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131 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

new york, familie, geschwister, usa, erbschaft

Das Nest

Cynthia D'Aprix Sweeney , Nicolai Schweder-Schreiner
Fester Einband: 410 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 25.11.2016
ISBN 9783608980004
Genre: Romane

Rezension:  
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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Das Nest: Roman

Cynthia D'Aprix Sweeney
E-Buch Text: 410 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 29.10.2016
ISBN 9783608100150
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das attraktive Cover zeigt vier unterschiedliche Vögel, was sehr gut zum Titel "Das Nest" passt. Offensichtlich Sinnbild für die vier Geschwister Plumb - ziemlich "schräge Vögel", wie sich schnell zeigt. Vater Leonard Plumb - ein Selfmade Man - hatte sich etwas dabei gedacht, als er verfügt hatte, dass seine Kinder ihn nicht direkt nach seinem Tode beerben sollten, sondern erst am vierzigsten Geburtstag der jüngsten Tochter; sie sollten lernen, auf eigenen Füßen zu stehen, sollten sich nicht zu lebensuntüchtigen Nichtstuern entwickeln und das Geld nur als ein Zubrot ansehen. Allerdings hatte Leonard nicht voraussehen können, dass Cousin George, der den Fonds managte, dies so geschickt tat, dass die Summe sich vervielfachte.
Und auch sonst hatte die Taktik nicht funktioniert: Leo, Jack, Bea und Melody lebten in Erwartung des Fonds, den sie "das Nest" nannten, auf zu großem Fuße und verschuldeten sich zunehmend.
Leo hatte in jungen Jahren ein Literaturmagazin gegründet, war kreativ und engagiert bei der Sache, bis ihn die Arbeit zu langweilen begann. Er verkaufte sein Imperium, und brachte mit seiner jungen Ehefrau aus wohlhabender Familie sein Vermögen in rasantem Tempo durch. Mit Alkohol, Drogen, und auch vielen Frauen, als seine Ehefrau ihn zu langweilen begann.
Jack hat einen Antiquitätenladen, liebt den Luxus und beleiht hinter dem Rücken seines Ehemanns ihr gemeinsames Sommerhaus, denn sein Laden macht nur Verluste.
Bea lebt eher bescheiden und hat keine finanziellen Probleme, hatte als junge Schriftstellerin Erfolg mit einigen Erzählungen, die hauptsächlich vom Leben des von ihr bewunderten großen Bruders Leo handelten, kämpft aber nun schon seit über zehn Jahren mit einer Schreibblockade.
Melody, die Jüngste, hatte nur einen mittelmäßigen Bürojob, bevor sie Walter heiratete, schwanger wurde und Zwillinge gebar. Von diesem Zeitpunkt an wurde sie eine hingebungsvolle Mutter, die stets nur das Beste für ihre Kinder wollte: die Familie bewohnt auf ihr Drängen hin ein viel zu teures Haus, die Töchter, die sie zwanghaft kontrolliert, sollen an den besten (und deshalb naturgemäß auch teuersten) Colleges studieren.
Und dann passiert ein von Leo verschuldeter Unfall, bei dem die junge mexikanische Kellnerin schwer verletzt wird, die der gelangweilte, unter Einfluss von Alkohol und Koks stehende Leo bei der Hochzeitsfeier eines Verwandten abgeschleppt hatte.
Da greift Francie, die Mutter der Geschwister ein, die nie eine gute Mutter war. Sie handelt nicht aus mütterliche Fürsorge, sondern aus Sorge um den Namen der Familie, der bei Bekanntwerden dieser Geschichte von der Presse in den Schmutz gezogen würde. Sie hat als Einzige bei einem familiären Notfall die Berechtigung, an "das Nest" heranzukommen, und nutzt den Großteil des Geldes dafür, das Schweigen der Kellnerin durch eine großzügige Abfindung zu erkaufen.
Die restlichen Geschwister befinden sich in heller Aufregung: Leo muss ihnen das Geld zurückgeben. Der Zeitpunkt der Auszahlung naht, Melodys vierzigster Geburtstag steht vor der Tür.
Der Roman ist sehr flott, witzig und bissig geschrieben, bei der Beschreibung ihrer Charaktere kommt keiner der vier Plumbs besonders gut weg. Sie sind versnobt, unreif, unselbständig und in unterschiedlichem Maße rücksichtslos. Jeder hat vorrangig seine eigenen Interessen im Auge, hat den tiefsitzenden Anspruch auf das Familienvermögen, man hat Kontakt zu den Geschwistern, aber sieht sie nicht als Freunde an.
In jedem Kapitel steht immer wieder eine andere Person im Mittelpunkt, teilweise auch Nebenfiguren, so dass sich einem allmählich das gesamte Plumb-Universum erschließt.
Man schüttelt zwar als Leser häufig den Kopf, folgt den Figuren aber trotzdem gerne bei ihren diversen Machenschaften und findet sie nicht total unsympathisch. Die große Familienkrise führt zu einem gewissermaßen verspäteten Erwachsenwerden der Geschwister und schweißt die Familienbande wieder etwas enger zusammen.
Ein toller Debutroman, ein großer Wurf! Die Autorin beschreibt und entlarvt eine gewisse Schicht der amerikanischen Gesellschaft, die Intelligenzia und Glitterati, die Welt von Woody Allen, im engeren Sinne die New Yorker Schickeria.
Gegen Ende konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, habe mir die Nacht um die Ohren geschlagen, bis ich fertig war. Ein großes Lesevergnügen!

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

brühe, suppe, gesund, rezepte, lecker

Brühe

Vicki Edgson , Heater Thomas
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Jan Thorbecke Verlag, 19.09.2016
ISBN 9783799510981
Genre: Sachbücher

Rezension:

Als überzeugter Suppenkasper war ich sehr gespannt auf dieses Kochbuch: die Grundrezepte für verschiedene Brühen finde ich sehr gut, wobei ich selbst vermutlich z.B. Wildgeflügel- und Krustentierbrühe eher nicht brauche, aber Gemüse-, Hühner- und Rinderbrühe, und vielleicht auch Fisch- und Zwiebelgemüsebrühe könnten schon öfter zum Einsatz kommen. Brühen sind seit jeher Grundlage für eine Vielzahl von Gerichten und das Buch zeigt eine Auswahl von Rezepten , die auf Brühe basieren. Zwei durchaus schmackhafte Suppen auf Basis einer Gemüsebrühe habe ich schon nachgekocht: einmal aus der Rubrik "Und nun probieren Sie einmal ..." eine provenzalische Gemüsesuppe mit Pistou, die sehr gut schmeckte; allerdings fand ich es irritierend, dass im ganzen Buch kein Rezept für Pistou enthalten ist! Klar, man weiß ungefähr, was das ist, bzw. kann es im Internet nachschlagen, aber das empfinde ich doch als ein Manko. Das andere Rezept war ein asiatischer Gemüseeintopf mit Reisnudeln, der mir auch gut gefiel.
Die Aufmachung ist sehr ansprechend mit schönen, appetitanregenden Fotos, die Anordnung und Auswahl der Rezepte wirkt etwas unsystematisch und willkürlich, ich fand es teilweise recht schwierig Rezepte, die mir beim ersten Durchblättern aufgefallen waren, wiederzufinden. Auch sind die Rezepte nicht so übersichtlich dargestellt, wie man es aus manch anderem Kochbuch kennt. Endgültig beurteilen kann ich das Buch erst, wenn ich noch mehr Rezepte ausprobiert habe, aber auf jeden Fall gibt es noch eine ganze Menge Gerichte darin, die ich mal nachkochen möchte. Einstweiliges Fazit: optisch ansprechendes Kochbuch mit schönen Fotos, interessanter Grundidee, bisschen viel Füllmaterial (wer sich ein Suppenkochbuch kauft braucht nicht überzeugt zu werden, dass Brühe gesund ist), mit etwas unklarer Rezeptauswahl und Systematik, aber doch mit vielen reizvollen Rezepten.

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Tags: brüh, kochbuch, soulfood, suppe   (4)
 

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31 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

europa, reisebericht, china, chinesen, kultur

Neuschweinstein - Mit zwölf Chinesen durch Europa

Christoph Rehage
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei MALIK, 17.10.2016
ISBN 9783890294353
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der Autor, seines Zeichens Sinologe und Verfasser eines Buches über China und - vor allem - zahlreicher Internetbeiträge hat einen gewissen Bekanntheitsgrad in China erreicht, was sein Ansinnen, sich "unauffällig" einer chinesischen Reisegruppe auf Europa-Trip anzuschließen, etwas erschwert.

Er fährt nach Peking, und versucht dort, eine entsprechende Reisegruppe aufzutreiben. Schließlich ist eine Reisegruppe gefunden und er hält den Reisevertrag in der Hand, der erstaunliche Hinweise und Ermahnungen enthält, z. B. "Nehmen Sie Rücksicht auf Ihre Umgebung, indem Sie am Büfett Verschwendungen vermeiden: Essen Sie zuerst Ihren Teller leer, und nehmen Sie sich dann nach. Wenn man all die Speisen, die einem zusagen, für sich selbst zurücklegt, dann ist das ein unhöfliches und selbstsüchtiges Verhalten."

Beim Zusammentreffen mit der Gruppe auf dem Flughafen, sind die Reisegenossen zunächst eher reserviert. Doch das ändert sich bald und die kleine Gruppe um Reiseleiter Huang akzeptiert ihn schnell als gleichwertigen Teilnehmer, zumal er sich durch seine Sprachkenntnisse gut eingliedert.

Rehage schafft es, den Standpunkt der Gruppe und nicht den des außenstehenden Beobachters einzunehmen, er schreibt immer "wir", nicht "sie" und "ich", es gelingt ihm, die Eindrücke und Befindlichkeiten seiner Mitreisenden einfühlsam zu schildern. Nebenbei erfahren wir einiges über China und die chinesische Politik.

Die Reise startet an einem Sonntagmorgen im winterlichen und menschenleeren München, kreuzt Österreich, um dann in Italien in Venedig, Florenz und Rom Station zu machen. Dann geht es in die Schweiz, nach Luzern und auf einen schneebedeckten Berg, als Höhepunkt nach Paris und zum Abschluss nach Frankfurt.

Es macht Spaß mitzuerleben, wie sich freundschaftliche Beziehungen zu den einzelnen Mitgliedern der Reisegruppe entwickeln, die er dann drei Monate später alle an ihren jeweiligen Heimatorten besucht. Amüsant fand ich auch die Bezeichnungen, die er für seine Mitreisenden gefunden hatte, bevor er ihre Namen kannte.

Dieses warmherzige Buch ist unterhaltsam, witzig und informativ, macht sich nie lustig über seine Protagonisten. Ein sympathisches Buch, das uns mit der Erkenntnis zurücklässt, dass Chinesen auch nur Menschen, und uns gar nicht so fremd sind. Ein positives Zeichen in unserer leider so fremdenfeindlichen Zeit und ein Buch, dem ich viele Leser wünsche.

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Tags: chinesen, europa, gruppenreise, reisebericht   (4)
 

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adenauer, schwarzwald, israel, bühlerhöhe, nachkriegszeit

Bühlerhöhe

Brigitte Glaser
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 12.08.2016
ISBN 9783471351260
Genre: Romane

Rezension:

Die in Deutschland geborene Rosa Silbermann wird von einem Mossadagenten aus ihrem Kibbuz in Israel geholt. Sie wird für einen Sonderauftrag gebraucht: mit dem versierten Agenten Ari Goldberg als ihrem Pseudoehemann soll sie im Luxushotel Bühlerhöhe Quartier beziehen, um den dort urlaubenden Bundeskanzler Adenauer vor einem möglichen Cherutattentat zu schützen.
In der Bühlerhöhe kontrolliert derweil die Hausdame Sophie Reisacher zusammen mit einem Sicherheitsoffizier Adenauers Suite. Die Hausdame musste 1945 das Elsass verlassen und sucht in der Bühlerhöhe ihre Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg.
In Baden-Baden wartet Rosa vergeblich auf ihren "Ehemann" Ari und bricht dann schließlich ohne ihn zur Bühlerhöhe auf. Als Kind war sie mit ihren Elter, ihrem Großvater und ihrer älteren Schwester Rachel häufig dort, weshalb sie dem Mossad prädestiniert für diesen Auftrag erscheint. Kindheitserinnerungen werden wach.
Auf dem Weg von Israel nach Deutschland hatte sie in Tanger Zwischenstation bei Rachel gemacht, die dort lebt, weil sie es in Israel nicht ausgehalten hat. Mit ihrer Hilfe hatte Rosa sich in Tanger mit der entsprechenden Garderobe für den Aufenthalt in einem Nobelhotel ausgestattet. In Rückblenden erfahren wir allmählich mehr vom Schicksal der jüdischen Familie Silbermann.
Rosa Silbermann und Sophie Reisacher sind die Hauptpersonen dieses Romans. Sie sind umgeben von diversen Männern - die illustre Gesellschaft besteht aus Ex-Nazis, windigen Geschäftsleuten, Opportunisten, Traumatisierten und Spionen, und jeder verfolgt seine ganz eigenen Interessen.
Dann trifft endlich Konrad Adenauer ein, den es zu beschützen gilt ... oder umzubringen, je nach Blickwinkel.
Wir begegnen zahlreichen Personen und einem Kaleidoskop aus Nebenhandlungen, durch die ein Mosaik dieser Zeit entsteht, deren Aufbruchsstimmung, aber auch deren Mief man förmlich spürt. Die Erzählweise vermag durchgehend zu fesseln und ist teilweise spannend wie ein Thriller. Zeitgeschichte so spannend aufgearbeitet, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte.

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Tags: adenauerära, attentatsversuch, mossad, spionage, zeitgeschichte   (5)
 

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61 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

krimi, england, austern, küste, roman

Pearl Nolan und der tote Fischer

Julie Wassmer , Sepp Leeb
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 15.07.2016
ISBN 9783471351383
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Pearl Nolan, Wirtin eines kleinen Seafood-Restaurants im südenglischen Küstenort Whitstable, fühlt sich von der Arbeit als Restaurantchefin nicht ganz ausgefüllt, besonders, seit ihr Sohn Charlie zum Studium nach Canterbury gezogen ist. Deshalb versucht sie, sich ein zweites Standbein mit ihrer eigenen Detektei aufzubauen. Die ehemalige Polizistin musste den Beruf aufgeben, als sie in sehr jungen Jahren schwanger geworden war. Jetzt möchte sie endlich in ihrem Traumberuf arbeiten, auch wenn ihre Mutter Dolly - ein Spät Hippie - absolut dagegen ist.

Mittags im Restaurant erreicht sie der Anruf eines potentiellen Klienten, der ungeduldig vor der verschlossenen Tür ihres Büros wartet. Sie eilt dorthin und trifft auf einen übergewichtigen Mann mit nordenglischen Akzent, der sie beauftragen will, die Finanzlage eines Schuldners zu überprüfen, in dessen Austernzucht er investiert hat. Als Pearl erfährt, um wen es sich handelt, lehnt sie den Auftrag ab. Denn der Austernfischer Vinnie ist Ihr Lieferant. Als sie Vinnie telefonisch nicht erreichen kann, beschließt sie, ihn auf seinem Boot aufzusuchen. Leider findet sie dort nur noch seine Leiche...

Und so kommt es, dass Pearl doch zu ermitteln beginnt. Dabei trifft sie auf Chief Inspector Mike McGuire, vor kurzem von London nach Canterbury versetzt. Zuerst misstrauen sich die beiden und arbeiten eher gegeneinander, doch nach einer Weile wird beiden klar, dass eine Zusammenarbeit sie weiterbringen würde.

Weitere Personen der Handlung: Pearls Mutter Dolly, experimentierfreudiger Freigeist mit schrillem Kleidungsgeschmack, die Serviererin Ruby, Pearls Sohn Charlie, dessen italienische Freundin Tizzy, eine bildschöne und ganz reizende Sängerin, die bei Pearl leichte Anwandlungen von Eifersucht auslöst, ein Immobilienhai mit Familie, ein korrupter Beamter und viele andere mehr.

In der Mitte gab es mal einen leichten Hänger für mich, aber dann nimmt der Krimi wieder Spannung und Tempo auf. Die Wendung am Schluss kam sehr überraschend und nicht vorhersehbar. Der Schreibstil ist flott und witzig, aber nicht seicht - wie sollte es auch anders sein bei einer BBC-Drehbuchautorin! Ein solider Cozy-Krimi mit britischer Atmosphäre, leicht skurrilem Personal und einem Touch Kulinarik.

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Tags: austern, krimi, küste, südengland   (4)
 

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

berlin, musik, klarstein, band, mord

Der kalte Saphir

Michael Düblin
Fester Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Verlag Johannes Petri, 02.06.2016
ISBN 9783037840986
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein absolut faszinierendes Buch! Mich als Berlinerin bestach vor allem auch der Schauplatz Berlin in den 70er Jahren, einem Jahrzehnt, das auch für mich persönlich prägend war, und die Darstellung der damaligen Musikszene und der Energie, die in der Luft lag.

Als die erfolgreiche Nachwuchsjournalisten Jule Sommer als Reporterin für das Musikmagazin "Schall" den Tontechniker Sebastian Winter in seinem griechischen Exil besucht, ist die Stimmung spannungsgeladen. Lange hat sie sich um diesen Interview-Termin bemühen müssen, bevor er endlich einwilligte.

Winter war der Tontechniker der legendären Deutschrockgruppe Klarstein, deren scheinbar unaufhaltsamer Aufstieg ein jähes Ende nahm, als Jerome - der charismatische Frontmann und Sänger - im Keller der Kreuzberger "Villa" erschossen und blutüberströmt aufgefunden wurde. Gefunden hatte ihn Zed, seine Freundin und Drummerin der Gruppe, die dann Sebastian hinzugerufen hatte. Soweit ist der Vorgang bekannt, der Mord konnte jedoch nie aufgeklärt werden. Jule Sommer hofft nun, diesen Fall endgültig lösen zu können, was ihrer kometenhaften Karriere noch mehr Schub verleihen würde.

Die Handlung springt zwischen der Interviewsituation in der Gegenwart und Winters Erzählungen aus der Vergangenheit hin und her. Hinzu kommt noch ein Bericht über eine Reise Winters vor nicht allzu langer Zeit, einer Art Schnitzeljagd, die er zusammen mit Nils, dem Sohn des Musikalienhändlers, mit dem das Schicksal der Band aufs Engste verknüpft war, unternommen hat.

Das Interview geht die ganze Nacht hindurch, Sommer und Winter (die Namenswahl finde ich etwas zu bedeutungsschwanger) belauern sich gegenseitig, versuchen einander auszuloten. Die Journalistin und wir als Leser bekommen viele Informationen und rätseln, worauf das ganze hinauslaufen wird und wer Jerome tatsächlich ermordet hat. Alles ist anders, als es zunächst erscheint. Ein brillianter, sehr atmosphärischer Roman, der sich wie ein Krimi liest - so spannend, dass man ihn nicht aus der Hand legen mag. Unbedingte Leseempfehlung!

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Tags: 70er jahre, berlin, krimi, musikindustrie   (4)
 

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82 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

provence, krimi, roger blanc, frankreich, capitaine roger blanc

Brennender Midi

Cay Rademacher
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 07.06.2016
ISBN 9783832198190
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im dritten Band dieser Provence-Krinireihe wird Capitaine Blanc - erst vor kurzem aus Paris in die Provence versetzt -  zur Nachtschicht vor dem 1. September verdonnert, dem Tag von "la rentrée", dem Ende der Sommerferien. Viele Franzosen kehren erst auf den letzten Drücker aus den Ferien zurück und auf den Autobahnen, Landstraßen und an den Tankstellen ist die Hölle los, die Gendarmerie ist im Dauereinsatz.
Dann ein Anruf von seinem Freund und Kollegen Marius Tonon. Ein Absturz eines Kleinflugzeugs auf einen Olivenhain, der Pilot ist tot. Blanc soll zur Absturzstelle kommen, denn es handelt sich um ein Militärflugzeug. Dort trifft Blanc auf Colonel Duret von der nahegelegenen Militär-Flugschule, einen Mann von der Flugunfalluntersuchungsbehörde, den Besitzer des Olivenhains und erbitterten Gegner der Flugschule Monsieur Bondard und dessen Angestellten Tahar Marouani. Der hatte den Absturz beobachtet. Dann erscheint die ewig bekiffte, aber sehr effiziente Gerichtsmedizinerin Fontaine Thezan auf der Bildfläche und gibt ihre vorläufige Einschätzung des Todesfalles  ab.
War es ein Unfall oder Mord? Die Zeugenaussagen sind widersprüchlich. War der abgestürzte Pilot im Nebenberuf Drogenkurier? Und in welchem Zusammenhang dazu steht der 2. Tote, der kurze Zeit später im Olivenhain gefunden wird. Capitaine Blanc sucht Unterstützung bei den Drogenfahndern in Marseille und gewinnt dort einen neuen Freund.
Natürlich geht auch das Techtelmechtel mit Madame le Juge, Aveline Vialaron-Allègre weiter, die unseligerweise die Ehefrau von Blancs Widersacher ist, dem Parlamentarier, der seine Versetzung in den Süden veranlasst hatte, weil er bei der Aufklärung von Korruptionsfällen etwas zu erfolgreich war.
Das ist sehr spannend geschildert und nimmt dann in einem furiosen Finale eine ganz andere Wendung als die, die man als Leser erwartet / vorausgeahnt hatte.  Flüssiger und lakonischer Schreibstil, sympathisches Personal, ein wenig Humor und Lokalkolorit, eine zeitgemäße und spannende Handlung und voilà - fertig ist ein gut lesbarer, unterhaltsamer Regionalkrimi, der die Reiselust befeuert. Die ersten beiden Bände muss man nicht unbedingt gelesen haben, um in diesen Krimi einsteigen zu können, aber schöner ist es schon, wenn man sie kennt.

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Tags: capitaine blanc, isis, krimi, provence   (4)
 

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56 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 34 Rezensionen

provence, krimi, remy eyssen, mumie, le lavandou

Schwarzer Lavendel

Remy Eyssen
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.04.2016
ISBN 9783548287010
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die deutsche Studentin Susan, die zur Weinlese nach Le Lavandou in der Provence gekommen ist, erwacht gefesselt und geknebelt auf einem Resopaltisch in einer Garage. Sie versucht sich zu erinnern, wie sie dorthin gekommen ist. Und sie denkt an ihre Zwillingsschwester Anna, die immer genau weiß, was in jeder Situation zu tun ist. Dann bemerkt sie, dass eine Infusionsnadel in ihrem Arm steckt. Da ist plötzlich ein Mann. Ein Tuch senkt sich auf ihr Gesicht und durch ihre Adern rinnt ein feuriger Schmerz ...
Dr. Leon Ritter, in Frankreich arbeitender Gerichtsmediziner aus Deutschland, hat von seiner achtzigjährigen Tante Odette überraschenderweise einen Weinberg geschenkt bekommen. Wie sich herausstellt, gibt es bei diesem Geschenk einen kleinen Haken, dessen Regelung Leon jedoch im Laufe des Romans gelingt. Dr. Ritter war vor ca. einem Jahr in die Provence gekommen, um nach dem Unfalltod seiner geliebten Frau Sarah hier einen Neuanfang zu versuchen. Aus dem zuerst nur vorläufig gemieteten Zimmer bei Isabelle Morell - ihres Zeichens stellvertretende Polizeichefin von Le Lavandou - und ihrer fünfzehnjährigen Tochter Lilou ist mittlerweile ein dauerhaftes Quartier geworden.
In der Zwischenzeit ist bei Isabelle auf dem Revier eine deutsche Studentin namens Anna aufgetaucht. Sie vermisst ihre Zwillingsschwester Susan. Die Polizei kann noch nichts machen, für eine Vermisstenanzeige ist es zu früh.
Dann entdeckt Leon in einem Schuppen auf seinem Weinberg eine Frauenleiche, besser gesagt eine Mumie; denn die Leiche ist mit Formalin konserviert worden und vergleichsweise unversehrt. Es lässt sich feststellen, dass sie seit 4 Jahren tot ist und schließlich gelingt es auch, sie zu identifizieren. Und vor zehn Jahren gab es einen ähnlichen Fall in Aix-en-Provence. Durch zähes Nachforschen gelingt es Leon, einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen herzustellen, was Polizeichef Zerna gar nicht gefällt: Ermittlungen sind Sache der Polizei und nicht des Gerichtsmediziners. Aber Leon sieht seine Tätigkeit nicht so limitiert - er denkt schließlich mit! Zu allem Überfluss muss Zerna auch noch akzeptieren, dass ihm eine aus Toulon entsandte Kommissarin vor die Nase gesetzt wird.
Es gibt jede Menge Verdächtige: den Metzger Guy Pelletier, dessen Frau Gästezimmer vermietet. Wie sich herausstellt, hat sowohl Susan dort gewohnt, als auch vor 4 Jahren eine andere Studentin, als die die mumifizierte Leiche aus Leons Weinberg identifiziert werden kann. Dann ist da der eitle und geltungssüchtige Dr. Bernard Ravier, der sich gern an junge Studentinnen heranmacht und der junge, geistig etwas gestörte Frédéric. Der Verlauf des Falls und seine Auflösung sind sehr dramatisch und spannend.
Sympathisches - schon aus Band 1 der Reihe bekanntes - Personal, viel Lokalkolorit, eine Prise Humor und ein spannender Mordfall - genau meine Art von Krimi!

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Tags: krimi, le lavandou, leon ritter, provence   (4)
 

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

türkei, deutschland, identitätssuche, istanbul, heimat

Wieso Heimat, ich wohne zur Miete

Selim Özdogan
Fester Einband
Erschienen bei Haymon Verlag, 27.06.2016
ISBN 9783709972380
Genre: Romane

Rezension:

Nach einem fulminanten Einstieg hat das Buch für mich leider nicht gehalten, was es versprach: Den Rückblick auf das Kennenlernen von Krishna Mustafas Eltern im Pudding Shop in Istambul und den Verlauf ihrer kurzen Ehe fand ich wunderbar geschrieben, komisch und authentisch. Die Eltern lebten erst in Istanbul, zogen dann aber, als der Sohn ins schulpflichtige Alter kam, auf Wunsch der Mutter nach Freiburg um, damit ihm der Besuch einer deutschen Schule ermöglicht wurde. Bald danach folgte der Niedergang der Beziehung, der türkische Vater kehrt nach Istanbul zurück, Mutter und Sohn bleiben in Freiburg.
Die deutsche Mutter war auf dem Rückweg von Indien auf dem Hippie Trail in Istanbul gelandet und der Name Krishna verdankt sich ihrem Vorleben. Nun ist besagter Krishna Mustafa 24 Jahre alt, seine Freundin Laura hat ihn verlassen, weil er nicht weiß, was er will, weil er seine Identität suchen muss, wie sie meint und jetzt hat er mit seinem Cousin das Zimmer getauscht und befindet sich auf einem Selbstfindungstrip in Istanbul.
Die Wohnung seines Cousins ist eine Studenten-WG, bewohnt von Isa, einem depressiven Studenten, der aus Verzweiflung über die politischen Verhältnisse in der Türkei kaum noch das Haus verlässt, und einem Studentenpärchen, das an einem Dokumentarfilm über die Proteste im Gezi Park arbeitet.
Krishna flaniert durch Istanbul, spricht mit den unterschiedlichsten Leuten und philosophiert vor sich hin. Zu seiner Unterstützung gibt es zwischengeschaltete Kapitel mit dem Chor der Einäugigen. Zum Teil alles etwas verwirrend, da die direkte Rede in keiner Weise gekennzeichnet wird. Es gibt durchaus zwischendurch witzige Stellen und auch Sätze, die einen zum Nachdenken anregen. Aber der Text wurde für mich nie zu einem Ganzen, einem Roman eben.
Krishna hat eine irritierende Angewohnhet: er versteht Redewendungen immer wörtlich. Das mag als Stilmittel einige Male ganz interessant sein, nervt aber auf Dauer und verhindert die Identifikation mit diesem "begriffsstutzigen" Wesen. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass der Autor das als Stilmittel einsetzt und selbst nicht so naiv und begriffsstutzig ist, wie sein Protagonist. Die Krönung war, wie Krishna in seiner Naivität unwissentlich alles dafür tut, im Internet wie ein angehender Terrorist zu erscheinen, so dass er ins Visier des BND gerät. Und als er von seinen Freunden aufgefordert wird, sich zu wehren und gewisse Texte im Internet löschen zu lassen, verweigert er sich in seiner blauäugigen Art. Vermutlich habe ich die Intention des Autors nicht verstanden, aber jedenfalls ging dieser Simplicissimus mir immer mehr auf die Nerven und gegen den Strich. Ich musste zwischendurch erst einmal zwei andere Bücher lesen, bis ich mich dazu durchringen konnte, das Buch zu Ende zu lesen. Und weiß immer nocht nicht, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Schade, nach dem viel versprechenden Anfang hatte ich mehr erwartet!

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Tags: deutsche hippiemutter, gezi-park, identitätssuche, istanbul, türkischer vater   (5)
 

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57 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

krimi, lago maggiore, italien, polizeipsychologe, mord

Die Tote am Lago Maggiore

Bruno Varese
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 18.02.2016
ISBN 9783462048193
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Kettenraucher Matteo Basso - bis vor kurzem Polizeipsychologe in Milano - ist nach dem Tod seines Vaters an den Lago zurückgekehrt, um die elterliche Macelleria zu übernehmen, ein stressfreieres Leben zu führen, und um seinem persönlichen Trauma zu entfliehen.
Als seine gute Freundin Gisella, eine Tanzlehrerin und Köchin, die auch hin und wieder mit ihm zusammenarbeitet, nicht aufzufinden ist, stellt er fest, dass sie ihn in der Nacht davor auf seinem Handy angerufen hat, das er - wie üblich - nicht bei sich hatte. Auf dem AB hatte sie ihm eine Nachricht hinterlassen, mit der sie ihn dringend zu einem nächtlichen Treffen bei Maldinis Haus bestellte. Der Name Maldini ist Matteo geläufig, er ist einer von Gisellas guten Kunden, bei dem die Köchin schon des öfteren das Catering für größere Abendessen übernommen hat. Als er daraufhin zu Maldinis Villa fährt, wird er von diesem ziemlich von oben herab abgewimmelt.
Gisellas Leiche wird am Ufer des Sees gefunden, und Matteo beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Ganz und gar gegen den Willen der örtlichen Polizei. Die Kommissarin Zanetti allerdings, mit der er immer wieder zusammentrifft, lässt sich schließlich auf einen Deal mit ihm ein und die beiden tauschen ihre Informationen aus. Im Laufe der Ermittlungen tritt er auch Gestalten aus der organisierten Kriminalität auf die Füße.
Der Krimi ist gut geschrieben, die handelnden Personen erwachen zum Leben, sie werden sehr lebendig und gar nicht holzschnittartig geschildert. Auch das Ambiente, Land und Leute werden sehr anschaulich und stimmungsvoll beschrieben. Die Krimihandlung ist nicht vorhersehbar und nimmt ungeahnte Wendungen. Die Nebenfiguren, vor allem die drei sympathischen alten Mechaniker würzen die Geschichte mit Humor. Sannung, Humor und Lokalkolorit - genau die richtige Mischung für mich! Ich freue mich (hoffentlich) auf eine Fortsetzung, und bin gespannt wie sich die Beziehung zwischen Matteo und der Kommissarion weiterentwickelt.

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Tags: lago maggiore, regionalkrimi   (2)
 

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182 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 79 Rezensionen

zauberer, zauberei, magie, juden, prag

Der Trick

Emanuel Bergmann
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069556
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman beginnt mit einer Begebenheit aus der Vergangenheit. Der Rabbiner Laibl Goldenhirsch lebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit seiner Frau Rifka in Prag in einer ärmlichen Mietswohnung. Sein beschwerliches Leben ertrug er stur und genügsam und war zufrieden. Nur ein Problem belastete ihn: seine Frau und er warteten noch immer vergeblich auf ein Kind. Er hoffte auf ein Wunder.
Dann kam der Weltkrieg und der Rabbi wurde eingezogen. Als er mit einer nicht lebensbedrohlichen Verletzung aus dem Krieg zurückkehrte, war das Wunder geschehen, wenn auch anders als erwartet. Rifka war schwanger. Eine unbefleckte Empfängnis? Rabbi Goldenhirsch hat da seine Zweifel, entschließt sich dann aber, dieses "Geschenk" anzunehmen und nicht zu hinterfragen.
Jetzt folgt ein Zeitsprung in die Gegenwart. Der elfjährige Max Cohn aus L.A. wird von seinen Eltern zum Essen ausgeführt, auf seinen Wunsch hin in ein japanisches Restaurant. Wie er geahnt hat, teilen sie ihm bei diesem Anlass mit, dass sie sich scheiden lassen wollen. Sein bester Freund hatte kurz vorher ein ähnliches Erlebnis und kann seitdem keine Pizza mehr essen. Um ein ähnliches Desaster zu vermeiden, wählt Max das Japan-Restaurant aus: auf Sushi kann er verzichten, aber so bleibt ihm wenigstens die Pizza erhalten, die er für eins der wenigen verlässlichen Dinge im Leben hält.
Die beiden Erzählstränge werden parallel weiter erzählt: Mosche Goldenhirsch, der Sohn des Rabbiners wächst auf und zeigt keine Neigung, ein Schriftgelehrter zu werden. Ein Zirkusbesuch bestimmt seinen weiteren Lebensweg: Fünfzehnjährig reißt er von zu Hause aus und zieht mit dem Zirkus durch die Lande. Der "Halbmondmann" wird sein Lehrmeister und am Ende wird aus Mosche "Der große Zabbatini". Er lebt mit seiner großen Liebe zusammen, verleugnet sein Judentum und beide feiern mit ihrem Auftritt große Erfolge im Berlin der 30er Jahre.
Max Cohn findet unter den Sachen seines Vaters eine alte Schallplatte vom großen Zabbatini, auf der es auch einen Liebeszauber gibt, von dem er hofft, damit seine Eltern wieder zusammen bringen zu können. Leider hat die Schallplatte an der entsprechenden Stelle einen Sprung ...
Als es Max gelingt, den großen Zabbatini - inzwischen ein abgehalfterter alter Mann - in einem Altersheim zu finden, kommt es zur Verbindung der beiden Handlungsstränge. Und es treten weitere überraschende Zusammenhänge auf. Ob Max' Eltern vielleicht wirklich wieder zusammen kommen bleibt offen.
Mir hat die Lektüre großes Vergnügen bereitet, der Autor versteht es, eine ca 85 Jahre umspannende, großartige Geschichte zusammen zu fabulieren. Ernste Themen werden nur gestreift, denn dies ist offensichtlich ein Unterhaltungsroman, und er hält, was er verspricht: er unterhält ganz prächtig!

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Tags: berlin, liebeszauber, los angeles, prag, rabbi, zauberzirkus   (6)
 

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170 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 110 Rezensionen

humor, frauen, sachbuch, männer, klischees

Hinten sind Rezepte drin

Katrin Bauerfeind
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 21.01.2016
ISBN 9783596033966
Genre: Sachbücher

Rezension:

Klappentext: "Kann ich emanzipiert sein und trotzdem ohne Unterwäsche in die Stadt? Bin ich schon eine moderne Frau, nur weil ich nicht kochen kann? Kriege ich in einer Beziehung auch Treuepunkte? Muss es in Frauenbüchern eigentlich immer um Männer, Mode und Cellulite gehen? Wenn Sie solche Fragen mögen, werden Sie in diesem Buch viel Spaß haben. Klar, für den Preis dieses Buchs können Sie sich auch einen dünnen Thomas Mann kaufen oder zwei Hemingways, also echte Nobelpreisträger, oder eine gebrauchte Bibel, also praktisch das Wort Gottes, aber überall da steht wenig über Frauen, und schon gar nichts Lustiges oder nicht viel Wahres … "
Was schwungvoll und ironisch anfängt mit der Gründung einer Frauenreligion, verliert auf Dauer etwas den Drive. Auf jeden Fall kein Buch, um es in einem Stück zu lesen, sondern besser nur häppchenweise: also die klassische Klo-Lektüre. Hintereinander weggelesen, wurde es mir teilweise doch ein wenig langweilig und vor allem habe ich einen roten Faden vermiss. Scheint ein Resultat der weithin grassierenden Unsitte zu sein, bereits veröffentlichte Kolumnen in Zweitverwertung noch einmal als Buch zu veröffentlichen und mit Gewalt ein passendes Oberthema dafür zu finden.
Dass das Buch in vielen Buchhandlungen in der Abteilung "Fachbuch Psychologie" angeboten wird, ist herrlich absurd - Realsatire!
Der Stil ist flüssig und gut lesbar, wenn auch nicht so komisch, wie ich erwartet hätte. Wirklich Neues erfährt man nicht, aber das ist wohl auch nicht der Sinn der Sache. Es gibt wirklich witzige Geschichten, wie das Hauptthema der Bauerfeindschen Weihnachtsfeiern im Familienkreis, das Kapitel über Schuhe, die Südafrikareise, Vorschläge zu aktuellen Knigge-Fragen, Liste möglicher Sexpannen, aber auch einige, deren Witz sich mir nicht erschließt, wie z.B. Das Leben als Mann.
Fazit: Ein Buch mit mehr oder weniger witzigen Anekdoten, das man nicht gelesen haben muss und das nicht im Gedächtnis bleiben wird: ich musste jetzt schon das Buch durchblättern, um mich zu erinnern.

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102 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

schöffin, krimi, berlin, giftmord, liebe

Sündenbock

Judith Arendt
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 06.03.2015
ISBN 9783548285658
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im 2. Fall für Schöffin Ruth Holländer geht es um einen Rentner, der anscheinend seine an Parkinson erkrankte Ehefrau vergiftet hat. Klarer Fall ... oder doch nicht?

Wie schon im ersten Band wechselt Judith Arendt zwischen der Beschreibung von Ruth Holländers Leben und der Schilderung des Falles/Opfers/Täters hin und her. Wieder gibt es viel Berliner Lokal- und Kiez-Kolorit, einen Fall mit ernstem Hintergrund, der aus dem alltäglichen Berliner Leben gegriffen ist, aber auch viel Humoriges aus Ruths Familie und Freundeskreis. Ruth ist inzwischen seit einem halben Jahr mit Staatsanwalt Hannes Eisenrauch zusammen - aber nicht so richtig, die Angst, dass sie als Schöffin und er als Staatsanwalt eines Tages am gleichen Fall arbeiten müssten (was ein absolutes No Go ist), hindert ihn daran, sich voll auf die Beziehung einzulassen. Dass seine Ehefrau, die ihn ursprünglich verlassen hat, aber inzwischen zurückgekehrt ist, allmählich durchzudrehen scheint, ist auch nicht gerade hilfreich.

In Reinickendorf riecht es seit einiger Zeit streng aus der Wohnung des Rentnerehepaars Dombroschke: wie sich herausstellt lag die Ehefrau Margit, die als Pflegefall mit Parkinson-Krankheit ans Bett gefesselt war, seit Tagen tot in ihrem Zimmer, und ihr Mann hat das nicht gemeldet - was ihn verdächtig macht. Doch Ruth glaubt nicht an seine Schuld und ermittelt mal wieder auf eigene Faust. Weiterhin spielen Jürgen Dromboschkes bester Freund und eine junge Frau aus der Ukraine eine Rolle; Elena ist nach Deutschland gekommen, um Arbeit zu finden, ist aber in die Hände eines gewaltbereiten Menschenhändlers und Zuhälters gefallen und in die Prostitution gezwungen worden. Sie ist auf der Flucht. In eingeschobenen Rückblenden wird das Leben der Dombroschkes rekapituliert, die sich in den 60er Jahren beim Tanzen kennenlernten und ihr ganzes Leben dem Turniertanz widmeten. Bis zu Margits Erkrankung. Und - als sie kinderlos blieben - haben sie in späteren Jahren auf Margits Wunsch einen Schrebergarten gemietet. Dort im Schuppen fand sich auch das Rattengift, mit dem Margit vergiftet wurde.

Der Krimi ist spannend und unterhaltsam, aber nicht seicht. Der Fall entwickelt sich in völlig unvorhersehbarer Weise, Judith Arendt gelingt genau die richtige Mischung zwischen "Menscheln" und sozialer Realität. Hoffentlich schafft sie es weiterhin, die Reihe auf diesem Niveau zu halten. Wem der erste Band gefallen hat, der wird auch mit diesem Band gut bedient.

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Tags: berlin, gericht, krimi, parkinson-krankheit, rattengift, schöffin   (6)
 

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70 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 33 Rezensionen

pippa bolle, schottland, schmuggel, whisky, hochzeit

Tote trinken keinen Whisky

Auerbach & Keller
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.09.2014
ISBN 9783548611174
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im nunmehr fünften Band der Serie sind Pippa und ihr Bruder Freddy zur Highland-Hochzeit auf der Halbinsel Kintyre angereist - Anita Unterweger, eine alte Bekannte aus dem 2. Band, heiratet den Schotten Duncan Blakely, den sie beim Shakespeare-Festival in Hideaway kennen gelernt hatte. Duncan ist der Erbe einer Whiskey-Brennerei, auch wenn er sich erst kürzlich entschlossen hat, dieses Erbe anzutreten. Denn er weiß, wieviel Spannungen und Intrigen es dort gibt und hat außerdem an den Erinnerungen an den tödlichen Segelunfall zu knabbern, dem seine Eltern vor vielen Jahren zum Opfer gefallen sind. Momentan liegt nach einer Staubexplosion mit noch ungeklärter Ursache der Brennmeister im Koma, und im Verlaufe der nächsten Tage kommen noch einige Personen zu Tode. Die auf den ersten Blick so sympathischen und bodenständigen Einwohner der Gegend sind doch gar nicht so harmlos, und es fällt Pippa schwer festzustellen, wem sie nun eigentlich trauen kann. Denn natürlich wird sie wieder in die Ermittlungen verwickelt. Schmuggler gab es nicht nur in Anekdoten aus der alten Zeit, sondern Schmuggel ist offensichtlich heute noch immer ein sehr gängiges und lukratives Geschäft. Die Geschichte ist sehr spannend, gegen Ende konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz und wir erfahren viel über skurrile Eigenheiten der Bewohner dieser Halbinsel. Die Story ist in gewohnter Weise flott, amüsant und informativ geschrieben, und die Autorinnen haben ausgiebig recherchiert und sorgen für viel Lokalkolorit. Für mich eine gelungene Mischung aus Spannung und komischen Elementen, daher von mir eine unbedingte Leseempfehlung.

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Tags: krimikomödie, pippa bolle, schmuggel, schottland, whiskey   (5)
 

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51 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

los angeles, sex, schreiben, privatdetektiv, thriller

Mystery Girl

David Gordon ,
Flexibler Einband: 411 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 14.07.2014
ISBN 9783518465288
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach der Lektüre dieses Krimis bin ich hin- und hergerissen. Zum Teil fand ich ihn witzig und spannend, zum Teil aber auch zäh und langatmig. Es ist ein echter Genremix, eine wilde Mischung aus Krimi, Trash, Filmgeschichte und Hochkultur.
Sam Kronberg ist auf Jobsuche, und gleich der erste Versuch ist ein Treffer. Während des merkwürdig ablaufenden Vorstellungsgespräches löst der stark übergewichtige Sal Lonsky - ein Privatdetektiv und Sams zukünftiger Arbeitgeber - nebenbei in Rekordzeit das Kreuzworträtsel der New York Times und erklärt Sam dabei, was er alles aus seinem Aussehen und seiner Aktentasche an Informationen über ihn ableiten kann: sehr eindrucksvoll. Sam bekommt den Job und gleich seinen ersten Auftrag. Da Lonsky aufgrund seines Übergewichts nicht mehr das Haus verlässt, muss er solche Tätigkeiten wie Observationen delegieren. Sam soll am Abend - im "Mystery Girl" genannten Fall - eine junge Frau namens Ramona Doon beschatten. Doch vorher muss er noch die erste Paartherapie-Sitzung mit seiner mexikanischen Noch-Ehefrau absovieren, die nicht gut verläuft. Später dann bricht er zu seiner ersten Observation auf, mit einem Buch von Marcel Proust im Gepäck; denn Sam ist Buchliebhaber und verhinderter Schriftsteller.
Es kommt, wie es kommen muss: Sam verliebt sich in das Mystery Girl, schläft mit ihr und ... alles Weitere zu verraten wäre ein Spoiler. Sams Helfer und viele Zeugen, die er befragt, sind alle mehr oder weniger skurrile Loser. Gordons schnoddrige, humorvolle Schreibe und die immer wieder neuen, irrwitzigen Wendungen helfen, die Spannung aufrecht zu erhalten; besonders zum Ende hin mimmt die Handlung ordentlich Fahrt auf und man fiebert der endgültigen Auflösung entgegen. Auch die für den Spannungsbogen nicht erforderlichen kulturgeschichtlichen Betrachtungen sind durchaus amüsant und interessant. Trotz dieser eigentlich guten Voraussetzungen war das Buch für mich kein echter Page Turner, den ich nicht aus der Hand legen konnte - das passierte erst bei den letzten 60 Seiten. Vorher musste ich das Buch immer mal wieder beiseite legen, was mir bei einem Krimi, der mich richtig begeistert, nicht passiert. Vielleicht hat der Autor zu viel gewollt und seinen Roman damit etwas überfrachtet. Also etwas zwiespältig, aber doch interessant genug für 4 Sterne!

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

korruption, bangalore, umweltverbrechen, frau, entführung

Bangalore Masala

Anonymus , Karin Kaiser
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Conbook Medien, 01.04.2014
ISBN 9783943176643
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Anjali Mathur, eine junge Journalistin, lebt mit ihrem kleinen Sohn Ishaan im Haus ihrer Mutter in Bangalore. Sie ist noch verheiratet mit Ram, Ishaans Vater, den sie verlassen hat, als sie feststellen musste, dass er sie betrogen hatte. Die arrangierte Heirat mit ihm war zu einer Liebesehe geworden, aber gerade deswegen konnte sie ihm seine Untreue nicht verzeihen. Ein für indische Verhältnisse sehr ungewöhnliches Verhalten, mit dem auch ihre Mutter absolut nicht einverstanden ist.
Anjali ist bei ihrer Zeitung zuständig für die "Page 3", die Gesellschaftsnachrichten, strebt aber nach Höherem und möchte ins politische Ressort wechseln. Dieser Wunsch löst allerdings bei ihren männlichen Kollegen nur ein mitleidiges Lächeln aus. Doch sie ist an einer interessanten und wichtigen Story dran: zusammen mit den Aktivisten der Umweltorganisation Action Green kämpft sie gegen das Großprojekt ISTO, für das eine unheilige Allianz aus korrupten Politikern und Wirtschaftsbossen ein Naturschutzgebiet im Dschungel mit unlauteren Mitteln an sich bringen und als Bauland für einen Technologiepark missbrauchen wollen. Dabei gehen sie nicht zimperlich vor - wer nicht spurt, wird unter Druck gesetzt und, wenn für nötig erachtet, aus dem Weg geräumt.
Shakti, der Anführer von Action Green, findet ein wichtiges Beweismittel für die Korruption, wird aber ermordet, bevor er es publik machen kann. Jedoch hat er Anjali einen Hinweis hinterlassen, wo er es versteckt hat. Und damit ist sie nun voll in den Fall involviert und in großer Gefahr.
Dieser gut recherchierte Indienkrimi ist sehr spannend geschrieben, bietet viele Einblicke in das indische Leben und damit sehr viel Flair und Lokalkolorit. Die Protagonistin ist zuerst noch immer sehr abhängig von den traditionellen Wertvorstellungen der indischen Gesellschaft, obwohl sie sie sich von ihrem Mann getrennt hat und berufstätig ist. Während des Verlaufs der Geschichte macht sie jedoch eine Entwicklung durch und emanzipiert sich ein Stück weit. Für meinen Geschmack waren die Beschreibungen manchmal eine Spur zu blumig, aber das ist nur ein kleines Manko. Ansonsten ein spannender Krimi in exotischer Umgebung mit realistischem Hintergrund. Unbedingte Leseempfehlung (nicht nur) für alle, die sich für Indien interessieren!

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Tags: bangalore, indien, korruption, krimi, umweltverbrechen   (5)
 

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206 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 62 Rezensionen

ostfriesland, krimi, ann kathrin klaasen, mord, klaus-peter wolf

Ostfriesenmoor

Klaus-Peter Wolf
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 21.02.2013
ISBN 9783596190423
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dieser Krimi hatte Längen und konnte mich nicht überzeugen. Eine ziemlich wirre Geschichte, die einer Unzahl von Personen und Handlungssträngen folgt. Der tatsächliche Täter und dessen Motive erscheinen mir vollkommen unrealistisch und konstruiert  - andere Verdächtige, deren Fälle am Ende leider nicht geklärt werden, wären mir da deutlich glaubwürdiger vorgekommen. Immerhin habe ich das Buch zuende gelesen, weil ich wissen wollte, wie es ausgeht, aber es war ein Kampf, und ich war aber mit der Auflösung nicht zufrieden.
Ich kenne die ersten Bände der Reihe nicht, bin aber durch "Ostfriesenmoor" auch nicht dazu animiert worden, diese Lektüre nachzuholen. Sprachlich eher anspruchslos und holprig, verglichen mit diversen in Süddeutschland handelnden Krimis, die vorführen, wie das geht, zu wenig Lokalkolorit - und der Humor kam für mich auch zu kurz. Statt dessen zum größten Teil unsympathische Charaktere, keine stringente Handlung und reichlich "Product Placement". Keine Empfehlung!

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(85)

145 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

drogen, kalifornien, marihuana, gewalt, hippies

Kings of Cool

Don Winslow , Conny Lösch
Fester Einband: 351 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 17.09.2012
ISBN 9783518464007
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Atemberaubend!

Laguna Beach, Kalifornien, im Jahre 2005 - 3 junge Leute sind im Drogengeschäft im Grenzgebiet zu Mexiko tätig: Chon, Ben und O(phelia), seit Kindertagen befreundet, züchten und vertreiben erstklassiges Marihuana.

Rückblick: Laguna Beach im Jahre 1967 - andere junge Leute, sowohl aus der Hippie- als auch aus der Surfer-Szene sind im Drogengeschäft tätig: zuerst noch im kleineren Stil mit Marihuana, dann aber ganz groß mit Koks und allem anderen, was es sonst noch so gibt.

Alle sind obercool, nicht nur die heutigen jungen Dealer, sondern auch die Surfer und Hippies der Sechziger Jahre. Die Handlung spielt in ständigem Wechsel auf diesen beiden Zeitebenen.
Wie die Schicksale dieser beiden Menschengruppen zusammenhängen, erfahren wir ganz allmählich im Laufe der Geschichte, in der es um den fortlaufenden Drogenkrieg zwischen amerikanischen und mexikanischen Dealern und den jeweiligen Organisationen der beiden Länder zur Bekämpfung der Drogenkriminalität geht, um extreme Korruption bei Polizei und DEA (Drug Enforcement Administration), um gnadenlose Brutalität, um Gier und Macht. Und um die Schicksale und Charaktere einiger Protagonisten dieser Geschichte.
Diese Art von "hard-boiled" Thriller ist eigentlich überhaupt nicht meine Welt, aber hier hat mich der ungewöhnliche, teils abgehackte, telegrammstilartige Schreibstil des Autors total fasziniert und in seinen Bann gezogen. Toll, irgendwie genauso atemlos wie Kerouacs On the Road. Winslow ist ein brillanter Beobachter, der es schafft, die Atmosphäre mit wenigen Worten trefflich zu skizzieren. Das Tempo ist rasant, was enorm zum ständig zunehmenden Sog des Romans beiträgt.

Aprospos hard-boiled Thriller: hard-boiled schon, aber nicht wirklich ein richtiger Thriller mit einem Krimi-Plot, es geht eher um die Figuren und ihre Beziehungen zueinander, ihre Lebensgeschichten, die Spannung liegt hauptsächlich darin, wie sich einem die Zusammenhänge allmählich erschließen.

Ein großes Lob auch für die deutsche Übersetzung, die mir sehr gelungen scheint - das dürfte keine einfache Aufgabe gewesen sein!

Dieses Buch, dessen Einband auch optisch sehr ungewöhnlich aufgemacht ist - schwarz mit weißer Schrift, sogar der Schnitt ist schwarz (wie bei manchen Bibeln) - habe ich in kürzester Zeit verschlungen und es hat mich umgehauen, hat mich wirklich begeistert, so dass ich mir schon überlege, jetzt auch SAVAGES (Deutsch: Zeit des Zorns), den gerade verfilmten Roman von Don Winslow zu lesen, dessen Prequel KINGS OF COOL bildet.

Unbedingte Leseempfehlung!

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Tags: drogen, hard-boiled, kalifornien, mexiko, thriller   (5)
 

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(72)

114 Bibliotheken, 5 Leser, 4 Gruppen, 31 Rezensionen

masuren, berlin, krimi, weimarer republik, gereon rath

Die Akte Vaterland

Volker Kutscher
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.08.2012
ISBN 9783462044669
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Krimi im Schatten des erstarkenden Nationalsozialismus

Dies ist der vierte Fall von Gereon Rath, den man aber problemlos lesen kann, ohne die ersten Bände zu kennen. Der aus dem Rheinland gebürtige Berliner Kriminalkommissar ist ein Querkopf und Einzelgänger. Im Endeffekt gibt ihm jedoch sein Erfolg Recht, was auch sein Vorgesetzter weiß und ihm deshalb vieles durchgehen lässt.

Rath übernimmt die Ermittlungen im Fall des auf höchst seltsame Weise ermordeten Spirituosenhändlers, der im Lastenaufzug des Hauses Vaterland - dem berühmten Berliner Vergnügungstempel am Potsdamer Platz - tot aufgefunden wurde. Als Hilfskraft wird ihm auch seine Verlobte Charly Ritter zugeordnet, die gerade ihren Dienst bei der Berliner Kripo aufgenommen hat und zu den ersten weiblichen Kriminalbeamten zählt.

Wir schreiben das Jahr 1932, die Nazis sind im Aufwind und die Weimarer Republik liegt in den letzten Zügen. Der Fall weist eine starke Verbindung nach Ostpreußen auf, wohin sich dann Gereon alleine aufmacht, während seine Kollegen die Ermittlungen in Berlin weiter vorantreiben.

Es gibt ein Geflecht mehrerer Fälle, die ineinandergreifen, und zahlreiche falsche Spuren. Besonders interessant sind die atmosphärischen Schilderungen der damaligen Zeit und das Berliner Lokalkolorit, bzw. auch die Darstellung der Spannungen, die es zwischen Ostpreußen und "richtigen" Preußen, Polen und Masuren gab. Der Kriminalfall und seine Aufklärung ist sehr komplex und langwierig, teilweise vielleicht ein Spur zu ausufernd beschrieben, aber doch nie so, dass die Spannung auf der Strecke bliebe.

Der Roman bietet sehr viel mehr als ein normaler Krimi und besticht durch die gut recherchierte zeitgeschichtliche Komponente. Einziges Haar in der Suppe ist die Sprache, die doch sehr neuzeitlich wirkt: z.B. scheint mir der Ausdruck "zeitnah" eine sehr moderne Wortschöpfung zu sein. Aber dass früher unverheiratete Frauen als "Fräulein" tituliert wurden, ist mir durch das Buch wieder ins Gedächtnis gerufen worden - eine (Un-)Sitte, die inzwischen wirklich vollkommen verschwunden ist.

Insgesamt eine lohnende und spannende Lektüre - nicht nur für Berliner!

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Tags: gereon rath, haus vaterland, krimi, masuren   (4)
 

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

goldmacher, wunderglaube, hitlerjugend, nazigold, nachkriegszeit

Goldmacher

Gisela Stelly
Buch: 416 Seiten
Erschienen bei Arche, 01.08.2012
ISBN 9783716026779
Genre: Romane

Rezension:

Zwei deutsche Schicksale

In vier Abschnitten über die Zeiträume 1924 - 1945, 1946 - 1967, 1968 - 1989 und 1990 - 2001 lässt Gisela Stelly uns in ihrem Familienroman GOLDMACHER an den Schicksalen der beiden Protagonisten Anton Bluhm und Franz Münzer und ihrer Familien teilhaben.

Beider Leben sind aufs Innigste mit der deutschen Geschichte verstrickt. Die ungleichen Freunde haben sich als Jugendliche während eines HJ-Einsatzes auf dem Land kennen gelernt. Anton ist eher ein Bücherwurm, Franz eher ein Anführer und Macher und doch erkennt er in Anton den überlegenen Geist.

Was beide zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Franz' Vater trägt die Mitschuld am Ruin von Antons Vater, der sich dazu hatte hinreißen lassen, in die von Münzer Senior und Co als todsichere Geldanlage propagierte Goldproduktion zu investieren.

Anton und Franz treffen sich im Lauf der Zeit immer wieder und verlieren sich zwischenzeitlich auch immer wieder aus den Augen. Krieg, Besatzungszeit, Wiederaufbau, Wirtschaftswunder, Studentenrevolte, Wende … zeitgeschichtliche Umbrüche haben einen großen Einfluss auf ihre Geschicke. Dritter im Bunde ist Hans-Ulrich Hacker, einst zu HJ-Zeiten Franzens "Adjutant", später Antons rechte Hand beim Aufbau seines Zeitungsimperiums. Anton und Hans-Ulrich haben sich der Aufklärung der Hintergründe des tausendjährigen Reiches verschrieben, Hans-Ulrich interessiert sich besonders für das sogenannte "Nazigold", doch Antons großes Werk, "Der Untergang" soll es heißen, gerät durch die Anforderungen der Tagesgeschäfte in der Zeitungsredaktion immer mehr in Vergessenheit.

Franz' Vater wird als Naziverbrecher erkannt und einige Jahre interniert, kommt aber danach als bundesdeutsches Stehaufmännchen schnell wieder auf die Beine. Franz schafft es aber irgendwann, aus dem Schatten des übermächtigen Vaters herauszutreten und unabhängig von ihm, seine eigene Hotelkette ins Leben zu rufen.

Beide Männer haben Freundinnen, Ehefrauen, Geliebte und Kinder, im Falle von Franz sind es sechs Töchter und ein unehelicher Sohn in Italien, von dessen Existenz er nichts ahnt.

Diese Familiengeschichte mit zeitgeschichtlichem Bezug ist eine äüßerst interessante und spannende Lektüre, ich konnte das Buch zeitweise gar nicht aus der Hand legen. Es ist nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam geschrieben, eine gute Mischung. Der jeweilige Zeitgeist in den einzelnen Phasen der deutschen Geschichte wird sehr gut herausgearbeitet.

Die Autorin hat ganz offensichtlich ihren langjährigen Ehemann Rudolf Augstein als Vorbild für Anton Bluhm gewählt. Ich habe mich während der Lektüre gefragt, welche der geschilderten Frauen wohl nach ihrer eigenen Person gestaltet ist?

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Tags: drittes reich, familienroman, nachkriegszeit, studentenrevolte, wirtschaftswunder, zeitgeschichte, zweiter weltkrieg   (7)
 

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

die statisten, indien, indische literatur, kiran nagarkar, bombay

Die Statisten

Kiran Nagarkar , Giovanni Bandini , Ditte Bandini
Fester Einband: 656 Seiten
Erschienen bei A1 Verlag, 22.08.2012
ISBN 9783940666307
Genre: Romane

Rezension:

Die titelgebenden "Statisten" in Kiran Nagarkars neuem Roman sind die uns schon wohlbekannten Figuren Ravan und Eddie. Die beiden sind jetzt etwa 18 Jahre alt und man schreibt das Jahr 1965.

Unsere beiden (Anti-) Helden sind musikalisch, Ravan spielt in einer Hochzeits-Brass-Band und Eddie in einer Rockgruppe, aber beiden schwebt vor allem eine große Filmkarriere vor. Bis dahin muss aber die Zeit mit einem anderen Broterwerb überbrückt werden, und so arbeitet Ravan als Taxifahrer und Eddie als Mädchen für alles in einer "Auntie-Bar" - dem indischen Gegenstück zur amerikanischen Flüsterkneipe in den Zeiten der Prohibition.

Ravan stammt aus einer Hindu-Familie. Eddies Eltern sind goanische Katholiken. Sie wohnen im selben Haus, in einem Chawl, einer heruntergekommenen Mietskaserne, nur wenig besser als ein Slum, aber in verschiedenen Stockwerken; denn auch im Chawl wohnt man nach Religionen getrennt. Beide haben starke Mütter; Ravan bewundert seine Mutter, auch wenn sie ihn häufig nervt, während Eddie seine Mutter zwar auch verehrt, jedoch große Probleme mit ihr hat, denn sie ist verschlossen und kann keine Gefühle zeigen - die beiden sprechen meistens überhaupt nicht mehr miteinander.

Ihre beiden Familien sind verfeindet, denn 1947, als Eddies Mutter mit ihm schwanger war und kurz vor der Entbindung stand, kam Eddies Vater zu Tode, weil seine Nachbarin Parvati ihr Baby Ravan versehentlich vom Balkon fallen ließ, als Victor zu ihr aufschaute. Er konnte das Baby auffangen, wurde aber dabei von ihm erschlagen. Als Kinder waren die beiden Jungen eine kurze Zeit befreundet, jetzt herrscht jedoch Funkstille zwischen ihnen.

Ravan ist hoffnungslos in Eddies - für ihn unerreichbare - Schwester Pieta verliebt, während Eddie eine komplizierte Beziehung mit Belle, der angloindischen Sängerin seiner Band hat.

Erst ungefähr in der Mitte des Romans sind die beiden dann tatsächlich als Statisten tätig, freunden sich wieder an und bilden mit der Muslima Asmaan ein Dreiergespann.

Es würde zu weit führen, hier die unterschiedlichen Abenteuer zu erzählen, die unseren Helden zustoßen und die vielen, teils sehr skurrilen Charaktere zu erwähnen, die sie dabei treffen: wie z. B. den Mafiaboss, der einmal in Ravans Taxi steigt und ihn zwingt, einige Aufträge für ihn auszuführen, dann aus Bombay verschwindet und von da an regelmäßig lange Briefe an Ravan schreibt und ihn zu seinem Glücksbringer erklärt. Die beiden Hauptfiguren erleben mehr Niederlagen als Erfolge, lassen sich aber nicht entmutigen und geben ihre Träume nicht auf. Es geht bei Nagarkar gewohnt humorig, satirisch und bissig zu, eingeschoben sind - wie im ersten Band - von Zeit zu Zeit interessante und witzige Exkurse über Themen wie "Die indische Brass Band", "Bildung", "Bombayer Taxis", "Prohibition", "Statisten und Rajini".

Das Ende des Romans ist ein wenig märchenhaft - fast wie in einem Bollywoodfilm, wenn auch mit einer gewissen ironischen Distanz geschildert. Tatsächlich ist es ihre Musikalität, die den beiden letzten Endes zum Erfolg verhilft.

Ein wesentlicher Protagonist des Romans ist die Stadt Bombay. "Die Statisten" ist eine Hymne auf Nagarkars Heimatstadt, die auf den Seiten des Buches eindrücklich zum Leben erwacht. Außerdem geht es auch um die Frage, ob wir alle Statisten oder Hauptdarsteller in unserem eigenen Leben sind.

Ich habe mit Ravan und Eddie gelitten, vor allem aber habe ich mich bei der Lektüre wieder königlich amüsiert. Nagarkars umgangsspachlicher Tonfall - von den Bandinis wieder kongenial übersetzt - liest sich flüssig und zieht einen mehr und mehr in seinen Bann.

P.S. Mich hat das erneute Auftreten von Ravan und Eddie völlig überrascht, denn als Kiran Nagarkar im letzten Jahr noch in Berlin weilte, hat er bei einer Lesung in der indischen Botschaft schon einige Seiten aus dem noch nicht erschienenen Buch vorgelesen, und da hatten die Protagonisten noch ganz andere Namen.

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Tags: bombay, indien, internationale literatur, ravan und eddie, schelmenroman   (5)
 

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(40)

58 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

griechenland, verwechslung, skios, urlaub, hochstapler

Willkommen auf Skios

Michael Frayn , Anette Grube
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 30.07.2012
ISBN 9783446239760
Genre: Romane

Rezension:

Unterhaltung mit Tiefgang

Nikki ist die PA von Mrs. Fred Toppler. Die steinreiche Witwe hat auf der griechischen Insel Skios im Namen ihres Mannes eine Stiftung mit dem Ziel, die zivilisatorischen Werte zu fördern, ins Leben gerufen, deren eigentlicher Zweck es jedoch eher zu sein scheint, den Superreichen Gelegenheit zu bieten, ihre Jachten spazieren zu fahren.

In diesem Jahr hat Nikki die alljährlich stattfindende Hausparty organisiert und den Gastredner Dr. Norman Wilfred, einen weltweit führenden Experten für Szientometrie, persönlich ausgewählt. Als sie ihn nun vom Flughafen abholt, kommt zu ihrem Erstaunen nicht der unansehnliche Wissenschaftler mittleren Alters auf sie zu, den sie erwartet hat, sondern ein junger Mann mit einem reizend verwuschelten Blondschopf und unwiderstehlichen Rehaugen. Was für eine angenehme Überraschung! Er sah zwar auf dem Foto etwas anders aus, aber Nikki ist nur allzu gewillt, die Erinnerung daran zu verdrängen.

Zurück in der Stiftung kommt Dr. Wilfred auch bei allen anderen Gästen und der Hausherrin außerordentlich gut an. Er wickelt sie alle um den Finger, der gewohnheitsmäßige Hochstapler und Charmeur Oliver Fox!

Währenddessen ist der echte Dr. Wilfred in dem luxuriösen Landhaus gelandet, in dem eigentlich Oliver Fox ein tête à tête mit Georgie (zufällig Nikkis bester Freundin) haben sollte. Dr. Wilfred ist zwar über den Ablauf etwas verwundert, denkt aber, dass er sich im Gästehaus der Stiftung befindet.

Nicht unwesentlich tragen die Taxifahrer-Zwillinge Stavros und Spiros, Elli - die griechische Telefonistin der Stiftung und diverse vertauschte Koffer zum Verwirrspiel bei.

"Skios" ist eine intelligente Verwechslungs-Komödie, die satirische Seitenhiebe austeilt: gegen die Protagonisten des Kultur- und Wissenschaftsbetriebes, Intellektuelle und Pseudointellektuelle, die High Society, die Neureichen, Politiker, Oligarchen, und und und ' und z. B. Amerikaner: "Europäer im allgemeinen verkörperten für sie (gemeint ist die Amerikanerin Mrs. Toppler) die zivilisierten Werte, die zu fördern die Fred-Toppler-Stiftung existierte, und die Briten waren Europäer, die so vernünftig und taktvoll waren, englisch zu sprechen." (Zitat S. 8).

Der Humor ist zum Schmunzeln. nicht zum laut lachen, und vermutlich werden sich erst beim zweiten Lesen sämtliche Spitzen erschließen, denn Frayn lässt ein solches Feuerwerk auf den Leser los, dass man beim schnellen Lesen (man möchte schließlich wissen, wie dieses ganze Chaos ausgeht) gar nicht alles mitkriegt, was in dem Text steckt. Kein seichter Unterhaltungsroman, sehr amüsant, aber doch auch zum Nachdenken anregend. Also im besten Sinne britisch, wie auch viele britische Filme, die prächtig unterhalten und trotzdem Tiefgang haben.

Einziger kleiner Wermutstropfen: die deutsche Übersetzung ist zwar in Ordnung, aber ich vermute, dass das Lesevergnügen bei der Lektüre des englischen Originaltexts noch gesteigert werden könnte, deshalb werde ich den Roman beim nächsten Mal auf englisch lesen.

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Tags: humor, kulturbetrieb, satire   (3)
 

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(35)

57 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

normandie, frankreich, sommer, familie, freundschaft

In diesem Sommer

Véronique Olmi , Claudia Steinitz
Buch: 265 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 27.06.2012
ISBN 9783888977763
Genre: Romane

Rezension:

Bonjour Tristesse aktualisiert

14. Juli, Nationalfeiertag, ein verlängertes Wochenende am Meer - mehrere Paare machen sich auf den Weg zum Sommerhaus von Delphine und Denis. Diese Treffen haben Tradition, man trifft sich jedes Jahr im Haus in der Normandie, schon seit 16 Jahren..

Ein Szenario, das normalerweise positiv besetzt ist - Sommer, Sonne, Strand, Meer, Ferien, Freunde, Feste - scheint in diesem Sommer nurmehr ein sinnloses Ritual, ja fast eine lästige Pflicht zu sein. Alles ist wie immer, und doch auch wieder nicht.

Die Ehe der Gastgeber ist offensichtlich kurz davor, in die Brüche zu gehen. Die beiden Kinder von Delphine und Denis haben ihre Freunde mitgebracht.. Delphine ist froh darüber - je mehr Menschen zwischen ihr und Denis stehen, desto besser. Dann sind da noch Nicolas und Marie: er ist Lehrer, hatte vor 3 Jahren einen Zusammenbruch und kämpft seitdem mit der Depression. Sie ist eine nicht sehr erfolgreiche Schauspielerin und leidet darunter, dass man ihr inzwischen nur noch Großmutterrollen anbietet. Und das dritte Paar besteht aus Lola und Samuel. Lola ist seit eh und je Mitglied der Clique, ehemalige Kriegsreporterin und jetzt Radiomoderatorin; sie bringt jedes Jahr einen anderen Mann mit, auch das hat schon Tradition. Und die Liebhaber werden immer jünger …

Es herrscht eine Stimmung der Midlife Crisis, die Fassaden bröckeln, Lebenslügen werden allmählich unhaltbar, Geheimnisse, die jeder der Protagonisten hat, drängen ans Licht.

Ein Katalysator der Handlung ist der junge Dimitri, der plötzlich auftaucht und sich für Jeanne, die sechzehnjährige Tochter interessiert. Vor allem Delphine ist ihm gegenüber misstrauisch, empfindet ihn als Bedrohung, auch Nicolas hat sein ganz eigenes Problem mit ihm. Realität oder nur Projektion?

Am Ende des Wochenendes haben sich die Konstellationen innerhalb der Beziehungen verändert, es ist fraglich, ob es im nächsten Jahr wieder das traditionelle Treffen am 14. Juli geben wird..

Was genau sich verändern wird, wird in den meisten Fällen offen gelassen. Für meinen Geschmack bleibt etwas zu viel offen. Genau wie innerhalb der einzelnen Beziehungen zu viele Dinge offen bleiben, nicht angesprochen oder verschwiegen werden. Es fehlen die klärenden Gespräche, es bleibt häufig bei Andeutungen, die falsch ausgelegt werden können. Zum Beispiel will der zwölf Jahre jüngere Samuel - von dem wir so gut wie nichts erfahren - die bindungsunfähige Lola plötzlich unbedingt heiraten. Es ist völlig klar, dass sie das nicht will. Oder doch? Was hat es mit dem mysteriösen Dimitri auf sich?

Für mich war das alles zu düster und letztlich haben mich die Schicksale dieser Leute auch nicht wirklich interessiert, da sie zu wenig Kontur bekommen haben im Laufe des Romans und teilweise sogar recht unsympathisch wirkten. Bei literarischen Personen, die einem ans Herz gewachsen sind, ist man durchaus bereit, unsympathische Züge zu verzeihen, aber dazu war hier nicht genug "Butter bei die Fische", ich konnte mich mit keiner der Personen identifizieren.

Kein schlechtes Buch, aber auch keins, das ich unbedingt weiterempfehlen würde.

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krimi, alpen, berchtesgaden, gift, holzhammer

Die Holzhammer-Methode

Fredrika Gers , ,
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.06.2012
ISBN 9783499258763
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Weiß-Blaues Idyll in Gefahr

Zwei Tote im idyllischen Berchtesgaden kurz hintereinander. Beide Fälle werden zunächst als Unfall, bzw. Tod aufgrund natürlicher Ursachen ad acta gelegt. Aber Hauptwachtmeister Holzhammer kommt das alles nicht so recht geheuer vor, genau wie der norddeutschen Ärztin Christine, die es an die Reha-Klinik in Bayern verschlagen hat. Die 2. Tote war nämlich ihre Patientin, eine durchaus gesunde Dame Anfang 60, die zwar aufgrund ihrer aufopferungsvollen Pflege von Familienangehörigen unter einem Burn-Out-Syndrom litt, aber keinesfalls an Herzproblemen.

So werden der bayerische Hauptwachmeister und das Nordlicht zu unwahrscheinlichen Verbündeten bei der Aufklärung dieser Fälle.Die Ärztin scheint das Alter Ego der Autorin zu sein, die ursprünglich auch aus Hamburg stammt, sich aber in die bayerischen Berge verliebt hat. So ähnlich geht es Christine auch, die sich dann gegen Ende des Buches sogar in einen einheimischen Mann verlieben darf. Ich fand die Geschichte recht spannend und habe auch erst einigermaßen spät geahnt, wer der Mörder ist.

In Kritikerkreisen sind die Regionalkrimis ja verpönt und ich muss zugeben, dass es gerade im Alpenkrimibereich eine wahre Flut von Serien gibt, aber warum nicht, wenn sie gut geschrieben sind? Und das ist Frederika Gers auf jeden Fall gelungen, einen witzigen, spannenden und unterhaltsamen "Cozy" (bei Tauschticket wurde dafür der schöne Ausdruck "Häkelkrim" geprägt) zu schreiben. Mit Lokalkolorit aus der Sicht einer Zugereisten ...

Sicher nichts für Fans von bluttriefenden Gerichtsmediziner-Thrillern ich jedoch freue mich schon auf den nächsten Fall!

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