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maine, meer, kleinstadt, trauer, mutter-sohn-beziehung

Mit Blick aufs Meer

Elizabeth Strout , Sabine Roth
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 19.03.2012
ISBN 9783442742035
Genre: Romane

Rezension:

„Mit Blick aufs Meer“ spielt in einer Kleinstadt namens Crosby an der Ostküste der USA. Aufgeteilt ist das Buch in einzelne Kapitel, die jeweils einen Ausschnitt aus dem Leben von Bewohnern Crosbys zeigen. Eine Person, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichten zieht, ist die pensionierte Lehrerin Olive Kitteridge. Obwohl jede Geschichte ihre eigenen Protagonisten hat, taucht Olive immer wieder auf und der Leser gewinnt so ständig neue Eindrücke von ihr. Dabei zeichnet sich ein kontroverses Bild zwischen helfendem Engel, überforderter Mutter und störrischer Freundin. Strout liefert aber nicht nur Außen- sondern auch Innensichten von Olive. Diese zeigen, dass sie sich in den jeweiligen Situationen oft unwohl und unzufrieden mit sich und der Welt fühlt. Doch das Buch zeigt auch, dass man nicht so einfach aus seiner Haut kann. Wie zentral die Figur der Olive im Buch ist, zeigt sich auch daran, dass das Buch im englischen Original „Olive Kitteridge“ heißt. Der Name klang wohl etwas zu sperrig für den deutschen Markt und mir gefällt der träumerisch angehauchte Titel „Mit Blick aufs Meer“ auch viel besser.

Mehr möchte ich über die einzelnen Figuren noch nicht verraten, denn es ist schön diese im Laufe der Lesens kennenzulernen und dabei einen Eindruck vom Mikrokosmos Crosby zu bekommen. Nur noch so viel: Elizabeth Strout schont ihre Figuren nicht. Wir werden Zeugen von Schicksalsschlägen und treffen die Figuren an Wendepunkten in deren Leben. Doch damit enden die einzelnen Geschichten nicht. Sie enden weder in Katastrophen noch im regenbogenfarbenen Happy End. Stattdessen zeigt uns Elizabeth Strout das Leben, wie es ist und wie wir es selbst aus Erlebnissen von uns selbst, Familie oder Freunden kennen. Und in diesem Leben gibt es neben Schatten eben auch viel Licht. Das zeigt auch „Mit Blick aufs Meer“: Dass es selbst in den schlimmsten Situationen aufbauende Menschen oder kleine Glücksmomente gibt. Das Leben erweist sich dabei nicht als gerade Straße, sondern als holpriger Weg mit vielen Richtungswechseln. Das macht die Geschichten lebendig und authentisch.

Fazit: Auf einen Urlaub am Meer hat das Buch keine Lust gemacht, dafür enthält es viele kluge Gedanken zum Leben, verpackt in ehrlich beschriebenen Einblicken ins Leben von Kleinstadtbewohnern. Sehr lohnenswert!

(auch erschienen auf: wortmeer.blog)

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Astrid Lindgren - Ein Lebensbild

Margareta Strömstedt , Brigitta Kicherer , Jacob Forsell , Jacob Forsell
Buch: 384 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.01.2012
ISBN 9783841501462
Genre: Biografien

Rezension:

Die Autorin Margareta Strömstedt hat die Lebensgeschichte von Astrid Lindgren wie eine Erzählung verfasst und durch Grafiken, Fotos und viele Zitate aufgelockert.

Der Leser bekommt einen vielschichtigen Eindruck von dieser Frau, die viele nur als Autorin ihrer Kinderbuchhelden kennen. Strömstedt veröffentlichte diese Biografie erstmalig im Jahr 1977. Sie reiste im Zuge ihrer Recherchen unter anderem nach Näs, den Geburtsort von Astrid Lindgren und sprach mit Freunden, Verwandten und auch mit Astrid Lindgren selbst. Im Jahr 1999 erschien dann eine überarbeitete Auflage ihres Buches. In der Zwischenzeit war viel passiert – so war eines der bemerkenswertesten Kinderbücher – und nebenbei gesagt mein Lindgren-Lieblingsbuch – erschienen: Ronja Räubertochter. Außerdem hatte Lindgren auch Karriere als Meinungsmacherin gemacht. Besonderes Engagement zeigte sie bei den Themen Kinderrechte und Tierschutz.

Doch von vorn: Wenn Astrid Lindgren von ihrer Kindheit erzählt, so beschreibt es Strömstedt, dann in bunten und schillernden Farben. Es sei, als habe sie sich immer einen Zugang zu dieser vergangenen Welt erhalten, aus dem sie ihr Leben lang schöpfte. Sie beschreibt ihre Kindheit als ausgesprochen glücklich und liebevoll. Vielleicht kann man sie sich wie eines der herumtollenden Bullerbü-Kinder vorstellen. Zwar gab es auch viel in Haus und Hof zu helfen, doch Astrid und ihre Geschwister wuchsen dennoch in großer Freiheit auf und spürten stets den Rückhalt des Elternhauses. Aber in Astrid Lindgrens Büchern geht es nicht nur heiter zu. Wer an Bücher wie „Die Brüder Löwenherz“ oder „Mio, mein Mio“ denkt, der spürt, dass auch diese Autorin die dunklen Seiten des Lebens kennengelernt hat.

So wurde sie im Jahr 1926, mit 17 Jahren, schwanger, aber ihr Sohn Lasse lebte zunächst drei Jahre bei Pflegeeltern in Kopenhagen. Die genauen Umstände dazu kann man im Buch nachlesen, für Astrid Lindgren war es defintiv eine schwere Zeit. Sie lebte damals in Stockholm und verdiente kaum genug, um satt zu werden.  Außerdem fühlte sie sich einsam und verlassen.

Es ist auffällig, dass es in ihren Büchern meist Jungen sind, die schwere Schicksale zu ertragen haben oder mit Einsamkeit und Ängsten zu kämpfen haben. Darin wird die Einfühlung Lindgrens in die ersten Lebensjahre ihres Sohnes gesehen, die sie damit zu verarbeiten versucht. 1930 holte sie Lasse zu sich nach Stockholm. Nach einer kurzen Zeit, die er in Lindgrens Elternhaus in Näs verbrachte, lebte er dann dauerhaft bei ihr und ihrem inzwischen Ehemann Sture Lindgren. Sie war nun als Schriftstellerin und Lektorin tätig. Bis zu ihrem großen Durchbruch als Schriftstellerin sollten aber noch etwa 15 Jahre vergehen.

Und mehr möchte ich auch gar nicht ins Detail gehen, denn wer die Biografie gern lesen möchte, soll selbst die Stationen in Astrid Lindgrens Leben kennenlernen und sich so Stück für Stück ihrer Geschichte annähern.

Fazit: Sehr empfehlenswerte Biografie! Lebendig und einfühlsam geschrieben, sowohl zum Lachen als auch zum Weinen. Strömstedt zeichnet ein  Bild dieser Frau, die so viele von uns in ihrer Kindheit geprägt hat. Sie sieht in Lindgren aber nicht nur die Kinderbuchautorin, sondern eine moderne Frau, die sich in ihrer Zeit immer wieder behaupten musste.

(auch erschienen auf: wortmeer.blog)

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uckermark, vor dem fest, dorf, sasa stanisic, dbp 2014

Vor dem Fest

Sasa Stanisic
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei btb, 12.10.2015
ISBN 9783442749898
Genre: Romane

Rezension:

Eine gefühlte Ewigkeit habe ich gewartet, bis im Jahr 2014 der mit „Vor dem Fest“ der zweite Roman von Stanišić erschien und direkt den Preis der Leipziger Buchmesse gewann. In dem Buch geht es um das brandenburgische Dorf Fürstenfelde, das sich auf das jährliche Annenfest vorbereitet. Und um den Fährmann, der tot ist. Denn so beginnt das Buch. Was dann im Laufe der Seiten entsteht, ist ein ganzer Mikrokosmos aus Dorfbewohnern und Waldtieren, Legenden, Märchen und Gegenwart. Voller Lust und Kunst am Erzählen schildert Stanišić die Ereignisse in der Nacht vor dem Fest.

Dabei  treten viele schärge Typen auf. Zum Beispiel Lada, der sein Auto mehrfach im Monat im See versenkt und es dann wieder rettet. Oder Frau Schwermuth vom Haus der Heimat, die im Frühling  depressiv im Garten liegt, aber sich bestens in der Dorfchronik auskennt. Oder Frau Kranz, die jedes Jahr in der Nacht vor dem Fest ein Bild malt, das am nächsten Tag versteigert wird. Stanišić schildert Menschen, die nicht perfekt sind, sogar meist fern der Norm. Und dennoch schließe ich sie im Laufe des Lesens in mein Herz. Denn bei jeder Figur merkt man mit wie viel Feingefühl der Autor sie entworfen hat. Und mit großem Herz für die Figuren und ihre Geschichten. Beeindruckend finde ich außerdem, dass Stanišić auch die Sprache an die jeweiligen Figuren anpasst. So lesen sich die Kapitel auch stilistisch sehr abwechslungsreich.

Stanišić ist kein Mensch von zu vielen Worten. Er setzt seine Worte gekonnt und sparsam ein, auch das mag ich sehr an ihm. Durch diese reduzierte Schilderung lässt er auch Raum für eigene Imaginationen. Außerdem sind seine Texte oft auch unglaublich komisch geschildert, nicht zum lauten Loslachen, sondern zum amüsierten In-sich-Hineinlachen.

Und noch etwas hat das Buch bewirkt: Bei Zugfahrten vorbei an Dörfern überlege ich nun oft, wie viele Geschichten wohl in diesen Orten stecken, die darauf warten, erzählt zu werden.

Fazit: Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen und nehme es auch jetzt gern ab und zu zur Hand. Schnell bin ich dann wieder in der Welt von Fürstenfelde versunken.

(auch erschienen auf: wortmeer.blog)

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