Leserpreis 2018

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17 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Die Rose des Herzogs: Roman

Marita Spang
E-Buch Text: 683 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 01.09.2018
ISBN 9783426441572
Genre: Historische Romane

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(12)

33 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

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Herbststurm

Angelika Felenda
Flexibler Einband: 437 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 12.11.2018
ISBN 9783518469231
Genre: Krimi und Thriller

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55 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

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Tödlicher Irrtum

Patrick Burow
Flexibler Einband: 268 Seiten
Erschienen bei Edition M, 06.11.2018
ISBN 9782919804542
Genre: Krimi und Thriller

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(77)

190 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 60 Rezensionen

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Heute schon für morgen träumen

Lori Nelson Spielman , Andrea Fischer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 26.09.2018
ISBN 9783810530622
Genre: Romane

Rezension:

Emilia ist New Yorkerin mit italienischen Wurzeln und arbeitet in der familieneigenen Bäckerei. Die 29jährige macht die besten italienischen Leckereien, während ihr Vater im Laden verkauft und Nonna Rosa alles mit ihren Argusaugen überwacht. Die alte Dame bestimmt das Leben ihres Schwiegersohnes und ihrer Enkelin. Emilia lebt ein sehr zurückgezogenes Leben, das außer Arbeit und der Freundschaft zu ihrem platonischen Freund Matt keinerlei Höhepunkte oder Freude beinhaltet. Ihre ältere Schwester Daria nutzt Emilia aus und ihre Großmutter Rosa ist ein richtiger Drachen. Doch Emilia ist das normal, denn sie ist eine Zweitgeborene und diese sind laut einer Familiengeschichte verflucht. Alle Frauen aus der Familie Fontana, die als zweite Tochter geboren werden, bleiben unverheiratet und ohne Familie. Eigentlich glaubt Emilia ja nicht daran, aber steckt vielleicht nicht doch ein Körnchen Wahrheit dahinter?
Als Emilia eine Einladung von ihrer Tante Poppy erhält, die sie zu ihrem 80.Geburtstag nach Italien mitnehmen möchte, ist Emilia zuerst entzückt, doch Nonna Rosa verbietet ihr den Flug. Poppy ist das schwarze Schaf der Familie und wird von allen gemieden. Doch erstmals widersetzt sich Emilia und fliegt gemeinsam mit Poppy und ihrer Kusine Lucy, ebenfalls eine Zweitgeborene nach Italien. Poppy will den Mädchen beweisen, dass dieser Fluch nur dummer Aberglaube ist. Von Venedig bis Florenz und weiter an die wunderschöne Amalfiküste sind die drei Frauen unterwegs. Doch das Ziel ist die Kathedrale von Ravello, wo Poppy ihre große Liebe Erich wiedersehen möchte. Ein Versprechen, das sich die Beiden vor 60 Jahren gegeben haben, soll hier eingelöst werden.

Die Geschichte wird in der Gegenwart aus Emilias Sicht erzählt, während immer wieder Kapitel aus der Vergangenheit eingeblendet werden, die Poppy ihre Geschichte erzählen lassen. Diese beginnt in den späten 50iger und frühen 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts und erzählt vom Wunsch der Familie Fontana ín die USA auszuwandern und vorallem von der großen Liebe Poppys.

Emilia verhält sich absolut untypisch für eine 29jährige Frau. Ich hätte ich zu Beginn am liebsten geschüttelt und gefragt, was sie da tut bzw. nicht tut. Sie lässt sich von ihrer Großmutter behandeln wie ein unmündiges Kind. Diese bestimmt ihr Leben genauso, wie das ihres Vaters. Durch Poppys Einladung widersetzt sie sich erstmals einem Verbot ihrer herrschsüchtigen Nonna und lernt endlich das Leben kennen.
Auch die flippige Lucy, die Liebe mit Sex verwechselt und unbedingt den Fluch brechen möchte, indem sie jede Nacht einen anderen jungen Mann in ihr Bett lässt, verwandelt sich zu einer jungen Frau, die ihren Weg findet.
Poppy ist ein äußerst liebenswerter Charakter und versprüht die Energie, die eigentlich Emilia in sich tragen sollte. Sie ist voller Lebensfreude und glaubt immer an das Gute im Menschen,. Sie ist bunt, schrill, aber auch schwer krank. Ihr Ziel ist es ihre große Lebensliebe nocheinmal zu sehen und den beiden Enkelinnen zu zeigen, was das Leben alles für sie bereithalten kann, wenn sie es nur zulassen. Ihr Motto: "Deine Träume warten nicht auf morgen - dein Leben ist JETZT!"

Die Autorin wollte unbedingt diese Geschichte aus der Vergangenheit in ihrem Roman einbauen, nachdem sie einen Brief eines deutschen Renters erhalten hat, der 1965 aus der ehemaligen DDR geflüchtet ist. Sein Lebensweg ließ sie nicht los und so hat sie eine ähnliche Figur in ihrem neuen Roman erschaffen (Quelle: Amazon).
Was ich komisch finde ist, dass ich weder ein englisches Originalcover noch -titel gefunden habe. Auf der Homepage der Autorin scheinen generell nur zwei Bücher auf, wo doch im Deutschen schon vier Romane veröffentlicht wurden....hm.

Der Vergangenheitspart hat mir sehr gut gefallen und es war interessant, wie Poppy all den Hürden, die ihr in den Weg gestellt werden, den Kampf ansagt. Trotz vieler schweren Enttäuschungen und den großen Zwist mit ihrer Familie, verliert sie nie ihren Lebensmut.
Den Rest fand ich allerdings etwas kitschig, klischeehaft und vorhersehbar. Die Idee mit dem Fluch rund um alle Zweitgeborenen, fand ich etwas weit hergeholt. Auch wenn sich der Roman gut lesen lässt und die Autorin auch Spannung aufgebaut hat, so ist es im Großen und Ganzen ein Buch zum Abschalten und Zürücklehnen....eben leichte Unterhaltung.

Fazit:
Ein sehr leichter und etwas klischeehafter Roman, dessen Vergangenheitsstrang mir gut gefallen hat. Den Rest fand ich allerdings teilweise etwas unglaubwürdig und zu vorhersehbar. Trotzdem klebte ich an der Geschichte und hatte sie ziemlich schnell durch. Ein Buch zum Abschalten und Zürücklehnen mit italienischen Flair.

  (3)
Tags: auswanderung, ddr, familienroman, fluch, italien, liebesroman, lori nelson spielman, zwei zeitebenen   (8)
 

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(21)

31 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

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Eiskalte Spiele

Michaela Grünig , Marc Girardelli
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 11.10.2018
ISBN 9783740804343
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Wie Gräser im Wind

Ella Zeiss , Elvira Zeißler
Flexibler Einband: 332 Seiten
Erschienen bei Independently published, 09.05.2018
ISBN 9781980879015
Genre: Historische Romane

Rezension:  
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21 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Treibts zua!

Lisa Brandstätter , Clemens Wenger
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 11.10.2018
ISBN 9783740804558
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Krimi, der in Bayern und Salzburg spielt...coole Idee, dachte ich, als ich die Kurzbeschreibung zu "Treibts zua!" gelesen habe.
Humorvoll sind bereits die ersten Seiten, wo mit der Leiche geschachert wird...liegt sie nun auf bayrischer Seite oder schon über der Staatsgrenze im Salzburger Gebiet? So genau ist das ja wohl nicht..oder doch?

Die zuständigen Ermittler, Lilly Engel aus Bayern und Sigmund Huber aus Salzburg, sind sich noch nicht einig, wer für den Fall zuständig ist. Doch eine zukünftige Zusammenarbeit bleibt ihnen nicht erspart, trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten.
Lilly kommt aus dem hohen Norden Deutschlands und hat sich wegen ihren Kindern nach Reichenhall an die österreichischen Grenze versetzen lassen. Ihr Exmann arbeitet und lebt in Salzburg. Durch die Nähe zur Mozartstadt kann sich ihr Mann auch den Kindern widmen - was sich allerdings als Irrtum herausstellt. Lilly versucht als alleinerziehende Mutter Beruf und ihr Leben unter einem Hut zu bringen, was jedoch meistens im Chaos ausartet.
Ihr österreichischer Kollege ist das glatte Gegenteil. Huber, gebürtiger Wiener, ist alleinstehend, liebt gutes Essen und seinen Kaffee, lebt oftmals seine Macho-Allüren aus. Eine alleinerziehende Kommissarin, die ihr Privatleben nicht unter Kontrolle hat, ist ihm mehr als zuwider.
Beim Mordfall an einem jungen Mann mit Roma Wurzeln müssen die Beiden jedoch zusammenarbeiten, denn vor kurzem wurde eine Frau mit demselben Hintergrund tot in Salzburg aufgefunden. Und was hat es mit den Medaillons auf sich, die bei den Leichen gefunden wurden?
Engel und Huber ermitteln in allen möglichen Schichten und an den verschiedensten Örtlichkeiten. Als ein weiterer Toter gefunden wird, sind sich alle einig, dass hier ein Serienmörder am Werk ist. Doch was ist seine Motivation? Und wie viele Tote wird es noch geben?
Kurze Einschübe aus der Sicht des Mörders lassen den Leser fleißig miträtseln. Dass der Täter vor nichts zurückschreckt ist auch bald Engel und Huber klar.

Weitere Charaktere bleiben, bis auf Wahrsagerin Annemarie, gegenüber den beiden Hauptprotagonisten eher im Hintergrund. Trotzdem spielen sie alle eine wichtige Rolle, die nach und nach offenbart wird.

Ab dem Mittelteil war es mir etwas zu viel Geplänkel zwischen den beiden Ermittlern und zu wenig Krimi. Für mich hat die Spannung etwas darunter gelitten, bis die Handlung zum Ende hin wieder etwas an Fahrt aufnimmt und in einem grandiosen Finale endet, welches dem Leser den Titel erklärt. Ich freue mich schon auf eine Fortsetzung!

Schreibstil:
Der Schreibstil der beiden Autoren, die ebenfalls aus Österreich und Deutschland kommen, ist witzig, locker und teilweise bitterböse. Die regionalen Eigenheiten, sowie Brauchtum und Landschaft sind perfekt insziniert. Hier zeigt sich auch mal eine andere Seite von Salzburg, die sicher die wenigstens von uns kennen. Lokalkolorit wird in diesem Krimi groß geschrieben.
Ich finde es immer wieder spannend, wenn zwei Autoren gemeinsam ein Buch schreiben und man als Leser hier keinerlei Hinweise hat, wer welche Abschnitte geschrieben hat.

Fazit:
Ein amüsanter Krimi mit viel Lokalkolorit und einem sehr unterschiedlichen Ermittlerteam, das nicht nur aus verschiedenen Ländern kommt, sondern die auch sonst sehr unterschiedlich sind. Das Private stand für mich etwas zu viel im Vordergrund - trotzdem ein wirklich gelungener Auftakt.

  (8)
Tags: bayern, brauchtum, clemens wenger, krimi, lisa brandstätter, regionalkrimi, salzburg, sünden   (8)
 

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17 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Das Geheimnis der letzten Schäferin

Beate Maxian
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.11.2018
ISBN 9783453422995
Genre: Romane

Rezension:  
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(23)

41 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

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Verborgen

Anna Simons
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Penguin, 08.10.2018
ISBN 9783328102892
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Neuer Wohnsitz, neuer Job. Die Berliner Ärztin Eva Korell möchte die Vergangenheit hinter sich lassen und kehrt Berlin den Rücken. In München wird sie als Gefängnisärztin in die Justizvollzugsanstalt Wiesheim arbeiten und ist endlich auch ihrer Freundin Ann-Kathrin näher, die mit ihrem Freund ganz in der Nähe wohnt. Noch vor ihrem ersten Arbeitstag leistet sie einer Passantin erste Hilfe, die am Gehweg umkippt. Dabei ahnt sie nicht, dass dieser Vorfall ihre Zukunft verändern wird. Am selben Abend steht dieselbe Frau verzweifelt vor ihrer Haustür und bittet sie erneut um Hilfe. Eva weist sie ab. Am nächsten Tag findet sie heraus, dass ihr Mann in der JVA einsitzt und ist froh über ihre Rückweisung. Doch bald darauf ist Nicole Arendt spurlos verschwunden. Eva macht sich Vorwürfe. Wovor hatte die Frau solche Angst?

Endlich wieder ein Thriller, der nicht mit dem altbekannten Schema "daherkommt". Eine Gefängnisärztin als Protagonistin hat schon im Klappentext meine Neugier geweckt. Aber auch der restliche Plot ist hervorragend aufgebaut und der Spannungsbogen gelungen. Die Autorin hat eine interessante Location gewählt und lässt dem Leser an Evas Alltag im Gefängnis teilhaben. Diese muss sich in der rauhen und agressiven Umgebung vom ersten Tag an behaupten.

Mit Eva Korell haben wir eine sympathische Frau vor uns, die in ihrem Beruf kompetent auftritt und sich ihrer neuen Herausforderung stellt. Hinter ihrer toughen Fassade steckt eine junge Frau, die früh ihre Eltern verloren hat. Ihre Familie besteht aus ihrem Bruder und ihre Freundin Ann-Kathrin, die als Journalistin arbeitet. Sie ist freundlich und hilfsbereit, öffnet sich aber kaum anderen Menschen. Ihr Gerechtigkeitssinn ist stark ausgeprägt. Als Nicole Arendt plötzlich verschwunden ist, macht sie sich Vorwürfe, weil sie der Frau nicht geholfen hat. Und im Gefängnis scheint ebenfalls jemand gegen sie zu arbeiten....

Die Geschichte wird in der dritten Person, jedoch aus zwei Sichtweisen erzählt. Wir begleiten als Leser nicht nur Eva, sondern auch Nicole, deren Mann Robert wegen Fahren ohne Führerschein und unter Alkoholeinfluss im Gefängnis sitzt. Nicole ist ein Opfer häuslicher Gewalt und voller Selbstzweifel. Ihr Leben besteht aus Demütigung und Gewalt. Trotzdem hält sie zu ihrem Mann, auch als sie belastende Beweise im Keller findet. Kommissar Lars Brüggemann gefiel mir ebenfalls sehr gut. Er hat eindeutig die Nebenrolle in diesem Thriller und ist die Nummer 3 hinter den beiden weiblichen Charakteren, trotzdem überzeugte auch er.
Die Charaktere sind vielschichtig und lebendig dargestellt. Dies beinhaltet auch einige Gefängnisinsassen, die alles andere als schwarz-weiß gemalt sind. Besonders interessant fand ich Georg Temme, dessen Mordmotiv ich richtig verstehen konnte...
Die verschiedenen Stränge laufen konsequent zusammen, doch zuvor gibt es noch einige interessante Wendungen und Überraschungen. Der stetig ansteigende Spannungslevel wird durch den Perspektivenwechsel noch erhöht. Ich war an die Seiten gefesselt und null-koma-nichts durch das Buch - weil ich es nicht aus den Händen legen konnte.
Das dynamische Ende war schlüssig und lässt mich bereits ungeduldig auf den nächsten Band warten.

Schreibstil:
Der einnehmende Schreibstil der Autorin hat mich gefesselt. Überraschende Wendungen haben die Spannung erhöht. Die vielschichtigen Charaktere sind interessant und lebendig gezeichnet.
Anna Simons schreibt hier unter Pseudonym. Ihre Krimis veröffentlicht sie als Anna Martens, ihre Jugendbücher als Anna Schneider. Für mich war es das erste Buch der Autorin, jedoch sicherlich nicht mein letztes.

Fazit:
Der erste Band um Gefängnisärztin Eva Korell hat mich überzeugt! Endlich wieder ein Thriller/Krimi mit neuen Ideen, keinen zu konstruierten oder überladenden Schluss, der eher an einen Actionfilm erinnert, sowie einen Täter, der lange unbekannt bleibt. Spannung pur und eine Leseempfehlung!

  (36)
Tags: anna simons, entführung, gefängnisärztin, häusliche gewalt, krimi, thriller-roman   (6)
 

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(45)

100 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

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Die Liebesbriefe von Montmartre

Nicolas Barreau , Sophie Scherrer
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Thiele & Brandstätter Verlag, 04.09.2018
ISBN 9783851794106
Genre: Romane

Rezension:

Was für ein bezaubernder Roman! Obwohl das eigentliche Thema in dieser Geschichte die Trauerbewältigung nach dem Tod eines geliebten Menschen ist, versteht es Nicolas Barreau mit seiner wundervollen Sprache den Leser zu verzaubern und sehr viele positive Gedanken und auch Hoffnung zu verbreiten.

Der Roman handelt von Julien. Er ist vor kurzem Witwer geworden und man spürt den Schmerz über seinen Verlust in jeder Zeile. Julien ist gefangen in seiner Trauer. Wäre nicht sein kleiner Sohn Arthur und sein Verleger, der immer wieder unangemeldet an seine Tür pocht und nach seinen Fortschritten für den nächsten Roman fragt, würde er im Schmerz um Hélène versinken. Sein Kopf ist leer und das eigentliche Leben läuft ereignislos an ihm vorbei. Erst nach einiger Zeit kann er sich dazu aufraffen Hélènes letzten Wunsch zu erfüllen. Er soll 33 Briefe an sie schreiben - für jedes ihrer Lebensjahre einen. Mit der Zeit bemerkt er, dass ihm das Schreiben dieser Briefe hilft, die er in einem Geheimfach im Grabstein versteckt. Als eines Tages alle verschwunden sind und durch ein Herz aus Stein ersetzt wurden ist Julien sicher, dass Hélène mit ihm kommuniziert. Doch wie soll das möglich sein?

Gespannt verfolgt man als Leser, wie Nicolas Barreau dieses Rätsel lösen wird. Zu oft wurde ich bei ähnlichen Vorkommnissen in einem Roman enttäuscht. So fragte ich mich: Bleibt das Ende offen? Wird es übersinnlich oder bleibt der Autor rational? So wie er es gelöst hat, war es für mich perfekt.
Julien verbringt viele Tage auf dem Friedhof von Montmartre. Aus seinen Briefen an Hélène erzählt er aus seinem Alltag, der auch ohne seine geliebte Frau weitergehen muss. Gleichzeitig ist es aber auch eine Art Hommage an Hélène, die er tagtäglich sehr vermisst und dies auch in seinen Briefen ausdrückt. Der Leser erfährt dadurch auch mehr aus dem gemeinsamen Leben der Beiden und besonders Juliens Gefühle und Gedanken. Es dauert bis man den Tod eines geliebten Menschen verarbeiten kann und auch Julien benötigt dazu seine Zeit. Unterstützt wird er von seinem Freund Alex, einem Goldschmied, von Cathérine, der besten Freundin seiner Frau, die im selben Haus wohnt, seiner Mutter und Sophie, Steinbildhauerin und Restaurateurin, die seine oftmaligen Friedhofsbesuche etwas auflockert. Als Julien weitere Botschaften im Geheimfach entdeckt, klammert er sich an die Hoffnung, dass es doch noch Dinge zwischen dem Himmel und der Erde gibt, die wir nicht verstehen. Ist es Hélène, die ihm diese kleinen Botschaften hinterlässt? Oder kennt noch jemand außer er selbst, dem Steinmetz und seinem Sohn Arthur sein geheimnes Versteck? Julien fragt sich, was wohl passieren wird, wenn er den dreiundreißisgten Brief geschrieben hat....und ich mich genauso =)

Die Botschaft, dass man nicht auf Dauer in der Vergangenheit leben und man die Trauer hinter sich lassen soll - ohne den geliebten Menschen dabei zu vergessen - kommt beim Leser zu hundert Prozent an. Sehr gefühlvoll und warmherzig wird diese überbracht.

"Wenn sich ein Tor des Glücks schließt, öffnet sich ein anderes. Aber oft schauen wir so lange auf das verschlossene Tor, dass wir das andere, das sich für uns geöffnet hat, gar nicht sehen" - Seite 227

Dabei gelingt es dem Autor weder kitschig zu werden, noch ins Melancholische abzugleiten und den Leser in Trübsal zu versetzen. Durch das Schreiben der Briefe findet Julien langsam wieder den Weg zurück ins Leben und überwindet seine Trauer.
Wie gewohnt bringt Nicoals Barreau eine Art Zauber und Magie in seine Geschichte. Manchmal gelingt das besser, manchmal nicht so gut. Diesmal wurde ich aber wieder von dieser zauberhaften Geschichte überzeugt.

Nicoals Barreau hat auch den Nebencharaktere Leben eingehaucht und diese lebendig und facettenreich dargestellt. Manche nehmen dabei mehr Raum ein, als andere.
Der Roman enthält viele wunderschöne Zitate, aber auch Filme oder Gedichte werden erwähnt. Die bildhafte Beschreibung von Paris, dem Viertel rund um die berühmte Sacre Coer und dem Friedhof Montmarte ist wunderbar eingefangen.

Das Cover, welches in Sepia-Tönen gehalten ist, passt zu den Vorgängerromanen des Autors und ist wunderbar stimmig. Wiederum ist es eine Frau in einem roten Mantel oder Jacke, wie auf den meisten Buchcovern des Autors.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Nicolas Barreau (oder wer auch immer hinter diesem Pseudonym steckt) verzaubert mit einer wundervollen Sprache und ganz besonderer Wortwahl. Nicht nur die eingestreuten französischen Wörter, sondern generell der Schreibsstil vermittelt viel französisches Flair. Die Zitate, Gedichte und auch die Romantik geben der Geschichte das gewisse Etwas.

Erzählt wird der Roman aus der Sicht von Julien in der Ich-Form. Die Briefe an Hélène heben sich in kursiver Schrift vom Rest ab. Unter jedem Kapitel steht ein Satz, der einen Bezug zum folgenden Inhalt hat.

Fazit:
"Die Liebesbriefe von Montmarte" haben mich verzaubert. Gerne habe ich Julien auf seinem Weg aus der Trauer begleitet. Perfekte romantische und leichte Wochenendlektüre - ganz einfach ein Barreau, wie man es sich wünscht!

  (20)
Tags: gegenwartsliteratur, liebesroman, montmarte, nicolas barreau, paris, trauer   (6)
 

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(21)

39 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

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Das Novembermädchen

Katrin Tempel
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.10.2018
ISBN 9783492307413
Genre: Historische Romane

Rezension:  
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(13)

23 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Hanna

Sandra Jungen
Flexibler Einband: 348 Seiten
Erschienen bei Rhein-Mosel-Vlg, 06.02.2018
ISBN 9783898011006
Genre: Romane

Rezension:

"Hanna - Kriegsjahre einer Krankenschwester" ist keine Geschichte, die diese Zeit beschönigt. Sandra Jungen hat in ihrem biografischen Roman die Erinnerungen ihrer Großmutter festgehalten und dabei ein sehr bewegendes Bild dieser Zeit wiedergegeben.

Deutsches Reich 1942: Hanna hat eben erst ihre Krankenschwesterausbildung abgeschlossen, als sie ihren Einberufungsbefehl erhält. Das Ziel ist ihr nicht bekannt und so begleiten wir sie auf ihren Weg ins Ungewisse. Zu Beginn merkt man noch mit welcher Ahnungslosigkeit die jungen Krankenschwestern gegen Osten fahren. Wir begleiten die jungen Frauen auf ihrer tagelangen Zugreise, bis sie zuerst in Polen und später in der Ukraine ankommen...immer Richtung Front. Das Grauen des Krieges hat sie in den provisorischen Feldlazaretten bald eingeholt. Trotzdem bleibt Hanna in einigen Dingen unwissend. Die Viehwaggons, die bei ihrer Reise ganz hinten am Zug angehängt werden, erscheinen ihr zwar seltsam, aber Hanna hinterfragt dies nicht. Auch der grauenhafte Gestank in einer Station fällt ihr zwar auf, kann ihn aber nicht zuordenen. Hier ist der Leser allwissend und kann diese für uns augenscheinlichen Momente erfassen. Obwohl Hanna mitten im Krieg steht, gehört sie doch zur deutschen Wehrmacht und nur einige Bemerkungen ihrer deutschtreuen Kollegin Gerda, lassen sie öfters nachdenklich zurück. Doch Hanna wird schnell erwachsen und beginnt sich ihre eigene Meinung zu bilden. Ihr Leben besteht aus überfüllten Lazaretten, fünfzig Stunden Arbeitstagen und immer mehr Schwerverletzten. Oftmals können weder die Ärzte, noch die Sanitäter und Krankenschwestern ihre Augen offenhalten. Völlig übermüdet und am Ende ihrer Kräfte versuchen sie Leben zu retten. Ungeschönt beschreibt die Autorin das Leben im Lazarett, in dem Hanna - wegen Personalmangel - bald selbst Operationen durchführen muss, während sie von feindlichen Fliegern bombardiert werden. Erst als die junge Frau selbst erkrankt, kommt sie zur Genesung nach München und arbeitet dort im Hospital weiter. Doch die Bombardierungen durch die Allierten werden immer schlimmer und München gleicht immer mehr einer Häuserruine.

Sehr nahe ging mir die Bedrohung durch die großangelegten Bombardierungen Münchens. Der immer wiederkehrende Fliegeralarm und die Angst, die Hanna dabei ausstand, als sie verschüttet wird, sind so bewegend und lebendig erzählt, dass es einem dabei selbst die Luft abschnürt. Wie oft das Glück und das Schicksal willkürlich um sich greift, ist besonders aus diesen Abschnitten herauszulesen. Doch selbst in Nächten der Angst und inmitten von Leid und Hunger, wollen die Menschen leben, lieben und lachen und sich an kleinen Dingen erfreuen. Man braucht diese Hoffnungsträger, um zu überleben. So fand ich es berührend, wie Hanna ihre große Liebe findet, ins Theater geht oder sie sich den Traum von roten Stöckelschuhen erfüllt, die sie eigentlich zu dieser Zeit kaum tragen kann.

Charaktere:
Hanna hat Herz und Verstand. Sie ist selbstlos, setzt sich für andere Menschen ein und geht in ihrem Beruf auf. Sie bleibt immer menschlich. Ihr Gegenpart ist Gerda. Ein Nazi durch und durch, der vor keiner Denunzierung zurückschreckt. Immer wieder neidet sie Hanna ihre Stellung, einen Soldaten oder einfach ihre Beliebtheit im Lazarett. Sie ist die typische Antagonistin, der nicht über den Weg zu trauen ist.
Die anderen Krankenschwestern, die Hanna bereits auf der Reise an die Ostfront begleiten, sind liebenswerte junge Frauen, die bei der Rückkehr nach München befreundet bleiben und einige Schicksalschläge teilen. Clemens, Hannas Freund, ist mir ebenfalls sehr ans Herz gewachsen.
Auch die anderen Charaktere sind sehr lebensnah und authentisch gezeichnet. Ärzte und Krankenpfleger, Soldaten in allen Rangstufen geben einen Querschnitt durch die Bevölkerung. Dabei lernen wir auch historisch belegte Personen, wie Graf von Stauffenberg, der im Widerstand tätig war oder den Münchner Humoristen Ferdl Weiß kennen, der bei seinen Auftritten stets das Regime kritisierte und von Polizisten bei der Vorstellung auf der Theaterbühne überwacht wurde.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Sandra Jungen hat mir sehr gefallen. Er ist gefühlvoll und gibt tiefe Einblicke in Hannas Leben. Ich bin in die Geschichte abgetaucht und obwohl es viele wirklich grausame und erschütternde Kapitel gab, verstand es die Autorin den Leser nicht hinabzuziehen, sondern mit ihrer Art zu schreiben zu fesseln. Mit liebenswerten Figuren und ebensolchen Episoden wird die Lebensgeschichte aufgelockert. Man begibt sich auf eine Zeitreise, die mit fundiertem Grundwissen und zusätzlichen Recherchen eine perfekt abgerundete Erzählung ergeben.

Im Anhang gibt es ein Nachwort, eine Geschichte hinter der Geschichte, sowie ein Verzeichnis von historischen Personen, die im Roman eine Rolle spielten.

Fazit:
Ungeschönt und trotzdem mit einer Spur Hoffnung, Lebenswillen und Lebenslust, erzählt Sandra Jungen aus dem Leben ihrer Großmutter bzw. aus dieser Zeit, die wir und unsere Kinder hoffentlich nie wieder erleben müssen. Eine Lebensgeschichte, die mit viel Einfühlungsvermögen erzählt wird. Von mir gibt es fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung!

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Tags: biografischer roman, historischer roman, krankenschwester, lazarett, sandra jungen, zweiter weltkrieg   (6)
 

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(40)

145 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

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Die Schokoladenvilla

Maria Nikolai
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Penguin, 08.10.2018
ISBN 9783328103226
Genre: Historische Romane

Rezension:

Bewertung: 4 1/2 Sterne

Die Schokoladenmanufaktur Rothmann ist in Stuttgart des Jahres 1903 eine der führenden Arbeitgeber der Stadt. Tochter Judith interessiert sich selbst sehr für die Schokoladenherstellung und probiert immer wieder neue Ideen aus, doch ihr Vater sieht die Firma in den Händen ihrer jüngeren Zwillingsbrüder Karl und Anton. Judith möchte er hingegen gewinnbringend verheiraten und hat auch schon - ohne ihr Wissen - einen potentiellen jungen Mann im Auge.
Zur selben Zeit wird Victor Rheinberger aus der Gefangenschaft auf Burg Ehrenbreitstein entlassen. Der Weg zurück in seine Heimatstadt Berlin ist ihm verwehrt und so sucht er sein Glück in der auftrebenden schwäbischen Stadt Stuttgart. Seine Liebe zu Maschinen und seine Fertigkeiten sind schnell gefragt. Als er Karl bei einem ihren vielen Dummenjungen-Streiche, die die Zwillinge aushecken, das Leben rettet, lernt er Wilhelm Rothmann kennen. Als Belohnung wünscht er sich kein Geld, sondern einen Job in seiner Schokoladenfabrik und entdeckt bald, dass die Manufaktor nicht mehr auf den neuersten Stand ist. Doch Rothmann will nicht investieren. Außerdem macht er sich Sorgen um seine Frau Hélène, die schon viel zu lange auf Kur am Gardasee weilt....

Gleich vornweg eine Warnung an alle Leser:
Ohne Schokolade in unmittelbarer Nähe kann man dieses Buch einfach nicht lesen! Es läuft einem bei der Beschreibung all der schokoladigen Köstlichkeiten immer wieder das Wasser im Mund zusammen.
Judiths Begeisterung für die Schokoladenherstellung ist aus jeder Zeile zu spüren, wenn sie in der Manufaktur neue Rezepte ausprobiert. Ihr Vater ist jedoch ein alter Patriarch, der Frauen keinerlei Rechte zugesteht. Seine Frau Hélène leidet unter der lieblosen Ehe und unter Depressionen. Sie flüchtet an den Gardasee, in ein zur damaligen Zeit beliebtes Kurhaus, welches Treffpunkt von Künstlern und Adeligen ist. Judith hat seitdem die Aufgabe auf ihre jüngeren Brüder aufzupassen, die genauso lieblos vom Vater behandelt werden, wie sie selbst. Beide Frauen lieben ihre Unabhängigkeit und möchten sich nicht in das enge Korsett der damaligen Zeit pressen lassen, vorallem wo diese gerade im Wandel ist und Frauen beginnen für ihre Rechte zu kämpfen. In ihrer Zofe Dora hat Judith eine Freundin gefunden, die obwohl als Dienstbote im Herrenhaus arbeitet, zu ihrer Herrin steht. Judith ist auch eine der seltenen hochgestellten Töchter, die sich für ihre Arbeiter und Dienstboten interessiert und sie in der Manufaktur miteinbezieht. Sie ist wissbegierig, liebenswürdig und hartnäckig. Judith verfolgt ihre Ziele mit einer Vehemenz und lebt für die Schokolade.

Die Autorin lässt uns auch einen Blick auf das Leben der Dienstboten werfen. Der beginnende Wirtschaftsumschwung und die Politik sind immer wieder Thema bei den Dienstboten. Während Fabriksarbeiter mehr Lohn und Freizeit bekommen, haben die Hausangestellten der Herrenhäuser kaum einen freien Tag und oft nur Kost und Logis. Auch Hausknecht Robert möchte nicht mehr unter den Arbeitsbedingungen arbeiten, die bei den Rothmanns herrscht. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten wird sehr deutlich angesprochen. Aber auch die Aufbruchsstimmung ins kommende neue Zeitalter ist spürbar.

Victor kämpft ebenfalls gegen die ihm auferlegte Zukunft. Sein Vater ist in der Armeé und erwartet sich von seinem Sohn denselben Aufstieg, den er gemacht hat. Victor ist jedoch kein Offizier. Er liebt es zu tüfteln und mit seinen Händen zu arbeiten. Bald schon weiß man, dass Judith und Victor das ideale Paar wären, jedoch steht dem nicht nur Victors Vergangenheit im Wege, sondern auch die Pläne von Wilhelm Rothmann, der unter keinen Umständen von seinem Plan abweicht.

Die Charaktere sind lebendig und wunderbar ausgearbeitet - und das bis in den kleinsten Nebencharakter. Besonders ans Herz gewachsen sind mir Karl und Anton. Die Streiche der Zwillinge haben immer wieder ein Lächeln in mein Gesicht gezaubert. Auf welche Ideen die beiden Lausbuben kommen, ist einfach nur genial. So kommt auch der Humor im Roman nicht zu kurz.

Einzig die Handlung am Gardasee hat der Geschichte ein bisschen an Schwung genommen. Als Nebenschauplatz nahm mir dieser Strang etwa zu viel Raum ein.
Die Schokoladenvilla wird weitergehen und ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung. Und jetzt mache ich mir eine leckere Gewürz-Schokolade...

Schreibstil:
Der Schreibstil von Maria Nikolai ist flüssig und lässt sich wunderbar lesen. Er ist leicht und trotzdem hat die Autorin die Sprache dieser Zeit perfekt eingefangen. Man fühlt sich, als befände man sich selbst im letzten Jahrhundert und versuche gegen den Strom zu schwimmen. Maria Nikolai hat großartig recherchiert, erzählt lebendig und hat sich liebevoll ihren Charakteren angenommen.
Am Anfang jedes Kapitels sind Zeit und Ort des Geschehens angegeben. Auf den beiden Innenseiten des Covers gibt es ein leckeres Rezept.

Am Ende des Romans gibt es ein Personenregister, ein Glossar und einige Erklärungen zum historischen Hintergrund.

Fazit:
Ein toller Auftakt einer Trilogie rund um die Schokoladenmanufaktor Rothmann in Stuttgart, die man nicht ohne Schokolade in Griffnähe lesen sollte. Der Autorin gelingt ein faszinierendes Bild der verschiedenen Gesellschaftschichten, sowie der Aufbruchstimmung in ein neues Zeitalter. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung und warte sehnsüchtig auf den nächsten Teil.

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Tags: familiensaga, gardasee, historischer roman, jahrhundertwende, maria nikolai, schokolade, stuttgart   (7)
 

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127 Bibliotheken, 15 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Die Mondschwester

Lucinda Riley , Sonja Hauser
Fester Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 12.11.2018
ISBN 9783442314461
Genre: Romane

Rezension:

Auf den fünften Teil der "Sieben Schwestern Reihe" von Lucinda Riley war ich besonders gespannt, weil er in einem Handlungsstrang in Andalusien spielt. Da ich erst selbst diesen wunderschönen Teil Spaniens im Oktober besucht habe, war meine Neugier riesengroß.

Doch zunächst treffen wir auf Tiggy in den schottischen Highlands. Die studierte Zollogin bekommt das Angebot Wildkatzen auf einem großen Anwesen einzubürgern und zu betreuen. Für sie stehen der Tier- und Umweltschutz an erster Stelle. Wildhüter Cal ist ihr bei der Betreuung behilflich und auch Zara, die Tochter ihres Chefs, freundet sich mit Tiggy an. Dort lernt sie auch Chilly, einen rätselhaften alten Zigeuner kennen. Dieser offenbart der jungen Frau, dass sie aus seinem Volk stammt und sich bald auf den Weg machen wird, um ihre familiären Wurzeln zu finden. Diese führen sie nach Andalusien in den Süden von Spanien. In Granada, am Fuße der Alhambra, lebten einst Tiggy's Vorfahren, die Gitanos. Der Flamenco, sowie ein Hauch Mystik und Esoterik spielen für diese Menschen eine große Rolle. Auch Tiggy beginnt sich nach und nach ihrer eigenen Begabung zu besinnen....

Lucinda Riley hat ihren neuen Roman wieder sehr ähnlich aufgebaut. Ich muss zugeben, dass Tiggy für mich in der Sieben Schwestern Reihe bisher diejenige ist, die am wenigsten erwähnt wurde bzw. mir am kaum auffiel. Der Gegenwartsstrang ist diesmal im Vergleich zum Vergangengheitsstrang deutlich knapper ausgefallen, was mich weniger stört, da ich bei Riley immer die Erzählung aus der Vergangenheit bevorzuge. So ist es auch diesmal, trotzdem hat er mir aber deutlich besser gefallen, als der von CeCe im letzten Band der Reihe.
Tiggy hat nicht viele Daten betreffend ihrer Herkunft von Pa Salt erhalten. Sie hat sich bis jetzt allerdings auch weniger Gedanken darüber gemacht. Als ihr der Zigeuner Chilly immer wieder Geschichten offenbart, die sich um ihre Großmutter ranken, wird Tiggy neugierig. Doch erst ein bestimmter Vorfall auf dem Kinnard-Anwesen lassen sie nach Granada aufbrechen.
Tiggy ist sympathisch und kam mir oft vor wie ein zu beschützenders Vogelkind. Ihre Liebesgeschichte fand ich jedoch nicht sehr glaubwürdig und leider wirkte der Gegenwartsstrang für mich sehr vorherhsehbar.

In Andalusien angekommen erfährt der Leser mehr über das Leben von Tiggys Urgroßmutter Maria und ihrer Großmutter Lucia, die einst eine berühmte Flamenco-Tänzerin war und es sogar in den USA zu großem Ruhm brachte. Dieser Strang spielt ungefähr in einem Zeitraum von 1912 bis 1951 und beginnt mit Maria. Tiggys Urgroßmutter ist eine sehr sympathische Frau, die einst für ihre große Liebe ihre Eltern verlassen hat und zu den Gitanos in ihre Höhlen unterhalb der Alhambra gezogen ist. Für sie spielt die Familie eine große Rolle, obwohl ihr Mann sie laufend betrügt. Ihre Söhne und schlussendlich Lucia, die mit ihrem außergewöhnlichen Talent die Menschen verzaubert, sind ihr Ein und Alles.
Lucia ist im Gegenteil zu Maria keine wirkliche Sympathieträgerin. Sie ist egozentrisch, zielstrebig, ehrgeizig und nimmt keinerlei Rücksicht auf ihre Mitmenschen. Ihr Ziel, die beste Flamencotänzerin zu werden, steht über alles. Nur selten zeigt sie Mitgefühl, setzt sich eher über andere hinweg. Aber sie ist auch rastlos, sprüht vor Energie und reißt ihre Mitmenschen mit. Lucia setzt auch Andere unter Druck und lässt nur ihre eigene Meinung gelten. Trotzdem fesselt dieser Handlungsstrang rund um den Flamenco und die spanischen Zigeuner, ihren Zusammenhalt und ihr Leben am Rande der Gesellschaft.Die Musik und der Tanz sind Themen, über die ich immer wieder gerne lese. Mit der eingebundenen Mystik konnte ich hingegen wneiger anfangen.
Gefallen hat mir jedoch, dass wir Ally aus "Die Sturmschwester" wieder treffen und Tiggy einem kurzen Zwischenstop in "Atlantis" einlegt.
Schade fand ich, dass der Spanische Bürgerkrieg nur am Rande gestreift wird und der Zweite Weltkrieg gerade mal kurz Erwähnung findet. Gerne hätte ich auch etwas mehr spanischen Flair gehabt, wo ich doch erst selbst durch die Gassen von Granada gegangen bin. Die Autorin hat sich hier eindeutig dem Flamenco und ihrer Protagonistin verschrieben und den Zauber des Tanzes hervorragend dargestellt und vermittelt.

Etwas merkwürdig finde ich, dass sich Riley immer nur den Großeltern oder Urgroßeltern der Mädchen von Pa Salt widmet. Die Eltern kommen kaum vor oder zu kurz. Auch die Geheimnisse rund um Pa Salt werden auch in diesem Band nicht gelöst.

Das letzte Kapitel widmet sich wie gewohnt bereits der nächsten Schwester. Ich bin schon gespannt wohin es Elektra, die jüngste der Schwestern, die als Model in den USA lebt, führen wird.

Fazit:
Lucinda Riley bleibt ihrem Schema der Sieben Schwestern Reihe treu. Wie gewohnt bevorzugte ich den Vergangenheitsstrang gegenüber der Handlung in der Gegenwart, welche in diesem Band etwas mehr in den Hintergrund rückt. Den Flair des Flamencos und der Musik wurde von Riley gekonnt eingefangen und vermittelt. Eine weitere nette Fortsetzung der Reihe...

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Tags: andalusien, familiensaga, flamenco, gegenwartsliteratur, gitanos, lucinda riley, schottland, zoologie   (8)
 

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Drei Frauen am See

Dora Heldt
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 31.08.2018
ISBN 9783423262064
Genre: Romane

Rezension:

Dora Heldt ist bekannt für ihre humorvollen Romane und ihre Syltkrimis. Die Autorin kann aber auch anders und hat mich mit ihrem Roman "Drei Frauen am See" wirklich überrascht und überzeugt. Die tiefgründige Geschichte ist vielleicht nicht wirklich etwas für die Leserinnen, die sonst ihre leichteren Romane bevorzugen, wie ich auch schon aus den Bewertungen ersehen konnte.
Wer aber eine Geschichte über Freundschaft, Schicksalsschläge und einfach über Dinge, die das Leben schreibt, lesen möchte, sollte hier zugreifen!

Es gibt einige Bücher, die sich um Freundinnen ranken, die sich aus den Augen verloren haben und/oder durch den Tod einer von ihnen, wieder zusammentreffen. Es gibt auch Geschichten, in denen ein Wunsch erfüllt werden soll oder jemand eine Wunschliste abarbeitet. Obwohl das Thema doch schmerzlich ist, sind diese Romane meistens humorvoll geschrieben. Dora Heldts Buch "Die Frauen vom See" hingegen ist melancholisch, tiefgründig und berührte mein Herz.
Endlich konnte ich wieder in einem Roman versinken und tat mir richtig schwer aus der Welt rund um Alex, Friederike, Jule und Marie aufzutauchen.

Dieses Kleeblatt hat sich als Teenager ewige Freundschaft geschworen. Sie verbrachten einst wunderschöne gemeinsame Sommer am Haus am See, welches Maries Eltern gehörte. Dort schmiedeten sie Pläne, kümmerten sich umeinander, teilten Glück, Freud und Leid. Als Teenager beschlossen sie in einem Brief aufzuschreiben, wie sie sich ihr Leben und ihre Freundschaft in 30 Jahren vorstellen und versprechen ihre Zeilen erst nach dieser Zeit zu lesen. Doch mit dem Erwachsenwerden driften die Mädchen immer mehr auseinander bis es zu einem großen Streit kommt, der die Freundschaft der vier Frauen beendet. Als Alex, Friederike und Jule eines Tages von Maries Tod erfahren, sind sie schockiert. Doch Marie hat ihre damaligen Freundinnen nicht vergessen. Kurze Zeit später flattert der Brief eines Notars bei den drei Frauen ein, der eine große Überraschung birgt und der ihr Leben verändert...

Der Roman wird sowohl in der Gegenwart, als auch in der Vergangenheit aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Das erfordert Konzentration. Lediglich am Anfang hatte ich ein bisschen Schwierigkeiten die vielen Informationen den einzelnen Figuren zuzuordnen. Die Lebensläufe von Alex und Friederike sind doch sehr ähnlich gestrickt. Allerdings hatte ich schnell ein Gefühl für jede der vier Frauen, die sich im Laufe der Jahre alle weiterentwickelt haben.
In Rückblenden erleben wir die gemeinsame Zeit der vier Mädchen, sowie ihre sehr unterschiedlichen Charaktere. Dieser Strang spielt in den 1970iger und 1980iger Jahren und somit auch teilweise in meiner eigenen Kinder- und Jugendzeit. Die damalige Zeit wurde sehr authentisch und lebendig dargestellt. Auch die Familie der vier Teenager spielt dabei ein große Rolle - bei der einen mehr, bei der anderen weniger.
Alex, Verlegerin, und Friederike, Leiterin eines 5 Sterne Hotels, sind beide erfolgreich im Beruf, trotzdem sind sie unterschiedlich und haben auch verschiedene Charaktereigenschaften. Beide wirken anfangs etwas kühl. Jule hingegen ist seit 20 Jahren geschieden und alleinerziehende Mutter. Sie ist die Gefühlvolle des einstigen Kleeblattes. Jede von ihnen hat ihr eigenes schweres Päckchen zu tragen.
Alle Charaktere wurden von der Autorin wunderbar ausgearbeitet. Dora Heldt hat sich jeder der vier Frauen länger gewidmet und deswegen konnte ich ihre Gefühlswelt wunderbar nachvollziehen. Die verstorbene Marie ist durchwegs präsent und eine sehr sympathische Frau, die bereits in ihrer Kindheit durch ihr schweres Herzleiden viel zurückstecken musste. Trotzdem war sie immer für alle da und der eigentliche Zusammenhalt von Alex, Friederike und Jule.

Nun zu den Kritikpunkten anderer Leser beim großen Online Portal....ja, das Buch ist dick und beinhaltet ein paar kleine Längen. Doch ich habe mir überlegt, welche Informationen man hätte weglassen können und bin zu dem Schluss gekommen, dass es genau diese Menge an Informationen benötigt, um alles gut zu verstehen und um sich in die Figuren hineinversetzen zu können.
Manche kritisieren, es sei zu vorhersehbar...jein! Man hofft darauf, dass die übrigen Frauen wieder zueinander finden...natürlich. In gewisser Weise glaubt man daran, aber bis zum Ende hin bleibt diese Hoffnung (meiner Meinung) offen. Auf jeden Fall ist es kein Roman, bei dem man nach den ersten Seiten weiß, wie er ausgeht. Absolut nicht! Vielleicht muss man aber auch ein bestimmtes Alter haben, um die Geschichte richtig zu verstehen (ich bin einige Jahre jünger als die Protagonisten)....oder sie hat gerade meinen Nerv getroffen. Und deswegen war dieser Roman für mich authentisch, gefühlvoll, tiefgründig und somit definitiv eine wunderschöne Geschichte, die mit viel Einfühlungsvermögen geschrieben wurde.

Fazit:
Dieser Roman beinhaltet viele Themen: Freundschaft, Lebenslügen, Trauer, Abschied, Enttäuschung, Schicksal und Zusammenhalt. Allen davon wird die Autorin gerecht. Für mich war dieser Roman absolut gelungen, der eine etwas andere Dora Heldt zeigt. Wer sich darauf einlassen kann und keine leichte humorvolle Geschichte sucht, sondern etwas mehr Tiefgang, ist hier richtig.

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Tags: dora heldt, freundschaft, gegenwartsliteratur, lebenslügen, trauer, zerwürfnis   (6)
 

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Zerrissene Wahrheit

Heike Rommel
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei KBV, 29.10.2018
ISBN 9783954414376
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Heike Rommel legt mit ihrem vierten Fall rund um das Bielefelder Kripoteam einen sehr spannenden Krimi vor. Nachdem ich Band drei "Zwischen Licht und Schatten" bereits gelesen habe, freute ich mich sehr darüber, dass ich in der Lovelybooks Leserunde mitlesen durfte.

Als Leser ist man sofort mitten im Geschehen, denn die Story beginnt mit einem tödlichen Autounfall. Ungebremst rast Margret Lückner den Abhang hinunter und in den Gegenverkehr. Der Wagen wird untersucht und sehr schnell entdeckt man manipulierte Bremsen, die der Frau das Leben kosteten. Doch wer wünscht sich den Tod der eher unscheinbaren Bibliothekarin, die ein solides Leben führt? Bald sind der untreue Ehemann, von dem sich Margret trennen wollte und dessen Galerie sie finanziert, als auch ihre Tochte Rike, die auf die schiefe Bahn geraten ist, unter Verdacht. Rikes Freund ist drogenabhängig und beide brauchen laufend Geld. Außerdem scheint Margret Lückner ein beachtliches Vermögen zu hinterlassen, jedoch haben sowohl der Ehemann, als auch die Tochter ein Alibi.

Nach den ersten achzig Seiten denkt man sich nur "So einfach kann es doch nicht sein!". Jedoch ist weit und breit kein weiteres Motiv zu finden und die Bielefelder Kripo tappt im Dunkeln. Das Ermittlerteam stochert in der Vergangenheit von Margret und stößt schließlich auf einen weiteren tödlichen Unfall im Freundeskreis der Bibliothekarin. Toni Achleitner, der Bruder ihres ersten Ehemannes Hubert, kam bei einer gemeinsamen Bergwanderung der Freunde vor 25 Jahren ums Leben. Führt die Spur zurück in die Vergangenheit? Oder verbirgt Margret etwas vor ihrer Familie?
Ein weitere Handlungsstrang befasst sich mit Karen, die unter einer Angststörung leidet. Im Prolog erhält der Leser einen kleinen Hinweis dazu. Seit einer Bronchitis fühlt sie sich schlecht und ist immerzu müde. Sie erfährt, dass Margret ihr einen Brief geschrieben hat, den sie allerdings nie erhalten hat...

Das eher große Ermittlerteam erweist sich für Quereinsteiger der Reihe eventuell als etwas verwirrend, deshalb ist es günstig die Vorgänger zu kennen. Ich bin auch erst im dritten Fall eingestiegen und hatte dabei einige Probleme alle Figuren richtig zuzuordnen. Diesmal war es aber fast wie ein nach Hause kommen und ich freute mich auf Nina, Dominik, Bent und auch Frank. Die sehr individuellen Charaktere sind mitten aus dem Leben gegriffen, wobei einige auch für "Krimihelden" eher untypisch sind. Ninas Bruder Kai hat das Down-Syndrom, spielt in diesem Band aber nur eine kleine Rolle, da er von zuhause ausgezogen ist. Einen schwulen Ermittler findet man jedoch nicht so oft. Dagegen stehen Ninas Liebesprobleme eher im Hintergrund und Frank ist generell ein Weiberheld, der jedoch am allerliebsten von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. So findet man auch immer wieder eine Prise Humor in Heike Rommels Bielefeld Krimis.

Die Handlung ist komplex, aber kurzweilig. Der Spannungsbogen steigt kontinuierlich an. Ab der Hälfte kann man das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Die Autorin hat ein gut verflochtenes Gerüst für ihre Geschichte aufgebaut, viele Wendungen eingebaut und bietet dem Leser so einige Überraschungen. Das Ende ist logisch und lässt mich zufrieden den Buchdeckel zuklappen. Und nun warte ich auf Band Nummer fünf....

Schreibstil:
Heike Rommel schreibt flüssig, spannend und abwechlungsreich. Sie überrascht mit verblüffenden Wendungen und hält den Spannungsbogen hoch. Lebendige Dialoge und einen Fúnken Humor beleben die Handlung. Auch das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz. Die Charaktere sind lebendig gezeichnet, haben alle Ecken und Kanten und werden nach jedem weiteren Band immer mehr zu Freunden des Lesers.

Fazit:
Ein richtig spannender Regionalkrimi mit herrlich erfrischenden Ermittlern, einer komplexen Handlung, die einige Überraschungen bereit hält und einem logischen Ende, das mich zufrieden zurück lässt. Zum besseren Verständnis empfehle ich die Bücher der Reihe nach zu lesen!

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Tags: bielefeld krimi, heike rommel, krimi, unfall   (4)
 

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

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Ein Weihnachtshund auf Glücksmission

Petra Schier
Fester Einband
Erschienen bei Weltbild, 01.01.2018
ISBN 9783959736862
Genre: Liebesromane

Rezension:

Was gehört zu Weihnachten und der Adventzeit unbedingt dazu? Der alljährliche Weihnachtsmarkt, Kekse, Christbaum, Glühwein und Punsch, Schnee....und ein Weihnachtsbuch von Petra Schier.

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit muss ich zu einem neuen Hunde/Liebesroman der Autorin greifen und tauche in eine zauberhafte Welt rund um den Weihnachtsmann und seiner Frau, seinen Elfen, einem quirligen Vierbeiner und einem Pärchen, das zusammenfinden soll, ein.
Ja, die Geschichte ist vorhersehbar, aber trotzdem außergewöhnlich! Denn der Leser liest nicht nur die Gedankengänge der zweibeinigen Protagonisten, sondern auch die der im Roman vorkommenden Vierbeiner.......und das kann Petra Schier einfach so grandios umsetzen, dass ich immer wieder dahinschmelze.

Beim ersten Roman dieser Art musste ich mich noch an die Passagen mit dem Weihnachtsmann und seiner Frau, dem Christkind und den Elfen gewöhnen. Mir kommt vor, als ob die Autorin diese Kapitel diesmal etwas zurückgenommen hat, jedoch sind sie einfach unersetzbar für ihre Geschichten.
In "Ein Weihnachtshund auf Glücksmission" treffen wir auf alte Bekannte aus dem Roman "Vier Pfoten retten Weihnachten". Unsere Protagonistin ist Annalena, die Schwester von Steffen aus dem Vorgängerroman. Sie ist Sachbuchautorin und liebt ihren Beruf. Jedoch versuchten bisher alle ihre Exfreunde, als auch ihre Eltern, ihr immer wieder einzureden "das Geschreibsel" endlich ausfzugeben und in einem "ordentlichen Beruf" zu arbeiten. Annalena ist jedoch zunehmend erfolgreich in ihrem Job und glücklich als Single. Vor wenigen Monaten ist noch Border Collie Asco bei ihr eingezogen, den sie aus dem Tierheim geholt hat. Als das Nachbarhaus einen neuen Eigentümer erhält, fällt Annalena aus allen Wolken. Es ist ihr Jugendschwarm Christian und der damals beste Freund ihres Bruders. Christian hatte keinen guten Ruf und kommt aus einer Problemfamilie. Heute ist er Lehrer und wünscht sich nichts sehnlicher, als dass seine Halbschwester Senta bei ihm wohnen darf und seiner drogen- und alkoholabhängige Mutter das Sorgerecht entzogen wird. Aber auch Senta hat einen Wunsch an den Weihnachtsmann geschrieben, der daraufhin jede Menge Arbeit hat....

Christian wäre in einem Young Adult Roman der typische Bad Boy....schlechte Vergangenheit, rauhe Schale, aber verletztich mit weichem Kern. Annalena hatte bereits in der Schule ein Auge auf ihn geworden, doch nach einem peinlichen Vorfall gingen sich die beiden aus dem Weg. Nun stehen sie sich zwölf Jahre später plötzlich als Nachbarn gegenüber, während die Vergangenheit noch immer zwischen ihnen steht. Diese spielt auch weiterhin eine große Rolle und bringt einige turbulente und auch tragische Momente mit in die Geschichte. Die Autorin spricht auch Themen wie Drogen- und Alkoholmissbrauch und Vernachlässigung an, jedoch überwiegen die glücklichen Momente.

Die Charaktere wurden von Petra Schier wieder sehr liebevoll gezeichnet. Alle haben Ecken und Kanten und sind direkt aus dem Leben gegriffen - einfach Menschen wie du und ich. Die Stimmungen und Emotionen sind wunderbar wiedergegeben. Christian und Annalena sind zwei sympathische Charaktere, die man sofort ins Herz schließt. Mit Christian habe ich mitgelitten, der gegen die Dämonen der Vergangenheit und für ein bisschen Familienglück kämpft.
Ganz besonders verzaubert die Autorin den Leser mit ihren Gedankengängen der eigentlichen Hauptprotagonisten, den Hunden. Hier kommt auch der Humor nicht zu kurz.
Aber auch die Nebencharaktere nehmen wichtige Rollen ein und wirken alles andere als blass. Einige kennt man schon aus Vorgängerbänden, manche kommen neu dazu. Ich hatte immer das Gefühl mich inmitten von Freunden und guten Bekannten zu bewegen.

Schreibstil:
Petra Schier schreibt emotional, herzlich und lebendig, wobei auch eine gute Portion Humor nicht fehlen darf. Die Geschichte liest sich leicht und flüssig. Der besondere Zauber ihrer Weihnachtsgeschichten überzeugt mich jedes Jahr aufs Neue.
Die Gedanken von Asco sind in kursiver Schrift festgehalten.
Der Roman ist wieder in 24 (plus ein Extra) Kapitel eingeteilt und am Ende gibt es einige weihnachtliche Rezepte zum Ausprobieren und Genießen.

Fazit:
Petra Schiers Hunde-Weihnachtsgeschichten sind einfach einzigartig. Sie wärmen das Herz und sind nicht nur in der Vorweihnachtszeit eine himmlische Lektüre. Auch der Humor kommt dabei nicht zu kurz. Mit einer kleinen Prise Sternenstaub verzaubert die Autorin den Leser und ich habe die Portion Hunde- und Liebesglück wieder sehr genossen.

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Tags: alkoholproblem, hunde, liebesroman, petra schier, vernachlässigung, weihnachtsmann, weihnachtsroman   (7)
 

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21 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Marie

Anja Lehmann
Flexibler Einband: 386 Seiten
Erschienen bei Nova MD, 06.07.2018
ISBN 9783961117567
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman "Marie" von Anja Lehmann handelt von zwei halbjüdischen Schwestern, der titelgebenden Marie und ihrer jüngeren Schwester Sarah. 1941 werden die beiden Mädchen, die alles verloren haben, auf einen Gutshof in der Nähe von Berlin als Ostarbeiterinnen eingestellt und dort zur Zwangsarbeit angehalten. Ihre halbjüdische Vergangenheit können die gebürtigen Polinnen, durch bestimmte Umstände, geheim halten. Während Sarah, noch halb Kind, sich den Umständen anpasst und sich am Gutshof einlebt, bereitet Marie die Flucht vor. Doch das Schicksal schlägt erbarmungslos zu....

Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass dieser Roman keine leichte Kost sein wird. Marie und Sarah sind plötzlich auf sich alleine gestellt, nachdem die Mutter bei der Geburt des jüngsten Kindes stirbt. Ihr Vater und der Bruder wurden deportiert und in ein Arbeitslager gebracht. Zuerst kommen die beiden Schwestern bei einer nicht-jüdischen Nachbarin unter, bis sie selbst als Ostarbeiterinnen zu einem Gutshof in der Nähe von Berlin gebracht werden. Dort werden die Mädchen getrennt und Marie erfährt ein Martyrium sondergleichen, während Sarah später ins Konzentrationslager gebracht wird, als ihre richtige Identität aufgedeckt wird.

Schonunglos erzählt Anja Lehmann das Schicksal der beiden Schwestern, ähnlich wie es auch vielen Menschen in dieser Zeit ergangen ist. In wechselnden Perspektiven lesen wir einmal aus Maries und dann wieder aus Sarahs Sicht, aber auch andere Figuren kommen zu Wort, wie Liam oder Heinrich. Während ich zu Beginn Marie's Stärke bewunderte, die die noch kindliche und naive Sarah beschützte, wechselten im Laufe des Romans meine Sympathien zu Sarah. Die Erlebnisse im Konzentrationslager wurden von der Autorin sehr bewegend geschildert. Ich habe schon einige Bücher gelesen, sowohl Biografien, als auch Romane, die Schicksale in verschiedenen Konzentrationslager schildern. Anja Lehmanns Roman steht hier in keiner Weise nach.
Auf anderen Plattformen gab es einige Kriktiker, die manche historische Begebenheiten als nicht authentisch anerkennen. Der Autorin war es wichtig, die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Charakteren festzuhalten, das Kriegsgeschehen dient als dramtischer Hintergrund, in der die Figuren agieren (O-Ton Anja Lehmann). Sie erzählt über das Leben von zwei jungen Frauen und deren Schicksal, allerdings nicht in einer Art Biografie, sondern als fiktiven Roman. Wichtige historische Ereignisse, wie die Bombardierung Hamburgs oder der Gewaltmarsch der KZ-Häftlinge am Ende des Krieges, sind sehr wohl belegbar. Und dass Juden als U-Boote den Krieg überlebt haben, ist ebenfalls nicht an den Haaren herbeigezogen. (Ich erwähne nur den Film "Die Unsichtbaren", der mit Interviews von jüdischen Zeitzeugen untermalt wird). Falls die Anzahl der Besatzung eines U-Bootes fälschlicher Weise nicht ganz stimmt, sehe ich nicht ein dem Roman deswegen nur einem Stern zu geben. Einzig die Liebesbeziehung, die Marie im Laufe des zweiten Teiles eingeht, konnte ich weniger nachvollziehen, besonders nach den furchtbaren Geschehnisse, die sie zuvor durchmachen musste und durch wen.

Die Charaktere sind wunderbar lebendig dargestellt. Ich fühlte die Emotionen, die Schmerzen und die Hoffnung der Figuren durch die Seiten. Und ich hasste den einzigen, wirklich durch und durch bösen Charakter, dessen Handlungen ich kaum aushielt zu lesen.
Das Buch hinterlässt ein Wechselbad der Gefühle. Das Ende ist ein bisschen offen gehalten, aber der Großteil des Romans wurde abgeschlossen. Ein Spielraum für eine Fortsetzung wäre allerdings gegeben, die ich auf jeden Fall lesen würde.

Schreibstil:
Anja Lehmann schreibt emotional, bewegend und abwechslungsreich. Ich konnte den Roman schwer aus der Hand legen und bangte mit den beiden Schwestern bis zum Ende mit, ob sie den Krieg überleben. Man fühlte sich beim Lesen, als würde man Marie und Sarah begleiten und mit ihnen mitleiden.

Fazit:
Ein bewegender Roman, der besonders zu Beginn alles andere als Leicht Kost ist. Das Schicksal zweier halbjüdischen jungen Frauen im Zweiten Weltkrieg, der mich in der ersten Hälfte begeistern konnte, der aber danach etwas abfällt. Ich fand die Geschichte trotzdem sehr lesenswert und empfehle sie gerne weiter!

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Tags: anja lehmann, flucht, historischer roman, konzentrationslager, ostarbeiterinnen, zweiter weltkrieg   (6)
 

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Träume der Provence

Anja Saskia Beyer
Flexibler Einband: 302 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 28.08.2018
ISBN 9782919802388
Genre: Romane

Rezension:

Bewertung: 3 1/2 Sterne

Die alleinerziehende Marie ist Mutter des 15jährigen Robin, der an einer Autoimmunerkrankung leidet. Als sie ihren Job verliert ist sie verzweifelt. Sie spart für eine Reise in die USA, wo die Krankheit von Robin durch Spezialisten behandelt werden soll. In der Hinterlassenschaft ihrer kürzlich verstorbenen Mutter entdeckt sie eine Fotografie eines Gemäldes. Darauf ist diese als junge Frau abgebildet. Auf der Rückseite des Fotos hat Vincent Soleil, der Künstler, handschriftlich vermerkt, dass er ihr dieses Bild als Zeichen seiner Liebe schenkt. Marie kontaktiert ihren Freund Bennet, der eine Galerie besitzt. Dieser erkennt den Künstler und versichert Marie, dass dieses Gemälde einiges an Wert hat. Gemeinsam reisen sie mit Robin in die Provence ins Künstlerdorf Saint-Paul-de-Vence, wo Vincent Soleil gelebt hat. Auch Bennet erhofft sich neue Bekanntschaften zu schließen, denn seine Galerie in Berlin läuft alles andere als gut...

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, wobei ich den Strang in der Vergangenheit wieder viel interessanter fand. Dies trifft auf fast 90% meiner gelesenen Bücher auf zwei Zeitebenen zu. Nur selten konnte mich eine Autorin ebenso mit dem Gegenwartsstrang überzeugen. Auch Anja Saskia Beyer gelang es nicht. Mir war die Geschichte rund um Marie und den Versuch die Vergangenheit ihrer Mutter zu erkunden zu aufgesetzt. Ich fand es zwar verständlich, dass sie mehr über ihr Geheimnis erfahren möchte, denn diese hat nie von ihrer Zeit in der Provence erzählt. Außerdem kann Marie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn sie das Gemälde auftreiben kann, welches laut dem Künstler ihrer Mutter gehört. Mit dem Verkaufsgewinn für das Bild wären die Reisekosten für Amerika und die Bezahlung des Spezialisten gedeckt. Marie setzt alle Hoffnung in die Reise nach Südfrankreich...

Im Vergangenheitsstrang, der 1966 spielt, lernen wir Maries Mutter Anne als junges Mädchen kennen. Sie wird als Kindermädchen in einer Schweizer Familie aufgenommen, die den Sommer über in die Provence fährt. Doch auch zwanzig Jahre nach Kriegsende sind die Franzosen nicht gut auf Deutsche zu sprechen und Anne weht ein rauher Wind entgegen. Auch die Familie, bei der sie arbeitet, entpuppt sich als Problem....

Während mich der Vergangenheitsstrang unterhielt und ich Annes nicht wirklich einfaches Leben im Künstlerdorf in Südfrankreich begleitete, plätscherte der Gegenwartsstrang nur so vor sich hin. Marie war zwar symapthisch, aber sie handelt oft zu impulsiv und unüberlegt. Manche Handlungen konnte ich nicht ganz nachvollziehen.

Manchen schrulligen Charakter aus dem Dorf konnte ich mir wunderbar vorstellen, andere wiederum konnten mich nicht ganz erreichen. Vorallem im Gegenwartsstrang blieben mir viele fremd. Einzig Robin habe ich in diesem besonders liebgewonnen, der zwar für einen Teenager fast zu brav ist, aber dessen Gefühle betreffend seiner Krankheit gut gezeichnet wurden und mich auch erreichten. Die Liebesgeschichte von Marie konnte mich hingegen nicht überzeugen.
Die Ähnlichkeiten zwischen Mutter und Tochter werden im Verlauf der Geschichte immer deutlicher.
Einige Erklärungen zu bestimmten Situationen oder deren Folgen hätten mich ebenfalls interessiert. Da blieben doch einige Fragen offen, die ein rundes Bild ergeben hätten.

Schreibstil:
Die Autorin schreibtverspielt und anschaulich. Die Geschicjte lässt sich flüssig lesen. Anja Saskia Beyer schildert die Landschaft und das Leben im Künstlerdorf Saint-Paul-de-Vence sehr bildhaft. Nicht nur das Cover lockt mit einer Apfeltarte und Lavendel - man riecht den Duft des Lavendels auch durch die Seiten.
Am Ende des Romans gibt es noch ein paar leckere Rezepte.

Fazit:
Leichte Lektüre, die mich nur teilweise überzeugen konnte. Während der Vergangenheitsstrang die damalige Zeit, die Künstlerkolonie und die Ablehnung der Dorfbewohner sehr gut widerspiegelt, konnte mich der Gegenwartsstrang nicht richtig packen. Hier ist der Funke ist nicht gänzlich übergesprungen. Nett für zwischendurch, aber leider nicht mehr.

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Tags: anja saskia beyer, familiengeheimnis, gemälde, provence, roman   (5)
 

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140 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 35 Rezensionen

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Wo wir uns finden

Nicholas Sparks , Astrid Finke
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Heyne, 03.09.2018
ISBN 9783453271739
Genre: Liebesromane

Rezension:  
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18 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

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Stein

Reinhard Kleindl
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.09.2018
ISBN 9783442487981
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bewertung: 2 1/2 Sterne

Neue Autoren lerne ich immer wieder gerne kennen - ganz besonders, wenn sie auch aus Österreich kommen. Deshalb war ich schon sehr auf den Thriller "Stein" von Reinhard Kleindl gespannt.

Vor fünf Jahren wurde der Bankier Bert Köhler entführt. Einzelne Körperteile des Opfers wurden als Päckchen an die Polizei und Verwandte verschickt, Lösegeldforderungen sind gescheitert. So auch die Polizei, die Köhler und den Täter nie finden konnten. Chefermittlerin Anja Grabner kostete es ihren Job.
Nun erhält Anja kurz vor dem Antritt ihres Urlaubes auf Sansibar einen Anruf ihres ehemaligen Kollegen Kaspar Deutsch. In einer Facebook-Gruppe sei ein neuer Hinweis aufgetaucht, der nach Stein führt, dem Ort der damaligen Ermittlungen. Anja kann nicht anders, als wieder nach Stein zu fahren und den damaligen Fall neuerlich unter die Lupe zu nehmen - mit dem Unterschied, dass sie nicht mehr bei der Polizei arbeitet....

Anja ist eine sehr eigenwillige Protagonistin. Der Fall, der ihr vor fünf jahren den Job kostete, hat sie bis heute nicht abgeschlossen. So ist es nachvollziehbar, dass sich Anja nach Stein begibt und den Tipp des Exkollegen nachgeht. Ihre Alleingänge und oftmals impulsiven Handlungen konnte ich jedoch nicht verstehen. Natürlich macht es einen Thriller spannender, wenn man als Leser am liebsten eingreifen und sagen möchte: Nein, geh doch nicht alleine ohne jemanden etwas zu sagen...sei doch nicht so dumm!
Aber wie oft erleben wir genau solche Passagen in diesem Genre...zu oft, meiner Meinung nach! Spannung geht auch anders und unüberlegte Handlungen, die nach dem fünften Mal alles andere als glaubwürdig rüberkommen, vermasseln eher die Lesefreude.

Leider ist Anja auch nicht wirklich sympathisch und ihre One-Night-Stands oder Liaisonen haben mich nur genervt (das ist jetzt meine dritte Rezension in Folge, wo ich Sexszenen in Büchern bekrittle. Ich bin nicht prüde, aber braucht man diese in einem Jugendbuch ab 12 Jahren und in Thrillern, die eigentlich von der Spannung leben sollen wirklich??)
Diese hat mir nämlich gefehlt und ich musste mich manchmal zwingen weiterzulesen.

Gefallen hat mir allerdings die geheimnisvolle und düstere Stimmung im Dorf. Reinhard Kleindl hat die verschrobene Dorfgemeinschaft, die zusammenhält - möge kommen, was will - sehr gut dargestellt. Der Hass der Dörfler auf den Bankier, der die größte Lebensgrundlage des Dorfes, das Zementwerk, hat schließen lassen, ist teilweise verständlich. Doch warum scheint es den Steinern trotzdem gut zu gehen und das Geld nur so zu fließen? Man bemerkt schnell: Hinter der Fassade des idyllischen Dorfes brodelt es und Anja ist mittendrin.

Einige Kapitel sind in kursiver Schrift verfasst und lassen den Leser die Gedanken des Täters miterleben. Da der Autor keine Zeitangaben über den Kapiteln angegeben hat und Köhler nie gefunden wurde, weiß man nicht, ob diese aus der Vergangenheit oder der Gegenwart erzählen. Das erhöht sichtlich die Spannung und man rätselt gerne mit.
Leider konnte mich aber auch das Ende nicht wirklich überzeugen. Das Motiv des Täters war mir nicht wirklich logisch bzw. nicht stark genug für die Tat.

Schreibstil:
Der Schreibstil des Autors ist flüssig, kurz und knapp - sehr passend für einen Thriller. Die Charaktere sind lebendig und haben Ecken und Kanten. Die Eigenheiten der Dörfler werden sehr lebendig und mit viel Charme und einem Augenzwinkern vermittelt.
Die Kapitel in kursiver Schrift in der Ich-Perspektive sind gelungen und lassen einem teilweise gruseln.

Fazit:
Für mich leider wieder nur ein durchschnittlicher Thriller, der mich nicht vollends überzeugen konnte. Abgesehen von der etwas ungewöhnlichen Ermittlerin, die mir nicht allzu sympathisch war, fehlte es mir an Spannung und Glaubwürdigkeit. Einzig die düstere Atmosphäre im Dorf war greifbar und stimmig. Das Ende fand ich nicht überzeugend. Schade!

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Tags: mord, österreich, reinhard kleindl, thriller   (4)
 

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157 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 79 Rezensionen

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Die Melodie der Schatten

Maria W. Peter
Flexibler Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.10.2018
ISBN 9783404177745
Genre: Historische Romane

Rezension:

Maria W. Peter konnte mich bereits mit ihrem Roman "Die Festung am Rhein" begeistern, deswegen war ich schon sehr auf ihr neuerstes Werk gespannt.
"Die Melodie der Schatten" ist ein sehr düsteres Werk, das auf den ersten 200 Seiten ziemlich schaurig ist und perfekt zum nebeligen Spätherbst und Halloween passt. Der Roman orientiert sich an die in Großbritannien sogenannten "Gothic Novels".

Lady Fiona Hemington ist auf dem Weg in ihr neues Zuhause, als die Postkutsche, die sie mit ihrer Tante und einem Vertrauten der Familie teilt, überfallen wird. Nur sie überlebt den Hinterhalt und flüchtet sich in das nahegelegene Herrenhaus Thirstane Manor. Doch dort ist die junge Frau nicht wirklich willkommen. Fiona spürt negative Schwingungen und der finstere Laird Aidan erweckt nicht gerade ihr Vertrauen. Gerüchte aus dem Dorf, dass das Haus verflucht sei, erwecken Fionas Ängste. Längst quälen sie unheimliche Träume oder sieht sie dunkle Schatten. Auch Stimmen und Klänge lassen die junge Frau an ihrem Verstand zweifeln. Und warum verhält sich der Hausherr ihr gegenüber so abweisend?

Die wildromantischen schottischen Highlands, das düster nebelige Wetter und das gruselige Anwesen von Thirstane Manor vermitteln eine perfekte schaurige Atmosphäre. Ich muss zugeben, dass es eine Stelle im Roman gibt, an der ich mich wirklich gruselte und wo sich einige Thrillerautoren eine Scheibe abschneiden können.
Trotzdem fand ich anfangs schwer in die Geschichte. Die zu Beginn auf zwei bis drei Figuren reduzierte Handlung, einige Wiederholungen und die sehr dunkle Stimmung benötigte einige Zeit, um mich zu packen. Doch dann konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen. Die Autorin überrascht dabei immer wieder mit neuen Wendungen. Das Geheimnis rund um Thirstane Manor und Laird Aidan lüftet sich langsam und erst zum Ende hin laufen alle Fäden zusammen.

Die Protagonisten werden von der Autorin sehr bildhaft und vielschichtig beschrieben. Man hat das Gefühl selbst mitten in der Geschichthe zu stecken und den Figuren über die Schulter zu blicken.
Fiona macht dabei eine interessante Charakterentwicklung durch. Von der schüchternen und verängstigten jungen Frau, die unter der Fallsucht leidet und die ihr Vater liebend gerne ins Irrenhaus steckt würde, entpuppt sie sich zu einer selbstbewussten und gegen ihre Krankheit ankämpfenden und willenstarken Frau. Dabei verliebt sie sich im Laufe der Zeit in die landschaftliche Schönheit der Highlands, erweckt Thirstane Manor zu neuem Leben und entdeckt auch die verletzte Seele hinter Aidans Maske.
Aidan hat eine dunkle Vergangenheit, der er sich stellen muss. Er ist ein finsterer Charakter, der seine Laune blitzschnell ändern kann. Fiona gelingt es nach einiger Zeit seinen Panzer zu durchdringen, doch der Laird hat finstere Pläne mit ihr. Dass sich die Beiden im Laufe der Geschichte trotzdem näher kommen, ist kein Geheimnis. Was sie verbindet allerdings schon.

Auch historische Begebenheiten, wie die Vertreibung der ehemaligen schottischen Siedler und die Willkür bei der Auslegung von Gesetzen, wurden von der Autorin wieder hervorragend recherchiert.

Maria W. Peter hat sich wirklich Gedanken gemacht, wie alle Fäden rund zusammenlaufen können. Einzig ein medizinisches "Wunder" konnte ich nicht so richtig nachvollziehen und an manchen Stellen wurde es auch ein bisschen kitschig. Das ist allerdings meckern auf hohem Niveau.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist der damaligen Zeit angepasst, lässt sich aber sehr gut und flüssig lesen. Maria W. Peter hat ein unglaubliches Händchen ihre Figuren lebendig werden zu lassen. Auch die Landschaft wird sehr bildhaft dargestellt. Die dichte Handlung, sowie die atmosphärische und mystische Stimmung ist grandios eingefangen.

Am Beginn des Buches ist eine Karte von Schottland im Jahre 1837 abgebildet. Der Roman ist in Buch I und II und einem Epilog gegliedert. Diese widerum sind in die Tage, die Fiona auf Thirstane Manor verbringt aufgeteilt und in Kapitel unterteilt. Jedem Tag steht ein Zitat voran.
Am Ende gibt es ein Nachwort und ein Glossar, sowie eine Aufstellung der fiktiven und historischen Figuren.

Fazit:
Anfangs tat ich mir ein bisschen schwer in die Geschichte zu finden, aber schon bald kann man nicht mehr aufhören zu lesen und fiebert der Aufdeckung aller Geheimnisse entgegen. Trotzdem hat mir "Die Festung am Rhein" einen Ticken besser gefallen. Wer düstere und mystische Geschichten mit einem Hauch Kitsch mag, dem kann ich den Roman wirklich empfehlen.

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Tags: fallsucht, gothic novel, historischer roman, maria w.peter, schottland, spuk   (6)
 

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

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Falkenberg

Regine Seemann
Flexibler Einband: 283 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 11.04.2018
ISBN 9783839222096
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bewertung: 4 1/2 Sterne

Mit ihrem Debüt ist Regine Seemann ein absolut spannender und vorallem eindringlicher Krimi gelungen.
Von der ersten Seite an wird man regelrecht in die Geschichte gezogen.
Bei einem Schulausflug auf den Falkenberg bei Hamburg entdeckt eine Schülerin die Leiche eines alten Mannes. Der ehemalige Psychiater Henning Mantteufel wurde mit 147 Stichen hingerichtet. Zusätzlich befindet sich am Rücken ein eingeritztes Hakenkreuz. Die beiden Kommissarinnen Stella Brandes und Banu Kurtoglu ermitteln zuerst im rechtsradikalen Milieu und in der Seniorenresidenz Waldfrieden, wo das Opfer gelebt hat. Doch das Ermittlerteam findet einfach keinen Hinweis für ein Mordmotiv. Durch Jan Domingo, einen Abiturenten, der für sein Projekt "Zeitzeugen" Überlebende des Zweiten Weltkrieges interviewt, finden die Kommissarinnen einen ersten kleinen Hinweis. Doch auch der Fundort der Leiche dürfte ein weiteres Zeichen auf das Opfer und seine Geschichte sein.

In einem zweiten Handlungsstrang, der in Tagebuchform geschrieben und sich durch kursive Schrift von der gegenwärtigen Ermittlungen abhebt, erzählt ein junges Mädchen von ihrer Zeit in einem Kinderheim und anschließend in einer psychiatrischen Abteilung. Der Leser weiß nicht um wen es sich handelt, jedoch waren diese Einträge wirklich erschütternd und haben mich sehr berührt. Diese Tagebucheinträge waren für mich einerseits das Highlight des Krimis, aber auch der Teil, der mir wirklich zugesetzt hat.

Das ungewöhnliche Ermittlerteam hat mir sehr gut gefallen. Erstmals hatte ich zwei weibliche Ermittlerinnen, eine davon mit Migrationshintergrund. Auch die Konstellation von Banu's Familie ist einmal etwas ganz Neues. Ihr Mann bleibt bei den Kindern zu Hause und sie macht Karriere. Und wie in vielen anderen Ehen kommt es deswegen auch hier zu Problemen. Private Einblicke in das leben der beiden unterschiedlichen Frauen geben dem Krimi eine persönlichere Note.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und direkt aus dem Leben gegriffen. Sowohl die sherrytrinkende Verlobte des Opfers, die anderen Heimbewohner, als auch Jan Domingo und das restliche Ermittlerteam haben Bilder in meinem Kopf ausgelöst.

Ich habe bis zum Ende gerätselt, wer hinter dem Mord steckt. Die Autorin konnte mich mit ihrer Auflösung überraschen, die glaubwürdig erscheint und für mich perfekt gelöst wurde.
Ich hoffe auf weitere Fälle mit Stella und Banu.

Schreibstil:
Regine Seemann schreibt flüssig, eingängig und im Vergangenheitstrang sehr einfühlsam. Zum Thema Euthanasie während der NS-Zeit wurde hervorragend recherchiert und die Grausamkeiten von damals aufgezeigt. Die Aufarbeitung der geschichtlichen Ereignisse, die sich mit dem aktuellen Mordfall immer mehr verbinden und am Ende ein richtiges Ganzes ergeben, wurden spannend eingeflochten. Der Spannungsbogen steigt bis zum Ende hin kontinuerlich an.

Fazit:
Ich bin begeistert von diesem Debüt und kann allen, die Krimis mit historischen oder regionalen Bezug lieben "Falkenberg" empfehlen! Ich freue mich schon auf weitere Fälle von Stella und Banu.

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Tags: hamburg, krimi, regine seemann, regionalkrimi, zweiter weltkrieg   (5)
 

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108 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

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Die Fotografin - Am Anfang des Weges

Petra Durst-Benning
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 10.09.2018
ISBN 9783764506629
Genre: Historische Romane

Rezension:

Bewertung: 4 1/2 Sterne

Im ersten Teil "Die Fotografin - Am Anfang des Weges" startet Petra Durst-Benning in eine neue Reihe rund um Minna Reventlow.

Die junge Frau entzieht sich jeglicher Konventionen, als sie ihren großen Wunsch Fotografin zu werden, in die Tat umsetzt. Die Pastorentochter bewundert seit ihrer Kindheit ihren Onkel Josef, der als Wanderfotograf durch die Lande zieht. Mimmi darf, dank eines Vorfalles in ihrer Kindheit, nach einem Jahr "Frauenschule" in Berlin eine Ausbildung zur Fotografin beginnen. Ihr Lehrherr hält allerdings nichts von Frauen im Berufsleben und auch ihr Verlobter möchte, dass sie nach der Heirat ihren Beruf aufgibt. Mimi lehnt daraufhin seinen Heiratsantrag ab. Nach Abschluss ihrer Ausbildung tritt sie in die Fußstapfen ihres Onkels und arbeitet als Wanderfotografin. Die Liebe zu ihrer Arbeit und mit ihrer unkonventionellen Art zu fotografieren, hat sie bald Erfolg. Als Mimi erfährt, dass es ihrem Onkel Josef gesundheitlich schlecht geht, will sie ihn ein paar Tage besuchen. Dieser hat vor Jahren die Wanderschaft aufgegeben, spät geheiratet und in Laichingen, einem Leinenweberdorf, ein Fotoatelier eröffnet. Nach dem Tod seiner Frau hat er sich zur Ruhe gesetzt. Als Mimi in Laichingen, ankommt, fällt die moderne und selbstbewusste Frau bald auf. Außerdem legt sie sich unwissentlich gleich am ersten Tag mit dem größten Arbeitgeber des Dorfes an. Aufgrund der schweren Krankheit entschließt sich Mimi länger zu bleiben und den Onkel zu pflegen, sowie sein Geschäft wieder zu öffnen und fortzuführen. Doch ihr weht ein starker Wind entgegen, denn selbstbewusste, mutige Frauen mit eigenem Willen sind im Dorf nicht gefragt.

Petra Durst-Benning ist schon als Kind mit dem Thema "Historische Fotografie" in Berührung gekommen und ist noch heute fasziniert davon. Für sie stand fest, dass sie einmal einen Roman darüber schreiben möchte, dessen erster Band nun veröffentlicht wurde. Doch nicht nur die Fotografie, sondern auch die Lebens- und Arbeitsweise der Weber und das immer stärkere Aufkommen von Fabriken, hat die Autorin einfließen lassen. Die wichtigsten Arbeitgeber des Dorfes sind kleine Könige und die Menschen von ihnen abhängig. Der Zeitgeist und der große wirtschaftliche Umschwung sind zu dieser Zeit ein großes Thema.

Die Charaktere hat die Autorin, wie ich bereits von ihr gewohnt bin, sehr lebendig und facettenreich dargestellt. Mimi ist eine starke und selbstbewusste Protagonistin, die ihren Traum leben möchte, was als Frau zu dieser Zeit fast undenkbar ist. Dafür gibt sie ein zukünftiges Leben an der Seite eines Mannes, Ehe und Familie, auf. Ihr Freigeist und ihre Kreativität helfen ihr in Laichingen mehr als einmal über die Runden zu kommen.
Das ganze Gegenteil ist Evelyn. Die Tochter einer reichen Chemnitzer Fabrikantenfamilie ist blauäugig ihrer Liebe gefolgt, ohne etwas vom harten und entbehrungsreichen Leben in Laichingen zu ahnen. Sie hadert mit ihrem Schicksal und beneidet Mimi, ohne jedoch selbst etwas gegen ihre Lage beizutragen.
Die Rolle der Frau war 1911 keineswegs mit Heute vergleichbar. Haushalt, Kindererziehung, Heimarbeit und Kirchgang stellen die Eckpfeiler einer gewissenhaften und gläubigen Ehefrau dar. Da fällt eine Frau wie Mimi, die ihrer Zeit voraus ist, ganz gehörig auf...

Aber nicht nur die Charaktere sind unglaublich liebevoll und detailliert beschrieben, sondern auch die landschaftlichen Besonderheiten der Ziele, die Mimi bereist. Die Schwäbische Alb, wo der Winter länger dauert unddie Menschen von der Weberei oder der Landwirtschaft leben, wird ebenso bildhaft beschrieben.

Das karge Leben der Leinenweber und der noch immer verankerte Glauben, dass die Kinder in die Fußstapfen ihrer Eltern treten und denselben Beruf erlernen müssen, egal welche Begabungen sie haben, ist ein wichtiges Thema des Romans. Der vorwitzige Anton, dessen Eltern das einzige Gasthaus im Ort bewirtschaften, hat keine Lust als Gastwirt in Laichingen zu versauern. Auch sein Freund Alexander, der zeichnerisch äußert begabte Sohn eines Webers, soll beim verhassten Fabriksbesitzer Gehringer, denselben Beruf wie sein Vater erlernen. Als Mimi sich für ihn einsetzt und einen Platz an der Kunstschule für ihn besorgen will, kommt es zu einem Eklat. Aber nicht nur Alexander und Anton haben Träume und Begabungen...

Der Spannungsbogen bleibt die ganze Zeit über konstant. Das Ende bleibt leider offen und Teil Eins endet mit einem gehörigen Cliffhanger, was mir nicht wirklich gefällt. Hier hätte man wenigstens einen der offenen Handlunsgstränge enden lassen können. Deswegen gibt es einen halben Stern Abzug, da ich es als Kaufzwang ansehe, wenn im ersten Teil so alles offen bleibt...
Trotzdem kann ich es kaum erwarten Teil 2 zu lesen, der jedoch erst im April 2019 erscheinen wird.

Fazit:
Ein gelungener Auftakt der Reihe rund um "Die Fotografin". Petra Durst-Benning verleiht dem Roman lebendige Charaktere, sowie interessante Einblicke in die Fotografie der damaligen Zeit. Ich bin schon gespannt auf den Folgeband.

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Tags: fotografie, historischer roman, jahrhundertwende, petra durst-benning, wanderfotografin, weberei   (6)
 

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300 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 151 Rezensionen

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Die Party

Jonas Winner
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.09.2018
ISBN 9783453439184
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Halloween, die 80iger Jahre und Morde a la Agathe Christies "Zehn kleine Negerlein" - diese drei Komponenten genügten, dass mich "Die Party" von Jonas Winner sofort ansprach. Als mich dann auch noch der Autor persönlich anschrieb und fragte, ob ich den Thriller lesen und rezensieren möchte, sagte ich sofort zu.

Brandon lädt zu einer Revival-Halloweenparty ein. Er möchte die Achziger Jahre aufleben lassen, denn vor genau 30 Jahren hat er zum Schulabschluss ebenfalls mit seinen Mitschülern gefeiert. Diesmal hat er sich aber auf zehn seiner ehemaligen Freunde eingeschossen, die die Fahrt in sein abgelegenes Haus als Mumie, Horrorclown oder Werwolf antreten. Der opulente Glasbungalow außerhalb von New Jericho ist nur mit einer Fähre über einen Fluss zu erreichen und liegt auf einer Anhöhe. Gleich zu Beginn werden den Besuchern die Handys abgenommen, denn die Party soll authentisch sein. Die zehn Freunde fragen sich, warum gerade sie eingeladen wurden, denn eigentlich haben sich alle seit dem Schulabschluss aus den Augen verloren.
Als Brandon seine Gäste begrüßt, geschieht ein Unglück und der Gastgeber wird vom Kronleuchter erschlagen. Kurze Zeit später spricht er in einem Video zu ihnen und erklärt den zehn Freunden, dass sie gerade noch 24 Stunden leben werden. Nach der Ankündigung von Brandon, dass nur einer von ihnen das Haus lebend verlassen wird, bricht anfangs das Chaos aus. Bald beginnt das gegenseitige Misstrauen und die Freunde fragen sich: "Was wissen wir eigentlich über Henry? Ashley? Oder Nick? Nicht wirklich viel. Leider erfährt es auch der Leser nicht wirklich, denn die Charaktere bleiben sehr blass und sind austauschbar. Einzig Nick, Donna und Henry ergeben ein etwas klareres Bild.
Das in der Videobotschaft angesprochene Konzept, dass nur im Haus die Fallen lauern, wird nicht durchgezogen. Nur zu Beginn werden die Anschläge auf die Gäste durchgeführt, danach weitet sich das tödliche Netz aus. Den immer weniger werdenden Überlebenden ist bald klar, dass Brandon einen Komplizen haben muss, der noch unter ihnen weilt. Wer steckt mit dem Gastgeber unter einer Decke?

In "Die Party" gibt es keinen typischen Protagonisten, sondern alle Gäste erzählen abwechselnd aus ihrer Perspektive - manche mehr, manche weniger. Anfangs war ich durch die vielen Namen und Kostüme verwirrt und konnte nicht gleich jede Figur richtig zuordnen. Das Personenregister mit Name, Kostüm und Beruf fand ich leider erst kurz bevor ich das Buch zugeschlagen habe.....ähm. Das wäre vielleicht zu Beginn des Buches besser platziert gewesen, damit es auch Blondinnen finden können.

Den Plot finde ich gut, auch wenn er nicht unbedingt neu ist. Die Atmosphäre ist düster und geheimnisvoll. Auch die Achziger Jahre Stimmung kommt durch, wenn von Filmen und Musik dieser Zeit gesprochen wird oder von der ersten Halloweenparty, die Brandon gegeben hat und die ein plötzliches Ende nahm. Keiner der Freunde weiß jedoch, was damals passiert ist.
Das Tempo ist schnell, der Spannungsbogen hoch. Man liest sich wirklich sehr gut durch die kleine Horrorgeschichte und drückt unwillkürlich dabei ein Auge zu, wenn es zu konstruiert und überspitzt wird. Was ich allerdings nicht verstehen kann ist, dass man im Angesicht seines baldigen Todes lieber Sex haben möchte, statt einen Ausweg aus der tödlichen Ausgangslage zu finden.

Ich hatte gehofft, dass mich das Ende aus den Socken hauen wird, jedoch fand ich es richtig an den Haaren herbeigezogen und konstruiert. Schade!

Fazit:
Kleiner Grusel, schönes Achziger Jahre Feeling und ein rasantes Tempo sind die positiven Aspekte dieses Thrillers. Blasse Charaktere, keine wirklichen Überraschungsmomente und ein Ende, das irgendwie mit dem Rest der Geschichte nichts zu tun hat und für mich völlig an den Haaren herbeigezogen ist.
Die 3 Sterne vergebe ich für die rasante Unterhaltung und schöne Erinnerungsmomente an meine Jugendzeit in den Achziger Jahren, sowie der düsteren Atmosphäre.

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Tags: achziger jahre, freunde, halloweenparty, jonas winner, mord, thriller   (6)
 
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