uli123s Bibliothek

424 Bücher, 425 Rezensionen

Zu uli123s Profil
Filtern nach
424 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(36)

66 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

selbstmord, mobbing, schule, roman, jugendliche

Der gefährlichste Ort der Welt

Lindsey Lee Johnson , Kathrin Razum
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 13.10.2017
ISBN 9783423281331
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

60 Bibliotheken, 14 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

paris, die lichter von paris, boheme, tagebuch, mutter-tochter-beziehung

Die Lichter von Paris

Eleanor Brown , Christel Dormagen , Brigitte Heinrich
Flexibler Einband: 387 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 23.10.2017
ISBN 9783458363040
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(26)

34 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

wien, roman, ohne perspektive, absturz, österreicher

Wer hier schlief

Isabella Straub
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 15.09.2017
ISBN 9783351050429
Genre: Romane

Rezension:

Der in der Geschichte nur bei seinem Nachnamen genannte Philipp Kuhn ist persönlicher Assistent in der Firma für Sicherheitstüren seiner Lebensgefährtin. Als er sie zugunsten seiner jungen Geliebten Myriam verlässt, ist letztere für ihn plötzlich unauffindbar. Ohne Job und Bleibe stromert Kuhn durch die Stadt (Wien), macht neue Bekanntschaften, gewinnt neue Erkenntnisse, insbesondere auch in Bezug auf Myriam.

Die Geschichte lebt durch ihre teilweise skurrilen Figuren, was das Wenige an Handlung wettmacht. Besonders der Protagonist Kuhn ist interessant. Sein tiefer Fall vom Partner einer vermögenden Frau zur Obdachlosigkeit erweckt komischerweise kein Mitleid. So gebührt es eben Männern, die bei jungen Frauen wildern. Hinzu kommt, dass sich Kuhn eigentlich Zeit seines Lebens hat treiben lassen. Das Thema Obdachlosigkeit wird mit einer gehörigen Portion unterschwelliger Kritik dargestellt. Ungewöhnliche Wege aus ihr heraus werden vorgestellt - in Form der merkwürdigen SuHo-Gruppe (suddenly homeless), der sich Kuhn anschließt und deren Mitglieder eigentlich Schmarotzer sind, indem sie sich in fremden Wohnungen einnisten und von den bei öffentlichen Veranstaltungen gereichten Imbissen ernähren. Alle Romanfiguren sind mit Liebe zum Detail dargestellt. Bei Kuhn ist insoweit erwähnenswert das ihm einzig verbliebene Gemälde „Adam“ des österreichischen Künstlers Hauser, das ihn auf seiner Odyssee begleitet. Interessant sind auch die Nebenfiguren, wie z.B. Kuhns neuer Bekannter Solak mit seinem Hang zum Philosophieren und seinem wohltuenden Elixier. Sie alle sind genauso verloren wie Kuhn.

Ein gelungener Roman.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(45)

56 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

tod, familie, britischer humor, vater, roman

Der Vater, der vom Himmel fiel

J. Paul Henderson , Jenny Merling
Fester Einband
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257069877
Genre: Romane

Rezension:

Vielleicht hat sich der eine oder andere Leser das schon einmal vorgestellt – nach seinem Tod noch einmal zu den Seinen zurückzukehren und ihnen das zu sagen, was man zu Lebzeiten nie gewagt hat, sowie noch gewisse familiäre Angelegenheiten zu ordnen, wozu man nicht mehr gekommen ist. Der alte Engländer Lyle jedenfalls verstirbt und erhält eine Gnadenfrist von 20 Tagen, während derer ihn nur sein Sohn Greg sehen und sprechen kann. Greg, einst Rebell und schwarzes Schaf der Familie, soll für seinen Vater herausfinden, was dessen Bruder Frank und seinen eigenen Bruder Billy umtreibt. Bei dieser Gelegenheit deckt er ein auch ihn betreffendes Familiengeheimnis auf.

Trotz des ja eigentlich traurigen Anfangs der Geschichte, der sich um das Versterben von Lyle und seine Beerdigung dreht, und auch der späteren Thematik vom Tod liest sie sich recht amüsant. Das ist dem Umstand geschuldet, dass die Personen auf recht unkonventionelle Weise ums Leben kommen (Lyle verwechselt eine Terpentin- mit einer Medikamentenlösung und wird – vermeintlich betrunken – vom Bus überfahren; Onkel Frank amüsiert sich über eine Radiosendung und erstickt an einem Fisherman’s Friend). Außerdem sind die Romanfiguren allesamt recht skurril und durchgeknallt mit speziellen Marotten. Vorbildhaft ist, wie familiäre Zwistigkeiten aus der Welt geschafft werden und alle wieder zu einer Familie werden, in der auch einmal über Gefühle für die anderen gesprochen wird.

Wenn es also im vorderen Klappentext heißt, das Buch gehöre zu denen, die man mit einem Lächeln im Gesicht liest, kann ich dem nur beipflichten.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(73)

125 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

dani atkins, liebe, kanada, flugzeugabsturz, roman

Sieben Tage voller Wunder

Dani Atkins , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.10.2017
ISBN 9783426520888
Genre: Liebesromane

Rezension:

Was die Menschen, die ein Flugzeug besteigen, sich nicht in ihren kühnsten Träumen vorzustellen wagen, wird für Hannah zur bitteren Realität: Das Flugzeug, das sie von Kanada zurück in ihre englische Heimat bringen soll, stürzt in der winterlichen kanadischen Wildnis ab. Gemeinsam mit dem weiteren Passagier Logan, der ihr schon vor Antritt des Fluges als sympathisch aufgefallen ist, nimmt sie sieben lange Tage und Nächte den Kampf ums Überleben auf.

Trotz des traurigen Hintergrunds eines verheerenden Flugzeugabsturzes mit vielen Toten und nur wenig Überlebenden versetzt einen dieser Roman nicht in eine traurige Grundstimmung. Die Protagonistin Hannah wächst mit ihrem unbedingten Willen zum Überleben über sich hinaus und hat viele hilfreiche Tipps parat, die ihr dabei von Nutzen sind und die der Leser für evtl. eigene Katastrophenfälle parat haben sollte. Niemals den Mut verlieren, ist das vermittelte Motto. Jeder der Wochentage gestaltet sich anders und birgt andere Gefahren, aber auch neue Hilfen, so dass es überhaupt nicht langweilig wird, Hannahs aus ihrer Rückschau gemachten Schilderungen zu lesen. Zugleich ist eine kleine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art eingebaut. Der faszinierende Clou ist, dass die Geschichte einen völlig anderen Verlauf nimmt, als der Leser bis ziemlich zum Schluss vermuten kann, sofern ihm nicht schon während der Lektüre ganz versteckte, merkwürdige Details auffallen. Diese Wendung ist es, die den Roman wirklich lesenswert macht.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(28)

41 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

mütter, kinder, freunde, neues lebe, einschulung

Ziemlich beste Mütter

Hanna Simon
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 15.09.2017
ISBN 9783746633404
Genre: Humor

Rezension:

Marie, die Mutter eines sechsjährigen Jungen, zieht fort aus München nach Berlin, um endlich von ihren Gefühlen für den Vater ihres Sohnes loszukommen. In ihrem Kampf gegen die ehrgeizigen Übermütter in der Klasse ihres Sohnes findet sie schnell Unterstützung von drei gleichgesinnten, schnell zu Freundinnen werdenden Müttern, die auch so ihre Probleme haben  - die eine hat einen unerfüllten Kinderwunsch, die andere will sich nicht an ihren erheblich jüngeren Partner binden. Womit Marie aber gar nicht gerechnet hat, ist, einen gut aussehenden, ebenfalls alleinerziehenden Nachbarn zu bekommen, der ihr in seiner Hilflosigkeit sofort gefällt.

Wer selbst Mutter ist, dem wird dieses Buch sicherlich gefallen. Denn viele Szenen und Begebenheiten rund um die lieben Kleinen haben Wiedererkennungswert.  Oder wem kommen sie nicht aus der Kindergarten-/Grundschulzeit des eigenen Kindes bekannt vor – die ehrgeizigen Übermütter, die auf gnadenlose Förderung ihres Kindes aus sind und den Müttern, die ihr Kind einfach nur Kind sein lassen wollen, ein schlechtes Gewissen machen? Auf jeden Fall wird die erste Sorte Mütter wunderbar mit einer guten Portion Humor durch den Kakao gezogen. Daneben vermittelt die Geschichte ein schönes Bild einer sich entwickelnden Freundschaft zwischen Frauen, die einander in Sachen Kindern und Männern unterstützen. Und natürlich ist auch eine Liebesgeschichte enthalten. Ansprechend sind die Kapitelüberschriften, die jeweils den Namen eines berühmten Gemäldes aufnehmen sowie plakative Einzelheiten zu Erschaffer und Entstehungsjahr. Wenngleich sie vielleicht keinen Bezug zum nachfolgenden Text haben, so passen sie doch zu Maries Beruf einer Restauratorin. Vom Cover sollte man sich nicht täuschen lassen. Die dort abgebildeten Babyzubehörartikel spielen keine Rolle, befinden sich die Kinder der Protagonistinnen doch schon im Grundschulalter.

 

Eine leichte, gut unterhaltende Lektüre.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(34)

61 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

jackpot, glück, lotto, kiosk, millionen

Herrn Haiduks Laden der Wünsche

Florian Beckerhoff , Steffi Korda
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 09.10.2017
ISBN 9783959671347
Genre: Romane

Rezension:

Die lebensscheue, schweigsame Französin  Alma  hat sich in den Kopf gesetzt, den rechtmäßigen Besitzer einer verlorenen und von ihr gefundenen Lottoquittung zu finden, die zur Empfangnahme von 13 Millionen Euro berechtigt. Denn sie will prüfen, ob der Gewinner einen solch hohen Gewinn überhaupt verträgt und nicht etwa in sein Unglück rennt. Unterstützung erfährt sie durch den vor Jahrzehnten aus Algerien nach Berlin immigrierten Kioskbesitzer Herr Haiduk, der seinerseits Alma vor ausufernden Übergriffen vermeintlicher Gewinner schützen will. Es entwickelt sich ein interessantes Detektivspiel mit Zettelaushängen, In-die-Welt-setzen von Gerüchten und deren Revidierung, Interviews, in dessen Verlauf sich Kontakte zu Nachbarn, Bewohnern aus dem Viertel und dem weiteren Umkreis anbahnen, die alle ein Anrecht auf den Gewinn erheben. Jeden von ihnen umgibt eine spezielle Geschichte, warum er sein persönliches Glück in dem Supergewinn zu finden meint. Ob am Ende der wahre Gewinner sein Geld einkassieren kann?

 

Dieser Roman ist von ganz besonderer Art und wird allen gefallen, die anspruchsvolle Literatur mögen. Schon der Aufbau ist speziell. Die Geschichte vom Auffinden der Lottoquittung bis hin zur Beendigung der Suche des Gewinners hat nämlich bereits stattgefunden und wird von Herrn Haiduk in der Rückschau stückchenweise dem gescheiterten Schriftsteller Paul im idyllischen Hinterhof des Kiosks erzählt, der sie als Buch niederschreiben soll. Außerdem treibt Haiduk noch ein weiteres Motiv, das nicht verraten werden soll. Die Trennung zwischen der erzählten Geschichte und der Überblendung in die Gegenwart geschieht oft sehr abrupt, ohne optisch kenntlich gemacht zu sein, so dass es ein wenig Obacht beim Lesen bedarf. Die Romanfiguren sind alle sehr liebevoll beschrieben und knapp, aber aussagekräftig mit Schlagwörtern benannt, so dass man sich ein gutes Bild von ihnen machen kann. Da es ihrer ja doch eine Reihe gibt, helfen zur Unterscheidung gut die Namen, die Herr Haiduk ihnen gibt: der Junge Kettenraucher, die Ängstliche, die Falsche Witwe. Mit viel Liebe zum Detail und sehr bildhaft beschreibt der Autor die örtlichen Gegebenheiten – Herrn Haiduks winzigen Kiosk, die Geschäfte und den Friedhof in der Nachbarschaft. Sehr interessant ist es zu lesen, was die unterschiedlichen Menschen sich mit Hilfe des Gewinns vom Leben erhoffen.

 

Ein wirklich lesenswertes Buch.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(48)

59 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

österreich, berge, berg, bergwelt, liebe

Durch alle Zeiten

Helga Hammer
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein fünf, 13.10.2017
ISBN 9783961010080
Genre: Romane

Rezension:

Die Protagonistin Elisabeth ist 1940 geboren und wächst in ärmlichen Verhältnissen in den österreichischen Bergen auf. Mit 17 verliebt sie sich in den Sohn – Niklas – des wohlhabenden örtlichen Brauereibesitzers. Als dieser eine andere Frau heiratet, flieht sie als Kindermädchen nach London. Geschwängert von ihrem Arbeitgeber kehrt Elisabeth in die Heimat zurück und schiebt dem körperbehinderten Martin ihr Kuckuckskind unter. Weitere fünf Jahre später ist Elisabeth schwanger von ihrem Cousin, der auf Druck seiner Eltern nicht zu ihr hält. Schließlich geht Elisabeth eine unglückliche Ehe mit einem gefühlskalten, gewalttätigen Bauern ein, der sie erneut zur Mutter macht. Sie setzt ihre Beziehung zu Niklas fort. Ob sie mit ihm noch ihr Glück findet?

Ein Frauenroman über ein Frauenschicksal vorrangig in den 50er und 60erJahren. Schilderungen aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit wechseln sich ab. Obwohl es sehr beeindruckend ist zu lesen, wie Elisabeth ihr schweres Leben meistert, wird sie einem nicht sympathisch. Das beruht sicherlich darauf, dass sie sich von jungen Jahren an den Männern geradezu an den Hals wirft ohne Rücksicht darauf, ob diese überhaupt frei sind. Von nicht eben charakterlicher Stärke zeugt es auch, den biologischen Vätern ihrer Kinder diese zu verschweigen bzw. dies zu versuchen und sie dann einem nichtsahnenden Ehemann unterzujubeln. Gelungen sind die Darstellungen über das harte und monotone Leben in dem Bergdorf. Empörung macht sich breit, als zu lesen ist, wie Elisabeths Ehemann allein zur Belustigung einen Zoo mit in der Wildnis eingefangenen Tieren aufmacht.

Von mir mit gerade noch vier Sternen bewertet.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

berlin, island, gesellschaft, troll, märchen

Saufen nur in Zimmerlautstärke

Hans Rath
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 18.08.2017
ISBN 9783463406961
Genre: Romane

Rezension:

Was ich bei so manchem anderen Buch vermisse, ist hier anzutreffen: Buchtitel und Covermotiv haben wirklich einen Bezug zur Geschichte - der Titel entspricht einer Weisung der Pensionswirtin, bei der der Protagonist Adam vorübergehend unterkommt; das Bild gibt Adams Sprung in die Spree wieder, mit dem er seinen neuen Freund, den Troll Magnus, vor der Aufmerksamkeit der Polizei bewahren will. Doch wer sind Adam und Magnus? Adam ist ein Rechtsanwalt aus Berlin, 50 Jahre alt, dem nach plötzlichen Herzproblemen von seinem Arzt eine Auszeit angeraten wird, die ihn nach dem Zufallsprinzip nach Island verschlägt. Hier wird er von dem kleinwüchsigen, verlotterten waschechten Troll Magnus vor einem lebensgefährlichen Sturz von einer Klippe gerettet. Nach isländischem Brauch steht Adam daher in Magnus Schuld und muss diesen als seinen Schützling zurück nach Berlin nehmen. Nicht nur ist Adams Leben aufgrund von Eheproblemen und beruflicher Unzufriedenheit ohnehin schon aus den Fugen geraten. Nein, nun sorgt Magnus für allerhand neues Chaos und den finanziellen Ruin Adams, in dem er etwa Internetkäufe mit dessen Kreditkarte tätigt, einen Ausflugsdampfer auf der Spree versehentlich in Brand setzt oder wertvolle Kulturgüter aus einem Museum stiehlt. Beide werden zu Freunden und Adam gewinnt eine neue Sicht über sein Leben.

Die Geschichte veranlasst sehr häufig zum Schmunzeln, wenngleich in dem letzten Drittel die nachdenklichen Töne überwiegen. Das entspricht sicherlich der Intention des Autors, der auch zum Nachdenken über das eigene Leben veranlassen will. Jedenfalls sprechen beide Protagonisten einige schöne Lebensweisheiten aus. Wer Märchen und Mythen mag, wird das Buch wohl besonders mögen, geht es in ihm doch um isländische Trolle, über die viel Interessantes zu erfahren ist.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(32)

34 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

ukraine, familiengeschichte, ddr, familiensuche, familie

Slawa und seine Frauen

Felix Stephan
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.09.2017
ISBN 9783426277164
Genre: Biografien

Rezension:

Der Autor Felix Stephan schildert in diesem lesenswerten Buch die Familiengeschichte seiner Mutter.

Zwar hat die in Ostdeutschland aufgewachsene Mutter schon im Alter von 15 Jahren zufällig erfahren, von ihrem „linientreuen“ Vater adoptiert worden zu sein. Allerdings macht sie sich erst in ihren 50ern gemeinsam mit ihrem Sohn auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater Slawa. Dieser ist schon mehr als ein Vierteljahrhundert verstorben, hat allerdings in der Ukraine eine Reihe von Angehörigen und Bekannten hinterlassen, die ihnen ein Bild vom Vater bzw. Großvater vermitteln und zu ihrer neuen Familie werden.

Dem Geschriebenen ist deutlich zu entnehmen, dass hinter ihm ein Autor mit journalistischer Ausbildung steht. So ausführlich er nämlich die eigene Familiengeschichte aufbereitet, bezieht er auch immer wieder akribisch die geschichtlichen, politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge ein. Selbst interessante Recherchen über ukrainische Künstler und Dichter fließen ein. Auf diese Weise bekommen wir zum einen eine wirklich interessante und ungewöhnliche Familiengeschichte zu lesen über eine ostdeutsche Medizinstudentin, die Anfang der 60er Jahre während eines Studienaufenthaltes in Leningrad eine Beziehung mit einem ukrainischen Juden hatte und, nachdem sie von ihm geschwängert wurde, nach Ostdeutschland zurückkehrte. Zum anderen aber erhalten wir viel Hintergrundwissen über die innenpolitischen Verhältnisse in der Ukraine, ihre Beziehungen zu Russland, die Rolle der Juden in der Ukraine, die Auswanderung ukrainischer Juden nach Israel. Allem wohnt oft eine gehörige Portion Humor/Sarkasmus inne, was die Lust am Weiterlesen fördert.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

humor, depressionen, freundschaft, tragikomödie, roman

Mensch, Rüdiger!

Sven Stricker
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 18.08.2017
ISBN 9783499290787
Genre: Romane

Rezension:

Was bei Buchcovern leider nicht immer der Fall ist – hier passt es zur Geschichte wie die berühmte Faust aufs Auge: der Mann, der den Kopf in den Sand steckt und der die Vogel-Strauß-Politik verkörpernde gleichnamige Vogel (der bei drohender Gefahr angeblich seinen Kopf in den Sand steckt) stehen für die Protagonisten Rüdiger und Tom. Beide um die 40, der eine seinen Beruf hassender Lehrer mit völlig unscheinbarem Äußeren, der andere Bestsellerautor vor einem Jahrzehnt mit seitheriger Schreibblockade. Sie befinden sich in einer Sinnkrise und wollen ihrem Leben durch einen Sprung von einer Brücke ein Ende setzen. Eine zufällig vorbeikommende Ärztin hält sie ab und sie geben sich fünf Tage, um in dieser Zeit eine Liste mit Punkten abzuarbeiten, die das Leben lebenswert machen. Ob sie am Ende doch noch die Welt hinter sich lassen?

Das Buch ist eine wirklich lesenswerte Tragikomödie. Es gibt so viele Passagen, die einen schmunzeln, ja sogar laut auflachen lassen. Das Gelungene daran ist, dass der Humor eher subtil und unterschwellig vorhanden ist und sich nicht plump und abgedroschen Witz an Witz reiht. So manches Klischee wird bedient. In  guter Erinnerung ist mir etwa, wie Rüdiger seine Frau an seinem Geburtstag in flagranti im Ehebett ertappt und erfahren muss, dass sein langjähriger Nebenbuhler regelmäßig den Geburtstagskuchen für ihn gebacken hat. In vielen Alltagssituationen können sich die Leser wiederfinden, z.B. bei Rüdigers Besuch eines Drogeriemarktes, in dem die Kassiererin nach der Payback-Karte fragt. So lustig die Geschichte auch ist, wohnt ihr dennoch auch ein nachdenklich stimmender Grundton bei. Immerhin dreht sie sich um das Thema der Erkrankung an Depressionen und den Willen zum Suizid. So offen wie damit umgegangen wird, wäre es schön, wenn das Buch einen kleinen Beitrag dazu leistet, Depressionen in unserer Gesellschaft weniger als bisher zu tabuisieren.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(45)

88 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

liebe, schwanger, schwangerschaft, london, humo

Und jetzt auch noch Liebe

Catherine Bennetto , Teja Schwaner , Iris Hansen
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 18.08.2017
ISBN 9783746633435
Genre: Romane

Rezension:

Die 27jährige Emma erkennt, wie verantwortungslos  ihr langjähriger Freund ist und trennt sich von ihm, obwohl sie schwanger ist. Obendrein verliert sie ihren Job. Ihre Zukunftsängste als Alleinerziehende nimmt ihr ihre sie umsorgende, aber anstrengende Familie. Außerdem gibt es noch eine nette männliche Zufallsbekanntschaft. Doch kann Emma sich jetzt auch noch um Liebe kümmern?

Die Geschichte ist sehr witzig und salopp geschrieben. Die gut gemeinten Einmischungen ihrer chaotischen Familie bestimmen Emmas Leben und bringen den Leser immer wieder zum Lachen. Für mich persönlich gibt es dann aber doch zu viel Witz, zu viele ordinäre Ausdrücke, mit denen Emma und die anderen Figuren um sich werfen und zu viele „Bindestrichsätze“ (z.B. ein scharfer Du-solltest-die-Daumen-drücken-dass-er-dort-ist-sonst-steckst-du-knietief-in-der-Scheiße-Blick). Das Buch gehört zur Gruppe Frauenromane, von denen es recht viele gibt und die sich irgendwie alle ähneln mit einer Single-Frau um die 30 als Protagonistin, auf der Suche nach dem Richtigen, unter Geldknappheit leidend, dem Alkohol nicht abgeneigt. Dennoch ist die vorliegende Geschichte einzigartig und unbedingt lesenswert. Das Ende voraussehbar.

Eine kurzweilige Lektüre für Frauen.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(71)

95 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 67 Rezensionen

afrika, sandmaler, kapitalismus, kolonialismus, der sandmaler

Der Sandmaler

Henning Mankell , Verena Reichel
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 21.08.2017
ISBN 9783552058545
Genre: Romane

Rezension:

Die Abiturienten Elisabeth und Stefan, die eine flüchtige Beziehung hatten, treffen sich zufällig auf einer Urlaubsreise in ein (namentlich nicht benanntes) afrikanisches Land. Während er auf Vergnügen aus ist, versucht sie das Land zu verstehen und lässt sich die geschichtlichen Hintergründe erklären.

Das Buch gibt einen guten, letztlich aber doch oberflächlich bleibenden Einblick in die für uns Europäer so fremde Welt Afrikas. Beispielhaft sind Elisabeths Erlebnisse – ihr Zug durch das Armenviertel, die Beobachtung eines Fruchtbarkeitstanzes, ihr Besuch einer einheimischen Familie und eines Lepradorfes, das (titelgebende) Gespräch mit dem einheimischen „Sandmaler“ am Strand, der in einem sozialistischen Afrika die Zukunft des Kontinents sieht. Nachdenklich stimmt, dass die Geschichte im Jahr 1971 angesiedelt ist und sich heute – Jahrzehnte später – eigentlich nicht viel geändert hat. Das Buch lässt sich schnell und einfach lesen; es wird bestimmt durch eindringlich wirkende kurze Sätze und einen schlichten Satzbau. Zu den Protagonisten bleibt aufgrund des nüchternen Schreibstils eine gewisse  Distanz.

 

Wirklich beeindruckt hat mich das Buch letztlich nicht und ich bewerte es als im Durchschnitt liegend mit drei Sternen.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(59)

98 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

england, zweiter weltkrieg, singen, musik, frauenchor

Der Frauenchor von Chilbury

Jennifer Ryan , Andrea O´Brien
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2017
ISBN 9783462048841
Genre: Romane

Rezension:

Der mit 477 Seiten recht eindrucksvolle Debütroman der Autorin widmet sich rund sechs Monaten (März bis September) in der Anfangszeit des Zweiten Weltkriegs in England. Schauplatz ist ein kleines Dorf in der Grafschaft Kent, das zu dieser Zeit nur noch von Frauen, Kindern und wehrdienstuntauglichen Männern bewohnt wird. Einige der Dorfbewohnerinnen schildern abwechselnd in Tagebucheinträgen und Briefen, wie sich ihr Leben unter den sich ausbreitenden Kriegsgeschehnissen abspielt und verändert, ergänzt durch sporadische Anschläge am Gemeindesaal und Notizen anderer Romanfiguren. Die Frauen sind grundverschieden – als da wären die ängstliche und zurückhaltende verwitwete Krankenschwester Mrs. Tilling, die dreizehnjährige unglücklich verliebte Kitty mit dem Berufswunsch Sängerin, ihre ältere, ausschweifend lebende Schwester Venetia, die geldgierige Hebamme Mrs. Paltry. Alle finden sich zusammen in dem neu gegründeten Frauenchor des Dorfes, der – weil männerlos – zunächst misstrauisch beäugt wird. Das gemeinsame Singen gibt ihnen in den schweren Kriegstagen ein wenig Glück und Zuversicht und bewirkt bei jeder einzelnen Veränderungen, vor allem einen Gewinn an Selbstbewusstsein.

 

Das Buch besticht vor allem dadurch, dass es sich um keine epische Erzählung handelt, sondern um eine Aneinanderreihung von Tagebuchnotizen und Briefen, ohne dass ich es damit als Brief-/Tagebuchroman bezeichnen würde. Die jeweiligen Verfasser haben so unterschiedliche Schreibstile und Sichtweisen, dass es richtig Spaß macht, Eintrag um Eintrag zu lesen. Alle zusammen genommen ergeben ein recht ausführliches Bild von den ersten Kriegsmonaten und den Nöten der Zivilbevölkerung. Mrs. Tillings Ausführungen sind entsprechend ihrem Naturell eher ernst und bedächtig, die von Kitty romantisch und humorvoll. Recht lustig sind die Pannen der Hebamme und ihre Verballhornungen von Redewendungen (z.B. trampelnde statt trapsende Nachtigall). Eine besondere Bedeutung kommt einigen Liedern zu, die vom Frauenchor gesungen werden und nach Titel und Text benannt sind (z.B. All Creatures of Our God and King). Sie regen geradezu zum Mitsummen an.

Trotz des ernsten Kriegshintergrunds ein Buch, das sich angenehm lesen lässt und das ich wirklich empfehlen kann.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(31)

54 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

familie, geschwister, suche, finnland, zahnseide, brüde

Die Wurzel alles Guten

Miika Nousiainen , Elina Kritzokat
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 21.08.2017
ISBN 9783312010387
Genre: Romane

Rezension:

Ein – ungeliebter – Besuch beim Zahnarzt, der denselben seltenen Nachnamen trägt, dieselbe Nasenform hat und dem ebenfalls die Fünferzähne fehlen, lässt Pekka den richtigen Schluss ziehen, dass sie Halbbrüder sind. Die beiden grundverschiedenen Männer – einer gefühlvoll, der andere in sich gekehrt und nur in seinem Beruf aufgehend – begeben sich auf die Suche ihren familiären Wurzeln, die sie von Finnland über Schweden und Thailand nach Australien führt. Auf den Stationen finden sie weitere, ebenfalls als Kleinkinder vom Vater verlassene Halbschwestern und am Ende auch eine Erklärung für das Verhalten ihres Erzeugers.

 

Dieses Buch hat mich wirklich positiv überrascht. Meine bisherigen Erfahrungen bei Büchern finnischer bzw. allgemein skandinavischer Autoren waren eher so, dass sie eine düstere Grundstimmung hatten. Nicht so hier.

Die erste Hälfte der Geschichte ist überwiegend humorvoll gehalten, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass der Zahnarztbruder keinen Humor kennt und immer wieder Pekka gegenüber Vorhaltungen bzgl. seiner schlechten Zahnpflege macht. In diesem Teil also darf häufig geschmunzelt werden. Erst der zweite Teil ist in einem nachdenklicheren Ton gehalten. Es werden so manche gesellschaftlichen Probleme in den Herkunftsländern der fünf Halbgeschwister angesprochen – Fremdenfeindlichkeit in Finnland und Schweden, das Gesundheitssystem in Finnland, Sextourismus in Thailand, die Stellung der Aborigines in Australien. Gefallen hat mir, wie sich Tipps vom Zahnarzt als roter Faden durch die Geschichte ziehen. Pekkas leidvolle Probleme mit seinen Zähnen kann sicherlich jeder am eigenen Leib nachvollziehen. Recht originell ist der Rahmen der Geschichte, also wie die Halbbrüder sich auf die Spuren ihres Vaters quer über den Erdball begeben. Das Motiv für das Verhalten ihres Vaters, sie als Kleinkinder im Stich gelassen zu haben, wie sie es letztlich ermitteln, überzeugt mich weniger, wohl aber, wie sich insbesondere der Zahnarztbruder allmählich komplett wandelt.

 

Eine sehr schöne Geschwistergeschichte über Schicksale und die Suche nach den eigenen Wurzeln.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(118)

226 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 95 Rezensionen

lize spit, roman, belgien, und es schmilzt, kindheit

Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Die Jugendlichen Eva, Pim und Laurens aus einem kleinen belgischen Dorf sind seit Kindestagen enge Freunde. Sie sehen sich als die drei Musketiere und gründen ihre Freundschaft auf das Motto „Einer für alle, alle für einen“. Die Sommerferien des Jahres, in dem sie vierzehn sind, verändern alles. Wenige Monate zuvor ist Pims Bruder verstorben. Bei ihm selbst und Laurens gewinnt das sexuelle Interesse die Oberhand über die bisherigen kindlichen Spiele. Sie denken sich ein perfides Spiel aus, in dem Eva eine tragende Rolle zukommt.

Schonungslos ist das Buch, berührt sehr. Es gliedert sich im Wesentlichen in drei zeitliche Abschnitte. In der Gegenwart, im Jahr 2015, wird ein Tag in den Mittelpunkt gerückt, an dem die Ich-Erzählerin Eva zu einer Gedenkfeier für Pims Bruder eingeladen ist. Beinahe im Viertelstundentakt wird dieser Tag beleuchtet. In den ausführlichen Rückschauen wird immer wieder auf den verhängnisvollen Sommer dreizehn Jahre zuvor sowie auf die zurückliegende Grundschulzeit der drei Freunde geblickt. Auf diese Weise kommt ganz allmählich zu Tage, in welch problematischen Familienverhältnissen Eva aufgewachsen ist – die Eltern suizidale Alkoholiker, die kleine Schwester aufgrund verschiedener Obsessionen psychisch krank. Von der Dorfidylle, die die Geschichte lange herüberbringt, bleibt rein gar nichts übrig. Als mittlerem Kind fällt Eva in ihrer Familie die Rolle der starken Tochter zu, die alles zusammenhält. Umso mehr ist man dann erschlagen zu lesen, dass Eva an den früheren Ereignissen zerbrochen ist und damit in ganz spezieller Weise umzugehen beabsichtigt. Ein Eisblock wird hierbei eine wichtige Rolle einnehmen, wie er es auch schon dreizehn Jahre zuvor bei dem Spiel der Jugendlichen getan hat. Buchtitel und die erhabenen Buchstaben auf dem Cover, die gefrorenes Eis darstellen, sind einfach nur treffend.

Wem es nichts ausmacht, schonungslos mit Gewalt- und Sexszenen unter Jugendlichen konfrontiert zu werden, wird das Buch wie ich mögen.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(100)

168 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 78 Rezensionen

paris, roman, nanny, familie, kindermord

Dann schlaf auch du

Leïla Slimani , Amelie Thoma
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 21.08.2017
ISBN 9783630875545
Genre: Romane

Rezension:

Roman oder Thriller? Die Einordnung des Buches in ein Genre ist nicht eindeutig, weshalb es aber eine breite Leserschaft faszinieren wird. Anfang und Ende deuten auf einen Thriller – eine „Nounou“, wie die Kinderfrau in französischen Familien genannt wird, ermordet die von ihr gehüteten zwei Kinder ihrer Arbeitgeber, die untersuchende Kommissarin führt akribische Ermittlungen. Die Spannung zu erfahren, wie es zu der furchtbaren Tat Louises gekommen ist, bleibt durchweg aufrechterhalten. Im Fokus und auf einen (tragischen) Roman hindeutend steht aber auch das Thema Klassengesellschaft/-gegensätze. Louise entstammt einer bildungsfernen Schicht, bekam früh ein ungewolltes Kind, führte bis zur Witwenschaft eine lieblose Ehe, hat für die Schulden ihres Mannes aufzukommen, ist nicht in der Lage, sich mit Behörden u.ä. auseinanderzusetzen. Ihre Arbeitgeber hingegen sind erfolgreich als Musikproduzent bzw. Rechtsanwältin. Vor allem Myriam entspricht dem Bild einer typischen französischen Frau – Karriere im Beruf, ermöglicht durch die Stütze einer im Hintergrund wirkenden Tagesmutter. An Louises minderer sozialer Herkunft stören sie sich zusehends, würden sie, die doch eigentlich unentbehrlich für sie ist, sogar gerne wieder loswerden. In chronologischer Folge werden die Monate von Louises  Tätigkeit als Nounou geschildert, unterbrochen durch kurze Einschübe dritter Personen, die Kontakt zu ihr hatten und vielleicht ein Puzzleteil bei der Suche nach dem Tatmotiv liefern. Auf jeden Fall wird der Leser in die Lage gesetzt, sich ein umfassendes Bild von der Täterin und ihrem möglichen Motiv zu machen.

 

Das Buch ist wirklich lesenswert und wurde zu Recht im letzten Jahr mit dem Prix Goncourt, einem renommierten französischen Literaturpreis für das beste erzählerische Werk des Jahres in französischer Sprache, ausgezeichnet.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(55)

82 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

deutschland, christian kracht, alkohol, dandy, 2017

Faserland

Christian Kracht
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 22.01.2015
ISBN 9783596185320
Genre: Romane

Rezension:

Richtig überzeugt hat mich dieses Buch nicht. Der Ich-Erzähler, offenbar Sohn aus reichem Elternhaus, ohne sich aber selbst eine Existenz aufgebaut zu haben, reist von Sylt über Hamburg, Frankfurt, Heidelberg und München nach Zürich und erzählt in einem endlosen Monolog  von seinen kurzen Aufenthalten. Er trifft unterwegs vermeintliche Freunde von früher, besucht Partys und Bars. Alle geben sich dem exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum hin, übergeben sich mit einer Regelmäßigkeit, rauchen exzessiv. Immer wieder erinnert er sich an Begebenheiten aus seiner Kindheit und Jugend, kritisiert Verhalten und Aussehen seiner „Freunde“. Wichtig sind ihm Markenmodeprodukte wie die immer wieder erwähnte Barbour-Jacke.

Dieses Buch wird den bekanntesten Büchern der 90er zugeordnet. Für mich gibt es allerdings eindeutig zu wenig Handlung. Richtig Freude an dem Buch wird nur haben, wer Spaß am Interpretieren hat. Doch was will mir die Geschichte eigentlich sagen– geht es um die Orientierungslosigkeit und Unfähigkeit der im Wirtschaftswunder Deutschland aufgewachsenen jungen Leute aus besserem Hause?

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(24)

36 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

brüder, missbrauch, das glück meines bruders, familie, bochum

Das Glück meines Bruders

Stefan Ferdinand Etgeton
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 21.07.2017
ISBN 9783406711817
Genre: Romane

Rezension:

Der Ich-Erzähler Botho, sein älterer Bruder Arno und dessen Verlobte fahren im Sommer 2010 in das Dorf Doel nach Belgien, wo die Brüder einst ihre Ferien bei den Großeltern verbrachten. Inzwischen steht das Dorf kurz davor, platt gemacht zu werden, um eine Hafenerweiterung zu ermöglichen. Erinnerungen werden wach, vor allem an Bothos Jugendliebe, auf deren Suche er sich begibt. Mehr und mehr zutage treten die Komplikationen im Verhältnis der Brüder und ihre Rivalitäten. Sie stammen aus einfachen Verhältnissen. Während Botho sein Abitur nachholte, studierte und Lehrer wurde, blieb Arno ein zumeist arbeitsloser Handwerker, verfiel dem Alkohol, wurde fast kriminell. Erst Bothos Unterstützung bewahrte ihn vor dem endgültigen Absturz. Arno hasst die Akademiker geradezu, Botho fühlt sich nach seinem Werdegang entwurzelt. Dennoch verbindet beide Bruderliebe.

 

Leicht lesen lässt sich der Roman nicht. Typisch sind seitenfüllende, temporeiche Schachtelsätze. So manche wütende Tirade Arnos will zweimal gelesen werden, um sie zu verstehen. Dem Verständnis nicht gerade zuträglich sind zahlreiche originalflämische – und damit authentisch wirkende - Dialoge, deren Bedeutung sich wenn überhaupt nur demjenigen erschließt, der auch das norddeutsche Plattdeutsch versteht. Eine Art Glossar wäre hilfreich gewesen. Fasziniert hat mich, wie zu Beginn der Geschichte alles auf die Schilderung einer idyllischen Vergangenheit der Protagonisten in Kindheit und Jugend hindeutete und sich dann nach und nach herauskristallisierte, wie problembeladen die Zeit doch tatsächlich war und als Folgewirkung in der Gegenwart noch immer ist.

 

Zu dem Buch sollte nur greifen, wer anspruchsvolle Literatur mag.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(26)

46 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

autismus, herzerweichend, aufbau, willkommen, kleiner klugscheisse

Willkommen in der unglaublichen Welt von Frank Banning

Julia Claiborne Johnson , Iris Hansen , Teja Schwaner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.10.2016
ISBN 9783746632667
Genre: Romane

Rezension:

Zwar empfand ich es als etwas anstrengend, dieses Buch zu lesen, was vor allem an seinem anstrengenden Protagonisten Frank gelegen hat. Doch war es durchaus ein besonderes Leseerlebnis, über Franks Besonderheiten zu lesen. Der erst Neunjährige unterscheidet sich so gänzlich von seinen Altersgenossen – er ist ein wandelndes Lexikon, liebt alte Filme und kennt sich bestens mit ihnen aus, kleidet sich am liebsten in Nadelstreifenanzug und Zylinder. Sich um ihn zu kümmern und der Mutter den Rücken freizuhalten, damit diese sich mehr als 20 Jahre nach Erscheinen eines erfolgreichen Bestsellers endlich dem Schreiben eines zweiten Werks widmen kann, wird der jungen Alice durch den Verlegers aufgegeben. Für sie ist es ein hartes Stück Arbeit, die Zuneigung von Frank zu erlangen, und auch die seiner Mutter, die sie nicht gerade mit Kusshand aufnimmt.

Wer wie ich Familiengeschichten rund um problematische Familien mag, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Der Protagonist Frank ist vermutlich Autist und diese Krankheitsform wird recht liebevoll ausgeleuchtet. Eine gewisse Affinität zu alten amerikanischen Filmen ist nützlich. Denn viele der in Bezug genommenen Filme mit von Frank detailliert beschriebenen Filmszenen und Schauspielern sagen einem ansonsten wenig.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(315)

494 Bibliotheken, 13 Leser, 2 Gruppen, 75 Rezensionen

altes land, flüchtlinge, hamburg, ostpreußen, landleben

Altes Land

Dörte Hansen
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Knaus, 16.02.2015
ISBN 9783813506471
Genre: Romane

Rezension:

Bücher wie das vorliegende lese ich immer wieder gerne – Schilderung familiärer Verhältnisse über mehrere Generationen mit Bezug zur deutschen Geschichte in den Nachkriegstagen.

Vera und ihre Mutter werden nach ihrer Vertreibung aus Ostpreußen auf einem Hof im Alten Land bei Hamburg einquartiert. Dort in der Elbmarschlandschaft bei den alteingesessenen Obstbauern bleibt sie, die den Hof nie verlässt und ein unangepasstes Leben führt, zeitlebens fremd. Jahrzehnte später nimmt sie ihre alleinerziehende Nichte aus Hamburg nach Scheitern ihrer Beziehung bei sich auf.

Im Vordergrund steht die Thematik des Flüchtens und Ankommens, dargestellt anhand der Protagonistinnen Vera und ihrer Nichte. Wo sind die eigenen Wurzeln, die Heimat, das Zuhause? Beide Frauen sind stark geprägt vom Verhältnis zu ihrer jeweiligen Mutter. Beide Stränge finden letztlich ihren Ausgangspunkt in der traumatischen und nie überwundenen Vertreibung von Veras Mutter aus Ostpreußen. Auch um – böse – Erinnerungen geht es, vorrangig die von Vera aus ihrer Kindheit zu Kriegsende, daneben die ihres Stiefvaters und Hoferben Karl, der psychisch traumatisiert aus dem Krieg heimgekehrt ist. Abgesehen von den Schicksalen der beiden Frauen werden noch so manche Werdegänge der Altenländer Bauern geschildert, von denen einige ihre Höfe noch ganz der Tradition folgend in schmucken Reetdach-Bauernhäusern fortführen, Sohn auf Vater folgend, andere hingegen zu Biobauern werden oder gar ihre Höfe an zugezogene Städter verkaufen. Die bildhafte Beschreibung des Alten Landes und ihrer urigen Bewohner ist wirklich gelungen. Bodenständig und gemütlich wirkt alles dadurch, dass die Autorin die Romanfiguren plattdeutsch reden lässt, von dem man sich einfach einige Sätze auf der Zunge zergehen lassen muss: „Schall ik di wat geven, dat du slapen kannst?“, „mookt se mien Huus schier“, „Kiek man nich hen“. Vieles wird offen gelegt in langen Gedankengängen der Figuren, die über ihr Leben und ihre Mitmenschen nachdenken.

 

Ein wundervoller Roman.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(54)

92 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

7 todsünden, neid, sieben nächte, angst, literatur

Sieben Nächte

Simon Strauß
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 08.07.2017
ISBN 9783351050412
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch spricht besonders die Generation um die 30 an. Die Geschichte handelt und wird erzählt von einem namenlosen, nur einmal S genannten jungen Mann, der diesen ihm bevorstehenden Altersabschnitt als bedeutende Zäsur in seinem Leben ansieht und eben hierüber sinniert. Die Perspektive, sich anpassen zu müssen, sich auf ein Leben, eine Arbeit, eine Frau festlegen zu müssen, erschüttert ihn. Aus diesem Grund lässt er sich auf einen Pakt mit einem flüchtigen Bekannten ein. In sieben Nächten soll er die sieben Todsünden erfahren und darüber schreiben. Das soll ihm helfen, evtl. eine Alternative zum angepassten Leben zu finden. Und so begleiten wir S. auf sieben nächtlichen Streifzügen durch seine Stadt, in denen er etwa in einem Restaurant Fleisch isst, Pferdewetten auf der Trabrennbahn abschließt, in der Universitätsbibliothek sitzt.

Das Buch wird nicht jedermanns Lesegeschmack treffen. Ich selbst kann mit Erzählungen wie der vorliegenden, die aus einer Aneinanderreihung von – zudem recht sprunghaften – Gedanken bestehen, nicht viel anfangen. Hinzu kommt, dass S. auf hohem Niveau philosophiert, was das Lesen sehr anstrengt. Es bedarf schon wiederholten Lesens einzelner Passagen, um auch nur ansatzweise zu erfassen, was der Autor mitteilen will. Bei genauer Betrachtung hat das von dem Protagonisten Erlebte wenig mit Todsünden zu tun. Aber Leser sehr anspruchsvoller Literatur werden sich zu Hause fühlen. Das Buch enthält eine Reihe zitierungswerter Sätze. Nebenbei möchte ich noch anfügen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht so recht stimmt; 16,- EUR für einen Buchtext, der sich von S.11 bis S.138 erstreckt abzgl. einiger Leerseiten zwischen den Kapiteln sind viel Geld.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(90)

128 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 81 Rezensionen

krebs, familie, brustkrebs, adhs, liebe

Sieh mich an

Mareike Krügel
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2017
ISBN 9783492058551
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte trägt sich an nur einem einzigen Freitag zu und gibt dennoch das vierzigjährige Leben der Protagonistin Katharina wieder. Diese hat Tage zuvor „Etwas“ in ihrer Brust ertastet (das Wort Brustkrebs fällt im ganzen Buch nicht) und ist sich angesichts familiärer Vorbelastungen eines tödlichen Ausgangs der als gegeben unterstellten Erkrankung sicher, ohne dass diese schon diagnostiziert ist. Den Freitag und das Wochenende will sie ganz normal verbringen und ihr Geheimnis für sich behalten, ehe sie sich am Montag untersuchen lässt. Doch von Normalität kann keine Rede sein. Dafür sorgen schon ihre an ADHS leidende Tochter mit Ausrastern, ihr mit ihr eine Fernbeziehung führender Ehemann, ein bizarrer häuslicher Unfall ihres transsexuellen Nachbarn und der Besuch eines einst in sie verliebt gewesenen Studienfreundes. Und immer wieder schweifen Katharinas Gedanken zu dem „Etwas“ und lassen sie über ihr Leben Bilanz ziehen – ist ihr Leben eigentlich so geworden, wie sie es sich einmal wünschte?

Zwar steht ein ernstes Thema im Hintergrund. Doch muss sich keiner sorgen, deswegen in trübe Gedanken zu verfallen. Dafür sorgt schon der lakonische, oft komische, auf jeden Fall besondere Schreibstil. Die Autorin erzählt Katharinas Geschichte sachlich, aber mit viel Einfühlungsvermögen. Sehr temporeich folgt man der Protagonistin durch ihr Leben und durch diesen einen cahotischen Tag. Amüsant zu lesen ist, wie Katharina – auch um sich zu beruhigen – versucht, Struktur in ihr Chaos zu bringen, indem sie verschiedene Listen in einem Notizbuch führt, z.B. „Das Etwas-Thema und die Außenwelt (Was ist zu beachten?)“, „Fragen, die ich gerade lieber nicht gestellt bekäme“, „Liste der Musikstücke, die mir zuverlässig eine Gänsehaut bereiten“. Leichte Schwierigkeiten beim Lesen hatte ich, die ich nicht sonderlich musikaffin bin, lediglich an den Stellen, bei denen es um Musik geht, die für Katharina als studierter Musikwissenschaftlerin eine besondere Bedeutung hat.

Diesen Roman kann ich wirklich nur empfehlen.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

liebe, suche, hörbuch, familie, tagebuch

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Salvatore Basile , Elvira Bittner , Annina Braunmiller-Jest
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 13.03.2017
ISBN 9783837138023
Genre: Romane

Rezension:

Als seine geliebte Mutter die Familie vor Jahren verlässt und keinen Kontakt zu ihm hält, wird der siebenjährige Michele zum misstrauischen Eremiten. Als Bahnhofsvorsteher fristet er in einer kleinen italienischen Bahnstation ein Leben ohne soziale Kontakte. Das ändert sich, als die lebensbejahende Elena auf der Suche nach der Puppe ihrer Schwester in seinen Bahnhof kommt und er in einem Zug sein geheimes Tagebuch findet, das seine Mutter einst mitgenommen hat. Auf Elenas Ermutigung hin versucht Michele seine Mutter zu finden und bereist die Orte entlang der Bahnlinie.

Die Geschichte hat märchenhafte Züge. Der Protagonist Michele erinnert an Märchenfiguren, die sich ebenfalls oft auf Reisen begeben und unterwegs Proben zu bestehen haben. Auch Michele zieht los und muss sich unterwegs Herausforderungen stellen, die ihm bislang in seinem zurückgezogenen Leben fremd waren. Er begegnet unterschiedlichen Menschen, die ihm oft gut gesonnen sind, ihm gelegentlich aber auch Böses wollen. Alles zusammen genommen führt das dazu, dass sich Michele allmählich in seinem Wesen ändert, wenngleich er noch den einen oder anderen Rückschlag erleidet, was ihn manchmal etwas unsympathisch wirken lässt. Ob er bei seinem eigentlichen Ziel Erfolg hat, muss jeder selbst lesen. Die Sprecherin bringt die Geschichte gelungen herüber und macht Personenwechsel deutlich. Ihr lässt sich gut folgen.

Das gute sieben Stunden währende Hörbuch erhält von mir eine uneingeschränkte Hörempfehlung.

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(65)

127 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 61 Rezensionen

flucht, afghanistan, familie, taliban, krieg

Als die Träume in den Himmel stiegen

Laura McVeigh , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 27.07.2017
ISBN 9783596299706
Genre: Romane

Rezension:

Vor dem Hintergrund der zahlreichen Flüchtlinge aus u.a. Syrien, Irak, Afghanistan gewinnt das Buch an besonderer Aktualität und spricht vor allem all diejenigen an, die sich für die Geschichte Afghanistans in den 80er/90er Jahren unter dem weichenden Einfluss der Sowjets und den erstarkenden Taliban interessieren.

Das Schicksal ihrer Familie in dieser Zeit bereitet uns die ca. zwölfjährige Ich-Erzählerin Samar auf. Mit ihren Eltern und mehreren Geschwistern verlässt sie fluchtartig ihr Haus in Kabul, um bei den Großeltern in einem Bergdorf im unzugänglichen Hindukusch unterzukommen, wo sie die letzten glücklichen Jahre ihrer Kindheit verbringen darf. Dann wird die Familie nach dem Erstarken der Taliban und einem schlimmen Erdbeben auseinandergerissen und Samar begibt sich auf eine Odyssee in ein pakistanisches Auffanglager, dann nach Kabul und schließlich nach Tadschikistan, wo sie die Transsibirische Eisenbahn als blinder Passagier besteigt. Im Zug beginnt sie die Geschichte ihrer Familie niederzuschreiben, getreu ihrem Vornamen, denn Samar bedeutet Geschichtenerzählerin. Das Niederschreiben ihrer Erinnerungen gibt ihr Hoffnung und Mut durchzuhalten.

Angesiedelt ist die Geschichte auf mehreren zeitlichen Ebenen. Die Fahrt in der Transsibirischen Eisenbahn spielt in der Gegenwart. Von ihr wird auf die Vergangenheit zurückgeblendet. Die Zugfahrt hat eine ganz besondere Bedeutung, was der Leser aber erst nach geraumer Zeit erkennen kann. Nur so viel sei verraten – die Grenzen zwischen Realität und Fantasie werden flüssig. Aus Samars kindlicher Perspektive erzählt, lässt sich die Geschichte unschwer lesen, wenngleich es überhaupt nicht um leicht verdauliche Kost geht (Stichwort Gräueltaten der Taliban wie Steinigung einer vermeintlichen Ehebrecherin oder unmenschliche Zustände im Flüchtlingslager). Die gewählte kindliche Sichtweise lässt einen auch die verworrenen politischen Verhältnisse in Afghanistan mit seinen zahlreichen Gruppierungen verstehen, führt Samar doch schlicht und ihrem Verständnis entsprechend an sie heran. Eine Botschaft vermag das Buch hervorragend zu vermitteln: Alles ist möglich und es gibt Hoffnung, auch wenn alles ausweglos erscheint.

Das Buch bekommt von mir eine klare Leseempfehlung.

  (5)
Tags:  
 
424 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks