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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Rosalie

Berni Mayer
Fester Einband: 270 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.11.2016
ISBN 9783832198404
Genre: Romane

Rezension:  
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(16)

30 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

banken, finanzkrise, schweiz

Montecristo

Martin Suter
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.09.2016
ISBN 9783257243666
Genre: Romane

Rezension:

Ein Personenschaden während einer Fahrt im Intercity und zwei Hundertfrankenscheine mit identischer Seriennummer. Auf den ersten Blick hat beides nichts miteinander zu tun – auf den zweiten Blick schon. Videojournalist Jonas Brand ahnt blad, dass er hier auf eine brisante Geschichte gestoßen ist. Soll er ihr nachgehen? Oder soll er sich doch lieber seinem großen Traum widmen, dem Filmprojekt „Montecristo“, für das es plötzlich einen Geldgeber gibt. Martin Suter entführt seine Leser diesmal in eine recht zwielichtige Welt der Banker, Börsenmakler, Politiker und Journalisten. Eine Welt, in der alles eine große Verschwörung ist, in der Betrügereien und Skandale vertuscht werden und alles mit allem zusammenhängt. Wer es wagt, in diesem System herumzuschnüffeln, bezahlt am Ende mit dem Leben. Mit einer perfekt durchdachten Thriller-Dramaturgie und äußerst geschmeidig entwirft Suter das abgründige Szenario eines folgenschweren Finanzskandals. Die Geschichte ist extrem gut recherchiert und man hat das Gefühl, dass sich Suter in den Chefetagen der Hochfinanz bestens auskennt. Zu kurz kommen auch in diesem Roman nicht Suters elegante, schnörkellose Sprache und die routinierten Dialoge. Ein spannender, unterhaltsamer, intelligenter und schockierender Roman, an dessen Ende der Leser recht desillusioniert dasteht.

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Tags: banken, finanzkrise, schweiz   (3)
 

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(167)

325 Bibliotheken, 8 Leser, 5 Gruppen, 38 Rezensionen

psychiatrie, thriller, mord, salzburg, psychatrie

Stimmen

Ursula Poznanski ,
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 26.02.2016
ISBN 9783499267437
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ihr dritter Fall führt das Salzburger Ermittler-Duo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger in die Psychiatrie: Auf der Trauma-Station des Klinikums Salzburg Nord wird ein junger Psychiater ermordet aufgefunden. Wer war der Mörder? Ein Kollege oder einer der Patienten? War der Jungarzt dabei, Machenschaften in der Klinik aufzudecken? Während die Ermittler noch dabei sind, das Pflegepersonal zu befragen und Informationen aus den Patienten herauszulocken, geschieht schon das nächste Unglück und bald befindet sich Beatrice selbst in höchster Gefahr. Der dritte Teil der Beatrice-Kaspary-Reihe ist meiner Meinung nach zwar ein kleines bisschen schwächer ausgefallen als seine beiden Vorgänger, in der Summe hat mich aber auch dieser Teil wieder sehr gut unterhalten. Poznanski erzählt sehr lebendig und fesselnd und hat auch diesmal wieder bewiesen, dass sie ein extrem gutes Gespür für außergewöhnliche Plots hat.

Das Setting war interessant gewählt und gerade diese Szenen in der Psychiatrie hat Poznanski auch sehr überzeugend und atmosphärisch inszeniert. Die Schicksale der einzelnen Patienten machen einen betroffen und beklommen. Zwar fand ich den Thriller recht spannend, allerdings drehen sich die Ermittlungen diesmal ein bisschen zu oft im Kreis und zum Schluss hin zieht sich die Geschichte ein bisschen. Auch den Masterplan des Täters fand ich diesmal etwas zu arg konstruiert und unglaubwürdig. Etwas spannender ging es da zum Teil fast in Beatrices Privatleben zu. Sie hat mit einigen Problemen zu kämpfen und scheint sich endlich auch privat auf Florin einlassen zu können.

In der Summe ein unterhaltsamer, spannender Thriller mit zwei tollen Hauptfiguren.

Übrigens rate ich dazu, die Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Die Fälle sind zwar in sich abgeschlossen, aber das Privatleben der Figuren geht ja weiter und viele Anspielungen versteht man nur, wenn man die Vorgängerbände kennt.

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Tags: psychiatrie, salzburg, trauma   (3)
 

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(10)

30 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

punk, musik, london, journalist, drogen

Als wir unsterblich waren

Tony Parsons , Christian Seidl
Fester Einband: 429 Seiten
Erschienen bei blumenbar, 02.11.2006
ISBN 9783936738247
Genre: Romane

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(42)

73 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

waisenhaus, seattle, suche, usa, große depression

Die chinesische Sängerin

Jamie Ford , Ulrike Thiesmeyer
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 31.03.2014
ISBN 9783827011848
Genre: Romane

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(28)

55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

krieg, 17. jahrhundert, spielmann, dreißigjähriger krieg, liebe

Die Hure und der Spielmann

Thomas Ziebula
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 15.08.2014
ISBN 9783404169979
Genre: Historische Romane

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(26)

32 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

ddr, erich honecker, honecker, humor, chile

Hier ist alles Banane

Jorge Nicolás Sanchez Rodriguez
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein extra, 12.08.2016
ISBN 9783864930409
Genre: Humor

Rezension:

Erich Honecker, ehemaliger Staatschef der DDR, starb am 29. Mai 1994 in Chile – so glaubt es die Welt. Doch jetzt kam die Wahrheit ans Licht: In Wirklichkeit hat Honecker seinen Tod damals nur vorgetäuscht und lebte bis vor kurzem mit seiner Frau in einem gepflegten Reihenhaus im Stadtteil La Reina in Chile. Das beweisen die geheimen Tagebücher, die Honecker zwischen den Jahren 1994 bis 2015 verfasst hat und die sein ehemaliger Chauffeur Jorge Nicolás Sanchez Rodriguez jetzt veröffentlicht hat.  Der Herausgeber und auch die Tagebücher sind natürlich nicht echt. Dahinter stecken der Literaturagent Daniel Wichmann und der Journalist Ralf Heimann. Das Autorenduo versucht mit „Hier ist alles Banane“ etwas, was Timur Vermes vor ein paar Jahren schon mit Adolf Hitler in „Er ist wieder da“ durchgespielt hat: Es geht um die Frage, was wäre, wenn ein diktatorischer, demagogischer Machthaber der Vergangenheit in der heutigen Zeit auftaucht. Stilistisch sind die beiden Werke nicht zu vergleichen. „Hier ist alles Banane“ ist keine Prosa, sondern besteht tatsächlich aus einzelnen Tagebucheinträgen. Darin plaudert Honecker nicht nur über sein Privatleben und weint ein bisschen der guten alten Zeit in der DDR hinterher, sondern kommentiert auch die weltpolitische Lage zwischen 1994 und 2015.

Ein paar Ideen im Buch und ein paar Gedankengänge, die die Autoren Honecker in den Mund legen, sind schon recht amüsant. Besonders lustig ist das Buch vor allem, wenn Honecker seinen Senf zum Weltgeschehen gibt. So könnte sich Honecker den Posten als Staatschef in der Schweiz vorstellen. Dort sei Startkapital vorhanden, nur die ewigen Volksabstimmungen müssten abgeschafft werden.  Auch nett ist der unerschütterliche Glauben Honeckers an die Produktivität der DDR. Der Despot Honecker verliert auch ein bisschen an Schrecken, weil ihn die Autoren generell als einen recht dümmlichen Macho darstellen.

Obwohl ich für solche Art von Satire durchaus zu haben bin, hat „Hier ist alles Banane“ bei mir nicht richtig gezündet. Das Buch hat humorige Ansätze, doch schleicht sich manche Länge ein. Manche Anekdote bemüht das Autorenduo auch einfach zu oft, um dann noch darüber lachen zu können. Außerdem war mir das Werk – auch im Vergleich zu „Er ist wieder da“ – nicht scharfzüngig und nicht scharfsinnig genug, um eine rundum gelungene Satire zu sein. Ich konnte auch nicht wirklich etwas aus dem Buch ziehen – bei solchen Satiren erwarte ich aber schon auch, dass der Gesellschaft der Spiegel vorgehalten wird. In der Summe gute Idee, gute Ansätze, aber leider mit ein paar Schwächen in der Umsetzung.

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Tags: ddr, honecker, satire   (3)
 

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62 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

episches zeitporträt 1948 - 2001, peter prange, brd-rm, historischer roman, zeigeschichte

Unsere wunderbaren Jahre

Peter Prange
Fester Einband: 976 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 13.10.2016
ISBN 9783651025035
Genre: Historische Romane

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(193)

378 Bibliotheken, 19 Leser, 1 Gruppe, 100 Rezensionen

freundschaft, neapel, italien, armut, bildung

Meine geniale Freundin

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 422 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 29.08.2016
ISBN 9783518425534
Genre: Romane

Rezension:

An Elena Ferrante und ihrer Saga um die Freundinnen Lila und Elena im Neapel der Nachkriegszeit kam man in den letzten Monaten ja nur sehr schwer vorbei: Die halbe Welt schien den Roman zu lesen und davon zu schwärmen, dazu kamen noch die Spekulationen über die wahre Identität der Autorin. Was hat dieser Roman, warum begeistert er die lesende Welt so restlos? Das wollte ich nun auch herausfinden und hab mich an „Meine geniale Freundin“ gewagt, den ersten Teil der vierteiligen Saga. Und ja, dieser erste Teil war in der Summe ein wirklich gutes Buch – so ganz kann ich den Hype allerdings noch nicht verstehen.

Der Auftakt beziehungsweise die Rahmenhandlung der Geschichte ist schon mal recht effektvoll: Eine Frau namens Lila, schätzungsweise um die 70, ist spurlos verschwunden – sie will das Leben, das hinter ihr liegt, komplett auslöschen. Ihre langjährige beste Freundin Elena, die Ich-Erzählerin in Ferrantes Roman, beginnt nun die Geschichte ihrer Freundschaft aufzuschreiben. Eine innige Freundschaft, die aber auch immer von Konkurrenzkampf geprägt ist.

Im ersten Teil der Saga geht es um die Kindheit und frühe Jugend der Freundinnen. Die Erinnerungen führen zurück in das Neapel der 1950er und 60er, in den Rione, das ärmste Viertel der Stadt. Es ist eine Welt in der Armut, Enge und Gewalt herrschen. Eine Welt in der Männer ihre Frauen schlagen, in der kriminelle Familienclans das Sagen haben und Töchter an den Freier verschachert werden, der gerade das meiste Geld besitzt. Lila und Elena begegnen sich zum ersten Mal in der Grundschule. Die stille Elena fühlt sich sofort angezogen von der frechen Lila, die noch dazu einen extrem wachen Verstand hat, ja fast schon hochbegabt ist. Gemeinsam versuchen sie den Kosmos, in dem sie leben, zu verstehen und merken bald, dass sie ihm entkommen müssen, wollen sie es später zu etwas schaffen. Es ist dann aber Elena die den Bildungsweg wählt, um aus dem Rione rauszukommen. Lila wird die Schulausbildung verwehrt.

Die Geschichte bietet viel: es ist eine zwischenmenschliche Studie, es ist ein Bildungsroman und nicht zuletzt ein Sittengemälde Neapels in der Nachkriegszeit. Die Figuren – vor allem Elena und Lila – sind wie aus Fleisch und Blut geschaffen. Es ist erschreckend zu lesen, mit welch Selbstverständlichkeit die beiden jungen Mädchen die Gewalt und die Zustände im Rione zunächst hinnehmen. Man versteht diese Gier nach Bildung, die das Leben der Freundinnen vorantreibt. Und man leidet mit der wissbegierigen Lila, der diese Bildung verwehrt bleibt. Ferrantes Sprache ist dazu noch schön und elegant. Trotzdem fehlte mir gerade in literarischer Hinsicht etwas, um restlos begeistert zu sein. Zu ruhig, zu brav, zu chronologisch wird die Geschichte erzählt. Zu sehr ist die Geschichte für mich noch eine Chronik, zu wenig Roman. Trotzdem werde ich auf jeden Fall weiterlesen und mir hoffentlich bald den zweiten Teil zulegen. Wahrscheinlich muss man die Saga am Ende auch als Gesamtkonstrukt bewerten.

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Tags: 50er und 60er jahre, bildung, frauenschicksal, freundschaft, italien, neapel   (6)
 

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(46)

97 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

swing, hamburg, musik, paris, liebe

Wie ein fernes Lied

Micaela Jary
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.08.2015
ISBN 9783492306133
Genre: Romane

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(4)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 1 Rezension

humor, teufel, papst, weihnachten, kirche

Der Teufel in der Weihnachtsnacht

Charles Lewinsky
Flexibler Einband: 64 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.10.2013
ISBN 9783423214728
Genre: Romane

Rezension:

„Der Teufel in der Weihnachtsnacht“ ist eine humorvolle und zugleich bitterböse Erzählung auf knapp 60 Seiten: In der Nacht vor Weihnachten schläft der Papst recht schlecht – er hat wieder einmal zu viel von Schwester Innocentias Christstollen genascht, der ihm jetzt schwer im Magen liegt. Plötzlich steht der Teufel an seinem Bett und kaum hat sich der Papst versehen, sitzt er schon neben Satan in dessen rotem Ferrari, braust durch die Nacht und erhält Nachhilfe in Sachen Betriebswirtschaft, Marketing und innovativer Personalführung. Denn der Teufel weiß natürlich wo der Schuh drückt: Der Kirche laufen die Schäfchen weg, das Image bröckelt, die Einnahmen sinken. Und so präsentiert der Teufel dem Papst eine Reihe von Ideen, mit denen das Image der Kirche aufpoliert werden könnte: vom Musical über den elektrischen Beichtstuhl bis hin zu Werbespots, die die Menschen wieder zum Beten animieren sollen. Zum Glück ist aber alles nur ein Traum – oder vielleicht doch nicht? Lewinsky erzählt frech, mit Tiefgang und mit ganz viel schwarzem Humor. Eine hochamüsante Erzählung, die kritisch Bezug auf die katholische Kirche in der heutigen Zeit nimmt, aber auf keinen Fall beleidigend ist.

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Tags: humor, kirche, papst, teufel   (4)
 

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(13)

28 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

weihnachten, familie, 19. jahrhundert, frankfurt am main, nett

Eisweihnacht

Ruth Berger , , ,
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.11.2013
ISBN 9783499266676
Genre: Romane

Rezension:

1844 in Frankfurt am Main, kurz vor Weihnachten: Der Winter ist in diesem Jahr so kalt, wie seit Generationen nicht mehr. Sogar der Main ist zugefroren. Unter der Kälte leidet auch das Geschäft des Großhändlers Best – alle teuren Weinflaschen im Kellergewölbe sind bei den Minustemperaturen einfach zersprungen. Furchtbar, denn Best steht sowieso schon kurz vor dem Konkurs. Vor diesem Hintergrund steht das Leben seiner Tochter Elise Kopf – die 30jährige lebt noch im Haushalt des Vaters und ist unverheiratet – wahrscheinlich weil sie ein lahmes Bein hat, wie ihr immer wieder gesagt wird. Jetzt will der Vater sie aber so schnell wie möglich versorgt wissen, einziger Heiratskandidat ist aber ein verwitweter alter Pfarrer mit fünf Kindern. Während Elise versucht, aus der Situation herauszukommen, stehen plötzlich die junge Marie und der Waisenjunge Josua vor der Türe – halb erfroren und ohne Unterkunft für die Nacht. Mit „Eisweihnacht“ ist Ruth Berger eine kurzweilige, wunderschöne Weihnachtsgeschichte vor historischer Kulisse gelungen – ganz ohne Kitsch und Gefühlsduselei, aber trotzdem mit ganz viel Herz. Elise ist ein toller Charakter, die für ihr eigenes Glück kämpft, aber auch anderen hilft. Obwohl ihre Situation verfahren scheint, lässt sie sich nicht unterkriegen. Der Schreibstil ist großartig – so fängt Ruth Berger wunderbar die Atmosphäre der Weihnachtszeit im 19. Jahrhundert ein. Das historische Frankfurt wird so gut beschrieben, dass man sich selbst durch die verschneiten Straßen gehen sieht und die eisige Kälte spürt. Zwischendurch muss man aber auch immer mal wieder schmunzeln. Nett fand ich es auch, dass Ruth Berger einige historische Persönlichkeiten in die Geschichte mit eingearbeitet hat (z.B. Schopenhauers Pudel oder Dr. Hoffmann, den Verfasser des Struwwelpeter). Eine absolute Leseempfehlung für die Vorweihnachtszeit.

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Tags: 19. jahrhundert, frankfurt am main, weihnachten   (3)
 

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166 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 70 Rezensionen

ballett, russland, tanz, roman, london

Die Schwester des Tänzers

Eva Stachniak , Peter Knecht
Flexibler Einband: 570 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 29.10.2016
ISBN 9783458361787
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ein Leben für die Kunst: In ihrem Roman „Die Schwester des Tänzers“ widmet sich Eva Stachniak dem Leben der Ballerina und Choreografin Bronislawa Nijinska. Nijinska war unter anderem einer der Stars bei den Ballets Russes, eines der bedeutendsten Balletensembles des 20. Jahrhunderts, und gilt als Wegbereiterin des Neoklassizismus im Ballett. Trotzdem stand sie immer ein bisschen im Schatten ihres Bruders, dem legendären Tänzer Waslaw Nijinsky. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht Bronislawas und so begleitet der Leser die Tänzerin von 1894 bis 1939 – von Russland über Paris und London bis nach New York. Für ihren Roman hat sich die Autorin hauptsächlich auf nachgelassenes biografisches Material – wie Tagebücher oder Interviews – sowie auf Nijinskas Buch „Early Memoirs“ gestützt.

Den Schreibstil hab ich gerade am Anfang als sehr angenehm und auch gefühlvoll empfunden. Bronislawa und Waslaw wurden bereits in eine Tänzerfamilie geboren und so bekommt man vor allem im ersten Teil des Romans ganz gut mit, wie schwer so ein Künstlerleben war – die ständigen Umzüge, die Angst, kein Engagement zu bekommen. Interessant fand ich generell die Einblicke in die klassische russische Ballettkunst und man erfährt auch, wie hart es war, einen Platz in der kaiserlichen Tanzakademie in Sankt Petersburg zu bekommen. Weil Bronislawa zu einer Zeit gelebt hat, in der die ganze Welt im Wandel war, spielen natürlich auch einige historische Ereignisse in den Roman mit hinein: Der Zar wird in Russland gestürzt und der 1. Weltkrieg bricht aus. Auch hier bekommt man ganz gut mit, was diese politischen Ereignisse für Bronislawa und ihre Familie bedeuteten.

Recht gelungen ist der Autorin die Charakterzeichnung der beiden Geschwister Nijinsky. Vor allem Waslaws unterschiedliche Facetten und generell das Verhältnis der beiden Geschwister zueinander hat sie sehr gut herausgearbeitet.

Und dennoch: Trotz der wirklich interessanten Geschichte, konnte mich der Roman nicht komplett bannen. Zu ruhig gleitet die Geschichte dahin, zu behäbig, ja fast langatmig wird sie erzählt. Obwohl im Leben der Tänzerin wirklich viel passiert und ihre Lebensumstände auch oft sehr schwierig und tragisch waren, gingen mir diese Lebenseinblicke nicht unter die Haut. Man hat oft das Gefühl, das viele wichtige Einschnitte im Leben der Geschwister nur so nebenbei abgehandelt werden, einfach runtererzählt werden. Die geschilderten Ereignisse waren mir oft einfach nicht intensiv genug. Im Gegenzug hält sich die Autorin dafür im so länger und ausführlicher bei den Themen Tanztechnik und Ballett auf. Das Verhältnis hat da für mich einfach nicht gestimmt.

Summa summarum ein gut recherchierter Roman über eine interessante, starke Frau und eine Liebeserklärung an das russische Ballett. Leider aber mit ein paar erzählerischen Schwächen.      

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Tags: ballett, biografie, russland, tanz   (4)
 

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

berlin, tom liehr

Nachttankstelle

Tom Liehr ,
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 28.08.2015
ISBN 9783499269820
Genre: Romane

Rezension:

Ein netter Langweiler Ende 30, der ein bisschen ziellos durchs Leben
stolpert, Musiker-Vergangenheit, eine Kneipe, in der sich am Ende alle
finden und natürlich Berlin als Schauplatz – das sind die Zutaten von
Tom Liehrs Roman „Nachttankstelle“ und irgendwie kommt einem das alles
doch schon sehr bekannt vor. Tatsächlich musste ich beim Lesen relativ
oft an „Herr Lehmann“ von Sven Regner denken, ein bisschen auch an die
Werke von Frank Goosen, nur dass „Nachttankstelle“ im Vergleich sehr
viel schlechter abschneidet. Das liegt an dem extrem dünnen,
langatmigen, vorhersehbaren und noch dazu überkonstruierten Plot. Wir
begleiten den 38-jährigen Uwe Fiedler, dessen Leben seit Jahren
stagniert: Er bekommt sein Studium nicht fertig und schiebt stattdessen
Nachtschichten an einer Tankstelle. Weil es praktisch ist, lebt er auch
noch mit seiner Ex-Freundin Rieke zusammen. Als ihn Rieke aber eines
Tages rausschmeißt, wird Uwe gezwungen seine Komfortzone zu verlassen.
Eine neue Bekanntschaft und eine Erbschaft helfen ihm dabei. Das Leben
der Hauptfigur ist trostlos und die ganze Geschichte an sich ist es
auch. Es gibt keine richtigen Höhen und Tiefen, die paar Wendungen
konnte man erahnen oder sind sehr an den Haaren herbeigezogen und
generell fehlen größere Spannungsmomente oder tiefergehende
Psychogramme. Normalerweise hätte ich so eine Geschichte abgebrochen,
wäre da nicht Tom Liehrs Schreibstil, denn der hat mir wirklich sehr gut
gefallen. Liehr erzählt sehr kreativ, mit viel Wortwitz, sehr
menschlich und manchmal auch tiefgründig. Nur leider reicht das halt
nicht immer. „Nachttankstelle“ war mein erstes Buch von Tom Liehr und leider nicht so mein Fall. Weil mich der Schreibstil aber wirklich überzeugt hat, werde ich mir auf
jeden Fall nochmal ein anderes Buch von ihm anschauen.

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Tags: berlin   (1)
 

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(10)

27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

heinz strunk, historischer roman, popkultur

Junge rettet Freund aus Teich

Heinz Strunk , any.way , Cathrin Günther
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.09.2014
ISBN 9783499266683
Genre: Romane

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(29)

68 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

frankfurt, nicole steyer, historischer roman, schmetterlinge, maria sibylla merian

Der Fluch der Sommervögel

Nicole Steyer
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2015
ISBN 9783426515846
Genre: Historische Romane

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(41)

76 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

schwanger, parallelwelten, zweiter teil, sekte, suche

IQ84 (Buch 3)

Haruki Murakami ,
Flexibler Einband: 578 Seiten
Erschienen bei btb, 11.03.2013
ISBN 9783442743636
Genre: Romane

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(292)

543 Bibliotheken, 18 Leser, 4 Gruppen, 30 Rezensionen

japan, liebe, parallelwelt, little people, sekte

1Q84 (Buch 1, 2)

Haruki Murakami , Ursula Gräfe
Flexibler Einband: 1.021 Seiten
Erschienen bei btb, 10.09.2012
ISBN 9783442743629
Genre: Romane

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(351)

650 Bibliotheken, 8 Leser, 10 Gruppen, 32 Rezensionen

england, thriller, krimi, mord, familie

Das andere Kind

Charlotte Link
Flexibler Einband: 666 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 08.12.2010
ISBN 9783442376322
Genre: Krimi und Thriller

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(146)

277 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

endzeit, dystopie, apokalypse, cormac mccarthy, überleben

Die Straße

Cormac McCarthy , Nikolaus Stingl , ,
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.04.2013
ISBN 9783499255526
Genre: Romane

Rezension:

Es ist eine innere Eiseskälte, die einen beschleicht, wenn man dieses Buch am Ende zuklappt. Eine dumpfe Leere. Nein, für weiche Gemüter ist dieser Roman nichts. Cormac McCarthy beschreibt darin eine Welt, die es eigentlich nicht mehr gibt. Die Erde ist zerstört, wüst und leer. Was die Erde zerstört hat, verrät McCarthy nicht; wie lange das Unglück zurückliegt, kann man nur anhand einiger Indizien erahnen. In dieser Welt nach dem Ende der Welt wandern ein namenloser Mann und sein namenloser Sohn umher. Bewaffnet mit einem Colt, der nur noch zwei Patronen hat, wollen sie in Richtung Süden. Auf dem Weg dahin nichts als Leere, Angst und Gefahr – und trotzdem auch so viel Hoffnung und Zärtlichkeit und immer wieder der Versuch, in dieser furchtbaren Situation die Menschlichkeit zu bewahren. Gerade dieser Kontrast zwischen der kargen und lebensfeindlichen Umwelt und der zärtlichen Liebe zwischen Vater und Sohn ist McCarthy extrem gut gelungen. Erzählt wird die Geschichte recht monoton. Im Mittelpunkt der Erzählung steht hauptsächlich der tägliche Überlebenskampf der beiden Protagonisten. Ganz selten leuchten kurz ein paar Rückblenden auf, die nur spärlich Hinweise auf die Vergangenheit von Vater und Sohn geben. Viel über die Figuren erfährt man nicht. Es spielt aber ohnehin alles keine Rolle mehr in dieser Welt. „Die Straße“ ist ein ungeheuer finsterer Roman, der aber auch zeigt, wie wichtig es ist, Hoffnung zu haben, auch wenn es offensichtlich keine Hoffnung mehr gibt. Absolute Leseempfehlung!

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Tags: postapokalypse, weltuntergang   (2)
 

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(63)

103 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

freundschaft, münchen, glück, lilli beck, roman

Glück und Glas

Lilli Beck
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 24.08.2015
ISBN 9783764505431
Genre: Romane

Rezension:

Stunde Null in Deutschland: Der Zweite Weltkrieg ist offiziell vorbei – in der Münchner Frauenklinik werden fast zur gleichen Zeit zwei Mädchen geboren: Hannelore und Marion. Obwohl sie aus unterschiedlichen familiären Verhältnissen stammen, wachsen die beiden Mädchen wie Schwestern auf und werden zu besten Freundinnen. Die Freundschaft bleibt sogar bestehen, als sich die Wege der Mädchen immer stärker zu trennen beginnen: Hannelore wird aufs Gymnasium geschickt, studiert später Jura. Die widerspenstige Marion schafft die Schule nur mit Ach und Krach, wird aber als Fotomodel entdeckt und jettet um die Welt. Doch eines Tages geschieht etwas, an dem die Freundschaft der beiden zerbricht. Lili Beck hat mit „Glück und Glas“ einen unterhaltsamen Roman über eine innige Freundschaft vorgelegt, gleichzeitig ist der Roman aber auch ein geschichtlicher Streifzug durch 70 Jahrzehnte deutsche Geschichte. Wir begleiten die Freundinnen von 1945 bis zu ihrem 70. Geburtstag im Jahr 2015 und streifen dabei alle wichtigen Ereignisse des letzten Jahrhunderts: Angefangen vom entbehrungsreichen Leben direkt nach dem Krieg im zerstörten München, dem Wiederaufbau und dem Wirtschaftswunder bis hin zu den Studentenkrawallen in den 60er und der Finanzkrise in den 90er. Aber auch die Modetrends der Jahrzehnte, Wohn- und Arbeitssituationen und die Rolle der Frau werden aufgegriffen. Wobei der Schwerpunkt im Roman schon eher auf den 1960er Jahren liegt – später werden die Zeitsprünge immer etwas schneller und größer. Der Schreibstil ist zwar nichts Besonders und vielleicht ein bisschen 0815, aber ich hab ihn als sehr angenehm und kurzweilig empfunden. Weil Lili Beck auch ein paar autobiographische Aspekte in den Roman mit einfließen hat lassen – sie selbst hat in den 60er und 70er Jahren auch als Model gearbeitet – sind gerade die Szenen um Marion sehr bildlich und authentisch gelungen. In der Summe ein unterhaltsamer Roman für alle, die sich für die Kulturgeschichte des letzten Jahrhunderts interessieren und Geschichten über Frauenschicksale mögen.

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Tags: deutsche geschichte, frauenschicksal, freundschaft, modebranche, nachkriegszeit   (5)
 

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(29)

48 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

humor, hamburg, alltag, familie, comedy

Die Zunge Europas

Heinz Strunk , any.way , Cathrin Günther
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.02.2010
ISBN 9783499248436
Genre: Romane

Rezension:

Eine Woche im Leben eines äußerst frustrierten Gag-Schreibers: „Die Zunge Europas“ ist Heinz Strunks zweites Werk nach seinem Erfolgsroman „Fleisch ist mein Gemüse“. Parallelen zum Erstling sind deutlich zu erkennen, nur dass aus dem pickeligen Heinzer, der ein deprimierendes Dasein als Tanzkapellenmusikant fristet, der 34 Jahre alte Markus Erdmann geworden ist – ein frustrierter, einsamer, in allen Belangen des Lebens zu kurz gekommener Mann. Markus schreibt ohne große Leidenschaft und ohne großen Erfolg Bühnenprogramme für den Komiker Sven. Jeden Sonntag isst er Mittag bei seinen Großeltern in der Käfersiedlung – der Großvater dement, die Großmutter überfordert und die Beziehung zu Dauerfreundin Sonja dümpelt auch nur noch so vor sich hin. Sieben Tage lang begleitet der Leser nun Markus durch sein trostloses, ereignisloses Dasein. Interessant und lesenswert wird der Roman aufgrund von Markus Erdmanns Gedankengängen. Mit scharfen Augen beobachtet er seine Umgebung und seziert gnadenlos seine gesamte Umwelt – sei es im Café, in den Diskos auf der Hamburger Reeperbahn, im Zug oder vor dem eigenen Fernseher. Ihr Fett weg bekommen vor allem die deutsche Comedy und die aktuellen TV-Formate. Sprachlich finde ich den Roman brillant: diese Mischung aus tiefer Depression und Witz, die genau Beobachtungsgabe, das Spiel mit Formulierungen und die Tiefe zwischen den Zeilen. Ein wirklich intelligentes, unterhaltsames Buch.

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Tags: comedy, einsamkeit, hamburg, tv-programm   (4)
 

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charlotte roche, roman, sex, ehe, mädchen für alles

Mädchen für alles

Charlotte Roche
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Piper, 05.10.2015
ISBN 9783492054997
Genre: Romane

Rezension:

Die Bücher von Charlotte Roche sind ja bekanntermaßen recht umstritten. Einige feiern sie, gefühlt noch viel mehr hassen sie. In jedem Fall wird jedes Mal ein ziemlicher Wirbel um die Bücher veranstaltet. Ich mache mir da ja gerne immer ein eigens Bild. Ihren ersten Roman „Feuchtgebiete“ wollte und will ich aber nicht lesen, weil ich gerade bei solchen Themen rund um Exkremente und Körperflüssigkeiten doch recht empfindlich bin. „Schoßgebete“ hat mich aus diversen Gründen auch nie so wirklich angesprochen. Der Klappentext zu ihrem dritten Roman „Mädchen für alles“ klang jetzt aber doch recht interessant. Um es gleich mal vorweg zu sagen: Der Roman ist für mich jetzt keine literarische Offenbarung, aber so schlecht und schlimm, wie viele sagen, fand ich den Roman jetzt auch nicht.

Erzählt wird der Roman aus der Sicht von Christine, die im Grunde an einer ausgewachsenen Despression leidet. Sie ist verheiratet und hat eine kleine Tochter – kann aber weder zu Mann noch Kind eine Beziehung aufbauen. Eigentlich bekommt sie gar nichts auf die Reihe. Den lieben langen Tag macht sie kaum etwas anderes als schlafen oder befördert sich mithilfe von Alkohol und Drogen in einen komatösen Zustand. Um sie im Haushalt zu unterstützen stellt ihr Mann eine junge Studentin als Babysitterin und Haushaltshilfe ein. Marie kann nicht nur alles, sondern sieht auch noch super aus. Bevor ihr Mann sie kriegt, denkt Christine, nimmt sie sie doch lieber selber. Und schon bald befinden sich Marie und Christine auf einer unmoralischen Reise mit einem gefährlichen Ziel.

Obwohl Christine doch recht traumwandlerisch durchs Leben geht, sind ihre Gedanken aber keinesfalls einschläfernd. Im Gegenteil: Christines Gedanken sind sogar recht erfrischend und unterhaltsam. Dazwischen hat sie auch immer mal wieder Gewaltphantasien, die aber zum Teil viel zu absurd und übertrieben daher kommen, um sie als wirklich brutal zu bezeichnen. So ähnlich wie bei einem Tarantino-Film eben. Getragen wird die Geschichte auch von ein paar ganz netten, witzigen Ideen: So darf Christine beispielsweise keinen Sport machen, weil ihr Ehmann Leute, die Sport machen, schrecklich findet. Weil sie aber zunimmt, macht Christine heimlich Sport und muss sich dafür, wie bei einem heimlichen Date, aus dem Haus schleichen. Ihre Bauchmuskeln versteckt sie sorgfältig unter ihrem Bauchfett. Ein bisschen versext ist das Buch natürlich auch, aber auch das fand ich im Rahmen und nicht wirklich abstoßend. Es geht halt um das Thema Sex unter Frauen und Kontrollfantasien – alles keine Tabuthemen mehr.

Über die Sprache lässt sich bestimmt streiten. Der Schreibstil ist schon ein bisschen frei Schnauze und eher minimalistisch. Die Sätze sind kurz und generell bedient sich Charlotte Roche dem etwas dümmlichen Jugendsprech, wie wir ihn von Instagram, Youtube und Co. kennen. Das war für mich anfangs zwar gewöhnungsbedürftig, aber nicht so störend, um das Buch deswegen schlechter zu finden. Und um ehrlich zu sein, ist mir so etwas allemal lieber, als die aufgesetzte, pseudorebellische und pseudointellektuelle Sprache, derer sich andere Autoren ähnlicher Werke oft bedienen (z.B. Helene Hegemann in Axolotl Roadkill). Zu der Figur Christine und ihren Gedanken hat die Sprache meiner Meinung recht gut gepasst und sie sehr authentisch gemacht.

In der Summe also ein recht guter, wenn auch spezieller Roman, in dem es im Grunde um unglückliches Mutterdasein geht – ein Thema, das momentan auch noch recht aktuell ist - man denke nur an #regrettingmotherhood.

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Tags: affäre, depression, gewaltphantasien, lesbische liebe, sex, unglücklichliches mutterdasein   (6)
 

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Der Report der Magd von Margaret Atwood (15. November 2006) Taschenbuch


Flexibler Einband
Erschienen bei null, 01.01.1600
ISBN B010IP0VDC
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

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liebe, frauen, humor, frauenroman, liebeskummer

Mondscheintarif

Ildikó von Kürthy , , ,
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.09.1999
ISBN 9783499226373
Genre: Liebesromane

Rezension:

Es gibt sie ab und an: Geistreiche, gut gemachte Frauenromane.
„Mondscheintarif“ gehört definitiv dazu. Aufgrund seiner Seitenlänge
(ca. 140 Seiten) zwar eher eine Erzählung als ein Roman, aber das tut
der Sache keinen Abbruch. Protagonistin ist die 33 Jahre alte Cora
Hübsch, alles in allem eine moderne, selbstbewusste Frau. Trotzdem sitzt
Cora am Samstagabend traurig allein daheim rum. Der Grund: Sie ist
verliebt. In Dr. Daniel Hofmann. Vor ein paar Tagen hatte sie zum ersten
Mal Sex mit ihm und Cora ist alt genug um zu wissen, dass man als Frau
den Mann nach der ersten Nacht auf gar keinen Fall anrufen darf. Und so
wartet Cora anfangs noch aufgeregt, später immer verzweifelter darauf,
dass Daniel den ersten Schritt macht. Der Leser verfolgt nun Coras
Gedanken zwischen 17:25 und 23:18 Uhr. Dazwischen gibt es aber auch
immer mal wieder ein paar Rückblicke, bei denen man zum Beispiel
erfährt, wie sich Daniel und Cora kennengelernt haben. Erzählt wird die
Geschichte sehr schwungvoll und originell mit ganz viel Ironie und Witz –
dabei legt Kürthy selbstkritisch und herrlich ehrlich das komplette
Spektrum einer emanzipierten aber verliebten Frau offen. Und am Ende
erkennt Cora, dass all die Klischees, denen sie aufgegessen ist, all die
Schachzüge, die sie geplant hat und alle die Rollen, die sie gespielt
hat, fast alles kaputt gemacht hätten.

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Tags: liebe   (1)
 
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