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Buchrevier

Ach, du dickes Buch – fünf literarische Eintausender, die man nicht vergisst

Tobias schreibt auf “Buchrevier“ über Bücher. Man findet dort aber auch jede Menge Interviews, Listen, Leserbriefe, literarische Helden und Meinungsartikel. Für euch hat er dicke Buchempfehlungen: “Keine Angst vor dicken Schinken. Diese fünf literarischen Schwergewichte lesen sich, bis auf eine Ausnahme, leicht und locker und sollten auf keiner einsamen Insel fehlen.”

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Fünf dicke Buchempfehlungen für euch

Das achte Leben (Für Brilka)
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Ich glaube jeder, der ein wenig Sinn für gute Geschichten und eine gute Schreibe hat, wird merken, was er hier in den Händen hält. Nicht irgendeinen Schmöker, keine x-beliebige Familiensaga, kein Buch für eine Saison. Nein, was Nino Haratischwili hier abgeliefert hat, wird bleiben und die Zeit überdauern. Ich scheue mich ein wenig vor dem großen Wort, frage mich, ob das, was mir auf der Zunge liegt, nicht zu hochgegriffen ist. Ob ich das überhaupt beurteilen kann. Aber warum eigentlich nicht? Ich habe schon viel gelesen, darunter auch vergleichbar dicke Familien-Epen wie Tolstois „Krieg & Frieden“, die Buddenbrooks oder Jonathan Franzens „Korrekturen“. Und genau in diese Reihe möchte ich auch „Das achte Leben“ stellen. In meinen Augen ist dieser Roman Weltliteratur, nicht mehr und nicht weniger.

Gegen die Welt
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Das, was Jan Brandt da im Jahr 2013 als Erstlingswerk abgeliefert hat, ist wirklich mehr als erstaunlich und verdient höchsten Respekt. Nicht umsonst ist er damit prompt auf der Shortlist des deutschen Buchpreises gelandet. Dabei kann ich gar nicht genau sagen, was er da abgeliefert hat. Einen Entwicklungsroman? Eine Familiensaga? Ein mit ein wenig Science-Fiction aufgepepptes Epos über die jüngste deutsche Vergangenheit? Ich würde sagen, von allem etwas und das auch noch sehr unterhaltsam. Es erinnert mich ein wenig an Murakami. Klare einfache Sätze, lange Beschreibungen, einsame Helden und zum Auflockern ein wenig Surreales. Klar hätte man das Buch auch halb so dick machen können, die Geschichte hat einige Längen, aber die Lektüre lohnt sich trotzdem.

1Q84 (Buch 1, 2)
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Wie macht er das nur? Mit diesen einfachen Sätzen. Subjekt, Prädikat, Objekt. Keine Verschachtelungen, keine kunstvollen Allegorien. So, wie es eigentlich jeder könnte. Und doch kommt schon auf der ersten Seite diese einzigartige Lesestimmung auf. So eine verträumte Spannung, leicht und unbeschwert. 1024 Seiten – ein dicker Wälzer. Und doch ist die Lektüre so entspannend wie ein Nachmittags-Spaziergang an einem sonnigen Herbsttag. Typisch Murakami.

So einfach und reduziert wie der Schreibstil ist auch der Inhalt des Romans. Viel passiert nicht auf den edlen Dünndruck-Seiten. Zwei Protagonisten, zwei Biografien voller Einsamkeit, zwei Morde und zwei Monde. Man könnte die Geschichte auch auf maximal zehn Seiten erzählen. Und trotzdem kommt nicht eine Sekunde Ungeduld auf. Als Lektor würde ich nicht einen Satz streichen. Denn jeder Satz ist Gefühl. Und alle zusammen kreieren diese Lesestimmung, geben dem Buch eine Seele.

Der Distelfink
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Ich glaube, den Distelfink von Donna Tartt haben vor drei Jahren wirklich fast alle gelesen. Und wer es nicht getan hat, weil er oder sie entweder dicke Bücher oder extrem gehypte Bücher meidet (in diesem Fall kommt beides zusammen), sollte es jetzt unbedingt nachholen. Denn hier bekommt man alles, was man für einen erfüllenden Lesemarathon braucht. Eine spannende Geschichte, glaubwürdige Protagonisten, interessante Erzählperspektiven und eine sprachlich saubere Umsetzung. Da stört nichts, da ist alles stimmig und wohldurchdacht, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Kein Wunder, denn Donna Tart überlässt bei Ihren Büchern nichts dem Zufall, lässt sich Zeit, sehr viel Zeit. Immerhin hat sie bis zu 10 Jahre an diesem Roman geschrieben, korrigiert, verbessert und gefeilt – bis alles perfekt war. Und das merkt man.

Die Wohlgesinnten
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Als ich mich für das Thema „Ach du dickes Buch“ entschieden habe, war ich gerade mittendrin in Hanya Yanagiharas dickem Wälzer “Ein wenig Leben“. Ich wollte es hier als fünften Titel empfehlen, war aber am Ende so enttäuscht, dass ich von der Lektüre mittlerweile abrate. Stattdessen möchte ich auf ein echtes Schwergewicht verweisen, das sich alles andere als leicht und locker liest. Jonathan Littel hat mit seinem knapp 1.400 Seiten dicken Werk „Die Wohlgesinnten“ im Jahre 2008 für einen riesigen Medienwirbel gesorgt. Alle Welt hat von dem Buch gesprochen, nur wenige haben es tatsächlich ganz gelesen. Denn die Lektüre tut weh, schockiert und ist kaum zu ertragen. Litell schildert auf schonungslose Weise die Gräueltaten der SS und der deutschen Wehrmacht an den Juden in Osteuropa. Es ist schrecklich, bedrückend und nichts für zartbesaitete Gemüter. Ich habe mehrere Monate für die Lektüre gebraucht, das Buch immer wieder unterbrechen müssen. Aber es ist auch eine Lektüre, die man nie vergisst.

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