Leserpreis 2018

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Lenz

Michael Theurillat
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 26.10.2018
ISBN 9783550081989
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Prolog - eine Reflektion über Menschen, die anders als die anderen sind - wirkte gar nicht wie ein Krimi. Aber dann geht es weiter mit der Versteigerung einer Nobelpreismünze bei Christie's, der titelgebende Herr Lenz telefoniert über ein altmodisches, schwarzes Bakelittelefon mit Wählscheibe, das jedoch mit modernster Sicherheitstechnik aufgerüstet wurde mit seinem alten Freund Walter, der sehr krank ist und kaum noch aus dem Haus geht, und Lenz um einen kleinen Gefallen bittet. Lenz soll einer alten Freundin einen Umschlag übergeben. Er hat früher im Archiv der Züricher Kripo gearbeitet, daher kennt er den Kommissar Eschenbach, einen der wenigen Kollegen, mit denen ihn eine persönliche Sympathie verbindet.
Ewald Lenz, Walter Habicht und Isabel Cron kennen sich seit ihren Studententagen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, alle drei sind hochintelligent und brillant, haben aber nicht die von ihnen erwartete große Wissenschaftskarriere gemacht. Lenz und Habicht waren beide in Isabel verliebt, aber Lenz hat aus Mitleid mit dem kleinwüchsigen Habicht einen Rückzieher gemacht und hat Isabel seit nunmehr 40 Jahren nicht mehr gesehen.
Kommissar Eschenbach kehrt nach mehrmonatiger Auszeit bei seiner Tochter in Kalifornien wieder in sein Präsidium zurück. Er hat seiner Tochter einen längeren Besuch abgestattet, fühlt sich erfrischt und gestärkt, merkt aber, dass sich die Atmosphäre unter den Kollegen inzwischen verändert, bzw. verschlechtert hat, was vor allem an seiner jungen Stellvertreterin Ivy Köhler zu liegen scheint. Ein aktueller Fall soll schnell abgeschlossen werden, es scheint sich um einen natürlichen Tod gehandelt zu haben, aber Eschenbach entdeckt Unstimmigkeiten und hakt nach.
Der Roman wird abwechselnd aus Lenz‘ und Eschenbachs Perspektive erzählt, es ist kein typischer Whodunnit mit Mord, Spurensuche und Beweisen, jedoch fand ich ihn außerordentlich spannend. Bevölkert von interessanten Charakteren mit ungewöhnlichen Lebensläufen, Einsichten über die Machenschaften von Regierungsorganisationen und Geheimdiensten, von außen angezettelte Kriege, die letztlich nur dazu dienen sollen, die Versorgung Europas und der USA mit Erdöl und Erdgas zu gewährleisten. Und eine sehr ausdrucksstarke Sprache, ein gut zu lesender Schreibstil. Mit der üblichen Krimikost nicht zu vergleichen und daher vermutlich nicht jedermanns Sache, aber mir hat die Lektüre sehr gut gefallen.

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Stern des Nordens

D.B. John , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 25.09.2018
ISBN 9783805200325
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wann immer ich auf ein Buch oder einen Film mit dem Thema Nordkorea stoße, bin ich sofort fasziniert. Entsprechend reizte mich ein Thriller vor der Kulisse dieses geheimnisvollen und undurchsichtigen Landes.
Das Buch beginnt mit dem Protokoll eines Ereignisses aus dem Jahre 1998, bei dem ein koreanischer Student und eine halbkoreanische Studentin mit amerikanischem Pass an einem Strand Südkoreas verschwinden. Dann geht es weiter im Jahr 2010 in Washington DC, wo die 30jährige Dozentin Jenna Williams von einem Freund ihres verstorbenen Vaters kontaktiert wird, der sie als Agentin für die CIA anwerben will. Jenna ist die Schwester der 1998 verschwundenen Studentin und ihr Vater ist Afroamerikaner, ihre Mutter Koreanerin. Ihr Schicksal ist verwoben mit dem des Parteifunktionärs Cho und dem der Bäuerin Moon.
Die drei Handlungsstränge um diese Protagonisten wechseln sich ab und das liest sich sehr spannend und informativ. Vor allem eins wird deutlich: das nordkoreanische Volk wird mit Angst beherrscht, und das trifft für jeden zu, sei es eine arme Bäuerin, die ums tägliche Überleben kämpfen muss, sei es ein priviligierter Kader, der auch jederzeit in Ungnade fallen kann. Auf der einen Seite große Not und Armut, auf der anderen Seite extremer Luxus für die regierende Dynastie und ihre Höflinge. Grausame Arbeitslager, unter Folter erzwungene Geständnisse, Eliteinstitute für halbkoreanische Kinder, die später als Spione ausgesandt werden sollen, Gehirnwäsche für alle - ein Schreckensregime, aus dem es so gut wie kein Entkommen gibt. Bei all dem ist das Buch jedoch vor allem ein spannender Thriller, den man kaum aus der Hand legen kann. Von mir unbedingte Leseempfehlung!

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Tags: entführung, nordkorea, thriller politthriller   (3)
 

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Das Geheimnis der Grays

Anne Meredith , Barbara Heller
Fester Einband: 297 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 22.09.2018
ISBN 9783608962994
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Allmählich kann man es schon als Tradition betrachten, dass Klett-Cotta zur Weihnachtszeit einen britischen Krimiklassiker als bibliophiles Leinenbändchen herausbringt. Dieser scheint sich von den gängigen Cosy-Krimis zu unterscheiden, denn ziemlich bald weiß man, wer der Mörder ist - also definitiv kein klassischer Whodunnit. Zu Beginn kommt die Vorstellung einiger Familienmitglieder sehr analytisch und etwas dröge daher, dann erfährt man, wer der Mörder ist, und ich wurde etwas ungeduldig und dachte, was kann jetzt schon noch kommen! Zum Glück habe ich weitergelesen und wurde dafür belohnt. Denn was folgt, ist eine Charakter-, Gesellschafts- und Zeitgeiststudie mit viel Tiefgang, eine Familiengeschichte, die auf ihre Weise sehr spannend ist.
Die zahlreichen Sprösslinge von Adrian Gray sind mehr oder weniger alle in Geldnot und wollen ihn während der Feiertage um finanzielle Unterstützung bitten. Doch auch Adrian selbst hat sich vom Schwiegersohn zu spekulativem Anlagegeschäften überreden lassen und hat viel Geld verloren. Die Grays sind sich auch untereinander nicht sonderlich gün und die Krise scheint vorprogrammiert. Und dann passiert es - Adrian Gray wird getötet. Das war nicht geplant, es passierte im Affekt und der Mörder selbst ist zutiefst erschrocken. Schafft er es, seine Spuren zu verwischen, den Verdacht auf jemand anderen zu lenken und zu entkommen? Damit befasst sich der größte Teil des Romans und die Frage, wie am Ende alles ausgehen wird erzeugt beim Leser durchaus Spannung.
Wenn man sich darauf einlässt und die (auch durch Aufmachung, Klappentext und Werbung) geweckten Erwartungen an einen klassischen britischen Landhaus-Krimi über Bord wirft, dann wird man sehr gut und tiefsinnig unterhalten. Und bekommt einigen Stoff zum Nachdenken, z.B. über moralisches Verhalten. Empfehlung für anspruchsvolle Leser, wer sich nicht vom Whodunnit-Schema lösen will oder kann, sollte lieber die Finger davon lassen.

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81 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

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Slow Horses

Mick Herron , Stefanie Schäfer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070187
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der erste Roman über Jackson Lamb und seine Mannschaft lässt sich etwas schleppend an, da zuerst einmal alle Mitwirkenden recht ausführlich eingeführt werden, nimmt dann aber ca. nach einem Drittel mächtig Fahrt auf: Die schmutzigen Machenschaften beim britischen Geheimdienst MI5 sind atemberaubend und spannend. Die meisten MI5-Mitarbeiter handeln nach den sogenannten "Londoner Regeln", die besagen, dass man im Ernstfall alle hehren Prinzipien sausen lässt und sicherstellt, die eigene Haut zu retten und die eigene Karriere voranzutreiben.
Die Truppe um Jackson Lamb in Slough House sind die Parias, die Gescheiterten, die irgendwann einmal einen Fehler gemacht haben (oder auch nicht) und als Sündenböcke geopfert wurden. Sie werden nicht entlassen, aber in der leitenden Etage hofft man, dass sie von der langweiligen Bürotätigkeit, die man sie machen lässt, so genervt sind, dass sie irgendwann von selber kündigen.
Aber irgendwie geraten sie in einen spektakulären Fall, bei dem ein junger, gut integrierter pakistanischer Mann von ein paar Neo-Nazis entführt wurde und diese damit drohen, ihn vor laufender Kamera zu köpfen.
Die Slow Horses (lahmen Gäule) der Slough House-Truppe sind größtenteils so verbittert über ihre Degradierung und so frustriert von ihrem Los, dass sie alle mehr oder weniger dahin vegetieren und untereinander kaum kommunizieren. Aber als sie bei diesem Fall nun plötzlich doch mal wieder als Field Agents draußen unterwegs sind, geht mit allen eine wundersame Veränderung vor sich: sie leben wieder auf, erinnern sich ihrer Fähigkeiten, stellen fest, dass sie sich aufeinander verlassen können und wachsen unter der Bedrohung von außen zu einem richtigen Team zusammen. Denn natürlich will man ihnen wieder die Schuld an dem ganzen Schlamassel, zu dem sich dieser Fall auswächst, in die Schuhe schieben.
Nachdem ich anfangs ein wenig schwer in die Lektüre hineinkam, konnte ich das Buch nachher gar nicht mehr aus der Hand legen. Sehr spannend, sehr originell und mit einer gehörigen Portion Humor. Und ziemlich anders als die üblichen Geheimdienstthriller, die man sonst so kennt. Die leicht skurrilen Protagonisten, die anfangs eher unsympathisch wirkten, sind mir gegen Ende richtig ans Herz gewachsen. Ich freue mich schon auf die nächsten Bände (auf Englisch gibt es insgesamt schon 5), die möglicherweise noch besser sind, da der Autor sich die Einführungsphase sparen kann.
Wie ich den anderen Rezensionen entnehme, offensichtlich nicht jedermanns Sache, aber von mir gibt es die volle Punktzahl!

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Tags: england, geheimdienst, immigranten, london, mi5, terror   (6)
 

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85 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 69 Rezensionen

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Die Tote im Wannsee

Lutz Wilhelm Kellerhoff
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 10.08.2018
ISBN 9783550050640
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Trifft das Zeitkolorit total! Mir als am Rande an diesen Aktivitäten Beteiligte, Studienanfängerin von 1967 und gleich zu Beginn im Sommersemester durch den Mord an Benno Ohnesorg aufgerüttelt, hat dieser zeitgeschichtliche Berlin-Krimi sehr gut gefallen und viele Erinnerungen geweckt. Viele reale Personen spielen eine Rolle, es fallen bekannte Namen wie Rudi Dutschke, Horst Mahler, Otto Schily, Karl-Heinz Kurras usw.
Kommissar Wolf Heller, tätig bei der Mord-Inspektion in der Keithstraße, soll den Mord an Heidi Gent aufklären, die im Wannsee gefunden wurde. Schnell zeigt sich, dass ihm dabei von seinen Vorgesetzten immer wieder Steine in den Weg gelegt werden und allmählich wird dem Leser klar, dass Heller in ein Wespennest bestehend aus alten Nazi-Seilschaften und Stasi-Spitzeln gestochen hat.
Sehr spannend und atmosphärisch geschildert hat mich die Handlung von Anfang bis Ende gefesselt und in Erinnerung gerufen, wie viel sich in diesen fünfzig Jahren verändert hat, meistens zum Positiven. Tolle Kombination von Krimi und Zeitgeschichte, sehr empfehlenswert!

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Tags: 1968, berlin, schlacht am tegeler weg, stasispitzel, wielandkommune   (5)
 

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88 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 68 Rezensionen

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Das Jahrhundertversprechen

Richard Dübell
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.06.2018
ISBN 9783548289663
Genre: Historische Romane

Rezension:

Richard Dübell schafft es immer wieder, dem Leser eine Ära nahezubringen, indem er gut recherchierte, atmosphärisch geschilderte Informationen mit einer packenden Familiengeschichte verbindet. Geprägt sind die 3 Bände seiner Jahrhundertsturm-Trilogie von der jeweils gerade neuen technischen Entwicklung: Die Eisenbahn, das Flugzeug, und nun im dritten Band das Auto.
Weimarer Republik, Nachkriegszeit – Deutschland und die Familie von Briest machen schwere Zeiten durch: Inflation, Arbeitslosigkeit und Hunger.
Die Dienste der Berliner Detektei der von Briests sind in diesen Zeiten nicht gefragt, sie haben keine Einnahmen und können folglich ihre Kreditraten nicht zurückzahlen, es sieht so aus, als ob kein Weg am Verkauf - wenn nicht gar der Zwangsversteigerung - des Gutes vorbeiführt.
Ziehsohn Max immerhin hat eine Arbeit als Mechaniker bei einer Autofirma, die Rennwagen herstellt, er ist der Beifahrer eines Rennfahrers und möchte selbe einer werden. Tochter Luisa wird bei einer Premierenfeier von Fritz Lang „entdeckt“ und entwickelt Ambitionen, Schauspielerin zu werden.
Eine alte Familienfehde mit den von Cramms lebt wieder auf und lässt sich nicht friedlich beilegen. Sigurd von Cramm, ein rücksichtsloser Rennfahrer, und seine Mutter Magda sind die Bösewichte dieser Geschichte, die man von Herzen hassen kann. Hier liegt mein einziger Kritikpunkt: die beiden wirken etwas überzeichnet, aber wirklich gestört hat mich das nicht.
Wir bekommen kleine Einblicke in die Welt der AVUS-Rennen und der sich gerade entwickelnden Filmindustrie. Politisch machen sich schon die ersten Anzeichen der späteren Nazi-Zeit bemerkbar, Hitler formiert seine NSDAP, SA und SS beginnen ihr Unwesen zu treiben und der Antisemitismus treibt erste Blüten.
Mir gefällt es, wie Dübell seine Protagonisten mit realen Persönlichkeiten wie z.B. Walther Rathenau oder Regisseur Fritz Lang zusammentreffen lässt. Man taucht wirklich in die damalige Zeit ein. Der gebürtige Bayer schafft es auch, schriftlich den Berliner Dialekt zu treffen (bis auf winzige Kleinigkeiten, die mir als Berlinerin natürlich auffallen), ohne dass es bemüht und peinlich wirkt.
Die über 600 Seiten lesen sich äußerst spannend und unterhaltsam und bringen die Trilogie zu einem befriedigenden Abschluss, der keinen Wunsch offenlässt … außer dem nach einem vierten Band. Unbedingte Leseempfehlung!

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Tags: antisemitismus, aufstieg der nsdap, autorennen, babelsberg, familiengeschichte, filmindustrie, fritz lang, historischer roman, weimarer republik   (9)
 

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63 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

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Fake

James Rayburn , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Tropen, 31.05.2018
ISBN 9783608503494
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Super spannender Polit-Thriller, der vermutlich näher an der Realität ist, als einem lieb sein kann. Habe ihn in einem Zug durchlesen müssen, musste mich aber dann erst einmal von der Lektüre erholen, denn das ist verdammt harter Tobak.
Pete Town, ehemaliger CIA-Agent im Ruhestand, wird wieder aktiviert, um an einer Vertuschungsaktion teilzunehmen: bei einem (vom US-Präsidenten nicht abgesegneten) Drohnenangriff der USA ist nicht nur - wie beabsichtigt - ein hochrangiger syrischer IS-Stratege getötet worden, sondern auch die amerikanische Geisel Catherine Finch, eine Ärztin, die für eine Hilfsorganisation in Syrien gearbeitet hatte und sich schon lange in Haft befand. Der IS benutzte sie als Propagandawaffe und postete Videos mit ihr, in denen sie sich zwar nicht auf die Seite des IS schlug, aber heftige Kritik an der amerikanischen Politik übte. Das Bekanntwerden ihres Todes als Kollateralschaden eines amerikanischen Angriffs wäre ein Mediendesaster, vor allem für die Friedespolitik des bald aus dem Amt scheidenden Präsidenten, der noch etwas für seinen Nachruhm tun will ...
Pete Town, der optisch eher an einen Universitätsdozenten erinnert, kann der Versuchung nicht widerstehen, noch einmal den Nervenkitzel der Agententätigkeit zu verspüren, sagt zu, den Tod der Ärztin zu vertuschen, und damit nimmt das Schicksal seinen fatalen Lauf. Viele Personen und viele unterschiedliche Interessen sind ineinander verstrickt und dem Leser offenbaren sich einmal mehr die menschenverachtenden Machenschaften vor allem der Geheimdienste, aber auch der Wirtschaft, hier vor allem der Waffenindustrie.
Rayburn bringt viele interessante Protagonisten ins Spiel, die Schauplätze wechseln häufig und der Schreibstil liest sich sehr gut und unterhaltsam. Alles wirkt überaus realistisch und gut recherchiert. Die kurzen Kapitel befeuern den Lesefluss, man (ich jedenfalls) liest immer weiter, will unbedingt wissen, wie es ausgeht.
Der Schluss allerdings ist etwas antiklimaktisch, wenn auch durchaus folgerichtig: es gab viele Tote und am Ende ist eigentlich keiner der Mitwirkenden mehr wirklich sympathisch. Ich war von der gnadenlosen Gewaltbereitschaft ziemlich abgestoßen. Und man fragt sich, wozu das Ganze denn notwendig, bzw. nütze war. Genauso, wie es in der politische Realität vermutlich tatsächlich häufig zugeht. Harte Realität, aber Spannung pur!

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Tags: cia-machenschaften, geheimdienste, geiselnahme, is-kämpfer, polit-thriller, syrien, waffenindustrie   (7)
 

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207 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 129 Rezensionen

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Kluftinger

Volker Klüpfel , Michael Kobr
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 27.04.2018
ISBN 9783550081798
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nachdem die Autoren bei den letzten Bänden etwas nachgelassen hatten, hat der Jubiläumsband - der auch etwas mehr Zeit für seine Entstehung zur Verfügung hatte - wieder das bekannte, hohe Niveau der Anfangszeit erreicht. Der Aufbau ist dieses Mal auch ganz anders, der Roman springt zwischen mehreren Zeitebenen hin und her, und wir erfahren viel aus Kluftingers Jugend, wobei auch endlich das Geheimnis seines Vornamens, bzw. seiner 2 Vornamen gelüftet wird. Ferner kriegen wir auch mit, dass er früher mal ein junger Rebell war, der seinen Vater ziemlich kritisch sah, dass aber im Laufe der Jahre die Prägung durch seinen altern Herrn deutlich Wirkung bei ihm gezeitigt hat.
Es geht um Kluftinger ganz persönlich, denn jemand hat zu Allerseelen ein Holzkreuz mit seinem Namen auf dem Friedhof aufgestellt, was man wohl oder übel als Morddrohung verstehen muss. Der Text auf dem Kreuz legt nahe, dass es einen Zusammenhang zu Kluftis Clique aus der Schulzeit gibt. Es gibt mehrere mögliche Täter und die Suche nach der Lösung ist äußerst spannend, auch wenn es zu großen Teilen um Kluftis Privatleben geht - er ist gerade Großvater geworden! Das stört einen als Fan der Reihe aber nicht, denn gerade diese Teile sind auch die amüsantesten. Wenn mich etwas ein wenig gestört hat, dann, dass das Buch mit einem Cliffhanger endet: ein Fall ist zwar gelöst, aber es bleiben noch reichlich offene Enden und außerdem beschließt Kluftinger am Schluss, einen dreißig Jahre alten Fall noch einmal aufzurollen - das dürfte dann der Inhalt des nächsten Bandes sein!
Ein witziges Schmankerl am Rande: Wie auch Jörg Maurer seinen Kommissar Jennerwein in seinem Jubiläumsband kurz auf Kluftinger treffen lässt, so hat auch Jennerwein in diesem Buch einen Auftritt.
Alles in allem habe ich das Buch mit großem Vergnügen gelesen, es bietet sowohl Spannung als auch Humor und ich kann es ohne Einschränkung empfehlen!

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Tags: allgäu, kluftinger, regionalkrimi   (3)
 

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

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Das korsische Begräbnis

Vitu Falconi
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.03.2018
ISBN 9783426521700
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der französische Krimiautor Eric Marchand steckt in einer Schaffenskrise: Er möchte den Ermittler seiner sozialkritischen Krimis sterben lassen – aber da hat er die Rechnung ohne seinen Verlag und ohne seinen Lektor gemacht! Das heißt, er muss alles umschreiben und das geht ihm total gegen den Strich.

Sein Lektor schlägt ihm eine Reise zwecks kreativer Inspiration vor, und Eric, dessen Großmutter Korsin war, beschließt, auf den Spuren seiner familiären Vergangenheit nach Korsika zu fliegen.

Er kommt bei einer sehr interessanten alten Dame im Heimatort seiner Familie unter. Sie kennt alles und jeden im Dorf. Als Eric sich beim Wandern den Knöchel verstaucht, bringt sie ihn zu einer jungen Frau namens Laurine, die sich als Heilerin bezeichnet. Und in die er sich prompt verliebt! Als neugieriger Mensch, der er ist, steckt er seine Nase in Angelegenheiten, die ihn nichts angehen und gerät mit der korsischen Mafia aneinander. Allmählich entdeckt er, was es mit der Geschichte seiner Familie auf sich hat, und warum seine Mutter so großen Wert darauf gelegt hat, niemals nach Korsika zurückzukehren. Denn in Korsika gilt noch immer das Gesetz der Blutrache, die Schuld seiner Ahnen wird einem Menschen auferlegt, auch wenn er gar nichts damit zu tun hatte.

Der Roman ist als Start einer neuen Serie angelegt, daher verrät man nicht zu viel, wenn man berichtet, dass Eric seine Abenteuer relativ unbeschadet überlebt. Sehr spannend und atmosphärisch schildert der Autor Erics Familiengeschichte, einen in jüngster Zeit als Jagdunfall kaschierten Mord und die Strukturen der korsischen Mafia. Und nicht zuletzt beschreibt er auch die wilde, archaische Landschaft dieser wunderschönen Insel und die Mentalität ihrer Bewohner. Ich habe Lust bekommen, dorthin zu fahren, und freue mich schon auf den nächsten Band von Eric Marchands korsischen Erlebnissen.

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 49 Rezensionen

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Riskante Manöver

Birand Bingül
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2018
ISBN 9783442716388
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mats Holm, von Beruf Krisenmanager, genannt der "Master of Desaster", wird von einer Pharma-Firma zu Hilfe gerufen, weil eins ihrer Produkte, das speziell für Kinder konzipierte Schmerzmittel Valdolor in Misskredit geraten ist, bzw. bekannt geworden ist, dass in den letzten Tagen gehäuft negative, lebensbedrohliche Nebenwirkungen aufgetreten sind. Als Beleg dafür lernen wir die kleine Sophie kennen, deren Eltern Validolor vom Kinderarzt als völlig unbedenklich verordnet worden war, und der dann auch auf der Intensivstation leider nicht mehr geholfen werden konnte.
Auch wenn Holm der Industrie hilft, so ist er wohl doch einer von den "Guten". Er ist ziemlich elitär, aber trotzdem ein sympathischer Protagonist. Zusammen mit seiner Partnerin Laura May - eine Ex-Polizistin und außerdem die Schwester von Holms verstorbener Frau - leitet er Unternehmen aus der Krise und verlangt als einzige Bedingung die absolute Wahrhaftigkeit seiner Geschäftspartner. Leider gehört diese bei den Wirtschaftsbossen nicht unbedingt zum Repertoire ...
Eine Mitarbeiterin, die man der Industriespionage verdächtigt, ist spurlos verschwunden, ein weiterer Mitarbeiter wird tot aufgefunden. Nun ist also auch die Polizei in eine Mordermittlung im Dunstkreis von Wenner-Pharma involviert. Auch Holms und May ermitteln und versuchen herauszubekommen, ob es sich um das Werk eines Einzeltäters handelt, der sein Schäfchen ins Trockene bringen will, oder ob die ganze Führungsriege unter einer Decke steckt. Hat es Schlampereien bei den Studien zu Valdolor gegeben, und wenn ja, wer wusste alles davon?
Ferner spielt auch eine namhafte Pharma-Kritikerin - Doktor Nina Rosenthal - eine tragende Rolle und am Rande hat Holms auch noch mit den Dämonen seiner Vergangenheit zu kämpfen.
Auch wenn mir dieses Führungsetagen-Milieu reichlich fremd ist, so fand ich diesen mal so ganz anderen Krimi aus dem Bereich der Wirtschaftskriminalität sehr interessant und fesselnd. Gegen Ende steigt die Spannung, der Autor hat auch einen "Red Herring" platziert, auf den ich voll reingefallen bin, d. h. ich hatte den falschen Täter im Visier!
Der lockere Schreibstil hat mir gut gefallen, auch Ironie und Humor kommen nicht zu kurz: Holms Gesprächspartner bei Wenner überbieten sich gegenseitig im Gebrauch von modischen Anglizismen.
Alles in allem ein unterhaltsamer und spannender Krimi - hoffentlich wird es weitere Fälle für Mats Holm geben!

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85 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 57 Rezensionen

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Der Mann, der nicht mitspielt

Christof Weigold
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462051032
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein dicker Schinken, aber keine Sekunde langweilig!
Hardy Engel, ein deutscher Einwanderer aus Mannheim, versucht im Jahr 1921 in Hollywood sein Glück als Schauspieler. Aber außer kleineren Statistenrollen hat er noch nichts an Land ziehen können. Der Ex-Polizist und Kriegsveteran braucht dringend eine Einnahmequelle und bietet daher seine Dienste als Privatdetektiv an.
Ein hübscher Rotschopf namens Pepper heuert ihn an, um ihre verschwundene Mitbewohnerin Virginia zu suchen. Und schon steckt Hardy ganz tief drin im Hollywood-Sumpf - nichts ist wie es scheint, es wird gelogen, vertuscht, gehurt, gesoffen (trotz oder gerade wegen der Prohibition), gekokst, vergewaltigt und gemordet ... Harvey Weinsteins Vorläufer waren auch nicht besser!
In der damaligen, noch relativ jungen, Filmindustrie wimmelt es von Einwanderern, viele Deutsche, aber noch mehr Osteuropäer dominieren die Szene.
Der sympathische Protagonist Hardy findet die junge Frau, die er suchen soll, kurz darauf ist sie jedoch tot. Außerdem gibt es im Umfeld des Falles drei weitere Tote. Hardy verbeißt sich in den Fall, bekommt Ärger mit den Vertretern einiger Filmstudios, lässt sich von einem tollen Job als Sicherheitschef bei Universal ködern, um schlussendlich festzustellen, dass Korruption ihm einfach nicht liegt und sein Bedürfnis, die Wahrheit aufzudecken, größer ist als sein Wunsch nach einem komfortablen Leben.
Spannend geschrieben und gut recherchiert, zeichnet der Autor ein authenthisch wirkendes Bild der damaligen Zeit. Als bekennende Cineastin hatte ich viele Aha-Erlebnisse und habe mich bestens unterhalten gefühlt, denn dieser Krimi ist ganz großes Kino. Ich habe ihn ziemlich schnell verschlungen und freue mich auf den zweiten Band!

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(81)

152 Bibliotheken, 3 Leser, 4 Gruppen, 63 Rezensionen

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Ein Gentleman in Moskau

Amor Towles , Susanne Höbel
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 08.09.2017
ISBN 9783471351468
Genre: Romane

Rezension:

Graf Alexander Iljitsch Rostov, der Verfasser des Gedichts "Wo ist es jetzt", wäre wohl als Angehöriger der adligen Klasse standrechtlich erschossen worden, wenn er nicht als Urheber jenes Gedichts von einigen hohen Funktionären als Held der vorrevolutionären Zeit geschätzt würde, so dass das Notstandskomitee des Volkskommissariats ihn stattdessen zu lebenslangem Hausarrest im Hotel Metropol verurteilt. Allerdings muss er seine bisher bewohnte Suite verlassen, in ein winziges Dachkämmerchen umsiedeln und muss sich aus Platzmangel von diversen Besitztümern verabschieden. Gleichwohl nimmt dieser russische Gentleman die Veränderungen seiner Situation gelassen hin und feiert sein Überleben mit einigen Hotelangestellten und seinen letzten zwei Flaschen Cognac in seinem schäbigen Kämmerchen. Immerhin hat er einen Attachékoffer mit 52 Gläsern retten können.
Erst am nächsten Morgen wird ihm vollends bewusst, wie eingeschränkt sein Lebensraum in Zukunft sein wird.
»Mein Roman erzählt von Gefangenschaft und Widerstand, von Bildung, Höflichkeit und Integrität. Und von der Bestimmung, die jeder für sich finden muss.« beschreibt der Autor Amor Towles sein Werk.
Der Graf versteht es, ohne Murren sein Schicksal anzunehmen und mit einigem Erfindungsreichtum das beste daraus zu machen. Er darf das Hotel nicht mehr verlassen, doch die Welt kommt zu ihm. Späterhin beginnt er als Kellner im eleganten Hotelrestaurant zu arbeiten und bildet mit Emile dem Chefkoch und Andrei dem Maitre d'hotel ein einflussreiches Triumvirat, die Seele des Restaurants. Die beiden so wie auch Marina die Näherin werden ihm zu guten Freunden.
Zu Beginn des Romans 1922 ist Alexander Anfang 30, am Ende 1954 ist er Mitte 60.
Die Nutzung des Hotels und die Besucher des Restaurants spiegeln den Verlauf der jüngeren russischen Geschichte. Ein alter Freund sagt einmal zu Alexander, dass er wohl der glücklichste Mensch in ganz Russland sei. Und tatsächlich hat er trotz der Einschränkungen ein erfülltes Leben geführt. Zwei kleine Mädchen haben viel Raum in seinem Leben eingenommen: erst Nina, die mutterlos mit ihrem Vater im Hotel lebt und Alexander in die Welt hinter den Kulissen des Hotels einführt. Nina wächst heran und verschwindet wieder, kommt aber eines Tages zurück und vertraut ihm ihre Tochter an, die er dann wie seine eigene Tochter aufzieht.
Towles erzählt diese Geschichte mit leiser Ironie und feinem Humor ohne durchgehenden Handlungsfaden, in vielen liebevoll geschilderten Episoden voller Atmosphäre. Der Graf ist mir ans Herz gewachsen, eine rundum sympathische Figur, dessen Jahre im Hotel Metropol ich mit großem Lesevergnügen verfolgt habe. Am Ende des Romans erwartet den Leser noch ein Paukenschlag, der ihn beglückt und zufrieden zurücklässt - und mit leichtem Bedauern darüber, dass das Buch schon zu Ende ist. Für mich einer der schönsten Romane seit langem!

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Tags: russische revolution   (1)
 

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(21)

25 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

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Der Fall Kallmann

Håkan Nesser , Paul Berf
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei btb, 30.10.2017
ISBN 9783442757282
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bisher habe ich noch nie etwas von Hakan Nesser gelesen, weil mir die Tristesse und Brutalität der mir bekannten skandinavischen Krimis irgendwann so gegen den Strich gingen, dass ich dieses Genre vermied.
Ein Fehler, wie sich nun herausstellt, denn dieser Roman hat mit den gängigen Schwedenthrillern nichts gemein. Eigentlich ist es gar kein typischer Kriminalroman, eher ein Sittengemälde aus einer nordschwedischen Kleinstadt mit tiefen Einblicken in den Schulalltag an einer Gesamtschule.
Ein kauziger, jedoch ziemlich beliebter Schwedischlehrer, Eugen Kallmann, ist unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Die Polizei konstatiert einen Unfall und schließt den Fall. Doch im Kollegium und bei den Schülern zweifeln viele an der Unfalltheorie.
Leon Berger, Kallmanns Nachfolger, nach dem Unfalltod seiner Frau und seiner Tochter aus Stockholm hierher geflüchtet, findet in Kallmanns altem Schreibtisch dessen Tagebücher. Er kann der Versuchung nicht widerstehen, darin zu lesen.
Die Handlung des Romans wird aus der Sicht von mehreren Leuten erzählt, hauptsächlich sind das diese vier: Leon, der Mathematiklehrer Igor, die Beratungslehrerin Ludmilla und die fünfzehnjährige Schülerin Andrea, die irgendwie ein Angelpunkt der Geschichte zu sein scheint.
Die drei Lehrerkollegen schließen sich zusammen und "ermitteln". Alle drei haben die Tagebücher gelesen und rätseln an deren Inhalt herum. Was ist Wahrheit, was Fiktion? Hat Kallmann wirklich ale Elfjähriger seine Mutter ermordet, weil sie seinen Vater betrogen hatte? Kann es tatsächlich sein, dass Kallmann niemandem mehr in die Augen schaute, weil er in den Augen erkennen konnte, ob jemand schon einmal gemordet hat? Offensichtlich hatte er einen Mörder erkannt und plante, in welcher Form auch immer, diesen zu "richten".
Durch die Berichte aus unterschiedlichen Perspektiven erschließen sich die Puzzleteile allmählich, so dass das Buch doch den Sog eines Kriminalromans entwickelt und man (also ich jedenfalls) das Buch nicht mehr weglegen kann und die ganze Nacht durchlesen muss.
Großartig geschriebener Gesellschaftsroman, der uns zeigt, dass sich sogar im liberalen Schweden rassistische, fremdenfeindliche Tendenzen ausbreiten und dass "Multikulti" auch dort nicht immer reibungslos funktioniert.
Der Roman lässt sich viel Zeit (immerhin 570 Seiten) und wir lernen auch die Hauptcharaktere ziemlich gut kennen. Wenn dann endlich alle Puzzleteile zusammenpassen ist man als Leser zufrieden, wenn auch etwas traurig.
Ein fulminantes Werk, unbedingte Leseempfehlung!

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Tags: fremdenfeindlichkeit, schulalltag, schweden   (3)
 

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(64)

74 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 58 Rezensionen

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Nachts am Brenner

Lenz Koppelstätter
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 05.10.2017
ISBN 9783462050080
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Grauner, Commissario und Teilzeitbauer, und sein neapolitanischer Kollege Saltapepe werden auf den Brenner gerufen. Seit der Öffnung der Grenzen durch die EU ist der einst so wichtige Grenzposten zur Bedeutungslosigkeit verkommen - fast ausgestorben. Die Leiche, zu der sie gerufen wurden, ist ein über 80jähriger alter Mann, der brutal hingerichtet wurde. Beim Durchsuchen der Wohnung, stößt Grauner auf eine Visitenkarte, die eine Verbindung zur nie aufgeklärten Ermordung seiner Eltern herstellt. Er weiht Saltapepe als Einzigen ein und ermittelt unorthodox in eigener Sache in seinem persönlichsten Fall.
Es ist ein komplizierter Fall, d.h. eigentlich sind es mehrere Fälle, die sich überschneiden. Es geht um Liebesbeziehungen, Schmuggel, zwielichtige Immobiliengeschäfte und Verbrechen aus der Nazizeit, unter anderem die grausame Behandlung der Insassen einer Nervenheilanstalt. Grauner besucht die unterschiedlichsten Leute, wie z.B. die Kartenspielkumpane des alten Mannes, eine in strenger Klausur lebende Klarissin, einen Konditor, einen in Berlin lebenden Historiker (dafür schafft er es sogar, seine Flugangst zu überwinden) und den Hausmeister eines ehemaligen psychiatrischen Sanatoriums. Leider gibt es danach noch mehrere Mordopfer unter den von Grauner verhörten Zeugen, daher befindet er sich in einem Wettlauf gegen die Zeit. Saltapepe hingegen verfolgt andere Spuren, u.a. in einem hinter der Grenze in Österreich liegenden Fernfahrerpuff "Der siebente Himmel".
Im Finale werden dann die diversen Verbrechen befriedigend aufgeklärt, es bleiben keine losen Enden. Und Grauner ist am Ende endlich die Dämonen seiner Familiengeschichte los.
Der Roman ist etwas düster, aber gut geschrieben, und für etwas befreiende Komik wird durch das so gegensätzliche Gespann Grauner/Saltapepe gesorgt. Mir haben schon die ersten beiden Bände gut gefallen und den dritten Band fand ich sehr komplex und außerordentlich spannend.

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Tags: naziverbrechen, regionalkrimi, südtirol   (3)
 

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(59)

70 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

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Der Vater, der vom Himmel fiel

J. Paul Henderson , Jenny Merling
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257069877
Genre: Romane

Rezension:

Lyle Bowman war schon ein ziemlich alter Mann, doch er starb keines natürlichen Todes, sondern aufgrund einer kleinen, aber tragischen Verwechslung. Bei seiner Beerdigungsfeier ist die Teilnehmerzahl sehr überschaubar - nur 10 Personen. Die Feier beginnt mit Verspätung, weil Lyles Sohn Billy hofft, dass auch sein Bruder Greg teilnehmen wird. Der Pfarrer hält eine prosaische, kurze Predigt, dann gibt es eine - eher unpassende - Gesangseinlage von Billys Tochter Katy. Am Ende dieser Darbietung betritt plötzlich ein blonder Surfer mit Flip-Flops und Bermudashorts die Kirche: Greg, den sein Bruder Billy seit sieben Jahren nicht mehr gesehen hat, ist doch noch aus den USA angekommen!
Aus dem Blickwinkel von Greg erfahren wir allmählich mehr über diese merkwürdige Familie mit all ihren Macken. Als Katalysator lässt Henderson den toten Vater, der seine Familienangelegenheiten noch regeln möchte, noch einmal für 20 Tage als nur für Greg sichtbaren Geist zurückkehren. Die beiden reden miteinander, wie sie es zu Lyles Lebzeiten nie getan haben, und er bittet seinen Sohn, sich um Onkel Frank und seinen Bruder Billy zu kümmern, bzw. beide irgendwie wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Es geht um Selbsterkenntnis und Familienzusammenhalt, und auch um Erwachsenwerden.
Das alles wird mit feiner Ironie geschildert, hier gibt es keinen schenkelklopfenden Brachialhumor, sondern subtilen, britischen Humor vom Feinsten. Dem Autor gelingt eine ausgewogene Balance zwischen Ernst, Melancholie und Trauer auf der einen und einer humorvollen, leichten Tonart auf der anderen Seite. Dies ist ein Buch über Männer und ihre Beziehungen untereinander, die Frauen haben nur Nebenrollen z. B. als verehrte, tote oder als nervende, dominante Ehefrauen. Und diese Männer sind nicht unbedingt sympathisch, wachsen einem aber im Laufe der Lektüre mit ihren Schwächen, Ängsten und skurrilen Eigenarten doch ans Herz. Ein liebenswerter Roman, der einen rührt und zum Schmunzeln bringt.

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Tags: britischer humor, england, familie, männer, tod   (5)
 

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(82)

130 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 70 Rezensionen

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Der Frauenchor von Chilbury

Jennifer Ryan , Andrea O´Brien
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2017
ISBN 9783462048841
Genre: Romane

Rezension:

Da die Männer alle im Krieg sind, wird der Kirchenchor von Chilbury mangels männlicher Stimmen kurzerhand aufgelöst. Aber das lassen sich die Frauen nicht bieten und schaffen es gegen alle Widerstände, einen Frauenchor ins Leben zu rufen.
Die Geschichte wird in Form eines Briefromans erzählt, bzw. finden wir nicht nur Briefe, sondern auch Tagebucheinträge der unterschiedlichsten Frauen und Mädchen, wodurch wir eine Menge erfahren über das Dorfleben und die Leichen, die so manch ein Bewohner im Keller hat. Eine verwitwete Krankenschwester, die 13jährige Tochter des Landadligen, ihre kokette und verwöhnte 18jährige Schwester und die skrupellose Hebamme des Ortes, sind die Hauptbrief- bzw. Tagebuchschreiberinnen.
Das, worum es der Autorin meines Erachtens hauptsächlich geht, ist die allmähliche Emanzipation der Frauen in diesen Kriegszeiten, da sie aufgrund der Abwesenheit der Männer viele Dinge selbst in die Hand nehmen müssen und plötzlich bemerken, dass sie das auch sehr gut - wenn nicht gar besser - können. Zusätzlich stärkt das gemeinsame Singen ihren Lebensmut.
Wir bekommen einen Einblick in das nervenaufreibende Leben zu Kriegszeiten und der Autorin gelingt es, mit leichter Hand durchaus ernste Situationen zu skizzieren. Mal muss man schmunzeln, mal kämpft man mit den Tränen. Das Dorfleben und die Scheinheiligkeit und Doppelmoral der damaligen Zeit werden sehr gut beschrieben. Die einzelnen Manuskripte erzählen eine fortlaufende Geschichte, die fesselt und sich im Laufe der Handlung zu einem regelrechten Pageturner entwickelt - ich jedenfalls mochte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Figuren sind mir während der Lektüre richtig ans Herz gewachsen, so dass ich sie am liebsten noch länger
begleitet hätte. Ich mag Briefromane! Den Stil finde ich sehr reizvoll, vor allem da die unterschiedlichen Autoren jeweils ihre ganz eigene Diktion haben.
Ein sehr unterhaltsamer, warmherziger, informativer Roman, weit entfernt von der sogenannten "Frauenliteratur", und eine ganz klare Leseempfehlung!

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Tags: emanzipation, england, frauenchor, roman, zweiter weltkrieg   (5)
 

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(56)

62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

berlin, dorf, dorftratsch, eigen, famielendrama, familienroman, fliegenplage, frassek, freundschaft, gefangenschaft, krimi, kriminalroman, martin schult, österreich, steiermark

Dem Kroisleitner sein Vater

Martin Schult
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.07.2017
ISBN 9783550081743
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Krimi ganz nach meinem Herzen mit einer gehörigen Portion Witz!
Es fängt in Berlin an, wo sich Polizeiobermeister Frassek gerade für ein Bewerbungsgespräch anzieht und dabei über sein Leben nachdenkt.
Dann geht's weiter in Sankt Margarethen in der Steiermark, wo ein unidentifizierter mürrrischer deutscher Tourist (natürlich der Frassek) beim Kroisleitner Karl ein Paar Wanderschuhe kauft. Nachdem wir ein paar weitere schrullige Einheimische kennengelernt haben, verbreitet sich plötzlich die Nachricht, dass "dem Kroisleitner sein Vater" tot am Berg oben gefunden wurde. Der ist schon stolze 104 Jahre alt, scheint aber trotzdem nicht eines natürlichen Todes gestorben zu sein.
Zuerst wird dieser mürrische deutsche Tourist verdächtigt, doch im weiteren Verlauf wird aus dem Verdächtigen Frassek der Ermittler Frassek. Congenial ist die Zusammenarbeit mit der neugierigen Wirtin Lissi (manchmal auch Sissi genannt) Valentiner. Weitere Verwirrung schafft das Eintreffen von Emma Kornfeld in ihrer alten Heimat. Sie hat gerade ein Leben als erfolgreicher Popstar in London hinter sich gelassen, wo sie ihre Popstar-Persona Amy Cornfield hat sterben lassen.
Es offenbart sich, dass fast jeder Dorfbewohner die sprichwörtliche Leiche im Keller hat, dass der alte Kroisleitner so etwas wie der König des Dorfes war und alle auf seinen Rat hörten, der zwar immer gut gemeint, aber nicht unbedingt immer gut war.
Zum Verbrechen kam es, wie so häufig, aus menschlicher Gier, außerdem geht es um eine unerfüllte große Liebe und vermeintliche Verwandschaftsverhältnisse. Mit Hilfe von Lissi und dann auch noch von seinem Berliner Kollegen Sprotz samt Ehefrau (auf dem Weg zum Urlaub an der Adria bei Frassek hängen geblieben) gelingt es Frassek den Fall zu lösen.
Der Stil erinnert mich ein wenig an die Alpenkrimis von Jörg Maurer, die ich über alles liebe. Seltsamerweise gab es beim letzten Maurer genau wie hier jemanden, der seiner eigenen Beerdigung beigewohnt hat, hier war es "Amy Cornfield". Das ganze ist sehr witzig und unterhaltsam geschrieben, doch auch die Spannung kommt nicht zu kurz. Und es ist nicht nur ein Alpenkrimi, sondern zusätzlich noch ein spaßiger Culture Clash zwischen den Berlinern und den Österreichern. Ich habe das Buch mit größtem Vergnügen gelesen und freue mich schon auf den nächsten Frassek, den es ja hoffentlich geben wird!

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Tags: frassek, regionalkrimi, steiermark   (3)
 

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(142)

359 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 105 Rezensionen

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Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Ruth Hogan , Marion Balkenhol
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 19.05.2017
ISBN 9783471351475
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, einmal in der Jetztzeit (minus ein paar Jahre) und einmal 1974 und die Zeit danach. Am Ende stellt sich auf wundersame Weise eine Verbindung zwischen den beiden Erzählsträngen her.
So eine leicht skurrile Geschichte kann eigentlich nur aus England kommen. Der Witwer Anthony Peardews sammelt Gegenstände, die jemand verloren hat, seien sie auch noch so unbedeutend.
Er etikettiert sie sorgfältig und archiviert sie in seinem Arbeitszimmer. Das tut er, seit er etwas, für ihn äußerst Bedeutsames, verloren hat, ein Liebespfand seiner Verlobten, die vor vielen Jahren ums Leben kam. In seinem tiefsten Inneren hofft er wohl, dass jemand irgendwo genau so liebevoll wie er selbst mit diesem Fundstück umgeht.
Seit einigen Jahren hat er Laura, einer verlorenen Seele, Asyl gegeben, bzw. eine Stelle als Assistentin und Haushälterin. Anthony ist Schriftsteller und sie hilft ihm, seine Manuskripte zu tippen. Für Laura, die aus einer unglücklichen Ehe geflüchtet ist, ist dieser Job ein Rettungsanker.
Im zweiten Erzählstrang von 1974 geht es um Eunice, die eine Stelle bei einem Verleger antritt, der von allen nur Bomber genannt wird. Zwischen den beiden entwickelt sich eine lebenslange, tiefe Freundschaft, sogar Liebe, wenn auch nur platonisch, denn Bomber ist schwul.
Anthony stirbt und hinterlässt Laura das Vermächtnis, sich um seine Fundstücke zu kümmern und zu versuchen, die Besitzer zu finden und eventuell ein gebrochenes Herz zu heilen. Bei der Durchsicht der Gegenstände findet sie heraus, dass viele seiner Fundstücke ihn zu – häufig recht wehmütigen – Geschichten animiert haben. Anthonys zwischendurch immer wieder eingestreuten Kurzgeschichten verdeutlichen knapp und präzise menschliche Schicksale.
Mit Hilfe von Sunshine, einem jungen Mädchen mit Down-Syndrom aus der Nachbarschaft, und von Freddy, dem Gärtner, nimmt Laura diese herkulische Aufgabe in Angriff. Obwohl Laura nicht an Geister glaubt, kann sie sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Therese, Anthonys Verlobte, im Hause herumspukt, um Laura einen Fingerzeig zu geben.
Eine wunderbare, etwas märchenhafte Geschichte, bei der einem ganz warm ums Herz wird. Es gibt ein Happy End, alles fügt sich mehr oder weniger zum Besten, aber ich habe es nie als Kitsch empfunden, denn dazu gibt es doch zu viele durchaus realistische Momente. Wir dürfen miterleben, wie die Hauptfigur Laura aufgrund ihrer neuen Aufgabe, des sicheren Hortes in Anthonys Haus und durch Freundschaft und Liebe allmählich wieder ihre Mitte findet. Ein Wohlfühlroman, der einen manchmal auch zu Tränen rührt, meistens aber glücklich macht.

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(68)

107 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

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Im Grab schaust du nach oben

Jörg Maurer
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 27.04.2017
ISBN 9783651025189
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kommissar Jennerwein und seine Truppe werden – wie alle anderen verfügbaren Polizisten – zum Einsatz beim G7-Gipfel eingeteilt, der heuer im Bindestrich-Kurort stattfindet.

Und wer sich da alles tummelt! Geheimdienste aller Herren Länder, Demonstranten von friedensbewegt bis schwarzer Block, Blogger, Jäger, Auftragskiller, Privatdetektive, Mafiosi, Doubles von Politikern und Schauspielern …

Es beginnt mit der äußerst amüsant geschilderten Beerdigung eines gewissen Ropfmartl Hansi mit Kodizill und allen Schikanen inklusive 7 Böllerschüssen aus antiken Kanonen. Wobei es dann nur 6 Salutschüsse waren, eine der Kanonen hatte eine Ladehemmung …

Im Rückblick erfährt man dann auch, wer dieser Ropfmartl Hansi eigentlich ist und wie es zu der Bestattung kam. Die Graseggers (lieb gewordene alte Bekannte) sind natürlich auch wieder mit von der Partie, obwohl sie mit Berufsverbot belegt sind und daher leider die Beerdigung nicht ausrichten dürfen. Am Arbeitsstil des amtierenden Bestatters lassen sie jedenfalls kein gutes Haar.

Eine Familie Glöckl, Besitzer eines Senf-Imperiums und leidenschaftliche Jäger spielen auch eine große Rolle. Nur ein Familienspross, Ronny Glöckl, ist gegen die Jagd und auch gegen kapitalistische Wirtschaftspraktiken. Deshalb befindet er sich auch im Camp der G7-Gegner und nicht bei der Testamentseröffnung von Onkel Jeff im Kreise der Familie.

Es gibt durchaus eine Krimihandlung, aber auch viele Nebenstränge, einer witziger als der andere. Wer einen simpel gestickten Alpenkrimi sucht, mag etwas verwirrt sein von dieser Vielfalt und vielleicht auch enttäuscht von der Kriminalstory.

Denn eindeutig tritt das komödiantische Element und die sozialkritische Satire gegenüber der Krimihandlung hier noch stärker in den Vordergrund als in den Vorgängerbänden. Mich hat das nicht gestört, ich habe mich glänzend amüsiert über dieses Feuerwerk an skurrilen Ideen (eine Bäckerei, die sich in Anpassung auf das G7-Publikum auf Wurftorten spezialisiert hat - eine Geschichte des Türen-Werfens - das Profugium - die (frei erfundenen?) Ausdrücke aus der Jägersprache -  die Beziehungen zwischen Mafia und Hypnose - die Blog-Einträge in perfekt gelungenem Blogger-Jargon - die Bereitschaftspolizisten in voller Kampfmontur, die im Präsidium aus Ungeschick eine Glastür zu Bruch bringen - und und und …) und über den reinen Slapstick wie in der Szene, die sich nach dem Diebstahl des Portemonnaies einer bayerischen Bedienung abspielt. Vermutlich kann man dem Roman auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände folgen, aber wirklich genüsslich goutieren kann man ihn wohl besser als eingefleischter Jennerwein-/Maurer-Fan. Der intelligente Humor lässt sich nie auf das Niveau seichter Unterhaltungsromane herab.

Da staunt man nicht schlecht, ein Verwirrspiel ersten Ranges, aberwitzige Ideen, absurde Nebenschauplätze – vorhersehbar ist da wirklich nichts.  Und eine Mordsgaudi es zu lesen. Es gibt nur wenige Bücher, die ich mit so großem Vergnügen lese, wie die Alpenkrimis von Jörg Maurer!

 

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Tags: alpenkrimi, garmisch-partenkirche, gesellschaftskritik, hubertus jennerwein, jörg maurer, regionalkrim, schwarzer humor   (7)
 

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(81)

109 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 81 Rezensionen

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Wenn ich jetzt nicht gehe

María Dueñas , Petra Zickmann
Fester Einband: 589 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 06.03.2017
ISBN 9783458177029
Genre: Historische Romane

Rezension:

... Und man könnte noch mehr Genres anfügen, z.B. Historischer Roman, denn das alles beinhaltet dieses Buch.
Es ist die Geschichte von Mauro Larrea, der als junger Mann nach dem Tod seiner Ehefrau mit seinen zwei kleinen Kindern zu neuen Ufern aufgebrochen war, von Spanien in die Neue Welt, nach Mexiko-Stadt. Wir befinden uns in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und lernen ihn als Mann in den Vierzigern kennen. Durch harte Arbeit und viel Geschäftssinn hat er es zu Wohlstand und Ansehen gebracht. Doch just in diesem Moment erhält er eine katastrophale Nachricht: sein amerikanischer Geschäftspartner ist verstorben und seine Investitionen haben sich in Luft aufgelöst, die von ihm bezahlten Maschinen wird er nie erhalten. Für ein großes Geschäft hatte er alles, was er besaß, eingesetzt, hatte sich verschuldet, und hat nun alles verloren. Seine Tochter ist gut verheiratet und erwartet ihr erstes Kind, aber sein Sohn, der auch demnächst in eine gute mexikanische Familie einheiraten soll,macht ihm Sorgen; er ist ein Luftikus und Rebell und wurde deshalb für ein Jahr nach Europa geschickt, um sich die Hörner abzustoßen. Mauro bangt nun, dass diese Ehe nicht zustande käme, wenn sein Ruin bekannt würde. Deshalb bricht er überstürzt auf, um irgendwie die Grundlagen für einen Neuanfang zu schaffen.
Als erstes verschlägt es ihn nach Kuba, nach Havanna und später dann weiter zurück nach Spanien, nach Jerez in Andalusien. Und immer ist sein Schicksal eng verbunden mit der Familie Montalvo, zuerst durch die künftigen Schwiegereltern seines Sohnes, denn die Schwester des Schwiegervaters lebt in Kuba und ist mit einem Spross der Familie Montalvo verheiratet. In Spanien dann lernt er die faszinierende Soledad Montalvo kennen, die allerdings mit einem - sehr viel älteren - englischen Sherry-Händler verheiratet ist.
Abenteuer, Liebe, Intrigen und Verrat, alles ist drin in diesem großartigen und spannenden Roman, ein wenig hat mich die Atmosphäre an den Grafen von Monte Christo erinnert, denn ähnlich episch geht es in dieser Geschichte zu. Toll geschrieben, keine seichte Schmonzette, hat mich dieses Buch von Anfang an gefesselt, und während des letzten Drittels konnte ich gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Nur an einer Stelle hatte ich das Empfinden, dass hier etwas zu viel des positiven Zufalls zusammenfabuliert worden war, aber das tat dem Lesegenuss keinen Abbruch. Und der deutsche Titel gefällt mir nicht - im Original heißt das Buch La Templanza, das ist der Name des Weingutes der Familie Montalvo in Jerez. Das hätte man vielleicht einfach so stehen lassen können. Aber das sind nur unwesentliche Kleinigkeiten. Alles in allem ein großes Lesevergnügen, volle Punktzahl und absolute Kaufempfehlung!

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(62)

107 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

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Der grüne Palast

Peggy Hohmann
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.03.2017
ISBN 9783548613529
Genre: Historische Romane

Rezension:

In diesem Briefroman geht es auf eher heitere Art um ein großes Drama. Ein Reigen von teils tatsächlichen, teils fiktiven Figuren sind die Briefeschreiber. Die Hauptperson, die im Mittelpunkt der Geschichte steht, ist die Habsburger Erzherzogin Leopoldine von Österreich. Ferner ihr Vater, Kaiser Franz I., und erheblich bedeutender, der Fürst von Metternich. Leopoldines Gesellschafterin und Freundin, die Gräfin Lazansky, ca. 10 – 15 Jahre älter als die Erzherzogin. Und Leopoldines Lieblingsschwester, Marie–Louise, Herzogin von Parma, Ehefrau von Napoleon Bonaparte. Last but not least der Marquis de Marialva, ein portugiesischer Diplomat und Metternichs Freund und Verbündeter.
Das Drama besteht in der Zwangsverheiratung der Töchter und Söhne von Monarchen aus Gründen der Staatsraison, ohne Rücksicht auf deren Wünsche und Träume, in diesem Fall der jungen Leopoldine mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro, dessen Schwachpunkte man ihr wohlweislich verschwiegen hat. Erschwerend hinzu kommt, dass die portugiesische Königsfamilie seit zehn Jahren nicht mehr in Portugal residiert, sondern auf der Flucht vor Napoleon nach Brasilien gegangen ist. Metternich und Marialva haben diese Heiratspläne geschmiedet, von denen beide Länder zu profitieren hoffen. Der jungen Frau steht also auch eine unendlich lange Reise bevor, auf der wir sie begleiten. Diese Ziele werden nicht unbedingt erreicht, da die Welt in permanenter Veränderung begriffen ist und antimonarchistische, republikanische Revolten auf dem Vormarsch sind.
Die Form des Briefromans lässt die unterschiedlichsten Stimmen erklingen, und wir erfahren viele historische Tatsachen quasi nebenbei. Der Ton ist zumeist eher heiter, teilweise aber auch herzzerreißend traurig. Vor den Augen des Lesers entwickelt sich das romantische junge Mädchen zur welterfahrenen Frau.
Der Autorin ist es – soweit ich das beurteilen kann – gut gelungen, den Ton einer anderen Zeit zu treffen, und eine mitreißende Geschichte zu erzählen, die mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Und das auf sehr unterhaltsame Weise. Mich hat der Roman ein wenig an Désirée von Annemarie Selinko erinnert, den ich als Teenager geradezu verschlungen habe, und durch den ich einiges an geschichtlichem Wissen erwarb, mit dem ich in der Schule glänzen konnte.
Ein sehr empfehlenswerter Schmöker, den man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte!

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(48)

57 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

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Gefährliche Ernte

Yann Sola
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783462048698
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie schon der erste Roman um den Gastronomen und Kleinganoven Perez aus Banyuls-sur-Mer hat mir "Gefährliche Ernte" sehr gut gefallen. Genau meine Art von Krimi mit viel Humor, Lokalkolorit, aktuellen Bezügen und natürlich auch Spannung - und einem ungewöhnlichen Ermittler, ein Cosy eben, nichts für Fans von Hard-Boiled Thrillern.
In Band 2 spielt Perez' Vater eine größere Rolle - sofern er in Band 1 überhaupt erwähnt wurde, ich kann mich nicht daran erinnern. Perez und seinen Vater, der die Familie verlassen hat, als Perez noch ein Kind war, verbindet keine verwandtschaftliche Zuneigung, eher eine Art unfreiwillige Komplizenschaft. Denn Perez braucht die Hilfe seines Vaters bei der Produktion, Lagerung und Abfüllung des edlen und kostspieligen Creus-Weins, den er angeblich aus Spanien bezieht, den er in Wirklichkeit aber selbst herstellt. Dieser Wein ist seine größte und beste Einnahmequelle, die er bedroht sieht, als ein Toter im Weinberg seines Vaters gefunden wird, der als letzte Lebensäußerung das Wort Creus von sich gegeben hat. Es hilft alles nichts - Perez muss der Polizei bei der Aufklärung des Falles zuvorkommen, um seinen Wein aus dem Fokus der Aufmerksamkeit herauszuhalten.
In einer Nebenhandlung geht es um den Heiratswunsch seiner geliebtenTochter, die den eigentlich sympathischen und herzensguten Wirtssohn genannt "die Bohnenstange" heiraten will, der aber nicht der hellste aller Köpfe zu sein scheint. Perez und seine Exfrau sind aus unterschiedlichen Gründen gegen diese Verbindung und versuchen, diese zu verhindern.
Als handelnde Personen treten außerdem Perez' deutsche Lebensgefährtin Marianne und deren Tochter und sein algerischer Kumpel Haziem auf, der sich als Koch und Geschäftsführer um Perez' Restaurant Conill kümmert.
Im Zuge der Ermittlungen stößt Perez auf Menschenhandel mit Flüchtlingen und auf unsaubere Machenschaften in Kreisen des FN, des Front National von Marine Le Pen.
Am Ende Schluss gelingt es Perez, mit Hilfe seines Schwiegersohns in spe, der sich als Computer-Fiffikus erweist, maßgeblich zur Aufklärung des Falles beizutragen und die Geschichte endet mit einer großen und harmonischen Hochzeitsfeier.
Ich freue mich auf Perez' nächsten Fall!

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Tags: menschenschmuggel, perez, regionalkrimi, südfrankreich, wein   (5)
 

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Stumme Hechte

Rainer Wittkamp
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei GRAFIT, 12.04.2016
ISBN 9783894254698
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wieder ist Rainer Wittmann ein vielschichtiger, spannender und temporeicher, gleichzeitig aber auch amüsanter Krimi mit viel Witz gelungen.

Sein Ermittler, Martin Nettelbeck, muss dieses Mal einen Fall aufklären, in den vier hochrangige Polizeibeamte verwickelt sind. Die vier kennen sich seit der Ausbildung und waren unter ihren Mitstudenten als "Die Viererbande" bekannt. Obwohl aus unterschiedlichen Ecken Deutschlands stammend, haben sie es geschafft, über viele Jahre ihre Freundschaft zu pflegen, indem sie sich zwei Mal im Jahr treffen. In Berlin soll eine Konferenz stattfinden, an der alle vier teilnehmen, und diese Gelegenheit haben sie zu einer gemeinsamen Radtour vor Beginn der Konferenz genutzt. Auf einem Campingplatz nahe Berlin wird am frühen Morgen einer der vier Freunde tot aufgefunden. Mord oder Selbstmord? Das bleibt ziemlich lange unklar. Die anderen Freunde haben nach einem alkoholgetränkten Abend tief geschlafen und (angeblich?) nichts von den nächtlichen Geschehnissen mitgekriegt.

Während es Nettelbeck und seinen Kollegen immer klarer wird, dass es sich um einen Mord handelt, wird ihnen von höherer Stelle im LKA nahegelegt, den Fall als Selbstmord möglichst schnell abzuschließen, um das Image der Polizei nicht zu beschmutzen.

Und Nettelbecks Situation wird noch komplizierter, denn die Tochter seiner Lebensgefährtin wird entführt. Wie sich später herausstellt von einer psychisch labilen jungen Frau, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde; sie gibt dem Polizisten die Schuld an all ihrem Leid und will sich so an ihm rächen.

Die Handlung ist spannend bis zum rasanten Ende und immer wieder wird man als Leser durch unverhoffte Wendungen in die Irre geschickt. Die Auflösung ist vom Autor gut konzipiert und für den Leser absolut nachvollziehbar. Die kurzen Kapitel mit den damit verbundenen häufigen Perspektivwechseln verleihen dem Roman ein enormes Tempo.

"Stumme Hechte" ist der vierte Band einer Reihe um Kommissar Nettelbeck. Es ist nicht unbedingt erforderlich, die Vorgängerbände zu kennen. Für mich war es der zweite nach "Frettchenland". Viele der Protagonisten waren mir schon vertraut. Alle Charaktere sind gut und lebensecht beschrieben, Nettelbeck und sein Team wirken sympathisch und menschlich. Inhaltlich hat mir die gelungene Mischung aus Privatem und Ermittlungstechnischem sehr gut gefallen.

Fazit: Diesen zugleich spannenden und humorvollen Krimi kann ich uneingeschränkt empfehlen!

 

 

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Tags: berlin, korruption, martin nettelbeck, spannung   (4)
 

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Gefährliche Empfehlungen

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 12.01.2017
ISBN 9783462049220
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In der neuesten Episode der Ermittlungen von Xavier Kieffer geht es nicht um ein brisantes lebensmitteltechnisches Thema wie man es sonst gewohnt war, also z. B. Thunfisch, Olivenöl oder Geschmacksverstärker, nichtsdestotrotz besteht doch ein Zusammenhang mit dem kulinarischen Kontext. Der dem Guide Michelin nachempfundene Restaurantführer Guide Bleu aus dem Hause Gabin steht im Mittelpunkt der Geschichte.

Xavier Kieffer, der luxemburgische Koch, ist seiner Freundin Valerie Gabin zuliebe,
der er bei der Eröffnungsfeier des neuen Gabin-Gebäudes zur Seite stehen soll, zu Besuch in Paris.
Beim Festakt kommt es zum Eklat: Der französische Präsident - guter Freund von Valerie der er ist - hält gerade eine Rede, als ein veganer Protestler die Veranstaltung stört. Er wird überwältigt und abgeführt, aber gleichzeitig kommt es zu einem kurzen Stromausfall; Dunkelheit, beginnende Panik, das Licht geht wieder an und Valerie schickt per Ansage alle Gäste nach Hause! Später stellt sich heraus, dass ein Dieb den Stromausfall genutzt hat, um in dieser Zeit eine kostbare Leihgabe, nämlich den äußerst raren Guide Bleu von 1939 zu entwenden.

Nachdem es im Zusammenhang mit dem Diebstahl einen Todesfall gegeben hat, beginnt Xavier auf Bitte des Präsidenten wieder zu ermitteln, obwohl er von Anfang an das Gefühl hat, dass dieser Fall eine Nummer zu groß für ihn ist.

In einem parallelen Handlungsstrang geht es um einen amerikanischen Geheimdienstler im zweiten Weltkrieg, der eine Ausgabe des Guide Bleu von 1939 zum Decodieren der verschlüsselten Nachrichten verwendet, die er über Radio Londres erhält.

Damit beginnt eine spannende Jagd auf verbliebene Exemplare des 39er Guide Bleu und die Suche nach der Erklärung, warum es für irgendjemanden so wichtig erscheint, alle vorhandenen Exemplare verschwinden zu lassen. Das wird spannend geschildert und hin und wieder mit mundwässerndem Küchen-Latein gespickt (z. B. weiß ich jetzt, warum ich die Haut einer Entenbrust nie so schön knusprig hinbekomme, wie ich möchte: weil ich keinen Salamander (Küchengerät) habe!)

Mich hat auch dieser Band wieder sehr gut unterhalten! Hillenbrand trifft wie immer die richtige Mischung aus "Menscheln" + Kulinarik (Xavier holt nachts noch ein paar Zutaten aus seinem Pariser Stammcafé und zaubert ein Essen für Valerie) und zeitgeschichtlichen bzw. tagespolitischen Zusammenhängen, gewürzt mit etwas Humor (wir begegnen z.B. dem schon aus einem früheren Band bekannten argentinischen "Küchen-Leonardo"), um uns einen spannenden, kulinarischen Krimi anzubieten.

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Tags: 2. weltkrieg, geheimdienst, kulinarischer krimi, luxemburg, paris, restaurantführer   (6)
 

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Neuschweinstein - Mit zwölf Chinesen durch Europa

Christoph Rehage
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei MALIK, 17.10.2016
ISBN 9783890294353
Genre: Humor

Rezension:

Der Autor, seines Zeichens Sinologe und Verfasser eines Buches über China und - vor allem - zahlreicher Internetbeiträge hat einen gewissen Bekanntheitsgrad in China erreicht, was sein Ansinnen, sich "unauffällig" einer chinesischen Reisegruppe auf Europa-Trip anzuschließen, etwas erschwert.

Er fährt nach Peking, und versucht dort, eine entsprechende Reisegruppe aufzutreiben. Schließlich ist eine Reisegruppe gefunden und er hält den Reisevertrag in der Hand, der erstaunliche Hinweise und Ermahnungen enthält, z. B. "Nehmen Sie Rücksicht auf Ihre Umgebung, indem Sie am Büfett Verschwendungen vermeiden: Essen Sie zuerst Ihren Teller leer, und nehmen Sie sich dann nach. Wenn man all die Speisen, die einem zusagen, für sich selbst zurücklegt, dann ist das ein unhöfliches und selbstsüchtiges Verhalten."

Beim Zusammentreffen mit der Gruppe auf dem Flughafen, sind die Reisegenossen zunächst eher reserviert. Doch das ändert sich bald und die kleine Gruppe um Reiseleiter Huang akzeptiert ihn schnell als gleichwertigen Teilnehmer, zumal er sich durch seine Sprachkenntnisse gut eingliedert.

Rehage schafft es, den Standpunkt der Gruppe und nicht den des außenstehenden Beobachters einzunehmen, er schreibt immer "wir", nicht "sie" und "ich", es gelingt ihm, die Eindrücke und Befindlichkeiten seiner Mitreisenden einfühlsam zu schildern. Nebenbei erfahren wir einiges über China und die chinesische Politik.

Die Reise startet an einem Sonntagmorgen im winterlichen und menschenleeren München, kreuzt Österreich, um dann in Italien in Venedig, Florenz und Rom Station zu machen. Dann geht es in die Schweiz, nach Luzern und auf einen schneebedeckten Berg, als Höhepunkt nach Paris und zum Abschluss nach Frankfurt.

Es macht Spaß mitzuerleben, wie sich freundschaftliche Beziehungen zu den einzelnen Mitgliedern der Reisegruppe entwickeln, die er dann drei Monate später alle an ihren jeweiligen Heimatorten besucht. Amüsant fand ich auch die Bezeichnungen, die er für seine Mitreisenden gefunden hatte, bevor er ihre Namen kannte.

Dieses warmherzige Buch ist unterhaltsam, witzig und informativ, macht sich nie lustig über seine Protagonisten. Ein sympathisches Buch, das uns mit der Erkenntnis zurücklässt, dass Chinesen auch nur Menschen, und uns gar nicht so fremd sind. Ein positives Zeichen in unserer leider so fremdenfeindlichen Zeit und ein Buch, dem ich viele Leser wünsche.

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Tags: chinesen, europa, gruppenreise, reisebericht   (4)
 
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