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77 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

feinsinnige erzählung, verlorene gegenstände, große tiefe liebe, verlorene ding, schön

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Ruth Hogan , Marion Balkenhol
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 19.05.2017
ISBN 9783471351475
Genre: Romane

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(25)

67 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

london, 2. weltkrieg, krieg, roman, liebe

Die Liebe in diesen Zeiten

Chris Cleave , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 07.04.2017
ISBN 9783423261401
Genre: Romane

Rezension:

Anders als es der Klappentext vermuten lässt, handelt es sich nicht so sehr um eine Liebesgeschichte als vielmehr um eine Erzählung über den Zweiten Weltkrieg. Die Handlung spielt in den frühen Tagen dieses Krieges. Im Mittelpunkt stehen vier junge Briten: Mary, aus gutem Hause, rebellisch, meldet sich zur Truppenunterstützung; ihre beste Freundin Hilda, die sich immer als in Marys Schatten stehend fühlt, weil Mary ihr die Männer ausspannt; Tom, Mitarbeiter einer Schulbehörde, verschafft Mary einen Job  und wird ihr Geliebter; Toms bester Freund Alistair, Restaurator, der sich schnell freiwillig meldet.

Die Geschichte wechselt im Wesentlichen zwischen Marys und Alistairs Perspektive. In London erlebt Mary die Angriffe der deutschen Luftwaffe zunächst als Hilfslehrerin, dann als Rettungswagenfahrerin. Alistair ist auf Malta stationiert, um die Kontrolle über die belagerte, strategisch wichtige Insel zu behalten, und ist ständigen Bombardierungen der deutschen und italienischen Luftwaffe ausgesetzt. Beide begegnen sich nur einmal und verlieben sich ineinander. Verkompliziert wird alles durch Marys Beziehung zu Tom und Hildas Interesse an Alistair.

Die Erzählung bietet neben mir bisher nicht geläufigen Informationen zum Zweiten Weltkrieg – wie die Belagerung Maltas (wo der Großvater des Autors diente) und das Schicksal nicht aus London evakuierter Kinder – weitere interessante Aspekte:  Morphinsucht, Rassismus gegenüber der schwarzen Bevölkerung. Das Buch ist gut geschrieben. Auffällig sind die fast schon scherzhaften Dialoge der Romanfiguren, die den Kriegshorror überdecken sollen. Das offene Ende ließ mich etwas unbefriedigt zurück.

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(73)

201 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

roman, freundschaft, trauma, eleanor oliphant, ich eleanor oliphant

Ich, Eleanor Oliphant

Gail Honeyman , Alexandra Kranefeld
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 24.04.2017
ISBN 9783431039788
Genre: Romane

Rezension:

Die 30jährige Eleanor Oliphant führt ein sozial völlig zurückgezogenes Leben. Unter der Woche arbeitet sie als Buchhalterin und das Wochenende schlägt sie mit Pizza, Pasta, Um-die-Ecke-gedacht-Rätseln und Wodka tot. Sie ist sehr intelligent, wortgewandt, weltfremd und vor allem einsam. Nach einem mysteriösen Ereignis in ihrer Kindheit, das ihr Gesicht entstellte, lebte sie in Pflegefamilien und Heimen. Jetzt hingegen geht es ihr genau richtig, wie sie sich selbst beständig versichert. Aber ist es tatsächlich so? Immerhin hortet sie Schmerztabletten und ist, fast einer Stalkerin gleich, völlig besessen von einem Musiker. Als sich Raymond, ein Kollege aus der IT-Abteilung, mit ihr anfreundet, beginnt sich ihr Leben zu verändern.

Eleanor selbst erzählt ihre Geschichte. Angesichts ihres doch monotonen Lebens erfährt diese eine tolle Aufheiterung durch Eleanors beständige innere Monologe, die schrullig, lustig und von trockenem Humor sind. Eleanor hat zu allem etwas zu sagen, z.B. fragt sie sich im Kosmetiksalon beim Anblick schwarzer Handtücher, welche hygienischen Mängel die Farbe wohl verbergen soll oder bei der Bestellung einer Lieferpizza, wie sie das mit dem frischen Basilikum machen, ob der Pizzabote eine Pflanze bei sich hatte. Eleanors traumatische und der psychotherapeutischen Behandlung bedürftige Vergangenheit, an die sie selbst kaum Erinnerungen hat, kommt erst nach und nach zu Tage. Da es aber schon frühzeitig Hinweise darauf gibt, dass ihr Leben für Eleanor wohl doch nicht o.k. ist und sie sich hinter einer Maske versteckt, bleibt die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten. Angesichts der positiven Entwicklung, die Eleanor durch die Inanspruchnahme professioneller Hilfe und der ihres Freundes erfährt, stimmt das Ende hoffnungsvoll.

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94 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

münchen, familiengeschichte, krieg, juden, historischer roman

Das Haus der schönen Dinge

Heidi Rehn
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2017
ISBN 9783426519370
Genre: Romane

Rezension:

Dieser historische Roman sei vor allem den an der deutschen Geschichte der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts interessierten Lesern wärmstens ans Herz gelegt. Wir begleiten die fiktive jüdische Kaufmannsfamilie Hirschvogl aus München durch die Jahre 1897 bis 1952. Vater Jacob und Mutter Thea erfüllen sich mit dem von ihnen gegründeten Kaufhaus Hirschvogl am Rindermarkt (eben das im Buchtitel benannte „Haus der schönen Dinge“) einen Lebenstraum. Jacob, dessen Familie seit vier Generationen in München ansässig ist und der sich in erster Linie als Münchner, dann als Bayer und erst danach als Jude sieht, glaubt sich und seine Familie als anerkannte Mitglieder der Münchner Gesellschaft. Doch was das für eine Fehlinterpretation ist, zeigen die folgenden Jahrzehnte, in denen das Warenhaus und die Familie verschiedenen wirtschaftlichen Krisen (Großer Krieg, Weltwirtschaftskrise) trotzen muss und vor allem immer wieder antisemitischen Anfeindungen, die ihren Höhepunkt im Nationalsozialismus finden und das Erbe der Hirschvogls bedrohen. So viel lehrreiches geschichtliches Wissen wird in diese Familiengeschichte gepackt, sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Art (Stichwort: Anfänge der Warenhäuser). Dabei geht die Autorin recht geschickt vor, indem sie nur kurze, fokussierte Episoden aus dem Leben der Familie erzählt, die manchmal einige Jahre auseinanderliegen. Auf diese Weise wird alles in einem noch akzeptablen Rahmen von 638 Seiten gehalten, und trotzdem erhält man ein umfassendes Portrait der Familie und ihres Schicksals. Was die Spannung beträchtlich fördert, ist der Umstand, dass oft von bedeutsamen Gegebenheiten die Rede ist, die dann aber nicht sogleich, sondern erst Seiten später umfassend aufgelöst werden. Dass der Autorin als Wahlmünchnerin die Sprache der Städter am Herzen liegt, zeigt sich darin, dass sie den Protagonisten Jacob münchnerisch reden lässt, was ihn als seiner Stadt treu Ergebenen auszeichnet und authentisch wirkt. Abgerundet wird die Geschichte durch einen vorangestellten Familienstammbaum, ein ausführliches Glossar und einen  Stadtplan von München mit allen konkurrierenden Warenhäusern.

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(125)

204 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 81 Rezensionen

zauberer, zauberei, magie, scheidung, juden

Der Trick

Emanuel Bergmann
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069556
Genre: Romane

Rezension:

Der zehnjährige Max aus Los Angeles will die Scheidung seiner Eltern verhindern. Hilfe erhofft er sich von dem 88jährigen Mosche, der einst ein Zauberer war und nun den Zauberspruch von der Ewigen Liebe anwenden soll.
Erzählt wird abwechselnd in zwei Erzählsträngen in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Allein der Umstand, dass die Geschichte in den 30er Jahren mit dem Werdegang Mosches einsetzt und dieser Jude ist (wie übrigens auch Max), genügt, um sich denken zu können, dass die Zeit des Nationalsozialismus und das Leid, das er für die Juden in Europa gebracht hat, eine wesentliche Rolle spielen. Das geschieht in genau richtigem Maße, hinreichend knapp, ohne Wesentliches auszulassen. Im eigentlichen Mittelpunkt stehen die wirklich interessante Zauberei und ihre Geschichte, über die ich viel mir bislang Unbekanntes erfahren habe. Beide Protagonisten - der pfiffige und beharrliche Max und der knurrige, aber nichtsdestotrotz  liebenswerte Mosche - werden liebevoll und gelungen herausgearbeitet. Die Erzählweise ist oft von feinem, zum Schmunzeln veranlassendem Humor geprägt.
Es ist ein Buch fern der Massenliteratur, das ich uneingeschränkt empfehlen kann und mit dem der Diogenes-Verlag wieder einmal zeigt, wirklich besondere Bücher zu verlegen. 

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(35)

55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

föhr, köln, roman, wohnungstausch, janne mommsen

Seeluft macht glücklich

Janne Mommsen
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.03.2017
ISBN 9783499290183
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die Krankenhausangestellte Jasmin aus Köln, einsam, an Burnout leidend, begibt sich zur Erholung auf die Insel Föhr. Dort trifft sie den Ferienhausverwalter Thore, der nur noch fort will, um seiner Ex-Freundin nicht mehr zu begegnen. Spontan tauschen beide für einige Wochen ihre Wohnungen. Sie finden so viel Gefallen an ihrem neuen Leben, dass sie vor der Entscheidung stehen, Stadt- bzw. Inselleben ganz an den Nagel zu hängen. Allerdings sind sie auch einander über regen Telefon- und SMS-Verkehr nahe gekommen ...
Wieder ein typischer Janne Mommsen-Roman, der in der Lieblingslandschaft des Autors spielt. Neu ist allerdings, dass die Handlung zusätzlich in Köln angesiedelt ist. Auf diese Weise werden dem Leser sowohl das beschauliche Leben auf einer friesischen Insel als auch das im fröhlichen Rheinland nahe gebracht. Zu beidem hat der Autor gut recherchiert, so dass alles recht wirklichkeitsnah herüber kommt. Das gilt vor allem für die Einschübe in friesischem bzw. Kölner Dialekt und die Beschreibungen der Insel- bzw. Stadtbewohner mit ihren so typischen Eigenschaften. Inhaltlich haben wir es mit einer seichten Liebesgeschichte zu tun, die einmal anders beginnt, deren Ende aber doch schon rasch voraussehbar ist. Thematisiert wird auch durchaus Ernstes wie Einsamkeit, Burnout, Krankheit. Die Protagonisten stehen vor wesentlichen Entscheidungen bzgl. ihres weiteren Lebens und machen in der kurzen Zeit wichtige Veränderungen durch. Wenngleich es in der Realität doch nicht immer so zugeht wie im vorliegenden Buch (wo es etwas zu viele Zufälle und Fügungen gibt), ist es doch als unterhaltende Lektüre zu empfehlen. 

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37 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

fahrschule, frau freitag, humor, lustig, lehrerin

Man lernt nie aus, Frau Freitag!

Frau Freitag
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783548376998
Genre: Humor

Rezension:

Die Protagonistin dieses Buchs – Frau Freitag, eine Berliner Lehrerin, die schon in „Chill mal, Frau Freitag“ oder „Voll streng, Frau Freitag“ aus ihrem Unterrichtsalltag geplaudert hat – will mit 50 Jahren den Führerschein machen. Auf dem steinigen Weg vom Erste-Hilfe-Kursus über den theoretischen und praktischen Fahrschulunterricht sowie den entsprechenden Prüfungen bis hin zur Entscheidung, sich das erste Auto zu kaufen – dürfen wir sie begleiten.

Die Thematik dürfte jedem Leser, der selbst irgendwann einmal den Führerschein gemacht hat, bekannt vorkommen und Erinnerungen in ihm wecken. Frau Freitag beschreibt eben exakt die Schwierigkeiten, mit denen jeder Führerscheinanwärter mehr oder weniger konfrontiert wird. Deshalb fehlt es der Geschichte m.E. an einem besonderen Einschlag. Zudem ist sie auch nicht so humorvoll wie Frau Freitags vorangegangenen Bücher. Richtig schmunzeln konnte ich eigentlich nicht. Das und der Umstand, dass zu Vieles wiederholt wird (Frau Freitags ganzes Denken dreht sich darum, zu alt zum Erlernen des Autofahrens zu sein und von ihrem Fahrlehrer nicht genügend Lob zu erfahren, ihr Fahrlehrer predigt die ewig gleichen Sprüche), führt dann dazu, dass ich das Buch, das aber durchaus Unterhaltungswert hat, nur als durchschnittlich bewerte.  

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34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

san francisco, geheimnisse, gefühle, traditionen, die zeit in der wir träumten

Die Zeit, in der wir träumten

Meredith Jaeger , Corinna Rodewald
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.03.2017
ISBN 9783746632964
Genre: Romane

Rezension:

Die 30jährige Journalistin Sarah aus San Francisco recherchiert für eine Abschlussarbeit über das Verschwinden der jungen, befreundeten Näherinnen Margaret und Hanna 140 Jahre zuvor, die als Einwanderinnen ins Land kamen. Konfrontiert wird sie dabei nicht nur mit dem harten Leben der Einwanderer, sondern auch mit Verbindungen zwischen Hanna und der einflussreichen Familie ihres Mannes. Sarah selbst trägt seit Jugendtagen eine schwere, geheim gehaltene Schuld mit sich.

Dieser teils historische, teils in der Gegenwart spielende Roman vermochte mich nicht wirklich in seinen Bann zu ziehen. Schwierigkeiten hatte ich bereits, mich am Ort der Handlung in San Francisco zu orientieren. Es werden so viele Plätze, Viertel und Gebäude benannt, die mir, die ich nie dort gewesen bin, nicht geläufig sind. Die im Jahr 1876 spielende Handlung wirkte auf mich zu unrealistisch. Rotlichtmilieu, Prostitution, Anzüglichkeiten und Gewalt der Männer standen zu sehr im Vordergrund. Als aufgesetzt empfand ich die Geschichte um Hanna, die sich (gleich einer Prinzessin) binnen weniger Tage in einen Mann aus der oberen Gesellschaftsschicht  verliebt und von ihm einen Heiratsantrag erhält. Bei dem in der Gegenwart spielenden Handlungsstrang störte mich, dass es Sarah so rasch gelingt, eine 140 Jahre zurückliegenden Kriminalfall zu lösen.

Unterhaltungswert kommt dem für mich mit durchschnittlich bewerteten Buch aber allemal zu, und spannend bleibt es sehr lange.

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68 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 53 Rezensionen

familie, paris, adoption, usa, simon van booy

Mit jedem Jahr

Simon Van Booy , Claudia Feldmann
Fester Einband: 310 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 26.03.2017
ISBN 9783458176992
Genre: Romane

Rezension:

Der alkoholkranke, gewaltbereite, vorbestrafte Jason nimmt nach dem Unfalltod seines Bruders und seiner Schwägerin  nach geschicktem Intervenieren einer Sozialarbeiterin deren kleine, ihm bis dahin unbekannte Tochter Harvey bei sich auf. Zwar kann er ihr nur ein bescheidenes Leben bieten. Doch sind es kleine Begebenheiten im alltäglichen Zusammenleben, die beide im Laufe der Zeit mehr und mehr zusammenschweißen, wodurch sogar Jasons Leben eine Wendung zum Positiven nimmt.

 

Es ist einfach schön, diese Geschichte über eine sich entwickelnde Vater-Tochter-Beziehung zwischen zwei Menschen zu lesen, die vermeintlich als Onkel und Nichte blutsverwandt sind. Welche persönlichen Bande tatsächlich zwischen ihnen bestehen, birgt noch ein besonderes Geheimnis, das erst ganz am Ende aufgelöst wird, und zwar nur für den Leser,  nicht für die Romanfiguren. Der Autor präsentiert die Geschichte in besonderer Weise, indem er Erinnerungsstücke einführt, die Harvey Jason bei einem Besuch zum Vatertagsgeschenk macht, und ausgehend von ihnen in Rückblenden erzählt, wie Jason und Harvey einst zusammenfanden.

 

Dem Buch gebe ich eine unbedingte Leseempfehlung.

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(37)

44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

meer, roman, wal, montauk, wale

Als das Meer uns gehörte: Roman

Barbara J. Zitwer
E-Buch Text: 389 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 17.03.2017
ISBN 9783841212757
Genre: Sonstiges

Rezension:

Um mich in meiner Bewertung an den Wasserbezug des Buchtitels anzulehnen, lässt sich meine Meinung am ehesten in der Weise wiedergeben, dass die Handlung des Romans doch eher vor sich hin plätschert. Mir fehlt das gewisse Etwas, das mich richtig fesselnde Bücher häufig binnen kürzester Zeit durchlesen lässt, während ich die Fortsetzung der vorliegenden Lektüre auch mal für einige Zeit zurückgestellt habe. Vielleicht liegt die Ursache in der Darstellung der Romanfiguren, die es schwer macht, mit ihnen warm zu werden. Vor allem der neunjährige Robbie fiel mir als sehr unsympathisch auf - sich überhaupt nicht altersgerecht verhaltend, als ein richtiges Papa-Kind einfach nur besessen von dem Gedanken, seiner Mutter die Schuld am Tod seines Vaters zu geben und sie emotional immer wieder zurückzuweisen. Sein Handicap der Gehörlosigkeit (das er merkwürdigerweise vollkommen durch Implantate ausgleichen konnte) und seine musikalische Begabung ließen ihn auch nicht sympathischer werden. Seiner Mutter Tess hingegen fehlte das eigentlich Mütterliche. Wettgemacht werden diese Mankos bei den Figuren auch nicht durch Natur- und Landschaftsbeschreibungen. Der Ort Montauk auf Long Island wird als zu idyllisch dargestellt und die Geschichte um den Wal, dessen Besonderheiten ausgerechnet ein unerfahrener kleiner Junge (Robbie) entdeckt, wirkt unrealistisch. Wie übrigens auch immer wieder einzelne Passagen (z.B.: Robbie geht im Winter ausgiebig im kalten Pazifik schwimmen; Tess rennt in Highheels die Treppe hinunter).

In langer Erinnerung wird mir das Buch leider nicht bleiben.

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67 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 12 Rezensionen

syrien, flucht, krieg, leid, roman

Gott ist nicht schüchtern

Olga Grjasnowa
Fester Einband: 309 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783351036652
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman beginnt in Syrien im Jahr 2011 im Arabischen Frühling kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs und zeichnet die Schicksale zweier Flüchtlinge - Amal und Hammoudi, beide in den Zwanzigern - nach. Amal ist Schauspielerin. Wegen der Teilnahme an Demonstrationen gegen Präsident Assad gerät sie ins Visier des Geheimdienstes. Hammoudi ist Arzt in Paris und kehrt zurück, um seinen Pass zu verlängern. Die Wiederausreise wird ihm verweigert, er versorgt fortan in einem illegalen Lazarett verletzte Assad-Gegner. Beide begegnen sich kurz in Damaskus und dann einige Jahre später in Berlin, wohin sie flüchten.

Der Roman lässt einen betroffen zurück. Das Schicksal der Protagonisten, die beispielhaft für so viele Flüchtlinge stehen, ist furchtbar. Sie, die von einem besseren Leben träumen, sind Erniedrigungen, Demütigungen und Gewalt ausgesetzt und geraten immer weiter hinein in die für einen Außenstehenden undurchsichtigen Verhältnisse ihres Heimatlandes. Insoweit ist das gut recherchierte Buch sehr informativ. Real vorgekommene Massaker werden erwähnt, das Schlepperwesen, Fremdenfeindlichkeit. Für mich war es manchmal fast zu viel. Treffend ist der Buchtitel gewählt - mit dem nicht schüchternen Gott ist Assad gemeint.

Zu empfehlen für die am syrischen Bürgerkrieg Interessierten. 

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(107)

164 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 79 Rezensionen

entführung, thriller, baby, lügen, kindesentführung

The Couple Next Door

Shari Lapena , Rainer Schumacher
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.03.2017
ISBN 9783785725856
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Ehepaar Anne und Marco Conti nimmt eine Abendeinladung bei den Nachbarn an. Ihr sechsmonatiges Baby Cora sollte eigentlich in der Obhut einer Babysitterin bleiben. Nachdem diese kurzfristig abgesagt hat, lassen Anne und Marco das Baby allein zu Hause zurück und gehen im halbstündigen Wechsel nach ihm schauen. Bei ihrer Rückkehr ist das Baby verschwunden. Die Polizei geht von einer Entführung aus. Ist es tatsächlich so und wird Cora lebend zu ihren Eltern zurückkehren?

Das Buch erfüllt für mich alle Kriterien eines guten Psychothrillers. Es geht nicht  allzu blutrünstig zu (obwohl es durchaus zu zwei Morden kommt, von denen vor allem der eine ganz am Ende einen Überraschungseffekt bietet). Anstelle von viel Handlung spielt sich Vieles in der Gedankenwelt der Romanfiguren ab. Das wirklich Fesselnde daran ist, dass alle zu wissen glauben, wie die Geschehnisse abgelaufen sind, und trotzdem zunehmend verunsichert sind, an sich zweifeln und den anderen misstrauen. Auf diese Weise wird für den Leser der mögliche Handlungsablauf immer wieder mit allen Möglichkeiten durchgespielt und er weiß lange Zeit nicht, was denn nun wirklich geschehen ist. Der ermittelnde Detective meint übrigens schon frühzeitig auf der richtigen Fährte zu sein, ohne dass der Leser allerdings schon da erfährt, ob er tatsächlich richtig liegt. Recht faszinierend ist, dass so ziemlich alle wichtigen Personen Geheimnisse mit sich herumtragen. Da gibt es psychische Probleme, finanzielle Schwierigkeiten, Ehebruch, Lügen – kurzum viele menschliche Abgründe tun sich auf, die sie zusätzlich verdächtig erscheinen lassen. Gelungen und nachvollziehbar ist auch die Darstellung, wie Anne und Marco nach dem Verschwinden ihres Kindes die Hölle durchmachen.
Für mich ist das Buch absolut lesenswert.

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(76)

103 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 75 Rezensionen

spanien, kuba, mexiko, liebe, mexico

Wenn ich jetzt nicht gehe

María Dueñas , Petra Zickmann
Fester Einband: 589 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 06.03.2017
ISBN 9783458177029
Genre: Romane

Rezension:

Mexiko-Stadt in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Der Spanier Mauro Larrea hat es im vergangenen Vierteljahrhundert als Bergmann im Silberminenabbau zu beträchtlichem Wohlstand gebracht. Eine geschäftliche Fehlentscheidung führt zu seinem finanziellen Ruin. Um seine Schulden fristgemäß tilgen zu können und wieder auf die Beine zu kommen, sucht er nach neuen Geschäftsideen. Er begibt sich erst nach Havanna/Kuba, dann nach Jerez/Spanien, wo er ein nach einem gewonnenen Billardspiel übereignet erhaltenes Weingut verkaufen will. Sein Zusammentreffen mit der schönen, geheimnisumwobenen Soledad Montalvo, Nachfahrin des Winzers, bringt Mauro neue Probleme, die es im Zusammenwirken mit Soledad zu lösen gilt.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir nicht leicht gefallen. Zu verwirrend waren anfänglich die vielen Romanfiguren mit ihren für meine Ohren fremd klingenden spanischen Namen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase waren diese Leseschwierigkeiten aber bald behoben. Die Hintergrundinformationen zu der mir nur wenig bekannten Geschichte Mexikos als spanischer Kolonie und dann als unabhängiger Staat mit seinen unterschiedlichen Bewohnergruppen (Indios, Mestizen, Kreolen …) fand ich sehr lehrreich und interessant. Gleiches gilt für Kuba, das damals immer noch spanisches Vizekönigreich war. Die erste Hälfte des Romans, deren Handlung in Südamerika angesiedelt ist, hat mich auch inhaltlich gefesselt. Das liegt vor allem an der Person des Self-made-Mannes Mauro und seinen schnellen Entscheidungen, die die Handlung vorangetrieben haben. Nachdem sich dann jedoch die Handlung nach Spanien verlagert hatte, begann sie zu schwächeln, wirkte konstruiert und kam von der bis dahin im Mittelpunkt stehenden Lösungssuche hinsichtlich der finanziellen Probleme Mauros ab. Stattdessen nahm die Familiengeschichte von Soledad mit ihren Geheimnissen viel Raum ein. Das führt für mich zu einer Bewertungsherabsetzung auf knappe vier von fünf Sternen. Empfehlen kann ich das Buch Lesern von historischen Romanen über andere Länder beiderlei Geschlechts.

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(78)

104 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

alter, liebe, einsamkeit, roman, kent haruf

Unsere Seelen bei Nacht

Kent Haruf , Pociao
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.03.2017
ISBN 9783257069860
Genre: Romane

Rezension:

Ein treffendes Sprichwort, um dieses nur 197 Seiten umfassende Büchlein zu charakterisieren, wäre „In der Kürze liegt die Würze“. Schon mit dem Einleitungssatz „Und dann kam der Tag, an dem Addie Moore bei Louis Waters klingelte“ wird der Leser mitten hinein ins Leben der beiden verwitweten, einander nur flüchtig bekannten Nachbarn, beide jenseits der 70, geworfen. Addie macht Louis den kühnen Vorschlag, hin und wieder nachts bei ihr zu schlafen und zu reden. Es solle nicht um Sex gehen, sondern darum die Nacht zu überstehen. Tatsächlich liegen sie dann nachts beieinander und erzählen sich ihre – durchaus tragischen – Lebensgeschichten. Gemeinsame Unternehmungen folgen. Es ist der Beginn einer Liebesgeschichte. Leider sehen sie sich den Vorurteilen der meist intoleranten Kleinstädter ausgesetzt und vor allem dem erbitterten Widerstand von Addies Sohn. Ob sie „darüber stehen“ werden, muss man unbedingt selbst lesen. Die Geschichte liest sich auf jeden Fall sehr gut. Dabei schadet es überhaupt nicht, dass wörtliche Reden, aus denen der Text überwiegend besteht, nicht kenntlich gemacht sind. Viele Beschreibungen von Natur und von Begebenheiten erinnern dem Schreibstil nach an Schulaufsätze jüngerer Kinder, da kurze Sätze aneinandergereiht werden. Die eine oder andere Passage ist amüsant. Mit einem Gespräch unserer beiden Protagonisten über einen Autor aus Colorado, der Bücher über Holt schreibt – eben jener fiktiven Kleinstadt, in der die Geschichte angesiedelt ist -, („Er könnte Bücher über uns schreiben“ sagt Addie. „Ich will in keinem Buch vorkommen“ antwortet Louis) landet Haruf einen besonderen Coup. Denn von ihm selbst ist die Rede.

Das Buch lehrt uns, toleranter gegenüber Liebe unter Senioren zu werden und ist absolut lesenswert.

Lohnenswert ist auch, das Buchcover zu betrachten. Wie beim Diogenes-Verlag üblich, wird auf bekannte Motive zurückgegriffen – hier „Yellow House 1“ von Alex Katz.

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(134)

186 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 123 Rezensionen

hamburg, sturmflut, liebe, usa, schlaganfall

Sturmherz

Corina Bomann
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783548288390
Genre: Romane

Rezension:

Seit ihrem 11. Lebensjahr fühlt sich die Enddreißigerin Alexa von ihrer Mutter Conny ungeliebt und zurückgewiesen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Mutter aus heiterem Himmel ihre Familie für drei Monate verlassen und ist verändert zurückgekommen, ohne jemals ihr Verhalten zu erklären. Nach einem Schlaganfall soll Alexa die Betreuung für die hilflose Conny übernehmen. Aufgefundene Unterlagen und Besucher aus Amerika lassen für Alexa allmählich deutlich werden, was es mit dem früheren Verschwinden ihrer Mutter auf sich hat. Das Ganze führt zurück in die Jahre 1961/2, als sich Conny in einen amerikanischen Austauschstudenten verliebte, ihr Glück jedoch der Hamburger Sturmflut zum Opfer fiel.

Angetan bin ich von der Idee, einmal die schlimme Naturkatastrophe von Hamburg aus 1962 zum Thema eines Romans zu machen. Um den Jahrestag herum berichten die Medien ja regelmäßig von der Sturmflut. Doch eine mit ihr im Zusammenhang stehende Familiengeschichte berührt weitaus mehr als sachliche Berichterstattung. Die Geschichte liest sich sehr flüssig und dank vieler Puzzleteile, die es für Alexa erst noch zusammenzusetzen gilt und die sie aus verschiedenen Unterlagen und Erzählungen entnimmt, bleibt die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten. Als etwas melodramatisch empfinde ich die Liebesgeschichte von Conny als junger Frau mit einem Austauschstudenten, die aufgrund einer Lebenslüge kein gutes Ende findet und Nachwirkungen über Jahrzehnte hinweg hat, schon. Aber das ist eben in einem Unterhaltungsroman so. In den Mittelpunkt wird die Aufarbeitung einer völlig verkorksten Mutter-Tochter-Beziehung gestellt. Dabei vermisse ich eine wirklich nachvollziehbare Erklärung für die Connys plötzliche totale Lieblosigkeit Alexa gegenüber nach ihrer Rückkehr zur Familie. Für die Liebe zum eigenen Kind muss doch auch Raum bleiben, wenn ein Mann unbedingt geliebt wird.

Alles in allem hatte ich angenehme Lesestunden mit dem Buch.

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(68)

95 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

sterbebegleitung, sterben, tod, hospiz, roman

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Susann Pásztor
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783462048704
Genre: Romane

Rezension:

Wer die Bedeutung der Überschrift kennt, weiß, worum es in dem Buch geht. Das Fenster im Zimmer eines gerade Gestorbenen wird geöffnet, damit seine Seele entweichen kann. Thema ist also der Tod, was aber von der Lektüre überhaupt nicht abschrecken muss. Der Sonderling Fred, allein erziehender Vater und übergewichtig, ist ehrenamtlicher Sterbebegleiter und versucht dieser schweren Aufgabe zum ersten Mal im Fall der unheilbar an Krebs erkrankten Karla gerecht zu werden. Anfangs macht er alles falsch, was nur falsch gemacht werden kann, weil er es eigentlich nur gut meint. Leicht hat er es aber ohnehin nicht mit der starrköpfigen, unfreundlichen Karla. Erst durch den Hausmeister in Karlas Haus und seinen 13jährigen Sohn Phil – Sonderling wie er, der Lyrik verschrieben, kleinwüchsig -, dem er bei Karla einen Job  als Fotoarchivar verschafft, bekommt er einen Draht zu Karla. Ja, und am Ende wird Fred es sein, der ihr Fenster öffnet.

 

Das Buch ist ein schöner Beitrag dazu, sich einmal mit unangenehmen Tabuthemen wie Tod, Sterben, Sterbebegleitung zu beschäftigen. Alles wird sehr einfühlsam, manchmal humorvoll und vor allem überhaupt nicht traurig geschildert. Die Dialoge der ehrenamtlichen Sterbebegleiter in ihren regelmäßigen Supervisionssitzungen lesen sich recht amüsant. Alle Romanfiguren gehen am Ende gestärkt aus dem Geschehen hervor, auch in ihren Beziehungen zueinander. Vor allem die Vater-Sohn-Beziehung von Fred und Phil entwickelt sich zum Positiven. Es gibt sogar ein Familiengeheimnis in Karlas Vergangenheit, dessen nähere Umstände man allerdings nur erahnen kann. Wechselnde Perspektiven sorgen für Abwechslung beim Lesen.

 

Ich kann das Buch wirklich empfehlen.

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78 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

flucht, familie, lissabon, kindheit, kinder

So, und jetzt kommst du

Arno Frank
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Tropen, 27.03.2017
ISBN 9783608503692
Genre: Romane

Rezension:

Mit diesem Buch präsentiert uns der 1971 geborene Autor seine eigene Familiengeschichte.

Geschildert werden im Wesentlichen die beginnenden 80er Jahre. Vom Wunsch beseelt, das große Geld zu machen und was Besseres zu sein, hängt der Vater seine Arbeitsstelle an den Nagel und tätigt windige Geschäfte. Mit dem Geld aus einer Unterschlagung flüchtet er vor der Polizei mit Frau und drei Kindern nach Südfrankreich. Zunächst lebt die Familie recht komfortabel, bis das Geld zur Neige geht und Interpol den Vater aufspürt. Wieder auf der Flucht landen sie in Portugal, Paris, ihrer Heimat Kaiserslautern und München. Der soziale Verfall ist unaufhaltsam.

 

Obwohl die Kindheit des Autors sehr tragisch ist und man mit ihm weiß Gott nicht hätte tauschen mögen, ist der Grundtenor der Geschichte überhaupt nicht traurig oder anklagend, sondern hat durchaus komische und groteske Züge, so dass das Lesen Spaß macht. Die einzelnen Stationen der langen Odyssee werden eher fragmentarisch dargeboten. Das beruht wohl darauf, dass der Autor immerhin noch ein Kind war und entsprechend unvollständig seine Erinnerungen sind. Ebenfalls nur angedeutet werden aus diesem Grund viele der Machenschaften des Vaters, die ein Kind altersgemäß kaum ermessen kann. Doch fällt es dem Leser nicht schwer, die nötigen Schlussfolgerungen selbst zu ziehen. Bewundernswert ist der starke Familienzusammenhalt. Es konnte immer schlimmer werden und sich der Strick um den Vater immer enger schließen -  die Familie hat sich nie getrennt und sogar noch Hunde in den Verband aufgenommen, obwohl sie selbst kaum zu essen hatte. Wer die 80er Jahre selbst erlebt hat, wird manchen, Erinnerungen weckenden Hinweis auf sie finden, wie z.B. die Erwähnung der braunen Alpecin-Haarwasserflasche oder von Revell-Bausätzen. Der Buchtitel ist passend zur Geschichte gewählt. Es handelt sich um einen mehrfach benutzten Spruch des Vaters gegenüber seinem Sohn, wenn dieser erwartungsgemäß den hochtrabenden Plänen seines Vaters nichts entgegenzusetzen hat.

 

Das Buch hat mir sehr gut gefallen.

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49 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

wien, humor, polen, integration, auswandern

Der Mann, der Luft zum Frühstück aß

Radek Knapp
E-Buch Text: 128 Seiten
Erschienen bei Deuticke Verlag, 20.02.2017
ISBN 9783552063440
Genre: Romane

Rezension:

Als Erzählung lässt sich dieses kurze, 123 Seiten umfassende Büchlein am ehesten einordnen. Bei aller Kürze ist sie ausführlich genug, um einen umfassenden Einblick in das Leben des Protagonisten Walerian, dem Ich-Erzähler, zu erhalten. Als Zwölfjähriger wurde er entwurzelt, indem ihn seine Mutter von Polen nach Wien „entführte“. Das sich anschließende Trauma mit Sprachbarrieren, Schulproblemen, Gelegenheitsjobs überwindet er schließlich mit der Erkenntnis, das Boot selbst steuern zu müssen. Damit sind wir auch schon bei der Moral der Geschichte – nicht in der Vergangenheit und bei der Frage verharren, was wäre gewesen, wenn; sondern sein zukünftiges Leben aktiv gestalten. Alles wird uns recht humorvoll und in einem wunderschönen, ganz besonderen Erzählstil dargebracht, so dass es Spaß macht, das Buch zu lesen, zumal bzgl. der Migration ein durchaus aktueller Anlass besteht. Vielleicht gibt dieses Buch sogar eine gute Schullektüre ab.

 

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104 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 77 Rezensionen

reise, alter, berlin, husum, freundschaft

Weit weg ist anders

Sarah Schmidt
Flexibler Einband: 261 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 06.03.2017
ISBN 9783458362562
Genre: Romane

Rezension:

Zwei 70jährige Frauen, die grantige, stets sehr direkte und das Alleinsein liebende Berlinerin Edith Scholz und die weinerlich veranlagte, esoterische, manipulationsfreudige Christel Jacobi lernen sich in der Reha kennen. Freundinnen werden sie nicht grade und lassen in der Gedankenwelt ihrer Abneigung gegenüber der anderen nur zu gerne freien Lauf. Dennoch folgt Edith einer Einladung Christels in deren Heimatstadt Husum. Was Edith nicht weiß ist, dass die unheilbar kranke Christel die Besucherin als Mittel zum Zweck einsetzt, um mit ihr eine letzte Reise antreten zu können, die zur Bewährungsprobe der sich allmählich doch entwickelnden zarten Freundschaft wird.

 

Obwohl die Geschichte immer wieder ernste Themen behandelt – Altersgebrechlichkeit, Krankheit, Einsamkeit, das bevormundet werden im Alter – ist ihr Grundton alles andere als ernst. Das wird schon auf den ersten Seiten offensichtlich, als recht humorvoll der folgenschwere Sturz von Edith Scholz in ihrer Wohnung beschrieben wird. Später bereitet es dann immer wieder Vergnügen, die sich im Kopf der beiden alten Damen abspielenden lästernden Gedanken zu lesen, die an der jeweils anderen kein gutes Haar lassen. Dass sich trotzdem ganz allmählich so etwas wie Freundschaft zwischen den grundverschiedenen Frauen entwickelt, ist umso schöner. Schade nur, dass diese Episode aufgrund äußerer tragischer Umstände so kurz bleiben muss. Obwohl die Geschichte kein Happy End hat, stößt man sich hieran nicht. Ein anderes Ende hätte wohl eher unrealistisch gewirkt. Neben den beiden Protagonistinnen sind auch die Nebenfiguren gelungen dargestellt – vor allem der auf ihm eigene Art einsame Briefträger und der „Witwentröster“. Ein schönes Detail, das allen Bücherfreunden gefallen wird, ist, dass den belesenen Protagonistinnen einige literarische Zitate in den Mund gelegt werden, z.B. „Sturheit ist die Energie der Dummen“ von Mark Twain (S. 226).

 

Dieses Buch kann ich wärmstens empfehlen.

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

berlin, mord, krimi, 1920er jahre, historischer krimi

Noble Gesellschaft

Joan Weng
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 19.01.2017
ISBN 9783746632766
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein passionierter Krimileser bin ich nicht. Doch denke ich mit Fug und Recht sagen zu können, dass wir es hier mit einem eher untypischen, anspruchsvollen Kriminalroman zu tun haben. Ungewöhnlich ist schon der lokale und zeitliche Hintergrund, in den die Geschichte eingebettet ist. Sie spielt im Berlin der 20er Jahre, das sich als recht dekadent präsentiert. Die gesellschaftlichen Schichten werden von der Autorin (im vorangestellten, angesichts der vielen Romanfiguren unentbehrlichen) Personenregister unterteilt in vier Stück: die Ermittler, die noble Gesellschaft, die nicht ganz so noble Gesellschaft und die überhaupt nicht noble Gesellschaft. Durch alle Schichten hindurch ziehen sich Übel wie außereheliche Verhältnisse, Drogenkonsum, Schmuggel und auch Mord. Oder war es doch Selbstmord, den der Patensohn des Reichspräsidenten begangen hat? Der Aufklärung widmen sich der Starschauspieler und Hobbydetektiv von Bäumer und dessen Lebensgefährte, der Kommissar Paul Genzer. Von Bäumer erinnert ein wenig an Sherlock Holmes. Überrascht hat mich, dass im Berlin der besagten Zeit so offen mit dem Thema Homosexualität umgegangen und sie offenbar toleriert wurde trotz des geltenden Unzuchtsparagraphen. Wissen sollte man noch, dass es einen Vorgängerband gibt („Feine Leute“).

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

fernsehkoch, liebesgeschichte, humor, köln, chili

Franz oder gar nicht

Nikola Hotel
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 19.01.2017
ISBN 9783746632674
Genre: Liebesromane

Rezension:

Anlässlich einer Blinddarmoperation haben sich die junge Assistenzärztin Josephine und der bekannte Fernsehkoch Raphael ineinander verliebt. Zu Verwicklungen und Missverständnissen kommt es jedoch, als sich Jo bei Raphael für einen abgebrochenen Schneidezahn während der OP entschuldigen will und Raphael nicht glauben will, dass einer Ärztin ein einfacher Koch gut genug sei. Beide versuchen jedenfalls immer wieder, sich am anderen zu rächen.

 

Diese Liebesgeschichte ist recht komisch, ohne dass die spaßigen Textstellen zu aufgesetzt oder künstlich wirken. Sie ist gut als Lektüre für zwischendurch geeignet. Besonders hat mir gefallen, dass das eine oder andere Geheimnis rund ums Kochen oder die ärztliche Behandlung preisgegeben wird und alles von unverständlichen medizinischen Fachbegriffen untermauert wird. Die wechselnden Perspektiven zwischen Jo und Raphael, eingestreute Ausschnitte aus seiner Biografie und ein Rezept im Anhang bieten Abwechslung beim Lesen.

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204 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 86 Rezensionen

thriller, vergangenheit, psychothriller, drama, perfect girl

Perfect Girl - Nur du kennst die Wahrheit

Gilly Macmillan , Maria Hochsieder
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.02.2017
ISBN 9783426520567
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Mittelpunkt steht die Jugendliche Zoe Maisey, talentierte Pianistin, hochintelligent. Einige Jahre zuvor verschuldete sie bei einem Autounfall den Tod dreier Teenager und wurde zu neun Monaten Jugendarrest verurteilt. Daran zerbrach ihre Familie. Ihre Mutter hat erneut geheiratet, das Familienidyll in Zoes „Zweitem Leben“  scheint perfekt. Die Vergangenheit wurde immer totgeschwiegen. Ein Konzert soll Zoes Karriere wieder anschieben, entpuppt sich aber als Fiasko – der Vater eines der getöteten Teenager bedroht Zoe vor dem Publikum, ihre Mutter ist in derselben Nacht tot.

 

Die Geschichte erstreckt sich über nur 24 Stunden, abgesehen von den wiederkehrenden Rückblenden auf Zoes frühere Tat und ihre Therapiegespräche in der Arrestanstalt. Demgemäß wird fast schon minutiös und sehr geballt von den tragischen Ereignissen beim und nach dem Konzert erzählt. Im Vordergrund steht natürlich die Frage, wer Zoes Mutter getötet hat. Sie ist gekonnt eingebettet in die Schilderungen, welche Auswirkungen ihr Tod auf eine ohnehin schon zerbrechliche Familie hat. Erzählt wird nicht nur durch einen Haupterzähler, sondern abwechselnd aus der Perspektive einer ganzen Reihe von Personen – Zoes, ihrer Tante, deren Ehemanns, ihres Stiefbruders und ihres Anwalts. Geschickt kommt dadurch nach und nach zu Tage, dass jede dieser Personen ein Geheimnis  birgt. Es werden Themen angesprochen wie häusliche Gewalt, Untreue, Missbrauch. Die Aufklärung des Todes von Zoes Mutter birgt eine interessante Lösung.

 

Dieser Psychothriller erhält von mir eine klare Leseempfehlung.

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136 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 60 Rezensionen

krebs, roadtrip, liebe, tumor, leben

Mein schlimmster schönster Sommer

Stefanie Gregg
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.02.2017
ISBN 9783746633213
Genre: Romane

Rezension:

Das Oxymoron im Buchtitel macht neugierig auf die Geschichte – wie kann ein Sommer zugleich schlimm und schön sein? Für die Protagonistin Isabel stellt er sich aber exakt so dar. Die Unternehmensberaterin wird mit einem männerfaustgroßen Tumor im Bauch aus dem Krankenhaus entlassen und muss vierzehn Tage auf den Befund warten. Entgegen ihrer Art mietet sie spontan einen uralten VW-Bulli, um mit ihm in die Provence zu fahren, wo sie die Lavendelfelder aus einem früheren Kinderbuch sehen will. Ankommen wird sie dort nicht. Denn zunächst muss sie mit dem Autobesitzer, dem rastalockigen Bassisten Rasso, im Bus einige Besorgungen erledigen. Die wenigen Tage unterwegs mit ihm werden zu den ungeradlinigsten Tagen in Isabels Leben. Im Bus sind Drogen versteckt, Bankräuber deponieren in ihm die Beute, unfreiwillig werden sie von einem Guru begleitet, sie transportieren die Asche von Rassos verstorbener Mutter, und … Isabel findet die Liebe.

Es handelt sich um eine schöne Roadnovel, deren einzelne Stationen recht amüsant sind, wenngleich alles von Isabels allgegenwärtiger Erkrankung überschattet wird. So wie Isabel immer wieder über ihr bisheriges Leben und ihre Träume nachdenkt, wird der  Leser verleitet entsprechendes zu tun. Eigentlich macht Isabels Leben recht betroffen. Denn immer war sie nur durchschnittlich, lebte ausschließlich für ihre Arbeit. Umso schöner ist es, dass sie über ihren Wegbegleiter Rasso andere Aspekte des Lebens kennenlernt und völlig unspontan Dinge tut. Die Lehre, die sich daraus ziehen lässt, ist zu leben nach dem Motto „Carpe diem“, denn jeder Tag könnte de letzte sein. Recht abwechslungsreich wird die Geschichte dadurch gestaltet, dass sie hin und her wechselt zwischen Rückblenden auf Isabels Krankengeschichte, ihrer Tour, den eigenen Reflexionen auf ihr Leben, den Gedanken ihres Lebensgefährten und ihrer neuen Liebe.

 

Gerne kann ich dieses Buch empfehlen.

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71 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

vietnam, ddr, hanoi, familienepos, amerikanischer krieg

Die Töchter des Roten Flusses

Beate Rösler
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 19.01.2017
ISBN 9783746632704
Genre: Liebesromane

Rezension:

Romane wie der vorliegende, der im Wesentlichen Familiengeschichte ist und daneben so viele Kenntnisse über eine fremde, hier die vietnamesische Kultur vermittelt, treffen immer wieder meinen Lesegeschmack.

Die Familiengeschichte ist inhaltlich einfach (sorgt aber bei den Beteiligten für viel Gefühlschaos): Die 29jährige Tuyet, Kind vietnamesischer Eltern, ist bei ihrem Vater Phong und dessen deutscher Ehefrau Marina aufgewachsen, stets im Glauben gewesen, ihre Mutter Hanh habe sich für sie nicht mehr interessiert, nachdem Hanh, die als Vertragsarbeiterin aus Vietnam ihrem studierenden Mann in die DDR gefolgt war, mit der älteren Tochter in die Heimat  zurückgekehrt ist. Doch war es wirklich so? Zweifel werden in Tuyet geweckt, als sie nach Marinas Tod in deren persönlichen Sachen einen Stapel ungeöffneter Briefe von Hanh an Phong findet. Tuyet begibt sich auf eine Reise nach Hanoi, um die Heimat ihrer Eltern kennenzulernen und vielleicht ihre Mutter zu finden und deren Sichtweise auf die Geschehnisse ein Vierteljahrhundert zuvor zu erfahren.

Wie die familiären Verhältnisse waren und welchen Einfluss das politische Regime hatte, ist sehr berührend dargestellt. Mit Hanoi als Reiseziel ist es selbstverständlich, dass Vieles über die Geschichte des asiatischen, mir nicht so geläufigen Landes zu erfahren ist. Es empfiehlt sich, vor der eigentlichen Lektüre die historischen Hintergründe im Anhang zu lesen. Denn wer weiß schon wirklich etwas von der französischen Kolonialzeit in Vietnam, dem amerikanischen Krieg, der Teilung und Wiedervereinigung des Landes, seinen Beziehungen zum Bruderland DDR, seiner wirtschaftlichen Öffnung seit Ende der 80er Jahre? Auf alles wird in der Geschichte eingegangen und es ist sehr lehrreich. Interessant sind auch die Beschreibungen des Alltagslebens der Vietnamesen, z.B. dass das Moped das meistbenutzte Verkehrsmittel ist und auf ihm oft zwei und mehr Personen gleichzeitig fahren oder dass das Handy noch vor dem Festnetztelefon Einzug ins Land gehalten hat. Bei den vielen gut recherchierten Detailkenntnissen verwundert es nicht zu hören, dass die Autorin in Hanoi lebt.

Ein sehr empfehlenswertes Buch.

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94 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

thriller, london, psychothriller, stalking, verfolgung

Alleine bist du nie

Clare Mackintosh , Sabine Schilasky
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.01.2017
ISBN 9783404174706
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zoe Walker ist eigentlich zufrieden mit ihrem Leben in einem Londoner Vorort mit Lebensgefährten und zwei fast erwachsenen Kindern. Eines Tages entdeckt sie allerdings beim Durchblättern der Tageszeitung bei der täglichen U-Bahnfahrt ein Foto von sich selbst mit der beigefügten Website-Adresse findtheone.com und einer unbekannten Telefonnummer. An den folgenden Tagen erscheinen die Bilder anderer Frauen in den Anzeigen, von denen dann eine gestalkt und eine ermordet wird. Zoe wendet sich an die ambitionierte Polizistin Kelly Swift, die in Unterstützung der Mordkommission aufzuklären versucht, wer hinter der mysteriösen Website steckt.

Das Buch erfüllt alle Voraussetzungen an einen guten Psychothriller.
Die Geschichte lässt einem die Haare zu Berge stehen und die eigene tägliche Routine überdenken. Denn kann man nicht selbst auch wie die Protagonistin als Pendler auf dem täglichen Weg zur Arbeit Opfer einer Überwachung werden, die dann online missbraucht wird? Das Ganze ist recht realistisch dargestellt, vor allem durch die ganz gewöhnliche Zoe als Hauptfigur, die Arbeit und Patchworkfamilie unter einen Hut zu kriegen versucht. Sehr emotional ist dargestellt, wie Zoe beinahe jeden aus ihrem Umfeld zu verdächtigen beginnt. Am gelungensten sind die völlig unerwarteten Wendungen ganz am Ende des Buchs, die einen alle vorher aufgestellten Vermutungen über Bord werfen lassen. Ein interessantes Stilmittel sind die wiederkehrenden kurzen, kursiv gedruckten Passagen, geschrieben aus der Sicht des „Hintermanns“, die Erklärungen zum Motiv geben. Nicht viel anfangen konnte ich lediglich mit der Struktur und Organisation der englischen Polizei.

Ich empfehle das Buch allen Lesern von Psychothrillern mit Elementen der Polizeiarbeit.

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