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50 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

thriller, psychothriller, verfolgung, stalking, social media

Alleine bist du nie

Clare Mackintosh , Sabine Schilasky
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.01.2017
ISBN 9783404174706
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zoe Walker ist eigentlich zufrieden mit ihrem Leben in einem Londoner Vorort mit Lebensgefährten und zwei fast erwachsenen Kindern. Eines Tages entdeckt sie allerdings beim Durchblättern der Tageszeitung bei der täglichen U-Bahnfahrt ein Foto von sich selbst mit der beigefügten Website-Adresse findtheone.com und einer unbekannten Telefonnummer. An den folgenden Tagen erscheinen die Bilder anderer Frauen in den Anzeigen, von denen dann eine gestalkt und eine ermordet wird. Zoe wendet sich an die ambitionierte Polizistin Kelly Swift, die in Unterstützung der Mordkommission aufzuklären versucht, wer hinter der mysteriösen Website steckt.

Das Buch erfüllt alle Voraussetzungen an einen guten Psychothriller.
Die Geschichte lässt einem die Haare zu Berge stehen und die eigene tägliche Routine überdenken. Denn kann man nicht selbst auch wie die Protagonistin als Pendler auf dem täglichen Weg zur Arbeit Opfer einer Überwachung werden, die dann online missbraucht wird? Das Ganze ist recht realistisch dargestellt, vor allem durch die ganz gewöhnliche Zoe als Hauptfigur, die Arbeit und Patchworkfamilie unter einen Hut zu kriegen versucht. Sehr emotional ist dargestellt, wie Zoe beinahe jeden aus ihrem Umfeld zu verdächtigen beginnt. Am gelungensten sind die völlig unerwarteten Wendungen ganz am Ende des Buchs, die einen alle vorher aufgestellten Vermutungen über Bord werfen lassen. Ein interessantes Stilmittel sind die wiederkehrenden kurzen, kursiv gedruckten Passagen, geschrieben aus der Sicht des „Hintermanns“, die Erklärungen zum Motiv geben. Nicht viel anfangen konnte ich lediglich mit der Struktur und Organisation der englischen Polizei.

Ich empfehle das Buch allen Lesern von Psychothrillern mit Elementen der Polizeiarbeit.

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(12)

40 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

historisch, dübell, fortsetzun, wirtschaft richard, luftfahrt

Der Jahrhunderttraum

Richard Dübell
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.01.2017
ISBN 9783548288277
Genre: Historische Romane

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56 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

tod, trauer, familie, verlust, seele

Solange ich in deinem Herzen bin

S.D. Robertson , Allys Olsen
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 09.01.2017
ISBN 9783959670739
Genre: Romane

Rezension:

Der Mittdreißiger Will verunglückt tödlich. Das ist besonders tragisch, weil er seine sechsjährige Tochter Ella als Vollwaise zurücklässt, obwohl er ihr hoch und heilig versprochen hat, sie niemals zu verlassen. So ist es für ihn ein Glücksfall,  als Geist bzw. Seele für weitere zwei Monate auf der Erde verbleiben zu können, um sich erst dann endgültig zwischen dem Übergang ins Paradies oder dem ewigen Verbleib auf der Erde als Seele entscheiden zu müssen. Bis dahin weicht Will nicht von Ellas Seite. Während es anfangs für ihn völlig klar ist, diesen Zustand aufrechtzuerhalten, gerät er nach und nach aufgrund der Ratschläge seiner Lotsin und anderer Seelen mehr und mehr in Zweifel, ob es nicht doch zu Ellas Bestem ist, sie loszulassen. Am Ende eröffnet sich ihm eine perfekte Lösung zugunsten Ellas.   

 

Obwohl es in dieser Geschichte nur so von Schicksalsschlägen wimmelt, braucht sich niemand zu sorgen, bei der Lektüre in eine traurige Grundstimmung zu verfallen. Es gibt durchaus amüsante Passagen. Das Fesselnde ist natürlich, wie die Thematik des Lebens nach dem Tod dargestellt wird. Ob es ein solches gibt  und wie es  aussehen kann, weiß naturgemäß keiner von uns, wenngleich wir uns hierüber vielleicht schon Gedanken machen. Deshalb erscheint es nicht völlig abwegig, welches Bild uns  der Autor zu vermitteln versucht. Das geschieht recht anschaulich. Sehr berührend ist das Vater-Tochter-Verhältnis aufbereitet, wenngleich es manchmal etwas fremd anmutet, mit welchen ernsten Themen die kleine Ella konfrontiert wird und wie erwachsen sie sich zuweilen gibt.  Interessant ist auch,  wie die Beziehungen der anderen Mitglieder von Wills Familie untereinander geschildert werden, die zusätzlich für Zündstoff sorgen.

 

Ein absolut lesenswertes Buch.

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50 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

fliegen, pilotinnen, frauenbewegung, historischer roman, frauen

Unsere Hälfte des Himmels

Clarissa Linden
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 10.01.2017
ISBN 9783426519011
Genre: Romane

Rezension:

Romane, die eine ausgewogene Mischung zwischen Familiengeschichte und Aufarbeitung geschichtlicher Themen enthalten, liebe ich. Und exakt diesem Muster entspricht das vorliegende Buch, so dass ich nach seiner Lektüre gänzlich zufrieden bin.

Der familiengeschichtliche Teil handelt davon, wie eine Frau (Lieselotte) erst im mittleren Alter und erst am Krankenbett der Mutter (Amelie) deren Vergangenheit nachspürt und auf diese Weise ein Verständnis davon erlangt, warum zwischen ihnen stets ein distanziertes Verhältnis bestanden und sich Lieselotte als ungeliebtes Kind gefühlt hat. Im historischen Teil geht es darum, wie Amelie Mitte der 30er Jahre gemeinsam mit ihrer Freundin Johanna ihren unbedingten Traum vom Fliegen als Beruf verwirklichen will, ihnen das aber durch die nationalsozialistische Ideologie verwehrt wird, nach der Frauen an den Kochtopf und nicht in den Himmel gehörten. Als Amelie und Johanna trotz aller Widrigkeiten ihr Ziel erreichen und sie sogar einen Ausbildungsplatz als Einflieger bei einem Flugzeughersteller erhalten, verliebt sich Amelie in den politisch im Widerstand engagierten Fluglehrer von Johanna – eine Liebe, die letztere als Verrat  des Schwures der Freundinnen ansieht, nichts und niemand, insbesondere kein Mann, könne sie vom Fliegen abbringen, und die Johanna deshalb mit entsetzlichen Folgen manipuliert.

 

Der eine Teil spielt in der Gegenwart im Jahr 1971 und der andere Teil im Jahr 1935, beide im Wechsel. Allein schon die Darstellung der Geschichte des Frauenfliegens ist lesenswert und sehr informativ, war sie mir doch eigentlich völlig unbekannt mit Ausnahme vielleicht einiger Namen berühmter Pilotinnen. Interessante Hintergrundinformationen sind im Nachwort zusammengefasst. Sehr schön finde ich, dass den im Jahr 1935 angesiedelten Kapiteln Zitate berühmter Fliegerinnen vorangestellt sind, die häufig auf deren Motivation zum Fliegen eingehen. Vervollkommnet wird der geschichtliche Teil durch die Schilderungen von den Anfängen des Nationalsozialismus seit Hitlers Machtergreifung bis in die Zeit vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Der 36 Jahre später angesiedelte Teil zeichnet sich dadurch aus, wie eine Tochter ihre Mutter und deren Träume kennenlernt. Auch hier spielen geschichtliche Elemente eine Rolle, wenngleich sie andersartig sind. Es werden jetzt Themen angeschnitten wie das Verbot der Abtreibung und Demonstrationen der Frauen gegen § 218 StGB, die Rolle der Frau in der Ehe (Unterworfensein unter den Willen des Ehemannes, der ihr sogar die Aufnahme einer Arbeitsstelle verbieten konnte; das nach dem Schuldprinzip ausgestaltete Scheidungsrecht). An allem wird sichtbar, dass die Autorin gut recherchiert hat und die Geschichte der Frauenbewegung sowie  die Aufarbeitung des Nationalsozialismus zu den von ihr bevorzugten Themen gehören, worauf auch im Klappentext hingewiesen wird.

Sprachlich eher einfach gestaltet, lässt sich das Buch gut und zügig lesen. Aufgefallen ist mir allerdings, dass einige Begriffe immer wieder aneinandergereiht werden und deshalb zuweilen etwas gestelzt klingen – z.B. ist bei Amelies ungeborenem Kind immer als von ihrem Sohn die Rede, obwohl das Kindsgeschlecht 1935 noch gar nicht bestimmbar war. Oder nach Johannas Verrat wird sie nur noch als Amelies „frühere Freundin“ bezeichnet. Ebenso gestoßen habe ich mich daran, dass alle Vorkommnisse in einen sehr engen zeitlichen Rahmen gepackt sind, was etwas realitätsfern wirkt. Das tut meiner absoluten Leseempfehlung aber keinen Abbruch.

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129 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

thriller, entführung, psychothriller, helen callaghan, debüt

Dear Amy - Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest

Helen Callaghan , Heike Reissig
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur, 10.01.2017
ISBN 9783426654200
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist ein wirklich spannender Psychothriller, in dem nichts so ist, wie es anfänglich scheint.

 

Margot ist Lehrerin an einer Elite-Schule in Cambridge und gibt nebenbei als Amy in der Kolumne einer Tageszeitung Lebensratschläge an Ratsuchende. Sie ist sehr verständnisvoll und kann sich gut in Leute hineinversetzen, vielleicht, weil sie ihr eigenes Päckchen an Problemen mit sich herumträgt – Panikattacken, Scheidung, die eigene Vergangenheit. Als sie unter dem üblichen Stapel von Leseranfragen den Brief eines seit nahezu zwanzig Jahren vermissten und längst für tot gehaltenen Mädchens (Bethan Avery) mit der Bitte um Hilfe findet, stürzt sie sich verbissen in den Fall, zumal seit kurzem eine ihrer Schülerinnen (Katie Browne) unter ähnlichen Umständen verschwunden ist. Unterstützung erfährt sie von einem Kriminologen, der die Echtheit des Briefes beweist.

 

Eingestreut sind gelegentlich aus der Perspektive von Katie geschriebene Kapitel, die in demselben dunklen Keller gefangen gehalten wird wie einst Bethan, vom selben psychopathischen Entführer. Viele schlimme Dinge geschehen dort mit ihr. Aber sie gibt niemals die Hoffnung auf, gerettet zu werden. Ob sie den Wettlauf mit der Zeit gewinnt, ist eine der entscheidenden Fragen neben denen, warum Bethan so lange Jahre kein Zeichen von sich gegeben hat und warum sie gerade Amy als Adressatin ihrer Hilferufe aussucht. Man lechzt geradezu nach Antworten. Im Laufe der Geschichte lernen wir Margot immer besser kennen und erfahren, dass das Leben sie schwer gezeichnet hat. Sie hilft anderen, weil sie selbst Hilfe braucht. Das psychologische Phänomen, das dahinter steckt, ist höchst interessant. Von Anfang bis Ende gibt es gelungene Wendungen. Nicht so sehr die Aufklärung der Vermisstenfälle rückt in den Vordergrund, sondern die Charaktere der Romanfiguren. Sehr berührend sind die angerissenen Themen Traumata und deren Verarbeitung, Entführung und Missbrauch von Mädchen. Der Autorin gelingt es gut, den Horror, dem Bethan und Katie ausgesetzt waren, nur anzudeuten und nicht zu sehr ins Detail zu gehen. Und trotzdem lassen sich ihre Qualen und Alpträume nachempfinden.

 

Das Buch empfehle ich Lesern von Psychothrillern, die in die Tiefe gehen.

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125 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 87 Rezensionen

liebe, nerd, liebesroman, monika peetz, traumfrau

Ausgerechnet wir

Monika Peetz
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.09.2016
ISBN 9783462049398
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die Autorin ist bekannt geworden durch ihre dreibändige Reihe rund um „Die Dienstagsfrauen“, von denen mich nur der erste Band überzeugen konnte. Umso zufriedener lässt mich das vorliegende Buch zurück.
Protagonist  ist nunmehr ein Mann, der 29jährige, eigenbrötlerische, mäßig erfolgreiche Unternehmensberater Tom. Zahlen sind sein Ein und Alles. Sein Single-Dasein hofft er über eine auf mathematischen Formeln basierende Datingseite zu beenden. Und tatsächlich wird ihm Lisa vermittelt, die Tom aufgrund 94 %iger Übereinstimmung als perfekte Frau erscheint. Nur stand leider ihre Mutter als Kupplerin dahinter. Fast schon resignierend, beherzigt Tom den Rat seines frauenverstehenden Ex-Schwagers, 28 Tage lang andere mit Geschenken zu beglücken, damit das Leben dann auch ihm Geschenke machen kann. Leider wird Toms Leben damit zusehends chaotischer. Lisa selbst begegnet Tom dann in einer Großbäckerei, die beide in Konkurrenz zueinander auf Vordermann bringen sollen.  Ob er jetzt Lisa davon überzeugen kann, die Liebe seines Lebens zu sein?

Für mich ist das Buch Frauenliteratur vom Besten. Es ist kein schnulziger Liebesroman und untersucht auf ungewöhnliche Weise, ob es Liebe nach mathematischen Regeln geben kann. Das Ganze geschieht recht humorvoll. Überraschend ist, dass die als trocken geltende Mathematik für so manchen Lacher sorgt. Die Beschreibung von Tom als Zahlennerd sowie die vielen Zahlenspiele und Bezugnahmen auf die Mathematik sind einfach nur amüsant und nebenbei recht wissenswert. Z.B. schätzt Tom die Größe des Zimmers seines Vaters im Altenheim auf 4,4 mal 3,8 und auf ein Volumen von 38.456 Kubibmetern bei einer Deckenhöhe von 2 Meter 30 oder beschreibt er seinen Vater als den Mann, der die Familie vor 277 Monaten und 25 Tagen verlassen hat oder liest er aus seiner gefalteten Badehosenaufschrift 128√e980 I LOVE YOU. Gelungen ist das Ende der Geschichte, das natürlich ganz anders ist als erwartet.


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82 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 51 Rezensionen

weihnachten, familie, cornwall, schnee, liebe

Schuld war nur der Mistelzweig

Judy Astley , Jenny Merling , Anna-Christin Kramer
Flexibler Einband
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 13.10.2016
ISBN 9783462048674
Genre: Liebesromane

Rezension:

Eine Londoner Familie mit drei erwachsenen Kindern und Enkelkindern verbringt eine gemeinsame Woche Weihnachtsurlaub in einem Landhaus in Cornwall. Die Eltern wollen auf ihre beabsichtigte Scheidung einstimmen, unverhofft stoßen ihre beiden Liebhaber dazu, die eine Tochter ist in fortwährender Sorge, die andere Tochter Thea versucht Abstand zu gewinnen von der Trennung von ihrem Verlobten und verliebt sich ausgerechnet in den vermeintlich schwulen Hausverwalter.

 

Dieses Buch lässt sich gut in der Weihnachtszeit lesen und stimmt auf sie ein, spielt die Handlung doch auch in dieser Zeit. Der im Buchtitel in Bezug genommene Mistelzweig spielt auf den schönen englischen Weihnachtsbrauch an, dass Paare sich unter ihm küssen dürfen und kommt auch immer wieder in der Geschichte vor. Wenngleich der Ausgang der Geschichte ziemlich bald vorhersehbar ist, macht es Spaß, das Buch zu lesen. Das liegt vermutlich daran, dass die geschilderten Familienzwistigkeiten und -probleme in jeder Familie vorkommen. Freuen darf man sich schon auf die für nächstes Jahr angekündigte Fortsetzung „Trau dich unterm Mistelzweig“, in der es sicherlich um Theas Hochzeit gehen wird.

 

Eine gute Unterhaltung für zwischendurch.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

berlin, eheseminar, skandal, die kanzlerin, steuerhinterziehung

Die Kanzlerin

Linda Behringer
Flexibler Einband: 172 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 22.11.2016
ISBN 9783741253751
Genre: Comics

Rezension:

Im vorangestellten Gruß der Autorin stellt diese klar, dass es sich um eine durch und durch erfundene Geschichte handelt. Buchtitel, Coverbild und leicht abgewandelte Namen der Romanfiguren („Angelika Mörkel“, Vizekanzler „Sigmund Michael“) lassen aber nur den Schluss zu, dass Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fokus steht. Durch die jedem Kapitel vorangestellten Orts-, Zeit- und Personenangaben sowie die vielen Dialoge an ein Theaterstück erinnernd, wird geschildert, wie die Kanzlerin, nichtsahnend einem Betrug aufsitzend, eines skandalösen Steuerbetrugs verdächtigt wird. Um der Jagd der Presse zu entgehen, taucht sie – bis zu ihrer erhofften Reinwaschung - in der WG des Sohnes ihres Pressesprechers unter und stellt am Ende ihre Betrüger.

Die Geschichte liest sich recht amüsant. Viele Charaktereigenschafen der Kanzlerin und viele Begebenheiten kommen einem bekannt vor. Und dass die „Mutti“ doch nur eine reine Weste haben kann, daran besteht kein Zweifel. Umso mehr verwundert es zu erfahren, wie leicht Frau Mörkel im wahrsten Sinne des Wortes die Hand ausrutscht und sie schon einmal Ohrfeigen verteilt. Auch erstaunt es zu lesen, dass ihr Ehemann sich auf außerehelichen homosexuellen Abwegen befindet. Da stellt sich schon die Frage, was ein Schriftsteller schreiben darf und wo Verunglimpfung anfängt. Ansonsten wird das Berliner Politleben gelungen auf die Schippe genommen und die Kanzlerin sehr menschlich dargestellt.

 

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38 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

hochzeit, familie, chaos, streit, andrea sawatzki

Ihr seid natürlich eingeladen

Andrea Sawatzki
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492060561
Genre: Romane

Rezension:

Dem auf dem Buchrücken abgedruckten Kommentar der Zeitschrift „Bunte“ über das Buch – „Urkomisch!“ – kann ich nur beipflichten. Das Buch reiht sich an seine beiden Vorgänger aus der Serie der vor allem als Fernsehschauspielerin bekannten Autorin – „Von Erholung war nie die Rede“ und „Tief durchatmen, die Familie kommt“ -, kann aber ohne weiteres allein gelesen werden. Wiederum findet bei der Berliner Familie Bundschuh ein Familientreffen mit Mutter, Schwiegermutter, Bruder und Schwägerin statt, zu denen sich anlässlich der Hochzeit des Ältesten noch einige Mitglieder seiner künftigen Familie aus Amerika gesellen. Wie es denn bei solchen Familientreffen nicht selten ist, geraten alle Verwandten in den verschiedensten Konstellationen aneinander und beim Hochzeitsfest geht so manches in den Stadien von Vorbereitung bis Durchführung schief, woran auch noch die Nachbarn und Haushunde ihren Anteil haben. Das alles ist so amüsant geschrieben, dass man sich ein Dauerschmunzeln nicht verkneifen kann. Sicherlich, einiges ist überzogen dargestellt. Aber nichts ist so, als dass es nicht im wirklichen Leben auch passieren könnte und so wird der eine oder andere vielleicht Parallelen in seinem eigenen Familienleben finden.

 

Ohne Wenn und Aber fünf Sterne.

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207 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 114 Rezensionen

dresden, krimi, 2. weltkrieg, serienmörder, krieg

Der Angstmann

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.09.2016
ISBN 9783423261203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im letzten Kriegswinter werden in Dresden zwei Frauen brutal ermordet. Die Bevölkerung hält  den von ihr so titulierten Angstmann für den Täter, eine Art Dämon. Kriminalinspektor Heller ermittelt unter erschwerten Bedingungen – fehlenden Ermittlern, Rechtsmedizinern, Materialien, einem ihm Steine in den Weg legenden linientreuen Vorgesetzten. Mit der Bombardierung vom 12./13. Februar scheint sich der Fall von selbst erledigt zu haben, bis im Mai ein neuer Mord passiert, den Heller zusammen mit dem russischen Kommissar Saizev aufklären will …

Dieser Krimi besticht durch seine realistischen historischen Bezüge, in die die Geschichte eingebettet ist. Wer, wie wohl die meisten Leser, diese Zeit nicht mehr aus eigenem Erleben kennt, erhält eine gute Vorstellung von der Zeit rund um die deutsche Kriegsniederlage mit den Entbehrungen für die Zivilbevölkerung, ihren Sorgen um Angehörige an der Front, den Flüchtlingsströmen, den Gräueln des Bombardements auf Dresden, der russischen Besatzung und dem Hass der Russen auf die Deutschen. Allerdings gehört das in dieser Ausführlichkeit nicht in einen Krimi, geht doch vieles zu Lasten der Spannung. Die Aufklärung der Morde ist eher krimiuntypisch und passt gut zu dem allgemeinen Durcheinander der Zeit. Für meine Begriffe gibt es dabei zu viele – erfolglose – Verfolgungsjagden quer durch Dresden. Auch erscheint mir der Hintergrund um den Täter etwas weit hergeholt.

 

Zu empfehlen für geschichtlich interessierte Krimileser.

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171 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 85 Rezensionen

cornwall, weihnachten, thriller, stiefmutter, minen

Stiefkind

S. K. Tremayne , Susanne Wallbaum
Flexibler Einband
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.12.2016
ISBN 9783426516621
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Geschichte ist in Cornwall angesiedelt. Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Rachel aus London heiratet Hals über Kopf den reichen, verwitweten David und zieht in dessen prächtiges Anwesen Carnhallow in Cornwall. Davids Reichtum stammt aus Kupferminen, die seit Generationen in Familienbesitz sind. Alles beginnt so gut für Rachel, die von der Schönheit und der Geschichte des abgelegenen Carnhallow fasziniert ist und ihrem Stiefsohn Jamie eine gute Stiefmutter sein will. Doch bald schon tun sich Risse in dieser scheinbar so glücklichen Familie auf. Der Achtjährige nämlich äußert gegenüber Rachel präzise Zukunftsvisionen, die sich auch noch bewahrheiten. Seine letzte lautet „An Weihnachten bist du tot“. Rachel, immer mehr von Panik erfasst, beginnt, der Vergangenheit auf den Grund zu gehen; nebenbei hütet sie ein eigenes Geheimnis …
Über Cornwall gibt es viele Bücher. Während dort die Gegend aber als idyllisch beschrieben wird, vermittelt dieses Buch eine düstere Vision von ihr. Die Atmosphäre dieses Ortes ist so bildhaft beschrieben und quasi zwischen den Zeilen spürbar. Interessant sind die historischen Fakten über das Minenvorkommen. Von Anbeginn an ist alles sehr verworren und ich hatte keine Ahnung, wohin ich geführt werde. So viele Fragen tun sich auf, die erst gegen Ende in für mich befriedigender Weise beantwortet werden – Ist Rachel verrückt oder ihr Stiefsohn? Was ist mit Davids erster Frau, spukt sie als Geist im Haus herum oder entspringt sie der kranken Vorstellung des traumatisierten Jamie? Steckt David vielleicht hinter ihrem Tod? Alle Charaktere sind so wenig verlässlich. Jamie, Rachel, David, Davids Mutter, selbst seine verstorbene Frau – allen kann nicht richtig über den Weg getraut werden. So gehört es sich für einen gelungenen Psychothriller. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die Dialoge zwischen Jamie und Rachel sich immer wiederkehrend ähnlich und eindringlich wiederholen und deshalb beim Lesen etwas ermüden.
Das Buch empfehle ich Lesern von Psychothrillern.

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40 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

australien, waisenhaus, amerika, liebe, hass

Das Land der roten Sonne

Harmony Verna , Marie Rahn
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 17.10.2016
ISBN 9783352008887
Genre: Historische Romane

Rezension:

Schon als Kinder in einem australischen Waisenhaus halten James und Leonora unverbrüchlich zueinander, bis sie aufgrund von Adoption voneinander getrennt werden. Leonora führt fortan ein lieb- und glückloses Leben bei reichen Amerikanern und James gelangt auf eine Farm zu armen Verwandten, wo er knechten muss. Die arrangierte Ehe mit einem gewalttätigen Minen- und Farmbesitzer ermöglicht Leonora die Rückkehr in die australische Heimat. Dort trifft sie erneut auf James, und aus der Kinderfreundschaft wird Liebe, zu der sich Leonora wegen Erpressungen ihres Mannes  aber nicht bekennen will. Haben beide eine Chance?

 

Ein 522 starker historischer Liebesroman, der sich trotz seines Umfangs im Fluge lesen lässt. Sehr eindringlich und berührend werden die Schicksale von James und Leonora geschildert, denen im Leben kein rechtes Glück beschieden zu sein scheint. Eigentlich ist man frühzeitig geneigt zu sagen, für beide muss es doch ein Happy End geben. Allerdings scheint der Verlauf der Geschichte bis fast zum Schluss dagegen zu sprechen, bis dann ein völlig unerwarteter Clou eingebaut wird. Ein schönes Bild wird von dem heißen Kontinent Australien gezeichnet und seinen Bewohnern der verschiedenen Schichten. Dabei werden Themen angesprochen wie die Rolle der ausgebeuteten Minenarbeiter, die Rolle der Kirche, der Umgang mit den Aborigines. Etwas merkwürdig sind mir während des Lesens die Zeitspannen vorgekommen. Oftmals scheint es so, als müssten mittlerweile ganze Jahre vergangen sein, während dann zu lesen ist, dass der Erste Weltkrieg noch immer im Gange ist. Zudem ist es des Zufalls zu viel, dass immer wieder der ehemalige Minenarbeiter Ghan auftaucht und Verknüpfungen zu Leonora herstellt.

 

Insgesamt ein schöner historischer Liebesroman vor den Kulissen Australiens.

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75 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

liebe, autorin, leuchtturm, weihnachten, teeladen

Friesenherzen und Winterzauber

Tanja Janz
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 07.11.2016
ISBN 9783956496547
Genre: Liebesromane

Rezension:

Während der Lektüre ist mir der Gedanke gekommen, ob es nicht Parallelen zwischen der Autorin und ihrer Protagonistin Ellen insoweit gibt, dass auch ihr von ihrem Verlag aufgegeben wurde, zeitnah einen Liebesroman abzuliefern und sie dann diese Geschichte konstruiert hat. Denn so  wirkt auf mich die Geschichte rund um die Buchautorin Ellen, deren Gefühle zu ihrem Freund nicht erwidert werden und die sich eine Auszeit in St. Peter-Ording nimmt, um dort Ideen für einen romantischen Liebesroman zu sammeln. Wie es dann so kommt, sieht sie sich auf einmal zwei attraktiven einheimischen Männern gegenüber, die sie ihren Liebeskummer vergessen lassen und von denen einer ihr sogar Stoff für das neue Buch liefert. Das Konstruierte liegt für mich darin, dass die Geschichte im wirklichen Leben so wohl kaum passiert. Alle Entwicklungen treten zu schnell ein und in weniger als einem Monat gibt es ein Happy End. Solche Art Erzählungen gibt es einfach schon zu viele. Allerdings verkenne ich nicht, dass auch schlichtweg nur bei mir eine Sättigungsgrenze erreicht ist und viele Leserinnen eine solche seichte Lektüre zum Abschalten mögen. Und das gelingt dem Roman bestimmt. Das ist schon allein der winterlichen Atmosphäre vor der Kulisse St. Peter-Ordings geschuldet. Schön finde ich auch, dass es im Anhang ein Rezept für die Neujahrskuchen gibt, von denen im Buch die Rede ist.

Objektiv betrachtet vergebe ich somit trotz meiner rein subjektiven Bedenken vier Sterne.

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(118)

194 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

münchen, gina angelucci, krimi, cold case, inge löhnig

Gedenke mein

Inge Löhnig
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.01.2016
ISBN 9783548612287
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Autorin ist bekannt für ihre Krimi-Reihe um Kommissar Dühnfort. Im vorliegenden Buch steht allerdings nicht er als polizeilicher Ermittler im Vordergrund, sondern seine Lebensgefährtin Gina Angelucci, zu deren Aufgaben die Aufklärung von seit langen Jahren ungelösten Mordfällen gehört. Natürlich gibt es aber auch private und  berufliche Verflechtungen mit Dühnfort.

Gina gibt dem Drängen der Mutter der vor zehn Jahren verschwundenen und niemals gefundenen kleinen Marie nach.  Während die Mutter fest daran  glaubt, das Mädchen lebt noch, will Gina nur ihre Leiche finden, damit die Mutter endlich trauern und mit dem Geschehen abschließen kann. Nachdem seinerzeit von Selbstmord des Vaters unter Mitnahme von Marie in den Tod ausgegangen wurde, tun sich jetzt für Gina völlig überraschende Spuren auf …

Die Geschichte ist äußerst spannend erzählt. Sowohl hinsichtlich des Geschehens vor zehn Jahren als auch hinsichtlich der Person des Täters bleibt der Leser lange im Unklaren, übrigens genauso die Polizei. Es kommen nach und nach furchtbare Wahrheiten ans Licht, die Ähnlichkeiten mit realen Fällen haben, die in jüngster Vergangenheit durch die Medien gingen.

 

Für Krimifans sehr zu empfehlen.

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(11)

27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

sehnsucht, freundschaft, amerika, jugend, usa

Der Andere

David Guterson , Georg Deggerich
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 19.02.2013
ISBN 9783455403787
Genre: Romane

Rezension:

Bei einem 800-Meter-Lauf treffen sich die Jugendlichen John William Barry und Neil Countryman zum ersten Mal. So unterschiedlich ihre Herkunft auch ist – der eine stammt aus einer angesehenen, reichen Familie, der andere aus einer Handwerkerfamilie – sie werden zu Freunden. Ihre Naturliebe und tagelange Wanderungen durch die Wildnis verbinden sie. Das bleibt auch so, als John William dem bürgerlichen Leben den Rücken kehrt und als Eremit in eine Steinhöhle im Wald zieht, während Neil Lehrer für Englisch wird und eine Familie gründet, immer davon träumend, ein Buch zu schreiben. In treuer Abhängigkeit bringt er seinem Freund fortan Lebensmittel und Medikamente, bis … ja, bis er nach einigen Jahren vor dem Dilemma steht, seinen vor sich hin vegetierenden Freund zu verraten, um ihn zu retten oder weiterhin treu zu ihm zu halten …

 

Der Roman lässt sich nicht einfach lesen, wofür es mehrere Gründe gibt. Zum einen erschweren Zeitsprünge die zeitliche Orientierung – befinden wir uns in der Zeit, als die beiden Freunde junge Erwachsene sind oder im Alter von 28, als Neil vor eine schwere Entscheidung gestellt wird oder weitere zwei Jahrzehnte später, als Neil die Vergangenheit einholt? Zum anderen werden den meisten deutschen Lesern die vielen Örtlichkeiten in der nordwestamerikanischen Wildnis nicht viel sagen. Genauso wird es ihnen ergehen mit den zahlreichen Bezugnahmen englischer Lyrik oder alter philosophischer Lehren. Mehr als einmal war ich versucht, die Lektüre aufzugeben. An der Stange geblieben bin ich letztlich um zu erfahren, warum Neil in mittleren Jahren Berühmtheit erlangt. Andeutungen ziehen sich insoweit durch die ganze Geschichte, halten also zumindest die Spannung aufrecht.

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165 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 77 Rezensionen

new york, familie, geschwister, usa, das nest

Das Nest

Cynthia D'Aprix Sweeney , Nicolai Schweder-Schreiner
Fester Einband: 410 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 02.12.2016
ISBN 9783608980004
Genre: Romane

Rezension:

Vier New Yorker Geschwister in ihren Vierzigern hält nichts zusammen außer die Aussicht, am 40. Geburtstag der Jüngsten eine beträchtliche Geldsumme ausgezahlt zu bekommen, die ihr verstorbener Vater ihnen hinterlassen hat. Alle haben schon den erwarteten Geldsegen verplant - eine will die Kreditraten fürs Haus und die Collegegebühren der Kinder bezahlen, die andere ihr Apartment renovieren, einer das wegen Geschäftsschulden verpfändete Sommerhaus auslösen. Allerdings macht ihnen ihre exzentrische Mutter kurz vor Zahltag einen Strich durch die Rechnung, indem sie das Geld ihrem Ältesten gibt, der sich damit von Scheidungsforderungen und Schadensersatzleistungen aus einem folgenschweren Verkehrsunfall freikauft. Werden seine Geschwister ihre finanziellen Probleme in den Griff kriegen und ihr Leben entsprechend einrichten?

Mit diesem Buch hat die Autorin einen angenehm zu lesenden und gut unterhaltenden ersten Roman abgeliefert. Das farbenfrohe Cover mit den vier Piepmätzen passt gut zum Inhalt, steht jeder von ihnen doch wohl stellvertretend für einen Geschwisterteil. Ebenso hat der Buchtitel Bezug zur Geschichte (was ja längst nicht bei jedem Buch der Fall ist), nennen die Geschwister doch die erwartete Erbschaft „das Nest“. Sehr schön wird die Bredouille dargestellt, in der sich jeder von ihnen vor Antritt der erwarteten Erbschaft befindet und auch danach, als klar ist, dass sie um „ihr“ Geld gebracht wurden. Das lässt sich für den Leser alles gut nachvollziehen, könnte er doch durchaus in ähnlicher Lage sein. Interessant ist,wie auf aktuelle Themen eingegangen wird, z.B. die amerikanische Finanzkrise oder Nine Eleven. Die Auflösung der ganzen Misere erfolgt dann völlig anders als erwartet. Der größere Teil der Geschwister zieht seine Lehren aus dem Ganzen, und anschließend gibt es zwischen ihnen sogar nie dagewesene familiäre Bindungen.
Zu einer kleinen Abwertung komme ich deshalb, weil mir die Schilderung der beruflichen Situation des ältesten Bruders zu lang ausfällt und mir nicht einmal so recht klar ist, was genau er beruflich macht.

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163 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 77 Rezensionen

liebe, coffeeshop, hamburg, liebesroman, zimt

Liebe, Zimt und Zucker

Julia Hanel
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.09.2016
ISBN 9783548287881
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die 28jährige studierte Literaturwissenschaftlerin Marit  aus Hamburg stellt ihre beruflichen Ambitionen zurück und folgt ihrer großen Liebe in die Kleinstadt. Obwohl sie Knall auf Fall in verletzender Weise sitzengelassen wird, verharrt sie in dem Ort und nimmt einen Job in einem Coffeeshop an. Dort trifft sie auf den ihr mit Ablehnung begegnenden Kollegen Moritz und nimmt über einen gefundenen USB-Stick E-Mail-Kontakte zu dem charmanten und humorvollen Julian auf. Ob einer der beiden der neue Mann in ihrem Leben wird?

Worauf schon das in Rosatönen gehaltene Cover hindeutet, haben wir es mit einem Liebesroman zu tun. Er ist in leichtem Erzählton gehalten und lässt sich recht flott lesen. Eine schöne Abwechslung beim Lesen sind die zwischen Marit und Julian zahlreich gewechselten E-Mails, in denen beide recht keck miteinander plaudern. Hier wird auf ein Muster zurückgegriffen, das auch gerne von anderen Autoren in Brief- bzw. E-Mail-Romanen benutzt wird. Vielleicht wird manch eine Leserin aufstöhnen und sagen, schon wieder ein Roman mit einer Protagonistin um die 30 ohne Geld und berufliche Sicherheit, dafür mit jeder Menge Liebeskummer. Dem sei aber entgegengehalten, dass diese Thematik in völlig eigenständiger Weise mit guten Ideen verarbeitet wird. Und die Protagonistin macht es sich bei weitem nicht einfach mit ihrer Entscheidung für oder gegen einen neuen Mann. Etwas gestoßen habe ich mich lediglich daran, dass sie etwas sehr früh mit einem im Bett landet. Am Ende nimmt die Geschichte sogar noch eine völlig unerwartete Wendung.

 

Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt.

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68 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

sekte, thriller, horror, deutschland, krimi

Muttertag

André Mumot
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783847906100
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Klassifizierung des Buchs in das von mir bevorzugte Genre „Literatur“ hat mich zu ihm greifen lassen. Leider war dies eine Irreleitung, denn richtigerweise handelt es sich um eine Mischung aus Thriller und Horrorgeschichte, zu deren Leserkreis ich eher nicht zähle. Das alleine hat mich aber nicht enttäuscht zurückgelassen. Vielmehr lag mir die schwerfällige Erzählweise nicht, die lange Zeit verhindert hat, dass ich in die Geschichte hineinfinden konnte. Eine Reihe von Bruchstücken mit jeweils eigener Thematik wird abwechselnd fokussiert. Da geht es um ein gedächtnisloses Mädchen, eine vermeintlich zerstörte und dann wieder aufgetauchte Sekte, die Menschen ohne deren Einverständnis mit Krankheiten infiziert und einem Menschenopferkult frönt, Ermittlungen durch den Verfassungsschutz. Für mich sind das alles sehr schreckliche Themen. Zum Glück werden sie durch eine Art Rahmen zusammengeführt, nämlich die angenehmer zu lesende Geschichte rund um den Jugendlichen Philipp, der bei seinem vermeintlich harmlosen Onkel lebt und mit diesem nach einem Überfall flüchten muss. Vollständiges Licht wird am Ende nicht in die Geschichte gebracht, bleibt doch etwa offen, was mit dem Mädchen passiert ist.

Das Buch bleibt hinter meinen Erwartungen zurück.

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(62)

131 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

magie, schweden, zauberer, lars vasa johansson, glück

Anton hat kein Glück

Lars Vasa Johansson , Ursel Allenstein , Antje Rieck-Blankenburg
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 21.10.2016
ISBN 9783805203876
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte rund um den egoistischen, nörgelnden, neidischen, unsympathischen, erfolglosen Berufszauberer Anton vermischt gut gelungen realistische und märchenhafte bzw. fantastische Elemente. In sich abwechselnden Abschnitten wird der Lebenslauf des Protagonisten ab Beginn mit der berufsmäßigen Zauberei gemeinsam mit seinem einst besten Freund einerseits und sein unfallbedingt erzwungener Aufenthalt im Wald, während dem er von einer Waldfee verflucht wird, andererseits geschildert. Antons Werdegang zu kennen ist notwendig, um verstehen zu können, warum er zu dem Antihelden geworden ist, als der er sich immer mehr herauskristallisiert. Die Passagen, die im Wald spielen, lesen sich wie ein modernes Märchen. Mystische Geschichten bzw. Fantasy sollte man also schon ein wenig mögen. Nur dann werden einem die verschiedenen Waldwesen mit z.T. phantasievoll belegten Namen wie Waldfee, Tränentriefer, Wiedergänger, Garnspuler, altes Miststück gefallen. Obwohl Antons Erleben im Wald völlig skurril und irreal ist, kommt einem das Ganze überhaupt nicht wirklichkeitsfern vor. Sehr schön ist es, die langsame Entwicklung des Protagonisten zum Positiven zu verfolgen.


Einem Vergleich mit Fredrik Backmans Büchern („Ein Mann namens Ove“), der auf dem Buchrückentext gezogen wird, hält das Buch aus Schweden nicht ganz stand, hat mir aber auch gut gefallen.

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79 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

tagebuch, alter, altenheim, humor, roman

Eierlikörtage

Hendrik Groen , Wibke Kuhn
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2016
ISBN 9783492058087
Genre: Romane

Rezension:

Ob es ihn wirklich gibt, den netten dreiundachtzigeinvierteljährigen Senior Hendrik Groen, der vom 1. Januar bis 31. Dezember 2013 fast täglich Tagebuchaufzeichnungen über sein Leben in einem Amsterdamer Seniorenheim verfasst hat, die nun als Sammlung in Buchform vorliegen, oder wer sonst hinter dem Verfasser steht, lässt sich dem Buch nicht entnehmen. Auf jeden Fall klingt alles sehr authentisch und ist der Tagebuchschreiber ein wohl untypischer Seniorenheimbewohner. Er ist das ständige Gejammer seiner betagten Mitbewohner über alles und jeden überdrüssig und will sich an seinen letzten Lebenstagen – denn die Kürze der ihm verbleibenden Zeit ist ihm durchaus allgegenwärtig – noch einmal richtig erfreuen. Das gelingt ihm mit dem aus gleichgesinnten Freunden bestehenden Club Alt-aber-nicht-tot (kurz: Alanito), täglichen Ausfahrten mit seinem Elektromobil, dem Kümmern um seine gesundheitlich noch angeschlageneren Freunde und der Herausforderung des Schreibens eines Tagebuchs recht gut. Letzteres enthält Anekdötchen aus dem Heimleben, von Hendrik kommentierte Fakten der niederländischen Seniorenpolitik, seine Gedanken zur Rolle alter Leute in der Gesellschaft und eigene Ansichten zum Leben im Altersheim mit gebrechlichen, abgeschobenen, dem Tode nahen Bewohnern. Obwohl Krankheit und Tod immer wieder thematisiert werden, denn das Schicksal verschont auch Hendrik und seine Freunde nicht, liest sich alles locker und angenehm. Das ist vor allem dem wunderbaren Schreibstil Hendriks geschuldet, der an trockenem Humor und Ironie nicht spart. Am Ende wird Hendrik zu einem tollen Vorbild  und es lässt sich das persönliche Fazit ziehen, dass ein Lebensabend im Altersheim nicht unbedingt das A und O ist, dort aber durchaus noch Lebensfreude zu finden ist.

 

Ein von mir uneingeschränkt empfohlener Roman für Leser aller Altersgruppen.

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

österreich, historischer roman, donaumonarchie, kaiser, erster weltkrieg

Der Sturz des Doppeladlers

Birgit Mosser
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Amalthea Signum, 05.09.2016
ISBN 9783990500521
Genre: Historische Romane

Rezension:

Schon der Buchtitel deutet es an, dass uns das Buch in das österreichische Kaiserreich entführen wird, war doch der Doppeladler in der ehemaligen Habsburgermonarchie das Symbol für das Kaisertum der Habsburger. Wir nehmen während der Jahre 1916 bis 1921 teil am Schicksal von vier Familien aus Österreich, unter denen es Berührungspunkte geben wird: Bertas Verlobter fällt im Krieg, so dass sie sich und ihr gemeinsames Kind als ledige Mutter durch den Krieg bringen muss, wobei sie auf den Kärntener Lois trifft; Julius Holzer aus Südtirol kämpft als Kaiserjäger und muss nach schlimmsten kriegerischen Auseinandersetzungen erleben, wie seine Heimat Italien zugeschlagen wird; der patriarchalische Architekt Behlolavek gerät in russische Kriegsgefangenschaft, während zu Hause in Wien seine Frau das uneheliche Enkelkind vor ihm zu verheimlichen sucht; als hoher Beamter im Wiener Außenministerium ist Ferdinand von Webern an den demütigenden Friedensverhandlungen zwischen Österreich und den Siegern beteiligt.

Wer Familiengeschichten mag und geschichtliches Interesse vorrangig am Ersten Weltkrieg in Österreich hat, wird diesen Roman sicherlich mögen. Die Schicksale der verschiedenen Familien vor dem Hintergrund des furchtbaren Ersten Weltkrieges mit seinen vielen Toten und Verletzten, mit Hungersnöten und Warenknappheit berühren sehr. Umso glücklicher kann sich schätzen, wer 100 Jahre später leben darf. Viele Details sind über die politischen Besonderheiten Österreichs zu erfahren. Der deutsche Leser wird nicht alles auf Anhieb verstehen. Vor allem die sich inhaltlich um hohe Politik drehenden Dialoge von Weberns sind schwierig zu lesen. Aber die Geschichte regt vielleicht dazu an, sich näher mit dem Habsburger Reich und seinen Gebietsansprüchen  in Tschechien, Tirol, Kärnten und dem Burgenland zu befassen.

Die Geschichte ist gut recherchiert. Der Schreibstil ist informativ und dank im Dialekt gehaltener Dialoge lebendig und authentisch.

Dieses Buch kann ich gerne weiterempfehlen.

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377 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 147 Rezensionen

new york, ally taylor, liebe, freundschaft, liebesroman

New York Diaries – Claire

Ally Taylor
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.10.2016
ISBN 9783426519394
Genre: Liebesromane

Rezension:

Dieser Roman ist der erste von vieren aus der Reihe „New York Diaries“, die die deutsche Autorin Anny Freytag unter dem Pseudonym Ally Taylor im Wechsel mit ihrer Freundin und Autorenkollegin Carrie Price bzw. Adriana Popescu schreibt. Ganz am Ende ist eine Leseprobe aus deren „New York Diaries - Sarah“ abgedruckt, das am 10.01.2017 erscheinen soll. Nach Lektüre des vorliegenden ersten Buches werde ich wohl aber kein weiteres Buch aus der Reihe lesen. Es ist einer der eher seltenen Fälle, in denen ich noch von der Leseprobe angetan war und dann von der gesamten Geschichte umso enttäuschter.

Protagonistin ist, wie es meistens in den vergleichbaren sog. chick-lit-Romanen deutscher Autorinnen vorkommt, eine 32jährige Frau (Claire), die gerade wieder einmal eine gescheiterte Liebesbeziehung hinter sich hat, deshalb in totalem Selbstmitleid zerfließt, beruflich ohne Perspektive und ohne Geld ist, dafür aber eine beste Freundin (June) hat, die hemmungslosen Sex mit wechselnden Männern hat. Jedenfalls zieht Claire in den begehbaren Kleiderschrank in der Wohnung von June, die in einer WG mit Claires (nur!) bestem Freund aus Kindertagen wohnt und Nachbarin von Claires verflossener Highschool-Liebe ist. Man kann schon ahnen, worauf es hinausläuft – werden Claire und ihr Freund als Liebespaar zueinanderfinden?

Woran ich mich am meisten stoße, ist, dass sich Claires gesamtes Denken um Sex und Beziehungen zu Männern dreht. Dass sie nach gerade beendeter Beziehung gleich einen One-night-stand hat, will ich nicht lesen. Unklar bleibt, warum die Geschichte gerade in New York angesiedelt ist. Gelegentliche Tagebucheinträge von Claire, die dem Buch wohl seinen Titel geben, sind wegen ihres kleinen Schriftbildes mühevoll zu lesen, ebenso ein Brief an Claire.

 

Ein durchschnittliches Buch, das keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

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279 Bibliotheken, 18 Leser, 1 Gruppe, 87 Rezensionen

neapel, freundschaft, italien, armut, liebe

Meine geniale Freundin

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 422 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 29.08.2016
ISBN 9783518425534
Genre: Romane

Rezension:

Nachdem die Werbetrommel für diesen Roman – erster Band einer Saga, deren übrige drei Bände schon bald veröffentlicht werden sollen –  so kräftig gedreht wurde, war ich sehr neugierig auf das Buch. So viel, wie es vorab zu versprechen schien, bot es dann jedoch nicht. Es ist eine eher durchschnittliche Familiensaga. Nur mit einiger Mühe habe ich mich in die Geschichte hineinfinden können, weil die mitwirkenden Personen so  zahlreich sind. Ihrer sind eine ganze Reihe neapolitanischer Handwerker und Händler nebst Kindern, deren italienische Vor- und Nachnamen sich nicht leicht merken lassen. Oft musste ich zur Orientierung nach vorne auf das dort abgedruckte Personenregister zurückgreifen. Die beiden wichtigsten Personen sind die Ich-Erzählerin Elena Greco, genannt Lenù, und Raffaella Cerullo, von Elena nur Lila genannt. Um ihr Heranwachsen im Neapel der 40er/50er Jahre bis hin zu ihrem 16. Lebensjahr geht es in der Geschichte. Beide sind hochintelligent und lernbegierig; der Buchtitel bezieht sich komischerweise auf Elena, obwohl Lila nicht minder genial ist. Leider ist es nur Lenù aufgrund der Förderung durch ihre Lehrerin möglich, aufs Gymnasium zu gehen, während sich Lila der typischen italienischen Dominanz von Vater und Bruder fügen muss. Der Ausblick auf die neapolitanischen Verhältnisse mit derber Sprache, Gewalt im Viertel und Einfluss der Camorra ist sehr interessant zu lesen, wenngleich Vieles nur erahnt werden kann. Viel Handlung gibt es nicht. Im Wesentlichen werden Episoden aus dem Alltagsleben der Viertelbewohner aneinandergereiht. Dabei dominieren Schilderungen mit Schulbezug von Lenù. Ob es wirklich Freundschaft ist, was die beiden Mädchen verbindet, halte ich manchmal für fraglich. Konkurrenzdenken und Verachtung spielen zwischen ihnen nämlich durchaus eine Rolle. Offensichtlich hält ihre Verbindung aber über 60 Jahre. Der letzte Abschnitt, davon insbesondere der letzte Satz, ist ein wahrer Cliffhanger und weckt meine Neugier auf die Fortsetzung.

 

Empfohlen für LeserInnen von Familiensagen.

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48 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

rache, mord, liebe, verzweiflung, krimi

Der Rache süßer Atem

Christine Eichel
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352006678
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kurz vor ihrem 40. Geburtstag steht die über Eichendorff promovierte Maria vor den Trümmern ihres Liebeslebens. Wie sehr sehnt sie sich nach dem Mann fürs Leben und einem Kind. Stattdessen wurde sie in den vergangenen zehn Jahren von sieben Männern gedemütigt, betrogen und belogen. Unter Zuhilfenahme eines ererbten illegalen Waffenarsenals will sie in einem Rachefeldzug alle früheren Lover erschießen. Schon bald gerät sie ins Visier des ermittelnden mysteriösen Kommissars Tesoro …

 

Mit einem Mörder zu sympathisieren, ist eigentlich überhaupt keine Option. Hier aber ist die Figur der Protagonistin Maria so geschickt beschaffen, dass es schwer fällt , in ihr allein die böse Verbrecherin zu sehen. Und gerade dieser Widerspruch macht den Reiz des Buches aus. Nach und nach ist zu erfahren, was die Motive und Hintergründe für Marias Taten sind. Da geht es um eine verkorkste Mutter-Tochter-Beziehung und vor allem um ganz furchtbare Demütigungen durch die Männer. Dass für Maria dann einfach das Maß voll ist, ist irgendwo verständlich, wenngleich sich natürlich die Frage stellt, warum sie immer wieder auf die Maschen der Männer anspricht. Ihre Mordtaten sind blutig beschrieben, aber nicht so, dass man von ihnen vor lauter Grausamkeit besser nicht lesen will. Nebenbei erhält man viel Nachhilfe in Waffenkunde und erfährt, zu welchem Zweck welche Waffe geeignet ist. Die Autorin hat hier gute Recherchearbeit geleistet. Zum Ende hin überstürzen sich die Ereignisse und ein Teil der verbleibenden Taten wird recht hastig erzählt. Das steht aber in Einklang mit den erfolgreichen Ermittlungen der Polizei, die ihr Netz immer enger um Maria auslegt. Auf Seiten der Polizei wird übrigens noch eine Überraschung parat gehalten. Der Schluss ist zwar offen, kann aber eigentlich nur in einer Weise zu Ende gedacht werden. Der Erzählstil ist sehr flüssig; daran ändern auch nicht die zahlreich eingewobenen Fremdwörter, deren Bedeutung nicht unbedingt geläufig ist.

 

Ein spannender Roman, den ich für absolut lesenswert halte.

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271 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 85 Rezensionen

liebe, roman, tod, charlotte lucas, sinn des lebens

Dein perfektes Jahr

Charlotte Lucas
Fester Einband: 575 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 09.09.2016
ISBN 9783431039610
Genre: Liebesromane

Rezension:

Unter den Pseudonymen Wiebke Lorenz und Anne Hertz ist die Autorin sicherlich schon vielen Leserinnen bekannt. Jetzt liefert sie als Charlotte  Lucas einen einmal mehr unterhaltsamen Roman ab. Er ist durchmischt mit lustigen, aber auch traurigen Elementen. Letztere sind vielleicht beeinflusst durch den noch frischen Tod der Mutter der Autorin, der sie dieses Buch passenderweise auch widmet. Ohne viel vorwegnehmen zu wollen, geht es kurz um Folgendes:

An einem Neujahrsmorgen findet der Verlagserbe Jonathan – Stinkstiefel und Erbsenzähler – ein Notizbuch mit Einträgen für jeden Tag. Ein Vierteljahr zuvor macht sich die stets optimistische Hannah mit einer Kita selbständig, sehnsüchtig auf den Heiratsantrag ihres passiven Freundes wartend, der leider schwer erkrankt. Bindeglied zwischen allen ist eben jener Kalender – von einem der drei abgefasst, von einem abgelehnt, von einem befolgt, für alle drei komplett lebensverändernd.

Schreibtechnisch werden zwei zu verschiedenen Zeiten angesiedelte und aus den jeweiligen Perspektiven der beiden Protagonisten Jonathan und Hannah erzählte Handlungsstränge ganz allmählich miteinander verbunden und zu einem schlüssigen und befriedigenden Ende geführt. Das geschieht, ohne dass schon allzu viel zu frühzeitig vorhersehbar ist, so dass man das Buch nur ungern wieder aus der Hand legt, um den Fortgang zu erfahren. Die Geschichte weckt viele Emotionen, vor allem weil sich glückliche und traurige Momente abwechseln. Humorvolle Passagen fehlen nicht. Philosophische Botschaften regen zum Nachdenken an. Der Liebesgeschichtenanteil wirkt überhaupt nicht kitschig. Gefallen hat mir, dass die Geschichte in Hamburg spielt und man manche erwähnte Örtlichkeit erkennt.

 

Ein unterhaltsamer Roman.

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