-sabine-s avatar

-sabine-

  • Mitglied seit 11.08.2012
  • 22 Freund*innen
  • 641 Bücher
  • 614 Rezensionen
  • 638 Bewertungen (Ø 4)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne141
  • 4 Sterne368
  • 3 Sterne118
  • 2 Sterne11
  • 1 Stern0
Sortieren:
Cover des Buches VIEWS (ISBN: 9783957133236)

Bewertung zu "VIEWS" von Marc-Uwe Kling

-sabine-vor 6 Tagen
Views

Die 16-jährige Lena ist verschwunden. Wenige Tage später geht ein Vergewaltigungsvideo mit ihr viral – und alle gehen vom Schlimmsten aus. Die BKA-Kommissarin Yasira Saad übernimmt den Fall, doch trotz Ermittlungen in verschiedenen Richtungen  gibt es keine „heiße Spur“ – bis ihr ein ganz neuer Gedanke kommt, der alles in ein ganz anderes Licht setzt. Doch sie ist alleine mit ihrer Idee und gerät bald zwischen die Fronten.

Ich bin sehr zwiegespalten bei diesem Hörbuch. Das Thema ist großartig und die Entwicklung des Plots nicht nur aktuell, sondern auch beängstigend. Marc-Uwe Kling hat ein Szenario geschaffen, das genau so passieren könnte, so schmerzhaft und furchterregend der Gedanke auch ist. Es hat aber gedauert, bis es zu diesem Wendepunkt kommt, und davor hatte ich eher das Gefühl, einen ganz normalen Krimi zu hören – noch dazu einen, bei dem die Figuren sehr flach gestaltet sind und bei dem wenig Spannung aufkommt. Gerade die Vorstellung der BKA-Abteilung mit den handelnden Kollegen fand ich etwas langatmig. Erst als Yasira dann ihre neue Spur verfolgt, wird es spannend, erschreckend und packend.

Yasira ist eine sympathische Ermittlerin – sie hat ihre Ecken und Kanten, vor allem auch Sorgen und Nöte, die ich gut nachvollziehen konnte und die – ähnlich wie der Plot – auch sehr aktuell sind: alleinerziehende Mutter, pubertierende Tochter, Dating-Frust. In manchen Fällen fand ich sie mit ihren Ideen und Handlungen großartig, in anderen hätte ich sie schütteln können, weil sie ein wenig naiv agiert.

Ab der Hälfte wird es dann aber richtig spannend – die Spur, der Yasira nachgeht, ist erschreckend und hat mein eigenes Kopfkino angeschaltet. Und das nicht nur in Bezug auf diesen fiktiven Fall, sondern auch in Bezug auf den eigenen Umgang mit sozialen Medien, der dort präsentierten Welt und die aufkommende Frage nach Realität und Fiktion. Das hat der Autor wirklich sehr gut hinbekommen – diese ganz neue Sicht der Dinge auf das Verschwinden von Lena und in diesem Zusammenhang aufgetauchte Videos. Nicht so gelungen ist dann wieder das Ende, nicht nur, weil es sehr an einen Action-Film erinnert, sondern vor allem, weil viele Fragen offen bleiben. Offene Enden haben ihre Berechtigung, in einem Krimi aber finde ich sie unpassend.

Die Sprache ist einfach, es gibt viele Dialoge, die mir aber ein wenig hölzern erschienen und bei denen ich mich oft gefragt habe, ob denn wirklich so gesprochen wird. Vielleicht lag es aber auch an der Präsentation – Marc-Uwe Kling hat das Hörbuch selber eingesprochen. Ich mochte seine Stimmfarbe nicht und auch nicht die eher monotone Art, mit der er das Buch vorträgt. Das kann natürlich dazu beitragen, dass die Dialoge gestelzt klingen.

Insgesamt hat mich der Plot begeistert, die Umsetzung an manchen Stellen auch, an manchen eben aber auch gar nicht. Fans des Autors werden das Buch sicher feiern, ich hingegen spreche eine eingeschränkte Empfehlung aus. Eins sollte man auf jeden Fall vermeiden – sich zu der Wendung spoilern zu lassen – denn die hat mir den meisten Hörspaß gebracht.

Cover des Buches Die Schönheit der Rosalind Bone (ISBN: 9783833747625)

Bewertung zu "Die Schönheit der Rosalind Bone" von Alex McCarthy

-sabine-vor einem Monat
Die Schönheit der Rosalind Bone

Die malerische Kulisse des Buches trügt, denn die Umstände in dem kleinen Dorf in Wales, Cwmcysgod, sind tragisch. Durch einen tragischen Unfall stirbt der Vater der beiden Schwestern Rosalind und Mary – und am Tag des Unglücks verschwindet auch Rosalind. Der Grund kann nur erahnt werden – war es der Schmerz um den Tod des Vaters oder doch ihre Schönheit, unter der sie gelitten hat, denn von allen wurde sie darauf reduziert, selbst ihre Schwester konnte nicht verleugnen, dass sie neidisch war auf Rosalind, wurde sie selber doch gar nicht beachtet. Keiner weiß, wo Rosalind ist. Ihre Nichte Catrin lässt das Verschwinden Rosalinds nicht einfach akzeptieren und gibt nicht auf, sie zu finden.

Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und auch auf verschiedenen Zeitebenen – im Hörbuch wird gesagt, aus welcher Sicht gerade erzählt wird, die Zeitebene ergab sich dann aber aus dem Erzählten – und das war durchaus an der einen oder anderen Stelle etwas verwirrend und brauchte viel Konzentration, um den Faden nicht zu verlieren. Gelungen ist aber, dass man durch die Zeitebenen auch eine Entwicklung der Charaktere erlebt, denn man lernt sie sowohl als Kinder als auch als Jugendliche kennen.

Vordergründig ist es Rosalind, die den Rahmen für die Geschichte bildet, es sind aber weitaus mehr Themen, die angeschnitten werden – neben Rosalinds Schönheit und deren Auswirkungen geht es auch um Liebe und Betrug, um Trauer, Schuld und Vergebung - und wie sich ein ganzes Dorf um diese Themen rankt.

Die Stimmung und Atmosphäre ist sehr gut getroffen – die ganze Zeit spürt man eine Melancholie und Traurigkeit, und durch die Beschreibungen der Gegend hatte ich viele Bilder vor Augen: Ein düsteres Dorf, umgeben von unheimlichen Wäldern – die Menschen haben sich abgeschottet von der restlichen Welt, beklagen gleichzeitig aber ihre Ausweglosigkeit. Ein wirklich düsteres Szenario, das sich konsequent durch die ganze Geschichte zieht.

Leider aber konnte mich die Autorin mit den Charakteren nicht fesseln – obwohl es doch verschiedenen Sichtweisen gibt und ich so gedacht hätte, mich gut in sie hineinversetzen zu können, sind sie mir die ganze Zeit fremd geblieben. Und auch Spannung ist leider nicht aufgekommen, weil der Ausgang relativ vorhersehbar war – so war ich leider in der Geschichte nicht richtig drin und spürte auch wenig Verlangen, unbedingt weiter hören zu wollen. Und am Ende bestätigt sich dann das, was ich schon vermutet hatte.

Die Sprecherin Rosa Thormeyer war sehr gut ausgewählt – sie hat die Tristesse wunderbar transportieren können, mein Interesse an den Charakteren aber konnte leider auch sie nicht steigern.

Vielleicht ist es auch das Medium „Hörbuch“, dass mir die Figuren so fremd geblieben sind, und vielleicht ist es eher eine Geschichte, die als Roman selbst gelesen besser funktioniert, so kann ich nur eine begrenzte Empfehlung aussprechen.

Cover des Buches Im See der Himmel (ISBN: 9783987900358)

Bewertung zu "Im See der Himmel" von Helen M. Sand

-sabine-vor einem Monat
Im See der Himmel

Im lese häufig Romane, die zur Zeit der Weltkriege spielen und war daher neugierig auf diese Geschichte – es hat ein bisschen gebraucht, bis ich reingekommen bin in die Geschichte, dann aber hat sie mich gepackt, und ich habe mit der Hauptfigur Maria gefiebert und gelitten.

Viele Jahre hat die nun 76-jährige Maria in den USA gelebt, jetzt kehrt sie in ihr Heimatdorf Mühlbach in Süddeutschland zurück, um sich der Vergangenheit zu stellen, mit ihr abzuschließen und endlich ihren Frieden zu finden. Ihre Jugend war geprägt von den Schrecken des Krieges und persönlichen Verlusten, und trotz vieler glücklicher Jahre in South Carolina an der Seite ihres Ehemanns Jack lassen sie ihre Erinnerungen nicht los – kann sie endlich loslassen und ihrer Familie vergeben?

Erzählt wird die Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen – die Gegenwart spielt in den Jahren 2002/2003, in denen Maria in Mühlbach ankommt, in Rückblicken versetzt die Autorin die Leser in die Jahre 1944-1949, die geprägt sind von den Schrecken des Krieges. Hier sind es mal Erinnerungen, mal Briefe oder Gedichte, immer aber kann die Autorin die Atmosphäre der damaligen Zeit sehr gut einfangen. Anfangs war es für mich etwas verwirrend, in den Zeiten hin und her zu springen, und ich gestehe, dass ich den Handlungsstrang der Vergangenheit auch viel lieber mochte, rückblickend macht der Aufbau mit den verschiedenen Zeitebenen aber Sinn, auch wenn ich die Handlung in der Gegenwart nicht so überzeugend fand.

Das Buch lebt durch die Atmosphäre und die Charaktere, die sind sehr realistisch und authentisch dargestellt, sehr lebendig, so dass ich das Gefühl hatte, sie tatsächlich zu kennen und zu erleben. Großvater Gustav ist der unantastbare Patriarch, dem alle gehorchen, und der maßgeblich das Leben Marias geprägt hat; Marias Mutter hat sich seinem Willen immer gebeugt, auch Marias Geschwister folgen zumeist seinen Anordnungen. Doch nicht nur Gustav prägt das Leben der Familie, denn auch der Krieg fordert seinen hohen Tribut: Die Brüder werden eingezogen oder stellen sich auch freiwillig, die Schwestern versuchen, irgendwie das Gefühl von Familie, Liebe und Geborgenheit in Zeiten, in denen alles knapp ist, zu erhalten.

Maria ist ein Kind ihrer Zeit, doch ihr wird schwer mitgespielt, so dass sie all ihren Mut aufbringen muss, um ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie ist eine beeindruckende Protagonistin, die nahbar und authentisch ist mit all ihrem Schmerz und all der Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, die aber auch viel Mut besitzt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und die Menschen, die sie so verletzt haben, wiederzutreffen und zu verzeihen.

Das Buch ist nichts für schwache Nerven – die Schrecken des Krieges werden greifbar, die brutale Realität ungeschönt dargestellt. Gerade die Briefe, die die Soldaten von der Front schrieben, haben mich sehr berührt. Sie waren so wichtig, sowohl für den Schreiber, aber auch für den Empfänger – sie strahlen gleichermaßen Schmerz, Liebe und Sehnsucht aus, genauso wie Hoffnung, Hoffnung auf Friede und ein Wiedersehen.

Die Familie ist eine stark gläubige – Religion prägt das Leben, nicht nur durch Gebet und Kirchgang, sondern auch durch das Vertrauen in Gott, dass alles schon wieder gut werden wird. Aus heutiger Sicht wirkt dieser Glaube etwas befremdlich, sicher aber hat er vielen Menschen Kraft gespendet, ohne die sie die Zeit vielleicht nicht überstanden hätten.

Der Schreibstil ist besonders – die Erinnerungen, Briefe und Gedichte aus den 1940er Jahren fand ich sehr authentisch, hier hat die Autorin den Ton und die Stimmung sehr gut getroffen, in der Gegenwart war mir der Stil manchmal zu geschwollen und manche Bilder und Metaphern auch zu blumig. Insgesamt ist die Atmosphäre melancholisch, auch der Erzählstrang der Gegenwart vermittelte mir immer ein trauriges und bedrücktes Gefühl, und gerade das letzte Viertel ist sehr emotional und hat mich auch sehr mitgenommen.

Ein sehr besonderes Buch, dass die Zeit der 1940er Jahre aufleben lässt und eine Familiengeschichte erzählt, die ich mir genau so auch vorstellen kann. Wer sich für die Zeit interessiert, dem empfehle ich das Buch gerne weiter.

Mein Fazit
Wer sich für die Zeit der 1940er Jahre und authentische Einzelschicksale in dieser Zeit interessiert, der bekommt mit diesem Buch eine zwar bedrückende, aber authentische Familiengeschichte – mittels Erinnerungen, Briefen und Gedichten bringt uns die Autorin die Zeit näher und fesselt durch ein tragisches Frauenschicksal.


Cover des Buches Die Zeit der Hoffnung (ISBN: 9783757883928)

Bewertung zu "Die Zeit der Hoffnung" von Bettina Pecha

-sabine-vor einem Monat
Die Zeit der Hoffnung

Dies ist der zweite Teil der Wirtschaftswunder-Reihe, aber auch Kenntnis des ersten Bandes kann man diesen gut lesen und verstehen. Wenn man aber die Hintergründe einer Protagonistin besser verstehen will, ist es sicher besser, mit dem ersten Band zu beginnen.

Die Geschichte beginnt Ende der 1950er Jahre in Stuttgart und Berlin und bietet Einblicke in das zeitgenössische Geschehen – die Stellung der Frau in der Gesellschaft, ihre Abhängigkeit von dem Ehepartner, ihre fehlende Entscheidungsfreiheit und natürlich der Mauerbau. Drei Frauen stehen im Mittelpunkt – Katharina ist Modedesignerin und glücklich verheiratet. Als sich Nachwuchs ankündigt, muss sie ihren geliebten Job erst mal aufgeben, träumt aber davon, ihn wieder aufzunehmen, wenn ihr Kind geboren ist. Lisa hat es dagegen nicht so gut – sie wurde sitzen gelassen, und der Ruf eines „leichten Mädchens“ haftet an ihr. Marion dagegen hat den Weg in die Selbstständigkeit gewagt, die heraufziehenden dunklen politischen Wolken jedoch trüben ihr persönliches Glück.

Es ist eine Zeit der Umbrüche und trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs gibt es doch auch einige Probleme, die es den Menschen schwer machen. Und genau diese Stimmung hat die Autorin sehr gut eingefangen. Mich hat bedrückt, dass Frauen vor noch gar nicht so langer Zeit kaum eigene Entscheidungen treffen konnten und sie abhängig waren von Eltern oder Ehepartner – und das nicht nur finanziell. Was heute selbstverständlich ist, war es vor rund 70 Jahren noch gar nicht.

Katharina hat es da noch recht gut getroffen – sie ist eine selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will und die von ihrem Mann auch unterstützt wird. Als sie Lisa kennenlernt, merkt sie aber, dass es eben nicht allen so ergeht. Lisa ist zu Beginn eine junge, wirklich naive Frau, die an die Liebe glaubt – und so leider auch ausgenutzt wird. Mit Hilfe von Katharina wird aus ihr aber eine selbstbewusste Frau, die beiden strotzen allen Hindernissen, und Lisa findet trotz aller Steine einen Weg für sich. Marion lebt in Berlin, sie ist wirklich nicht auf den Mund gefallen und führt selbstbewusst eine Buchhandlung – doch auch sie hat ein weiches Herz, das sich zeigt, als die Mauer in Berlin gebaut und sie von ihren Liebsten getrennt wird.

Ich mochte sehr, wie die Autorin die Umstände der Zeit anhand der drei Frauen aufzeigt – dabei gibt es durchaus spannende Kapitel, insbesondere auch, weil im Prolog eine brenzlige Szene beschrieben wird und ich mich natürlich gefragt habe, wie sie ausgeht und wer da eigentlich beschrieben ist. Es gibt aber auch Kapitel, in denen der Alltag beschrieben ist, wie die Frauen sich durchschlagen müssen und wie jede einzelne mit ihren eigenen Problemen umgeht. Dabei mochte ich alle drei sehr gerne, am besten hat mir Lisa gefallen wegen der unglaublichen Entwicklung, aber auch Katharinas Kampf um Selbstständigkeit hat mich beeindruckt. Der Schreibstil ist leicht zu lesen, sehr lebendig durch viele Dialoge, so dass die Seiten rasch dahingeflogen sind.

Ich mochte das Buch sehr gerne, weil es wirklich authentische Einblicke in die Zeit gewährte.

Mein Fazit
Die Zeit der Wirtschaftswunder in Deutschland ist nicht nur eine positive Zeit – anhand dreier Frauen bekommt der Leser Einblicke in den Alltag der 1950er und 1960er Jahre, wie schwer es die Frau in der Gesellschaft hatte und was der Mauerbau in Berlin mit Freunden und Familien machte. Ich habe die drei sympathischen Frauen gerne begleitet durch diese schwierige Zeit voller politischer und gesellschaftlicher Umbrüche.


Cover des Buches Glück für Wiedereinsteiger (ISBN: 9783453429055)

Bewertung zu "Glück für Wiedereinsteiger" von Carla Berling

-sabine-vor einem Monat
Glück für Wiedereinsteiger

Thea und Ronny kennen sich seit Kindheit an, jetzt sind sie schon seit 40 Jahren verheiratet und feiern beide ihren 60. Geburtstag. Die Kinder sind aus dem Haus, und der Alltagstrott hält die beiden gefangen. Der anstehende Geburtstag lässt sie aber innehalten – und sie stellen fest, dass sie ganz unterschiedliche Vorstellungen für ihr letztes Lebensdrittel haben. Sie machen Pläne – und auf der Feier des Hochzeitstages geben sie vor Familie und Freunden bekannt: Sie werden sich trennen, und jeder wird seinen eigenen Traum verfolgen. Doch was tun, wenn das Leben dazwischenfunkt?

Ich mag es, wenn durchaus ernstere Themen unterhaltsam und humorvoll dargestellt werden – und genau das ist der Autorin in diesem Roman wieder gelungen – Frauen in der zweiten Lebenshälfte werden sich sicher in diversen Gedanken Theas wiederfinden und bekommen hier ein mögliche Option, was das Leben noch alles bieten kann.

Die Charaktere sind natürlich sehr überzogen dargestellt – aber anders habe ich das nicht erwartet. Thea, die sich immer aufopferungsvoll um die Familie gekümmert und sich selbst dabei aus den Augen verloren hat – sie mochte ich wirklich gerne, insbesondere, weil sie ab einem gewissen Punkt lernt, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören und sich dann auch in unbekannte Gefilde traut. Vor allem Theas Kinder erfüllen alle Klischees, die man sich vorstellen kann – und hier musste ich wirklich oft schmunzeln, weil die Autorin da wirklich den wunden Punkt trifft. Aber auch die Freunde von Thea und Ronny bedienen mit ihren Lebenswelten diverse Klischees – und manchmal ist es zum Augenrollen, meist aber zum drüber lachen.

Die Geschichte ist locker und leicht erzählt, sehr erfrischend und voller Humor. Mancher Spruch ist vielleicht ein bisschen „platt“ geraten und erinnert eher an „Schenkelklopfer“, dennoch fühlte ich mich gut unterhalten. Es gibt viele Überraschungen und Wendungen, denn Ronnys und Theas Pläne werden häufiger durchkreuzt, aber es ist schön zu lesen, wie die beiden genau das dann auch annehmen und mit Neugier die neu gewonnene Freiheit genießen können. Mir hat gefallen, wie gerade Thea ungeahnte Energien freisetzt und mit Mut und Beharrlichkeit bei sich und ihren Wünschen bleibt.

Das Ende ist dann nicht mehr überraschend, war mir auch ein wenig zu kitschig – insgesamt hätte ich mir ein paar mehr der ernsten Momente gewünscht, trotzdem empfehle ich das Buch gerne weiter, wenn man eine leichte und lockere Geschichte sucht, bei der ältere Protagonisten im Mittelpunkt stehen.

Mein Fazit
Eine locker-leichte Geschichte mit zwei sympathischen 60-jährigen, die ihre verbliebene Lebenszeit nun nach eigenen Träumen und Vorstellungen leben wollen – aber natürlich kommt ihnen das Leben dazwischen, und die gemachten Pläne werden über Bord geworfen. Ich mochte das Buch und hatte mit ihm eine schöne Lesezeit.

Cover des Buches Das Geflüster (ISBN: 9783844544992)

Bewertung zu "Das Geflüster" von Ashley Audrain

-sabine-vor einem Monat
Das Geflüster

Der Klappentext hat mich angesprochen, auch, dass in Rezensionen von einem spannenden Roman gesprochen wurde, der sich zum Pageturner entwickelt – leider hat mich das Hörbuch nicht so fesseln können, auch wenn mir die Idee immer noch gut gefällt.

Die Loverleys feiern eine Gartenparty – alles scheint perfekt, bis Gastgeberin Whitney vor den Augen aller die Fassung verliert, weil ihr neunjähriger Sohn Xavier ihr nicht gehorcht. Die Gäste sind schockiert, Whitney möchte im Boden versinken. Als Monate später ihr Sohn aus dem Fenster stürzt und um sein Leben ringend ins Krankenhaus kommt, ist den Nachbarn klar, was eigentlich dahinter steckt. Doch auch sie sind nicht unschuldig, und die scheinbar perfekte Nachbarschaft muss sich den eigenen Abgründen stellen.

Es sind vier Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird – und obwohl vor jedem Kapitel gesagt wird, aus wessen Sicht gerade erzählt wird, musste ich mich doch sehr konzentrieren, um nicht durcheinanderzukommen.

Whitney ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau und Mutter von drei Kindern - sie versucht, alles unter einen Hut zu kriegen, wird ihren Aufgaben aber nicht immer gerecht und verliert auch schon mal die Geduld.

Blair ist Whitneys beste Freundin – sie ist Hausfrau und Mutter von Chloe, die der Mittelpunkt ihres Lebens ist; insbesondere auch, weil sie ihrem Mann misstraut und sie sicher ist, dass er sie betrügt.

Rebecca ist Ärztin und betreut den kleinen Xavier im Krankenhaus – sie liebt ihre Arbeit, wünscht sich aber nichts sehnlicher als eigene Kinder. Doch nach mehreren Fehlgeburten hat sie den Glauben daran fast schon verloren.

Mara ist die älteste Nachbarin mit ihren 82 Jahren – sie ist vor Jahren aus Portugal eingewandert, hat selbst einen Sohn verloren und beobachtet ihre Nachbarn.

Durch diese vier Perspektiven bekommt man tiefe Einblicke in das, was geschieht – niemand ist so perfekt, wie es zunächst scheint, und nach und nach kommen Geheimnisse und Lügen zu Tage. Dabei bedient sich die Autorin eines angenehmen und leicht folgbaren Schreibstils – ein bisschen gewöhnungsbedürftig war für mich, dass alles im Präsens geschrieben ist; über manche Formulierungen bin ich gestolpert, oft aber hatte ich auch das Gefühl, dadurch mitten im Geschehen zu sein.

Die Figuren sind gut ausgearbeitet, auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, den Faden zu verlieren. Das liegt bestimmt auch an den mir leider nicht sonderlich sympathischen Charakteren, aber auch an der doch langatmigen Erzählweise – zwar gibt es Dramen, Eheprobleme, Affären, Neid und Missgunst, aber das, was geschieht ist nicht immer dramatisch, sondern oft auch alltägliches, und das wird beim Erzählen doch arg in die Länge gezogen. Ich zumindest habe keine Spannung gespürt, von Thrill oder Pageturner will ich gar nicht sprechen.

Erst am Ende, als man spürt, dass die große Frage, ist Xavier von alleine au dem Fenster gefallen oder wurde er von seiner Mutter geschupst, endlich aufgelöst wird, wurde es auch für mich mal spannend – und ein Plottwist am Ende hat mich dann auch kalt erwischt. Das gute Ende kann aber leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zwischendurch doch einige Längen gab. Henriette Fridoline Schmidt hat eine angenehme, klare Stimme. Sie hat eine sehr akzentuierte Art, das Hörbuch einzusprechen, was mir grundsätzlich auch gefallen hat, aber auch sie konnte über die Längen nicht hinwegtäuschen.

Insgesamt kann ich das Buch daher nur bedingt empfehlen – es bisschen weniger Seiten bzw. Minuten hätten der Handlung aus meiner Sicht gut getan, denn die Idee des Plots finde ich weiterhin sehr gut.

Cover des Buches Wir waren nur Mädchen (ISBN: 9783351042288)

Bewertung zu "Wir waren nur Mädchen" von Buzzy Jackson

-sabine-vor 2 Monaten
Wir waren nur Mädchen

Ich bin über das Cover gestolpert, weil es mich an einen anderen Roman erinnert hat, der Klappentext war es dann aber, der mich dazu gebracht, das Hörbuch auch hören zu wollen – ein Buch über die historische Persönlichkeit Hannie Schaft, die als Widerstandskämpferin in den Niederlanden gegen die Nazis aktiv war, das interessiert mich.

Den Einstieg fand ich persönlich etwas langatmig, auch wenn ich rückblickend sagen muss, dass er so genau richtig gewählt war. Man lernt Hannie als Kind kennen und wie sich eine innige Freundschaft zwischen ihr und den jüdischen Mädchen Philine und Sonja entwickelt. Es ist zunächst eine unbeschwerte Freundschaft, als aber die Deutschen die Niederlande besetzen und die Gesetze gegen Juden immer grausamer werden, wird es auch für die Mädchen immer schwieirger. Hannie versucht, ihre Freundinnen zu schützen und schließt sich einer niederländischen militanten Widerstandsgruppe an. Kann sie so ihre beiden Freundinnen retten?

Nach dem etwas langwierigen Einstieg nimmt die Geschichte aber richtig Fahrt auf – es war informativ, erschreckend und emotional. Mit Hannie und den jugendlichen Schwestern Truus und Freddie Oversteegen erlebt man eine der grausamsten Epochen der Weltgeschichte – nicht nur, dass man Einblicke bekommt, wie die Deutschen auch in den Niederlanden Fuß fassen konnten, man ist dabei, wie Hannie und ihre Freunde Anschläge planen, ausführen, zweifeln und schließlich auch versagen. Im Raum stand für mich die ganze Zeit auch die Frage, wie man sich selber verhalten hätte – ist Gewalt und militanter Widerstand der richtige Weg und hätte man anders denn überhaupt eine Chance gehabt?

Die Geschichte ist gut recherchiert und nach Beenden des Hörbuches habe ich selber auch noch weiter nach Hannie Schaft geschaut, einer Frau, die viel zu unbekannt ist und an die viel mehr erinnert werden sollte. Sie geht mutig einen Weg, ist dabei in sich stark und unerschütterlich – so wie eigentlich alle in der Widerstandsgruppe RVV (Raad van Verzet). Sie alle kämpfen für Gerechtigkeit – trotz den Gefahren und auch trotz des jugendlichen Alters. Die Autorin hat die Figuren alle sehr authentisch dargestellt, dabei wirken sie nicht wie unbesiegbare Helden, sondern – passend zum Titel – wie ganz normale Menschen, mit Ecken und Kanten, mit Sorgen und Ängsten.

Die Geschichte hat mich immer mehr in sich aufgesogen – das letzten Viertel ist das wirklich sehr bedrückend und belastend. Der Schreibstil ist leicht zu hören, durch immer wieder eingeflochtene niederländische Worte wirkt alles sehr authentisch – und da diese direkt ins Deutsche übersetzt werden, ist es auch kein Problem, der Geschichte zu folgen.

Das Nachwort ist sehr informativ – denn man erfährt, was aus den Menschen geworden ist, die in diesem Roman nicht gestorben sind. Sprecherin ist Ann-Kathrin Hinz, die dieses bedrückende Hörbuch sehr gut eingesprochen hat – sie hat eine junge Stimme und passt damit gut zu Hannie, die emotionale Berg- und Talfahrt, die Hannie durchlebt, hat sie wunderbar transportieren können.

Mich hat dieser Roman nach anfänglicher Skepsis begeistert, so dass ich das Hörbuch uneingeschränkt empfehle.

Cover des Buches Das Baumhaus (ISBN: 9783499009716)

Bewertung zu "Das Baumhaus" von Vera Buck

-sabine-vor 2 Monaten
Düster und spannend

Henrik erbt ein Ferienhaus in Schweden, an das er nur gute Erinnerungen hat - als Kind hat er hier tolle Ferien erlebt. Mit seiner Frau Nora und dem gemeinsamen Sohn Fynn will er daher dort den nächsten Urlaub verbringen. Einmal angekommen ist das Haus aber längst nicht mehr der verwunschene Ort von Henriks Erinnerung, sondern vielmehr ein heruntergekommener Schuppen. Als dann der kleine Fynn verschwindet, wird der Sommerurlaub zu einem Alptraum.

Das Buch hat von Anfang an einen ganz eigenen Sog, so dass ich es rasch durchgelesen habe, immer in der Erwartung, dass Schreckliches passieren wird. Erzählt wird alles aus Sicht vier verschiedener Personen: Zum einen Henrik, der selbst fast noch wie ein Kind wirkt, so viele Geschichten, wie er sich im Kopf zusammenspinnt und Abenteuer, die er mit seinem Sohn ersinnt. Ihn mochte ich, weil er eine so sonnige und positive Art hat, die mitreißt – auch mich als Leserin. Das ändert sich aber im Laufe des Buches, und man bekommt auch eine schwierige Seite von Henrik geboten, die gar nicht mehr sonnig und positiv erscheint und die sich aber im Laufe des Buches dann erklärt. Dieser Switch aber macht natürlich nachdenklich.

Eine weitere Perspektive ist die von Nora, Henriks Frau und Fynns Mutter – sie wirkt zunächst wie die perfekte Mutter, die alles organisiert und leider auch ein bisschen die Spaßbremse ist, man spürt bei ihr, dass es vor allem die Fürsorge und Sorge ist, die sie ein wenig trist und nüchtern aussehen lässt, in einigen Momenten blitzt aber auch eine lebenslustige Nora durch – und die fand ich durchaus sympathisch. Und als Fynn dann verschwindet, lernt man auch Nora mit noch mal anderen, durchaus emotionalen Seiten kennen.

Die dritte Perspektive ist die von Rosa, einer junge Frau, die ihr morbides Hobby zum Beruf gemacht hat und den Einfluss von Kadavern auf die Fauna untersucht – bei ihren Studien entdeckt sie ein Kinderskelett und setzt mit diesem Fund einiges in Bewegung. Rosa ist ein sehr spezieller Charakter: Sie weiß nicht recht mit Menschen umzugehen, ist ihnen gegenüber zurückhaltend und skeptisch – und lässt sie das auch spüren. Warum sie so ist, erfährt man im Verlauf des Thrillers und auch, was es mit ihrer Erzählperspektive auf sich hat.

Die vierte Sicht der Dinge ist die von Marla – ein 5-jähriges Mädchen, das entführt wurde und in einem Baumhaus gefangen gehalten wird.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, fernab jeglicher Stereotypen, in sich aber schlüssig, und jeder auch mit einer eigenen Vergangenheit. Durch die wechselnden Kapitel mit unterschiedlichen Erzählern entsteht eine Spannung, die sich immer weiter aufbaut. Gerade diese spannende Atmosphäre hat die Autorin sehr gut eingefangen – während zunächst alles wie ein idyllischer Sommerurlaub in den Wäldern Schwedens wirkt, ahnt man als Leser bereits die Katastrophe und spürt eine nicht näher fassbare Bedrückung und Düsternis. Nach und nach entwickelt sich alles zu einem Alptraum, die zunächst losen Fäden laufen schließlich doch alle zusammen, und am Ende war mir fast schwindelig von den vielen kleinen Puzzleteilen, die zwar alle ineinanderpassten, die mir dann aber doch zu konstruiert erschienen. Vielleicht waren es doch zu viele Themen, die die Autorin da aufgemacht hat, zu viele falsche Fährten und Twists, die es nicht unbedingt gebraucht hätte. Aber – es war wirklich spannend und je weiter ich gelesen habe, desto weniger konnte ich mich dem Sog des Thrillers entziehen. Von mir daher eine Empfehlung, wenn man Psychothriller mag und sich auf Stimmungen und Atmosphären gut einlassen kann.

Cover des Buches Das perfekte Grau (ISBN: 9783442773480)

Bewertung zu "Das perfekte Grau" von Salih Jamal

-sabine-vor 2 Monaten
Das perfekte Grau

Rofu, Mimi, Novelle und Ich-Erzähler Dante, vier ganz unterschiedliche Menschen, treffen in einem maroden Hotel an der Ostsee aufeinander. Alle befinden sich in irgendeiner Weise auf der Flucht: Dante vor sich selbst und der eigenen Vergangenheit, Mimi vor der Polizei, Novelle vor dem eigenen Schmerz und Rofu aus seiner Heimat. Langsam und vorsichtig tasten sie sich aneinander an, um sich dann auf einen Roadtrip zu begeben mit unbekanntem Ziel – aber mit interessanten Begegnungen und bereichernden Erkenntnissen.

Ich habe schon Bücher von Salih Jamal gelesen und weiß von seiner Sprachgewalt und seinem Gefühl, mit Worten umzugehen – und so ist es auch diesmal. Die Geschichte beginnt relativ ruhig – Dante erzählt von dem Hotel, in dem er arbeitet, von Mimi und Rofu, die schon länger dort sind und von Novelle, die als Letzte in die Runde kommt. Ein bisschen lernt man die vier schon kennen – immer durch Dantes Brille, der alles erzählt, erst aber, als sie sich gemeinsam und ein bisschen unfreiwillig auf einen Roadtrip begeben, kommt man ihnen noch näher und erfährt so Hintergründe und Motivation für den Trip. Nicht nur der Roadtrip selber mit den ganzen zum Teil skurrilen Erlebnissen, auch die unterschiedlichen Lebensgeschichten der vier bringen richtig Fahrt in die Geschichte. Man könnte Sorge haben, dass zu viele Themen angerissen werden, dem Autor ist es aber gelungen, genau so viel zu sagen, wie notwendig ist, und gleichzeitig den Fokus zu legen auf das Ziel aller vier: Die Sehnsucht, endlich irgendwo anzukommen. Manche Themen machen betroffen, andere regen zum Nachdenken an und doch gibt es auch immer eine Leichtigkeit, die zumindest mich hat schmunzeln lassen – wirklich ein gelungener Balanceakt, der mir sehr gut gefallen hat.

Die Charaktere sind fernab jeglicher Stereotypen, sehr speziell und dennoch authentisch – eins ist ihnen aber gemein: Sie bleiben im Kopf. Ich kann nicht sagen, dass ich mich mit einem identifizieren konnte, dennoch aber gibt es bei jedem Gedanken und auch Handlungen, die ich absolut nachvollziehen konnte.

Beeindruckend ist wieder die Sprache – sie ist gut zu lesen, voller toller Metaphern, die Bilder im Kopf erzeugen und oft Dinge auf den Punkt bringen, ohne dass es aber kitschig oder blumig ist. Und dann gibt es aber genauso auch Passagen, die einfach nur unterhalten und Spaß bringen beim Lesen – eine wirklich gelungene Mischung.

Das Ende hat mich überrascht und gute Impulse gesetzt – für mich ein guter Abschluss, der keiner weiteren Erklärung bedarf, der aber auch Spielraum für eigene Interpretation setzt. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und empfehle es daher unbedingt weiter.


Cover des Buches Das Licht in den Birken (ISBN: 9783839821145)

Bewertung zu "Das Licht in den Birken" von Romy Fölck

-sabine-vor 2 Monaten
Das Licht in den Birken

Eine Wohlfühlgeschichte zum Ein- und Abtauchen inmitten der atmosphärisch wunderbar eingefangenen Lüneburger Heide.

Thea ist Mitte 50 und kehrt nach Deutschland zurück – vor mehr als 20 Jahren war sie nach Portugal ausgewandert, jetzt ist Zeit für eine Rückkehr. Mit dabei sind ihre beiden Lieblingsziegen, denn in Portugal hat sie als Ziegenhirtin gelebt. Die Reise führt sie in die Lüneburger Heide, auf einen alten Hof im Moor. Hier lebt Benno, der ein großes Herz für Tiere hat und auf dem Gut einen Tier-Lebenshof eingerichtet hat. Doch ihm wächst nicht nur die Arbeit über den Kopf, sondern auch die Schulden – ein Verkauf des seit Generationen im Familienbesitz befindlichen Hofes kommt für ihn aber nicht in Frage. Gerade erst ist Thea bei ihm aufgelaufen, da findet er im Wald eine junge Frau, Juli, die sich am Fuß verletzt hat und die nun auch bei ihm einzieht. Die drei sind ganz unterschiedliche Menschen, dass es da auch mal scheppert, ist verständlich – doch als dem Lebenshof der Ruin droht, werden sie zu einer eingeschworenen Gemeinschaft.

Ich habe das Hörbuch sehr gerne gehört – zu Beginn war es vor allem die tolle Atmosphäre, in die ich eingetaucht bin. Es wird ein bisschen von Portugal erzählt, dann von der Reise Theas in die Lüneburger Heide; die Autorin versteht, Landschaften so zu beschreiben, dass bei mir viele Bilder im Kopf entstanden sind, ohne dass es aber langweilig wurde. Als Thea dann auf dem Lebenshof angekommen ist, stehen die Figuren mehr im Mittelpunkt: So unterschiedlich die drei sind, so hat doch jeder neben seinen Ecken und Kanten auch liebenswerte Seiten. Thea trägt ihr Herz auf der Zunge und eckt damit auch schon mal an, packt aber auch zu, wenn es notwendig ist und lässt sich so schnell nicht unterkriegen. Juli ist ein sehr herzlicher und aufgeschlossener Mensch – sie sucht noch ihren Platz im Leben und bildet neben Thea einen eher ruhigen Pol. Bei Benno musste ich sofort an einen Griesgram denken, beim näheren Kennenlernen aber zeigt sich sein großes Herz, auch wenn er das gut zu verstecken weiß und es ihn einige Überwindung kostet, Hilfe von anderen anzunehmen. Im Laufe der Geschichte lernt man die drei näher kennen – und auch, warum sie geworden sind, wie sie nun mal sind. Das hat sie mir nicht nur nähergebracht, sondern sie auch sehr realistisch und authentisch werden lassen.

In der zweiten Hälfte kommt richtig Fahrt in die Geschichte, nicht nur, weil die drei ungleichen Personen sich zusammenraufen, sondern weil sie gemeinsam einen Plan aushecken, den Lebenshof vor dem finanziellen Ruin zu retten. Es gibt ein paar schöne Ideen und berührende Szenen, es gibt Erfolge und Rückschläge, und alles zusammen hat mich richtiggehend mitfiebern lassen. Dass ich so eintauchen konnte in die Geschichte liegt sicher auch an der Sprecherin Tessa Mittelstaedt, deren dunkle Stimmfarbe ich einfach mag und die es immer wieder schafft, die verschiedenen Stimmungen in Geschichten einzufangen.

Als Wohlfühlroman zum Ein- und Abtauchen empfehle ich dieses Hörbuch gerne weiter.

Mein Fazit
Ein vor dem finanziellen Aus stehender Lebenshof in der Lüneburger Heide und drei ganz unterschiedliche Menschen, die sich zusammenraufen, um eben diesen zu retten – eine schöne Geschichte zum Ein- und Abtauchen, die ich gerne gehört habe und jedem, der Wohlfühlromane mag, auch empfehle.

Über mich

Lieblingsgenres

Biografien, Historische Romane, Liebesromane, Literatur, Unterhaltung

Mitgliedschaft

Freund*innen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks