takabayashis Bibliothek

77 Bücher, 77 Rezensionen

Zu takabayashis Profil
Filtern nach
77 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(39)

65 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

"literatur":w=3,"england":w=2,"schriftstellerin":w=2,"kriegszeit":w=2,"englisch":w=1,"kindheit":w=1,"einsamkeit":w=1,"teenager":w=1,"2. weltkrieg":w=1,"nachkriegszeit":w=1,"gabe":w=1,"autorin":w=1,"jessica":w=1,"ich-erzählerin":w=1,"verona":w=1

Weit weg von Verona

Jane Gardam , Isabel Bogdan
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 23.07.2018
ISBN 9783446260405
Genre: Romane

Rezension:

Nachdem die Old F.I.L.T.H.-Trilogie mich restlos begeistert hatte, hatte ich etwas zu hohe Erwartungen und war demzufolge etwas enttäucht von diesem Roman. Worum geht es? England in Kriegszeiten: die dreizehnjährige Ich-Erzählerin Jessica berichtet, wie sie auf die Idee kam, Schriftstellerin zu werden. Sie ist immer ehrlich und sagt unverblümt, was ihr durch den Kopf geht - das ist leider ihrer Beliebtheit unter den Klassenkameradinnen eher abträglich.
Jane Gardam schafft es von Beginn an, dass man ganz in die Welt ihrer Protagonistin eintaucht, ihr gut lesbarer Schreibstil steckt voller subtilem Hunor. Trotzdem plätscherte die Geschichte irgendwie ohne nennenswerte Höhepunkte so dahin und ich war froh, dass ich es geschafft habe, bis zum Ende durchzuhalten. Jessicas Geschichte hat mich nicht wirklich gepackt, und ich konnte ihre Verhaltensweisen oft nicht nachvollziehen. Vielleicht ist die Erzählung autobiographisch geprägt, aber mir war die Protagonistin auch nicht durchgehend sympathisch. Für ein Erstlingswerk sicher nicht schlecht, jedoch noch ohne die Sogwirkung, die die Old F.I.L.T.H.-Trilogie auf mich ausübte. Auch "Flight of the Maidens" hat mich stärker gefesselt. Also hoffe ich, dass bald noch weitere, ausgereiftere Werke von Jane Gardam auf den deutschen Markt kommen.

  (1)
Tags: 2. weltkrieg, england, schriftstellerin, teenager   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(78)

86 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 80 Rezensionen

"england":w=6,"roman":w=5,"familie":w=5,"sekte":w=5,"guru":w=5,"familiengeschichte":w=4,"mord":w=2,"usa":w=2,"drogen":w=2,"erbe":w=2,"kalifornien":w=2,"meditation":w=2,"vorablesen":w=2,"neurosen":w=2,"martine mcdonagh":w=2

Familie und andere Trostpreise

Martine McDonagh , Marion Ahl
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 02.07.2018
ISBN 9783959671958
Genre: Romane

Rezension:

Die ersten Seiten dieses Romans haben irgendwie genau meinen Nerv getroffen, der verschroben-witzige Stil des Ich-Erzählers Sonny gefällt mir sehr. Der deutsche Titel ist nicht so gelungen wie der Originaltitel NARCISSM FOR BEGINNERS. Auf jeden Fall hatte ich große Lust, die Familienforschung dieses kalifornisierten Briten zu verfolgen! Leider war das Buch dann insgesamt doch nicht so begeisternd, wie der vielversprechende Anfang, der bei mir etwas zu hohe Erwartungen geweckt hatte.
Der junge Sonny lebt bei seinem Ziehvater Thomas – einem Engländer – im kalifornischen Redondo Beach. Er ist ein neurotischer Junge mit vielen Idiosynkrasien, der auch schon eine Drogenkarriere hinter sich hat. An seinem 21. Geburtstag teilt Thomas ihm mit, dass er der Alleinerbe des Vermögens der Familie seines Vaters ist und schickt ihn zur Erforschung seiner Wurzeln auf eine Reise nach England, d.h. schlussendlich hofft Sonny, seine Mutter zu finden. Der zweite Grund für diesen Trip ist die Besichtigung der Originalschauplätze von Sonnys Lieblingsfilm, dem Kultfilm „Shaun of the Dead“.
Sonny sucht nun diverse Personen auf, die seine Eltern gekannt haben, die ihm von ihren Erfahrungen mit ihnen berichten. Die Ich-Erzählung Sonnys, in der er übrigens direkt seine Mutter anspricht, wechselt nun mit den Berichten anderer Leute und den langen, erklärenden Briefen von Thomas, die dieser ihm mitgegeben hat. Und allmählich entfaltet sich so das gesamte Kaleidoskop der Lebensgeschichte von Sonnys Vater, dem charismatischen Guru Bim. Sonny hat ca. die ersten zehn Lebensjahre mit seinem Vater zusammengelebt, davon mehrere Jahre in einer Kommune in Brasilien, hat daran aber nur noch ganz verschwommene Erinnerungen.
Das alles liest sich durchaus unterhaltsam, ist witzig, warmherzig und skurril, und führt am Ende bei Sonny zu der schönen Erkenntnis, dass die leiblichen Verwandten nicht gar so wichtig sind, sondern die liebgewonnenen Freunde eine selbstgesuchte Familie werden können.
Das fulminante Anfangskapitel, in dem Sonny als Ich-Erzähler selbst zu Worte kommt, war grandios, der Rest des Buches konnte dieses Niveau allerdings nicht durchhalten. Trotzdem eine lesenswerte und interessante Geschichte, deren Ausgang man entgegenfiebert.

  (1)
Tags: brasilien, drogen, england, familiengeschichte, guru, kalifornien, sekte, spurensuche   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(64)

82 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 64 Rezensionen

"weimarer republik":w=5,"historischer roman":w=2,"trilogie":w=2,"autorennen":w=2,"richard dübell":w=2,"dübell":w=2,"jahrhundertsturm":w=2,"deutschland":w=1,"serie":w=1,"berlin":w=1,"familiengeschichte":w=1,"fortsetzung":w=1,"historie":w=1,"band 3":w=1,"familiensaga":w=1

Das Jahrhundertversprechen

Richard Dübell
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.06.2018
ISBN 9783548289663
Genre: Historische Romane

Rezension:

Richard Dübell schafft es immer wieder, dem Leser eine Ära nahezubringen, indem er gut recherchierte, atmosphärisch geschilderte Informationen mit einer packenden Familiengeschichte verbindet. Geprägt sind die 3 Bände seiner Jahrhundertsturm-Trilogie von der jeweils gerade neuen technischen Entwicklung: Die Eisenbahn, das Flugzeug, und nun im dritten Band das Auto.
Weimarer Republik, Nachkriegszeit – Deutschland und die Familie von Briest machen schwere Zeiten durch: Inflation, Arbeitslosigkeit und Hunger.
Die Dienste der Berliner Detektei der von Briests sind in diesen Zeiten nicht gefragt, sie haben keine Einnahmen und können folglich ihre Kreditraten nicht zurückzahlen, es sieht so aus, als ob kein Weg am Verkauf - wenn nicht gar der Zwangsversteigerung - des Gutes vorbeiführt.
Ziehsohn Max immerhin hat eine Arbeit als Mechaniker bei einer Autofirma, die Rennwagen herstellt, er ist der Beifahrer eines Rennfahrers und möchte selbe einer werden. Tochter Luisa wird bei einer Premierenfeier von Fritz Lang „entdeckt“ und entwickelt Ambitionen, Schauspielerin zu werden.
Eine alte Familienfehde mit den von Cramms lebt wieder auf und lässt sich nicht friedlich beilegen. Sigurd von Cramm, ein rücksichtsloser Rennfahrer, und seine Mutter Magda sind die Bösewichte dieser Geschichte, die man von Herzen hassen kann. Hier liegt mein einziger Kritikpunkt: die beiden wirken etwas überzeichnet, aber wirklich gestört hat mich das nicht.
Wir bekommen kleine Einblicke in die Welt der AVUS-Rennen und der sich gerade entwickelnden Filmindustrie. Politisch machen sich schon die ersten Anzeichen der späteren Nazi-Zeit bemerkbar, Hitler formiert seine NSDAP, SA und SS beginnen ihr Unwesen zu treiben und der Antisemitismus treibt erste Blüten.
Mir gefällt es, wie Dübell seine Protagonisten mit realen Persönlichkeiten wie z.B. Walther Rathenau oder Regisseur Fritz Lang zusammentreffen lässt. Man taucht wirklich in die damalige Zeit ein. Der gebürtige Bayer schafft es auch, schriftlich den Berliner Dialekt zu treffen (bis auf winzige Kleinigkeiten, die mir als Berlinerin natürlich auffallen), ohne dass es bemüht und peinlich wirkt.
Die über 600 Seiten lesen sich äußerst spannend und unterhaltsam und bringen die Trilogie zu einem befriedigenden Abschluss, der keinen Wunsch offenlässt … außer dem nach einem vierten Band. Unbedingte Leseempfehlung!

  (2)
Tags: antisemitismus, aufstieg der nsdap, autorennen, babelsberg, familiengeschichte, filmindustrie, fritz lang, historischer roman, weimarer republik   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(34)

56 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

"provence":w=7,"krimi":w=6,"arles":w=5,"frankreich":w=4,"südfrankreich":w=3,"roger blanc":w=3,"cay rademacher":w=3,"dunkles arles":w=2,"roman":w=1,"mord":w=1,"reihe":w=1,"kriminalroman":w=1,"deutsch":w=1,"regionalkrimi":w=1,"korruption":w=1

Dunkles Arles

Cay Rademacher
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 22.05.2018
ISBN 9783832198756
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt (Klappentext):

November in der Provence: Capitaine Roger Blanc und die Untersuchungsrichterin Aveline Vialaron-Allègre verabreden sich zu einem heimlichen Wochenende in Arles. Treffpunkt des Liebespaares ist das römische Amphitheater. Doch dann wird Aveline zufällig Zeugin eines extrem kaltblütigen Mordes. Sie selbst kommt nur knapp mit dem Leben davon – aber der unbekannte Täter raubt ihr eine Tasche mit wichtigen Unterlagen, die sie ihrem Ehemann, dem mächtigen Staatssekretär, um jeden Preis in Paris präsentieren muss.
Blanc und Aveline haben nur zwei Tage, um den Mörder zu finden und sich die Dokumente zurückzuholen. Allerdings darf ja niemand wissen, dass sie in Arles sind. In den düsteren Gassen entspinnt sich ein Duell auf Leben und Tod: Sie jagen den Unbekannten – und der Unbekannte jagt sie. Dabei hat er mächtige Helfer. Nach und nach finden Blanc und Aveline heraus, dass der Tote im Amphitheater nicht das erste Opfer einer mysteriösen Gruppe ist, zu der sogar Politiker und Polizisten gehören. Als dann auch noch sein Kollege Marius Tonon, den Blanc in einer Klinik glaubte, bei diesen Verschwörern auftaucht, weiß er endgültig nicht mehr, wer sein Freund ist – und wer sein Feind …

Meine Meinung:

Mal ein ganz anderes Setting für Capitaine Blanc: er ist außerhalb seines Reviers und hat in Arles keinerlei Befugnisse und keinen Zugriff auf den Polizeiapparat – nun ja, jedenfalls fast keinen, denn die Kollegin Fabienne lässt sich telefonisch von ihm überreden, eine ausgiebige Internet-Recherche vorzunehmen. Trotzdem: er ist ein bisschen wie ein Fisch auf dem Trockenen. Dadurch, dass Aveline bis zum Sonntagabend ihre Dokumente wiederhaben muss, übernimmt sie tatsächlich häufig das Kommando. Und Blanc lässt sich von ihr untypischerweise zu diversen eher halblegalen, manchmal sogar äußerst leichtsinnigen Aktionen hinreißen. Durch die Zweitagesfrist kommt eine gewisse Hektik in das Ganze. Das hat aber durchaus auch seinen Reiz, wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat. Für meinen Geschmack ein wenig zu actionlastig (Katz- und Maus-Spiele, Verfolgungsjagden, Schlägereien), aber insgesamt ein durchaus spannender Einblick in das Frankreich von Macron, in dem seine Gegenspieler vom Front Nationale nicht auf der faulen Haut liegen und mit skrupellosen Methoden ihre Interessen verteidigen. Nebenbei erfahren wir einiges über den FN und seine verschiedenen Hilfstruppen und über Geschäftemacherei bei den Archäologen.

Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, wünsche mir aber für den nächsten Fall von Capitaine Blanc doch wieder ein etwas konventionelleres Setting.

  (4)
Tags: archäologie, arles, front nationale, provence, regionalkrimi   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(57)

62 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

"thriller":w=6,"syrien":w=6,"fake":w=4,"usa":w=3,"krieg":w=3,"cia":w=3,"naher osten":w=3,"politik":w=2,"spionage":w=2,"geheimdienst":w=2,"terror":w=2,"medien":w=2,"frieden":w=2,"is-kämpfer":w=2,"gewalt":w=1

Fake

James Rayburn , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Tropen, 31.05.2018
ISBN 9783608503494
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Super spannender Polit-Thriller, der vermutlich näher an der Realität ist, als einem lieb sein kann. Habe ihn in einem Zug durchlesen müssen, musste mich aber dann erst einmal von der Lektüre erholen, denn das ist verdammt harter Tobak.
Pete Town, ehemaliger CIA-Agent im Ruhestand, wird wieder aktiviert, um an einer Vertuschungsaktion teilzunehmen: bei einem (vom US-Präsidenten nicht abgesegneten) Drohnenangriff der USA ist nicht nur - wie beabsichtigt - ein hochrangiger syrischer IS-Stratege getötet worden, sondern auch die amerikanische Geisel Catherine Finch, eine Ärztin, die für eine Hilfsorganisation in Syrien gearbeitet hatte und sich schon lange in Haft befand. Der IS benutzte sie als Propagandawaffe und postete Videos mit ihr, in denen sie sich zwar nicht auf die Seite des IS schlug, aber heftige Kritik an der amerikanischen Politik übte. Das Bekanntwerden ihres Todes als Kollateralschaden eines amerikanischen Angriffs wäre ein Mediendesaster, vor allem für die Friedespolitik des bald aus dem Amt scheidenden Präsidenten, der noch etwas für seinen Nachruhm tun will ...
Pete Town, der optisch eher an einen Universitätsdozenten erinnert, kann der Versuchung nicht widerstehen, noch einmal den Nervenkitzel der Agententätigkeit zu verspüren, sagt zu, den Tod der Ärztin zu vertuschen, und damit nimmt das Schicksal seinen fatalen Lauf. Viele Personen und viele unterschiedliche Interessen sind ineinander verstrickt und dem Leser offenbaren sich einmal mehr die menschenverachtenden Machenschaften vor allem der Geheimdienste, aber auch der Wirtschaft, hier vor allem der Waffenindustrie.
Rayburn bringt viele interessante Protagonisten ins Spiel, die Schauplätze wechseln häufig und der Schreibstil liest sich sehr gut und unterhaltsam. Alles wirkt überaus realistisch und gut recherchiert. Die kurzen Kapitel befeuern den Lesefluss, man (ich jedenfalls) liest immer weiter, will unbedingt wissen, wie es ausgeht.
Der Schluss allerdings ist etwas antiklimaktisch, wenn auch durchaus folgerichtig: es gab viele Tote und am Ende ist eigentlich keiner der Mitwirkenden mehr wirklich sympathisch. Ich war von der gnadenlosen Gewaltbereitschaft ziemlich abgestoßen. Und man fragt sich, wozu das Ganze denn notwendig, bzw. nütze war. Genauso, wie es in der politische Realität vermutlich tatsächlich häufig zugeht. Harte Realität, aber Spannung pur!

  (3)
Tags: cia-machenschaften, geheimdienste, geiselnahme, is-kämpfer, polit-thriller, syrien, waffenindustrie   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(70)

79 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 63 Rezensionen

"krimi":w=8,"provence":w=7,"frankreich":w=3,"mord":w=2,"leon ritter":w=2,"le lavandou":w=2,"dr. leon ritter":w=2,"reihe":w=1,"serie":w=1,"entführung":w=1,"mädchen":w=1,"krimi-reihe":w=1,"buchreihe":w=1,"fortsetzung":w=1,"regionalkrimi":w=1

Das Grab unter Zedern

Remy Eyssen
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.05.2018
ISBN 9783548289076
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dr. Leon Ritter, der vor einigen Jahren in die Provence umgesiedelt ist, interessiert sich nicht nur für die Obduktionen, die er vornimmt, sondern auch für die Geschichten dahinter. Als ein herrenloses Boot in Le Lavandou an den Strand geschwemmt wurde, scheint es sich um einen Unfall und nicht um einen Kriminalfall zu handeln. Und dann gibt es da noch den vermeintlichen Kindsmörder, den Vater der kleinen Amélie, der mangels Beweisen wieder freigesprochen wurde, jedoch von den meisten Einwohnern von Le Lavandou für schuldig gehalten wird - sie wollen die Unschuldsvermutung nicht gelten lassen. Das kleine Mädchen war vor sechs Jahren spurlos verschwunden, ihre Leiche wurde nie gefunden. Der Fall wird wieder aufgerollt, und es gibt auch weitere Tote. In seiner üblichen, etwas forschen und seine Kompetenz überschreitenden Art klärt Leon Ritter den Fall quasi im Alleingang auf. Ich kenne die drei Vorgängerbände, die mir gut gefallen haben, wobei mir allerdings der dritte Band etwas zu sehr mit der Schilderung brutaler Verbrechen beschäftigt war. Dieser Band hat mir wieder sehr viel besser gefallen und war nicht so düster wie der Vorgänger. Hier gab es die richtige Balance zwischen Krimi, Privatleben und Lokalkolorit. Einerseits sehr spannend (gegen Ende konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen), andererseits die Reiselust beflügelnd: man möchte am liebsten gleich in die Provence fahren - oder wenigstens ein Gläschen Rosé bei der Lektüre genießen. Netter, unterhaltsamer Regionalkrimi, tendenziell eher Cosy als blutrünstig.
Das einzige kleine Manko ist, dass der Protagonist so ein "edler Ritter" ist, fast gar keine Schwächen hat und direkt einen Heiligenschein tragen könnte. Ein wenig so wie sein Kollege "Bruno - Chef de Police". Menschen mit kleinen Fehlern wirken doch etwas realistischer, sympathischer, einfach menschlicher - es müssen ja nicht gleich die problembeladenen, depressiven Gestalten sein, wie man sie teilweise aus den skandinavischen Krimis kennt

  (2)
Tags: gerichtsmedizin, leon ritter, provence, regionalkrimi   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(147)

180 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 121 Rezensionen

"kluftinger":w=9,"allgäu":w=7,"krimi":w=5,"regionalkrimi":w=3,"jubiläumsband":w=3,"reihe":w=2,"vergangenheitsbewältigung":w=2,"lokalkrimi":w=2,"kempten":w=2,"altusried":w=2,"enkelkind":w=2,"allerheiligen":w=2,"klüpfel":w=2,"kobr":w=2,"totensonntag":w=2

Kluftinger

Volker Klüpfel , Michael Kobr
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 27.04.2018
ISBN 9783550081798
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nachdem die Autoren bei den letzten Bänden etwas nachgelassen hatten, hat der Jubiläumsband - der auch etwas mehr Zeit für seine Entstehung zur Verfügung hatte - wieder das bekannte, hohe Niveau der Anfangszeit erreicht. Der Aufbau ist dieses Mal auch ganz anders, der Roman springt zwischen mehreren Zeitebenen hin und her, und wir erfahren viel aus Kluftingers Jugend, wobei auch endlich das Geheimnis seines Vornamens, bzw. seiner 2 Vornamen gelüftet wird. Ferner kriegen wir auch mit, dass er früher mal ein junger Rebell war, der seinen Vater ziemlich kritisch sah, dass aber im Laufe der Jahre die Prägung durch seinen altern Herrn deutlich Wirkung bei ihm gezeitigt hat.
Es geht um Kluftinger ganz persönlich, denn jemand hat zu Allerseelen ein Holzkreuz mit seinem Namen auf dem Friedhof aufgestellt, was man wohl oder übel als Morddrohung verstehen muss. Der Text auf dem Kreuz legt nahe, dass es einen Zusammenhang zu Kluftis Clique aus der Schulzeit gibt. Es gibt mehrere mögliche Täter und die Suche nach der Lösung ist äußerst spannend, auch wenn es zu großen Teilen um Kluftis Privatleben geht - er ist gerade Großvater geworden! Das stört einen als Fan der Reihe aber nicht, denn gerade diese Teile sind auch die amüsantesten. Wenn mich etwas ein wenig gestört hat, dann, dass das Buch mit einem Cliffhanger endet: ein Fall ist zwar gelöst, aber es bleiben noch reichlich offene Enden und außerdem beschließt Kluftinger am Schluss, einen dreißig Jahre alten Fall noch einmal aufzurollen - das dürfte dann der Inhalt des nächsten Bandes sein!
Ein witziges Schmankerl am Rande: Wie auch Jörg Maurer seinen Kommissar Jennerwein in seinem Jubiläumsband kurz auf Kluftinger treffen lässt, so hat auch Jennerwein in diesem Buch einen Auftritt.
Alles in allem habe ich das Buch mit großem Vergnügen gelesen, es bietet sowohl Spannung als auch Humor und ich kann es ohne Einschränkung empfehlen!

  (0)
Tags: allgäu, kluftinger, regionalkrimi   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(37)

43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

"korsika":w=11,"krimi":w=10,"blutrache":w=4,"mafia":w=3,"reihe":w=2,"gewalt":w=2,"familiengeheimnis":w=2,"vitu falconi":w=2,"familie":w=1,"mord":w=1,"frankreich":w=1,"hass":w=1,"ermittlungen":w=1,"verbrechen":w=1,"band 1":w=1

Das korsische Begräbnis

Vitu Falconi
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.03.2018
ISBN 9783426521700
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der französische Krimiautor Eric Marchand steckt in einer Schaffenskrise: Er möchte den Ermittler seiner sozialkritischen Krimis sterben lassen – aber da hat er die Rechnung ohne seinen Verlag und ohne seinen Lektor gemacht! Das heißt, er muss alles umschreiben und das geht ihm total gegen den Strich.

Sein Lektor schlägt ihm eine Reise zwecks kreativer Inspiration vor, und Eric, dessen Großmutter Korsin war, beschließt, auf den Spuren seiner familiären Vergangenheit nach Korsika zu fliegen.

Er kommt bei einer sehr interessanten alten Dame im Heimatort seiner Familie unter. Sie kennt alles und jeden im Dorf. Als Eric sich beim Wandern den Knöchel verstaucht, bringt sie ihn zu einer jungen Frau namens Laurine, die sich als Heilerin bezeichnet. Und in die er sich prompt verliebt! Als neugieriger Mensch, der er ist, steckt er seine Nase in Angelegenheiten, die ihn nichts angehen und gerät mit der korsischen Mafia aneinander. Allmählich entdeckt er, was es mit der Geschichte seiner Familie auf sich hat, und warum seine Mutter so großen Wert darauf gelegt hat, niemals nach Korsika zurückzukehren. Denn in Korsika gilt noch immer das Gesetz der Blutrache, die Schuld seiner Ahnen wird einem Menschen auferlegt, auch wenn er gar nichts damit zu tun hatte.

Der Roman ist als Start einer neuen Serie angelegt, daher verrät man nicht zu viel, wenn man berichtet, dass Eric seine Abenteuer relativ unbeschadet überlebt. Sehr spannend und atmosphärisch schildert der Autor Erics Familiengeschichte, einen in jüngster Zeit als Jagdunfall kaschierten Mord und die Strukturen der korsischen Mafia. Und nicht zuletzt beschreibt er auch die wilde, archaische Landschaft dieser wunderschönen Insel und die Mentalität ihrer Bewohner. Ich habe Lust bekommen, dorthin zu fahren, und freue mich schon auf den nächsten Band von Eric Marchands korsischen Erlebnissen.

  (1)
Tags: blutrache, korsika, krimi   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(51)

55 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 49 Rezensionen

"pharmaindustrie":w=4,"thriller":w=3,"krimi":w=2,"mord":w=2,"berlin":w=2,"indien":w=2,"pr-agentur":w=2,"krisenmanagement":w=2,"pr-berater":w=2,"spannung":w=1,"medien":w=1,"medikamente":w=1,"berli":w=1,"vater-tochter beziehung":w=1,"pharmakonzern":w=1

Riskante Manöver

Birand Bingül
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2018
ISBN 9783442716388
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mats Holm, von Beruf Krisenmanager, genannt der "Master of Desaster", wird von einer Pharma-Firma zu Hilfe gerufen, weil eins ihrer Produkte, das speziell für Kinder konzipierte Schmerzmittel Valdolor in Misskredit geraten ist, bzw. bekannt geworden ist, dass in den letzten Tagen gehäuft negative, lebensbedrohliche Nebenwirkungen aufgetreten sind. Als Beleg dafür lernen wir die kleine Sophie kennen, deren Eltern Validolor vom Kinderarzt als völlig unbedenklich verordnet worden war, und der dann auch auf der Intensivstation leider nicht mehr geholfen werden konnte.
Auch wenn Holm der Industrie hilft, so ist er wohl doch einer von den "Guten". Er ist ziemlich elitär, aber trotzdem ein sympathischer Protagonist. Zusammen mit seiner Partnerin Laura May - eine Ex-Polizistin und außerdem die Schwester von Holms verstorbener Frau - leitet er Unternehmen aus der Krise und verlangt als einzige Bedingung die absolute Wahrhaftigkeit seiner Geschäftspartner. Leider gehört diese bei den Wirtschaftsbossen nicht unbedingt zum Repertoire ...
Eine Mitarbeiterin, die man der Industriespionage verdächtigt, ist spurlos verschwunden, ein weiterer Mitarbeiter wird tot aufgefunden. Nun ist also auch die Polizei in eine Mordermittlung im Dunstkreis von Wenner-Pharma involviert. Auch Holms und May ermitteln und versuchen herauszubekommen, ob es sich um das Werk eines Einzeltäters handelt, der sein Schäfchen ins Trockene bringen will, oder ob die ganze Führungsriege unter einer Decke steckt. Hat es Schlampereien bei den Studien zu Valdolor gegeben, und wenn ja, wer wusste alles davon?
Ferner spielt auch eine namhafte Pharma-Kritikerin - Doktor Nina Rosenthal - eine tragende Rolle und am Rande hat Holms auch noch mit den Dämonen seiner Vergangenheit zu kämpfen.
Auch wenn mir dieses Führungsetagen-Milieu reichlich fremd ist, so fand ich diesen mal so ganz anderen Krimi aus dem Bereich der Wirtschaftskriminalität sehr interessant und fesselnd. Gegen Ende steigt die Spannung, der Autor hat auch einen "Red Herring" platziert, auf den ich voll reingefallen bin, d. h. ich hatte den falschen Täter im Visier!
Der lockere Schreibstil hat mir gut gefallen, auch Ironie und Humor kommen nicht zu kurz: Holms Gesprächspartner bei Wenner überbieten sich gegenseitig im Gebrauch von modischen Anglizismen.
Alles in allem ein unterhaltsamer und spannender Krimi - hoffentlich wird es weitere Fälle für Mats Holm geben!

  (1)
Tags: mats holm, pharma-industrie, wirtschaftskrimi   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(124)

166 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 107 Rezensionen

"kopenhagen":w=19,"mord":w=9,"krimi":w=8,"thriller":w=8,"manuskript":w=6,"dänemark":w=4,"adoption":w=3,"messer":w=3,"anette werner":w=3,"jeppe korner":w=3,"kriminalroman":w=2,"band 1":w=2,"schnitte":w=2,"krokodilwächter":w=2,"jeppe kørner":w=2

Krokodilwächter

Katrine Engberg , Ulrich Sonnenberg
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.03.2018
ISBN 9783257070286
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Raffinierter Schutzumschlag mit Schlitzen, durch die der rote Leineneinband hindurch blitzt. Auch die Autorin ist ganz fasziniert davon, wie man ihrer Danksagung am Ende des Buches entnehmen kann.
Dieser Kopenhagen-Thriller kommt zuerst ganz krimimäßig daher, wartet dann aber doch mit einem ziemlich kranken Mörder auf.
Das Ermittlergespann Jeppe Körner und Anette Werner versucht den Mord an der jungen Julie Stender aufzuklären. Diese wohnte mit ihrer Freundin im Häuschen der emeritierten Literaturprofessorin Esther de Laurenti zur Miete. Ein weiteres Stockwerk ist an einen Rentner vermietet, der die Tote zufällig entdeckt hat. Der Fall ist ziemlich unklar, die Ermittler verfolgen diverse Spuren, die alle keinen rechten Sinn ergeben. Dann stellt sich heraus, dass Esther begonnen hat, einen Krimi zu schreiben und die Story für ihre Schreibgruppe ins Internet gestellt hat. Der grausame Mord scheint genau ihrem Skript gefolgt zu sein … Und dann wird noch jemand aus Esthers Umfeld ermordet!
Die Spurenlage bleibt verwirrend, Jeppe und Anette können nicht wirklich einen roten Faden entdecken. Als Leser folgen wir ihnen bei ihrer spannenden Aufklärungsarbeit. Mit 500 Seiten ein ziemlich langer Krimi, der sich im Mittelteil etwas zieht, dann aber zum Ende hin richtig Fahrt aufnimmt und sich sehr spannend liest. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht Jeppe: er ist der typische, psychisch und physisch leicht angeschlagene, skandinavische Detektiv, während Anette als unkompliziert und wie das blühende Leben dargestellt wird. Doch werden Jeppes Probleme nur am Rande abgehandelt, im Mittelpunkt stehen immer die Mordfälle.
Spannender Auftakt zu einer neuen Kopenhagen-Serie mit einer raffinierten und verzwickten Auflösung!

  (1)
Tags: kopenhagen, krimi, thriller   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(79)

95 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 80 Rezensionen

"arktis":w=11,"freundschaft":w=4,"unfall":w=4,"liebe":w=3,"roman":w=3,"eis":w=3,"umweltschutz":w=3,"gletscher":w=3,"spitzbergen":w=3,"thriller":w=2,"verrat":w=2,"vertrauen":w=2,"wirtschaft":w=2,"gericht":w=2,"umwelt":w=2

Das Eis

Laline Paull , Dorothee Merkel
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Tropen, 31.03.2018
ISBN 9783608503524
Genre: Romane

Rezension:

Luxustouristen auf einem Kreuzfahrtschiff schippern auf der Suche nach den selten gewordenen Eisbären in der Arktis umher, und als sie endlich in einem Sperrgebiet ein Exemplar gefunden haben, kalbt plötzlich ein Gletscher und ein Leichnam kommt zum Vorschein.
Es handelt sich um Tom Harding, einen bekannten Umweltaktivisten, der vor vier Jahren bei einer Expedition beim Einsturz einer Eishöhle ums Leben kam und seitdem verschollen war. Sein Freund und Kollege Sean Cawson war auch dabei, hat aber überlebt. Ihm gehört die exklusive Midgard Lodge auf Spitzbergen, die als Ausgangspunkt der Expedition diente.
Die beiden hatten sich als Studenten kennengelernt, bei einem Treffen der „Gesellschaft der verschollenen Polarforscher“, es verband sie die Begeisterung für alles, was mit der Arktis zu tun hatte. Tom war jedoch „mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden“, während Seans Familie eher am unteren Ende der Gesellschaft stand, weshalb er von großem Ehrgeiz geprägt war. Und er hat es geschafft, wähnt sich schon am Ziel aller seiner Träume, als ihm gar ein Ritterschlag in Aussicht gestellt wird.
Beide kennen den älteren millardenschweren Geschäftsmann Joe Kingsmith, den Sean als seinen Mentor betrachtet. Dieser und noch zwei weitere Personen gehören zum Konsortium der Midgard Lodge.
Tom träumte von einer harmonischen Verbindung zwischen Umweltschutz und Geschäftswelt, Sean hingegen ging es hauptsächlich um Geld und Ruhm, aber er benutzte Tom gern als Aushängeschild für seine Geschäfte.
Nachdem der Leichnam nun wiederaufgetaucht ist, wird in Großbritannien eine gerichtliche Untersuchung angesetzt, um die genauen Umstände von Toms Tod zu rekonstruieren. Sean steht im Mittelpunkt dieser Untersuchung.
Die Autorin benutzt zahlreiche Rückblenden, um den Leser mit den Personen und ihrer Entwicklung vertraut zu machen. Der Roman spielt in der Gegenwart in England, vor vier Jahren in Spitzbergen und 1988 und in der Zeit danach, als die jungen Männer sich kennenlernten. Das ist teilweise nicht deutlich gekennzeichnet und führt vorübergehend zu leichter Verwirrung, bis einem wieder klar ist, in welcher Zeit man sich gerade befindet.
Speziell zum Ende hin wird der Roman im Laufe der gerichtlichen Untersuchung sehr spannend. Allmählich erschließen sich die Zusammenhänge, es geht um Geld, Macht und Politik und verzwickte Verbindungen zwischen diesen Bereichen. Paulls Roman führt uns in die Welt der Reichen und Schönen und vor allem auch in die Welt skrupelloser Geschäftemacher, die vor nichts zurückschrecken. Themen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, illegale Waffengeschäfte, Korruption etc. machen diesen Ökothriller außerordentlich aktuell. Sean, der Hauptprotagonist, befindet sich irgendwo in der Grauzone, ist weder schwarz noch weiß.
Mich persönlich haben die – eigentlich durchaus interessanten – Anekdoten von historischen Arktisexpeditionen, die jedem Kapitel vorangestellt wurden, aber nicht direkt etwas mit der laufenden Handlung zu tun haben, in meinem Lesefluss gestört. Irgendwo in der Mitte des Buches habe ich aufgehört, sie zu lesen und habe weitergeblättert. Als Anhang hätte ich sie sinnvoller gefunden.
Eine etwas lange, sich manchmal etwas hinziehende, im Endeffekt aber doch sehr spannende Lektüre!

  (1)
Tags: arktis, öko-thriller, spitzbergen   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(110)

163 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 96 Rezensionen

"kunst":w=15,"london":w=11,"andalusien":w=10,"spanien":w=9,"liebe":w=5,"malerei":w=5,"jessie burton":w=5,"roman":w=4,"spanischer bürgerkrieg":w=4,"england":w=3,"gemälde":w=3,"muse":w=3,"insel-verlag":w=3,"das geheimnis der muse":w=3,"krieg":w=2

Das Geheimnis der Muse

Jessie Burton , Peter Knecht
Flexibler Einband: 461 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.03.2018
ISBN 9783458363293
Genre: Romane

Rezension:

Spannender Schmöker, der an zwei Orten und auf zwei Zeitebenen spielt: Im London des Jahres 1967 und im Andalusien des Jahres 1936 zu Zeiten des Spanischen Bürgerkriegs.

Odelle Bastien, eine Einwanderin aus Trinidad, hat es schwer im London der sechziger Jahre: obwohl sie eine gebildete junge Frau aus dem britischen Empire ist, findet sie nur einen Job als Schuhverkäuferin und sieht sich ständig mit Rassismus und Vorurteilen gegenüber Frauen konfrontiert. Als es ihr gelingt, einen Bürojob am Skelton Institute, einem Kunstzentrum, zu ergattern, bedeutet das schon einen enormen Aufstieg für sie, auch wenn sie eigentlich nur Schriftstellerin sein möchte. Marjorie Quick, ihre dortige Chefin und eine ziemlich geheimnisumwobene Person, nimmt sie unter ihre Fittiche.

Ein Freund von Odelle bringt ein ungewöhnliches und sehr eindrucksvolles Gemälde ins Institut, um es untersuchen und schätzen zu lassen. Bald lässt sich als Schöpfer dieses Bildes der spanische Maler Isaac Robles identifizieren.

Im zweiten Handlungsstrang folgen wir kurz vor Beginn des Spanischen Bürgerkrieges im Jahre 1936 der Familie des österreichischen Kunsthändlers Harold Schloss in eine Finca in Andalusien. Seine verwöhnte englische Ehefrau Sarah – aus reicher Familie stammend, depressiv, alhohol- und tablettensüchtig – und seine 19jährige Tochter Olive sind bei ihm. Sie lernen den Maler, Lehrer und Revolutionär Isaac Robles und seine Halbschwester Teresa kennen. Isaac hilft manchmal im Haus und Teresa arbeitet fest als Haushälterin für die Familie. Olive ist insgeheim auch Malerin und wünscht sich nichts mehr als die Aufmerksamkeit und Anerkennung ihrer Eltern, besonders ihres Vaters. Doch der vertritt die Ansicht, dass Frauen nicht in der Lage seien, Kunst zu schaffen. Harold Schloss wollte eigentlich der politisch angespannten Lage in London entkommen, doch auch in Spanien brodelt es. In dieser Zeit entsteht das Bild, das 30 Jahre später im Skelton Institute auftaucht.

Die dramatischen Ereignisse, die sich damals in Anadalusien abspielten und mit dem Gemälde in Zusammenhang stehen, erschließen sich Odelle erst nach und nach. Das ist spannend zu lesen, auch wenn mir die Konflikte teilweise etwas zu konstruiert erschienen. Odelle Bastien ist eine sympathische Protagonistin, und der sie betreffende Handlungsstrang wird in der Ich-Form erzählt, wodurch ich an diesem Teil des Geschehens stärker Anteil nehmen konnte. Sowohl bei Odelle als auch bei Olive geht es um Anerkennung und künstlerische Selbstverwirklichung. Die Spannung wird vor allem auch dadurch erzeugt, dass man rätselt, in welchem Zusammenhang die Personen aus dem spanischen und dem Londoner Teil der Geschichte stehen. Am Schluss gibt es einen ziemlich unerwarteten Twist und ich fand es befriedigend, dass alles geklärt wurde und keine losen Enden übrigblieben.

Kein literarisches Meisterwerk, aber ein wirklich spannendes Lesevergnügen!

  (1)
Tags: andalusien 1936, frauen, kunst, london 1967, spanischer bürgerkrieg   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(78)

143 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 66 Rezensionen

"krimi":w=8,"england":w=7,"mord":w=4,"detektiv":w=2,"agatha christie":w=2,"whodunnit":w=2,"verlagswesen":w=2,"landhauskrimi":w=2,"roman":w=1,"klassiker":w=1,"gegenwart":w=1,"kriminalroman":w=1,"morde":w=1,"schriftsteller":w=1,"autor":w=1

Die Morde von Pye Hall

Anthony Horowitz , Lutz-W. Wolff
Fester Einband: 600 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.03.2018
ISBN 9783458177388
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Cheflektorin des kleinen Verlages Cloverleaf Books richtet sich auf ein gemütliches Wochenende mit Krimi auf der Couch ein - zugleich Arbeit und Vergnügen! Es geht um den neusten Roman aus der Atticus Pünd-Reihe von Alan Conway, dem Star-Autor des Verlages.
Dieses Werk wird auch 1:1 abgedruckt, es handelt sich um einen typisch englischen Landhauskrimi im Jahre 1955 in einem kleinen englischen Dorf. Dorthin eilt als aufklärender Retter der aus Nazideutschland entflohene Privatdetektiv Atticus Pünd, der im Stile eines Hercule Poirot auf die Lösung des Falles hinarbeitet. Nur leider fehlen die abschließenden Kapitel des Romans! Was soll das? Susan ist mehr als frustriert. Auch im Verlag sind die fehlenden Seiten nicht auffindbar. Susan beginnt nun selbst Detektiv zu spielen, denn Alan Conway ist an just diesem Wochenende aufgrund einer unheilbaren Krankheit aus dem Leben geschieden. Oder war es doch kein Selbstmord?
Besonders gefallen hat mir, dass der fiktive Krimi genauso aufgemacht ist, wie ein echtes Buch mit Informationen zum Autor und vielen lobenden Pressezitaten. Dem Autor ist es gelungen, diese zwei Krimis geschickt miteinander zu verbinden. Beide Krimis sind spannend, aber den "tatsächlichen" Krimi fand ich noch spannender als den fiktiven. Beide Krimis hängen eng miteinander zusammen, denn der Autor Alan Conway hat sehr viele Personen aus seinem Umfeld als Vorlage für seine Romanfiguren benutzt, so dass Susan durch die Lektüre immer wieder wichtige Hinweise bekommt.
Dieser Krimi mit Witz und Ironie ist auch eine Abrechnung mit Buchhandel und Verlagswesen, die Horowitz hier kritisch unter die Lupe nimmt. Sein Krimiautor fühlt sich eigentlich zu Höherem berufen, Krimis zu schreiben war nicht sein Lenbensziel. Ob das Herrn Horowitz auch so geht? Hoffentlich nicht, so dass er uns noch mit vielen weiteren Krimis Lesevergnügen bereitet.
Ein spannender und gleichzeitig amüsanter Krimi, der zum Ende hin geradezu "unputdownable" wird. Für Liebhaber klassischer Krimis á la Agatha Christie oder Sherlock Holmes ein absolutes Muss!

  (2)
Tags: buchhandel, cozy, krimi, landhauskrimi, verlagswesen   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(70)

82 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

"frankfurt":w=9,"krimi":w=8,"goethe":w=8,"schiller":w=8,"verschwörung":w=3,"napoleon":w=3,"mord":w=2,"kriminalroman":w=2,"morde":w=2,"mehl":w=2,"stefan lehnberg":w=2,"die affäre carambol":w=2,"carambol":w=2,"franckfurth":w=2,"roman":w=1

Die Affäre Carambol

Stefan Lehnberg
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Tropen, 10.03.2018
ISBN 9783608503548
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein netter Einfall! Die deutschen Dichterfürsten werden bei ihrem Franckfurth-Besuch gebeten, dem Stadtrat bei der Aufklärung von 2 Todesfällen zu helfen, die im Zusammenhang mit dem angespannten Verhältnis zwischen der Stadt und Napoleon Bonaparte stehen - viel diplomatisches Geschick ist vonnöten, um den Ausbruch eines Krieges zu verhindern. Nach anfänglichem Widerstreben stürzen sich die beiden recht draufgängerisch in die Ermittlungen und geraten immer wieder in große Gefahr dabei. Krimi, Mantel- und Degen-Roman, Spionage-Thriller - von allem ein bisschen. Schiller verkörpert die Rolle des schreibenden Dr. Watson, Goethe die des genialischen Sherlock.
Einband und Schriftbild sind betont altertümlich gehalten, aber nur in einem Maße, das den Lesefluss nicht stört; nur für die Überschriften wird ein historisierender, verschnörkelter Schrifttyp benutzt, die Schreibweise der Wörter ist auch ein wenig der Goethezeit angepasst, aber in einer Weise (statt "ei"steht häufig "ey", statt "k" einige "c"s und "ck"s), an die man sich schnell gewöhnt und die das Verständnis nicht beeinträchtigt.
Die Schilderung der Abenteuer ist sehr witzig und humorvoll (einige Eigenheiten und Eitelkeiten der beiden Dichter offenbaren sich) und vor allem wirklich spannend. Ein unterhaltsames und kurzweiliges Lesevergnügen. Die bibliophile Aufmachung des Leinenbändchens mit Goldprägung macht es zu einem idealen Geschenkbuch!

  (1)
Tags: bonaparte, frankfurt, goethe, krimi, mantel und degen, schiller   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(74)

97 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 64 Rezensionen

"bauhaus":w=3,"roman":w=2,"krieg":w=2,"historischer roman":w=2,"kunst":w=2,"tanz":w=2,"tom saller":w=2,"wenn martha tanzt":w=2,"bauhau":w=2,"liebe":w=1,"familie":w=1,"geschichte":w=1,"belletristik":w=1,"vergangenheit":w=1,"gegenwart":w=1

Wenn Martha tanzt

Tom Saller
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 09.03.2018
ISBN 9783471351673
Genre: Romane

Rezension:

Ein junger Mann fliegt im Jahr 2001 nach New York, um das höchst wertvolle Notizbuch seiner Urgroßmutter (Martha) bei Sotheby's versteigern zu lassen. Denn darin befinden sich neben Marthas Notizen bislang unbekannte Skizzen und Zeichnungen von Feininger, Klee, Kandinsky und anderen Bauhaus-Künstlern. Der junge Mann will mehr über seine Urgroßmutter erfahren, nachdem er zufällig dieses Notizbuch entdeckt hatte. Er hat viel recherchiert, aber über ihre Kindheit weiß er so wenig, dass er die Lücken mit Hilfe seiner Fantasie füllen muss.
Die Geschichte ist durch wechselnde Zeitebenen spanned aufgebaut. In Rückblenden lernen wir Marthas Familie kennen, erleben ihre Kindheit, die Zeit ihrer Ausbildung am Bauhaus, in der sie den Ausdruckstanz für sich entdeckt, ihr Leben mit ihrer Tochter Hedi zu Hause in Pommern, nahe der polnischen Grenze, denn Beginn der Nazi-Zeit, Krieg und Flucht. Dazwischen immer wieder der Urenkel in New York. Das Notizbuch wird für eine extrem hohe Summe versteigert und anschließend erhält er eine Einladung von der anonym bleibenden alten Dame, die das Notizbuch ersteigert hat.
Das Buch bietet ein spannendes Kaleidoskop des 20. Jahrhunderts am Beispiel eines Einzelschicksals. Das Geschehen am Bauhaus wird sehr lebendig geschildert. die allmähliche Ausbreitung der deutschnationalen Gesinnung und schließlich der 2. Weltkrieg und tragische Flüchtlingsschicksale. Die Geschichte nimmt mehrere unerwartete, ja wirklich überraschende, Wendungen und vermag durchgehend zu fesseln. Nur, dass der Autor auch noch den 9. September ins Spiel bringen musste, fand ich etwas zu viel des Guten! Allerdings passt es in gewisser Weise ganz gut, sozusagen als Abschiedsfanfare für das scheidende 20. Jahrhundert ...
Mit der Figur der Martha ist ein sehr interessanter Charakter entstanden, eine Frau, die ihrer Zeit voraus war. Ich fand den Roman sehr unterhaltsam, interessant und spannend.

  (1)
Tags: bauhau, frauenschicksal, weltkriege, zwanzigstes jahrhundert   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(41)

54 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 36 Rezensionen

"kopenhagen":w=5,"krimi":w=4,"rache":w=4,"geheimdienst":w=4,"axel steen":w=4,"dänemark":w=3,"spannung":w=2,"polizei":w=2,"pet":w=2,"mord":w=1,"thriller":w=1,"reihe":w=1,"serie":w=1,"entführung":w=1,"vergewaltigung":w=1

Aisha

Jesper Stein , Patrick Zöller
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 26.01.2018
ISBN 9783462050783
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die titelgebende Aisha steht zwar irgendwie schon im Zentrum des Geschehens, taucht aber erst nach ca. zwei Dritteln im Roman auf.
Dies ist der vierte Band einer Serie, die anderen Bände kenne ich nicht, das stört aber nicht weiter, denn man erfährt hier auch eine Menge zu Kommissar Axel Steens Vorgeschichte - ein wahrhaft vom Schicksal gebeutelter Mann, der sich in den letzten eineinhalb Jahren von einer schweren Schussverletzung erholt hat, die er sich während eines traumatischen Falles zugezogen hat; er hat ein Alkohol- und Cannabis-Problem, eine geschiedene Frau, die er immer noch liebt (oder doch nicht mehr?) und eine kleine Tochter, die sich permanent Sorgen um ihn macht. Das mit dem Alkohoproblem hat er zu Beginn des Romans einigermaßen im Griff und eine neue Liebe zu Kollegin Henriette spendet etwas Trost. Allerdings arbeitet sie für PET, den dänischen Geheimdienst, und ihr Chef Jens ist Axels Rivale und Nachfolger bei seiner Ehefrau, jedoch ist er mittlerweile auch von ihr getrennt. Bei Axels erstem Fall nach seiner Rekonvaleszenz geht es um den Mord an einem ehemaligen PET-Mann, der zuletzt als Sicherheitschef einer Firma arbeitete. Und natürlich kommen Polizei und PET sich in die Quere, die PET-Leute mit ihrer ewigen Geheimniskrämerei behindern Axel ständig bei der Arbeit, was auch zu Konflikten mit Henriette führt. Offensichtlich besteht eine Verbindung zu einer Aktion des PET vor 4 Jahren, bei der es um die Verhinderung eines islamistischen Terror-Anschlags ging. Und es gab eine eher illegale Zusammenarbeit des PET mit der CIA. Während Axel dieses Knäuel zu entwirren sucht, wird ein weiterer Toter gefunden, auch ein ehemaliger PET-Mitarbeiter, der mit dem damaligen Fall zu tun hatte.
Spannend, aber doch etwas zu ausufernd, das zog sich manchmal ganz schön in die Länge, erst im klimaktischen Finale wird die Spannung noch einmal angezogen. Nicht schlecht, flüssig geschrieben unter Verarbeitung vieler aktueller Themen, konnte mich aber dennoch nicht ganz überzeugen - ich habe diese skandinavischen Problem-Cops einfach etwas über!

  (0)
Tags: axel steen, dänemark, kopenhagen, krimi, terrorismusgeheimd   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(59)

81 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 56 Rezensionen

"hollywood":w=14,"krimi":w=6,"drogen":w=5,"skandal":w=5,"1921":w=4,"fatty arbuckle":w=4,"virginia rappe":w=4,"alkohol":w=3,"historischer krimi":w=3,"schauspieler":w=3,"prohibition":w=3,"filmindustrie":w=3,"christof weigold":w=3,"hardy engel":w=3,"mord":w=2

Der Mann, der nicht mitspielt

Christof Weigold
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462051032
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein dicker Schinken, aber keine Sekunde langweilig!
Hardy Engel, ein deutscher Einwanderer aus Mannheim, versucht im Jahr 1921 in Hollywood sein Glück als Schauspieler. Aber außer kleineren Statistenrollen hat er noch nichts an Land ziehen können. Der Ex-Polizist und Kriegsveteran braucht dringend eine Einnahmequelle und bietet daher seine Dienste als Privatdetektiv an.
Ein hübscher Rotschopf namens Pepper heuert ihn an, um ihre verschwundene Mitbewohnerin Virginia zu suchen. Und schon steckt Hardy ganz tief drin im Hollywood-Sumpf - nichts ist wie es scheint, es wird gelogen, vertuscht, gehurt, gesoffen (trotz oder gerade wegen der Prohibition), gekokst, vergewaltigt und gemordet ... Harvey Weinsteins Vorläufer waren auch nicht besser!
In der damaligen, noch relativ jungen, Filmindustrie wimmelt es von Einwanderern, viele Deutsche, aber noch mehr Osteuropäer dominieren die Szene.
Der sympathische Protagonist Hardy findet die junge Frau, die er suchen soll, kurz darauf ist sie jedoch tot. Außerdem gibt es im Umfeld des Falles drei weitere Tote. Hardy verbeißt sich in den Fall, bekommt Ärger mit den Vertretern einiger Filmstudios, lässt sich von einem tollen Job als Sicherheitschef bei Universal ködern, um schlussendlich festzustellen, dass Korruption ihm einfach nicht liegt und sein Bedürfnis, die Wahrheit aufzudecken, größer ist als sein Wunsch nach einem komfortablen Leben.
Spannend geschrieben und gut recherchiert, zeichnet der Autor ein authenthisch wirkendes Bild der damaligen Zeit. Als bekennende Cineastin hatte ich viele Aha-Erlebnisse und habe mich bestens unterhalten gefühlt, denn dieser Krimi ist ganz großes Kino. Ich habe ihn ziemlich schnell verschlungen und freue mich auf den zweiten Band!

  (1)
Tags: 20er jahre, filmindustrie, hollywood, krimi, metoo   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(123)

157 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 105 Rezensionen

"krimi":w=11,"sauerland":w=11,"spieluhr":w=9,"jan römer":w=6,"mord":w=5,"journalisten":w=5,"verfassungsschutz":w=5,"linus geschke":w=4,"wilzenberg":w=4,"vergangenheit":w=3,"köln":w=3,"ungeklärte verbrechen":w=3,"spannend":w=2,"mysteriös":w=2,"rätselhaft":w=2

Das Lied der toten Mädchen

Linus Geschke
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.01.2018
ISBN 9783548289311
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Buch ist der dritte Band einer Serie, lässt sich aber auch ohne Kenntnis der ersten Bände gut und ohne Verständnisprobleme lesen.
Der Journalist Jan Römer ist ein sympathischer Protagonist, der mit privaten Problemen zu kämpfen hat (Ex-Frau, Sorgerecht für den elfjährigrn Sohn) und sich beruflich mit unaufgeklärten Kriminalfällen beschäftigt. Seine Kollegin "Mütze" hat einen interessanten 20 Jahre alten Fall ausgegraben, den sich die beiden genauer vornehmen wollen. Eine Neunzehnjährige in einem roten Kleid war 1997 in einem abgelegenen Waldstück im Sauerland tot aufgefunden worden und eine neben ihr liegende Spieluhr spielte "Hush, Little Baby". Der Täter konnte nie gefunden werden.
Die beiden Journalisten beginnen ihre Recherchen im Umfeld der Toten, sprechen unter anderem mit der Mutter, einem Lehrer, dem Exfreund und 2 Freundinnen der Toten und stoßen auf einen erstaunlichen Zusammenhang mit der Tätigkeit des Verfassungsschutzes. Und am Ende gelingt es ihnen tatsächlich, diesen "cold case" aufzuklären.
Sehr spannend und sehr überzeugend, wie die beiden sich Schritt für Schritt an die Auflösung heranarbeiten und auch immer wieder falsche Schlüsse ziehen. Man lässt sich auch als Leser immer wieder auf falsche Fährten locken, der Ausgang ist nicht vorhersehbar und kam für mich völlig überraschend. Ein ungewöhnlicher Krimi, der die Spannung bis zum Ende aufrechterhalten kann.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(131)

189 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 89 Rezensionen

"liebe":w=6,"deutschland":w=6,"arktis":w=5,"roman":w=3,"sehnsucht":w=3,"briefe":w=3,"lebensgeschichte":w=3,"diogenes verlag":w=3,"bernhard schlink":w=3,"leben":w=2,"20. jahrhundert":w=2,"drama":w=2,"zweiter weltkrieg":w=2,"emanzipation":w=2,"deutsche geschichte":w=2

Olga

Bernhard Schlink
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 12.01.2018
ISBN 9783257070156
Genre: Romane

Rezension:

          Ein Buch, das in drei - recht unterschiedliche - Teile geteilt ist. Im ersten Teil lernen wir die Titelfigur Olga als Kind kennen. Zeit: Irgendwann in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts. Sie kommt aus einer armen Familie und wächst zunächst in Breslau, später dann, nach dem frühen Tod der Eltern, bei ihrer Großmutter in Pommern auf. Dort verbindet sie bald eine Freundschaft mit Herbert und Viktoria, den Kindern des wohlhabendsten Mannes des Ortes. Olga und Herbert werden beide ausführlich beschrieben, aber auf eine irgendwie distanzierte Weise. Olga ist extrem lernbegierig und wissensdurstig, Herbert liebt die Weite des Landes, er geht nie, er rennt immer. Die beiden verlieben sich ineinander, aber Herberts Eltern, die Olga in Kindheitstagen als Spielkameradin geduldet hatten, könnten sie nie als Herberts Ehefrau akzeptieren. Außerdem ist Olga sehr beschäftigt damit, ihre Ausbildung zur Lehrerin abzuschließen und Herbert gibt seinem Bewegungsdrang nach und unternimmt Reisen und Expeditionen in unterschiedliche Teile der Welt. Trotzdem verbindet die beiden eine innige Beziehung und sie verbringen so viel Zeit wie möglich miteinander.
Am Ende des ersten Teils wird klar, wer der Erzähler ist, nämlich ein Mann, in dessen Familie Olga später als Näherin gearbeitet hat. Damit beginnt der zweite Teil, in dem der Mann - damals noch ein Kind - über seine Beziehung zu Olga (für ihn zuerst noch "Fräulein Rinke")  bis zu ihrem Tod als Neunzigjährige berichtet. Er weiß viel über Olga, aber es bleiben doch Geheimnisse, die ihm keine Ruhe lassen. Dann, im dritten Teil, gelingt es ihm, alte Briefe von Olga an Herbert zu finden und nun hören wir endlich Olga selbst sprechen. Dieser Teil ist erheblich emotionaler und die Puzzleteile fügen sich für den Leser zusammen.
Natürlich kann Bernhard Schlink gut schreiben, keine Frage. Aber obwohl es sich um durchaus interessante Lebensgeschichten vor dem Hintergrund von fast 100 Jahren deutscher Geschichte handelt, kamen die Figuren mir nicht nahe. Dies ist kein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte, im Gegenteil, beim Mittelteil habe ich irgendwann eine Pause eingelegt und zwischendurch einen Krimi gelesen ... Erst im letzten Teil des Romans wurde ich emotional involviert, da hat mich das Buch gepackt, und ich konnte Anteil nehmen am Schicksal dieser Frau. Der Roman ist nicht schlecht, aber insgesamt doch etwas unbefriedigend.
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(102)

124 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 96 Rezensionen

"krimi":w=8,"berlin":w=8,"profiler":w=5,"havelland":w=5,"strichermilieu":w=3,"band 1":w=2,"serienkiller":w=2,"gedächtnisverlust":w=2,"kriminalist":w=2,"kurzzeitgedächtnis":w=2,"roxann hill":w=2,"dunkelland":w=2,"dr. carl von wuthenow":w=2,"verena hofer":w=2,"mord":w=1

Dunkel Land

Roxann Hill
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 13.11.2017
ISBN 9783959671385
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das ist doch einmal ein ungewöhnliches (und zuerst eher unfreiwilliges) Ermittlerteam: Der aus adliger Familie stammende Profiler, der aufgrund einer Schussverletzung Probleme mit seinem Kurzzeitgedächtnis hat und die junge Literaturwissenschaftlerin in Geldnöten, die gerade Adoptivmutter für die Tochter ihrer verstorbenen Schwester geworden ist, von ihrem Partner verlassen wurde, ihren Unijob verloren hat und als "Kindermädchen" für den Adelsspross eingestellt wurde. Wobei sie Kindermädchen wörtlich verstanden hatte und nicht darauf gefasst war, einen Erwachsenen zu betreuen. Und auch nicht darauf, mit ihm einen gräßlichen Mordfall aufzuklären ...
Der Prolog hätte mich warnen sollen - ich hasse die in letzter Zeit bei zahlreichen Autoren immer populärer werdende Angewohnheit, den Täter selbst sprechen zu lassen! Außerdem handelt es sich um extrem grausame Morde im Berliner Strichermilieu. Ansonsten kommt der Krimi allerdings eher cosymäßig daher, ja hat sogar eine Tendenz zur Liebesschmonzette. Verena Hofer ist hin und weg, als sie zum ersten Mal in Carl von Wuthenows violette (!) Augen schaut.
Ich hatte gemischte Gefühle bei der Lektüre, die anfängliche Begeisterung legte sich allmählich. Das Setting (Gut Wuthenow in Brandenburg) und die Ausgangslage fand ich ganz spannend, auch die übrigen Protagonisten (die Angestellten in Wuthenow, Kommissar und Staatsanwältin) ganz interessant, die Verbrechen waren mir für einen Cosy-Krimi zu grausam (perverse Serienmörder versuche ich zu meiden), die Interaktion der Protagonisten untereinander hatte etwas zu wenig Konflikte und die Verdächtigen kamen aus der Klischeekiste. Alles in allem bin ich hin und hergerissen, werde aber dem sympathischen Ermittlerduo noch eine zweite Chance geben, wenn (falls?) die Serie fortgesetzt wird.

  (3)
Tags: adliger profiler, berlin, fontan, gut wuthenow in brandenburg, literaturwissenschaftlerin, ribeck, strichermilieu   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(79)

105 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 67 Rezensionen

"krimi":w=12,"norwegen":w=11,"frankreich":w=8,"mord":w=7,"munch":w=6,"kriminalroman":w=5,"südfrankreich":w=4,"spannung":w=3,"europol":w=3,"bogart bull":w=3,"vergangenheit":w=2,"rache":w=2,"kunst":w=2,"zweiter weltkrieg":w=2,"gemälde":w=2

Kreuzschnitt

Øistein Borge , Andreas Brunstermann
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.09.2017
ISBN 9783426306048
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bogart Bull, Ermittler bei der Kripo Oslo, hat eine schwere Zeit hinter sich - seine Frau und seine Tochter sind von einem jungen Vergewaltiger aus steinreicher Familie, den Bull überführt und ins Gefängnis gebracht hatte, vorsätzlich angefahren und getötet worden. Daraufhin hatte er sich in den Alkohol geflüchtet, hatte sich dann aber von den vereinten Kräften seines Vaters und seiner Chefin zu einer Entziehungskur überreden lassen. Nun verordnet ihm seine Chefin ein neues Betätigungsfeld: er soll bei einem Projekt von Europol mitarbeiten, bei dem es darum geht, die örtliche Polizei zu unterstützen, wenn es um Mordfälle an Ausländern geht.
Mittlerweile ist in Südfrankreich der außerordentlich vermögende norwegische Geschäftsmann Axel Krogh in seiner Villa ermordet und geschändet aufgefunden worden. Außer einem unsignierten Bild von Edvard Munch scheint nichts zu fehlen, die anwesenden Freunde und Familienmitglieder haben alle ein Alibi.
In Rückblenden in das Jahr 1943, in denen es um deutsche Besatzer und Mitglieder der französischen Résistance geht, erschließt sich dem Leser allmählich, dass es einen Zusammenhang zwischen dem heutigen Verbrechen und den damaligen Geschehnissen geben muss.
Eine noch weiter zurückliegende Erzählebene erklärt die Entstehung und Geschichte des Munch-Bildes, das während eines Sommeraufenthaltes - heute würde man sagen Workshop - von Matisse, Munch und 5 anderen Malern gemalt wurde.
Kommissar Bull uns sein französischer Partner werden relativ schnell miteinander warm und arbeiten sehr gut zusammen, doch letztendlich ist es Bull, der die entscheidenden Erkenntnisse hat.
Sehr locker und gut geschriebener, und, auch wenn der Ermittler ein eher tragisches Schicksal hat, tendenziell amüsanter Krimi aus Norwegen, nicht so düster und schwerblütig wie skandinavische Krimis sonst oft sind. Gute, knappe Charakterisierungen der auftretenden Personen, die größtenteils sympathisch wirken. Sehr spannende Geschichte, deren Auflösung bis zum Ende nicht vorhersehbar ist. Falls Kommissar Bull noch weitere Fälle aufklären sollte, werde ich ihn mit Sicherheit dabei begleiten.

  (4)
Tags: bogart bull, deutsche besatzer, edvard munch, krimi, norwegen, résistance, südfrankreich, zweiter weltkrieg   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(75)

144 Bibliotheken, 3 Leser, 4 Gruppen, 61 Rezensionen

"moskau":w=15,"russland":w=7,"hotel":w=7,"gentleman":w=7,"hausarrest":w=4,"hotel metropol":w=3,"amor towles":w=3,"roman":w=2,"freundschaft":w=2,"literatur":w=2,"adel":w=2,"russische geschichte":w=2,"suite":w=2,"ein gentleman in moskau":w=2,"humor":w=1

Ein Gentleman in Moskau

Amor Towles , Susanne Höbel
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 08.09.2017
ISBN 9783471351468
Genre: Romane

Rezension:

Graf Alexander Iljitsch Rostov, der Verfasser des Gedichts "Wo ist es jetzt", wäre wohl als Angehöriger der adligen Klasse standrechtlich erschossen worden, wenn er nicht als Urheber jenes Gedichts von einigen hohen Funktionären als Held der vorrevolutionären Zeit geschätzt würde, so dass das Notstandskomitee des Volkskommissariats ihn stattdessen zu lebenslangem Hausarrest im Hotel Metropol verurteilt. Allerdings muss er seine bisher bewohnte Suite verlassen, in ein winziges Dachkämmerchen umsiedeln und muss sich aus Platzmangel von diversen Besitztümern verabschieden. Gleichwohl nimmt dieser russische Gentleman die Veränderungen seiner Situation gelassen hin und feiert sein Überleben mit einigen Hotelangestellten und seinen letzten zwei Flaschen Cognac in seinem schäbigen Kämmerchen. Immerhin hat er einen Attachékoffer mit 52 Gläsern retten können.
Erst am nächsten Morgen wird ihm vollends bewusst, wie eingeschränkt sein Lebensraum in Zukunft sein wird.
»Mein Roman erzählt von Gefangenschaft und Widerstand, von Bildung, Höflichkeit und Integrität. Und von der Bestimmung, die jeder für sich finden muss.« beschreibt der Autor Amor Towles sein Werk.
Der Graf versteht es, ohne Murren sein Schicksal anzunehmen und mit einigem Erfindungsreichtum das beste daraus zu machen. Er darf das Hotel nicht mehr verlassen, doch die Welt kommt zu ihm. Späterhin beginnt er als Kellner im eleganten Hotelrestaurant zu arbeiten und bildet mit Emile dem Chefkoch und Andrei dem Maitre d'hotel ein einflussreiches Triumvirat, die Seele des Restaurants. Die beiden so wie auch Marina die Näherin werden ihm zu guten Freunden.
Zu Beginn des Romans 1922 ist Alexander Anfang 30, am Ende 1954 ist er Mitte 60.
Die Nutzung des Hotels und die Besucher des Restaurants spiegeln den Verlauf der jüngeren russischen Geschichte. Ein alter Freund sagt einmal zu Alexander, dass er wohl der glücklichste Mensch in ganz Russland sei. Und tatsächlich hat er trotz der Einschränkungen ein erfülltes Leben geführt. Zwei kleine Mädchen haben viel Raum in seinem Leben eingenommen: erst Nina, die mutterlos mit ihrem Vater im Hotel lebt und Alexander in die Welt hinter den Kulissen des Hotels einführt. Nina wächst heran und verschwindet wieder, kommt aber eines Tages zurück und vertraut ihm ihre Tochter an, die er dann wie seine eigene Tochter aufzieht.
Towles erzählt diese Geschichte mit leiser Ironie und feinem Humor ohne durchgehenden Handlungsfaden, in vielen liebevoll geschilderten Episoden voller Atmosphäre. Der Graf ist mir ans Herz gewachsen, eine rundum sympathische Figur, dessen Jahre im Hotel Metropol ich mit großem Lesevergnügen verfolgt habe. Am Ende des Romans erwartet den Leser noch ein Paukenschlag, der ihn beglückt und zufrieden zurücklässt - und mit leichtem Bedauern darüber, dass das Buch schon zu Ende ist. Für mich einer der schönsten Romane seit langem!

  (4)
Tags: russische revolution   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(20)

23 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

"mord":w=4,"schule":w=3,"schweden":w=3,"krimi":w=2,"vergangenheit":w=2,"kriminalroman":w=2,"lehrer":w=2,"nordschweden":w=2,"wechselnde perspektiven":w=2,"spannung":w=1,"tod":w=1,"belletristik":w=1,"suche":w=1,"verbrechen":w=1,"2017":w=1

Der Fall Kallmann

Håkan Nesser , Paul Berf
Fester Einband
Erschienen bei btb, 30.10.2017
ISBN 9783442757282
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bisher habe ich noch nie etwas von Hakan Nesser gelesen, weil mir die Tristesse und Brutalität der mir bekannten skandinavischen Krimis irgendwann so gegen den Strich gingen, dass ich dieses Genre vermied.
Ein Fehler, wie sich nun herausstellt, denn dieser Roman hat mit den gängigen Schwedenthrillern nichts gemein. Eigentlich ist es gar kein typischer Kriminalroman, eher ein Sittengemälde aus einer nordschwedischen Kleinstadt mit tiefen Einblicken in den Schulalltag an einer Gesamtschule.
Ein kauziger, jedoch ziemlich beliebter Schwedischlehrer, Eugen Kallmann, ist unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Die Polizei konstatiert einen Unfall und schließt den Fall. Doch im Kollegium und bei den Schülern zweifeln viele an der Unfalltheorie.
Leon Berger, Kallmanns Nachfolger, nach dem Unfalltod seiner Frau und seiner Tochter aus Stockholm hierher geflüchtet, findet in Kallmanns altem Schreibtisch dessen Tagebücher. Er kann der Versuchung nicht widerstehen, darin zu lesen.
Die Handlung des Romans wird aus der Sicht von mehreren Leuten erzählt, hauptsächlich sind das diese vier: Leon, der Mathematiklehrer Igor, die Beratungslehrerin Ludmilla und die fünfzehnjährige Schülerin Andrea, die irgendwie ein Angelpunkt der Geschichte zu sein scheint.
Die drei Lehrerkollegen schließen sich zusammen und "ermitteln". Alle drei haben die Tagebücher gelesen und rätseln an deren Inhalt herum. Was ist Wahrheit, was Fiktion? Hat Kallmann wirklich ale Elfjähriger seine Mutter ermordet, weil sie seinen Vater betrogen hatte? Kann es tatsächlich sein, dass Kallmann niemandem mehr in die Augen schaute, weil er in den Augen erkennen konnte, ob jemand schon einmal gemordet hat? Offensichtlich hatte er einen Mörder erkannt und plante, in welcher Form auch immer, diesen zu "richten".
Durch die Berichte aus unterschiedlichen Perspektiven erschließen sich die Puzzleteile allmählich, so dass das Buch doch den Sog eines Kriminalromans entwickelt und man (also ich jedenfalls) das Buch nicht mehr weglegen kann und die ganze Nacht durchlesen muss.
Großartig geschriebener Gesellschaftsroman, der uns zeigt, dass sich sogar im liberalen Schweden rassistische, fremdenfeindliche Tendenzen ausbreiten und dass "Multikulti" auch dort nicht immer reibungslos funktioniert.
Der Roman lässt sich viel Zeit (immerhin 570 Seiten) und wir lernen auch die Hauptcharaktere ziemlich gut kennen. Wenn dann endlich alle Puzzleteile zusammenpassen ist man als Leser zufrieden, wenn auch etwas traurig.
Ein fulminantes Werk, unbedingte Leseempfehlung!

  (2)
Tags: fremdenfeindlichkeit, schulalltag, schweden   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(86)

123 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 73 Rezensionen

30er jahre, charme, chauffeur, cozy krimi, dreißiger jahre, england, geheimnis in rot, herrenhaus, historischer krimi, klassiker, krimi, landhauskrimi, mord, weihnachten, weihnachtsmann

Geheimnis in Rot

Mavis Doriel Hay , Barbara Heller
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 20.12.2017
ISBN 9783608961898
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Klett-Cotta hat mit "Geheimnis in Rot" seine feine kleine Krimi-Edition fortgesetzt mit schön gestaltetem Leinen-Cover und Lesebändchen. Den deutschen Titel finde ich nicht so gelungen, der Originaltitel "The Santa Klaus Murder" gefällt mir besser.
Dieser letzte von nur drei Krimibänden, die die Autorin Mavis Doriel Hay insgesamt geschrieben hat, wurde im Jahr 1936 veröffentlicht, stammt also aus dem goldenen Zeitalter der britischen Kriminalliteratur.
Familienoberhaupt Sir Osborne Melbury hat wie üblich seine gesamte Familie samt Anhang zur verlängerten Weihnachtsfeier eingeladen. Schnell kriegen wir mit, dass er ein despotischer Vater ist, der seine Kinder nach seiner Pfeife tanzen lässt und sich auf unerträgliche Weise in ihr Leben einmischt. Liebesheiraten werden nicht geduldet, es muss standesgemäß und - vor allem - gewinnbringend geheiratet werden. Und weil alle hoffen, in seinem Testament großzügig bedacht zu werden, hat er sie alle weiterhin am Gängelband. Deshalb herrscht unter seinen Gästen auch nicht gerade die passende Weihnachtsstimmung! Und als Sir Osborne dann erschossen in seinem Arbeitszimmer aufgefunden wird, ist daher fast jeder verdächtig.
In den ersten Kapiteln berichten unterschiedliche Gäste über den Hergang der Ereignisse, dann übernimmt vorwiegend Colonel Halstock die Berichterstattung. Halstock ist ein hochrangiger Polizist und Freund der Familie, der in der Nachbarschaft wohnt. Speziell in den ersten Kapiteln bekommen wir einen guten Überblick über die Charaktere und die Probleme der einzelnen Familienmitglieder.
Die Aufklärung geht Schritt für Schritt voran mit zahlreichen Befragungen und Suchaktionen in klassischer Manier. Das liest sich durchaus spannend und zuweilen auch witzig, aber selbst mir als erklärtem Fan von Cozy-Krimis hätte es von den beiden Zutaten Spannung und Humor gerne noch etwas mehr sein dürfen. Daher gibt es von mir nur vier von fünf Sternen für diesen Krimi, der sich natürlich hervorragend als Weihnachtsgeschenk eignet.

  (3)
Tags: klassiker, krimi, landhauskrimi, weihnachten   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(63)

72 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 58 Rezensionen

band 3, brenner, commissario grauner, fee empfiehlt, fememorde, fluch, flucht, fortstzung, grauner, italien, krimi, mord, österreich, regionalkrimi, südtirol

Nachts am Brenner

Lenz Koppelstätter
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 05.10.2017
ISBN 9783462050080
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Grauner, Commissario und Teilzeitbauer, und sein neapolitanischer Kollege Saltapepe werden auf den Brenner gerufen. Seit der Öffnung der Grenzen durch die EU ist der einst so wichtige Grenzposten zur Bedeutungslosigkeit verkommen - fast ausgestorben. Die Leiche, zu der sie gerufen wurden, ist ein über 80jähriger alter Mann, der brutal hingerichtet wurde. Beim Durchsuchen der Wohnung, stößt Grauner auf eine Visitenkarte, die eine Verbindung zur nie aufgeklärten Ermordung seiner Eltern herstellt. Er weiht Saltapepe als Einzigen ein und ermittelt unorthodox in eigener Sache in seinem persönlichsten Fall.
Es ist ein komplizierter Fall, d.h. eigentlich sind es mehrere Fälle, die sich überschneiden. Es geht um Liebesbeziehungen, Schmuggel, zwielichtige Immobiliengeschäfte und Verbrechen aus der Nazizeit, unter anderem die grausame Behandlung der Insassen einer Nervenheilanstalt. Grauner besucht die unterschiedlichsten Leute, wie z.B. die Kartenspielkumpane des alten Mannes, eine in strenger Klausur lebende Klarissin, einen Konditor, einen in Berlin lebenden Historiker (dafür schafft er es sogar, seine Flugangst zu überwinden) und den Hausmeister eines ehemaligen psychiatrischen Sanatoriums. Leider gibt es danach noch mehrere Mordopfer unter den von Grauner verhörten Zeugen, daher befindet er sich in einem Wettlauf gegen die Zeit. Saltapepe hingegen verfolgt andere Spuren, u.a. in einem hinter der Grenze in Österreich liegenden Fernfahrerpuff "Der siebente Himmel".
Im Finale werden dann die diversen Verbrechen befriedigend aufgeklärt, es bleiben keine losen Enden. Und Grauner ist am Ende endlich die Dämonen seiner Familiengeschichte los.
Der Roman ist etwas düster, aber gut geschrieben, und für etwas befreiende Komik wird durch das so gegensätzliche Gespann Grauner/Saltapepe gesorgt. Mir haben schon die ersten beiden Bände gut gefallen und den dritten Band fand ich sehr komplex und außerordentlich spannend.

  (3)
Tags: naziverbrechen, regionalkrimi, südtirol   (3)
 
77 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.