensionen

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Familie und andere Trostpreise

Martine McDonagh , Marion Ahl
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 02.07.2018
ISBN 9783959671958
Genre: Romane

Rezension:

Die ersten Seiten dieses Romans haben irgendwie genau meinen Nerv getroffen, der verschroben-witzige Stil des Ich-Erzählers Sonny gefällt mir sehr. Der deutsche Titel ist nicht so gelungen wie der Originaltitel NARCISSM FOR BEGINNERS. Auf jeden Fall hatte ich große Lust, die Familienforschung dieses kalifornisierten Briten zu verfolgen! Leider war das Buch dann insgesamt doch nicht so begeisternd, wie der vielversprechende Anfang, der bei mir etwas zu hohe Erwartungen geweckt hatte.
Der junge Sonny lebt bei seinem Ziehvater Thomas – einem Engländer – im kalifornischen Redondo Beach. Er ist ein neurotischer Junge mit vielen Idiosynkrasien, der auch schon eine Drogenkarriere hinter sich hat. An seinem 21. Geburtstag teilt Thomas ihm mit, dass er der Alleinerbe des Vermögens der Familie seines Vaters ist und schickt ihn zur Erforschung seiner Wurzeln auf eine Reise nach England, d.h. schlussendlich hofft Sonny, seine Mutter zu finden. Der zweite Grund für diesen Trip ist die Besichtigung der Originalschauplätze von Sonnys Lieblingsfilm, dem Kultfilm „Shaun of the Dead“.
Sonny sucht nun diverse Personen auf, die seine Eltern gekannt haben, die ihm von ihren Erfahrungen mit ihnen berichten. Die Ich-Erzählung Sonnys, in der er übrigens direkt seine Mutter anspricht, wechselt nun mit den Berichten anderer Leute und den langen, erklärenden Briefen von Thomas, die dieser ihm mitgegeben hat. Und allmählich entfaltet sich so das gesamte Kaleidoskop der Lebensgeschichte von Sonnys Vater, dem charismatischen Guru Bim. Sonny hat ca. die ersten zehn Lebensjahre mit seinem Vater zusammengelebt, davon mehrere Jahre in einer Kommune in Brasilien, hat daran aber nur noch ganz verschwommene Erinnerungen.
Das alles liest sich durchaus unterhaltsam, ist witzig, warmherzig und skurril, und führt am Ende bei Sonny zu der schönen Erkenntnis, dass die leiblichen Verwandten nicht gar so wichtig sind, sondern die liebgewonnenen Freunde eine selbstgesuchte Familie werden können.
Das fulminante Anfangskapitel, in dem Sonny als Ich-Erzähler selbst zu Worte kommt, war grandios, der Rest des Buches konnte dieses Niveau allerdings nicht durchhalten. Trotzdem eine lesenswerte und interessante Geschichte, deren Ausgang man entgegenfiebert.

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Tags: brasilien, drogen, england, familiengeschichte, guru, kalifornien, sekte, spurensuche   (8)
 

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(69)

88 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 68 Rezensionen

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Das Jahrhundertversprechen

Richard Dübell
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.06.2018
ISBN 9783548289663
Genre: Historische Romane

Rezension:

Richard Dübell schafft es immer wieder, dem Leser eine Ära nahezubringen, indem er gut recherchierte, atmosphärisch geschilderte Informationen mit einer packenden Familiengeschichte verbindet. Geprägt sind die 3 Bände seiner Jahrhundertsturm-Trilogie von der jeweils gerade neuen technischen Entwicklung: Die Eisenbahn, das Flugzeug, und nun im dritten Band das Auto.
Weimarer Republik, Nachkriegszeit – Deutschland und die Familie von Briest machen schwere Zeiten durch: Inflation, Arbeitslosigkeit und Hunger.
Die Dienste der Berliner Detektei der von Briests sind in diesen Zeiten nicht gefragt, sie haben keine Einnahmen und können folglich ihre Kreditraten nicht zurückzahlen, es sieht so aus, als ob kein Weg am Verkauf - wenn nicht gar der Zwangsversteigerung - des Gutes vorbeiführt.
Ziehsohn Max immerhin hat eine Arbeit als Mechaniker bei einer Autofirma, die Rennwagen herstellt, er ist der Beifahrer eines Rennfahrers und möchte selbe einer werden. Tochter Luisa wird bei einer Premierenfeier von Fritz Lang „entdeckt“ und entwickelt Ambitionen, Schauspielerin zu werden.
Eine alte Familienfehde mit den von Cramms lebt wieder auf und lässt sich nicht friedlich beilegen. Sigurd von Cramm, ein rücksichtsloser Rennfahrer, und seine Mutter Magda sind die Bösewichte dieser Geschichte, die man von Herzen hassen kann. Hier liegt mein einziger Kritikpunkt: die beiden wirken etwas überzeichnet, aber wirklich gestört hat mich das nicht.
Wir bekommen kleine Einblicke in die Welt der AVUS-Rennen und der sich gerade entwickelnden Filmindustrie. Politisch machen sich schon die ersten Anzeichen der späteren Nazi-Zeit bemerkbar, Hitler formiert seine NSDAP, SA und SS beginnen ihr Unwesen zu treiben und der Antisemitismus treibt erste Blüten.
Mir gefällt es, wie Dübell seine Protagonisten mit realen Persönlichkeiten wie z.B. Walther Rathenau oder Regisseur Fritz Lang zusammentreffen lässt. Man taucht wirklich in die damalige Zeit ein. Der gebürtige Bayer schafft es auch, schriftlich den Berliner Dialekt zu treffen (bis auf winzige Kleinigkeiten, die mir als Berlinerin natürlich auffallen), ohne dass es bemüht und peinlich wirkt.
Die über 600 Seiten lesen sich äußerst spannend und unterhaltsam und bringen die Trilogie zu einem befriedigenden Abschluss, der keinen Wunsch offenlässt … außer dem nach einem vierten Band. Unbedingte Leseempfehlung!

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Tags: antisemitismus, aufstieg der nsdap, autorennen, babelsberg, familiengeschichte, filmindustrie, fritz lang, historischer roman, weimarer republik   (9)
 

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(42)

62 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

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Dunkles Arles

Cay Rademacher
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 22.05.2018
ISBN 9783832198756
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt (Klappentext):

November in der Provence: Capitaine Roger Blanc und die Untersuchungsrichterin Aveline Vialaron-Allègre verabreden sich zu einem heimlichen Wochenende in Arles. Treffpunkt des Liebespaares ist das römische Amphitheater. Doch dann wird Aveline zufällig Zeugin eines extrem kaltblütigen Mordes. Sie selbst kommt nur knapp mit dem Leben davon – aber der unbekannte Täter raubt ihr eine Tasche mit wichtigen Unterlagen, die sie ihrem Ehemann, dem mächtigen Staatssekretär, um jeden Preis in Paris präsentieren muss.
Blanc und Aveline haben nur zwei Tage, um den Mörder zu finden und sich die Dokumente zurückzuholen. Allerdings darf ja niemand wissen, dass sie in Arles sind. In den düsteren Gassen entspinnt sich ein Duell auf Leben und Tod: Sie jagen den Unbekannten – und der Unbekannte jagt sie. Dabei hat er mächtige Helfer. Nach und nach finden Blanc und Aveline heraus, dass der Tote im Amphitheater nicht das erste Opfer einer mysteriösen Gruppe ist, zu der sogar Politiker und Polizisten gehören. Als dann auch noch sein Kollege Marius Tonon, den Blanc in einer Klinik glaubte, bei diesen Verschwörern auftaucht, weiß er endgültig nicht mehr, wer sein Freund ist – und wer sein Feind …

Meine Meinung:

Mal ein ganz anderes Setting für Capitaine Blanc: er ist außerhalb seines Reviers und hat in Arles keinerlei Befugnisse und keinen Zugriff auf den Polizeiapparat – nun ja, jedenfalls fast keinen, denn die Kollegin Fabienne lässt sich telefonisch von ihm überreden, eine ausgiebige Internet-Recherche vorzunehmen. Trotzdem: er ist ein bisschen wie ein Fisch auf dem Trockenen. Dadurch, dass Aveline bis zum Sonntagabend ihre Dokumente wiederhaben muss, übernimmt sie tatsächlich häufig das Kommando. Und Blanc lässt sich von ihr untypischerweise zu diversen eher halblegalen, manchmal sogar äußerst leichtsinnigen Aktionen hinreißen. Durch die Zweitagesfrist kommt eine gewisse Hektik in das Ganze. Das hat aber durchaus auch seinen Reiz, wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat. Für meinen Geschmack ein wenig zu actionlastig (Katz- und Maus-Spiele, Verfolgungsjagden, Schlägereien), aber insgesamt ein durchaus spannender Einblick in das Frankreich von Macron, in dem seine Gegenspieler vom Front Nationale nicht auf der faulen Haut liegen und mit skrupellosen Methoden ihre Interessen verteidigen. Nebenbei erfahren wir einiges über den FN und seine verschiedenen Hilfstruppen und über Geschäftemacherei bei den Archäologen.

Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, wünsche mir aber für den nächsten Fall von Capitaine Blanc doch wieder ein etwas konventionelleres Setting.

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Tags: archäologie, arles, front nationale, provence, regionalkrimi   (5)
 

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63 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

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Fake

James Rayburn , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Tropen, 31.05.2018
ISBN 9783608503494
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Super spannender Polit-Thriller, der vermutlich näher an der Realität ist, als einem lieb sein kann. Habe ihn in einem Zug durchlesen müssen, musste mich aber dann erst einmal von der Lektüre erholen, denn das ist verdammt harter Tobak.
Pete Town, ehemaliger CIA-Agent im Ruhestand, wird wieder aktiviert, um an einer Vertuschungsaktion teilzunehmen: bei einem (vom US-Präsidenten nicht abgesegneten) Drohnenangriff der USA ist nicht nur - wie beabsichtigt - ein hochrangiger syrischer IS-Stratege getötet worden, sondern auch die amerikanische Geisel Catherine Finch, eine Ärztin, die für eine Hilfsorganisation in Syrien gearbeitet hatte und sich schon lange in Haft befand. Der IS benutzte sie als Propagandawaffe und postete Videos mit ihr, in denen sie sich zwar nicht auf die Seite des IS schlug, aber heftige Kritik an der amerikanischen Politik übte. Das Bekanntwerden ihres Todes als Kollateralschaden eines amerikanischen Angriffs wäre ein Mediendesaster, vor allem für die Friedespolitik des bald aus dem Amt scheidenden Präsidenten, der noch etwas für seinen Nachruhm tun will ...
Pete Town, der optisch eher an einen Universitätsdozenten erinnert, kann der Versuchung nicht widerstehen, noch einmal den Nervenkitzel der Agententätigkeit zu verspüren, sagt zu, den Tod der Ärztin zu vertuschen, und damit nimmt das Schicksal seinen fatalen Lauf. Viele Personen und viele unterschiedliche Interessen sind ineinander verstrickt und dem Leser offenbaren sich einmal mehr die menschenverachtenden Machenschaften vor allem der Geheimdienste, aber auch der Wirtschaft, hier vor allem der Waffenindustrie.
Rayburn bringt viele interessante Protagonisten ins Spiel, die Schauplätze wechseln häufig und der Schreibstil liest sich sehr gut und unterhaltsam. Alles wirkt überaus realistisch und gut recherchiert. Die kurzen Kapitel befeuern den Lesefluss, man (ich jedenfalls) liest immer weiter, will unbedingt wissen, wie es ausgeht.
Der Schluss allerdings ist etwas antiklimaktisch, wenn auch durchaus folgerichtig: es gab viele Tote und am Ende ist eigentlich keiner der Mitwirkenden mehr wirklich sympathisch. Ich war von der gnadenlosen Gewaltbereitschaft ziemlich abgestoßen. Und man fragt sich, wozu das Ganze denn notwendig, bzw. nütze war. Genauso, wie es in der politische Realität vermutlich tatsächlich häufig zugeht. Harte Realität, aber Spannung pur!

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Tags: cia-machenschaften, geheimdienste, geiselnahme, is-kämpfer, polit-thriller, syrien, waffenindustrie   (7)
 

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(75)

85 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

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Das Grab unter Zedern

Remy Eyssen
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.05.2018
ISBN 9783548289076
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dr. Leon Ritter, der vor einigen Jahren in die Provence umgesiedelt ist, interessiert sich nicht nur für die Obduktionen, die er vornimmt, sondern auch für die Geschichten dahinter. Als ein herrenloses Boot in Le Lavandou an den Strand geschwemmt wurde, scheint es sich um einen Unfall und nicht um einen Kriminalfall zu handeln. Und dann gibt es da noch den vermeintlichen Kindsmörder, den Vater der kleinen Amélie, der mangels Beweisen wieder freigesprochen wurde, jedoch von den meisten Einwohnern von Le Lavandou für schuldig gehalten wird - sie wollen die Unschuldsvermutung nicht gelten lassen. Das kleine Mädchen war vor sechs Jahren spurlos verschwunden, ihre Leiche wurde nie gefunden. Der Fall wird wieder aufgerollt, und es gibt auch weitere Tote. In seiner üblichen, etwas forschen und seine Kompetenz überschreitenden Art klärt Leon Ritter den Fall quasi im Alleingang auf. Ich kenne die drei Vorgängerbände, die mir gut gefallen haben, wobei mir allerdings der dritte Band etwas zu sehr mit der Schilderung brutaler Verbrechen beschäftigt war. Dieser Band hat mir wieder sehr viel besser gefallen und war nicht so düster wie der Vorgänger. Hier gab es die richtige Balance zwischen Krimi, Privatleben und Lokalkolorit. Einerseits sehr spannend (gegen Ende konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen), andererseits die Reiselust beflügelnd: man möchte am liebsten gleich in die Provence fahren - oder wenigstens ein Gläschen Rosé bei der Lektüre genießen. Netter, unterhaltsamer Regionalkrimi, tendenziell eher Cosy als blutrünstig.
Das einzige kleine Manko ist, dass der Protagonist so ein "edler Ritter" ist, fast gar keine Schwächen hat und direkt einen Heiligenschein tragen könnte. Ein wenig so wie sein Kollege "Bruno - Chef de Police". Menschen mit kleinen Fehlern wirken doch etwas realistischer, sympathischer, einfach menschlicher - es müssen ja nicht gleich die problembeladenen, depressiven Gestalten sein, wie man sie teilweise aus den skandinavischen Krimis kennt

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Tags: gerichtsmedizin, leon ritter, provence, regionalkrimi   (4)
 

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207 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 129 Rezensionen

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Kluftinger

Volker Klüpfel , Michael Kobr
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 27.04.2018
ISBN 9783550081798
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nachdem die Autoren bei den letzten Bänden etwas nachgelassen hatten, hat der Jubiläumsband - der auch etwas mehr Zeit für seine Entstehung zur Verfügung hatte - wieder das bekannte, hohe Niveau der Anfangszeit erreicht. Der Aufbau ist dieses Mal auch ganz anders, der Roman springt zwischen mehreren Zeitebenen hin und her, und wir erfahren viel aus Kluftingers Jugend, wobei auch endlich das Geheimnis seines Vornamens, bzw. seiner 2 Vornamen gelüftet wird. Ferner kriegen wir auch mit, dass er früher mal ein junger Rebell war, der seinen Vater ziemlich kritisch sah, dass aber im Laufe der Jahre die Prägung durch seinen altern Herrn deutlich Wirkung bei ihm gezeitigt hat.
Es geht um Kluftinger ganz persönlich, denn jemand hat zu Allerseelen ein Holzkreuz mit seinem Namen auf dem Friedhof aufgestellt, was man wohl oder übel als Morddrohung verstehen muss. Der Text auf dem Kreuz legt nahe, dass es einen Zusammenhang zu Kluftis Clique aus der Schulzeit gibt. Es gibt mehrere mögliche Täter und die Suche nach der Lösung ist äußerst spannend, auch wenn es zu großen Teilen um Kluftis Privatleben geht - er ist gerade Großvater geworden! Das stört einen als Fan der Reihe aber nicht, denn gerade diese Teile sind auch die amüsantesten. Wenn mich etwas ein wenig gestört hat, dann, dass das Buch mit einem Cliffhanger endet: ein Fall ist zwar gelöst, aber es bleiben noch reichlich offene Enden und außerdem beschließt Kluftinger am Schluss, einen dreißig Jahre alten Fall noch einmal aufzurollen - das dürfte dann der Inhalt des nächsten Bandes sein!
Ein witziges Schmankerl am Rande: Wie auch Jörg Maurer seinen Kommissar Jennerwein in seinem Jubiläumsband kurz auf Kluftinger treffen lässt, so hat auch Jennerwein in diesem Buch einen Auftritt.
Alles in allem habe ich das Buch mit großem Vergnügen gelesen, es bietet sowohl Spannung als auch Humor und ich kann es ohne Einschränkung empfehlen!

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Tags: allgäu, kluftinger, regionalkrimi   (3)
 

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

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Das korsische Begräbnis

Vitu Falconi
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.03.2018
ISBN 9783426521700
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der französische Krimiautor Eric Marchand steckt in einer Schaffenskrise: Er möchte den Ermittler seiner sozialkritischen Krimis sterben lassen – aber da hat er die Rechnung ohne seinen Verlag und ohne seinen Lektor gemacht! Das heißt, er muss alles umschreiben und das geht ihm total gegen den Strich.

Sein Lektor schlägt ihm eine Reise zwecks kreativer Inspiration vor, und Eric, dessen Großmutter Korsin war, beschließt, auf den Spuren seiner familiären Vergangenheit nach Korsika zu fliegen.

Er kommt bei einer sehr interessanten alten Dame im Heimatort seiner Familie unter. Sie kennt alles und jeden im Dorf. Als Eric sich beim Wandern den Knöchel verstaucht, bringt sie ihn zu einer jungen Frau namens Laurine, die sich als Heilerin bezeichnet. Und in die er sich prompt verliebt! Als neugieriger Mensch, der er ist, steckt er seine Nase in Angelegenheiten, die ihn nichts angehen und gerät mit der korsischen Mafia aneinander. Allmählich entdeckt er, was es mit der Geschichte seiner Familie auf sich hat, und warum seine Mutter so großen Wert darauf gelegt hat, niemals nach Korsika zurückzukehren. Denn in Korsika gilt noch immer das Gesetz der Blutrache, die Schuld seiner Ahnen wird einem Menschen auferlegt, auch wenn er gar nichts damit zu tun hatte.

Der Roman ist als Start einer neuen Serie angelegt, daher verrät man nicht zu viel, wenn man berichtet, dass Eric seine Abenteuer relativ unbeschadet überlebt. Sehr spannend und atmosphärisch schildert der Autor Erics Familiengeschichte, einen in jüngster Zeit als Jagdunfall kaschierten Mord und die Strukturen der korsischen Mafia. Und nicht zuletzt beschreibt er auch die wilde, archaische Landschaft dieser wunderschönen Insel und die Mentalität ihrer Bewohner. Ich habe Lust bekommen, dorthin zu fahren, und freue mich schon auf den nächsten Band von Eric Marchands korsischen Erlebnissen.

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Tags: blutrache, korsika, krimi   (3)
 

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 49 Rezensionen

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Riskante Manöver

Birand Bingül
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2018
ISBN 9783442716388
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mats Holm, von Beruf Krisenmanager, genannt der "Master of Desaster", wird von einer Pharma-Firma zu Hilfe gerufen, weil eins ihrer Produkte, das speziell für Kinder konzipierte Schmerzmittel Valdolor in Misskredit geraten ist, bzw. bekannt geworden ist, dass in den letzten Tagen gehäuft negative, lebensbedrohliche Nebenwirkungen aufgetreten sind. Als Beleg dafür lernen wir die kleine Sophie kennen, deren Eltern Validolor vom Kinderarzt als völlig unbedenklich verordnet worden war, und der dann auch auf der Intensivstation leider nicht mehr geholfen werden konnte.
Auch wenn Holm der Industrie hilft, so ist er wohl doch einer von den "Guten". Er ist ziemlich elitär, aber trotzdem ein sympathischer Protagonist. Zusammen mit seiner Partnerin Laura May - eine Ex-Polizistin und außerdem die Schwester von Holms verstorbener Frau - leitet er Unternehmen aus der Krise und verlangt als einzige Bedingung die absolute Wahrhaftigkeit seiner Geschäftspartner. Leider gehört diese bei den Wirtschaftsbossen nicht unbedingt zum Repertoire ...
Eine Mitarbeiterin, die man der Industriespionage verdächtigt, ist spurlos verschwunden, ein weiterer Mitarbeiter wird tot aufgefunden. Nun ist also auch die Polizei in eine Mordermittlung im Dunstkreis von Wenner-Pharma involviert. Auch Holms und May ermitteln und versuchen herauszubekommen, ob es sich um das Werk eines Einzeltäters handelt, der sein Schäfchen ins Trockene bringen will, oder ob die ganze Führungsriege unter einer Decke steckt. Hat es Schlampereien bei den Studien zu Valdolor gegeben, und wenn ja, wer wusste alles davon?
Ferner spielt auch eine namhafte Pharma-Kritikerin - Doktor Nina Rosenthal - eine tragende Rolle und am Rande hat Holms auch noch mit den Dämonen seiner Vergangenheit zu kämpfen.
Auch wenn mir dieses Führungsetagen-Milieu reichlich fremd ist, so fand ich diesen mal so ganz anderen Krimi aus dem Bereich der Wirtschaftskriminalität sehr interessant und fesselnd. Gegen Ende steigt die Spannung, der Autor hat auch einen "Red Herring" platziert, auf den ich voll reingefallen bin, d. h. ich hatte den falschen Täter im Visier!
Der lockere Schreibstil hat mir gut gefallen, auch Ironie und Humor kommen nicht zu kurz: Holms Gesprächspartner bei Wenner überbieten sich gegenseitig im Gebrauch von modischen Anglizismen.
Alles in allem ein unterhaltsamer und spannender Krimi - hoffentlich wird es weitere Fälle für Mats Holm geben!

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Tags: mats holm, pharma-industrie, wirtschaftskrimi   (3)
 

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Krokodilwächter

Katrine Engberg , Ulrich Sonnenberg
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.03.2018
ISBN 9783257070286
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Raffinierter Schutzumschlag mit Schlitzen, durch die der rote Leineneinband hindurch blitzt. Auch die Autorin ist ganz fasziniert davon, wie man ihrer Danksagung am Ende des Buches entnehmen kann.
Dieser Kopenhagen-Thriller kommt zuerst ganz krimimäßig daher, wartet dann aber doch mit einem ziemlich kranken Mörder auf.
Das Ermittlergespann Jeppe Körner und Anette Werner versucht den Mord an der jungen Julie Stender aufzuklären. Diese wohnte mit ihrer Freundin im Häuschen der emeritierten Literaturprofessorin Esther de Laurenti zur Miete. Ein weiteres Stockwerk ist an einen Rentner vermietet, der die Tote zufällig entdeckt hat. Der Fall ist ziemlich unklar, die Ermittler verfolgen diverse Spuren, die alle keinen rechten Sinn ergeben. Dann stellt sich heraus, dass Esther begonnen hat, einen Krimi zu schreiben und die Story für ihre Schreibgruppe ins Internet gestellt hat. Der grausame Mord scheint genau ihrem Skript gefolgt zu sein … Und dann wird noch jemand aus Esthers Umfeld ermordet!
Die Spurenlage bleibt verwirrend, Jeppe und Anette können nicht wirklich einen roten Faden entdecken. Als Leser folgen wir ihnen bei ihrer spannenden Aufklärungsarbeit. Mit 500 Seiten ein ziemlich langer Krimi, der sich im Mittelteil etwas zieht, dann aber zum Ende hin richtig Fahrt aufnimmt und sich sehr spannend liest. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht Jeppe: er ist der typische, psychisch und physisch leicht angeschlagene, skandinavische Detektiv, während Anette als unkompliziert und wie das blühende Leben dargestellt wird. Doch werden Jeppes Probleme nur am Rande abgehandelt, im Mittelpunkt stehen immer die Mordfälle.
Spannender Auftakt zu einer neuen Kopenhagen-Serie mit einer raffinierten und verzwickten Auflösung!

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Tags: kopenhagen, krimi, thriller   (3)
 

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Das Eis

Laline Paull , Dorothee Merkel
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Tropen, 31.03.2018
ISBN 9783608503524
Genre: Romane

Rezension:

Luxustouristen auf einem Kreuzfahrtschiff schippern auf der Suche nach den selten gewordenen Eisbären in der Arktis umher, und als sie endlich in einem Sperrgebiet ein Exemplar gefunden haben, kalbt plötzlich ein Gletscher und ein Leichnam kommt zum Vorschein.
Es handelt sich um Tom Harding, einen bekannten Umweltaktivisten, der vor vier Jahren bei einer Expedition beim Einsturz einer Eishöhle ums Leben kam und seitdem verschollen war. Sein Freund und Kollege Sean Cawson war auch dabei, hat aber überlebt. Ihm gehört die exklusive Midgard Lodge auf Spitzbergen, die als Ausgangspunkt der Expedition diente.
Die beiden hatten sich als Studenten kennengelernt, bei einem Treffen der „Gesellschaft der verschollenen Polarforscher“, es verband sie die Begeisterung für alles, was mit der Arktis zu tun hatte. Tom war jedoch „mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden“, während Seans Familie eher am unteren Ende der Gesellschaft stand, weshalb er von großem Ehrgeiz geprägt war. Und er hat es geschafft, wähnt sich schon am Ziel aller seiner Träume, als ihm gar ein Ritterschlag in Aussicht gestellt wird.
Beide kennen den älteren millardenschweren Geschäftsmann Joe Kingsmith, den Sean als seinen Mentor betrachtet. Dieser und noch zwei weitere Personen gehören zum Konsortium der Midgard Lodge.
Tom träumte von einer harmonischen Verbindung zwischen Umweltschutz und Geschäftswelt, Sean hingegen ging es hauptsächlich um Geld und Ruhm, aber er benutzte Tom gern als Aushängeschild für seine Geschäfte.
Nachdem der Leichnam nun wiederaufgetaucht ist, wird in Großbritannien eine gerichtliche Untersuchung angesetzt, um die genauen Umstände von Toms Tod zu rekonstruieren. Sean steht im Mittelpunkt dieser Untersuchung.
Die Autorin benutzt zahlreiche Rückblenden, um den Leser mit den Personen und ihrer Entwicklung vertraut zu machen. Der Roman spielt in der Gegenwart in England, vor vier Jahren in Spitzbergen und 1988 und in der Zeit danach, als die jungen Männer sich kennenlernten. Das ist teilweise nicht deutlich gekennzeichnet und führt vorübergehend zu leichter Verwirrung, bis einem wieder klar ist, in welcher Zeit man sich gerade befindet.
Speziell zum Ende hin wird der Roman im Laufe der gerichtlichen Untersuchung sehr spannend. Allmählich erschließen sich die Zusammenhänge, es geht um Geld, Macht und Politik und verzwickte Verbindungen zwischen diesen Bereichen. Paulls Roman führt uns in die Welt der Reichen und Schönen und vor allem auch in die Welt skrupelloser Geschäftemacher, die vor nichts zurückschrecken. Themen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, illegale Waffengeschäfte, Korruption etc. machen diesen Ökothriller außerordentlich aktuell. Sean, der Hauptprotagonist, befindet sich irgendwo in der Grauzone, ist weder schwarz noch weiß.
Mich persönlich haben die – eigentlich durchaus interessanten – Anekdoten von historischen Arktisexpeditionen, die jedem Kapitel vorangestellt wurden, aber nicht direkt etwas mit der laufenden Handlung zu tun haben, in meinem Lesefluss gestört. Irgendwo in der Mitte des Buches habe ich aufgehört, sie zu lesen und habe weitergeblättert. Als Anhang hätte ich sie sinnvoller gefunden.
Eine etwas lange, sich manchmal etwas hinziehende, im Endeffekt aber doch sehr spannende Lektüre!

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Tags: arktis, öko-thriller, spitzbergen   (3)
 
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