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Die Känguru-Offenbarung

Marc-Uwe Kling
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.03.2014
ISBN 9783548375137
Genre: Humor

Rezension:

»Das Beste Buch seit "Die Schwester der Nichte der Gattin des Gerbergesellen".«
-Wenzel R. R. Skowronek -
 


Sie haben mein Leben nachhaltig verändert - "Die Känguru - Werke" von Kleinkünstler Marc-Dieter Kling. Wie ihr schon in meinem Einleitungssatz sehen könnt, wurde ich nachhaltig mit Insiderwitzen infiziert und bin so abhängig von dieser Reihe geworden wie das Känguru von Schnapspralinen. "Die Känguru - Offenbarung" knüpft ununterbrochen an das Lachmuskelkater-Niveau der Vorgänger "Die Känguru - Chroniken" und "Das Känguru - Manifest" an und ist mein absoluter Favorit der Reihe.

"Well, you know, kind of like ... whatever"


Wieder konnte ich angesichts der unglaublichen Situationen, die hier zustande kommen und des schonungslosen schwarzen Humors, nicht anders, als immer wieder aus tiefster Seele loslachen und damit äußerst skeptische Blicke meines Umfeldes auf mich zu ziehen.

"Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh´"
- CIA-Verhörmethode


Nachdem das Känguru am Ende des letzten Teiles in einem ganz miesen Cliffhanger vom Ministerium für Produktivität abgeschoben wurde, ist es still und langweilig mit Leben von Kleinkün-, nein, Künstler Marc-Uwe. Doch gerade als seine Selbstgespräche schlimme Ausmaße annehmen, sein Psychiater seine Einsamkeit falsch zu deuten beginnt und "ain't no sunshine when it's gone" sein Lebensmotto wird, tauchen immer mehr Hinweise auf das Känguru auf. Ein ominöser Anruf, Anti-Terror-Anschläge des Asozialen Netzwerkes, korrigierte Graffitis, Schnapspralinen -
Das Känguru taucht wieder aus dem Untergrund auf um die Grundfesten der Welt endgültig mit seiner endgültigen Offenbarung zu erschüttern! Neben rasanten Mau-Mau-Partien mit Krapotke, parodierte Diskussionen über Fantasyreihen wie "Die Wunderhure" von Wenzel R. R. Skowronek, "Der Riesenzwerg" oder "Die Welt ohne Eigenschaften", Nicht-Drogen-Trips bei "Transformers" auf zehnfacher Geschwindigkeit, philosophischen Diskussionen über die Frage, welches Geschlecht das Känguru hat und Ausführungen über die Phrase "man liebt es oder man hasst es" bereiten sich die beiden auf "die epische Schlacht zwischen Gut und Böse", Kommunismus und Kapitalismus, Schnapspralinen und Teewurst, Känguru und Pinguin vor.

„Du riechst so gut." - Jean-Baptiste Grenouille

Denn wo das Känguru doch einen gutartigen, kommunistischen Weltverbesserungsplan hat, muss der Pinguin als kosmischer Gegenspieler natürlich einen bösartigen, kapitalistischen Weltverschlechterungsplan haben. Und um diesen zu verhindern und rauszufinden, was der eiskalte Frackträger vorhat, müssen die beiden diesen erstmal finden. Die Spur des verräterischen Nachbars führt sie um die halbe Welt: in die USA, nach Venezuela, zur Hochburg der Lobbyisten in Brüssel, in die Heimat des Kängurus Vietnam, auf die ehemals griechische Insel Patmos, welche jetzt im Besitz der Firma ist, für die der Pinguin arbeitet, nach Australien und schließlich wieder nach Patmos. Vorbei an geschlossenen Schlecker-Filialen, neu geöffneten Starbucks-Läden und unterstützt von lokalen Mitgliedern der expandierenden Asozialen Netzwerkes kommen sie hinter die totale Weltverschwörung des Pinguins: der neue Controller der ganzen Welt will alles in einen gigantischen Flughafen verwandeln.

"Dream a little dream of me." -Freddy Krueger

Auf dem Weg trifft das ungleiche Paar unter anderem die alte Band des Kängurus "Kranken House" (früher "Die Kranken Schwestern", "Die abgezogenen Dielen", "Die Angestellten", "Die Probleme", "Die Schniepels", "Die Kräuter der Provinz", "Die Bäume"), die übermotivierte Touristin Sarah, den Vater des Kängurus, Ken der Guru, Die Känguru-Gang mit den innovativen Namen "Kevin, Howie, A.J., Nick und Brian" (so hat noch wirklich gar keine Gruppe geheißen... *hust Backstreet Boys hust*), den Erfolgsautor Wenzel R. R. Skowronek und etwas verblödete Sicherheitsmänner. Wieder mit dabei ist natürlich auch der selbst etwas gestörte Psychiater, Julia Müller ("haha, muh muh muh") und die Kategorie "Buch mit sprechendem Tier" ("Louie der lustige Leguan" von den Kindern der Kindertagesstätte "Sümpfe der Traurigkeit"), Spezialwörter wie "Ratzupaltuff" oder "Pentizikulös" und ganz neu: "Der Schredder". Auch Herta dürfen wir hier wieder treffen. Nachdem ihre Eckkneipe durch etliche andere Formate verdrängt wurde betreibt sie eine (illegale) Kneipe in ihrer Wohnung, die laut ihr nur eine kleine Privatparty mit Fremden ist und in der nichts etwas kostet, es allerdings eine Unkostenkasse des Vertrauens gibt.


"I want you to want me. I need you to need me." - Angebot zur Nachfrage


Die wechselnden Settings und Situationen bringen neuen Pepp in die Geschichte, die von der Situationskomik im Wohnzimmer immer mehr zum politischen Kabarett mit dystopischen Elementen und Gesellschaftskritik im globalen Stil wird. Neben den altbekannten Problemen wie gleichgeschaltete Medien (die Axel-Springer-Thematik), die Gentrifizierung, Angleichung und Verdrängung in Großstädten (Hertas Eckkneipe), der Rechtsruck und die zunehmende Salonfähigkeit von Populismus (Jörg und Jörn Dwigs), und die Verantwortungslosigkeit von Banken (Bad Banks) werden hier auch der unermesslichen Konsumwahn der Bevölkerung und die scheinbar grenzenlosen Machtbestrebungen der Großkonzerne und deren Einflussnahme in Politik und Gesellschaft aufgezeigt. Neben Hollywood, der Kirche, der amerikanischen Gesellschaft und deutschen Ämtern wird hier zunehmend das ganze System und der Kapitalismus an sich aufs Korn genommen, weshalb gewisse Grundkenntnisse in den Bereichen Politik, Geschichte und Wirtschaft Voraussetzung sind, um einige Witze und Anspielungen zu verstehen.

"Wozu ist das?"
"Das ist blaues Licht."
"Und was macht es?"
"Es leuchtet blau."
-Deutsche Hochschule der Polizei


Während der epischen Reise um die Welt sehen wir das Asoziale Netzwerk weiter wachsen, sind Teil neuer Anti-Terror-Anschläge, erfahren endlich mehr über die Vergangenheit des Kängurus beim Vietcong und selbst ein Anklang an eine Lovestory kommt vor. Wenn das nicht die perfekte Umsetzung eines finalen, fulminanten, dritten Teils ist? In der Tat ist der ganze Roman in der kompletten Konzeption eine einzige ironische Kritik an der Trilogie-Konzeption mit dem Zwang nach "Grandeur" - mehr, heftiger, größer, spannender, weiter, schneller. Wer kritisiert, dass sich Marc-Uwe Kling hier in seiner eigenen Geschichte verheddert hat, in dem er versucht hat, sein abschließender Band zu einer einzigen Steigerung zu machen, hat nicht verstanden, dass genau das eine absichtliche Kritik an der aktuellen Bücherlandschaft ist. Wo Trash-Trilogien den Büchermarkt überschwemmen, es gang und gebe ist, seine Protagonisten (zum Beispiel der Riesenzweg Ülf) mehrere Male sterben zu lassen und die Regel "drei oder sieben" für die Anzahl der Teile einer Reihe gilt, ist dieser letzte Teil mit seinen umfangreichen sechs CDs ein ironischer Fingerzeig.


"ERSTE HEXE:
“When shall we three meet again?
ZWEITE HEXE:
Puh. I’m so busy. Why don’t you call my office?
DRITTE HEXE:
I’m even busier. I have absofuckinglutely no time at all."


Neben intelligenter Gesellschaftskritik gibt es jedoch wieder viele witzige falsch zugeordnete Zitate, Anspielungen auf bekannte Geschichten wie "Star Wars", "Herr der Ringe" und "Harry Potter" oder auch auf "Faust" oder Kafka, jede Menge Selbstironie und natürlich einfache Lebensweisheiten, die jeden Leser oder Hörer um Welten in der kognitiven Entwicklung weiterbringen. Für den, der nicht weiß worauf ich anspiele will ich kurz Herta zitieren: "Es gibt Solche und Solche. Und dann noch ganz andere. Und das sind die schlimmsten".

Es gibt wieder poetische Gedichte, witzige Dialoge, ironische Fußnoten des Lektors und Live Musik von "Krankenhouse". Selbstverständlich nervt das Känguru den lieben Marc-Uwe auch hier wieder mit fiesen Wortverdrehungen, die man wirklich nicht mehr aus dem Kopf bekommt (Schankedön, Marc-Uwe!). Zu dem altbekannten Techniktourette gesellt sich bald Marc-Uwes Angewohnheit, Aussagen zu Liedzeilen zu vervollständigen (Welcome to - "The House of Fun"; Come with Me - "Aha! Yeah!"; Stop - "in the name of Love") oder seine Faszination zu einer App mit dramatischer Fanfare. Besonders nett ist auch wieder der laufende Wettbewerb des Kängurus und Marc-Uwes andere Menschen möglichst subtil zu beleidigen oder die geschickte Verwirrung des Lesers durch Vertauschen der Wörter "ironisch" und "erotisch", "aggressiv" und "attraktiv", "Problem" und "Ekzem". So kommen mal wieder vollkommen wirre und skurrile Situationen zustande, bei denen man oft nicht weiß, ob man sich totlachen, über die erschreckende Wahrheit der Kritik weinen oder die gewitzten Anspielungen staunen soll.

"In diesem Fall ziehen Sie eine Maske schnell zu sich heran und platzieren diese fest auf Mund und Nase. Danach helfen Sie Kindern und hilfsbedürftigen Personen."
- Batman zu Robin

Aufgrund der wieder episodenartigen Handlung und der in Szenenform geschriebenen Kapiteln, bietet es sich hier wirklich an, das Hörbuch zu hören. Gerade bei längeren Autofahrten oder bei banalen Tätigkeiten wie Wäscheaufhängen oder Abwaschen ist es eine willkommene Ablenkung, einige Szenen aus dem Manifest zu hören. Auch wenn ich eigentlich kein bekennender Fan von Hörbüchern bin und immer lieber die Print-Variante bevorzuge, habe ich es hier nicht bereut, die vorgelesene Version gewählt zu haben. Autor Marc-Uwe Kling liest hier selbst vor, live vor Publikum, weshalb immer mal wieder leise Lacher im Hintergrund zu hören sind, welche aber nicht stören. Im Gegensatz zu anderen Autoren merkt man Mark-Uwe an, dass er es gewohnt ist, Texte vorzutragen. Er liest die Rollen des Ich-Erzählers und des Kängurus mit leicht verstellten Stimmen, sodass man die nasale, laute, nerv tötende Stimme des Kängurus immer schön unterscheiden kann. Mit wohlüberlegten Pausen und Betonungen lenkt er das Geschehen in eine richtige Richtung und seine angenehme Stimme konnte mich wirklich mitreißen. Das Buch hingegen wartet mit schönen Zusatzmaterialien in besonderer Formatierung auf (z.B. siehe Anti-Terror-Anschlag siehe rechts). Dabei kann man sich den Hörspaß ruhig Häppchenweise zuführen, zu lange Pausen sollte man aber auch nicht machen, denn auch wenn die Szenen oft sehr kurz sind und meistens nichts miteinander zu tun haben, werden immer wieder kleinere Bezüge zur vorangegangenen Handlung gestellt und viele Insiderwitze und Anspielungen setzen voraus, dass man sich noch an Vorhergegangenes erinnert. Dass es immer spannend und witzig bleibt wird durch viele erzähltechnische Elemente garantiert, die Kling wunderbar einwebt. So wechselt er kreativ die Erzählperspektivwechsel, variiert die Erzählzeit, lässt manchmal kurze Erinnerungslücken auftauchen und stellt falsch zugeordnete Zitate vornan.

"Jedes Publikum kriegt die Vorstellung, die es verdient." -Mario Barth

Das Ende wartet dann mit einer Sammlung an Anti-Terror-Anschläge und einem finales Nachspiel auf, das sofort Lust auf mehr macht. Zum Glück habe ich ja zu Weihnachten den Zuband "Die Känguru-Apokryphen" bekommen, in die ich immer reinhören kann, wenn ich wieder Entzugserscheinungen habe.
Zum Abschluss noch ein Zitat vom Känguru das das Konzept und damit die Wichtigkeit des Buches ganz gut zusammenfasst:

Ja. Waffe”, sagt das Känguru, “Warum wird uns pausenlos von Terror, Krisen, Katastrophen, ja von der Apokalypse und den daraus resultierenden Sachzwängen und Alternativlosigkeiten erzählt? Ich sage euch, warum: Furcht gebiert Gehorsam! Wir werden beherrscht durch unsere Ängste. Das Verlachen aber zerbricht die Angst! Es befreit. Es ist eine Selbstermächtigung! Und das wird nur der Anfang sein.”


Fazit:

Die Erfolgsformel zieht auch hier: 1 Kleinkünstler + 1 kommunistisches Känguru + 1 kapitalistischer Pinguin + viele dämliche Ideen = Suchtpotential und Angriff auf die Lachmuskulatur.

Die Geschichtssammlung wird von der Situationskomik im Wohnzimmer immer mehr zum politischen Kabarett mit dystopischen Elementen und Gesellschaftskritik im globalen Stil. Ganz große (Klein-)Kunst, die den Spagat zwischen Witz und messerscharfe Kritik wieder mit Bravour meistert!

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Tags: anspielungen, dystopie, geschichten, gesellschaftskritik, känguru, kapitalismuskritik, kleinkunst, kommunismus, pinguin, politisches kabarett, satire, situationskomik, unterhaltungskomik, witzig   (14)
 

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ANGRIFF

Armin Weber
E-Buch Text: 387 Seiten
Erschienen bei neobooks, 11.12.2015
ISBN 9783738051223
Genre: Science-Fiction

Rezension:

"Da war etwas in der Dunkelheit. Und es war nicht allein..."

Wenn ihr aufmerksame Verfolger meines Blogs seid, wisst ihr, dass der Autor mich schon mit seiner unkonventionellen und spannenden "Exoplanet"-Trilogie überzeugt hat und ich beim Vorschlagen der Motive und dem Lektorat des dritten Teils nicht ganz unbeteiligt war. Umso mehr freut es mich, dass ich auch hier wieder bei der Gestaltung und beim Klapptext meinen Senf dazu geben durfte und spreche eine eindeutige Leseempfehlung für diese Geschichte aus. Auch wenn mich hier etwas komplett anderes erwartete, als ich angenommen hatte, konnte mich auch diese Geschichte auf ihre besondere Art und Weise mitreißen und überzeugen. Wir haben es hier mit einem Fantasy-Thriller zu tun, der an Mystik, Action und Thriller-Elementen nicht spart und uns tief in die Seele eines traumatisierten Menschen mitnimmt.


Erste Sätze: "Nacht.
Tiefschwarz und undurchdringlich für alle Sinne.
Wo war es? Was war es?"


Nach zwei rätselhaften wie passenden Zitaten aus alten Schriften steigen wir mit einem noch rätselhafteren und nicht weniger passenden Prolog in die Geschichte ein. Wir werden für kurze Zeit in die Gedankenwelt einer mystischen Existenz mitgenommen, was sofort Lust auf mehr macht, bevor wir in das Leben des Boxers Nils Keller einsteigen. Dieser hat mit knapp 50 seine besten Jahre als Profiboxer schon hinter sich und steht finanziell wie gesundheitlich nicht mehr gut da. Da kommt ihm der Kampf gegen seinen Schüler Marek Bauer gerade recht, dessen Sieg mit einer Menge Geld dotiert ist. Verlieren ist für ihn keine Option. Doch im entscheidenden Moment ist er abgelenkt, als lange verdrängte Erinnerungen hochsprudeln und als er am nächsten Tag mit dröhnendem Kopf aufwacht, kann er sich beim besten Willen nicht mehr erinnern, wie der Kampf ausgegangen ist. Doch das tritt sowieso schnell in den Hintergrund, als auf einer Bunkerführung sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt wird: aus heiterem Himmel taucht eine riesige Steinpyramide über dem Alexanderplatz auf und das sonst so vertraute Pflaster wird zum Schlachtfeld. Als er auf der Flucht zusammen mit den Teilnehmern der Führung auf immer abgefahrenere Kuriositäten stößt, die die Gruppe an den Rand des Wahnsinns treiben, muss er sich fragen, was überhaupt noch real und was aus den dunkelsten Winkeln seines Geistes entsprungen ist. Wem kann er vertrauen wenn nicht seiner eigenen Wahrnehmung? Und was kann er tun um diesen irrsinnigen Albtraum zu beenden?


"Der Parkplatz und die Umgebung waren mit Sand und Geröll in Kieselsteingröße überzogen. Es sah aus als hätten unbekannte Götter einen überdimensionalen Salzstreuer eingesetzt, um die Landschaft nach ihrem Geschmack zu würzen."


Diese Geschichte wechselt wahnsinnig schnell zwischen Szenen, Stimmungen und verschiedenen Bedeutungsebenen. Wenn wir zu Beginn noch einen Blick auf das durchschnittliche wenn auch etwas trostlose Leben von Nils Keller geworfen haben, finden wir uns bald in einem archaischen Kampf ums Überleben wieder. Eine Flucht vor niederregnenden Gesteinsbrocken, eine hastige Reise durch eine endlos erscheinende Wüste, die sich immer weiter ausbreitet, der Kampf mit fliegenden Steinblöcken, die Zuflucht an einem rettenden See, die Suche nach Wasser und Lebensmittel, die Frage nach der Ursache des ganzen Irrsinns - schnell hat sich die ganze Situation in eine spannende Survival-Geschichte gewendet, die man zu Beginn nicht erwartet hätte. Unsere Protagonisten kämpfen gegen die Hitze, die Zeit, die Natur und gegen eine unbekannte Kraft, die irgendetwas von ihnen zu wollen scheint ohne zu wissen, in was für eine Situation sie hineingeraten sind oder wie sie jemals wieder herauskommen sollen.


"Was war seit gestern nur geschehen? In welcher Weise und vor allem weshalb hatte sich die Welt so verändert? Dann durchdrang ein hoher Laut die Stille. Es war nicht zu unterscheiden, ob der Laut menschlich oder tierisch war. Er schallte vom Ufer her und war schnell verklungen. Wer oder was auch immer ihn ausgestoßen hatte, war mit diesem Schrei für immer verloschen."


Durch schnelle Szenenwechsel, Sprünge zwischen verschiedenen Perspektiven und spanenden Actionszenen wird mit jedem Kapitel das Erzähltempo weiter angezogen, was dafür sorgt, dass die Story mich sofort in den Bann gezogen hat und mich immer mehr durch die schnellen Entwicklungen mitriss. Denn sobald man als Leser glaubt, einen brutalen Science-Fiction-Roman vor der Nase zu haben, in dem die Charaktere gegen außerirdische Mächte kämpfen müssen, beginnt sich die Geschichte abermals zu wenden... Und zwar in eine äußerst originelle, subtile und überraschende Richtung. Wo am Anfang noch Mystery- und Action-Elemente überwogen haben, klingen hier leisere Töne an und mit vielen Rückblenden und interessanten Wendungen beginnen wir uns mit Nils zusammen zu fragen, ob sich das Ganze nicht vielleicht nur in seiner Fantasy abspielt und die Veräußerung lange verdrängter Erinnerungen ist... Was genau nun am Schluss passiert, werde ich natürlich nicht verraten - dazu müsst ihr die Geschichte schon lesen. Nur so viel: Freunde von intelligenten Untertönen werden es lieben, wie sehr alles plötzlich in einem anderen Licht Sinn ergibt...


"Ein kleines Weltall blinkte in ihm auf: bunte Schwaden, funkelnde Sterne, tiefschwarze Nacht."


Der Schreibstil ist wieder gewohnt nüchtern und einfach, was natürlich in Verbindung mit den kurzgehaltenen Beschreibungen die schnellen Entwicklungen und Sprünge von einer Situation zur nächsten unterstützt. Besonders auffällig sind hier an manchen Stellen das Übergewicht von Dialogen und die daraus resultierende Derbheit in der Sprechweise. Auch außerhalb der Unterhaltungen wird kein Blatt vor den Mund genommen und durch eindrückliche Bilder und schonungslose Szenarien, bei denen ich schon auch mal das Gesicht verziehen musste, entsteht die beklemmende Situation der Protagonisten bildlicher vor dem Auge des Lesers, als es mir lieb war. Insgesamt ist die Handlung wieder sehr plotorientiert und hält sich nicht lange mit der Charakterisierung der Nebencharakteren oder ihrer Gefühlswelt auf sondern hält uns mit unvorhergesehenen, originellen Ideen bei Atem. Außer Nils spielen eigentlich nur der etwas abgehobene EU-Politiker Schumacher, der neureiche Macho Lindner mit etwas karikativ wirkender Berliner Mundart und das seltsame Teenager-Paar mit Technik-Freak Linus und der stummen Marie eine Rolle. Alle Nebencharaktere bleiben leider sehr blass, was aber in Anbetracht des eindeutigen Fokus´ auf Nils und der schlussendlichen Erkenntnisse durchaus in Ordnung ist.


Ein bisschen Splatter, ein bisschen Science-Fiction, ein bisschen Space Opera, ein bisschen Groteske, ein bisschen Drama, ein bisschen Urban-Fantasy, ein bisschen Psychothriller und ein Schuss Weltuntergangs-Action. Die Geschichte ist wieder ein wirrer Genremix voller origineller Ideen, überraschende Wendungen, fesselnder Action und schockierende Szenarien, die in eine staubige, heiße Wüstenwelt voller Absurditäten mitnimmt und sich am Ende als episch inszenierter Ausflug in die Psyche eine traumatisierten Mannes entpuppt. Ein Vöglein hat mir gezwitschert, dass der Autor schon an einer neuen Geschichte in einem ganz anderen Genre arbeitet - ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, was er sich das nächste Mal einfallen lässt!


 
Fazit:


Armin Weber setzt uns hier einen fesselnden paranormalen Thriller vor, der tief in die Seele eines traumatisierten Menschen mitnimmt und den Leser verstört zurücklässt. Trotz kleinerer Schwächen bei den Protagonisten eine warme Empfehlung an alle Fantasy-Leser, die mal auf der Suche nach etwas Neuem sind!

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Tags: abenteuer, albtraum, aliens, flucht, psyche, sand, splatter, trauma, weltuntergang, wüste   (10)
 

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Mit uns der Wind

Bettina Belitz
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei script5, 09.03.2015
ISBN 9783839001608
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Eindrücke:

Schreibstil: Bettina Belitz´ Stil kann man deutlich ansehen, dass sie ursprünglich aus dem Fantasy Genre kommt. Ihre reine, poetische Sprache, die oft auf sonderbare Art und Weise den Kern einer Situation trifft, macht das Leseerlebnis besonders intensiv gleichzeitig wirken die vielen Anspielungen auf esoterischer, metaphysischer Ebene und die zähfließende Erzählweise ein wenig abgehoben und deplatziert.

Charaktere: Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, die sich im Chaos des Festivals treffen: Zufall oder Schicksal? Mona will aus ihrem goldenen Käfig ausbrechen und endlich in die Welt ziehen und Abenteuer erleben trotz ihrer Narkolepsie. Auch Adrian hat einen tiefsitzenden Drang nach Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit in sich, den er im gefährlichen Kitesurfen auslebt. Zwei spannende Charaktere die hier aufeinander treffen.

Setting: Die schöne, reale Rock-am-Ring-Atmosphäre, in der alles möglich scheint, mit netten Anspielungen auf Rockmusik (Closer to the Edge" von 30 Seconds to Mars ❤) steht kontrapunktisch zu dem Hauch Mystik, der durch die Han-Ryu-Anspielungen auf die japanische Mythologie und esoterische Traumsequenzen aufkommt. Die Mischung aus Liebe, Anziehungskraft, dem wilden Freiheitsdrang der Charaktere, Sehnsucht, Melancholie sorgt für eine dunkle, geheimnisvollen Grundstimmung und eine besondere Sogwirkung.

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Die Zitate:

"Er ist mir vertraut", sage ich leise. "Es ist wie eine tiefe Ahnung, die ich fühle, wenn ich seine Videos anschaue und von ihm träume. Und ich möchte diese Ahnung überprüfen."

"Ein Augenblick der Geduld kann vor großem Unheil bewahren, ein Augenblick der Ungeduld ein ganzes Leben zerstören."
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Das Urteil:

Eine seltsam entrückt und abgehoben wirkende Geschichte mit einer dunklen, geheimnisvollen Grundstimmung und eine besonderen Sogwirkung. Die aufkommende Esoterik und die handfeste Rock-am-Ring-Atmosphäre wollen nicht so ganz zusammen passend - ansonsten eine solide Liebesgeschichte!

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Tags: drachen, esoterik, freiheit, kiten, liebe, musik, narkolepsie, rock am ring   (8)
 

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Torn - Eine Liebe zwischen Licht und Dunkelheit

Jennifer L. Armentrout , Michaela Link
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.12.2018
ISBN 9783453319783
Genre: Fantasy

Rezension:

Obwohl mich die Wicked-Reihe nach einem eher mäßigen Band 1 nicht unbedingt begeistert hatte, musste ich natürlich weiterlesen und der Autorin noch eine Chance geben. Und - es hat sich definitiv gelohnt! An meinen Favorit von Jennifer L. Armentrout -"Dark Elements"- kommt es leider immer noch nicht heran doch "Torn" kann einiges gutmachen, was "Wicked" liegen gelassen hatte.

Doch beginnen wir wie immer mit dem Cover. Auch wenn die Gestaltung nicht wirklich outstandig besonders ist, gefällt mir die kräftige dunkelblaue Farbe, sowie die feine Oberfläche des silbernen Flügels, der als Hauptmotiv abgedruckt ist. Zusammen mit dem grellen Grün des Titels und der schön geschwungenen Schrift ergibt sich eine runde Gestaltung, die gut in die Reihe passt. Was ich leider erst ganz zum Schluss bemerkt habe, ist dass im Umschlag des Buches ein Stadtplan von New Orleans zu finden gewesen wäre, welcher die wichtigsten Standorte im Buch kennzeichnet. Dadurch dass ich mit dieser Stadt bislang gar nichts am Hut hatte, wäre das ein ganz nützliches Extra gewesen ;-) Im hinteren Teil des Umschlages ist noch eine Vorschau auf die restlichen Teile der Trilogie gedruckt. Nachdem ich "Wicked" (=böse) als eher mäßigen Titel gesehen habe passt "Torn" (=zerrissen) schon viel besser zum Inhalt.

Erste Sätze: "Mein Blut, dunkelrot wie frisch gefallene Rosenblätter, schäumte aus der Mitte meiner Handfläche hervor wie aus einem verfluchten Vulkan des Grauens. Ich war der Halbling."

Diese ersten Sätze fassen noch mal sehr gut den unfassbaren Cliffhanger am Ende von Teil 1 zusammen: Ivy entdeckt, dass sie halb Fae halb Mensch ist und dass ein Kind von ihr und dem Prinzen der Fae dazu bestimmt ist, die Tore zwischen den Reichen zu öffnen und Schrecken über die Erde zu bringen. Als wäre das nicht schon schlimm genug wurde ihre Liebe Ren, den sie gerade erst gefunden hat, geschickt um den Halbling zu töten und ihre beste Freundin Val hat sie an den Prinzen verraten. Also wem kann sie überhaupt vertrauen und wie soll sie selbst mit diesem furchtbaren Geheimnis leben? Als sie sich von ihren Blessuren nach dem Kampf mit dem Prinzen erholt hat, macht sie sich auf die Suche nach Antworten. Doch auch der Prinz hat sich auf der Suche nach ihr gemacht und wird nicht haltmachen, bis er sie gefunden und die Prophezeiung erfüllt hat...


"Ren fuhr sich mit einer Hand durchs Haar und ließ sie danach fallen. "Das hier ändert alles." Mein Blick begegnete dem von Tink. Es hatte sich bereits alles geändert."


Im Vergleich zu Band 1 hat die Autorin hier endlich einen größeren Fokus auf die Handlung gelegt die Geschichte wird eine Spur düsterer und definitiv ernster. Die Lovestory tritt zugunsten von Ivys Zerrissenheit, einigen actionreichen Szenen und vielen neuen Erkenntnisse ein wenig in den Hintergrund und auch die Erotik wird hier deutlich zurückgeschraubt. Ivy muss mit ihrer neuen Rolle als Halbling, dem Verrat ihrer besten Freundin, der wackeligen Beziehung mit Ren und der Verfolgung durch den grausamen Prinzen klarkommen und darf sich dabei nicht aus den Augen verlieren. Der Fokus wird also von der Beziehung der beiden eher auf Ivys Innenleben und die Geschehnisse rund um den Prinzen gelenkt, den man sehr bald sehr heftig zu hassen lernt. Als dann noch eine vollkommen neue Instanz als überraschende Wendung auftaucht, erschüttert das die bisher bekannte Welt und macht den Spannungsbogen perfekt. Die Handlung ist also auf jeden Fall spannender, mitreißender, großartiger und unvorhersehbarer als bei Band 1.


"In Wahrheit war die Sache zwischen Ren und mir vorbei gewesen, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte und ich wusste nicht, um wen ich mehr weite. Ob ich um mich weinte oder um das, was zu finden Ren und ich nie wirklich eine Chance gehabt hatten, oder ob ich um Val weinte."


Doch auch der schlimmste Mord und Totschlag hält Jennifer L. Armentrout nicht davon ab, uns mit einem humorvollen Unterton ab und zu zum Lachen zu bringen. Zwischen all den romantischen, actionreichen und erschreckenden Szenen nimmt sie mit ihrem treffenden Humor vielen Problemen die Spitze und macht die Geschichte unglaublich unterhaltsam. Wir bekommen es hier wieder mit einer Menge wohlplatzierter Anspielungen auf Disney- Filme, "Harry Potter", "Der Herr der Ringe", "Twilight", "Supernatural" und "The Walking Dead" vorgesetzt. Rens und Ivys Sarkasmus, ihre Zweideutigkeiten, die vielen Insiderwitzen und vor allem die unglaublich lustigen und auch oft peinlichen Konversationen haben mir zusätzlich praktisch ein Dauergrinsen ins Gesicht tapeziert. Wortgewandt, witzig, dabei voller Andeutungen, Metaphern und mit grandiosen Beschreibungen von Gegebenheiten, Ereignissen, Emotionen und magischen Elementen führt sie uns durch die Geschichte, sodass die fast 500 Seiten wie im Flug vergehen


"Tu das nicht", sagte er mit rauer Stimme. "Das bin ich nicht wert. Du kannst... das nicht machen." "Du bist es wert", widersprach ich. "Ich könnte nicht damit leben, wenn..." Ich presste die Lippen zusammen und hielt seinem erschütterten Blick stand, während Drake aus dem Raum ging. "Ich liebe dich", erklärte ich. Ich ging rückwärts hinaus, hielt den Blick fest auf Rens Gesicht gerichtet, bis es verschwamm und ich nur noch das Klirren seiner Ketten hörte, als er sich mühsam aufrappelte. "Was auch immer geschieht, ich liebe dich."


Sehr gut gefallen haben mir auch die Charaktere, auch wenn diese es leider immer noch nicht mit anderen ihrer Reihen (zum Beispiel mit Layla und Roth aus "Dark Elements") aufnehmen können. Die junge Ivy ist eine Kämpferin, die sich nicht hinter einem starken Retter versteckt und gerne das Opfer spielt. Dass sie immer wieder aufsteht, weitermacht und sich durch wenig aus der Ruhe bringen lässt macht sie mir sehr sympathisch. Doch gerade weil wir als Leser mittlerweile wissen, dass sich hinter ihrer toughen Fassade eine ganze Menge Schmerz und anderes emotionales Gepäck versteckt, war es sehr entsetzlich zu sehen, wie sie unter dem Prinzen, ihrer Bürde und der Ablehnung der Welt leidet.

Ren, das sexy Mitglied der Elite, ist natürlich cool, aber... er ist nun mal nicht Roth (sorry, Ren aber mit einem sexy Hohedämon der Hölle, der immer einen Spruch auf Lager hat, der seine dämonischen Haustiere nach Disney-Figuren benennt und einfach unwiderstehlich ist, kannst du es leider nicht aufnehmen, grins).


"Ich bin..." "Du bist Ivy Morgan." Sein Atem ging schneller. "Du bist eine schöne, wilde und mutige Frau. Du bist unglaublich loyal und ich verdiene deine Liebe nicht, aber ich werde sie annehmen. Ich werde sie in meinem Herzen bewahren und ich werde niemals auch nur eine Sekunde davon bereuen!"


So ist mein absoluter Lieblingscharakter mit großem Abstand der Brownie Tink. Wir lernten den kleinen Racker als etwa 30 Zentimeter großen Wicht mit einem Temperament für zwei Meter kennen, der gerne all seine kriminelle Energie darauf richtet, Ivys Amazon-Passwörter zu knacken, Cornflakes-Packungen zu klauen, seltsame Orgien mit Trollpuppen zu veranstalten und die Harry-Potter-Filme durch zu suchten. Als eben dieser Brownie dann plötzlich als 1,95 Meter großer, attraktiver Mann in Ivys Wohnung auftaucht und nebenbei erwähnt, dass das eigentlich seine richtige Gestalt ist, fäll nicht nur Ivy vor Überraschung aus allen Wolken. Es ist mir unglaublich schwergefallen, dieses süße magische Wesen, das ein besonderes Faible für Dobby hat und ganz nach seinem Artnamen "Brownie" wunderbar leckeren Schokoladenkuchen backen kann, mit dem großen, mächtigen Typen zu vereinbaren, der er augenscheinlich ist.

Nach einem spannenden Showdown verzichtet Armentrout darauf (halleluja), einen Cliffhanger hinten an zu stellen und erleichtert uns so die Wartezeit auf den dritten Band "Brave", der am 11. Februar 2019 erscheinen wird. Die Autorin zeigt und hier, was sie im Fantasy-Genre kann und macht Lust auf mehr!


Fazit:

"Torn" schafft, was "Wicked" nicht ganz konnte: mich mit humorvollen Anspielungen zum Lachen, mit interessanten Protagonisten zum Nachdenken, mit prickelnder Liebe zum Schmachten, mit epischen Kämpfen zum Mitfiebern und mit schockierenden Wendungen und Cliffhangern zum Fluchen zu bringen. Eine um Weiten bessere Fortsetzung, die Lust auf mehr macht!

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Tags: dunkelheit, fae, feind, kampf, liebe, prinz, schicksal, schmerz, verrat   (9)
 

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Crooked Letter, Crooked Letter

Tom Franklin
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Pan Books, 21.06.2011
ISBN 9780330533560
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meine Eindrücke:

Schreibstil: Tom Franklin schreibt sehr ausschweifend, beschreibend und packt unendlich viele Details aus dem trüben, armseligen Alltagsleben in seine Geschichte. Dadurch zieht sich der Anfang ewig, ätzend und handlungsarm in die Länge, wir bekommen aber einen guten Einblick in das Leben der Charaktere. Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und war hier von der poetischen und mystischen Ausdrucksweise des Autors sehr beeindruckt, wie die Sprache in der Übersetzung wegkommt, kann ich nicht beurteilen.

Charaktere: Wir dürfen hier durch eine abwechselnde Erzählweise und viele Rückblenden die Entwicklung von Silas und Larry über Jahrzehnte hinweg beobachten. Ihre Unterschiedlichkeit, ihre Probleme, die Schicksalsschläge die sie verbinden und die zarte, zerbrechliche Freundschaft zwischen ihnen wird auf sehr intelligente und spannende Art und Weise in einem Krimi verpackt. Der Charakter Larry hat autobiografische Züge.

Setting: Wir werden hier in ein verschlafenes, heruntergekommenes Örtchen in Mississippi entführt wo die Bevölkerung von Landwirtschaft, Sklaverei, Armut und der großen Weite der Landschaft und der damit einhergehenden Einsamkeit geprägt wurden. Konservatismus, Religion, Rassismus, Vorurteile, Patriotismus und wirtschaftliche Rückständigkeit sind deshalb wichtige Themen.

Gefühle: Eigentlich sehr emotionsarm geschrieben bekommen wir doch einen guten Einblick in die Gefühlswelt der Charaktere und vor allem Larrys der verzweifelten Versuche dazuzugehören gehen ans Herz. Seine ewige Ausgrenzung, die sich entwickelnden und wieder zerbrechenden Freundschaften, der immer wiederkehrende Verrat, sein Schmerz, seine Einsamkeit und die vielen Vorurteile und Anfeindungen, denen er sich stellen muss, lassen viel Mitleid für ihn entstehen.


Die Zitate:

“Their lives had stopped, frozen, as if in a picture, and the days were nothing more than empty squares on a calendar.”

“Larry felt a strange forgiveness for him because all monsters were misunderstood.”

“Maybe Larry was wrong about the word friend, maybe he'd been shoved away from everybody for so long all he was was a sponge for the wrongs other people did. Maybe, after all this time, he'd started to believe their version of him.”



Das Urteil:

Eine intelligente Geschichte über Verrat, Vorurteile, Außenseitertum, Schuld und Freundschaft vor dem Hintergrund des problembehafteten Südens von Amerika. Am Anfang etwas schleppend doch dann entwickelt sich der Roman zu einem vielschichtigen Kriminalroman mit spannender Message.

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Tags: amerika, außenseiter, freundschaft, krimi, rassismus, schmerz, schuld, usa, verrat, vorurteile   (10)
 

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Krumme Type, krumme Type

Tom Franklin , Frank Nowatzki , Nikolaus Stingl
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei PULP MASTER, 27.07.2018
ISBN 9783927734999
Genre: Romane

Rezension:

Die Eindrücke:

Schreibstil: Tom Franklin schreibt sehr ausschweifend, beschreibend und packt unendlich viele Details aus dem trüben, armseligen Alltagsleben in seine Geschichte. Dadurch zieht sich der Anfang ewig, ätzend und handlungsarm in die Länge, wir bekommen aber einen guten Einblick in das Leben der Charaktere. Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und war hier von der poetischen und mystischen Ausdrucksweise des Autors sehr beeindruckt, wie die Sprache in der Übersetzung wegkommt, kann ich nicht beurteilen.

Charaktere: Wir dürfen hier durch eine abwechselnde Erzählweise und viele Rückblenden die Entwicklung von Silas und Larry über Jahrzehnte hinweg beobachten. Ihre Unterschiedlichkeit, ihre Probleme, die Schicksalsschläge die sie verbinden und die zarte, zerbrechliche Freundschaft zwischen ihnen wird auf sehr intelligente und spannende Art und Weise in einem Krimi verpackt. Der Charakter Larry hat autobiografische Züge.

Setting: Wir werden hier in ein verschlafenes, heruntergekommenes Örtchen in Mississippi entführt wo die Bevölkerung von Landwirtschaft, Sklaverei, Armut und der großen Weite der Landschaft und der damit einhergehenden Einsamkeit geprägt wurden. Konservatismus, Religion, Rassismus, Vorurteile, Patriotismus und wirtschaftliche Rückständigkeit sind deshalb wichtige Themen.

Gefühle: Eigentlich sehr emotionsarm geschrieben bekommen wir doch einen guten Einblick in die Gefühlswelt der Charaktere und vor allem Larrys der verzweifelten Versuche dazuzugehören gehen ans Herz. Seine ewige Ausgrenzung, die sich entwickelnden und wieder zerbrechenden Freundschaften, der immer wiederkehrende Verrat, sein Schmerz, seine Einsamkeit und die vielen Vorurteile und Anfeindungen, denen er sich stellen muss, lassen viel Mitleid für ihn entstehen.


Die Zitate:

“Their lives had stopped, frozen, as if in a picture, and the days were nothing more than empty squares on a calendar.”

“Larry felt a strange forgiveness for him because all monsters were misunderstood.”

“Maybe Larry was wrong about the word friend, maybe he'd been shoved away from everybody for so long all he was was a sponge for the wrongs other people did. Maybe, after all this time, he'd started to believe their version of him.”



Das Urteil:

Eine intelligente Geschichte über Verrat, Vorurteile, Außenseitertum, Schuld und Freundschaft vor dem Hintergrund des problembehafteten Südens von Amerika. Am Anfang etwas schleppend doch dann entwickelt sich der Roman zu einem vielschichtigen Kriminalroman mit spannender Message.

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Tags: amerika, außenseitertum, freundschaft, krimi, mord, rassismus, schmerz, schuld, verrat, vorurteile, zugehörigkeit   (11)
 

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Der Soundtrack meines Lebens

Jessi Kirby , Elisabeth Spang
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.04.2016
ISBN 9783551314376
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Mein ganzes Leben lang hatte ich meinen Kurs an Finn ausgerichtet und mich darauf verlassen, dass er mich leite, so wie sich alte Seefahrer nach den Sternen richteten. Er war derjenige mit den großen Ideen und der Willenskraft, sie umzusetzen, jetzt aber sollte ich es sein. Ohne ihn."
 
Dieser Roadnovel habe ich beim letzten Bücherflohmarkt mitgenommen und im Rahmen meines aktuellen SuB-Abbau-Programms gelesen. Mit der süßen Geschichte über Trauer und Bewältigung, gemeinsame Erinnerungen und verrückte Vorhaben, Winke des Schicksals und erste Liebe konnte ich mir die letzten Tage versüßen, so richtig umgehauen hat mich das Buch jedoch nicht.

"Ich dachte darüber nach, als zwei weitere Sternschnuppen Streifen über den schwarzen Himmel zogen (...) Waren wir nicht auch beide wie kleine Teilchen, die nach Aufstieg und Niedergang des hellen Kometen zurückgeblieben waren, um auszubrennen und abzustürzen? In den letzten zwei Tagen hatten wir jedenfalls auch ein ganz schönes Spektakel hingelegt."


Meine Ausgabe ist die schon etwas ältere Version des Thienemann Verlags - für alle die sich vielleicht wundern, da sie die Geschichte unter einem anderen Verlag und einem neuen Cover kennen: das Buch erschien 2016 nochmal neu bei Carlsen. Ich muss leider sagen, dass ich das neue Cover (links) eindeutig passender und schöner finde. Zwar ist das Motiv meiner Version, also der rote Impala auf dem Highway vor blauem Himmel sicher stimmig, die einsamen Cowboystiefel und die düstere, dreckige Straße der neuen Ausgabe treffen meiner Meinung nach jedoch die Atmosphäre ein wenig besser. Die Gestaltung mit den roten und blauen Akzenten im Titel sowie mit den Leselaschen, den Nummernschildern an den Kapitelanfängen, der großen Schrift und den dicken Seiten gefällt mir ansonsten ganz gut.

Erster Satz: "Das Krachen des ersten Schusses zerreißt den Nachmittag."

Wir steigen gleich mit einer Beerdigung ein und lernen dort die junge Honor kennen, die nach ihren Eltern jetzt auch noch ihren großen Bruder Finn begraben muss, der der wichtigste Mensch in ihrem Leben war und im Irak Krieg gefallen ist. Für sie bricht eine Welt zusammen, sodass sie sich gar nicht auf ihre Zukunft und das Weitermachen konzentrieren kann. Ihre Einführungswoche an ihrer Traumuniversität rückt noch weiter in den Hintergrund, als sie einen verspäteten Brief ihres Bruders erhält. Die Worte seines Postskriptums und die beigelegten Konzertkarten zum Abschlusskonzert einer Künstlerin, die die beiden ihr ganzes Leben begleitet hat, reißen sie aus ihrer Trance und ohne lange nachzudenken steigt sie in Finns heißgeliebten 67er Chevy Impala, sammelt Finns besoffenen Freund Rusty ein und begibt sich auf einen ganz besonderen Roadtrip quer durch die USA...


"PS: Und tu mir bitte einen Gefallen - wenn Du nächstes Mal Kyra Kelley begegnest, vergiss bloß nicht, ihr von Deinem gut aussehenden großen Bruder zu erzählen!"


Die Geschichte beruht auf einer Übersprunghandlung einer trauernden Jugendlichen und hält sich nicht lange mit Einführung oder Erklärungen auf. Wir finden uns schneller in der Wüste im Nirgendwo zwischen Texas und Kalifornien wieder, als wir uns etwas zu essen holen können und in diesem Tempo rasen die beiden weiter durch verrückte Momente, neue Bekanntschaften, große Zufälle, miese Rückschläge und neue Erfahrungen, um das Konzert ja nicht zu verpassen. Natürlich ist klar, das genau das am Ende passiert - doch wie heißt es so schön: "Der Weg ist das Ziel".


"Ich legte mich auf den Rücken, fand den Schwan am Himmel und beobachtete, wie seine Sterne funkelnd von Freundschaft und Verlust, von Ehre und Opfer erzählten, bis alles in der Weite der Wüste zerstob."


Und trotz der recht vorhersehbaren Handlung ist diese Geschichte voller Sonnenschein, Sturm, Regen, Lachen, Tränen, Wunder und Enttäuschungen, Trauer und Liebe wunderschön zum Lesen! In rasantem Tempo reihen sich auf diesem stimmungsvollen Roadtrip durch die endlose Wüste spannende aber besonders auch emotionale und nachdenkliche Momente aneinander, während dieser sich die beiden Protagonisten näher kommen, zusammen an Finn zurückdenken und langsam lernen mit ihrem Verlust besser umgehen zu können.


"Unzählige gefahrene Kilometer und unzählige Liter Benzin knüpften die Verbindung zwischen mir und Finn und Kyra Kelley. Wenn er in meinem Leben der rote Faden war, dann sorgte sie für den Soundtrack. (…) Erzähl ihr von mir. Mir blieben fünf Tage, um sein Andenken zu ehren und ihm diesen Wunsch zu erfüllen."



Ganz klar muss dabei gesagt werden, dass die Liebesgeschichte hier nicht im Vordergrund steht - weshalb ich den Kritikpunkt vieler Rezensenten, dass zwischen den beiden das Prickeln fehlt, nicht so ganz nachvollziehen kann. Vielmehr geht es um Verlust, Familie und Hoffnung und darum, dass die beiden lernen, eine gesunde Beziehung zu anderen, zu ihrer Trauer und Erinnerung aufzubauen und ohne schlechtes Gewissen nach vorne zu sehen. Die beiden bleiben trotz der vielen emotionalen Momente leider ein wenig blass - da hätte ich mir noch ein bisschen mehr Tiefe gewünscht. Aber das kann man bei nicht mal 300 Seiten vielleicht nicht erwarten...


"Ich erspähte ein winziges Licht, das wellig durch das Wasser herabschien, und dann noch eines und noch eines. Sterne funkelten am blasser werdenden Himmel und sandten Licht aus der Vergangenheit bis zu uns in die Tiefe. Als wir so schwebten und kein Horizont, keine Landschaft oder sonst etwas eine Trennlinie zwischen Wasser und Himmel bildeten, kam es mir vor, als wären wir dort oben bei den Sternen. Noch eine in winzigen Lichtern geschriebene Geschichte. Wir waren ein Sternbild am Himmel - zwei Menschen, die sich an den Händen hielten und in einem wunderschönen, vollkommenen Augenblick friedlich über allem anderen schwebten."


Der Schreibstil ist flüssig, auch mal witzig, berührend und vor allem sehr echt, was auch unter der Übersetzung nicht gelitten hat. Ich habe etliche wundervolle Zitate herausgeschrieben, die ich hier gar nicht alle nennen kann. Ob Honor beim Nachttauchen ist, den Sonnenaufgang bei einem Vortex beobachtet oder den Impala über den aufgeheizten Highway lenkt, wir sind immer bei ihr und auf besondere Art und Weise scheint jede Szene der Fahrt bedeutsam und heilsam zu sein. Am Ende, das im Übrigen sehr offen ist, fehlt aber dennoch das kleine letzte Etwas zu einem wirklichen Highlight. So bleibt die Geschichte ein berührender, spaßiger Roadnovel für Zwischendurch!

"Die Sonne schien warm auf meinen Rücken und ergoss Farbe auf die Felsen ringsumher, sodass sie sanft und hoffnungsvoll im Licht des neuen Tages erblühten. Und während ich so dasaß und dabei zusah, erblühte so etwas wie Hoffnung auch in mir."



Fazit:

Eine süße Geschichte voller Sonnenschein, Sturm, Regen, Lachen, Tränen, Wunder und Enttäuschungen, Trauer und Liebe - wunderschön zum Lesen für Zwischendurch. Sehr gerne habe ich Honor und Rusty auf ihrem Road Trip durch die endlose Wüste begleitet und habe mit ihnen Trauer und Bewältigung, gemeinsame Erinnerungen und verrückte Vorhaben, Winke des Schicksals und erste Liebe erlebt.


Zum Abschluss noch mein Lieblingszitat:

"Kommst du?", rief Rusty. Er war bereits auf dem Fußweg, barfuß und strahlte wie ein kleiner Junge.
"Ja, ich komme." Erneut ließ ich meinen Blick über das Wasser wandern, weit bis zum Horizont, dann drehte ich mich um, um ihm nachzugehen, und ein warmes Gefühl des Friedens breitete sich in mir aus. ich küsste es in meine Fingerspitzen und blies es dann in den Wind, als ein stilles Dankeschön nach oben zu Finn."

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Tags: abenteuer, enttäuschung, freundschaft, lachen, liebe, roadtrip, schicksal, sommer, tränen, trauer, verlust, verrückte zufälle, wunder, wüste   (14)
 

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Vor uns die Nacht

Bettina Belitz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei script5, 10.03.2014
ISBN 9783839001592
Genre: Romane

Rezension:

Auf diese Geschichte bin ich auf einem Flohmarkt gestoßen und habe das gut erhaltene Printexemplar vor allem wegen des wunderschönen Covers mitgenommen. Der Titel steht schmucklos und in geschwungenen weißen Lettern im Mittelpunkt des Covers und wird von krakeligen blauen und weißen Blumen umrankt. Zusammen mit dem dunkelblauen Grund wirkt die ganze Komposition sehr edel und gleichzeitig dezent und ansprechend. Ich bin total begeistert von der Gestaltung! Auch innerhalb des Buches sind die Kapitelanfänge immer liebevoll verziert und mit seltsamen aber immer passenden Kapitelüberschriften versehen.


Erster Satz: „Für einen Flügelschlag unserer Seelen halten wir inne.“

Mit diesem Satz beginnt diese seltsame Geschichte, von der ich ehrlich gesagt nicht so genau weiß, was ich von ihr halten soll. Sie ist auf jeden Fall sehr exzentrisch und mit ihrer düsteren, geheimnisvollen Grundstimmung und den ausschweifenden Metaphern oft knapp an der der Grenze zur Fantasy, sodass es mich zu keinem Zeitpunkt der Story gewundert hätte, wenn die Protagonisten plötzlich Flügel und Klauen bekommen hätten und weggeflogen wären. Dabei behandelt der Roman ein eigentlich reales Szenario. Die junge Archäologie-Studentin Ronia wird an Weihnachten von ihrem Freund Lukas verlassen - schon wieder - und muss nun ganz alleine das Fest in ihrer Pfarrerfamilie durchstehen. Als sie nach dem obligatorischen Gottesdienst zusammen mit ihrem besten Freund Jonas, den jeder für ihren perfekten Partner hält, von dem sie aber nichts will, in einer Bar einen jungen Typen trifft, schiebt sie ihre Faszination auf ihren Liebeskummer und den Drink, den sie sich auf den leeren Magen gegen den Kummer gegönnt hat. Doch je öfter sie ihm zufällig über den Weg läuft, desto größer wird die Anziehungskraft zwischen ihr und dem eigenartigen, wunderschönen Mann mit der eleganten Körperhaltung und den uralten Augen. Dass er, den alle nur River nennen, einen schlechten Ruf hat, in der Drogenszene unterwegs sein soll und angeblich als Callboy arbeitet, kann Ronia schon bald nicht mehr davon abhalten, jeden Freitag auf eine Begegnung mit ihm zu hoffen...


"Eigentlich ist es ganz einfach - ich werde nichts weiter tun, als wie bisher joggen zu gehen. Den Rest entscheidet das Schicksal. Das zwischen Jan und mir wird niemals eine Beziehung. Es ist Lichtjahre davon entfernt. Und ich werde mich nicht verlieben. Es wird allerhöchstens ein Abenteuer. Das erste meines Lebens!"


Um zu verstehen, weshalb die Geschichte so entrückt wirkt, ist es notwendig, die besondere Erzählweise zu verstehen. Erzählt wird hier nicht wirklich stringent mit klarer Handlung und rotem Faden sondern vielmehr in einem Rausch aus kurzen einzelnen Szenen, die sehr oft die selbe Situation zeigen. Manchmal werden riesige Sprünge im Plot vorgenommen und wir sind plötzlich ein paar Monate weiter und außer den Freitagen scheint es irgendwann keinen anderen Tag der Woche mehr zu geben, der erzählt wird. Doch trotz dass es kein wirklicher Spannungsbogen gibt, hat diese Geschichte einen besonderen Sog und es wird nicht langweilig.
Aufgebaut wird dieser Sog in erster Linie durch die reine, poetische Sprache, die oft auf sonderbare Art und Weise den Kern einer Situation trifft. Man kann an der Schreibart definitiv ablesen, dass die Autorin ursprünglich aus der Fantasy kommt. So viele Anspielungen auf esoterischer, metaphysischer Ebene habe ich lange nicht mehr bei einer Liebesgeschichte erlebt. Gleichzeitig hat die Geschichte durch die rasche, springende Erzählweise etwas Rauschhaftes, was auch gut damit zusammen passt, dass Ronia bald eine seltsame Abhängigkeit von River entwickelt. Dass sie sich wie an einer Droge berauscht, total von Sinnen ist, sich gleichzeitig immer weiter zurückzieht, alle anderen von sich stößt, Verpflichtungen, Freude, Familie vernachlässigt und es ihr auch gesundheitlich immer schlechter geht, hat dabei für viele Stirnrunzel-Momente bei mir geführt. Diese seltsame Mischung aus erotischer Anziehungskraft, Kontrollverlust, Rausch, Schmerz und Liebe las sich nicht gerade wie ein besonders gesundes Verhältnis.


"Ich bin anders. Aber es ist nicht nur Schmerz und Verzweiflung und Sehnsucht was mich um meinen Verstand bringt und jene Gesetze auf den Kopf stellt, die bisher ewige Gleichgültigkeit hatten. Es ist etwas Echtes, Wahres darin, das ich leben muss, weil ich sonst nie mehr glücklich werde. Ich muss diesen Weg gehen. Zu diesem Weg gibt es keine Alternative - selbst wenn er mich umbringt, sodass ich irgendwann nur noch existieren, aber nie mehr liebe und lebe. Ich bin vollkommen ausgeliefert."


Vielleicht mag das der Grund dafür sein, dass ich trotz meiner Faszination für die Düstere, Rauschhafte der Geschichte nicht ganz warm mit ihr werden konnte. Vielleicht liegt es aber auch an der Protagonistin, zu der ich die ganze Zeit über eine deutliche Distanz hatte. Ronia ist eine sehr eigensinnige Frau, deren viele abgefahrene Gedanken oft überspitzt, unreif, sehr sprunghaft wirken, sodass sie beim Leser nicht ganz ankommen. Auch wenn sie wirklich keinem Klischee entspricht und alles versucht um unabhängig und erwachsen zu sein, ist sie mir manchmal wirklich auf die Nerven gegangen und ich konnte an vielen Stellen verstehen, warum ihre Exfreunde sich immer von ihr getrennt haben. Sie ist exzentrisch, anspruchsvoll, anstrengend und definitiv ganz anders als andere Protagonistinnen, die ich schon begleitet habe. Sie war definitiv ein sehr spannender Charakter, gemocht habe ich sie aber nicht wirklich.


"Denkst du an mich?", flüstere ich in die Dunkelheit und lausche, als könne ich die Antwort hören, wenn ich nur leise und aufmerksam genug bin. "Denkst du jetzt auch an mich?" Erst im Morgengrauen glaubte ich ein Ja zu fühlen, irgendwo zwischen Wachen und Schlaf, und ergebe mich dankbar seinem süßen, beruhigenden Rausch."


Auch Jan ist irgendwie ein wenig seltsam und kein wirklicher Sympathieträger. Er ist sehr attraktiv, sich dessen aber auch bewusst und setzt seinen Körper als Waffe ein. Sein offener Umgang mit Drogen, sein selbstgerechtes Verhalten und die irgendwie nicht ganz stimmigen Umstände seines Lebens machten es mir wirklich schwer, ihn zu mögen.


"Jan umarmt mich - und in diesem Augenblick ist er alles für mich, Geliebter, Freund, Bruder, Engel. Seelengefährte. Zu viel und zu schön. "Ich liebe dich", denke ich, so aufrichtig und rein, dass ich nicht einmal erschrecke. Es ist so, ich kann nichts dagegen ausrichten. Ich habe es mir nicht ausgesucht aber es ist da. Schon wieder erleuchten die Worte meinen Kopf, mein Herz und meinen Bauch, schlicht und unmissverständlich. Ich liebe dich. Ahnt er es?"


Dazu kommt, dass ich die ganze Zeit über auf eine krasse Wendung gewartet habe, die die ganzen geheimnisvollen Anspielungen erklären und dann am Ende von der "großen Enthüllung" sehr enttäuscht war, da hier eine ganz neue Thematik mit rein gebracht wird, ohne dass sie wirklich für die Story genutzt wird. Sehr witzig ist, dass ich eben erst bemerkt habe, dass "Mit uns der Wind", welches ich vor Jahren ebenfalls mal gelesen habe, mit dieser Geschichte in Verbindung steht. Schon damals wusste ich nicht genau was ich von der Autorin und ihrem Stil halten soll, doch dieses andere Buch ist auf seine seltsame Art und Weise definitiv gelungener und stimmiger als diese Geschichte!



Fazit:

Die reine, poetische Sprache und der sprunghafte Erzählstil der Autorin haben einen starken Sog und eine Faszination für das Düstere, Rauschhafte der Geschichte bei mir ausgelöst. Aufgrund der eher unsympathischen Charaktere und einer eher schlechten als rechten Auflösung am Ende konnte mich diese exzentrische Geschichte aber alles in allem nicht überzeugen.

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Tags: abhängigkeit, anziehung, drogen, düster, erotik, esoterik, fluss, krankheit, liebe, rausch, sehnsucht   (11)
 

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VIP-Reihe / Idol - Gib mir dein Herz

Kristen Callihan , Anika Klüver
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei LYX, 30.11.2018
ISBN 9783736307834
Genre: Liebesromane

Rezension:

Nach dem ersten Teil "Idol - Gib mir die Welt", in dem wir für kurze Zeit Teil der verrückten, düsteren, lockenden Rock-Welt der Band Kill John werden und die Kraft des Rhythmus´, die Dynamik der Massen und allgemein die Macht der Musik, die Leidenschaft, die Harmonie, spüren dürfen, war mir klar, dass ich auch mit dem zweiten Teil wieder in dieses Universum zurückkehren will. Und dieser Teil hat, was dem ersten Teil ein bisschen gefehlt hat: ein durchgängiger roter Faden. Anstatt von riesigen Zeitsprünge ist alles recht kompakt zusammen gehalten und wir dürfen dabei zusehen, wie sich zwischen den beiden Protagonisten eine Anziehungskraft entwickelt, die auch beim Leser spürbar wird und dem ein oder anderen amüsanten Wortgefecht beiwohnen. Da keiner der beiden Protagonisten ein Musiker ist, fällt die schön poetische und kraftvolle Darstellung der Musik leider weg und es geht stattdessen mehr um den großen Organisationsaufwand und das viele Personal hinter einer Band.

Das Cover ist in Farbgebung und Formatierung dem ersten Teil angepasst, hat aber meiner Meinung nach eine ganz andere Ausstrahlung. Um es mal vorsichtig zu formulieren: das ist eines dieser Bücher, bei denen ich das Cover in einer U-Bahn sehr gerne verdecken würde, da es doch sehr eindeutig verrät, worum es geht. Während das Cover von Band 1 noch bunt, schillernd, glamourös und sexy war, dabei aber nicht viel verraten hat und wir nur einen dunklen Umriss im hellen Durcheinander aus Nebel, Scheinwerferlicht und Schattenspielen gesehen haben, finde ich das Motiv, der Typ im Anzug hier irgendwie billig. Ich mag es absolut nicht, wenn mir Bilder die Vorstellung eines Charakters verderben. Ich finde alles am Cover schreit: erotischer Milliardärroman - was es streng genommen auch ist, aber da kann man sich im New Adult Genre schon etwas Gehobeneres ausdenken finde ich ;-))

Erster Satz: "Kennen Sie diese Leute, die einfach immer Glück zu haben scheinen?"

Auch wenn Sophie Darling eigentlich nicht zu diesen Leuten gehört, denen immer alles zufliegt, wird sie auf ihrem Flug nach London in die erste Klasse versetzt. Was ihr aber zuerst wie eine Chance auf einen gemütlichen Flug erscheint, wird bald vernichtet, als sie ihren Sitznachbar kennenlernt: einen steinreichen, verklemmten Charmebolze (ironisch gemeint) mit Flugangst. Mit ihrer fröhlichen extrovertierten Art nimmt sie sich kein Blatt vor den Mund und beschließt, dem attraktiven aber eiskalten Mann gehörig auf die Nerven zu gehen. Dass der Sonnenschein ihr zukünftiger Chef und Manager der Band Kill John ist, ahnt sie noch nicht, genauso wenig, wie dass die beiden lange noch nicht fertig miteinander sind...

„Ich sitze neben der Frau fest, die offenbar an einem unheilbaren Fall von verbalem Durchfall leidet.“
„Sagt der Mann mit sozialer Verstopfung.“
Er erstarrt und reißt die Augen auf. Und dann entfährt ihm ein unterdrücktes Schnauben, das sich in ein ersticktes Lachen verwandelt. "Herrgott." Er zwickt sich in den Nasenrücken und ringt um Fassung. "Ich bin verflucht." Ich lächle. "Schon gut." Ich tätschle seinen Unterarm. "In etwa sieben Stunden wird alles vorbei sein."


Eigentlich ist das ein total typisches, vorhersehbares Buch: ein Mann Typ "sexy, unglaublich gutaussehend, mächtig, reich und mit Problemen belastet" und eine Frau Typ "sehr hübsch, offenherzig, gewillt seine Mauern zu durchbrechen und natürlich mit noch mehr Problemen belastet" treffen sich und -booommm- Anziehungskraft, Intrigen und jede Menge Drama. Ja ich kenne dieses Erfolgskonzept und doch falle ich jedes Mal aufs Neue wieder darauf rein. Schon im ersten Kapitel war ich fasziniert von der Kombination aus "Sonnenschein" und "Plappermäulchen", wie sich die beiden bald nennen, die in witzigen Wortgefechten endet. Sophie trägt ihr Herz auf der Zunge und redet ohne Punkt und Komma und lockt Gabriel damit immer mehr aus seiner Reserve, was sehr amüsant mit anzusehen ist. Das ist eigentlich schon der ganze Inhalt des Buches. Die beiden treffen in vielen ähnlichen Szenen immer wieder aufeinander und werden mit ihrer Anziehungskraft konfrontiert während scheinbare Probleme im Weg zu ihrem Glück stehen. Mit den vielen Wiederholungen ähnlicher Szenen und manchen kleinen Logiklücken ist der Plot keineswegs ein Meisterwerk, trotzdem habe ich das Prickeln von Anfang an gespürt und konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Auch durch den stetigen Perspektivenwechsel und die vielen spannenden Nebencharaktere blieb die Geschichte immer spannend.

Sophie Darling ist neue Marketing-Beauftragte der Rockband Kill John, was anfangs für viele Konflikte sorgt. Denn sie ist ausgerechnet die Paparazza, die die Bilder geschossen hat, die Jax´ Selbstmordversuch öffentlich gemacht haben. In der Liebe hatte sie nie Glück und hat sich auf den neuen Job eigentlich nur eingelassen, um aus ihrem alten Umfeld entfliehen zu können. Auch wenn mir bei ihr ein wenig der Hintergrund gefehlt hat und mir ihre genaue Aufgabe und Wichtigkeit im Kill-John-Team nicht ganz klar geworden ist, ist sie mir mit ihrer offenen und ironischen Art ans Herz gewachsen.

"Ich schaue ihr in die Augen und verspüre erneut dieses seltsame Gefühl, wie ein Schlag direkt unter meine Rippen. Schmerz, Verbitterung, Reue, Zärtlichkeit, es ist eine Mischung aus all diesen Empfindungen, was es schwierig macht, sich für eine zu entscheiden. Ich will ihr sagen, dass es mir leid tut, dass ich sie verletzt habe. Ich will sie wegschicken, damit ich dieses Unbehagen nicht verspüren muss. Sie ist gefährlich, weil ich sie nicht kontrollieren kann. Und sie ist absolut schön, wie geschmolzenes Glas, das einen in Versuchung führt, es zu berühren, obwohl man weiß, dass man sich daran verbrennen wird."

Gabriel Scott ist eigentlich das genaue Gegenteil von Sophie: zwar super heiß und unverschämt attraktiv, aber leider auch ein griesgrämiger, introvertierter Eisklotz. Seitdem er seine Mutter verloren hat und auf der Straße gelandet war, versucht er niemanden an sich ranzulassen, was bei Sophie nur mäßig funktioniert. Auch wenn sein Charakter eigentlich innerhalb der Geschichte ganz gut funktioniert hat, fand ich seine Kampf-Vergangenheit ein wenig fragwürdig, genau wie seine 6 Häuser auf der ganzen Welt und die Tatsache dass er in so jungen Jahren schon eine so wichtige Stellung einnimmt. Vielleicht minimal unrealistisch... aber ich bin sowieso kein besonderer Fan des aktuellen Milliardärhypes. Da sind mir die altmodischen Prinz-Geschichten lieber - da kommt das Mädel zwar auch fast immer schlecht weg, das ist aber wenigstens auf das Alter der Geschichten zu schieben... Besonders ironisch fand ich eine Stelle, in der sich die Bandmitglieder über Geschichten über "Pythonschwänze" und "Muschiflüsterer" beschweren, wodurch die Frauen, die sie lesen total unrealistische Anforderungen bekommen, die echte Männer gar nicht erfüllen können - das hätte sich die Autorin ja mal selbst zu Herzen nehmen können, ich mein ja nur... ;-)

"Er lächelt. Er steht wie eine wunderschöne Statue in den Schatten und wirkt unantastbar. Wie ein Fels. Aber dieses Lächeln ist mein Verderben. Darin liegt die gesamte Freude der Menge. Es spiegelt meine Begeisterung und Aufregung wider. Er weiß, was ich empfinde. Er weiß es, weil er es unglaublicherweise ebenfalls empfindet. Mir wird klar, dass er diesen Teil seines Lebens liebt, er hat es nur noch nie gezeigt. Jetzt lässt er es mich sehen. Das ist der Mann hinter dem Vorhang."

Der Schreibstil ist mal wieder sehr flüssig und locker, was mir gut gefällt, an manchen Stellen waren mir die Formulierungen aber wieder viel zu derb (könnte vielleicht an der Übersetzung liegen). Auch der Witz und Humor, der den Umgang der Protagonisten Großteils prägt hat, trägt viel dazu bei, die Lesestimmung zu verbessern. In Zusammenspiel mit der sich leise entwickelnden Beziehung der Protagonisten hat die wilde Mischung aus Verführung, Anziehungskraft, Scheinwerferlicht, Musik, Sinnlichkeit, Reichtum neben den Schattenseiten der Berühmtheit wie Groupies, Drogen, Paparazzi, Abhängigkeit vom Plattenvertrag, die in schnellem Tempo immer wieder gegenüber gestellt werden, die mitreißende Wirkung des Romans ausgemacht. Sehr schön war auch wieder, nebenher etwas von der Band mitzubekommen und liebgewonnene Charaktere wiederzusehen. Die Band, die Musik und das ganze Feeling, das in Band 1 zu spüren war, sind hier leider ein wenig kurz gekommen. Aber im nächsten Band um Jax wird das vielleicht wieder anders sein...

„Irgendwo, über dem Atlantik, in zehntausend Metern Höhe, hat sie sich an mich geschmiegt und mein Herz hat beschlossen, ihren Duft, den Klang ihrer Stimme und das Gefühl ihrer Haut mit Geborgenheit gleichzusetzen.“

Das Ende empfand ich dann wieder als ein wenig überzogen, zuerst im negativen Sinne und dann im positiven. Wer es gelesen hat, weiß vielleicht was ich meine. Ich verstehe einfach nicht, warum es Autoren nicht einfach bei einem langsam auslaufenden Ende belassen können, wenn die Handlung nicht anderes hergibt. Aber stattdessen muss ein heftiger Drop inszeniert und danach ein riesiges Happy End mit Flughafenszene und Heiratsantrag inszeniert werden, seufz. Ich weiß gar nicht, warum ich dieses Genre überhaupt noch lese, wenn ich mich durchgängig darüber aufrege. Ah ja richtig, wegen des unglaublichen Unterhaltungswerts ;-)


Fazit:


Eine ausdrucksstarke Romanze, die vor allem durch den wilden Mix aus Verführung, Anziehungskraft, Scheinwerferlicht, Musik, Humor und Extravaganz besticht. Sehr unterhaltsam aber leider mit einigen Schwächen in der Konzeption - Freunde des Genres werden voll auf ihre Kosten kommen!

  (1)
Tags: anziehungskraft, erotik, extravaganz, geld, humor, liebe, manager, milliadär, musik, reichtum, rockstar, romantik, scheinwerfer, verführung, vertrauen   (15)
 

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Throne of Glass – Die Sturmbezwingerin

Sarah J. Maas , Michaela Link
Flexibler Einband: 848 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.06.2018
ISBN 9783423717892
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe diesen fünften Teil gleich nach der Erscheinung geschenkt bekommen, mich ganz lange aber nicht herangetraut da ich auf der einen Seite die Vorfreunde noch ein wenig herauszögern wollte, auf der anderen Seite aber auch Angst vor einer Enttäuschung hatte. Das wies sich als total unbegründet heraus - Sarah J. Maas setzt uns hier mal wieder ein ultimatives Fantasy-Epos vor, das an Bildgewalt, emotionaler Tiefe und Plotkonstruktion kaum noch zu übertreffen ist. Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich diese Welt und ihre Bewohner liebe und wieder jeden Lesemoment genossen habe! Mein Herz platzte vor lauter Gefühlen fast und ich habe die fast 800 Seiten in zwei Tagen weggelesen, weil ich einfach nicht aufhören konnte. Wir werden auf eine unglaublich epische Achterbahnfahrt gefüllt mit den unterschiedlichsten Facetten und Farben mitgenommen: eine Geschichte, die an Genialität, Gefühlen, Atmosphäre, Nervenkitzel und purem Lesevergnügen nicht mehr zu übertreffen ist (außer vielleicht durch Teil 6?)!


"Ich liebe dich. Was ich dir geben kann hat keine Grenzen und ich brauche keine Zeit. Selbst wenn diese Welt irgendwann nur noch ein vergessenes Flüstern von Staub zwischen den Sternen ist, werde ich dich immer noch lieben."


Doch bevor ich meine Lobeshymne beginnen will, erst noch ein paar Bemerkungen zur Gestaltung. Auch der fünfte Teil reiht sich wieder in die Gestaltung ein und wenn ich am Anfang den "mangamäßigen" Motiven noch sehr kritisch gegenüberstand, muss ich echt sagen, dass sie mir mit jedem Band besser gefallen. Denn auch hier kann man sofort Aelin wiedererkennen: stark, unerschrocken, in ihren Kampfanzug gekleidet, kämpferisch mit dem Schwert in der Hand und mächtig mit ihren Flammen und ihrer Wassermagie - eine dunkle Königin und mächtige Magierin! Wieder ist der Hintergrund weiß und unsere Lieblingsprotagonistin wird von ihrer Feuer- und Wasser-Magie umgeben. Mit seinen 848 Seiten ist dieser Band der längste der Reihe - die Länge hat zusammen mit der Qualität und der Bandnummerierung zugenommen, bin also mal gespannt, was im sechsten kommt... ;-). Mit der Übersetzung des Originaltitels "Empire of Storms" zu "Die Sturmbezwingerin" bin ich zum ersten Mal nicht ganz einverstanden. Warum versteht vielleicht jeder, der das Buch gelesen hat. Die vorangestellte Karte von Erilea hilft mal wieder sehr, den Überblick über die etlichen Handlungsorten zu behalten.


Erster Satz: "Die Knochentrommeln dröhnten seit Sonnenuntergang über die zerklüfteten Hänge der Schwarzen Berge."


Wir beginnen dieses Mal mit einem kurzen Prolog über Gavins und Elenas Kampf gegen Erawan vor einigen Jahrhunderten, bevor wir in die Reise unserer Protagonisten durch den Oakwald einsteigen. Ich muss zugeben, auch wenn ich gefühlsmäßig sofort wieder in der Handlung war und gepackt wurde, hatte ich schon wieder viele Details und Einzelheiten der an eben jenen nicht besonders armen vorhergegangenen Bänden vergessen, sodass ich immer eine ganze Weile gebraucht habe, um Zusammenhänge und Anspielungen zu verstehen. Wieder bekommen wir die Gesamtgeschichte aus verschiedenen Perspektiven an verschiedenen Orten vermittelt, hier aber deutlich weniger komplex und verwirrend da ein Großteil unserer Protagonisten zusammen reist und der Handlungsstrang in Anielle mit Chaol und Nesryn ein eigenes Buch gewidmet bekommen hat. Es bleiben neben Aelin, Rowan, Aedion, Lysandra und Co. also noch Elide, Lorcan und Manon als Handlungsstränge übrig, die natürlich alle darauf abzielen, sich im großen Finale zu treffen. Dabei sind alle der Handlungsstränge so spannend und berührend entwickelt, dass ich diesmal gar nicht wusste, welchen ich am spannendsten fand und sich bei einem Perspektivwechsel Bedauern und Vorfreude die Hand gaben.


"Ihre Familie - und ihr Königreich. Zwei Träume, die sie lange verloren geglaubt hatte, begriff sie als der nördliche Wind ihr das Haar zerzauste. Zu deren Schutz sie alles tun würde - sich verkaufen , sich zugrunde richten. Und Aelin Galathynius, Königin von Terrasen, wusste, dass die Zeit bald kommen würde zu beweisen, wie sehr sie für Erilea zu bluten bereit war..."


Die Fokussierung der Erzählweise hat genau wie die Handlungsorte, die Charaktere und der Schreibstil einen deutlichen Wandel über die Bände hinweg hinter sich. Nachdem wir Celeana zuerst im harten Wettkampf als kaltherzige Assassine kennenlernten, der zweite Teil sich dann eher auf die Intrigen am Hof des Königs konzentrierte, "Throne of Glass - Erbin des Feuers" eine eher dunkle, düstere und magische Fortsetzung war, die sehr viel mit den inneren Dämonen ihrer Charaktere spielt, sich der vierten Teil vor allem auf die globalen Entwicklungen im Mächteverhältnis in Erilea durch viele epische Szenen und Action konzentrierte, dürfen wir hier unsere Protagonisten auf ihrer Suche nach Verbündeten für den großen Kampf begleiten, dabei durch ganz Erilea reisen, viele neuen Parteien kennenlernen, alte Bekannte wieder treffen, mehr über die Vergangenheit des Kontinents und ihrer Bewohner erfahren und zusehen, wie sich das komplexe Netz aus Intrigen, Beziehungen und Macht immer weiter zu zieht (Sorry für den Monstersatz ;-)). Das ist insofern spannend, dass die Protagonisten praktisch ständig in Bewegung sind, neue Aspekte beleuchtet werden und sich natürlich auch die ein oder andere Gelegenheit für eine epische Schlacht oder eine überraschende Wendung bietet. Diese nutzt die gute alte Sarah natürlich immer bis zum Anschlag aus: wieder und wieder hat mich das Buch eiskalt erwischt und aufs Neue entsetzt und begeistert!


"Morath entfesselt seine Gräuel", bemerkte Lysandra. "Maeve regt sich auf der anderen Seite des Meeres. Zwei Göttinnen gehen Hand in Hand mit Aelin." (…) Lysandra fuhr so leise fort, als ob sie fürchtete, dass jene Götter es hörten. "Wir haben noch nicht das volle Ausmaß von Erawans Dunkelheit gesehen. Und ich glaube, wir haben noch nicht das volle Ausmaß von Aelins Feuer gesehen."


Mir gefällt es, wie die ganze Geschichte lebt. Manche Fantasy-Welten werden einmal aufgebaut und dann spielt sich die Handlung in diesem statischen Bühnenbild ab. Doch nicht bei dieser Reihe: Ständig verändert sich der Fokus, der Blickwinkel, der Handlungsort der Geschichte, es werden neue Dinge aufgenommen, bestehende ändern sich - eine stetige Entwicklung, die die Geschichte so perfekt und schlüssig erweitert, dass aus dem roten Fanden, ein rotes Band wird. Das ist eine Fähigkeit, für die ich Sarah J. Maas immer bewundern werde: ihre zusammenhängende Darstellung der Welt, die immer komplexer, verschachtelter und geheimnisvoller wird, mit jedem Charakter und Handlungsstrang der dazukommt. Dabei verliert sie nie das Wesentliche aus den Augen und überlädt die Story auch nicht - sie pickt sich einzelne interessante Aspekte gekonnt heraus, welche dann weiter gesponnen und vernetzt werden, bis ein umwerfendes Gesamtergebnis entsteht! Dazu trägt auch ihr außergewöhnlicher Schreibstil bei. Wie für die ganze Reihe gibt es ein Wort, das ihr erstaunliches Talent, Worte in Sätzen so zu platzieren, dass sie der Geschichte alleine durch den Schreibstil ein imposantes Auftreten verleihen, super beschreibt: EPISCH. Durch ihre teils sehr außergewöhnliche Wahl der Worte und ihre intensiven Szenenbeschreibungen, fühlt man sich oft, als würde man einem Film zusehen, der vor den eigenen Augen abläuft - Ein wunderbarer Film voller Action, Gefühle und Hintergrund und mit genialen Schauspielern natürlich ;-)


"Die Welt begann und endete in Feuer. Einem Meer aus Feuer ohne Raum für Luft, für andere Geräusche, als dem einer einstürzenden, schmelzenden Erde. Dem wahren Herzen des Feuers - dem Werkzeug zur Schöpfung und Zerstörung. Und sie ertrank darin."


Das ganz besondere Herzstück der Geschichte, das diese Fantasy-Geschichte von vielen anderen im High-Fantasy-Bereich abhebt, sind jedoch die Protagonisten. Sobald epische Schlachten, ganze Königreiche und unendliche Macht ins Spiel kommen, neigen Autoren dazu, nur noch über die "großen Themen" zu schwafeln und ihre Protagonisten dabei zu Statisten verkommen zu lassen. Hier ist das jedoch eher umgekehrt: die Anzahl an Charaktere, die ich nie wieder vergessen werde, wächst mit jedem Buch weiter an und meine Verbindung zu ihnen wird immer tiefer.


"Die Königin von Flamme und Finsternis, die Erbin des Feuers, Aelin vom Wildfeuer, Feuerherz... Sie brannte sich durch jeden ihrer Titel, auch als sie selbst zu diesen Titeln wurde, als sie das wurde, was diese fremden Botschafter einst gezischt hatten, als sie von der wachsenden, haltlosen Macht einer Kindkönigin in Terrasen berichtet hatten. Ein Verspechen, das in die Schwärze geflüstert worden war. Das Inferno nahm kein Ende."


Aelin alias Caleana ist eine ganze besondere Protagonistin, über die ich sehr gerne lese und die in jedem Teil ein neuer Teil ihrer Persönlichkeit zu entdecken scheint. Hier beginnt sie endlich sich in die Rolle von Aelin Ashryver Galathynius Königin von Terrasen einzuleben, die wie ein Phönix in der Kraft ihrer Feuermagie die Asche ihrer Vergangenheit, also die Assassine Celaena Sardothien, abgeschüttelt hat und neu geboren wurde. Jede Spur von Unsicherheit und Verantwortungslosigkeit ist bei ihr verschwunden und sie ist ganz zu der großen Magierin, Kämpferin und Königin geworden, die nötig ist, um eine Chance im Kampf gegen Erawan und Maeve zu haben. Mit ihrer direkten und stürmischen Art, ist sie mir wirklich ans Herz gewachsen - enger als kaum eine andere Protagonistin je zuvor - und ihre Stärke, ihr Durchhaltevermögen, ihre Intelligenz, ihr Mut, ihr Beschützerinstinkt, ihre Autorität und ihre Güte haben mich immer wieder inspiriert. Ihre Fähigkeit, aus jeder Situation das Beste zu machen und mindestens ein Ass in jedem Ärmel zu haben und ihre schier bodenlose Macht machen sie außerdem zu einer Protagonistin, die immer wieder für eine Überraschung gut ist. Auch wenn sie für mich immer eine besondere Person bleiben wird, muss ich jedoch sagen, dass ich mich zugunsten der anderen Protagonisten immer weiter von ihr entfernt habe. Sie wird mir fast ein wenig zu mächtig, was fast schon gruselig ist, bringt immer wieder noch mehr Macht, noch mehr Verbündete, noch mehr Wendungen mit ein, die irgendwann total unrealistisch wären, wenn es nicht so verdammt episch wäre, diese ewige Steigerung zu lesen.


"Oh Götter - dies hier. Dies war es, was sie um den Verstand brachte - dieses Feuer zwischen ihnen. Mit diesem Feuer konnten sie die ganze Welt zu Asche verbrennen. Er gehörte ihr und sie gehörte ihm, und sie hatten einander quer durch Jahrhunderte des Blutvergießens und des Verlustes gefunden, über Ozeane und Königreiche und Kriege hinweg."


An ihrer Seite *sabber, schmacht, seufz* steht unverrückbar, mächtig, liebend und aufopferungsvoll der unsterbliche Fae-Prinz mit dem knallharten Krieger-Körper, dem tätowierten Gesicht und dem weichen, verletzten Herzen: Rowan Whitethorn. Auch er hat in seiner Vergangenheit traumatische Erfahrungen durchlitten und kämpft immer noch mit seinen inneren Narben, hat sich aber für Aelin und die ganze Truppe zu einem verlässlichen Fels in der Brandung entwickelt. Ohne ihn mit seiner pragmatischen, sarkastischen und draufgängerischen Art könnte ich mir die Geschichte nicht vorstellen und dass die beiden sich endlich voll und ganz aufeinander einlassen können (natürlich mit der ein oder anderen schönen Szene) hat mir sehr gut gefallen. Irgendwie seltsam sind die beiden mit ihren ewigen Besitzansprüchen und ihrem ewigen Rumgeknurre aber schon...


"Du bist mein Feuerherz." Sie nahm sein Gesicht in beide Hände und zog ihn zu sich herab um ihn zu küssen. Rowan schlang die Arme um sie, presste sie an sich und ließ die Hände über ihren Körper wandern, als würde er sich in seine Handflächen einbrennen, wie sie sich anfühlte, Sein Kuss war wild - Eis und Feuer, die sich umschlangen. Selbst der Regen schien innezuhalten, bis sie sich endlich atemlos voneinander lösten. Und durch den regen, das Feuer und das Eis, durch die Dunkelheit und durch Blitz und Donner flackerte ein Wort in ihre Kopf auf, eine Antwort und eine Herausforderung und eine Wahrheit..."


Mit Aelin und ihrem Gefährten Rowan bilden die Gestaltwandlerin und Freundin Lysandra, der Kommandant und Cousin Aedion und der König von Ardalan Dorian eine Reisegesellschaft und den innersten Kreis im Kampf gegen Erawan. Alle rücken damit weiter in den Fokus der Geschichte und bekommen ihre kleine Nische, um sich weiterzuentwickeln.
Dorian tritt hier wieder ein bisschen mehr in den Vordergrund nachdem er - von einem Valgprinzen besessen - zuvor weit ins Reich der Schatten zurückgetreten war. Es ist sehr interessant und amüsant zu lesen, wie er hier immer mehr seine Magie, seine rohe Macht, entdeckt und sich Manon weiter annähert. Sein erlittener Schmerz, seine neue Verantwortung und seine neuentdeckte Macht habe ihn zu einem neuen Menschen gemacht, den man erstmal neu kennenlernen muss, der sich aber wunderbar in das Handlungsgefüge einfindet.
Lysandra ist mir schon in Band 4 und nun in Band 5 so fest ans Herz gewachsen, dass ich schon fast vergessen habe, dass sie erst im letzten Band aufgetaucht ist. Mir war die schlagfertige und listige Kurtisane sofort sympathisch, da sich hinter ihrer attraktiven Fassaden eine innere Stärke verbirgt, die ich zu Beginn nicht vermutet hätte. In ihr stecken außerdem eine Menge Überraschungen, denn als Gestaltwandlerin, die nach den Jahren ohne Magie immer mehr von ihren Möglichkeiten ausprobiert, stehen ihr viele Wege offen... Außerdem bin ich gespannt, wie sich das zwischen ihr und Aedion weiterentwickelt, mit dem ich leider immer noch nicht so viel anfangen kann, da er irgendwie wie ein laufender Eifersuchtsbolzen mit übersteigertem Beschützerinstinkt wirkt. Hier trifft er zum ersten Mal auf seinen Vater und wir erfahren mehr über seine Vergangenheit und die des Landes.
Auch Fenrys und Gavriel, die zwei unsterblichen Fae und ehemaligen Kampfgefährten von Rowan, die wir in Band 3 schon kennenlernen dürfen, tauchen hier wieder auf der Bildfläche auf. Die beiden sollen den Ausreißer Lorcan töten und die Wyrdschlüssel zu Maeve bringen. Je länger die beiden jedoch mit der Truppe reisen, kämpfen immer mehr ihr eigener Wille und die Macht des Blutschwurs zu Maeve miteinander.


"In diesem Moment verstand Manon, dass es Kräfte gab, die größer waren als Gehorsam und Disziplin und Brutalität. Verstand, dass sie nicht seelenlos geboren worden war; dass sie nicht ohne ein Herz geboren worden war. Denn da waren beide, Herz und Seele, und flehten sie an, diese Klinge nicht zu schwingen. Manon schaute zu den Dreizehn hinüber, die im Halbkreis um Asterin herumstand. Eine nach der anderen hoben sie zwei Finger an die Stirn. Ein Raunen durchlief die Menge. Es war eine Geste nicht zu Ehren einer Oberhexe. Sondern einer Hexenkönigin. Vergebung leuchtete in den Gesichtern ihrer Dreizehn auf. Vergebung und Verständnis und Loyalität, die kein blinder Gehorsam waren, sondern durch Schmerz und Kampf geschmiedete, durch gemeinsame Siege und Niederlagen. Geschmiedet in einer Hoffnung auf ein besseres Leben - eine bessere Welt. "Bring unser Volk nach Hause, Manon"


Der zweite große Handlungsstrang widmet sich Manon Blackbeack, der Schwarmführerin der Ironteeth Hexen, die Erawan in Morath sammelt. Nachdem ich schon in Band 4 sehr überrascht war, wie mir diese gefühlslose, kalte und grausame Hexe so ans Herz wachsen konnte, habe ich sie hier immer mehr geliebt. Denn sie, die doch immer so diszipliniert und autoritär war, beginnt langsam an der Richtigkeit ihrer Mission zu zweifeln, als der Herzog beginnt, grausame Experimente mit Hexenzirkeln durchzuführen um grauenvolle Monster zu züchten. Einige der neuen Monster dürfen wir hier auf äußerst hübsche Art und Weise kennenlernen und ich muss sagen - ich liebe diese ekligen Biester. Schon zuvor konnte man erkennen, dass es ihr widerstrebte bloß ein Teil der Kriegsmaschinerie des Königs zu sein und konnte die vielen Risse sehen, die gute Taten in ihrem todbringenden und grausamen Image entstehen ließen. Als sie dann aber befehligt wird, Rifthold dem Erdboden gleich zu machen und Dorian nach Morath zu bringen, steht sie vor der großen Entscheidung und akzeptiert, dass sie nicht als Monster geboren sondern zum Monster gemacht wurde und sich aus freien Stücken dagegen entscheiden kann, der Welt vorzugaukeln, dass sie ein Monster ist. An ihrer Seite stehen unverrückbar ihre Dreizehn und ihr Flugwyvern Abraxos, der Manon erst den Weg in mein Herz geöffnet hat. Denn diesen großen Krieger mit viel Mut, Liebe, Mitgefühl und einer Vorliebe für Blumen, in die er immer seine Nase steckt, muss man als Fantasy-Liebhaber einfach lieben! Durch Manons Entscheidung und eine neuen Erkenntnis, die ihre Welt erschüttert, wird ihre Stellung in der weiteren Handlung komplett über den Haufen geworfen und ich bin sehr gespannt, wie sich dieser rätselhafte, spannende Charakter weiter positionieren wird.


"Er beugte sich vor und trotz der Sümpfe, trotz dem, was sich in der Welt zusammenbraute hatte Elide zum ersten Mal in zehn Jahren keine Angst, als Lorcan ihre Lippen mit seinen eigenen liebkoste. (…) Er sah sie mit einer stummen Frage in den Augen an und ihre Hand hielt auf der Haut über seinem Herzen inne. Es schlug in einem tobenden, donnernden Rhythmus. Sie hob den Kopf, um ihn zu küssen und als ihr Mund erneut auf seinen traf, flüsterte sie ihre Antwort…"



Der dritte Handlungsstrang besticht mit einer ganz neuen Beziehung zwischen zwei altbekannten Charakteren, die sich in den Wäldern Ardalans zu einer Zweckgemeinschaft fügen und schließlich mehr entwickeln als nur Loyalität: Elide und Lorcan. Mit der verkrüppelten, geschundenen Elide, die eigentlich keine besondere Fähigkeit besitzt als ihr wacher Geist und ihre Empfindsamkeit, kommt frischer Wind in den Kreis an alteingesessenen Charakteren, die alle durch besondere Macht bestechen können. Gerade weil sie nichts Besonderes an sich hat, kann man einfach nicht anders, als die Stärke und Klugheit zu bewundern, die in ihr stecken. Dass der eiskalte, todbringende Fae Lorcan sich in sie verlieben würde, während er eigentlich den Tod von Aelin plant, hätte außerdem wohl keiner voraussehen können...


"Aelin ließ ihr schwarzes Feuer durch sich hindurchbranden. Dieses Bündnis zu sichern war nur ein Teil des Ganzen. Der andere Teil, der größere Teil war die Botschaft. Nicht an Morath. Sondern an die Welt. Heute würde ihre Botschaft durch die Königreiche donnern. Sie war keine Rebellenprinzessin, die feindliche Paläste zertrümmerte und Könige tötete. Sie war eine Naturgewalt. Sie war eine Katerstrophe und eine Kommandantin legendärere, unsterblicher Krieger!"


Ihr seht also, diese Geschichte ist mal wieder unglaublich episch! Wenn man es genauer bedenkt ist eigentlich die ganze Reihe eine krasse Steigerung. Sobald man denkt, dass man schon auf dem allerhöchsten Level ist, kommt wieder eine epische Schlacht, die alles noch einmal toppt. Alles wird größer, mächtiger, epischer, spannender, herzzerreißender, gefährlicher, leidenschaftlicher und ich weiß nicht wo das hinführen soll. Wie soll ich jemals andere Fantasy lesen und nicht angesichts des riesigen Unterschieds verzweifeln? Mein absolutes Highlight dieser Geschichte ist die fulminante Seeschlacht in Skulls Bay. Als ich diese gelesen habe, wollte ich eigentlich frühstücken gehen... nun ja ich habe diese Mahlzeit dann einfach ausgelassen und bin gleich zum Mittagessen übergegangen. Und da Essen neben Lesen eigentlich meine Lieblingsbeschäftigung ist muss das schon etwas heißen... :-)


"Rowan hatte keine eigene Armee besessen, die er Aelin hätte schenken können, die er Terrasen hätte schenken können. Und nun hatte er eine Armee für sie gewonnen. Mit den Dingen, von denen Aelin behauptet hatte, sie seien alles, was sie von ihm wolle. Sein Herz. Seine Loyalität. Seine Freundschaft. Und Rowan wünschte, sein Feuerherz wäre hier um zu sehen, wie das Haus Withethorn in Maeves Flotte krachte und Eis und Wind über den Wellen explodierten. (…) Er hatte es getan. Für sie. All das, für Aelin."


Dann noch ein letzter Punkt, über den wir reden müssen: das fulminante Finale dieses Teils! Ich weiß nicht, wann mich das letzte Mal ein Buch so unter Strom gesetzt hat. Emotionen sind die eine Sache - Spannung und krasse Dramatik die andere. Die letzten Seiten waren so außergewöhnlich mitreißend, überraschend, spannend, actionreich, richtungsändernd und eindrucksvoll, sodass ich es wahrscheinlich nie vergessen werde. Alleine für diese eine Szene sollte dieses Buch schon 5 Sterne bekommen! Eine Wendung jagt die nächste, man hat eigentlich durchgängig Gänsehaut, Tränenausbrüche und unkontrollierte Zuckungen, sodass ich bestimmt die Gehirnströme einer Epileptikerin hatte, als die letzten Seiten durch mein Hirn jagten. Spätestens ab jetzt ist diese Reihe zu meiner "all time favourite Geschichte" geworden und ich konnte dem actionreichen, dramatischen und unglaublich tragischen Schluss nur gebannt folgen.
Das wirkliche Ende ist dann wirklich erschreckend und absolut nervenzehrend, sodass ich keine Ahnung habe, wie ich die Zeit bis zum Erscheinen des nächsten Teils aushalten soll. Ich spüre jetzt schon meine harten Entzugserscheinungen, denen ich in diesen 6 Monaten ausgesetzt sein werde. Tja, jetzt heißt es warten und der Welt von dieser unglaublichen Reihe erzählen!


"Die ganze Welt war ein Höllenreich, ohne Ende und ohne Anfang. Lorcans zerrissene, dunkle Seele warf den Kopf nach hinten und brüllte im Einklang mit dem brennenden Lied ihrer Macht mit."


Fazit:


Dunkle Geheimnisse, eine spannende Entdeckungsreise durch die Länder des Kontinents, neue Verbündete, alte Bekannte, epische Schlachten, neue Liebe und heftige Enthüllungen - diese Geschichte hat alles was man sich nur vorstellen kann!
Ein ultimatives Fantasy-Epos, das an Bildgewalt, emotionaler Tiefe und Plotkonstruktion kaum noch zu übertreffen ist!

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Tags: bildgewalt, drache, dunkelheit, dunkle geheimnisse, emotionale tiefe, epische schlachten, epos, fae, fantasy, hexe, kampf, krieg, liebe, loyalität, opfer, reise, schicksal, verbündete   (18)
 

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Wie Eulen in der Nacht

Maggie Stiefvater , Katharina Volk
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2018
ISBN 9783426522820
Genre: Fantasy

Rezension:

In ihrer Danksagung schreibt Maggie Stiefvater, dass Wunder und Geschichten manchmal dasselbe sind. Da würde ich ihr uneingeschränkt zustimmen und auch hier haben wir es mit einer Geschichte zu tun, die mit ihrer düsteren und doch so hoffnungsvollen Atmosphäre, dem feinen, ironischen Humor und der tiefen Wahrheit, die unter ganz viel Unglaublichem vergraben liegt, definitiv einem Wunder nahe kommt. Nachdem ich die "Ravenboys-Reihe" und "Nach dem Sommer" der Autorin schon gelesen und geliebt habe, hatte ich natürlich recht hohe Erwartungen an die Geschichte (auch wenn ich wirklich versucht habe, es neutral anzugehen), welche jedoch rückblickend auf jeden Fall erfüllt wurden auch wenn ich die Kritikpunkte meiner Vorrezensenten durchaus nachvollziehen kann!


 
"Jedes Soria Wunder hatte dasselbe Ziel: den Geist zu heilen. Das hatte sich Daniel Soria n der vergangenen Nacht immer wieder vorgehalte. Seine Lage war keine Strafe, sagte er sich. Diese Lage war ein Wunder. Aber sie fühlet sich nicht wie ein Wunder an."


Das Cover ist -wie eigentlich alle Stiefvater-Romane- ein wirklicher Blickfall und einfach besonders! Als ich das englische Originalcover zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich sofort in es verliebt so wie Pete in die Wüste. Und als ich die dann deutsche Ausgabe entdeckt und gesehen habe, dass sich dieses kaum vom Original unterscheidet, war ich wirklich glücklich und wusste: das muss ich im Regal stehen haben! Mit der kräftigen türkis-blauen Hintergrundfarbe und dem komplementären Orange der Sonne sticht die Komposition schon durch ihre Farben ins Auge. Zusammen mit den verschnörkelten Rosenranken und der weißen Eule wird dann die inhaltliche Passung gewährleistet. Der weiße, prominente Titel passt ebenfalls gut, auch wenn mir der englische Titel "All the Crooked Saints" viel besser gefällt. Ich kann aber durchaus verstehen, warum der Verlag den Titel nicht direkt übersetzt hat, das würde auf Deutsch eher komisch als mystisch klingen. Mit den rosenbedruckten Leselaschen, dem grell-orangenen Buchschnitt und den Rosenranken an jedem Kapitelbeginn wird die wunderbare Gestaltung noch abgerundet!


Erster Satz: "Nach Einbruch der Dunkelheit ist ein Wunder sehr weit zu hören."


Mit diesem Satz steigen wir eine dunkle Wüstennacht im Jahr 1962 ein, in der die Luft vor Wunder und Radiowellen nur so knistert und Eulen aufgeregt herumflattern. Wir lernen die drei Soria-Cousins Beatriz, Daniel und Joaquin kennen, die Radiowellen ihres Piratensenders von einem alten Lastwagen aus in die einsame Wüste schicken, in der Pete Wyatt und Tony DiRisio gerade auf das Örtchen Bicho Raro zuhalten - Tony weil er dringend ein Wunder braucht und Pete weil ihm eben jenen Lastwagen versprochen wurde. Klingt skurril? Dann wartet ab was passiert als einer er beiden Neuankömmlingen durch sein erstes Wunder zum Riese wird, ein Mädchen beschließt, in die Wüste zu laufen und der Heilige von Bicho Raro, aus Liebe seine eigene Dunkelheit über sich bringt. Denn die Sorias bieten zwar schon seit Jahrhunderten verlorenen Seelen an, ein Wunder an ihnen zu vollziehen und ihre Dunkelheit für sie sichtbar zu machen, doch den zweiten Teil des Wunders - die Bewältigung ihrer Dunkelheit - müssen sie ganz alleine hinbekommen. Und wer sich diesem uralten Gesetz widersetzt und sich in ein fremdes Wunder einmischt, der bringt selbst eine Dunkelheit über sich. Und wenn die Sorias eines wissen dann dass mit Wundern und der Dunkelheit genauso wenig zu spaßen ist wie mit Antonia Sorias tollwütigen Hunden...


"Trägst du die Dunkelheit in dir?" "Ja", antwortete Tony. "Und willst du davon befreit werden?" (…) "Ja." Draußen begannen Eulen mit den Flügeln zu schlagen und zu schreien. Virginia-Uhus riefen. Kreischeulen schrillten. Die Schleiereulen gaben ihr metallisch klingendes Fauchen von sich. Streifenkäuzchen miauten. Brillenkäuze bellten hohl. Sperlingskäuze piepsten. Die Elfenkäuze lachten nervös. Der misstönende Lärm schwoll an, und die Luft wurde immer noch wundersamer. Daniel schlug die Augen auf. Die Dunkelheit begann hervorzutreten."


Erstmal muss ich gestehen, dass mich das Buch anfangs gar nicht so fesseln konnte. Die Geschichte plätscherte dahin, die Stimmung der 60er Jahre in Amerika wurde zwar gut transportiert, durch die vielen unterschiedliche Charaktere und die skurrilen Handlungssprünge ist es aber erstmal schwierig in die Handlung einzusteigen. Dass Maggie Stiefvater wieder bei jedem Kapitel zu der Sicht eines anderen Hauptcharakters springt, der seine Gedanken, Gefühle, Taten und Erlebnisse als personaler Er-Erzähler wiedergeben kann macht das natürlich auch nicht einfacher. Nach 3 Kapiteln war ich jedoch in der Geschichte angekommen und der Lesespaß konnte losgehen als ich den roten Faden gefunden hatte: eine eigenartige Mischung aus klassischem Urban Fantasy mit Spiritualität, Märchen, Roadnovel, Bewältigungsgeschichte und einer guten Prise Verrücktheit. Alles umrahmt von ihrem unverwechselbaren Stiefvater-Stil und fertig ist die unkonventionelle, magische und einzigartige Geschichte. Auch wenn der Roman nicht gerade viele Szenen aufweist, in denen wirklich Schlag auf Schlag viel passiert, bleibt durchgängig eine brodelnde Grundspannung erhalten. Leise, pfiffige Details, das unglaublich magische Setting und nicht zuletzt der tolle Schreibstil sorgen für eine wundervolle Atmosphäre, die einen nicht mehr loslässt. Teilweise ist die Geschichte wirklich sehr skurril und abgedreht, aber genau das macht sie eben aus, sodass mir das Buch bald mehr wie eine Ansammlung kunstvoll miteinander verwobener Einzelgeschichten erschien und ich aufs Neue von Stiefvaters Ideenreichtum verzaubert war.


"Wunder wie etwas zu behandeln, dass der Logik gehorchte, führte dazu, dass man sie nicht mehr so unheimlich fand, und das machte sie nicht nur noch gefährlicher, sondern auch weniger heilig und daher weniger bedeutsam. Diese Überzeugung ist recht verbreitet, aber sie tut sowohl der Wissenschaft als auch der Religion keinen Gefallen. Indem wir Dinge, die wir fürchten und nicht verstehen der Religion zuweisen, und die Dinge, die wir verstehen und kontrollieren können der Wissenschaft, berauben wir die Wissenschaft ihres künstlerischen Ausdrucks und die Religion ihrer Wandlungsfähigkeit."



Der geringe Umfang und die niedrige Handlungsdichte wird neben aberwitzige Drehungen und Wendungen vor allem durch den wundervollen Schreibstil der Autorin wettgemacht. Wie schon erwähnt trägt der leicht verrückte Stil Maggie Stiefvaters zur Entwicklung der Anziehungskraft des bildgewaltigen Epos´ einen großen Teil bei. Mit bildgewaltigen, beschreibenden Worten (für die sie auch oft Klammern und Spiegelstriche verwendet) lässt sie die Charaktere und das Setting für einen kurzen Moment wahr werden und schenkt uns einige Stunden voller Fantasie, Magie, Liebe, Freundschaft und düsteren Geheimnissen. Dabei verwendet sie hier besonders viele Metaphern und schöne Sinnbildern über Dunkelheit, Einsamkeit und Ängste, womit sie wunderschöne Botschaften und Anspielungen mit einem Augenzwinkern rüberzubringen schafft. In ganz eigener Handschrift schreibt sie mal erklärend, mal kurz angebunden, mal emotional, mal kalt, mal melancholisch, mal locker, mal traurig, mal glücklich, mal wütend, mal resigniert - ein kunterbuntes Durcheinander das vor allem eines ist: magisch!


"Es war sehr still. Niemand hätte sie gesehen, wenn die Wüste nicht gewesen wäre. Doch als die Wüste Pete Wyatt ein Liebeslied singen hörte, merkte sie auf. Als sie Pete singen hörte, ließ sie also Wind um die beiden aufwirbeln, bis die Brise wie safte Streicher klang. Sie hörte Pete singen und ließ die Luft um jeden Stein und jede Pflanze kühler werden, bis all das seine Stimme harmonisch begleitete. Sie hörte Pete singen und trieb die Heuschrecken Colorados dazu an, leise Bläser zu imitieren, und sie ließ den Boden unter Bicho Raro sanft erbeben, sodass Sand und Staub den Takt schlugen, im Rhythmus des unvollständigen Herzens in Pete Wyatts Brust."


Zu der eher düsteren Atmosphäre passt das tolle Setting des Wüstenörtchen Bicho Raro perfekt. Die kleine Ansammlung an Häusern mitten in der erbarmungslosen Wüste Colorados schreit förmlich: "Wunderlich" und mit vielen kleinen Details wird dieser sonderbare Ort lebendig. Eine Wüste, die sich verliebt, ein Kampfhahn, der endlich Frieden mit sich selbst schließt, schwarze Rosen, die sich einfach nicht züchten lassen wollen und eine Scheune, die beim 100sten Stupsen des Windes in sich zusammen gefallen ist, Radiowellen, die sich aus versehen nach Skandinavien verirren - auf solche Ideen kommt wirklich nur Maggie Stiefvater und auch nur sie bekommt es hin, die nachdenklich-melancholisch-gefärbte Atmosphäre gekonnt an den richtigen Stellen durch ihren trockenen Humor aufzulockern und mich so das ein oder andere Mal zum Grinsen zu bringen.


"Pete war auf der Stelle verliebt. Dieser befremdlichen kalten Wüste ist es gleich, ob man in ihr lebt oder stirbt, aber er verliebte sich trotzdem in sie. Er hatte nicht geahnt, dass irgendein Ort so rau und so unmittelbar sein konnte, so dicht an der Oberfläche. Sein schwaches Herz spürte die Gefahr sehr wohl, konnte jedoch nicht widerstehen. Er verliebte sich so heftig, dass selbst diese Wüste es bemerkte. (…) Und die Wüste, so wenig mitfühlend oder gar sentimental, war gerührt, und zum ersten Mal seit langer Zeit erwiderte sie eines Menschen Liebe."


Der letzte Puzzlestein sind dann die Charaktere. Diese sind hier sehr tiefgründig und mit viel Potential angelegt, werden durch den geringen Umfang der Geschichte und der aberwitzigen Zahl an verschiedenen Protagonisten zum Teil leider nur grob gestreift. Durch die total durchgedrehten Eingangsworte zu jedem Charakter, in dem wir seinen sehnlichsten Wunsch und seine tiefste Angst erfahren (unten zwei Beispiele dazu, wirklich zum totlachen). Neben der schrägen Familie Soria und all ihren Entfernten Verwandtschaftsgraden muss man sich auch die Namen und Wunder der etlichen Pilger merken, die in Bicho Raro festsitzen und auf ihr zweites Wunder warten. Da wären zum einen das entfremdete Paar Antonia und Francisco Soria, die eine immer wütend, der andere immer in seinem Gewächshaus, der immer arbeitende Michael Soria, die immer ängstliche Judith Soria und ihr Macho-Mann Eduardo Soria, Daniel und Beatriz Cousin Joaquin Soria, der mittels Funkpiraterie eine Karriere als Radio-DJ "Diablo Diablo" starten will, Daniel Soria, der heiligste Soria, der die Wunder durchführen darf und natürlich Beatriz Soria höchstselbst, die scheinbar keine Gefühle hat, gerne Gefühle von oben betrachtet, erst Angst hat wenn diese begründet und berechtigt ist und sich mit ihrem Vater nur über eine erfundene Geheimsprache unterhält.
Dazu kommt der junge Pete, der nicht als Pilger nach Bicho Raro gekommen ist, sondern vor seiner gescheiterten Karriere beim Militär und seinem Loch im Herzen flieht und sich hier einen Lastwagen durch Arbeit verdienen will.
Und natürlich die Pilger, die alle ihre Lektion zu lernen haben: Die durch eine Riesenschlange aneinandergefesselten Zwillinge, die sich zusammen schließen müssen um getrennt sein zu können, der Radio-Riese Tony, der verstehen muss, dass es gar nicht so schlimm ist, die eigene Größe dazu zu nutzten, die Stimme eines anderen hochzuhalten, damit sie ein wenig lauter zu hören ist, die weinenden Marisita, deren ewige Regenwolken verhindern, dass die Monarchfalter auf ihrem Hochzeitskleid davonfliegen muss lernen, sich selbst zu verzeihen... Wir bekommen hier viele verschiedene Arten von Lebenskrisen und Bewältigungsstrategien auf fantastische Art und Weise vorgesetzt und können als Essenz mitnehmen: jede Dunkelheit kann bekämpft werden und je schneller man sich dieser bewusst wird, desto effektiver kann man sie loswerden!


"Das wollte Judith: zwei Goldzähne, wo sie niemand sehen würde, aber sie immer wüsste, dass sie da wären. Und dies fürchtete sie: vor Arztterminen, gleich welcher Art, Formulare ausfüllen zu müssen. (…) Das wollte Eduardo: dass Sänger mitten im Lied innehielten, weil sie lachen musste.
Und dies fürchtete er: dass sich Katzen auf sein Gesicht legen und ihn im Schlaf ersticken."


Insgesamt also eine bunte Mischung, die seltsamer nicht sein könnte, mir aber das Herz erweicht hat, ohne das ich es bemerkt habe. Maggie Stiefvater setzt Gefühlsbeschreibungen nur ganz dezent und gezielt ein - ganz im Gegensatz zu manch anderen Romanautorinnen wie zum Beispiel Colleen Hoover, deren Gefühlswucht fast erdrückt. Manchen mag das zu spärlich sein, doch ich finde die zarten Andeutungen und leisen Annäherungen sind viel berührender als brodelnde Leidenschaft.
Und so nimmt diese wundervolle Geschichte voller Kreativität, Dunkelheit, Wahrheit, Liebe, Heilige und Wunder ihren Lauf und gipfelt am Ende in einem epischen Finale!


"Eine Wolke von Emotionen ballte sich um das Radio in Eduardos Pick-Up: Entsetzen, Wut, Freude, Stolz und schließlich, als Eulen die Pilger zu umkreisen begannen, Sorge. Ungewirkte Wunder hingen dick in der Luft und machten die Vögel ganz verrückt. Sie kreischten und sausten durch die Luft, dass die Federn stoben. Die Pilger steckten voller zweiter Wunder und die Sorias voller erster."




Fazit:

Die Kraft des Übernatürlichen, eines Wunders wird genauso eindrücklich geschildert wie die Kraft der Liebe, des Muts und der Freundschaft, sodass diese Geschichte trotz ihrer skurrilen Handlung doch so nah an der Wirklichkeit ist, dass sie mich tief berühren und mir einiges mitgeben konnte.
Mit der düsteren und doch so hoffnungsvollen Atmosphäre, dem feinen, ironischen Humor und der tiefen Wahrheit, die unter ganz viel Unglaublichem vergraben liegt, kommt der Roman definitiv selbst einem kleinen Wunder nahe!

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Tags: angst, dunkelheit, fantasie, freundschaft, humor, kraft, kreativität, liebe, mut, pilger, skurri, spiritualität, übernatürliches, wahrheit, wunder, wüste   (16)
 

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Was würde Miss Austen sagen? oder: Die Kunst sich selbst im Weg zu stehen

Pia Kovarik
E-Buch Text: 132 Seiten
Erschienen bei null, 18.10.2018
ISBN B07JKHYX9L
Genre: Liebesromane

Rezension:

"Ich denke, dass jeder das Recht hat, einem im Leben aus Liebe zu heiraten."
- Jane Austen -

Auf dieses Zitat der wohl berühmtesten Schriftstellerin für Liebesromane folgt eine wunderbar unterhaltsame, romantische und märchenhafte Geschichte, die man nicht verpassen sollte!
Wie schon in ihren Kurzgeschichten "Die wahre Geschichte des Froschkönigs" und "Die wahrhafte Prinzessin auf der Erbse" oder in ihrem ersten Liebesroman "Ein Gentleman im Schottenrock" verzaubert Pia Kovarik mit einer eigentlich absurden Romanidee und entführt mit einem romantischen Neuzeit-Märchen in die Welt der echten Gentlemen.

Das typisch für die Autorin gestaltete Cover schafft mal wieder den Spagat zwischen hinreißendem Kitsch und Londoner Bodenständigkeit wunderbar. Das Bild der beiden herbstlich gekleideten Verliebten vor dem Stadthintergrund passt dabei super zum dezent-blauen Grund und dem verschlungenen Titel. Für meinen persönlichen Geschmack ist es mit den Herzchen, dem Amor, der Feder und dem Liebespaar etwas zu mädchenhaft und kitschig, aber durchaus zur Geschichte passend und insgesamt sehr stimmig gestaltet. Der Titel passt natürlich wie die Faust aufs Auge und ist definitiv originell. Das rechtstehende Cover ist die Winterversion, ab dem Frühjahr wird wieder das etwas sommerlichere Cover, das oben auf meinem Coverbild zu sehen ist, den Roman zieren. An der Gestaltung super ist auch der Anhang, in dem eine Kurzzusammenfassung von Jane Austens Bücher für alle zu finden ist, die sich bis lang noch nicht mit diesen Romanen beschäftigt haben (zum Beispiel ich, was rückblickend wohl ein Fehler war ;-))


 
Erste Sätze: "Vielleicht ist es falsch, solch eine Geschichte mit den Worten "Es war einmal" zu beginnen, denn selbst wenn es sich um eine Geschichte der Liebe und der Hoffnung handelt, kann man wohl kaum von einem Märchen sprechen. Vielmehr ist es eine Erzählung von den Irrungen des Menschen und davon, dass wir uns und unserem kleinen, glänzenden Stück Glück, nur zu oft selbst im Wege stehen und dabei die traurigen Folgen meist erst viel zu spät erkennen."


Das Buch beginnt relativ flott mit der Ankunft der jungen, angehenden Literaturwissenschaftlerin Violet in London, die dort ihre Doktorarbeit über den Mythos der Jane Austen schreiben will. Um alles über ihre Werke, ihr Leben, ihre Briefe, ihre Liebe, ihre Zeit zu erfahren begibt sie sich zuerst in die British Library. Dass sie dort jedoch Bekanntschaft mit einem jungen Mann machen wird, der ihre Welt auf den Kopf stellen wird, ahnt sie noch nicht...

Trotz dass die Handlung alles in allem recht vorhersehbar ist, hat der Plot durchaus sehr viel Charme und verliert nie die Spannung. Dafür sorgt neben dem angenehmen, blumigen Schreibstil vor allem die wunderbaren Darstellung des netten Settings: London mit seinen Wolkenkratzern und historischen Gebäuden, Gentlemen und Hipstern, Touristenattraktionen und Überbleibsel der vorigen Jahrhunderten. Ich war vor ein paar Jahren schon mal in dieser wundervollen, magischen Stadt und kann mich noch sehr gut an die Faszination erinnern, die auch ich für diesen Ort verspürt habe.


"Ist es nicht genau das, was Frauen an Mr. Darcy so sehr lieben und schätzen? Dass er schwach und unbeholfen in Elizas Nähe wird. Kein Mädchen und keine Frau - außer vielleicht eine besonders geldgierige - findet ihn anfänglich interessant. Erst nach seinen tollpatschigen Versuchen, seine Liebe zu gestehen wird er epochal." (…)
"Dann habe ich vielleicht mehr mit ihm gemeinsam als ich dachte", nun kam er ihr endgültig so nahe, dass seine Lippen fas die ihren berührten. "Ich verliere nämlich auch ständig den Boden unter den Füßen, wenn du in meiner Nähe bist."



Zusätzlich wird die Spannung auch durch die Einschübe eines rätselhaften Hochzeitstags, der sich zwei Jahre nach dem gegenwärtigen Plot ereignet und denkwürdig schief läuft, der also auch ein paar Fragen aufwirft, aufrecht erhalten. So fragt man sich ständig, wie zum Teufel die Handlung an diesen Punkt gelangen soll. Vielleicht durch überspitzen Stolz und Vorurteile oder durch Überredungen anderer Personen oder wenn die Protagonisten mehr nach ihrem Verstand als nach ihren Gefühlen handeln... Fans der Austen-Romane werden hier bestimmt meine Anspielungen verstehen und solche auch immer wieder in der Geschichte wiederfinden. Die vielen Parallelen, Anspielungen, Zitate und Ausschnitte aus Jane Austens Romanen, die wunderbar eingebettet die Handlung ergänzen sind hier wirklich super eingesetzt. So hat es mir sehr viel Spaß gemacht hat, mich in dem kleinen Büchlein zu vertiefen, das nicht zuletzt durch die magische Atmosphäre mitreißt.

Wunderbar unterhaltsam ist auch, wie Pia Kovarik mit zahlreichen Klischees über Briten spielt, ohne sie zu ernst zu nehmen. Die unumgängliche Tea-time am Nachmittag, die übersteigerte Höflichkeit und der lebendige Mythos des perfekten Gentlemans - hier kommt alles vor und wird durch den flüssigen und mit so viel Witz und Charme geschriebenen Stil auf den Punkt gebracht. An vielen Stellen ist es nur der lockere Ton und der unterhaltsame Witz, der immer über allem schwebt, der gerade noch so verhindert, dass einige Szenen kitschig werden. Obwohl die Handlung mit knapp 130 Seiten (Kindle-Edition) relativ kurz ist, beschreibt sie sehr bildhaft und eindrücklich, was gerade so passiert. Dennoch hätte man mit ein bisschen mehr Zeit und Ausführlichkeit bestimmt noch mehr aus der Geschichte herausholen können.
 
 
"George hielt ihr die Hand entgehen. "Darf ich nochmals bitten?" "Aber mein Herr", dabei tat sie so, als würde sie vor Scham erröten und sich kühle Luft ins Gesicht fächern, "das wäre dann unser dritter Tanz, was sollen nur die Leute denken", dabei kicherte sie furchtbar los, sprang von der Steinbrüstung und ergriff seine Hand, bereit für den nächsten Kotillon. "Was würde nur Miss Austen dazu sagen?"


Wieder mal hat die Autorin die personale Erzählperspektive genutzt, die ab und an auch mal wechselt, um uns die Gefühle der Protagonisten näher zu bringen. So tauchen wir ein in die Gefühlswelt von Violet, die zwischen beruflichem Erfolg, also ihrer Vernunft und dem süßen Gefühl der Liebe, ihrem Herz, hin und her gerissen ist und erleben mit, wie sie sich auf spektakuläre Art und Weise immer wieder selbst im Weg steht. Außerdem lernen wir George kennen, der natürlich der perfekte Gentlemen ist, jedoch mehr zu verbergen hat, als scheint...

Natürlich wartet die Geschichte auch wieder mit einem hübschen Happy End auf und schließt somit eine wunderschöne kleine Geschichte für zwischendurch ab, die durch ganz viele romantische Szenen zum Träumen bringt.


Fazit:

"Was würde Miss Austen sagen?" beinhaltet die Hochs und Tiefs einer guten Liebesgeschichte in einem kurzen, knappen Format - perfekt für einen stürmischen Herbstabend!
Ein romantisches Neuzeit-Märchen!

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Tags: jane austen, liebe, london   (3)
 

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Die kleinen Wunder von Mayfair

Robert Dinsdale , Simone Jakob
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.10.2018
ISBN 9783426226728
Genre: Romane

Rezension:

Schon als ich das Cover das allererste Mal sah, wusste ich, dass ich an diesem Buch nicht vorbeikommen werde. Ich dachte: Wenn diese Geschichte nur annährend so liebevoll und detailreich gestaltet ist und mich auf den ersten Blick verzaubern kann, dann ist sie auf gutem Weg, eines meiner Jahreshighlights zu werden. Und ich habe rechtbehalten! "Die kleinen Wunder von Mayfair" hat zwar auch überraschend düstere Seiten, ist aber vor allem eine Geschichte, die Mut macht, zum Nachdenken anregt und in die kindliche Freude und das unschuldige Staunen zurückversetzt, die wir alle viel zu sehr aus unseren Leben verbannt haben.

"Einem Menschen können die schrecklichsten Dinge zustoßen, aber er wird sich nie verlieren, wenn er sich immer daran erinnert, dass er einmal ein Kind war."

Das Cover lässt den Leser einen kurzen Blick durch die geschwungenen Tore des Emporiums, hinein in eine fantastische Welt voller magischem Spielzeig erhaschen und weckte in mir sofort den Wunsch, das Buch zu lesen. Eingerahmt von golden-verzierten Säulen, strahlenden Lampen und den zarten Eiskristallen des ersten Frosts sehen wir den Titel in geschwungenen, goldenen Lettern sehen, während zentrale Motive wie die emsige Spielzeuglock, die eleganten Ballerinas und die allen-empirischen-Gesetzten-trotzenden Luftschiffe die magische Stimmung zum Greifen nah machen. Auf der Rückseite des Einbandes ist die Zeitungsannonce zu sehen, auf deren Ausschreiben sich Cathy auf den Weg in eine neue Welt, in ein neues Leben macht. Auch innerhalb der Buchdeckel versetzt die wundervolle Gestaltung mit angedeuteten Treppen, Schachbrettfußboden, kufenlosen Schaukelpferden und strammen Spielzeugsoldaten in das zauberhafte Setting des Emporiums. Das goldene Lesebändchen und die filigranen, Abschnittteilenden Schneeflocken vervollständigen das Bild noch. Einzig der Titel - eigentlich sehr wohlklingend und auch nicht wirklich unpassend - umfasst für mich nur der erste Teil der Geschichte und lässt zusammen mit dem Cover ein viel spielerischer, nostalgischer Eindruck der Geschichte entstehen, als eigentlich angebracht wäre. Der Originaltitel "The Toymakers" ist da ein wenig einprägsamer, konkreter und passender.

Erster Satz: "Das Emporium öffnet seine Tore am Tag des ersten Winterfrosts."

Schon mit dem eröffnenden Prolog, dessen ganze Bedeutung wir erst später verstehen, werden wir an den ungewöhnlichen Schauplatz der Geschichte geführt: Papa Jacks Emporium – eine Welt voller Wunder und Magie in der vom ersten Frost Anfang November bis zum ersten erblühten Schneeglöckchen Kinderträume wahr werden und Erwachsene einen kurzen Rückblick in ihre eigene Kindheit erhaschen können. Durch die Augen der 16-jährigen Cathy, die auf der Suche nach einer Bleibe für sie und ihr ungeborenes Kind durch eine Zeitungsannonce auf den Spielzeugladen in London stößt, können wir Einblick in die neue und magische Welt erhalten, in der alles möglich scheint: treue Patchworkhunde, revolutionierende Spielzeugsoldaten, fliegende Schlösser, unendliche Kisten, papierne Fertigbäume, Pfeifenreinigervögel und ... die große Liebe.

"Davonlaufen war ganz anders als in Büchern. Niemand versuchte, einen aufzuhalten. Niemand jagte einem hinterher. Was die Leute nicht verstanden, war, dass man wissen musste, wovor man davonlief. Meist floh man nicht vor Müttern, Vätern, Ungeheuern oder Bösewichten, sondern vor der Stimme im Kopf, die einem sagte: Bleib wo du bist. Alles wird wieder gut. (…) Denn der Welt war es egal, ob eine Tochter mehr oder weniger von zu Hause weglief. Sie hatte diese Geschichte schon zu oft erlebt."

Denn neben Papa Jack, dem geheimnisvollen, hünenhaften Spielzeugmachermeister mit der leisen, flüsternden Stimme und den traurigen Augen, der die Spielzüge in seinen Regalen zum Leben erweckt, sind es seine Söhne Kaspar und Emil, die Cathy mit ihrer Fürsorge und ihren fantastischen Ideen beeindrucken. Immer darauf bedacht, es besser als der andere zu machen eifern sie um neue Ideen, entwickeln über die Sommermonate neue Spielzeuge, während sie stundenlang Schlachten mit Spielzeugsoldaten austragen - der "Lange Krieg". Während Emil ein hervorragender Handwerker ist und seine Holzsoldaten ein Wunderwerk der Technik sind, genau wie die schwebenden Wolkenschlösser und faltbaren Burgen - solide, verlässlich, fleißig, berechenbar -, scheint Kaspar ihm immer ein Schritt voraus zu sein. Denn seine Spielzeuge bergen wie die von Papa Jack wahre Rätsel und immer wieder gelingt ihm das Unglaubliche, wodurch Emils Ehrgeiz und seine Selbstzweifel weiter angestachelt werden. Auch auf Cathy weitet sich der endlose Konkurrenzkampf zwischen den beiden aus und beide sind schnell bereit, sie auch nach der Saison zu verstecken. So findet sie in einem kleinen Spielhaus in der Verkaufshalle ein Zuhause und mit ihrer heranrückenden Geburt und der Annäherung an die beiden Brüder rückt auch ihre Entscheidung zwischen den beiden immer näher. Doch sie ahnt nicht, dass sie damit das Gleichgewicht zwischen den beiden zerstören wird und unter dem Damoklesschwert des heranrückenden Ersten Weltkriegs die Magie des Emporiums zu bröckeln beginnt...

"Nur Kinder wissen, warum der eine Tag eine Ewigkeit dauern kann, während der andere in einem Wimpernschlag vergeht. Ja, in Papa Jacks Emporium ticken die Uhren anders. Ganz egal, ob man tagsüber kommt oder abends, hier findet man einen Ort, der ganz nach seinem eigenen Rhythmus lebt und wer genau hinhört, kann ihn vielleicht sogar hören..."

Zu Beginn ist die Geschichte vor allem ein magisches Abenteuer voller anrührender Nostalgie, doch dann verliert sie plötzlich ihre Leichtigkeit, als der "Lange Krieg" vom Spielzeugteppich in die Schlachtfelder des ersten Weltkriegs verlegt wird und spielerische Auseinandersetzungen durch heftigere, reale ausgetauscht werden. Schleichend wird das Emporium seiner Magie berauben, sodass der Kontrast zwischen der heimeligen Atmosphäre des Spielzeugladens und der Grausamkeit der Welt langsam kleiner wird und die bittere Realität auch ins Emporium Einzug hält. Wir schlagen somit eine ganz andere Richtung ein, als ich von der Geschichte erwartet hatte und mit der Zeit bekommt die Geschichte immer mehr Facetten, immer mehr Tiefe, es wird immer mehr Schmerz und immer mehr Leid der Protagonisten zwischen all den zur Gewohnheit gewordenen Ungewöhnlichkeiten sichtbar. Ich hatte mit einer zauberhaften Fantasy Geschichte rund um Weihnachten gerechnet, doch dann schlägt die Realität zu und der Krieg bricht aus und so finden wir Leser uns irgendwann auch auf der Suche nach der außergewöhnlichen und ganz alltäglichen Magie wieder, die uns und der Geschichte irgendwann auf dem Weg während des Krieges abhanden gekommen zu sein scheint. Doch während viele Leser darüber enttäuscht sind, sehe ich genau darin die Stärke des Romans: neben all dem Außergewöhnlichen, der Liebe und der Magie ist der Roman doch überraschend voll mit dem Ernst des Lebens, Leid, Verlust, Krieg, Rivalität und Überlebenskampf eines untergehenden Ladens - ehrlich, berührend und als einzige Parabel an die Kraft der Wunder lesbar.

"Das war das Los des jüngeren Bruders. Manchmal wünschte er sich, es gäbe einen Weg wie er Kaspar ein- oder gar überholen könnte - sodass Kaspar, und sei es nur für einen Augenblick, zu ihm aufsehen, seine Erfindungen bewundern, sich abends in seine Werkstatt zurückziehen und hoffen, nein, davon träumen würde, dass er eines Tages auch so nah dran sein würde, ähnliche Wunder zu vollbringen wie ihr Vater. Doch das war ein schrecklicher Gedanke. (…) Das kleine Mädchen strahlte und klatschte beim Anblick der anmutigen Bewegungen in die Hände, woraufhin aus den Gängen noch mehr Kinder herbeieilten, um zu erfahren, was es zu sehen gab. Ja, sollte Kaspar sich doch zusammenträumen, was er wollte; das war die wahre Magie des Emporiums - die ganz alltägliche Magie spielender Kinder."

Diese Entwicklung geht mit vielen Sprüngen und Lücken in der Handlung einher, die nötig sind, da wir Cathy und das Emporium über 47 Jahre lang, von 1906 bis 1953 durch Höhen und Tiefen begleiten. Dabei wird leider viel Potential liegen gelassen, viele Ansätze für neue Geschichten ignoriert und wir huschen in Eile an einer Unzahl an verschiedenen Geschichten vorbei, die alle noch darauf warten, erzählt zu werden. Es werden viel zu viele Teile des Emporiums und des Lebens der Charaktere der Vorstellung des Lesers überlassen und so würde ich mich freuen, wenn sich Robert Dinsdale eines Tages dazu entscheidet, in die Welt des Emporiums zurückzukehren. Zu viele Geheimgänge sind noch zu entdecken, neue Erfindungen zu bestaunen, die Hintergrundgeschichten der zahllosen Helfer zu erzählen, die Liebe zwischen Kaspar und Cathy noch zu entwickeln und das Aufwachsen ihres Kinds Martha genauer zu beobachten.

"Kurze Erinnerungen an glücklichere Tage blitzten vor ihrem inneren Auge auf. (…) Alltägliche Magie. All die Wunder um sie herum, all die Dinge, die Papa Jacks Schöpfungen tun konnten, und doch: Wie viel mächtiger war diese ganz gewöhnliche Magie?"

So farbenfroh und berührend die Geschichte mit all ihren kreativen Ideen, Einfällen, Erfindungen und Schauplätzen auch ist, der Schreibstil ist dabei eher ruhig und zurückhaltend. Zwar bekommen wir immer wieder detaillierte, manchmal fast ausschweifende Beschreibungen zu lesen, insgesamt dominieren aber doch kluge Aussagen und atmosphärische Kniffe vor einer blühenden Handlung. Dass Atmosphäre hier klar vor Spannung gestellt wird, muss man erstmal akzeptieren und sich darauf einlassen. Ich habe in vielen Rezensionen anderer Leser gelesen, dass sie die Handlung zu sprunghaft, langatmig und die Atmosphäre zu düster fanden, um sich in die Tiefen dieser Geschichte hinabbegeben zu können, doch ich finde, dass wir es hier mit einem atmosphärischen Wandel zu tun haben, der für alles andere entschuldigt: vom kindlichen Staunen Cathys ausgehend, dem langen, spielerischen Krieg zweier Jungen, die im Herzen noch Kinder sind und nicht aufhören können, sich immer wieder gegenseitig auszustechen und zu bekämpfen, wenden wir uns immer mehr dem Ernst und der Verantwortung des Erwachsenwerdens zu, was mit weniger Magie und mehr Problemen einhergeht. Durch die Schatten des Krieges, wird die Geschichte dann immer düsterer, melancholischer mit seltenen Lichtblicken, während sich die Protagonisten wieder in ihre Kindheit zurücksehnen, das Gefühl aber nicht erhaschen können da das Schicksal immer wieder dazwischenfunkt, bevor wir am Ende mit süßer Freude belohnt werden, als die Protagonisten endlich wieder zur Magie und den alten Wundern zurückfinden.

"Ihr Emporium ist ein Ort, an dem man sich vor der Welt da draußen verstecken kann, eine Welt, in der schreckliche Dinge geschehen. Ihr Emporium ist ein Zuhause für Menschen, die eins brauchen. Menschen wie Sie, wie ich..."

Wir erleben hier also ein ganzes Leben voller Zweifel, Umkehr, Liebe, Hass, Erwachsenwerden, Kind-bleiben-wollen und Hass für den Krieg - ein ganzes Leben, gelebt in Mitten der spielzeugvernarrten und hoffnungsbedürftigen Kriegsgeneration, die durch den Ersten Weltkrieg viel zu früh um ihre Kindheit gebracht wurde. Wir erleben mit, wie die Grausamkeiten des Krieges die kindlichen Fantasien von stolzen und mutigen Soldaten, die in die Schlacht zogen um ihr Vaterland zu verteidigen, zerstören und auch die überzeugtesten Patrioten verstehen: am Ende des Krieges bleibt nur Tod, Zerstörung und Schmerz übrig und das Gefühl, einfach wieder ein Kind sein zu wollen.


"Wir haben das Feuer noch in der Nacht erwidert, Papa. Ich habe meine ersten Männer getötet. Sag also nicht, dass ein Deutscher je nach meinem Geschmack sein könnte"
Woraufhin Papa Jack schlicht geantwortet hatte:
"Vergiss nie - früher haben auch diese Männer mit Spielsachen gespielt."


So kann das ganze Buch als Hommage gegen den Krieg gelesen werden. Die zerstörerische Wirkung zweier im Herzen Kinder gebliebene Männern mit einzigartigen magischen Talenten in stetiger Rivalität um die Erfindungen magischsten Spielzeug, um Cathys alleinige Zuneigung und das alleinige Erbe des Emporiums gefangen in einem langen Krieg gegeneinander; die Idee mit den Spielzeugsoldaten, die plötzlich Frieden schließen, sich lernen sich gegenseitig aufzuziehen und darüber zu einem neuen Maß an Intelligenz und Empfindsamkeit gelangen; die tragische Geschichte von Papa Jack, der seinen Sohn nicht vor dem bewahren konnte, was er selbst durchstehen musste - all das sind Motive dieser Geschichte, die um das große Thema "Krieg und Frieden" kreisen und diesen Roman zu weitaus mehr machen als "nur" eine magische Weihnachtsgeschichte über verlorene Kindheitsträume.

"Mein Vater war ein einfacher Mann. Mein Vater war ein großer Mann. Und mein Vater war meine ganze Welt. (…) Die Arbeit unseres Vaters lebt weiter, solange es das Emporium gibt. Solange wir weiter Spielzeug herstellen. Solange wir...", seine Stimme drohte zu versagen, dich er riss sich zusammen, "die Magie in der Welt bewahren und nie vergessen, dass wir selbst einmal Kinder waren. Solange wir die Welt, Spielzeug für Spielzeug, zu einem besseren Ort machen."

Ein weiteres Herzstück dieses Buches sind die treffend gezeichneten Charaktere, die mir trotz detaillierter Beschreibungen und intensiven Gefühlen immer ein Rätsel bleiben werden. Das ist, was ebenfalls viele Rezensenten vor mir scharf kritisiert haben: auch wenn wir die Protagonisten so lange begleiten, ist es, als könnten wir sie nur aus der Ferne beobachten und zwar eine Verbindung zu ihnen aufbauen, sie aber nie gänzlich verstehen. Auch wenn mir lesernahe Protagonisten eigentlich wichtig sind und ich diese Kritik durchaus verstehen kann, macht diese Distanz auch einen Teil der geheimnisvollen, besonderen Ausstrahlung des Buches aus und an manchen Stellen dachte ich fast, dass dieser entfernte Blickwinkel und das manchmal fast schon unverantwortliche Auslassen von für den Leser wichtigen Szenen (zum Beispiel die Hochzeit von Kaspar und Cathy oder ihr Wiedersehen mit ihrer Familie) von Robert Dinsdale gewollt ist - genau wie seine unglaublich hinterlistige Art und Weise, unsere geschundenen Leserherzen mit neuen Gemeinheiten für die Protagonisten zu quälen...

"Ich habe dich Truhen brauen sehen, die von innen größer sind, als von außen. Ich habe hier drin mir Schutz gesucht, als es draußen Papierbäume geregnet hat. Du verwandelst Dinge, Kaspar, warum dann auch nicht dich selbst?"

Allgemein denke ich aber jetzt nachdem ich den Roman gelesen habe, dass man einfach alle Erwartungen über Bord werfen und sich auf die Geschichte einlassen muss. Dann wird man in die magische Welt des Emporiums mitgenommen und erlebt die tragisch-schöne Geschichte wundersam zusammengefügter Schicksale, die durch ihren Glauben an Wunder verbunden sind und alle unter der grausamen Realität zu leiden haben. Und mit Sirius, dem treuen Patchworkhund, der die Spielzeugmacher schon seit dem Beginn ihres Lebens begleitet ist es wie mit dem Rest der Geschichte: obwohl er am Anfang nicht mehr als ein Wunderwerk der Ingenieurskunst ist, wird Stück für Stück ein echter, lebendiger Hund aus ihm. Was ich damit sagen möchte ist, dass aus dieser Geschichte in ihrer Gesamtheit Stück für Stück mehr wird und dieses "Mehr" hat mich tief beeindruckt. Ob nun bei den revolutionierenden Spielzeugsoldaten, den Patchworkpegasussen und dem Wolkenschloss echte Zauberei oder "nur" Geschicklichkeit im Spiel ist, ist im Endeffekt es egal - der Roman hat eine magische Wirkung und die Magie des Spielens, die so anrührend beschrieben wird, bringt etwas in uns zum Vorschein, dass wir fast vergessen haben: Als Kinder stecken wir so viel Fantasie und Herzblut in unser Spielzeug, dass es lebendig wird und selbst als rational denkende Erwachsene können wir uns eine Scheibe davon abschneiden und uns stolz zurückerinnern, wie leidenschaftlich wir lieben konnten als wir klein waren - und zu diesem Vertrauen und Glauben an Wunder zurückfinden.

"Ein Spielzeug kann kein Leben retten, aber eine Seele.
Wie viele Seelen hatte Jekabs gerettet?"


Fazit:

Die tragisch-schöne Geschichte wundersam zusammengefügter Schicksale hat neben all dem Außergewöhnlichen, der Liebe und der Magie auch überraschend düstere Seiten, ist aber vor allem eine Geschichte, die Mut macht, zum Nachdenken anregt und in die kindliche Freude und das unschuldige Staunen zurückversetzt, die wir alle viel zu sehr aus unseren Leben verbannt haben.

Ehrlich, berührend und als einzige Parabel an die Kraft der Wunder lesbar - ein Roman für junggebliebene Erwachsene und für solche, die sich selbst viel zu ernst nehmen!

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Tags: freude, kinder, kindheit, krieg, liebe, magie, mut, schaukelpferd, spielzeug, spielzeugladen, staunen, tragik, vertrauen, wolkenschloss, wunder   (15)
 

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Lost in a Kiss

Kati Wilde , Karla Lowen
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.10.2018
ISBN 9783426523063
Genre: Liebesromane

Rezension:

 "Bramwell Gage ist okay, solange er kein Ekel ist."

Kennt ihr diese Bücher, deren Lektüre eigentlich völlige Zeitverschwendung wäre, wenn es nicht so viel Spaß machen würde, sie zu lesen? Dieses Buch ist so eine Geschichte. Wir haben es hier im Grunde mit einer klassischen, völlig bedeutungslosen "stinkreicher Kerl trifft armes College-Mädchen"- Geschichte zu tun, deren Unterhaltungswert jedoch trotzdem viel größer ist, als mein Gehirn sich eingestehen möchte. Wenn man also mit der richtigen Erwartung an das Buch herangeht, kann man es durchaus mögen. Erwartet man aber etwas anders als einen typischen New-Adult-Roman mit wenig Anspruch und Niveau, dafür aber hohem Unterhaltungswert, wird man hier herbe enttäuscht werden. Ganz davon abgesehen, dass hier immer mittlere bis größere Probleme auftauchen...


"Gehen wäre ein Verstoß gegen die Regel meiner Mutter, schon vergessen? Gib niemals auf!"
"Dann bleibst du also", brummt er mürrisch hinter mir, doch diesmal sehe ich mich nicht um. Ich nicke nur und drücke die Tür auf, wobei ich mein Spiegelbild meide - und seins. Ich will seinen Triumph nicht sehen oder seine Verachtung oder was auch immer ihm sein Sieg verschafft hat. Denn ich werde durchhalten. Bis zum verdammten bitteren Ende. Mir bleibt ohnehin keine Wahl, denn ich habe bereits eine andere Regel gebrochen. Ich habe nicht genug Geld für die Heimfahrt"



Wenn man das Cover anschaut, erwartet man eine süße, harmlose Liebesgeschichte. Das sich küssende Paar inmitten der kalten Wildnis impliziert eine leichte Geschichte voller Romantik und Abenteuer. Leider kann die Geschichte diese Erwartungen nicht erfüllen. Von der rustikalen Roadtripstimmung in die Berge, die hier angedeutet ist, bekommen wir nicht viel zu spüren, da die beiden in einem Range Rover unterwegs sind und vor allem in schicken Lodges übernachten. Und auch das mit der Romantik lässt erst einmal eine ganze Weile auf sich warten und als dann etwas in die Richtung passiert, rutschen wir weiter in die Erotik ab, als mir lieb ist. Ich finde das Cover also nicht besonders passend. Auch die Hintergrundfarbe, diese grässliche Mischung aus Grau und Blau, ist mehr undefinierbar und in Kombination mit dem hautfarbenen Titel eher hässlich als ansprechend. Das Originalcover ist da schon ehrlicher was die Richtung der Handlung angeht, aber ganz ehrlich: ein Buch mit einem Cover wie das Original hätte ich wohl nicht gekauft.
Doch mit meinen Mäkeleien noch nicht genug: ich verstehe nicht warum man einen passenden, englischen Titel ändert außer aus dem Grund, dass man ihn als deutscher Leser nicht verstehen würde. Warum zum Teufel ändert man dann aber einen stimmigen englischen Titel in einen vollkommen nichtssagenden ebenfalls englischen Titel für die deutsche Ausgabe? Falls das eine neue Marketingstrategie sein soll - bei mir hat es nicht funktioniert ;-)


Erster Satz: "Brauchst du Geld für eine Kaution?"


Mit diesem Satz beginnt das erste Kapitel und wir sind ohne Umschweife bei Aspen, die ihrer besten Freundin Bethany, lediglich einen Gefallen tun wollte, als sie zusagt hat, sie und ihren attraktiven aber unausstehlichen Bruder Bram, auf einen vierwöchigen Roadtrip durch Oregon und Kalifornien zu begleiten. Und vielleicht auch weil sich die Chance auf einen kostenlosen Urlaub nicht entgehen lassen kann. Denn Aspens seit Aspens Vater an Krebs erkrankte und sich ihre Mutter hochverschulden musste, um die Krankenhausrechnungen zu zahlen, muss Aspen jeden Cent dreimal umdrehen. Beth stammt aus einem reichen Elternhaus und hat sich mit Aspen während ihrer Collegezeit ein Zimmer geteilt. Jetzt verschlägt es die beiden Mädchen zum Studieren in unterschiedliche Teile des Landes, noch ein Grund, warum sie auf der Reise noch ein bisschen mehr Zeit mit Bethany verbringen will. Doch dann lässt Beth ihre beste Freundin am gepackten Auto sitzen und eröffnet, stattdessen doch endlich in eine Entzugsklinik zu gehen, um ihr Drogenproblem in den Griff zu bekommen. Darüber freut sich Aspen zwar, doch übrig geblieben bleibt ihr die schwere Aufgabe, Beths überfürsorglichem Bruder Bram eine glaubwürdige Lüge aufzutischen um ihren Aufenthaltsort zu verheimlichen. Als dieser erfährt, dass seine Schwester ihn angeblich wegen eines Schreibseminars versetzt haben sollte, glaubt er Aspen, gegen die er sowieso eine Abneigung hegt, kein Wort und schlägt ihr kurzerhand einen Deal vor: Sie soll ihn auf dem vierwöchigen Trip begleiten, um Beth letztendlich durch gemeinsame Fotos und aus der Reserve zu locken, dafür begleicht er sämtliche noch ausstehende Schulden ihrer Mutter und trägt zudem ihre kommenden Studienkosten. Das Angebot klingt eigentlich mehr als fair doch da gibt es ein Problem: die beiden hassen sich aus tiefstem Herzen...


"Das mit uns wäre nicht schlau!"
„Warum?“
„Na ja ... Wir hassen uns."



Ja... also das ist die Basis der Geschichte, die für meinen Geschmack deutlich wackeliger dasteht, als der Klapptext es vermuten ließ. Vielleicht haben das Geschichten mit einem Millionär als Protagonisten ja so an sich (keine Ahnung, denn die habe ich bislang eigentlich konsequent gemieden), dass plötzlich Millionen von Schulden beglichen werden, alle käuflich werden und eigentlich kalkulierende Investoren eine Menge Geld in die Hand nehmen um einen mehr schlechten als rechten Plan in die Tat umzusetzen. Mir erschien jedoch einiges erstmal sehr weit hergeholt, übertrieben und einfach unrealistisch. Wenn man darüber großzügig hinwegsieht, findet man sich bald in einer Situation wieder, in der die Emotionen von hasserfüllt über amüsiert und verlangend bis zu verliebt wechseln und das in haarsträubendem Tempo wieder zurück.


"Auf dieser Reise habe ich jede Regel gebrochen. Ich habe nicht genug Geld für die Heimfahrt. Ich habe eine Freundin im Stich gelassen. Und jetzt gebe ich auf. Ich könnte um ihn kämpfen. Aber ich bin es so leid zu kämpfen!"


Schon bei ihrer ersten denkwürdigen Begegnung kam Bram, der die Investitionsfirma seit dem Tod seiner Eltern weiterführt und für Bethany Bruder und Vater zugleich zu sein versucht, zu dem Schluss, dass Aspen für seine Schwester durch ihre impulsive, unvorsichtige Art ein schlechter Umgang ist und auch er ihrer nicht würdig ist. Aspen schluckt Brams falsche Vorwürfe nicht einfach, hält ihn ihrerseits für einen eingebildeten, verklemmten, reichen Idioten mit Kontrollwahn und übersteigertem Überlegenheitsgefühl und trifft den "Roboter", wie sie ihn nennt, so selten wie möglich. Mit dem gezielten aus-dem-Weg-gehen ist dann aber nichts mehr, als die beiden vier Wochen zusammen unterwegs sind. Natürlich ist es hier vorprogrammiert, dass der ein oder andere Konflikt auftritt. Womit dagegen keiner von beiden gerechnet hat, ist dass sie sich plötzlich zueinander hingezogen fühlen werden. Denn Aspen erkennt langsam, dass mehr hinter Brams
Fassade steckt: früh hat er die Verantwortung für seine Schwester und die Geschäfte seines Vaters auferlegt bekommen und versucht in dem Zug jemand zu sein, der er nicht ist, um all den Anforderungen zu genügen, denen er sich ausgesetzt fühlt. Und auch Bram erkennt, dass Aspen mit ihrem trockenen Humor, ihrer offenen, impulsiven Art sehr liebenswert ist und sie sich trotz ihrer ruppigen Ausdrucksweise sehr loyal um die kümmert, die sie liebt: um ihre Mutter, die ein Berg von Schulden abarbeitet, ihren Bruder Nash der immer wieder auf die falsche Bahn gerät und seit kurzem um ihre beste Freundin Bethany. Dass der Hass bald etwas anderem weicht, gefällt beiden so gar nicht...


"Ich schlucke und blicke suchend in seine warmen Augen, dann nehme ich mir ein Herz. "Eine neue Waffenruhe?" In seinen Augenwinkeln bilden sich Fältchen, als er lächelt. "Welche Nummer?" "Vielleicht sollten wir von vorn anfangen."
"Ein neues Kapitel aufschlagen?"
"Ja."



Insgesamt eine ganz amüsante Mischung, die der "reiche Blechmann" und das "arme Mädchen mit dem schlechten Einfluss" zusammen abgeben, wenn sie ein paar Tage in einem engen Lodge eingesperrt sind - die Wortgefechte, die sich beim Essen, Kanufahren, Schwimmen oder Motorradfahren ergeben, sind einfach zum Schießen. Die knisternde Anziehungskraft zwischen den beiden wird immer wieder abgelöst von heftigen Streitgesprächen, gemeinem Verletzen und nachträglichen Waffenstillstände. Schnell wird klar, dass den beiden eine Menge an Vorurteilen im Weg steht, ebenso wie eine Menge persönlicher Probleme und Macken, die sie bei sich und dem anderen nicht akzeptieren können. So entsteht eine abgedrehte Form eine Hassliebe, die in der Buchbeschreibung mit Jane Austens "Stolz und Vorurteil" verglichen wird. Auch wenn man die groben Strukturen der Geschichten vergleichen kann, geht mir der Bezug zu weit, denn außer den vielen Vorurteilen und Voreingenommenheit lassen sich keine Parallelen ziehen.


"Dir stehen jetzt alle Möglichkeiten offen, Aspen." Einen Moment lang kann ich nicht atmen. Kann ich nicht denken. Als würde gar nicht zu mir durchdringen, was er da sagt. Vielleicht weil es in der Vergangenheit selten Wahlmöglichkeiten für mich gab. Ich bin es nicht gewöhnt.
Sein Blick brennt sich in meine Augen, als er sich nach vorne beugt.
"Du bist hungrig. Du willst alles. Und jetzt … kannst du es haben."


Nachdem ganz unterhaltsamen Anfang geht es nach knapp 200 Seiten steil bergab. Denn die Autorin beschließt dann, die Handlung für ungefähr 50 Seiten zu pausieren und statt Handlung und Witzeleien nehmen Sexszenen in übertriebenem Ausmaß und ekelerregender Derbheit Überhand. Das war mir selbst fürs Genre "New Adult" viel zu übertrieben und hat mich unvorbereitet getroffen. Nicht das ich grundsätzlich ein Problem mit ein bisschen Erotik in einer Geschichte hätte, aber hier gab es einfach zu viele Formulierungen bei denen ich dachte: ahhaaa…okaaaayy, kann ich das überspringen?!? Und ein Viertel des Buches ist dann auch ein wenig übertrieben. Also wer auf ausgedehnte Erotik steht, kann sich auf den Mittelteil freuen, wer nicht sollte sich lieber ein anderes Buch des Genres suchen!
Nachdem wir dann den unansehnlichen Mittelteil überwunden haben, kommt noch mal ein ordentlicher Schuss Chaos, Gefühle und Drama in die Geschichte un es entsteht eine genau richtige Mischung aus Romantik, Humor, großen Gefühlen, Spannung und auch einer Prise Drama, die emotional und packend erzählt wird. Dass hier klitzekleine Probleme hoffnungslos aufgebauscht werden hat mich dann schon gar nicht mehr gestört. Genauso wenig wie das Happy End, das am Ende ein wenig übers Ziel hinausschießt...



Fazit:

Durch die amüsanten Wortgefechte, die sich die beiden liefern und die teilweise prickelnde Anziehungskraft zwischen den beiden konnte mich die Geschichte teilweise unterhalten, zur genretypischen Mischung aus Romantik, Humor, großen Gefühlen, Spannung und einer Prise Drama fand der Roman jedoch nur kurz.

So konnte mich diese Geschichte aufgrund der Aufbauschung kleiner Probleme, der unrealistischen Handlungsbasis, des schwachen Mittelteil mit überspitzter Erotik und des Happy End, das ebenfalls weit übers Ziel hinausschießt leider nicht wirklich überzeugen.

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Tags: abenteuer, drama, erotik, humor, liebe, motorrad, reise, roadtrip, verlangen, vertrauen   (10)
 

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Die Vereinten

Caroline Brinkmann
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ONE, 28.09.2018
ISBN 9783846600672
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schon "Die Perfekten" hat mich überrascht und begeistert, doch mit "Die Vereinten" hat Caroline Brinkmann das Beste vieler bekannter Dystopien (ein bisschen von "Legend" von Marie Lu, ein wenig von den berühmten "Hunger Games" von Susanne Collins, ein Hauch von "Die rote Königin" von Victoria Aveyard und noch ganz viel Neues) vereint und gut ausgearbeitet und nachvollziehbar in einem mitreißenden, spannenden und gefühlsbetonten Epos auf den Punkt gebracht. Die Handlung verwirrt, verstört, verzaubert wie die großen Reihen der Dystopien - jedoch ohne diese kopieren zu wollen. Obwohl unsere Wirklichkeit (noch) nicht dem entspricht, was hier beschrieben wird, kann man sich doch zumindest vorstellen, dass wir uns irgendwann dorthin entwickeln könnten – und das ist eine unbehagliche Vorstellung, die genau das erfüllt, was ich mir von einer guten Dystopie erwarte: sie geht ins Herz, lässt die Hände zittern und das Hirn rattern.

„Unwetter haben keine Angst.
Unwetter toben.
Unwetter stürmen.
Unwetter weichen nie zurück.“


Schon im Cover sieht man, dass die Geschichte "erwachsen" geworden ist. Insgesamt ist das Cover sehr im Stil des ersten Teiles gehalten, wodurch die Zusammengehörigkeit der Dilogie sehr gut erkennbar wird. Anstatt in grellem Pink ist der Titel hier in strahlendem Grün gehalten, das zu den einnehmenden, gleichfarbigen Augen des Gesichts passt, welches das gesamte Cover ausfüllt. Während das Mädchen in Band 1 mit der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze aussah, als wolle sie sich verstecken und die strahlendgrünen Augen mit dem Titel die einzigen Farbklecke auf dem sonst grauen Hintergrund waren, sieht man hier die leuchtendroten Haare, die das Gesicht umspielen. Schon auf den ersten Blick wird hier also gezeigt: aus dem unscheinbaren, abgetauchten Mädchen Rain aus den Aschewolken von Greys nie erlöschenden Schornsteinen ist die strahlende Gesegnete und Prinzessin Rajana geworden, die jedoch genauso zu kämpfen hat, wie es Rain tun musste. Der Unterschied: sie kämpft jetzt nicht nur im Dunkeln für sich sondern muss im Licht der Öffentlichkeit für ihre Lieben und das gesamte Land Hope kämpfen, ohne sich dabei aus den Augen zu verlieren. In diesem Sinne finde ich die Gestaltung mehr als passend und zusammen mit dem farbig abgestimmten Lesebändchen ergibt sich eine stimmige Konstellation.


 Erster Satz: „Du wirst deinen Job lieben“, hatten sie gesagt."


Mit diesem Satz beginnt der erste von vier Teilen, in die die Geschichte geteilt ist: "Die Verlorenen" ist der erste Abschnitt betitelt und führt uns ganz diesem Titel folgend zurück nach Hope, wo alle Beteiligten ihre Wunden lecken, Verstorbene betrauern und doch gleichzeitig wissen, dass die Rebellion noch lange nicht vorbei ist. Während Rain noch um ihre Mutter Storm und ihre Freundin Andromeda trauert und den Verlust ihres Zirkels, den Verlust ihrer Heimat Grey hinnehmen muss, der von BoomBots in Schutt und Asche gelegt wurde, zieht ihr Vater Tiberius schon die nächsten Fäden einer Intrige, die ihn, den mächtigen Protektor, auf den Thron von Hope bringen soll. Vom Ghost zur Gesegneten geworden verkörpert sie eine unmögliche Hoffnung, die sie zur wertvollen Verbündeten werden lässt. Doch wem kann sie in diesem eiskalten, kalkulierenden Käfig aus Macht vertrauen? Ihrem machthungrigen Vater Tiberius, dem attraktiven Cassian, der sie mit neuen Geheimnissen über den vergessenen Krieg lockt und was ist mit Lark, dem sie trotz seines Verrats ihr Herz geschenkt hat?
Denn nicht nur Rain gerät wieder unter die Räder des Kampfes um Macht und Ansehen, auch Lark wird zunehmend ein Spielball zwischen Rebellion und Machterhaltung des Regimes, zwischen skrupellosen, verzweifelten Rebellen und mächtigen, eiskalten Gesegneten. Nachdem er sowohl die Spines als auch die Sentinal im letzten Kampf verraten hat, ist er für beide Seiten vor allem eines: der Verräter. Von Schuld und Trauer zerfressen will er nichts mehr als endlich Frieden und einen sicheren Platz für ihn, seine geliebte Schwester Rose und seine Familie. Doch solange Rose als kranke Drei vom Schutz und Wohlwollen der gesegneten abhängig ist, ist Lark verletzlich und der Willkür ausgeliefert.
Doch während sich sowohl Lark als auch Rain wieder in das gefährliche Spiel um ein Land am Rand der Rebellion begeben, taucht außerhalb der Mauer eine neue Gefahr auf, mit der keiner gerechnet hat - eine lang ignorierte Bedrohung aus der Zeit des vergessenen Krieges…


"Ihr wartet nicht länger darauf, dass sich jemand aus der goldenen Stadt um euch kümmert und euch rettet. Niemand wird kommen, und nichts wird sich ändern. Außer wir ändern es. Heute legen wir die Dornen an und kämpfen. Denn heute ist der Tag der Spines. Der Tag der Rebellion." (…) "Sie wollen kämpfen?", flüsterte Cassian. "Das wird ein Massaker. Sie werden es niemals schaffen."
"Das ist kein Kampf", flüsterte Rain vor Panik wie erstarrt, als sie verstand.
"Das ist ein Selbstmordkommando."



Sehr gerne habe ich mich wieder in die Irrungen und Wirrungen Hopes ziehen lassen, auch wenn ich zugeben muss, zu Beginn sehr schlecht in die Geschichte reingekommen zu sein. Zu viele Personen, mit zu vielen Motiven, Hintergründen, Intrigen und Geheimnissen warten darauf, dass man sich ihrer annimmt, sich an sie erinnert und sich mit ihnen in das nächste Abenteuer stürzt. Aufgrund der Komplexität des ersten Teils, der immerhin schon ein Jahr zurücklag, musste ich erst nochmal in diesen hineinlesen, bevor ich mich dieser Geschichte widmen konnte. Neben der sehr hilfreichen Übersicht über die Stadtzirkel des Landes Hope hätte mir hier eine kurze Personenübersicht (gerade über die verschiedenen Gesegneten mit all ihren exotischen Namen und Positionen) sehr geholfen!


"Wie mutig bist du, Sonnenschein?"
"So mutig wie das Herz rät und die Klugheit erlaubt", antwortete Rain. Das hatte Storm zum Thema Mut gesagt.
"Und was raten dir Herz und Verstand?", fragte Cassian und drehte sich zu ihr um. In seinen dunkelbraunen Augen leuchtete die Lust nach Abenteuer und sie spürte, wie die Flamme übersprang.
"Willst du wissen, was hinter der Mauer ist?"



Als ich es geschafft hatte, mich in dem Wirrwarr aus Intrigen und Namen zurecht zu finden, konnte ich mich ganz auf die Geschichte einlassen und bin wieder sehr gerne in die ungerechte Welt eingestiegen, in der die Menschen nach der Qualität ihrer Gene ihren Platz in der Gesellschaft zugewiesen bekommen. Nachdem wir in Band 1 vor allem ausführlich die Welt der unteren Genklassen, den Zweien und Dreien, denen der Zugang zu genug Nahrung, sauberem Trinkwasser, Medikamenten und Bildung versperrt bleibt, erfahren haben, widmen wir uns hier erstmal den Gesegneten, den perfekten Herrschern Aventins. Die goldene Hauptstadt, in der die Reichen, Schönen und Privilegierten wohnen und von dort aus regieren erinnerte mich schon im ersten Teil an das "Kapitol" aus "Die Tribute von Panem". Auch die verschiedenen Zirkel, die jeweils für einen bestimmten Bereich zuständig sind und dementsprechend benannt wurden, sind den "Distrikten" sehr ähnlich. Neben der goldene Hauptstadt der Gesegneten und Begabten, den landwirtschaftlich geprägten Gebieten wie Green oder Azure, dem reichen Kultursektor Ruby, dem Techniksektor Silver, den Minenzirkeln Pitch, dem Wissenschaftszentrum White Pearl und dem Ausbildungsort der Sentinal Black Shell, blicken wir hier jedoch auch über den Tellerrand von Hope hinaus auf eine neue Spezies, die sich "die Vereinten" nennt. Doch was sind sie wirklich: Bedrohung, Verbündete, Nachbarn, Feind oder Freund?


"Wir kommen.
Wir helfen.
Wir sind eins.
Nein, dachte Lark. Ich bin Lark.
Du bist wir.
Wir sind du
Ich bin ich. Lark schüttelte den Kopf.
Noch... sagten die Stimmen."



Die Idee mit der Unterteilung nach Genen, also das Anstreben einer Welt, in der Zweien und Dreien ausgestorben und alle ein perfektes Genmaterial vorzuweisen haben, hat mich in Band 1 schon fasziniert. Denn diese Idee ist evolutionsbiologisch eigentlich sinnvoll und auch gut erklärt, bietet aber vor allem Stoff für viele Diskussionen. Wie kann man Gene nach Qualität unterscheiden? Kann man so etwas wie die chemische Basenfolge der DNA als Grund dafür nennen, dass wunderschöne, gesunde, starke und intelligente Supermenschen das Land regieren, gottgleich verehrt werden und im Luxus leben, während die Arbeiter in den ärmeren Zirkeln sich die Lunge verätzen, weil in den Fabriken keine Filteranlagen installiert sind? Und ist der gesamte Genpool der Menschheit, die Ausrottung von Krankheiten und der Aufbau einer stabilen, friedlichen Welt nur zu schaffen, in dem "minderwertige Menschen" durch Geringschätzung aussortiert werden, indem sie früher sterben und sie sich nicht fortpflanzen dürfen?


"Kennst du den Geist,
der sich nachts umhertreibt?
Er singt mit dem Regen,
wild und verwegen.
Er trommelt den Takt,
den Takt, den die Freiheit,
nur für ihn bereit hat."



Die Entdeckung, dass die Gesegneten selbst sich nicht fortpflanzen können und dass auch ihre ursprüngliche Entstehung im vergessenen Krieg einen ganz anderen Hintergrund hatte, als der Bevölkerung weiß gemacht werden sollte, setzt dieses Denken einer neuen Zerreißprobe aus. Obwohl Grey, der kleine Fabrikzirkel, der wie der Name schon verrät grau, trist und trostlos ist und mit der vom Smog der Maschinen verseuchten Luft, der Asche auf den Straßen, der hungernden Bevölkerung und den vielen krankheitsverbreitenden Werratten keineswegs ein schöner Ort zum Verweilen und deshalb die Brutstädte des Widerstandes der Spines war, zerstört wurde, sind die Dornen der Rebellion keineswegs bekämpft. Die heftigen Unterschiede in der Bevölkerung waren nicht nur auf Grey beschränkt; die Unzufriedenheit und der Unmut über die Regierung treiben Menschen aller Bevölkerungsschichten und aller Zirkel in die Arme der Rebellen. Doch dass die Spines, die sich die "Wilden, Freien, Echten und Gerechten" nennen und endlich mehr Gerechtigkeit von der Herrschern aus Aventin fordern, vor nichts zurückschrecken um ihre Ziele zu erreichen und in ihrer Zerstörungswut selbst Angst, Schrecken, Tod und Ungerechtigkeiten verbreiten, war schon nach der Bombe aus Band 1 klar. Doch wie viele Dornen selbst in Aventin schon gewachsen sind, wird erst klar, als die blutige Revolution schon durch die Straßen zieht...


"Es ist zu spät. Wir befinden uns bereits in einem Krieg, den wir nicht stoppen können. Der Krieg zwischen Sicherheit und Chaos. Der Krieg zwischen Dornen und Genen. (…) Alles, wofür Hope einst stand, alle Visionen von einer friedvollen Zukunft sind zerstoben wie Sand im Wind. Die Dornen werden täglich mehr. Wir haben ihnen den Kopf abgeschlagen, aber die Blume ist nicht verwelkt, sondern wuchert wie Unkraut und überzieht das Land. Es gilt, Macht zu demonstrieren, und das tut man nicht mit Worten. Nicht mehr. Denn wenn die Feuer einmal brennen, kann man sie nicht mehr löschen."


In diesem Roman werden alle schon aufgebauten Ränke der Welt weiterverwendet, gestärkt und mit neuen Details unterfüttert. Das ist eine große Stärke des Werks, denn anders als in anderen Dystopien befindet sich alles in ständiger Dynamik und Weiterentwicklung und wird nicht nach einer kurzen Aufbauphase als statische Kulisse für viel Handlung genutzt. Der Roman streckt seine Fühler gleichzeitig tiefer in die Gefühlswelt der Charaktere, weiter zurück in die Vergangenheit Hopes, hin zum vergessenen Krieg und der Rolle der Vereinten, weiter hinter die Grenzen von Hope in das Land der Verdammten, tiefer in das kollektive Bewusstsein der Vereinten und verzwickter in die kranke Intrigenwelt der goldenen Hauptstadt der Gesegneten Aventin. Dabei kann man viele Verbindungen zur heutigen Zeit und den erhobenen Zeigefinger in vielerlei Hinsicht klar sehen: die Angst vor Einwanderung Fremder, die Kategorisierung von Menschen, die Ausbeutung des Planeten, zunehmender Erfolg von Populismus und einfachen Lösungen, die Radikalisierung und zunehmende Salonfähigkeit von rassistischen und rechten Ansichten, überfüllte Flüchtlingscamps, der Zwang der "niederen Gene" ihren Status erkennbar unter dem Haaransatz zu tragen, das Berufen der Elite auf die eigene Überlegenheit und das Ausblenden des Leids der anderen, wenn es nur weit genug entfernt ist. Na, klingelt es da? Bei mir hat es auf jeden Fall geklingelt und mit diesem bitteren Beigeschmack der Wahrheit dieser Dystopie ist das Ganze noch schmerzlicher zu lesen.


"Das tut mir Leid, Lark." Die Wut in Wren hatte sich gelegt. "Deswegen sind wir hier." Sie nickte, als würde sie ihn verstehen. "Wir rächen uns bei den Gesegneten für das, was sie uns angetan haben. Wir sind die Wilden. Die Freien. Die Echten. Die Gerechten."
Doch Lark wusste, sie hatte ihn nicht verstanden. Möglicherweise würde sie es auch nie verstehen. Das Böse kannte keine Seiten. Ebenso wenig wie der Tod."



Der Mittelpunkt dieser düsteren Geschichte voll Hoffnung, Andersartigkeit, Ungerechtigkeit und einem Kampf um die Freiheit bilden jedoch die Charaktere. Wieder wird hier die personale Erzählperspektive gewählt, wodurch wir Einblick in mehrere Sichtweisen erhalten. Dabei kommen neue Protagonisten wie zum Beispiel die Rebellen Wren und Moth, der abenteuerlustige Gesegnete Cassian, der eingebildete Cabman Eros oder die beiden Soldaten Mur und Cem, während wir uns von anderen leider verabschieden müssen.
Klar im Fokus stehen hier jedoch wieder Lark und Rain, die hier wieder einiges durchmachen müssen und darüber lernen, was Stärke wirklich bedeutet, wie schwer es ist, das Richtige zu tun und dass es manchmal das Schwierigste auf der Welt ist, sich selbst treu zu bleiben. Doch bevor sie das erkennen tun sie vor allem eines: leiden. Schön ist, dass hier zwar tiefe Gefühle zwischen den beiden anklingen, es hier aber keine breitgetretene Liebesgeschichte gibt, die irgendwie im Vordergrund steht. Die beiden Protagonisten verbindet zwar etwas, das stärker ist als Freundschaft und das können wir auch wunderbar nachfühlen, doch wir bleiben von dem berühmten Gesülze verschont.


"Der Regen hatte nachgelassen, dafür kämpfte der Sturm noch heftiger. "Hörst du nicht?", brüllte Rose gegen das Toben an. "Er ruft nach ihr" (…) "Sie sollte nicht eingesperrt sein", stimmte Rain ihr zu und tief im Inneren spürte sie, dass es das Richtige war, loszulassen. Vorsichtig öffnete sie die Urne und hob sie durch das Blätterdach. Die Asche wurde aus dem Gefäß gezogen und stob ich die Luft. Rain sah zu, wie die schwarzen Körner vom Wind empfangen und weggerissen wurden. Eine kleine graue Wolke, die um die Weide tanzte. Höher, dann wieder tiefer und sich schließlich aufteilte und in alle Richtungen davongetragen wurde. Sie spürte Roses Hand, die nach ihrer griff und sie festhielt. "
Er trägt Storms Seele um die Welt. Wohin sie will. Spürst du es?"



Rain ist eine starke Protagonistin, die für uns in überspitztem Maße das durchlebt, was wir alle irgendwann durchmachen: Gefangen zwischen den beiden Polen von dem gesetzlosen Ghost Rain und der gesegneten Prinzessin Rajana muss sie sich entscheiden, wer sie sein will und wer sie sein kann. Tief im Herzen schlummert die tiefe Trauer um ihre Mutter Storm und ein Hass auf die Spines und das System, doch um des Friedens willen kann sie dem nicht nachgeben, auch wenn es ihr schwer fällt. Denn trotz ihrer Unsicherheit, ihrer Trauer und ihrer Identitätskrise ist sie jedoch vor allem eines: eine Kämpferin, die für ihre Prinzipien einsteht und versucht, das Richtige zu tun. Durch ihre ehrliche und aufrichtige Art wurde ich sehr berührt und habe diese Frau, die im Herzen ein Unwetter ist, sich nach außen hin jedoch der Verantwortung einer Prinzessin stellen muss, fest ins Herz geschlossen.


"Ich vermisse dich so sehr, Mom.
Sei stark mein Herz, hörte sie Storms Stimme in ihrem Kopf. Egal wo du bist, bin auch ich. Wir sind eins. Sturm und Regen. Ein unbezwingbares Unwetter."



Lark leidet unter seiner Herabstufung auf eine F3 nach dem er durch die Folter Bolts seine Beine nicht mehr benutzen kann. Als Vertrauter Rains wurde ihm und seiner Familie zwar eine Wohnstatt außerhalb der giftigen Dämpfen Greys zugewiesen, um die gesundheitliche Versorgung für seine kleine Schwester Rose - eine kranke G3 - zu gewährleisten, ist er wieder gezwungen, die zu verraten die er liebt und gegen alles zu handeln, was er selbst denkt. Nicht zuletzt wieder gegen die junge Frau, die so anders als alle anderen ist und mit der er abgemacht hat, dass sie aufeinander aufpassen - Rain. Wir können hier wieder in sein Denken und Handeln einsteigen und verstehen, wie sehr er von seiner Vergangenheit und der Dunkelheit Greys geprägt wurde und sich als Familienmensch um seine kranke Schwester kümmert, die er über alles liebt, auch wenn er für sie auf dunkle Deals eingehen muss. Er ist motiviert, stark und bereit, alles für die zu tun, die er liebt: Koste es, was es wolle. Und dafür hat auch er einen Platz in meinem Herzen.


"Ich war so dumm und naiv... Ich habe so viel falsch gemacht." Ja, er hatte sich verändert. Aber dumm und naiv hatte sie ihn nicht in Erinnerung. In ihrem Herzen trug sie das Bild eine mutigen Jungen, der für seine Schwester alles tun würde. Die Welt war im stetigen Wandel und die verschiedenen Seiten so verwirrend, dass man schnell den Überblick verlor. Er aber kämpfte für die, die er liebte. Das war nicht kompliziert, nicht verlogen und nicht naiv. Es war das einzig Richtige!"


Neben beiden Hauptprotagonisten bezaubern uns noch eine ganze Reihe super gezeichneter Nebencharaktere, die alle einen schönen Teil der Geschichte einnehmen. Mein Liebling ist mit Abstand Rose, die kleine, süße Schwester von Lark. Mit ihrer herzlichen, leicht schrägen und unschlagbar positiven Art ist sie einfach liebenswert. Obwohl sie es nicht leicht hat, lässt sie den Kopf nicht hängen und ihre übersprudelnde Fantasie zauberte mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Auch Pi, Rains kleine Fuchsmanguste, ist mir sehr ans Herz gewachsen, genau wie Rains chaotischer Party-Bruder Morpheus, der sich lieber in Exzesse stürzt, als sich mit seinen Problemen zu beschäftigen. Sie alle vervollkommnen das tiefgründige, komplexe Bild eines gespaltenen, verunsicherten Landes in einer Krise, die uns gar nicht so weit entfernt scheint.


"Immerhin haben wir uns noch", flüsterte Rain und kraulte die Manguste hinter den Ohren. Dank Cassiopaio fühlte sie sich gleich ein bisschen weniger einsam. Silk folgte und versuchte ebenfalls Rains Aufmerksamkeit zu erhaschen. Das Knurren der Fuchsmanguste ignorierend legte sich der Hase neben ihre Beine und presste seinen warmen Körper an ihren Oberschenkel. Ob das Seidenhäschen Daphne vermisste? "Rarrrr."
"Lass ihn, Pi. Er ist wie wir... Einer der übrig geblieben ist."


Einmal angelaufen scheint die Handlung schier loszurennen, als könne sie es gar nicht mehr erwarten, endlich bei einem glücklichen Ende angelangt zu sein. Zu diesem Eindruck trägt auch der sehr lebhafte Schreibstil seinen Teil bei. Wie bei vielen Jugendbüchern ist er recht schlicht gehalten, schafft es jedoch immer auf erstaunliche Art, Szenen zu raffen und immer wieder um 180 Grad zu drehen, sodass man sich nie zurücklehnen kann und es nie langweilig wird. Ganz besonders schätze ich die Art und Weise, wie Caroline Brinkmann es immer wieder schafft, mit ein paar Worten genau das auszudrücken, was man schon immer gedacht hat, es aber nie passend artikulieren konnte. So bin ich über eine krasse Vielzahl an zitierungswürdigen Passagen gestoßen, wie ihr vielleicht auch an der mit Zitaten überschwemmten Rezi erkennen könnt ;-)


"Wir sind die Wilden, die sich gegen die festgefahrene Gesellschaft auflehnen. Wir sind die Freien, die sich gegen die Unterdrückung durch die falschen Menschen wehren. Wir sind die Echten, die Lügen entlarven. Wir sind die Gerechten, die dem Unrecht entgegentreten."
Er trug schlichte Kleidung, und über seinen Schultern lag ein Banner der Rebellion.
"Wild. Frei. Echt. Gerecht.", schallte es aus dem Publikum."



Das Netz um Rain und Lark zieht sich im Laufe der Handlung immer weiter zu, die Spannung steigt konstant an und die Handlung gipfelt auf ein Finale zu, als Hope in einem inneren und äußeren Kampf entzweit da liegt und ein glückliches Ende denkbar weit entfernt scheint. Mit einer Menge krasser Wendungen und Enthüllungen steigen wir in den letzten Kampf ein, der mich sprachlos, wütend und hilflos machte, so sehr fieberte ich mit. Es war spannend, aufwühlend und nervenzerreißend und ich konnte kaum atmen - man weiß nicht, was als Nächstes geschieht, es ist absolut nicht vorhersehbar. Dann kommt das Ende und es ist so bittersüß, dass man gleichzeitig hasst und liebt. Es ist offen und abgeschlossen zugleich, irgendwie verständlich und doch skurril, traurig aber doch erlösend. Allgemein das einzig stimmige Ende für diese berührende, wahrhaftige, intelligente Science-Fiction-Geschichte, die so fesselnd war wie kaum eine andere Dystopie zuvor!



Fazit:

Dieses Finale vertieft die Problematik des ersten Teiles noch und bringt alles auf berührende, wahrhaftige und intelligente Weise auf die Spitze: Liebe, Opfer, Leid, Freude, die Suche nach der eigenen Rolle, Trauer, Bewältigung, Krieg, Verantwortung, Verlust, Vertrauen, Freundschaft und die Entscheidung, für das Richtige zu kämpfen.

Eine düstere Geschichte voll Hoffnung, Andersartigkeit, Ungerechtigkeit und einem Kampf um Freiheit, die das komplexe Bild eines gespaltenen, verunsicherten Landes in einer Krise illustriert, die uns gar nicht so weit entfernt scheint.
 

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Tags: blut, dystopie, freiheit, freude, freundschaft, gene, hoffnung, kampf, krieg, krise, land, leid, liebe, perfektion, rebellion, science fiction, trauer, verantwortung, verlust, vertrauen   (20)
 

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Nick & Norah - Soundtrack einer Nacht

Rachel Cohn , David Levithan , Bernadette Ott
Flexibler Einband: 216 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.03.2012
ISBN 9783570401026
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kurzrezension:


Schreibstil: Musik und Liebe haben etwas gemeinsam: sie lassen sich nicht kurz ausdrücken. Mal malerisch, mal kurz, mal atemlos, mal ruhig mal melancholisch, mal traurig lassen die Autoren die beiden Protagonisten durch New Yorks Nachtleben in eine neue Liebe stolpern und machen uns sowohl ihre Liebe zueinander, zu New York und zur Musik spürbar.

Charaktere: Nicht besonders tiefgründig. ABER: durch die ständigen Perspektivenwechsel von Norah und Nick ergibt sich ein spannendes Ping-Pong-Spiel an Gefühlen und wir bekommen einen authentischen und nachvollziehbaren Einblick in ihre unschuldige und doch so grenzenlose Welt

Gefühle: Wir erleben mit den Protagonisten eine Nacht mit Millionen Möglichkeiten: durch die Gassen ziehen, sich auf leere Strassen hinlegen, fremde Leute nach ihrer großen Liebe fragen, den Taxifahrer vollquatschen, barfuß im Brunnen tanzen, in ein Hotel einbrechen, sich backstage in ein Putzkämmerchen verdrücken, bis zum Morgengrauen auf dem Bordstein sitzen und über die Welt philosophieren und für den Heimweg frische Brötchen beim Bäcker holen. Pure Freiheit, Liebe und Musik!

Das Zitat:

"Mein Herz schlägt schneller. Ich bin. Hier und jetzt. Ich bin. In der Zukunft. Ich umarme sie. Wir sind. Und wollen, fühlen, begehren, wissen, hoffen, alles wird eins. Wir sind die, die das Ding, das alle Musik nennen, mit dem Ding, das alle Zeit nennen, zusammenbringen. Wir sind das Ticken, wir sind das Pulsieren, wir sind die, die in diesem Augenblick alles vorantreiben. Es gibt nur uns in diesem Augenblick. Für eine Ewigkeit. Kein Publikum. Keine Instrumente. Nur unsere Körper, unsere Gedanken, unser Flüstern, unsere Blicke. Das ist die Musik, die größer ist als alles."


Das Urteil:

Ein kurzweiliges Abenteuer in den nächtlichen Straßen von New York: von Lieblingsliedern, Liebe auf den ersten Blick und dem Vertrauen, dass alles gut werden wird. Mitreißend, intensiv und inspirierend!

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Tags: abenteuer, grenzenlose möglichkeiten, liebe auf den ersten blick, lieblingslieder, musik, nacht, new york   (7)
 

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Eine wie Alaska

John Green , Sophie Zeitz
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 17.05.2014
ISBN 9783446246676
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kurzrezension:

Schreibstil: Unglaublich wahrhaftig: Man liest nicht von Gefühle, man liebt. Man liest nicht von Tränen, man weint. Man liest den Humor nicht, man lacht.

Charaktere: alle exzentrisch und fein gearbeitet, Beziehung ganz intensiver Art zwischen Miles, dem zurückhaltenden Langweiler mit der Vorliebe für letzte Worte und der schillerndsten Persönlichkeit unter den Nerds, dem Wirbelsturm eines Mädchens Alaska

Gefühle: Verzweiflung, Schuldgefühle, Leidenschaft, Erwachsenwerden, Traurigkeit, Schmerz, Liebe, Bewunderung, Inspiration samt große Literatur, Poesie und Philosophie

Das Zitat: "Das große Vielleicht war über uns, und wir waren unbesiegbar." 

Das Urteil:

Über Träume, besondere Menschen und kleine Inseln des Glücks inmitten des harten Schicksals - John Green wie er leibt und lebt! Lasst euch mitnehmen ins große "Vielleicht"!

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Tags: erwachsenwerden, labyrinth des lebens, leidenschaft, letzte worte, liebe, literatur, poesie, schillernde persönlichkeiten, schmerz, schuld, trauer, verzweiflung, vielleicht, wirbelsturm   (14)
 

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Renegades - Gefährlicher Freund

Marissa Meyer , Charlotte Lungstrass-Kapfer
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.09.2018
ISBN 9783453271784
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Von Marissa Meyer habe ich bislang nur Band 1 ihrer Luna-Chroniken gelesen, wusste aber sofort, als ich das Cover gesehen habe, dass ich dieses Buch lesen muss. Nach einem Blick auf das Thema - Superhelden und Superschurken - war dann alles klar. An dieser Stelle ein kurzes Dankeschön an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar!

Das Cover zieht sofort durch die düstere Ausstrahlung und das spannenden Motiv in den Bann. Umgeben von einigen Häusern der Stadt thront der Turm der Renegades, an den sich zwei kontrapunktische Gestalten lehnen: eine Frau mit Kapuze - Nachtmahr - und ein Mann in Uniform - der Wächter. Umrahmt wird das Ganze von kontrastreichen Strahlen, was dem Szenario zusammen mit der rot-blauen-Farbgebung etwas Surreales verleiht. Die zwei Gestalten scheinen durch den Turm der Renegades miteinander verbunden zu sein, schauen aber in verschiedene Richtungen, was den Inhalt auf einer Metaebene eigentlich ganz gut zusammenfasst. Die Gestaltung inklusive der spannenden Gestaltung der roten Leselaschen bekommt von mir also einen deutlichen Daumen nach oben.


Erster Satz: "Am Anfang waren wir alle Schurken"


 Die Autorin beginnt ihre Geschichte mit einer kurzen Einführung in die Vergangenheit Gatlons. Kurz aber verheißungsvoll bekommen wir erklärt, wie die Verfolgung der Wunderkinder durch Ace Anarchos Zeitalter der Anarchie abgelöst wird, bevor sich blutig ein neues System etablierte: die Herrschaft der Renegades. Eine Eliteeinheit an ausgebildeten Wunderkindern, deren Aufgabe es ist, die Schurken zu bekämpfen, die Ordnung und Sicherheit des Stadtlebens aufrecht zu erhalten und allen Bürgern ein Vorbild zu sein - sagen zumindest sie. Nova Artino sieht das ganz anders. Im auf die Einführung folgenden Prolog bekommen wir eindrucksvoll geschildert, warum sie allen Grund hat, den Renegades nicht zu vertrauen - mehr noch, sie zu hassen: Als ihre Familie von Gangmitgliedern ermordet wird, sind die so angepriesenen Helden nicht da und können den garantierten Schutz nicht erfüllen. Seitdem ist sie Teil der Anarchisten, die verborgen in einem verlassenen U-Bahntunnel auf ihre Chance warten, die Renegades von ihrem Thron zu stoßen und allen Wunderkindern und Menschen Freiheit zu gewährleisten.


Die traumatischen Ereignisse ihrer Kindheit sorgen dafür, dass sie Nacht für Nacht nicht schläft und zusammen mit ihrer Fähigkeit, ein Gegenüber bei Berührung in sofortigen Tiefschlaf zu versetzen, verschafft ihr dies den Schurkennamen "Nachtmahr". Hinter einer Maske versteckt versucht sie gleich in der ersten Szene einen Anschlag auf den Rat der Renegades bei einer Parade zu verüben und trifft dabei auf einen neuen Antagonisten: den Wärter. Als der Anschlag fehlschlägt, die Anarchisten immer mehr unter Druck geraten und die alljährliche Qualifikation zur Aufnahme neuer Renegades ansteht fasst sie einen Entschluss, der ihr Leben verändert: sie legt die anonyme Maske Nachtmahrs ab und bewirbt sich als Insomnia bei den Renegades, wohlwissend, dass sie nicht wieder zu ihrem alten Leben zurückkehren kann. Doch erst als sie in eines der Teams aufgenommen wird, die Strukturen der Renegades immer besser kennenlernt, auf versteckte Geheimnisse stößt und sich in einen Renegade verliebt, versteht sie, wie tiefgreifend sich ihr Leben verändern wird. Denn immer mehr gerät ihr Weltbild, ihre Loyalität und ihre Überzeugungen ins Wanken und sie stellt sich die Frage, wer nun wirklich Helden und wer Schurken sind...

"Wenn er die Augen schloss, konnte er sie vor sich sehen, konnte das Funkeln ihrer Augen in der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze erahnen. Ausdruckslos. Gewissenlos. Frei von Angst. (…) "Nachtmahr", flüsterte er, fast so, als würde er ihren Namen das erste Mal aussprechen.
"Wer bist du?"



Dieses Buch gleicht zwar thematisch einer typischen Dystopie ist aber gerade andersrum aufgezogen wie eine solche. Während wir normalerweise mit einer naiven, systembejahenden Protagonistin beginnen, die beginnt, Schattenseiten zu sehen, haben wir es hier von Anfang an mit einer Anarchistin zu tun, die im präsentierten Weltbild zu den "Bösen" gehört. Dadurch dass gleich in der ersten Szene versucht wird, einen Anschlag auf die Renegades zu verüben, unter dem auch die Zivilbevölkerung leidet, ist es sehr schwer, sich von Beginn an in Novas Perspektive einzufinden und eine Verbindung aufzubauen. Als dann als zweite Perspektive Adrian Everhart alias Sketch dazukommt, der als Adoptivsohn von Captain Chrom und dem Schrecklichen Baron durch und durch Renegade ist, scheint seine Weltansicht erstmal die bequemere und ich habe begonnen die Anarchisten als Schurken abzustempeln.


Doch als sich mit zunehmendem Fortschritt der Handlung immer mehr Schwächen im System der Renegades auftun und man stattdessen auch immer mehr Novas Beweggründe nachvollziehen kann, ist es nicht mehr ganz so leicht über die Charaktere zu urteilen. Mit jedem neuen Perspektivenwechsel werden wir fortan zwischen den beiden Polen hin und her geworfen und müssen bald feststellen, dass die Superhelden nicht so glanzvoll, heldenhaft und perfekt sind, wie sie behaupten, während aber auch die Anarchisten nicht so böse, gefährlich und gewalttätig sind, wie allgemein angenommen. Das fand ich sehr spannend. Ich habe selten einen Roman gelesen, der so mit den Perspektiven und Blickwinkeln spielt und den Leser ständig zwischen zwei Weltansichten pendeln lässt, die beide ihre Stärken und Schwächen haben.


"Wenn er zeichnete, gab es für sie nichts Spannenderes, als den schnellen, präzisen Bewegungen seiner Hand zu folgen. Wenn er lächelte, hielt sie unwillkürlich den Atem an, um zu sehen, ob es diese verborgenen Grübchen zum Vorschein bringen würde. Und wenn er sie ansah, musste sie seinen Blick einfach erwidern. Und wollte - vollkommen gegen jede Logik - gleichzeitig am liebsten ihr Gesicht verstecken. Das alles zusammengenommen sorgte dafür, dass seine Gegenwart für sie jedes Mal zu einer Nervenprobe wurde. Anziehungskraft, schlicht und einfach. Hormone. Das war Biologie. Und gehörte definitiv nicht zu ihrem Plan!"


Dadurch dass die beiden Protagonisten beginnen, eine sanfte Beziehung aufzubauen, ihre Ideen auszutauschen und zusätzlich noch Alter Egos haben, die nicht auffliegen dürfen, was das Ganze deutlich verkompliziert, kommt schön viel Dynamik in die Geschichte. Doch bis das angelaufen ist dauert es einige Seiten. Dadurch dass man als Leser zu Beginn sehr ratlos ist, wie man sich positionieren soll und was man von der präsentierten Welt halten soll, hat es relativ lange gedauert, bis die Geschichte mich gepackt hat. Erschwerend ist hinzugekommen, dass wir mit den Renegades und den Schurken eine Vielzahl an verschiedenen Protagonisten vorgestellt bekommen, deren Fähigkeiten, Namen und Position wir uns alle merken müssen. Um dabei nicht den Überblick zu verlieren hat mir sehr die Übersicht am Anfang des Buches geholfen. Als die Geschichte dann mal Fahrt aufgenommen hat, ist sie nicht mehr zu stoppen. Es ergibt sich eine spannende, innovative Mischung aus rasanten Kampfszenen, politischem Geplänkel, verzwickten Plänen und ruhiger Charakterentwicklung. Die Liebesgeschichte nimmt dabei nicht zu viel Raum ein und ist eher ein leise anklingender Nebeneffekt.


"Heldentum hatte nichts mit dem zu tun, was man konnte. Es definierte sich über das, was man wirklich tat. Darüber, wen man rettete, wenn er gerettet werden musste. (…) Entschlossen nahm sie die Schultern zurück und betrat das Feld"


Der Schreibstil ist dabei sowohl flüssig und temporeich als auch ausführlich in der Beschreibung von Setting und Geschehen. Inspiriert ist die Geschichte natürlich von typischen Superheldengeschichten wie X-Men, Avengers, Batman, Superman oder anderem, was Marvel so zu bieten hat (Gatlon City ist definitiv eine Anspielung auf Gotham). Demnach ist die atmosphärische Stimmung dieser Stadt und der Helden/Schurken-Geschichte mit viel Düsternis und rasanten Kampfszenen deutlich daran angelehnt. Umso spannender ist es, dass die Autorin zwischendurch den Charakteren auch mal Ruhe lässt, um Geschehenes zu reflektieren oder sich aufeinander einzulassen und unsere Bilder von Protagonist und Antagonist, also von Gut und Böse immer wieder auf den Prüfstand stellt und uns dazu zwingt, die Sicht auf die Handlung neu zu überdenken. Diese dargestellten Konflikte und die Ambivalenz hat mir sehr gut gefallen!


"Die Dämmerung schlug schnell in dunkle Nacht um. Obwohl dicke Wolken am Himmel hingen, zeichnete sich im Westen ein bläulich-grauer Schimmer ab. Irgendwo hinter dem Dunst ging die Sonne unter. (…) Nova schloss die Augen. Wenn sie wirklich und wahrhaftig eine Schurkin wäre, müsste sie jetzt bei den ihren sein - um zu feiern oder zu trauern. Und wenn sie eine Superheldin wäre, würde sie jenen Renegades zu Hilfe eilen, die eingeschlossen und verletzt unter dem Schutt begraben waren. Stattdessen lauschte sie auf die Geräuschkulisse einer gequälten Stadt und tat gar nichts."


Marissa Meyer entführt uns hier in eine Großstadt, die durch Gewalt und Verbrechen stark gebeutelt ist und deren Wiederaufbau und Erholung noch immer unter dem Kampf zwischen den Renegades und den Anarchisten leidet. Reichtum und Glanz reiht sich neben Chaos und Armut; Hass und Bewunderung sind die zentralen antithetischen Emotionen, die die Bevölkerung gegenüber den Renegades aufbringen. Immer wieder erhalten wir kurze Eindrücke und Anspielungen auf die Grundbedingungen der Stadt und des Landes, erfahren etwas über das Zeitalter der Anarchie, über den Handel, die Technologie oder den Alltag der Menschen. Ein umfassendes Bild der Situation, gerade aus Sicht der Menschen, ergibt sich jedoch nicht. Dazu sind wohl auch über 600 Seiten nicht genug, um das in einem Einführungsband einer Reihe schon auf den Punkt zu bringen.

Zu den Charakteren will ich gar nicht viel sagen, um euch nicht den besonderen Reiz wegzunehmen, den die Einordnung der Charaktere auf ständig neuer Informationsbasis auf mich ausgeübt hat. Nur soviel: Marissa Meyer hat die 640 Seiten genutzt, um interessante, sich entwickelnde Protagonisten liebevoll und detailreich auszuarbeiten und dabei klarzumachen, dass auch die Superhelden ihre Schwächen haben und Sein und Schein oft nahe beieinander liegt. Von Nova können wir uns eine Scheibe von ihrem ausgeprägten Kampfgeist, ihrem Ehrgeiz, ihrer Stärke und ihrer Entschlossenheit abschneiden, während Adrian uns beibringt, dass jeder ein Held sein kann und wir das sind, was wir tun.


"Jeder hat die Möglichkeit, ein Held zu sein, wenn er es ernst meint. Das ist leicht gesagt: Ich will ein Held sein. Aber in Wahrheit sind die meisten Menschen dafür viel zu faul und selbstzufrieden. Die Renegades übernehmen die ganze Reiterei, wozu sich also die Mühe machen?"


Die Frage wer denn nur wirklich die Schurken und wer die Helden sind wird natürlich nicht beantwortet, doch ich denke dass sich am Ende herauskristallisiert das es nie wirklich "gute" oder "schlechte" Menschen gibt, sondern wenn dann nur "gute" und "schlechte" Handlungen und auch das nur bedingt. Ob man nun mit guten Absichten schlimme Dinge tut oder mit schlechten Absichten gute Dinge - letztendlich tut jeder das, was er oder sie für richtig hält und diese Handlung kann dann nicht per se bewertet werden, sondern muss in ihrem Kontext und aus ihren Motiven, Begründungen und Folgen heraus betrachtet werden. Ein Held ist also nicht der, der im Sinne der Mehrheit etwas tut, was im System für "gut" angesehen wird, sondern der mit Leidenschaft und Überzeugung das verteidigt, an was ihm etwas liegt.

Nach einem rasanten Showdown bekommen wir dann ein Ende mit einer krassen Enthüllung zwar keinen richtigen Cliffhanger vorgesetzt, aber trotzdem einen Wow-nicht-im-Ernst-Moment, der die Wartezeit bis zum Erscheinen der Übersetzung zur Fortsetzung "Archenemies", welcher bald erstmals auf Englisch erscheint, versüßt. Ich werde auf jeden Fall an dieser Geschichte dranbleiben und sehen, was uns die Zukunft in Gatlon City bringt.


“Tapfer kann nur sein, wer die Angst kennt.”


Fazit:

Eine intelligente, innovative Dystopie, die mit den Perspektiven und Blickwinkeln der Charaktere spielt und den Leser ständig zwischen zwei Weltansichten pendeln lässt. Die spannende Mischung aus rasanten Kampfszenen, politischem Geplänkel, verzwickten Plänen und ruhiger Charakterentwicklung schafft einen Auftakt, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde.

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Tags: dystopie, feinschaft, freundschaft, heldentum, kämpfe, liebe, mut, schurken, superhelden   (9)
 

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Das Känguru-Manifest

Marc-Uwe Kling , Marc-Uwe Kling
Audio CD
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 12.08.2011
ISBN 9783869090757
Genre: Humor

Rezension:

Sie sind wieder da - das kommunistische Känguru und der stoische Kleinkünstler!
Marc-Uwe Kling lebt mit einem Känguru zusammen. Das Känguru ist Kommunist und steht total auf Nirvana. Die Känguru-Chroniken berichten von den Abenteuern und Wortgefechten des Duos. Und so bekommen wir endlich Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit: War das Känguru wirklich beim Vietcong? Und wieso ist es schnapspralinensüchtig? Könnte man die Essenz des Hegelschen Gesamtwerkes in eine SMS packen? Und wer ist besser: Bud Spencer oder Terence Hill?
Auf der Jagd nach dem höchst verdächtigen Pinguin rasen sie durch die ganze Welt. Spektakuläre Enthüllungen! Skandale! Intrigen! Ein Mord, für den sich niemand interessiert! Eine Verschwörung auf niedrigster Ebene! Ein völlig abstruser Weltbeherrschungsplan! Mit Spaß, Spannung und Schnapspralinen...
 
 
"Ein Idiot in Uniform ist immer noch ein Idiot"

Nachdem das Hören der "Känguru-Chroniken" mein Leben nachhaltig verändert hat - so ertappe ich mich manchmal zum Beispiel selbst dabei, wie ich ganz in Känguru Manier sage: "Das darf doch nicht Warzenschwein!" oder mir auch mal "Rück mal´n Stück" rausrutscht (mein persönlicher Tipp für die Geschichte also: Gleich im Doppelpack kaufen und der besten Freundin/ dem besten Freund zum Hören geben, damit man jemanden hat, mit dem man darüber reden kann und der die ständigen Anspielungen versteht, wenn sie im Alltag allfallartig aus einem herausbrechen), musste ich natürlich auch unbedingt das Manifest lesen. Und was soll ich sagen. Es bekommt auf jeden Fall den "Witzig"-Stempel des Kängurus. Auch wenn wir es hier mit eher düsterem Humor zu tun haben, immer mehr Anklänge von dystopischen Elementen zu finden sind und politisches Kabarett die Situationskomik überwiegt, steht das Manifest den Chroniken an Witzigkeit kein bisschen nach.

Die Geschichte beginnt mit einem ausführlichen Zitat aus dem "Kommunistischen Manifest", wobei zentrale Begriffe durch das Wort "Känguru" ersetzt sind. So kommt es zu dem bekannten Zitat: "Ein Känguru geht um in Europa." Und angesichts des enormen Erfolgs, den Marc-Uwe Kling mit seinem Känguru erzielt hat, ist das wohl gar nicht so aus der Luft gegriffen. In meinem Kopf geht auf jeden Fall ein Känguru um - ich wurde nachhaltig mit Insiderwitzen infiziert und konnte auch
diesmal angesichts der unglaublichen Situationen, die hier zustande kommen und des schonungslosen schwarzen Humors, nicht anders, als immer wieder aus tiefster Seele loslachen und damit äußerst skeptische Blicke meines Umfeldes auf mich zu ziehen.

Anders als bei Band 1 liegt hier der Schwerpunkt nicht auf den wirklich wichtigen Fragen des Lebens wie zum Beispiel: warum verdirbt Schmelzkäse nicht, warum ist das Gespenst des Kommunismus so schüchtern und weshalb haben Pferde eigentlich nicht die Weltherrschaft an sich gerissen? Stattdessen kümmert sich das Manifest mehr um ein mysteriöses Ministerium für Produktivität, das Ausländer in "produktiv" und "unproduktiv" einteilt, um Plakate mit Slogans wie "Ich arbeite gern - für meinen Konzern" oder "Ich schwimm bis nach Birma - für meine Firma" oder mit der Gründung einer Anti-Terror-Organisation, die Anti-Terror-Anschläge auf eben diese Plakate verübt. So übermalt "Das asoziale Netzwerk", wie es bald heißt, die Slogans mit Alternativen wie zum Beispiel: "Wollt ihr den totalen Arbeitsplatz?". Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist auch wieder die Eckkneipe "Bei Herta", die jetzt "Tefkabh" heißt - "The eckkneipe formerly known as bei Herta". Da diese ehemalige Eckkneipe im Verlauf von "Das Känguru-Manifest" noch mehrfach den Besitzer wechseln wird - für kurze Zeit wird sie unter anderem "Hafen der digitalen Boheme" heißen -, erzählt der running gag auch etwas über Gentrifizierung und Verdrängung im Kiez.


Marc-Uwe: "Das ist doch irgendwie bemerkenswert. ... Im Realsozialismus wurden Mauern gebaut, um die Leute drinnen zu halten, im Kapitalismus werden Mauern gebaut, um die Leute draußen zu halten."
Känguru: "Aber in beiden Fällen ist es ein Armutszeugnis, das die Leute offensichtlich nicht da hin dürfen, wo sie hinwollen, und nicht da sein wollen, wo sie sind."


Ihr seht also, es geht hier eher um die großen politischen Fragen und eine knallharte und schonungslose Sozial-, Politik- und Kapitalismuskritik kommt mehr durch als in Band 1. Auch wenn Kinder dieser Geschichte bestimmt viele witzigen Stellen abgewinnen können, sind die Witze vor allem für Erwachsene geschrieben, denn gewisse Grundkenntnisse in den Bereichen Politik, Geschichte und Wirtschaft sind Voraussetzung, um einige Witze und Anspielungen zu verstehen.
Doch wir haben es hier nicht nur mit Unterhaltungsparodie auf höchstem Niveau zu tun - nein, die Geschichte ist auch voll von einfachen Lebensweisheiten, die jeden Leser oder Hörer um Welten in der kognitiven Entwicklung weiterbringt: "Es gibt Solche und Solche. Und dann noch ganz andere. Und das sind die schlimmsten" (frei übersetzt aus Berliner Mundart) Na wenn das mal nicht eine bahnbrechende Erkenntnis ist... ;-)

Aufgrund der wieder episodenartigen Handlung und der in Szenenform geschriebenen Kapiteln, bietet es sich hier wirklich an, das Hörbuch zu hören. Gerade bei längeren Autofahrten oder bei banalen Tätigkeiten wie Wäscheaufhängen oder Abwaschen ist es eine willkommene Ablenkung, einige Szenen aus dem Manifest zu hören. Auch wenn ich eigentlich kein bekennender Fan von Hörbüchern bin und immer lieber die Print-Variante bevorzuge, habe ich es hier nicht bereut, die vorgelesene Version gewählt zu haben. Autor Marc-Uwe Kling liest hier selbst vor, live vor Publikum, weshalb immer mal wieder leise Lacher im Hintergrund zu hören sind, welche aber nicht stören. Im Gegensatz zu anderen Autoren merkt man Mark-Uwe an, dass er es gewohnt ist, Texte vorzutragen. Er liest die Rollen des Ich-Erzählers und des Kängurus mit leicht verstellten Stimmen, sodass man die nasale, laute, nerv tötende Stimme des Kängurus immer schön unterscheiden kann. Mit wohlüberlegten Pausen und Betonungen lenkt er das Geschehen in eine richtige Richtung und seine angenehme Stimme konnte mich wirklich mitreißen.

»Es sagt viel über die Welt aus, mein Kind,
sagte der Vater zum Knaben,
dass die Dummen glücklich sind
und die Schlauen Depressionen haben.«
»Hast du Depressionen?«, fragt das Känguru.
»Nee«, sage ich. »Du?«
»Nee.«


Dabei kann man sich den Hörspaß ruhig Häppchenweise zuführen, zu lange Pausen sollte man aber auch nicht machen, denn auch wenn die Szenen oft sehr kurz sind und meistens nichts miteinander zu tun haben, werden immer wieder kleinere Bezüge zur vorangegangenen Handlung gestellt und viele Insiderwitze und Anspielungen setzen voraus, dass man sich noch an Vorhergegangenes erinnert. Es ist eigentlich auch egal, ob man die Chronik gehört oder gelesen hat, hilfreich zum Verständnis von Insiderwitzen ist es aber auf jeden Fall und so entsteht langsam ein zusammenhängendes Bild. Wenn man die ganzen CDs alle auf einen Rutsch hört, werden dem aufmerksamen Hörer bald Parallelen im Aufbau und Verlauf der Szenen auffallen. Natürlich ist auch auf 315 Minuten mal der ein oder andere Witz dabei, der doppelt erscheint. Dass es aber trotzdem immer spannend und witzig bleibt wird durch viele erzähltechnische Elemente garantiert, die Kling wunderbar einwebt. So wechselt er kreativ die Erzählperspektivwechsel, variiert die Erzählzeit, lässt manchmal kurze Erinnerungslücken auftauchen oder peppt die kurzen Kapitel mit Einschüben aus dem Manifest des Kängurus "Opportunismus und Repression" auf. Ein Element, das mittlerweile schon eigenständig berühmt geworden ist, sind die falschen Zitate, bei denen der Autor ein echtes Zitat einer anderen, möglichst unpassenden Person zuordnet. (Ganz unten am Ende der Rezension hab ich euch ein paar Beispiele aufgeschrieben)

Natürlich macht das Känguru die ganze skurrile Geschichte erst so richtig saukomisch. Denn man muss das vorlaute Beuteltier einfach lieben! Manchmal erscheint es wie ein störrisches Kind, dann gibt es Dinge von sich, die eher nach weisem Sensei klingen und danach ist es einfach ein verrückter, tierischer bester Freund. Es traut sich Dinge zu sagen und zu tun, die so mancher von uns schon immer mal machen wollte: Regeln beim Monopoly einfach ändern, aufdringliche Terrier quer durch den Park kicken und Nazis umboxen - das Känguru weiß ganz genau, was es will und ist dabei immer konsequent inkonsequent. Und natürlich ist es auch der absolute Antagonist zum Pinguin. Es ist süchtig nach Schnapspralinen, Bud Spencer Filmen, Nirwana, Fußnoten, Wortspielen und falschen Zitaten. So quält das Känguru ein ums andere mal den armen Marc-Uwe mit lauter fiesen Wortverdrehungen, die dessen Sinn für Sprachästhetik aufs Äußerste strapazieren.

Doch die fiesen Wortverdrehungen, die man wirklich nicht mehr aus dem Kopf bekommt (glaubt mir, ich weiß wo von ich rede, Schankedön, Marc-Uwe) ist nichts im Vergleich zu der Anzahl an kreativen Wortspielen, die Mark-Uwe Kling im Laufe der Geschichte einfallen hat mich wirklich demütig werden lassen. Bekannte Witze wie "Du denkst vielleicht du bist hart, aber ich bin Herta!" oder philosophische Lebensweisheiten wie "Habt ihr schon Mal darüber nachgedacht dass es von uninformiert kein weiter weg zu uniformiert ist..." kommen einfach und fließend in den Dialogen unter.

Jetzt bleibt mir als nächstes noch die Känguru-Offenbarung und dann kommt ja auch schon -gottseidank - ein neues Werk heraus: Die Känguru - Apokryphen.


Zum Abschluss noch mein Top Ten an falsch zugeordneten Zitate:

"Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst.“
– Kim Jong-il

"Ich denke, also bin ich.“
– Til Schweiger

"Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt und hat mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt.“
– Johann Wolfgang von Goethe

„Wenn man ein 0:2 kassiert, dann ist ein 1:1 nicht mehr möglich.“
– Satz des Pythagoras

„Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“
– Friedrich Schiller

„Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“
– Benedikt XVI.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“
– Bob der Baumeister

„Das Boot ist voll.“
– Noah, Sohn des Lamech

„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.“
– Albert Einstein

„Alles, was wir sind, ist das Resultat von dem, was wir gedacht haben.“
– Bastian Schweinsteiger


Fazit:

Die Erfolgsformel zieht auch hier: 1 Poetry Slammer + 1 kommunistisches Känguru + viele dämlichen Ideen = Suchtpotential und Angriff auf die Lachmuskulatur.
Das Manifest steht den Chroniken in nichts nach, legt jedoch mehr Wert auf schonungslose Sozial-, Politik- und Kapitalismuskritik als auf Situationskomik.
Insgesamt eine Unterhaltungsparodie auf höchstem Niveau, die definitiv den "Witzig"-Stempel erhält!

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Tags: känguru, kapitalismuskritik, kommunismus, komödie, schnapspralinen, sozialismus, witzig   (7)
 

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Save Us

Mona Kasten
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei LYX, 31.08.2018
ISBN 9783736306714
Genre: Liebesromane

Rezension:

Mit "Save us" endet Mona Kastens "Save"-Trilogie auch schon wieder, irgendwie verrückt, denn ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich ganz aufgeregt vor einem halben Jahr den ersten Band in den Händen gehalten habe. Auch wenn gerade zu diesem Teil viele kritische Stimmen laut wurden, ist er für mich eindeutig das Highlight der Reihe, da er es auf 384 Seiten schafft, unsere Leidensfähigkeit noch einmal überzustrapazieren, die hoffnungsvolle Zukunft der Charaktere noch einmal auf die Probe zu stellen, am Ende aber über sich hinauszuwachsen und uns viel Mut für unsere eigene Zukunft zu geben.

Das Cover ist wieder bis auf eine etwas hellere, gelblichere Farbgebung dem Vorgänger- und dem Folgeband so ähnlich, dass man es auf den ersten Blick nicht unterscheiden kann, wenn man den Titel außen vor lässt. Ich kann mich das nur zu meinen vorherigen Rezis wiederholen: Natürlich ist es immer wichtig, dass die Teile einer Reihe optisch gut zusammenpassen aber hier finde ich es ein wenig zu viel des Guten. Auch wenn ich es mit der recht schlichten Gestaltung ohne nennenswerte Motive nicht unbedingt als Eye-Catcher bezeichnen würde, gefällt mir aber der Fokus auf dem Titel und die Kontrastierung der beiden Seiten, die langsam ineinander übergehen recht gut. Die obere Hälfte des Hintergrundes glitzert in goldenen Partikeln während die untere Hälfte in einem schlichten Creme-Weiß gehalten ist. Dadurch wird wunderbar die Gegenüberstellung der beiden im Buch dargestellten Welten verkörpert: die vor Glamour und Prunk glitzernde Welt der Oberschicht und die schlichte aber gemütliche Welt der Mittelschicht, aus der Ruby kommt.

Erster Satz: "Mein Großvater hat mich früher immer gefragt: Wenn der Tag kommt, an dem du alles verlierst - was wirst du tun?"

Band 3 beginnt sofort an dem Punkt, an dem uns der Cliffhanger aus Band 2 ratlos zurückgelassen hat. Nachdem Ruby von der Maxton Hall suspendiert wurde und Graham seinen Job verloren hat, weil ominöse Bilder aufgetaucht sind, die auf eine Affäre der beiden hinweisen, ist nichts mehr wie es war. Rubys Vertrauen in James wird nochmal auf die Probe gestellt, die Verhältnisse in der Freundesclique sind zum Zerreißen gespannt und Lydia muss sich entscheiden was sie will: Gerechtigkeit für Ruby und damit die Wahrheit über ihr Verhältnis mit Graham und über die Schwangerschaft, oder sich selbst zu retten und Ruby in den Abgrund zu stoßen. Als Lydia dann von zu Hause rausfliegt, sind sich Ruby und James sicher - schlimmer kann es für sie und ihre Freunde nicht mehr kommen. Aber James´ Vater hat noch einiges vor und die Freiheit seines Sohnes steht dabei nicht im Programm…


Ruby - "Ich liebe dich", sagt er mit rauer Stimme, dann dreht er sich um, öffnet die Fahrertür und steigt ein. Reglos sehe ich zu, wie er losfährt und schließlich um die Straßenecke verschwindet. Mein Herz tut weh. Für ihn, für mich. Für uns."


Nachdem ich die Titel von Band 1 und 2 zwar ganz nachvollziehbar aber nicht unbedingt Weltklasse fand, denke ich, dass "Save us" hier eigentlich wie die Faust aufs Auge passt. Denn nach den Vorkommnissen, die sich nicht nur auf James und Ruby sondern auf alle anderen Charaktere auch in gewisser Weise beziehen, ist erstmal Schadensbegrenzung gefragt. Doch als dann immer mehr Konfliktpotential auftaucht und die Schlingen der Macht und Intrigen sich immer enger um die Freunde zieht, stellt sich die Frage, die schon so prominent auf der Buchrückseite steht: Können sie sich retten? Oder werden sie sich gegenseitig zerstören?


Ember - "Ich betrachte seine dunkelbraunen Augen, die schwarzen, geschwungenen Wimpern, das kleine Muttermal auf seiner rechten Wange. Dann reiße ich den Blick von ihm los und räuspere mich, "Mach´s gut, Wren", sage ich, drehe mich um und lass ihn auf dem Gehweg stehen. Erst in dem Moment wird mir klar, wie schwitzig sich meine Handflächen anfühlen. Wie schnell mein Herz rast. Und wie sehr mein Herz schmerzt."



Die Handlungsdichte ist hier eindeutig höher als in Band 2, der mir im Nachhinein eher wie ein Mittelteil erschien, der zwar handlungsmäßig nicht unbedingt notwendig war, sich aber die Zeit nehmen wollte, Ruby und James ein wenig weiterzuentwickeln und uns die Nebencharaktere tiefer vorzustellen. Denn gleich auf der ersten Seite bekommen wir hier unseren ersten neuen Erzähler vorgesetzt: Graham, der Geschichtslehrer von Ruby und James, die große Liebe von Lydia und der Vater ihrer Zwillinge. Er ist nur einer von mehreren Erzählperspektiven, die hier unser Bild der Maxton Hall noch vielfältiger und detailreicher machen. Neben James und Ruby erzählen nun also Ember, Lydia, Graham und Alistair. Eine ganze Menge unterschiedlicher perspektiven also, bei denen man ganz schön aufpassen muss, nicht durcheinander zu kommen. Dennoch macht das Mona Kasten sehr geschickt, wählt kurze Passagen, macht deutlich wer gerade spricht und verliert dabei nicht den Bezug zu Ruby und James. Die beiden bleiben deutlich im Fokus der Geschichte, die um einige Facetten reicher wird. Das ist wohl ihre Alternative zu einer Reihe, in der jedes Pärchen sein eigenes Buch hat, so wie sie es in der "Again"-Reihe gehandhabt hat. So dürfen wir weiter Ruby und James verfolgen, dabei aber noch andere Geschichten und Schicksale teilen, die dafür sorgen, dass die Hauptstory nicht langweilig ausläuft.

Auch hier hat Mona Kastens flüssiger Stil und der schnelle Wechsel der Perspektiven dazu beigetragen, dass ich das ganze Liebe-Drama-Wahnsinn-Geschwurbel sehr intensiv mitempfunden habe und in einem Rutsch durchlesen musste. Voller Anspielungen direkt aus dem Leben und dabei gleichzeitig sanft und eindringlich führt sie uns ein letztes Mal zurück nach Maxton Hall und lässt uns mitlieben, mitleiden, mitfiebern, mitlachen, mitweinen und dieses Buch einfach feiern. Wir haben es hier mit einer emotional berührenden, mitreißenden Geschichte zu tun, bei der die Seiten wie im Flug vorbeifliegen und man, schneller als einem lieb ist, auf der letzten Seite angelangt ist.


Alistair - "Ich stoße ein schnaubendes Lachen aus. "Ich liebe deine Mum." Kesh lächelt seine Hände an. "Und ich liebe dich" Der Wagen hält an. Ich glaube, das tut mein Herz auch.(…) "Ich liebe dich auch", murmele ich in sein Haar. Kesh legt beide Arme um meinen Rücken und zieht mich eng an sich. "Cool." Ein heiseres Lachen platzt aus mir raus, gleichzeitig rinnen Tränen meine Wangen herab. Ich mach mich ein Stück von ihm los, um in sein Gesicht sehen zu können. "Das ist deine Reaktion? Cool?" Er hebt eine Hand an mein Gesicht und streicht die Nässe von meinen Wangen. Ein Lächeln umspielt seine Mundwinkel. "Ja", sagt er schlicht."


Das Herzstück dieses Buches sind jedoch die Charaktere, die alle eine schwierige Zeit durchmachen und von denen wir einiges lernen können. So bekommt die Geschichte von der reinen Liebesgeschichte mehr emotionale Tiefe, als ich jemals gedacht hätte. Längst geht es nicht nur um Romantik, sondern auch darum, Träume zu verfolgen, Zukunftsängste, Zusammenhalt zwischen Freunden, um Schicksalsschläge und deren Umgang, um Missverständnisse und kleine und große Katerstrophen und Ungerechtigkeiten - schlicht um alles, was eben im Leben passiert und auf den Mut, die Liebe, die Freundschaft, die Inspiration, die einem hilft, auch in den dunkelsten Stunden den Weg zu finden.

Besonders gut gefallen haben mir die Entwicklungen von Ruby und James, die jetzt endlich zu einer gesunden, gefestigten Beziehung voller Vertrauen gefunden haben, wodurch sie beide bestärkt und sicher durchs Leben gehen und die immer neu anfallenden Probleme anpacken können. Rubys selbstbewusste, zielstrebige Art für sich selbst einzustehen, ihre Ziele kompromisslos zu verfolgen und sich dabei von nichts und niemand herumschubsen zu lassen, hat mich ja schon in den vorherigen Bänden beeindruckt und inspiriert. Doch vor allem James hat mir hier sehr gut gefallen. Er hat eine unglaublich positive Entwicklung durchgemacht und ist mit dem Jungen vom Anfang der Geschichte kaum noch zu vergleichen. Er hat sowohl seine überhebliche, rücksichtslose Bad-Boy-Attitüde überwunden, hinter der er sich mehr schlecht als recht auf seinem Taumel durchs Leben versteckt hat, als auch den Gedanken, seiner vorgeplanten Zukunft, all den Erwartungen und Vorurteilen, entsprechen zu müssen. Zusammen mit Ruby ist er auf der Suche nach dem, was er wirklich will und lernt von ihr, seine Träume genauso kompromisslos zu verfolgen, wie sie es tut. Die beiden haben mir gezeigt, dass kein Traum zu groß oder zu klein ist.


James - "Woher wusstest du, dass du etwas zu erzählen hast?", fragte ich schließlich. Auf Embers Lippen breitet sich ein leichtes Lächeln aus. "Jeder Mensch hat etwas zu erzählen, James."


Dann ist da noch Lydia, die bei ihrer lebensfreudigen, chaotisch-bunten und kreativen Tante Ophelia völlig aufblüht, ihren Frieden mit ihrer Situation findet und sich endlich mit Graham aussprechen kann. Von ihr können wir lernen, den Mut zu finden, über uns hinauszuwachsen.
Und Ember, die sich auf ihrem Mode-Blog Bellbird kreativ austobt, sich auch sonst nie für ein aufmunterndes Wort oder eine helfende Hand schade ist und langsam an Wren annähert. Von ihr können wir uns alle eine Scheibe Selbstliebe und gute Laune abschneiden, denn das ist nie schlecht.
Und Wren, dessen Familie sein ganzes Vermögen verloren hat und sich nicht traut, es seinen Freunden zu sagen und da trotz seiner ganz anderen Einstellung dieses verrückte, herzallerliebste Mädchen getroffen hat, das ihm einfach nicht aus dem Kopf geht.
Oder Alistair und Keshav, die sich so offensichtlich lieben, jedoch nicht den Mut finden, es nach außen zu tragen.
Oder Percy, der schon immer der treue Chauffeur Beauforts gewesen war und nun dabei zusehen muss, wie diese Familie immer weiter auseinanderfällt.
Oder Cyril, der mehr von Lydia will als nur Freundschaft, deshalb Rubys Freundin Lin hinhält und in einer Wolke aus Eifersucht eine falsche Entscheidung getroffen hat.
Oder, oder, oder.


Lydia - "Als unsere Lippen aufeinandertreffen, ist es, als würde ein Blitz in meinen Magen einschlagen. Es gibt unendlich viele Dinge, über die wir dringend sprechen müssen. Doch dieser Kuss wirkt wie ein Versprechen. Er verheißt, dass wir die Vergangenheit hinter uns lassen. Und dass in diesem Moment etwas Neues für uns beginnt."


Alle diese wunderbaren Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und werden mir nun fehlen, da ich die Reihe beendet habe. Der ganze Cocktail an neuen Problemen und Sichtweisen, der der ganzen Geschichte ein bisschen mehr Pepp verliehen, uns neue Hintergrundinfos geliefert und uns für unser Leben inspiriert hat kommt jetzt zum Ende und schließt die wichtigsten Handlungsstränge ab. Nach dem ganzen Drama war alles am Ende fast ein wenig zu leicht, aber über ein Happy End werde ich mich sicherlich nicht beschweren. Ein wenig Potential hat die Autorin allerdings verschenkt, indem sie ein paar Handlungsenden offen gelassen hat. Aber vielleicht wird es ja auch noch ein Spin-Off zu zum Beispiel Cyril und Lin oder Ember und Wren geben. Würde mich auf jeden Fall sehr freuen!


James - "Ich sehe sie prüfend an. Während im Hintergrund Keaton Hensons ruhige Stimme aus den Lautsprechern kommt, liegt Rubys Blick auf der untergehenden Sonne. Ich glaube, ich werde dieses Bild von ihr nie vergessen: die Röte auf ihren Wangen, die Haarsträhnen, die leicht im Wind wehen, ihre leicht geöffneten Lippen. Sie ist so schön, dass es mir manchmal den Atem raubt."


Fazit:

Nach diesem wundervoll vielseitigen Abschlussband entlassen wir die wundervollen Charaktere gerne in ihre wohlverdiente Zukunft. Wir Leser haben mitgelitten, mitgeliebt, mitgelacht, mitgeweint und auch mal mitgehasst während dieser Geschichte rund um alles, was eben im Leben passiert und den Mut, die Liebe, die Freundschaft, die Inspiration, die einem hilft, auch in den dunkelsten Stunden den Weg zu finden. Vielen Dank, liebe Mona, dass ich mit nach Maxton Hall reisen durfte!

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Tags: druck, freundschaft, inspiration, leid, liebe, träume, vertrauen, vorurteile, zukunft, zukunftsängste, zusammenhalt   (11)
 

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Save You

Mona Kasten
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei LYX, 25.05.2018
ISBN 9783736306240
Genre: Liebesromane

Rezension:

"Du hast mir das verdammte Herz rausgerissen. Und ich hasse dich dafür.
Aber ich liebe dich auch, und das macht das Ganze so viel schwerer."


Nach dem ich die "Again"-Reihe von Mona Kasten wirklich geliebt habe, war von Anfang an klar, dass ich auch die "Maxton Hall"-Reihe unbedingt lesen muss. Nach Band 1 war ich zwar angefixt, so wirklich überzeugt hat mich die Reihe aber noch nicht. Denn rein objektiv und sachlich betrachtet ist die "Save"-Reihe wohl eine Ansammlung oberflächlicher, klischeehafter Millionärsromane, die die Welt nicht braucht - aber ganz ehrlich: die Geschichten machen einfach trotzdem unheimlich viel Spaß zu lesen! ;-)

Zuerst mal wieder zum Cover. Es ist bis auf eine etwas dunklere, rötlichere Farbgebung dem Vorgänger- und dem Folgeband so ähnlich, dass man es auf den ersten Blick nicht unterscheiden kann, wenn man den Titel außen vor lässt. Natürlich ist es immer wichtig, dass die Teile einer Reihe optisch gut zusammenpassen aber hier finde ich es ein wenig zu viel des Guten. Auch wenn ich es mit der recht schlichten Gestaltung ohne nennenswerte Motive nicht unbedingt als Eye-Catcher bezeichnen würde, gefällt mir aber der Fokus auf dem Titel und die Kontrastierung der beiden Seiten, die langsam ineinander übergehen recht gut. Die obere Hälfte des Hintergrundes glitzert in goldenen Partikeln während die untere Hälfte in einem schlichten Creme-Weiß gehalten ist. Dadurch wird wunderbar die Gegenüberstellung der beiden im Buch dargestellten Welten verkörpert: die vor Glamour und Prunk glitzernde Welt der Oberschicht und die schlichte aber gemütliche Welt der Mittelschicht, aus der Ruby kommt.

Erste Sätze: "James ist betrunken. Oder zugedröhnt. Oder beides."

Die Geschichte beginnt unmittelbar nach dem Ende des ersten Bandes mit der Schilderung von James´ Zustand, nachdem er erfahren hat, dass seine Mutter gestorben ist und im Suff seine Beziehung zu Ruby mit einem einzigen Kuss zerstört hat. Direkt von Anfang an bekommen wir eine neue Perspektive präsentiert, die von James´ Schwester Lydia. Im Laufe der Geschichte bekommen wir auch außerdem noch Einblicke in Embers Gedankenwelt, welche die Schwester von Ruby ist. Nachdem sich Band 1 fast ausschließlich mit Ruby und James befasst hat und auch nur ihre Perspektiven eingenommen hat, wird der Horizont des Buches also um zwei Schicksale erweitert, die auch schon zuvor Anklang gefunden haben, wenn auch viel oberflächlicher.


"Es tut mir leid", flüstert er. "Was genau?", entgegne ich nach ein paar Sekunden heiser. An Silvester habe ich mir vorgenommen, das Kapitel "James Beaufort" zu schließen, doch jetzt... jetzt fühlt es sich an, als wären wir kurz davor, ein neues aufzuschlagen. "Alles." Die Antwort kommt postwendend. "Einfach alles."


Damit wird schon klar: die Handlung wird ein wenig breiter und flicht andere Handlungsstränge mit ein, was mir sehr gut gefallen hat. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass das auch bitter notwendig gewesen ist, denn nur von dem Ruby-James-Handlungsproblem hätte dieses Buch nicht leben können. Auch schon so ist die Geschichte mit Handlung relativ dünn bestückt und neigt dazu, Alltägliches zu schildern, Altbekanntes zu wiederholen und kleine Problemchen aufzubauschen. Zudem ist das Buch mit 360 Seiten und großer Schrift sehr dünn und ist somit von mir an einem tag durchgelesen worden. Wer also eine rasante, handlungsstarke Fortsetzung erwartet, wird enttäuscht werden. Stattdessen dürfen wir dabei zusehen, wie Ruby und James sich langsam wieder annähern und Rubys Entschluss, mit James fertig zu sein, immer mehr ins Wanken gerät. Wir erleben aufs Neue die prickelnde Anziehungskraft zwischen den beiden, die jeder vernünftigen Entscheidung ein Ende bereitet, die Konflikte zwischen ihren unterschiedlichen Welten und wie ihre Liebe versucht, gegen alle Widrigkeiten anzukämpfen. Also haben die zwei eine zweite Chance? Und wie entscheidet sich die schwangere Lydia, die nicht mit dem Mann zusammen sein kann, den sie liebt und nicht weiß, wie sie ihrem Umfeld die Schwangerschaft beichten soll? Und mit der selbstbewussten Ember, die auf einer Maxton Hall Party einen geheimnisvollen Typen kennenlernt...?


"Nächstes Jahr um diese Zeit wird alles anders sein: Schon in sieben Monaten werde ich - hoffentlich - meinen Abschluss vom Maxton Hall College in der Tasche haben. Und danach werde ich - hoffentlich - in Oxford studieren. Ich werde neue Dozenten haben und neue Kommilitonen. Ein Wohnheimzimmer in einer neuen Umgebung und neue Freunde. Ein neues, aufregendes Leben. Ein Leben ohne James Beaufort"


Auch wenn mich der Cliffhanger am Ende von Band 1 ein wenig genervt hat, hatte ich so wenigstens ein prägnantes Ereignis im Kopf, an das ich mich noch erinnern konnte und das mir den abermaligen Einstieg in die glamouröse Welt der High-Society-Schule Maxton Hall mit ihrem heftigen Druck, der auf den Schülern lastet, ihren fiese Intrigen, die Schüler, Lehrer und Eltern gleichermaßen umspannen, und ihren dunklen Geheimnissen deutlich erleichtert hat. Sehr gerne bin ich wieder in der Welt versunken, in der nichts ist, wie es scheint und in der jeder seine Probleme hat. Das lag unter anderem auch wieder an Mona Kastens typischem Schreibstil, der flüssig zu lesen, voller Anspielungen direkt aus dem Leben und dabei gleichzeitig sanft und eindringlich ist. Auch wenn mir hier einige unrunde Stellen und Szenenwiederholungen genau wie etliche Tippfehler aufgefallen sind, hat das nicht meinen Lesefluss beeinträchtigt und ich konnte trotz einiger Szenen, die mich gestört haben, das Buch in einem Rutsch durchlesen. Und das ist die große Stärke ihrer Bücher, die vielleicht nicht unbedingt alle tiefsinnig sind und das auch nicht sein müssen: wir haben es hier mit einer emotional berührenden, mitreißenden Geschichte zu tun, bei der die Seiten wie im Flug vorbeifliegen und man, schneller als einem lieb ist, auf der letzten Seite angelangt ist.


"Ruby hat mir auf der Rückfahrt zur Schule zwar deutlich gemacht, dass sie noch nicht bereit für das ist, was ich zu sagen habe. Aber diese Moment in der Fotobooth - als wir uns so nahe waren, Rubys Lippen nur ein paar Zentimeter von meinem Kiefer entfernt, und ich ihren stockenden Atem auf meiner Haut spüren konnte... In diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich nicht umsonst kämpfe. Und solange auch nur ein Funke Hoffnung für uns existiert, werde ich nicht aufgeben!"


Besonders gut gefallen hat mir an der Hauptperson Ruby, dass sie kein schwaches Opfer mit einer ganzen Latte aus Problemen ist, sondern eine emanzipierte, selbstbewusste, zielstrebige junge Frau darstellt, die genau weiß, was sie will und sich von nichts und niemandem herumschubsten lässt. Das macht sie auf jeden Fall sehr sympathisch und zur wunderbaren Identifikationsperson. Wir erleben Ruby als eine sehr engagierte, strebsame 17-Jährige, die sich klare Ziele gesetzt hat und mir so sofort ans Herz gewachsen ist - nicht zuletzt auch wegen ihrem süßen Ordnungstick und ihrer Liebe zu To-do-Listen, in der ich mich sofort wiedererkannt habe. Sie entwickelt sich durch Konflikt, Schmerz und Enttäuschungen immer weiter, lernt mit neuen Herausforderungen umzugehen und bleibt sich selbst dabei die ganze Zeit über treu. Dass sie dabei oft ein wenig überreagiert und nicht ganz nachvollziehbar handelt, ist wohl vor allem dem dünnen Plot und den überdramatisierten Handlungspunkten geschuldet und weniger ihrem Charakter an sich. Im Gegensatz zu etlichen pseudoromantischen, charakterlosen Dummchen, die einen Hang zum Stockholm-Syndrom zu besitzen scheinen, wird hier also endlich mal eine starke Frau im Young Adult Genre präsentiert, die auch ohne ihren männlichen Gegenpart charakterisiert werden kann und eigene Interessen und Ziele hat. Das ist erfrischend neu zu lesen!

Nachdem wir James im ersten Band erstmal als scheinbar typische Verkörperung eines reichen Bad Boys kennenlernen, der als erfolgreicher Lacrosse-Spieler, Erbe eines milliardenschweren Modeimperiums und König des Colleges alles verkörpert, was Ruby nicht ausstehen kann - Überheblichkeit, Macht, Rücksichtslosigkeit - und sich scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste und ohne festes Ziel vor Augen durch sein Leben taumelt, wissen wir mittlerweile besser Bescheid über ihn und sein Leben. Dass er seine vorgeplante Zukunft, all die Erwartungen und Vorurteile, die auf ihm lasten als erdrückend wahrnimmt und es kaum wagt, nach vorne zu blicken, wird schnell klar. Dass er aber in der Lage ist, für etwas zu kämpfen was er will, mit Entschlossenheit, Überzeugung und aus tiefstem Herzen lieben kann, das ist etwas, was er erstmal selbst über sich lernen muss, während er Rubys Vertrauen langsam wieder zurück erkämpfen muss.


"In meinem Leben gab es noch nie jemanden, der sich so für mich interessiert hat wie Ruby. Ich hatte noch nie jemanden, an den ich morgens als Erstes denke und dessen Gesicht ich vor Augen habe, wenn ich schlafen gehe. Und es gab noch nie jemanden, der meine Träume hat wahr werden lassen wollen. Alles, was geschehen ist, hat mich verändert. Ich bin nicht mehr dieselbe Person, die ich vorher gewesen bin. Aber wenn es eine Sache gibt, für die ich kämpfen möchte - dann ist das Ruby."


Mit Ember, Lydia und den anderen Mitglieder der Maxton-Hall-Clique kommt ein ganzer Cocktail an neuen Problemen und Sichtweisen auf uns zu, die der ganzen Geschichte ein bisschen mehr Pepp verleihen. Hier werden Charakter weiterentwickelt, neue Andeutungen gemacht und neue Bekanntschaften herausgebildet. Ich bin sehr gespannt, was da im dritten Band noch so auf uns zu kommt und ob ich mit einigen Vermutungen richtig liege...

Dass Mona Kasten uns am Ende noch einmal eine sehr vorhersehbare Wendung zum Schlechten hineindrücken musste, um den Lesern auch noch das Warten auf den dritten Teil zu vermiesen, fand ich wirklich unnötig. Es endet mit einer fatalen Anschuldigung, die ja ganz spannend zu klären wird, aber das Ganze dann am Ende noch auf James zu schieben, was sich bestimmt innerhalb von einer Seite als Missverständnis herausstellen kann, ist wirklich nicht notwendig gewesen.
Ich habe auf jeden Fall gleich den dritten Teil zur Hand und werde weiterlesen.


"Woran denkst du?", flüstert er und streicht mir mit den Fingern über meine Haut.
Daran, dass ich verliebt in dich bin.
Daran, dass du der einzige für mich bist.
Daran, dass mir das Angst macht.
"Ich habe gerade darüber nachgedacht, dass wir in Zukunft mehr miteinander reden müssen. Über unsere Probleme. Damit nicht noch mal etwas … Schlimmes passiert", antworte ich zögerlich. James sieht mich eindringlich an. In seinem Blick liegt eine Entschlossenheit, die ich so noch nie an ihm gesehen habe. "Wir bekommen das hin, Ruby."
Ich schlucke schwer, "Bist du dir sicher?"
Er nickt kurz. Nur einmal. "Ja, bin ich."


Fazit:

Die Fortsetzung eines typischen, nicht gerade originellen New Adult Märchens, das aber dennoch mit einer mitreißenden, berührenden Atmosphäre, einer bewegenden, dramatischen Liebesgeschichte und einem intensiven, emotionalen Schreibstil unterhalten konnte. Auch wenn der Geschichte eine ernsthafte Handlungsgrundlage fehlt und demnach alles ein wenig überzogen wirkt, konnte sie mich mitreißen und ich bin gespannt auf Band 3.

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Tags: angst, college, dramatik, emotionen, erfolg, freundschaft, geld, high society, hoffnungslosigkeit, liebe, macht, perspektiven, zukunft, zurückgewinnen   (14)
 

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Wicked - Eine Liebe zwischen Licht und Dunkelheit

Jennifer L. Armentrout , Michaela Link
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.09.2018
ISBN 9783453319769
Genre: Fantasy

Rezension:

 Allgemeines:

Titel: Wicked - Eine Liebe zwischen Licht und Dunkelheit
Autor: Jennifer L. Armentrout
Verlag: Heyne Verlag (10. September 2018)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3453319761
ISBN-13: 978-3453319769
ASIN: B07C42LDT1
Originaltitel: Wicked - A Wicked Trilogy Book 1
Preis: 14,99€ (Broschiert)
11,99€ (Kindle-Edition)
Seitenzahl: 480 Seiten
Weitere Bände: Torn; Brave
 

Inhalt:

Auf den ersten Blick ist Ivy Morgan eine normale junge Frau: Sie genießt das Studentenleben in New Orleans, und ist, seit dem tragischen Verlust ihrer ersten großen Liebe, überzeugter Single. Nur wenige ihrer Freunde wissen, dass Ivy einem Orden angehört, der die Menschen in New Orleans vor übernatürlichen Wesen schützt. Eines Tages wird Ivy von einer Fae angegriffen und schwer verletzt. Schnell ist klar, dass es bei dem Fae-Angriff nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann, deshalb schickt der Orden seinen Elite-Mann Ren Owens nach New Orleans, um die Sache gemeinsam mit Ivy aufzuklären. Ren ist attraktiv, arrogant und flirty – alles Dinge, die Ivy gehörig auf die Nerven gehen. Doch er ist auch so verboten sexy, dass sie ihm schon bald nicht mehr widerstehen kann …

Bewertung:

Als ich gelesen habe, dass Jennifer L. Armentrout nach ihren Ausflügen zur Erotik, zum Thriller und zum Young-Adult endlich wieder ihrem besten Genre, der Fantasy, zuwendet, habe ich vor Freude Luftsprünge gemacht. Denn nachdem ihre Liebesgeschichten zwar alle nicht schlecht aber noch lange nicht so gut wie zum Beispiel "Dark Elements" (sorry, diesen Vergleich werdet ihr leider noch öfter lesen) war, habe ich dringend mal wieder eine Reihe gebraucht, die mich wieder richtig umhaut. Ob das diese Reihe wirklich sein kann, weiß ich noch nicht sicher, doch auch wenn es vom Schema ihren vorherigen Reihen unglaublich ähnlich ist und nichts wirklich unfassbar Neues beinhaltet, hab ich es sehr gemocht. Denn kaum eine Autorin weiß es besser, mich mit humorvollen Anspielungen zum Lachen, mit interessanten Protagonisten zum nachdenken, mit prickelnder Liebe zum Schmachten, mit epischen Kämpfen zum Mitfiebern und mit schockierenden Wendungen und Cliffhangern zum fluchen zu bringen.

Doch beginnen wir wie immer mit dem Cover. Auch wenn die Gestaltung nicht wirklich outstandig besonders ist, gefällt mir die kräftige smaragdgrüne Farbe, sowie die feine Oberfläche des goldenen Flügels, der als Hauptmotiv abgedruckt ist. Zusammen mit dem grellen Pink des Titels und der schön geschwungenen Schrift ergibt sich eine runde Gestaltung, die auch in den Folgebänden sehr hübsch weitergeführt wird. Was ich leider erst ganz zum Schluss bemerkt habe, ist dass im Umschlag des Buches ein Stadtplan von New Orleans zu finden gewesen wäre, welcher die wichtigsten Standorte im Buch kennzeichnet. Dadurch dass ich mit dieser Stadt bislang gar nichts am Hut hatte, wäre das ein ganz nützliches Extra gewesen ;-) Im hinteren Teil des Umschlages ist noch eine Vorschau auf die kommenden Teile der Trilogie gedruckt, die zum Glück alle sehr bald erscheinen werden!
 


Erster Satz: "Mir lief der Schweiß von der Stirn, und Strähnen meines roten Haares klebten mir feucht im Nacken."


Ganz nach dem altbekannten Stil werden wir von der Autorin einfach voll in die Geschichte rein geworfen: ohne jegliche Vorwarnung findet man sich mit der 21 jährigen Ivy Morgan in der brütenden Hitze New Orleans wieder, wo sie mit ihrer besten Freundin Val vor ihrer abendlichen Schicht einen eiskalten Kaffee genießt und ihre Notizen aus dem Philosophiekurs durchgeht. Klingt soweit alles nach einer normalen Studentin oder? Nun ja, wenn man davon absieht, dass sie ihre Schicht nicht etwa in einer Bar mit einem Tablett in der Hand sondern auf den Straßen der Stadt mit einem Eisenpflock bewaffnet herumbringt und dass sie dabei anstatt Tische zu säubern, die Straßen von Fae befreit. Denn sowohl Ivy als auch Val gehören zu einem verborgenen Orden, der Nacht für Nacht dafür sorgt, dass die Fae, die aus der Anderwelt in unsere Welt strömen, hier versteckt durch Sinnestäuschungen Menschen unter Einfluss nehmen, aussaugen und Angst und Schrecken verbreiten, nicht Überhand nehmen.


"Verdammte Fae", murmelte Val. Sie sprach mir aus der Seele. Die Fae hatten mir alles genommen. Nicht nur einmal, sondern zweimal, und ich hasste sie mit der brennenden Kraft von zehntausend Sonnen."


Schon seit ihrer frühesten Kindheit auf diese Aufgabe vorbereitet jagt sie Nacht für Nacht die übernatürlich schönen und gefährlichen Monster, bis... sie eines Tages an den Falschen gerät und schwer verletzt wird. Doch hat sie sich wirklich nur eingebildet, dass die Haut dieses besonderen Fae nicht silbern war und er auf den sonst tödlichen Eisenpflock nicht reagierte, ist sie wirklich nur so verrückt wie alle glauben? Als Strafe für ihre Beharrlichkeit bekommt sie den neuen Jäger aufgedrückt. Ren heißt das neue Ordensmitglied, das erst vor kurzem nach New Orleans gekommen ist und nun durch die Stadt geführt werden muss. Doch sehr bald muss Ivy feststellen, dass das eigentlich keine Strafe ist. Denn der rätselhafte Neue weiß nicht nur erstaunlich viel über die dunklen Geheimnisse der Stadt und scheint ihr ihre Geschichte zu glauben, er ist auch unglaublich heiß und scheint stark an Ivy interessiert zu sein. Wird Ivy ihm eine Chance geben, obwohl sie ihre erste große Liebe verloren hat und die sich zuspitzende Lage in der Stadt auch nichts Gutes verheißt...?


"Einer seiner Mundwinkel zuckte in die Höhe, und er küsste mich erst auf die Stirn, dann auf die Nasenspitze. "Lass uns von hier verschwinden" Wie einer der Menschen aus dem Club, der gerade von einem Fae ausgesaugt worden war, bewegte ich mich, als wäre ich vollkommen benommen, als würde ich unter Wasser laufen. Und als ich Ren zu seinem Pick-Up folgte, wusste ich nicht länger, was gefährlicher für mich war - die Fae oder Ren, denn beide hatten die macht, mich in die Tiefe zu ziehen."


Wie die Prioritäten der Autorin zwischen Handlung und Sonstigem gesteckt sind, lässt sich relativ schnell feststellen: es gibt kaum eine Seite, in der Ren nicht mindestens einmal genannt wird.
Da ich ihn aber sehr mag und jede Seite ohne ihn eine langweilige Seite ist, hat mich das absolut nicht gestört ;-) Auch wenn der Orden, das Problem mit den "Älteren" und mit dem Plan der Fae am Anfang ein wenig stiefmütterlich behandelt wird und das Ganze eher als nette Kulisse für die Lovestory erscheint, wird die Geschichte auch immer wieder durch actionreiche Szenen und neue Erkenntnisse gewürzt. Ich kann die vielen kritischen Stimmen aber auf jeden Fall verstehen: durch die klar im Fokus stehenden Liebesgeschichte zwischen Ren und Ivy und die dabei auch nicht zu kurz kommende Erotik verspielt die Geschichte ein wenig ihres Potentials. Doch... was nicht ist, kann ja noch werden. Immerhin gibt es ja noch zwei nachfolgende Bände.

Versteht mich aber nicht falsch - auch wenn erstmal nicht besonders viel passiert, wird es nicht langweilig. Das Buch wartet mit sowohl mit romantischen, als auch mit actionreichen Szenen auf, was aber vor allem wieder prägend ist, ist der treffende Humor, der allen Problemen die Spitze nimmt und die Geschichte unglaublich unterhaltsam macht. Wir bekommen es hier wieder mit einer Menge wohlplatzierter Anspielungen auf Disney- Filme, "Harry Potter", "Der Herr der Ringe", "Twilight" und "The Walking Dead" vorgesetzt. Rens und Ivys Sarkasmus, ihre Zweideutigkeiten, die vielen Insiderwitzen und vor allem die unglaublich lustigen und auch oft peinlichen Konversationen haben mir zusätzlich praktisch ein Dauergrinsen ins Gesicht tapeziert.


"Du magst mich." Ren ließ mich los und lächelte mich an, dieses engelhafte Gesicht der Inbegriff von Unschuld. "Du bist nur noch nicht bereit, es zuzugeben."


So auch der wie gewohnt bildhafte, humorvolle und lockere Schreibstil der lieben Jennifer. Wortgewandt, witzig, dabei voller Andeutungen, Metaphern und mit grandiosen Beschreibungen von Gegebenheiten, Ereignissen, Emotionen und magischen Elementen führt sie uns durch die Geschichte, sodass die fast 500 Seiten wie im Flug vergehen.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Charaktere, auch wenn diese es leider nicht mit anderen ihrer Reihen (zum Beispiel mit Layla und Roth aus "Dark Elements") aufnehmen können. Die junge Ivy ist auf jeden Fall eine Kämpferin, was sie auch gerne in etlichen Situationen demonstriert. Damit war sie mir sehr sympathisch, auch wenn sie diesen typischen "OMG-ich-bin-so-hässlich"-Komplex hat, den wohl alle YA-Protagonistinnen haben müssen (seufz). Ich wäre froh, wenn ich ihre wilden Merida-Locken hätte. Naja, Aussehen mal beiseite, sie ist auf keinen Fall jemand, der sich hinter einem starken Retter versteckt und gerne das Opfer spielt. Doch hinter ihrer toughen Fassade versteckt sie eine ganze Menge Schmerz und anderes emotionales Gepäck, was mich wirklich überzeugen konnte, auch wenn die Autorin ihrem Konflikt nicht besonders viel Zeit widmet. Nachdem sie ihre große Liebe Shaun an die Fae verloren hat und sich ihre eigene Schuld daran nicht verzeihen kann, hat sie sich geschworen, dass sie keine Männer mehr braucht und will... Bis Ren in ihr Leben tritt, der nicht nur verboten gut aussieht, sie charmant umwirbt, genau weiß, was er will und einfach nicht aufgeben will. Gerade durch diese Beharrlichkeit kommt der Love-Plot sehr schnell zum Ziel, wodurch eigentlich die Luft recht schnell draußen ist. Auf der anderen Seite mochte ich die beiden sehr zusammen und fand es außerdem sehr erfrischend, dass nicht erst fünfzigtausend Probleme aus dem Weg geräumt werden und etliche Dreiecksbeziehungen ausgelotet werden mussten, bis sie sich endlich aufeinander einlassen. Ren ist natürlich cool, aber... er ist nun mal nicht Roth (sorry, Ren aber mit einem sexy Hohedämon der Hölle, der immer einen Spruch auf Lager hat, der seine dämonischen Haustiere nach Disney-Figuren benennt und einfach unwiderstehlich ist, kannst du es leider nicht aufnehmen, grins).


"Ich... ich habe alle Menschen verloren, die ich geliebt habe." Meine Stimme brach, und seine Fassung bröckelte. "Ich habe alle verloren" (…) Ich wollte mich abwenden, aber er ließ meine Hände los und hielt mich an den Oberarmen fest.
"Ich bin immer noch hier." Er senkte den Kopf und sah mir in die Augen. "Mich hast du nicht verloren."


Als Bonuscharakter und meinen persönlichen Liebling lernen wir den kleinen Tink kennen. Mit "klein" meine ich auch wirklich klein, denn der gute ist nur etwa 30 Zentimeter groß, auch wenn er ein Temperament für zwei Meter hat. Genau wie die Fae ist auch er ein magisches Wesen aus der Anderwelt, der durch einen Zufall durch eines der Tore nach New Orleans geschleudert wurde und daraufhin von Ivy aufgenommen wurde. Anders als seine großen, bösen Heimatgenossen hat er es sich jedoch nicht zum Ziel gemacht, die Erde zu zerstören, sondern richtet all seine kriminelle Energie lieber darauf, Ivys Amazon-Passwörter zu knacken, Cornflakes-Packungen zu klauen, seltsame Orgien mit Trollpuppen zu veranstalten und die Harry-Potter-Filme durch zu suchten. Dass er auch noch ein besonderes Faible für Dobby hat und ganz nach seinem Artnamen "Brownie" wunderbar leckeren Schokoladenkuchen backen kann macht ihn natürlich super sympathisch und zum perfekten Mini-Mitbewohner, auch wenn das kleine Kerlchen eine Menge Geheimnisse zu verbergen hat...

"Du würdest mich doch nicht belügen, oder Tink?"
"Nein" er grinste. " Du hast Amazon Prime."


Das Ende ist mal wieder auf die typische Armentrout´sche "haha-du-dummer-Leser-hier-hast-du-einen-krassen-Cliffhanger-jetzt-komm-damit-klar-und-zerbreche-dir-darüber-den-Kopf-bis-der-nächste-Teil-rauskommt"-Art, für die ich sie wirklich hassen könnte. Aber nur fast, denn dafür habe mich bei dieser Geschichte viel zu oft mit breitem Grinsen auf meinem Bett gesessen und mir gewünscht, in die Geschichte eintauchen zu können.


Fazit:

Ein sicherlich ausbaufähiger Auftakt einer leidenschaftlichen Fantasy-Reihe, die mehr Wert auf die Liebesgeschichte legt, als auf die Haupthandlung. Dennoch ein spannendes, witziges und ganz schön durchtriebenes Lesevergnügen!

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Tags: anderwelt, anziehungskraft, fae, fantasy, gefahr, kampf, leideschaft, liebe, orden, trauma, verrat   (11)
 

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Ich gebe dir die Sonne

Jandy Nelson , Catrin Frischer
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei cbt, 13.08.2018
ISBN 9783570312223
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Erster Satz: "So fängt alles an."

So fängt sie an, die Geschichte, wie NoahundJude zu Noah und Jude wurden - eine Geschichte
voller Wirrungen, Missverständnisse, Hass und Schmerz, voller Versöhnung, Liebe, Freundschaft und Glück. Wir werden in unsichtbare Museen entführt, bekommen Ratschläge von toten Großmüttern, lernen Kometen-sammelnde Jungen kennen, ziehen schwebende Kleider an und sehen zu wie sich die Prophezeiung des Papageis "Prophet" erfüllt.
Klingt verwirrend? Lest einfach diese starke, mitreißende, emotionale, tiefschürfende, vielschichtige, manchmal fast schmerzhaft reale Geschichte, am Ende werdet ihr alles verstehen und mit einem sinnigen Lächeln die Buchdeckel zuklappen!!!

Zuerst zum Cover - das (hurraaa) sehr stark dem englischen Original nachempfunden ist. In einem starken Gelbton und mit einer krakeligen, schwarzen Sonne als einziges Motiv ist es auf der einen Seite schlicht, auf der anderen jedoch eine perfekte Verkörperung des Buches. Einzigartig, bunt, künstlerisch und ergreifend - man kann die immense Wucht und Leuchtkraft der Geschichte schon durch die Buchdeckel schimmern sehen. Wer sich vielleicht zu Beginn über den Titel wundert wird bald über den Insider der Zwillinge stoßen, der den Titel zur passenden Vervollständigung eines Gesamtkunstwerks macht.


"Okay", sagt sie. "Bäume, Sterne, Meere. In Ordnung."
"Und die Sonne, Jude."
"Oh, na gut", sagt sie zu meiner großen Überraschung.
"Ich gebe dir die Sonne."
"Dann habe ich jetzt praktisch alles!", sage ich. "Du bist ja verrückt!"
"Aber ich habe ihn."



Wir steigen ohne Umschweife in die Geschichte von NoahundJude ein, die Geschichte von zwei gleichen, ungleichen Zwillingen, die mit dreizehn so unzertrennlich sind, dass ihre Namen immer nur zusammen genannt werden, während sie mit 16 kein einziges Wort mehr wechseln. Fragt sich nur: was ist passiert, dass aus dem künstlerisch begabten Außenseiter Noah eine beliebte Frohnatur geworden ist, die sämtliche Kunst aus seinem Leben verbannt hat, während die eigentlich abenteuerlustige und beliebte Jude, die jeden Jungen um den Finger wickeln konnte, allen männlichen Wesen den Boykott erklärt und sich hinter Ton-Statuen vergräbt, die immer wieder zerbrechen? Eine Frage, die wir Stück für Stück lösen müssen, während wir uns in zwei Zeitebenen immer weiter an die Wahrheit herantasten.

Die erste Perspektive, durch die wir an die Geschichte herangeführt werden, ist die von Noah mit 13 Jahren. Die Kapitel aus seiner Sicht sind mit dem Titel "Das unsichtbare Museum" versehen, da darin Noahs Gedanken durch Selbstporträts unterstützt werden, die er in seinem Kopf malt. Ihm dabei zuzusehen, wie er die Welt aus Farben immer wieder neu erschafft hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es nicht immer leicht ist, sich in ihn einzufühlen. Als Eröffnung dient eine Szene, in der er von ein paar älteren Jungs fast von einer Klippe geworfen wird. Durch diese erste Szene, die etwas befremdlich auf den unvorbereiteten Leser wirkt, werden die Grundprobleme von Noahs Existenz beschrieben, ohne dass wir das bemerken würden. Durch seine hingebungsvolle Liebe zur Kunst und die zurückhaltende Art, wird er von vielen als "seltsam" abgestempelt und ist ein klarer Außenseiter (Selbstporträt: "Junge in einer Kiste Dunkelheit"). Als er dann auch noch merkt, dass er auf die Anwesenheit von gutaussehenden Jungs anders reagiert als andere (Selbstporträt: Betontorpedo), ist er sich sicher: er ist ein hoffnungsloser Fall (Selbstporträt: der kaputte Regenschirm). Dass er mit einer göttlichen Gabe versehen ist, sehr wahrscheinlich an einer renommierten Kunstschule aufgenommen wird und seine Mutter unglaublich stolz ist, tröstet ihn kaum darüber hinweg, dass Jude als draufgängerische Surferin, beliebte Schönheit und ganz normale Vorzeigetochter der klare Liebling ihres Vaters ist (Selbstporträt: Grün vor Neid). Doch so einfach ist das nicht mit den beiden Zwillingen. Obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten verbindet die beiden eine Beziehung sondergleichen...


"Und?" Er haucht dieses Wort mehr, als dass er es sagt - und da weiß ich, dass er es auch fühlt. Ich denke an die beiden Typen am Himmel, die Schiffe zum Sinken bringen, die Dinge in Flammen gehen lassen - einfach so, ohne Vorwarnung. "Es ist verrückt, dass es passiert", hat er über sie gesagt. "Aber es passiert einfach."
Es passiert einfach. Es passiert uns."


Gerade als Noahs Welt durch die Ankunft eines wunderbaren, schrägen, liebenswürdigen, cleveren Jungen mit einem Koffer voller Sterne Kopf zu stehen beginnt (Selbstporträt: Adam und Adam im Paradies), wechseln wir in die zweite Sichtweise auf die Geschichte: die von der 16jährigen Jude. In keinem Vergleich zu der blonden, aufgeschlossenen Schönheit, die wir zuvor kennengelernt haben, steht nun die verbitterte, zurückgezogene Invalidin, die mit sackartigen Kleidern und kurzen Haaren den Männer-Boykott ausgerufen hat und - Überraschung - statt Noah auf die Kunstschule CSA geht. Denn dieser hat alle Farben ausgekippt, alle Kunstwerke verbrannt und das unsichtbare Museum in seinem Kopf mit Schwarz übergossen, springt von Klippen und geht lieber mit Freunden laufen, als alleine zu malen. Da sich Jude sicher ist, dass der Geist ihrer Mutter ihre Kunstwerke aus Ton zerstört, sucht sie einen Steinbildhauer auf. Und als sie auf den durchgeknallten Künstler Guillermo Garcia trifft, der riesige Steingiganten erschafft um dem Schmerz in seinem gebrochenen Herzen Luft zu verschaffen und Oscar, den charmantesten Engländern kennenlernt, gegen den selbst die Bibel ihrer Großmutter mit hilfreichen Tricks nicht mehr hilft, ahnt sie noch nicht, dass ihr Leben und das von Noah vor einer erneuten Wende steht...


"Wenn das Unglück weiß, wer du bist, dann werde jemand anders."



Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, wie sich mit jeder Seite mehr Wirrungen und Verbindungen ergeben, weitere erdrückende Geheimnisse zum Vorschein kommen und langsam jedes Puzzleteil seinen Weg in die Geschichte findet. Durch etliche Andeutungen kommen wir dem Geheimnis immer näher, was dafür gesorgt hat, dass die zerrüttete, in zwei Lager gespaltene Familie endgültig zerbrach, dass die beiden Zwillinge weit auseinander gedriftet sind und ihre Rollen getauscht haben.

Wie auch das Leben der beiden ist das Buch ein stimmungsmäßiges Auf und Ab. Mal wunderschön, mal tieftraurig; mal voller Leben, mal hoffnungslos; mal voller Freude, mal voller Verzweiflung; mal voller Ärger, dann voll Versöhnung. Während die irren Aberglauben und skurrilen Lebensweisheiten von Grandma Sweetwine in Judes Perspektive sowie die mitreißende Leidenschaft der Kunstbeschreibungen in Noahs Perspektive immer wieder zum Schmunzeln und Träumen anregen, wirken die vielen kleinen Wahrheiten, die in der Beschreibung einer familiären Beziehung stecken immer wieder wie ein Messer in die eigene Brust. Der immensen Konkurrenzkampf der Zwillinge, rasende Eifersucht, düstere Geheimnisse, kleine, nicht böse gemeinte Bemerkungen, große Verluste, böse Streiche und Nicht-Ehrlich-Sein-Können - da ist auch so viel Schmerz in der Geschichte, wie ihn nur Teenager empfinden können, die sich von der ganzen Welt unverstanden fühlen. Zum Lachen und Weinen, Lieben und Hassen ist die Geschichte der beiden Zwillinge, die sich gleichzeitig näher sind als alle anderen Menschen der Welt, sich dadurch aber immer wieder selber von sich stoßen.


"Wir atmen und treiben dahin. Ich stelle mir vor, wie wir durch den Nachthimmel zum strahlenden Mond schwimmen, und hoffe, dass ich mich morgen früh noch an das Bild erinnere, damit ich es malen und ihr schenken kann. Bevor ich ganz weg bin, höre ich sie sagen: "Ich liebe dich immer noch am meisten" und ich erwidere: "Ich auch."


Mitten in all den Schmerz und die Verwirrung platzt bei beiden die Liebe. Wir haben es hier zwar mit ganz vielen verschiedenen Arten von Liebe zu tun - vor allem Geschwisterliebe - doch auch die Romantik kommt nicht zu kurz. Denn sowohl Noah als auch Jude haben laut ihrer Großmutter eine beneidenswerte Liebeslinie in der Handfläche. Während Noah sich für Brian mit seiner Sexualität auseinandersetzten, über gesellschaftliche Konventionen hinwegsetzten und entscheiden muss, was ihm wirklich wichtig ist, muss Jude für Oscar ihren Boykott brechen und sich mit ihrer Schuld beschäftigen, die sie in der Vergangenheit auf sich geladen hat.

Mitten in dem ganzen Durcheinander aus Gefühlen und verwirrenden Andeutungen der beiden besonderen Charakteren sitzen viele wichtige Themen versteckt: neben der Kunst und der Liebe geht es vor allem um Trauerbewältigung, Homosexualität, Selbstfindung und die Fähigkeit, sich selbst verzeihen zu können. Wenn man von den strahlenden Kunstwerken, den Geistern von toten Großmüttern mit irren Ratschlägen und heftigen Schicksalsschlägen einmal absieht, lassen sich etliche Probleme und Gedanken wiederfinden, die mal subtil versteckt, mal klar hervorgehoben, sensibel und facettenreich direkt etwas für den eigenen Alltag mitgeben.


"Guillermo hat gesagt, die Risse und Brüche seien das Beste und Interessante an den Arbeiten meiner Mappe, fällt mir ein. Vielleicht ist es mit Menschen und ihren Rissen und Brüchen dasselbe."


Dass dem Buch dieser ganz besondere Zauber von Lebhaftigkeit und sprühender Kreativität innewohnt, hat es vor allem dem Schreibstil von Jandy Nelson zu verdanken. Sie schreibt so bildhaft, dass sie einen direkt ins Herz zu treffen scheint und lässt dabei wie Noah vor seinem inneren Auge im Kopf des Lesers farbenfrohe Bilder von berührenden Wundern, strahlenden Malereien, schwebenden Kleider und dunklen Abgründen entstehen. Mitten ins Leben setzt sie skurrile Nebenpersonen wie der nur mäßig hilfreiche Geist von Grandma Sweetwine oder den rustikalen Bildhauer Guillermo, der "mit den Händen wünschen" kann und erstaunt immer wieder aufs Neue, wie viel Ungewöhnliches man im lauen Alltag finden kann, wenn man nur genau hinsieht. Gefühlvoll und unheimlich stark spinnt sie zarte Fäden um aus ein wenig Emotionen, Gedanken, Bilder und Formen eine Geschichte zu schaffen, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde.

Das einzige, was mich nicht zu 100% begeistern konnte war das Ende, das nach dem heftigen Auf und Ab der Geschichte zwar eine angenehme Erleichterung bot, auf der anderen Seite aber doch fast ein wenig zu glatt, lau und einfach erschien. Dass selbst der vom Papagei Prophet so heftig verlangte Ralph gefunden wird, war für mich ein bisschen Zuviel des Guten. Aber ich werde mich ganz bestimmt nicht über ein Happy End beschweren, nicht nachdem ich 480 Seiten lang mitgelitten habe und neben ein paar Tränchen vor allem viel Schokolade, meine Fingernägel und Stunden Schlaf geopfert habe. ;-)


"Die Zeit ist reif für zweite Chancen. Die Zeit ist reif, die Welt neu zu erschaffen. (…) Die Maschine erwacht laut kreischend zum leben. Mein ganzer Körper vibriert elektrisiert, als ich den Stein in zwei Teile zerlege. Damit NoahundJude zu Noah und Jude werden.
"Du tötest sie?", fragt Guillermo ungläubig.
"Nein, ich habe sie gerettet."
Endlich."




Fazit:

Eine Geschichte über künstlerische Leidenschaft, über den ekstatischen Impuls und Dualseelen, die durch den unfassbaren Sturm aus starken, wunderschön passenden, hässlich schmerzhaften und vor allem wahnsinnig durchdringenden Emotionen begeistert hat.
Klug, leise, bunt und mit so viel Schmerz!

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Tags: dualseelen, emotionen, familie, freundschaft, homosexualität, kunst, leidenschaft, liebe, schmerz, seelen, tod, trauer, zusammenhalt   (13)
 

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VIP-Reihe / Idol – Gib mir die Welt

Kristen Callihan , Anika Klüver
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei LYX, 27.07.2018
ISBN 9783736306967
Genre: Liebesromane

Rezension:

Allgemeines:


Titel: Idol - Gib mir die Welt
Autor: Kristen Callihan
Verlag: LYX (27. Juli 2018)
Genre: News Adult
ASIN: B0777HMBRM
ISBN-10: 3736306962
ISBN-13: 978-3736306967
Originaltitel: Idol
Seitenzahl: 432 Seiten
Preis: 9,99€ (Kindle)
12,90€ (Broschiert)
 

Inhalt:


Er ist ein Rockstar. Die Welt liegt ihm zu Füßen. Doch er will nur sie.
Ruhig, unaufgeregt, zurückgezogen - so würde Libby Bell ihr Leben beschreiben. Doch das ändert sich, als sie eines Morgens einen fremden Typ in ihrem Vorgarten findet. Killian ist sexy und charmant - und ihr neuer Nachbar. Obwohl Libby sich nach dem Tod ihrer Eltern geschworen hat, niemanden mehr an sich heranzulassen, berührt Killian ihr Herz auf eine ganz besondere Art und Weise. Was Libby nicht weiß: Sie ist drauf und dran, sich in niemand anders als Killian James zu verlieben - Leadsänger und Gitarrist der erfolgreichsten Rockband der Welt …


Bewertung:


Kennt ihr diese Bücher, deren Lektüre eigentlich völlige Zeitverschwendung wäre, wenn es nicht so unglaublich Spaß machen würde, sie zu lesen? Dieses Buch ist so eine Geschichte. Wir haben es hier im Grunde mit einer typischen, völlig bedeutungslosen Rock-Star-Romanze zu tun, deren Unterhaltungswert jedoch trotzdem viel größer ist, als mein Gehirn sich eingestehen möchte. Manchmal muss es eben doch eine Romanze sein...

Das Cover bereitet schon gut auf die folgende Geschichte vor: bunt, schillernd, glamourös und sexy. Wir sehen den dunklen Umriss eines Musikers mit einer Gitarre in der Hand vor einem hellen Durcheinander aus Nebel, Scheinwerferlicht und Schattenspielen. Durch die verschiedenen Farben und Lichtstufen ist das Cover ein wirklicher Eye-Catcher, die Aufmerksamkeit wird auch gleich auf den großen Titel gerichtet. Auch wenn es nicht das schönste Cover ist, das ich je gesehen habe, passt es gut zur Geschichte und macht etwas her.

Erste Sätze: "Musik kann dein Freund sein, wenn du keinen hast, dein Liebhaber, wenn dich die Lust überkommt. Deine Wust, deine Trauer, deine Freude, dein Schmerz. Deine Stimme, wenn du deine eigene verloren hast. Ein Teil davon zu sein, der Soundtrack für jemandes Leben zu sein, ist wunderschön!"

Auf dieses Zitat von Killian folgt ein krasser, zweigeteilter Prolog, in dem aus Killians Sicht ein Teil der Vergangenheit und aus Libbys Sicht ein Teil der Zukunft beschrieben wird. Schon nach den ersten kraftvollen Worten hatte mich die Geschichte am Haken. Diese Kraft des Rhythmus´, die Dynamik der Massen und allgemein die Macht der Musik, die Leidenschaft, die Harmonie, wie sie hier auf diesen 420 Seiten beschrieben wird - die ist nur schwer zu umfassen und wird von Killians Zitat eigentlich ganz gut getroffen: man will ein Teil davon sein! Und durch diesen Roman werden wir für kurze Zeit Teil dieser verrückten, düsteren, lockenden Welt...


"Hast du je darüber nachgedacht?", flüstere ich. Sie sitzt vor mir. Ihre Haut schimmert im Abendlicht golden, ihre Augen glänzen wie matte Juwelen. Sie ist so verdammt wunderschön, dass es mir das Herz bricht. "Wie es wäre? Du und ich?"


Besonders gut gefällt mir, dass wir nicht auf die übliche "unscheinbares Mädchen schneit durch Zufall in das Leben des großen, mächtigen Rockstars"-Weise in die Geschichte einsteigen. Im Gegenteil: wir bekommen einen recht jämmerlichen, abgewrackten Typen präsentiert, der betrunken mit dem Motorrad in einen fremden Garten brettert und die wütende Besitzerin des Grundstücks auch noch ankotzt. Da sie dann doch Mitleid mit der Witzfigur hat, kümmert sie sich um ihn - nur um am nächsten Tag feststellen zu müssen, dass die Nervensäge ihr neuer Nachbar ist und in nüchterner, gewaschener Form durchaus besser aussieht und mehr Anziehung auf sie ausübt, als sie gedacht hätte. Dass die beiden, aus verschiedenen Gründen vor der Zivilisation geflohen, auf einer abgelegenen Insel leben, sonst keine Menschenseele in die Gegend kommt und Killian für seinen unrühmlichen Auftritt Wiedergutmachungsarbeit leisten muss beschleunigt das Unvermeidliche noch: die beiden kommen sich schnell näher. Dass Killian mit Nachnamen James heißt und Leadsänger von Kill John, der berühmtesten Rockband der Welt ist, was ihn damit zu einem absoluten Rockstar macht, spielt für die Entwicklung ihrer Beziehung gar keine Rolle - denn Libby hat davon keine Ahnung, bis sie es durch einen Zufall herausfindet. Und damit geht für sie die Tür in eine neue, schillernde Welt auf, in der sie die Erfüllung ihres sehnlichsten Traumes und gleichzeitig ihre schlimmsten Ängste auf sie warten...


"Wir singen, spielen und versuchen einander mit unserer obskuren Liedauswahl zu übertreffen. Und der Bus fährt unterdessen über den endlosen dunklen Highway. Ich weiß nicht, wo wir sind. Aber das ist nur Geografie. Zum ersten Mal habe ich eine Ahnung davon, wer ich wirklich bin."


Ganz wunderbar ist, dass das Kennenlernen in einem total isolierten Rahmen eine totale Fokussierung auf die beiden Protagonisten und ihre Beziehung zueinander ermöglicht und die beiden von Anfang an auf Augenhöhe agieren. Es gibt nichts nervigeres als Protagonistinnen, die sich total unterordnen, doch das kann man Libby nun wirklich nicht vorwerfen, was sie mir sehr sympathisch gemacht hat. Das wird auch vor allem dadurch erreicht, dass Libby selbst eine äußerst talentierte Musikerin und Sängerin ist und viel Potential mitbringt. Libby ist zu keinem Moment der Handlung ein kleines, naives Fan-Girl, das ihrem großen Idol hinterherrennt, sondern als starke junge Frau, die durch die etwas andere Einführung in die Geschichte Killian ebenbürtig ist. Als Tochter zweier Musiker, die aber bei einem Unfall vor Jahren gestorben sind, hat Musik schon immer eine wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt. Heimlich träumte sie auch schon seit Langem von einer Karriere und schrieb heimlich Songs. Doch dass plötzlich ein junger Mann in ihrem Leben auftaucht, sich als Killian James entpuppt und sie mit auf seine Tournee nehmen will, hätte sie nie zu träumen gewagt. Doch um dieses Angebot annehmen zu können muss Libby erstmal ihre Ängste besiegen, aus ihrer Isolation treten und ihre Vergangenheit fertig verarbeiten. Und als sie schließlich zu sagt, weiß sie noch nicht, dass viele neue Probleme der Rockwelt auf sie warten, die sie und ihre Liebe zu Killian auf die Probe stellen...


"Babe, wenn ich irgendetwas über Gelegenheiten gelernt habe, dann dass man selbst dafür sorgen muss, dass sie sich ergeben. Angst wird dich nur behindern. Du kannst die ganze Welt haben. Du musst nur danach greifen."
"Ich brauche die Welt nicht", flüstert sie.
"Was brauchst du dann?", frage ich ebenso leise.
Sie lässt die Hände zu meinem Hals wandern und schmiegt ihre Lippen an mein Gesicht.
"Dich."



Auch Killian ist ganz anders als das typische Klischee und auch wenn er natürlich dem Genretypischen Standard "sexy, heiß und mit Problemen belastet" entsprechen muss, ist er zu keinem Zeitpunkt der typische Bad Boy, was ich der Autorin wirklich hoch anrechne! Durch den stetigen Perspektivenwechsel zwischen Libby und ihm, konnte ich mich auch sehr gut in ihn einfühlen und nachvollziehen, was ihn in die Isolation getrieben hat. Zuzusehen, wie die beiden sich gegenseitig und durch die Musik wieder aufbauen und dann zusammen auf der Bühne stehen hat wirklich unglaublich viel Spaß gemacht.


"Spiel mit mir Liberty." Ich bringe einen erstickten Laut hervor. Ich kann vor Killian James keine Musik machen. Mit dem Mann Killian fühle ich mich wohl, aber der Musiker Killian schüchtert mich ein. Seine Stimme ist legendär - stark, rein und kräftig, mit einer Rohheit, die sich in die Seele des Zuhörers bohrt und daran zerrt. Er singt, und du spürst, dass er es nur für dich tut. Er nimmt deinen Schmerz, deinen Ärger, deine Freude, deinen Zorn, deine Trauer und deine Liebe und gibt ihnen eine Stimme."


Leider umfasst die bisherige Schilderung nur das erste Drittel des Buches. Im Anschluss, während die beiden zusammen auf Tour sind, wird die Handlung nämlich sehr unstringent, es ist zwischenzeitlich nicht ganz klar, wohin die Geschichte führt. Es scheint mir, dass die Autorin es für nötig gehalten hätte, die Zeit zwischen den Auftritten und den Liebesszenen mit irgendwelchen Problemen zu füllen und das Ergebnis dessen war ein Mittelteil mit viel unnötigem Hin und Her, wirklich nervigen Missverständnissen und unverständlichen Handlungsweisen, die alles vermeidbar komplizieren. Während viele Teile der Handlung durch riesige Zeitsprünge seltsam gerafft werden, kamen mir viele Probleme der Figuren künstlich und aufgebauscht vor. Vor einer Leseflaute hat mich in diesem Mittelteil nur die Einführung spannender neuer Charaktere wie zum Beispiel der wunderliche Manager Scottie, die aufgeweckte PR-Frau Brenna und natürlich die anderen Mitglieder von Kill John, Jax, Whip und Rye und deren unterhaltsames Zusammenspiel gerettet.


„Stunden werden zu Tagen, Tage zu Monaten. Und bevor man weiß, wie einem geschieht, sind Jahre vergangen, und man ist zu dieser Person geworden, zu jemandem, den das jüngere Ich nicht mal mehr erkennen würde. Meine Eltern sind gestorben, und irgendwie bin ich es auch. (…) Ich habe mich einfach zurückgezogen und bin nie wieder aufgetaucht. Killian wollte mich mit Gewalt zurück in die Welt der Lebende zerren. Jetzt ist er fort. Und ich habe ihn gegen lassen!"


Insgesamt hat mir die Darstellung der Kraft der Musik sehr imponiert und auch wenn ich die Sprache an einigen Stellen viel zu derb und die Ausdrucksweise der Charaktere manchmal als störend empfunden habe, hat mir der ehrliche Schreibstil der Autorin grundsätzlich gefallen. Auch der Witz und Humor, der den Umgang der Protagonisten Großteils prägt hat die Lesestimmung verbessert. In Zusammenspiel mit der sich zuerst leise entwickelnden Beziehung der Protagonisten hat die wilde Mischung aus Nervenkitzel, Adrenalinrausch, Scheinwerferlicht, Musik, Ruhm neben den Schattenseiten der Berühmtheit wie Groupies, Drogen, Paparazzi, Abhängigkeit vom Plattenvertrag, die in schnellem Tempo immer wieder gegenüber gestellt werden, die mitreißende Wirkung des Romans ausgemacht.


"Ihre Stimme ist wie geschmolzene Butter auf Toast. Sie ist voller Sehnsucht, weich und heiser. Verlangen. Darin steckt so viel Verlangen. Und Schmerz. (…) "Wunderschön", krächze ich um den Kloß in meiner Kehle herum. "Du bist wunderschön." Ich weiß mit einer unheimlichen Ruhe, dass ich in meinem ganzen Leben nie wieder etwas oder jemand so Umwerfendes sehen werde. Alles hat sich verändert. Alles!"


Vor allem hat mir aber gefallen, wie viele Anspielungen auf ältere Rocksongs, deren Künstler und wahre Geschichten sich hinter der Handlung verbergen. Natürlich führt der Titel "Idol" erstmal zu Killian und Kill John, doch es geht im Hintergrund auch viel um wahre Musikidole der vergangenen Dekaden, allen voran Kurt Cobain, David Bowie und Prince, die auch in der Widmung der Autorin erwähnt sind. Für alle, die sich nicht für die Rockmusik des letzten Jahrhunderts interessieren, werden viele Dinge in der Geschichte wohl unverständlich sein, doch Kristen Callihan hat wohl recht, wenn sie schreibt, dass uns diese Rockidole viel zu früh genommen wurden.


„Liebe bricht einem das Herz und bringt einen durcheinander…Sie ist ein perfektes, alles verschlingendes Chaos.“


Das Ende hat mir dann nach dem eher schwächelnden Mittelteil wieder gut gefallen. Auch wenn ich es als sehr abgeschlossen empfinde und nicht genau weiß, was Kristen Callihan in den folgenden Bänden noch thematisiere will, werde ich auf jeden Fall die Fortsetzung lesen!


Fazit:

Nimmt mit in eine verrückte, düstere, lockende Welt - bunt, schillernd, glamourös und sexy!
Trotz des schwachen Mittelteils eine ausdrucksstarke Romanze, die vor allem durch den wilden Mix aus Nervenkitzel, Rhythmus und Leidenschaft aber auch den Schattenseiten des Ruhmes und erstaunlich viel Feingefühl besticht.

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Tags: band, chaos, feingefühl, glamour, herz, leidenschaft, liebe, musik, rhythmus, rockstar, ruhm, song, welt   (13)
 

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Das Morpheus-Gen: Wenn du schläfst, bist du tot

Tibor Rode
E-Buch Text: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Entertainment, 27.07.2018
ISBN 9783732555932
Genre: Sonstiges

Rezension:

Allgemeines:


Titel: Das Morpheus-Gen: Wenn du schläfst, bist du tot
Autor: Tibor Rode
Genre: Thriller
Verlag: Bastei Lübbe (27. Juli 2018)
ISBN-10: 3431040861
ISBN-13: 978-3431040869
ASIN: B0774STM28
Seitenzahl: 432 Seiten
Preis: 11,99€ (Kindle-Edition)
15€ (Broschiert)

 
Inhalt:


 Für den New Yorker Anwalt David Berger gerät die Welt aus den Fugen: Seit Nächten kann er nicht schlafen, sondern bleibt rund um die Uhr wach. Kurz darauf werden seine Freundin und sein bester Freund ermordet, und für die Polizei steht fest, dass er der Täter ist. Unterstützung auf der Flucht erhält David von der Archäologin Nina, die aus unbekannten Gründen seine Nähe sucht. David wird bald klar: Das, was ihm bislang den Schlaf geraubt hat, kann ihn das Leben kosten. Er ahnt nicht, dass sich hinter seiner plötzlichen Schlaflosigkeit eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Menschheit verbirgt …


Bewertung:

Nicht mehr schlafen müssen, für immer wach sein. Was für den ein oder anderen nach einem Traum klingt, der die doppelte Lebenszeit verspricht, bedeutet für David Berger der absolute Albtraum. Denn: "Nicht mehr schlafen zu müssen, bedeutet gleichzeitig, nicht schlafen zu können" und in einer Welt wie dieser kann ein Tag, der niemals endet ganz schön lange sein...

Schon auf den ersten Blick verspricht Tibor Rodes neuer Thriller, eine spannende Lektüre zu sein. Insgesamt sehr düster gehalten sticht das grelle Rot des Titels und des Auges besonders stark hervor. Die schwarz-weiße Musterung der Federn der Eule im Hintergrund lässt das Bild sehr aufgeregt und bedrohlich wirken, was von dem stechenden Blick aus dem roten Auge mit der spiegelnden Pupille verstärkt wird. Ob nun die Wahl eines nachtaktiven Raubtiers als Anspielung gewollt ist oder nicht, haben wir es hier mit einem ansprechend gestalteten Thriller zu tun.

Erster Satz: "Man konnte vor dem Leben weglaufen, aber nicht vor dem Tod..."

Nachdem Rode mit einem Zitat von Homer die Geschichte eröffnet -"Der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes"-, stellt er außerdem einen kurzen, verwirrenden Prolog aus Potsdam im Jahre 1989 voran. Als er dann nach einem Kapitel, in dem gleich drei Leichen gefunden werden, deren Tatort auf den Rechtsanwalt David Berger als Täter hindeuten, einen weiteren Zeitsprung von vier Tagen wagt, in dem uns jener Verdächtiger als Hauptprotagonist vorgestellt wird, sind wohl alle Leser ein wenig ratlos. Vor allem als der junge Rechtsanwalt sich dann als kompetenter, ganz normaler US-Bürger entpuppt, der keiner Fliege etwas zu leide tun könnte. Doch als er von seinem Freund und Arbeitskollegen Alex neue, noch nicht zugelassene Tabletten zum Probieren erhält, stellt sich sein Leben komplett auf den Kopf: zuerst verlässt ihn der Schlaf, dann aus heiterem Himmel seine Freundin Sarah, nur um dann als Leiche mit Bissspuren am Hals wieder in ihrer Wohnung aufzutauchen, nachdem auch Alex ermordet wurde. Komplett verunsichert flieht David aus New York und begibt sich begleitet von der jungen Archäologin Nina auf die Spuren seines verstorbenen Vaters. Doch nicht nur die beiden wühlen in den alten Geheimnissen, auch eine geheime Bruderschaft und eine Militärorganisation haben Interesse an der Rezeptur, die nicht mehr schlafen lässt...

Es beginnt eine undurchschaubare, spannende Jagd durch New York, Berlin und Prag, die uns Leser immer wieder in Sackgassen lockt, überrascht, verstört und immer weiter in ein komplexes Konstrukt aus mehreren Handlungssträngen in Vergangenheit und Gegenwart führt. Vom New Yorker Untergrund und tückischen Geheimorganisationen über spannende Verfolgungsjagden durch Europa bis hin zu genetischer Wissenschaft und historischen Verknüpfungen hat die Geschichte einiges zu bieten. Durch viele angenehm kurz gehaltene Kapitel sind schnelle Szenenwechsel und Rückblenden in alle möglichen Zeiten und Orte möglich, die die Suche des Lesers nach dem roten Faden der verschiedenen Vorkommnisse fordern. Nach und nach fügen sich die einzelnen Szenen und die vielen Wendungen passend zu einem Gesamtbild zusammen und man erkennt nach etlichen Irrungen und Wirrungen den interessanten Hintergedanken, der diesem Thriller wirklich zugrunde liegt.

"Sein Blick wanderte zum Horizont, dem sie entgegenflogen. So sicher, wie sein bisheriges Leben nun hinter ihm lag, so unsicher war, was die Zukunft für ihn bereithielt. Dennoch hatte er das Gefühl, dass es auch eine Reise in seine Vergangenheit war. (...) Löste er ein Rätsel, würde er alle lösen."

Mit David Berger bekommen wir einen sympathischen Protagonisten vorgesetzt, mit dem wir gerne mitleiden und uns - wenn auch ein wenig skeptisch - an die Suche nach der Wahrheit anschließen. Immer wieder kamen mir Zweifel da durch Finten der Erzählweise offengehalten wird, ob er nicht doch der Mörder ist, doch je mehr wir gemeinsam herausfinden, desto mehr wird klar, dass er in ein Netz aus Geschehnissen geraten ist, die viel älter sind, als er...

Das zweite Standbein der Geschichte ist der NYPD Polizist Greg Millner, welcher aufmerksamen, treuen Lesern schon aus "Das Mona-Lisa-Virus" bekannt vorkommen könnte. Durch etliche, schillernde Nebenfiguren, deren Absichten alle nicht ganz klar sind, wird die Spannung ebenfalls angezogen.

"David hatte irgendwo einmal gelesen, der Sohn sei der verlängerte Arm des Vaters und vielleicht hatte es selten so zugetroffen wie in seinem Fall. Von nun an war er nicht mehr auf der Flucht. Er war auf einer Mission..."

Sehr gerne habe ich mich von Tibor Rodes flüssigem, einem Thriller angemessenen Schreibstil in die gut durchdachte Geschichte hineinziehen lassen. Eine allgemeine Schwäche des Genres ist jedoch, das auf Kosten der Spannung die Charaktere recht oberflächlich bleiben und an vielen Stellen Entwicklungspotential verpasst wird. Auch hier sind die Protagonisten eher statisch und aus manchen Szenen ist eindeutig nicht alles rausgeholt, was möglich gewesen wäre. Dennoch muss ich Rodes geschickte Handlungsführung, die Geschichte nach und nach zusammenzusetzen, wirklich bewundern. Die Auflösung bringt am Ende den gewünschten Aha-Effekt, ist nachvollziehbar, plausibel und macht Spaß zu Lessen.


Fazit:

Definitiv nichts zum einschlafen - im Gegenteil: Tibor Rodes wilde Mischung aus Agententhriller, Wissenschaftskrimi und Road Movie sorgte bei mir für einige schlaflose Nächte.

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Tags: agenten, bruderschaft, geheimdienst, schlafen, spannung, thriller, wissenschaft   (7)
 
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