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193 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 105 Rezensionen

dresden, krimi, 2. weltkrieg, serienmörder, krieg

Der Angstmann

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.09.2016
ISBN 9783423261203
Genre: Krimi und Thriller

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(36)

82 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

thriller, minen, cornwall, weihnachten, schauerroman

Stiefkind

S. K. Tremayne , Susanne Wallbaum
Flexibler Einband
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.12.2016
ISBN 9783426516621
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Geschichte ist in Cornwall angesiedelt. Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Rachel aus London heiratet Hals über Kopf den reichen, verwitweten David und zieht in dessen prächtiges Anwesen Carnhallow in Cornwall. Davids Reichtum stammt aus Kupferminen, die seit Generationen in Familienbesitz sind. Alles beginnt so gut für Rachel, die von der Schönheit und der Geschichte des abgelegenen Carnhallow fasziniert ist und ihrem Stiefsohn Jamie eine gute Stiefmutter sein will. Doch bald schon tun sich Risse in dieser scheinbar so glücklichen Familie auf. Der Achtjährige nämlich äußert gegenüber Rachel präzise Zukunftsvisionen, die sich auch noch bewahrheiten. Seine letzte lautet „An Weihnachten bist du tot“. Rachel, immer mehr von Panik erfasst, beginnt, der Vergangenheit auf den Grund zu gehen; nebenbei hütet sie ein eigenes Geheimnis …
Über Cornwall gibt es viele Bücher. Während dort die Gegend aber als idyllisch beschrieben wird, vermittelt dieses Buch eine düstere Vision von ihr. Die Atmosphäre dieses Ortes ist so bildhaft beschrieben und quasi zwischen den Zeilen spürbar. Interessant sind die historischen Fakten über das Minenvorkommen. Von Anbeginn an ist alles sehr verworren und ich hatte keine Ahnung, wohin ich geführt werde. So viele Fragen tun sich auf, die erst gegen Ende in für mich befriedigender Weise beantwortet werden – Ist Rachel verrückt oder ihr Stiefsohn? Was ist mit Davids erster Frau, spukt sie als Geist im Haus herum oder entspringt sie der kranken Vorstellung des traumatisierten Jamie? Steckt David vielleicht hinter ihrem Tod? Alle Charaktere sind so wenig verlässlich. Jamie, Rachel, David, Davids Mutter, selbst seine verstorbene Frau – allen kann nicht richtig über den Weg getraut werden. So gehört es sich für einen gelungenen Psychothriller. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die Dialoge zwischen Jamie und Rachel sich immer wiederkehrend ähnlich und eindringlich wiederholen und deshalb beim Lesen etwas ermüden.
Das Buch empfehle ich Lesern von Psychothrillern.

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31 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

australien, familie, verna, waisenkind, 2016

Das Land der roten Sonne

Harmony Verna , Marie Rahn
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 17.10.2016
ISBN 9783352008887
Genre: Historische Romane

Rezension:

Schon als Kinder in einem australischen Waisenhaus halten James und Leonora unverbrüchlich zueinander, bis sie aufgrund von Adoption voneinander getrennt werden. Leonora führt fortan ein lieb- und glückloses Leben bei reichen Amerikanern und James gelangt auf eine Farm zu armen Verwandten, wo er knechten muss. Die arrangierte Ehe mit einem gewalttätigen Minen- und Farmbesitzer ermöglicht Leonora die Rückkehr in die australische Heimat. Dort trifft sie erneut auf James, und aus der Kinderfreundschaft wird Liebe, zu der sich Leonora wegen Erpressungen ihres Mannes  aber nicht bekennen will. Haben beide eine Chance?

 

Ein 522 starker historischer Liebesroman, der sich trotz seines Umfangs im Fluge lesen lässt. Sehr eindringlich und berührend werden die Schicksale von James und Leonora geschildert, denen im Leben kein rechtes Glück beschieden zu sein scheint. Eigentlich ist man frühzeitig geneigt zu sagen, für beide muss es doch ein Happy End geben. Allerdings scheint der Verlauf der Geschichte bis fast zum Schluss dagegen zu sprechen, bis dann ein völlig unerwarteter Clou eingebaut wird. Ein schönes Bild wird von dem heißen Kontinent Australien gezeichnet und seinen Bewohnern der verschiedenen Schichten. Dabei werden Themen angesprochen wie die Rolle der ausgebeuteten Minenarbeiter, die Rolle der Kirche, der Umgang mit den Aborigines. Etwas merkwürdig sind mir während des Lesens die Zeitspannen vorgekommen. Oftmals scheint es so, als müssten mittlerweile ganze Jahre vergangen sein, während dann zu lesen ist, dass der Erste Weltkrieg noch immer im Gange ist. Zudem ist es des Zufalls zu viel, dass immer wieder der ehemalige Minenarbeiter Ghan auftaucht und Verknüpfungen zu Leonora herstellt.

 

Insgesamt ein schöner historischer Liebesroman vor den Kulissen Australiens.

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(22)

55 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

liebe, janz, liebesroman, leuchtturm, st. peter ording

Friesenherzen und Winterzauber

Tanja Janz
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 07.11.2016
ISBN 9783956496547
Genre: Liebesromane

Rezension:

Während der Lektüre ist mir der Gedanke gekommen, ob es nicht Parallelen zwischen der Autorin und ihrer Protagonistin Ellen insoweit gibt, dass auch ihr von ihrem Verlag aufgegeben wurde, zeitnah einen Liebesroman abzuliefern und sie dann diese Geschichte konstruiert hat. Denn so  wirkt auf mich die Geschichte rund um die Buchautorin Ellen, deren Gefühle zu ihrem Freund nicht erwidert werden und die sich eine Auszeit in St. Peter-Ording nimmt, um dort Ideen für einen romantischen Liebesroman zu sammeln. Wie es dann so kommt, sieht sie sich auf einmal zwei attraktiven einheimischen Männern gegenüber, die sie ihren Liebeskummer vergessen lassen und von denen einer ihr sogar Stoff für das neue Buch liefert. Das Konstruierte liegt für mich darin, dass die Geschichte im wirklichen Leben so wohl kaum passiert. Alle Entwicklungen treten zu schnell ein und in weniger als einem Monat gibt es ein Happy End. Solche Art Erzählungen gibt es einfach schon zu viele. Allerdings verkenne ich nicht, dass auch schlichtweg nur bei mir eine Sättigungsgrenze erreicht ist und viele Leserinnen eine solche seichte Lektüre zum Abschalten mögen. Und das gelingt dem Roman bestimmt. Das ist schon allein der winterlichen Atmosphäre vor der Kulisse St. Peter-Ordings geschuldet. Schön finde ich auch, dass es im Anhang ein Rezept für die Neujahrskuchen gibt, von denen im Buch die Rede ist.

Objektiv betrachtet vergebe ich somit trotz meiner rein subjektiven Bedenken vier Sterne.

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(116)

188 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

münchen, gina angelucci, krimi, cold case, inge löhnig

Gedenke mein

Inge Löhnig
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.01.2016
ISBN 9783548612287
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Autorin ist bekannt für ihre Krimi-Reihe um Kommissar Dühnfort. Im vorliegenden Buch steht allerdings nicht er als polizeilicher Ermittler im Vordergrund, sondern seine Lebensgefährtin Gina Angelucci, zu deren Aufgaben die Aufklärung von seit langen Jahren ungelösten Mordfällen gehört. Natürlich gibt es aber auch private und  berufliche Verflechtungen mit Dühnfort.

Gina gibt dem Drängen der Mutter der vor zehn Jahren verschwundenen und niemals gefundenen kleinen Marie nach.  Während die Mutter fest daran  glaubt, das Mädchen lebt noch, will Gina nur ihre Leiche finden, damit die Mutter endlich trauern und mit dem Geschehen abschließen kann. Nachdem seinerzeit von Selbstmord des Vaters unter Mitnahme von Marie in den Tod ausgegangen wurde, tun sich jetzt für Gina völlig überraschende Spuren auf …

Die Geschichte ist äußerst spannend erzählt. Sowohl hinsichtlich des Geschehens vor zehn Jahren als auch hinsichtlich der Person des Täters bleibt der Leser lange im Unklaren, übrigens genauso die Polizei. Es kommen nach und nach furchtbare Wahrheiten ans Licht, die Ähnlichkeiten mit realen Fällen haben, die in jüngster Vergangenheit durch die Medien gingen.

 

Für Krimifans sehr zu empfehlen.

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(11)

27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

sehnsucht, freundschaft, amerika, jugend, usa

Der Andere

David Guterson , Georg Deggerich
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 19.02.2013
ISBN 9783455403787
Genre: Romane

Rezension:

Bei einem 800-Meter-Lauf treffen sich die Jugendlichen John William Barry und Neil Countryman zum ersten Mal. So unterschiedlich ihre Herkunft auch ist – der eine stammt aus einer angesehenen, reichen Familie, der andere aus einer Handwerkerfamilie – sie werden zu Freunden. Ihre Naturliebe und tagelange Wanderungen durch die Wildnis verbinden sie. Das bleibt auch so, als John William dem bürgerlichen Leben den Rücken kehrt und als Eremit in eine Steinhöhle im Wald zieht, während Neil Lehrer für Englisch wird und eine Familie gründet, immer davon träumend, ein Buch zu schreiben. In treuer Abhängigkeit bringt er seinem Freund fortan Lebensmittel und Medikamente, bis … ja, bis er nach einigen Jahren vor dem Dilemma steht, seinen vor sich hin vegetierenden Freund zu verraten, um ihn zu retten oder weiterhin treu zu ihm zu halten …

 

Der Roman lässt sich nicht einfach lesen, wofür es mehrere Gründe gibt. Zum einen erschweren Zeitsprünge die zeitliche Orientierung – befinden wir uns in der Zeit, als die beiden Freunde junge Erwachsene sind oder im Alter von 28, als Neil vor eine schwere Entscheidung gestellt wird oder weitere zwei Jahrzehnte später, als Neil die Vergangenheit einholt? Zum anderen werden den meisten deutschen Lesern die vielen Örtlichkeiten in der nordwestamerikanischen Wildnis nicht viel sagen. Genauso wird es ihnen ergehen mit den zahlreichen Bezugnahmen englischer Lyrik oder alter philosophischer Lehren. Mehr als einmal war ich versucht, die Lektüre aufzugeben. An der Stange geblieben bin ich letztlich um zu erfahren, warum Neil in mittleren Jahren Berühmtheit erlangt. Andeutungen ziehen sich insoweit durch die ganze Geschichte, halten also zumindest die Spannung aufrecht.

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132 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

new york, familie, geschwister, usa, erbschaft

Das Nest

Cynthia D'Aprix Sweeney , Nicolai Schweder-Schreiner
Fester Einband: 410 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 25.11.2016
ISBN 9783608980004
Genre: Romane

Rezension:

Vier New Yorker Geschwister in ihren Vierzigern hält nichts zusammen außer die Aussicht, am 40. Geburtstag der Jüngsten eine beträchtliche Geldsumme ausgezahlt zu bekommen, die ihr verstorbener Vater ihnen hinterlassen hat. Alle haben schon den erwarteten Geldsegen verplant - eine will die Kreditraten fürs Haus und die Collegegebühren der Kinder bezahlen, die andere ihr Apartment renovieren, einer das wegen Geschäftsschulden verpfändete Sommerhaus auslösen. Allerdings macht ihnen ihre exzentrische Mutter kurz vor Zahltag einen Strich durch die Rechnung, indem sie das Geld ihrem Ältesten gibt, der sich damit von Scheidungsforderungen und Schadensersatzleistungen aus einem folgenschweren Verkehrsunfall freikauft. Werden seine Geschwister ihre finanziellen Probleme in den Griff kriegen und ihr Leben entsprechend einrichten?

Mit diesem Buch hat die Autorin einen angenehm zu lesenden und gut unterhaltenden ersten Roman abgeliefert. Das farbenfrohe Cover mit den vier Piepmätzen passt gut zum Inhalt, steht jeder von ihnen doch wohl stellvertretend für einen Geschwisterteil. Ebenso hat der Buchtitel Bezug zur Geschichte (was ja längst nicht bei jedem Buch der Fall ist), nennen die Geschwister doch die erwartete Erbschaft „das Nest“. Sehr schön wird die Bredouille dargestellt, in der sich jeder von ihnen vor Antritt der erwarteten Erbschaft befindet und auch danach, als klar ist, dass sie um „ihr“ Geld gebracht wurden. Das lässt sich für den Leser alles gut nachvollziehen, könnte er doch durchaus in ähnlicher Lage sein. Interessant ist,wie auf aktuelle Themen eingegangen wird, z.B. die amerikanische Finanzkrise oder Nine Eleven. Die Auflösung der ganzen Misere erfolgt dann völlig anders als erwartet. Der größere Teil der Geschwister zieht seine Lehren aus dem Ganzen, und anschließend gibt es zwischen ihnen sogar nie dagewesene familiäre Bindungen.
Zu einer kleinen Abwertung komme ich deshalb, weil mir die Schilderung der beruflichen Situation des ältesten Bruders zu lang ausfällt und mir nicht einmal so recht klar ist, was genau er beruflich macht.

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(82)

155 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 73 Rezensionen

liebe, coffeeshop, hamburg, liebesroman, zimt

Liebe, Zimt und Zucker

Julia Hanel
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.09.2016
ISBN 9783548287881
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die 28jährige studierte Literaturwissenschaftlerin Marit  aus Hamburg stellt ihre beruflichen Ambitionen zurück und folgt ihrer großen Liebe in die Kleinstadt. Obwohl sie Knall auf Fall in verletzender Weise sitzengelassen wird, verharrt sie in dem Ort und nimmt einen Job in einem Coffeeshop an. Dort trifft sie auf den ihr mit Ablehnung begegnenden Kollegen Moritz und nimmt über einen gefundenen USB-Stick E-Mail-Kontakte zu dem charmanten und humorvollen Julian auf. Ob einer der beiden der neue Mann in ihrem Leben wird?

Worauf schon das in Rosatönen gehaltene Cover hindeutet, haben wir es mit einem Liebesroman zu tun. Er ist in leichtem Erzählton gehalten und lässt sich recht flott lesen. Eine schöne Abwechslung beim Lesen sind die zwischen Marit und Julian zahlreich gewechselten E-Mails, in denen beide recht keck miteinander plaudern. Hier wird auf ein Muster zurückgegriffen, das auch gerne von anderen Autoren in Brief- bzw. E-Mail-Romanen benutzt wird. Vielleicht wird manch eine Leserin aufstöhnen und sagen, schon wieder ein Roman mit einer Protagonistin um die 30 ohne Geld und berufliche Sicherheit, dafür mit jeder Menge Liebeskummer. Dem sei aber entgegengehalten, dass diese Thematik in völlig eigenständiger Weise mit guten Ideen verarbeitet wird. Und die Protagonistin macht es sich bei weitem nicht einfach mit ihrer Entscheidung für oder gegen einen neuen Mann. Etwas gestoßen habe ich mich lediglich daran, dass sie etwas sehr früh mit einem im Bett landet. Am Ende nimmt die Geschichte sogar noch eine völlig unerwartete Wendung.

 

Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt.

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61 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 40 Rezensionen

sekte, thriller, horror, deutschland, krimi

Muttertag

André Mumot
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783847906100
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Klassifizierung des Buchs in das von mir bevorzugte Genre „Literatur“ hat mich zu ihm greifen lassen. Leider war dies eine Irreleitung, denn richtigerweise handelt es sich um eine Mischung aus Thriller und Horrorgeschichte, zu deren Leserkreis ich eher nicht zähle. Das alleine hat mich aber nicht enttäuscht zurückgelassen. Vielmehr lag mir die schwerfällige Erzählweise nicht, die lange Zeit verhindert hat, dass ich in die Geschichte hineinfinden konnte. Eine Reihe von Bruchstücken mit jeweils eigener Thematik wird abwechselnd fokussiert. Da geht es um ein gedächtnisloses Mädchen, eine vermeintlich zerstörte und dann wieder aufgetauchte Sekte, die Menschen ohne deren Einverständnis mit Krankheiten infiziert und einem Menschenopferkult frönt, Ermittlungen durch den Verfassungsschutz. Für mich sind das alles sehr schreckliche Themen. Zum Glück werden sie durch eine Art Rahmen zusammengeführt, nämlich die angenehmer zu lesende Geschichte rund um den Jugendlichen Philipp, der bei seinem vermeintlich harmlosen Onkel lebt und mit diesem nach einem Überfall flüchten muss. Vollständiges Licht wird am Ende nicht in die Geschichte gebracht, bleibt doch etwa offen, was mit dem Mädchen passiert ist.

Das Buch bleibt hinter meinen Erwartungen zurück.

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(49)

108 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

magie, schweden, zauberer, lars vasa johansson, waldfee

Anton hat kein Glück

Lars Vasa Johansson , Ursel Allenstein , Antje Rieck-Blankenburg
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 21.10.2016
ISBN 9783805203876
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte rund um den egoistischen, nörgelnden, neidischen, unsympathischen, erfolglosen Berufszauberer Anton vermischt gut gelungen realistische und märchenhafte bzw. fantastische Elemente. In sich abwechselnden Abschnitten wird der Lebenslauf des Protagonisten ab Beginn mit der berufsmäßigen Zauberei gemeinsam mit seinem einst besten Freund einerseits und sein unfallbedingt erzwungener Aufenthalt im Wald, während dem er von einer Waldfee verflucht wird, andererseits geschildert. Antons Werdegang zu kennen ist notwendig, um verstehen zu können, warum er zu dem Antihelden geworden ist, als der er sich immer mehr herauskristallisiert. Die Passagen, die im Wald spielen, lesen sich wie ein modernes Märchen. Mystische Geschichten bzw. Fantasy sollte man also schon ein wenig mögen. Nur dann werden einem die verschiedenen Waldwesen mit z.T. phantasievoll belegten Namen wie Waldfee, Tränentriefer, Wiedergänger, Garnspuler, altes Miststück gefallen. Obwohl Antons Erleben im Wald völlig skurril und irreal ist, kommt einem das Ganze überhaupt nicht wirklichkeitsfern vor. Sehr schön ist es, die langsame Entwicklung des Protagonisten zum Positiven zu verfolgen.


Einem Vergleich mit Fredrik Backmans Büchern („Ein Mann namens Ove“), der auf dem Buchrückentext gezogen wird, hält das Buch aus Schweden nicht ganz stand, hat mir aber auch gut gefallen.

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63 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

tagebuch, humor, alter, hendrik groen, seni

Eierlikörtage

Hendrik Groen , Wibke Kuhn
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2016
ISBN 9783492058087
Genre: Romane

Rezension:

Ob es ihn wirklich gibt, den netten dreiundachtzigeinvierteljährigen Senior Hendrik Groen, der vom 1. Januar bis 31. Dezember 2013 fast täglich Tagebuchaufzeichnungen über sein Leben in einem Amsterdamer Seniorenheim verfasst hat, die nun als Sammlung in Buchform vorliegen, oder wer sonst hinter dem Verfasser steht, lässt sich dem Buch nicht entnehmen. Auf jeden Fall klingt alles sehr authentisch und ist der Tagebuchschreiber ein wohl untypischer Seniorenheimbewohner. Er ist das ständige Gejammer seiner betagten Mitbewohner über alles und jeden überdrüssig und will sich an seinen letzten Lebenstagen – denn die Kürze der ihm verbleibenden Zeit ist ihm durchaus allgegenwärtig – noch einmal richtig erfreuen. Das gelingt ihm mit dem aus gleichgesinnten Freunden bestehenden Club Alt-aber-nicht-tot (kurz: Alanito), täglichen Ausfahrten mit seinem Elektromobil, dem Kümmern um seine gesundheitlich noch angeschlageneren Freunde und der Herausforderung des Schreibens eines Tagebuchs recht gut. Letzteres enthält Anekdötchen aus dem Heimleben, von Hendrik kommentierte Fakten der niederländischen Seniorenpolitik, seine Gedanken zur Rolle alter Leute in der Gesellschaft und eigene Ansichten zum Leben im Altersheim mit gebrechlichen, abgeschobenen, dem Tode nahen Bewohnern. Obwohl Krankheit und Tod immer wieder thematisiert werden, denn das Schicksal verschont auch Hendrik und seine Freunde nicht, liest sich alles locker und angenehm. Das ist vor allem dem wunderbaren Schreibstil Hendriks geschuldet, der an trockenem Humor und Ironie nicht spart. Am Ende wird Hendrik zu einem tollen Vorbild  und es lässt sich das persönliche Fazit ziehen, dass ein Lebensabend im Altersheim nicht unbedingt das A und O ist, dort aber durchaus noch Lebensfreude zu finden ist.

 

Ein von mir uneingeschränkt empfohlener Roman für Leser aller Altersgruppen.

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 29 Rezensionen

österreich, historischer roman, donaumonarchie, kaiser, erster weltkrieg

Der Sturz des Doppeladlers

Birgit Mosser
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Amalthea Signum, 05.09.2016
ISBN 9783990500521
Genre: Historische Romane

Rezension:

Schon der Buchtitel deutet es an, dass uns das Buch in das österreichische Kaiserreich entführen wird, war doch der Doppeladler in der ehemaligen Habsburgermonarchie das Symbol für das Kaisertum der Habsburger. Wir nehmen während der Jahre 1916 bis 1921 teil am Schicksal von vier Familien aus Österreich, unter denen es Berührungspunkte geben wird: Bertas Verlobter fällt im Krieg, so dass sie sich und ihr gemeinsames Kind als ledige Mutter durch den Krieg bringen muss, wobei sie auf den Kärntener Lois trifft; Julius Holzer aus Südtirol kämpft als Kaiserjäger und muss nach schlimmsten kriegerischen Auseinandersetzungen erleben, wie seine Heimat Italien zugeschlagen wird; der patriarchalische Architekt Behlolavek gerät in russische Kriegsgefangenschaft, während zu Hause in Wien seine Frau das uneheliche Enkelkind vor ihm zu verheimlichen sucht; als hoher Beamter im Wiener Außenministerium ist Ferdinand von Webern an den demütigenden Friedensverhandlungen zwischen Österreich und den Siegern beteiligt.

Wer Familiengeschichten mag und geschichtliches Interesse vorrangig am Ersten Weltkrieg in Österreich hat, wird diesen Roman sicherlich mögen. Die Schicksale der verschiedenen Familien vor dem Hintergrund des furchtbaren Ersten Weltkrieges mit seinen vielen Toten und Verletzten, mit Hungersnöten und Warenknappheit berühren sehr. Umso glücklicher kann sich schätzen, wer 100 Jahre später leben darf. Viele Details sind über die politischen Besonderheiten Österreichs zu erfahren. Der deutsche Leser wird nicht alles auf Anhieb verstehen. Vor allem die sich inhaltlich um hohe Politik drehenden Dialoge von Weberns sind schwierig zu lesen. Aber die Geschichte regt vielleicht dazu an, sich näher mit dem Habsburger Reich und seinen Gebietsansprüchen  in Tschechien, Tirol, Kärnten und dem Burgenland zu befassen.

Die Geschichte ist gut recherchiert. Der Schreibstil ist informativ und dank im Dialekt gehaltener Dialoge lebendig und authentisch.

Dieses Buch kann ich gerne weiterempfehlen.

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(191)

323 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 137 Rezensionen

new york, ally taylor, liebe, liebesroman, freundschaft

New York Diaries – Claire

Ally Taylor
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.10.2016
ISBN 9783426519394
Genre: Liebesromane

Rezension:

Dieser Roman ist der erste von vieren aus der Reihe „New York Diaries“, die die deutsche Autorin Anny Freytag unter dem Pseudonym Ally Taylor im Wechsel mit ihrer Freundin und Autorenkollegin Carrie Price bzw. Adriana Popescu schreibt. Ganz am Ende ist eine Leseprobe aus deren „New York Diaries - Sarah“ abgedruckt, das am 10.01.2017 erscheinen soll. Nach Lektüre des vorliegenden ersten Buches werde ich wohl aber kein weiteres Buch aus der Reihe lesen. Es ist einer der eher seltenen Fälle, in denen ich noch von der Leseprobe angetan war und dann von der gesamten Geschichte umso enttäuschter.

Protagonistin ist, wie es meistens in den vergleichbaren sog. chick-lit-Romanen deutscher Autorinnen vorkommt, eine 32jährige Frau (Claire), die gerade wieder einmal eine gescheiterte Liebesbeziehung hinter sich hat, deshalb in totalem Selbstmitleid zerfließt, beruflich ohne Perspektive und ohne Geld ist, dafür aber eine beste Freundin (June) hat, die hemmungslosen Sex mit wechselnden Männern hat. Jedenfalls zieht Claire in den begehbaren Kleiderschrank in der Wohnung von June, die in einer WG mit Claires (nur!) bestem Freund aus Kindertagen wohnt und Nachbarin von Claires verflossener Highschool-Liebe ist. Man kann schon ahnen, worauf es hinausläuft – werden Claire und ihr Freund als Liebespaar zueinanderfinden?

Woran ich mich am meisten stoße, ist, dass sich Claires gesamtes Denken um Sex und Beziehungen zu Männern dreht. Dass sie nach gerade beendeter Beziehung gleich einen One-night-stand hat, will ich nicht lesen. Unklar bleibt, warum die Geschichte gerade in New York angesiedelt ist. Gelegentliche Tagebucheinträge von Claire, die dem Buch wohl seinen Titel geben, sind wegen ihres kleinen Schriftbildes mühevoll zu lesen, ebenso ein Brief an Claire.

 

Ein durchschnittliches Buch, das keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

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(108)

228 Bibliotheken, 16 Leser, 1 Gruppe, 75 Rezensionen

neapel, freundschaft, italien, armut, bildung

Meine geniale Freundin

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 422 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 29.08.2016
ISBN 9783518425534
Genre: Romane

Rezension:

Nachdem die Werbetrommel für diesen Roman – erster Band einer Saga, deren übrige drei Bände schon bald veröffentlicht werden sollen –  so kräftig gedreht wurde, war ich sehr neugierig auf das Buch. So viel, wie es vorab zu versprechen schien, bot es dann jedoch nicht. Es ist eine eher durchschnittliche Familiensaga. Nur mit einiger Mühe habe ich mich in die Geschichte hineinfinden können, weil die mitwirkenden Personen so  zahlreich sind. Ihrer sind eine ganze Reihe neapolitanischer Handwerker und Händler nebst Kindern, deren italienische Vor- und Nachnamen sich nicht leicht merken lassen. Oft musste ich zur Orientierung nach vorne auf das dort abgedruckte Personenregister zurückgreifen. Die beiden wichtigsten Personen sind die Ich-Erzählerin Elena Greco, genannt Lenù, und Raffaella Cerullo, von Elena nur Lila genannt. Um ihr Heranwachsen im Neapel der 40er/50er Jahre bis hin zu ihrem 16. Lebensjahr geht es in der Geschichte. Beide sind hochintelligent und lernbegierig; der Buchtitel bezieht sich komischerweise auf Elena, obwohl Lila nicht minder genial ist. Leider ist es nur Lenù aufgrund der Förderung durch ihre Lehrerin möglich, aufs Gymnasium zu gehen, während sich Lila der typischen italienischen Dominanz von Vater und Bruder fügen muss. Der Ausblick auf die neapolitanischen Verhältnisse mit derber Sprache, Gewalt im Viertel und Einfluss der Camorra ist sehr interessant zu lesen, wenngleich Vieles nur erahnt werden kann. Viel Handlung gibt es nicht. Im Wesentlichen werden Episoden aus dem Alltagsleben der Viertelbewohner aneinandergereiht. Dabei dominieren Schilderungen mit Schulbezug von Lenù. Ob es wirklich Freundschaft ist, was die beiden Mädchen verbindet, halte ich manchmal für fraglich. Konkurrenzdenken und Verachtung spielen zwischen ihnen nämlich durchaus eine Rolle. Offensichtlich hält ihre Verbindung aber über 60 Jahre. Der letzte Abschnitt, davon insbesondere der letzte Satz, ist ein wahrer Cliffhanger und weckt meine Neugier auf die Fortsetzung.

 

Empfohlen für LeserInnen von Familiensagen.

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(30)

48 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

rache, mord, liebe, verzweiflung, krimi

Der Rache süßer Atem

Christine Eichel
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352006678
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kurz vor ihrem 40. Geburtstag steht die über Eichendorff promovierte Maria vor den Trümmern ihres Liebeslebens. Wie sehr sehnt sie sich nach dem Mann fürs Leben und einem Kind. Stattdessen wurde sie in den vergangenen zehn Jahren von sieben Männern gedemütigt, betrogen und belogen. Unter Zuhilfenahme eines ererbten illegalen Waffenarsenals will sie in einem Rachefeldzug alle früheren Lover erschießen. Schon bald gerät sie ins Visier des ermittelnden mysteriösen Kommissars Tesoro …

 

Mit einem Mörder zu sympathisieren, ist eigentlich überhaupt keine Option. Hier aber ist die Figur der Protagonistin Maria so geschickt beschaffen, dass es schwer fällt , in ihr allein die böse Verbrecherin zu sehen. Und gerade dieser Widerspruch macht den Reiz des Buches aus. Nach und nach ist zu erfahren, was die Motive und Hintergründe für Marias Taten sind. Da geht es um eine verkorkste Mutter-Tochter-Beziehung und vor allem um ganz furchtbare Demütigungen durch die Männer. Dass für Maria dann einfach das Maß voll ist, ist irgendwo verständlich, wenngleich sich natürlich die Frage stellt, warum sie immer wieder auf die Maschen der Männer anspricht. Ihre Mordtaten sind blutig beschrieben, aber nicht so, dass man von ihnen vor lauter Grausamkeit besser nicht lesen will. Nebenbei erhält man viel Nachhilfe in Waffenkunde und erfährt, zu welchem Zweck welche Waffe geeignet ist. Die Autorin hat hier gute Recherchearbeit geleistet. Zum Ende hin überstürzen sich die Ereignisse und ein Teil der verbleibenden Taten wird recht hastig erzählt. Das steht aber in Einklang mit den erfolgreichen Ermittlungen der Polizei, die ihr Netz immer enger um Maria auslegt. Auf Seiten der Polizei wird übrigens noch eine Überraschung parat gehalten. Der Schluss ist zwar offen, kann aber eigentlich nur in einer Weise zu Ende gedacht werden. Der Erzählstil ist sehr flüssig; daran ändern auch nicht die zahlreich eingewobenen Fremdwörter, deren Bedeutung nicht unbedingt geläufig ist.

 

Ein spannender Roman, den ich für absolut lesenswert halte.

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(112)

230 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 80 Rezensionen

liebe, tod, roman, sinn des lebens, charlotte lucas

Dein perfektes Jahr

Charlotte Lucas
Fester Einband: 575 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 09.09.2016
ISBN 9783431039610
Genre: Liebesromane

Rezension:

Unter den Pseudonymen Wiebke Lorenz und Anne Hertz ist die Autorin sicherlich schon vielen Leserinnen bekannt. Jetzt liefert sie als Charlotte  Lucas einen einmal mehr unterhaltsamen Roman ab. Er ist durchmischt mit lustigen, aber auch traurigen Elementen. Letztere sind vielleicht beeinflusst durch den noch frischen Tod der Mutter der Autorin, der sie dieses Buch passenderweise auch widmet. Ohne viel vorwegnehmen zu wollen, geht es kurz um Folgendes:

An einem Neujahrsmorgen findet der Verlagserbe Jonathan – Stinkstiefel und Erbsenzähler – ein Notizbuch mit Einträgen für jeden Tag. Ein Vierteljahr zuvor macht sich die stets optimistische Hannah mit einer Kita selbständig, sehnsüchtig auf den Heiratsantrag ihres passiven Freundes wartend, der leider schwer erkrankt. Bindeglied zwischen allen ist eben jener Kalender – von einem der drei abgefasst, von einem abgelehnt, von einem befolgt, für alle drei komplett lebensverändernd.

Schreibtechnisch werden zwei zu verschiedenen Zeiten angesiedelte und aus den jeweiligen Perspektiven der beiden Protagonisten Jonathan und Hannah erzählte Handlungsstränge ganz allmählich miteinander verbunden und zu einem schlüssigen und befriedigenden Ende geführt. Das geschieht, ohne dass schon allzu viel zu frühzeitig vorhersehbar ist, so dass man das Buch nur ungern wieder aus der Hand legt, um den Fortgang zu erfahren. Die Geschichte weckt viele Emotionen, vor allem weil sich glückliche und traurige Momente abwechseln. Humorvolle Passagen fehlen nicht. Philosophische Botschaften regen zum Nachdenken an. Der Liebesgeschichtenanteil wirkt überhaupt nicht kitschig. Gefallen hat mir, dass die Geschichte in Hamburg spielt und man manche erwähnte Örtlichkeit erkennt.

 

Ein unterhaltsamer Roman.

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153 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 82 Rezensionen

wiedergeburt, reinkarnation, sharon guskin, familie, noah

Noah will nach Hause

Sharon Guskin , Carina Tessari
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Allegria, 22.09.2016
ISBN 9783793423065
Genre: Romane

Rezension:

Die allein erziehende Janie will sich mit der Diagnose Schizophrenie bzgl. ihres vierjährigen Sohnes Noah nicht abfinden. Doch was verbirgt sich hinter seinen Verhaltensauffälligkeiten? Immerhin hat er eine Wasserphobie und Wissen, das er weder von Janie noch von anderen bekommen haben kann (über Reptilien, Waffen, Harry Potter). In Alpträumen jammert er immer wieder, dass er zu seiner Mama nach Hause will. Im Internet stößt Janie auf den Psychiatrieprofessor Dr. Anderson. Seit Jahrzehnten forscht dieser an Fällen von Kindern, die glauben, vor ihrem gegenwärtigen Leben schon einmal ein anderes Leben geführt zu haben. Selbst unter einer seltenen Form der Aphasie leidend, will Dr. Anderson sein Lebenswerk mit einem Buch über das Phänomen Reinkarnation/Wiedergeburt beenden, um die ihm nie zuteil gewordene Anerkennung zu erhalten. Noahs Fall soll der noch fehlende starke Fall aus Amerika sein. Aber ist Noah tatsächlich die Reinkarnation eines einige Jahre zuvor verschwundenen Jungen, wie es Dr. Anderson annimmt?

 

Egal, wie man persönlich zum Thema Reinkarnation steht und welcher Glaubensrichtung man sich zuzählt, dieses Buch zieht jeden in seinen Bann. Als fiktive Geschichte aufbereitet, erhält sie einen plausiblen, quasi wissenschaftlichen Touch durch zahlreiche Einschübe, die die Autorin dem Sachbuch „Life Before Life: Children’s Memories of Previous Lives“ von Dr. Jim B. Tucker entnommen hat und in denen logisch nicht erklärbare Fälle reinkarnierter Kinder vorwiegend im asiatischen Raum geschildert werden. Diese sind es denn auch, die einen am Wahrheitsgehalt von Noahs verblüffender Lebensgeschichte nicht zweifeln lassen. Neben dem beherrschenden Thema der Reinkarnation wartet das Buch auch mit einem spannenden Kriminalfall auf und thematisiert sehr berührend die engen Bindungen zwischen Mutter und Kind, Trauer und Krankheit.

 

Ein wirklich lesenswerter Debütroman.

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59 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

japan, tod, trauer, geister, nahtoderfahrung

Lebensgeister

Banana Yoshimoto , Thomas Eggenberg
Buch: 160 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.09.2016
ISBN 9783257300420
Genre: Romane

Rezension:

Wie für Bücher aus dem Diogenes-Verlag typisch, befindet sich auch auf dem Cover des vorliegenden die Illustration eines bekannten Künstlers - hier des Japaners Mizutani, passend also zur Herkunft der Autorin und zur grünen Tempelstadt Kyoto, in der ein wichtiger Teil der Geschichte angesiedelt ist. Die Geschichte selbst ist sehr gefühlvoll und handelt im Wesentlichen von der tiefen Trauer der Protagonistin und deren Verarbeitung nach dem Unfalltod ihres geliebten Freundes, bei dem sie selbst schwer verletzt wurde und eine Wesensveränderung erfahren hat. Ich persönlich habe es als etwas befremdlich empfunden, dass die Protagonistin plötzlich Geister von Verstorbenen sehen kann (ihres verstorbenen Großvaters, ihres toten Hundes, einer fremden Frau). Diese Übersinnlichkeit liegt mir nicht. Der Schreibstil stimmt ein wenig melancholisch. Wunderschön fand ich hingegen die Eindrücke, die von der Stadt Kyoto vermittelt werden.

Liebhaber japanischer bzw. asiatischer Literatur werden dieses Buch wohl eher mögen.

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

alter, humor, single, ratgeber, bunt

Shades of Fifty

Sandra Schönthal
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Orac, 22.08.2016
ISBN 9783701505906
Genre: Romane

Rezension:

Nach Klappentext und wunderschönem Cover habe ich mir von dem Buch mehr versprochen und bin jetzt etwas enttäuscht. In neun einzelnen Abhandlungen sinniert die namenlos bleibende Protagonistin über die an ihr sichtbar werdenden Folgen des Alters und die Möglichkeiten, dem Verfall Einhalt zu gebieten. Verjüngende Gesichtsmasken, Oberlippenwaxing, High heels und sexy Outfits - auf dem freien Markt lässt sich gut am Schönheits- und Jugendwahn verdienen, ohne dass die Mittel einen wirklichen Erfolg haben. Das muss auch die Protagonistin erkennen und so wundert es nicht, dass sie eher pessimistisch sinniert und diese negative Stimmung auch die Leselust beeinträchtigt. Lobenswert sind kurze Sprüche/Zitate über das Alter zu Beginn eines jeden Kapitels.

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62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

spannung, thriller, michel bussi, spannend, frankreich

Das verlorene Kind

Michel Bussi , Barbara Reitz , Eliane Hagedorn
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 15.08.2016
ISBN 9783352008863
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Thriller mit Kindern als Protagonisten kommen wohl gerne aus der Feder des Autors. Bekannt sind mir insoweit schon „Beim Leben meiner Tochter“ und „Das Mädchen mit den blauen Augen“. Der vorliegende Roman ist ein weiteres gelungenes Glied in dieser Kette mit der Hauptfigur des kleinen Jungen Malone, der vehement behauptet, seine Ziehmutter sei nicht seine leibliche Mutter, bis tatsächlich ein Schulpsychologe Nachforschungen zur Vergangenheit des Jungen aufnimmt. Diese führen ihn zu der Kommissarin Marianne, die ihrerseits mit Ermittlungen in einem Raubüberfall befasst ist. Der Leser ahnt recht bald, dass beide Fälle irgendwie zusammenhängen müssen. Doch wie die Verknüpfung tatsächlich ist, wird erst ziemlich zu Ende aufgelöst. Bis dahin wird der gesamte Plot zusehends verworrener und er nimmt so manche überraschende Wendung. Die polizeilichen Ermittler nehmen einmal nicht die Rolle der überlegenen Fallaufklärer ein, sondern sitzen so manchem Irrtum auf, kommen oftmals zu spät, werden sogar manipuliert. Wer als Drahtzieher dahinter steckt, beruht auf einer fulminanten Idee. Als der Fall dann gelöst ist, wird noch eins obendrauf gesetzt, was die Kommissarin in einem besonderen, vielleicht nicht so recht glaubwürdigem Licht erschienen lässt. Eine sehr schöne Idee ist es, ganze Märchen über Menschenfresser, Wälder, Piraten, Schlösser in den Text einzufügen, die für Malone und natürlich für die Gesamtauflösung eine besondere Bedeutung haben. Auch die Ausführungen zur Funktionsweise des kindlichen Gedächtnisses sind interessant. Eine gewisse Atmosphäre bekommt die Geschichte, indem sie in der Normandie rund um Le Havre angesiedelt ist, wovon der Leser schöne Eindrücke bekommt.

Ich empfand das Buch als sehr fesselnd und lesenswert.

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177 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 53 Rezensionen

südkorea, vegetarismus, korea, pflanzen, familie

Die Vegetarierin

Han Kang , Ki-Hyang Lee
Fester Einband: 190 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 15.08.2016
ISBN 9783351036539
Genre: Romane

Rezension:

Selten passt ein Cover so gut zu einem Roman wie das hier gewählte: rote/rosa Blumenblüten mit einem dazwischen angeordneten Stück rohen Fleisch, Fingern und einer Zunge. So müssen die Blumen aussehen, mit denen der Schwager Chong der Protagonistin Yong-Hye deren nackten Körper in Realisierung eines Kunstprojekts bemalt. Doch davon handelt erst der zweite Teil des insgesamt dreigeteilten Romans, der für mich sehr abstrakt ist mit Chongs Ideen über die Verbindung von Pflanzlichem und Menschlichem und der mir deshalb im Gegensatz zum Rest nicht so gut gefallen hat. Im ersten Teil schildert Yong-Hyes Ehemann in der Ich-Perspektive, wie sie plötzlich zur Vegetarierin (richtigerweise: Veganerin) wird. Im letzten Teil beschreibt Yong-Hyes Schwester deren Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt. Jeder Teil ist geprägt von einem eigenen Sprachstil - mal nüchtern, mal sinnlich. Inhaltlich geht es in dem kurzen Text um Verwandlung, Zerfall und Rebellion. Yong-Hyes plötzlicher Vegetarismus lässt ihre gesamte Familie auseinanderfallen. Die Protagonistin selbst verkümmert zusehends. Sie sehnt sich danach, zu einem mit der Erde verschmolzenen Baum zu werden. Über das dahinterstehende Motiv lässt sich nur spekulieren, zumal kein Teil aus Yong-Hyes eigenem Blickwinkel erzählt wird. Ihre Entscheidung begründet sie ihrem Mann gegenüber damit, „einen Traum“ gehabt zu haben. Vieles erscheint absurd und grotesk. Zu Recht wird das Buch im Klappentext als kafkaeske Geschichte bezeichnet. Gerade das macht das Besondere des Romans aus, so dass er in diesem Jahr verdient mit dem internationalen Man Booker-Literaturpreis, einer wichtigen Literaturauszeichnung Großbritanniens, ausgezeichnet wurde.

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90 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

leipzig, hotel, schatten, münchen, familiengeschichte

Die unsterbliche Familie Salz

Christopher Kloeble
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 26.08.2016
ISBN 9783423280921
Genre: Romane

Rezension:

Im Wesentlichen sind es die Jahre 1914 bis 2015, in denen wir Leben und Werdegang der Münchener Familie Salz verfolgen können. Aus wechselnden Perspektiven verschiedener Familienmitglieder und – man staune – des Schattens eines von ihnen wird geschildert, wie der Erwerb des prächtigen Hotels Fürstenhof in Leipzig zum Schicksal insbesondere für die Tochter des Hauses, Lola, wird, die als tragische Figur die Protagonistin ist. Dort leistet sie als Kind ihrer Mutter Sterbehilfe, woraufhin sie vom Vater verstoßen wird. Erst nach der Wiedervereinigung betritt sie das Hotel wieder. Der Zeitraum dazwischen, insbesondere die Zeit des Zweiten Weltkrieges, ist von grauenhaftem Erleben geprägt, das Lola nie wieder von sich abschütteln kann du das noch bei ihren Kindern und Kindeskindern psychische Spuren hinterlässt.

An deutscher Geschichte Interessierte werden bei der Lektüre auf ihre Kosten kommen. Vor allem die Schilderungen zum Zweiten Weltkrieg sind sehr informativ. Für Abwechslung beim Lesen sorgen verschiedene Erzählperspektiven. Die einzelnen Familienmitglieder sind recht eigenwillige Persönlichkeiten, die ihr Päckchen zu tragen  haben und nicht unbedingt Sympathieträger sind. Das am meisten verwendete Substantiv dieses Romans dürfte das Wort „Schatten“ sein. Dieses Thema zieht sich variantenreich durch die ganze Geschichte. So ist z.B. die Rede von Schatten als Beweis für die Existenzen, Wegnahme von Schatten, Schattenlosigkeit, Männern ohne Schatten.  Das lässt Raum für so manche Interpretation, vor allem stellt sich die Frage, welche Schatten eine Vorgängergeneration auf nachfolgende Generationen wirft. Dies führt dann auch dazu, dass das Buch recht anspruchsvoll ist. Es zu lesen lohnt sich auf jeden Fall.

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67 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

berlin, mord, thriller, trauma, entführung

Der Todesprophet

Chris Karlden
Flexibler Einband: 382 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 15.08.2016
ISBN 9783746632322
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidende Journalist Ben gerät in den Verdacht, zwei Frauen im erzwungenen Beisein ihrer Kinder getötet zu haben. Nicht nur steht er jetzt vor der Aufgabe, seine Unschuld beweisen zu wollen, sondern auch seine entführte Frau und Tochter in einem gnadenlosen Wettlauf um die Zeit zu retten. Dabei gerät er immer tiefer in einen Sumpf aus religiösem Fanatismus …

 

Ein fesselnder, temporeicher Thriller, der den Leser von Anbeginn zum Miträtseln auffordert, ohne dass es möglich ist, früh auf die schlussendliche Lösung zu kommen. Viele menschliche Abgründe werden geschildert und es gibt eine Reihe von Gräueltaten, die aber nicht so blutrünstig sind, als dass nicht auch zartbesaitete Leser sie verdauen könnten. Bis zum Ende gibt es eine Reihe unerwarteter Wendungen. Geschickt fließen gelegentlich Passagen aus der Sicht des Täters ein, die Hinweise auf seine kranke Psyche geben. Der überwiegende Teil der Geschichte wird allerdings aus der Perspektive des Protagonisten Ben geschildert. Gefallen hat mir die Ansiedlung der Geschichte in Berlin mit der Erwähnung so mancher bekannter Lokalität.

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101 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

italien, insel, sizilien, roman, familie

Die langen Tage von Castellamare

Catherine Banner , Marion Balkenhol
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 12.08.2016
ISBN 9783471351307
Genre: Romane

Rezension:

Auf der fiktiven winzigen Insel Castellamare vor der Küste Siziliens ist das „Haus am Rande der Nacht“ ein beliebter Treffpunkt der Insulaner. Dort spielen die alten Männer Karten, tratschen die Frauen, trinken die Gäste Limoncello und verehren alle ihre heilige Sant’Agata. Ihr Vertrauen in sie und ihre Segnungen vereint die Bewohner. Aberglaube und Tradition gehören zum Inselleben. Die Familien leben seit Generationen auf der Insel. Sie kennen die Geheimnisse ihrer Nachbarn noch vor dem Betroffenen selbst. 1914 lässt sich dort der 40jährige Amadeo Esposito, ursprünglich ein Findelkind aus Florenz, als Inselarzt nieder, auf der Suche nach einem Zuhause und dem Leben, nach dem er sich immer gesehnt hat. Beides findet er, als er die clevere Witwe des Schulmeisters, Pina, heiratet. Sie gründen eine Familie und betreiben im Haus am Rande der Nacht eine Bar. Amadeo und später auch seine Nachkommen verursachen Skandale, um sie ranken Gerüchte und Tratsch. Ihr Leben über vier Generationen steht im Mittelpunkt. Obwohl die Insel isoliert ist, ist das dortige Leben nicht immer idyllisch und geht das Weltgeschehen nicht an ihr vorbei. Die beiden Weltkriege, der Faschismus unter Mussolini, die Weltwirtschaftskrise, die Bankenkrise, der Massentourismus, das Internet führen auch auf ihr zu Veränderungen. Das Leben der Espositos und anderer Insulaner wird so plastisch dargestellt, dass der Leser eine gute Vorstellung von der jeweiligen Zeit und der kleinen Insel erhält. Die eingeschworene Gemeinschaft überwindet alle Schwierigkeiten. Die Leute halten zusammen, kümmern sich umeinander und geben so ein gutes Vorbild. Für einige wird die Insel zu klein und sie träumen davon, sie zu verlassen, für andere bleibt sie immer ihr Zuhause. Oft fühlte ich mich quasi hineingesetzt auf die Veranda des Hauses am Rande der Nacht. Die Geschichte ist einfach erzählt, ohne große Handlung, aber genauso ist sie perfekt.

Integriert in diese Familiensaga sind Volksmärchen und Erzählungen, die Amadeo in einer roten Kladde für seine Nachkommen aufgeschrieben hat – es sind Geschichten über Heilige und Wunder, über die Bewohner der Insel, erfunden und wahr. Darunter sind  schöne Auszüge der Italienischen Volksmärchen von Italo Calvino.

 

Eine wunderschöne Familiensaga, die der erste Roman für Erwachsene der Autorin ist.

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153 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

frankreich, fiktion, literatur, wahrheit, identität

Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 24.08.2016
ISBN 9783832198305
Genre: Romane

Rezension:

Wie kann ein Bestsellerautor nach einem solchen unerwarteten und überwältigenden Erfolg ein neues Buch schreiben? Vor dieser Frage steht die französische Autorin Delphine de Vigan, deren im Wesentlichen autobiografischer Roman „Das Lächeln meiner Mutter“ (über den Selbstmord ihrer Mutter und Familiengeheimnisse) 2011 ein großer Erfolg wurde. Viele Schriftsteller scheitern an dieser Herausforderung, nicht so de Vigan. In der ersten Person erzählt sie fragmentarisch und um Chronologie bemüht von den Monaten im Anschluss an das Erscheinen ihres letzten Buches, die für sie zu einem Albtraum werden und in eine totale Schreibblockade münden. Sie trifft die kluge und elegante - namenlos bleibende - L., die als Ghostwriter arbeitet. Diese schleicht sich in ihr Leben, wird zu einer Freundin, einer Vertrauten, ihr immer ähnlicher werdend. Von Beginn an warnt uns die Autorin, selbst auf das Risiko hin, uns die Spannung zu nehmen, dass diese Freundschaft einen gefährlichen Einfluss auf sie selbst haben werde. Diesbezüglich kann das Buch gut und gerne als Psychothriller durchgehen, und so liest es sich auch. Das wird auch äußerlich kenntlich gemacht, indem Stephen King jeweils eingangs der drei großen Buchabschnitte zitiert wird.  Eine Besonderheit wird besonders Literaturinteressierten gefallen: Während die Autorin uns ihre heftigen verbalen Diskussionen mit L. über Literatur und die Aufgabe eines Autors schildert, liefert sie uns interessante Aspekte über die Kunst des Romanschreibens. L. drängt sie, einen neuen Teil ihrer Autobiografie zu schreiben. Ihr zufolge müsse sich eine Autorin ihres Formats der Wahrheit verschreiben und nicht ihre Zeit mit erfundenen Geschichten verschwenden. Aber Delphine streubt sich dagegen. Überhaupt steht das Thema Wahrheit/Fiktion im Mittelpunkt. Sehr geschickt wirft de Vigan im Leser fortschreitend bis zum ganz fantastischen Schluss Zweifel auf: Beruht die Erzählung auf einer wahren Geschichte, erzählt die Autorin also ihre Geschichte? Darauf könnten der Buchtitel und die ersten Seiten hindeuten. Oder ist alles Fiktion, erzählt sie also nur eine Geschichte? Eine Antwort wird man nicht finden.

 

Ein unbedingt empfehlenswerter, anspruchsvoller Roman.

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