Leserpreis 2018

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afghanistan, arbeitslager, bosnien, jugoslawienkrieg, jugoslawienkriege, kriegsgefangenschaft, kriegsverbreche, kriegsverbrechen, norwegen, oslo, ss, zweiter weltkrieg

Tödlicher Frost

Asbjørn Jaklin , Ulrich Sonnenberg
Flexibler Einband: 337 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 20.10.2014
ISBN 9783518464816
Genre: Krimi und Thriller

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Abteil Nr. 6

Rosa Liksom , Stefan Moster
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei DVA, 04.03.2013
ISBN 9783421045836
Genre: Romane

Rezension:

Der Mann an die junge Frau: „Drum sage ich Ihnen direkt, liebe Reisegefährtin, dass Sie mich wenigstens einmal ranlassen sollten. Davon nutzt du dich untenrum nicht ab.“ 

Die typisch russische Familie, erzählt mir meine Dolmetscherin unlängst bitter, bestehe aus Großmutter, Mutter und Kinder. Das politisch motivierte Gerede der Putinanhänger von der heilen Familie habe sie satt.

Am selben Nachmittag beginne ich das Buch der finnischen Autorin Rosa Liksom und lese es in einem Zug zu Ende. Und ich weiß mit einem Male ganz konkret, was mit den knappen Worten meiner Begleiterin in Moskau gemeint war.

Nach dieser kurzen Vorbemerkung zum eigentlichen Roman. Eine junge Finnin, die in Russland studiert, begibt sich auf eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Ulan Bator in der Mongolei. Ihren Namen erfahren wir nicht, sie wird von der Erzählerin immer als „die junge Frau“ bezeichnet. Die Reise führt durch die desolate Sowjetunion der 80er Jahre, gemeinsam mit einem Albtraum von Menschen, im Roman schlichtweg „der Mann“ genannt. Unfreiwillig teilt sie mit ihm das Schlafwagenabteil, alle ihre Versuche, der grotesk-grauenhaften Situation einer gemeinsamen Reise zu entkommen, scheitern. „Die junge Frau hatte nur einen einzigen Gedanken. Sie hasste diesen Mann.“ 

Das Buch ist nichts für die zart besaiteten Seelen unter uns, die sich von einem Roman wohlgesetzte Worte in ernsthafter Manier und moralisch ziseliertem Ende erwarten. Oft empfindet man die von der Erzählerin gewählten Sprache wie einen Schlag ins Gesicht. Die Monologe des ewig betrunkenen Mannes an ihrer Seite sind durchsetzt mit schlimmen Zoten, monströsen Rassismen und verbalen Übergriffen, denen die junge Frau nur beständigen und stillen Widerstand entgegenzusetzen hat. Die Tage im Zug scheinen nicht zu vergehen und gestalten sich zu einem Lehrstück über die hässliche und menschenverachtende Seite der ehemaligen Sowjetunion. Zerfall und Gewalt lauert an jeder Ecke all der sibirischen Städte, die die Reisenden auf der gemeinsamen Reise durchmessen. Mit dem Kunstgriff der Übertreibung, der Zuspitzung und Wiederholung gelingt es der Erzählerin jedoch, dem zotenhafte der Sprache und Monströsen der Schilderung eine literarische Wende zu geben. Manchmal, wenn auch selten blitzen im Tier von Mann auch menschliche Züge auf und die Machtverhältnisse zwischen den beiden Reisenden kehren sich um: der überlegten Frau steht ein tragischer aber gewaltbereiter Narr gegenüber.

Manchmal habe ich das Gefühl, es handelt sich um einen Schelmenroman, dann wieder um eine Parodie auf die „Westklischees“ über die UdSSR. Oder ist das alles eine Reflexion über die Unfähigkeit der Männer, gewalt- und alkoholfrei leben und lieben zu können? Ich bin mir unsicher geworden und schon habe ich den Angelhaken geschluckt, den die Autorin für mich ausgelegt hat. Ich bin gefangen im Rausch der Worte und des Unheils und verliebe mich in die wirre und verwirrende Beziehung, die sich zwischen beiden aufzubauen beginnt.

Seltsam blass bleibt „die junge Frau“, von der wir nur ihre Erinnerungen an den Grund ihrer Reise erfahren, die wir aber selbst nie sprechen hören dürfen. Die Rede gehört allein dem Mann, seine Beobachtung steht im Zentrum, an seinen absurden Gedanken müssen wir teilhaben, wieder und wieder. Das macht uns nervös, misstrauisch und manchmal auch aggressiv. Wie kann man/frau sich nur soviel aggressives Männergewäsch antun wollen? Doch das Buch kann fesseln und ein wenig fühle ich mich an den Duktus Elfriede Jellineks erinnert, die durch die Wucht und Brutalität ihrer Sprache die eigentliche Handlung in den Hintergrund treten lässt. Den hinterfotzigen Humor von Rosa Liksom besitzt sie jedoch nicht.

Rosa Liksom ist ja in Finnland und international nicht nur durch ihre Literatur bekannt geworden. Sie ist Bildende Künstlerin, die im letzten Jahr durch ihre Ausstellung Burka Projekt große Aufmerksamkeit erregt hat. Sie verpflanzt dabei Burka tragende Frauen in die Schneelandschaften Finnlands und erreicht damit eine Verfremdung unserer herkömmlichen Klischees zu diesem Thema. Ein ähnlicher Verfremdungseffekt gelingt ihr mit dem vorliegenden Buch, indem sie die Frauenperspektive aus dem eines frauenverachteten Narren erzählen läßt. Das mag nicht jedem gefallen und die Irritation mag ihrerseits wieder Aggressivität auslösen. "Was, diesen Roman hat eine Frau geschrieben?", wird sich so manche/r fragen und empört die Nase rümpfen.

So durchmessen wir Sibirien mit seiner vorüberziehenden Natur, den devastierten Städten und seinen vom poststalinistischen System deformierten Menschen. Da finden wir nichts von der sogenannten Russischen Seele und die Weite und Kälte der Landschaft verschluckt jedwedes Sentiment. Der Traum von der Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn ist ausgeträumt, nur der Alkohol und die Perversion männlicher Sexualität bleiben, um sich abgesichts der grotesken Realität betäuben zu können.

Am Ziel angekommen, wird der Traum der jungen Frau wahr, in einem absurden, melodramatischen Finale zu dem "der Mann" und ein heroinsüchtiger lokaler Fahrer entscheidend beitragen. Beruhigt kann sie nun nach Moskau zurückkehren.

Diese Reise möchte man nicht nochmals durchmachen wollen, aber dieses Buch empfehlen, das kann man ohne Zaudern.

Offenlegung: Diese Rezension wurde weder von einer anderen Person in Auftrag gegeben, noch liegt ihr die Überlassung eines kostenfreien Lesexemplars zugrunde. Sie ist im besten Sinne freiwillig und allein vom Interesse am gegenständlichen Buch und von der Freude am Schreiben getragen.



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Tags: finnland, starke frauen   (2)
 

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1. weltkrieg, archäologie, ausgrabungen, die straße der geschichtenerzähler, england, erster weltkrieg, großbritannien, historischer roman, indie, indien, krieg, pakistan, peschawar, türkei, unabhängigkeitskrieg

Die Straße der Geschichtenerzähler

Kamila Shamsie , Ulrike Thiesmeyer
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 30.03.2015
ISBN 9783827012289
Genre: Romane

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195 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

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Der große Trip - WILD

Cheryl Strayed , Reiner Pfleiderer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 12.01.2015
ISBN 9783442158591
Genre: Biografien

Rezension:

In einem Zeitungsartikel der NYT habe ich vor einem halben Jahr den Hinweis auf WILD  gefunden. Der Autor des Artikels hatte es in einen inhaltlichen Zusammenhang mit anderen Filmneuerscheinungen gebracht, die das Thema der Einsamkeit zum Inhalt hatten. Dabei wurde mir bewußt, dass viele dieser „Einsamkeiten“ auch mit der Konfrontation mit der Wildnis zu tun hatten.

Der Film stand wie bei anderen KritikerInnen am Beginn der Auseinandersetzung und waren für mich der unmittelbare Anlaß das Buch zu lesen. Wie auch andere hatte mich der Film bei Weitem nicht so beeindruckt wie das Buch und das lag wohl nicht daran, dass der Film versagt hatte, eine Geschichte gut zu erzählen. Allein, die Filmsprache vermag andere Dinge als die Literatur abzubilden. Ihr mangelt es wohl auch daran, eine Geschichte Schritt für Schritt sorgfältig entfalten zu können, auf wichtige Kleinigkeiten Wert zu legen und in die Tiefe zu gehen. So hat mich der Film nicht sehr berührt. Was der Film allerdings geschafft hat, war, mich auf das Buch aufmerksam zu machen. Den letzten Anstoß zur Lektüre hat mir allerdings die Rezension von MBuchling gegeben, die einen fairen Vergleich zwischen den beiden Medien angestellt und die Lektüre des Romans wärmstens empfohlen hatte.

Vielleicht noch eine weitere Vorbemerkung, bevor ich zur eigentlichen Rezension komme. Ich habe das Buch während zweier Reisen gelesen, einmal im Zug nach Prag und wenig später auf einer langen Reise nach und in Russland. Ich fand, dass dies dem Buch wohl angemessener war, als es zu Hause am bequemen Sofa zu genießen. Welch wunderbarer Reisebegleiter!

Doch nun zum Buch. Die Ausgangssituation des Romans ist schnell erzählt. Eine junge Frau, die sich durch das Zerbrechen ihrer Familie einer schwierigen existentiellen Situation ausgesetzt sieht, entschließt sich zu einem mehrmonatigen Hike Through des Pacific Crest Trails (PCT), welcher über Tausende Kilometer von der Grenze Mexikos bis an die kanadische Grenze reicht. Nein, winken Sie bitte nicht ab! Es handelt sich dabei nicht um die in letzter Zeit so en vogue gewordenen Wandererinnerungen von mäßig begabten SchriftstellerInnen, welche in den Regalen vieler Buchhandlungen auf uns warten. Hener Literaturtypus, die mit der Hoffnung auf spirituelle Läuterung auf Pfaden wie dem Jakobsweg spekulieren, ist leider literarisch sehr oft dupliziert worden und hat die bestehenden Wege zu einem rein touristischen Erlebnis verkommen lassen.

Das Buch ist auch kein Epigone des sehr erfolgreichen und ebenfalls verfilmten Buches von Jon Krakauer namens „Into the Wild“, welches die Geschichte vom Sterben eines naiven Aussteigers in Alaska erzählt. Und schon gar nicht ist das vorliegende Buch eines jener schriftstellerischen Bemühungen von Extremsportlern, die sich mit dem Verkauf von Büchern und anderen Souvenirs den vergangenen oder nächsten sportlichen Kick finanzieren wollen.

Die Heldin des Buches ist eine Heldin wie sie wohl in uns allen stecken mag, wenn wir nur den Mut hätten, dies zuzulassen. Sie ist eine Mittzwanzigerin, die sich in einer finanziell angespannten Sizuation entschließt, den PCT zu durchwandern, auf der Suche nach dem Abstand von ihrer Vergangenheit, mit dem Bedürfnis, sich inmitten ihrer persönlichen Irrungen und Verwerfungen selbst zu finden. Es ist weniger die heute so oft bemühte „Auszeit“ einer Karriere, die sie sich selbst verordnet als vielmehr ein existentieller Neuanfang, von dem sie weder am Beginn noch am Ende ihrer strapazöse Reise exakt weiß, wie er aussehen wird. All die Schicksalsschäge, auf die dieses Buch anspielt, hätten wohl auch uns passieren können: der Tod eines Elternteils, die darauf einsetzende Auflösung der Familienbande, materielle Armut, Scheidung, Drogen, bedeutungslose Affäeren. Doch hätten wir radikal neu beginnen wollen?

Es ist die Schwäche des Films, daß er sich zwar eng an den Roman hält, aber diese Schicksalsschläge dramatisch verdichten muß, um sie neben der dramatischen Naturkulisse wirksam zu machen. Im Roman tauchen diese Stationen des Lebens fast lapidar im Rhythmus des Gehens auf, angesichts der alltäglichen Sorgen und Misserfolge am Trail. Wie immer befällt uns das Schicksal im alltäglichen Gewand, zeigt sich als ein banaler Geselle, unscheinbar und unerbittlich zugleich. Der Trail und das Gehen ermöglicht uns nicht nur, Verdrängtes wieder ins Bewußtsein zu rufen,  sondern auch, es genauer anzusehen und mit ihm zu leben.

Uns an diesem Weg teilhaben zu lassen, das ist der Autorin ausgezeichnet gelungen. Behutsam und ohne große Emphase erzählt sie ruhig von den Veränderungen einer Frau auf einem langen schmerzhaften Weg zu sich selbst, in einer niemals zu einem Klischee entstellten Wildnis. Jeder, der jemals selbst einen Fernwanderweg über längere Zeit erlitten hat, weiß, daß die Autorin das miterlebt hat, wovon sie spricht.

Andrerseits ist das Buch auch kein platter Erfahrungsbericht, der sich in Details verläuft und zum larmoyanten Trailführer verkommt. Dass Gehen zur Medidation verführen kann, ist bekannt. Die repetitiven Bewegungen lassen die eigenen Geanken, Assoziationen und Empfindungen „fließen“. Und doch: auch der psychologistischen Verführung unterliegt die Autorin nicht. Ihr gelingt es, Selbsterfahrung, Naturerlebnis und körperliche Tortur zu einem wunderbaren Stück Unterhaltungsliteratur zu gestalten, das mich tief berührt hat. Nie peinlich, immer elegant und ohne jede Besserwisserei schafft sie es, in der tapferen Frau auf dem Trail das Wesentliche eines Lebens abzubilden.

Und wie so oft im Leben steht am Ende eine Normalität, die weder ein Heilsversprechen noch eine dramtische Erkenntnis darstellt, und doch alles von Grund auf verändert hat. Die Geschichte endet so unspektakulär sie begonnen hat:

„Dass das mein Leben war – wie jedes Leben rätselhaft, unabänderlich und heilig. So nah, so präsent, so fest zu mir gehörig. Und es, wie wild es auch sein mochte, so zu lassen."

Ich empfehle diese Buch all jenen, die sich gerne auf schwierige Wege ins Ungewisse einlassen und dabei wissen, dass sie wahrlich keine HeldInnen sind.

Offenlegung: Diese Rezension wurde weder von einer anderen Person in Auftrag gegeben, noch liegt ihr die Überlassung eines kostenfreien Lesexemplars zugrunde. Sie ist im besten Sinne freiwillig und allein vom Interesse am gegenständlichen Buch und von der Freude am Schreiben getragen.





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agent, david, erschossen, europol, finnland, hilja, italienisch, leibwächterin, loyalität, mafioso, mord, nachforschungen, personenschützerin, spurlos, thriller

Der Löwe der Gerechtigkeit

Leena Lehtolainen , Gabriele Schrey-Vasara , ,
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.07.2014
ISBN 9783499259586
Genre: Krimi und Thriller

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Iron Sky, Wir kommen in Frieden!, 1 DVD

Timo Vuorensola , Götz Otto
DVD Video
Erschienen bei Splendid Film, 01.10.2012
ISBN 4013549040204
Genre: Fantasy

Rezension:

So ist es halt, ich bin sehr anfällig für finnischen Humor, Zugegeben, ich mag die finnische Autorin Johanna Sinisalo, die die Storyline für diesen Film geschrieben hat. Auch die Vermischung der verschiedenen Zeitebenen und Kulturen und das Aufeinandertreffen der Hitlerepigonen und eines Pseudo - Sarah Palin'schen Präsidentenwahlkampfes hätte wohl einiges an Potential. Aber im Grunde war es nur schenkelklopfende Blödelei, über das dieses Indie Crowd Funding Projekt des finnischen Regisseurs Timo Vuorensula nie hinausgekommen ist. Die recht guten Publikumszahlen zeugen zwar davon, dass finnisch-deutsche-australische Produktion einen bestimmten Zuschauergeschmack getroffen hat, aber die feine finnische Klinge schrägen Humors zeigt dieser Fim nicht im Entferntesten.  Wer sich auch Rare Exports angekuckt hat, wird sofort merken: Iron Sky gehört nicht in das Genre "Finnish Wird" sondern allerhöchstens in das von "International Klamauk".

Ja, die Geschichte hat "schräges" Potential und würde ich Finnisch beherrschen, hätte ich mir die Storyline von Johanna SINISALO besorgt, um zu sehen, ob die Vorlage wirklich so schlecht ist, wie der Film selbst, welcher über Platitüden nicht hinauskommen kann. Die Handlung ist schnell angedeutet: 2018. Auf der von der Erde abgewandten Seite des Mondes hat eine Kolonie von Hitlerepigonen in einer Art Mazi Steampunk Kultur überlebt und plant einen Angriff auf die Welt. Dort bereitet gerade ein Sarah Palin Verschnitt die Weltherrschaft vor und bezieht die NS-Vorhut als nützliche Idioten in ihre Präsidentschaftskampagne (United States of Americas) ein. Was in der Begegnung der beiden "Welten" an möglichen Parodien von Rechtsradikalen Regierungen noch durchgehen mag, eskaliert bald in einen Star Wars verschnitt allerplattester Provenienz. Ein doch recht unterschiedliches Liebespaar überlebt die atomare Katastrophe, in der sich die Regierungen dieser Erde diesselbe in die Luft jagen und dem Mond ein Kugelsegment weggesprengt. Der Boden für den nächsten Film ist bereitet: er wird uns unter dem Titel "Iron Sky 2: The Coming Race" ab 2016 nicht verschonen.

Hände weg von dem Film würde ich allen raten: den Humorlosen, den Humorvollen und den halbwegs Erwachsenen unter uns. Ich seh es als Pflichtübung an in meinen Recherchen zu Finnischer Literatur und dem Film des Landes. Wollen wir uns wieder intelligenteren Dingen zuwenden.

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Schwarze Flut

Yugo Ishikawa
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.01.2014
ISBN 9783551727527
Genre: Comics

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finnland, krimi, starke frauen

Die Leibwächterin

Leena Lehtolainen , Gabriele Schrey-Vasara , any.way , Barbara Hanke
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.07.2012
ISBN 9783499256042
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die finnische Krimiautorin Leena Lehtolainen ist vor allem durch die Romane mit ihrer weiblichen Heldin, der Polizistin Maria Kallio, bekannt geworden. Von diesem Zyklus liegen derzeit schon mehr als ein Dutzend Bücher vor. Im Windschatten dieser sehr erfolgreichen Serie ist die Trilogie um die Leibwächterin Hilja Ilveskero erschienen, die es der Autorin ermöglicht hat, sich mit ihrer neuen Heldin ein wenig mehr ins Zwielichtige und Ambivalente vorzuwagen. Ich habe nun den ersten Band der Trilogie gelesen - mit steigendem Vergnügen, wenngleich auch ein wenig irritiert. Von beidem soll hier die Rede sein.

Hilja Ilveskero ist eine Leibwächterin, doch wer sich deshalb einen actiongeladenen Thriller erwartet hat, der wird enttäuscht sein. Leibwächterin kann man eben auch als einen Routineberuf betrachten, der eher festgeschriebenen Regeln und Routinen folgt, als von einer ständigen Aufeinanderfolge von Action. Es ist das Warten, was diesen Beruf ausmacht, die aufmerksame Bereitschaft für den Ernstfall, das doch recht enge Verhältnis zur Klientin. Im Leben Hiljas ist es auch denkbar, als Security am Sicherheitscheck eines Flughafens zu arbeiten oder gegebenenfalls arbeitslos zu sein. Auch dieser Beruf besteht nicht nur aus Spannung und Sensation, sondern vor allem aus Routine.

Doch Routine wird zum Ernstfall und Hilja hat eigentlich im entscheidenden Moment versagt. Der für einen Krimi notwendige Mord passiert bereits auf den ersten Seiten des Romans. Hilja ist fest entschlossen, den Mord an ihrer Klientin aufzuklären - auch deshalb, weil sie sich Vorwürfe macht, den Mord möglicherweise durch ihr impulsives Verhalten mitverschuldet zu haben. Doch dem Ausgangspunkt der Handlung folgen weder actiongeladene Episoden noch unmittelbar weitere Morde. Im Gegenteil: die Autorin widmet sich ausführlich der Entfaltung des Charakters ihrer Heldin. Ihr familiärer Hintergrund, ihre Ausbildung zur Personenschützerin, ihre Gewissensbisse und schließlich ihre Zweifel über eine sich entwickelnde Liebesbeziehung nehmen breiten Raum im Roman ein. Wir begreifen recht rasch: diese Person soll uns ans Herz wachsen, damit wir sie auch gut und gerne in den Folgebänden des Romans begleiten wollen. Plötzlich finden wir uns in einer recht ambivalenten Liebesgeschichte wieder, die uns den weiteren Verlauf des Romans begleiten wird. Und auch der Schilderung der urtümlichen Landschaft Finnlands wird breiter Raum gegeben. Ach ja, die vergifteten Pilze!

Die langsame Entfaltung des Charakters der Heldin hat manche RezensentInnen dazu bewogen, das Buch als ereignisarm und unspannend zu bezeichnen. Ich aber bin der Überzeugung, dass ein Krimi nicht die rasanten Schnittsequenzen eines Actionfilmes imitieren muss, um zu fesseln, sondern daß er sehr wohl auch von der Entfaltung seiner Charaktere leben kann. Im gegenständlichen Fall merkt man recht deutlich, daß die Autorin sich ausreichend Zeit nehmen will, um uns die Heldin ans Herz zu legen. Sie schreibt selbstbewußt vor dem Hintergrund ihres schriftstellerischen Könnens und bisherigen Erfolgs und nimmt sich die Freiheit, das Erzähltempo zu drosseln, um ihre Figuren gut zu entwickeln.

Man muss eben ein wenig Geduld haben, um sich in die Welt der Personenschützerin Hilja einführen zu lassen, um ihren Zweifel, ihre Wut, ihre sexuellen Bedürfnisse, ihren Mut und ihre Beharrlichkeit nachvollziehen zu können. Langsam und mit logischer Konsequenz bauen sich die einzelnen Handlungs-elemente auf, und ohne erzählerischen Kraftakt löst sich der Fall. Am Ende des Buches angekommen, werden wir zwar einen der obligaten jedoch unaufdringlichen platzierten Cliffhanger antreffen, der den Leser/die Leserin auf den Folgeband der Trilogie verweist. Dennoch: das Handlung ist abgeschlossen, rund und stimming. Wir finden uns wieder mit unserer Neugier auf die weiteren Erlebnisse der Romanfiguren. Menschen (und Kunstfiguren) wirklich kennenzulernen, das braucht eben seine Zeit. Das mag altmodisch und "uncool" klingen, aber Menschen funktionieren eben nicht anders. Wer nicht zur Geduld bereit oder fähig ist, der möge zu anderen, mehr spektakulären Geschichten greifen: die Buchhandlungen sind voll davon. Wer jedoch die eindringliche Gestaltung von Charakteren mag, wird dieses Buch mögen.

Mit dem eben Gesagten soll nicht der falsche Eindruck erweckt werden, das Buch sei allein auf das innere Erleben seiner Romanfiguren ausgerichtet. Wir lernen auch einen Ausschnitt aus den bilateralen Beziehungen zwischen Rußland und Finnland kennen, diesseits und jenseits der unklaren Grenze von Recht und Unrecht, von Geschäft und Korruption, Tourismus und Ausverkauf der Natur. Die Handlung des Buches fokussiert auf den geplanten Bau einer russischen Gas Pipeline durch Finnland, auf das Verhältnis zwischen Macht und Politik, Geschäft und Korruption. Es ist immer schwierig, hinter die Kulissen scheinbarer Realität zu blicken und zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Auch darüber lesen wir in diesem Buch.

Zwei Wermutstropfen mischen sich in mein behagliches Krimiabenteuer. Da ist einmal die Obsession der Autorin für Luchse. Leena Lehtolainen baut hier ein Motiv von großer Präsenz auf, indem sie ausführlich von den Kindheitserlebnissen der Heldin mit einem halb gezähmten Luchs namens Frida erzählt und dieses Motiv immer wieder ins Spiel bringt, wohl in der Absicht, das Wilde und Unberechenbare und Einsame der Heldin zu symbolisieren. Allein, das Motiv wird meiner Ansicht überstrapaziert, sodaß es langsam aber sicher zur Wortwiederholung zu degenerieren droht. Leider hat sich die Autorin allzu sehr von ihrer Faszination für diese Tiere hinreißen lassen. Das hat dem Erzählfluss an einigen Stellen nicht gut getan.

Zum Zweiten: die vom Finnischen ins Deutsche gebrachte Übersetzung von Gabriele Schrey-Vasara verwendet stellenweise und ohne ersichtlichen Grund statt standardsprachliche regionale Redewendungen und Begriffe, was dem Text nicht gut tut. Auch das Cover des Buches ist, sowohl was die bildliche Darstellung als auch die Genrebezeichnung "Thriller" betrifft, irreführend. Wie schon andernorts bemerkt wurde, ist das Buch kein typischer Thriller, der sich durch einen kontinuierlichen Spannungsbogen auszeichnet. Die Heldin steht auch nicht düster und geheimnisvoll im Halbschatten der Erzählung, wie dies die Fotomontage suggeriert. Die Cover der finnischen Originalausgabe und der englischen Übersetzung sind da andere Wege gegangen und haben statt der Dame im geheimnisvollen Halbschatten den Luchs aufs Cover gebracht, was mir angesichts des weiter oben Gesagten stimmiger erscheint.

Insgesamt fällt aber mein Leseeindruck sehr positiv aus: deshalb bin ich gerade beim Lesen des zweiten Bandes der Trilogie.

Offenlegung: Diese Rezension wurde weder von einer anderen Person in Auftrag gegeben, noch liegt ihr die Überlassung eines kostenfreien Lesexemplars zugrunde. Sie ist im besten Sinne freiwillig und allein vom Interesse am gegenständlichen Buch und von der Freude am Schreiben getragen.

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alan dean foster

Die denkenden Wälder

Alan Dean Foster
E-Buch Text
Erschienen bei Heyne Verlag, 25.02.2014
ISBN 9783641126384
Genre: Science-Fiction

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Löwen wecken

Ayelet Gundar-Goshen , Ruth Achlama
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 01.02.2015
ISBN 9783036957142
Genre: Romane

Rezension:

Schlafende Löwen soll man nicht wecken, aber unter der Oberfläche unseres durch Routinen und allerhand Sicherheitsvorkehrungen geregelten Lebens schlummert das Andere, das Unberechenbare, die Gefährung. Und wer die Löwen einmal geweckt hat, der bleibt wohl unbarmherzig allein auf sich selbst gestellt.

Das neue Buch der islaelischen Autorin Ayelet Gundar-Goschen ist ein solches Buch über die Gefährungen unserer Lebensroutinen, gezeigt anhand der Leben des Neurochirurgen Eitan, seiner Frau Liat und der aus Eritrea geflüchteten Sirkit. Um aus der Routine seines anstrengenden Arbeitsalltags auszubrechen, beschließt der Neurochirurg Eitan nächtens eine Spritztour durch die Wüste zu machen, tötet dabei einen am Wegrand stehenden Flüchtling und entschließt sich zur Fahrerflucht. Schon am nächsten Morgen taucht die Ehefrau des Getöteten auf und erpresst den Arzt, der ab nun in seiner Freizeit in der Abgeschiedenheit einer einsamen Werkstatt die Flüchtlingscommunity ärztlich versorgen muss. Sirkit, der gesellschaftliche Underdog wird zur beherrschenden und Eitan kontrollierenden Leiterin des improvisierten Spitals, auf das sich ab nun die Lebensenergie des Arztes konzentriert. Eitan wird Geisel seines eigenen Verbrechens und im Laufe seiner "Gefangenschaft" verweben sich in einer Art "Stockholm - Syndrom" das Denken und Fühlen von Eitan und Sirkit immer mehr. Andere Personen sterben und die Ehefrau des Arztes, eine im Fall der Fahrerflucht ermittelnde Polizistin, beginnt misstrauisch zu werden. Hinter jedem Kapitel lauert eine neue Überraschung. Wie sehr wünschen wir uns während des Lesens, die Situation möge endlich eskalieren, um die psychologische Spannung von uns zu nehmen: allein, das Leben ist banal und tendiert zur Entropie.

Vieles hätte aus der Grundidee dieses Buches werden können: eine Yuppie-Befindlichkeitsstudie, ein Kriminalroman, ein Flüchtlingsdrama, eine Liebesgeschichte - und gottseidank ist der Roman keines davon. Bis auf die letzten Zeilen entzieht sich der Roman der Erwartungshaltung seiner LeserInnen, langweilt nie, sondern überrascht mit unerwarteten Rückblenden und Wendungen der Handlung, ohne dabei im geringsten konstruiert zu wirken. Auch wer eine fein säuberlich in Gut und Böse bzw. in Täter und Opfer geteilte Welt erwartet, wird enttäuscht werden. Was die Autorin (deren zweiter Beruf übrigens Psychologin ist) interessiert, ist die psychologische Entwicklung der Handlung, der Blick hinter die Fassaden unserer Leben, die sehr mitfühlende aber dabei unbarmherzige Aufdeckung dessen, was die Wahrheit der handelnden Personen sein könnte. Und sie erzählt brilliant, auf hohem Sprachniveau, nie aber abgehoben.

So endet dieser Roman mit einer Art "Moral von der Geschicht": "Wie schön ist die Erdkugel auf ihrer richtigen Bahn. Wie angenehm, sich auf ihr zu drehen. Zu vergessen, dass es einmal eine andere Bahn gegeben hat. Dass eine andere Bahn im Bereich des Möglichen liegt."

Das Buch wurde auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse im Rahmen des Schwerpunktes "50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen" vorgestellt. Nichts besseres kann den Beziehungen zwischen zwei Ländern passieren, als Erzählungen und Haltungen, die nicht vordergründig auf "Völkerfreundschaft" pochen, sondern darauf insistieren, dass unser Leben hie und da und anderswo zwar sehr unterschiedlich ist, aber im Grunde nach denselben menschlichen Prinzipien verläuft. Das ist der Autorin mit ihrem zweiten Buch hervorragend gelungen, indem sie uns vor Augen führt, welches (durchwegs auch erschreckendes) Potential sich in uns verbirgt und nicht zuletzt, indem sie der deklassierten Zuwanderin ihre Würde wieder gibt: im Guten wie im Bösen. Von der deutschen Kritik wurde das Buch sehr positiv aufgenommen und die Rezensionen auf LB sind erfreulich zahlreich. Ein Verkaufserfolg wäre der Autorin und dem engagierten schweizer Indie - Verlag kein&aber sehr zu wünschen.

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Tags: israel   (1)
 

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 2 Rezensionen

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Waltz with Bashir

Ari Folman , Heinz Freitag , David Polonsky , Heinz Freitag
Buch: 120 Seiten
Erschienen bei Atrium Verlag AG, 04.05.2009
ISBN 9783855351367
Genre: Romane

Rezension:

Zwischen dem 16. und 18. September 1982 wird während des Bürgerkrieges im Libanon das von israelischen Truppen umzingelte palästinensische Flüchtlingslager Sabra und Schatila von christlichen Falangisten gestürmt. In einem Massaker werden tausende Zivilisten vorsätzlich ermordet. Dieser Massenmord wurde als Rache für die Ermordung von Präsident Bachir Gemayel begengen und geschah mit Wissen und unter den Augen der israelischen Armee. Das Massaker von Sabra und Schatila stellt damit ein weiteres Fanal für die grausame Vernichtung palästinensischer Zivilbevölkerung dar und ist bis heute im kollektiven Bewußtsein der Palästinenser und der Welt wach geblieben.



Um diese Ereignisse kreist der animierte Dokumentarfilm von Ari Folman, der selbst in den 80er Jahren als israelischer Soldat im Libanon stationiert war und der in diesem Film ein Stück seiner Erinnerungen bearbeitet. Sein radikal subjektiver Ansatz kreist dabei nicht so sehr um eine umfassende Aufarbeitung der Hintergründe und Geschehnisse dieser Katastrophe und auch gar nicht um wie immer geartete Schuldzuweisungen. Er beschreibt vielmehr den mühsamen Erinnerungsprozeß von im Krieg traumatisierten Soldaten. Dabei berührt er nicht nur die quasi ontologischen Fragen von Zerstörung, Tod, Angst und Verdrängung, sondern es wird immer wieder auf die für Israel traumatischen Zusammenhänge mit der Shoa angespielt. Bashid Gemayel als katholischer "Führer", das "Lager" als Ort von systematischem Mord und das tatenlose Zusehen der "Außenwelt" - all dies sind Parallelen, die sich beim Erzählen aufdrängen und wahrscheinlich mit ein Grund für die katastrophale "Verdrängungspolitik" von Gesellschaft und Individuum darstellen.

Ausgelöst durch das Gespräch mit einem Freund, beginnt sich die zentrale Figur des Films wieder an Fragmente seiner Beteiligung an dem Massaker von Sabra und Schatila zu erinnern und unternimmt, unterstützt von einem befreundeten Psychoanalytiker, eine Reise zu den Wahrheiten anderer Kriegsbeteiligter aber auch zu seiner eigenen, die er seit Jahren verdrängt hat. Er macht sich auf, seine ehemaligen Kriegskameraden zu interviewen, um mehr über sich selbst zu erfahren und begegnet auch dort wie bei sich Verdrängung, Leugnung und Vergessen. Doch einmal den Weg eingeschlagen, läßt sich die schmerzhafte Wahrheit der vergessenen Tage nicht mehr verbergen und seine Mitschuld an den Ereignissen in den Flüchtlingslagern wird schmerzlich offenbar.

Der Zuschauer begibt sich auf eine somnambule Reise, die durch die expressiven Zeichnungen, flirrenden Farben und eindrucksvolle Musik eindrucksvoll unterstützt wird. Schon am Beginn des Filmes weist eine durch die Stadt hetzende Meute von aggressiven Hunden symbolisch auf die Verfolgung durch die eigene Kriegsschuld hin. Auch die Schlüsselszene, mit der sich der Antiheld des Filmes in die Ereignisse jener Tage zurückbegibt, ist in ihrem Grauen beeindruckend. Irgendwann im Laufe der Handlung passiert es dann, dass man als BeobachterIn das für einen Kriegsfilm doch recht ungewöhnliche Trickfilmambiente vergißt und sich in das Erinnerungspuzzle des verzweifelten Helden verstrickt.

Die Distanz, welche der Trickfilm zu dem vermeintlichen Realismus anderer Kriegsfilme hält, spielt eine wichtige Rolle für die Identifikation mit den Befindlichkeiten, den Gefühlen und der Verdrängungsarbeit der dargestellten Soldaten. Der Ton ist unaufgeregt, nüchtern und fast ein wenig deprimierend. Dass das Auge und die Aufmerkssamkeit des Zuschauers nicht von emotionalisierten oder hyperrealen Kriegsszenen überschwemmt wird, ermöglicht es ihm überhaupt erst Verständnis und Empathie zu entwickeln und "zuzuhören". Was ist denn geschehen, warum muss das Geschehen denn so rigoros verdrängt werden? Und dennoch ist weniger die eigentliche konkrete Schuld als vielmehr die latente Mitschuld der Auslöser der Amnäsie.

Der Film endet in der (immer nur vorläufigen) Erkenntnis, am Massaker in Sabra und Schatila mitbeteiligt gewesen zu sein. Die den Morden entkommenen Personen werden von einem Jungen angeführt, der durch seine Haltung an jenen erinnert, der auf einem Foto über die sich ergebenen Juden das Warschauer Ghettos weithin bekannt geworden ist: erhobene Hände, Entbehrung und Schrecken im Gesicht, verlorene Jugend.

Und während die in das Lager einrückenden israelischen Soldaten mit den Morden der vergangenen Tage konfrontiert werden und diese die schrecklichen Szenen zwar verdrängen aber nie ungeschehen machen können, wandelt sich auch der Trickfilm in eine Schnittfolge mit dokumentarischem Filmmaterial. Er zeigt den Schmerz und Verzweiflung der hinterbliebenen Angehörigen. Man möchte selbst kaum glauben, dass solche Dinge im Leben von Menschen geschehen können. Der Schrecken ist real, wenngleich man den Eindruck hatte einem Albtraum gefolgt zu sein.

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Tags: animation, israel, krieg   (3)
 

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brutal, david gray, drogen, erpressung, hamburg, hardboiled, hard boiled, killer, korrupte polizisten, korruption, krimi, mord, rache, selbstjustiz, thriller

Kanakenblues

David Gray
Flexibler Einband: 376 Seiten
Erschienen bei Pendragon, 16.02.2015
ISBN 9783865324542
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wieso „Blues“ denk ich mir? Ist der Held des Buches traurig, melancholisch, sentimental? Ist es die Stimmung oder gar die Komposition des Buches? Oder sollen wir „den Blues bekommen“, wenn wir dieses Buch lesen, bedrückt sein über Morde, die Tristesse der Männerschicksale, die Schlechtigkeit der Welt?

Ich komme zu dem Schluss, dass ich keinen Blues entdecken kann, sondern bei diesem Buch mit dem Versuch einer „Hard Boiled Police Novel“ konfrontiert bin. Abgebrühte Polizisten, die sich kaum von den Kriminellen unterscheiden mit denen sie gemeinsam gegen die eigenen Kollegen vorgehen – selbst viel Dreck am Stecken haben und nur darauf bedacht sind, ihren eigenen Kopf aus der selbst geknüpften Schlinge zu ziehen. Die Welt ist so, wie sie ist, ohne Perspektive und Sinn: darüber kann aus Sicht des Erzählers nur männlich-zynisch erzählt werden, abgebrüht und cool also, ohne Funken Sehnsucht und auch ein wenig postpubertär. Vom wirklichen Blues ist das alles weit entfernt. Nichts wirklich Melancholisches kann ich finden. Denn an der Reeperbahn dieses Romans wird Anderes gesungen: etwas im Stil von Hans Albers, mit rauher und lauter Stimme und stolzgeschwellter Brust, ähnlich einem aufgeblasener Gockel.

Altmodisch wirkt dieses Genre im deutschen Gewand, rettungslos überholt, in Zeiten des psychologisierenden Krimis aus Skandinavien mit seinen starken Frauen und dem genauen Hinsehen auf die Charaktere der Personen. Es scheint, als hätten wir es bei diesem Roman mit einem schwachen Abgesang auf einen Typus us-amerikanischer Literatur zu tun, welche von Chandler, Ambler & Co einst in großartiger und unverwechselbarer Manier begründet wurde. Dorthin will der Kanakenblues also zurück, denke ich mir und komme nicht umhin, spöttisch zu lächeln. Das passt ja nie so ganz mit deutschen Krimis, die internationalen Vorbildern nacheifern wollen, aber die Dinge nicht zu Ende denken. Es kommt mir vor, als ob Derrick und Schimmie Hand in Hand aus der Ferne grüßen mit einem etwas peinlichem Slapstick.

Die feinen Beschreibungen, die genauen Beobachtungen, die emphatische Schilderung – das sind des Autors Stärken beileibe nicht. Hier wird in die Tasten der mechanischen Schreibmaschine  gehämmert, dass er nur so kracht. Männer unter sich, das Leben ein Jammertal aus Blut, Schweiß und dem schnellen Fick, unfähig sich dem Leben zuzuwenden, aber exzellent darin, dem anderen etwas reinzuwürgen. Die Frauen hingegen kommen kaum über die Rolle als HandlangerInnen der Antihelden hinaus: als Vergewaltigte, Liebhaberin, Luder, Mutter oder hilfreich barmherzige Anwältin. Über allem ruht der Autor als Dompteur und treibt seine Helden zu immer neuen Klischees an, die eine sorgfältige Erzählung ersetzen müssen. Und überall die Sehnsucht nach dem schnellen Geld als Deus Ex Machina in einem schlechten Stück.

Der Autor liebt die harten, knappen Männerworte, die coolen Antworten und die knackigen Metaphern, von denen das Buch nur so gespickt ist. Schnoddrigkeit bricht hervor aus den Seiten des Buches, belagert und belästigt uns, gibt vor, dass wir es hier mit großer Wortgewalt zu tun haben. Was flockige Männerphrasen angeht, vielleicht; allein zu einem gelungenen Buch gehört mehr als der künstlich-großkotzige Dialog zwischen ständig gewaltbereiten und depressiven Männern. Auch daran erkennt man die guten ErzählerInnen: dass sie uns nicht wie hier im letzten Drittel des Buches in elendslangen Passagen erklären müssen, warum alles so furchtbar kompliziert ist bei der Auflösung des Falles und warum wer mit wem wann und wo was getan haben könnte. Sie kommen auch ohne Klischees aus, denn das ist es, wogegen sie im täglichen Geschäft anschreiben, um die Vielschichtigkeit des Menschen auszuloten. Bei den MeisterInnen des Genres erledigen sich Plot, Motiv und Charakterisierung elegant wie von selbst, ganz ohne pädagogisch motivierte Geschwätzigkeit. Der vorliegende Roman lebt aber notgedrungen von letzterer und schwächelt so trotzig vor sich hin.

Es gibt ja keine Zeit zum Erzählen. Wenigstens wird so getan. Trotz der 400 verfügbaren Seiten wird hier aufs Tempo gedrückt, als gäbe es keine Zeit, als stünde etwas auf dem Spiel, als müsste in 24 Stunden etwas verhindert, erledigt, gerettet werden. Sogar die Minuten der erzählten Zeit der einzelnen Kapitel werden angegeben, allein man weiß nicht, wozu. Vielleicht um Tempo und Spannung zu erzeugen, um Authentizität vorzutäuschen, damit der vorrückende Minutenzeiger uns immer wieder anhält, weiterzuhasten beim Lesen? Oder gar um das Kanakenopfer retten zu können, als Entschädigung für die angetane schriftstellerische Stigmatisierung? Voran, voran, voran, versucht es uns zu treiben. Es ist schon eine Peinlichkeit, dass sich der Untertitel des Romans vom formalen Standpunkt aus mathematisch exakt bewahrheitet. Denn genau 24 Stunden dauert das eigentliche Geschehen (ohne Prolog) und keine Minute länger! Da soll noch einer sagen, der Erzähler hat seine Zeiten nicht unter Kontrolle.

Dennoch mit all dem kann Mann leben, wenn Mann ausspannen will am Sonntag im Garten und vergessen ist von den Pflichten des Alltags. Mann könnte sich treiben lassen in den kriminellen Machenschaften seiner Artgenossen, reiten auf der Schnoddrigkeit seiner Helden und dem Kanaken endlos zusehen wie er zum wiederholten Male Opfer wird, nur deshalb, weil er Kanake ist. Dass Opfer zu Opfer werden, ist ja nicht ungewöhnlich, das sind wir ja allemal gewohnt und davon lassen wir uns auch nicht die Entspannung verderben. Hauptsache, nicht selber Opfer werden! Ach wie erholsam kann ein Sonntag mit einem Buch sein.

Richtig ärgerlich wird das Buch aber dort, wo mit den latenten Vorurteilen Schindluder getrieben wird, bei der gescheiterten Charakterisierung des Täters und Opfers Younas. Denn Younas stammt wohl aus dem Musterkatalog deutschen Vorurteils gegenüber Migranten mit türkischen Wurzeln. Er kanakt dahin, als einziger im Buch, wie wohl seit Jahren in Deutschland und sprachlich offenbar begabt, die Tochter eingebettet im höheren Bildungssystem. Dabei gäbe es doch so viel Möglichkeit, sprachlich zu gestalten: bei den Hamburgern, den Jugos und Russen, auch bei anderen Türken – allein der Opferkanak muss Kanak bleiben in seinem archaischen Mentalitätssumpf aus Blutrache, Gefängnishintergrund, Autoritätshörigkeit, Gewaltbereitschaft und Tollpatschigkeit. Unverschämt, wie sehr hier ein Klischee ausgebeutet wird, wo doch einige Krimiautoren bereits bravurös gezeigt haben, dass es auch anders geht. Aber dann würde wohl ein wenig differenzierter erzählt werden müssen.

Und noch ein zweiter Hinweis auf die misslungene Charakterisierung der Figuren. Sehen wir uns Boyle, den Kommissar an. Unklar warum er sich von seinen Kolleginnen gleich zu Beginn des Buches antreiben lässt, eine Jugendliche zu vergewaltigen. Hier wird, wie bei Younas eine hanebüchene Motivation zum Begehen eines Verbrechens konstruiert. Ein ausgebildeter Kommissar vergewaltigt eine Minderjährige nur um dem psychologischen Druck seiner Polizeikollegen nachzugeben? So einfach geht das im Leben? Hallo!

Das ist die wirklich große Schwäche des Buches: dass es Figuren schafft, die letzten Endes unglaubwürdig bleiben mit dem was sie tun bzw. versäumen zu tun. Das es keine Ahnung hat, wie Menschen wirklich funktionieren, welche Motive, Zweifel und Phantasien sie wirklich mit sich tragen. Ein Mensch vergewaltigt nicht, nur weil das seine Kollegen so wollen, ein Mensch wird nicht zum Mehrfachmörder, nur weil seine Tochter vergewaltigt wurde. Dazu braucht es mehr, viel mehr. Und wenn ein Autor Monströses erzählt und uns nicht klar machen kann, warum es sich ereignet, dann hat er versagt. So einfach ist das. Denn seine Figuren sind monströse Papiertiger, die  sich lächerlich machen, wenn sie brüllen.

So endet das Buch genauso hanebüchen wie es begonnen hat: diesmal mit den Schüssen von Boyle auf eine Werbefläche, das ihn als Polizeisprecher zeigt. Jetzt wissen wir: der Held hat genug von Allem. Ich hoffe, das hat nun jeder verstanden. Ich wiederum habe genug von dem Buch, von dem ich nicht weiß, was es sagen will, ja überhaupt: warum es geschrieben wurde.

Dieses Buch wird seine Leser haben, und das sei ja jedem vergönnt, der sich entschlossen hat, die Mühsal des Schreibens auf sich zu nehmen. Mich hat es selbst als Stück Unterhaltungsliteratur schon bald gelangweilt. Und ist dieses Buch allein deshalb ein „Thriller mit härterer Gangart“ nur weil darin blasse Figuren ungehörig rumrotzen und ein Stück schmutzige Welt aus Klischees zum Universum aufgeblasen werden muss? Wie hat Helmut Qualtinger so treffend in Anspielung auf den österreichischen Fußball bemerkt: „Simmering gegen Kapfenberg, DAS ist Brutalität!“ Zurück zur Realität, möchte man ausrufen mitten im Gelese.

Wenden wir uns also dem Leben zu. Haben Sie Ansprüche an Ihr Buch und Ihre Freizeit? Sie können wählen. Ich höre jetzt Bessie Smith, um mich zu vergewissern, was ein Blues tatsächlich können soll. Meinen LeserInnen empfehle ich zum Schmied zu gehen und den Schmiedel bleiben zu lassen: dessen Bücher sind genauso teuer. Dem Autor rate ich zwecks Kanakenrecherche einen ausgedehnten Aufenthalt in Istanbuls Kultur- und Literaturbetrieb.

 Krasses Buch. Shut Down. Ende.

Dieses Buch wurde aufgrund eines kostenlosen Leseexemplars im Rahmen einer auf Lovelybooks veranstalteten Leserunde rezensiert.

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BTOOOM! 01

Junya Inoue
Flexibler Einband: 388 Seiten
Erschienen bei TOKYOPOP, 18.11.2013
ISBN 9783842008625
Genre: Comics

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Die Lange Erde

Terry Pratchett , Stephen Baxter , Gerald Jung
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Manhattan, 14.10.2013
ISBN 9783442547272
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Zugegeben, die Buchidee hat mich fasziniert. Mit Hilfe eines Selbstbaukastens kann es gelingen, in einer Art "Weltensprung" auf nebeneinanderliegende Welten zu gelangen. Dies kann unendlich fortgesetzt werden, Sprung um Sprung, nicht unendlich aber doch fast unendlich lange. Und weil die Anleitung zu diesem Selbstbaukasten im Internet veröffentlicht wird, bleibt diese "Technologie" nicht nur für einige wenige leistbar, sondern wird zu einer Art demokratischen Technologie, die von jedem beherrscht werden kann, folgt er nur penibel genau den Anweisungen. Und so ist sie offen, für viele: die Welten, die sich eine nach der anderen aneinander Reihen, aber sich auf unterschiedlichem Evolutionsstand befinden. Wie nicht anders zu erwarten, besiedeln allerlei Pioniere (sgn. Wechsler) Schritt für Schritt diese Parallelelten und machen im Grunde dasselbe, was sie auf ihrem Ursprungsplanet namens "Datum" gemacht haben: beherrschen, ausbeuten und Geld verdienen. Aus der möglichen Utopie wird langsam aber sicher ein Abgesang auf die idealistischen Potentiale, die ein solcher "Neubeginn" hätte in sich bergen können. Das ist zwar eine deprimierende Perspektive, wäre aber spannend und geistreich und bei einiger Konsequenz auch erzählerisch gut zu entwickeln. Allein, der Roman verspricht viel, viel mehr als er letztendlich leistet.

 Leider gelingt es den beiden, nun doch sehr renommierten Autoren nicht, die Idee schriftstellerisch gut und erzähltechnisch spannend zu entwickeln. Zu wenig Geduld haben sie, sich beim Erzählen Zeit zu nehmen und ihren Stoff, ihre Charaktere und ihre Schauplätze zu entwickeln, zu schlampig sind sie in der Bündelung der Erzählfäden, zu lustlos und unaufmerksam. Ach, wie hätte man das Abenteuer, die Utopie, die conditio humanis durchleuchten können, welche Lust hätte das Lesen des Buches bereiten können. Was bleibt, ist ein dürftig mit erzählerischen Stücken angereichertes Exposee, das uns unbefriedigt zurückläßt und wenig neugierig macht auf den zweiten Teil der Reihe, der gerade auf Deutsch erschienen ist. Viele Köche verderben den Brei, bei diesem ist es wohl zwei alten Meisterköchen gelungen, ihn gründlich zu versalzen. Schnell hat sich deshalb beim Lesen über die Forschungsreise eines natürlichen "Wechslers" und einer künstlichen Intelligenz names Lobsang Langeweile bei mir breit gemacht. Langatmig und spannungsfrei erzählt, führt es die Leser auf eine Reise, die nur mäßig interessant ist und an deren Ende wir auf ein obskures "Wissensmeer" stoßen, das, nun, dramaturgisch wozu da ist? Man weiß es nicht. Da mögen all die Trolle fliehen, so viel sie nur können. Man hat sich durch die Autoren von Welt zu Welt treiben lassen lassen und versinkt zu guter Letzt im zähen Meer des wissenden Nichts.

 Soll man sich auf den zweiten Band, der gerade auf Deutsch erschienen ist, vertrösten lassen? Das möge jede/r selbst entscheiden, denn zum Teil lohnt es vielleicht doch, sich auf die Grundidee des Buches einzulassen. Vielleicht läßt sich ja irgendo ein Billigexemplar auftreiben oder eine Bibliothek hat sich zum Ankauf entschlossen. Einen Neukauf würde ich nicht empfehlen.

Wie ich Wikipedia entnehme, soll im Juni 2015 ein dritter Band in englischer Sprache erscheinen, ob der geplante vierte und fünfte Band nach dem Tod von Terry Pratchett erscheinen wird, ist ungewiß. Ich werde mich jedenfalls nicht mehr weiter auf die Reise schicken lassen.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die Weisheit der Wölfin

Dr. Henrike Staudte
E-Buch Text: 126 Seiten
Erschienen bei epubli GmbH, 08.09.2014
ISBN 9783737507219
Genre: Romane

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Das Jahr der Flut

Margaret Atwood , Monika Schmalz
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 10.03.2014
ISBN 9783833309700
Genre: Romane

Rezension:  
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So rot wie Blut

Salla Simukka , Elina Kritzokat
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Arena, 27.08.2014
ISBN 9783401600109
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kriminalromane überschwemmen gegenwärtig den Buchmarkt in noch nie dagewesener Weise. Das Verbrechen wird zum allgemein akzeptierten Entspannungsmittel für den lesenden Teil unserer Gesellschaft. Darüber nachzudenken, was diese Krimimanie über unseren psychologischen Zustand  aussagt , würde allemal  lohnen. Fest steht: die Konkurrenz der AutorInnen ist groß, die Qualität der in prächtigen Covern daherkommenden Geschichten ist oft mäßig bis schlecht. Für die Verlage aber scheint sich die Investition allemal  zu lohnen. Skandinavien ist zu einem „Qualitätssiegel" geworden, vielleicht auch, weil der durchschnittliche  deutschsprachige Kriminalroman handwerklich schlecht ist, unerträglich bieder daherkommt und schlicht und ergreifend langweilt. Hohe Nachfrage bedingt eben nicht automatisch gute Qualität. Aber auch für die skandinavischen AutorInnen wird es immer schwieriger, „Marktlücken“ in der schriftstellerischen Behandlung des Kriminellen zu entdecken. Der Markt sättigt sich, wirklich gute Neuerscheinungen sind selten geworden.

Diese Feststellung führt uns direkt zu Salla Simukkas Schneewitchentrilogie, dessen erster Band „So rot wie Blut“ 2014 in deutscher Sprache erschienen ist. In einem Zwiegespräch mit der finnischen Autorin Emmi  Itäranta spricht sie diese Marktlücke an. Zwar gebe es in Finnland auf dem Gebiet des Kriminalromans „Detektivgeschichten“ für Kinder und eine große Auswahl an Kriminalromanen für Erwachsene. Entsprechende Bücher für jugendliche Erwachsene gäbe es jedoch kaum. In gleichem Zug weist Salla Simukka für ihre Trilogie die Zuschreibung „Jugendbuch“ zurück, meint auch, die Erfahrung habe gezeigt, dass die Leserschaft aus allen Altersgruppen käme. Der Erfolg des Buches scheint ihr recht zu geben. Wie sie selbst sagt, hätte sie bereits Übersetzungsverträge für den dritten Band der Trilogie unter Dach und Fach gehabt, bevor sie überhaupt erst mit dem Schreiben desselben überhaupt begonnen habe (Hier gehts zum Gespräch).

Unzweifelhaft ist Salla Simukka gelungen, mit ihrem Krimi ein Stück des Kosmos von Jugendlichen abzubilden.  Ihre Heldin heißt Lumikki die Finnische Bezeichnung für den Begriff Schneewittchen. Die Märchenwelt ist dann auch ein fester Bestandteil des Buches und das, obwohl darin sehr realistisch erzählt wird. Nicht nur die Titel der Trilogie spielen darauf an und zahlreiche Kapitelzitate, sondern die Handlung kulminiert in einem recht zwielichtigen Märchenfest, das der Eisbär, das ominöse Haupt einer verbrecherischen Organisation ausgerichtet hat. Märchen hätten früher zur Literatur für Heranwachsende gehört, meint die Autorin. Gar nicht märchenhaft ist allerdings die jugendliche Heldin des Buches , die mehr ungewollt als gewollt in Verbrechen im Milieu der Drogenwelt verstrickt wird. Sie ist eine für ihre 17 Jahre recht kaltblütige Einzelgängerin, die eine Kampfsportart beherrscht und für eine Gruppe von Jugendlichen, die an einem Drogenverbrechen beteiligt sind, letztendlich die Kastanien aus dem Feuer holt. Etwas überzeichnet wirkt zwar mitunter die Schnoddrigkeit der Heldin, doch insgesamt ist sie ein recht logischer Charakter, der dem Klischee einer jugendlichen Erwachsenen zu entkommen versucht. Man spürt hier deutlich die doch unterschiedliche Rolle der Frau in der skandinavischen Gesellschaft.

Von der Buchkritik wurde Lumikki mitunter als neue Lisbeth Salander gefeiert, die Heldin aus der Krimitrilogie von Stieg Larsson. Das ist aus meiner Sicht irreführend, denn unserem Schneewittchen fehlt der traumatisierende Hintergrund und die soziopathischen Züge von Lisbeth Salander. Sie ist hingegen jemand, mit der sich junge Leserinnen durchaus identifizieren können, so sie sich nicht schon völlig den herrschenden Rollenzwängen gebeugt haben. Ein junges, emanzipiertes Mädchen also, auf der Suche nach sich selbst, selbstsicher und unsicher zugleich. Simukka schafft es trotz einiger kleiner stilistischer Schwächen ein sympathisches und manchmal hintergründiges Rollenangebot für junge LeserInnen zu legen und dabei einen überzeugenden Thriller zu schreiben. Es ist das Verdienst dieses Buches, dass etwas Neues erzählt wird ohne die Welt der Jugendlichen zu moralisieren. Ich bin auf die beiden Folgebände gespannt.

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Tags: finnland, märchen, starke frauen   (3)
 

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24 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Bettler und Hase

Tuomas Kyrö , Stefan Moster
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.09.2014
ISBN 9783404170005
Genre: Romane

Rezension:  
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Die unheimliche Bibliothek

Haruki Murakami , Ursula Gräfe , Kat Menschik
Flexibler Einband: 64 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 05.11.2014
ISBN 9783832162931
Genre: Romane

Rezension:

Eigentlich hatte ich mich für dieses schmale, aber doch relativ teure Buch wegen der sehr schönen Aufmachung entschieden. Der Text des bekannten Schriftstellers Haruki Murakami wird mit wunderschönen Illustrationen von Kat Menschik begleitet. Ein prächtig gestaltetes, unheimlich anmutendes Buch also, das es einem schwer macht, es aus der Hand zu legen und in der Buchhandlung zurück zu lassen.

Die Handlung selbst ist rasch erzählt. Ein Jugendlicher wird mit Vorsatz von einem merkwürdigen Alten im Verlies einer Bibliothek eingeschlossen und begegnet dort neben der Geschichte eines osmanischen Steuereintreibers einem geheimnisvollen Mädchen und einem Schafmann. Gemeinsam beschließen sie die Flucht durch ein dunkles Labyrinth. Eine typische Murakami Geschichte also, die viele Elemente seiner Werke wieder aufnimmt und eigentlich keine Überraschung für all jene Leser darstellt, welche mit einem der früheren Werke des Autors vertraut sind.

Was mich allerdings an diesem Buch besonders interessiert hat, ist der formale Aspekt der Buchgestaltung. Es klingt paradox, aber gerade aufgrund der beeindruckenden Gestaltung verliert das Buch an Substanz. Aus der Erzählung wurde ein (wunderschönes) Bilderbuch, wo sich Text und Illustration nicht ergänzen, indem sie unterschiedliche Seiten unserer Phantasie ansprachen, sondern sich leider ihrer Wirkung gegenseitig berauben. Sie kennen das doch: ein Buch lesen bedeutet auch, sich von seiner Atmosphäre fesseln lassen und Bilder im Kopf zu entwickeln, die ganz intim mit der eigenen Vorstellungskraft und der eigenen Befindlichkeit zu tun haben. Das macht das Geheimnis der Literatur aus und das gilt umso mehr für Literatur, die uns in ein geheimnisvolles und unheimliches Universum entführen will. Das aber kann bei diesem Buch nur sehr schwer gelingen, denn die begleitenden Illustrationen kappen und beschränken die Entfaltung der eigenen Phantasie. Sie sind exzellent gezeichnet, aber sie drängen sich der Phantasie auf; sie entfalten ihre eigene Atmosphäre und dominieren damit den Gesamteindruck. Anders als bei der Graphic Novel sind Text und Bild keine geschlossene Einheit, die einander ergänzen, sondern konkurrierende Elemente. Brutal gesagt: die Bilder erschlagen die Worte und berauben die Erzählung ihrer Kraft.

Schade, denke ich, dass ich das bemängeln muss, denn eigentlich gefällt mir das Buch sehr gut. Vielleicht spricht die Gestaltung auch Jugendliche mehr an und kann sie so auf die Welten Murakamis neugierig machen. Wie heißt es so schön in dieser Erzählung über die unheimlichen Geheimnisse eines Verlieses tief unter einer Bibliothek, wo sich die verschiedenen Welten treffen: "Deine Welt, meine Welt und die vom Schafmann. Es gibt Orte, an denen sie sich überschneiden. So ist es doch, oder?" (S. 37)

Und genau darum geht es vordergründig in diesem Buch: um das Ineinander und Nebeneinander der verschiedenen (Phantasie-) Welten eines jungen Menschen, der sich so gerne unterordnen möchte und letztendlich doch alleine bleibt. Schade, dass die Hintergründigkeit des Buches durch die Faktizität der Illustrationen auf der Strecke bleiben muss. Pracht muss nicht Qualität bedeuten, denke ich. Einfach zu viel des Guten, werter Dumont Verlag! Aber die Verkaufsstrategie hat gewirkt, bei mir zumindest.

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Chronik des Cthulhu-Mythos I

H. P. Lovecraft , Marco Frenschkowski , H. P. Lovecraft
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 01.11.2011
ISBN 9783865521446
Genre: Krimi und Thriller

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Vogelherz

Catherine Catmull , Katja Behrens
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 25.09.2014
ISBN 9783737351331
Genre: Jugendbuch

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49 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

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Der Schneesturm

Vladimir Sorokin , Andreas Tretner
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 06.11.2014
ISBN 9783462046823
Genre: Romane

Rezension:

"Grundsätzlich ist es ja so, dass Russland in einer weit entfernten Vergangenheit lebt, und davon erzählt mein Roman", meint der Schriftsteller Vladimir Sorokin in einem Interview, das über Youtube allgemein zugänglich ist. "In diesem Roman ist die eigentliche Hauptfigur der Schneesturm. Sie begleitet die beiden anderen Figuren stetig und von ihr hängt das Leben dieser beiden Figuren ab." Und weiter fährt Sorokin mit Bezug auf die unterschiedlichen Zeit- und Bewusstseinsebenen im heutigen Russland fort: "Wenn sie heute nur 70 Kilometer hinausfahren, aus Moskau zum Beispiel, speziell im Winter, dann finden Sie sich augenblicklich in einer anderen Zeit wieder. Sie verlieren die Orientierung, in welchem Jahrhundert sie sind und dort begegnen sie der russischen Metaphysik." Schließlich zur Kritik an den russischen Nomenklatura: "Wenn man heute die Machthaber in diesem Land sieht, die Elite Russlands, die fahren Mercedes, telefonieren mit Smartphones usw., aber mental und kulturell stehen sie im 16., 17. Jahrhundert. Ich habe den Eindruck, Russlands Zukunft, das ist unsere Vergangenheit plus Hochtechnologie. (...) Solche Prozesse wie jetzt gegen Pussy Riot wird es noch mehrere geben, für mich haben sie den Geruch von Mittelalter.  Sie zeigen, dass sich an er Spitze unseres Landes, im Kreml, die Paranoia auszubreiten beginnt. (...) Ich denke nicht, dass es Veränderungen durch Straßenproteste geben wird, die Machtfrage wird im Kreml sehr plötzlich und unerwartet entschieden werden."

Diese Aussagen des Autors sind für mich wichtige Hintergrundinformationen, um die Handlung des Romans zu entschlüsseln, eine Handlung, die eigentlich von großer Statik geprägt ist. Denn um die 17 Kilometer zu überwinden, die einen Arzt und seinen Kutscher von einem Ort trennen, in dem angeblich die "bolivianische Pest" ausgebrochen ist, scheint angesichts des ausgebrochenen Schneesturms fast eine Ewigkeit. Immer wieder hindert das Unwetter die beiden an der Weiterfahrt. Entweder man sucht Schutz in bewohnten Hütten und Zeltlagern an der Wegstrecke oder repariert im beißenden Schneetreiben auf offener Strecke die Kutsche. Die Reise "erfriert" zu einem hoffnungslosen Unterfangen. Zunächst denken wir uns in die Realität des 19. Jahrhundert zurückversetzt, durchwoben mit märchenhaften Zügen. Wir begegnen Zwergen und Riesen, beides in Menschen- und Tiergestalt. Aber auch diese Erfahrung wird empfindlich gestört, indem moderne Drogen, Hightech-Behältnisse und Mobiltelefone in die Handlung eingeführt werden und damit die Zeitebenen sprengen. Am Ende sind es sogar Chinesen, die mit riesigen Pferden den Arzt Garin vor dem Tod bewahren und so einen poetisch-politischen Schwenk in die Zukunft erlauben. Russland, erstarrt in einer politischen Eiszeit, aus der es sich alleine nicht befreien kann?  

Man kann das Buch auf verschiedene Weise lesen: als poetisch verschlüsselte Erzählung über die derzeitige politische Erstarrung in Russland, als Rekurs auf die Literatur eines Tolstoi oder Dostojewski, welche virtuos im Roman verarbeitet werden, oder als modernes Märchen, welches einprägsame Charaktere hervorbringt, wie den von seinem Scheitern besessenen und rücksichtslosen Arzt oder den gleichmütig - demütigen Kutscher. Auf alle Fälle wird uns die Sprache Sorokins begeistern, der die mehr als 200 Seiten ohne Kapitelüberschriften auskommt und in einem Guss erzählt, so als wäre dieses Buch ohne Unterbrechung entstanden. Ich habe mir gewünscht, in diesem Buch immer weiterlesen zu können, auch über sein Ende hinaus; einen Roman, der so grausam und beschwingt vom menschlichen Scheitern erzählt, in einer Welt der kleinen Perdchen und gestorbenenen Riesen, des pfeifenden Windes und der lähmenden Kälte. Irgendwo in Sibirien, wo die Zeiten durcheinandergekommen sind und sich Russen, Kasachen und Chinesen auf fast natürliche Weise begegnen können. Es ist gefählich kalt geworden, nicht nur dort in Russland, sondern auch in unserer Welt. Auch hier hat es den Anschein, als könnten wir die Aufgaben nicht mehr bewältigen, die uns die Zukunft für uns und unsere Nachfahren sichern. Starre und fröhlicher Untergang auch hier.

Eindeutig große Literatur, die mehr LeserInnen verdient hätte.

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Die Enzyklopädie der Frühen Erde

Isabel Greenberg , Katharina Dittes
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.11.2014
ISBN 9783518465615
Genre: Comics

Rezension:



Ein Nachschlagewerk bzw. eine Zusammenfassung des Wissens über die  "Frühe Erde" will dieses Buch sein, schrittweise führt es uns von Geschichte zu Geschichte, um zu berichten, wie es zur unmöglichen Liebe zweier gegensätzlicher Menschen gekommen ist. Ein wunderschön gemachtes Buch, das zum Träumen verführt.

Die Geschichte eines jungen Mannes und Geschichtenerzählers  aus Nordland wird erzählt, der als Kind durch den Egoismus seiner Mütter (sic!) und einen unfähigen Schamanen seine Seele verloren hat.  Bei der Suche nach seinem verlorenen Selbst reist er durch die vier Kontinente Nordland, Britarnitarka, Migdal Bavel und Südpol, erlebt zahlreiche Abenteuer und erfährt viele Geschichten, die aneinandergereicht den Bestand der Mythen der "Frühen Erde" darstellen. Berührende Erzählungen sind darunter, etwa von den "Drei Schwestern auf der Sommerinsel" oder von den "Drei Kindern des Berges" aber auch altbekannte Stoffe werden angesprochen, die Isabel Greenberg verkürzt und respektlos neu erzählt: die Geschichte von Odysseus, von Jonas und dem Wal,  vom Turmbau zu Babel oder von der Sintflut. Über all dem Geschehen wacht eine Gottheit namens Vogelmann mit seinen Kindern Kid und Kiddo, welche beide wiederholt in das Leben unseres Helden eingreifen. Der Vogelmann selbst ist im Grunde nur mit sich selbst beschäftigt, ein abwesender, mitunter auch sehr grausamer und nur auf sich selbst bezogener Gott ohne Erbarmen für seine eigenen Geschöpfe.

Während mich die stimmungsvollen Zeichnungen mit ihrer großen Liebe zum Detail, der effektvollen Farbgebung und der groben, holzschnittartigen
Linienführung während des Betrachtens sofort gefangennehmen, stelle ich mir die Frage, ob es heute überhaupt möglich ist, Geschichten zu erfinden, die, wenn auch nur für Augenblicke, so etwas wie einen neuen Schöpfungsmythos generieren können. Dazu hätte ich mich gerne von diesen Bildern verführen lassen und auch mitunter von den prägnanten Beschreibungen. Aber dann rissen mich immer wieder die Dialoge der Figuren aus meinen Träumereien, die zwischen Umgangssprache und Slang wechselten und wohl auch sehr achtlos und unsensibel ins Deutsche übersetzt wurden. Wenn von einer Alten Weisen Frau namens "Weise Schrulle" gesprochen wird, mag das Respektlose dabei durchaus als jugendlich charmant durchgehen, ein in allen deutschsprachigen Ländern sofort erschließbare und sprachneutrale Übersetzung ist das nicht. Auch weiß ich nicht, was "außerkörperliche Visionen" sein sollen und finde die Übernahme der englischen Bezeichnungen "Kid" und "Kiddo" oder die Bezeichnung "knallheiße Wurst" mäßig professionell. Ein wenig mehr Behutsamkeit im Übersetzen und wohl auch im Umgang mit Umgangssprache und Slang (die durchaus auch ihren  Reiz haben können), hätte den "bezaubernden" Zeichnungen durchaus mehr Dynamik geben können.

Obwohl die Graphic Novel durchaus ansprechend ist, gelingt der Mythos von der "Frühen Erde" nur teilweise. Daran ist die Sprache (Übersetzung?) schuld, aber auch das oft wahllos benutzte Sammelsurium an bekannten Mythen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Ihre Aneinanderreihung wirkt bemüht und nicht immer zwingend, ist in schlechtem Sinn postmodern.  Aber sollte man/frau von einer Graphic Novel nicht zu viel erwarten? Die Zeichnungen der jungen Isabel Greenberg haben das Zeug zu mehr und deshalb mag ich diesmal gerne so respektvoll kritisch sein. Wir wünschen der jungen Zeichnerin auf ihrem weiteren Weg viel Erfolg und dem Buch viele LeserInnen. Vier Sterne sind deshalb durchaus Ansporn und Vertrauensvorschuss. Das haben die Zeichnungen verdient.

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Tanz mit dem Engel

Åke Edwardson , Wolfdietrich Müller (Übers.) , Åke Edwardson
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.02.2009
ISBN 9783548608464
Genre: Krimi und Thriller

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frauenraub, jäger und sammler, mammutjäger, stammeskämpfe, steinzeit

Die Frau des Jägers

Elizabeth Marshall Thomas , Götz Pommer , Elfriede Peschel
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei dtv
ISBN 9783423120043
Genre: Romane

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