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15 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

homophobie, familie, intoleranz, angst, hass

Väterland

Christophe Léon , Rosemarie Griebel-Kruip
Buch: 116 Seiten
Erschienen bei mixtvision, 22.03.2017
ISBN 9783958540958
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Christophe Léons Roman ist eine Reise - einerseits eine, die uns in eine schreckliche und an die Vergangenheit erinnernde Zukunft führt, andererseits die zweier liebender Väter durch Paris, die ihrer Tochter ihre Liebe beweisen wollen. Schon andere zu Klassiker mutierende Jugendbücher haben uns klargemacht, das Strukturen, die vergleichbar mit jener zur Holocaust Zeit sind, immer wieder auftauchen können - gerade da, wo man sie am wenigsten erwartet. Denn auch wenn im Moment endlich erste Erfolge für die gleichgeschlechtliche Liebe gefeiert werden, nimmt anderswo der Antisemitismus wieder zu und die Unterdrückung von Menschen hat noch lange kein Ende gefunden. Um dem entgegen zu wirken, braucht man einige starke Worte und den Mut, diese auszusprechen oder aufzuschreiben, um gegen eine Wand von Mitläufer-Charaktern anzulaufen und Erfolge zu erzielen. Christophe Léon hat bewiesen, dass er das kann, und hat gleich noch einige einzigartige und mutige Charaktere erschaffen, die man in den wenigen Seiten zwar nicht bis ins Innerste kennenlernt, aber trotzdem geschwind in sein Herz schliesst. Mit dieser Technik schafft der Autor, trotz relativ neutralem Schreibstil, die Geschehnisse packend und mitnehmend darzustellen. Ausserdem schafft er verschiedenen Stimmen Platz, indem immer wieder seitenweise 'Zitate' von Menschen geschrieben stehen, die Homosexualität als Drohung wahrnehmen und den beiden reisenden Vätern auf der Strasse begegnen. So schafft er es ganz gelegentlich, dass man auch als lesende Person Angst hat, den nächsten Menschen zu begegnen, die eine andere Sexualität als die ihre beängstigend finden. 
Mit diesem Buch hat Christophe Léon etwas aussergewöhnliches erschaffen, eine zukünftige Schullektüre, die unter die Haut geht und den Zeitgeist genau trifft. Sexuelle, aber auch politische Aufklärung ist nämlich wichtiger denn je und wird hier auf spielerische, aber unglaublich raffinierte Art vermittelt - vielen Dank für diese wichtige Lektüre!
https://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/08/vaterland-von-christophe-leon_24.html

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

familie, contemporary, 2017, freundschaft, pubertä

Hier stirbt keiner

Lola Renn
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 22.06.2017
ISBN 9783733503253
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Gleich zu Beginn möchte ich anmerken, dass ich dieses Buch weder richtig empfehlen kann, noch kann ich es euch abschlagen. Es ist halt ein Kinderbuch. Es ist in einem leichten, flüssigen Schreibstil verfasst, der einem schnell packt und dadurch fällt es einem leicht das Buch schnell durchzulesen. Es ist auch nicht besonders dick, etwas mehr als 200 Seiten. Ich habe es nicht ungerne gelesen, es war immerhin so spannend, dass ich es nicht gleich weglegen konnte. Das Cover hat mich anfänglich etwas abgeschreckt, finde es ziemlich hässlich, doch hier auf den Bildern und mit dem Filter sieht das Grün nicht mehr so grell aus und gefällt mir eigentlich recht gut. Manchmal, oder eigentlich immer frage ich mich aber bei solchen Büchern, wieso die überhaupt geschrieben werden. Es gibt sie wie Sand am Meer, die Durchschnittsbücher, die Bücher ohne grossen Inhalt, aber einem Sog, diejenigen, die nicht richtig kritisiert, aber auch nicht gelobt werden können. Ein Buch sollte man meiner Meinung nach nur dann veröffentlichen, wenn es wirklich Lieblingsbuchpotenzial hat.
In diesem Buch geht es um Annika, in ihrem Leben geht gerade alles etwas drunter und drüber, ihre Eltern trennen sich, ihr Bruder, mit dem sie ein sehr enges Verhältnis hat, verschwindet auf Amerika und meldet sich kaum mehr bei ihr. Mit ihrer besten Freundin streitet sie recht oft und es scheint nicht mehr so wie früher. Das Einzige, was sie noch hält, ist Chris, der beste Freund ihres Bruders. Mit dem bahnt sich nämlich eine Liebesgeschichte an. Trotz ihrer wirklich schweren Situation, kommt sie irgendwie zum Schluss, dass hier trotzdem keiner stirbt und diese Moral hat mir irgendwie gefallen. Alles kann scheisse sein, das ganze Leben und alles läuft schief, aber wenigstens stirbt hier keiner. Und da gibt es ja doch noch den einzigen Lichtblick, Chris, ihre erste Liebe. Alles in allem ist das Buch ja wirklich sehr kurz und die Stimmung, die vermittelt wird, lässt sich auch relativ einfach und gut einfangen. Ich habe das Buch im Juli gelesen und das hat genau gepasst, es ist immer gut, wenn man ein Buch zur selben Jahreszeit liest, in der es geschrieben ist, so kommt man viel näher dran und das war hier auf jeden Fall so. Das Buch ist ideal um an einem freien Nachmittag einmal herunterzulesen, da es einem eben auch nicht auf dem Magen liegt. Eine richtige Meinung zum Buch habe ich nicht einmal wirklich, es spricht sehr für sich. Kein grosser Inhalt, aber eigentlich wird alles im Buch bereits gesagt, wenn es euch also interessiert, dann werdet ihr wohl nicht gross enttäuscht, aber zu viel erwarten kann man auch nicht. Trotzdem eine angenehme Sommerlektüre für Kinder und Jugendliche. 
Herzlichen Dank an den Fischer Verlag für die Zustellung dieses Rezensionsexemplars!
https://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/08/hier-stirbt-keiner-buchbesprechung.html

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

patchworkfamilie, familie, new york, amerika, urlaubslektüre

Alles bleibt in der Familie

Lynne Sharon Schwartz , Simone Jakob
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 22.02.2017
ISBN 9783036957562
Genre: Romane

Rezension:

Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut, und bin auch etwas traurig, dass ich es nun schon beendet habe. Vor ein Paar Monaten sind Mara und ich nämlich vom Kein und Aber Verlag ins Verlagshaus in Zürich eingeladen worden und da wurde mir dieses Buch ans Herz gelegt und ich durfte es netterweise gleich als Rezensionsexemplar mit nach Hause nehmen. Das Cover gefällt mir unglaublich gut, es ist so schlicht in weiss gehalten und die einzelnen Farbkleckse werten das Ganze dann gleich noch einmal auf. Ich hatte sehr viel Freude dieses Buch 'in Szene zu setzen' und zu fotografieren (die Fotos sind übrigens im wohl schönsten Guesthouse ever entstanden, es hiess La Course und ist in Bordeaux). Lynne Sharon Schwartz, die Autorin des Buches, ist New Yorkerin und im Jahre 1934 geboren, sie ist also schon älter. Auf Englisch ist 'Alles bleibt in der Familie' bereits 1999 erschienen und liegt  nun zum ersten Mal auf Deutsch vor. Am Anfang habe ich das gar nicht richtig bemerkt, dass das Buch schon etwas älter ist, aber als ich dies dann auf dem Klappentext gelesen habe, habe ich beim Lesen einige Unterschiede bemerkt. Banale Dinge wie zum Beispiel, dass die moderne Technik nie wirklich ein Thema ist, was sie aber durchaus hätte sein können in dieser Grossfamilie, aber ich habe es auch am Verhalten der verschiedenen Figuren bemerkt. Heute würde man teilweise einfach nicht mehr so handeln wie beschrieben. 
Ja - die verschiedenen Figuren, das war zu  Beginn eine richtige Challenge, all diese Charaktere auseinanderzuhalten und zu wissen, wer genau wie zu wem steht. Zum Glück gab es diesen Stammbaum auf den ersten Seiten, zu dem ich immer wieder zurückgreifen konnte, wenn ich mir nicht mehr sicher war, wer dann jetzt wer ist. Bei fast allen Personen habe ich das inzwischen herausgefunden, nur bei zweien bin ich mir etwas unsicher. Ich stelle euch nun diese Grossfamilie vor, so erhält ihr wohl einen guten Überblick und könnt euch etwas vorstellen, was in diesem Roman passiert. Das Setting ist die Upper West Side in New York, ein riesiges Haus, in dem die ganze Familie untergebracht ist. Anna ist die Hausherrin, die schon seit Ewigkeiten in diesem Gebäude untergebracht ist und zunehmend Gedächtnislücken aufweist, alles scheint auf Alzheimer herauszulaufen. Die alte Frau ist eine meiner Lieblingscharakteren, sie hat mich einige Male zum Schmunzeln gebracht mit ihrer unverschämten Direktheit. Anna liebt Oscar, den Hausportier, der allerdings seine Arbeit sehr ernst nimmt. Eine weitere sehr zentrale Figur der Geschichte ist Bea, sie ist die älteste Tochter von Anna und hat für jeden immer ein offenes Ohr.

Besonders und vor allem immer noch für ihren Exmann Roy, der Psychiater ist und immer wieder einen Rat von seiner ersten Ehefrau braucht. Bea hat nach Roy ebenfalls wieder eine Liebe gefunden, den Hausabwart Dmitri aus Russland. Die zweite Ehefrau von Roy heisst Serena. Sie ist die Exfrau eines Patienten von Roy. Beas Schwester May hat sich aber ebenfalls in Serena verliebt, die Künstlerin spannt Roy also die Frau aus und die beiden sind glücklich verliebt. Sie sind das einzige gleichgeschlechtliche Paar in der Familie. Nach Serena findet Roy allerdings erneut eine Frau, die Lehrerin seiner Tochter Sara. Sara nennt sich aber nicht mehr Sara sondern Shimmer, das hört sich cooler an. Saras Lehrerin Lisa heiratet also Roy und rutscht etwas ungewollt in den grossen Familienstammbaum. Sara hat ein leibliches Geschwister, einen Bruder, der Danny heisst und eine kleine Identitätskrise hat. Sara und Danny haben aber noch zwei Halbgeschwister, die Roy ebenfalls als Vater haben, die Mutter war eine Prostituierte aus Vietnam und ihre Kinder heissen Jane und Tony. Auch alle Kinder haben noch Freunde in die sie sich verlieben und wow, ja, das sind viele Leute. 

Die Idee des Buches finde ich genial. Seit ich ein kleines Mädchen bin habe ich beinahe eine Obsession für Vornamen entwickelt, ich habe alle möglichen schwangeren Frauen beraten und bereits mit neun Jahren zum Geburtstag einen Namensduden geschenkt bekommen. Wie eine Verrückte habe ich also damals Namenberatungen durchgeführt und ganze Ordnern mit fiktiven Schulklassen gefüllt.  Eigentlich hätte ich selber auf die Idee, dieses Buch zu schreiben, kommen sollen. Schade wars. Deshalb hat mich dieses Buch auch so angesprochen, ich finde das echt bewundernswert, was Lynne Sharon Schwartz hier geschaffen hat. Das Buch wäre auch eine grossartige Basis für eine Fernsehserie, eine bessere Version von Modern Family vielleicht. Es fiel mir erstaunlich leicht mich in alle Charaktere hineinzuversetzen und das Lesen hat Spass gemacht. Dennoch hat mir etwas Pfiff gefehlt, was ich allerdings darauf schiebe, dass das Buch auch schon fast zwanzig Jahre alt ist und sich die Menschen zu dieser Zeit einfach mit anderen Themen befasst haben und andere Dinge witzig waren, sie sind relativ zeitlos, aber meiner Meinung nach hätten auch noch einige aktuelle Themen eingebaut werden können und darüber Witze gerissen.

Vielen Herzlichen Dank an den Kein + Aber Verlag für dieses Rezensionsexemplar!
https://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/08/alles-bleibt-in-der-familie.html

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Kunstblut

Alexandra Kleeman , Guntrud Argo
Fester Einband
Erschienen bei Kein & Aber, 30.08.2017
ISBN 9783036957685
Genre: Romane

Rezension:


In meinem Neuzugänge Post habt ihr vielleicht gesehen, dass auch dieses spezielle Buch vom Kein und Aber Verlag den Weg zu mir gefunden hat. Von hübschen, jungen Autor_innen zu lesen, ist immer etwas aufregend, besonders wenn man es mit Alexandra Kleeman zu tun hat. Moderne Literatur im experimentellen Sinne? Es hat mich auf jeden Fall an moderne Kunst erinnert. Nur schon die Aufmachung hebt sich von herkömmlichen Büchern ab. Das Cover ist ein Hardcover, aber nicht so, wie wir es uns gewohnt sind, es besteht nämlich aus Karton. Ich besitze zwei weitere Bücher mit solchem Umschlag und alle beide sind sie etwas speziell. Auch das Bild auf dem Cover ist sehr ... anstössig und einzigartig. Die Farben passen gut zueinander, sind aber sehr grell und eine nicht ganz herkömmliche Mischung. Es ist allerdings sehr passend gewählt, es kommt dem Inhalt sehr nahe. 
Extravagant, skurril, fantasiereich, anders, unerwartet, reisserisch, provozierend, verwirrend, angsteinflössend, poetisch. 
Wir Menschen suchen grundsätzlich immer nach einem Sinn hinter alles und allem. Besonders in Büchern und im Theater. Wie ist das gemeint? Gibt es hier eine Parallele? Weshalb so und nicht anders? Bei Alexandra Kleeman frage ich mich, ob es den Sinn wirklich gibt, oder ob sie genau das mit ihrem Buch machen wollte, verwirren, den Leser erfolglos suchen lassen, weil es den Sinn nicht gibt, weil es pure Absicht war, chaotisch zu sein. Ein Experiment in Buchform. 

Dennoch schreibt Kleeman wunderschön. Ihre Wortwahl hat mir gefallen, der einfache Schreibstil war sehr beeindruckend. Doch der Inhalt und die ganze Aufmachung waren für mich etwas 'zu extra' und 'zu different'. Es schien mir, als wolle man sich gezielt von der Masse abheben und etwas sein, was die anderen noch nie zuvor gesehen haben. Was es in meinem Fall auch war, aber das wäre es auch auf einem diskreteren Weg gewesen. Einzelne Geschichten haben mir gefallen, andere überhaupt nicht. Alle Erzählungen sind zusammenhangslos aneinander geordnet und doch entstand am Ende ein Produkt, das als Ganzes funktioniert. Die Autorin gab alles, full out, und das spürte man auch. Die Länge war gut, länger hätte ich es aber wahrscheinlich nicht mehr ertragen von Alexandra Kleeman in eine andere Welt entführt zu werden. Das Buch ist wirklich etwas wie moderne Kunst, entweder es gefällt einem oder nicht. Ich tendiere dazu, dass es mir nicht richtig gefallen hat, trotzdem war es eine sehr spannende Lesereise. Und A wie B wie C von der gleichen Schriftstellerin möchte ich noch immer lesen, vielleicht gefällt mir der Roman ja etwas besser. 

https://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/09/kunstblut-buchbesprechung.html

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

Das Rauschen in unseren Köpfen

Svenja Gräfen
E-Buch Text: 240 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 12.05.2017
ISBN 9783843714938
Genre: Romane

Rezension:

Während des Lesens dieses Buches existierte tatsächlich ein Rauschen im Raum - alles, ausser Svenja Gräfens Sprache schien zu verschwimmen. Das Buch hat mich mitgenommen, und wie. Wir sehen, wie das junge Paar Lene und Hendrik durch Berlin rauscht. Wir folgen ihren rauschenden Gedanken, und ziemlich oft auch dem rauschenden Ausgang.
Was aber macht das Buch genau aus? Es ist wohl der Zeitgeist, den Svenja Gräfen graziös und scheinbar mühelos trifft, ohne grosse Umschweife. Wir Jungen möchten möglichst in einer globalisierten Metropole leben, möchten ständig unsere sozialen Kontakte weiter aufknüpfen. Vor allem aber suchen wir in allen Ecken und Winkeln nach Bestätigung - und nach dem Rausch. Dabei vergisst man sich oft selbst, und trotz zahlreicher Vegan-Trends schwindet unser Bewusstsein mehr und mehr. Wir möchten für etwas stehen, vor allem aber auch neben jemandem stehen. Und dann folgt hier irgendwann der Fall, die Bewusstwerdung, die Depression. Die Figuren in diesem Roman haben mehr oder weniger alle ganz schön zu kämpfen, mit ihren eigenen und ganz fremden Dämonen. Für diesen Kampf entwirft Svenja Gräfen aber eine zarte, leise-poetische Sprache, deren Sog man sich fast nicht entziehen kann.
Und so wird die Welt unserer beiden Protagonist_innen geschaffen. Sie leben in einer Millionenstadt, aber sie leben eben auch in einem unsichtbaren Gebilde aus Emotionen, das für unser an lebhafter Farbe gewann, sichtbar wurde. Damit hat Svenja Gräfen praktisch das Unmögliche möglich gemacht, und darin liegt auch der Zauber vom Rauschen in unseren Köpfen.
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/08/das-rauschen-in-unseren-kopfen.html

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71 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

afrika, nigeria, rassismus, usa, studium

Americanah

Chimamanda Ngozi Adichie , Anette Grube
Fester Einband: 864 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 27.04.2016
ISBN 9783596521067
Genre: Romane

Rezension:

Ich fürchte mich jetzt schon ein wenig vor dem Verfassen dieser Rezension. Ich habe Angst, dass ich diesem wunderbaren Roman von Chimamanda Ngozi Adichie nicht gerecht werden kann, werde ich auch nicht, aber ich werde versuchen, euch zu erzählen, weshalb ihr dieses Buch unbedingt lesen solltet. Die Beschreibung des Buches, die ihr oben im kursiv gedruckten Text seht, stimmt, aber ist dennoch nicht ganz treffend. Es steckt nämlich viel mehr dahinter. Das Buch ist in der Taschenbuch Version nämlich über 600 Seiten dick und in meiner Mini- Version hat es sogar über 800 Seiten. Es erzählt ein ganzes Leben. Unsere Hauptperson ist Ifemelu, eine Nigerianerin. Die Geschichte beginnt damit, dass sie in den USA in einem Haarsalon sitzt und sich Zöpfe flechten lässt. Bereits auf den ersten Seiten erfährt man dann, dass sie nach dreizehn Jahren in Amerika wieder zurück nach Nigeria gehen machen. Nach Hause in ihre Heimat. Von da an ist das ganze Buch ein Wirrwarr der Zeiten. Ifemelu nimmt uns mit in ihre Vergangenheit. Sie erzählt aus ihrer Kindheit und aus ihrer Schulzeit. Sie erzählt von ihren Freundinnen von damals, ihrem Leben in Nigeria, wie sie Lagos als Stadt wahr genommen hat und was sie damals bewegte. Sie beschreibt ihr Kennenlernen mit Obinze, ihrem ersten richtigen Freund. Sie entführte mich in eine mir fremden Welt. Das ist der erste grosse Abschnitt von Ifemelus Leben und somit auch des Romanes. Aber der viel grössere Abschnitt beginnt mit dem Umzug nach Amerika.
In Amerika angekommen, erfährt Ifemelu an Leib und Seele, was es heisst aus Nigeria zu kommen. Sie erfährt, was es bedeutet Schwarz zu sein. Eine nicht amerikanische Schwarze und mit ihr erfährt es auch der Leser / die Leserin. Chimamanda Ngozi Adichie hat das grosse Talent mit unglaublich viel Nachdruck schreiben zu können. Sie schreibt mit einer so gewaltigen Intensität, dass es nicht nur einmal vorkam, dass ich Gänsehaut beim Lesen bekam, weil es sich so real anfühlte. Es fühlte sich an, als würde Ifemelu mir alles so genau erzählen wollen, dass ich es am eigenen Leib spüre. Ein Neuanfang ist immer eine Herausforderung. Besonders in einem Land mit ganz anderer Kultur, anderen Sitten und einer anderen Sprache. Die Schwierigkeiten der fehlenden Sprachkenntnisse, waren zum Glück für unsere Protagonistin kein Problem. Obwohl sie auch Igbo spricht, hat sie schon als kleines Kind auch Englisch gesprochen. Zusammen mit Ifemelu habe ich mitgefiebert, ihr auf einer Wohnungssuche geholfen, sie an die unzähligen Jobinterviews begleitet und ihre Sorgen um das Geld geteilt. Ich habe sie begleitet auf ihrem Weg Berg auf. Ich habe ihre Freunde und ihre Tante und deren Sohn kennengelernt und mit ihrer Stimme gelauscht, wenn sie von ihren Erlebnissen erzählt hat. Viele Geschichten sind positiv, aber meisten sind sie auch negativ geprägt. Und alles vor allem wegen dem einen Grund: Ifemelu ist schwarz. Ich möchte sagen, dass ich gemerkt habe, was es bedeutet dunkelhäutig zu sein. Aber das habe ich natürlich nie und nimmer nicht, ich habe höchstens eine Vorstellung der Umstände erhascht, aber am eigenen Körper habe ich das alles nicht erfahren und wahrscheinlich noch immer keine Vorstellung davon. 
Die Wut die sich in Ifemelu angestaut hat, ihre Denkweise und die verschiedenen Erlebnisse wurden sehr deutlich. Ifemelu ist ein sehr starker Charakter, sie ist nicht leise und sie sagt, was sie denkt. Sie ist mutig und auch etwas frech, schon in der Highschool hatte man Respekt vor ihr. Sie ist das Mädchen, das auch streitet. Und als Leserin war es unglaublich toll zu sehen, dass sie diese Energie und dieses Gefühl nicht losliess, dass sie sich zwar stetig verändert hat, aber nicht auf ihren Mund gehockt ist und ihre Meinung geäussert hat. Sie hat begonnen einen Blog zu schreiben, einen Blog über Rasse. Ab etwa der Hälfte des Buches werden immer wieder solche Blogposts abgedruckt und die haben mich wirklich geflahst. Das Spiel der Worte und der Umgang damit, wow. Sie haben mich wach gerüttelt und sie haben mich auch etwas hinters Licht geführt. Häufig habe ich mich auch etwas ertappt gefühlt, in meinem Denken und in meinem Handeln. Ich habe selten so viel aus einem Buch gelernt. Die Liebesgeschichte zwischen Obinze und Ifemelu ist während des ganzen Buches ziemlich zentral, da wir auch einige Male Obinzes Geschichte aus seiner Sicht hören, aber überwiegend für mich waren eigentlich Ifemelus Erlebnisse in den USA und die Kritik an der Gesellschaft von ihrer Seite her. Was mir aufgefallen ist, ist dass das Buch sehr viele Dialoge hat. Viel mehr, als man es sich gewohnt ist. Das hat das Buch zum Lesen etwas langfädiger gemacht; es ist sowieso kein 'Durchschletzer'. Dafür ist die Zeitspanne im Buch zu gross und der Inhalt zu schwer, zu tiefgründig. Ich bin total beeindruckt. Es hat mich traurig gestimmt zu sehen, dass ich und die Welt noch immer im Rückstand sind. Unglaublich. Besonders traurig haben mich auch die Passagen um die Wahl des Präsidenten Obama vor acht Jahren gestimmt... Americanah ist bereits 2012 erschienen und wenn man bedenkt, was das damals für ein Fortschritt war, Obama der Hoffnungsschimmer, und wenn man sieht, was heute aus den USA geworden ist, ist das echt ... unglaublich schrecklich. 
Ich habe selten so viel gelernt aus einem Buch, ich könnte noch so viel ansprechen und euch hundert Gründe nennen, weshalb es mich so beeindruckt hat, aber am besten lest ihr es einfach selbst. Es lohnt sich. Auch dieses Buch sollte zur Pflichtlektüre in der Schule werden, Chimamanda Ngozi Adichie ist für mich wohl eine der allerwichtigsten zeitgenössischen Autorinnen. Eine Frau, die ich aus tiefstem Herzen bewundere. Auf die Frage, ob Americanah auch einige autobiographische Elemente beinhaltet, antwortet die Autorin: I spent only four years in the U.S. before I went back, and have since lived in both countries. That is a significant difference, as much of Ifemelu’s character is shaped by being disconnected from home for so long. Aber dennoch; Adichie hat eine Vorstellung des Lebens in den USA und das merkt man auch im Buch. So authentisch und einfach unglaublich gut. Ich liebte es. 


http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/08/americanah-feministische-buchbesprechung.html

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71 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

picasso, frankreich, liebe, französische küche, kochen

Monsieur Picasso und der Sommer der französischen Köstlichkeiten

Camille Aubray , Anna-Christin Kramer
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 27.04.2017
ISBN 9783810530219
Genre: Liebesromane

Rezension:

Als ich den Titel und das Cover dieses Buches gesehen habe, habe ich mir nicht besonders viele Gedanken darüber gemacht. Ich habe es einfach einmal in mein Regal gestellt und mir gedacht, dass es bestimmt eine angenehme Sommerlektüre wird. Als ich dann für meine Frankreich Reise packen musste, fand dieses Buch  dann einen Platz in meinem Koffer. Hauptort der Geschichte ist das Dorf Juan-les-Pins an der Côte d'Azur. Ich verbrachte meine Ferien leider nicht im Süden Frankreichs, sondern im Norden. Dennoch konnte ich das Sommergefühl, was so wunderbar in Camille Aubrays Roman beschrieben wurde, nachfühlen und in die Geschichte eintauchen. Der Roman wird aus drei verschiedenen Sichten erzählt, wobei die Sicht von Ondine überwiegt. Sie ist die junge Köchin, die im Klappentext erwähnt wird. Im Jahre 1936 hat sie einen Auftrag ihrer Mutter erhalten; sie sollte jeden Mittag eine Mahlzeit zu Monsieur Picasso in die Villa oben am Berg bringen und ihm keinen Wunsch abschlagen. Die junge Französin hat ein gebrochenes Herz und freut sich, dass der Künstler mehr Interesse an ihr zeigt. Sie beginnen Gespräche miteinander zu führen und Ondines Meinung nach Picassos Bildern ist gefragt. Eine ganz spezielle Beziehung zwischen den beiden wird aufgebaut, wobei das Essen fast immer im Vordergrund steht.Gut 80 Jahre später hören wir von Céline, der Enkeltochter von Ondine. Sie verkörperte die zweite Perspektive des Romans. Die dritte gehört zu Picasso. Céline lebt in den Vereinigten Staaten und hat dort einige Probleme mit ihren Stiefgeschwistern, die sie enterben wollen und ihr einen Anwalt an den Hals setzen. Ihre kranke Mutter übergibt ihr das Kochbuch, indem ihre Grossmutter Ondine alle Rezepte niedergeschrieben hat, die sie für Picasso gekocht hat. Die Rede ist ebenfalls von einem Gegenstand, den Ondine von dem Maler überlassen wurde. Der Gegenstand ist irgendwo versteckt und soll Céline übergeben werden. Sie macht sich auf die Suche nach diesem Erbstück und reist dafür nach Frankreich. Die Geschichte nimmt ungefähr in der Mitte eine überraschende Wende und führt in eine ganz andere Richtung, als erwartet. Ein richtiger Pageturner. Selten habe ich solch gut überdachten Änderungen in Romanen vorgefunden und war regelrecht überrascht.Das Buch habe ich gerne gelesen. Man erfährt sehr viel über Picassos leben, alle Informationen, die man so über ihn erfährt, entsprechen nämlich der Wahrheit, obwohl die Geschichte mit Ondine natürlich erfunden ist. Die Kunstszene um den zweiten Weltkrieg und Hitlers Rolle darin, wurde ebenfalls auf einigen Seiten angeschnitten, was mir sehr gefallen hat. Die Balance zwischen Fiktion und Realität hat gestimmt. Die anfänglich sorgenfreie Geschichte hat sich allerdings immer weiter dramatisiert und zu Schluss wurde es mir dann etwas zu viel des Guten. Trotzdem war es eine spannende und abenteuerliche Sommergeschichte, die mir gefallen hat. Ich weiss nicht recht, wie lange mir die Geschichte noch im Kopf sein wird, aber ich habe auf jeden Fall das eine oder andere mitgenommen. Ich glaube nicht, dass es eine Fortsetzung zum Buch gibt, aber ich finde, dass es durchaus möglich wäre, einen weiteren Teil der Geschichte zu verfassen, weil am Schluss alles ziemlich schnell ging. 


http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/08/monsieur-picasso-und-der-sommer-der.html

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713 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 233 Rezensionen

fluch, fantasy, secret fire, liebe, jugendbuch

Secret Fire - Die Entflammten

C. J. Daugherty , Peter Klöss , Jutta Wurm
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 22.08.2016
ISBN 9783789133398
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Vor ziemlich genau vier Jahren habe ich begonnen die Night School Reihe von C.J Daughtery zu lesen. Sie war damals meine Lieblingsreihe und auch mehreren meiner Freunde konnte ich diese Reihe andrehen. Ich war noch nie ein Fantasy Buch Fan, aber schon damals konnte mich die Night School Reihe der Autorin abholen und mich überzeugen, dass es auch in diesem Genre gute Bücher gibt. Die Geschaffene Welt ist so komplex und ohne Haken, ideal ineinander gewebt. Eine Mischung, die ich sehr beeindruckend finde und die mich immer wieder staunen lässt - gibt es das wirklich? Wäre schon cool, wenn ich das auch könnte... Meine Gedanken beim Lesen sind immer sehr lustig. Die Charaktere waren mir auch bei Secret Fire äusserst sympathisch und gut ausgeführt, in den ganzen 400 Seiten hat die Spannung nie nachgelassen. Jedes Kapitel hat mit einem Cliffhanger aufgehört, wurde dann aber auch spannend weitergeschrieben. Das mochte ich schon damals an der Autorin, dass man quasi nie enttäuscht wird, wenn man weiterliest, sondern dass man dann immer erst recht weiterlesen möchte, weil einem gefällt, was passiert. Nachdem ich den ersten Band also erstaunlicherweise sehr gerne gelesen habe, bin ich sehr gespannt auf den zweiten Band! Ich wusste zwar, dass mich die Night School Reihe damals gefesselt hatte, aber hatte nicht erwartet, dass die Autorin mich Jahre später erneut abholen kann und dann erst noch mit einem Werk, das wohl vergleichbar gut ist, wie das zuvor. Von daher ist es mir beinahe etwas peinlich, dass ich gerne die Fortsetzung lesen würde, da ich mich ja gerne etwas mehr der Belletristik zuwenden möchte, aber es scheint, als käme ich doch noch nicht ganz weg von der Jugendbüchern. Das ist aber auch okay, gute Bücher sind für alle Altersklassen gut und im Normalfall gar nicht unbedingt einzuordnen, da sie meist eine grosse Gruppe von Menschen anspricht. Das Buch hat keine grosse Dringlichkeit, damit meine ich, dass es nichts thematisiert, was irgendwie vergänglich ist, oder gerade die jetzige Zeit anspricht, zum Beispiel die Flüchtlingskrise, es geht nämlich hauptsächlich um die Unsterblichkeit und magische Kräfte. Das Buch ist super spannend und gerade jetzt für die Ferien sehr zu empfehlen - mit dem Buch am Pool in der Sonne liegen und in eine andere Welt eintauchen. Das Setting der Geschichte ist zum einen Paris und dann noch England, vor allem Oxford. Eine interessante Mischung und auch immer wieder schön, wenn man die Orte kennt und sich vorstellen kann, was wie wo und wann geschieht. Die beiden Protagonisten lernen sich und einander nämlich ständig etwas besser kennen und irgendwie fand ich das sehr originell gelöst, dass das Kennenlernen oder die Selbstwahrnehmung, die ja sehr fiktiv ist, an realen Orten stattfindet. Irgendwo durch ist der Plot recht vorhersehbar, aber man wird immer wieder überrascht, da es dann doch wieder in eine andere Richtung geht, als gedacht. Das gefiel mir gut. Im Vergleich zu Night School war der Plot uninteressanter. Die Geschichte in Night School war etwas näher an der Wirklichkeit als diese hier. In Secret Fire ist der Ort real und die Kräfte der Protagonisten sind fiktiv und in Night School selber ist es genau umgekehrt - sofern ich das noch richtig in Erinnerung habe. Alles in allem hat mir wohl Night School etwas besser gefallen, aber nur, weil mir die Geschichte etwas besser gefallen hat. Auch im neuen Buch konnte ich nämlich den unverwechselbaren Schreibstil der Autorin erkennen, den ich super angenehm zum Lesen finde. Die Frau weiss, wie sie den Leser abholen kann. Ich möchte mir bei Gelegenheit unbedingt den zweiten Band zulegen. 
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/07/secret-fire-die-entflammten.html

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

familie, amybloo, amerika, vergangenheit, schwestern

Wir Glücklichen

Amy Bloom , Kathrin Razum
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2017
ISBN 9783442714308
Genre: Romane

Rezension:

Amy Bloom hat mich als Leserin ihres Buches in eine andere Zeit entführt. Wir befinden uns in den 1940er Jahren in den USA. Das Buch ist in drei Teile gegliedert, in Jahre eingeteilt. 1939 bis 1945. Die Jahre des zweiten Weltkrieges. Der Krieg spielt dabei überhaupt keine zentrale Rolle, aber als LeserIn ist man sich dem die ganze Zeit über bewusst und der Roman lässt auch einiges darauf hinweisen, dass wir uns in Zeiten des Krieges befinden. Die Hauptgeschichte die erzählt wird, ist diejenige von Eva. Sie wurde im jungen Teenager Alter von ihrer Mutter alleine gelassen und muss von da an bei ihrem Vater leben, der allerdings bereits eine neue Frau hat und die eine Tochter, Iris. Sie gründen also eine Art Patchworkfamily und es funktioniert erstaunlich gut. Eva ist sehr begeistert von Iris, alle sind das. Iris ist wunderschön, klug und weiss immer, was zu sagen ist. Gemeinsam freunden sich die neuen Schwestern an und erleben einige Dinge miteinander. Es ist schnell klar, wer in der Beziehung den Ton angibt - Iris. Aber nicht einmal aus Boshaftigkeit, im Gegenteil; Iris ist ein sehr liebevoller und kümmernder Charakter. Sie hat einfach die guten Ideen, ist selbstbewusst und hat  einen, wie man so schön sagt, starken Charakter. Das, was sie sagt, gilt einfach grundsätzlich. Eva ist ganz anders, sie wächst im Schatten ihrer Schwester auf, sie ist unglaublich schüchtern und ihr Selbstbewusstsein sehr klein. Sie bleibt stets im Hintergrund, ist aber trotzdem die Protagonistin des Buches. Sie hat nicht so viel Mut und das bleibt eigentlich während des ganzen Buches so, auch wenn sie mit gewissen Taten das Gegenteil beweist. Ihr wird nicht so viel zugetraut und sich selbst traut sie auch kaum etwas zu. 
Iris möchte Schauspielerin in Hollywood werden und Eva begleitet sie auf ihrer Reise. Iris ist hübsch, stark und talentiert. Sie bringt es durch einige Kontakte, die sie pflegt ziemlich weit und schafft den wirklichen Durchbruch nur ganz knapp nicht. Sie hat aufsteigende Jahre und Erfolg bis sie an einer Affäre zerbricht und von da an geht alles nur noch bergabwärts in der Schauspielkarriere. Dafür ist sie jetzt geoutet und verliebt sich in eine Frau namens Reenie. Sie hat allerdings schon einen Partner, für den sich Eva interessiert. Sie hält sich da aber wie gewöhnlich raus und nur Iris klammert an ihrem Willen fest, sie ist verliebt. Reenie und Iris gehen auch eine Art eine Beziehung ein, aber eben nicht ganz. Es werden einige Abenteuer erlebt, die vier sind ein gutes Team mit verschiedenen Liebschaften und Geheimnissen voreinander. Eifersucht ist ein zentrales Thema. Ende des zweiten Teils des Buches wird dann aber auch alles etwas aufgerissen und und die Wege der vier trennen sich. Durch die vielen Briefe im Buch, die  immer mal wieder abgedruckt werden, erfährt Eva, was die anderen so machen und als LeserIn erhält man so ein Paar Hintergrundinformationen. Hier merkt man auch, dass wir uns in den 40er Jahren, in Kriegsjahren, befinden. Eine harte Zeit. Hier passt aber auch der Titel gut zum Buch - so lange du in Amerika bleibst und dich von allem fernhältst, kannst du dich zu den Glücklichen zählen. Ein etwas trauriges Glücklichsein mit leicht ironischem Unterton; Dir geht es nicht wahnsinnig gut, aber im Vergleich mit den Anderen geht es Dir prächtig, du Glückliche. Von daher strahlt das Buch auch eine schöne Melancholie aus, ein Buch aus der zweiten Reihe. Über Menschen, die nicht an vorderster Front sind, denen es nicht prächtig geht, aber die sich eigentlich dennoch glücklich schätzen können, da es eben noch eine dritte und eine vierte Reihe gibt. Und es gibt Hoffnung. Das gefiel mir. Sehr. Das ganze Buch über passiert nicht sonderlich viel, das, was ich euch oben geschildert habe, ist der Hauptplot. Natürlich sind noch einige kleine Zwischenstorys eingebaut, aber die sind nicht unbedingt relevant. Wenn ich das Buch von Amy Bloom in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es ganz klar Trägheit. Irgendwie passt das auch ganz gut zum Buch, die Zeit des Krieges war wohl besonders für die Frauen in Amerika ein ewiges Warten und sehr träge, aber andererseits wäre mir ein etwas energischer Schreibstil mehr als entgegen gekommen. Ich habe das Buch über vier (!) Wochen lang gelesen, was nicht häufig vorkommt. Ich fand es nicht einmal wirklich schlecht, aber ich konnte mich einfach nie aufraffen es wieder in die Finger zu nehmen, weil ich irgendwie wusste, was mich erwarten wird, ein träger Schreibstil und wenig Handlung. Das alles hat sich allerdings etwas gebessert, als ich mich dann aufgerafft habe und die Hälfte des Buches an einem Tag durchgelesen habe. Ich habe dann auch nicht mehr jeden einzelnen Satz gelesen, was ich normalerweise tue, sondern etwas überflogen. Ansonsten wäre ich wirklich nicht mehr vom Fleck gekommen. Also wenn ich genau bin, habe ich also für etw 160 Seiten mehr als einen Monat gebraucht, was leider nicht so für das Buch spricht und mich leider davon abgehalten hat, etwas anderes zu lesen. Das ist mein einziger und gleichzeitig auch grösster Kritikpunkt. Ich würde das Buch sehr gerne mögen, wenn es etwas mehr Pep hätte. Auch so hat es mir eine Stimmung übermittelt, an der ich viel Gefallen gefunden habe, aber das Lesen war ein Krampf. Leider. http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/07/wir-glucklichen-buchbesprechung.html

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68 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

freundschaft, jugendbuch, familie, selbstfindung, probleme

Du & Ich - Best friends for never

Hilary T. Smith , Jenny Merling
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 23.03.2017
ISBN 9783841440044
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe dieses Buch an nur einem einzigen Tag durchgelesen auf einer Reise nach Mailand und wieder zurück, ich hatte genügend Zeit mich im Zug mit dieser Lektüre aus dem Fischer Verlag zu beschäftigen. Es ist schon etwas länger her, als ich das Buch gelesen habe und als ich es letztens in meinem neuen Bücherregal entdeckt habe, habe ich bestimmt etwa fünf Minuten gebraucht um mich halbwegs wieder daran zu erinnern, um was es ging. Ein ziemlich schlechtes Zeichen, wie ich finde. Ich habe dann aber glücklicherweise noch Notizen gefunden, die ich während des Lesens gemacht habe und die ich nun als Basis brauche, um diese längst überfällige Rezension zu schreiben. Ich habe das Buch nämlich aus dem Frühlingsprogramm des Fischer Verlags. Ich habe es vor einem halben Jahr an der Buchmesse in Frankfurt angefragt und nun dann endlich erhalten.

Die Geschichte ist meiner Meinung nach ein absolut klischeehaftes Jugendbuch. Es scheint nämlich rauszustechen, ist aber im Grunde genommen dann doch einfach nur ein Jugendbuch, das man in sämtliche Kategorien stecken kann und das man mit etwa siebenhundertsechsundzwanzig weiteren Büchern vergleichen kann. Es ist ein typisches 'Mädchenbuch' das folgende Themen beinhaltet: Liebe, Freundschaft, Erwachsenwerden, Essstörungen, Depressionen und Schulprobleme. Relativ schnell am Anfang passiert auch eine recht unerwartete, vielleicht auch etwas überflüssige, Wendung, die unsere Protagonistin Annabeth ziemlich gelassen aufnimmt, was mich sehr erstaunt hat. Es scheint fast so, als hätte Hilary T. Smith alles mögliche reinpacken wollen. Das Leben von Annabeth soll möglichst zerstört sein, alle möglichen Probleme sollen in die Geschichte eingearbeitet werden und dann von ihr verarbeitet. Was mich überrascht hat, ist dass das Buch eigentlich sehr unterhaltsam war und die Geschichte trotz der klischeehaften Erzählung nicht unbedingt sexistisch. Das ist ja bei so vielen Jugendbüchern leider der Fall. Ich frage mich dann immer, was sich eigentlich die Erwachsenen Autoren und Autorinnen dabei denken. Was möchten sie den jungen Mädchen überhaupt mitgeben? 


Das Ende zieht sich etwas in die Länge, die Spannung lässt nach und alles scheint irgendwie vorhersehbar zu sein. Auf den letzten Seiten wird aber nicht alles aufgelöst und wir stehen eher ziemlich ratlos dar. Zeitweise hat mir das Buch sehr gefallen, zeitweise nicht. Da ich mich aber kaum noch daran erinnern mag, ist das für mich mehr als ein schlechtes Zeichen und daher gehört das Buchh für mich in die Kategorie: Früher hätte ich es geliebt, heute gibt mir die Thematik und das ganze Drumherum einfach zu wenig her. Hätte ich das Buch nämlich ein Paar Jahre früher gelesen, dann wäre es womöglich eines der wichtigeren Bücher für mich gewesen, das war es jetzt leider nicht mehr. Aber so für zwischendurch auf einer Zugfahrt war es der perfekte Zeitvertreiber, der mich auch auf gewisse Punkte in Sachen Freundschaft hingewiesen hat. Ich habe mir noch mal wieder in den Kopf gerufen, was Freundschaft überhaupt für mich bedeutet und, was ich  für ein Glück mit meinen Freunden habe, oder wo es eben auch in unseren Beziehungen noch einige Lücken gibt.
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/06/du-ich-best-friends-for-never.html

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

asyl, sprache, chat, kosovo, biographie

Vor der Zunahme der Zeichen

Senthuran Varatharajah
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 10.03.2016
ISBN 9783100024152
Genre: Romane

Rezension:


Ich brauchte ein wenig Zeit um mich zu fassen, zu begreifen und zu verstehen, was dieses Buch überhaupt aussagen will. Was es für eine Bedeutung für mich hat. Ich kann es immer noch nicht. Ich weiss nicht, was ich aus dem Buch mitgenommen habe, oder was ich mitnehmen soll. Ich bin  einfach zum Entschluss gekommen, dass ich das Buch noch einmal lesen muss. Ich bin vielleicht einfach nicht genau in der richtigen Stimmung gewesen um das Buch zu lesen. Ich habe es zu schnell gelesen. Es hat auf mich gewirkt - definitiv. Die Geschichten zwischen Senthil und Valmira waren so wunderschön zu lesen. Ich bin ihren Worten verfallen und habe sie in mich aufgenommen. Die Geschichten übers Ankommen und Fremdsein in einem Land, in dem man nicht wirklich willkommen scheint, ist auf eine ganz spezielle Weise ganz schön dargestellt werden. Die Geschichten sind so Detail getreu und einfühlsam. Es gefiel mir. Doch das Buch beginnt und hört gleich auf. Es gibt keinen Spannungsbogen - das Buch hat keine Einleitung oder einen Schlussteil. Es hat nur das dazwischen, keinen roten Faden. Im Fokus liegen die Worte und die dahinter steckende Lebensstory. Ich wurde verzaubert, aber ich frage mich trotzdem, ob ich den grösseren Sinn dahinter nicht verstanden habe. Ich frage mich, ob ich schlicht und einfach nicht in der Fassung war, alles so zum verstehen, wie ich es hätte sollen. Ich kann gar nicht mehr zum Buch sagen. Ihr müsst es selber lesen und bitte bitte, lasst mich wissen, was ich beim Lesen verpasst habe, was ihr daraus mitgenommen habt, oder ob es euch genau gleich erging wie mir. Ich habe gesucht, aber ich habe eben immer noch das Gefühl etwas im Buch übersehen zu haben. Das Lesen war trotzdem wunderschön, hat mich ganz entspannt und in mir eine innere Ruhe ausgestrahlt von der ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Sehr philosophisch und sehr auf Worte fokussiert. Kein Buch für Zwischendurch, sonst sitzt es nicht. Ich werde es noch einmal lesen und dann hoffentlich etwas schlauer sein. Ich bin nämlich ziemlich ratlos.
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/06/vor-der-zunahme-der-zeichen-buchgedanken.html

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Boys don’t cry

Jack Urwin , Elvira Willems
Flexibler Einband
Erschienen bei Edition Nautilus GmbH, 01.03.2017
ISBN 9783960540427
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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Strangeland

Tracy Emin , Sonja Junkers
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei btb, 13.09.2010
ISBN 9783442740659
Genre: Biografien

Rezension:


Es ist endlich Zeit, meine Gedanken zu Tracey Emins 'Strangeland' niederzuschreiben. Dies tat ich, wie bei manchen Büchern, die mir sehr nahegehen, zuerst schriftlich. Nun möchte ich meine Gedanken aber wieder mit euch teilen. Ich musste sie nämlich zuerst sammeln und ein wenig ordnen, bevor ich sie veröffentliche. Genau das ist das Werk der britisch-türkischen Künstlerin, 1963 geboren nicht - nicht sortiert, nicht geordnet. Überhaupt nicht gradlinig oder konventionell, in keinster Weise. Sie lebt in London und dort ist sie mir immer wieder begegnet - entweder fiel mir ihr Name ins Auge und von ihr war die Rede, sie hätte den Bau eines Hochhauses gestoppt, was ich für eine tolle Leistung halte. Vor allem aber habe ich auch ihre Kunstwerke gesehen, gar nicht bewusst - plötzlich war etwas von ihr vor mir, ein Teil von der Frau, deren Kopf und Leben ich irgendwie so gut kannte, weil sie es so authentisch und so ehrlich rüberbrachte in ihrer, zugegebenermassen etwas verwirrenden Autobiographie 'Strangeland'. Das Buch, ihre Memoiren, ist also nicht nur vom Leben, sondern vor allem auch von einer grossartigen und bewundernswerten Künstlerin geschrieben. Das merkt man an den so natürlich, so organisch wirkenden Wortketten. Unglaublich oft kippt ihr Schreiben dabei ins Surreale, was uns noch mal bewusstwerden lässt: wir lesen hier intimste Gedanken, Empfindungen und Auseinandersetzungen, die aber von einer Künstlerin stammen und deswegen zumindest in gewisser Hinsicht inszeniert sind. Wir lesen von Kindheit, von Trostlosigkeit, von den Einflüssen ihrer, und ja, irgendwie auch unserer Eltern. Von Teufelskreisen, Sinnlosigkeit und Bedeutung. Dabei wirkt das Buch gut kuratiert, in verschieden Teile eingeteilt. Motherland. Fatherland. Tracyland. Strangeland eben.Sie wagt experimentelle Schreibspiele und wenn man das Buch einfach irgendwo aufschlägt und zu lesen beginnt, ist das oft fast schon verstörend. Aber das ist es irgendwie auch, wenn man von vorne bis hinten liest. Dabei regt Tracey Emin ja selbst zum rebellieren ein.Das Buch hat etwas Brutales, zumindest etwas Gnadenloses an sich. Manchmal besteht das Ganze auf handgeschriebenen Passagen. Dann aus Listen. Es folgen tägliche, fast langweilige Aufzeichnungen. Dann ein Wortspiel mit 'MASCULINITY'. Ja, das Ganze ist ziemlich verrückt. Aber das Leben ist ja auch Verrückt. Und Tracey Emin zeigt dabei schön, was passiert, wenn wir uns von Normen und den allgemeinen Vorstellungen und Idealen der Gesellschaft lösen: ja, alles wird ein bisschen wilder. Aber auch intensiver. Und so ist das Buch auch: intensiv auf allen Ebenen.Deswegen braucht das Buch auch ein bisschen Zeit, man muss etwas darin investieren, wie in alle guten Bücher die uns wirklich etwas zurückgeben. Es braucht Zeit, ins Strangeland zu reisen. Dabei ist es eigentlich ganz nah, ein bisschen zumindest: Strangeland ist unser tiefstes Inneres. Dort hat mich Tracey Emin zumindest berührt.

http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/05/strangeland-von-tracey-emin.html

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

lena dunham, autorin, buch, not that kind of girl, kurzbewertung

Not That Kind of Girl

Lena Dunham , Sophie Zeitz , Tobias Schnettler , Joana Avillez
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.08.2016
ISBN 9783596198047
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe mich schon häufig gefragt, was einen Mensch dazu führt, zu beschliessen, eine Autobiografie zu schreiben. Ich frage mich, ob Menschen entweder ein wahnsinnig grosses Ego haben, dass sie meinen, die ganze Welt wolle erfahren wer sie sind, was sie machen und was sie können. Das wird wohl in den meisten Fällen der Fall sein. Aus meist unerfindlichen Gründen ist man plötzlich im Rampenlicht, oder im Mainstream angelangt und hat das Gefühl, dass die grosse Mehrheit der Menschen Lust hat, zu erfahren, wer man ist, wie die eigene Kindheit war und wie es zum Erfolg kam. Am besten soll das ganze möglichst intim sein, das Hauptthema natürlich Sex und schon wird das Buch mit grösster Wahrscheinlichkeit ein Bestseller. Andere Gründe eine Biografie zu schreiben sind häufig krasse Schicksalsschläge oder spezielle Geschichten - hier kommt mir als Beispiel Lily Lindern in den Sinn, ein Vergewaltigungsopfer, das ein sehr schweres und schlimmes Leben hinter sich hat. Oder auch Christiane F - Junkie, Mädchen auf dem Strich, Berliner Drogenszene am Bahnhof Zoo. Alle kennen das Phänomen, aber niemand der nicht selbst dabei war, wusste so genau, wie alles war und wie es sich abgespielt hat. Also lesen sie eine Autobiografie darüber.


Auch ich habe schon einige Male mit dem Gedanken gespielt, meine bisherige Geschichte niederzuschreiben. Hört sich schräg an das aus dem Mund von einer fünfzehnjährigen zu hören, ich weiss. Aber ich hatte dieses Kopfkino, weil ich das Gefühl habe, dass ich bereits sehr viel erlebt habe, an vielen Orten war, spannende Leute getroffen habe und auch mich die Angst des Vergessens heimsucht. Ich würde gerne für meine Freunde, Familie und auch vor allem mich schriftlich festhalten, was ich alles erlebt habe. Ich glaube, es wäre ein riesen Spass ein Buch zu schreiben. Natürlich ist auch das auf reinen Egoismus zurückzuführen. Lena Dunham ging es vielleicht etwas ähnlich, obwohl im Gegensatz zu mir, ist sie berühmt geworden und hat, nachdem sie zur coolsten Person des Jahres 2012 ernannt wurde, eine Autobiografie geschrieben. So weit so gut - nur: Das wichtigste für mich ist die Message eines Buches. Was nimmt man von einem Buch mit, dass den Titel 'Not that kind of girl - Was ich im Leben so gelernt habe' hat? Ich konnte ehrlich nichts Neues mitnehmen. Muss ich ja auch nicht, aber ich frage mich, ob das nur ich bin. Ob mir Lena Dunhams Leben zu einfach war, ob ich mich einfach zu fest darüber störte, dass Sex ein riesiges Thema ist. 

Das Buch ist nicht chronologisch geordnet, es ist in fünf Kapitel unterteilt - Sex&Liebe, Körper, Freundschaft, Arbeit und das grosse Ganze. Ich fand das Lesen durch diese Kapitel extrem komisch, man hat sich keine Namen von anderen Personen merken können, jedes Teilkapitel wirkte irgendwie aus dem Zusammenhang gerissen und alles folgte zeitlich extrem nahe aufeinander. Lena Dunham hat Jahrgang 86, sie ist blutjung. Das Buch ist einfach nicht in einem Fluss geschrieben und wohl oder übel merkt man das halt einfach und ich empfand es als störend. Ich bin sicher, dass andere gerade das als einen wunderbaren Punkt herauskristallisieren, aber mir war der ganze Schreibstil in Kombination mit dem Inhalt einfach zu wenig authentisch. Alles war extrem in die Länge gezogen und mühsam lustig beschrieben. Es wirkte so aufgesetzt, unecht, ein wenig dahin gepflatscht. Nach dem Beenden des Buchs fühlte ich mich wie vor dem Beenden, wie mich. Ich hätte das Buch genau so nicht lesen können und wäre in meinem Leben gleich weit. Ich möchte aus Büchern lernen, etwas daraus mitnehmen und wenn ich das nicht kann, dann ist das für mich leider ein Anzeichen für ein schlechtes Buch. Das ist wohl nicht fair zu sagen - gerade bei einer Biografie, aber das Buch war einfach nicht so meins. Einen richtigen Kritikpunkt habe ich nicht einmal, Lena Dunham schreibt sehr wohl amüsant, lässig und unbeschwert, aber eben für mich reicht das einfach nicht mehr. 

Im Buch erwähnt sie ihre Zwangsstörung immer nur am Rande, was unglaublich schade ist. Genau das wäre meiner Meinung nach ein spannender Punkt, der wahrscheinlich auch vielen Leuten weiterhelfen könnte, oder der wichtig gewesen wäre näher beschrieben zu werden. Ich habe bereits drei Bücher über Zwangsstörungen gelesen und in jedem habe ich Neues erfahren und vor allem auch gemerkt, wie bedeutungsvoll es ist mehr darüber zu schreiben und zu lesen. Die New Yorkerin beendet ihr Vorwort zum Buch mit folgendem Zitat: Ich bin eine junge Frau mit ausgeprägtem Interesse zu bekommen, was ihr zusteht, und was hier folgt, sind die hoffnungslosen Nachrichten von der Front, an der ich dafür kämpfe. Dieser Satz beschreibt eigentlich auch meine Auffassung von Lena Dunham sehr gut. Sie macht, was sie will und erreicht das auch. Ob sie wirklich und regelrecht dafür kämpft, kann ich nicht sagen. Ich habe auch ihre Serie GIRLS noch nicht gesehen, habe sie aber empfohlen bekommen und nun die ersten beiden Staffeln zuhause auf DVD, mal schauen, wie sie mir gefällt. 

Ein Punkt, der mir ebenfalls Mühe bereitet hat, ist der, dass auf dem Buchumschlag steht, dass Lena Dunham das Lebensgefühl einer neuen Generation Frau auf den Punkt bringt. Erstmals finde ich den Begriff einer neuen Generation Frau ziemlich daneben und abwertend, zweitens finde ich es falsch eine Frau, die Erfolg hat und in ihrem Buch über ein typisches Standart-Leben schreibt, als eine gesamte Generation zu bezeichnen. Wir merken es doch alle - es gibt so viele verschiedene Menschen, die ganz anders sind und sich in so vielen Punkten unterscheiden! Wenn der Titel also NOT that kind of girl ist, wieso wird Lena Dunham dann als Stimme der GANZEN Generation bezeichnet? Ich kann wohl sagen, dass 'Not that kind of girl' einfach nicht ganz 'my kind of book' ist. Zu quirlig und zu uninteressant - ich hätte mir schlicht und einfach mehr erwartet.

Nachtrag: Ich habe mir zwischen dem Schreiben der Rezension und dem Veröffentlich der Rezension die ersten beiden Staffeln der Serie GIRLS angeschaut. Die Serie gefällt mir extrem gut. Lena Dunham spielt darin die Hauptperson und ist eine wahnsinnig gute Schauspielerin. In der Serie sind viele autobiographische Elemente enthalten, die mir bereites aus ihrem Buch bekannt waren. Lena Dunham wird mir tatsächlich immer sympathischer mit jeder Folge die ich schaue. Meine Anmerkung zum Buch: Literarisch ist es nicht geeignet, aber für eine Serie ist Dunham Humor absolut treffend und gefällt mir mehr als gut. Von daher bleibt mir ihr Buch doch etwas mehr in den Ohren als gedacht, wobei ich allerdings nicht ganz unterscheiden kann, ob dies jetzt mit der Serie oder mit der Autobiographie zu tun hat. Diskussionsstoff ist die New Yorkerin aber alle Mal. Ich empfehle das Buch ungerne, die Serie lege ich euch aber gerne ans Herz. 


http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/05/not-that-kind-of-girl-buchbesprechung.html

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

feminismus, jugendbuch, sachbuch

Ene, mene, Missy!

Sonja Eismann
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 23.03.2017
ISBN 9783733502584
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Sonja Eismann gibt mit anderen Frauen das Missy Magazine heraus, welches ich schon seit längerer Zeit begeistert lese - darin geht es um alle möglichen Themen, aber mit der längst nötigen feministischen Perspektive. Es geht um Kunst und Politik von Frauen, vor allem. Ich finde darin immer wieder spannende Buchtipps, höre von Ausstellungen und lese von inspirierenden Menschen und ihren Tätigkeiten und Überzeugungen. Das Missy Magazine spricht aber auch meine Mutter und ganz unterschiedliche Frauen an, was ich besonders toll finde. Jetzt gibt es von Sonja Eismann zumindest auch Feminismus für Kinder/Jugendliche. 'Ene Mene Missy' ist nämlich als eine Art Leitfaden oder Feminismus-Guide zu verstehen. Aber das Buch ist definitiv nicht für Kinder, sondern gehört in jede deutsche feministische Bibliothek. Denn auch wenn es zig Bücher zum Thema Feminismus gibt, gibt es keinen so ausführlichen Band, der alle möglichen Basics erklärt. Vom männlichen Blick in Filmen, geschlechterneutralen Pronomen bis zu Parolen und wichtigen Feier-/Kampftagen das Jahr über stellt sie auch wichtigen Feminist_innen in Deutschland Fragen, die verschiedene Bereiche des Feminismus abdecken und erklären. 
Ich habe persönlich schon oft die Erfahrung gemacht, nach einem selbstbewussten 'Ja, ich bin Feministin' ein mildes Belächeln geerntet zu haben - dabei sind es diese Leute, die belächelt werden müssen, weil sie die patriarchalischen Strukturen in unserer Gesellschaft. Gerade jungen Leuten hilft Sonja Eismann auch mit schlagfertigen Antworten auf dumme Anmachen. Kurzum - im Buch finden wir alles zumindest kurz angeschnitten, was wichtige Bedeutung für den Feminismus hat. 

Das fand ich an allen Texten wahrscheinlich am Erstaunlichsten, denn wer Sonja Eismann kennt, der_m ist bewusst, dass sie Feministin ist. Sie möchte natürlich keine Meinung aufzwingen, und so wirkt das Buch auch gar nicht. Nicht einmal belehrend. Dabei kann ich mir kaum vorstellen, dass man von der Lektüre zurückkehrt und nicht schlauer ist als vorher oder nicht mindestens ein paar Fünkchen mehr Feminist_in in sich findet. Das ist das Schöne am Buch, es vermittelt unglaublich viel Wissen und doch kehrt man danach irgendwie wissensbegieriger als zuvor zurück. Das schafft sie vor allem auch durch ihren ganz eigenen, unverkennbaren Ton, der interessant und gesprächig wirkt, erzählend und leidenschaftlich. Und trotzdem sehr einfach, gut verständlich und irgendwie persönlich. Denn Feminismus ist keine These, keine Utopie, ich würde Feminismus auch keine Ideologie nennen - Feminismus ist eine Überzeugung, und dieses Buch liefert unendlich viele Gründe dafür, ohne wirklich Gründe zu liefern, sondern nur im Erzählen über Feminismus. 

Ich würde sogar wagemutig behaupten, dass fast jeder noch etwas erfährt. Denn Feminismus ist kein flaches, durchgekautes Thema, und ja, jetzt gerade am boomen und hip-werden. Aber es geht gar nicht um den Trend, zumindest hier nicht. Es geht um kämpfende Frauen und um Ideen, selbst aktiv zu werden. So finde ich das Buch unendlich gelungen als Geschenk für jede junge Frau, und, natürlich, jeden jungen Mann. Und du da draussen, die_der du das gerade liest, solltest es dir womöglich auch mal anschauen, das empfehle ich dir zumindest von ganzem Herzen!

http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/05/ene-mene-missy-feministische.html

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Das Mädchen das die Welt veränderte

Alfonso Pecorelli , Jan Reiser
Fester Einband
Erschienen bei Riverfield Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783952464076
Genre: Romane

Rezension:

Der Riverfield Verlag hat mir diesen Schatz hier zukommen lassen und ich bin unendlich dankbar, dieses Buch erlebt zu haben. Es gibt nicht viele solche Bücher wie Das Mädchen, das die Welt veränderte und zu meinem Glück habe ich doch schon einige davon gelesen - meine ich zumindest.  Sie alle haben mich geprägt und gehören zu meinen Lieblingen (Den Mond aus den Angeln heben, Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück). Bücher, die eigentlich vom Schreibstil her nicht besonders herausstechen, aber eine philosophische Note haben, die einem über den Inhalt nachgrübeln lässt. Der einfache Schreibstil ist hier extrem geeignet. Im Mail, welches ich vom Riverfield Verlag aus Basel bekommen habe, hiess es, dass das Buch auch schon mit dem kleinen Prinzen verglichen worden ist, und auch ich stimme dem zu. Wie der kleine Prinz ist Marie noch ein Kind, das die Welt mit ganz anderen - vielleicht sogar etwas naiven Augen, wahrnimmt. Marie erhält eine Blume, Isabelle, mit der sie eine Reise in die Vergangenheit antritt und die Antwort auf die Frage aller Fragen sucht. Wie auch beim kleinen Prinz ist die Geschichte wohl für jedes Alter gedacht, von jung bis alt. In einem Mail, das ich erst vor zwei Tagen erhalten habe, wurde mir ein PDF mit Hintergedanken von Alfonso Pecorelli zum Buch zugeschickt. Ich danke ihm ganz herzlich, es hat mich sehr berührt, was Sie geschrieben haben und ich bin mehr als froh, dass ich dieses Buch lesen konnte und es alles, was Sie sich erhofft haben, in mir hervorgerufen hat. Maries Zauberblume Isabelle hat magische Kräfte. Jedem Menschen dem das Mädchen einen Besuch abstattet, darf sie eine Blüte von der Blume geben, diese gibt dem Beschenkten dann magische Kräfte, die zu einer Erfindung, oder zu einem wichtigen Schritt in der Geschichte der Menschheit führen. 
"Wenn das Leben sinnlos ist, warum suchen denn alle Menschen nach einem Sinn?Man sucht doch nichts, dass man nicht zu finden hofft."
Marie reist in verschiedenen Zeiten zu verschiedenen Männern - keine Frau (...) ist darunter, was  von Marie selbst auch erwähnt wird und mich schmunzeln liess. Alfonso Pecorelli ist sich sehr wohl bewusst, dass es in der Weltgeschichte wenige Frauen gab, die als wichtige und ausschlaggebende Erfinderinnen oder Denkerinnen benannt wurden. Und vielleicht gerade deswegen stattet Marie  nur männlichen Wesen einen Besuch ab.  Sie reist zusammen mit Isabelle, ihrer weiblichen Begleiterin,  im Auftrag von Onkel Elvis - hier ein schönes Zitat von Anfang Buch und der ersten Begegnung der beiden:
"Wer bist du?", fragte Marie leise und schüchtern."Ich bin alles", antwortete er. Marie machte grosse Augen. "Du bist alles?""Ja, alles, mein Kind, das Erste und das Letzte.""Hast du keinen Namen?" Er musste lachen."Haha ... Ich habe viele Namen und keinen Namen! Aber nenn' mich einfach Elvis!"
Diese Textstelle zeigt so wunderbar, wie ahnungslos und doch klug unsere Marie ist. Marie hinterfragt alles und bittet jeden ihr eine einfach verständliche Antwort zu geben.  Jedem der Männer stattet sie zwei Besuche ab. Beim ersten übergibt sie ihnen eine Blüte, beim zweiten sind sie bereits erfolgreich und haben eine "Erleuchtung" gehabt. Sie reist zu Platon, der ihr von seinem Höhlengleichnis berichtet. Sie geht zu Bischöfen in Kathedralen und zu Mönchen in Klöstern. Sie begibt sich in die Zeiten des dreissig jährigen Kriegs und begegnet dort René Descartes, dem Vater der heutigen Philosophie. Von ihm stammt der berühmte Satz: Cognito ergo sum. Ich denke, also bin ich. Marie trifft weitere berühmte Philosophen und Denker wie Rousseau, oder Immanuel Kant. Sie trifft Charles Darwin, der die Evolutionstheorie aufgestellt hat und Sigmund Freund, der Mann, der uns sagte, dass das Unterbewusstsein über den Menschen bestimmt. Sie alle sind nicht nur zu ihrer Zeit berühmt gewesen, sie sind auch heute noch wichtige Namen. Viele neue Entdeckungen beruhen auf dem Grundsatz ihrer Fakten. Alfonso Pecorelli hat diese Männer geschickt gewählt, sie alle sind vor allem berühmt für ihr grossartiges Denken und trotzdem schafft es keiner von ihnen Marie die Antwort auf die Frage aller Fragen zu geben. Das sie alle Genies sind, ist dies umso erschreckender. Sie sind  so klug, aber eben nur mit dem Verstand und haben kein reines Herz. Sie haben ihre Angst nicht besiegen können.
"Was nützt den Menschen alles Wissen, wenn sie das Wesentliche dabei vergessen?"


Ich möchte die wunderschönen Illustrationen im Buch loben. Selten habe ich Literatur besessen, die so zauberhaft schön in meinen Händen lag, wie dieses Buch. Jan Reisers Bilder passen ausgezeichnet zu Maries Geschichte und verderben einem die eigenen Bilder im Kopf auf keinen Fall, viel mehr sind sie eine Gedankenstütze. Jedes Mal als ein neues Bild kam, flog mir ein Lächeln übers Gesicht. Das Buchcover passt daher überhaupt nicht zum übrigen Werk. Weder zum Inhalt, noch zu den restlichen Illustrationen innerhalb des Buches. Das Cover ist zu farbig, zu kitschig und zu banal. Wenn ich das Buch nach seinem Cover beurteilen würde, dann käme mir eine kitschige und esoterische Geschichte in den Sinn. Und das ist dieses kleine Meisterwerk wirklich nicht. Sehr schade! Die Qualität des Druckes ist aber wunderbar. Die Seiten sind dick und angenehm umzublättern, sie lassen die Zeichnungen von Jan Reiser regelrecht leuchten. Riesen Kompliment. Auch und vor allem natürlich an Alfonso Pecorelli. Der Autor aus Basel hat es geschafft mich für Maries Rettung der Menschheit zu begeistern. Er hat meinen grössten Respekt verdient, alle Philosophen haben das. Ihr seid so kluge Menschen und beeindruckt mich mit euren Gedanken. Ich bin so glücklich und froh darüber, dass es solche spannenden, gescheiten und inspirierende Menschen gibt. 
"Der Mensch ist ein kluges Tier, das sich jedoch zugleich selbstvöllig überschätzt. Denn sein Verstand ist nicht auf die grosse Wahrheit,sondern nur auf die kleinen Dinge im Leben ausgerichtet."


Marie macht mit allem Bekanntschaft. Mit dem Guten und mit dem Bösen. Sie lernt die Dunklen Seiten der Menschen kennen aber vorwiegend die Schönen - sie ist die wohl herzlichste Protagonistin, die mich je auf eine Reise mitgenommen hat. Das Buch von Alfonso Pecorelli lässt mich zwischen den Zeilen lesen, es lässt mich Nachdenken und philosophieren. Die Geschichte gibt mir Kraft und ist dabei so wahr und einfach gehalten, dass ich mich nicht entscheiden kann, ob ich beim Beenden todun- oder endglücklich sein sollte. Ein wunderbares Werk, ich bin so froh diese kurze Story gelesen zu haben, sie hat mir ganz viel Mut gegeben, mich weitergebildet und meinen Tag versüsst. Danke! Eine magische Geschichte, die Leben verändern kann, weil sie Hoffnung gibt, ohne je die Abgründe des menschlichen Seins zu leugnen. 



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193 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 51 Rezensionen

jugendbuch, liebe, amnesie, familie, freundschaft

Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden

Emily Barr , Maria Poets
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 23.03.2017
ISBN 9783841440075
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dieses Buch von Emily Barr wurde von Maria Poets ins Deutsche übersetzt und ist im diesjährigen Frühlingsprogramm vom Fischer Verlag. Die Geschichte handelt von Flora, eine Protagonistin, die mir während des ganzen Buches einfach nicht wirklich sympathisch wurde. Das hat vorwiegend damit zutun, dass man durch ihre Gedächtnisschwäche einfach nicht wirklich an das Mädchen herankommen konnte. Ich fand es während des Lesens sehr umständlich und mühsam immer wieder  aus Floras Sicht die eigenen Notizen auf ihren Händen zu lesen. Es dauert ewig, bis einmal etwas passiert. Die Geschichte ist irgendwie sehr 'strub'. Der Kuss, der in Floras Leben alles veränderte und es völlig auf den Kopf gestellt hat, ist absolut unromantisch und extrem kitschig! Am Strand, nach einer Party unter Alkoholeinfluss und dann erst noch mit dem Freund ihrer besten Freundin. Für mich war es deshalb nicht nachvollziehbar, dass jeder zweite Satz im Buch Ich liebe Drake ist. Mit diesen drei Worten wird um sich geworfen, so oft, dass es einfach zu überspitzt und unlogisch herüberkommt. 
Flora leidet an einer Amnesie. Sie ist nicht fähig sich an bestimmte Ereignisse zu erinnern seit sie zehn Jahre alt ist. Sie vergisst jeden Tag aufs Neue, wer sie ist, wo sie ist, was sie macht und ist absolut hilflos. Nun endlich hat sie aber eine Erinnerung an die sie sich klammert. Eben dieser Kuss mit Drake. Drake lebt aber nun nicht mehr in ihrem Örtchen, sondern in der Arktis. Die ersten Tage schreiben die beiden einander Emails, die meiner Meinung nach extrem übertrieben und zu extrem sind. Ein Beispiel: Er erzählt ihr, dass er sehr viel Zeit damit verbringt, sie nackt zu sehen. Die beiden haben sich ja nur geküsst und eigentlich gar nichts miteinander zu tun gehabt zuvor, eine viel zu krasse Wandlung, wie ich finde. Flora macht sich dann auf den Weg in die Arktis um ihren Traummann zu finden und Zeit mit ihm zu verbringen. Der zweite Teil der Geschichte ist definitiv spannender als der erste. Aber auch hier haben wir es mit unzähligen Wiederholungen zu tun und die Geschichte geht auch da nicht wirklich vorwärts. Richtig spannend wird der Roman erst im  dritten und letzten Teil. Hier wird nämlich das Rätsel aufgelöst und es werden einem einige spannende Fakten geliefert.

Das wäre doch ein spannendes Thema für die Geschichte. Ich habe mich gefragt, ob Emily Barr einen zweiten Band schreiben würde. Das wäre eine gute Basis für ein Jugendbuchroman, ein bisschen Abenteuer, Freundschaft, Liebe und Probleme, die sich zur Abwechslung nicht nur um Jungs drehen. Mir scheint es fast, als hätte die Autorin nicht mehr genau gewusst, was sie denn zum Schluss schreiben soll, und dann einfach abrupt alles zu Ende gebracht hat. Trotzdem hört es nicht ganz abgeschlossen auf, und lässt viel Platz für Neues. Denn hier werden keine Wiederholungen mehr gemacht und alles geht etwas schneller vorwärts. Da das Buch aber auch keinen harten oder schweren Inhalt hat, habe ich es in kurzer Zeit beendet und schon nach einem Tag niederlegen können. 
Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben sein, ist ein Buch, das mir so von der Thematik einfach nicht wirklich zugesprochen hat. Weder heute noch vor ein Paar Jahren. Ich merke mit jedem Jugendbuch, das ich beende, dass es mir einfach nicht mehr zuspricht und dass der Lesespass nicht mehr derselbe ist. Ich möchte mich Belletristik widmen, die mir etwas lehrt und die mir im Kopf bleibt. Hier war das leider nicht der Fall, mir hat das Buch leider nicht so gut gefallen. Aber es gibt bestimmt junge Leute, die sich dieser Art von Büchern lieber vornehmen, als ich.
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/04/jeder-tag-kann-der-schonste-in-deinem.html

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39 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

tod, liebe, drogen, krebs, journalismus

Nina & Tom

Tom Kummer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 17.03.2017
ISBN 9783351050351
Genre: Romane

Rezension:

'Nina und Tom' ist ohne Frage ein aussergewöhnliches Buch.
So gnadenlos ehrlich Tom Kummers Worte wirken, so stechend scharf schwarz auf weiss, schmückt das Buch doch nirgends ein Attribut in Richtung 'autobiographisch'. Vielleicht hat dies eine ganz einfache Erklärung - vielleicht bewegt sich Tom Kummer nämlich mal wieder auf einer schmalen Linie, die zwischen Fiktion und Wahrheit. Und wirft damit Fragen auf. Ist gute Fiktion nicht ähnlich wahr wie reine Wahrheit? Er überlässt uns damit auch noch eine weitere Aufgabe. Glauben, was wir glauben. Genau darum geht es im Roman ebenfalls, um das Erwachsen und (Sich-)Bewusstwerden zweier Menschen, welche ihren Platz in der Welt suchen und ihrem eigenen Glauben folgen.
Dabei wirken Nina und Tom so tief miteinander verbunden und doch so individuell und eigenständig, wie es nur ein echtes Leben und ein echtes Paar sein können. Wir dürfen sie also auf ihrem wilden Weg begleiten und Kennenlernen und dabei sind die beiden wie Freunde.
Denn anders als bei anderen Büchern scheint ihre Dickköpfigkeit und Eigensinnigkeit durch die rein literarische Zeichnung der Charaktere durch. So sind uns Leser_innen die Personen sympathisch oder nicht und abhängig davon gefällt uns das Buch oder nicht - obwohl ich sonst immer stark daf¨r bin, die Sympathie zu den Charakteren vom ganzen Eindruck des Buches zu trennen, wird hier das doch fast exzessiv verlangt. Aber ich kann gar nicht wirklich von Sympathie oder Antipathie sprechen. Denn Nina und Tom, genauso wie das Buch, strahlen auf mich einfach etwas unglaublich Faszinierendes aus. Vor allem ihre Menschlichkeit und die Schwäche in ihren Stärken, die wirklich brilliant scheint.
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/04/nina-und-tom-buchgedanken.html

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Zwei oder drei Dinge, die ich dir nicht erzählt habe

Joyce Carol Oates , Brigitte Jakobeit
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 24.06.2016
ISBN 9783423626255
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zwei oder drei Dinge, die ich dir nicht erzählt habe, ist ein besonderes Buch. Man merkt schon dem Titel an, dass hier drin nichts vorgelogen wird, obwohl das ja eigentlich Ironie pur ist. Das schlichte Cover erweckt immer wieder meine Aufmerksamkeit, das ebenmssige Gesicht, rein wie aus dem Wasser, hat sich in mir eingepräft, der Zickzackgenähte Rand ebenso. Die Schrift gefällt mir mit der Zeit immer mehr, und das Cover ist einfach atembeaubend schön, auf den zweiten Blick, was mir wahnsinnig gut gefällt.
Denn selten habe ich ein Cover gesehen, das so gut auf die Geschichte passt. Nicht, weil eine der Protagonistinnen etwa genau solche blaue Augen, zarte Haut und rote Lippen hat. Sondern weil das  Gesicht wie die Geschicht' von Ehrlichkeit aber auch Verwundbarkeit nur so spriesst. 
Joyce Carol Oates ist ein grosser Name, meine Mutter hat das Buch in der Jugendabteilung gesehen und sich  an all ihre Büchre von Joyce Carol Oates erinnert, und mir Zwei oder Drei Dinge, die ich dir nicht erzählt habe, spontan gekauft, was wohl einer der besten Entscheide war. 
Man kann nicht behaupten, man spürt den atemlosen Flow des Buches, wird magisch davon angezogen und kann es nicht mehr zur Seite legen. Es ist mehr so psychisch, dass man immer weiterlesen muss, dass man immer mehr des Schicksals und Lebens von Merissa, Tink und Nadja aufsagen, erfahren  will.
Der Schreibstil kommt nicht gewöhnlich daher, er ist nicht nur sonderbar, sondern auch grundehrlich frei, irgendwie. Er bringt dich dazu, Nachzudenken, was du vom Leben willst. Er bringt dich dazu, die Protagonistinnen zutiefst verstehen zu wollen. Aber das kannst du nicht. Joyce Carol Oates hat es wohl darauf ausgelegt, die Charaktere nicht greifbar zu machen. Es scheint, als habe sie die authentischsten Charaktere entworfen, die die Welt je gesehen hat, und gleichzeitig sind sie so ungewöhnlich, dass sie überhaupt nicht realistisch rüberkommen.
Es ist so ein komisches Dings mit diesem Buch. Ein Dings. Ich kann gar nicht in schlaue Worte fassen, was Zwei oder drei Dinge, die ich dir nicht erzählt habe in mir ausgelöst hat. Ein Dings. Ein Dings ist mit dem Buch, und genau wegen diesem Dings soll jeder das Buch lesen, die Liebe, die dahintersteckt erfahren und den Hass spüren. Man muss sich an das Buch wagen, man soll nicht einfach beschliessen, es jetzt und sofort zu lesen. Man soll es kaufen und neben sich legen und die Kraft spüren, die vom Buch ausgeht. Und wenn du glaubst, du hast die ganze Kraft dieses Buches, die Kraft der Ausstrahlung vollständig aufgesammelt, dann lies es. Und wundere dich  darüber, wie im Laufe des Lesens die Kraft vollendet wird. 
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2015/01/zwei-oder-drei-dinge-die-ich-dir-nicht.html

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355 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 67 Rezensionen

drogen, selbstmord, liebe, suizid, tod

Wir wollten nichts. Wir wollten alles

Sanne Munk Jensen , Glenn Ringtved , Ulrich Sonnenberg , Cornelia Niere
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 20.01.2015
ISBN 9783789139208
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Manchmal beginnt man ein Buch skeptisch. Dann merkt man vielleicht, dass man gar nicht skeptisch sein soll, weil sich das Gelesene im Kopf reimt und zu schwammig-klaren Gedanken formt. Weil es einfach passt. Die Charaktere, der Schreibstil, die Geschichte. Die Gefühle.
Wir wollten nichts.  Wir wollten alles. hatte mehr als das Übliche. Es hat mir nicht nur alles verliehen, damit ich  genau wusste, das ist ein gutes Buch. Es hat mich umgeworfen. Es tickt nicht wie normale Bücher. Es verblüfft und überrascht. Ich kann nicht genau sagen, weswegen.  Warum jetzt genau so, weswegen man sofort eine tiefe Verbundenheit zu Louise fühlt. 
Man muss Liebe und Schmerz erfahren haben, um dieses Buch zu erleben. Ich will nicht behaupten, dass ich das habe, auch wenn ich wahnsinnig sensibel bin. Aber man muss einfach eine gewisse Reife haben, ein Verständnis, ein Gefühl für Mitmenschen und eine Offenheit für Neues.
Von Anfang an weiss man, wie das Buch ausgeht. Es ist auf dem Cover. Und deswegen, verdammt, soll mir keiner kommen und sagen, 'ach, ja, das Buch hat mir nicht so gefallen. Ich konnte mir schon in der Hälfte denken, zu was es führt.' Das Cover erklärt schon alles. Und genau deswegen. Weil das Buch dieses stoische Schema Einleitung - Mittelteil mit Höhepunkt - [am besten überraschendes] Ende [mit einer krassen Wendung] aufbricht und macht, was es will.

Ich will es mal vergleichen mit dieser Silberfolie, die manchmal irgendwo klebt. Man bewegt sich vor dieser Folie nach links, dann nach rechts. Versucht, herauszufinden, was das für eine Farbe ist. Jeder Mensch, jede Bewegung nimmt sie anders wahr. Und so ist es auch mit diesem Buch. Leute, die auf ein typisches Lesevergnügen stehen, finden Louise Handlungen unlogisch. Leute, die lieben und geliebt werden, verstehen Louise. Die, die nach etwas suchen, werden durch  dieses Buch vielleicht fündig. 
Es ist so viel mehr, als das, wonach  es aussieht. Zwei Autorinnen zusammen haben etwas geschaffen, dass so viel erzählt, so oft aufgenommen und widergegeben werden soll, dass das Buch nur ein Highlight sein kann. Der Schreibstil ist verletzlich und stark zugleich, er ist einfach und äusserst komplex. Man muss zwischen  den Zeilen lesen und spüren, ganz viel fühlen. Und vielleicht hat man dann das Buch zum ersten Mal  gelesen und verstanden. Und dann, vielleicht in zwei Jahren, soll man es wieder lesen. Wiederfühlen. Wieder über den selben Stellen lächeln und das Buch in sein Herz lassen. Danke für dieses Leseerlebnis.
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2015/02/wir-wollten-nichts-wir-wollten-alles.html

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158 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

magersucht, familie, jugendbuch, essstörung, tod

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin

Lilly Lindner
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 23.02.2017
ISBN 9783733500405
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Was erwarte ich von einem Buch, damit ich es als 'Highlight' tituliere? Was genau muss dieses Buch dann aufbringen? Es gibt ja so allgemein ein paar Punkte, um nur ein Bruchteil davon zu nennen; Schreibstil; Charaktere; Handlungsablauf...
Manchmal nennt man ein Buch auch überraschend sein Lieblingsbuch. Muss da dann alles zusammen fallen? Spannung, unerwartete Wendungen, lebensfrohe Charaktere und den-Tag-versüssende Sprache.
Ich sag euch jetzt mal was. Mein neues Lieblingsbuch ist dieses hier. Ich kann gar nicht genug darüber nachdenken, darüber schreiben, im Nachhinein perlend lachen oder Tränen verdrücken. Dabei ist in diesem Buch nichts so, wie man erwartet. Oder hofft. Oder sich wünscht.
Es ist viel mehr, in dieser Andersartigkeit. Ich  habe noch nie so wunderbare Menschen wie in diesem Buch getroffen. Nicht einfach lieb aus ganzem Herzen. Nicht nur ein bisschen Dahin-Lächeln. Charaktere brauchen einen Boden. Und bei diesen beiden Protagonistinnen stürzt dieser Boden ab. Und sie halten sich trotzdem. Aneinander fest. Und fallen dabei. Alleine, gemeinsam. In Worten.
Ich liebe Bücher, die Seite um Seite Briefe und Briefe aufzeigen. Briefe sind so etwas persönliches. Es beginnt mit Small Talk und dann redet man sich so in einen Fluss, man wird von keinem gegenüber gestoppt. Muss nichts zurücknehmen. Denn einen Brief kann man behalten.  Oder abschicken. Beantworten. Oder einfach x-mal lesen. Briefe sind so wichtig für die Literatur, wie auch viele andere Werke beweisen. Und in diesem Buch, mit dieser speziellen Sprache, mit diesem Hintergrund und mit einer solchen Autorin. In diesem Buch beweisen Briefe, wie wichtig sie sind. Wie viel Liebe sie schenken. Vor Allem, wenn sie von Pheobe oder April kommen.
Ich kann meine Liebe zu diesem Buch gar nicht in richtige Worte fassen. Also habe ich versucht, es mit den Worten aus dem Buch auszudrücken. Auf unseren Social Media Kanälen habe ich auch schon ein wunderbares Zitat geteilt, das zeigt, wie simpel der Schreibstil von Lilly Lindner klar und präzise eine einzigartige Wortwahl und Originalität vereint. Weisst du, wie viele Tage es auf der Welt gibt? Leider habe ich mit der Zeit gemerkt, dass das auch nicht der perfekte Weg ist. Jede Seite hatte drei Post-Its, mindestens, zu Anfang. Ein paar beste rauszupicken erscheint mir als die schwerste Aufgabe, die ich in meinen fünfzehn Lebensjahren überwinden musste. Passt ja. Das beste Buch in meinen fünfzehn Lebensjahren. Einen kleinen Beweis zeige ich euch jetzt, ein paar Zitate.

Ich habe sechs Zitate markiert. Aber ganz viele andere Stellen abgeschrieben, vorgelesen, mit einem Lächeln, das ewig über diese Worten währt und danach beschlossen, dass ich eigentlich niemandem diese Zitate verraten will. Das ganze Buch ist einfach so wertvoll für mich, die Komposition der Worte. Ich wollte jede Seite meine neuen, schön-matt-schnee-weissen Post-It's einkleben, damit die Stellen von mir nicht in Vergessenheit geraten. Aber dann habe ich beschlossen, das sein zu lassen, weil ich mich sowieso immer daran erinnern werde. Ausserdem kann ich das Buch wieder und wieder und wieder lesen. Zum Glück. Was würde ich sonst machen? "Wenn es nur fünf Minuten dauert, um einem Kind zu helfen, damit es nicht für immer in England verlorengeht, dann sollte doch jeder Mensch fünf Minuten von seiner Zeit übrig haben, um ein bisschen Achtsamkeit zu verschenken. 
Dazu haben wir doch Augen, oder? Um hinzugucken, wenn da etwas ist, das gesehen werden muss." ~ Seite 30--> An diesem Zitat gefällt mir, wie gut Phoebe versteht, was ich auch immer meine. Ich habe ein Video gesehen, ein Experiment. EIn Mann, als Clochard 'verkleidet', fällt hustend auf einer belebten Strasse in Paris um. Niemand kümmert sich um ihn. Er ruft verzweifelt und vergeblich minutenlang 'Aidez-moi!' Niemand kümmert sich um ihn. Alle Menschen rennen ihrem Stress hinterher. Zwei Stunden später, der gleiche Mann, Anzug und Aktentasche. Husten und ein Fall. Leute, die einen Kreis um ihn bilden, sofort alle möglichen Hilfesdienste rufen. Wir müssen uns wirklich mehr Achtsamkeit schenken. Egal, welcher Religion, welche Art Mensch wir sind. Wir haben doch alle irgendwas gemeinsam. Und man soll hinschauen. Denn es passiert so viel Schreckliches momentan in der Welt. Wer will da schon hinschauen? Aber wir müssen. Es ist unsere Welt. Die wollen wir doch verbessern. Man sagt immer, man soll bei sich selbst beginnen. Aber das glaube ich nicht ganz. Man beginnt natürlich, wenn man das Beste aus sich rausholt. Aber auch das Beste in andern sieht, hilft und hinschaut. Und da hat man schon was gemeinsam, oder?"Ich vermisse dich jeden Tag, April.
Jeden einzelnen Tag und alle zusammen!
Weisst du, wie viele Tage es auf der Welt gibt?" 
~ Seite 85--> Bei Babys ist das Gehirn noch nicht ganz zusammengewachsen. Sie sind Wunder, wir waren das alle mal. Denn dadurch veränderten sich unsere Sinne. Irgendwie fühlen sie Farben und riechen sie Töne. Nicht genau so, aber irgendwie so. Und mir gefällt auch, das Lilly Lindner Zeit und Platz nicht vergleicht, sondern sich gleichstellt. "Dann kannst du mir mit ins Wortgeschäft einsteigen und dabei helfen, die Welt mit glücklichen Worten zu überschütten. Wir verraten auch nicht alle Worte, einige behalten wir für uns." ~ Seite 103--> Wie gutherzig und offen Phoebe ist. Anfangs äusserte sie sich, dass sie nicht unbedingt ständig über Worte nachdenken will. Das muss sie auch nicht, sie findet immer die richtigen. Denn sie hat wundervolle Gedanken. Wie hier. Geschenke zu verteilen in Form von Worten, sie weiss, wie wunderbar teilen ist. Aber sie weiss auch, spätestens durch April, wie wichtig es auch ist, sich selbst zu schauen. Sich die schönen Worte aufzusparen. Nicht alle, und auch nicht unbedingt sparen. Sondern einfach für sich selbst zu schauen. Und Worte sind bestimmt Phoebes Weg."Die Zeit zu schätzen ist nicht leicht wenn sie stillsteht." ~ Seite 127--> So viele Schriftsteller versuchen dieses Gefühl zu erklären, wenn man die Zeit vergisst. Lilly Lindner bringt es schlicht auf den Punkt. Danke hierfür, für diesen einen Satz im strahlenden Wortmeer."Das ist Phoebe. Sie ist Aprils kleine Schwester. Und wenn ich die Wort der beiden nicht zusammenbringe, dann gehen sie alle beide verloren" ~ Seite 382--> Phoebe und April. April und Phoebe. Und dann wären da noch die Worte. Und der Halt. Was für ein schönes Zitat, um Leben zu retten.Ich habe auch zu dein einzelnen Abschnitten kurz meine Gedanken gebündelt. Ich kann gar nicht über das Buch schreiben, schweife immer wieder ab, weil es ja viel mehr als schlicht eine Geschichte beinhaltet. Also für alle, die das Buch lesen und sich imaginär (oder auch gerne ganz richtig - einfach mich irgendwie kontaktieren!) mit mir darüber unterhalten möchten... Hier ist ein Bruchteil meines Gefühlausbruchs, den ich völlig schlecht in Worte geformt und auf Papier gebracht habe.
Irgendwie hört sich das jetzt doof und total überladen an, aber meiner Meinung nach ist "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" mehr als nur ein Buch. Es stecken so viele kleine und grosse Wunder darin, sprachlich und von der Geschichte her. Man muss sich auf sowas einlassen können und man muss von der Grundidee einer abgeschlossenen Handlung abkommen. Dieses Buch erzählt vom Leben, von Worten, vom Tod und von der ewig-haltenden Schwesternliebe. 
Sprachlos habe ich das Buch zu meinen Lieblingsbüchern gestellt. Ich bin einfach so dankbar, dankbar, dass Lilly Lindner dieses Meisterwerk voller Leben und Schrägheit gefüllt hat, voller Lächeln und Tränen. Denn es ist das beste Buch, dass mir in meinen 15 Lebensjahren untergekommen ist.

http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2015/02/was-fehlt-wenn-ich-verschwunden-bin.html

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Wie sollten wir sein?

Sheila Heti , Thomas Überhoff ,
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 07.03.2014
ISBN 9783498004071
Genre: Romane

Rezension:

"Wir hatten uns zum Bruch verabredet."
Dieses Buch ähnelt keinem anderen Leseereignis. Das hat noch nicht mal was mit den Dialogen oder den verschiedenen Akten zu tun, es hat mit Sheila Hetis Sprache zu tun und ihren einzigartigen Ideen. Auch wenn es ein Werk der Literatur ist, ist es auf wahren Gesprächen mit ihren Freunden, wie zum Beispiel mit Margaux, die im Buch als herrlich künstlerisch und hin und her gerissen zwischen ihrer und der Realität der anderen erscheint. Und auch die meisten anderen Personen gibt es wirklich, so Misha Glouberman, mit dem sie zusammen ein Buch mit dem unvergesslichen Titel The Chairs Are Where The People Go geschrieben hat. 
Während dem Lesen ging mir so viel durch den Kopf, dass ich viele Stellen wieder und wieder aufgreifen musste, um sie vollständig zu verstehen. Das hat damit zu tun, dass Sheila Heti sich wohl ausprobiert. Sie mischt ihre verschiedenen Seiten und wenn manchmal kurzbündig nur das Nötigste steht, gibt es Sätze, die über eine halbe Seite lang und vor allem verstörend sind. Aber genau das macht das Buch aus. Denn von der Handlung haben wir nicht grosse Unterschiede. Sheila sucht sich in ihrem Leben, sucht ihre Freunde und Inspiration für ihr Theaterstück, an dem sie verzweifelt seit Jahren steckt. Die manchmal nicht ganz eindeutigen Gefühle sprechen für mich für höchste Authentizität. Daran erkennt man, das Sheila Heti nicht irgendwas zum Thema ihres ersten grossen Romanes macht, sondern teilweise fast autobiografisch ihre Lebenskrise niederschreibt, an der sie eben arbeitet. 
Es ist wiedermal ein Buch, zu dem ich nicht viel zu sagen habe, weil es schon für sich selbst spricht. Und weil es halt in jedem etwas anderes hervorruft. Deswegen empfehle ich es euch nur von ganzem Herzen und wünsche euch eine spannende Lesezeit. Wer mich beim Lesen dieses Buches gerne begleitet hätte, kann das hier nachträglich noch so ein bisschen tun und mehr Einblicke in das Buch kriegen. 
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2015/12/wie-sollten-wir-sein-von-sheila-heti.html

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278 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

jugendbuch, englisch, familie, freundschaft, insel

We Were Liars

E. Lockhart
Flexibler Einband: 227 Seiten
Erschienen bei Hot Key Books, 15.05.2014
ISBN 9781471403989
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ein Buch, von dem alle schwärmen, die es gelesen haben?  Das musste ich haben. Egal, ob es ein englisches ist oder nicht. Ich hielt das Buch also in den Händen und war mir ein wenig unschlüssig. Wie finde ich das Cover jetzt. Schön, weil es so einzigartig ist? Oder zu sehr zusammengewürfelt? Egal, wie ich antworten würde, nimmt man den Schutzumschlag ab, ist es noch tausendmal schöner, mit einem silbernen Buchrücken, leicht ausgefranster Optik und alter Buchbindertechnik. Und wenn man das Buch aufschlägt, ruft man ziemlich sicher vollkommen verzückt 'Eine Karte'. Tatsächlich sind schöne Illustrationen eingebaut, um sich die Insel und den Stammbaum der Familie Sinclair besser vorzustellen können. Man muss nicht wirklich viel über das Buch wissen, damit wurde auch ziemlich Marketing im englischen Raum gemacht. In dieses Buch muss man ohne jegliche Erwartungen oder Vorstellungen starten. Dem stimme ich tatsächlich zu, auch wenn ich zu Anfang dachte, dass das nur gesagt wird, um diesen mythischen Reiz ausspielen zu können. Deswegen ist es für mich nun auch nicht wirklich einfach, über das Buch zu schreiben. Und den Plottwist. Niemand hat ihn erwartet, niemand hat mit so etwas gerechnet, schreiben alle Kritiker im Internet. Ich auch nicht. Obwohl ich einige Verdachte hatte. Wenn man mitten in diesem Plot steckt, beginnt man sich einiges zu fragen. Denn man will verstehen.
Die Charaktere wurden ziemlich ausgefeilt, das hat man gemerkt. Trotzdem habe ich als Leser keine Verbindung gespürt, oder gar eine Beziehung zu einem Charakter aufgebaut. Alle wirkten sie auf mich wie eine lustlose, gelangweilte Jugend, von den Erwachsenen gar nicht erst zu sprechen. Und trotzdem, was, wie ich finde, E. Lockharts Talent aufzeigt, interessiert man sich für die Geschichte, für die Wahrheit. Das Englisch im Buch ist nicht sonderlich schwer, aber in die einfachste Kategorie würde ich das Buch auch nicht stecken, weil die Sprache ziemlich täuscht. Durch die kurzen Abschnitte und dem einfachen Grundvokabular hat mein Kopf ständig umgeschaltet, sodass ich die Zeilen nur überflogen habe, und dabei den Kontext gar nicht mehr verstanden haben, weil ich in einem losen Haufen Wörter verloren war. Ich  weiss nicht, wie genau ich die Situation beschreiben konnte, aber Anfänger lesen doch meistens sehr genau, deswegen kann ich genau denen dieses Buch sehr ans Herz legen. Das Buch ist in fünf grobe Teile eingeteilt, in dem jeder spezifischer und expliziter die Wahrheit ansteuert, die schlussendlich ans Licht gelangt. Darin gibt es dann, ich mag sie nicht Kapitel nennen, sondern nummerierte Abschnitte. Da die Thematik nicht wirklich schwer greifbar ist, finde ich es hier ausserordentlich gelungen, da diese kurzen Abschnitte es zulassen, einen schnellen Schluss zu finden, aber man trotzdem nie wirklich aus der Geschichte fällt. Denn man verfolgt die Geschehnisse im Kopf weiter. Was könnte es jetzt sein? Wie? Warum? Das Buch nimmt einen völlig anderen Verlauf, als man erwartet, nachdem der Beginn eher belanglos zur Sache ging. Man erwartet regelrecht nichts mehr, schon gar nichts überraschendes, besonderes, obwohl man weiss, dass da noch etwas kommen muss. Und dann kommen Häppchen der Wahrheit ans Licht, aber nie ein Gesamtbild, welches man sich selbst zusammenstückelt. Um dann mit dem Originalbild überrascht wird. Und ja, ich kann nicht mehr zu dem Buch sagen. Müsste ich es in fünf Worten zusammenfassen, dann wäre das erste Wohl Surprice. Und dann würde ich nichts mehr hinzufügen. Denn man kratzt ständig an der Grenze eines Spoilers, was einfach zu schade ist, weil es das Buch einfach ausmacht. Das Buch wurde ziemlich gehypt, und ich weiss, dass ich euch noch neugieriger mache, mit dieser Rezension. Aber ich kann euch das Buch auch nur empfehlen. Ja, ihr wisst wohl so langsam schon, dass es mich völlig überrascht hat, aber ich möchte auch unbedingt auf etwas anderes eingehen. Und das ist der Schreibstil. Wenn man eher selten auf Englisch liest, ist dieser eher schwer einzuschätzen. Aber das Englisch in diesem Buch war so einfach und zugleich so wundervoll poetisch, dass es mich manchmal wirklich zu Tränen gerührt hat, völlig abgesehen vom Inhalt. Zwei wunderschöne Beispiele möchte ich  euch hier nennen.Mirren. She is sugar, curiosity, and rain. Mirren. Sie ist Zucker, Kuriosität und Regen.Was mir hier gefällt ist natürlich die Zusammenwürflung dieser Nomen. Zuerst scheinen sie zufällig, und dann aber meint man, durch diesen Satz mehr über einen Menschen zu wissen, als nach jeder einseitigen Beschreibung. Poetischer, einfacher und besser könnte man einen Menschen wohl nicht beschreiben. He is a Person who can't fake a smile but smiles often. | Er ist eine Person, die kein Lächeln vortäuschen kann und doch oft lächelt.Auch hier eine Beschreibung. Wie geschrieben sind die Personen wunderbar sorgfältig erschaffen worden, und auch wenn sie wahnsinnig positiv klingen, ist es wohl nicht mal wirklich erwünscht, dass man sie in sein Herz schliesst. Und auch wenn man das nicht wirklich tat, wie ich es schon oft erwähnt habe, möchte man am Ende, ein bisschen zerstört, ein bisschen traurig, ein bisschen gebrochen das Buch und ganz Beechwood Island umarmen. Obwohl man die Personen nicht mag. Weil sie es genau darauf auslegen. Ich kann das Buch und das Leseerlebnis nur schwer in Worte fassen, möchte es euch aber gerne ans Herzen legen. 
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2015/04/we-were-liars-rezension-e.html

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206 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

internat, liebe, freundschaft, trauma, jugendbuch

Was uns bleibt ist jetzt

Meg Wolitzer ,
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei cbt, 21.09.2015
ISBN 9783570162941
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Man hat mich wegen eines Jungen hierher geschickt."
Was uns bleibt ist Jetzt ist ein Buch, welches mich von der Idee her begeistert hat. Ich persönlich mag keine Fantasy-Bücher, stolperte ich in den letzten Jahren aber doch immer wieder über nicht ganz realistische Elemente in Büchern, welche ich ganz okay fand. So auch bei Belzhar. Tagebücher, die dich zurückversetzen in die Zeit, in der alles okay war, wenn auch nur begrenzt und nicht für immer, scheint mir sehr psychisch und logisch erklärbar zu sein - etwas, das im Kopf passiert, wenn man Schweres hinter sich hat. Ich liess diesen Faktor also nicht entscheiden, ob ich das Buch lesen soll oder nicht, sondern schnappte es mir trotzdem und bald darauf war ich mitten in der Lektüre.


Und zwar hielt dieses Lesefieber etwa hundert Seiten an, danach musste ich das Buch weglegen. Nicht, weil es mich emotional so beschäftigt und tief getroffen hätte, nein, es langweilte mich. Ich musste etwas anderes zwischendurch lesen, eine Ablenkung, bevor ich wieder zu diesem Buch griff und mich einst wieder in der Welt von Jam befand. Sie lebt neuerdings in Wooden Barn, zusammen mit einem ganzen Haufen psychisch fragiler Jugendlicher, die hier, in diesem speziellen Internat, wieder zu sich, ihrem Leben und ihrer Wahrheit finden sollten. Das spezielle ist aber der Kurz Ausgewählte Themen der Literaturgeschichte, welchen nur wenige Schülerinnen und Schüler besuchen dürfen, unter anderem Jam, wer hätte es gedacht. Da sie neu ist, weiss sie noch nicht, was es mit dem Kurs auf sich hat, doch die anderen wissen das auch nicht - aber sie vermuten, dass etwas Geheimnisvolles hinter Mrs Quenell und ihrem Unterricht stecken muss. Widerwillig und ein bisschen verstört treffen also fünf Charaktere aufeinander, alle mit stark gezeichneten Eigenschaften, die sie für mich aber blass erschienen liessen. Auf mich wirkten sie nämlich alle wie aus einer schlechten TV-Show, und ich fühle mich nicht wohl dabei, das auszusprechen, da jeder einzelne von ihnen gerade daran ist, das Schlimmste, was ihnen bisher passiert ist, durchzustehen. Doch mich langweilten die Schwarz-Weiss-gezeichneten Charaktere, die alle unterschiedlich sein sollten. Meg Wolitzer schien spannende Differenz in die Figuren bringen zu wollen, was meiner Meinung nach aber gründlich schief lief, denn sie wirkten alle überzeichnet mit gewöhnlichen Eigenschaften und verlierten viel von ihrer Authenzität. Sehr schade, da mir auch von der Persönlichkeit keine wirklich zusagten, auch mit der Protagonistin Jam baute ich nicht wirkliche eine vertrauliche Beziehung auf, ich wurde einfach nicht warm mit ihr.
Auch wenn ich das Buch vielleicht schnell beendet habe, gab es auch nach den ersten hundert Seiten einige Passagen, die wirklich langwierig und zäh aufgebaut waren und mich nicht wirklich zu einem Fan des Buches machten, im Gegenteil, ich kann nun klar sagen, dass ich das Buch nicht mochte.
Was da bestimmt auch beigetragen hat, ist der Schreibstil. Dieser war gewöhnlich und hat mich nie gepackt oder an die Seiten gefesselt, ich war meistens eher überrascht, wie flach und eindimensional dieser war. Ausserdem bestand er aus vielen Wortwiederholungen, was mir mehrmals auffiel und mich generell meistens ziemlich schnell abschreckt. Dazu kamen immer wieder Ausdrücke wie 'WTF?' ins Spiel, bei denen ich stocken und lachen musste. Jam hat sich, nebenbei bemerkt, auch immer wieder selbst über ihre Sprache aufgeregt, was mich stocken liessen und ich fragte mich, wie viel die Autorin da bewusst so kritisiert hat. Zum Beispiel gab es da diese eine Erwähnung - "die Körper der zwei Liebenden schmiegten sich aneinander wie zum Gebet gefaltete Hände. Zwei zum Gebet gefaltete Hände? Das hört sich bestenfalls nach dem schlechtesten Gedicht Sylvia Plaths an, welches sie mit zwölf zu Papier gebracht hat und danach verärgert entsorgt hat." Ich wusste wirklich nicht, was sagen. Was ich an dem Buch aber am meisten zu kritisieren habe, hat mit allem zu tun, dem Inhalt sowie dem Schreibstil und den Charakteren. Die Autorin brachte immer wieder zum Ausdruck wie voller Tiefgründigkeit diese und jene Beziehung, Begegnung oder Figur lebt. Angesprochen war das alles, jedoch nicht ausgeschrieben. Wenn man dann mehr über die eigentliche Beziehung liest, diese liest, dann kommt einem diese ganz oberflächlich vor. Und so verhielt sich das meistens im Buch - zuvor alles schön und gross geredet, danach war die Wirklichkeit aber enttäuschend klein und unbedeutend. 

Zum Schluss noch zwei positive Dinge, wobei ich die erste Sache gar nicht so richtig deuten kann. Die Wendung, welche sich im allerletzten Teil einschlich, hat mich überrascht, ich sah sie gar nicht kommen. Aber ich war enttäuscht von ihr, sie wirkte mir ein bisschen lieblos herausgesucht und hingeworfen, auf die letzten Seiten. Und so verlief es auch mit dem Ende, welches mir gar nicht lebendig oder richtig für den Roman vorkam. Ich bin stark der Vermutung, dass da gepfuscht wurde und muss sagen, dass ich gar nicht zufrieden war, welchen Lauf das Buch nahm. 
Um noch anzusprechen, was ich wirklich, wirklich an dem Buch loben kann, möchte ich auf ein anderes Werk zu sprechen kommen, und zwar das von der stark in diesen Roman einbezogenen Autorin Sylvia Plath. Natürlich spielte sie für den mysteriösen Kurs Ausgewählte Themen der Literaturgeschichte eine grosse Rolle. Aber auch davon abgesehen waren die Stellen, in denen sie oder ihre Zeilen erwähnt und besprochen wurden, mit die lebendigsten und diese, die ich am liebsten las. Das Buch hat also definitiv von The Bell Jar profitiert, aber es ist auch schön, dass die Autorin so geehrt wurde, nur sollte mich das Buch dann auch bewegen. Ich denke aber, dass es für jede Leserin von Was bleibt uns jetzt danach unmöglich ist, Sylvia Plaths Bücher und Lyrik zu umgehen.
Ein Sprichwort, dass auf das Buch passt, ist definitiv 'grosse Klappe und nichts dahinter'. Die eigentlichen Szenen wirkten mir alle ein bisschen leer, davor wurden diese aber angepriesen und in den höchsten Tönen gelobt. Leider blieb der Roman für mich aber ständig auf einer banalen Ebene der Oberflächlichkeit liegen und konnte mich nicht berühren, ich wurde auch mit den Charakteren nicht warm. Wenn Sylvia Plath erwähnt wurde, strahlten die Buchstaben zum einzigen Mal so wirklich und sprachen mich an, das waren die einzigen Stellen, die ich genoss und die das Buch für mich lesenswert machten. http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2015/11/was-uns-bleibt-ist-jetzt-rezension.html

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wald, liebe, wenn ihr uns findet, jugendbuch, familie

Wenn ihr uns findet

Emily Murdoch , Julia Walther
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Heyne, 03.03.2014
ISBN 9783453534346
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dieses Exemplar hier ist ein klassisches Beispiel für die Sparte an Büchern, die ich mir vor Jahren (!) zugelegt habe und unbedingt lesen wollte - schliesslich lobten es alle in den Himmel -, aber dann doch tatsächlich erst einige Zeit später wirklich dazukomme. Ich war neugierig und gespannt, war genau in der richtigen Stimmung für eine etwas aufregendere Geschichte und war erstmal angetan, vom lockeren und leichten Schreibstil, der mich nur so durch die Seiten fliegen liess. Aber ich konnte von der ersten Seite an keine wirkliche Verbindung zu den Charakteren und überhaupt dem ganzen Buch feststellen.

"Die besten Sachen auf der Welt gibt's fast für umsonst, sagt Mama immer.Wie zum Beispiel das gleissende Morgenlicht, das wie Diamanten über die Wasseroberfächeunseres Flüsschens tanzt. Oder der Fluss selbst, der den ganzen Tag lang Musik vor sichhin brabbelt, so wie Nessa als Baby. Glück is' umsonst, sagt Mama."


Dabei sind einige der Ideen sehr gut umgesetzt und die Ausarbeitung der Charaktere auch sehr feinsinnig. So ist Carey sehr schlau, aber doch auch immer wieder wahnsinnig naiv und leichtgläubig. Was vielleicht einfach mit der fehlenden Erfahrung zusammenhängt. Aber diese beiden Polen wurden immer wieder ausgehoben und in die Extreme verfrachtet, etwas, was ich nicht leiden kann, weil das nicht wirklich real ist. Die Mischung sehr kluger und doch auch naiver Denkensweise gibt es oft, aber die Trennlinie ist oft nur sehr fein sichtbar. Hier gab es einige Stellen, an der ich das Buch stirnrunzelnd zur Seite gelegt habe, da ich einfach nicht damit zurecht kam, wie Careys Handlungen oder Äusserungen, unabhängig vom tatsächlichen Inhalt, beschrieben wurden.
"Es stimmt: Wir hatten  nicht viel. Kein schickes Haus, teure Kleider oderSachen zum Angeben. Aber ich hab immer darauf geachtet, dass wir sauber sind.
Sauber bedeutet frei."


Irgendwie fehlte mir der Geschichte einfach an Substanz und Details. Das grosse Vorher (leben im Wald) sowie das grössere Nachher (in der zivilisierten Gesellschaft und den völlig fremden Sitten und Gegenständen) wurden ziemlich reduziert, es wurde einiges ausgelassen. Und vieles wurde beschönigt. Versteht mich nicht falsch, es geschahen schreckliche Dinge in der Vergangenheit der zwei Mädchen, jedoch waren mir diese Dinge zu sehr auf die Spitze getrieben. Es war dann immer ein Schlag. So fehlte der Geschichte einfach an Substanz. Das sind für mich diese Momente, in denen etwas nicht schwarz oder weiss ist, die feinfühligen und dadurch viel emotionaleren Momente. Es wurde mir in diesem Buch zu selten differenziert. So war die Beziehung der Schwestern einfach unglaublich eng, aber etwaige Abweichungen oder Sonderheiten mangelten Stark, was der Geschichte wieder an Authentizität und auch Fluss raubte. 
"Vermutlich kann man zwar das Mädchen aus dem Wald holen,aber nicht den Wald aus dem Mädchen."
Das ich das Buch als nicht wirklich gut empfand, hat wohl einige Gründe seitens des Buches, aber auch ich ging nicht unvoreingenommen daran ran. So hatte ich aufgrund all dieser positiven Meinungen sehr hohe Erwartungen. Und ich hatte kurz zuvor Room gesehen, bei diesem das Setting ganz anders war, die Geschichte aber eine ähnliche. Da wurden keine Details ausgelassen und alles war wahnsinnig vielschichtig und hatte so viel mehr Dimension. Natürlich war dies ein Film und es hat vielleicht auch mit dem Alters- und Geschlechterunterschied zu tun, aber es machte mich regelrecht wütend, als Careys neuen Leben fast schon beschränkt wurde auf Glitzerjeans, Dates und Partys. Das finde ich auch woanders, wenn ich Ablenkung brauch. Und tiefgründig ist dieser Roman meiner Meinung nach, bis auf die paar schönen Textstellen, die ich euch rausgesucht habe, halt einfach nicht.

http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2016/04/wenn-ihr-uns-findet.html

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