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17 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

schwarzer humor, britannien, dunkles mittelalter, leichenräuber, horror

Der Leichenkönig

Tim Curran , Ben Sonntag
Flexibler Einband: 147 Seiten
Erschienen bei Atlantis Verlag Guido Latz, 19.10.2011
ISBN 9783941258563
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein guter Autor bemüht sich, die Stimmung einer Szene einzufangen, indem er subtil die Charakteristik der Gegenstände aufscheinen läßt. Tim Curran hingegen bemüht sich im Buch Der Leichenkönig, die Stimmung einer Szene einzufangen, indem er die Elemente der Szene möglichst oft direkt benennt. Konkret versucht Curran in der hier besprochenen Novelle die Atmosphäre der schottischen Elendsviertel zu Anfang des 19. Jahrhunderts einzufangen und konzentriert sich auf das düstere Treiben der dem Elend entstammenden Grabräuber, die die Körper der Toten an skrupellose Ärzte und Wissenschaftler verkaufen.

Die Art und Weise, wie Curran diese Idee umsetzt, wurde soeben angedeutet, und zwar durch die mantragleiche Wiederholung der Wörter "Leiche", "Grab" und "Friedhof". Daß dies auf Dauer wenig abwechslungsreich ist, kann nicht verwundern. Sowieso ist mangelnde Abwechslung eine der größten Schwächen des Buches, das glücklicherweise kurz genug ist, um nicht durch Eintönigkeit unlesbar zu werden. Die Eintönigkeit ist vor allem den das Buch absolut dominierenden Passagen geschuldet, in denen Curran seiner offensichtlich wahren Passion nachgeht - und diese ist nicht das Geschichtenerzählen, sondern das Beschreiben.

Beschrieben werden einmal, wie bereits erwähnt, Friedhöfe, Gräber und Leichen, zum anderen die tatsächlich historisch bezeugt unsäglichen hygienischen Zustände in den damaligen Slums der Arbeiterstädte Großbritanniens. Die Friedhöfe, Gräber und Leichen, denen Currans Aufmerksamkeit vor allem gilt, zeichnen sich lediglich durch unterschiedliche Verfallsstadien voreinander aus - für die Arbeiterviertel gilt das ebenfalls: auch hier interessiert sich Curran praktisch ausschließlich für die verschiedenen Erscheinungsformen des Verfalls. Unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsökonomie ist das verständlich, so kann sich der Autor die Mühe sparen, unterschiedliche sprachliche Register für die angemessene Darstellung zu finden und kann seine Lieblingswörter auf jeder Seite dutzendfach verwenden. Auf dem (verfallenden) Friedhof liegen die (verwesenden) Leichen in Gräbern und Grüften, während sie in der (ebenfalls verfallenden) Stadt (ebenfalls verwesend) auf den Straßen herumliegen, in Kanälen vor sich hin treiben oder sich im Keller des Hauptprotagonisten stapeln. Doch auch auf den wenigen Seiten, wo nicht unmittelbar Leichen beschrieben werden, sieht Curran keinen Grund, sich sprachlich auf ein anderes Wortfeld zu verlegen und so wird zumindest gefühlt jeder einzelne Gegenstand, der nicht unmittelbar im hellen Sonnenlicht dasteht, mindestens einmal durch das Adjektiv "leichenhaft" charakterisiert.

Diese Fixierung auf Beschreibungen von Verfallszuständen ist nicht nur sprachlich eintönig, sondern auch literarisch problematisch. Atmosphären wirken dann am stärksten, wenn einer bestimmten Atmosphäre, z. B. der eines düsteren Friedhofs, eine gewissermaßen kontrastierende Atmosphäre entgegensteht. So hat die erste Atmosphäre ein Gegenstück, von dem sie sich abheben kann. Indem jedoch Curran die Protagonisten lediglich zwischen verwesenden Leichen auf verfallenden Friedhöfen und verwesenden Leichen in einem verfallenden Slum hin und her schickt, nimmt er sich die Möglichkeit, durch das Wechselspiel der Atmosphären so etwas wie Dynamik zu erzeugen.

In Anbetracht des interessanten historischen Szenarios, das sich für den Hintergrund einer Horrorerzählung geradezu anbietet, könnte man die Hoffnung hegen, daß wenigstens die Geschichte einige der Schwächen der Darstellung wieder wettmacht. Dies ist jedoch leider nicht der Fall. Erst im letzten Viertel der Erzählung fühlt Curran sich bemüßigt, die Handlung überhaupt voranzutreiben. Auch hier passt jedoch wenig zusammen. Wer oder was der Leichenkönig eigentlich ist erfahren wir nicht. Grundsätzlich ist dies nicht weiter schlimm, denn gerade Horrorerzählungen können durchaus davon profitieren, gewisse Dinge lediglich andeutend im Dunkel zu lassen; im vorliegenden Fall jedoch gewinnt der Leser den Eindruck, der Autor selbst hätte sich die Frage nicht einmal ernsthaft vorgelegt, sondern sie bei ihrem Aufkommen schnell unter den Teppich gekehrt und zur Sicherheit noch einige dutzend mal die Wörter "Leiche", "Grab" und "Friedhof" darübergeschaufelt. Die Beziehung, in die der Leichenkönig letztendlich zum Hauptcharakter tritt ist unverständlich, an den Haaren herbeigezogen und ergibt, angesichts dessen, wie der Leichenkönig zuvor dargestellt worden war, keinen Sinn. Das Ende schließlich ist zwar bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, aber uninspiriert und wirkt eher, als hätte der Autor das Buch möglichst schnell zum Abschluss bringen wollen.

Angesichts der Tatsache, daß das Buch für das, was geboten wird, doch recht teuer ist, kann über diese Schwächen auch nicht wohlwollend hinweggesehen werden und ich vergebe einen Punkt. Ich gebe aber zu bedenken, daß ich Curran nicht grundsätzlich als Autor bewerte (ich habe keinen zweiten Text von ihm gelesen), sondern ausschließlich das Buch "Der Leichenkönig". Daß Curran möglicherweise bessere Erzählungen geschrieben hat, will ich keinesfalls ausschließen.

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klassiker, norwegen, romane

Hunger

Knut Hamsun , Siegfried Weibel
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.11.2010
ISBN 9783548609744
Genre: Klassiker

Rezension:

Die Handlung von Knut Hamsuns erstem Roman ist schnell erzählt: Der namenlose Protagonist treibt sich in den Straßen Kristianias (heute Oslo) herum, stets auf der Suche nach etwas Geld für Nahrung und Obdach. Dieses Geld versucht er sich durch den Verkauf von Artikeln für Zeitschriften zu verdienen, ist dabei allerdings nicht sonderlich erfolgreich und muß die Stadt schließlich verlassen.

Bemerkenswert an diesem Buch ist also nicht der Verlauf der Handlung, sondern die ungeheuer dichte Charakterzeichnung des Protagonisten. Mit bedrückender Detailgenauigkeit schildert Hamsun den durch fortwährenden Hunger und ständige Not vorangetriebenen körperlichen und geistigen Verfall seines Helden - wobei das Buch durchaus auch die Vermutung erlaubt, daß nicht nur die Armut den geistigen Verfall verursacht, sondern auch eine schon zuvor bestehende geistige Instabilität die Armut mit erzeugt hat.

Keinesfalls ist nämlich der Held des Romans durch seine Not "abgebrüht" und gerissen geworden, immer auf der Suche nach dem eigenen Vorteil. Ganz das Gegenteil ist der Fall: Ständig zwischen Größenwahn und Selbstdemütigung schwankend verbringt er einen nicht unerheblichen Teil seiner Zeit damit, seine Armut vor anderen und vor allem auch vor sich selbst zu verheimlichen. Der Preis für diesen Fremd- und Selbstbetrug ist allerdings hoch, nämlich insofern, als daß der Protagonist mehr als einmal die ihm zufällig widerfahrenden glücklichen Ereignisse nicht zu nutzen weiß, die errungenen Erfolge bewußt und freiwillig aus der Hand gibt und sich zuletzt in größerer Not befindet als zuvor.

Die psychische Instabilität des Helden, auf Grund derer es ihm zu oft nicht gelingt, sein Selbstbild mit seiner objektiv jämmerlichen Lage in Übereinstimmung zu bringen, sorgt also mehr als einmal für objektiv irrationale Handlungen, die jedoch Hamsuns meisterhafte Charakterzeichnung nicht selten auf beunruhigende Art und Weise plausibel erscheinen läßt.

Zusammenfassend kann festgehalten werden: Hunger ist ein hochinteressantes Psychogramm einer unter dem Druck von Hunger und Armut zerfallenden Persönlichkeit und uneingeschränkt empfehlenswert.

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Judas Ischariot. Erzählungen 1907-1916: Bd. 2

Leonid Andrejew
Fester Einband: 587 Seiten
Erschienen bei Aufbau-Verlag, 01.01.1989
ISBN 9783351011901
Genre: Sonstiges

Rezension:


Die in diesem Band versammelten Erzählungen stammen aus der späteren Schaffensperiode des Autors, die nach der russischen Revolution von 1905 beginnt und sich bis zum Tode
Andrejews erstreckt, der 1919 im Exil in Finnland in bitterer Armut starb. Im Vergleich zu den im Band Das rote Lachen enthaltenen Geschichten sind die zehn im vorliegenden Buch veröffentlichten Texte im Durchschnitt umfangreicher und inhaltlich vielschichtiger.

Noch stärker als in Das rote Lachen erscheinen die Geschichten hier aus einer tiefen pessimistischen und düsteren Grundstimmung heraus geschrieben, die die Grundlage der literarischen Betrachtung verschiedener Themen bildet. Die Beschäftigung des Autors mit der religiösen Überlieferung etwa findet sich am prominentesten in der dem Band seinen Titel gebenden Erzählung Judas Ischariot, die ein einerseits rätselhaftes, andererseits aber auch suggestives Psychogramm Judas' entwickelt. Desweiteren ist die Erzählung Die sieben Gehängten erwähnenswert, in der Andrejew das seelische Erleben ganz verschieden gearteter Personen während der letzten Tage vor ihrer Hinrichtung betrachtet. Und auch die letzte Erzählung des Bandes, Das Joch des Krieges, in der der Autor in Tagebuchform eine Vielzahl von subjektiven Betrachtungen und Beobachtungen des Protagonisten vor dem Hintergrund des ersten Weltkrieges zu einem stimmungsvollen Ganzen verwebt, verdient es, gesondert genannt zu werden.

Zusammenfassend kann über diesen Band im Wesentlichen das Gleiche gesagt werden, wie schon über Das rote Lachen: Eine schön aufbereitete Sammlung von lesenswerten Erzählungen eines großen russischen Autors, der zu Unrecht in Deutschland nur wenig Beachtung gefunden hat.

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278 Bibliotheken, 0 Leser, 6 Gruppen, 10 Rezensionen

horror, fantasy, stephen king, parallelwelt, der talisman

Das schwarze Haus

Peter Straub , Stephen King
Flexibler Einband: 831 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.04.2004
ISBN 9783453873704
Genre: Fantasy

Rezension:


Der Rezension voranschicken muß ich die Bemerkung, daß ich den Vorgänger des Schwarzen Hauses, Der Talisman nicht gelesen habe. Hätte ich das getan, würde ich vielleicht einige Details anders beurteilen, aber da das Schwarze Haus auch für sich allein stehend ohne Probleme verständlich ist, nehme ich mir die Freiheit, es eben auch als einzelnes Werk zu bewerten.

Bei einer Zusammenarbeit von King und Straub gehe ich zunächst einmal von einem mindestens durchschnittlichen Buch aus, d.h. ich setze am Anfang zunächst drei von fünf Punkten voraus und schaue dann, was diese Bewertung in die eine oder andere Richtung verändert. Fangen wir mit den positiven Aspekten des Buches an:

+ Die Erzählstruktur: King und Straub entscheiden sich für eine etwas ungewöhnliche Erzählweise, indem sie dem Erzähler einen räumlichen Platz zuweisen. Gleichsam jeweils über den wechselnden Orten des Geschehens schwebend sieht der Erzähler zu einem bestimmten Zeitpunkt nur das, was die räumliche Perspektive erlaubt. Auch wenn einige Leser diese ungewöhnliche Erzählweise kritisieren, finde ich, daß man sich, wenn man sich an sie gewöhnt hat, gut mit an den Ort des Geschehens genommen fühlt.

+ Wendell Green: Mit Sicherheit ist Wendell Green einer der widerwärtigsten Charaktere, die ich aus Werken Kings kenne, aber schriftstellerisches Talent zeigt sich eben auch darin, das Widerwärtige darzustellen. Und das gelingt den Autoren hier meisterhaft. Praktisch bei jedem Auftreten Greens merkt man, wie man, im vollen Bewußtsein, daß Green ja nur eine literarische Figur ist, beinahe physisch spürbare Aggressionen gegenüber diesem Charakter entwickelt.

+ Das schwarze Haus selbst: Die Episoden die sich um das titelgebende schwarze Haus abspielen sind stimmungsvoll, gut geschrieben und spannend zu lesen.

Eigentlich könnten also sechs von fünf Punkten vergeben werden - allerdings gibt es auch einige Aspekte des Buches, die den Gesamteindruck merklich trüben:

- Der Held des Romans: Jack Sawyer ist als Hauptcharakter einfach unerträglich langweilig. Eine rundum edle und gute Person ohne Ecken und Kanten, ohne die kleinste persönliche Eigenheit, ohne auch nur den geringsten "Spleen". Unwillkürlich fragt man sich, warum die Autoren ihn nicht gleich mit einem Heiligenschein ausgestattet haben. Konsequent wäre es gewesen.

- Das Ende: Eigentlich hat das Buch zwei Enden - eins, das die Geschichte um das schwarze Haus abschließt und ein zweites, das die Geschichte um Jack Sawyer zu Ende bringt. Das zweite ist überflüssig, das erste ist schwach, sehr schwach. Ich bin in mehr als einem Fall mit Kings Enden unzufrieden, aber das hier erzählte Ende ist konfus, uninspiriert und an den Haaren herbeigezogen. Schlichtweg ärgerlich.

- Die Länge: Das Buch ist zu lang. Meines Erachtens hätte man 300 Seiten kürzen können und hätte immer noch einen Roman von respektabler Länge. Fans des Dunklen-Turm-Zyklus (mit dem ich nichts anfangen kann) mögen es anders sehen, aber mir scheint, es hätte dem Buch gut getan, hätten King und Straub die ganze Beschäftigung mit der Thematik rund um den dunklen Turm einfach bleiben lassen und sich stärker auf das schwarze Haus an sich konzentriert.

Am Ende stehen den drei Pluspunkten also drei Minuspunkte gegenüber und ich bin da angekommen, von wo ich gestartet bin, bei drei Punkten. Das Buch ist ein an sich durchaus lesenswerter Roman, der jedoch an seiner Länge, einem schwachen Ende und einem langweiligen Hauptcharakter leidet. 

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china, chinesische literatur, roman, ostasiatische literatur

Ein schlechter Scherz

Ha Jin , Susanne Hornfeck
Flexibler Einband: 254 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.10.2002
ISBN 9783423243070
Genre: Romane

Rezension:


Insgesamt zwölf Erzählungen des in die USA emigrierten chinesischen Autors Ha Jin finden sich in diesem Band. Diese spielen zeitlich im Wesentlichen in den Jahren nach der Kulturrevolution bis etwa in die 1990er Jahre, setzen sich also mit dem modernen China auseinander, nicht mit den Schrecken des Maoismus.

Thematisch können die meisten Erzählungen in den weiten Bereich der Kritik an den sozialen oder politischen Zuständen Chinas eingeordnet werden. Wichtig ist jedoch, daß der Autor nicht mit dem erhobenen Zeigefinger als "frisch erleuchteter Exilant" auf die "Zurückgebliebenen" zeigt, sondern mit scharfer Beobachtungsgabe und intelligentem Humor seine Geschichten entwickelt.

Dargestellt werden so wichtige Probleme wie Justiz- und Polizeiwillkür, Vetternwirtschaft und Korruption sowie der Konflikt zwischen traditionellem Lebensstil und moderner Gesellschaft, die sich auf Dauer auch westlichen Einflüssen nicht entziehen kann. Dankenswerterweise erfolgt die Darstellung, wie bemerkt, ohne symbolisch gemeinte Schuldzuweisungen an die einzelnen Protagonisten. Zu keinem Zeitpunkt hat der Leser bei der Lektüre das Gefühl, in einem moralischen oder politischen Erziehungsseminar zu sitzen - ein Gefühl, das leider nur allzu oft aufkommt, wenn Autoren sich an "gesellschaftskritischen" Thematiken versuchen. 

Für jeden, der an China und chinesischen Themen interessiert ist, kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen, da die hier versammelten Erzählungen nicht nur thematisch interessant, sondern durch ihren lebendigen Schreibstil und den die Texte durchziehenden - manchmal subtilen, manchmal offener zutage tretenden - Humor auch literarisch wertvoll sind.

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Leonid Andrejew: Das rote Lachen - Erzählungen 1898-1906

Leonid Andrejew
Fester Einband
Erschienen bei Aufbau, 01.01.1986
ISBN B0026KQTA2
Genre: Sonstiges

Rezension:


Leonid Nikolajewitsch Andrejew ist ein in Deutschland verhältnismäßig unbekannter russischer Autor des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der hier vorliegende Band versammelt eine Anzahl von Erzählungen, die die mangelnde Beachtung ungerechtfertigt erscheinen lassen.

Die insgesamt 22 Geschichten sind der ersten Schaffensperiode des Autors zuzurechnen und umfassen einen Zeitraum von 8 Jahren - beginnend mit der ersten Erzählung des Autors, "Bargamot und Garaska" und endend mit Erzählungen aus der Zeit kurz nach der russischen Revolution von 1905.

Es ist nicht überraschend, daß sich angesichts des Entstehungszeitraums auch politische Töne in einigen der Erzählungen ausmachen lassen. Dies erscheint insbesondere in Anbetracht der Tatsache nachvollziehbar, daß der Autor selbst mit den Idealen der Revolution von 1905 sympathisiert hatte. Vor allem in Geschichten wie "Die Marseillaise" und "Der Gouverneur" ist die politische Tendenz klar auszumachen.

Keinesfalls jedoch sollten die politischen Überzeugungen des Autors als zentraler Aspekt des vorliegenden Bandes interpretiert werden, denn die Bandbreite der behandelten Themen ist groß und die Darstellung des Autors meisterhaft. Besonders erwähnenswert sind die Erzählung "Das Leben des Popen Wassili", die in erschütternder Weise die Frage nach Glauben und Unglauben stellt, die Geschichte "Im Nebel", die die beklemmende Unruhe und Getriebenheit des Protagonisten eindrucksvoll vermittelt und die titelgebende Erzählung "Das rote Lachen", in der der Autor sich mit den Schrecken des Russisch-Japanischen Krieges auseinandersetzt.

Nicht nur für Freunde der russischen Literatur sondern für jeden, der sich von psychologisch dichten, wenngleich oftmals bedrückenden, Erzählungen angesprochen fühlt, ist der Band in jedem Fall empfehlenswert.

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Erzählungen beim Frühlingsregen. Aus dem Japanischen übertragen und mit einem Nachwort versehen von Wolfgang E. Schlecht.


Fester Einband
Erschienen bei Frankfurt am Main, Insel Verlag, 01.01.1990
ISBN B0042IHKCM
Genre: Sonstiges

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thriller, horror, kindheit, usa, selbstmord

Blutiges Frühjahr

Greg F. Gifune , Michael Weh
Flexibler Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 01.03.2011
ISBN 9783865520975
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Fünf Jugendliche - Alan, Tommy, Bernard, Rick und Donald - wachsen als Kinder gemeinsam in einer trostlosen amerikanischen Kleinstadt auf; und auch nach Tommys Tod in jungen Jahren bleiben die übrigen feste Freunde bis ins Erwachsenenalter. Obwohl die Freunde weit unter ihren Möglichkeiten geblieben sind haben sie sich mit dem Wenigen, das si
e erreicht haben, als Enddreißiger dauerhaft in der Stadt eingerichtet. Ihr Leben gerät jedoch aus den Fugen, als einer von ihnen, Bernard, Selbstmord begeht und auf einer
Kassette dunkle Andeutungen hinterläßt, die auf ein grausiges Geheimnis hindeuten. In der Folge stehen die Verbliebenen vor der Aufgabe, einen ihnen unbekannten Aspekt von Bernhards Persönlichkeit aufzudecken - eine Aufgabe, die sie nicht nur an dem Zweifeln läßt, was sie glaubten über Bernard zu wissen, sondern auch an vielem Anderem, was ihnen zuvor klar und eindeutig erschienen war.

Ein großer Teil der Horrorliteratur läßt sich in zwei Kategorien einteilen: In die erste Kategorie gehören in die Werke, in denen die Protagonisten mit Wesen jenseits der uns bekannten Welt konfrontiert werden. Zur zweiten Kategorie gehören die Erzählungen, in denen das in der Wirklichkeit antreffbare Grauen die Helden mit geballter Kraft trifft. "Blutiges Frühjahr" läßt sich keiner der beiden Kategorien zuordnen. Tatsächlich lebt das Buch weniger von seiner Handlung als von seiner Atmosphäre und diese speist sich daraus, daß den Protagonisten und somit auch dem Leser zunehmend die Gewissheit entgleitet, was Wirklichkeit und Einbildung, was Fakt und was Traum ist. Den Helden bleibt schließlich nichts anderes übrig als die Unmöglichkeit anzuerkennen, die Welt nach den exakten Kategorien "real" und "irreal" beurteilen zu können, wenn sie gegen das Grauen, das sie bedroht, bestehen wollen.

Für Freunde von atmosphärischem Horror ist Gifunes Buch in jedem Fall empfehlenswert und die das ganze Buch durchziehende unruhige Ungewissheit, in der die Protagonisten ge
halten werden, teilt sich dem Leser nachdrücklich mit. Was das Buch jedoch einen Stern kostet ist das letzte Kapitel. Dieses ist zwar auf seine Art ebenfalls beunruhigend und auf seine Art lesenswert und auch überraschend - es scheint mir allerdings überflüssig zu sein, da das vorletzte Kapitel das Buch, meiner Ansicht nach, zufriedenstellend beendet hatte. Daran, daß das Buch wirklich lesenswert ist, ändert diese Entscheidung des Autors jedoch nichts.

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