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Exoplanet: Mission Kepler-438b

Armin Weber
Flexibler Einband: 311 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 05.05.2016
ISBN 9781530964826
Genre: Sonstiges

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Exoplanet - Mission Kepler-438b
Autor: Armin Weber
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (5. Mai 2016)
Genre: Science-Fiction
ISBN-10: 1530964822
ISBN-13: 978-1530964826
ASIN: B01D8M5KEC
Seitenzahl: 311 Seiten
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
0,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Exoplanet - Lichtsturm

 

Inhalt:

Im Jahr 2105 regiert auf der Erde eine Computer-Diktatur, die weltweit unter dem Namen Nummer 2 bekannt ist. Mit 100 Millionen Kampfrobotern herrscht sie über die letzten Reste der Menschheit, die auf der Erde nur noch für kurze Zeit geduldet sind. Nummer 2 legt daher ein Programm auf, das die baldige Entvölkerung der Erde zum Ziel hat. 
Unter anderem wird deshalb auf dem Saturnmond Titan die erste Teleportation eines Menschen vorbereitet. Ziel der Mission: Ein erdähnlicher Exoplanet mit der Bezeichnung Kepler 438-b. Wenn alles nach Plan läuft, soll dort bald eine menschliche Kolonie gegründet werden. 
 Auf Titans Forschungsstation Apache One arbeitet der Informatiker John Satcher zusammen mit dem US-Marine William Leery verdeckt gegen Nummer 2. Sie tritt dort auf in Form von Robotern und bedeutet für die Männer eine ständige Gefahr. Sie entscheidet auch, wer nach Kepler 438-b teleportiert werden soll. 
 Unter dem Befehl von Nummer 2 wird ein Mann aus der fünfköpfigen Crew zur Teleportation gezwungen. Doch diese verläuft ganz anders als erwartet. Was die Männer dabei erleben, gerät zur größten Gefahr – aber auch zur erhebendsten Erfahrung ihres Lebens...



Bewertung:

DISCLAIMER: Vielen Dank an den Autor Armin Weber für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars!

Schon vorweg: das ist wohl einer der außergewöhnlichsten Science-Fiction Romanen, die ich je gelesen habe. Armin Weber trumpft hier mit einer Story Darstellung auf, die ich in solchem Format noch nie gelesen habe. Auch wenn ich bei einigen Stellen ein wenig skeptisch bin hat mich dieser Roman vor allem in einem Punkt überzeugt: Innovation. In diesem Roman geht es um Künstliche Intelligenz, Teleportation und Genforschung. Spannend verpackt und auf dem aktuellen Stand der Forschung zu den einzelnen Themen.


"Die Teleportation ist misslungen. Ziel war ja, einen Menschen von A nach B zu bringen, der perfekt angepasst auf dem Planeten überleben soll. Doch offenbar haben wir gerade wegen der Anpassungen ein neues Wesen erschaffen. Denn das ist er: ein neues Wesen."


Das Cover finde ich persönlich nicht zu hundert Prozent passend. Zwar ist die orange gehaltene außerirdische Landschaft mit dem Methansee und den eisigen Bergen sehr passend auf den rauen Saturnmond Titan zugeschnitten und lässt auch wunderbar ein erdfernes Science-Fiction-Feeling auskommen, da die Handlung aber vollständig innerhalb der abgeriegelten Forschungsstation Apache One stattfindet und der Titan relativ wenig Einfluss auf den Plot hat, hätte ich mir eher ein etwas anderes Titelbild erhofft. Vielleicht ein Labor, die Hightech-Roboter, die eine große Rolle spielen oder eine Andeutung auf das geheimnisvolle Wesen, das bald den Mittelpunkt der Geschichte einnimmt. Nichtsdestotrotz - die distanziert schöne Landschaft in braun und orange Tönen lässt das Cover sehr räumlich und greifbar wirken. Der Titel, Untertitel sowie Autorenname und Genrebezeichnung fügen sich stimmig in das Gesamtbild mit ein. Was mir aber wirklich nicht gefällt ist der Klapptext. Zu aller erst finde ich ihn viel zu lang mit seinen vielen Wiederholungen und Absätzen. Ich hätte mir da lieber eine kurze, prägnante Erklärung der aktuellen Situation gewünscht - die Zusammenhänge mit Nummer 2, der Teleportation und dem Kepler-438b-Projekt müssen für mich im Klapptext keine so hervorstechende Rolle einnehmen. Vielmehr hätte ich einen Akzent auf den "Fehler" bei der Teleportation gesetzt und ein wenig angedeutet, was passiert - denn um die Auswirkungen dieses Fehlers geht es die vollständigen 311 Seiten.


Erster Satz: "Bence Király wagte nicht zu atmen."


Das Buch beginnt höchst spannend mit der Jagd des alten Kantinenkochs Bence durch die Gänge von Apache One. Er flieht vor einem Haufen Libellen (eine Art Roboterdrohne) und Kampfrobotern, die ihn fangen und zur Teleportation zwingen wollen. Sofort wird eindrücklich klar gemacht, dass die Roboter in der dargestellten Welt am längeren Hebel sitzen. Die Maschinen sind stark, schnell und willenlos - gesteuert von einer allübergreifenden künstlichen Intelligenz, die sich "Nummer 2" nennt und über die Menschen herrscht. Das finde ich eine sehr gute Idee - eine Diktatur des Netzes bei der sich vom Menschen entwickelte Technik gegen seinen Schöpfer wendet. Etwas, das in naher Zukunft durchaus passieren könnte - vom überall vernetzten Internet, das für uns Dinge in allen Bereichen des Lebens regelt, ist es kein allzu weiter Schritt mehr zu einer sich selbstbewussten, eigenständigen Intelligenz. Denn unser menschliches Bewusstsein entsteht ja auch nur durch die komplexen Verschaltungen von einzelnen Nachrichten- und Impulsquellen. Was entstehen kann, wenn statt Nervenzellen Prozessoren verschaltet werden, kann man in dieser Dystopie sehr schön sehen. Und es macht mir Angst...

Apache One ist ein Forschungsprojekt, bei dem die Menschen keine große Rolle spielen und nur notwendige Putzarbeiten erfüllen und mit ihrer Anwesenheit den Anschein von menschlicher Beteiligung am Fortschritt erwecken sollen. Dass die Maschinen, die zum Teil eigene Charakter zu besitzen scheinen, sie unterdrücken und herumkommandieren, löst immer mehr Unmut aus. Mangelnde Freiheit und Selbstwertgefühl treiben das menschliche Team schließlich dazu, sich gegen Nummer 2 aufzulehnen. Doch die Roboter haben die Menschen längst von der Krone der Schöpfung verdrängt und so ist jeder Umbruchversuch zum Scheitern verurteilt. Das Blatt scheint sich erst zu wenden, als bei einem Teleportationsversuch eines Menschen nach Kepler-438b ungeahnte Nebenwirkungen auftreten: aus dem geschaffenen Teilchensturm tritt eine rätselhafte Kreatur in Apache One, die weder Mensch noch Maschine und beiden überlegen ist. Fragt sich nur: auf welcher Seite steht sie?


"War Mada nun ein Monster, weil dessen Bruder auf Kelper-438b sich fortlaufend verwandelte, um dort zu überleben? Falls ja, würde es keinen Unterschied machen, wer oder was hier Mensch oder Maschine war. Dann würde Mada alle vernichten, denn dann wäre er schon auf dem Weg zum Raubtier..."


Diese Entwicklungen stellen sich schon sehr bald ein, sodass sich der Hauptteil des Buches um die Erforschung des fremden Wesens dreht, das sie Mada nennen (Adam rückwärtsgesprochen um auf die Schöpfung Gottes anzuspielen - coole Idee, nicht?). Alles, was sich um ihn dreht fand ich unglaublich spannend und konnte gar nicht schnell genug mehr über den Mutanten erfahren. Als sich schließlich nach zahlreichen grausamen Experimenten an Mada seine wahre Stärke zu zeigen beginnt, sieht die menschliche Crew ihre Chance, endlich gegen Nummer 2 aufzutrumpfen...

In rasantem Tempo und garniert mit vielen spannenden Wendungen, mitreißender Action und nachdenklich machender Überlegungen, nimmt die ungewöhnliche Story ihren Lauf und konnte mich immer mehr in ihren Bann ziehen. Der einfache, kurzgehaltene Schreibstil unterstützt die schnellen Entwicklungen und Sprünge von einer Situation zur nächsten und lässt die beklemmende Situation bildlich vor dem Auge des Lesers entstehen. Nicht relevant für meinen Lesefluss waren die vereinzelten Rechtschreibfehler, die ich gefunden habe. Dass manchmal recht derbe Sprechweisen benutzt werden lässt sich auf die Charaktere zurückführen und hat mich ebenfalls nicht wirklich gestört.


"Kaum ließ William den Blick von Bence, löste sich aus dem übernächsten Gang eine Gestalt, die keuchend auf sie zu rannte: Terry Bones! Er flüchtete zwischen die Roboter, stützte die Hände auf den Knien ab, atmete durch, richtete sich wieder auf und sah sich ängstlich um. Sein Gesicht trug alle Anzeichen der Panik. "Was ist los?", fragte William. "Die Hölle", antwortete Terry."


Ja, jetzt kommen wir zu einem Punkt, der mich zum Teil ein wenig gestört hat: die Darstellung der Protagonisten. Dafür dass die restliche Geschichte so gut ausgearbeitet ist, sind mir jene viel zu blass und oberflächlich geblieben. Die menschliche Crew lässt sich zum Teil nur schwer auseinanderhalten und hat teilweise fast weniger Profil als der ein oder andere Roboter. Natürlich werden die Charaktere charakterisiert, mir sind aber Emotionen und allgemeine Informationen zu Charaktereigenschaften ein wenig zu kurz gekommen. Im Klapptext wird der Informatiker John Satcher als Hauptprotagonist dargestellt, wovon ich aber bis zum Ende nicht sonderlich viel gespürt habe. Die Perspektiven wechseln sich ab und so wird über jeden Charakter mal in der personalen Erzählperspektive gesprochen.

Neben John ist noch William Leery Teil des Teams, der hauptsächlich durch seine Ausbildung als Marine und die Haltung von Goldhamstern charakterisiert wird. Ebenso wie Bence Király, einem in die Jahre gekommenen Kantinekoch und Lukas, der einsam und verbittert ist, nachdem seine Frau Susan während der Mission vergewaltigt und ermordet wurde, steht er der neuen Bedrohung sehr aufgeschlossen gegenüber, während der zwielichtige Halbindianer Terry Bones es sie liebsten tot sehen würde. Ich fand keinen von ihnen so wirklich sympathisch, Terry Bones sogar richtig abstoßend. Dadurch dass ich keine wirkliche Verbindung zu den Protagonisten aufbauen konnte, wirkten sie alle und die Handlung ein wenig distanzierter als nötig gewesen wäre. Der einzige, der es wirklich herausgehauen hat, war Mada, zu dem ich jetzt leider nicht viel sagen kann, da ich eigentlich schon viel zu viel verraten habe ;-)


"Wenn eintritt, was ich befürchte", sagte John ebenfalls sehr langsam, "dann beginnt unser Alptraum erst."


Gut gefallen hat mir auch, dass über die Frage nachgedacht wird, ob Roboter eine Persönlichkeit haben können, die von ihrer Programmierung abweicht. Da auch ab und an aus ihrer Perspektive berichtet wird und sie durchaus auch Charaktereigenschaften zugewiesen bekommen, würde ich deuten, dass die Geschichte diese Frage eindeutig bejaht. Hasso zum Beispiel, der schrankartige Roboter mit dem Hundekopf und der Schweineschnauze, der so anders als die anderen zu sein scheint, der ruppige Huntsman, der mit Cowboyhut und Colt herumläuft,... sie alle haben etwas das über eine Maschine hinausgeht.

Das Ende glich dann eher weniger dem finalen Showdown, den ich mir vorgestellt hatte, sondern wuchs sich zu einem eher ruhigen Machtkampf aus. Das hat mir sehr gut gefallen, ein wenig unglaubwürdig fand ich nur den Ausgang des Kampfes. !!!Kurze Spoiler Warnung: Nummer 2 wurde die ganze Zeit über so allmächtig und weise Dargestellt, dass es doch recht unrealistisch wirkt, dass Mada sie einfach mühelos hinters Licht führen und einfach abschalten kann. Spoiler Ende!!!
Wie das Problem dann aber seine Lösung findet und am Ende alles gut ausgeht, hat mir dann wiederum in der Gestaltung sehr gut gefallen, sodass ich sehr gerne den zweiten Teil lesen würde. Vielleicht wird den Charakteren ja dort etwas mehr Luft gelassen...


"Maschinen sind Werkzeuge; auch Computer, und seien sie noch so intelligent. Sie sind Mittel, nicht Zwecke. Der Zweck auf der Erde kann nur der Mensch sein, sowie Tier und Pflanze. Aber kein Computer, kein Roboter oder sonst ein Werkzeug aus dem Kosmos der Mittel, die der Mensch für seine Zwecke einsetzte, um sein Leben, schöner, besser und sicherer zu machen."


Fazit:

Ein außergewöhnlicher Science-Fiction-Roman, der uns Leser in eine beängstigende Zukunft entführt und mit vielen gut durchdachten Entwicklungen überrascht. Zwar mit einigen Schwächen in der Darstellung der Charaktere, aber dennoch lesenswerte Unterhaltung!!!

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träume, janie, albträume, traum, carl

WAKE - Ich weiß, was du letzte Nacht geträumt hast

Lisa McMann , Tanja Ohlsen
Flexibler Einband: 221 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag, 16.05.2011
ISBN 9783843200370
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Wake - Ich weiß, was du letzte Nacht geträumt hast
Autor: Lisa McMann
Verlag: Boje (3. August 2009)
Genre: Thriller
ISBN-10: 3414822334
ISBN-13: 978-3414822338
ASIN: B004ROTA8S
Seitenzahl: 221 Seiten
Preis: 4,99€ (Kindle-Edition)
12,95€ (gebundene Ausgabe)
8,99€ (Taschenbuch)
 

Inhalt:

"Du bist nicht allein, wenn du träumst ..."

Nackt durch die Stadt gehen? Sich aus einem Hochhaus stürzen? Die hübsche Nachbarin küssen? Das hat die siebzehnjährige Janie alles schon zur Genüge gesehen - in anderer Menschen Träume. Wann immer jemand in ihrer Umgebung einschläft, kann sie seine Träume sehen. Nur kann sie niemandem davon erzählen, denn keiner würde ihr glauben. Und so lebt sie mit einer Gabe, die sie nicht will und die sie nicht kontrollieren kann. Doch dann wird sie in einen Alptraum gezogen, der ihr das Blut in den Adern gefrieren lässt. Zum ersten Mal ist Janie mehr als nur die Zuschauerin eines Traums. Sie ist mittendrin...


Bewertung:

Träume sind etwas Seltsames, Unbegreifliches, was mich aber schon immer sehr interessiert hat. Was passiert genau, wenn wir träumen? Was geht in unseren Gehirnen vor, wenn wir uns in diesem Zustand zwischen wachen und schlafen befinden? Die Wissenschaft kann nun nach und nach ein paar antworten geben, was dieses Buch aber aus diesem Thema macht, ist viel interessanter. Eine wirklich gute Idee, Träume zum Dreh- und Angelpunkt einer Geschichte zu machen, dachte ich bei mir und lieh mir alle drei Bände aus meiner städtischen Bibliothek aus. Eigentlich hat mich die Handlung gefesselt und auch interessiert, trotzdem konnte mich dieses Buch alles in allem aber nicht so ganz überzeugen.


"Ich werde in die Träume anderer Leute gesogen. Ich kann nichts dafür. Ich kann es nicht ändern. Es macht mich verrückt."


Das Buch ist in einer Art Tagebuchform geschrieben, die Daten und die Uhrzeit sind jeweils für ein Ereignis angegeben. Der Nachfolger des Buches heißt im englischen Original "Fade" und erhielt im deutschen den Titel "DREAM - Ich weiß, was du letzte Nacht geträumt hast". Das dritte Buch der Serie "Gone" erschien in Deutschland unter dem Titel "SLEEP - Ich weiß, was du letzte Nacht geträumt hast". Die kurze Geschichte um die siebzehnjährige Janie Hannagan und ihre Fähigkeit anderer Leuten Träume zu sehen stieg direkt nach der Veröffentlichung in die New York Times-Bestsellerliste für Kinderbücher auf und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für jugendliche Literatur. Warum ich das bei der deutschen Übersetzung absolut nicht nachvollziehen kann, versuche ich euch nun zu erklären!

Das Cover finde ich eigentlich gar nicht so schlecht. Zusehen ist ein zerwühltes Bett, dessen dunkle Ränder in das schwarz des Covers auslaufen. Mittig ist ein kalter bläulicher Light-Spot auf ein Kissen gerichtet. Darüber steht in leuchtenden Reklamebuchstaben der Titel mitsamt Untertitel. Soweit so gut. Das Bett passt zum Thema, der Titel passt, die kalte Atmosphäre, die durch das Licht erzeugt wird, passt auch. Den Klapptext finde ich zwar ansprechend, aber ein wenig zu nichtssagend formuliert. Über die wirkliche Richtung der Handlung wird hier kein Wort verloren - eine durchaus wichtige Information, wie ich finde, denn wenn ich gewusst hätte, dass wir es hier mit einem fantastisch aufgepeppten Lebenslauf eines Mädchens zu tun haben, hätte ich mir das mit dem Lesen vielleicht anders überlegt... Doch beginnen wir am Anfang:


Erster Satz: "Janie Hannagan fällt das Mathematikbuch aus der Hand."


Die siebzehnjährige Janie führt ein recht bescheidenes Leben und bis auf ihr Bestreben, normal zu sein, ist an ihr nichts normal oder durchschnittlich. Ihre Mutter ist alkoholsüchtig und schert sich wenig um ihre Tochter, einen Vater gibt es nicht. Sie träumt davon, einmal ein besseres Leben zu haben als ihre Mutter. Darum arbeitet sie hart darauf hin ein Stipendium für ein College zu bekommen, um endlich von zu Hause wegzukönnen und arbeitet in einem Pflegeheim um ein wenig Geld zu verdienen. Doch egal, was sie tut ist da immer ihre Fähigkeit, die tief in ihrem Inneren schlummert und sie ständig daran erinnert, dass sie anders ist als andere: Sobald in Janies Nähe jemand einschläft und träumt, wird Janie in diesen Traum gesogen und muss ihn mitansehen. Dadurch kann sie nachts nur alleine in einem Zimmer schlafen, dessen Fenster geschlossen sind. Auch in der Schule hat sie es sehr schwer, da Viele während der Stunden immer wieder einnicken und Janie dadurch ganz abwesend wird. Bei schrecklichen Albträumen kann man ihr äußerlich sogar ansehen, was sie miterleben muss. Sieht Janie nämlich einen solchen Traum, wird sie von Anfällen heimgesucht, sodass Augenzeugen sie immer für verrückt und krank erklären.

Für Janie ist ihre "Gabe" eine große Belastung, weil sie niemandem davon erzählen kann. Während der Busfahrt zu einem Schulausflug werden Janies Anfälle jedoch von jemandem beobachtet - von Carl, einem stillen Jungen, der sich sonst kaum mit jemandem unterhält. Und Janie bleibt fast nichts anderes übrig, als ihm alles anzuvertrauen. Einerseits fühlt sich Janie irgendwie gut und sicher damit, Carl von ihrer Fähigkeit zu erzählen, andererseits hat sie aber auch ein komisches Gefühl im Magen. Sie kennt Carl nicht, und er hat Geheimnisse vor ihr, die er ihr nicht erzählen will. Was verbirgt Carl? Hat es etwas mit dem schrecklichen Albtraum zu tun, den er immer hat? Kann Janie ihm vertrauen?

Was ein wenig unkonventionell und außergewöhnlich klingt und sich Großteils auch recht spannend präsentiert, wird jedoch durch den geringen Umfang, die wenigen Details und eine überhastete Haupthandlung recht bald in den Dreck gezogen. Die etwas über 200 -in nicht gerade kleiner Schrift bedruckten- Seiten, auf denen sich durch die Datums- und Uhrzeiteinschübe auch noch häufig große unbeschrieben Flächen finden, sind schnell gelesen und werden beendet, bevor die Story wirklich Eindruck schinden kann. So ist das Buch von Anfang bis Ende ein wenig überhastet und bleibt recht oberflächlich - selbst für einen Trilogie Auftakt.


"Janie lässt das Buch auf dem Tisch liegen und geht leise hinaus. Sie schaltet das Licht aus, schließt die Tür und lässt Miss Stubin Zeit für Zweisamkeit mit ihrem Soldaten. Bevor er stirbt. Und sie nie wieder die Gelegenheit dazu hat."


Nachdem man kurz in der Gegenwart verweilt, um einen ersten Eindruck von der Protagonistin Janie zu bekommen, erfahren wir langsam ihre Vorgeschichte. Der Erzähler berichtet, wie Janie als Kind zum ersten Mal in einen fremden Traum hinein gezogen wurde und wie dies schließlich immer öfter passierte, bis sie selbst einen Schlussstrich zieht und beschließt, sich besser über ihre Gabe zu informieren, die sie sonst nur verdrängt und versteckt hatte.
Durch die sich schnell entwickelnde Liebensgeschichte, die bei einem Jugendroman natürlich nicht fehlen darf *genervt seufz* bahnt sich dann auch noch die Entwicklung in einen Kriminalfall ein, bevor sich Janie überhaupt mit sich selbst und ihrem Problem beschäftigen kann - das war mir dann etwas zu Viel.

Nichtsdestotrotz wurde ich eigentlich recht gut von der Geschichte gefesselt, auch wenn ich mich an einigen Details gestört habe. Zwischenzeitlich rätselt man ganz schön herum, was hinter Carls großem Geheimnis steckt, auch wenn die Auflösung dann weniger spektakulär ist, als ich dachte und will unbedingt wissen, wie die ganze Geschichte ausgehen wird, was von den unheilschwangeren Träumen noch unterstrichen wird. Insofern entsteht schon eine gewisse Atmosphäre, die jedoch von einer konstanten hinreichend zerstört wird: Dem Schreibstil.


"Darf ich es dir erklären?"
"Nein". Sie legt auf.
Wartet.
Gießt sich ein Glas Milch ein.
Trinkt es.
Flucht.
Löscht das Licht in der Küche.
Geht ins Bett."



Ich bin eigentlich schon recht tolerant was Außergewöhnliches angeht, doch dieser Stil hat bei mir den feinen Grad zwischen ungewöhnlich und absonderlich klar überschritten. Ich glaube wir haben es hier mit einem der Bücher tun, die unter der Übersetzung aus dem Englischen wirklich leiden müssen. Authentische, unkonventionelle Sprache, die im Original vielleicht verblüffen kann, sorgt hier für genervte Augenroller und Kopfschütteln. Ihr nüchterner Erzählstil in Präsens, welcher manchmal den Eindruck vermittele, man lese eine Abfolge von Janies Handlungen ist wohl schon so gewöhnungsbedürftig, doch die vielen abgehackten Sätze und teils seltsam formulierten, zusammenhangslos in den Raum geworfenen Beschreibungen machen das Versinken in der Handlung fast unmöglich. Hier ist mir mal wieder klar aufgefallen, wie unbewusst entscheidend eine Art, die Handlung zu präsentieren doch für ein Buch sein kann. Man kann kaum eine richtige Verbindung zu den Charakteren aufbauen, auch wenn diese eigentlich viel Potential hätten. Apropos Charaktere und Übersetzung: Warum musste aus dem englischen Cable eigentlich ein Carl werden? *Augengeroll, Kopfgeschüttel, genervter Seufzer, grrrrrr*

Das Ende schließt dann eigentlich alle offenen Fragen gut ab, auf einen finalen Showdown können wir aber nur verzweifelt hoffen. So wirken auch die letzten Sätze wie das ganze Buch ein wenig lustlos und unfertig. Sehr schade!


Fazit:

Von mysteriös-romantisch-spannenden Momenten, die ich mir von diesem Buch erhofft hatte, war nicht viel zu spüren, trotzdem habe ich dem zweiten und dritten Teil dieser Reihe eine Chance gegeben und mich grundsätzlich recht gut amüsiert.
Dennoch: Kein Buch, dass einem nachts den Schlaf raubt, der Titel wird eher Programm wenn man versucht, nicht einzuschlafen.

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Tags: krimi, langeweile, problem, traum   (4)
 

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dystopie, gene, jugendbuch, freundschaft, perfektion

Die Perfekten

Caroline Brinkmann , Caroline Brinkmann
Fester Einband: 587 Seiten
Erschienen bei ONE ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 25.08.2017
ISBN 9783846600498
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Die Perfekten
Autor: Caroline Brinkmann
Verlag: ONE, Imprint der Bastei Lübbe AG (25. August 2017)
Genre: Dystopie
ASIN: B071F17NDH
ISBN-10: 3846600490
ISBN-13: 978-3846600498
Seitenzahl: 608 Seiten
Preis: 18€ (Gebundene Ausgabe)
13,99€ (Kindle-Edition)

 

Inhalt:

"Mein Name ist Rain. Ich gehöre zu denen, die man Ghosts nennt. Mit meiner Mutter lebe ich außerhalb des Systems. Wir sind unsichtbar. Über uns allen thronen die Gesegneten. Sie gelten als perfekt. Aber das bin ich auch!"


Rain und ihre Mutter Storm sind auf ständiger Flucht vor den Gesegneten, einer perfekten Weiterentwicklung der Menschen, die das Land Hope regieren. Wie für alle Menschen, die aufgrund ihrer Gene in der perfekten Welt keinen Platz haben, ist die einzige Chance zu überleben, dass sie unsichtbar bleiben. Rain missachtet diese Regel und schließt Freundschaft mit dem Jungen Lark. Doch gerade, als sie beginnt, ihn in ihr Herz zu lassen, verrät er sie an die Soldaten der Gesegneten. Eigentlich wäre das ihr sicheres Todesurteil, doch stattdessen erfährt Rain etwas Unglaubliches. Sie ist gar kein Ghost. Sie ist perfekt. Eine Gesegnete.



Bewertung:

DISCLAIMER: Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für das Zusenden dieses Rezensionsexemplars.

Als ich den Klapptext dieses Buches gelesen habe, wusste ich gleich: das wird gut! Und mein erster Eindruck hat mich nicht getäuscht. Gerade in Zeiten, in denen billige Dystopien, die sich gleichen wie ein Haar dem anderen den Markt überschwemmen, um noch ein kleines bisschen Erfolg vom Dystopien-Hype abzukriegen, bin ich umso begeisterter, wenn ich einmal ein wirklich originelles Beispiel dieses Genres finde, das mich überzeugen kann. Und dieses Buch hat mich überzeugt. Ein wenig wie "Legend" von Marie Lu, ein wenig wie die berühmten "Hunger Games" von Susanne Collins, ein wenig wie "Die rote Königin" von Victoria Aveyard und ganz viel ganz anders.


"Sie ist Rain. Der Regen. Der Neuanfang."


Das Cover ist sehr hübsch anzusehen und passt sehr gut. Der weiß-pinke Titel ist sehr dominant und füllt die gesamte Größe des Coverbildes aus, dahinter ist das Gesicht eines Mädchens zu sehen. Mit der Kapuze und dem Titel sieht es ein wenig aus, als wolle sie sich verstecken. Die strahlendgrünen Augen sind mit dem Titel die einzigen Farbklecke auf dem sonst grauen Hintergrund. Dass alles so dunkle gehalten ist, passt gut zu den Aschewolken Greys, dem hauptsächlichen Setting, die linke untere Ecke bildet ein Lichtblick, der dann für Aventin stehen könnte. Eigentlich störe ich mich an echten Personen auf Coverbildern, doch dieses Gesicht passt für mich sehr gut zu Rain - mit dem direkten Blick, der den Leser geradewegs anzusehen scheint, der dunklen Kapuze und den stimmigen Körpermerkmalen wird sie gut wiedergegeben. Die gebundene Ausgabe ist außerdem sehr groß und angenehm zu lesen bedruckt und kann mit einem Lesebändchen punkten, das dieselbe Farbe trägt, wie der Titel auf dem Cover. Auch der Klapptext gefällt mir gut - er bringt den Leser zusammen mit der sonstigen Gestaltung schon mal in die düstere Science-Fiction Stimmung über das Schicksal eines Mädchens in der Ungerechtigkeit des Landes Hope.


Erster Satz: "An Rains Sechzehntem Geburtstag nahm ihre Mutter sie in den Arm und flüsterte: "Für mich bist du perfekt."


Zu Beginn meiner Rezension habe ich gesagt, das Buch sei mal wieder eine gute Dystopie. Mit gut meine ich gut ausgearbeitet, gut nachvollziehbar und vor allem gut rückzubeziehen. Denn was soll eine Dystopie denn eigentlich tun außer zu unterhalten? Ein pessimistischen Zukunftsbildes zeichnen, welches auf bedenkliche Entwicklungen der Gegenwart aufmerksam machen, vor deren Folgen warnen oder auf aktuelle Missstände hinweisen soll. Und das passt hier alles. Neben dem dystopischen Weltbild sind auch Dinge wie technische Neuerungen und Erfindungen gar nicht soweit hergeholt und gut vorstellbar. So wirkt der dargestellte Weltenentwurf greifbar und realistisch. Die Handlung verwirrt, verstört, verzaubert wie die großen Reihen der Dystopien - jedoch ohne diese kopieren zu wollen. Obwohl unsere Wirklichkeit (noch) nicht dem entspricht, was hier beschrieben wird, kann man sich doch zumindest vorstellen, dass wir uns irgendwann dorthin entwickeln könnten – und das ist eine unbehagliche Vorstellung, die genau das erfüllt, was ich mir von einer guten Dystopie erwarte.


"Du bist der Regen", flüsterte ihre Mutter. "Die Hoffnung." "Ich bin nichts, nur ein Schatten", flüsterte Rain. "Alles beginnt mit einem Tropfen. Einem Tropfen, dem Milliarden weitere Tropfen folgen."


Die ungerechte Welt, die die Autorin hier erschaffen hat, ist diesmal vor allem auf die Gene der Menschen bezogen, nach deren Qualität sie ihren Platz in der Gesellschaft zugewiesen bekommen. Während die herrschenden Gesegneten in Luxus leben und nur die G Einsen auf einen Aufstieg hoffen dürfen, wird den unteren Klassen, den Zweien und Dreien der Zugang zu genug Nahrung, sauberem Trinkwasser, Medikamenten und Bildung versperrt. Schließlich streben die Gesegneten eine Welt an, in der Zweien und Dreien ausgestorben und alle ein perfektes genmaterial vorzuweisen haben. Diese Idee ist evolutionsbiologisch eigentlich sinnvoll und auch gut erklärt, bietet aber vor allem Stoff für viele Diskussionen. Wie kann man Gene nach Qualität unterscheiden? Und ist der gesamte Genpool der Menschheit, die Ausrottung von Krankheiten und der Aufbau einer stabilen, friedlichen Welt nur zu schaffen, in dem "minderwertige Menschen" durch Geringschätzung aussortiert werden, indem sie früher sterben und sie sich nicht fortpflanzen dürfen?


„Nicht die Gene machen einen Menschen perfekt, sondern sein Wesen.
Vergiss das nicht, mein Herz."



In krassem Gegensatz dazu stehen die Gesegneten, die Perfekten Herrscher Aventins. Wunderschöne, gesunde, starke und intelligente Supermenschen, die das Land regieren, gottgleich verehrt werden und im Luxus leben, während die Arbeiter in den ärmeren Zirkeln sich die Lunge verätzen, weil in den Fabriken keine Filteranlagen installiert sind. Und all das in einem Land das „Hope“ heißt – was für eine Ironie! Diese heftigen Unterschiede in der Bevölkerung an sich sind sehr mitreißend erklärt und das Leid, in dem die Menschen leben weckt in jedem Leser seinen Gerechtigkeitssinn. Die Welt ist schlüssig und nicht überquellend mit Details aufgebaut, einige für die erste Handlung unwichtige Infos und Bereiche des Lebens werden einfach weggelassen. Da das Buch in naher Zukunft noch eine Fortsetzung erhalten soll, ist das aber verständlich und zu entschuldigen.


"Kennst du den Geist,
der sich nachts umhertreibt?
Er singt mit dem Regen,
wild und verwegen.
Er trommelt den Takt,
den Takt, den die Freiheit,
nur für ihn bereit hat."



Super fand ich auch die Darstellung der "alten Zeit", also unserer Gegenwart. Es wird gesagt, dass die Menschen den Planeten ausgesaugt und ausgebeutet haben und sich dann um die letzten Überreste noch bekriegten, was die ganze Erde zerstört hat, auf der anderen Seite berichtet Rain aber auch wehmütig von dieser Vergangenheit und stellt sie sich schön vor. Sie liest Bücher, in denen ein "gewisser Herr Weihnachten" gerne viel Zimt benutzt und wundert sich über die Fantasien der Menschen, die sich Geschichten ausdachten, die sie nicht versteht und wundert sich über den Einfluss des mächtigen Donalds, dessen Name sie überall auf alten Ruinen findet (McDonalds). Die vielen kleine Anspielungen machen das Buch wirklich besonders und lockern und dunkel Atmosphäre etwas auf.


"Sie eilte zum Fenster und presste ihre Stirn gegen das Glas. Für einen Moment stellte sie sich vor, wie es wohl wäre, fliegen zu können. Fliegen wie die Menschen mit den Flügeln, die Rose so geliebt hatte. Plötzlich verstand sie, warum sich jemand etwas Derartiges ausdachte. Es war der Wunsch frei zu sin. Frei wie ein Vogel."


Dazu trägt auch der Schreibstil seinen Teil bei. Wie bei vielen Jugendbüchern ist er recht schlicht. Besonders aufgefallen ist mir jedoch, dass speziell verkommene Wörter oder Neuheiten wie zum Beispiel das Nutztier "Kaf" (Kreuzung aus Schaf und Kuh) nicht genauer erklärt werden, als wüssten wir Leser automatisch bescheid. Manche Wörter werden einfach wie beiläufig eingestreut und erst viel später oder gar nicht erklärt. Das fand ich wirklich interessant, denn man konnte sich eigentlich immer erschließen, was gemeint war. Einzig der Ausruf "Kallisto", der ständig vorkommt, hat mich dauerhaft verwirrt, bis ich dann darauf gekommen bin, dass er einfach einen Fluch darstellte. Neben diesen Kleinigkeiten vermochte er der flüssige und sehr lebhaft geschriebene Stil, mich durchgängig zu fesseln. Angesichts der 600 Seiten war ich am Anfang etwas skeptisch, doch ich flog irgendwann geradezu durch die Handlung, ohne auf die Seitenzahlen zu sehen und war - schwups - plötzlich am Ende.


"Wie jeder von uns hast du nur einen Platz auf dieser Welt gesucht, und du hast ihn in meinem Herzen gefunden."


Neben den Genen gibt es noch eine weitere Unterteilung des Landes Hope - geographisch in verschiedene Zirkel. Hier wurde ich dann doch sehr an Panem erinnert, die 'goldene' Hauptstadt Aventin, in der die Reichen, Schönen und Priviligerten wohnen und von dort aus regieren erinnerte mich an das "Kapitol". Die verschiedenen Zirkel, die jeweils für einen bestimmten Bereich zuständig sind und dementsprechend benannt wurden, sind den "Distrikten" sehr ähnlich. Neben landwirtschaftlich geprägten Gebieten wie Green oder Azure, dem reichen Kultursektor Ruby, den Minenzirkeln Pitch, und nicht zuletzt Aventin, der goldene Hauptstadt der Gesegneten und Begabten spielt die Haupthandlung vor allem in dem kleinen Fabrikzirkel Grey, der wie der Name schon verrät grau, trist und trostlos ist. Mit der vom Smog der Maschinen verseuchten Luft, der Asche auf den Straßen, der hungernden Bevölkerung und den vielen krankheitsverbreitenden Werratten ist die Stadt keineswegs ein schöner Ort zum Verweilen, so ist es nicht verwunderlich, dass sich hier die Brutstädte eines Widerstandes bildet. Den zunehmenden Einfluss der Rebellen auf die Einwohner Greys sind wirklich gut dargestellt. So kann man gut mit verfolgen, wie die Unzufriedenheit und Unmut über die Regierung die Menschen in die Arme der Rebellen treibt. Die Rebellen nennen sich Spines, die "Wilden, Freien, Echten und Gerechten", die endlich mehr Gerechtigkeit von der Herrschern aus Aventin fordern und dabei Angst, Schrecken und Tod verbreiten. In dieser Welt zwischen skrupellosen, verzweifelten Rebellen und mächtigen, eiskalten Gesegneten leben die beiden Hauptcharaktere Lark und Rain, die beide etwas anders denken und sich an die Hoffnung klammern, irgendwann aus Grey herauszukommen und in der Gesellschaft aufzusteigen. Doch der Smog und die Verzweiflung zwingen sie zu schrecklichen Taten, die sie in ganz andere Richtungen treiben, als gedacht... eine düstere Geschichte voll Hoffnung, Andersartigkeit, Ungerechtigkeit und einem Kampf um die Freiheit beginnt.


"Du erinnerst die Menschen an etwas, das vor langer Zeit verloren ging."
"An was?"
"An Märchen. Daran, dass das Unmögliche möglich ist. Die Augen von Hope sind auf dich gerichtet. Du bist vom Ghost in den Himmel gestiegen, als wären dir über Nacht Flügel gewachsen. Du bist aus der Asche emporgestiegen, um uns Hoffnung auf ein besseres Leben zu geben. Du bist der Samen, der in den Köpfen und Herzen der Menschen wächst und blüht. Der Samen einer Idee."
"Einer Idee?"
"Die Idee, dass auch die Ärmsten fliegen können. Bishop presste seine Finger auf sein Herz. "Die Idee, dass sich die Welt ändern kann. Du kannst die Welt ändern!"



An seiner Spitze steht die junge Rain. Als rechtlose Ghost, einem nicht registrierten Mensch, der durch die unerlaubte Fortpflanzung von der niederen Klasse entstanden, wird sie gejagt und hat nicht die Erlaubnis zu Existieren. Aus ihrer Perspektive wird berichtet, jedoch bietet die personale Erzählsicht mal eine erfrischende Abwechslung zum ewigen Ich-Erzähler, der bei Jugendbüchern dominiert. Rain ist eine Kämpferin. Eine wirklich sympathische junge Frau, die für ihre Prinzipien einsteht und versucht, das Richtige zu tun. Ihre Mutter Storm, mit der sie sich auch ohne Worte versteht, hat sie zu einer taffen, selbst denkenden und zielstrebigen Frau erzogen, die sich nicht über ihr Leben beschwert, obwohl sie dazu allen Grund hätte. Denn das junge Mädchen hat es nicht leicht, ist es gewohnt nirgends zuhause zu sein, ständig abhauen zu müssen und ein Dasein im Schatten führen zu müssen. Täglich kämpft sie um ihr Überleben im Smog Greys, hat sich dafür ein gesundes Misstrauen fremden Menschen gegenüber angelegt und kennt die Tricks, wie man nicht auffallen kann. Umso schwerer fällt es ihr, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, als herauskommt, dass sie eine Gesegnete ist. Perfekt, wunderschön, von ihrer Mutter entführt und in ein Leben als Schatten gezwungen. Bam! Dieser Schlag ins Gesicht sitzt und ihr Weltbild ist aus den Fugen geraten. Umso beeindruckender ist es, wie sie sich von den geänderten Umständen nicht unterkriegen lässt, sondern weiter für den Frieden kämpft - als Rajana, die verschollene Prinzessin, die aus der Asche aufstieg und so den einfachen Menschen Hoffnung schenkt. Ihre Waffen sind nicht mehr ihre Fäuste und ein Elektroschocker, sie kämpft stattdessen mit Worten, Outfits und Auftritten. Doch der Hass und die Angst sitzen tief in den Herzen der Bürger Hopes. Bald muss sie sich entscheiden, was sie sein will. So lässt sich weitere Gewalt nicht verhindern, und der Krieg macht auch nicht vor den Mauern Aventins Halt.


"Ich gebe dir die Möglichkeit, frei zu wählen, was du sein willst. Wild oder gezähmt? Gerecht oder gesegnet? Rain oder Rajana?"


Der zweite Protagonist, dessen Sichtweise Rains manchmal abwechselt, ist Lark. Auch wenn der junge Mann eine G1 ist und ein halbwegs sicheres Leben führt, hat er es nicht leicht. Er will es unbedingt zu einem guten Job bringen, damit er mit seiner Familie in Sicherheit außerhalb von den giftigen Dämpfen Greys leben kann und sich die wichtigen Medikamente für seine kleine Schwester Rose - eine kranke G3 - leisten kann. Deshalb wird er Anwärter auf eine Ausbildung zum Sentinal, der Polizei Hopes, die für Recht und Ordnung sorgen soll. Doch seine Geheimnisse bringen ihn in einen Zwiespalt, der ihn fast kaputt macht, denn Schatten aus seiner Vergangenheit haben noch eine Rechnung mit ihm offen, die ihn zu schrecklichen Taten zwingen. Nicht zuletzt, die junge Frau zu verraten, die er gerade kennengelernt hat und die ihn seltsam berührt - Rain.
Auch er ist ein sehr starker Charakter, der von seiner Vergangenheit und der Dunkelheit Greys geprägt wurde. Gleichzeitig ist er aber auch ein Familienmensch und kümmert sich um seine kranke Schwester, die er über alles liebt. Für sie begeht er dunkle Deals und macht eine Menge Fehler. Je mehr man Lark kennenlernt, umso besser versteht man sein Denken und Handeln. Er ist motiviert, stark und bereit, alles für die zu tun, die er liebt: Koste es, was es wolle.


"Wir sind in der Asche geboren, aber wir werden nicht in ihr sterben, richtig?" "Richtig." Sein Handrücken streifte den ihren, und für einen Moment wagten sie zu träumen. Von Zitronenkuchen. Und einer anderen Welt."


Neben den beiden Hauptprotagonisten bezaubern uns noch eine ganze Reihe super gezeichneter Nebencharaktere, die alle einen schönen Teil der Geschichte einnehmen.
Mein Liebling ist mit Abstand Rose, die kleine süße Schwester von Lark. Mit ihrer herzlichen, leicht schrägen und unschlagbar positiven Art ist sie einfach liebenswert. Obwohl sie es nicht leicht hat, lässt sie den Kopf nicht hängen und ihre übersprudelnde Fantasie zauberte mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Auch Pi, Rains kleine Fuchsmanguste (ähnlich eines Frettchens), ist mir sehr ans Herz gewachsen.
Dann ist da noch Storm, die kämpferische und stürmische Mutter Rains, die eine Menge Geheimnisse birgt und immer weiter in den Abgrund zu rutschen scheint, obwohl sie eigentlich nur ihre Tochter beschützen will, ganz im Gegensatz zu Rains - Rajanas - richtigen Eltern Aurelia und Tiberius, die eiskalten, kalkulierenden Gesegneten, denen sie nicht trauen kann. In der neuen Umgebung, die ebenso feindselig erscheint wie die grauen Wüsten ihres Heimatzirkels sind ihr Capman, also ihr Imageberater Bishop und die junge Gesegnete Andromeda ein Lichtblick. Sie helfen ihr, sich in der modernen Luxusgesellschaft zu recht zu finden, doch kann sie sich von der Bequemlichkeit verführen lassen und den beiden wirklich vertrauen…? Wem kann man wirklich glauben? Was ist richtig? Was ist falsch? All diese Fragen habe ich mir immer wieder gestellt, während ich das Buch gelesen habe. Es ist spannend, aufwühlend und nervenzerreißend. Man weiß nie, was als Nächstes geschieht, es ist absolut nicht vorhersehbar und das gefiel mir besonders gut.


"Der Regen gibt Hoffnung, mein Herz. Vielleicht gab es Hoffnung. Sie durfte nicht verzweifeln. Sie musste glauben. Unwetter haben keine Angst..."


Das Netz um Rain und Lark zieht sich immer weiter zu, die Spannung steigt konstant an und die Handlung gipfelt auf ein Finale zu, als die Bewohner Hopes sich auflehnen. Ein letzter Kampf, der noch einmal alles geben will - es machte mich sprachlos, es machte mich wütend, ich fieberte mit und konnte kaum atmen -, der dann aber leider für meinen Geschmack in zu vielen unübersichtlichen und hektischen Szenen versank. Auch der aller letzte Schluss ging mir etwas zu schnell und lässt viele Handlungsstränge offen ohne einen wirklichen Cliffhanger zu haben. Wegen dieser letzten 30 Seiten habe ich mich entschieden, keine 5 Sterne zu vergeben, sondern ein wenig abzuziehen. Ich freue mich auf jeden Fall riesig auf den nächsten Teil!


"Regen und Sturm. Das waren sie. Niemand mochte Unwetter, aber es war ein schöner Gedanke, denn als Unwetter braucht man sich nicht zu fürchten."



Fazit:

Eine mega spannende Dystopie der Extraklasse. Caroline Brinkmann verstört, berührt, fasziniert, bezaubert und begeistert mit diesem Sci-Fi-Auftakt, der nicht nur für Genre-Liebhaber ein literarischer Leckerbissen ist. Meine uneingeschränkte Empfehlung!

 

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selbstdenken, faschismus, mut, rebellion, regime

Das Monophon

Elisabeth Zöller , Verena Ballhaus , Elisabeth Zoeller
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 30.09.2013
ISBN 9783446243101
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Das Monophon
Autor: Elisabeth Zöller
Verlag: Carl Hanser Verlag (30. September 2013)
Genre: Roman
ASIN: B00F4XHNDU
ISBN-10: 3446243100
ISBN-13: 978-3446243101
Seitenzahl: 160 Seiten
Preis: 9,99€ (Kindle-Edition)
12,90€ (Gebundene Ausgabe)
 
 

Inhalt:

Eines Tages steht in Mathildas Stadt ein seltsamer Apparat auf dem Marktplatz: das Monophon. Angeblich soll es für Unterhaltung und Frohsinn, aber auch für Ordnung und Sauberkeit sorgen … Und da sind auch die schwarzen Wärter, die mit ihren Uniformen und ihren strengen Gesichtern schön und gruselig zugleich aussehen. In der Stadt herrscht eine ganz neue Stimmung. Es wird gesungen und getanzt zur Musik aus dem Monophon. Doch manchmal wird die Monophonstimme scharf und gibt Befehle. Ist es ein Spiel? Angst macht sich breit. Langsam wird Mathilda und ihren Freunden klar, was zu tun ist: Sie müssen das Monophon unschädlich machen.

Eine zeitlose Parabel über Faschismus und Widerstand. Poetisch, nachdenklich, klug.


Bewertung:

"Das Monophon" - Dieses Buch habe ich als Kind gelesen und nie richtig verstanden, wahrscheinlich war ich einfach noch zu klein für dessen schwierigen Inhalt, weshalb ich es vor kurzem nochmal rausgeholt und gelesen habe. Erst dann ist mir aufgefallen, was für ein wirklich tolles
Kinderbuch ich da eigentlich im Schrank stehen hatte, ohne es zu wissen.


"Es liegt etwas in der Luft. Etwas, was noch nie da war..."



 Wie funktioniert Faschismus? Keine leichte Frage, selbst für einen Erwachsenen lässt es sich nicht in wenigen Sätzen erklären, dieses bedeutungsschwere Phänomen der europäischen Geschichte, wie soll man dann Kindern nahebringen, wie es zu einem solchen Terrorregime kommen kann und was es bedeutet, verfolgt zu werden? Dafür gibt es jede Menge Aufarbeitungsbücher, die sich mit dem Thema befassen, Einzelschicksale erklären und historische Begebenheiten in den Gesamtzusammenhang einordnen. An jeder Schule wird das Thema "3. Reich" einmal durchgenommen. Und doch wirkt dieses Thema schon so weit weg für uns. Viele Kinder ordnen Hitler schon in dieselbe Schublade wie zum Beispiel Napoleon - "ganz weit weg im letzten Jahrhundert". Gerade deshalb finde ich es so besonders, wie Elisabeth Zöller in ihrem Kinderbuch "Das Monophon" an dieses Thema herangeht. Sie erzählt keine historischen Ereignisse, die weit weg erscheinen, von Menschen, die leiden, sondern zeigt am Beispiel einer fiktiven Kleinstadt in einer nicht genauer definierten Gegenwart, wie schnell aus einer vielfältigen Gesellschaft ein faschistisches System werden kann. Man verfolgt das Geschehen zusammen mit den Protagonisten und kann dabei einiges lernen und nachdenken. Denn durch die alltägliche Einführung wird klar: die gezeigte Handlung könnte auch mir passieren, in meiner Stadt, alle lassen sich mitreißen und *schwups* lebt man in einer Gesellschaft, in der eindeutig etwas schief läuft und es zu spät ist, umzukehren. Wir erleben, wie sich die kleine Stadt, in der Mathilda lebt, Schritt für Schritt verändert und was eine Stimme ausrichten kann, wenn alle mitmachen...


Erster Satz: "Ich heiße Mathilda und sitze in meinem Baum."


Es beginnt ganz harmlos, die kleine Mathilda lebt in einer kleinen Stadt, hat Freunde, geht zur Schule und sitzt träumend in einem Baum als es passiert. Der große schwarze Kasten mit dem goldfarbenen Trichter, den sechs Männer auf den Marktplatz schieben, sieht aus wie ein überdimensionales Grammophon. Ein Monophon sei das, erklärt der Bürgermeister den erstaunten Bewohnern der kleinen Stadt. Der Name ist Programm: „Mono“ ist das griechische Wort für „eins“, „Phon“ bedeutet „Ton“, denn schon bald gibt es den Ton an. Auf den ersten Blick scheint das eine großartige Sache zu sein, denn die Melodien, die aus dem Schalltrichter aufsteigen, machen die Menschen fröhlich, lassen sie singen und tanzen. Auch Mathilda und ihre Freunde sind fasziniert, können es kaum erwarten, bis wieder die magischen Töne des Monophons durch die Straßen klingen, bewegen sich zur Musik – und sind einfach nur glücklich.

Doch eines Tages verkündet der Bürgermeister: Alle Sommersprossigen sollen sich auf dem Marktplatz versammeln. Das klingt nach einer großen Ehre – jeder wäre gern dabei. In einer feierlichen Prozession werden sie aus der Stadt geführt. Wohin, erfährt niemand. Denn sie kehren nicht zurück. Mathildas Mutter wird misstrauisch und warnt sie, sich lieber von diesem schwarzen Kasten fern zu halten. Und sie behält Recht: Als wenig später die Rothaarigen und die Stotterer ebenfalls die Stadt auf Nimmerwiedersehen verlassen, fällt es auch Mathilda zunehmend schwer, den Befehlen der Schwarzhemden zu gehorchen. In das blaue Buch, in dem sie ihre Gedanken notiert, schreibt sie: „Ich bin ein Selbstdenker, ein Selbstbestimmer!“. Dass die Interessen der Gemeinschaft nun grundsätzlich Vorrang haben sollen, bereitet ihr Unbehagen.


"Sie wollen herrschen.
Sie wollen Macht.
Sie wollen die Herren sein.
Sie nennen es Geheimnis.
Ich nenne es Terror."


Als die Forderungen des Monophons immer diffuser werden, greifen Angst und Misstrauen um sich. Wer nicht für die Entwicklung ist, ist gegen die Entwicklung und wird verstoßen. Immer mehr Menschen verschwinden, weil sie Außenseiter sind. Die Starken geben den Ton an. Mathilda bekommt immer mehr Angst und weiß nicht, was sie tun soll. Mitmachen, obwohl sie ein schlechtes Gefühl bei der Sache hat, oder sich lieber abgrenzen um dann vielleicht als Außenseiter in Gefahr zu kommen?

Erst als ihre Lehrerin ihr mit der Geschichte um David und Goliath Mut macht, weiß sie was zu tun ist: das Monophon muss weg! Zusammen mit verbliebenen Freunden und ihrer Familie schmiedet sie einen Plan, denn man kann auch als vermeintlich Schwacher erfolgreich Widerstand leisten...


"Gemeinschaft macht stark", tönt es. "Zusammen für uns." Immerzu wiederholt es diese Sätze. Kann ich denn nie mehr allein sein? Ganz für mich? Und ohne den Lärm?"


Man kann wunderbar mit nachvollziehen, was nach und nach in der Stadt passiert, kann verfolgen, wie es Mathilda und ihren Freunden geht, seit das Monophon in der Stadt steht. Aus der ich-Perspektive erzählt das junge Mädchen, was sie fühlt, während sie sich von einer Monophon-Anhängerin in eine Monophon-Gegnerin wandelt und beobachtet, wie diese Unterteilung der Menschen überhaupt zustande kommt. Die erste Faszination, die dann später mit dem
Entsetzen angesichts der wachsenden Unterdrückung kämpft, das Unbehagen, das in ihr wächst, dann die Angst, die sie lähmt und die Entschlossenheit, die sie packt, weil sie versteht, dass sie etwas ändern muss! Man sieht, wozu Menschen gebracht werden, die sich unterordnen und blind der Masse folgen. Freundschaften zerbrechen, Familien werden auseinandergerissen Mitläufer wenden sich gegen die Zweifler. All das ist so aufbereitet, dass es auch ein Kind verstehen kann und sich automatisch die Frage stellt: „Wie würde ich mich verhalten?“. Mathilda ist dabei ein gutes Vorbild - sympathisch, authentisch und gut zu verstehen. Sie tut das richtige, sieht ihre eigene Freiheit als wichtiges Gut an und kämpft um diese nicht zu verlieren. All ihre wichtigen Gedanken und Erlebnisse schreibt sie in ihr kleines blaues Büchlein. Wörter, Gedichte, kurze Geschichten - sie notiert, was sie bewegt und lässt uns daran teilhaben. Eine wirklich interessante Art und Weise, uns Leser Gefühle zu vermitteln. Ich denke nur, dass gerade die Gedichte und Bilder für Kinder sehr schwer zu verstehen sind und viele Andeutungen einfach übergangen werden.
Der Schreibstil ist zwar einfach gehalten, wird aber durch einfallsreiche Beschreibungen und die vielen Gedichte oder andere Schnörkel schön ausgeschmückt.


"Mein blaues Buch liegt vor mir, draußen jault das Monophon. Da baue ich in mein blaues Buch eine Seite mit Stille ein.
STILLE
Doch die Stille ist zu dick, zu fett, zu grell. Sie brüllt fast. Ich mache eine neue Seite:

STILLE

Die Stille ist nun auf dem Blatt. Und wenn ich sie lange anschaue, ist sie auch in mir."



Das Buch selbst zieht keine direkten Vergleiche mit vergangenen Ereignissen, sodass man das Buch als Parabel losgelöst von der Geschichte lesen kann. Es macht aber natürlich Sinn, das Buch im richtigen Zusammenhang zu besprechen. Das kann in der Schule sein, aber auch einfach zuhause. Vom Hersteller ist ein Alter von 10 bis 12 Jahren empfohlen, was ich nicht so passend finde. Zwar sind die Hauptpersonen in diesem Alter und der Stil ist auch angemessen einfach gehalten, doch um das geschriebene wirklich verstehen und darüber nachdenken zu können, muss man meines Erachtens noch ein wenig älter sein, vor allem wenn das Buch außerhalb der Schule gelesen und nicht besprochen wird. Ich war 10, als ich das Buch gelesen habe und konnte nichts damit anfangen, ich erinnere mich noch an das seltsame und beklemmende Gefühl, das nach dem Lesen übrig geblieben ist. Und das ist ja nicht der Sinn der Sache. Denn das Buch wird nicht wie so oft am Ende sehr hoffnungslos und trüb, am Ende kann in dieser Geschichte der Widerstand siegen, was Mut macht, sich gegen die Masse zu stellen und seine eigene Meinung zu vertreten. Es wird ganz eindeutig klar gemacht, wie wichtig es ist, seine Meinung frei äußern, selbst über sich, seine Zeit, seine Freunde, sein Leben bestimmen zu können, und nicht wegen eines körperlichen Merkmals oder einer anderen Meinung diskriminiert zu werden. Und das ist eine wichtige Erkenntnis. Denn die Gefahr des Faschismus ist noch längst nicht gebannt und kann abgehakt in Richtung Vergangenheit kategorisiert werden, sondern ist hier und heute immer noch ein wichtiges Thema.


"Die Stille
ist zurückgekehrt.
Ich kann sie wieder hören.
Ich denke - selbst.
Ich spreche - selbst.
Ich schweige - selbst.
So bin ich."



Mit dem Cover ist dem Verlag ein Volltreffer gelungen. Mit schwarz-weißen Streifen umrahmt ist der schwarze Kasten des Monophons zusehen. Zusammen mit dem olivgrünen Trichter des Tongeräts bildet er den Mittelpunkt der Geschichte ab - im Zentrum des ansonsten weißen Covers. Mit dem großen, recht krakeligen Titel, der sich über die obere Hälfte des Bildes erstreckt ergibt dies ein hübsches und sehr stimmiges Gesamtbild. Auch innerhalb der Buchdeckel ist das Design einfach wunderbar. Die Kapitel haben einfallsreiche Namen und werden mit detailreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen der Illustratorin Verena Ballhaus geschmückt. Darin wird in einer einfachen Strichzeichnung eine wichtige Aussage des Kapitels nochmals unterstrichen, man muss aber sehr genau nachdenken, um die Message wirklich verstehen zu können. Für Kinder stellen sie also wahrscheinlich nur ein wenig Verzierung da.


Fazit:

Ein wundervolles Kinderbuch, das aber für jedes Alter Klarheit schaffen und berühren kann. Ein Roman, der sensibilisiert und ermutigt, selbst die Stimme zu erheben.


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katze, verbrechen, oliver peetz, tiere, mord

Katzentango

Oliver Peetz
Flexibler Einband: 216 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 29.11.2016
ISBN 9783741241697
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Katzentango
Autor: Oliver Peetz
Verlag: Books on Demand (29. November 2016)
Genre: Psychothriller
ASIN: B01MQV9O85
ISBN-10: 3741241695
ISBN-13: 978-3741241697
Seitenzahl: 216 Seiten
Preis: 8,49€ (Kindle-Edition)
12,80€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Katzenpolka;
Katzenwalzer
 

Inhalt:

"...Schlafe ich etwa? Eine Katze...eine lachende Stimme...ein Mädchen...ich fliege...die Katze auch...es ist dunkel und ich höre Musik. Tango."

Der junge Iho wächst im sozialen Brennpunkt einer Großstadt auf. Jugendkriminalität, Gewalt und Drogen bestimmen in diesem Ghetto den Alltag.
In einem Keller begegnet der ängstliche Junge einer Gruppe verwahrloster Jugendlicher, die sich bei einem Ritual in einen ohnmachtsähnlichen Trancezustand versetzen. Iho, der sich auf das seltsame Ritual einlässt, verliert dabei das Bewusstsein und liegt mehrere Stunden ohnmächtig auf dem kalten Boden des Kellers. Alleingelassen von der Gruppe. Als er zu sich kommt, hat sich etwas verändert. Er hat sich verändert. Er folgt der Stimme in seinem Kopf und beginnt zu morden.
Als Ihos geliebte Mutter an seinem fünfzehnten Geburtstag stirbt, verbringt er noch mehrere Tage mit der Toten in der Wohnung. Der aufkommende Druck der Öffentlichkeit zwingt ihn schließlich, das Viertel zu verlassen. Zu Fuß und ohne Ziel.
Nach Tagen und Nächten der Entbehrungen kommt es durch eine geheimnisvolle Katze zu einer schicksalhaften Begegnung mit einem alten Mann, der allein in einem abgelegenen Waldgebiet wohnt.


Bewertung:

Die Kinder im Keller - ein Ritual?
Der jugendliche Iho - ein Mörder?
Das jüdische Mädchen - ein Engel?
Der Alte im Wald - ein Nazi?
Die geheimnisvolle Katze - der Schlüssel?
Ein Tanz zwischen Wahn und Wirklichkeit!
-Katzentango-


Diese interesseweckenden Fragen zieren den Buchdeckel und umschreiben die abstruse und grausame Handlung sehr gut. Eine Geschichte voller Wahnsinn und Leid, die aber auch von der grausamen Realität einer schrecklichen Kindheit im sozialen Brennpunkt erzählt. Am Schluss bleibt die Frage, wie es zu all dem kommen konnte, nicht offen. Denn mehr als deutlich wird der Grundstein der Geschichte in Ihos Kindheit gelegt. Denn Iho, eigentlich Ignaz Horst Otto, bekommt von seinen Eltern nicht viel Liebe. Der Vater ein Säufer, die Mutter, mehr oder weniger, auf sich alleine gestellt wird er von Beginn seines Lebens mit Alkohol, Drogen, Brutalität, Mobbing, Armut und Gewalt konfrontiert. Schlüssel zu seinem Wahnsinn ist jedoch ein Ritual im Keller seines Hauses. Denn während des Rituals, durch das er einen Einblick in die Welt der Toten erhalten soll, geht etwas schief und als er aufwacht ist nichts mehr, wie es zuvor war. Die Ameisen in seinem Kopf beginnen Tango zu tanzen und er geht auf seinen ersten Beutezug...


Erster Satz: "Bei der Befreiung Nazideutschlands durch alliierte Streitkräfte im Frühjahr 1945 entdeckte ein amerikanischer Soldat in einer der zahlreichen Baracken eines Konzentrationslagers eine Blechschachtel."

Dieses Buch ist das dritte einer bisher dreiteiligen Reihe an Psychothrillern, in denen alle eine Katze eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Die Bücher lassen sich aber unabhängig voneinander lesen, ich kenne die anderen Bände auch nicht. Und das wird denke ich auch so bleiben. Ich fand das Buch wirklich nicht schlecht und lese gerne ab und zu mal einen Psychothriller, da sie eine dunkle Faszination auf mich ausüben. Doch irgendwie hat es mir am Ende gereicht. Denn wie bei jedem abstrusen Psychothriller, und das war dieses Buch durchaus, muss ich mir am Anfang meiner Rezension die Frage stellen: "Was bitte muss man genommen haben um sich solch eine Geschichte ausmalen zu können?!?"

Abscheu, tiefe Traurigkeit, Ekel, Unverständnis und ein wenig Mitleid, das sind die Emotionen die bei mir während dem Lesen dieses grauenvollen Thrillers hängen geblieben sind. Dabei bezieht sich dieses Adjektiv gar nicht auf die Qualität des Buches, sondern mehr auf die Atmosphäre des Inhalts. In 10 kurzen Kapiteln wird die brutale Geschichte von Iho erzählt, der gedemütigte Junge, der nach einem gruseligen Ritual zum unerkannten Serienmörder wird. Anders als in anderen Psychothrillern ist man hier mit Iho unterwegs, erfährt aus der Ich-Perspektive, wie es sich anfühlt zu morden, man riecht was er riecht, man sieht was er sieht und man wird mit seinen tiefsten Gefühlen konfrontiert.


"Mein Leid soll denn nun ihres sein, auf dass sie spüren, welche Qual ich leide. War mein Anspruch denn zu hoch, als ich nach nichts Geringerem als der Liebe bat? Aber jetzt bin ich ohne Seele und ihr, ihr werdet den Schmerz spüren, den ich spüre. Ihr alle. Und weinet ja nicht. Dazu ist es längst zu spät.
Iho"



Das gruselige ist dabei nicht nur, was sich dieser Autor für den armen Jungen ausgedacht hat, sondern auch, dass mich die dunkle Handlung - von seiner seltsamen, aus dem Ruder gelaufenen Liebe zu seiner Mutter, seinen mörderischen Beutezügen, in denen er sich wie ein Tier fühlt, sowie seine Flucht durch die eiskalte Winterlandschaft nach dem Selbstmord seiner Mutter über die eigenwillige Begegnung mit dem alten Nazi - in seinen Bann gezogen und auf seltsame Weise berührt hat. Insgesamt erschien mir die Handlung für einen Psychothriller überraschend nachvollziehbar. Kritisieren muss ich aber noch, dass mir die einzelnen Elemente nicht klar genug miteinander verbunden waren. Was genau nun die Katze, der alte Mann und das jüdische Mädchen mit Ihos Leiden zu tun haben, wurde mir bis zum Ende hin nicht ganz klar. Klar die beiden Prologe geben ein wenig Aufschluss, ein paar gezogene Verbindungen hätte ich aber schon noch erwartet!

Doch erstmal noch zum Cover: Ganz in Schwarz gehalten lenkt es die Aufmerksamkeit des Betrachters sofort auf die graue Katze, welche recht mittig platziert auf etwas außerhalb unseres Blickfeldes starren zu scheint. Ihre Augen sind von einem hellen Grün, welche mit dem Titel die einzigen Farbflecke auf dem Cover bilden. Der Titel hebt sich durch ein sehr grelles Rot super vom Hintergrund ab und wirkt etwas verschmiert und fleckig. Auch die Buchrückseite wird von der Katze in Nahaufnahme geziert. Das passt natürlich, da die Katze mit den grünen Augen eines der Hauptmotive des Buches ist. Sie ist nur leider weiß und nicht grau, was aber auch an dem dunklen Licht des Covers liegen könnte. Sehr seltsam und doch eingängig spiegelt es die Grundstimmung des Buches wieder und motiviert sofort zum Lesen. Nicht so gut gefallen hat mir die auffallend große Schrift innerhalb des Buches gepaart mit den kleinen Kapitelbezeichnungen, die ich oft übersehen habe. Außerdem habe ich trotz der zwei Lektorinnen noch relativ viele Tippfehler gefunden - vor allem auf den ersten 20 Seiten. Ansonsten sind die 214 Seiten insgesamt stilvoll verpackt worden. Das Cover ist sehr hübsch anzusehen und hinterlässt gleich ein beklemmendes Gefühl und einen Hauch der Atmosphäre, die dieses Buch beherrscht.


"Ich nahm es mit jeder Faser meines Körpers auf. Inhalierte es. Trank und aß dieses Gefühl.(...)Gleich. Noch zwei Meter. Sprungbereit. Noch nicht. Noch nicht! Ein Meter. Jetzt! Überraschungsmoment nutzen. Das Kleine fällt. Mit mir. Ameisen tanzen.
Tango!"



Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und hebt sich mit den vielen, sehr kurzen, oft auch 1-Wort-Sätzen von der großen Masse ab. Kalte, klare, prägnante Sätze, die einem beim Lesen, die Luft nehmen und Gänsehaut erzeugen, schnörkellos und direkt - die Dinge werden direkt beim Namen genannt und nicht lange um den heißen Brei herum geredet. Durch das schnelle Stakkato wird dir Handlung immer weiter vorangetrieben und zu der düsteren Atmosphäre mischt sich ein wenig Eile. Gefühle und Gedanken erhalten ihren Platz genau wie einige faktische Erläuterungen. Das Geschehen wird dabei nicht streng stringent erzählt sondern holt immer wieder in die Vergangenheit aus und springt dann etwas nach vorne. Das passt sehr gut zu dem sprunghaften Stil zu erzählen und den vielen überraschenden Wendungen in der Handlung.

Auch der Hauptcharakter Iho ist interessant gezeichnet. Er leidet viel, muss einiges erdulden und einstecken, bis er schließlich seinen eigenen Rachefeldzug unternimmt. Wirklich sympathisch war er mir nicht, die Beziehung zum Leser wird eher geprägt durch eine Mischung aus Abscheu und Mitleid. Nach dem Beenden des Buches kann ich sagen, dass er ein wirklich gut gelungener Charakter ist, zwar nicht sonderlich schön zum lesen, aber definitiv authentisch, glaubwürdig und berührend.


"So war das. Rad weg. Prügel bekommen. Auge dicht. Denunziert vom Vater. Meine Kindheit eben. Nicht sehr schön, aber ich dachte daran, dass irgendwo auf dieser Welt andere Kinder lebten, denen es noch schlechter ging als mir. Das half ein wenig. Ich kannte es nicht anders. Ich war so aufgewachsen."


Dann ist das Buch irgendwann zu Ende und ein absolutes Scheiß-Ende folgt. Dabei meine ich noch nicht einmal die Qualität der letzten Seiten, die ich als sehr spannend und auch realistisch empfunden habe, nein, mir hat einfach der Ausgang absolut nicht gefallen. Man fragt sich durchgehend, wie Iho aus der ganzen Sache eigentlich wieder rauskommen soll und das Ende macht es sich dann sehr leicht. Gar nicht.


Fazit:

Schwer zu bewerten! Auf der einen Seite voll Schrecken und Wahnsinn, auf der anderen fast sensibel und einfühlsam. Ein interessanter Psychothriller mit Schwächen und Stärken, den man als Fan des Genres aber nicht verpassen sollte!

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energie, sucht, licht, aleumina, rivalen

An deiner Seite - Stadtrivalen 1

C. Carelly
Flexibler Einband
Erschienen bei bookshouse, 31.08.2016
ISBN 9789963533961
Genre: Fantasy

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Stadtrivalen - An deiner Seite
Autor: C. Carelly
Verlag: Bookshouse (25. Juli 2016)
Genre: Romantasy
ISBN-10: 9963533965
ISBN-13: 978-9963533961
ASIN: B01J3D9PIW
Preis: 13,99€ (Taschenbuch)
3,99€ (Kindle-Edition)
Seitenzahl: 404 Seiten
Weitere Bände: Stadtrivalen - Auf der Suche nach dir
 
 

Inhalt:

Das Leben der siebzehnjährigen Lia ändert sich schlagartig, als sie zur Rivalin aktiviert wird. Da Rivalen wie Magnete auf Kreaturen namens Roumen wirken, bleibt Lia keine Wahl, als zu jagen. Schon bald verfällt sie dem Jagdrausch. Immer stärker fühlt sie sich zu dem geheimnisvollen Dorian hingezogen, was für Gefühlschaos sorgt, weil sie endlich mit ihrer großen Liebe zusammengekommen ist. Kaum hat sie ihre Gefühle in den Griff bekommen, wirft ein Todesfall im Freundeskreis sie aus der Bahn. Lia fasst den Entschluss, mit Dorian und anderen Rivalen den gerissenen Anführer der Roumen zu töten und somit die Züchtung weiterer Roumen zu stoppen. Wenige Tage vor der letzten Schlacht kommt sie hinter Dorians Geheimnis und erfährt Dinge, von denen sie lieber niemals etwas gehört hätte ...


Bewertung:
 
Ich gebe zu, wenn dieses Buch kein Rezi-Exemplar gewesen wäre, hätte ich es nie angefangen, oder zu Ende gelesen. Das Cover finde ich absolut gar nicht hübsch und der Klapptext klingt wie ein durchschnittlicher Urban Fantasy Schund. Als ich es dann durch hatte, war ich dann aber doch froh, es gelesen zu haben, denn so schlecht war dann doch nicht. Also: nicht vom ersten Eindruck leiten lassen. Das Cover finde ich aber immer noch schrecklich ;-) Mit dem rennenden Mädchen in dem weiten weißen Kleid, das absolut gestellt aussieht und gar nicht zur Handlung passt (die Hauptperson würde nie so in einem Kleid durch die Stadt rennen) vor der dunklen Stadt sieht es ein wenig billig aus. Dazu passen die seltsamen Lichteffekte, welche wohl die Aelumina, die innovativen Lichterscheinungen des Buches, darstellen sollen, für mich aber absolut gar nicht passen (sie sind eigentlich bunt und schillern sanft) und der verschnörkelte Titel. Alles in allem eine passende Komposition, aber so gar nicht meins! Auch der Titel ist erstmal verwirrend. Der Reihentitel "Stadtrivalen" passt sehr gut, doch der Untertitel "An deiner Seite" wirft die große Frage auf, wessen Seite nun gemeint ist. Immerhin gibt es zwei Typen, von denen sie eigentlich nicht wirklich an der Seite desjenigen steht. Aber ja gut.


Erste Sätze: "Es ging hier nicht etwa um neue Schuhe oder um ein Auto. Hier ging es um die Zukunft meiner Schwester. Wen wunderte es also, dass ich eben am Telefon laut geworden war?"


Das Buch beginnt mit dem Alltag der stinknormalen Siebzehnjährigen Lia Galdini - stinknormal? Denkt sie nur. Als sie auf der Straße von einem fremdartigen Wesen, einem Roumin, attackiert wird, erwacht in ihr eine magische Seite, von der sie nichts geahnt hat. Aktiviert zur Rivalin, dazu bestimmt, Roumen zu jagen und ihre Energie, Aelumina, die den Kämpfern Schnelligkeit und Stärke verleihen, zu sammeln. Der Rivale Dorian klärt sie auf und macht sie mit einer Gruppe von Rivalen bekannt. Zu Beginn will Lia nicht kämpfen und sie braucht etwas Zeit um sich mit der neuen Situation zu arrangieren, doch dann beginnt sie Spaß an der Jagt und dem Kampf zu empfinden. Gemeinsam mit ihrem neuen Freunden begibt sie sich auf die gefährliche Jagd. In ihrer Sammelwut schaukeln sich die Jäger gegenseitig hoch, bis sie auf Oreol stoßen, den gefährlichsten aller Roumen...

Eigentlich ein Szenario, dass nicht ganz unbekannt erscheint. Eine böse Rasse, die Schaden in einer Stadt anrichtet und von besonderen Jägern eliminiert werden muss. Egal ob Dämonenjäger, Vampirjäger, Schattenjäger oder Geisterjäger, so etwas hat man schon mal gehört. Eine Gruppe, die sich findet, ein Mitglied, das neu in diese Welt eingeführt werden muss und dann gemeinsam mit den Freunden die absolute Gefahr bekämpfen muss, jemanden aufhalten muss, bevor er alles zerstört. Mittendrin wird natürlich noch herausgefunden, dass diese eine Hauptperson, die neu dazukommt, der oder die Auserwählte ist, eine mächtige Person, die alle retten wird, blablabla. Jaja, man kennt das und nach genau diesem Schema ist auch dieses Buch aufgebaut. Was aber wirklich toll ist, sind die vielen neuen Ideen, die hier mit eingemischt sind. Zum einen sind die Roumen, Einzahl Roumin, eine neue, kreative Idee von Monster. Eine bleiche, undefinierbare organische Masse, die zunehmend menschliche Gestalt annimmt, wenn sie menschliche oder rivalische Energie stiehlt und konsumiert, bis ein sogenannter Prim daraus geworden ist. Ein vollständig ausgebildeter Roumin, der einem Menschen bis zu einem gewissen Grad ähnelt. Ihnen wohnt eine besondere dunkle Energie inne, aus der sie entstehen und die sie beim Sterben wieder freisetzen: Aelumina. Eine aufputschende Lichterscheinung, gehandelt und konsumiert wie eine Droge unter den Rivalen, die alle in einen gefährlichen Sammelrausch fallen. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen! Mal etwas anderes auf jeden Fall! Ich lese sehr gerne in diesem Genre, das sich thematisch oft wiederholt. Vampire, Werwölfe, Dämonen, Feen, Engel, dann ist es schön, wenn man ein Autor auf eine eigene, neue Idee kommt.


"Edas Atem ging schnell. Ihre Wangen brannten, und die Augen glänzten. Sie trat einen Schritt auf mich zu. Ihre Stimme überschlug sich beinah. "Wir haben endlich die Stärkste der Fünf gefunden: die Tochter des Sternenwindes!"


Leider waren in dieser neuen Idee ein paar Logiklücken und Unklarheiten zu finden, so war mir zum Beispiel unklar, wer nun genau die Roumen sehen konnten. Nur Rivalen oder auch Menschen? Eigentlich ja nur Rivalen, da diese sie auch bekämpfen sollen, oftmals war es jedoch der Fall das auch Menschen sie sehen konnten und ihnen auch als Beute dienten. Außerdem unlogisch erschienen mir die vielen Verletzungen, die sowohl Lia als auch andere Rivalen sich fast im Minutentakt zulegen. Diese werden sehr oft vergessen oder harmlos abgetan. Mich störte es einfach zu lesen, dass hier mal eine Rippe knackte und da mal alles schwarz wurde und am Ende gingen sie mit einem blauen Fleck nach Hause. Dazu passt gleich ein weiterer Punkt, der mich nach einer Weile gestört hat: die sich ständig wiederholenden Kampfszenen. Es gibt bestimmt über 20 Stellen in dem Buch, in dem die Hauptpersonen nichts anderes tut, als Roumen zu verprügeln, so lange auf sie einzudreschen, bis sie sich auflösen und ein Aelumina aus ihnen austritt, um das sie sich dann danach wieder streiten. Das wurde mir auf Dauer etwas zu viel. Natürlich gehört das zur Geschichte, aber die vielen Szenen haben die Handlung nicht weitergebracht und könnten doch auch etwas abwechslungsreicher beschrieben sein. Es gab außerdem einige Situationen, die ich einfach nicht richtig verstanden habe und die seltsam konstruiert wirkten, vielleicht hätte also die Verarbeitung der Idee ein wenig sorgfältiger sein können. Gerade wenn man ein Konzept nicht kennt, muss es gut erklärt werden. Aber da die Geschichte ja nur der Einführungsteil in eine Reihe ist, kann man das durchgehen lassen und einfach auf ein bisschen Festigung in den folgenden Teilen hoffen.


"Ich, die Tochter des Sternenwindes? - Vorrückte Vorstellung.
Ich, die Tochter des Sternenwindes... - Klingt eigentlich gar nicht mal so schlecht.
Ich, die Tochter des Sternenwindes. Oh. Mein. Gott."



Die Protagonisten sind so gut beschrieben, wie es das auf gut 150 Seiten eben möglich ist (das ergibt sich wenn man die 250 Seiten Kampfszenen abzieht) und gerade die Hauptfigur Lia lernt man dank der Ich-Perspektive schnell kennen. Zu Beginn wirkte sie etwas oberflächlich auf mich, doch im Laufe der Geschichte wurde sie mir immer sympathischer. In ihr steckt ein kleiner Rebell, die gerne mal bei anderen aneckt, ein sensibles Mädchen, dass sich hinter Sarkasmus versteckt und wenn sie zuerst noch ein Mitläufer war, beginnt sie dann selbst nachzudenken und ihren eigenen Weg zu gehen. Sie bleibt trotzdem ein wenig blass, wie auch die anderen Charaktere auch, doch es gibt ja noch einen zweiten Teil, der sie nachbessern kann.

Neben Lia sind da eigentlich nur noch Dorian und Sascha, die eine nennenswerte Rolle einnehmen. Im Mittelteil bahnt sich eine Dreiecksgeschichte an, die sich dann aber -gottseidank- schnell wieder erledigt. Sascha fand ich von Anfang an unsympathisch und irgendwie seltsam. Als ich irgendwann verstanden habe, dass das wohl gewollt ist, war ich überrascht, über die gute Zeichnung des Charakters, da ich ihn für eher schwach gehalten hatte. Dorian ist recht geheimnisvoll und verbirgt ein Geheimnis, von dem ich absolut nicht darauf gekommen bin, welches es ist. Als es dann aufgelöst wurde, war ich wirklich überrascht über diese Wendung, die sehr abrupt kam und wirklich super war. Ich bin wirklich gespannt, wie sich die Geschichte mit ihm entwickelt.


"Ich baue auf dich, Dorian." Unsere Schritte wurden langsamer. Mich trennten höchstens fünfzehn Meter von der Haustür. "Selbstverständlich kämpfe ich mit. Trotzdem möchte ich euch in meinen Krieg nicht mit reinziehen." Als wir stehen blieben drehte ich mich zu ihm um.
"Er hat ihn begonnen - Wir werden ihn beenden", sagte ich entschlossen."



Der Schreibstil ist -wie so oft in diesem Genre - sehr schlicht, beschreibend und recht temporeich. Nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes. In der Mitte des Buches erlebte ich eine kleine Leseflaute, weil nichts Neues passierte und sich Lia immer weiter in etwas verrannte, was eindeutig nicht gutgehen konnte - das Sammeln, die fast krankhafte Sucht nach der besten Aelumina, ein Typ, der nichts für sie ist,... - doch der fesselnde und rasante Stil zu schreiben hat mich recht gut darüber hinweggebracht.

Das Ende wurde dann wieder richtig spannend. Ich hatte mit einem Happy End oder zumindest einem Cliffhanger gerechnet, doch was dann passiert, hätte ich niemals erwartet. Spätestens in diesem Moment habe ich mich dazu entschieden, den zweiten Teil unbedingt zu lesen! Nicht nur weil ich glaube, dass noch sehr viel Potential in dieser Geschichte steckt, sondern auch einfach weil ich wissen will, ob die Autorin sich dieses Ende wirklich getraut hat. Welches Buch endet schon mit dem Satz...

**Achtung: Spoiler**

..."Meine Welt zerbrach" Als ich das gelesen habe dachte ich nur: OMG sie lässt den Mittelpunkt des Buches einfach so sterben. Klar, er kann Zeitreisen und sie macht das bestimmt um ihn irgendwie zu retten, aber trotzdem, OMG. Das hätte ich nie erwartet!!! Wirklich mutig.
Also *räusper, räusper*, das musste ich einfach loswerden ;-)

**Spoiler Entwarnung**



Fazit:

Eine spannende Geschichte mit einer interessanten neuen Idee, die teilweise etwas mangelhaft umgesetzt wurde, aber trotzdem lohnenswert ist zu verfolgen.

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libellenfrühlin, schicksal, dennis kohlmann, mut, fantasie

Libellenfrühling

Dennis Kohlmann
E-Buch Text: 152 Seiten
Erschienen bei Selfpublisher, 15.06.2017
ISBN B071XJSHW2
Genre: Fantasy

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Libellenfrühling
Autor: Dennis Kohlmann
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (27. Juni 2017)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 1548276634
ISBN-13: 978-1548276638
Seitenzahl: 158 Seiten
Preis: 4,99€ (Taschenbuch)
0,99€ (Kindle-Edition)
 

Inhalt:

"Für mich war Mia gar nicht wirklich hier. Das hier war bloß ein leerer Körper. Ohne Inhalt. Ohne Seele."

Als seine Schwester Mia unter mysteriösen Umständen in ein Koma fällt, ist Julien so entsetzt, dass sich in seinem Kopf eine Idee festsetzt, die ihn einfach nicht mehr loslassen will: Dieses Mädchen kann niemals seine Schwester sein. Das Gesicht zu fahl, die Haare zu zerzaust und den Augen scheint jegliche Farbe gewichen. Julien ist sich sicher: Der Wald hat sich Mias Seele geholt und diese leere Hülle wieder ausgespuckt.


Bewertung:
 
Die erste Strophe meines Lobliedes an dieses Buch widme ich dem Cover. Vom dunkelblauem Grund, der mit vielen leuchtenden Sternen durchzogen ist und so echt wie ein Nachthimmel wirkt, dass man am liebsten nach den Sternen greifen möchte, hebt sich weiß der Titel im Mittelpunkt des Bildes ab. Etwas darunter ist ebenfalls in hellen Farben die Silhouette einer Libelle zu sehen, die über den dunklen Umrissen einer Wiese mit Baum zu schweben scheint. Das Bild nimmt den Leser mit seiner funkelnden, geheimnisvollen Ausstrahlung sofort in den Bann und passt von den Motiven her perfekt zum Inhalt. Auch der Titel weckt gleich das Interesse und passt gut. Insgesamt eine wunderschöne, magische Gestaltung, die besser nicht hätte sein können. Großes Lob!


Erster Satz: "Ihrem Blick nach zu urteilen, war Mama entweder der Überzeugung, ich sei ein verwaistes Straßenkind, oder gar ein ausgereiftes Sumpfmonster."


Mia ist im Wachkoma -sagen die Ärzte-, ein geheimnisvoller, verhüllter Mann im Wald, der mit Libellen spricht ist da anderer Meinung. Sie habe ihre Seele verloren, die nun im Wald umher irre. Julien ist hin und her gerissen zwischen Unglauben und Magie und dem unbändigen Wunsch, seine Schwester zu retten. So macht er sich mit der Hilfe der "Mumie" auf den Weg, seine Schwester zu suchen und folgt dem Ruf der Libellen...

Dennis Kohlmann hat eine unglaubliche und berührende Geschichte geschaffen. Eigentlich ist sie eher an ein etwas jüngeres Publikum adressiert, kann aber auch sehr gut von Erwachsenen gelesen werden. Man begleitet Julien sehr gerne auf sein Abenteuer im Wald und fiebert mit ihm, ob er seine Schwester nun retten kann, oder nicht. Dabei bliebt bis zum Ende als Beigeschmack die Frage, ob er sich das nicht doch nur alles einbildet, den Zustand seiner Schwester einfach nicht verkraftet und somit etwas erfindet um sich besser zu fühlen, oder ob dieses Buch tatsächlich ein Fantasy-Roman sein soll. Haben seine Bemühungen, die Seele seiner Schwester zu finden tatsächlich ein Sinn, oder werden so nur die Schuldgefühle und Überforderung deutlich gemacht, die ihn plagen.


Wenn man dieses Buch als Kind liest, wird wohl das Fantasy-Abenteuer im Vordergrund stehen, doch als Erwachsener bekommt die Handlung noch mal eine ganz andere Dimension. Man steht ein kleines bisschen darüber und kann nachdenken, in Frage stellen, während man mit fiebert und gespannt auf den Ausgang der Geschichte hofft. Und ich finde genau das macht ein gutes Kinder-/Jugendbuch aus. Dass man ein Werk je nach Lebenssituation anders betrachten kann und ein bisschen Spielraum für Interpretation gelassen wird - ganz nach unserem Blogmotto "A writer only starts a book, a reader finishes it". ;-)


Und egal ob er seine Schwester nun am Ende wirklich gerettet hat, oder ob alles nur eine große Metapher war, seine Fantasy-Geschichte hat Julien geholfen, über seine Schuld hinwegzukommen, sich besser zu fühlen. Durch seine Fantasie und der Glaube an sich selbst konnte er die schwere Zeit überstehen und das finde ich eine wichtige Aussage. So wird das eher beklemmende, nachdenkliche Buch zu einem Roman, der in schweren Zeiten Mut machen kann.


"Wie sie dort lag, mit aufgerissenen Augen und einem Gesicht, das so weiß und leer war wie eine Schneewüste im Winter. Verblasste Sommersprossen. Keine Farbe auf den Lippen. Alles schattiert in Weiß und Grau und Blau. Nur ihr Haar loderte. So wie das von Mia."


Der Stil, in dem das Ganze gehalten ist, ist einfach wunderbar - erfrischend, humorvoll, bildreich, schlicht aber träumerisch. Gut verständlich und greifbar sind die Situationen geschildert, die Dialoge knapp und stimmig für die Altersgruppe, hin und wieder kann man ein wenig Ironie und versteckter Humor durchblitzen sehen, welche wohl für die Erwachsenen bestimmt sind. Es wird eine magische, Großteils eher traurige Atmosphäre kreiert, durch die aber immer wieder Lichtblicke und schöne Erinnerungen durchscheinen, sodass die Grundstimmung leicht melancholisch aber dennoch positiv erscheint. Ein angenehmes Lesegefühl!
In der Handlung wie auch im Stil passt alles wunderbar zusammen, ist sowohl auf Kinder als auch auf etwas älteres Publikum abgestimmt und super ausgearbeitet. Dafür ein riesengroßes Lob an den jungen Autor!

Der zehnjährige Julien, der wegen seiner hochgewachsenen, dürren Statur nur die Libelle genannt wird - ein wunderbarer Querverweis - hat mich als Erzähler wirklich überzeugt! Aus der Ich-Perspektive bekommen wir die Geschehnisse aus seiner Sicht erzählt und können ganz genau mit verfolgen, was er fühlt. Wirklich viele Freunde hat er nicht und auch so ist er mit seinen Brandnarben an den Händen eher ein Außenseiter. In vielerlei Hinsicht ist er noch ein richtiges Kind, abenteuerlustig, voller kindlichem Tatendrang, was man an seiner Art zu beschreiben und erzählen schön sehen kann. Aber manchmal blitzt ein wenig reiferes Verständnis durch und gerade weil er mit der Situation so alleingelassen wird, muss er sich selbst eine Erklärung suchen, sich damit beschäftigen und wächst daran. Man kann ihm eine deutliche Entwicklung anmerken. In seiner Verzweiflung, für den Zustand seiner Schwester mitverantwortlich zu sein und seinem Bemühen, sie zu retten erscheint er sehr sympathisch und beharrlich, gibt nicht auf, auch wenn andere ihn für verrückt halten und im Steine in den Weg legen. Das hat mir sehr gut gefallen. Was ich aber besonders toll fand, ist die Tatsache, dass Julien niemals aufhört und er sich immer wieder seinen Eltern widersetzt, die relativ schwach wirken und ihn alleine lassen, selbst vom Verlust mitgenommen. Er ist der einzige, der daran glaubt, dass Mia als leere Hülle zurückgekehrt ist und er weiß, wer ihm dabei helfen kann, die Seele seiner Schwester zur retten - die Mumie!


"Ich streichelte das hölzerne Kleid, das von nun an nicht mehr makellos sein würde. Er war gezeichnet, so wie ich und so wie Gabriel. Gabriel, der alles verstand, aber nicht helfen wollte, weil er ein verrückter Spinner war. Wieso war ihm Mia so egal?"


Mein absoluter Liebling in diesem Buch ich jedoch Gabriel alias "die Mumie". Bei seiner Suche nach Spuren von Mia im Wald stößt Julien auf den gruseligen Mann, der von Kopf bis Fuß verhüllt einen Spaziergang durch den Wald unternimmt und wird von ihm vor einer wütenden Wildschweinmutter gerettet. Insgeheim hat er viel Angst vor dem geheimnisvollen Mann, besinnt sich aber seiner Manieren und geht sich bei ihm bedanken. So beginnt eine wunderbare Freundschaft, die sich über die Realität und viele Vorurteile hinwegsetzt. Mir war auch der arme, von Schicksal gezeichnete Mann in seiner einsamen Hütte im Wald sehr sympathisch. Vielleicht ein bisschen verschroben aber gutmütig nimmt er sich des Jungen an und begibt sich mit ihm auf die Suche nach seiner Schwester, um eine alte Rechnung zu begleichen. Denn Gabriel hat ein Geheimnis, dass mehr mit Mias Verschwinden zu tun hat, als Julien ahnt...

Im Endeffekt müsste ich die Genre-Angabe oben bei den Fakten nochmal ändern und eher "Jugendroman" daraus machen. Denn der Fantasy-Teil ist verschwindend gering und wird vor allem durch das Motiv der Libelle geprägt. Sie tauchen immer wieder auf. Julien wird die Libelle genannt, die Drachenflieger, die ihn zu seiner Schwester führen, sind auch Libellen und nachdem er die Idee bekam, seine Schwester hätte ihre Seele verloren, flog auch eine Libelle gegen seine Fensterscheibe.


"Ich spürte wie sich der Tropfen einer Idee in meinem Kopf formte und zu fließen begann: Was wäre wenn Mia sich verlaufen hätte? Ein Tropfen, der auf andere Tropfen stieß. Tropfen, die sich zu einem großen Ganzen verbanden: Was, wenn Mia sich so tief im Wald verloren hatte, dass sie selbst etwas verlor, dass sie nicht verlieren durfte? (...) Ich hörte den Tropfen auf den Boden schlage, wie der erste regen gegen eine Fensterscheibe. Meine Fensterscheibe(....)
Auf Augenhöhe schwebte eine Libelle. Ihre Flügel schlugen so schnell, dass ich sie kaum wahrnahm. Der Körper jedoch glänzte im Licht des Mondes. Wie feinstes Perlmutt."


Das Ende hat mir nochmal sehr gut gefallen. Magisch, tragisch und einfach nur berührend, genau wie das ganze Buch!

Der einzige Punkt, der mir negativ aufgefallen ist, ist die Länge des Buches. Mit gerade mal 158 Seiten ist die doch recht komplexe Story meiner Meinung nach noch nicht vollends ausgeschöpft. Da hätte ich mir gewünscht, einige Szenen nochmal ein wenig zu vertiefen. Aber das nur am Rande.


"Später lag ich im Bett und wartete, während sich draußen dunkle Wolken vor den sichelförmigen Mond schoben. Ich starrte aus dem Fenster in der Dachschräge über mir und schaute den Sternen beim Verschwinden zu."



Fazit:

Ein kurzes aber wundervolles Buch über die Wichtigkeit von Fantasy und Mut in schweren Zeiten, das berührt und dazu bringt, ein wenig aufmerksamer durchs Leben zu gehen. Kann ich nur empfehlen!


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sequenz, intrige, schottland, geld, medizin

Tödliche Sequenz: Ein Lord Bromley Thriller

Alex Bensson
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei null, 01.05.2017
ISBN B071L168BD
Genre: Sonstiges

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Tödliche Sequenz
Autor: Alex Bensson
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (6. Mai 2017)
Genre: Thriller
ISBN-10: 1546471464
ISBN-13: 978-1546471462
ASIN: B071L168BD
Seitenzahl: 300 Seiten
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)
9,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Viren schlafen nicht

 

Inhalt:

Radioaktives Polonium verschwindet – eine mysteriöse Leiche taucht auf. Der britische Geheimdienst beauftragt den jungen Lord Lucius Bromley, den rätselhaften Ereignissen nachzugehen. Doch Lucius kann nicht verhindern, dass nach und nach alle Zeugen ermordet werden. Als auch noch falsche Verdächtigungen aufkommen, wird er über Nacht vom Jäger zum Gejagten. Mit dem Geheimdienst und einem aggressiven Unbekannten im Nacken bleibt ihm keine andere Wahl, als auf eigene Faust weiter zu ermitteln. Unterstützt von seinem Team und der Ärztin und Biologin Claire Hansen folgt er der Spur des äußerst giftigen, strahlenden Metalls. Schnell stellt sich heraus, dass das Polonium nur der Anfang ist und dahinter die wirkliche Katastrophe lauert. Aber die Zeit wird knapp, denn die Schlinge um Lucius zieht sich rasend schnell zu. Und ein harmloser Auftrag verwandelt sich so in einen tödlichen Kampf mit einem genialen, übermächtigen Gegner.


Bewertung:

DISCLAIMER: Vielen vielen Dank an Alex Bensson, der uns auch den zweiten Teil seiner "Lord-Bromley-Thriller" - Reihe zu Verfügung gestellt hat!!!

Nachdem Lord Lucius Bromley und sein Team im ersten Band die Welt vor einem mysteriösen, bisher unbekannten Virus gerettet und Milliarden vor dem Tod bewahrt haben, müssen sie jetzt wieder ran, als eine geheimnisvolle Organisation gezielte Morde durch biologische Waffen vornimmt. Ihr zweiter Auftrag beginnt ganz überschaubar, wächst sich jedoch schon bald zu einer großen Bedrohung aus. Als die Innenarchitektin Melinda Shelby tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, steht die Polizei vor einem Rätsel, denn unweit von ihr bemerken sie ein fluoreszierendes Metallstück in einer Blutlache. Ihnen bleibt jedoch keine Zeit zu ermitteln, denn unerwarteter Weise entsteht ein Brandt, der nicht nur sämtliche Beweise vernichtet, sondern auch Zeugen. Kurz darauf geschehen weitere Morde, eine große Menge radioaktiven Poloniums wird gestohlen und Jane Stoneheart, die Leiterin einer Abteilung des MI6, gerät unter den Verdacht des Mordes und illegal mit Polonium zu handeln. Lucius Bromley und sein Team beginnen inoffiziell zu ermitteln und gelangen alsbald selbst in Verdacht. Ihre Probleme häufen sich, als ihnen nicht nur der britische Geheimdienst, sondern auch eine unbekannte und skrupellose Organisation dicht auf den Fersen ist. Als sie jedoch herausfinden, dass die Fäden in Frankreich zusammenlaufen, scheint es beinahe zu spät zu sein…

Erster Satz: "Der Konvoi fuhr langsam die nächtliche Straße entlang."

So beginnt wieder eine nervenaufreibende und wilde Jagd über verschiedene Schauplätze, die uns durch die Sicht von verschiedenen Charakteren näher gebracht wird. Der schnelle, sprunghafte Stil, uns Leser im Höchsttempo durch die ganze Welt zu den verschiedensten Personen in den unterschiedlichsten Situationen zu jagen und dabei eigentlich mehr Verwirrung zu stiften, als Klarheit zu schaffen, welcher im ersten Teil schon so geschickt eingesetzt wurde, wird auch hier beibehalten. Die Geschichte ist nicht in Kapitel unterteilt, stattdessen dienen die einzelnen Tage zur Orientierung und Gliederung. Rechts oben zu jedem Abschnittsanfang steht immer der Ort, Tag und Ortszeit angegeben um dem Leser etwas Orientierung zu ermöglichen. Alex Bensson schafft es so, die allgemeine Situation aus den abgefahrensten Sichtweisen zu erzählen, sodass ein allübergreifender Überblick geschaffen wird und man gleichzeitig trotzdem nicht schlauer wird. Der Schreibstil an sich ist wieder erfrischend schlicht aber trotzdem präzise und sachlich. An den richtigen Stellen wird beschrieben und erklärt, ansonsten sind unnötige Schnörkel zugunsten des Lesetempos weggelassen worden.

Geradezu meisterhaft versteht der Autor es, die vielen verschiedenen Namen und Charakter sofort in den ersten Sätzen mit einer Situation, Eigenschaften, Gefühlen oder Zielen so geschickt zu verknüpfen, dass man sie alle als eigenständige Charakter in Erinnerung hat und nicht durcheinanderbringt. Es ist wirklich unglaublich, wie es der Autor schafft in wenigen Sätzen oder Seiten einen komplexen Charakter zu schaffen mit einer Geschichte, Gefühlen, Ängsten, Hoffnungen, Vergangenheit, Familie, Freunden und andere kleinen Details, die sie einzigartig machen. Viel Zeit wird dem Leser nicht gelassen, sich mit neuen Personen auseinander zu setzen, doch seltsamer Weise reicht der gegebene Platz immer genau aus, um sich mit einer Person ausreichend zu befassen - gerade so viel, dass es für dessen Teil in der Handlung genügt.


"Niemand kommt auf die Idee, dass die Erregungsleitung des Herzens gezielt sabotiert wurde. Und selbst wenn man darauf käme, dass der Ausfall der Erregungsleitung am Herzen die Todesursache ist, wird keiner merken, dass unnatürlich viele Killerzellen im Herzmuskel des Toten zu finden sind. Alle werden denken, dass es sich um einen unvermeidbaren plötzlichen Herztod gehandelt hätte."

"Das ist dann...", begann Lucius.
"...der perfekte Mord", beendete Claire seinen Satz. Alle sahen sich an, keiner sagte etwas.
"Der perfekte Mord mit einer tödlichen Sequenz", präzisierte Claire."



Der Fokus liegt hier aber vor allem auf den Ermittlungsarbeiten des Bromley-Teams und springt viel weniger als im ersten Teil zu verschiedenen weiteren Nebenpersonen. Das erleichtert den Überblick beim Lesen, mir hat aber ein kleines bisschen das verzweifelte Verbindungs-Suchen gefehlt, dass mich immer bei den ganzen verschiedenen Mini-Szenen angetrieben hat. Natürlich ist das Buch trotzdem unglaublich spannend und man rätselt fieberhaft mit, wie die verschiedenen Handlungsstränge - die Ermittlungsarbeit von Lucius‘ Team, die Morde an ausgewählten Opfern, die äußerst merkwürdige und dramatische Rettung einer krebskranken Frau durch eine unbekannte Organisation und schlussendlich der Poloniumdiebstahl - logisch zusammenhängen können. Zusammen mit den Ermittlern geht man wieder auf die abenteuerliche Reise auf der Suche nach der Wahrheit und bereist dabei die ganze Welt. Trotz dass man viele zusätzliche Informationen erhält, die sie nicht wissen, geht einem immer in genau den richtigen Momenten ein Lichtlein auf - nicht zu früh, sodass es einem langweilig wird, auch nicht zu spät, sodass man nicht mehr mitkommt. Man darf mitdenken, mit fiebern und mit verstehen. Die vielen kleinen "Aha-Momente", in denen mein Atem kurz stockte und ich nicht glauben konnte, was mir gerade eingefallen war, haben das Buch für mich zu etwas ganz besonderem gemacht.

Wieder fällt die Grundproblematik in die Sparte Angriff durch biologische Waffen. Dieses Mal wird nicht ein Virus zum Töten verwendet, sondern Killerzellen, die mit der eigenen DNA bestückt werden und das Opfer systematisch und unauffällig beseitigen. Wieder ist die junge Gynäkologin Claire Hansen aus Deutschland mit am Start, was mich sehr gefreut hat, und hilft uns Laien mit einfachen Erklärungen zu wissenschaftlichen Vorgängen aus. Die hübsche Frau mit den roten Haaren ist eine ehemalige Schülerin von Professor Löwenstein, welcher sie viel über Genetik gelehrt hat und wurde als solche im ersten Teil vom MI6 angeheuert, dem Ermittlungsteam unter die Arme zu greifen. Da die Ermittler selbst keine Ahnung von Molekularbiologie haben, erklärt Claire ihnen -und somit auch uns- alles ganz langsam und absolut gut zu verstehen, sodass man immer gut mitkommt, auch wenn ein kleines bisschen Grundwissen schon nötig ist um überhaupt etwas zu verstehen. Man merkt, dass der Verfasser absolut vom Fach ist, denn die vielen Informationen, mit denen das Buch gespickt ist, sind nachvollziehbar, auf hohem Niveau und korrekt. So kann man noch das ein oder andere lernen.


"Claire schaute auf den Bildschirm, auf dem sich die Buchstaben aneinanderreihten. A, C, G und T, nichts anderes und trotzdem eine einzigartige Kombination. "3,2 Milliarden Baden", sagte sie leise. "Ich hoffe nur, dass sie mir ihr Geheimnis schnell verraten."


Die Charaktere aus dem ersten Teil werden hier noch mal ein bisschen vertieft, auch wenn sie auch hier nicht im Rampenlicht stehen und eher ein Mittel zum Zweck sind - die Darstellung der Handlung. Claire ist immer noch mein Lieblingscharakter, doch auch Lucius (Lucius Arthur Brandon Nevis-Mayfield, Lord Bromley) wurde mir immer sympathischer. Er ist eigentlich der perfekte Agent: intelligent, gutaussehend, aufmerksam, charismatisch, reich und mit vielen guten Beziehungen in die ganze Welt. ZU perfekt, habe ich im ersten Teil gedacht und ihn als etwas oberflächlich abgestempelt. Hier bekommen wir noch einen genaueren Einblick hinter seine Fassade, was mir sehr gut gefallen hat.
Die anderen Mitglieder seines Teams kamen hier ein wenig kurz, deshalb werden ich sie nur schnell nennen. Alexej, der verlässliche Computerspezialist, der sich überall hineinhacken kann aber schon beim geringsten Tropfen Blut kollabiert und allgemeingesagt leicht freakig wirkt; die wunderschöne aber vollkommen nicht eitle Uriela, die eine erfolgreiche Karriere als Kunstdiebin hinter sich hat; der etwas barsche aber immer topfitte Superagent Michael; sein sympathischer Bruder Raphael, der seit dem letzten Einsatz mit einer Einschränkung zu kämpfen hat und zuletzt -der älteste im Team- Gabriel, der eigentlich alles kann, von Hubschrauber fliegen, über Taschendiebstal bis zu dem Einsatz von Trojanern. Alle haben sie etwas Besonderes an sich, sodass man sie einfach mag. Schön ist, dass sich alle weiter entwickeln, mit ihren Problemen zu kämpfen haben und sich außerdem eine Romanze anbahnt.
Neben ihnen lernen wir noch Lyn kennen, die geheimnisvolle Power-Frau aus Lucius´ Vergangenheit und natürlich die Schlüsselperson hinter all den mörderischen Fäden - dieses Mal eine Frau. Eine Dame mit einer Geschichte und einer Vision, die es ganz schön in sich hat.


"Glauben Sie mir, ich weiß alles, wirklich alles, über Sie." Claire trat der Schweiß auf die Stirn. "Ich werde die Königin genannt", fuhr die Frau fort. "Sie hingegen sind ein Niemand. Und in einem Augenblick sind Sie tot."


Die Auflösung des Ganzen ist dann schlüssig, erschreckend und wirft moralische Grundfragen auf, wirkt aber für die ganze aufgebauschte Geschichte und gegenüber dem Weltuntergangs-Szenario des ersten Teiles recht schlicht. Das ist absolut keine Kritik - es muss nicht immer opulent sein -, sondern musste einfach erwähnt werden. Insgesamt will ich diesen Thriller nur ungern mit dem Vorgänger vergleichen, weil er dann eher schlecht abschneiden würde, - weniger episch, weniger dramatisch, weniger global - doch mich hat dieser Teil mal wieder mitgerissen und begeistert.

Abschließend noch einige Worte zur Gestaltung. Das Cover dieses zweiten Teiles passt sehr gut zu seinem Vorgänger. Der Hintergrund ist wieder dunkel, bloß die blau leuchtende DNA-Doppel-Helix durchbricht das Einheitsschwarz im Zentrum. Der Titel ist in derselben Farbe wie das biologische Motiv gehalten und das "I" wird von einem weiteren DNA-Strang gebildet. Von Aufbau und Farbverteilung sieht man also sofort, dass die Bücher zusammengehören. Denn auch wenn man beide Thriller eindeutig getrennt voneinander lesen kann, würde ich empfehlen mit dem ersten Teil zu beginnen. Erstens, weil einem sonst eine wirklich geniale Story entgehen würde, und zweitens weil sonst die Einführung der Charaktere ein wenig spärlich ausfallen würde. Auch zwischen den Kapiteln findet sich das DNA-Motiv wieder, was perfekt passt und sehr hübsch aussieht. Positiv zu vermelden sind außerdem die auffallend wenigen Rechtschreibfehler. Ich habe keinen gefunden ;-)
Jetzt freue ich mich auf jeden Fall sehr auf den nächsten Lord Bromley Thriller und bin sehr gespannt, was dieser für uns bereithalten wird.


Fazit:

Eine gut durchdachte Story, eine mitreißende Hetzjagd durch ganz Europa, ein spannender Showdown, super Charaktere und ein Hintergrund, der uns über die beängstigende Seite der aktuellsten Forschung nachdenken lässt. Alles in Allem also ein packender hochmoderner Thriller, den ich uneingeschränkt weiter empfehlen kann.

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Keylam und der Stachel des Bösen

Anne Schmitz
E-Buch Text: 67 Seiten
Erschienen bei Amazon Media, 07.12.2016
ISBN B01N7COT9W
Genre: Sonstiges

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Keylam - Die Ankunft / Keylam und der Stachel des Bösen
Autor: Anne Schmitz
Verlag: neobooks (1. März 2016)
Genre: Kinder-Fantasy
ASIN: B01BL125S6 / B01N7COT9W
Seitenzahl: 49 Seiten / 67 Seiten
Preis: 1,99€ (Kindle-Edition)
 

Inhalt Teil 1:

Es ist stockfinster. Romi die Fledermaus saust durch einen Tunnel und gelangt in eine große Höhle.
„Ah! Romi!“, donnert plötzlich eine tiefe, grollende Stimme. „Kommst du, um mir von den Ereignisse draußen im Tallingtal zu erzählen?“
Zustimmend gibt Romi einige piepsende Laute von sich. Gut, dass das Felsenwesen die Sprache der Fledermäuse versteht.
„Was war denn heute los? Den Neuen habe ich schon kennengelernt. Er scheint ein mutiger Talling zu sein,“ meint das Felsenwesen.
Romi fliegt zur Decke der Höhle und hängt sich kopfüber an einen Felsvorsprung. Dann berichtet sie von fremden Kreaturen und magischen Kristallen, vom bösen Zauberling Skarkorok und seinem ebenso bösen Drachen Feuersturm und von zwei mutigen Tallingen, die gemeinsam in ein spannendes Abenteuer geraten.


Inhalt Teil 2:


Das prasselnde Kaminfeuer taucht die Wohnhöhle des Zauberers in ein geheimnisvolles Licht.
„Dann erzählt mal!“, Zauberer Nu lehnt sich in seinem Ohrensessel zurück und deutet auf zwei große, weiche Sitzkissen, die vor dem Kamin liegen. Die Tallinge Keylam und Saomi machen es sich bequem.
„Eigentlich wollten wir zu den Elfen, um ein magisches Band aus Elfenhaar zu besorgen …“, beginnt Keylam.
„Doch wir gerieten in eine Falle …“, unterbricht ihn Saomi aufgeregt.
„Eigentlich waren es zwei Fallen!“, verbessert Keylam sie.
„Ein oder zwei, das macht doch keinen Unterschied. Es war auf jeden Fall sehr gefährlich!“
„Gefährlich? Nachher wurde es erst richtig gefährlich, als wir den Drachen …!“
„Stop, Stop, Stop! Ich verstehe kein Wort!“, Zauberer Nu hebt abwährend die Hände. „Jetzt mal langsam und bitte immer der Reihe nach.“
Lachend nickt Saomi Keylam zu: „Fang du an!“
„Also, alles begann damit, dass wir auf der Klippe den Steingong geschlagen haben …!“


Bewertung:

DISCLAIMER: Vielen Dank an die Autorin Anne Schmitz für das Rezensionsexemplar!

Nur ein Kinderbuch? Dieses "nur" in diesem typischen Satz hat mich schon immer aufgeregt. Meiner Meinung nach müssen gerade Kinderbücher besonders gut sein, um schon die kleinsten begeistern und ihnen ein gutes Gefühl für Sprache vermitteln zu können. Außerdem - an Kinderbüchern müssen auch Erwachsene Spaß haben können - beim Vorlesen, Testlesen oder Familienlesen - deshalb reicht es nicht, den kleinen eine einfach gestrickte, oberflächliche Geschichte hinzuklatschen, stattdessen ist es nötig, sich niveauvoll eine Story zu überlegen, die Kinder verstehen. Besonders gut ist es, wenn für die Leser verschiedener Generationen die Geschichte anders wirkt, Anspielungen versteckt sind und eine stimmige Grundaussage erzeugt wird. Ab und zu lese ich deshalb sehr gerne aktuelle Kinderbücher, um auch diese ein bisschen auf die Probe zu stellen. Da mich das letzte Kinderbuch, dass ich meinem kleinen Cousin vorgelesen habe, ziemlich angekotzt hat, bin ich mit einem etwas kritischeren Gefühl an diese Geschichte gegangen - wurde aber wunderbar unterhalten. Deshalb eine kurze Vorstellung dieser wunderbaren Story.

"Keylam- Die Ankunft" ist der erste Teil einer Kinder Fantasy Reihe, die von aufgeweckten Tallingen in ihrem Kampf gegen den bösen Zauberling Skarkorok erzählt. Mit "Keylam und der Stachel des Bösen" wird diese Reihe fortgesetzt. Ein weiterer Teil wird bald erwartet. Da die Geschichten beide sehr kurz sind und meine Gedanken dazu sich überschneiden, habe ich mich dazu entschlossen, eine zusammenfassende Rezension zu schreiben. Ein wenig wurde ich von dieser Idee an die Schlümpfe erinnert, so müssen auch die Tallinge ihre Lebeliapflanzen beschützen, leben in einer kleinen Siedlung - Tallingheim - und werden von Skarkorok durch böse Listen ständig auf die Probe gestellt. Süß ist, dass die Tallinge alles nach verschiedeneren "Lingen" kategorisieren, so wie es bei den Schlümpfen den "Leckerschlumpf" und den "Gammelschlumpf" gibt, so gibt es hier "Bäckerlinge", "Häuptlinge", "Gärtnerlinge", "Wächterlinge", "Freilinge" und so weiter.


Erster Satz: "Pst, so seid doch bitte leiser!" Verzweifelt bemühte sich Häuptling Romwald, die Tallinge zu beruhigen, die auf der Dorfwiese beisammen standen und sich aufgeregt unterhielten."


In Tallingheim herrscht große Aufregung, denn die Ankunft eines neuen Tallings steht kurz bevor. Seit zehn Jahren, haben sie keinen Nachwuchs bekommen, so versammeln sich alle gespannt um den Lebensbaum und spekulieren auf den Neuen. Sie hoffen auf einen starken Neuankömmling, der ihnen im Kampf gegen den bösen Skarkorok und seinem Drachen helfen kann! Ein Kämpferling oder ein Wächterling vielleicht? Doch der Junge Keylam weiß nicht, was er für eine Aufgabe übernehmen wird. Ein Dümmling, pah, so was brauchen die Tallinge nicht. So begibt sich Keylam mit der jungen Saomi auf eine Reise, um seine Bestimmung herauszufinden. Auf die beiden jungen Tallinge wartet ein fantastisches Abenteuer voller guter und böser Magie, denn der böse Zauberling Skarkorok hat einen fiesen Plan ausgeheckt ...

Das erste Buch hat in der Kindle-Version zwar nur 56 Seiten und das zweite 65 Seiten, es passiert aber so einiges in Tallingheim. Viele innovativen Ideen, liebenswürdige Wesen, schöne Beschreibungen und viele Abenteuer reißen uns mit in die kleine Welt der Tallinge. Die Geschichte wechselt seine Schauplätze ständig, sodass wir einen guten Überblick über die Fantasy-Welt bekommt. Wir lernen neben Tallingheim zum Beispiel noch die Insel der Elfen, den Wächterwald und den einsamen Berg kennen.
Der Schreibstil der Autorin ist kindgerecht aber dennoch niveauvoll. Sehr einladend, beschreibend und flüssig leitet sie uns durch das kurze Abenteuer und kreiert dabei kurz und bündig eine eigenen Welt. Das Buch ist zum Vorlesen geeignet sowie zum Abtauchen aus dem Alltag.

Die Charaktere sind allesamt liebenswürdig dargestellt. Keylam ist der junge Protagonist, welcher durch Standhaftigkeit und viele schlaue Ideen beeindruckt. An seiner Seite steht die Baumling Saomi, die Keylam tatkräftig unterstützt und in ihre Welt einweist. Die beiden sind ein tolles Team, gegen die der böse Zauberling Skarkorok  keine Chance hat.
Die Handlung ist durch die Kürze ein wenig oberflächlich, aber auch flott und spannend. Als kurze Gute-Nacht-Geschichte eignet sich das Buch also, ist aber eher weniger für Schmöker-Nachmittage gedacht.

Die Covergestaltung ist noch einmal extra hervorzuheben. Beide Cover sind absolut passend und strahlen eine kindliche Mystik aus, die fesselt und begeistert. Auf dem Cover zu Band 1 ist der Lebensbaum bei Nacht zu sehen, somit ist der Grundton ein schönes, dunkles Blau. Im Hintergrund schimmert der Mond groß und silbern, wovon sich die dunkle Silhouette eines Drachen abhebt. Im Mittelpunkt steht ein Mädchen mit einer Lampe - vermutlich Saomi mit ihrer Kristalllampe - welches  erwartungsvoll auf den Baum blickt. Wirklich sehr treffend und wunderschön. Das Cover des zweiten Bandes zeigt Keylams violetten Freilingskristall, den er am Ende des ersten Teiles erhält, gegen einen grauen, brüchigen Steinhintergrund. Der Kristall leuchtet in der Spitze und lässt geheimnisvolle Funken aufsteigen. Beide Male schwebt der Titel in einem warmen Orange darüber.

Ich bin gespannt, wohin diese Reihe weiter führen wird. Der zweite Teil endet mit einem spannenden Cliffhanger, also kann man gespannt sein...


Fazit:

Eine süße kleine Reihe, die den Leser auf eine spannende Reise durch eine gut durchdachte Fantasy-Welt nimmt. Empfehlenswert zum Vorlesen, aber auch zum selbst lesen und dabei Abtauchen in eine Kinderwelt.

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abenteuer, drache, tallinge, vorlesen, lebensbaum

Keylam - Die Ankunft

Anne Schmitz
E-Buch Text: 49 Seiten
Erschienen bei neobooks Self-Publishing, 01.03.2016
ISBN 9783738057522
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Keylam - Die Ankunft / Keylam und der Stachel des Bösen
Autor: Anne Schmitz
Verlag: neobooks (1. März 2016)
Genre: Kinder-Fantasy
ASIN: B01BL125S6 / B01N7COT9W
Seitenzahl: 49 Seiten / 67 Seiten
Preis: 1,99€ (Kindle-Edition)
 
 
Inhalt Teil 1:

Es ist stockfinster. Romi die Fledermaus saust durch einen Tunnel und gelangt in eine große Höhle.
„Ah! Romi!“, donnert plötzlich eine tiefe, grollende Stimme. „Kommst du, um mir von den Ereignisse draußen im Tallingtal zu erzählen?“
Zustimmend gibt Romi einige piepsende Laute von sich. Gut, dass das Felsenwesen die Sprache der Fledermäuse versteht.
„Was war denn heute los? Den Neuen habe ich schon kennengelernt. Er scheint ein mutiger Talling zu sein,“ meint das Felsenwesen.
Romi fliegt zur Decke der Höhle und hängt sich kopfüber an einen Felsvorsprung. Dann berichtet sie von fremden Kreaturen und magischen Kristallen, vom bösen Zauberling Skarkorok und seinem ebenso bösen Drachen Feuersturm und von zwei mutigen Tallingen, die gemeinsam in ein spannendes Abenteuer geraten.


Inhalt Teil 2:

Das prasselnde Kaminfeuer taucht die Wohnhöhle des Zauberers in ein geheimnisvolles Licht.
„Dann erzählt mal!“, Zauberer Nu lehnt sich in seinem Ohrensessel zurück und deutet auf zwei große, weiche Sitzkissen, die vor dem Kamin liegen. Die Tallinge Keylam und Saomi machen es sich bequem.
„Eigentlich wollten wir zu den Elfen, um ein magisches Band aus Elfenhaar zu besorgen …“, beginnt Keylam.
„Doch wir gerieten in eine Falle …“, unterbricht ihn Saomi aufgeregt.
„Eigentlich waren es zwei Fallen!“, verbessert Keylam sie.
„Ein oder zwei, das macht doch keinen Unterschied. Es war auf jeden Fall sehr gefährlich!“
„Gefährlich? Nachher wurde es erst richtig gefährlich, als wir den Drachen …!“
„Stop, Stop, Stop! Ich verstehe kein Wort!“, Zauberer Nu hebt abwährend die Hände. „Jetzt mal langsam und bitte immer der Reihe nach.“
Lachend nickt Saomi Keylam zu: „Fang du an!“
„Also, alles begann damit, dass wir auf der Klippe den Steingong geschlagen haben …!“


Bewertung:

DISCLAIMER: Vielen Dank an die Autorin Anne Schmitz für das Rezensionsexemplar!

Nur ein Kinderbuch? Dieses "nur" in diesem typischen Satz hat mich schon immer aufgeregt. Meiner Meinung nach müssen gerade Kinderbücher besonders gut sein, um schon die kleinsten begeistern und ihnen ein gutes Gefühl für Sprache vermitteln zu können. Außerdem - an Kinderbüchern müssen auch Erwachsene Spaß haben können - beim Vorlesen, Testlesen oder Familienlesen - deshalb reicht es nicht, den kleinen eine einfach gestrickte, oberflächliche Geschichte hinzuklatschen, stattdessen ist es nötig, sich niveauvoll eine Story zu überlegen, die Kinder verstehen. Besonders gut ist es, wenn für die Leser verschiedener Generationen die Geschichte anders wirkt, Anspielungen versteckt sind und eine stimmige Grundaussage erzeugt wird. Ab und zu lese ich deshalb sehr gerne aktuelle Kinderbücher, um auch diese ein bisschen auf die Probe zu stellen. Da mich das letzte Kinderbuch, dass ich meinem kleinen Cousin vorgelesen habe, ziemlich angekotzt hat, bin ich mit einem etwas kritischeren Gefühl an diese Geschichte gegangen - wurde aber wunderbar unterhalten. Deshalb eine kurze Vorstellung dieser wunderbaren Story.

"Keylam- Die Ankunft" ist der erste Teil einer Kinder Fantasy Reihe, die von aufgeweckten Tallingen in ihrem Kampf gegen den bösen Zauberling Skarkorok erzählt. Mit "Keylam und der Stachel des Bösen" wird diese Reihe fortgesetzt. Ein weiterer Teil wird bald erwartet. Da die Geschichten beide sehr kurz sind und meine Gedanken dazu sich überschneiden, habe ich mich dazu entschlossen, eine zusammenfassende Rezension zu schreiben. Ein wenig wurde ich von dieser Idee an die Schlümpfe erinnert, so müssen auch die Tallinge ihre Lebeliapflanzen beschützen, leben in einer kleinen Siedlung - Tallingheim - und werden von Skarkorok durch böse Listen ständig auf die Probe gestellt. Süß ist, dass die Tallinge alles nach verschiedeneren "Lingen" kategorisieren, so wie es bei den Schlümpfen den "Leckerschlumpf" und den "Gammelschlumpf" gibt, so gibt es hier "Bäckerlinge", "Häuptlinge", "Gärtnerlinge", "Wächterlinge", "Freilinge" und so weiter.


Erster Satz: "Pst, so seid doch bitte leiser!" Verzweifelt bemühte sich Häuptling Romwald, die Tallinge zu beruhigen, die auf der Dorfwiese beisammen standen und sich aufgeregt unterhielten."


In Tallingheim herrscht große Aufregung, denn die Ankunft eines neuen Tallings steht kurz bevor. Seit zehn Jahren, haben sie keinen Nachwuchs bekommen, so versammeln sich alle gespannt um den Lebensbaum und spekulieren auf den Neuen. Sie hoffen auf einen starken Neuankömmling, der ihnen im Kampf gegen den bösen Skarkorok und seinem Drachen helfen kann! Ein Kämpferling oder ein Wächterling vielleicht? Doch der Junge Keylam weiß nicht, was er für eine Aufgabe übernehmen wird. Ein Dümmling, pah, so was brauchen die Tallinge nicht. So begibt sich Keylam mit der jungen Saomi auf eine Reise, um seine Bestimmung herauszufinden. Auf die beiden jungen Tallinge wartet ein fantastisches Abenteuer voller guter und böser Magie, denn der böse Zauberling Skarkorok hat einen fiesen Plan ausgeheckt ...

Das erste Buch hat in der Kindle-Version zwar nur 56 Seiten und das zweite 65 Seiten, es passiert aber so einiges in Tallingheim. Viele innovativen Ideen, liebenswürdige Wesen, schöne Beschreibungen und viele Abenteuer reißen uns mit in die kleine Welt der Tallinge. Die Geschichte wechselt seine Schauplätze ständig, sodass wir einen guten Überblick über die Fantasy-Welt bekommt. Wir lernen neben Tallingheim zum Beispiel noch die Insel der Elfen, den Wächterwald und den einsamen Berg kennen.
Der Schreibstil der Autorin ist kindgerecht aber dennoch niveauvoll. Sehr einladend, beschreibend und flüssig leitet sie uns durch das kurze Abenteuer und kreiert dabei kurz und bündig eine eigenen Welt. Das Buch ist zum Vorlesen geeignet sowie zum Abtauchen aus dem Alltag.

Die Charaktere sind allesamt liebenswürdig dargestellt. Keylam ist der junge Protagonist, welcher durch Standhaftigkeit und viele schlaue Ideen beeindruckt. An seiner Seite steht die Baumling Saomi, die Keylam tatkräftig unterstützt und in ihre Welt einweist. Die beiden sind ein tolles Team, gegen die der böse Zauberling Skarkorok  keine Chance hat.
Die Handlung ist durch die Kürze ein wenig oberflächlich, aber auch flott und spannend. Als kurze Gute-Nacht-Geschichte eignet sich das Buch also, ist aber eher weniger für Schmöker-Nachmittage gedacht.

Die Covergestaltung ist noch einmal extra hervorzuheben. Beide Cover sind absolut passend und strahlen eine kindliche Mystik aus, die fesselt und begeistert. Auf dem Cover zu Band 1 ist der Lebensbaum bei Nacht zu sehen, somit ist der Grundton ein schönes, dunkles Blau. Im Hintergrund schimmert der Mond groß und silbern, wovon sich die dunkle Silhouette eines Drachen abhebt. Im Mittelpunkt steht ein Mädchen mit einer Lampe - vermutlich Saomi mit ihrer Kristalllampe - welches  erwartungsvoll auf den Baum blickt. Wirklich sehr treffend und wunderschön. Das Cover des zweiten Bandes zeigt Keylams violetten Freilingskristall, den er am Ende des ersten Teiles erhält, gegen einen grauen, brüchigen Steinhintergrund. Der Kristall leuchtet in der Spitze und lässt geheimnisvolle Funken aufsteigen. Beide Male schwebt der Titel in einem warmen Orange darüber.

Ich bin gespannt, wohin diese Reihe weiter führen wird. Der zweite Teil endet mit einem spannenden Cliffhanger, also kann man gespannt sein...


Fazit:

Eine süße kleine Reihe, die den Leser auf eine spannende Reise durch eine gut durchdachte Fantasy-Welt nimmt. Empfehlenswert zum Vorlesen, aber auch zum selbst lesen und dabei Abtauchen in eine Kinderwelt.

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französische revolution, paris, henker, leid, armut

Die Bluthunde von Paris

Christina Geiselhart
E-Buch Text: 388 Seiten
Erschienen bei epubli, 12.09.2016
ISBN 9783737553322
Genre: Historische Romane

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Die Bluthunde von Paris
Autor: Christina Geiselhart
Verlag: epubli (31. Dezember 2016)
Genre: Historischer Roman
ISBN-10: 3741880485
ISBN-13: 978-3741880483
Seitenzahl: 522 Seiten
Preis: 12,99€ (Taschenbuch)
14€ (gebundene Ausgabe)
4,99€ (Kindle-Edition)
 
 

Inhalt:

Frankreich und Paris Ende des 18. Jahrhunderts:

Revolution, hetzerische Debatten im Konvent, Krieg an den Fronten, blutige Aufstände im Landesinnern, Verrat und Hunger bestimmen den Alltag und Philippines Kindheit und Jugend. Ihr Vater ist Folterer, ihr Onkel der berühmte Henker von Paris, Charles-Henri Sanson. Inmitten dieses Hexenkessels und einer Mutter, die Hure und Mörderin zugleich ist, bewahrt sich das Mädchen seine edle Seele, entwickelt sich zu einer starken, gebildeten Frau und findet jenen wieder, den sie als Kind getroffen und sofort geliebt hat. Auf das Glück der beiden jedoch wirft das Blutgerüst seinen drohenden Schatten.


Bewertung:

DISCLAIMER:  Vielen Dank an Christina Geiselhart und ihr Team für das Rezensionsexemplar!

"Liberté, Égalite, Fraternité" - Man lernt es in der Schule, die Grundzüge des folgenreichsten Ereignisses der neuzeitlichen europäischen Geschichte. Die Französische Revolution war eine harte Zeit mit vielen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen, welche im Roman "Die Bluthunde von Paris" deutlich vorgebracht werden. Demnach ist es bei weitem kein sonniges Buch, sondern das Porträt der Gewalt zu dieser Zeit vielen politischen Kalküls gemischt mit einer romantischen Liebesgeschichte.


Erster Satz: "Als Philippine zur Welt kam, war ihr Vater im Begirff die Waden eines Häftlings zwischen die Eisenplatten des Spanischen Stiefels zu spannen."


Die Geschichte beginnt in den frühen Anfängen der Französischen Revolution 1774 mit der Geburt der Protagonistin Philippine Sanson. Das wunderschöne Kind hat zwei Makel: ein verkrüppelter Fuß und ihre verkommene Familie. Der Vater ist Verhörvollstrecker, der Onkel der Henker von Paris, die Mutter baut mit ihrer anderen Tochter ein florierendes Hurengeschäft auf,  ihre weiteren Schwestern haben allesamt sichtbare Makel, sei es eine Hasenscharte, fleckige Haut oder verdorrte Hände. Doch zu ihrem Glück sieht die habgierige Mutter in dem wunderschönen Mädchen eine Tür in eine bessere Welt, sie soll Lea durch eine gute Heirat zu Reichtum verhelfen. So schickt sie sie zur Schule und kauft ihr das Pferd Vraem, das bald ihre beste Freundin wird. Um ihrem schrecklichen Elternhaus zu entkommen unternimmt sie auf ihrem Pferd immer mehr Streifzüge durch den Wald, wodurch sie auf ein verlassenes Herrenhaus stößt und einen geheimnisvollen, jungen Mann kennenlernt, der sich dort versteckt und sie mit seinen flammenden Reden über eine Abschaffung der Monarchie und dem Aufbau einer Republik begeistert. Fortan trifft sich das Mädchen täglich mit dem Mann und lernt mehr und mehr über Politik und die Untergrundszene. In Philippine reift eine junge Liebe zu Maxence heran, doch der Mann sieht in ihr nur ein Mädchen aus der Unterschicht, die seines Standes nicht würdig wäre… Doch als er nach Paris aufbricht, folgt sie ihm. Und gerät in den Strudel der kochenden Revolution, die ihre Kinder frisst...

Der erste Teil des Buches ist relativ heftig und derb erzählt. Später wird die Handlung etwas zivilisierter, doch nicht minder blutig und gewalttätig. Die Autorin hat eine Altersempfehlung von 18 Jahren angesetzt, was ich auch auf jeden Fall bekräftigen würde. Ich selbst bin zwar noch keine 18 und habe es trotzdem verkraftet, doch das Buch hat wirklich dermaßen abstoßende und verstörende Züge, sodass ich auf jeden Fall sagen kann, es ist nicht für zart besaitete Leser zu empfehlen. Die Beschreibungen von Folter, Gewalt, Vergewaltigung und anderen Leiden des normalen Alltags sind sehr plastisch erzählt und schrecken vor nichts zurück. Das Buch gibt wirklich jeden Zustand der damaligen Zeit völlig ungeschönt wieder. Was mich aber sehr gestört hat ist, dass eine gehörige Portion an Sexszenen und Gewalt an Frauen die Geschichte durchsetzt und mit Fortschreiten Leas Gewerbes und Beschreibung der Prostitution das Buch teilweise fast abstoßend pornographische Züge entwickelt. Die Bilder, die durch die anschaulichen Beschreibungen in den Köpfen des Lesers entstehen, machten es mir schwer, mich dem Buch emotional irgendwie zu nähern. Dazu hat dann auch noch der beschreibende und fließende Schreibstil beigetragen. Manchmal wollte ich gar nicht erst weiterlesen. Es ist wirklich beeindruckend, wie gekonnt die Autorin die brutalen und erschreckenden Zustände der damaligen Epoche mit den fundierten historischen und geschichtlichen Aspekten und Ereignissen zu Beginn der Französischen Revolution verwebt, meiner Meinung nach ist sie an manchen Stellen aber entschieden und übertrieben zu weit gegangen!

Gut gefallen hat mir an der Darstellung des Buches, dass man wirklich einen besseren Einblick in die Motive und die Stimmung des Landes erhält. Revolution heißt nicht nur Stürzen der Regierung, hetzerische Debatten im Konvent, Krieg an den Fronten, sondern auch blutige Aufstände im Landesinnern, Verrat und Hunger der Bevölkerung. Man sieht, dass es nicht immer die Lösung ist, die Regierung zu stürzen und nicht leicht danach selbst zu regieren. Das Buch ist in drei große Abschnitte geteilt, die hauptsächlich die drei Teile der Revolution untergliedern, ebenso wie wichtige Abschnitte in Philippines Leben.
Die erste Phase von etwa 1789 bis 1791 stand im Zeichen des Kampfes für bürgerliche Freiheitsrechte und für die Schaffung einer konstitutionellen Monarchie.
Die zweite Phase von 1792 bis 1794 führte angesichts der inneren wie äußeren gegenrevolutionären Bedrohung zur Errichtung einer Republik mit radikaldemokratischen Zügen und zur Ausbildung einer Revolutionsregierung, die mit Mitteln des Terrors und der Guillotine alle „Feinde der Revolution“ verfolgte.
In der dritten Phase, der Direktorialzeit von 1795 bis 1799, behauptete eine von besitzbürgerlichen Interessen bestimmte politische Führung die Macht nur mühsam gegen Volksinitiativen.


"Das Volk regiert. Jetzt muss nur noch einer kommen und Feuer an die Zorneslunte legen, dann geht alles in die Luft. Am 12. Juni 1789 kam so einer..."


Gut fand ich auch, dass viele wichtige Namen und Personen, die in Zusammenhang mit der Revolution fallen genannt und manchmal auch genauer charakterisiert werden. Ich habe an vielen Stellen das Gefühl bestätigt bekommen, die Autorin hat sehr gute Recherchearbeit geleistet. Dennoch muss man sich sehr gut auskennen, um an der ganzen Flut aus Informationen und Fakten nicht erschlagen zu werden. Ich denke, ich kann von mir behaupten, ein recht gutes Allgemeinwissen zu haben, doch während ausgiebigen Politik Diskussionen der Hauptcharaktere, seltsamen Andeutungen über geheimnisvolle Untergruppen oder revolutionäre Zusammenhänge wurde ich zunehmend verwirrter. Wer waren jetzt noch mal die Sansculotten oder die Girondisten, die Jakobiner, welche der tausend Charaktere des Konvents mit den verwirrenden französisch-adeligen Namen gehörten zu welcher Gruppe und was zum Teufel wollten die eigentlich? Ich habe irgendwann angefangen zu googeln, wurde aber nicht viel schlauer daraus, sondern nur zunehmend überfordert. Die Hälfte der Informationen, gut erklärt und in Zusammenhang gestellt hätte gereicht, Großteils habe ich mich aber über die Darstellung der Fakten gefreut.

Neben all den Informationen und Entwicklungen dieser Zeit, die an sich schon ein ganzes Buch füllen könnten, gehen die Charaktere und vor allem die Geschichte der jungen Philippine leider ein wenig unter. Sie verschönern (naja außer vielleicht Lea) zwar die Geschichte, machen sie zu einem Roman, rücken aber leider ein wenig in den Hintergrund. Das könnte dann auch der Grund gewesen sein, warum ich den Drang, weiterzulesen an manchen Stellen kurzzeitig verloren habe, auch wenn ich durch die düstere, blutige Atmosphäre angespornt wurde und wissen wollte, wie es weitergeht.


"Hier unter den Kastanienbäumen wollte sie träumen. Von einer besseren Zeit und von ihrem Leben mit Maxence. Sie malte sich die Hochzeit aus, dachte an Kinder - ein Junge und ein Mädchen - und sah sich im Geiste tanzen. Irgendwann wird dies alles vorbei sein, dachte sie. Wir werden alle genug zu essen haben und in Frieden zusammen leben. Die Guillotine wird verschwinden und mit ihr die Todesangst. Irgendwann."


Denn die Story, die wir verfolgen ist wirklich sehr passend und gut durchdacht in das historische Konstrukt eingebaut. Die Charaktere sind aus der allwissenden Perspektive geschildert, wobei ich hier meine Probleme hatte sie alle an mich heran zu lassen und zu mögen.

Philippine ist der einzige Lichtblick inmitten von halbwilden Barbaren, so scheint es immer wieder. Wir lernen das Mädchen von klein auf kennen und schätzen vor allem ihren hellen und edlen Charakter, ihre fröhliche, wissbegierige und ehrliche Art, mit der sie ihre düstere Umgebung aufhellt.
Im Laufe der Story macht sie eine unglaubliche Entwicklung durch. Sie erscheint zunächst unterwürfig und kindlich naiv; verliebt in einen Mann, den sie nicht haben kann, setzt alles daran Maxence zu beeindrucken und seine Liebe zu gewinnen, um mit ihm zusammen leben zu können. Doch sie bildet sich fortlaufend weiter, lernt und liest, nimmt an Diskussionen im Konvent teil und entwickelt sich zu einer selbstbewussten Frau mit einer eigenen Meinung und einem gebildeten Blick auf die Welt, die ich bewundert habe


"Schweigend sahen sie dem Eintreten des Abends zu. Die Luft war nicht mehr klar wie am Tag, in ihr hing ein feiner Schleier, der sich langsam auf den Garten herabsenkte und ihn vergoldete. Ein schimmerndes Netz lag auf dem frischen Gras, den jungen Blättern, fiel von den Wipfeln der Bäume über das Dach des Hauses. Philippine hatte sich Maxence gegenüber gesetzt und das Gesicht zum Himmel erhoben. Sie wünschte sich, in dieses Netzt eingesponnen zu werden."


Über den adligen Revolutionär Maxence Vergniaud hingegen konnte ich oft nur den Kopf schütteln. Seine Argumentations- und Denkweise empfand ich oft als unlogisch und auch einige seiner Handlungen nicht wirklich nachvollziehen. Deshalb konnte ich Philippines Begeisterung ihm gegenüber nicht wirklich verstehen.

Erwähnen mag ich noch zwei etwas seltsame Nebenfiguren, die mir trotz ihrer etwas rohen Art sehr ans Herz gewachsen sind. Zum einen war das Philippines Onkel, der Henker von Paris Charles-Henri Sanson, bei dem sie unterkommt, nachdem ihr Vater Karl den Hurenbetrieb seiner Frau Lea und seiner Tochter Frida aufgedeckt hat. Trotz seines grausamen, blutigen Berufes zeigt er sehr menschliche, gebildete Züge. Durch Philippine kommt ein wenig Leben in sein Haus, was ihn sehr berührt und ihn nachdenken lässt. Ebenso liebgewonnen habe ich seine Großmutter Marthe. Eine robuste, redselige Frau, die sich niemals den Mund verbieten ließ und für mich ein wenig das Gewissen aller handelnden Personen darstellte, weil sie das sagte, was die anderen sich vielleicht nicht mal zu denken wagten. Insgeheim war sie mein persönlicher Liebling!


"Eine Veränderung ging in ihm vor. Er hatte das Gefühl, entweder bald zu sterben, oder ein ganz anderer Mensch zu werden."


Um zur Gestaltung zu kommen: Ich finde das Cover irgendwie passend. Durch das dreckige grau-beige wird die Atmosphäre des Buches sehr gut widergespiegelt. Dazu passen auch das berühmte Bild der Hinrichtung Ludwigs XVI. durch die Guillotine und die Zeichnungen der drei Personen in der Mitte, auch wenn ich sie nicht wirklich eindeutig zuordnen konnte. Die Frau links sollte wohl Philippine sein, in meinen Augen passt sie aber gar nicht. Die Schreibweise des Titels ist ebenso passend - geschwungene Schnörkel, die sich immer wieder im Buch wiederfinden. Den Titel fand ich erst einmal etwas verwirrend, weil ich nicht genau wusste, was die Bluthunde jetzt mit der Geschichte einer jungen Dame, die ihr Glück in Paris sucht, zu tun haben soll. Als ich dann aber verstanden habe, dass das Buch keineswegs eine lockere Story über das Leben dieses jungen Mädchens darstellt, erschloss sich auch der Titel für mich. Die Revolutionäre, Jakobiner, ihre Henker und Folterer Familie, alle sind sie blutgierig und gewalttätig - gebeutelt von dieser schwierigen Zeit.
Das Ende hat mir sehr gut gefallen, nicht kitschig und unrealistisch auf Happyend getrimmt, sondern einfach, klar aber doch positiv. Ein guter Abschluss, denn irgendwie war klar, dass es noch jemanden kosten musste.

"Die Revolution ist wie Saturn. Sie frisst ihre eigenen Kinder!"


Fazit:

Auch wenn ich das Buch an einigen Stellen zu übertrieben abstoßend empfand und mit einigen Fakten überfordert war, muss man das Geschick loben, mit dem Christina Geiselhart diese Geschichte aufgesetzt hat. Auch wenn ich das Buch nicht unbedingt schön fand, habe ich mich mehr mit der Zeit der Französischen Revolution auseinandergesetzt und vor Augen geführt bekommen, was für ein blutiges Opfer die Franzosen bringen mussten, damit wir heute die Idee einer freien Gesellschaft leben können.

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engel, grigori, liebe, fantasy, erwacht

Erwacht

Jessica Shirvington , Sonja Häußler
Flexibler Einband: 478 Seiten
Erschienen bei cbt, 18.04.2011
ISBN 9783570380116
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Erwacht
Autor: Jessica Shirvington
Verlag: cbt (18. April 2011)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3570380114
ISBN-13: 978-3570380116
Seitenzahl: 480 Seiten
Originaltitel: The Violet Eden Chapters # 1 - Embrace
Preis: 7,99€ (Kindle-Edition)
8,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Verlockt; Gebannt; Entbrannt; Vereint
 
 

Inhalt:


Gefallene Engel, unmögliche Liebe und ein Kampf gegen dunkle Mächte

An Violet Edens 17. Geburtstag gerät ihre Welt aus den Fugen. Sie erhält einen Brief ihrer verstorbenen Mutter und erfährt: Sie ist eine Grigori, ein Wächter-Engel – genau wie der unglaublich attraktive, nur leider so unnahbare Lincoln, für den sie schwärmt. Mit siebzehn erwachen ihre Fähigkeiten und rufen gefährliche Gegner auf den Plan. Nun muss sie sich entscheiden, ob sie ihre Gabe annimmt in einer Welt, in der Engel des Lichts und Engel der Finsternis einen schrecklichen Kampf führen ...



Bewertung:

Nur um das mal gleich klarzustellen: Ich LIEBE diese Reihe! Ich lese viele Fantasy Reihen und bin auch recht einfach zu begeistern, gebe ich zu, aber diese Reihe hat mich richtig umgehauen, sodass ich sie einfach nochmal komplett lesen musste. Also, überlegt euch, der Reihe eine Chance zu geben, sie hat definitiv viel zu wenig Aufmerksamkeit!

Die Reihe ist mitten im Vampirhype entstanden und hat den Trend, diese durch Engel abzulösen mit gesettet. Zuerst dachte ich, es sei eine Fantasy-Reihe wie jede andere auch, mitten im Hype, oberflächlich aber amüsant, eine Abklatsche, die schon hundertfach existiert, doch ich wurde rasch eines besseren belehrt. Ich kann es schlecht sagen, was der Reihe den absolut besonderen, mitreißenden Touch verleiht - sind es die unglaublich authentischen Gefühlsdarstellungen, die vielen innovativen Ideen, die tollen Charaktere oder doch er Schreibstil? -, doch er ist definitiv da und verzaubert den Leser.


Erster Satz: "Bilder von Morgen und Abend flimmerten vor meinen Augen, blendeten mich."


Die Geschichte beginnt spannend und reißt von der ersten Seite an mit. Wir werden zuerst in das chaotische Leben der 16 jährigen Violet Eden eingeführt, die bei ihrem Vater lebt und schon ewig für den 22 jährigen Lincoln schwärmt, was leider nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Als "Sportfreund", der mit ihr trainiert wirkt er viel zu desinteressiert und zu alt für sie. Alles ändert sich jedoch an ihrem 17. Geburtstag, als sie von ihrem Dad ein Kästchen bekommt, das ihr ihre Mutter, die bei ihrer Geburt gestorben ist, vermacht hat. Darin sind Briefe und ein silbernes Armband. Am Tag ihres Geburtstages feiert sie mit ihrer besten Freundin Steph, Lincoln und ihrem Dad in einer Bar, und zum ersten Mal zeigt Lincoln so etwas wie Gefühle, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. Als Violet ihn am nächsten Tag aufsuchen möchte, um über die Situation vom Vortag zu reden, belauscht sie ein Gespräch zwischen Lincoln und noch einer Person und sie erfährt eine Nachricht, die ihr ganzes Leben ins Wanken zu bringen droht: Violet ist eine Grigori, eine Art Wächterengel und Lincoln ist ihr Grigori Partner, Griffin ihr Anführer. Ihr Schicksal hat sie nun aber selbst in der Hand: Sie kann ihre Bestimmung annehmen, oder sich davor verstecken. Um alles verarbeiten zu können zieht sich Violet erst einmal zurück, denn nicht nur dass ihr alles zu viel ist, auch dass Lincoln sie all die Jahre angelogen hat, macht ihr zu schaffen. In ihrer Trauerphase steht ihr der mysteriöse Phoenix, ein Verbannter der sie seit ihrem Geburtstag verfolgt, zur Seite. Trotz dass Verbannte von Natur aus Feinde der Grigori sind, scheint er ihr nicht feindlich gesinnt zu sein - im Gegenteil. Nun muss sich Violet entscheiden wer oder was sie sein möchte, und wem nun ihre Liebe gehört....

Die Autorin hat, von ihrem einfachen und doch gleichermaßen tiefgründigen Schreibstil abgerundet, eine Welt erschaffen, die einen ganz anderen Blick auf die Engelswesen wirft, in der ein ewiger Kampf tobt und Gutes nicht sofort von Bösem unterschieden werden kann. Durch gewaltige Bilder und phänomenale Gefühlsbeschreibungen wird man geradezu gezwungen, sich in den Plot hineinzuversetzen und wird infiziert mit dem unbändigen Drang, schnell weiterzulesen.
Es tun sich immer neue Abgründe auf, Violet bekommt immer tiefere Einblicke in ihre und die gesamte Vergangenheit der Gregori. Somit bleibt das Buch ständig spannend, auch wenn es ganz klar als Einleitung in die Reihe fungiert und viel erklärt wird. So wird man mit ihr langsam in die Welt der Grigori eingeführt und bekommt einige Appetithäppchen vorgesetzt, die Lust auf mehr machen!

Die Person Vilolet Eden ist ein Phänomen für sich! In erster Linie lernen wir sie hier als selbstbewusste junge Frau kennen, die ihren Weg im Leben gehen will und mit einigen Problemen zu kämpfen hat, wodurch ihr Kämpferherz schon gleich deutlich wird. Ihr Vater hat den Tod der Mutter kurz nach ihrer Geburt scheinbar nie richtig überwunden. Er vergräbt sich in Arbeit und Violet ist irgendwie für ihre Erziehung selbst verantwortlich, doch hat sogar ihr Vater mal den ein oder anderen lichten Moment und benimmt sich auch wie ein Dad. Neben ihrer zeitweisen Einsamkeit muss sie noch mit einem schweren Übergriff eines Lehrers klarkommen. Viel Sicherheit und Kraft zieht sie aus ihrer Freundschaft zu Steph, die einfach genial ist, die wir aber leider erst in den Folgebänden genauer kennenlernen dürfen. Ihre Kraft und ihr Vertrauen stehen also auf recht wackligen Beinen, sodass die Offenbarung über ihre wahre Bestimmung sie trifft wie ein Blitzschlag. Sie ist verwirrt, aber vor allem wütend: Sie will keine Grigori sein, keine Verbannten jagen, nicht Lincolns Partnerin sein und deshalb niemals als Frau für ihn in Frage kommen, sie will nur ein ganz normales Leben führen, mit ihrer besten Freundin Steph shoppen gehen, Kunstkurse belegen, erwachsen werden. Da ist es natürlich klar, dass sie unsicher und verletzt reagiert, als sie bemerkt, dass ihr Schwarm und bester Freund sie schon immer belogen hat und ihr gesamtes Weltbild zusammenklappt wie ein Kartenhaus. Ihre seltsamen Stimmungsschwankungen und zeitweise Hassattacken kann man sich als Leser jedoch nicht erklären, so ist sie doch eine liebenswürdige und friedfertige Person. Hier kommt der geheimnisvolle Verbannte Phoenix ins Spiel, der ihr Leben immer mehr durcheinander bringt und ihr eine Alternative zu ihrem Grigori Dasein weist. Doch was verbirgt sich hinter ihm wirklich und wer will sie überhaupt sein?


"An irgendeinem Punkt müssen wir alle versuchen, ein wenig darauf zu vertrauen, dass sich selbst hinter dem Chaos irgendein Sinn verbirgt."


Doch natürlich geht es nicht nur um Liebe, aber was wäre solch eine Geschichte ohne? Es geht vorrangig um Violets Kämpfe, die sich über die gesamten Bände ziehen und sich immer wieder wandeln. Kämpfe mit Engeln, gegen Verbannte, gegen das Schicksal, gegen Freunde, gegen Feinde, gegen die Zeit und auch gegen sich selbst. Sie kämpft und leidet und liebt und kämpft... Ich habe gelacht, gebangt, gehofft, gejubelt, geweint und war immer irgendwo zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Selten sind die Emotionen während des Lesens so mit mir durchgegangen. Sie entwickelt sich immer weiter und muss schließlich entdecken, dass sie Teil einer großen Entwicklung ist, die viel gewaltiger ist, als sie es sich jemals vorstellen konnte...

Neben Violet sind noch vor allem ihre beiden männliche Freunde ausschlaggebend für die Genialität des Buches. Zum einen ist da Lincoln, der sehr schwer einschätzbar ist. Man merkt fast von Anfang an, das Violet mehr als nur ein Freundin für ihn ist, dass er sich jedoch zurück nimmt. Durch Vilotes Augen wird er als geradezu perfekt beschrieben - gutaussehend, geheimnisvoll, stark, sportlich, intelligent, treu, sympathisch -, macht jedoch auch viele Fehler in seinem Drang, Violet zu beschützen. Er versucht, das Beste für sie zu tun, auch wenn er damit in einigen Fällen total daneben liegt. Die gesamte Zeit wohnt ihm eine gewisse Zerrissenheit inne. Einerseits will er sie bei sich haben, als seine Grigori-Partnerin, ihr seine Welt zeigen, andererseits will er sich auch von allem fernhalten und beschützen. Man kann seinen inneren Kampf und seine Verletztheit im Laufe der Geschichte ist fast mit den Händen greifen, was ihn wirklich sympathisch macht. An manchen Stellen ist vielleicht etwas zu dick aufgetragen und sein ganzes Heldengedöns kann schon ein kleines bisschen übertrieben wirken, doch das gehört eben zu dieser Art von Fantasy-Buch auch ein bisschen dazu ;-)

„Du warst gestern Abend im Hades!"
Er klopfte mit den Fingern auf den Tisch.
„Ich fragte mich schon, wann du dich an unseren Tanz erinnern würdest. Normalerweise vergisst man mich nicht so leicht.“
Ich ignorierte den Kommentar. Ich würde mich nicht von seinem großen Ego ablenken lassen."



Der zweite Typ, mit dem sich Violet herumschlagen muss ist der geheimnisvolle Phoenix. Der umwerfend schöne Verbannte mit dem violett schimmernden Haar ist der widersprüchlichste Charakter, über den ich jemals gelesen habe. Dass er keiner der "Guten" ist, merkt man fast vom ersten Wort an, doch wirklich böse scheint er auch nicht zu sein. Es scheint, als ob er selbst sich auch noch nicht so ganz sicher wäre, was er sein will. Ich war von Anfang an eigentlich "Team Lincoln" und habe versucht, Phoenix nicht zu mögen, der sich mit bösen Tricks versucht, einen Weg in Violets Leben zu erschleichen, doch irgendwie wird immer mehr klar, dass er wirklich mehr für Violet empfindet als er sollte und wollte. Und immer mehr kommt die Frage auf, was er mit Hintergedanken bloß spielt, und was wirklich echt ist. So wird sein Charakter sehr rätselhaft, düster aber gleichzeitig auch ein wenig einsam und verletzt gezeichnet - eine geniale Mischung, die ihn deutlich interessanter als Lincoln macht, aber es ist von Anfang an klar, dass das mit ihm und Violet nicht gut enden kann.
So ist zwar klar, dass er ein sehr dunkles Geheimnis in sich trägt, doch man hofft bis zum Ende, dass er sich doch noch einen Ruck gibt und sich für die richtige Seite entscheidet.

Eigentlich hasse ich Dreiecks-Beziehungen wirklich wie die Pest, da sie oft oberflächlich und ungenügend ausgearbeitet sind und als unnötige Problemquelle für den Plot missbraucht werden. Doch in diesem Fall war sie einfach nur WOW. Die Beziehung von Violet und Lincoln erinnert an eine tiefe Verbundenheit, fast so etwas wie Seelenverwandtschaft, während die Beziehung zwischen Phoenix und Violet auf einer ganz anderen Ebene stattfindet. Hier spielen vor allem starke Anziehungskräfte eine Rolle, auch Beeinflussung und Täuschungen, Lust und Hass und irgendwie auch ... Freundschaft? Somit sind die Fäden ihrer Beziehungen ein wichtiger Grundstein für die Story, nicht nur ein nerviger Nebeneffekt und aus den vielen Emotionen entwickeln sich die meisten Motive, Antriebe und Handlungen heraus.


"Wenn Verbannte des Lichts einen menschlichen Körper erhalten, ist es so, als würde man einem Sektenführer zusagen. Bei Verbannten der Finsternis ist es eher so, als würde man einen Serienmörder übers Wochenende aus dem Gefängnis entlassen und ihm eine Knarre mitgeben."


Dass die Geschichte niemals ins Kitschige abrutscht verhindert alleine schon der geniale Humor, der immer wieder hervorblitzt. Die Geschichte strahlt eine solche Lebendigkeit aus, dass man gar nicht hängen bleiben kann. Vor allem im zweiten Teil, als dann... huch, ich fange an zu Spoilern ;-)
Die Geschichte rund um die Engel fand ich allgemein sehr spannend. Auch wenn das Thema Engel schon unzählige Male von Autoren wieder und wieder verwendet wird, finde ich die Lösung von Jessica Shirvington alles andere als durchgekaut und abgeschaut. In ihrer Interpretation der Engel gibt es im Engelsreich die Engel des Lichts und der Finsternis, die zusammen existieren, wie zwei Seiten der Medaille und auch nicht unbedingt Feinde sind. Alles braucht seinen Gegenpart, das Gleichgewicht wird fast heilig dargestellt. Also kein Himmel-Hölle-Verhältnis, sondern vielmehr eine freundschaftliche Koexistenz. Aufgefrischt wird die Story durch etliche Bibelzitate, die die Story zu jedem Zeitpunkt gekonnt unterstreichen und immer passen. Dabei schafft es die Autorin, nicht religiös rüberzukommen, sondern sie verwendet die vorhandenen Legenden und Tatsachen so, dass sie perfekt zur Geschichte passen, was des Öfteren eine Gänsehaut auslöst.

Hier so ein Zitat für euch:

"Unsere Pflicht ist es, nützlich zu sein. Nicht entsprechend unseren Wünschen, sondern entsprechend unseren Fähigkeiten."
-Henri-Frédéric Amiel


Neben den alltäglichen Problemen der 17-Jährigen und all den neuen, ungewöhnlichen Veränderungen die mit Violet einhergehen, wird auch vor allem das Thema "Gut und Böse" sehr stark thematisiert. Wirklich interessant fand ich, dass die Autorin es schafft, wirklich klar zu machen, dass Engel des Lichts nicht immer gut sind und Engel der Finsternis nicht immer nur böse. Kein Schwarz-Weiß-Denken wird hier vermittelt, alles gibt es nur im Doppelpack und beide Seiten sind wichtig. Das ist ein sehr interessanter Gedanke.

Das Ende ist nochmal total gut gemacht und lässt einen mit Spannung dem nächsten Teil entgegenfiebern.
Mehr will ich auch gar nicht dazu sagen: Lest selbst.
Nun noch einige Worte zu Cover und Gestaltung: Das Cover ist zwar an sich mit dem dunklen Hintergrund, dem Mädchen mit den Flügeln und der leuchtenden Schrift ganz hübsch, passt für mich aber nur eher schlecht als recht zur Reihe. Die Flügel sind zwar ein Bezug zur Thematik: Engel, doch jene haben im Buch gar keine Flügel. Das verschlungene Tattoo passt eigentlich auch, aber die beweglichen Symbole erstrecken sich nicht über Violets gesamten Arm, sondern nur über ihre Handgelenke…Das Mädchen-Model passt für mich persönlich auch gar nicht auf Violet. Ich hätte mir ein etwas neutraleres Cover gewünscht, vielleicht mit einer angedeuteten Silhouette. Das Originalcover finde ich in dem Fall leider auch nicht passender, also will ich aufhören zu motzen und noch zu den positiven Anmerkungen kommen. Gut gefallen haben mir nämlich wie gesagt die vielen gut ausgewählten Zitate und Bibelstellen, ebenso wie die Übersichtsgrafik am Ende des Buches, die ein wenig Klarheit in die Engelshierarchie gebracht hat. Und - ich geb´s ja zu - mit dem dunklen Hintergrund und dem Flügel sieht das Cover gar nicht mal sooo schlecht aus... ;-) Als Titel hätte sich der Verlag aber eindeutig etwas Kreativeres ausdenken können. Es gibt gefühlt tausende Bücher mit dem Namen "Erwacht", "Gebannt", "Verliebt" und dieses ganzen Kalibers. Diese Reihe hätte etwas Innovatives verdient, das lange in Erinnerung bleibt und bei dem keine Verwechslungsgefahr besteht!


Fazit:

Ein toller Auftakt einer wahnsinns-Reihe, die viel zu wenig Aufmerksamkeit genießt.
LESEN! LESEN! LESEN!

Schaut doch mal auf meinem Blog vorbei:

www.w0rdw0rld.blogspot.com

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Tags: engel, entscheidungen, kampf, liebe, schicksal, spannung   (6)
 

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feuer, gefahr, tochter, sonne, liebe

Sonnentochter - Die Nacht der Elemente 4

Lia Haycraft
E-Buch Text: 437 Seiten
Erschienen bei Bookshouse, 07.07.2017
ISBN 9789963533916
Genre: Sonstiges

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Sonnentochter - Die Nacht der Elemente
Autor: Lia Haycraft
Verlag: Bookshouse
Genre: Fantasy
ISBN-13: 978-9963-53-388-6
ISBN-10:  978-9963-53-390-9 (Epub)
978-9963-53-391-6 (Mobi)
Seitenzahl: 292 Seiten
Preis: 4,99€ (Kindle-Edition)
12,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Mondtochter - Die Nacht der Elemente;
Mondschwinge - Die Nacht der Elemente;
Sonnenschwinge - Die Nacht der Elemente
 
 

Inhalt:

Vor neunzehn Jahren wurde Aidan jäh aus seiner Welt gerissen. Seither lebt er in der sagenumwobenen Welt Axikon, dem Land der ewigen Monde. Nun steht die ersehnte Nacht der Elemente bevor, die Tore werden sich öffnen, und Aidan kann endlich nach Hause.
Nayara, die für ihn wie eine Schwester ist, möchte ihn begleiten. Im Land des ewigen Mondes kann jeder etwas Besonderes: fliegen oder sich in Feuer oder Wind verwandeln – nur nicht Nayara. Gefangen in einem Vulkan, dessen Wärme sie am Leben erhält, wartet sie sehnsüchtig auf den Tag, an dem sich die Tore zur Erde öffnen, damit sie die Sonne sehen kann. Man nennt sie die Sonnentochter, doch nie hat solch ein Wesen lange genug überlebt, um sich zu verwandeln. Nun begleitet sie Aidan auf die Erde. Doch ist das wirklich eine gute Idee? Kann Aidan, der das Feuer beherrscht, sie auf ihrem Weg beschützen? Wird das Licht der Sonne sie verwandeln oder verbrennen? Auf ihrer Reise löst Nayara völlig neue Gefühle in Aidan aus und er sorgt sich mehr denn je um ihre Sicherheit. Als immer mehr Schatten durch das Tor strömen, wird klar: Es ist nicht nur Nayara, die er beschützen muss, es sind die Tore selbst – die Verbindung zwischen den Welten. Denn jemand will sie zerstören:
ein mächtiger Mann mit einer ganzen Armee aus Schatten ...



Bewertung:

Erster Satz: "Seit neunzehn Jahren wollte Nayara ihre Welt verlassen."

Das ist der erste Satz des letzten Bandes der "Die Nacht der Elemente" - Reihe von Lia Haycraft. Nach  "Mondtochter", dem zweiten Teil, "Mondschwinge" und dem dritten Teil "Sonnenschwinge" handelt dieses Buch auch wieder von zwei anderen Charakteren, welche aber die Kinder der Protagonisten aus Band 1 und 3 sind. Ich muss gleich zu Beginn sagen, dass ich diese Reihe super finde, den vorletzten Teil aber einfach am besten finde! Bevor ich mit der Rezension beginne, möchte ich noch zwei Dinge loswerden. Erstens: vielen vielen Dank an Lia Haycraft und den Bookshouse Verlag, dass wir auch diesen vierten Teil der Reihe wieder lesen durften!!! Und Zweitens: Wer die Reihe nicht kennt, beginnt am besten mit meiner ersten Rezension, da hier definitiv Spoiler über den Inhalt der ersten Teile vorkommen.

Aber beginnen wir doch mal wieder mit dem Cover, was sich sehr hübsch in den Stil der Reihe einreiht. Wieder ist ein Mädchen zu sehen, welches meinen Vorstellungen zu Nayara recht nahe kommt, mich aber trotzdem etwas verärgert hat, da ich Models auf Cover recht ablehnend gegenüberstehe, was ihr bestimmt so langsam wisst. Dieses Mal ist sie ganz in goldenen und schwarzen Tönen gehalten und wird von aufregenden hellen Effekten umhüllt. Die Farben sind sehr passend gewählt, lehnen an Nayaras Herkunft, ihr Sonnenblut an und schaffen so eine feurige Atmosphäre. Super finde ich auch, dass man jetzt im Nachhinein feststellen kann, dass Titel und Cover der Reihe super zusammen passen. So ähneln sich Band 1 und dieser sehr im Fokus des Covers, wo es jeweils um Mondtochter und Sonnentochter geht. Die jeweiligen Himmelskörper werden durch die Farbgebung und Effekte verdeutlicht. Die zwei mittleren Bände um die Mondschwinge und die Sonnenschwinge haben beide etwas Schwungvolles und zeigen einen größeren Bildausschnitt, was auch super zusammen passt. So harmoniert die Reihe auch äußerlich miteinander, was ein süßer Zusatz zu den Verbindungen der Geschichte ist.


"Sie sah keine Lichter, kein Feuer, nur das blasse Licht zweier Monde durch das Blätterdach. Es half nichts, sie musste sich bewegen. Mühsam stemmte sich Nayara hoch und spürte die Kälte noch deutlicher, überall stach sie der Wind in die Haut, sie hatte kaum noch Gefühl in den Fingern. Mit letzter Kraft stieß Nayara einen Pfiff aus, obwohl sie sich nicht sicher war, ob es hier Ignazien gab oder sie überhaupt irgendwer würde hören können. Ihre Knie knickten ein und sie fiel auf den Boden, wo die Schwärze lauerte. "


Mal wieder sind 19 Jahre seid dem letzten Band vergangen und unsere lieben Protagonisten sind nun erwachsen. Ruben und Sotai haben selbst ein Kind: die Sonnentochter Nayara, die es gerne warm hat und deshalb gut behütet in einem Vulkan aufwächst. Doch Sotai, die wir als stürmische und abenteuerlustige junge Frau kennengelernt hatten, ist nun zur Helikoptermutter geworden, die ihre Tochter um jeden Preis beschützen will. Denn außer ihr hat noch nie eine Sonnentochter überlebt...

Auch Aidan, den wir im letzten Band schon als Freund von Raja kennengelernt hatten, treffen wir wieder. In den 19 Jahren hat er sich von Raja getrennt und wartet nun sehnlichst darauf, wieder auf die Erde zu seinen Eltern Lucija und Sander zurückkehren zu können, um endlich die Sonne wieder sehen zu können. Tja und so kommt es, dass die beiden zusammen den Weg zur Erde auf sich nehmen und sich dabei etwas näher kommen. Doch nicht nur ihre Gefühle spielen plötzlich verrückt, sondern auch die Tore, die Verbindung zwischen Axikon und der Erde, ohne die alle Arantai aufgeschmissen wären. Denn Raoul, der Liebhaber von Umbra Jones, hat zwar seinen Platz im Spiegelrat geräumt, jedoch nie vergeben und vergessen. Als die Arantai am unaufmerksamsten sind, schlägt er zu...


"Ein Ruck ging durch seinen Körper, und der Vogel hörte auf zu picken und flog auf. Stattdessen kam er zu Elfrun und setzte sich neben sie auf den Ast. Gemeinsam beobachteten sie, wie sich Raoul langsam hochrappelte. Sein Blick irrte umher, dann fand er Elfruns. In seine Augen loderte etwas, was Elfrun nicht einordnen konnte.
Wut?
Nein.
Wahnsinn!"



Dieser vierte Teil verwebt viele neue aber auch bekannte Gesichter kunstvoll zu einer einzigen Geschichte, ist dabei aber ein wenig anders als die anderen Bände. Dadurch, dass Aidans und Nayaras Eltern beide eine große Rolle in der Handlung gespielt hatten, kamen mir beide etwas weniger selbstständig und irgendwie jünger vor, wie ich die anderen Charaktere empfunden hatte. So herrscht eine andere Atmosphäre vor, irgendwie unschuldiger. Das wurde dadurch bestärkt, dass hier mehr auf die Sonne, ihr Licht und ihre Wärme eingegangen wird, anstatt auf den Mond, wie es in den anderen Teilen Großteils der Fall war. So ist die mysteriöse, dunkle Spannung, die ich mit der Reihe verbunden habe, nicht mehr so ganz vorhanden und wird stattdessen von einem eher feurigen Temperament abgelöst. Das fand ich definitiv nicht schlecht, es trat für mich aber ein bisschen aus der Reihe hinaus.

Noch einige weitere Worte zu unseren Protagonisten Nayara und Aidan.
Nayara ist ein lebendiges, wärmeliebendes junges Mädchen, das im Laufe des Buches immer mehr als Frau erscheint. Sie ist sich ihrer selbst nicht so ganz sicher und würde sich gerne verwandeln können, wie andere Arantai auch. Dass sie nicht genau weiß, was sie ist und was aus ihr werden wird, verunsichert sie sehr, wie auch ihre Mutter Sotai. So wurde sie immer sehr in Watte gepackt und isoliert und wuchs eher auf sich selbst gestellt unter vielen Feuergeistern auf. Sie ist impulsiv, mutig und sehr liebenswert.

Auch Aidan hat mir gut gefallen. Man lernt ihn ja schon vorher kennen, doch durch dieses Buch bekommt man einen ganz anderen Blick auf ihn. Ebenso wie unser Blick auf ihn, verändert sich auch sein Blickwinkel auf Nayara. Er kannte sie schon, seit sie noch ein kleines Kind war, war immer der große Bruder für sie, bis sie nun plötzlich äußerlich gleich alt sind und er beginnt das zu bemerken. Diese Altersverhältnisse haben mich schon immer verwirrt und auch hier war ich mir nicht sicher, ob man sich wirklich in jemanden verlieben kann, der so alt ist, wie die eigenen Eltern. Aber bei "Twillight" hat´s ja auch geklappt und da war Edward schon ein uralter Opi ;-)
Doch auch er bleibt (wie Ruben in "Sonnenschwinge") klar hinter Nayara zurück, auch wenn die Perspektiven wechseln und er auch zum Zug kommt.


"Ja, Nayara war tatsächlich eine Frau geworden, und ihm war es überhaupt nicht aufgefallen. Vermutlich einfach, weil er nicht richtig hingesehen hatte, weil sie sich jede Woche sahen und manchmal sogar alle paar Tage. Für ihn war sie immer die kleine Nayara gewesen, die Tochter von Sotai und Ruben. Die Sonnentochter. Und jetzt hatte sich alles verändert, in einer Nacht, durch eine einzige Frage. Es war verrückt."


Die Geschichte war nicht mega originell - ich hätte für den finalen Band etwas Spektakuläreres erwartet. Doch die Vielfalt dieses Romans macht die Atmosphäre: Neben Nayara und Aidan spielen auch Are und Elfrun eine große Rolle, die hier auch endlich zusammenfinden dürfen. Ebenso lernen wir den Vogelmann Artur ein wenig näher kenne und besuchen die Sommerinsel, was ich wirklich super fand. Dass Raoul noch mal auftaucht, hätte ich nicht erwartet, nachdem es fast schien, als hätte er Einsicht gehabt, als er abdankte und verbannt wurde. Was aber in Bezug auf ihn noch alles herauskommt, fand ich sehr schön gestaltet.

Zudem geht Lia Haycraft auch an diese Geschichte etwas ruhiger heran und lässt auch am Ende die Wogen nicht apokalyptisch hoch aufpeitschen. Das fand ich weder gut noch schlecht. Es gab eigentlich keine wirklich überraschende Wendungen oder einen wirklich spektakulären Showdown, nichtsdestotrotz, hat mich diese Geschichte gefesselt und mich bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Das hinzubekommen, ohne total viele Actionszenen, ist schon eine Leistung!


"Wabernde Dunkelheit hob Elfrun empor und trug sie in den Keller. Sie wollte schreien, aber einer der Schatten schob sich über ihr Gesicht. Nur noch ihre Nase und ihre Augen waren unverhüllt. Kalte Angst griff nach ihr."


Der Schreibstil ist locker-flockig, wie ich das auch schon gewohnt war, dieses Mal wieder mit vielen tollen Beschreibungen und in angenehmem Tempo.
Wie ich schon einige Male in vorherigen Rezensionen betont hatte, hat die Autorin die einmalige Gabe, mit ihren Worten ein Bild zu gestalten, schillernd, glänzend und geheimnisvoll wie die Welt, die sie erschaffen hat. Mit dem malerischen Stil, der sehr beschreibend und treffend das Geschehende umschreibt, ist es sehr angenehm und einfach zu lesen und die Seiten rauschten wieder nur so vorbei. Auch wenn die Handlung hier fast nur auf die Erde beschränkt ist, gibt es viele Ortswechsel und fantastische Elemente, die magisch unterhalten.

 
In ihrer Danksagung schreibt die Autorin, sie würde eventuell irgendwann noch einen weiteren Teil der "Nacht der Elemente - Reihe" schreiben, was mich sehr freuen würde. Ich finde es total schade, dass die Reihe jetzt wirklich zu Ende sein soll! Zu sehr liebgewonnen habe ich Axikon, die Spiegelinsel, die Portale und die ganzen Charaktere. Aber... alles Schöne endet ja irgendwann und wenn mich die Sehnsucht mal wieder packt, fange ich einfach wieder von vorne an ;-)


Fazit:

Ein solides Ende einer wunderbaren Reihe, das sich für mich ein kleines bisschen von seinen Vorgängerbüchern abhebt, aber leider hinter dem dritten Teil zurückbleibt.

Trotzdem vergebe ich wieder einmal gute 4 Sterne für diese wunderschöne Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe.

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romance, parallelwelt, bookshouse, gefahr, feuer

Sonnentochter - Die Nacht der Elemente 4

Lia Haycraft
Buch: 286 Seiten
Erschienen bei bookshouse, 10.07.2017
ISBN 9789963533886
Genre: Fantasy

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Sonnentochter - Die Nacht der Elemente
Autor: Lia Haycraft
Verlag: Bookshouse
Genre: Fantasy
ISBN-13: 978-9963-53-388-6
ISBN-10:  978-9963-53-390-9 (Epub)
978-9963-53-391-6 (Mobi)
Seitenzahl: 292 Seiten
Preis: 4,99€ (Kindle-Edition)
12,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Mondtochter - Die Nacht der Elemente;
Mondschwinge - Die Nacht der Elemente;
Sonnenschwinge - Die Nacht der Elemente
 
 

Inhalt:

Vor neunzehn Jahren wurde Aidan jäh aus seiner Welt gerissen. Seither lebt er in der sagenumwobenen Welt Axikon, dem Land der ewigen Monde. Nun steht die ersehnte Nacht der Elemente bevor, die Tore werden sich öffnen, und Aidan kann endlich nach Hause.
Nayara, die für ihn wie eine Schwester ist, möchte ihn begleiten. Im Land des ewigen Mondes kann jeder etwas Besonderes: fliegen oder sich in Feuer oder Wind verwandeln – nur nicht Nayara. Gefangen in einem Vulkan, dessen Wärme sie am Leben erhält, wartet sie sehnsüchtig auf den Tag, an dem sich die Tore zur Erde öffnen, damit sie die Sonne sehen kann. Man nennt sie die Sonnentochter, doch nie hat solch ein Wesen lange genug überlebt, um sich zu verwandeln. Nun begleitet sie Aidan auf die Erde. Doch ist das wirklich eine gute Idee? Kann Aidan, der das Feuer beherrscht, sie auf ihrem Weg beschützen? Wird das Licht der Sonne sie verwandeln oder verbrennen? Auf ihrer Reise löst Nayara völlig neue Gefühle in Aidan aus und er sorgt sich mehr denn je um ihre Sicherheit. Als immer mehr Schatten durch das Tor strömen, wird klar: Es ist nicht nur Nayara, die er beschützen muss, es sind die Tore selbst – die Verbindung zwischen den Welten. Denn jemand will sie zerstören:
ein mächtiger Mann mit einer ganzen Armee aus Schatten ...



Bewertung:

Erster Satz: "Seit neunzehn Jahren wollte Nayara ihre Welt verlassen."

Das ist der erste Satz des letzten Bandes der "Die Nacht der Elemente" - Reihe von Lia Haycraft. Nach  "Mondtochter", dem zweiten Teil, "Mondschwinge" und dem dritten Teil "Sonnenschwinge" handelt dieses Buch auch wieder von zwei anderen Charakteren, welche aber die Kinder der Protagonisten aus Band 1 und 3 sind. Ich muss gleich zu Beginn sagen, dass ich diese Reihe super finde, den vorletzten Teil aber einfach am besten finde! Bevor ich mit der Rezension beginne, möchte ich noch zwei Dinge loswerden. Erstens: vielen vielen Dank an Lia Haycraft und den Bookshouse Verlag, dass wir auch diesen vierten Teil der Reihe wieder lesen durften!!! Und Zweitens: Wer die Reihe nicht kennt, beginnt am besten mit meiner ersten Rezension, da hier definitiv Spoiler über den Inhalt der ersten Teile vorkommen.

Aber beginnen wir doch mal wieder mit dem Cover, was sich sehr hübsch in den Stil der Reihe einreiht. Wieder ist ein Mädchen zu sehen, welches meinen Vorstellungen zu Nayara recht nahe kommt, mich aber trotzdem etwas verärgert hat, da ich Models auf Cover recht ablehnend gegenüberstehe, was ihr bestimmt so langsam wisst. Dieses Mal ist sie ganz in goldenen und schwarzen Tönen gehalten und wird von aufregenden hellen Effekten umhüllt. Die Farben sind sehr passend gewählt, lehnen an Nayaras Herkunft, ihr Sonnenblut an und schaffen so eine feurige Atmosphäre. Super finde ich auch, dass man jetzt im Nachhinein feststellen kann, dass Titel und Cover der Reihe super zusammen passen. So ähneln sich Band 1 und dieser sehr im Fokus des Covers, wo es jeweils um Mondtochter und Sonnentochter geht. Die jeweiligen Himmelskörper werden durch die Farbgebung und Effekte verdeutlicht. Die zwei mittleren Bände um die Mondschwinge und die Sonnenschwinge haben beide etwas Schwungvolles und zeigen einen größeren Bildausschnitt, was auch super zusammen passt. So harmoniert die Reihe auch äußerlich miteinander, was ein süßer Zusatz zu den Verbindungen der Geschichte ist.


"Sie sah keine Lichter, kein Feuer, nur das blasse Licht zweier Monde durch das Blätterdach. Es half nichts, sie musste sich bewegen. Mühsam stemmte sich Nayara hoch und spürte die Kälte noch deutlicher, überall stach sie der Wind in die Haut, sie hatte kaum noch Gefühl in den Fingern. Mit letzter Kraft stieß Nayara einen Pfiff aus, obwohl sie sich nicht sicher war, ob es hier Ignazien gab oder sie überhaupt irgendwer würde hören können. Ihre Knie knickten ein und sie fiel auf den Boden, wo die Schwärze lauerte. "


Mal wieder sind 19 Jahre seid dem letzten Band vergangen und unsere lieben Protagonisten sind nun erwachsen. Ruben und Sotai haben selbst ein Kind: die Sonnentochter Nayara, die es gerne warm hat und deshalb gut behütet in einem Vulkan aufwächst. Doch Sotai, die wir als stürmische und abenteuerlustige junge Frau kennengelernt hatten, ist nun zur Helikoptermutter geworden, die ihre Tochter um jeden Preis beschützen will. Denn außer ihr hat noch nie eine Sonnentochter überlebt...

Auch Aidan, den wir im letzten Band schon als Freund von Raja kennengelernt hatten, treffen wir wieder. In den 19 Jahren hat er sich von Raja getrennt und wartet nun sehnlichst darauf, wieder auf die Erde zu seinen Eltern Lucija und Sander zurückkehren zu können, um endlich die Sonne wieder sehen zu können. Tja und so kommt es, dass die beiden zusammen den Weg zur Erde auf sich nehmen und sich dabei etwas näher kommen. Doch nicht nur ihre Gefühle spielen plötzlich verrückt, sondern auch die Tore, die Verbindung zwischen Axikon und der Erde, ohne die alle Arantai aufgeschmissen wären. Denn Raoul, der Liebhaber von Umbra Jones, hat zwar seinen Platz im Spiegelrat geräumt, jedoch nie vergeben und vergessen. Als die Arantai am unaufmerksamsten sind, schlägt er zu...


"Ein Ruck ging durch seinen Körper, und der Vogel hörte auf zu picken und flog auf. Stattdessen kam er zu Elfrun und setzte sich neben sie auf den Ast. Gemeinsam beobachteten sie, wie sich Raoul langsam hochrappelte. Sein Blick irrte umher, dann fand er Elfruns. In seine Augen loderte etwas, was Elfrun nicht einordnen konnte.
Wut?
Nein.
Wahnsinn!"



Dieser vierte Teil verwebt viele neue aber auch bekannte Gesichter kunstvoll zu einer einzigen Geschichte, ist dabei aber ein wenig anders als die anderen Bände. Dadurch, dass Aidans und Nayaras Eltern beide eine große Rolle in der Handlung gespielt hatten, kamen mir beide etwas weniger selbstständig und irgendwie jünger vor, wie ich die anderen Charaktere empfunden hatte. So herrscht eine andere Atmosphäre vor, irgendwie unschuldiger. Das wurde dadurch bestärkt, dass hier mehr auf die Sonne, ihr Licht und ihre Wärme eingegangen wird, anstatt auf den Mond, wie es in den anderen Teilen Großteils der Fall war. So ist die mysteriöse, dunkle Spannung, die ich mit der Reihe verbunden habe, nicht mehr so ganz vorhanden und wird stattdessen von einem eher feurigen Temperament abgelöst. Das fand ich definitiv nicht schlecht, es trat für mich aber ein bisschen aus der Reihe hinaus.

Noch einige weitere Worte zu unseren Protagonisten Nayara und Aidan.
Nayara ist ein lebendiges, wärmeliebendes junges Mädchen, das im Laufe des Buches immer mehr als Frau erscheint. Sie ist sich ihrer selbst nicht so ganz sicher und würde sich gerne verwandeln können, wie andere Arantai auch. Dass sie nicht genau weiß, was sie ist und was aus ihr werden wird, verunsichert sie sehr, wie auch ihre Mutter Sotai. So wurde sie immer sehr in Watte gepackt und isoliert und wuchs eher auf sich selbst gestellt unter vielen Feuergeistern auf. Sie ist impulsiv, mutig und sehr liebenswert.

Auch Aidan hat mir gut gefallen. Man lernt ihn ja schon vorher kennen, doch durch dieses Buch bekommt man einen ganz anderen Blick auf ihn. Ebenso wie unser Blick auf ihn, verändert sich auch sein Blickwinkel auf Nayara. Er kannte sie schon, seit sie noch ein kleines Kind war, war immer der große Bruder für sie, bis sie nun plötzlich äußerlich gleich alt sind und er beginnt das zu bemerken. Diese Altersverhältnisse haben mich schon immer verwirrt und auch hier war ich mir nicht sicher, ob man sich wirklich in jemanden verlieben kann, der so alt ist, wie die eigenen Eltern. Aber bei "Twillight" hat´s ja auch geklappt und da war Edward schon ein uralter Opi ;-)
Doch auch er bleibt (wie Ruben in "Sonnenschwinge") klar hinter Nayara zurück, auch wenn die Perspektiven wechseln und er auch zum Zug kommt.


"Ja, Nayara war tatsächlich eine Frau geworden, und ihm war es überhaupt nicht aufgefallen. Vermutlich einfach, weil er nicht richtig hingesehen hatte, weil sie sich jede Woche sahen und manchmal sogar alle paar Tage. Für ihn war sie immer die kleine Nayara gewesen, die Tochter von Sotai und Ruben. Die Sonnentochter. Und jetzt hatte sich alles verändert, in einer Nacht, durch eine einzige Frage. Es war verrückt."


Die Geschichte war nicht mega originell - ich hätte für den finalen Band etwas Spektakuläreres erwartet. Doch die Vielfalt dieses Romans macht die Atmosphäre: Neben Nayara und Aidan spielen auch Are und Elfrun eine große Rolle, die hier auch endlich zusammenfinden dürfen. Ebenso lernen wir den Vogelmann Artur ein wenig näher kenne und besuchen die Sommerinsel, was ich wirklich super fand. Dass Raoul noch mal auftaucht, hätte ich nicht erwartet, nachdem es fast schien, als hätte er Einsicht gehabt, als er abdankte und verbannt wurde. Was aber in Bezug auf ihn noch alles herauskommt, fand ich sehr schön gestaltet.

Zudem geht Lia Haycraft auch an diese Geschichte etwas ruhiger heran und lässt auch am Ende die Wogen nicht apokalyptisch hoch aufpeitschen. Das fand ich weder gut noch schlecht. Es gab eigentlich keine wirklich überraschende Wendungen oder einen wirklich spektakulären Showdown, nichtsdestotrotz, hat mich diese Geschichte gefesselt und mich bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Das hinzubekommen, ohne total viele Actionszenen, ist schon eine Leistung!


"Wabernde Dunkelheit hob Elfrun empor und trug sie in den Keller. Sie wollte schreien, aber einer der Schatten schob sich über ihr Gesicht. Nur noch ihre Nase und ihre Augen waren unverhüllt. Kalte Angst griff nach ihr."


Der Schreibstil ist locker-flockig, wie ich das auch schon gewohnt war, dieses Mal wieder mit vielen tollen Beschreibungen und in angenehmem Tempo.
Wie ich schon einige Male in vorherigen Rezensionen betont hatte, hat die Autorin die einmalige Gabe, mit ihren Worten ein Bild zu gestalten, schillernd, glänzend und geheimnisvoll wie die Welt, die sie erschaffen hat. Mit dem malerischen Stil, der sehr beschreibend und treffend das Geschehende umschreibt, ist es sehr angenehm und einfach zu lesen und die Seiten rauschten wieder nur so vorbei. Auch wenn die Handlung hier fast nur auf die Erde beschränkt ist, gibt es viele Ortswechsel und fantastische Elemente, die magisch unterhalten.

 
In ihrer Danksagung schreibt die Autorin, sie würde eventuell irgendwann noch einen weiteren Teil der "Nacht der Elemente - Reihe" schreiben, was mich sehr freuen würde. Ich finde es total schade, dass die Reihe jetzt wirklich zu Ende sein soll! Zu sehr liebgewonnen habe ich Axikon, die Spiegelinsel, die Portale und die ganzen Charaktere. Aber... alles Schöne endet ja irgendwann und wenn mich die Sehnsucht mal wieder packt, fange ich einfach wieder von vorne an ;-)


Fazit:

Ein solides Ende einer wunderbaren Reihe, das sich für mich ein kleines bisschen von seinen Vorgängerbüchern abhebt, aber leider hinter dem dritten Teil zurückbleibt.

Trotzdem vergebe ich wieder einmal gute 4 Sterne für diese wunderschöne Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe.

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bedeutung, nichts, jugendbuch, nihilismus, dänemark

Nichts

Janne Teller , Sigrid C. Engeler , Sigrid Engeler
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.04.2012
ISBN 9783423625173
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Nichts was im Leben wichtig ist
Autor: Janne Teller
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. April 2012)
Genre: Roman
ISBN-10: 3423625171
ISBN-13: 978-3423625173
Seitenzahl: 144 Seiten
Originaltitel: Intet
Preis: 6,99€ (Kindle-Edition)
6,95€ (Taschenbuch)
8,95€ (Audio-CD)
 


Inhalt:

Was im Leben wichtig ist

Als der 14-jährige Pierre Anthon seine Klasse mit den Worten verlässt »Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun«, stehen seine Mitschüler unter Schock. Denn kann es wirklich sein, dass nichts eine Bedeutung hat? Nicht die erste Liebe? Nicht das Lernen in der Schule? Nicht das Elternhaus, die Geschwister, der Glaube an Gott oder das eigene Land? Gemeinsam wollen die Schüler dem aufsässigen Pierre Anthon das Gegenteil beweisen und sammeln auf einem Berg der Bedeutung alles, was ihnen lieb und teuer ist. Doch was harmlos beginnt, wird bald zu einem Experiment, in dem es kein Halt und keine Grenzen mehr gibt – als selbst Tiere geopfert werden, ein Finger und die Unschuld eines Mädchens ...



Bewertung:

"Alles ist egal", schrie er eines Tages. "Denn alles fängt nur an, um aufzuhören. In demselben Moment, in dem ihr geboren werdet, fangt ihr an zu sterben..."
 
Dieses Buch musste ich als Lektüre im Deutschunterricht lesen, ich fand es aber so interessant, dass ich es hier gerne vorstellen würde. Schon vornweg: Dieses Buch zu rezensieren ist sehr schwierig, da es gleichzeitig abstoßend und verstörend ist, aber für mich definitiv einen Sinn macht. Ob das Buch nun aber eine Bedeutung hat, oder ob es so etwas wie einen Sinn überhaupt gibt, muss wohl jeder für sich selbst beatworten. Darauf kann weder das Buch noch ich eine genaue Antwort geben.


"Warum tun alle so, als sei alles, was nicht wichtig ist, sehr wichtig, während sie gleichzeitig unheimlich damit beschäftigt sind, so zu tun, als wenn das wirklich Wichtige überhaupt nicht wichtig ist?"


Beginnen wir aber wie immer mit dem Cover. Es ist ganz in einem cremefarbenen Weiß gehalten und hat eine glänzende, weiße Hinterlegung, die den Titel buchstabiert. Der Titel wird nochmals in Lila genannt, Textsorte und Autor in Orange, was die einzigen Farbkleckse im Bild bilden. ich finde dieses leere Weiß sehr treffen zum Thema "Nichts", hätte aber lieber den Schriftzug, der den Titel nochmals nennt, weggelassen, da er nicht so recht ins Bild zu passen scheint. Trotzdem ist das Cover definitiv ansprechend und mal etwas anderes. Ansonsten ist zur Gestaltung nur noch zu sagen, dass die Kapitel recht kurz sind und mit römischen Zahlen überschrieben sind. Die Schrift ist außerdem recht groß, weshalb man die 140 Seiten schnell lesen könnte.

Das "könnte" ist kein Fehler im Benutzen des Konjunktivs, sondern absichtlich gesetzt. Denn das Thema und die zunehmend verstörende Handlung verhindern, dass man das Buch einfach herunterlesen kann.

Zuerst wird als Art Prolog eine Aussage in den Raum gestellt, die die Protagonisten des Romans während des Plots versuchen zu widerlegen:


"Nichts bedeutet irgendetwas,
das weiß ich seit Langem.
Darum lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun.
Das habe ich gerade herausgefunden."



Diese Worte von Pierre Anton schocken seine Mitschüler einer Schulklasse in der Dänischen Provinz und bringen ihr Weltbild durcheinander. Er verlässt einfach eines schönen Tages den Klassenraum und sitzt fortan auf einem Pflaumenbaum. Und warum macht er das? Ganz einfach: Er hat begriffen, dass nichts von Bedeutung ist. Man Lebt, man arbeitet, man stirbt. Man liebt, man wird geliebt, man verlässt, man wird verlassen. Man lacht, man erschafft – es zerfällt. Man müht sich am Leben ab und das, obwohl man das Ende kennt. Tot. Die Schlussfolgerung ist offensichtlich. Hören wir auf so zu tun als ob. So zu tun als was? So zu tun, als hätte irgendetwas eine Bedeutung. Diese beunruhigenden Erkenntnisse verwirren Piere Anthons Klasse in dem Maße, dass sie sich entschließen, ihm – und damit sich selbst – zu beweisen, dass es doch Bedeutung gibt! Der Plan ist, einen ‚Berg aus Bedeutung‘ zu erschaffen und Dinge anzuhäufen, die von unanfechtbarer Bedeutung sind. Es beginnt ganz harmlos mit alten Bildern und geliebten Gegenständen, artet jedoch aus, als Neid, Missgunst und Feind- wie Freundschaften die Schüler dazu zwingen, immer radikaler etwas zu opfern, was ihm wichtig ist - bald ohne Rücksicht auf Leben und Tod...


"Mit gleichmütiger Miene nickte er uns zum Abschied zu und ging hinaus, ohne die Tür hinter sich zu schließen. Die Tür lächelte. Es war das erste Mal, dass ich sie das tun sah. Mir kam die angelehnte Tür wie ein breit grinsendes Maul vor, dass mich verschlingen würde, wenn ich mich dazu verlocken ließ, Pierre Anthon nach draußen zu folgen......und die Stille sagte mir, dass die anderen es auch bemerkt hatten.
Aus uns sollte etwas werden. Etwas werden bedeutete jemand werden, aber das wurde nicht laut gesagt. Es wurde auch nicht leise gesagt. Das lag einfach in de Luft oder in der Zeit oder im Zaun rings um die Schule oder in unseren Kopfkissen oder in den Kuscheltieren, die, nachdem sie ausgedient hatten, ungerechterweise irgendwo auf Dachböden oder in Kellern gelandet waren, wo sie Staub ansammelten."


Wir bekommen diese Geschichte aus der Sicht der 13jährigen Agnes erzählt. Sie fungiert hierbei als Ich-Erzähler, man erfährt jedoch nichts über sie, kaum etwas über ihre Gefühle und Gedanken und erlebt das Geschehen auf seltsam distanzierte Weise. Oft spricht sie von ihnen im Plural, einem "Wir", zu dem sie sich identitätslos dazuzählt und nicht abgrenzt. Dadurch wirkt der Rausch, in den die Schüler fallen, der Gruppenzwang, der sie immer weiter antreibt, noch rücksichtsloser zu sein, noch makabrer und geschmacksloser. Man kann das Handeln der Kinder jedoch bis zu einem gewissen Grad gut nachvollziehen, genau wie das Dilemma, indem sie sich befinden, ausgelöst durch Pierre Anthons Sticheleien. Die anderen Charaktere werden auch sehr distanziert und polarisiert dargestellt, was auch die Adjektive zeigen, die vor einige der Namen gehängt permanent wiederholt werden. So ist zum Beispiel die rede vom "großen Hans", der "kleinen Ingrid" oder "dem frommen Kai".

Der Schreibstil ist genau wie die Erzählinstanz recht distanziert vom Geschehen und in schlichten Sätzen gehalten. Auffällig ist das Vorkommen von vielen sprachlichen Steigerungen, die die Ich-Erzählerin von sich gibt um die Situation zu beschreiben - die verlorenen Dinge der Kinder, denen mehr Bedeutung zugewiesen wird, den Drang nach der Superlative, der die Kinder drängt, die Angst vor dem Nichts. Zuerst "Ich bekam Angst. Angst vor Pierre Anthon. Angst. Mehr Angst. Am meisten Angst.“ zu den Aussagen Pierre Anthons, dann als Antwort darauf "Blau. Mehr Blau. Am meisten Blau." zu den abgeschnittenen gefärbten Haaren eines Mädchens, "Weiß. Hellrot. Rot ist tot." zu den Blutspritzern die den Boden des Sägewerks nach dem Schlachten eines geliebten Hundes zieren, "Kalt. Kälter. Frost, Eis und Schnee" zu der Miene eines Mädchens, nachdem es ihre Unschuld aufgeben musste. "Ein winziges bisschen. Weniger. Nichts" zu den Zweifeln, die die Kinder bei diesen Taten quälen und schließlich: "Alles. Nichts. Gar nichts" zu der Bedeutung, die die Kinder gefunden und gleich wieder verloren haben.
 
Mit Pierre Anthons Aussage zu Beginn des Buches stellt er eine wichtige Frage, die die Menschheit schon seit Jahrtausenden beschäftigt. Wir können alle möglichen Vorgänge erklären, analysieren und die Frage nach dem "Wie" ist in vielen Bereichen des Lebens wissenschaftlich geklärt. Bleibt nur die Frage nach dem "warum", die uns weiter quält. Die Frage nach dem Sinn, der Bedeutung des Lebens und des Existierens. Ich bin mir sicher, jeder war schon mal in einer Situation, in der er das Leben als sinnlos empfunden und tief gezweifelt hat. In dieser Situation befinden sich die Schüler dieses Buches, als Pierre Anthon sie von seinem Pflaumenbaum jeden Tag aufs Neue verhöhnt.


"Das Ganze ist nichts weiter als ein Spiel, das nur darauf hinausläuft, so zu tun als ob - und eben genau dabei der Beste zu sein."


Getrieben von der Angst vor diesen Zweifeln, tun sich die Kinder zusammen, um Bedeutung zu finden und anzuhäufen. Daraus entwickelt sich eine Art Spiel bei dem sie sich Dinge, die beim Verlust Schmerz bereiten, gegenseitig wegzunehmen beginnen. Schreckliches; Leid und Trauer, Scham und Angst. Dinge, die sie Überwindung kosten, die sie hart erkämpfen mussten. Die Bedeutung in den Augen der Kinder entspringt also vor allem aus Leid und Schmerz, Besitz und Verlust, nicht etwa aus schönen Dingen, wie Liebe. Auf der Jagd nach Bedeutung werden die Kinder immer rücksichtsloser und gehässig, darauf ausgelegt, die anderen zu verletzten. Denn je mehr es wehtut, desto mehr bedeutet es, in ihren Augen. So landen Dinge wie ein Hundekopf, ein toter Bruder, ein abgeschnittener Finger oder die Unschuld eines Mädchens auf dem Berg der Bedeutung, der immer mehr zum Berg der Abscheulichkeit mutiert. Das wirkt auf den Leser verstörend und das ist verständlich, denn der Gedanke für die Bedeutung zu morden, stößt uns ab. Doch das ist eine große Ironie, weshalb uns das Buch auszulachen, uns für unsere seltsame Auffassung von Bedeutung zu schelten scheint. Hier geht das Buch von den Kindern, die wir kritisieren zu unserer Gesellschaft über.


"Dämonen hatten ihren Weg nach Taering gefunden. Die Dämonen, das waren wir."


Ob wir es wollen oder nicht; unsere alltägliche Auffassung von Bedeutung ist sehr eng verbunden mit den Begriffen Schmerz und Leid und findet sich auch in alltäglichen Floskeln wie: „Wenn du nicht hart für dein Geld gearbeitet hast, ist es nichts wert“ wieder. Genau diese Gedanken überspitzt die Autorin und führt uns vor Augen, dass wir selbst entscheiden können, welchen Dingen wir Bedeutung beimessen, indem wir uns an dem Verhalten der Kinder abstoßen. Sie glauben an ihre Art der Bedeutung, für die sie hart gearbeitet haben. Denn wenn sie so viel für ihn geopfert haben, muss er doch von Bedeutung sein, oder? Doch diese Art von Bedeutung ist subjektiv, müssen sie und wir Leser feststellen. Für sie bedeuten ihre Opfer etwas, andere sehen nur Dreck und blutbespritze Gegenstände.
Das wird auch im fertigen Berg der Bedeutung interessant dargestellt, der von Kunstkritikern und Menschenrechtlern scharf diskutiert wird. Die Öffentlichkeit streitet sich, ist geteilter Meinung über das Werk der Kinder. Die einen sehen sie als Auswüchse, wollen die Kinder für ihr Tun in psychiatrischen Anstalten sehen, die anderen loben sie für ihren Weg, den Sinn des Lebens einzufangen.


"Wir gewannen den Kampf um die Bedeutung...
sonderbar war nur, dass sich dieser Sieg, wie ein Verlust anfühlte..."



Als sie ihren Berg jedoch an ein Museum verkaufen wollen, meldet sich Pierre Anthon, der zu der Enttäuschung der Kinder zu ihrem Berg nur geschwiegen und gelacht hatte. Wenn der Berg wirklich Bedeutung hätte, hätten sie ihn nicht verkaufen können, wirft er ihnen nur überheblich vor. Die Schüler beginnen an der Bedeutung ihrer Opfer zu zweifeln. Und wenn der Berg keine Bedeutung hat, was dann. Hat Pierre Anthon nun doch Recht und es gibt keine Bedeutung?
Sie werden über dieser Frage an den Rand des Wahnsinns getrieben, bis sie angestachelt von Pierre Anthons weiteren Provokationen zu einer schrecklichen Tat getrieben werden. Spätestens an dieser Stelle hebt das Buch extrem von der Realität ab und es bleibt nur, das Buch auf übertragenem Sinne weiter zu verfolgen.

Denn es wird klar, dass Bedeutung eine subjektive Angelegenheit ist, für die man keine allgemeine Definition oder Erklärung finden kann. Es ist ein Gefühl, dass die Kinder nicht genau benennen können.


"Wir weinten weil wir etwas verloren hatten und etwas anderes bekommen hatten. Weil beides wehtat, verlieren und bekommen. Und weil wir wussten, was wir verloren hatten, während wir das, was wir bekommen hatten, noch nicht benennen konnten."


Was für mich etwas bedeutet, ist für andere nur Unfug. Das bezieht sich auf die kleinen Sachen im Leben, aber auch auf größere Dinge wie zum Beispiel Religion, für die manche sogar Töten, um ihr mehr Bedeutung zu verleihen, während andere in dieser Tat nur den Mord sehen, der sie im Grunde genommen ist. Was genau also Bedeutung ist, und ob es sie gibt, wird nicht geklärt. Es scheint, als ob die Kinder am Ende ein ungefähres Gefühl für die Bedeutung bekommen haben, genau wie auch wir Leser. Dieses Buch bietet also keine Lösung für die Frage nach dem Sinn, kritisiert und aber und regt auf jeden Fall zum weiteren Nachdenken an. Wir überlegen, was uns selbst etwas bedeutet, was auf unserem Berg der Bedeutung liegt und wie wir das nächste Mal reagieren, wenn wir in eine Situation kommen, in der uns ein imaginärer Pierre Anthon in unseren Gedanken sagt, das Leben wäre sinnlos.


"Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Freude, Traurigkeit, Liebe, Hass, Geburt, leben, Tod.
Es war ja doch alles das selbe.
Dasselbe. Das Gleiche. Nichts."


Pierre Anthons schafft es, seine ganze Klasse und uns zum Nachdenken zu bringen. Mit diesem Buch ist es wie mit dem Berg der Bedeutung selbst: Die einen lieben es, die anderen hassen es. Es hat international viele renommierte Preise gewonnen und wird in zahlreichen Schulen als Pflichtlektüre eingesetzt; es wurde aber auch schon an Schulen verboten, wie z.B. ursprünglich im Heimatland der Autorin, Dänemark. Auf Amazon gibt es 109 5-Sterne-Bewertungen, aber auch 59 1-Stern-Bewertungen. Also: Ob nun von Bedeutung oder nicht, das Buch hat zumindest berührt und zur Meinungsbildung der Rezensenten angeregt.


Fazit:

"Nichts was im Leben wichtig ist" ist ein erschreckend brutales, aber auch sehr lehrreiches Buch, das den Leser dazu bringt über denn Sinn des Lebens nachzudenken und darüber, was für einen von Bedeutung ist - schonungslos, unerbittlich, aber auch sehr bewegend. Und vor allem Mutig. Mutiger. Am Mutigsten.

Bedeutung oder nicht Bedeutung? No-go oder Must-Read? Keine Ahnung, deshalb von mir eine komplett neutrale Bewertung bei 2,5 Sterne.

 

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sommer, liebe, erwachsen werden, krebs, freundschaft

Der Sommer, als ich schön wurde

Jenny Han , Birgitt Kollmann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.04.2013
ISBN 9783423625364
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Der Sommer, als ich schön wurde
Autor: Jenny Han
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. April 2013)
Genre: Roman
ISBN-10: 3423625368
ISBN-13: 978-3423625364
Seitenzahl: 320 Seiten
Originaltitel: "The summer I turned pretty"
Preis: 8,99€ (Kindle-Edition)
8,95€ (Taschenbuch)
 

Inhalt:

Über die Kraft der Freundschaft und der Liebe

Die Sommer in Susannahs Strandhaus waren schon immer die Highlights in Bellys Leben. Und Susannahs Söhne Jeremiah und Conrad sind vielleicht das Wichtigste an den Ferien. In diesem Sommer fühlt Belly sich endlich nicht mehr wie ein kleines Mädchen, sondern wie eine attraktive junge Frau. Und endlich interessieren sich auch die Jungs für sie. Nur Conrad, in den sie schon immer heimlich verliebt war, reagiert zurückhaltender als früher. Und auch der sonst so fröhliche Jeremiah wirkt bedrückt.

Was steckt dahinter? Belly begreift, dass ihr Kindheitstraum von den gemeinsamen Strandhausferien in diesem Jahr endet. Und dass sie ihn erst loslassen muss, bevor sie bereit ist für etwas Neues....


Bewertung:

Das Buch habe ich vor einer ganzen Weile als Lückenbüßer auf meinen Reader geladen gehabt und aufgrund der eher mageren Aufmachung nicht gleich gelesen. Das Cover und auch der Titel sprechen jetzt nicht unbedingt sofort an, sodass mir diese schöne Geschichte eine Weile lang gar nicht aufgefallen ist. Irgendwann habe ich es wiedergefunden und dann doch gelesen. Und ich war wirklich überrascht von diesem Beginn einer Trilogie!


Erster Satz: "Wir waren seit geschätzten siebentausend Jahren unterwegs."


Wie gesagt finde ich der Titel ein wenig irreführend. Mir ist zwar klar, warum das Buch so genannt ist und ich kann durchaus einen Bezug zur Geschichte herstellen, man erwartet aber automatisch einen oberflächlichen Mädchenroman, was ein eher negativer Effekt ist und auch vom Cover nicht mehr gerettet werden kann. Dieses finde ich irgendwie zu sachbuchartig und schlicht für diese bunte, lebendige Geschichte und hätte eher etwas Knalligeres erwartet. Ich finde es aber nicht schlecht, da das Mädchen, das uns den Rücken zukehrt und mit gesenktem Kopf nachdenklich von einem Balkon aufs Meer blickt, eine gewisse Unschuld aber auch Bodenständigkeit ausstrahlt, was sehr gut passt. Die Kapitel sind sehr kurz, was zum schnellen Weiterlesen animiert.

Schon beim Lesen der ersten Seiten fühlt man sich in Sommer, Meer und Kindheit zurückversetzt. Viele eigene schöne Erinnerungen tauchen auf und reihen sich in die Eindrücke des Buches ein, was es gleich viel lebendiger macht. Doch es ist nicht nur ein Sommerbuch - kein oberflächlicher Jugendroman - sondern eine ganz besondere Geschichte mit viel Herz, die zwar ein paar Schwächen hatte, mir aber allgemein gesehen sehr viel Freunde bereitet hat.

Doch worum geht es eigentlich genau?
Die 16 jährige Belly ist ein ganz normaler amerikanischer Teenager. Sie geht zur Schule, bereitet sich auf ihre Collegebewerbung vor, lebt zusammen mit ihren Eltern und ihrem älteren Bruder Steve im schönen New York City und verbringt jeden Sommer in einem Sommerhaus am Strand bei Susannah und ihren Kindern Conrad und Jeremiah. Doch ihr nächster Urlaub soll anders werden als die wunderbaren Ferien, die sie dort schon erlebt hat. Es beginnt mit der Scheidung ihrer Eltern, die ihrer Vorfreude einen Knacks gibt, dann kann Steve nicht die ganze Zeit bleiben, da er sich mit seinem Vater noch Colleges anschauen muss und sie fühlt sich plötzlich mit Gefühlen konfrontiert, die sie nie hatte. Denn Belly wird langsam erwachsen und sie spürt, dass ihre Beziehung zu den beiden Jungs sich verändert hat und auch die Atmosphäre zwischen ihr und ihrer eigenen Familie wird zunehmend angespannter. Aus dem unscheinbaren Entlein, ist ein wunderschöner Schwan geworden, und keiner - nicht einmal sie selbst - kann damit umgehen. Alles beginnt sich zu ändern und es fällt ihr schwer von ihren alten Erinnerungen abzulassen, die immer wieder als Rückblenden die aktuelle Erzählung des Sommers unterbrechen und dem Leser ermöglichen, sich ein genaues Bild von ihr zu machen. Leider sind diese nicht chronologisch angeordnet, was dem Folgen der Geschichte einen kleinen Abbruch tut. Doch so sehr Belly auch versucht, an ihrem perfekten Urlaub festzuhalten, muss sie bald einsehen, dass dunkle Wolken einen Schatten auf ihr kleines Paradies werfen und sie sich mit anderen Zukunftsplänen abfinden muss, um sie zu vertreiben...


"Ich kann´s nicht glauben, dass du wirklich hier bist", sage ich. Er klingt fast scheu, als er antwortet: "Ich auch nicht." Dann zögert er. "Kommst du trotzdem mit?" Unfassbar, dass er noch fragte. Überall würde ich mit ihm hingehen. "Ja", antworte ich. Außerhalb dieses einen Wortes, dieses Moments scheint nichts zu existieren.
Es gibt nur uns. Alles, was in diesem Sommer geschehen ist und in jedem Sommer davor, alles hat darauf hingeführt.
Auf diesen Moment.
Jetzt."


Es beginnt luftig und leicht, süß und unschuldig - die Atmosphäre einer Ferienvorfreude - und endet dann eher traurig und nachdenklich. Viele verschiedene Themen werden angesprochen während wir an Bellys Entwicklung über die Jahre teilhaben dürfen. Schöne Dinge, aber auch Probleme. Es geht um Liebe, Freundschaft, Familie, die wunderbare Natur um das Sommerhaus herum, viel Gefühl, das Erwachsenwerden und die wachsende Verantwortung, den Wunsch, gesehen zu werden, aber auch um Krankheit und Trauer - ein Buch, was berührt, jedoch nie kitschig wird. Einfach echt. Man fühlt in jeder Situation mit Belle, kann aus ihr lernen und auch einiges mitnehmen. Deshalb kann ich das Buch nur allen weiblichen (und eigentlich auch männlichen) Leser zwischen 13 und 99 empfehlen, die gerne authentische, gefühlvolle Geschichten lesen, die unter die Haut gehen.

Die Erzählweise ist ruhig, gemächlich. Die Autorin nimmt sich sehr viel Zeit für Entwicklungen und ihre Figuren, schafft es aber durch den besonderen Fokus auf die Gefühle der Protagonisten, dass es dem Leser nie langweilig wird. Der Schreibstil passt super zur Atmosphäre, erst eher locker, luftig, verspielt, dann zusehends einfühlsam und stellenweise recht melancholisch. Dabei behält es aber immer einen lebendigen, humorvollen Unterton bei, sodass man kein deprimiertes, erdrückendes Gefühl transportiert bekommt, auch wenn Heftiges passiert.

Die Charaktere waren aber besonders interessant, da sie alle in gewisser Weise umdenken und sich in der veränderten Situation einfinden müssen.
Belly ist das Herzstück der Geschichte und die ganze Faszination des Buches beruht auf ihrer Wandlung und Entwicklung. Leider konnte ich sie am Anfang gar nicht leiden, da sie als unglaublich oberflächliche Person erschien, die naiv denkt, sie sei schon erwachsen und deshalb bei allem mitmachen will, was die Großen auch machen. Sie hängt Tagträumen hinterher, ist der Meinung, die ganze Welt habe sich gegen sie verschworen und hinter denkt einfach alles. Das typische Teenager-Mädchen mit mangelndem Selbstbewusstsein eben. Sie ist sprunghaft, kann sich kaum zwischen Alternativen entscheiden und ist sich ihrer Gefühle sehr unsicher. Pubertät hin oder her, ich fand, dass es ihrer Glaubwürdigkeit ein wenig geschadet hat, als sie erst nicht wusste, ob sie jetzt Jeremiah oder Connor lieber mag und dann auch noch ein dritter Junge auf der Bildfläche erscheint, was natürlich zu weiteren Verwirrungen führt. Im Laufe der Geschichte wandelt sie sich jedoch sehr, wird mutiger und glaubt mehr in sich selbst. Dass sie trotzdem Fehler macht und sich in Dingen hoffnungslos verrennt ist da natürlich vorprogrammiert...

"Der Sommer lag vor uns, mit seinen zahllosen Versprechen und Möglichkeiten."


Steven ist der typische ältere Bruder, der in seiner kleinen Schwester noch immer ein Baby sieht, das es gilt vor der Welt zu beschützen. Er will sie oft nicht dabeihaben, wenn er mit seinen Freunden weggeht, da er sie verzerrt wahrnimmt, will aber nur das Beste für sie, auch wenn er sie gerne auf liebevolle Art und Weise ärgert und zur Weißglut bringt. Während des Sommers ist er gezwungen, umzudenken.

Jeremiah ist ein Sonnyboy - offen und humorvoll trägt er sein Herz auf der Zunge. Man sieht ihn immer mit einem Lächeln auf den Lippen, als hätte er die gute Laune für sich gepachtet und hat meistens einen coolen Spruch parat. Doch auch er, der beste Freund von Belly, dem sie immer alles erzählen kann, verändert sich sehr. Er wirkt bedrückt, reagiert seltsam auf sie - was ist nur los? Im Sommerhaus verbirgt sich irgendein Geheimnis, schlussfolgert Belly und beginnt es zu suchen.

Conrad, der ältesten Sohn von Susannah, ist das genaue Gegenteil von Jeremiah, eher introvertiert und eine Leseratte. Dabei jedoch immer liebenswürdig und aufgeschlossen zu ihr. Belly hat ihn immer bewundert, doch der verschlossene Junge, den sie jetzt wiedersieht, hat kaum mehr etwas mit ihrem früheren verantwortungsvollen Schwarm gemeinsam: er raucht, trinkt oft zu viel und lässt die anderen nicht an seinen Gedanken und Gefühlen teil nehmen und reagiert oft ruppig auf Nähe.
Wenn er mal etwas sagt hat man immer das Gefühl dass er gerne aus sich herauskommen möchte, es aber irgendwie nicht wirklich schafft. Man bekommt als Leser einige alte Erinnerungen an ihn vorgesetzt und kann auch sehr schön bemerken, dass er sich verändert hat, auch wenn man nicht versteht, wieso. Belly versucht, seine Schale zu knacken und es herauszufinden, als sie Cam trifft und sich auf einen Urlaubsflirt mit ihm einlässt. So bahnen sich einige Probleme an und die Geschichte nimmt langsam ihren Lauf, bis die ernüchternde Wahrheit kommt...


"Als er fort war, fiel ich ins Wasser und ließ mich treiben. Ich hörte mein Herz wie ein Metronom in meinen Ohren schlagen. Conrad war anders als früher. Er hatte sich verändert. Und doch, seine Wirkung auf mich war dieselbe. Ganz genau wie immer fühlte es sich an. So, als säße ich hoch oben am Grizzly, der Holzachterbahn in Kinds Domino, genau an der Stelle, bevor es in die Tiefe geht."


Denn es geht nicht nur um Erwachsenwerden und erste Liebe, sondern auch um Krebs und den Umgang der Familie damit. Die Thematik passt wunderbar in die Geschichte und wirkt nicht mit Gewalt hineingepresst. Leider wird der Handlungsstrang ein wenig von Bellys Gefühlschaos überlagert. Diese Gewichtung fand ich etwas seltsam. Durch viel Emotionalität und Feingefühl wird der Geschichte aber trotzdem mehr Tiefe verliehen. Von wirklichem Tiefgang würde ich jetzt nicht unbedingt sprechen, aber wir verlassen auf jeden Fall das oberflächliche Niveau des Jugendbuchs, für das ich den Roman fälschlicherweise gehalten habe.

Wie ich oben schon erwähnt habe, ist das Buch der Auftakt einer Trilogie. Dem stehe ich relativ gleichgültig gegenüber, da ich nicht vorhabe, die weiteren Teile zu lesen. Versteht mich nicht falsch, ich fand das Buch wirklich super, aber für mich ist diese Geschichte einfach abgeschlossen und ich habe Angst, dass mir dieses Gefühl durch die Fortsetzungen versaut wird. Man kann das Buch ganz gut alleinstehend lesen, was ich auch jedem nur empfehlen kann.


Fazit:

Sommerfeeling, Emotionen und ein wenig Nachdenklichkeit zu einem schönen Mix vereint: ein Buch mit viel Herz, das berührt ohne kitschig zu sein!

 

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fantasy, chosen, magie, rena fischer, chosen das erwachen

Chosen - Das Erwachen

Rena Fischer
Fester Einband
Erschienen bei Planet! ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 20.06.2017
ISBN 9783522505567
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Chosen - Das Erwachen
Autor: Rena Fischer
Verlag: Planet! im Thienemann-Esslinger Verlag (20. Juni 2017)
ISBN-10: 3522505565
ISBN-13: 978-3522505567
ASIN: B07254PTT9
Seitenzahl: 496 Seiten
Preis: 12,99€ (Kindle-Edition)
16,99€ (gebundene Ausgabe)
Weitere Bände: Chosen - Die Bestimmte
 

Inhalt:

"Flieg für mich"

Emmas Vater Jacob ist tot – ermordet von ihrer großen Liebe Aidan. Glaubt Emma. Doch das stimmt nicht. Emmas Erinnerungen wurden nämlich von Farran, dem Schulleiter des Elite-Internats, manipuliert. Jacob ist nicht tot, im Gegenteil, er will Emma aus Farrans Fängen befreien. Wird es ihm gelingen? Kann er Emma, die in die Emotionen anderer eintauchen kann, dazu bringen, die dunklen Machenschaften ihres vermeintlichen Mentors zu durchschauen?


Bewertung:

DISCLAIMER: Bevor ich mit meiner Rezension beginne, möchte ich zuerst ein riieesiges Dankeschön an Rena Fischer und den Thienemann-Esslinger Verlag aussprechen, die mir auch zum zweiten Teil dieser wunderbaren Dilogie ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben!!! Außerdem Achtung: diese Rezension könnte Spoiler über den Verlauf des ersten Teiles enthalten!!!


Das Cover (rechts) ist mal wieder einfach WOW!!! Ich habe das Buch wieder als gebundenes Exemplar zugeschickt bekommen, welches mit einem hübschen Umschlag mit Klapprändern verziert ist. Das Buch an sich ist in weiß gehalten und hat eine pinke Gravur am Buchrücken. Wo das Cover des ersten Teiles (links) noch in schwarz-grau geglänzt hat, sieht man hier wieder das Frauengesicht im Profil, aber vor einem metallisch-silber-weißen Hintergrund. Ihren Kopf formen dunkle, glänzende Rauchschwaden. Darunter befindet sich in pink der leuchtende Reihentitel und darunter in schwarz der Untertitel. Durch die grau-schwarzen Wirbel bekommt das Coverbild etwas hypnotisch magisches, das eine enorme Anziehungskraft auf den Betrachter ausübt. Das Mädchengesicht hat mich diesmal auch überhaupt nicht gestört, obwohl ich sonst ein klarer Verfechter gegen Modelgesichter auf Cover bin. Es fügt sich einfach so perfekt in dieses mystische Bild, welches einfach genau zur Grundstimmung des Buches passt. Die beiden Covers sehen im Schrank nebeneinander einfach phänomenal aus, auch wenn ich den ersten Teil mit dem ganz dunklen Hintergrund vorziehe.


"Wir können Schuld nur dann tilgen, wenn uns vergeben wird. Oder wir uns selbst vergeben. Andernfalls wird sie uns töten."


Doch auch zur inneren Gestaltung gibt es wieder ein paar positive Anmerkungen zu machen. Auf vollkommen unaufdringliche Art sind die Kapitelüberschriften mit sanften Rauchschwaden hinterlegt, was zusammen mit den kunstvoll verschnörkelten Seitenzahlen und der akkuraten Schrift ein stimmiges Gesamtbild ergibt.
Ich würde die ganze Gestaltung als genaue Punktlandung der Autorin und des Thienemann-Esslinger Verlages beschreiben. Bloß was sich hinter dem Titel "Chosen - Das Erwachen" verbergen soll, habe ich noch nicht ganz begriffen. Über Aufklärung würde ich mich freuen ;-)


Erster Satz: "Schreib es auf", hat er gesagt, "und dann beginnen wir neu."


Zu Beginn des neuen Jahres steht Emma in den Scherben ihres Lebens und wir am Anfang einer umwerfenden Fortsetzung, die uns eine berührende Geschichte präsentiert, die sich über das gesamte neue Jahr hinwegstreckt. Sie hätte gern einen Neubeginn, wir eine ebenso spannende Story, wie es der erste Teil uns vorgemacht hat. Nach der schicksalshaften Silvesternacht in Sensus Corvi ist nichts mehr, wie es einmal war. Emma ist in ihren manipulierten Erinnerungen von Farran voll und ganz gefangen, Aidan irrt ohne Erinnerungen in New York herum und Jacob will mit Hilfe der Falken Emma aus den Fängen der Raben befreien. Nahtlos geht die Geschichte weiter, wo sie in Band eins mit einem ganz heftigen Cliffhanger geendet hat. Da ich den ersten Teil schon im Januar gelesen hatte, habe ich mich an die ganz genauen Zusammenhänge nicht mehr so ganz erinnert und habe mich auf den ersten Seiten etwas schwer getan, da es sehr auf den Geschehnissen des ersten Teiles ausbaut. Man kann das Buch also auf gar keinen Fall losgelöst von seinem Vorgänger lesen! Als ich dann nach kurzer Zeit wirklich angekommen war, wobei die Charaktertabelle am Ende des Buches sehr geholfen hat, ging es Schlag auf Schlag wieder weiter und das Buch konnte mich in seinen Bann ziehen.


"Mein Name ist Emma MacAengus. Nicht Meyer und auch nicht Kate. Ich brauche sie nicht mehr. Denn ich bin stärker als sie. Ich öffne die glänzenden Schwingen meines Rabengefieders und stürze mich über dem Abgrund meines alten Lebens in den gewitterschweren Himmel."


Auf sehr seltsame aber geniale Art, ist der Roman seinem Vorgänger in Aufbau und Erzählart ähnlich, in Atmosphäre und Lesegefühl aber doch ein wenig anders. Während man im ersten Teil zusammen mit Emma verzweifelt in alle Ereignisse hineinstolpert und versucht, alle Zusammenhänge zu verstehen, so weiß man hier viel mehr als die Protagonisten, die alle nur Fragmenten der Wahrheit hinterherrennen und versuchen, die Motive der Handelnden zu durchschauen. Doch trotz der Sicherheit, vermeintlich alles zu durchschauen, in der wir uns wägen, werden wir immer wieder hinters Licht geführt. Denn auch unsere Wahrheit scheint nicht ganz richtig zu sein. Es kommen immer mehr die Seitenverhältnisse durcheinander und man zweifelt immer mehr an den festgelegten Sympathiewerten des ersten Teiles. Denn was ist nun die richtige Seite, die einzige Wahrheit, wenn jeder an etwas anderes glaubt und mit dem Glauben, das Richtige zu tun, ins Verderben rennt?

Jeder ist verwirrt, und die Fronten verlaufen ständig anders. Mal ist der eine der böse Mörder, dann wieder der Retter in letzter Sekunde, dann doch wieder der Verräter, ... sodass diese ständige Unsicherheit, wer wirklich "Gut" und wer "Böse" ist, einen als Leser fast in den Wahnsinn treibt. Und das ist wirklich das Genialste an dieser Story - die Autorin schafft es immer wieder, einen hinters Licht zu führen! Ich muss zugeben, dass die Fragenzeichen über meinem Kopf im Laufe der Seiten immer mehr wurden, denn der Plot ist recht komplex und verstrickt, doch alles in allem konnte ich einen guten Überblick behalten.

"Schneewittchen soll sterben", rief die Königin, "und wenn es mein eigenes Leben kostet!" Darauf ging sie in eine ganz verborgene, einsame Kammer, wo niemand hinkam und vergiftete da einen Apfel. Wenn du dein Schneewittchen leben wiedersehen willst, schaff Jacob MacAengus zum Eingangstor..."


Doch neben diesem ständigen verwirrenden Hin-und-Her ist die Geschichte viel ruhiger als die erste Hälfte. Erst am Ende beginnt die richtige Action, vorher widmet die Autorin sich in aller Ruhe der Entwicklung ihrer Charaktere, der Einführung in ihre Situation und stimmungsbildenden Szenen.
Denn die Atmosphäre ist absolut nicht verwirrend und gehetzt, auch wenn man sich als Leser manchmal so fühlt, es herrscht viel Magie und Romantik vor, Vertrauen und Gefühle sind wichtige Aspekte, die von den Charakteren hochgehalten werden. Emma trifft aufgrund ihnen ihre Entscheidungen, da sie ihrem Verstand nicht mehr trauen kann, Aidan lässt sich komplett von ihnen leiten, da er nichts mehr weiß und sie sein einziger Wegweiser sind, Jacob leidet unter ihnen und auch Farrans Motive bauen auf dem Wunsch nach ihnen auf. Durch Emmas Gabe ist man nah am Geschehen und für Gefühle werden wunderschöne Beschreibungen und Metaphern gefunden, so ist das Buch eine intensive Leseerfahrung und man leidet mit den einzelnen Charakteren mit.


"Als ich aufschaue, ist da das Mädchen. Unwirklich schön. Als hätte der Sturm sie aus einer anderen Welt zusammen mit den Blättern vor die scheibe getragen. Mein Herz gerät aus dem Takt, kann dem Rhythmus des Regens nicht mehr folgen und das Glücksgefühl zerspringt in Scherben aus Unruhe und Angst. Sie hebt den Kopf und unsere Blicke treffen sich. Augen wie gefrorenes Blau..."


Von der reinen Handlung her, wird dieser Teil erstmal recht langsam angegangen. Nach einem verwirrungsstiftenden aber mega geilen Prolog finden wir uns erstmal in Emmas Situation nach Silvester wieder. Ihre Erinnerungen wurden manipuliert, sie leidet sehr unter ihren neuen Wahrheiten und muss zusätzlich noch damit klarkommen, von ihren Mitschülern als Aussätzige, als Verräterin behandelt zu werden.
Wir lernen den "bösen bösen" Fionbar Farran, auf ganz neue Art und Weise kennen - als sich kümmernder Pate mit Verantwortungsgefühlen. Ich habe mich immer mehr dabei ertappt, ihn zu mögen, obwohl ich wusste, dass er Emma nur manipuliert. Ich war mir irgendwann gar nicht mehr so sicher, ob er nun tatsächlich so böse ist, wie man immer dachte, oder ob hinter alle seinen Taten nicht doch eine gute Absicht steckte. Stattdessen bekommt man immer mehr Zweifel an Richard Montgomry, dem Anführer der rebellischen Falken.
So geht es immer weiter, bis die Story schließlich kurz zu kippen scheint und dann in eine ganz andere Richtung umschlägt, als endlich alle Charaktere wieder bei klarem Verstand sind. Damit ist langsam eine explosive Mischung angerichtet worden, die die Autorin im Folgenden in immer neuen Schüben hochgehen lässt, bis sich schließlich zum Happy End fast alles wieder geordnet und sortiert vor dem immer noch hyperventilierenden Leser ausbreitet.


"Du hast keine Wahl. Du hast nie eine gehabt. Dann ziehe ich seinen Kopf näher, zu mir hinunter. Seien Augen sind riesig, die schwarzen Pupillen tätowieren seinen Namen in mein Herz, meine Lippen öffnen sich leicht und ich schließe sehnsüchtig die Augen."



Als ich mit Lesen fertig war, dachte ich erstmal still OMG! Dann saß ich glaube ich noch eine halbe Stunde in meinem Schaukelstuhl und habe versucht, die Geschichte zu durchdenken und die letzten Fragezeichen verschwinden zu lassen. Dabei ist mir kein einziger unlogischer Punkt aufgefallen und ich muss der Autorin einfach mal für dieses krasse Story-Konstrukt gratulieren. Dass sie es dort geschafft hat, den Überblick zu behalten ist einfach nur bewundernswert. Die Leser der Geschichte sollten also nicht nur stählerne Nerven, einen Sinn für Romantik und gute Tränendrüsen, sondern auch ein bisschen Grips oder einen Notizzettel mitbringen, um das Leseerlebnis vollkommen genießen zu können.


"Mors certa, hora incerta." Mein Lippenstift liegt abgebrochen am Waschbeckenrand unter dem verschmierten Spiegel. " Der Tod ist sicher, nur die Stunde ist ungewiss."


Der zweitwichtigste Grund, weshalb ich dieses Buch wirklich feiere, ist der Schreibstil der Autorin. Man glaubt einfach nicht, dass das die erste Reihe von Rena Fischer ist, zu erfahren und abgeklärt wirkt ihre Schreibweise. Gleichzeitig locker, leicht und einfach aber dennoch ausführlich, magisch und gut durchdacht. Ihr Satzbau ist dabei abwechslungsreich und umgangssprachlich genug, um gut gelesen werden zu können, dabei aber nicht zu schlampig und ungalant formuliert. Dieser Hochseilakt meistert die Autorin wirklich super, was ich, genau wie ihre Fähigkeit, an den richtigen Stellen gefühlvoll, eiskalt, rasant oder ruhig zu schreiben, sehr bewundere. Es werden durch ummalende Beschreibungen wunderschöne Bilder im Kopf erzeugt und viele faszinierende Dialoge setzten der Story noch mal ein Sahnehäubchen auf. Man fühlt sich durch die Nähe, die sie erzeugt, wahrhaftig angesprochen und wird ein Teil der Story. Ganz große Klasse!!!

So jetzt wollt ihr bestimmt wissen, was der erst wichtigste Punkt ist, weshalb ich das Buch wirklich toll finde und mit 5 Sternen bewerten werde. Inhalt? Abgehakt. Cover? Hm, schön ja. Konstruktion? Schon erwähnt. Die Atmosphäre? Zwar geil aber trotzdem nicht der Punkt. Schreibstil? Nur der zweitwichtigste Grund. Was fehlt noch? Die Charaktere!!!

Hier werden drei Haupthandlungsstränge angegangen, denen auch eine gesonderte Perspektive geboten wird. Von Emma und Aidan erfährt man ihre Erlebnisse und Gefühle aus der Ich-Perspektive, Jacob als personaler Erzähler.


"Deine Gefühle wirbeln im Wind des Lebens wie ein Drache. Sie steigen empor und stürzen hinab. Doch wenn es zu stürmisch ist, musst du deinen Verstand von deinen Gefühlen trennen, Emma. Versprich mir, dass du dich nicht von ihnen mitreißen lässt. Lass die Leine los! Sonst wird der Wind doch einfach davon tragen." Ich atme tief durch und schließe die Augen. Und dann mache ich das genaue Gegenteil."


Emma MacAengus ist mir schon im ersten Teil sehr ans Herz gewachsen, da sie ihre eigenen Werte vertritt und sich nicht unterkriegen lässt. Umso schmerzhafter ist es, mit ansehen zu müssen, wie sie manipuliert und gegen ihre Familie aufgehetzt wird und so langsam alles verrät, wofür sie stand. Doch durch ihre spezielle Gabe des Emotionentauchens nimmt sie alle Emotionen um sich herum und in anderen verstärkt wahr, was schon bald zu einem absoluten Gefühlschaos führt, das einige Wiedersprüche aufweist. So liebt sie noch immer den Mörder ihres Vaters. Kann das sein? Soll sie ihrem Verstand oder ihrem Herzen mehr Vertrauen schenken? Sie zweifelt immer mehr an sich selbst, ihren Gefühlen, Gedanken, an allem! Das zermürbt sie zusehends und so leidet sie leise vor sich hin, weil sie sich selbst und die Welt nicht mehr versteht. Sie manövriert sich von einer schwierigen Situation zur nächsten, zeigt sich jedoch immer warmherzig, sensibel und einfach liebenswert. Das beste jedoch: sie wird nicht als absolute Superheldin dargestellt, sondern darf sich verrennen, Fehler machen, kämpfen, verlieren, sich wieder fangen und aufstehen. Das macht sie wirklich aus und lässt sie mit sehr viel Tiefe glänzen, auch wenn ihr in diesem Buch ein bisschen Aufmerksamkeit des Lesers gestohlen wird.


"Stille kann mit Ehrfurcht erfüllen oder einen beruhigen, auffangen in einem Netz von Glück, Sehnsucht oder Hoffnung. Aber das sind nicht die Fäden, aus denen mein leben in den letzten Monaten gesponnen wurde. Deshalb ist diese Stille anders. Sie wartet, belauert mich, geduldig wie eine Spinne, und je mehr ich mich abzulenken und ihr durch den herbeigesehnten Schlaf zu entrinnen versuche, desto stärker verheddere ich mich in ihren klebrigen Fäden, bis ich wie in einem Kokon von ihr eingeschnürt bin und kaum noch Luft bekomme."


Ein Teil davon bekommt Aidan, der in New York seines gesamten Charakters beraubt einen Neuanfang starten muss. Geholfen wird ihm dabei von der Buchhändlerin Amy Grey, die ihn bei sich aufnimmt und unterstützt. Doch seien Vergangenheit lässt ihn nicht los und ihn quälen immer mehr Flashbacks, und eine wunderschöne Erinnerung von einem Kuss im Regen. Seine Welt wackelt erneut, als dieses Mädchen vor seiner Tür auftaucht und er wieder in einen Strudel von Ereignissen, Intrigen und Hinterhalt gezogen wird um dafür eines wieder zu erhalten: Liebe. Immer wieder hat er Momente, in denen die Hoffnung erwacht, er könne sich bald wieder an alles erinnern. Rena Fischer spielt hier gekonnt mit den Emotionen der Leser und macht ein Mitfiebern zur Pflicht.


"Das Zupfen einer Gitarre. melancholisch, romantisch. Ich kenne dieses Stück. Es stammt aus dem Film "Jeux Interdits" und wird von Narciso Yepes gespielt. All das weiß ich. Aber nicht meinen Namen."


Auch sehr berührt hat mich Jacob MacAengus, Emmas totgeglaubter Vater, der durch die Situation zur Zusammenarbeit mit seinen Erzfeinden, den Raben und dessen Chef Richard Montgomry gezwungen wird, um seine Tochter aus den Fängen Farrans befreien und seinen Patensohn suchen zu können. Er leidet sehr unter der Situation und tut alles, um den Rest seiner Familie beschützen zu können, auch wenn das Wort "Familie" für ihn bald etwas umdefiniert wird...

Mein absoluter Liebling und Gewinner dieses Bandes ist jedoch Fionbar Farran, Schulleiter von Sensus Corvi und Emmas Mentor. Im Laufe des Buches offenbart er uns seine Vergangenheit, die zugleich berührt, entsetzt und uns sein Handeln verständlich macht. Man versteht, dass er die richtigen Ideen und Ziele hat, seine Ansichten von Vertrauen und Liebe aber zu verzerrt sind, um sie richtig umsetzten zu können, ohne Schaden anzurichten. Emma beginnt immer mehr ihm zu vertrauen, auch abseits seiner Manipulation und sucht ihn schließlich auf, nachdem sie über alles Bescheid weiß. Er wird gleichzeitig gerissen und stark, aber auch verletzlich und verzweifelt gezeichnet. Ein Meister im Aussprechen von Wahrheiten, die keine sind, um sich etwas Liebe und Sicherheit zu erkaufen, denn alles was er will, ist ein sicheres Nest für seine Raben zu bauen und dieses vor den Angriffen der verfeindeten Falken zu schützen, auch wenn das bedeutet, einen der seinen herausstoßen zu müssen. "Flieg für mich", sagt er mehrere Male zu Emma, und als er sie aus dem Nest stößt, fliegt sie.


"Ich biete dir die Welt, Emma. Oder den Tod."


Die einzigen Bösewichte, auf die man mit wirklich Hass im Herzen zurückblicken kann, sind James Callahan und der neue Charakter Jack Pashley. Was es mit diesem auf sich hat, will ich aber nicht verraten...

Denn das Finale ist eine wunderbare Auflösung der ganzen Action zu vor, jeder bekommt ein logisches Ende, das an einigen Stellen nur minimal konstruiert wirkt und vor allem sehr berührt!

Noch ein wunderschönes Zitat zum Schluss:


"Ich falle. (...)
Meine Tränen sind gefrorene Perlen, sie fliegen mir voraus und gleich werden sie -wir- auf dem harten Eis zerschellen. (...)
Flieg für mich!, wispert seine Stimme." (...)
Meine Haut platzt auf. Federn sprießen aus ihrem milchigen Weiß und meine Beine werden zu Fängen. Ihre dunklen Krallen ritzen Furchen in das Eis, Kristallfunken sprühen neben mir auf, aber da breite ich meine Schwingen aus und reiße meinen schlanken Rabenkörper wieder nach  oben, bevor mein gefiederter Brustkorb auf dem See zerschellt. Eine einzelne blauschwarze Feder segelt hinab und küsste meine Spuren im Schnee."


Fazit:

Spannung, außergewöhnliche und vielschichtige Charaktere, Verwirrung, Wendungen und eine Liebesgeschichte, die so einige Hürden überwinden muss - all das mehrt sich und gipfelt in einem Finale, das das Lesen dieser Fortsetzung zur Pflicht macht!


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fantasy, pilgrim, magie, hatori, science fiction

Pilgrim - Rebellion

Joshua Tree
E-Buch Text: 446 Seiten
Erschienen bei www.weltenblume.de, 04.04.2017
ISBN B06Y1ZWLQD
Genre: Fantasy

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Pilgrim - Rebellion
Autor: Joshua Tree
Genre: Fantasy
Verlag: Independently published (9. April 2017)
ISBN-10: 152100286X
ISBN-13: 978-1521002865
Seitenzahl: 346 Seiten
Preis: 2,99€ (Kindle-Edition)
12,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: "Pilgrim 2: Die Verlorenen";
"Pilgrim 3: Die Geächteten" (erscheint in Kürze);
"Pilgrim 4: Die Magier" (vorbestellbar);
"Pilgrim 5: Die Zerstörer" (vorbestellbar);
"Pilgrim 6: Die Erlöser" (vorbestellbar)

 

Inhalt:

Ihre Magie macht sie zu Göttern, doch der Preis ist der Wahnsinn. Können fünf unzertrennliche Freunde sich ihrem Schicksal entgegenstellen? Können sie die tödlichen Geheimnisse des einsamen Berges ergründen?

Aus den Wellen eines endlosen Ozeans erhebt sich der Berg Pilgrim. Unter der Herrschaft ihres unsterblichen Anführers, dem Hüter der Seelen, vollbringen seine Bewohner wahre Wunder mit ihrer mystischen Magie, dem Hatori. Quelle ihrer scheinbar grenzenlosen Macht ist die Weltenblume, ein uraltes, mysteriöses Wesen, das tief im Herzen des Berges schlummert. Doch für ihre Magie fordert sie einen Preis: Den Wahnsinn. Magnus, Prinz von Pilgrim und Tzunai müssen mit ihren Freunden Tasha, Tomm und Felix bald herausfinden, dass sich hinter den scheinbar grenzenlosen Wundern ihrer Heimat weitaus mehr verbirgt, als sie ahnen. Ist der einsame Berg tatsächlich so einsam, wie sie seit ihrer Kindheit gelernt haben? Warum darf kein Pilgrim älter als 40 Sommer werden? Wohin verschwinden ihre Nachbarn? Welches Geheimnis steckt hinter der Weltenblume? Als Magnus und Tzunai ihre gemeinsame Suche nach Antworten beginnen, ahnen sie noch nicht, dass sie Pilgrim für immer verändern werden, denn die Rebellion hat gerade erst begonnen. Ihr Ausgang ist ungewiss, die Konsequenzen verheerend und während ein magischer Krieg entflammt, richten sich die Blicke finsterer Mächte auf den einsamen Berg, die seit Jahrtausenden auf diesen Moment gewartet haben...



Bewertung:

DISCLAIMER: Als erstes Mal ein großes Dankeschön an den Autor Joshua Tree hinter der Geschichte, der uns das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Wie immer ist die Rezension trotzdem eine ehrliche Wiedergabe meiner Meinung!

Zuerst einige Worte zum Cover: Zusehen ist ein rostiger Ring mit einem Berg, Häusern und darunter dem Meer schemenhaft in schwarz-weiß wiedergegeben. Gehalten wird dieser Ring durch zwei knochige Hände mit krallenartigen Fingernägeln, die das Geschöpf böse aussehen lassen. Der obere Teil des Coverbildes ist von mystischen grauen Rauchschwaden verdeckt, die wunderschön den Titel umschmeicheln. Die ganze Szenerie hebt sich durch schöne Hell-Dunkel-Akzente wunderbar vom weißen Hintergrund ab und lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters durch die Farbe auf den Ring in der Mitte - Pilgrim. Ich finde dieses Arrangement einfach MEGA und für einen Fantasy-trifft-Science-Fiction-Roman eines der schönsten Cover, die ich jemals gesehen habe. Es weckt schon gleich Spannung auf den Inhalt und lässt eine gewisse Fremdbestimmung einer größeren Macht vorausahnen. Auch der Titel passt super, ebenso wie der Klapptext der genau die richtige Länge hat und nicht zu viel preisgibt. So weit in der Gestaltung alles prima, was ich wirklich beeindruckend finde - mal wieder ein Beweis dafür, dass man für ein gutes Design nicht unbedingt einen Verlag braucht! Der einzige negative Punkt, bei dem man dem Roman anmerkt, dass er im Alleingang herausgebracht wurde, ist das fehlende professionelle Lektorat. Ich will gar nicht viel meckern, da es fast unmöglich ist, alleine alle Fehler auszumerzen und es mich auch gar nicht so sehr gestört hat, ich finde es nur einfach ein bisschen schade wenn noch so viele Fehler zu finden sind, da sie dem Gesamteindruck immer einen kleinen Knacks geben.


Erster Satz: "Melvin Predergast ließ das Protokoll mit dem unübersichtlichen Datenwust des finalen Systemchecks von der linken in die rechte Hand wandern und wieder zurück."


Doch jetzt zum Wesentlichen! Nach einem netten Vorwort und einem sehr skurrilen aber genialen Prolog, in dem wir Zeuge eines schiefgehenden physikalischen Experiments mit einem Teilchenbeschleuniger werden und auf ein allumfassendes Bewusstsein treffen, welches durch das All schwirrt, beginnt die Geschichte im ruhigen, kontrollierten Pilgrim. Die kleine Stadt Pilgrim bevölkert einen einsamen kegelförmigen Felsen im Meer, ohne je Kontakt zu anderen Völkern oder Lebewesen zu haben. Das Leben ihrer Bewohner ist bestimmt von dem Drang nach Klarheit und Ruhe, Selbstbestimmung und dem Wunsch, den Zustand der inneren Verschmelzung zu erreichen. So leben all strikt durchstrukturiert, nach Lehrjahren, Arbeitsjahren, geteilte Zeit und Individualität ist nicht erwünscht. Wer auf seinem Weg zur Verschmelzung, die man mit 40 Jahren erreicht haben muss, sonst wird man in den Nimbus zu einem weiteren Versuch geschickt, auf Abwege gerät, wird als Wahnsinniger abgeschoben.

Um seinen Geist wach und widerstandsfähig zu halten, wird das Hatnam praktiziert, eine Art Kampfsport, der absolute Körperbeherrschung voraussetzt.
Durch eine Art Meditation hat jeder Pilgrim Zugang auf das Hatori, ein Zustand völliger Klarheit, in dem die Sinne besser arbeiten, man alles erreichen kann, was im Bereich der eignen Vorstellungskraft liegt und in dem alle Emotionen und Gedanken ausgeblendet werden. Diese ganz neue und total einfallsreiche Art Magie hört sich an wie ein Traum, aber es ist auch gefährlich, denn das Hatori hat seinen Ursprung in der Weltenblume, einem uralten Wesen, das tief im Berg Pilgrims in einem Kristall schlummert und seine Fühler überall in schwache Bewusstseins steckt. Schon die kleinen Kinder lernen, psychische Mauern zu bauen um ihren verderbten Einfluss abzuschirmen, der immer wieder einzelne Pilgrim in den Wahnsinn zu treiben scheint. Doch für diese Einzelfälle gibt es die "Wächter", die die Probleme schnell wieder aus dem Weg räumen, bevor sie sich auswachsen können. Was schon sehr dystopisch klingt, wird verborgen von der glänzenden, strukturierten Fassade der Gesellschaft, von der auch Magnus, Felix, Tzunai, Tasha und Tomm geblendet werden.


"Ihre letzten Worte zu mir waren sinngemäß: "Gedanken erschaffen unsere Welt und ich sperre Gedanken nicht weg, nur weil sie dem angeblichen Ziel unserer Seelen widersprechen. Denk nach und finde eine Wahrheit, die für dich stimmt. Darum geht es. Ein Puzzle stück fehlt mir noch und wenn ich es gefunden habe, werde ich das Ergebnis mit dir teilen." Sie hat das letzte Puzzlestück anscheinend gefunden."


Doch als Magnus Schwester scheinbar beginnt den Verstand zu verlieren und seltsame Fragen stellt, wird der Frauenheld und Prinz aufmerksam: so wirkte sie doch gar nicht wie eine Geisteskranke. Als er dann auch noch eine Nachricht von der mysteriösen Weltenblume persönlich erhält, entdecken er und seine vier Freunde einige Risse im perfekten Mosaik ihrer Welt. Als sie anfangen das System zu hinterfragen, ändert sich auf einmal alles und es entsteht ein komplett neuer Handlungsentwurf, der mich wirklich überraschen konnte.

Da das Buch "Rebellion" heißt, bin ich davon ausgegangen, dass eine Rebellion und vielleicht auch ein Krieg starten würden, die sich dann durch die Teile der Saga ziehen würden. Pustekuchen. Nach nicht einmal der Hälfte des Buches ist die "Pilgrim" Problematik erstmal abgeschlossen, gehört der Vergangenheit an, wie die gesamte Gesellschaft und der Schauplatz wird um einige Dimensionen größer, als die Protagonisten die Welt außerhalb Pilgrims erkunden. Eine verwirrende, andere Welt, die sich scheinbar im Mittelalter unserer Zeit abspielt, wo Kaiser und Kirche um die Macht kämpfen und Piraten ihr stilles Dasein führen.


"Plötzlich hörte er einen gewaltigen Knall in seinem Rücken und ihre verzweifelte kleine Menschenkette wurde von einer gigantischen Druckwelle mitgerissen, wie verwelktes Laub, das der Wind achtlos von der Mauer fegte."


Für die Protagonisten so wie auch für uns ein krasser Schnitt der wirklich super gemacht ist. Von der durch getakteten Welt in der Meinungen und Individualität als verpönt galten und alles auf Zurückhaltung und Maßregelung beruhte, kommen wir auf ein Schiff, die Schwarze Mähre, voller ungehobelter Piraten, die der Völlerei frönen, keiner Schlacht und keinem Gerangel aus dem Weg gehen und nichts auf Konzentration oder Präzession geben. Zusammen mit den Charakteren müssen wir uns neu orientieren, von den Piraten alles über die neue Situation lernen und werden mit einer neuen Gefahr konfrontiert: die Vindicaner, die es auf die letzten Flüchtlinge Pilgrims und die Überbleibsel der Zivilisation abgesehen haben. Mehrere Handlungsstränge werden angeschnitten und die Erzählperspektiven erweitert. Vom kleinen Kreis der Handlung gehen wir also gleich ins richtige Spielfeld über und die Handlung beginnt so richtig.


"Ihr seid Schafe, nichts als formlose Schafe in einem hübschen Fell. Wenn ihr nicht unterschiedliche Brandmale tragen würdet, könnte ich euch nicht voneinander unterscheiden. Das ist nicht eure Schuld, weil ihr so gezüchtet worden seid, auf eurem neunmalverfluchten Berg." (...) "Schafe überleben nicht in einer Welt voller Wölfe. Und diese Welt ist eine Welt der Wölfe. Also seht zu, dass ihr beginnt keinem Hirten mehr zu folgen!"


Und auch nach der Wende und dem Schauplatzwechsel geht es genauso unvorhersehbar und besonders weiter. Weiterhin werden interessante Andeutungen gestreut, so dass bei mir eine deutliche und mega aufregende Ahnung gewachsen ist, was es mit Prolog, der Weltenblume und der Zukunft der Geschichte auf sich haben könnte. Mal sehen ob siech diese Vermutung bewahrheiten wird. Doch egal was kommt, es wird bestimmt so schräg wie großartig sein.
Denn in diesem Roman ist wirklich gar nichts gewöhnlich oder gar ausgelutscht, Joshua Tree kommt mit etlichen neuen und unverbrauchten Ideen, die er gut und spannend erklärt.
Da dies der erste Band der sechsteiligen Fantasy-Reihe ist, wird natürlich auch ziemlich viel erklärt, dies geschieht aber meiner Meinung nach, in einer guten und angemessenen Dosierungen, wodurch man nicht von Informationswellen überflutet wird und somit alles zum jeweils passenden Zeitpunkt erfährt. So wird es absolut nie langweilig!


"Er hätte nie gedacht, dass er sich einmal darüber freuen würde, einen für sie so alltäglichen Gesichtsausdruck zu sehen, doch er erinnerte ihn daran, dass er nicht träumte. Damit wurde sie in diesem Moment für ihn so etwas wie ein Fels in dieser reißenden Flut des Fremden, der ihn vor dem endgültigen Ertrinken bewahrte."


Was ich am Anfang als Makel und am Ende als wirkliches Genie gesehen habe, sind die Charaktere. Zuerst dachte ich, die fünf Freunde seien recht oberflächlich und schlecht charakterisiert, so denken sie doch alle immer dasselbe, streiten sich nie und sind recht schlecht zu unterschieden. In der Mitte des Buches wirft aber Graubart, der Kapitän der Schwarzen Mähre, den fünf Freunden genau das vor: fehlende Individualität, der Erziehung in Pilgrim geschuldet. Dann dachte ich nur WOW, das war Absicht! Ab dort verändern sich die fünf -ganz langsam natürlich- doch sie werden etwas tiefer. Alles, durch was sie sich früher definiert hatten, ist nun nur noch Asche auf einem verkohlten Berg, so müssen sie sich langsam selber entdecken. Ich bin nun natürlich total gespannt, wie diese Entwicklung in den weiteren Bänden weitergeht und ob sie alle noch einen starken Charakter entwickeln. Die Grundvoraussetzungen sind da. Deswegen nun nur ein paar kurze Worte zu den Charakteren.

Magnus ist eindeutig der leitende Charakter dieses Buches, auch wenn seine vier Freunde sehr wichtig sind. Er war mir von Anfang an sympathisch, mit seiner charmanten, humorvollen und einnehmenden Art. Er ist zwar als sogenannter Prinz von Pilgrim ein selbstgefälliger Schönling, der bei den Frauen gut ankommt und dies auch weiß, hat jedoch trotzdem viel Moral und Köpfchen. Als Sohn des Kaspans, des Hüters der Seelen, hat er es nicht leicht, da dieser viel beschäftigt ist und will deshalb immer gute Leistungen in Hatnam und Hatori bringen. Dann gibt es da noch Felix, seinen recht kleinen besten Freund, der das Leben einfach genießt und immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hat. Seine Lebensgefährtin Tasha, die sehr blass bleibt und eigentlich die ganze Zeit entweder fast am sterben, seekrank oder von irgendwas besessen ist ;-) Natürlich Tomm, eine Schrank von einem Kerl, der aber trotzdem immer wieder mit besonnenen und weisen Kommentaren überrascht, was gar nicht zu seinem groben Aussehen passen will und schließlich die taffe und wunderschöne Tzunai, die nie auf den Mund gefallen ist und sich jeder Situation entschlossen stellt. Die fünf bilden zusammen eine starke Einheit, die gut miteinander harmoniert und immer zusammen hält.


"Die Ereignisse hatten ihre kleine Gruppe, die schon auf Pilgrim unzertrennlich gewesen war, noch näher zusammengeschweißt, und zwar so nah, wie es nur eine gemeinsam durcheinandergestandene Katerstrophe schaffte. Eine Katerstrophe, in der man sich gegenseitig das Leben rettete, allein dadurch, dass man sich als Gemeinschaft Hoffnung gab, wo den Einzelnen längst der Mut verlassen hätte."


Später kommen dann noch einige Nebencharaktere hinzu, davon einige ungehobelte Piraten, die mich des Öfteren zum Schmunzeln gebracht haben. Alles raue Kerle, die aber trotzdem auf ihre Art herzlich wirken.
Insgesamt eine sehr ansprechende Mischung, bei der sich gespannt bin, wie sie sich weiterentwickeln.

Der Schreibstil war wirklich angenehm zu lesen und durch die sehr bildhafte und intensive Art, die Welt zu beschreiben eine wirkliche Hilfe beim Folgen der schwierigen Handlung. Eigentlich sollte es nicht gut möglich sein, eine so umfangreiche Handlung wie diese mit Tiefe, Erklärungen, Beschreibungen und vielen Wechseln an Ort und Zeit in nur knapp 350 Seiten abzuhandeln, ohne sich komplett an irgendwelchen Details aufzuhängen und ins Unglaubwürdige abzurutschen, doch diese Geschichte hat das mit Bravour geschafft. Rasant ja, aber nie zu schnell und hektisch, wird die Handlung vorangetrieben und ich war wirklich begeistert!


"Denkt an Meister Windings Worte: "Auch der längste Pfad beginnt mit dem ersten Schritt." Also macht euren ersten Schritt, bevor ihr über den Rest des Weges nachdenkt und darüber einschlaft!"


Als ich fertig war habe ich mir nur eine Frage gestellt: Wenn das nur der Auftakt war, wie genial müssen dann bitteschön die 5 Folgebände werden?
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt und werde die Reihe aufmerksam weiterverfolgen.



Fazit:

Mal etwas komplett anderes, als das Genre "Fantasy" sonst so zu bieten hat und somit eine erfrischende Abwechslung in einer wunderbaren Verpackung! Ein Auftakt, der mich immer wieder überrascht, fasziniert und schließlich begeistert zurückgelassen hat!

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liebe, jennifer l. armentrout, morgen lieb ich dich für immer, vergangenheit, rezension

Morgen lieb ich dich für immer

Jennifer L. Armentrout , Anja Hansen-Schmidt
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei cbt, 13.03.2017
ISBN 9783570311417
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Morgen lieb ich dich für immer
Autor: Jennifer L. Armentrout
Verlag: cbt (13. März 2017)
Genre:  Young Adult
ISBN-10: 3570311414
ISBN-13: 978-3570311417
ASIN: B01MYWQ3LG
Seitenzahl: 544 Seiten
Originaltitel: The Problem with Forever
Preis: 9,99€ (Kindle-Edition)
12,99€ (broschierte Ausgabe)
 
 

Inhalt:

Eine Liebe so groß wie die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft...
Mallory und Rider kennen sich seit ihrer Kindheit. Vier Jahre haben sie sich nicht gesehen und Mallory glaubt, dass sie sich für immer verloren haben. Doch gleich am ersten Tag an der neuen Highschool kreuzt Rider ihren Weg – ein anderer Rider, mit Geheimnissen und einer Freundin. Das Band zwischen Rider und Mallory ist jedoch so stark wie zuvor. Als Riders Leben auf eine Katastrophe zusteuert, muss Mallory alles wagen, um ihre eigene Zukunft und die des Menschen zu retten, den sie am meisten liebt …


Bewertung:

Erste Sätze: "Der Stapel mit den staubigen leeren Schuhkartons war höher und breiter als ihr schmale Körper, und er schwankte, als sie den Rücken dagegen presste, die knochigen Knie bis zur Brust hochgezogen. Atmen. Immer schön Atmen. Atmen."

Bevor ich mit der Rezension beginne, muss ich erstmal klarstellen, dass Jennifer L. Armentrout zu meinen absoluten Lieblingsautoren gehört und es also sein kann, dass der Maßstab, mit dem ich ihre Romane messe, vielleicht etwas verzerrt ist und meine Erwartungen zu hoch sind. Mit Fantasy- Büchern wie der "Obsidian"- oder der "Dark Elements"- Reihe hat sie sich echt Respekt bei mir verschafft, nichtsdestotrotz bin ich von ihren New Adult Büchern bis jetzt nicht so begeistert gewesen.
Das war der erste Roman, den ich wirklich sehr gut fand, leider aber auch seine kleinen Schwächen hatte.

Das beginnt schon bei Cover und Titel. Doch zuerst will ich mich noch ein bisschen über den Klapptext aufregen, der etwas irreführend ist. Der Klappentext verspricht ausschließlich eine Liebesgeschichte mit viel Problemen, man bekommt jedoch noch viel mehr als das: eine Story mit Tiefgang und sogar etwas Gesellschaftskritik. Das kommt in der Verlagsbeschreibung leider gar nicht so raus.


"Er hatte versprochen, für mich da zu sein - für immer.
Aber meiner Meinung nach gab es zwei Arten von Für immer.
Eine Gute.
Und eine schlechte.
Und ich hatte schon früh gelernt, dass die gute Art von Für immer, tja... das war eine Lüge."


Kurze Gegenüberstellung: rechts das englische und amerikanische Cover, links das deutsche. Ich finde den bunten Farbklecks, der sehr nach Acryl Farben aussieht einfach wunderschön und passend zum Inhalt, genau wie der Titel, der dramatisch, besonders und Interesseweckend klingt. Auch der Untertitel "Some secrets go to deep for words" (ungefähr = Manche Geheimnisse reichen zu tief, um sie in Worte fassen zu können) passt perfekt. Dagegen hört sich "Morgen lieb ich dich für immer" wie eine Nicolas-Sparks-Schnulze an und das Cover verkörpert stereotyp das typische Young Adult Ideal. In solchen Fällen wäre es vielleicht die Mühe wert, das Originalcover und den Titel beizubehalten oder wenigsten zu versuchen, möglichst nah heranzukommen. Es ist nicht hässlich, das nicht, doch im Vergleich zum Originalcover fast peinlich zu lesen. Ich hatte das Buch im Urlaub dabei und bin von meinen Eltern und Freunden darauf angesprochen worden, was für eine Schnulze ich denn da lese. Das ist wirklich schade. Auch die Kapitelanfänge sind mit großen Herzchen verziert, die meiner Meinung nach nicht wirklich passen.

"Sei ganz still."

Denn die Thematik ist alles andere als oberflächlich!
Das Buch beginnt mit einem mitreißenden Prolog, der weit in Mallorys Kindheit hineinreicht. Eine Kindheit voller Probleme, Misshandlung, Angst, aber auch voller schöner Momente mit ihm: Rider Stark, den sie nun seit 4 Jahren nicht mehr gesehen hat. Nachdem die 17jährigen Mallory ihre Therapie beendet hat und sich bereit fühlt, wagt sie den nächsten Schritt und versucht nach vier Jahren zum ersten Mal wieder, eine Schule zu besuchen. Das klingt zunächst nach einem recht einfachen Unterfangen, doch Mallory hat vor vielen Jahren aufgehört zu sprechen. Durch Angst und Gewalt antrainiert, möglichst still sein zu müssen, ist jedes Wort für sie eine Herausforderung. Stolz kämpft sie sich durch den ersten Schultag, bis es passiert: Nachdem Mallory und Rider gemeinsam durch die Hölle gegangen sind und dann durch einen Zufall getrennt wurden, treffen sie sich jetzt ausgerechnet in der Schule wieder und alte Erinnerungen, die sie so lange versucht hat zu verarbeiten, kochen wieder hoch. Rider war stets ihr Halt, ihre Zuversicht, ihr Ritter in silberner Rüstung, ihr Retter in der Not. Kann sie auf diese Freundschaft aufbauen und die Geister der Vergangenheit ruhen lassen?


"Worte waren weder meine Freunde noch Monster, die mir Angst machten, aber trotzdem hatten sie ungeheurer Macht über mich. Sie waren wie der Geist eines geliebten Verstorbenen, der mich heimsuchte."


Die Autorin hat sich mit dem Missbrauch von Kindern ein schweres Thema ausgesucht und es sensibel und authentisch rübergebracht. Anstatt und Leser gleich mit schrecklichen Fakten zu konfrontieren, geht sie langsam und vorsichtig an die Sache ran, lässt uns Leser erstmal eine Bindung zu Mallory und Rider aufbauen und erklärt dann nach und nach, warum die beiden so sind, wie sie sind. Denn beide wurden von ihrer Vergangenheit stark beeinflusst. Selbst nach vielen Jahren sind ihre Albträume noch präsent und müssen in einem täglichen Kampf immer wieder aufs Neue überwunden werden.


"Die Verbitterung darüber, in einem überlasteten und kaputten System so lange misshandelt und übersehen worden zu sein, klebte immer noch an mir wie eine zweite Haut, die ich wohl nie mehr loswerden würde."


Jennifer L. Armentrout kritisiert leise, dass es hin und wieder Jungen und Mädchen gibt, die durch die Maschen des unterfinanzierten, überbeanspruchten und unterbesetzten netz an Jugendämtern und Pflegefamilien fallen, versichert jedoch im selben Atemzug, dass die Jugendämter nicht schuld sind und gute Arbeit leisten. Mehr kritisiert sie sie Gesellschaft, die nicht näher hinsieht, Jugendliche aus schlechterer Herkunft ausgrenzt und durch Vorurteile in die Hand von Kriminellen treibt. So hat sie neben Rider und Mallory auch ihre Nebencharaktere ganz nach diesem Schema ausgerichtet. Jeder verbirgt mehr, als es scheint, jeder hat eine Geschichte, die man erkennen kann, wenn man genauer hinsieht. Dieser versteckte Sinn, die vielen kleinen Botschaften, haben mich wirklich sehr berührt!


"Ich versteh das schon." Fragend schaute ich ihn an. "Was verstehst du?"
Er zog die Schultern hoch und schnappte sich den Schlüssel aus meiner Hand.
"Alles."



Das Setting des Romans ist in die amerikanischen Stadt Baltimore gelegt, wo Verbrechen, Drogenhandel und Morde an der Tagesordnung sind. Nach und nach bekommt man als Leser einen Einblick in die verschiedenen Welten einer Stadt, die verschiedenen Schicksale und Lebenssituationen von Menschen, die als Nachbarn zusammenleben. Es wird klar, wie schnell das Schicksal kippen kann, wie schnell man eine unsichtbare Grenze überschritten und einen falschen Weg eingeschlagen hat, von dem es kein Zurück gibt.

So auch Jayden, der 14 Jährige Sohn der Pflegefamilie, in der Rider untergekommen ist, der gern alles von sich gibt, was in seinem Kopf vor sich geht, puerto-ricanische Wörter in seine Sätze mit einbaut und stets mit einem coolen Spruch auf den Lippen mit jedem Mädchen flirtet, das ihm über den Weg läuft. Ihm ist es wichtig, dass es den Menschen in seiner Umgebung gut geht, dass sie glücklich sind und versucht mit seinen jungen Jahren schon so gut es geht, seine überarbeitete Großmutter, bei der sie alle wohnen, finanziell zu unterstützen. Dabei gerät er immer wieder in krumme Angelegenheiten hinein, die ihm schließlich zum Verhängnis werden.


"Die Worte waren nie das Problem gewesen. Ich hatte genug Worte, schon immer, aber sie aus meinem Mund zu entlassen und ihnen eine Stimme zu geben, das fiel mir immer noch sehr schwer."



Hector sorgt sich als Jaydens großer Bruder um dessen Wohlergehen und versucht ihn vor Schaden zu bewahren in dem er ihm einen besseren Weg weist. Nach außen ist er der hübsche, distanzierte Playboy, auf den alle Mädchen stehen, doch wie auch sein Bruder ist er besorgt um seine Familie, würde alles für sie tun und ist viel sensibler, als er erscheinen lässt. Zwei Dinge, die er mit Rider gemeinsam hat.
Ebenfalls ganz anders, als sie erscheint, ist Paige, die bitchige Freundin von Rider. Als Leser hasst man sie, da man natürlich weiß, dass sie mit Rider zusammen ist und Mallory es nicht sein kann, was sie ihr ständig auf miese Weise klar macht. Sie sagt, was sie denkt, nimmt keien Rücksicht, auf die Gefühle anderer und wirkt eiskalt. Doch was man erst später erfährt: sie stammt wie Mallory aus einem schlechten Elternhaus, in dem sie Gewalt und Misshandlung erfährt, doch im Gegensatz zu Mallory ist sie nicht geflohen, sondern lebt immer noch dort und stellt sich ihrem Schicksal. Sie kämpft Tag für Tag.


„Aber manchmal bist du so in dich selbst verstrickt, dass du nicht … Na ja, du vergisst dabei zu leben.“


Ainsley ist Mallorys beste Freundin, die aus bestem Hause kommt, von einem Privatlehrer unterrichtet wird und die personifizierte Lebensfreude darstellt. Sie ist eine wahre Stütze für Mallory, zu jeder Tageszeit bereit über das Chatprogramm oder auch in einem Treffen Ratschläge zu geben, sich zu treffen und sie einfach so zu akzeptieren, wie sie ist. Mit ihren seltsamen Ängsten, Blockaden und Ticks. Doch auch für sie hat das Schicksal eine Finte parat...

Zu Mallorys Umfeld gehören auch noch ihre neue Pflegeeltern Rosa und Carls Riva. Die beiden sind wohlhabende Chirurgen, die nur das Beste für Mallory wollen. Nachdem ihre leiblichen Tochter Marquette tragisch verunglückte, richten sie ihre Liebe und Fürsorge vollkommen auf Mallory. Wie richtige Eltern bauen sie sie auf, sehen die Fortschritte, die sie sich erarbeitet hat und wissen, wie schnell der Zusammenbruch drohen kann. Und Rider ist der beste Weg Erinnerungen zu schüren, die lieber begraben bleiben sollten, weshalb sie ihm mit Skepsis und strengen Regeln begegnen. Sie wollen nicht noch eine Tochter verlieren. Obwohl die beiden Mallory wirklich lieben, fühlt sie sich manchmal wie ein Ersatz für Marquette, wenn sie ihr Autor fährt, an ihrem Platz sitzt und ihre eigene Zukunft nach ihren Träumen plant.

"Es war nur ein Albtraum, Carino. Schlaf weiter." Nur ein Albtraum? Albträume waren nicht echt, aber das hier war echt."


Der zweite Protagonist ist Rider Stark, der schon früh durch schlimme Ereignisse in der Vergangenheit gelernt hat, sich und die Menschen, die er liebt beschützen zu müssen. Ohne zu zögern, war er immer für seine "Maus" da und hat sich in die Schusslinie geworfen. Auch heute zögert er keine Sekunde, um sich für andere einzusetzen, nicht zuletzt für seine neue Familie, und für Mallory. Nach außen wirkt er wie ein "Bad Boy", doch wir erfahren sehr schnell, dass er sehr weit davon entfernt ist, diesem Klischee zu entsprechen. Er bleibt während der ganzen Geschichte relativ statisch, immer noch Mallorys Held, bis ihr Bild von ihm eine rasante Entwicklung durchmacht und der Spieß sich umdreht...


"Ich konzentrierte mich nur auf Rider und mich und auf das, was in diesem Moment geschah und was es bedeutete. Denn das ... war ein Anfang!"


Sie ist die Hauptfigur im Roman, den sie aus der Ich-Perspektive erzählt. Unbestreitbar steht ihre Geschichte im Vordergrund, auch wenn sie sehr viel Platz für ihre Nebencharaktere lässt. Mallory Dodge hat die traumatischen Ängste, die aus ihrer Vergangenheit resultieren längst noch nicht überwunden. Laute Geräusche verbindet sie mit Gefahr. Blicke, Gesten und Worte können unangenehme Assoziationen erregen. Panikattacken, Aussetzer und Angstzustände sind üblich, jedes auszusprechende Wort ein Kampf für sie. Doch gerade in der Schule, im ganz normalen Alltag ist es nötig zu kommunizieren und wer still ist, wird nicht beachtet. Dieser Makel wurde wirklich eindrucksvoll und authentisch dargestellt. Sie weiß um die Schwäche, hasst sie und tut alles dafür, um sie zu überwinden. Dabei setzt sie auf Konfrontation und wählt den Rhetorikkurs. Das sie dort ordentlich zu kämpfen hat, ist vorprogrammiert, doch tatsächlich schafft sie es, ihre Ängste immer weiter zurückzudrängen, um ein halbwegs "normales" Leben führen zu können. Es ist herzergreifend zu sehen, wie sie nach und nach ihre Dämonen hinter sich lässt, wie sie sich selbst entdeckt und dann zu dieser Person auch steht. Sie wird Schritt für Schritt zu der starken Protagonistin, die dieses Buch gebraucht hat, stark genug, um dann auch Rider beizustehen, als er sie braucht und endlich einmal für ihn da sein zu können, sein Retter sein.


"Was mir fehlte, waren nicht dünnere Oberschenkel oder ein flacherer Bauch. Es war Mut. Tatsache war, ich war ein Angsthase. Wie konnte ich überhaupt daran denken, einen Jungen zu küssen, wenn mein Mund noch nicht einmal reden wollte?"


Die Liebe zwischen den beiden beruht am Anfang vor allem auf ihrer gemeinsamen Vergangenheit, den vielen verbindenden Erinnerungen, wobei sie sich eigentlich kaum mehr kennen. Wie sie langsam wieder zueinander finden und sich selbst gegenseitig helfen, ist sehr süß mit anzusehen. Dabei verzichtet die Autorin auch *zum Glück* auf die ganzen Klischees, die Liebe baut sich langsam und zart auf. Bis dann *dadaddauuummm* sie mich echt enttäuscht hat. Als ich schon dachte, die beiden als super Paar feiern zu können, kam Jennifer L. Armentrout doch tatsächlich mit der ausgelutschten "Hach,-du-bist-viel-zu-gut-für-mich,-du-hast-was-Besseres-verdient-und-deshlab-verlasse-ich-dich-jetzt-grundlos-Masche" Das hat mich dann echt gekillt! Man kann doch nicht in so einen feinfühligen, scheinbar klischeelosen und tiefsinnigen Roman so ein oberflächliches Gesülze mit reinpacken - und das dann auch noch kurz vor Schluss, als ich dachte, sie sind endlich so weit?! Tja, ein Grund warum diese wunderbare Geschichte keine 5 Sterne von mir bekommt.


„Du und ich, wir passen zusammen wie Zitrone und Tequila. Ich rede dauernd und du schweigst - wir ergänzen uns perfekt. findest du nicht?“


Ein weiterer Punkt, der mich wirklich verwirrt und ein bisschen gestört hat, ist die seltsame Konzeption der Geschichte. Auf der reinen Handlungsebene sind mir da viel zu viele Wiederholungen von ganzen Szenen und einfachen Tätigkeiten. Zu Beispiel begleitet man Mallory und Rider bestimmt 20 Mal in den Rhetorikunterricht, wo sie dann da sitzt, von Paige böse und von Rider verliebt angeschaut wird, dann bekommt sie plötzlich kein Wort mehr raus, geht an ihr Schließfach, geht nach Hause, das immer wieder, scheinbar ohne Grund. Im Gegenteil dazu hat mir dann an anderen Stellen im Plot einfach etwas gefehlt, manche Dinge, vor allem am Ende, als auf den letzten 20 Seiten noch die ganze Dramatik Schiene gefahren wird, hätte ich mir einfach noch ein bisschen ausführlicher gewünscht. Manches wurde nur leicht angerissen, da einfach nicht genug Zeit da war, um es explizit darzulegen. Das fand ich bei so einigen interessanten Entwicklungen und Ereignissen schade, da diese mich vielleicht über die recht ereignislosen Stellen in der Mitte führen hätten können.

Ich finde es wirklich super, wie die Autorin an ihre Geschichte rangegangen ist,  leise, vorsichtig, alles gut initiiert und vorbereitet, eine super Basis gesetzt hat, bis man alle Charaktere gut kennt, sie lieb gewonnen hat und dann ... nichts. Normalerweise bereitet jeder Autor die Leser und Charaktere auf den wirklichen Beginn der Geschichte vor, doch hier ging die Vorbereitung über 200 Seiten und wurde dann von einer recht ereignislosen Handlung abgelöst. Es hat sich so sehr gezogen, war stellenweise bloß vom Plot betrachtet langweilig und es ist meistens gar nicht wirklich etwas passiert. Ein paar Seiten weniger hätten da locker ausgereicht. Diese Geschichte hatte es nicht unbedingt nötig, sie mit viel Drama und Handlung aufzupeppen, ich fand das Buch trotzdem spannend, habe es interessiert mit verfolgt, doch irgendwie wirkte die Geschichte auf mich, als würde etwas wichtiges im Plot fehlen, als hätte man einen Teil einfach rausgeschnitten. Das fand ich so schade wie seltsam. Denn trotzdem hat die Geschichte, die vor allem von den Charakteren, ihren Bürden, ein bisschen Gesellschaftskritik und der Vergangenheit getragen wird, mich mitgerissen und erst am Ende wieder losgelassen. So eine Handlung scheint also vollkommen überbewertet zu sein ;-)


"Du alleine hast die Macht darüber. Die Leute können sagen, was sie wollen. Sie können denken, was sie wollen, aber nur du alleine kontrollierst, was du dabei empfindest."


Das Ende war dann nochmal unglaublich süß und gut gemacht, so wie das ganze Buch hätte sein können. Auch wenn das Buch durch und durch versucht, das Positive am Leben zu vermitteln, trieben mir so mache philosophische Anwandlungen die Tränen in die Augen.

Der Schreibstil von Jennifer L. Armentrout ist gewohnt fesselnd, flüssig und bildhaft beschrieben. Sehr gefühlvoll und sensibel erfasst sie das komplizierte, Durcheinander von Mallorys Gefühlsleben. Die Diskrepanz zwischen dem gefahrvollen, Leben auf der Straße und dem sicheren reichen Leben der oberen Bevölkerungsschicht stellt sie erschreckend da, ohne übertrieben den Zeigefinger zu heben. So hat sie mich emotional abgeholt und trotz der vielen Kritik, die ich hier genannt habe, alles in allem überzeugen können.

"Mit dem Leben war es so wie mit dieser Rede, die wir halten mussten. Es ging nicht um das Ergebnis, es ging darum, dass man es überhaupt versuchte. Und genauso... genauso sah ich das auch."


Fazit:

Ein tiefgründiges, herzergreifendes Jugendbuch, das mehr in sich hat, als die Aufmachung vermuten lässt. Eine wirkliche Leseempfehlung an jeden, auch wenn mich einige Kleinigkeiten gestört haben. Nicht das schlechteste Buch von Jennifer L. Armentrout aber bei Weitem nicht das Beste.

 

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tod, liebe, mariella heyd, schicksal, hoffnung

Als der Tod die Liebe fand

Mariella Heyd
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei epubli, 03.02.2017
ISBN 9783742700988
Genre: Liebesromane

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Als der Tod die Liebe fand
Autor: Mariella Heyd
Verlag: Epubli (04. Januar 2017)
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3742700988
Seitenzahl: 432 Seiten
Preis: 12,99€ (Taschenbuch)
2,99€ (Kindle-Edition)
 
 

Inhalt:

Muss man gesund sein, um stark zu sein? Muss man zwingend fremde Welten erkunden, um Abenteuer zu erleben?

„Als der Tod die Liebe fand“ beweist, dass man die stärkste Kraft aus den schwierigsten Situationen schöpft und sich die Wunder dieser Welt direkt vor den eigenen Augen abspielen.
Die 18-jährige Mila genießt ihr Leben, bis sie von ihrer Krebsdiagnose überrumpelt wird. Innerhalb weniger Sekunden steht alles auf dem Kopf. Alles, was zuvor ihrem Alltag Farbe verliehen hat, verliert plötzlich an Intensität. Mila merkt schnell: Der Krebs ist ein Egoist, der alles an sich reißt. Im Krankenhaus trifft sie auf Mikael, der ihr über die Widrigkeiten der Chemotherapie und die Eintönigkeit des Krankenhausaufenthaltes hinweghilft. Allerdings steckt in Mikael mehr, als Mila ahnt. Er ist kein Mensch. Er ist gekommen, um Mila mit sich zu nehmen.



Bewertung:

DISCLAIMER: Vielen Dank an die liebe Mariella Heyd, dass ich nach "Elfenfehde" 1 und 2, sowie "Touch of Flames" auch noch dieses Buch lesen durfte! Ich bin mittlerweile ein richtiger Fan dieser Autorin geworden und warte mit Spannung auf weitere Bücher!

Bevor ich mit der Rezension beginne, einige Worte zum Cover, das ich wunderschön finde. Eigentlich ist es total kitschig, strahlt aber durch das hübsche violett-blau, der verschnörkelten Uhr und den zwei Personen vor dem Sternenhimmel eine romantische Magie aus, der man sich einfach nicht einziehen kann. Auch der Titel ist super treffend. Zuerst war ich etwas skeptisch, da ich gar nicht verstanden habe, was er soll und ihn komplett falsch verstanden habe, doch in der Mitte des Buches ist mir dann ein Lichtlein aufgegangen und jetzt liebe ich ihn einfach! Ich habe das Buch leider nur als E-Book gelesen, doch auf vielen Bildern gesehen, dass die Kapitel sehr schön mit Motiven und Schnörkeln ausgestaltet sind. Ich finde die ganze Darstellung mal wieder sehr gelungen! Den Klapptext finde ich auch gut, da er den fantastischen Teil der Geschichte schon andeutet, aber noch nicht komplett vor dem Leser ausbreitet.
Erster Satz: "Langsam trotteten Mila und der Rest der zwölften Klasse des Queen's College nacheinander aus dem Bus, und sahen sich mit hängenden Mundwinkeln um."


Denn das hat mich zuerst sehr verwirrt. Das Buch beginnt bodenständig, "normal", mit dem Alltag der lebensfreudigen jungen Mila, die sich auf einer Schulfreizeit in ihren Klassenkameraden und Freund Josh verliebt. Sie zofft sich mit ihren Eltern, geht nachts feiern, liebt Kleidung, Schönheit, Musik und das Leben - bis ihr eine niederschmetternde Diagnose ein Strich durch die Rechnung macht. Sie hat Krebs, sagt der Arzt, Blutkrebs mit einer guten zwar Prognose, doch ihr Leben dreht sich trotzdem um 360 Grad. Plötzlich geht es nur noch um ihre Krankheit, alles dreht sich um Chemos, Keimfreiheit und lange Krankenhausaufenthalte bei denen sie sich schon wie tot fühlt.


"Krebs. Mila stockte der Atem. Krebs kannte sie nur aus dem Fernsehen. Blasse Leute mit Glatze, die mit dem Leben abgeschlossen hatten. Krebs, wer bekommt schon Krebs? Krebs kriegen doch immer nur die anderen. (...) "Und das denken die anderen auch."


Dabei ist es keine Hilfe, dass ihre beste Freundin Niki und ihre eigene Familie mit der Situation nicht klarkommen und mehr Ballast als Hilfe sind. Josh bleibt dennoch an ihrer Seite, während Mila zwischen Krankenhausessen, Desinfektionsmittel und Infusionsständern hart um einen letzten Rest Normalität kämpft. Doch dann begegnet sie Mikael, der in ihr nicht nur die Kranke sieht, sondern einfach nur Mila, der den Krebs als Normalität erkennt und sie nicht mit Samthandschuhen anfasst. Bei ihm fühlt sie sich geborgen, denn er scheint der einzige zu sein, der sie in der jetzigen Lage versteht. Mit ihm kommt wieder Hoffnung, ihr Überlebenswille, Freude und Leben in Mila zurück - eigentlich eine schreckliche Ironie, wo er doch ihr Tod ist...


"Ich glaube, man rasiert sich nur einem im Leben eine Glatze. Das lass ich mir doch nicht entgehen." In jedem dieser Sprüche steckte ein Funke Wahrheit, ein Funke Angst, ein Funke Neugier, ein Funke Verlust und ein Funke Mut. Zusammen war es ein großes Gefühlsfeuerwerk."


Und ab da wandelt sich das Buch dann sehr krass. Zuerst hat man es mit einem typischen Krebsbuch zu tun, detailliert bekommt man Milas Situation geschildet, versetzt sich in ihre Lage und leidet mit ihr, an der Hoffnungslosigkeit - ein trauriger aber realer Roman. Doch als Mikael auftaucht, wendet sich das Blatt und Fantasy Elemente heben die Stimmung. Er kommt als übersinnliches Wesen, einer der Söhne des Todes, der Mila in die Ewigkeit begleiten soll. Mit ihm erscheint die kleine Hoffnung, die Mila als Kampfgeist zur Seite steht, auch wenn sie sie nur für ein Hirngespinst sieht. Die beiden stellen Milas Leben völlig auf den Kopf und rufen Gefühle in ihr hervor, wo zuvor nur Wut und Verzweiflung gewesen waren. Doch auch Mikael beginnt mehr für Mila zu empfinden, als er sollte, denn als Tod hat er eine festgelegte Aufgabe, von der er kein Entkommen gibt. Ein Wettlauf gegen den Krebs, gegen den Tod, gegen die Zeit beginnt...


"Ich bin der Tod. Ich spiele mit der Endlichkeit der Menschen und auf der anderen Seite gehört mir die Unendlichkeit."

An manchen Stellen hat mich das Buch etwas verwirrt, da die Perspektiven mitten in der Szene mehrmals von Mila zu Mikael verwischen und man manchmal nicht genau zu ordnen kann, in wessen Gedanken- und Gefühlswelt man sich gerade befindet. Zudem ist der Übergang von Traum und Fantasy zur Realität oft etwas undeutlich, sodass man ein bisschen im Unklaren ist, was gerade wirklich passiert und was nicht. Das ruft aber den interessanten Effekt hervor, dass man wie Mila, die ebenfalls nicht an die Fantasyelemente glauben kann, denen sie begegnet, ein wenig verwirrt ist und im Dunkeln tappt, auch wenn man schon mehr weiß, als sie. Schade fand ich nur, dass die Handlung vor allem gegen Ende etwas zu rennen scheint. Die Autorin beweist sehr viel Fingerspitzengefühl, ich hätte mir aber ab dem Fantasy-Übergang etwas mehr Details und Zeit gewünscht. Die Story ist ansonsten super konstruiert, auch wenn mich der Übergang von Krebsroman zur Fantasy ein wenig überrascht hat.


"Es ist schon komisch", sagte sie mehr zu sich selbst als zu Mikael, "man merkt erst, wie sehr man am Leben hängt, wenn man über das Ende nachdenken muss."


Die achtzehnjährige Mila hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Wir erfahren sehr viel von ihren Gedanken und Gefühlen, auch wenn mittels eines personalen Erzählter und erst im letzten Kapitel aus der Ich-Perspektive heraus erzählt wird. Am Anfang erschien sie mir etwas oberflächlich mit ihrer Liebe für Schminke, schöne Kleidung, Clubs und der Angewohnheit, sich mit den Freunden anderer Mädchen zu amüsieren, als sie dann aber ihre Diagnose bekommt und sich ihr Leben schlagartig verändert, habe ich verstanden, dass das einfach nur Lebenslust war, die Suche nach Normalität, die jeden Jugendlichen beschäftigt. Mir gefällt ebenfalls die Art es sehr, auf die Mariella Heyd die restlichen Probleme von Mila schildert, die nichts mit ihrer Diagnose zu tun haben. Nicht übertrieben oder zwanghaft lehrreich, aber doch irgendwie ernstzunehmenden und mit einem kleinen Hauch an Zuversicht.


"Diese Scheißwelt ist scheiße unfair", nuschelte Mila und zog die Nase hoch. "Ja das stimmt. Diese Scheißwelt ist scheiße unfair."


Ihre Diagnose hat aber nicht nur ihr Leben umgekrempelt, sondern auch ihren Charakter bleibend verändert. Sie reagiert zuerst sehr tapfer auf ihre Diagnose und möchte, dass der Krebs nicht ihr, noch das Leben ihrer Familie noch Freunde bestimmt. Doch immer mehr muss sie einsehen, dass das nicht so funktionieren kann, wie sie sich das vorgestellt hat. Zu sehen, wie sie sich dann doch mit ihrer Krankheit auseinandersetzt, sich mit dem Thema "Tod", "Zukunft" und "Abschied" befasst, ist wirklich sehr herzergreifend und spannend. Mikael hilft ihr, sich selber weiterentwickelt und das Leben zu genießen. Sie schafft es nicht zuletzt durch seine Liebe und die Unterstützung ihrer Familie, zu einer erwachsenen und starken Frau heran zu reifen, die ihr Schicksal mit hoch erhobenem Haupt erträgt. Beeindruckend!


"Mila verstand inzwischen, dass sich Normalität und Routine im Laufe eines Lebens ständig veränderten und somit wusste sie nun auch, dass ihre jetzige Normalität irgendwann der Vergangenheit angehören würde..."


Auch ihr Umfeld wurde meiner Meinung nach authentisch aufgebaut: Ihre Eltern, ihre kleine Schwester Emma, ihre beste Freundin Nicki, ihr Freund - alle reagieren entsetzt auf die Diagnose und lassen sich von ihrem eigenen Schmerz so sehr ablenken, dass sie teilweise vergessen, Mila in ihrem eigenen Schmerz beizustehen. Denn während die Angehörigen, Freunde und Bekannte nach einem anstrengenden Krankenbesuch wieder nach Hause gehen können, muss der Patient im Krankenhaus bleiben. Für ihn bleibt die Zeit stehen und sein ganzes Dasein dreht sich nur noch um den Überlebenskampf. Viel zu oft laufen sie vor der Krankheit weg, wo Mila nicht weglaufen kann. Dadurch wirken die genannten Charaktere ein klein bisschen unsympathisch, wenn auch realistisch dargestellt. Das kann man als Zuschauer von außen ganz leicht feststellen und kritisieren, ich glaube aber, wenn man wirklich selbst in so einer Situation ist, ist es unfassbar schwierig, nicht so zu reagieren. So hinterlässt die Diagnose auch bei ihnen ihre Spuren und sie und ihr Verhältnis zu Mila verändern sich stark. Zum Guten wie auch zum Schlechten.

Der Krebs ist hier sehr negativ dargestellt, als wahrer Feind, wobei es je eigentlich die eigenen Körperzellen sind, die sich gegen einen wenden und kein von außen gesteuerter Geist, auf den man wütend sein könnte. Das hat mich ein bisschen gestört, auch wenn es wahrscheinlich realistisch ist, einen Hass auf die Krankheit zu entwickeln, die einen dahinrafft. Sonstige Randinformationen sind gut mit eingebracht, stehen aber nicht im Vordergrund. Es geht hier nämlich eigentlich mehr um den Tod als um Krebs.


"Er war wie Lakritz. Irgendwie mochte man es und konnte es sich aus dem Süßwarensortiment nicht mehr wegdenken, aber freiwillig kaufte man es nie." (...) "Doch manchmal muss es eben echt Lakritz sein!"


Die Idee, den Tod als Person darzustellen, ist nicht neu, aber wunderbar gemacht. Mikaels Charakter ist sehr interessant und geheimnisvoll, da nie viel über ihn verraten wurde, konnte man schön mit rätseln. Besondern gut aber fand ich an ihm die Rolle, die er verkörpert hat: Genau wie der kleine Kampfgeist Hoffnung ist er eigentlich ein Boten des Todes, bringt Mila aber gleichzeitig auch viel Hoffnung, Erlösung und Leben. So lernt man den Tod aus einer komplett anderen Perspektive kennen, mal nicht als erbarmungsloser Feind, sondern als ein alltäglicher Begleiter, der nichts Schlechtes sein muss, sondern einen begleitet, bis die eigene Zeit gekommen ist. Wie der Tod beschrieben wird, friedvoll, fair, erlösend, wunderschön, macht Hoffnung und nimmt die Angst vor dem Thema. Das finde ich sehr wichtig, da der Tod immer noch ein wenig als Tabu-Thema gilt und mit Schrecken erwartet wird, obwohl man nicht mit Sicherheit sagen kann, was danach passiert. Das "Danach", dass in "Als der Tod die Liebe fand" präsentiert wird, ist einfach wunderschön und macht Mut beim Lesen. Viele Autoren lassen ihre Bücher vor dem Jenseits enden, da sie sich nicht genau festlegen wollen, doch das umgeht Mariella Heyd nicht und ich habe es geliebt!!!


"Die Menschen haben Angst vor dem Tod, weil sie ihn nicht kennen, sagen sie. Sie mögen nur den Schutzengel, der Tag für Tag an ihrer Seite ist und sie im rechten Moment beschützt, bevor sie auf die Straße stolpern, während ein Wagen heranrast. Sie verstehen nicht, dass es ein und dieselbe Gestalt ist. Der Tod ist ein guter Geist, der die Menschen täglich beschützt, bis es soweit ist und er sie begleitet."

Der Schreibstil ist wie gewohnt angenehm zu lesen – locker, leicht, bildhaft – alles was das Leserherz begehrt. Mariella Heyd schafft es, ohne lange umschweifende Beschreibungen eine gewissen Grundspannung zu erzeugen. Trotz des eigentlich traurigen Inhalts, ist das Buch unwahrscheinlich lebendig und fröhlich erzählt, sodass man mit einem lebendigen, gestärkten Gefühl das Buch beenden kann.

Das Ende war dann ganz anders, als ich gedacht hatte, mit einer kleinen Wendung darin, eigentlich wenig spektakulär aber sehr herzergreifend mit einem wunderschönen Epilog.

Und die Moral aus der Geschicht´:

"Ich will tanzen. Koste es, was es wolle."
"Gute Einstellung. Man sollte das Leben nicht zu ernst nehmen."
"Im Ernst? Man hat nur das eine", protestierte Mila ein wenig verwundert.
"Ja genau. Man hat nur das eine Leben und überleben tut man es eh nicht", feixte er.
"Also tanze!"



Fazit:

Eine wunderschöne Ode an das Leben, die dem Leser ein wenig Angst vor dem Tod nimmt und stattdessen Hoffnung und Mut schenkt.
Eine klare Leseempfehlung für einfach jeden. Ich denke jeder wird aus dieser Geschichte etwas für sich selbst mitnehmen können.

 

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Eine weiße Glut (Dalans Prophezeiung, Buch 3)

Sarah Marie Keller
E-Buch Text: 272 Seiten
Erschienen bei null, 18.06.2014
ISBN B00L40RGUC
Genre: Sonstiges

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Eine weiße Glut
Autor: Sarah Marie Keller
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (21. Juni 2014)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 1500231169
ISBN-13: 978-1500231163
Seitenzahl: 272 Seiten
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
3,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Ein dunkler Funke;
Ein schwarzes Feuer

 

Inhalt:

"Das ist die Tragik der Geschichte", sagte Uruk bedrückt. "So ist es immer gewesen und wird es immer sein. Ein ewiger Kreis. Die Städtebauer lernen nichts dazu, wie es aussieht."

Die Flammen des Weltenbrandes sind dabei, die Welt zu verschlingen. Während sich der Dritte Todesengel unter der Führung der wahnsinnigen Kaiserin Elara unaufhaltsam den letzten freien Königreichen nähert, droht alles, wofür Garian, Taya, Uruk und Noa gekämpft haben, zerstört zu werden.
Allein Dalans Rückkehr scheint die Welt noch retten zu können. Doch die Vergangenheit des Erlösers birgt ein dunkles Geheimnis, das vielleicht alle Hoffnung zunichte macht...


Bewertung:

DICLAIMER: Da dieses Buch der dritte Teil einer Trilogie ist, sind mögliche Spoiler über den ersten Teil nicht auszuschließen.

Als ersten wieder ein riesen großes Dankeschön an Sarah Keller, die uns auch den dritten Teil ihrer Reihe als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und uns somit an diesem wunderbaren Abenteuer teilhaben lassen hat!

Zuerst einige Worte zum Cover, das die Reihe wunderbar abrundet, in dem es wesentliche Elemente aufgreift und super zum Stil der beiden Vorgänger passt. Zusehen ist diesmal ein Mädchen mit roten Haaren, das eine weiße Rüstung mit einem geschwungenen Helm trägt und entschlossen in die Richtung des Lesers starrt. Das Mädchen ist vermutlich Taya, die in diesem Roman am Ende die Schlüsselrolle einnimmt. Im Hintergrund sind dunkle Funken, brennende Häuser und schwarze Wolken zu sehen, die dem Bild eine bedrohliche Atmosphäre verleihen - mal wieder super getroffen!!!


Erster Satz: "In dieser Nacht erfüllte sich die Letzte Prophezeiung."


Super getroffen ist auch der Einstieg des Buches. Ohne Umschweife beginnen wir mit der Erfüllung der letzten Prophezeiung: der Wiederauferstehung Dalans, was auch automatisch Noas Tod bedeutet. Sein Opfer ist aber ein Schuss ins Dunkle, denn weder weiß er, ob er danach noch er selbst sein kann, noch ob Dalans Erinnerungen ihm überhaupt helfen können, den Krieg zu beenden. Doch als Noa nach der Zeremonie wieder erwacht, muss er feststellen, dass sein ganzes Leben auf einer gewaltigen Lüge basierte und eine Welt stürzt zusammen...
Währenddessen befinden sich Garian und Uruk wieder auf dem Rückweg nach Elfaria, nachdem sie eine schwere Niederlage in Berial einstecken mussten und eine schreckliche Schlacht erlebten, die sie für immer verändert hat. Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit bis Elana und ihre Wolfarmee sich für den Angriff auf die Elfen und Orks bereit machen. Während der Todesengel immer näher rückt, müssen verfeindete Königreiche sich verbünden, denn nur vereint haben sie eine Chance gegen die Übermacht zu überleben...


"Liali, meine sanftmütige, süße Liali... Wie konnte dich dein Glaube so weit bringen, dein Gewissen zum Schweigen zu bringen?"


Das Problem mit Dalan, das zuvor so aufgeplustert worden war, löste sich überrascht schnell wieder auf, worüber ich mich bestimmt aufgeregt hätte, wäre die Auflösung und die Wendung dahinter nicht so verdammt gut gemacht gewesen. Das die Schenra-Vey hinter der Kriegstreiberei stecken, wusste man schon in Band 2, aber dass der ganze Wahnsinn zudem noch auf einer großen Lüge basiert, das setzt diesem irrwitzigen, verdrehten Glauben die Krone auf. Was genau passiert, verrate ich natürlich nicht - lest selbst!

Ich war wirklich sehr gespannt, wie die Geschichte um Taya, Garian, Uruk und Noa weitergeht und wie die Geschichte ein gutes Ende annehmen sollte. Als ich das Buch dann gelesen habe, hatte ich nach der Hälfte kurz Angst, nicht das komplette Buch zugeschickt bekommen zu haben, da die Charaktere sich immer noch beim Verbündete Suchen befanden und ich mich fragte, wie eine finale Schlacht, eine Auflösung und ein Happy End in die etwa 60 Seiten passen sollten, die mein Reader mir noch anzeigte. Als ich dann am Ende ankam, wusste ich wie: gequetscht und zusammengefasst. Das hat mich dann extrem enttäuscht.


"Ich weiß, dass es schwer ist, aber wir dürfen uns jetzt nicht von der Trauer überwältigen lassen", sagte Sandarius. "Es wird eine Zeit geben, in der wir um die Gefallenen weinen können, doch im Augenblick brauchen wir all unsere Kraft."


Man bekommt zuerst auch hier wieder ein packender und spannender Roman geliefert, doch das wirkliche Finale, vor allem geprägt durch Schlachten, Kleinkämpfe und andere Action, erschien einfach ein bisschen flach und langweiliger, als man das in den vorherigen Bänden gewohnt war. Die Action schon gut dargestellt - nicht überladen, mit einem guten Spannungsbogen und einigen Überraschungen und Wendungen - doch es fehlten ein wenig die Erklärungen, Einblicke in fremde Welten und ihre Kulturen, emotionale Überleitungen, die das Geschehende auch wirklich zum Leser herantragen,... Mir wurde vieles, das eigentlich total gut gemacht war, in einem zu schnellen Tempo und ohne Ausführlichkeit abgehandelt.

Das fand ich total schade, da ich in diesen finalen Band viel Hoffnung gesetzt habe, da mir die ersten beiden Teile total gut gefallen haben. Ein wirklich gutes Finale ist nun eben mal das A und O einer High - Fantasy - Reihe. Dieses hier tut die meiste Zeit genau das, was ich an den anderen so gut fand, dass sie es nicht taten - im Einheitsbrei an Fantasy Romanen verschwimmen. Das bedeutet keineswegs, das es schlecht war - nein: nur nicht so gut, wie ich dachte.


"Das ist er...
Ihr Herz schlug wild. Sie hatte das Gefühl, einem Ungeheuer zu begegnen, das aus ihren Albträumen in die Wirklichkeit getreten war.
... der Dritte Todesengel!"


Super fand ich, dass am Ende die Perspektiven sehr schnell von einer Person zur nächsten wechselte, die jede irgendwo in einer brenzligen Schlüsselposition steckte. So behielt man einen schönen Überblick über alle Fronten der Schlacht: der Regentensaal, eine Krankenstation, die Schlacht am Todesengel, im Todesengel und an der Küste - überall blieb es spannend, wenn auch durch die schnellen Wechsel nur recht oberflächlich. Da hätte man durch ein bisschen längere Szenen noch mehr Spannung herausholen können!

Sehr gut gefallen, haben mir in diesem Teil endlich die Charaktere, auch wenn Uruk ein wenig blass bleibt. Am besten hat mir hier Taya gefallen, die ihre starken Kräfte als Kind der Magie nun auch endlich nutzt und akzeptiert. Sie ist mittlerweile richtig erwachsen geworden und wird zur entscheidenden Schlüsselfigur im Verlauf der Schlacht.


"Nun bin ich mein eigener Herr. Der Orden, meine Eltern, Dagul und Liali; all die Grausamkeiten, die ich in Medoran erlebt habe, liegen hinter mir. Auch wenn es die schrecklichen Ereignisse nicht ungeschehen machen kann - ich werde nicht zurückblicken. Vor uns liegt die Zukunft und ich werde alles tun, um diesen Krieg zu beenden."


Für was Sarah Keller mit Noa, der sich inzwischen zu meinem Lieblingscharakter entwickelt hat, macht, hasse ich sie!!! *heul* Er hat in diesem Teil schwer zu kämpfen, denn er muss sich seinem Schicksal stellen und nimmt große Verantwortungen auf sich. Als man dann denkt, er hat endlich alles hinter sich und nähert sich seinem wohlverdienten Happy End - kommt DAS!!!

***Achtung Spoiler***

Eigentlich war mir klar, dass irgendeine der Hauptcharaktere noch sterben musste, denn wenn alle unsere Lieblinge überlebt hätten, wäre das unrealistisch gewesen. Doch als es dann so weit war und es ausgerechnet Noa getroffen hat, nachdem mir schon mein erster Lieblingscharakter Dagul auf so unspektakuläre Art und Weise genommen wurde, habe ich mir wirklich aufgeregt. Er durfte noch nicht einmal als Held sterben, sich Opfern oder sonst etwas. Er lief in eine Falle und zack - tot. Das kam so plötzlich und so un emotional, dass es mich gar nicht richtig erreicht hat. Und auch die Trauer von Taya, Uruk und Garian hat mich nicht wirklich überzeugen können, da alle kurz gedanklich erwähnen, wie am Boden zerstört sie sind, dann weiter kämpfen und bis zum Ende kaum mehr einen wirklichen Gedanken an ihn verschwenden. So konnte man als Leser gar nicht richtig um ihn trauern oder von seinem Tod berührt sein - er war einfach nicht mehr da.

***Spoiler Ende***

Garian versucht immer noch die Schrecken der letzten Schlacht zu verarbeiten und muss dabei erkennen, dass der Weg einer Sturmklinge vielleicht doch nicht der Richtige für ihn ist. Immer wieder sieht er das Bild des Wolfssoldaten vor sich, das er getötet hatte und wird von Selbstzweifeln gequält, dass er zu nichts mehr nütze sei. Zu sehen, dass sein Lebenstraum zu Staub zerfällt, ist nicht leicht für ihn, doch während die Welt brennt, ergeben sich für ihn neue Alternativen...


„So lange ich denken kann, wollte ich immer eine Sturmklinge werden, wie mein Vater. Ich habe von nichts anderem geträumt. Ich wollte ein Held sein, ein großer Krieger. Aber jetzt ist mir klar, dass ich nichts von alledem bin. Als die Schlacht begann, war ich vor Furcht wie gelähmt. Ich habe beinahe meinen Verstand verloren."


Kelrik Daralos tritt endlich wieder als Kelrik auf die Bühne und mischt noch mal ordentlich mit. Meiner Meinung nach verkraftet er sein Trauma, seine Taten und seine Schuld aber ein wenig schnell, was ihn am Ende etwas unglaubwürdig da stehen lässt. Das aber nur am Rande, denn ich mochte ihn sehr!!!

Elara hat mir gegen Ende hin immer mehr Leid getan: wahnsinnig, verkrüppelt alleine. Von der machtvollen, gütigen Herrscherin, die alle lieben und verehren, weil sie Gerechtigkeit bringt, ist nichts in ihr vorhanden und sie zerbricht daran, ihren Traum, ihr Lebenswerk zerbröckeln zu sehen.


"Willst du mich töten?" Dann fing sie an zu kichern. Der Wahnsinn gewann wieder die Kontrolle über sie. "Du kannst mich nicht vernichten. Niemand kann das. Ich bin die Herrscherin des Universums! Ich werde ewig leben!" Und ihr irrsinniges Lachen dröhnt durch den Garten, während der Himmel brannte..."


Dass das Setting kurzzeitig auch mal nach Murika, dem Orkkontinent wechselt, hat mir gut gefallen. Auch wenn wir im allgemeinen Trubel der Kriegsvorbereitungen nicht die Möglichkeit bekommen, wirklich viel davon zu sehen, fand ich den rauen heißen Kontinent, der mich durch die Beschreibung der Tier und Pflanzenwelt sowie des Klimas sehr an unser Afrika erinnert hat, interessant!
Auch sonst blieb Sarah Marie Keller sich in ihrem Schreibstil treu, der mich überzeugt hat - außer ganz am Ende, wie ich schon gesagt hatte.

Ganz am Ende greift die Autorin dann wieder den Prolog von Band 1 auf, als der alte Ork Uruk seiner Enkelin seine Geschichte erzählt. Er beendet seine Märchenstunde und berichtet über das weitere Schicksal der Protagonisten. Das fand ich eine sehr interessante Art, einen Epilog zu schreiben, der Informationen über das Ende der Geschichte heraus gibt. Auch wenn das ein bisschen von "Herr der Ringe"/ "Der Hobbit" abgeschaut ist...


"Und plötzlich war da wieder Hoffnung in ihrem Herzen, wie eine weiße Glut. Die Hoffnung, dass nach einer langen, schrecklichen Nacht die Sonne wieder scheinen würde."


Fazit:

Ein packendes Finale, eine entscheidende Schlacht und viele spannungsreiche Szenen. Der letzte Teil der "Dalan-Trilogie" fährt die ganz große Schiene auf, verliert am Ende aber leider ein wenig seiner Tiefe. Trotzdem eine wunderbare Geschichte, die nun leider zu Ende erzählt ist.
Klare Leseempfehlung an alle!

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wahnsinn, freundschaft, religion, schicksal, liebe

Ein schwarzes Feuer (Dalans Prophezeiung, Buch 2)

Sarah Marie Keller
E-Buch Text: 284 Seiten
Erschienen bei null, 18.06.2014
ISBN B00L40R9NG
Genre: Sonstiges

Rezension:

Allgemeines:

Titel: Ein schwarzes Feuer
Autor: Sarah Marie Keller
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (21. Juni 2014)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 1500174025
ISBN-13: 978-1500174026
Seitenzahl:  284 Seiten
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
3,99€ (Kindle-Edition)
Weitere Bände: Ein dunkler Funke;
Eine weiße Glut

 
Inhalt:

"Der Brand lodert", dachte Dagul und versuchte, sein Zittern unter Kontrolle zu bekommen. Er konnte den Anblick nicht ertragen und wandte sich vom Fenster ab. "Ich bete, dass uns der Erlöser vergeben wird!"

Der zweite Weltenbrand ist entfacht.
Unaufhaltsam erobert die Wolfsarmee unter der Führung von Xendors Herrscherin Elara ein Königreich nach dem anderen. Als Elara dann die Kontrolle über den Dritten Todesengel erlangt, einer der schrecklichsten Vernichtungswaffen aller Zeiten, scheint die Lage hoffnungslos.
In einem fremden Land gestrandet, entscheiden sich Garian, Taya, Uruk und Noa zu kämpfen, und zu tun, was in ihrer Macht steht, um Elaras Streitkräfte aufzuhalten.
Doch dazu sind die vier Freunde gezwungen, sich voneinander zu trennen.
Und so führen ihre Wege sie in die lebensfeindlichen Eiswüsten des Ewigen Winters und auf die blutigen Schlachtfelder von Berial. Ob sie einander wiedersehen werden, ist fraglich. Denn der Kampf gegen die Xendorier wird einen hohen Preis von ihnen fordern...



Bewertung:

DICLAIMER: Da dieses Buch der zweite Teil einer Trilogie ist, sind mögliche Spoiler über den ersten Teil nicht auszuschließen.

Als ersten ein riesen großes Dankeschön an Sarah Keller, die uns ihr Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und uns somit an diesem wunderbaren Abenteuer teilhaben lassen hat!

Erster Satz:
"Prinzessin Elara befand sich im sonnenerfüllten Morgensalon von Königin Lyndira."

So beginnt die Geschichte gleich angeschlossen an den ersten Teil: Die größenwahnsinnige Gebieterin von Xendor, Elara, hat das Königreich Minaskai erobert und im Epilog des ersten Teiles den Paladin Kelrik Dalaros mit Hilfe einer Sklavenkrone gefügig gemacht.
Unsere drei Freunde Freunde Garian, Uruk, Taya und Noa befinden sich nun im Reich der Elfen, nachdem sie durch die Invasion der Xendorier gezwungen waren, aus Minaskai zu flüchten. Währenddessen kommen Elara und ihre Wolfsarmee dem Todesengel immer näher und besetzten bald auch weitere Königreiche des großen Menschenkontinents Berial. Als der Orden der Schenra-Vey dann den dritten Todesengel ausgegraben und funktionstüchtig gemacht hat, gibt es für Elara kein Halten mehr. Ihr Ziel: Die ganze Welt erobern.
Um den zweiten Weltenbrand zu stoppen beschließt Noa, zusammen mit Taya zu seinen Leuten zurückzukehren, während Garian und Uruk sich den weißen Rittern anschließen, die versuchen, Minaskai wieder zurückzuerobern. Doch um den Kontinent zu retten und die verrückte Kinderkönigin aufzuhalten, sind einige Opfer nötig...


"Du hast vieles verloren", antwortete der Schamane, "doch nicht alles. Und du bist nicht allein. So lange wir zusammenhalten, ist keiner von euch alleine. Das dürft ihr niemals vergessen. Im Miteinander liegt Hoffnung!"


Wieder ist das Buch von der ersten bis zur letzten Seite mitreißend und spannend. Eigentlich hat das Buch mit knapp 220 Seiten nur sehr wenig Umfang, umso beeindruckender ist es, was in den wenigen Seiten alles beschrieben wird. Jedes Ereignis scheint genau abgewägt und mit richtiger Länge ausgearbeitet, sodass keine Stelle langatmig wirkt, aber auch nirgends Löcher entstehen.

Dazu hat auch wieder der gut ausgearbeitete Schreibstil der Autorin beigetragen. Die Wörter fließen geradezu präzise über die Seiten, sodass eine spannende und mitreißende Atmosphäre geschaffen und jedem Ereignis oder Gefühl einen super Schliff gegeben wird.


"Wir haben ihm seine Identität genommen, all seine Erinnerungen, und ihn zu dem gemacht, was er am meisten verachtet. Wenn er die Wahl hätte, wofür würde er sich entscheiden: so weiterzuleben – oder zu sterben?"
Aber er glaubte, die Antwort zu kennen."



In vielerlei Hinsicht entwickelt sich das Buch während dieses zweiten Teiles weiter. Die Charaktere machen einen großen Sprung, die Handlung wird gewaltiger und auch das Setting wird mehrgeteilt. Insgesamt ist der Fokus, der während des ersten Teiles noch sehr auf Minaskai und Dayrelia lag, nicht mehr wirklich zu spüren, stattdessen tauchen drei neue Handlungsorte auf: Medoran, das Land des ewigen Winters, in die Noa und Taya reisen um die Schenra-Vey aufzusuchen, die Elfenstadt Beschar, in der Uruk und Garian zur Kriegern weitergebildet werden und ... das Innere des Todesengels, mit dessen Hilfe Elara die ganze Welt zu zerstören droht. Mir hat es sehr gefallen, dass auch hier wieder die Perspektiven aufgeteilt sind, vor allem, da das diesmal auch für die Standorte der Hauptpersonen gilt. So ist es sehr spannend, wenn auch manchmal einfach zum Verrücktwerden, dass die unterschiedlichen Figuren an unterschiedlichen Orten Dinge erfahren, aufeinandertreffen, wieder getrennt werden und ganz verschiedene Sichtweisen auf die globalen Ereignisse vermitteln.

Gut gefallen hat mir hier vor allem, dass die Autorin sich in ihrem Weltenaufbau - in Band ein noch klar an Fantasy-Größen wie J.R.R. Tolkien und Christopher Paolini orientiert - immer mehr von typischen Fantasywelten gelöst und eigene kreative Ideen auf den Weg gebracht hat. So etwas wie einen riesigen Todesengel auszugraben, habe ich noch nie in einem Fantasy Roman gelesen, obwohl mich das palastähnliche, tödliche Flugungeheuer ein wenig an die Todesterne aus Star Wars erinnert hat...


"So wie die Zukunft, die du durch die Magie siehst, nicht unveränderlich ist, genauso wenig ist dein Leben von vornherein festgelegt. Natürlich macht das all die Schmerzen und Ungerechtigkeiten noch sinnloser. Aber das ist der Preis dafür, frei zu sein und nicht der Spielball irgendwelcher Götter!"


Auch wenn die Charaktere für mich insgesamt immer noch ein bisschen distanziert blieben, mochte ich die Entwicklungen, die die einzelnen Figuren durchmachten, sehr spannend!

Wir lernen nun auch endlich mehr über den geheimnisvollen Noa, besuchen den Orden der Schenra-Vey und auch Dagul wird ein kleines bisschen besser verständlich. Was im ewigen Winter noch so alles ans Licht kommt, ist einfach unglaublich! Noa und die Schenra-Vey bringen durch ihre Denk- und Glaubensart eine ganz neue Dimension in diese Geschichte. Vor langer Zeit vor seiner eigenen Bestimmung und Rolle in der Erfüllung von Dalans Prophezeiung geflohen, erkennt der junge Magier, dass nun, wo alle Zeichen auf den Beginn eines zweiten Weltenbrandes hindeuten, an der Zeit ist, zu seiner Familie zurückzukehren und alles in seiner Macht stehende zu tun, um die Welt zu retten. Doch was ihm nicht klar ist: während er nicht an so etwas wie Schicksal glaubt und denkt, jeder ist seines Lebens eigener Herr, würden die Ordensmitglieder alles tun, damit Dalans Prophezeiung in Erfüllung geht. Sogar einen ganzen Weltenbrand nur deswegen zu entfachen...? Als Noa und Taya langsam hinter alle Geheimnisse kommen, ist es längst zu spät.
Die beiden sind durch ihre gemeinsame Gabe und die Reise zu einem wirklich guten Team geworden, auch wenn von Taya aus, etwas mehr zu erkennen ist, wie Freundschaft. Sie beginnt so langsam, ihre Gabe zu akzeptieren und damit zu leben, eine Magierin zu sein.


"Es ist nicht wichtig, was die Welt von dir denkt. Wichtig ist nur, was du selbst von dir denkst." (...) "Ich werde niemals ein normales Leben führen können! Die Magie wird mich immer brandmarken! Ich will nicht allein sein!" (...)
"Willst du wirklich wie alle anderen sein, Taya? Willst du dein ganzes Leben damit verbringen, es anderen recht zu machen? Darauf angewiesen sein, was die anderen von dir denken? Willst du austauschbar sein?"



***Spoiler Warnung***

Ich hoffe wirklich, dass Noa Seele nach der Zeremonie nicht wirklich vollständig verloren ist und bin schon total gespannt, ob die Übernahme von Dalans Seele klappt, wie geplant. Wird er glücklich sein, auferweckt zu werden? Kann er die Welt überhaupt retten? War Noas Opfer nötig? Ich bin wirklich sehr gespannt, wie sich dieser Handlungsstrang entwickelt, genau wie Kelriks Geschichte und hoffe sehr, dass es für die beiden ein gutes Ende nimmt!
Was mich übrigens wirklich extrem aufgeregt hat, ist der Tod Daguls, den ich viel zu cool fand, um einfach in einem Luftschiff in die Luft zu fliegen *schmoll*.

***Spoiler Ende***


"Es gab keine Gerechtigkeit im Krieg", hatte Kelrik einst gesagt. "Nur Wahnsinn und Zerstörung." "Warum habe ich ihm nicht geglaubt?", fragte sich Garian.


Doch nicht nur Taya und Noa riskieren ihr Leben für ihre Welt, sondern auch Uruk und Garian kämpfen für die Rettung von Berial. Die beiden Jungs, so unterschiedlich stark sie auch sein mögen, sind beide gleich unvorbereitet für einen echten Kampf und im Krieg total verloren. Uruk, der leicht dickliche aber große Ork, der sich mehr für Bücher, als für Schwerter interessiert, hat große Angst vor dem Kämpfen und überwindet diese nur für seinen besten Freund - Garian. Der trainierte und ausgebildete Krieger der Sturmklingen ist zwar für einen Krieg gewappnet, doch innerlich absolut nicht auf die Grausamkeit und Hektik der verheerende Schlacht vorbereitet, in die die beiden verwickelt werden und aus der nur wenige Überlebende hervorgehen. Wir hatten die beiden als starke Heranwachsende kennengelernt, doch in dieser Schlachtszene kamen sie mir vor, wie verlorene Kinder, die man unbedingt vom Schlachtfeld retten sollte. In vielen Dingen haben sich die beiden also schon weiterentwickelt, sind erwachsener, autonomer und selbstsicherer geworden, doch durch die vielen schrecklichen Ereignisse sind sie auch gezeichnet worden. Und das wird auch nicht vernachlässigt!


"Bis zu diesem Zeitpunkt seines Lebens war Garian immer überzeugt gewesen, die langen Jahre des Trainings und der unendlichen Übungskämpfe, all die Worte seines Vaters über Taktik und Kampfkunst hätten ihn auf diesen Augenblick vorbereitet, als die Welt zerriss und sich Wahnsinn und Chaos aus ihren Trümmern erhoben. Doch er hatte sich geirrt. NICHTS hatte ihn darauf vorbereitet!"


Wieder werden die brutalen Kämpfe nicht romantisiert, sondern die Szenen detailliert und voll unnötiger Grausamkeit beschrieben, die einem klar macht, dass dieser Krieg zu nichts führen wird, was gut oder heldenhaft ist, sondern bloß tausenden Menschen, Orks und Elfen den Tod bringt. Furchtbar - aber leider realistisch.

Wer sich in meiner Vorstellung immer mehr gewandelt hat, war Elara, die jugendliche Herrscherin von Xendor und bald des ganzen Kontinents. Sie ist eine labile und grausame Göre, deren Stimmungsschwankungen ein ganzes Land und später einen ganzen Kontinent knechten. Sie sucht nach Macht, Zerstörung und vor allem nach Belustigung, die ihre schreeeeckliche Langeweile vertreibt. Während des Buches bekommen wir ihre heftigen Stimmungsumschwünge immer stärker zu spüren, bekommen aber für kurze Augenblicke auch einen Einblick in die Schwäche der Königin, die Mängel, die die bunt geschminkte, wunderschön gekleidete, machtvoll gebärende Fassade verstecken: von Geburt an fehlen ihr die Beine, deshalb der schwebende Thron, ihr durchschnittliches Gesicht lässt sie mit kunstvollen Bildern bemalen, eigene Unsicherheit wird zur Knechtschaft für alle "Rassen". Wirklich spannend, ihre Geschichte mit zu verfolgen.


"Elara spürte die Wellen aus purer Macht und Zerstörungskraft, die von dem finsteren Gebilde ausgingen. Sie war nicht fähig, auch nur ein Wort zu sagen. Ehrfurcht ließ sie erzittern. Sie war vollkommen gefangen von der dunklen, abstoßenden Schönheit der Himmelsfestung. "Der Dritte Todesengel, Eure Hoheit", sagte Dagul. "Er gehört nun Euch!"


Interessant fand ich auch, dass mehrmals der freie Wille und das Schicksal angesprochen wurden und die Vorstellungen der Charaktere dazu ganz unterschiedlich sind. Insgesamt wird aber ganz schön vermittelt, dass keine Prophezeiung der Zukunft, keine genau Weltvorstellung, kein Plan jemals in Stein gemeißelt ist, stattdessen jeder seines eigenen Glücks Schmied ist und seine eigenen Entscheidungen treffen kann und soll. Das Schicksal steht nicht als etwas Absolutes da, sondern etwas, zu was man sich willentlich entscheiden kann, wie zum Beispiel eine vorbestimmte Rolle einzunehmen, wie Noa, oder seinem besten Freund in die Schlacht zu folgen, wie Uruk. Ich finde das sehr aufmunternd und Mut machend.


"Du bist verrückt", wiederholte er. Die beiden Freunde fielen sich in die Arme und klopften sich gegenseitig auf den Rücken. "Wenn ich schon sterben muss, dann neben dir", sagte Garian.


Tja, das Ende kam mal wieder viel zu schnell - und mit einem miesen Cliffhanger!!!
Jetzt bin ich einfach total gespannt auf den nächsten Teil und hoffe auf einen epischen aber auch gefühlvollen Abschluss, der dieser Reihe würdig ist.


 Abschließend noch ein paar Worte zum Cover und der sonstigen Aufmachung. Zusehen ist ein Mann in Kriegsmontur - eine Rüstung mit Kettenhemd, ein Schwert, das er vor seinem Gesicht nach oben hält, ein Schild mit dem Wappen der Silberwölfe (Xendor) und.... eine dunkle Krone, die wahrscheinlich die Sklavenkrone darstellen soll. Ich vermute, dass das Cover demnach den neuen Kriegsmeister der xendorischen Armee zeigen soll: Kelrik Dalaros. Insgesamt in braun, gelb und rot-Tönen gehalten und mit den umherfliegenden Funken und Staubpartikeln wirkt das Bild eher weniger magisch und mehr kriegerisch. Ein bisschen gestört hat mich, dass man das Gesicht des Mannes sehen kann, da ich mir Kelrik ganz anders vorgestellt hatte. Doch insgesamt ist es ein schönes Cover, was definitiv neugierig auf die Story dahinter macht. Auch der Titel passt wieder perfekt. Er klingt interesseweckend, ist nicht allzu gewöhnlich, spielt gut auf die Handlung an und bildet mit dem ersten eine Einheit. Leider habe ich hier einige Rechtschreibfehler entdeckt, die mich aber nicht sonderlich gestört haben.


"Es ging ihnen nur darum, ihre Feinde zu vernichten. Nur hatten die meisten vergessen, warum sie mit ihnen verfeindet waren, um was es in diesem Krieg überhaupt ging, wie und warum er begonnen hatte."


Fazit:

Eine wunderbare Fortsetzung zu einer vielversprechenden neuen Fantasy Reihe, die in eine Welt voller Magie, Intrigen, Krieg und Freundschaft entführt!


Und zum Abschluss noch mein Lieblingszitat:


"Liebe gibt und viel", dachte Taya, "aber sie kann uns auch mehr verletzten als alles andere."

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mona kasten, liebe, monakasten, feel again, feelagain

Feel Again

Mona Kasten
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 26.05.2017
ISBN 9783736304451
Genre: Liebesromane

Rezension:

Bewertung:

Sawyer hatte es nicht leicht im Leben. Ihre Eltern sind gestorben als sie noch sehr jung war und auch sonst war und ist sie eine Außenseiterin. Neben ihrem Fotografiestudium schlägt sie sich so manche Nacht mit wilden Partys und Badboys um die Ohren, damit sie all ihren Schmerz ausschalten kann. Als sie allerdings auf Isaac Grant (bekannt aus den letzten Teilen) trifft, der so ganz anders ist als die Typen mit denen sie sich sonst beschäftigt, verändert sich einfach alles.

Als allererstes: WOW! Ich bin restlos begeistert. Wie auch die Vorgängerbände hat mich dieser Teil total in seinen Bann gezogen und mich immer noch nicht losgelassen. Aber dazu später mehr.

Ich mochte Sawyer schon im letzten Band sehr gerne aber als Protagonistin ist sie einfach der Hammer! Sie ist nicht das schüchterne, nette Mädchen von nebenan nein, sie ist das genaue Gegenteil. Sie ist tough und lässt niemanden an sich heran. Äußerlich wirkt sie sehr gefühlskalt aber der Schein trügt gewaltig. Sie hat in ihrer Kindheit schlimme Dinge erleben müssen und wurde dadurch sehr stark geprägt. Sie verucht sich durch ihr Studium, ihren Nebenjob und durch wilde Partys von all dem Schmerz abzulenken, der so tief in ihr verankert ist. Hinter ihrer Fassade ist sie unglaublich mitfühlend und hingebungsvoll. Wenn sie ein Projekt verwirklichen will, dann setzt sie alles daran es auch zu tun und geht mit Inspiration an die Sache ran. Sie denkt sehr viel nach und hat gegen allem Anschein ein total niedriges Selbstbewusstsein. Alles in allem ist sie ein toller und sehr tiefer Charakter, bei dem es sehr viel Spaß macht zu sehen, wie er sich entwickelt und entfalten kann und den ich sofort ins Herz geschlossen habe!

Auch Isaac ist einfach ein Traumprotagonist. Er ist anfänglich sehr schüchtern und etwas verklemmt aber auch das hat seine Gründe. Je tiefere Einblicke man in sein wahres Wesen bekommt, umso mehr gewinnt man ihn lieb und versteht auch, was ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er ist. Isaac ist ein total nachdenklicher und gefühlvoller Mensch. Für seine Familie und engen Freunde würde er absolut alles tun und stellt sich selbst immer und immer wieder hinten an. Auch sein sarkastischer Humor ist echt klasse und es hat mir, dank den Konversationen zwischen ihm und Sawyer, unglaublich viel Freude bereitet das Buch zu lesen.

Von der Handlung bin ich ebenfalls restlos begeistert. Das Buch hat mich so gefesselt, dass ich es noch am selben Tag beendet habe, an dem ich es gekauft hatte. Die geschichte von Sawyer und Isaac ist wie auch die Vorgängerstorys wahnsinnig emotional, gefühlvoll und berührend. Während ich einerseits fast permanent am flennen war musste ich an andererseits dauerhaft grinsen weil die sarkastischen Konversationen zwischen den Protagonisten total süß und witzig waren. Auch die Hintergrundgeschichten der Charaktere fand ich wie immer klasse. Beide haben Geheimnisse, die es im Laufe des Buches zu ergründen gibt, die ihr einzigartiges Verhalten erklären und ihnen mehr tiefe verleihen.

Nachdem ich in letzter Zeit sehr viele enttäuschende Bücher gelesen habe, wurde mir durch "Feel Again" wieder klar, was ich an guten Büchern so sehr liebe. Während dem Lesen nicht darüber nachdenken zu müssen bei welcher Seite man nun ist oder wie viele Kapitel man noch zu lesen hat ist einfach Gold wert. Ich habe es total genossen endlich mal wieder einer Geschichte so verfallen zu sein, dass man nicht mehr aufhören kann zu lesen bis man fertig ist um es dann zu bereuen, dass man nicht sparsamer war. Auch dass das einem das Buch während der Tage in denen man es liest und auch danach nicht mehr aus dem Kopf geht und man andauernd darüber nachdenkt zeugt davon, wie sehr einen die Geschichte tatsächlich gefesselt hat. 

Mona Kasten hat mit diesem Buch und auch seinen Vorgängern eine so unfassbar tolle Büchr geschaffen!!! Ich habe alle drei in wenigen Tagen verschlungen und bin jetzt untröstlich, dass die Reihe zu Ende ist. Ich habe so mit Allie, Kaden, Dawn, Spencer, Sawyer und Isaac mitgefiebert, dass es mir sehr schwer fällt ihnen lebewohl sagen zu müssen.
 

Fazit:

Ein phänomänaler Abschluss einer absolut fantastischen Reihe! Mehr bleibt nicht zu sagen.

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reise, renaissance, abenteuer, sultan süleyman, abenteuerroman

Danaé und die Weiße Hand

Divna Omaljev
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Schruf & Stipetic, 10.11.2016
ISBN 9783944359229
Genre: Historische Romane

Rezension:

Allgemeines:


Titel: Danaé und die weiße Hand
Autor: Divna Omaljev
Verlag:  Schruf & Stipetic (10. November 2016)
Genre: Historischer Roman
ISBN-10: 3944359224
ISBN-13: 978-3944359229
Seitenzahl: 608 Seiten
Preis: 9,99€ (Kindle-Edition)
16,90€ (Taschenbuch)


Inhalt:


Europa 1538. Attentate erschüttern zeitgleich Paris, Venedig und den Vatikan. Danaé, eine junge Medizinerin, soll im Auftrag des französischen Königs die Ermittlungen unterstützen. Mit Donatien, dem Chef der Geheimpolizei, bricht sie zu einer Reise auf, die sie auf abenteuerlichen Wegen nach Konstantinopel führt. Im Palast des Sultans muss Danaé sich zunächst an der Seite von Léandre, dem neuen Hofchirurgen aus Frankreich, als Ärztin beweisen. Dann führt ihre Mission sie weiter in die Tiefen der tausendjährigen Stadt, auf die Spur einer uralten Verschwörung. Verrat, mächtige Feinde, politische Intrigen und selbst ihre eigene Angst können Danaé nicht daran hindern, das Geheimnis der Weißen Hand zu ergründen.


Bewertung:

DISCLAIMER: Zuerst mal vielen Dank an Dagmar Schruf vom Schruf & Stipetic Verlag für das Rezensionsexemplar!

Zu erst einige Worte zur Gestaltung. Zusehen ist die braun-rote Silhouette einer Dame, welche mit einer historischen Malerei einer weiteren Dame und verschiedenen Städte aufgefüllt ist. Im Hintergrund sieht man eine braun-beige Tapete mit einem Bogenfenster. Der Titel ist dabei in rosa Großbuchstaben quer über den unteren Teil des Bildes geschrieben, der Untertitel in weiß umrahmt von einem rosafarbenen Kasten. Mir hat dieser Altes-trifft-auf-Neues Stil des Covers sehr gut gefallen, da er auch die Grundstimmung des Buches und der Zeit repräsentiert. Die Renaissance ist eine Zeit des Umbruchs mit vielen neuen Ideen aber auch neuen Problemen, was das Buch thematisiert. Auch der Titel passt vom Inhalt her sehr gut, auch wenn ich ihn nicht so schön klingend finde. Der Klapptext ist aber wirklich super gestaltet - er verrät nicht zu viel, aber alles Notwendige um den Leser zu interessieren.


Erster Satz: "Die Jahreszeiten spielten verrückt."


Der spannende Abenteuerroman von Divna Omaljev spielt um 1538 in Europa und vermittelt einen detaillierten Eindruck vom Leben in der Renaissance. Wir reisen zusammen mit Danaé durch die Zeit von Frankreich bis nach Konstantinopel und Griechenland. Und dabei passiert so einiges:

Die junge Anatomin Danaé Pioggia d’Oro hat trotz dass sie Patenkind von Leonardo da Vinci und Tochter der illustren Gelehrten Galatea ist, Geldsorgen. Ihre Arbeit an der Universität von Paris entlohnt sie, dass es ihr gerade so reicht. Auf dem Weg ins Hôtel Dieu, ihren Lohn einzufordern um damit ihren Vermieter zu bezahlen, trifft sie auf Donatien de Monthléri, den Chef der französischen Geheimpolizei, was ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Ein ganzes Heer an Soldaten, die mit einer mysteriösen Krankheit ins Krankenhaus transportiert wurde, hatte schon ihre Neugier geweckt, so sagt sie zu, als er ihr vorschlägt, mit ihm zusammen an der Aufklärung dieser mysteriösen Erkrankungen zu arbeiten. Gemeinsam begeben sie sich so auf eine Spurensuche, die sie von Fontainebleau bis nach Konstantinopel an den Hof des Sultans und auf abgelegene griechische Inseln zu den wilden Amazonen führt.
Dabei muss sich Danaé mit einer riskanten Operation als Ärztin beweisen und ihre eigenen Versagensängste überwinden. Denn ihre erfolgreiche Mutter setzt große Erwartungen in sie, die einzige Tochter, die es noch nicht zu etwas gebracht hat. Neben den ganzen Intrigen und Aufgaben kämpft sie immer wieder mit ihren Selbstzweifeln, die sie geschickt zu verbergen weiß. Und dann ist da auch noch Léandre Desanges, der Hofchirurg des französischen Königs, der ihr Blut ganz schön in Wallungen bringt, obwohl sie ihn eigentlich nicht leiden kann...

Ich muss zugeben, dass ich insgesamt gesehen nicht wirklich begeistert von dem Buch war. Das bedeutet nicht, dass ich es schlecht fand, gegen Ende hat es mir sogar sehr gut gefallen, aber ich kam irgendwie nie wirklich in der Geschichte an. Das hatte mehrere Gründe, die wohl eher an mir lagen und zusammengenommen dann einfach zu einer Leseflaute geführt haben. Kann mal passieren...

Ich bin erstmal schon extrem schlecht reingekommen, was zum einen daran lag, dass man ziemlich ins kalte Wasser geworfen wird und sich selbst in der historischen Welt zurecht finden muss, zum anderen daran, dass ich Danaé einfach nicht ausstehen konnte. Ihre ständigen Schwankungen zwischen selbstbewusst, überheblich, neugierig, ängstlich, am Boden zerstört, wunderschön, unscheinbar, ... haben es mir sehr erschwert, sie wirklich als Protagonistin greifen zu können. Natürlich finde ich es super, wenn Charaktere dynamisch sind, doch da sie ständig anders dargestellt wurde und zudem eine etwas seltsame Sicht auf sich selbst hat - was bestimmt auch an ihrer Mutter liegt -, konnte ich sie irgendwie nicht verstehen und somit auch nicht mögen. Gegen Ende, als die immer mehr zu sich selbst steht und sich mehr in ihrem Verhalten festigt, mochte ich sie viel mehr. Ich konnte endlich die starke junge Frau sehen, die sich in ihr verbirgt und ihre seltsamen Schwankungen einfach als Facettenreichtum ihrer Persönlichkeit sehen. In ihrem kämpfen im Grund zwei Seiten: Da ist ihre brillante Anatomin und Gelehrten Seite, die sich eigentlich völlig zu Unrecht mit Selbstzweifeln quält, da sie auf ihrem Fachgebiet großen Persönlichkeiten die Stirn bieten kann und ihre Meinung auch frei kundtut. Und dann ist da auch ihre tollpatschige und unsichere Seite, die in Liebesdingen völlig unerfahren ist und die sie in die ein oder andere komische und manchmal fast brenzlige Situation stolpern lässt. Innerhalb des Romans vollzieht sich eine Entwicklung bei der ihre unsichere Seite immer mehr an Boden verliert, der von ihrem Selbstvertrauen langsam erobert wird.


"Sie hätte sich den Mut gewünscht, ihn aus ihrem Zimmer zu jagen. Er hatte hundertprozentig eine Abreibung verdient, so, wie er sie enttäuscht und verletzt hatte. Sie wollte ihm unbedingt widerstehen, aber ihr eigener Körper ließ sie im Stich"


Dann noch kurz zum Mittelteil des Buches. Nach meinem schon recht holprigen Start hatte ich dann eine riesige Leseflaute, etwa auf Seite 150. Denn während Danaé und Donathien losziehen kommen immer mehr neue und fremde Charaktere hinzu, die durch komplizierte Beziehungen und Intrigen das Verständnis nicht gerade erleichtern. Dazu wechseln die Orte sehr schnell und es wird fast nebenbei auf zahlreiche geschichtlichen Fakten und Personen eingegangen. Die Autorin versucht Spannung aufzubauen, da während dem ersten Teil der Reise nicht viel passiert, indem sie dazu noch rätselhafte Andeutungen macht und Dinge ungeklärt im raum stehen lässt, was alles insgesamt dazu beigetragen hat, dass ich komplett abgehängt wurde. Da aber das mit dem Spannung aufbauen bei anderen geklappt hat - was man den vielen positiven Rezensionen entnehmen kann - schiebe ich das auf meine Startschwierigkeiten.

Doch meine Verwirrung wuchs immer mehr, von Stadt zu Stadt in die die kleine Gruppe kam und irgendwann war es mit schlichtweg zu viel von allem, sodass ich gar nicht mehr verstanden habe, wer jetzt warum mit wem wohin will. Ich habe dann nochmal zurückgeblättert und über 50 Seiten nochmals gelesen, war aber irgendwann einfach nicht mehr motiviert weiter zu lesen. Da es ein Rezensionsexemplar war, wollte ich es auf keinen Fall aufhören zu lesen und komplett beiseitelegen, da ich das immer etwas ungerecht finde und in den 400 Seiten, die ich noch vor mir hatte, ja noch viel Gutes passieren könnte. Also habe ich mich entschieden, das Buch eine Weile auf die Seite zu legen und Wochen später dann nochmal weiter gelesen. Als ich dann ohne Frust nochmals angefangen hatte, kam ich auch sehr gut durch. Denn das Buch begann dann doch noch, mich in seinen Bann zu ziehen....


"Eine so heftige Krankheit kann nicht durch die Prostituierten ausgelöst worden sein. Wir wissen weder, um welche Krankheit es sich handelt, noch, wie sie übertragen wird. Eins weiß ich aber sicher..." sie beugte sich mit geheimnisvoller Miene vor. "Es steckt jemand dahinter." Einen kurzen Moment lang genoss Danaé das Gefühl, Macht über ihn zu haben, bevor sie hinzufügte: "Jemand, der dem König schaden will."


Auch wenn ich bestimmt die Hälfte nicht verstanden habe, konnte ich es am Ende sehr genießen, in die Welt um 1500 abzutauchen, die damaligen Gepflogenheiten und Denkweisen besser zu verstehen versuchen und dabei auch viele schöne, bunte Flecken auf unserer Erde literarisch zu bereisen.

Was auch noch sehr gut war: Bei historischen Romanen, die ich wirklich sehr gerne lese, gibt es eigentlich ein ernsthaftes Problem - geschichtlich korrekte Details, die für eingeschlafene Füße sorgen.
Natürlich muss Wert darauf gelegt sein, die Geschichte in den gegebenen historischen Rahmen korrekt einzupassen und dem Leser auch ein möglichst authentisches und detailreiches Bild dieser Zeit zu vermitteln. Doch leider artet dass oft auch in ein staubtrockenes Geschichtsbuch aus und nimmt der eigentlichen Story jegliche Spannung. Doch was diesen Roman für mich doch noch gerettet hat, ist die mitreißende, abenteuerlustige und witzige Grundstimmung, die dadurch erzeigt wird, dass die Autorin im letzten Drittel der Geschichte einen perfekten Mix aus Humor, Ernsthaftigkeit und abgedrehte Abenteuer findet, der von Romantik über wilde Schlachten, spannende Operationen, politischen Wirrwarr und einer bunten Entdeckungstour alles dabei hat. Der Roman wird in erster Linie ein Abenteuerroman und stellt das historische hinten an, präsentiert aber dennoch ein atmosphärisches Bild der damaligen Zeit. Der Stil der Autorin hat mir immer mehr zugesagt!


"Zuerst wackelten die Kerzenleuchter, dann das ganze Tischchen, auf dem eine Glaskaraffe stand. Sie fiel herunter und zersprang in tausend Stücke.
"Zum Teufel!", fluchte Léandre."


Meist wird die Geschichte aus der Perspektive von Danaé erzählt, manchmal jedoch wechselt die Erzählperspektive für kurze Augenblicke zu anderen Charaktere, wie Léandre, Donatien oder Côme. Grundsätzlich mag ich solche Perspektivwechsel sehr, nur leider war in diesem Buch nicht immer ganz klar, aus wessen Sicht die Geschichte nun erzählt wird und ich habe solch einen Wechsel einfach überlesen, nur um dann über ein Logikproblem zu stolpern und noch mal zurückblättern zu müssen.
Generell sind die Charaktere neben Danaé für mich am meisten von Verwirrung geprägt.
So habe ich mich andauernd zu vorschnellen Urteilen über einzelne Personen hinreißen lassen, um später dann überrascht zu werden. In der ganzen Masse an Nebencharakteren gingen einzelne leider sehr unter.
Mein Liebling war aber der Côme d’Amboise/ Cosma, der/die im Rotlichtviertel von Konstantinopel lebt, eigentlich ein Agent der Pariser Geheimpolizei ist, sich aber zur Tarnung als Frau ausgibt und in einem altertümlichen Varieté auftritt. Er/sie steigert sich immer mehr in seine Rolle hinein, und weiß selbst nicht mehr so genau, was von seinen beiden Geschlechtern seine Verkleidung war. Er/sie ist einfach sehr sympathisch mit seiner/ihrer treuen Art, man muss diese Person einfach mögen!

Das Ende war dann doch noch sehr spannend und ich war mega froh, das Buch nicht einfach zur Seite gelegt, sondern ihm noch eine zweite Chance gegeben zu haben. Ob ich den zweiten Teil lesen will, weiß ich trotzdem nicht...


Fazit:


Obwohl ich so meine zwischenzeitlichen Probleme hatte, ein gut durchdachtes Abenteuerbuch mit historischem Hintergrund, dass am Anfang und in der Mitte etwas ausbremst, am Ende aber wieder an Fahrt aufnimmt.

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fantasy, weltenbrand, orks, erlöser, elfen

Ein dunkler Funke (Dalans Prophezeiung, Buch 1)

Sarah Marie Keller
E-Buch Text: 256 Seiten
Erschienen bei null, 18.06.2014
ISBN B00L40RDE6
Genre: Sonstiges

Rezension:

Allgemeines:


Titel: Ein dunkler Funke
Autorin: Sarah Marie Keller
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (2014)
Genre: All Age Fantasy
ISBN: 978-1500111854
Seitenzahl: 254 Seiten
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: Ein schwarzes Feuer;
Eine weiße Glut

 

Inhalt:

"Das einzige, wovor man sich fürchten muss, ist die Furcht selbst"

Fünfhundert Jahre sind vergangen, seit der grausamste Krieg aller Zeiten die Welt in Chaos und Tod gestürzt gestürzt hat – ein Krieg, ausgefochten mit schrecklichen, magischen Waffen.
Der Weltenbrand.
Nur dem Erlöser Dalan war es zu verdanken, dass die Völker der Menschen, Elfen und Orks der völligen Vernichtung entgingen. Doch heute ist Dalan nur eine Erinnerung – genau wie seine Letzte Prophezeiung, die besagt, dass einst ein zweiter Weltenbrand wie ein schwarzes Feuer über die freien Königreiche hinwegfegen wird.
Und diese Zeit ist entsetzlich nahe.
Drei junge Freunde ahnen noch nicht, dass sie eine wichtige Rolle in dem kommenden, dunklen Zeitalter spielen werden: Garian ist ein Menschenjunge, der davon träumt, ein Paladin der königlichen Sturmklingen zu werden. Er ist bereit, alles für dieses Ziel zu geben, aber er weiß noch nicht, welche Opfer er dafür bringen muss. Taya, seine Adoptivschwester aus dem Volk der Elfen, träumt dagegen von Abenteuern in fernen Ländern – doch in ihr erwacht eine dunkle Kraft, die sie zutiefst fürchtet. Und das zu Recht. Und dann ist da noch ihr gemeinsamer Freund Uruk, ein junger Ork – kein wilder Krieger, wie viele andere seines Volkes, sondern ein angehender Gelehrter, ein Bücherwurm. Uruk glaubt fest an den Erlöser Dalan. Und schneller als ihnen lieb ist müssen er und seine Freunde lernen, dass sich Dalans Letzte Prophezeiung sehr bald bewahrheiten wird.
Als die drei während eines Abenteuers in den Wäldern dem jungen Magier namens Noa begegnen, gibt es kein Zurück mehr für sie – oder ihr Königreich.
Ein dunkler Funke wurde entzündet. Und ein neuer Weltenbrand entfacht...


Bewertung:


Als ersten ein riesen großes Dankeschön an Sarah Keller, die uns ihr Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und uns somit an diesem wunderbaren Abenteuer teilhaben lassen hat!


Im Klapptext wird dieser Roman als "All Ages-Fantasyroman; epische Geschichte um Freundschaft, Verrat, Krieg – und Hoffnung" betitelt. Zuerst war ich etwas skeptisch, da viele Bücher versprechen, episch zu sein, doch jetzt da ich das Buch gelesen habe kann ich sagen: das Buch hat diesen Titel eindeutig verdient!


Erster Satz: "Es gab ein Zeitalter, da lebten die Städtebauer fast drei Jahrhunderte lang in Frieden miteinander und widmeten sich der Diplomatie und der Wissenschaft."


Schon das Cover verströmt eine gewisse Mystik. Durch den Mann in dem Kapuzenumhang, dessen Gesicht man nicht ganz erkennt und das blaue Licht, das seinen Händen entströmt wirkt es sehr magisch und geheimnisvoll, was sehr gut zur Geschichte passt. Ein bisschen gestört hat mich, dass man das Gesicht des Mannes doch zu einem gewissen Teil sehen kann, da ich mir die dargestellte Person sehr anders vorgestellt hatte. Doch insgesamt ist es ein schönes Cover, was definitiv neugierig auf die Story dahinter macht. Auch der Titel passt perfekt. Er klingt interesseweckend, ist nicht allzu gewöhnlich und spielt gut auf die Handlung an. Der Klapptext ist für mich etwas zu lang geraten. Vielleicht hätte man sich hier auf die Haupthandlung beschränken und die Vorgeschichte erstmal außer Acht lassen können. Zur sonstigen Gestaltung kann ich nicht viel sagen, da ich das Buch als Ebook gelesen habe, ich hätte mir aber auf jeden Fall eine Karte der Königreiche gewünscht, zum besseren Verständnis. Da ich aber nicht weiß, ob solch eine Karte im Printexemplar vorhanden ist, will ich nicht meckern ;-)


"Niemand weiß wohin er ging, doch es blieben seine letzten Worte, die er an die Herrscher eines jeden Königreichs richtete. Seine letzte Prophezeiung, die besagte, dass einst ein dunkler Funke die Welt erneut in Flammen setzten würde..."


Nun aber zum Wesentlichen: der Handlung. Der Roman steigt mit einem Prolog des alten Orks Uruk ein, der durch eine Geschichte auf sein Leben und seine Abenteuer zurück schaut und seiner Enkelin aus der Zeit kurz vor dem 2. Weltenbrand erzählt, als er selber noch ein junger Ork war. Die Geschichte kommt immer wieder auf diese Erzählinstanz zurück, handelt aber hauptsächlich in der Vergangenheit, als alle noch jung waren. Dabei wird aus unterschiedlichen Perspektiven zu unterschiedlichen Handlungsschauorten erzählt.

Im Allgemeinen geht es um das Königreich Minaskai in der Vergangenheit und der Zukunft. Vor vielen Jahren hat bereits ein erster Weltenbrand die Völker erschüttert, welcher nur durch die Hilfe eines mächtigen Zauberers gestoppt werden konnte. Dieser weltübergreifende Maschinenkrieg hat mit Hilfe von Magie fast die ganze Erde erschüttert, die sich nur langsam davon erholte. Es kehrte wieder Ruhe ein und Zeiten des Friedens herrschten, doch der Erlöser Dalan hinterließ den Völkern der Städtebauer eine letzte Prophezeiung: Ein zweiter Weltenbrand wird irgendwann das Land erneut in Aufruhr versetzen. Nun scheint es, als ob die Zeit gekommen ist, wo sich diese Prophezeiung erfüllen wird. Doch noch ahnen die Völker nichts davon und auch die drei Freunde Uruk, Garian und Taya leben nicht wissend, dass ihnen etwas Großes bevorsteht.


"Manchmal... manchmal glaube ich, das alles ist nur ein böser Traum, aus dem ich einfach nicht erwachen kann. (...) Womit haben wir das verdient?" "Niemand verdient dieses Schicksal", antwortete Noa. "Aber seitdem die Städtebauer die Welt betreten haben, ist so etwas unzählige Male geschehen. Große Reiche greifen kleine Reiche an. Der Starke vernichtet den Schwachen. Frieden ist zerbrechlich. Und was das Allerschlimmste ist: Es gibt keinen Grund dafür, abgesehen von Hass und Größenwahn. Und das wird immer so weitergehen..."


Die drei sind eigentlich so unterschiedlich, wie sie es nur sein könnten - gehören sie sogar unterschiedlichen "Rassen" an: Gairan, ein Menschenjunge, der ein Paladin werden will, seine Adoptivschwester Taya, eine Elfe, die eine magische Gabe entwickelt und der junge Uruk, der sich für Geschichte und nicht den Gewürzhandel seiner Eltern interessiert. Alle drei leben wie ganz normale Jugendliche in der Handelsstadt Dayrelia innerhalb den sichern Grenzen von Minaskai. Außerhalb der Stadt, eine Tagesreise zu Fuß entfernt, soll eine der alten magischen Maschinen aus der Zeit des ersten Weltenbrandes seit 500 Jahren vor sich hin rosten. Für die drei Freunde ist es ein Abenteuer, als sie aufbrechen um sich die Maschine mit eigenen Augen anzuschauen. Dort treffen Sie auf den Magier Noa. Noa hat eine Vision - Minaskai wird gerade angegriffen oder wird angegriffen werden, der Auftakt zum zweiten Weltenbrand. Gairan, Taya, Uruk und Noa eilen zurück in die Stadt, um die Königin zu warnen. Es beginnen ein rasanter Aufstand gegen die verfeindete Macht Xendors, eine wahnwitzige Evakuierungsaktion und ein magischer Kampf gegen einen übermächtigen Gegner - klassische Fantasy vom Feinsten!

"Sein ganzes Leben hatte der Paladin seinem Instinkt vertraut, ohne enttäuscht zu werden. Und dieser Instinkt sagte ihm nun, dass sich bald - in Monaten, Wochen oder vielleicht schon morgen - etwas Großes anbahnte. Auch wenn er es im Augenblick nicht wagte, an die Schlimmste aller Möglichkeiten zu danken: Krieg."


Die Autorin hat sich in ihrem Weltenaufbau klar an Fantasy-Größen wie J.R.R. Tolkien und Christopher Paolini orientiert, die typische Fantasywelt aber mit etlichen eigenen Ideen ausgebaut, sodass man in ein kreatives und individuelles Setting eintauchen kann. So trifft man zum Beispiel Menschen, Orks und Elfen, die friedlich Seite an Seite zusammen leben, vereint vor dem schrecklichen Hintergrund des zerstörenden Weltenbrands und sich die "Städtebauer" nennen. Man trifft auf eine Welt, in der Maschinen und Magie zusammen schreckliche Vernichtungsmonster erschaffen, aber auch nützliche Kommunikationsmittel oder kleine Kinderspielereien. Gut gefallen haben mir auch die "Sturmklingen", die loyale Garde, die Minaskai beschützt und deren Mitglieder zu den besten Kämpfern der Welt gehören. Doch auch diese können das Reich nicht retten, als der Krieg Einzug hält.

Wirklich gut gefallen hat mir auch die Darstellung von Krieg in diesem Buch. Fantasy Romane neigen ja häufig dazu, Kämpfe zu romantisieren, sie zu unausweichlichen Ereignissen zu machen, in denen Helden geboren werden und Feinde ruhmvoll dahingeschlachtet werden. Dieses Buch hingegen offenbart eine etwas andere Sicht. Jede Kampfszene hat einen Hauch von Ekel und unnötiger Grausamkeit an sich haften, der einem klar macht, dass dieser Krieg zu nichts führen wird, was gut oder heldenhaft ist. Gut ausgebildete Elitekrieger werden zu tausenden von Kriegsmaschinen niedergemäht, ohne dass sie Zeit hätten, Widerstand zu üben und es kommt auch niemand in letzte Minute zur Rettung, wie das so häufig ist. Das hat mir gut gefallen!

"Speere wurden geworfen, Rüstungen und Helme wurden durchbohrt. Menschen, Elfen und Orks schrien, manche im Kampfesrausch, manche vor Schmerz. Denkende und fühlende Lebewesen wurden zu blutrünstigen Tieren. "Es ist Wahnsinn", dachte Kelrik mit einem leeren Gefühl in der Brust. "Absoluter Wahnsinn!"


Durch den gut ausgearbeiteten Schreibstil der Autorin wird dazu noch eine spannende und mitreißende Atmosphäre geschaffen, sodass man von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann der Geschichte gezogen wird. Durch fließende und bildhafte Beschreibungen kann man sich Handlungen aber auch Emotionen gut vorstellen. Insgesamt war ich sehr überrascht von Marie Keller Stil, denn immerhin ist das ihr erstes Buch und sie ist noch sehr jung! Also großes Kompliment!
Egal ob gerade eine Schlacht tobt oder unsere drei Freunde auf Entdeckungsreise sind - jede Szene ist spannend, fantasievoll und mitreißend geschildert. Außerdem versteh es die Autorin sehr gut, epische und mystische Sätze einzubauen, sodass ich mir bei diesem Buch über 30 Lesezeichen gesetzt habe. Vor allem Kapitelenden endeten immer mit einem spannungsweckenden Satz.


"Sein Blick verlor sic in der Weite des Meeres, das an ihnen vorbeizog. Die Wellen zogen sich dunkel und bleiern unter einem orangefarbenen Himmel dahin. Irgendwie wirkten auch der Himmel und der Ozean müde und erschöpft. Trostlos. Ohne Hoffnung. Der neue Tag, der angebrochen war, würde vergehen, ohne dass sich etwas änderte. Genau wie der Tag danach, und der Tag davor..."


Die Charaktere sind auch allesamt gut ausgearbeitet und mit viel Potential dargestellt, bisher fehlte mir aber leider die Nähe zu ihnen etwas. Man schließt sie zwar ins Herz, findet sie super, aber irgendwie wird keine direkte Verbindung zu ihnen, ihren Gefühlen und Gedanken aufgebaut, da der Schwerpunkt doch erstmal eher auf dem Plot liegt. Das finde ich ein kleines bisschen schade, aber wir haben ja noch zwei weitere Teile um sie besser kennenzulernen! Mir gefiel sehr gut, dass die Autorin ihre Charakter aus den drei verschiedenen Arten von Städtebauern gewählt hat: ein Ork, eine Elfe, ein Mensch. In einer Welt, in denen die drei "Rassen" friedlich zusammenleben, aber dennoch getrennte Stadtteile haben und viele Vorurteile kursieren, ist das keine Selbstverständlichkeit. Die drei sind also schon ein seltsames Trio, das allen Gefahren trotzt und sich strikt gegen Vorurteile und Blockaden der Familie stellt. Dabei sind die drei Mal endlich nicht nach den typischen Klischees charakterisiert! Die Orks sind zwar grundsätzlich kräftiger gebaut, wie die Menschen, sind eher temperamentvoll und aus menschlicher Sicht eher unattraktiv - ABER endlich werden sie mal nicht wie stumpfe, grobmotorische, dumme Monster dargestellt, sondern als feinfühlige Wesen mit Kultur, Gefühlen und einem scharfen Verstand. Uruks Eltern sind beispielsweise Gewürzhändler, er selbst möchte Historiker werden. Für mich kam Uruk in diesem Buch am meisten zur Geltung, während Taya bloß durch ihre sich anbahnende magische Gabe und ihren Umgang damit charakterisiert wird und Garian sehr blass bleibt. Aber wie gesagt - das kann ja alles noch kommen!

Ein weiterer wichtiger Charakter ist Noa, ein geheimnisvoller Magier, der bei den drei Freunden bleibt und sie beschützt. Er hat ein gutes Herz, trägt aber ein dunkles Geheimnis mit sich herum, was ihn zu einem kleinen Mysterium macht.


"Ich darf nicht die Nerven verlieren", dachte Kelrik. "Ich muss am Leben bleiben, um eines Tages mitzuerleben, wie die Xendorier für all ihre Taten bezahlen werden! Ich darf nicht die Nerven verlieren..." Doch das war die schwerste Prüfung seines Lebens, denn die Xendorier hatten ihm nichts gelassen. Nichts außer seinem Schmerz..."


Dann wäre da noch Kelrik, Gairan und Tayas Vater; der Paladin der Königin und schließlich die gute und gerechte Königin Lyndira Bendragur selbst. Beide haben mir wegen ihrer loylen, aufrichtigen und starken Art gut gefallen.

Aber diesmal waren vor allem die Gegenspieler interessant: Elara, die jugendliche Herrscherin von Xendor. Sie ist eine labile und grausame Göre, deren Stimmungsschwankungen ein ganzes Land und später einen ganzen Kontinent knechten. Sie sucht nach Macht, Zerstörung und vor allem nach Belustigung, die ihre schreeeeckliche Langeweile vertreibt. Sie ist ein furchtbarer Charakter, als Gegenspielerin aber sehr spannend! Ihr geheimnisvoller Berater Dagul vom Orden der Schenra-Vey ist aber mein absoluter Liebling. Plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht flüstert er der jungen und unerfahrenen Königin geschickt neue Ideen ein und lenkt sie nach seinem Interesse wie eine Marionette. Dabei scheint der immer eine Kapuze tragende Ordensbruder noch nicht einmal böse zu sein. Er scheint die Taten Elaras nicht gutzuheißen und verfolgt ein eigenes Ziel, das er immer "einen höheren Zweck" nennt. In wieweit er damit Gutes tut oder doch nur nach eigener Macht strebt, ist vollkommen unklar. Im Laufe des Romas entwickeln sich aber noch einige interessante Verbindungen zwischen den einzelnen Charakteren... Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie es mit dem Orden der Schenra-Vey und Elara weitergeht!


"Wie soll das alles enden?", fragte sich Garian. Dann begriff er, dass es noch nicht einmal begonnen hatte..."

Das Ende ist dann sehr offen und beinhaltet einen kleinen Cliffhanger, der sehr gespannt auf den nächsten Teil macht.


Fazit:

Eine wunderbare Geschichte aus dem Hause "klassische Fantasy", die durch ein super Setting, interessante Differenzierungen und ein malerischer Schreibstil punktet, leider aber noch ein kleines bisschen bei den Hauptcharakteren schwächelt. Trotzdem eine sehr empfehlenswerte Reihe!!!

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Tags: fantasy, feuer, freundschaft, funke, krieg, weltenbrand   (6)
 
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