Aischa

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    Cover des Buches Das Museum der Welt9783423282185

    Bewertung zu "Das Museum der Welt" von Christopher Kloeble

    Das Museum der Welt
    Aischavor 21 Stunden
    Kurzmeinung: Originelle Idee, interessante Perspektive, aber leider teils recht langatmig
    Eine andere Sicht auf die Welt

    Autor Christopher Kloeble hat mit diesem Roman eine originelle Idee umgesetzt: Er schreibt über eine der größten Expeditionen Mitte des 19. Jahrhunderts, nämlich die der drei bayrischen Brüder Schlagintweit, die durch Unterstützung Humboldts Indien und den Himalaya bereisten und erforschten. Dabei stellt Kloeble den Brüdern den fiktiven indischen Waisenjungen Bartholomäus zur Seite, der enormes Sprachtalent besitzt und ihnen fortan als Dolmetscher dient.

    Ein Junge als Protagonist und auktorialer Erzähler ist an sich nicht nicht besonders originell, wohl aber wie der Autor dies nutzt: Zum einen blitzt immer wieder ein ganz eigener Humor auf, etwa wenn der Junge eigene Bezeichnungen für Dinge erfindet, weil in seinen Augen die englischen Kolonialherren auch alles einfach so benennen, wie es ihnen beliebt.

    Außerdem - und das ist eine große Stärke des Romans - verdeutlicht er dem europäischen Leser wie überheblich, oder besser gesagt: rassistisch und unmenschlich die Kolonialpolitik war. Und auch wie überheblich (und teils auch rassistisch) unser postkoloniales Denken immer noch ist.

    Leider konnte mich die Geschichte aber nicht durchgehend fesseln. Zum einen lag das daran, dass der Autor unzählige Worte in Hindi verwendet, ohne dass diese in einem Glossar oder in Fußnoten übersetzt werden. Zwar kann man sich die meisten Begriffe aus dem Kontext grob erschließen, aber ich möchte gerne genau wissen, was ich lese. Daher habe ich die Worte online übersetzen lassen, was die Lektüre immer wieder unterbrochen und mich zunehmend genervt hat. Zum anderen habe ich leider nicht alle politischen Hintergründe verstanden, so dass ich etwas verloren war; hier wäre eine Zeittafel hilfreich gewesen. Stattdessen findet man eine historische Karte im Anhang, die jedoch leider von derart schlechter Druckqualität ist, dass man kaum etwas erkennen kann. Schade, es wäre durchaus interessant gewesen, die Route der Schlagintweits nachschlagen zu können.

    In manchen Kapiteln kam Spannung auf, es gibt einige schöne Landschaftsbeschreibungen und interessante Charaktere. Allerdings habe ich mich auch oft gelangweilt, die Geschichte weist einige Längen auf. Protagonist Bartholomäus wirkt für einen "mindestens" 12jährigen reichlich altklug, und die Charakterisierung der Brüder Schlagintweit hätte ausführlicher ausfallen können.

    Dennoch: Wer sich auf die Geschichte einlässt, wird mit einer anderen Sicht auf die Welt belohnt.

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    Cover des Buches Die Köchin von Castamar9783570103920

    Bewertung zu "Die Köchin von Castamar" von Fernando J. Múñez

    Die Köchin von Castamar
    Aischavor 8 Tagen
    Kurzmeinung: gut gemachte Unterhaltungsliteratur, erinnert an Dumas' Graf von Monte Christo
    Liebe geht durch den Magen

    Wer auf der Suche nach einem gut gemachten Unterhaltungsroman ist, der kann hier getrost zugreifen. Nicht von ungefähr wurde der Auftakt zur Castamar-Saga des (Dtehbuch-)Autors Fernando J. Múñez in seiner Heimat sofort zum Bestseller.

    Die Handlung bietet alles, was es für ein paar äußerst unterhaltsame Lesestunden braucht: Eine sympathische Protagonistin, vom Schicksal schwer gebeutelt, die nicht aufgibt. Missgünstige Widersacherinen, die ihr Steine in den Weg legen. Eine unmöglich erscheinende Liebe, die sich langsam und glaubwürdig entwickelt. Irrungen und Wirrungen, Abenteuer, Heimtücke und Winkelzüge lassen keine Langeweile aufkommen. 

    Múñez schreibt bildgewaltig und detailreich, der Leser braucht nicht viel Fantasie, um zu den Zeilen die entsprechenden Bilder entstehen zu lassen. Abgesehen von den - wie der Titel bereits vermuten lässt - zahlreichen Beschreibungen lukullischer Genüsse haben es mir vor allem die fiesen Intrigen des Plots angetan. Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass der historische Hintergrund etwas zu kurz kommt.

    Die Charaktere zeigen hingegen eine gute, oft überraschende Entwicklung. Der Aufbau der Geschichte hat mich an vielen Stellen an einen Klassiker unter den Abenteuerromanen erinnert: Der Graf von Monte Christo von Alexandre Dumas. Dieser erschien zunächst als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift.

    Die Köchin von Castamar liegt als Buch vir, doch auch hier ist die Fortsetzung gesichert: Det zweite Band Saga erscheint in Kürze, ich bin schon jetzt gespannt!

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    Cover des Buches Das wollte ich Ihnen noch sagen9782919808816

    Bewertung zu "Das wollte ich Ihnen noch sagen" von André Groenewoud

    Das wollte ich Ihnen noch sagen
    Aischavor 8 Tagen
    Kurzmeinung: sehr durchwachsen, berührend aber auch belanglos, hatte mehr erwartet
    Beeindruckendes und Belangloses

    Ich mag Interviews als Erzählform. Auch wenn natürlich die Auswahl und Formulierung der Fragen durch den Interviewer das Ergebnis beeinflusst, obwohl er unliebsame Antworten streichen kann und oftmals der Befragte der Veröffentlichung zustimmen muss, so habe ich doch den Eindruck, einen direkten, nur wenig gefilterten Blick auf das Leben, auf die Ansichten eines Menschen zu erhaschen.

    Und doch hat mich diese Sammlung der Gespräche mit 22 prominenten Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts ein wenig enttäuscht. Vielleicht lag es zum Teil an meinen Erwartungen - der Untertitel "ein Jahrhundert im Gespräch" verspricht ja nicht gerade wenig. Die Interviews sind nach Dekaden gegliedert, wobei diese leider sehr unterschiedlich stark repräsentiert sind: So gibt es über die 1940er Jahre gleich sechs Interviewpartner, für die 1950er gerade mal einen. Die Auswahl wird nicht erklärt und scheint mir recht willkürlich.

    Und auch der Titel ist etwas irreführend: Denn in der Regel sind die Befragten ja nicht an Autor Groenewoud herangetreten und wollten unbedingt etwas mitteilen, sondern im Gegenteil. Um viele Interviews musste der Journalist lange Zeit und immer wieder hartnäckig bitten.

    Interessant ist, wenn Groenewoud Einblick gewährt, mit welchen journalistischen Tricks er schwierige Interviewpartner "knackt". Was diese jedoch erzählen, hat mich sehr unterschiedlich gut unterhalten. Tsvi Nussbaum, der als jüdischer Junge in Warschau den Holocaust überlebte und flüchten konnte, erzählt in bewegenden Worten von seinen Schuldgefühlen, als einziger der Familie überlebt zu haben. Dagegen sind die Aussagen der ehemaligen iranischen Kaiserin Farah Diba-Pahlavi wenig überraschend. Zu oft habe ich bereits gelesen und gehört, wie sie die Gräueltaten beschönigt oder leugnet, die unter der Schreckensherrschaft ihres Mannes begangen wurden.

    Insgesamt ein Buch mit Stärken und Schwächen, aus dem wahrscheinlich eher jüngere Leser noch viel Neues ziehen dürften.

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    Cover des Buches Im Wartezimmer der Unsterblichkeit9783466372591

    Bewertung zu "Im Wartezimmer der Unsterblichkeit" von Alberto Giuliani

    Im Wartezimmer der Unsterblichkeit
    Aischavor 10 Tagen
    Kurzmeinung: Ehrlich und berührend, ein poetischer Ausblick in die Zukunft
    Poetisches Panoptikum der menschlichen Zukunft

    Ein erfolgreicher Fotograf begibt sich aufgrund einer Weissagung eines Brahmanen auf sehr persönliche Reise um die Welt, auf der Suche nach einem "Mann aus der Zukunft".

    Kann dies gutgehen, erwartet mich ein gutes Buch oder doch nur wieder eine dieser "Ich-habe-auf-der-Suche-nach-dem-Glück-mich-selbst-gefunden"-Nabelschauen, austauschbar, belanglos und nicht gerade von herausragender literarischer Qualität? Ich war zugegebenermaßen durchaus skeptisch, bevor ich die ersten Zeilen las, obwohl - oder gerade weil? - ich Alberto Giuliani als Fotograf sehr schätze. Kann jemand, der in seinem Beruf den Fokus auf den Moment legt, eine gute Geschichte erzählen? Kann jemand, dessen Handwerkszeug von Technik geprägt ist, auch mit Worten stimmungsvolle Bilder erzeugen?

    Ja, das kann er. Und wie! Giuliani zeichnet in einfühlsamen Schilderungen ein skurriles, aber auch poetisches Panoptikum der möglichen Zukunft der Menschheit. Seine Begegnungen sind zwangsläufig subjektiv, nicht nur in der Auswahl seiner Gesprächspartner, sondern auch in der Interpretation des Erlebten. Und doch scheint etwas Großes, Allgemeingültiges zwischen diesen Buchdeckeln gefangen.

    Giuliani erzählt ehrlich, ich hatte nicht den Eindruck, dass er beschönigt, um sich selbst besser darzustellen. Und er ist ein hervorragender Beobachter, er reflektiert und interpretiert. Und wird dabei auch philosophisch, etwa wenn er spekuliert, ob es uns freier macht, das zu wollen, was wir zu tun vermögen.

    So bietet das Buch reichlich Stoff für Diskussionen. Eine besondere Stärke ist aber auch die Sprache, die einen ganz eigenen Zauber hat. So zum Beispiel, wenn Giuliani das Eden Projekt in Cornwall beschreibt, das einen künstlich angelegten Regenwald unter acht Kuppeln beherbergt: "... der Witz der Mangroven, deren Wurzeln Fangen zu spielen scheinen, die Gelassenheit der Banane, die ihre Blätter ganz langsam ausbreitet ..."

    Eine schöne Ergänzung des Textes sind zahlreiche Farbfotos aus "der Welt, die uns erwartet".

    Ein überraschendes Buch, das noch lange nachhallen wird 

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    Cover des Buches 7 Tage, 7 Teller9783965840003

    Bewertung zu "7 Tage, 7 Teller" von

    7 Tage, 7 Teller
    Aischavor 19 Tagen
    Kurzmeinung: einfach und lecker - tolle Ideen, wenn´s mal schnell gehen soll
    Moderne, gut umsetzbare Rezepte für die schnelle Küche

    Sie wollen Abwechslung auf den heimischen Esstisch bringen, haben aber weder Lust, auf der Suche nach exotischen Zutaten die halbe Stadt abzuklappern, noch möchten Sie stundenlang für ein aufwändiges Gericht am Herd stehen? Dann ist dieses Kochbuch genau das Richtige für Sie.

    64 Rezepte für Hauptspeisen gibt es zu entdecken, jedes ist in maximal 45 Minuten zubereitet. Die Gerichte sind in vier Kapitel entsprechend unserer vier Jahreszeiten gegliedert, wobei ab und zu auch nicht saisonale Zutaten auftauchen.

    Die Rezepte sind sehr abwechslungsreich, es gibt heiße und kalte Suppen, Salate, Fleisch- und Fischgerichte oder auch Vegetarisches. Kleine Haushalte dürfen sich freuen, dass auch Rezepte für zwei Personen vorgestellt werden.

    Die Aufmachung ist sehr hochwertig; besonders gefällt mir, dass das Hardcover mit Fadenbindung aufgeklappt gut liegen bleibt. Jedes Rezept mit mit einem wunderschönen Foto bebildert, die Zubereitung ist verständlich beschrieben und dürfte auch für Kochanfänger kein Problem darstellen. Angaben zu Nährstoffen, Zubereitungsdauer und Nährwert runden das Rezept ab.

    Besonders lobend erwähnen möchte ich das praktische Register. Denn dort sin zum einen alle Gerichte alphabetisch aufgelistet, zusätzlich finden sie sich aber auch noch unter Zutatenschlagwörtern. So muss man nicht das ganze Buch durchblättern, wenn man den Namen eines Gerichts vergessen hat oder man etwa auf der Suche nach einem Rezept ist, mit dem man ein bestimmtes Gemüse verwerten kann.

    Ich habe verschiedenste Gericht ausprobiert, und es ist bislang alles gut gelungen. Dieses Kochbuch bekommt einen Stammplatz im Küchenregal und wird mit Sicherheit regelmäßig benutzt werden. Es bietet tolle, schmackhafte Gerichte, die schnell und ohne viel Chichi zubereitet werden können und die durch originelle Zutatenkombinationen punkten.

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    Cover des Buches Schwert und Krone - Zeit des Verrats9783426654453

    Bewertung zu "Schwert und Krone - Zeit des Verrats" von Sabine Ebert

    Schwert und Krone - Zeit des Verrats
    Aischavor 21 Tagen
    Kurzmeinung: bleibt leider etwas hinter Band 2 zurück
    Flache Charaktere, zu viele Nebenschauplätze

    "Es bleibt meine feste Überzeugung: Mit jedem neuen Buch geht man als Autor seinen Lesern gegenüber die Verpflichtung ein, die vorangegangenen damit noch zu übertreffen." Dies betont Autorin Sabine Ebert im Nachwort zu "Zeit des Verrats". Eine ehrenwerte Absichtserklärung, doch leider konnte Ebert mit dem dritten Band der Schwert-und-Krone-Saga rund um Kaiser Barbarossa diesem selbst gestellten Anspruch nicht genügen.

    Auf über 600 Seiten reihen sich Banalitäten wie politisch arrangierte Ehen, Scheidungen, Festmahle und Missernten aneinander. Bei der Vielzahl an Adligen kann der historisch nicht fundierte Leser trotz Liste der handelnden Personen schon mal durcheinander kommen. Zumal die Charakterisierung er Protagonisten rech eindimensional daher kommt, eine Entwicklung der Personen oder auch nur sympathische Merkmale eines Schurken oder negative Eigenschaften eines Helder sind kaum zu finden. Über manche Nebenfiguren erfährt man äußerst wenig, diese spärlichen Informationen werden dafür aber penetrant oft wiederholt, ohne dass sie eine erkennbare Bedeutung in Bezug auf die weitere Handlung haben. Beispielsweise wird so gut wie jedes Mal, wenn es um die Söhne Konrads von Wettin geht, betont, dass der Sprößling Dedo übermäßig isst und entsprechend dick ist - ich frage mich nur: wieso? Eine andere Nebenfigur, der junge Übersetzer, darf eine gewisse Entwicklung durchmachen, wird zum Sympathieträger aufgebaut, nur um dann abrupt zu verschwinden und auch für den Rest des Romans nicht mehr erwähnt zu werden.

    Einzelne Handlungsstränge konnten mich fesseln, z.B. der Kampf um den dänischen Thron. Doch das tröstete mich nur wenig über die vielen, zähen Kapitel hinweg.

    An der hochwertigen Ausstattung werden vor allem Geschichtsfans ihre helle Freude haben: Eigens von Historikern entwickelte Karten sowie sage und schreibe 13 Stammtafeln, von Staufern und Welfen bis hin zu Piasten und Zähringern bieten einschlägig Interessierten gute Ein- und Überblicke.

    Fazit: Ohne Frage unterhaltsamer und spannender als ein trockenes Geschichtsbuch. Doch für einen guten Historienroman fehlt es mir an stimmiger Entwicklung der Charaktere. Der Plot ist etwas überfrachtet, eine Konzentration aufs Wesentliche hätte der Geschichte gut getan.

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    Cover des Buches Mitternachts Soirée9783751903974

    Bewertung zu "Mitternachts Soirée" von C'rysta Winter

    Mitternachts Soirée
    Aischavor 21 Tagen
    Kurzmeinung: spannender und unterhaltsamer Cosy-Krimi in der Tradition Agatha Christies, mit eigener, bezaubernder Atmosphäre
    ein Muss für Fans von Agatha Christies Poirot-Romanen, eine großartige Hommage an die Queen of Crime!

    Bereits zum zweiten Mal ermittelt Achille Perrot, Enkel des legendären belgischen Ermittlers Hercule Poirot, im idyllischen Lower Saxony (hierzulande besser bekannt als Niedersachsen).

    Wie Agatha Cristie, die Königin des klassischen Whodunit, erzählt auch Autorin C´rysta Winter ihren Kriminalfall als Cosy-Krimi. Die Morde passieren in abgeschlossener Umgebung, in diesem Fall im Haus der betagten, aber auf die Herrenwelt immer noch sehr anziehend wirkenden Madame Elsa. Diese hatte die ländliche Gesellschaft zu einer Mitternachtssoirée geladen. Der Kreis der Verdächtigen ist somit begrenzt, was das Rätseln um den Täter jedoch nicht wenig knifflig werden lässt.

    Winters Kriminalgeschichte lebt zu einem bedeutenden Teil von der großartigen Charakterisierung der beiden Protagonisten, dem bereits erwähnten Achille Perrot und seinem Ermittlerfreund John Harold Jeff, seinerseits Nachkomme des einschlägig bekannten Inspector Japp von Scotland Yard. Perrot scheint wie aus der Zeit gefallen, mit seinem stilvollen, aber doch etwas verstaubt anmutenden Äußeren samt Taschenuhr, dem großen Wert, den er auf gesellschaftliche Etikette legt und - nicht zuletzt - seiner altertümlichen Ausdrucksweise. Letztere findet sich auch in vielen Erzählpassagen , was dem Krimi eine ganz eigene, bezaubernde Atmosphäre verleiht. 

    Alle Figuren werden mit viel Liebe zum Detail beschrieben, und der feine Witz brachte mich oft zum Schmunzeln. Der Plot ist gut durchdacht, Autorin Winter zündet reichlich Nebelkerzen, und so tappt man als nur durchschnittlich kriminalistisch begabter Leser immer wieder im Dunkeln, bis zur finalen Auflösung durch Meisterspürnase Achille. Dieser präsentiert das Ergebnis, das seine grauen Zellen zutage gefördert haben, in schönster Poirot - Verzeihung: Perrot-Manier im Stuhlkreis vor den versammelten Tatverdächtigen.

    Auch wenn die ein oder andere kleine Frage offen bleibt, mir hat diese Lektüre höchst vergnügliche und außerordentlich spannende Lesestunden beschert.

    Hercule Poirot gelangte schnell zu Weltruhm; es bleibt abzuwarten, ob sein Enkel Achille ebenso zahlreiche Fans auf allen Kontinenten finden wird - zu wünschen wäre es ihm unbedingt! Ich jedenfalls gebe eine unbedingte Leseempfehlung für alle Freunde des Cosy-Krimis und warte bereits jetzt sehnsüchtig auf "Trudy", den für 2021 angekündigten dritten Fall Perrots.

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    Cover des Buches Das Geheimnis der letzten Schäferin9783453422995

    Bewertung zu "Das Geheimnis der letzten Schäferin" von Beate Maxian

    Das Geheimnis der letzten Schäferin
    Aischavor einem Monat
    Kurzmeinung: kurzweilige Unterhaltung für Zwischendurch, dennoch mit Tiefgang
    Eine Köchin auf Spurensuche zu ihren Vorfahren

    Was zunächst wie eine 08/15 Liebesgeschichte anmutet, entwickelt sich zu einem durchdacht komponierten Familienroman mit Tiefgang. Beate Maxian konnte mich auch mit dieser Geschichte wieder sehr gut unterhalten.

    Zwar ist die Lovestory in der Rahmenhandlung nicht wirklich überraschend, dies wird aber durch überaus spannende Verwicklungen in der Familiengeschichte der Protagonistin mehr als ausgeglichen. Die Geschichte streift in Rückblicken die Gräuel des Nazi-Regimes und zeigt, wie großherzig Menschen auch in schwierigsten Zeiten handeln können.

    Der Roman liest sich sehr flüssig, ist fesselnd und unterhaltsam. Besonders gefallen hat mir, dass die österreichische Autorin in witziger Weise auf einige Unterschiede der deutschen und österreichischen Sprache eingeht. Eine schöne Zugabe sind zwei Rezepte auf den Umschlaginnenseiten zu Gerichten, die auch in der Geschichte vorkommen.

    Einzig und allein die Auflösung am Ende war mit etwas zu konstruiert - so viel Zufall auf einmal war mir persönlich eine Idee zu viel.

    Dennoch: Ein gelungener Unterhaltungsroman, der Eindruck hinterlässt.

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    Cover des Buches Rote Kreuze9783257071245

    Bewertung zu "Rote Kreuze" von Sasha Filipenko

    Rote Kreuze
    Aischavor einem Monat
    Kurzmeinung: große Literatur wider das Vergessen
    Mitten ins Herz

    Oft habe ich es mit den Großen der russischen Literatur versucht: Tolstoi, Pasternak, Solschenizyn. Doch selten haben mich deren Werke wirklich gepackt. Ich fand die Lektüre mühsam, brachte die für meine westlich geprägten Ohren zu sperrig klingenden Namen durcheinander udn fand nicht den rechten Zugang zur schwermütigen, dramatischen russischen Seele.

    Dies hat Sasha Filipenko geändert. (Zwar ist er als gebürtiger Minsker eigentlich Weißrusse, da er aber seine Romane auf Russisch schreibt, zähle ich ihn zu den russischen Literaten.) "Rote Kreuze" machte es mir schon nach wenigen Seiten leicht. Die Erzählung wechselt gekonnt großes Drama mit humorvollen Szenen ab.

    Die Rahmenhandlung ist banal, so banal wie das Leben eben oft ist: Ein junger Familienvater zieht in ein großes Mietshaus und macht - eher ungewollt - Bekanntschaft mit einer alten, an Alzheimer erkrankten Nachbarin. In langen Gesprächen erzählt sie ihm ihr abenteuerliches Leben, oder besser gesagt: In mitreißenden Szenen beschreibt Filipenko dem Leser das 20. Jahrhundert aus russischer Sicht. Stalins blutiges Terrorregime verbreitet unfassbares Leid und Schrecken in der Bevölkerung, Menschen verschwinden einfach, das gegenseitige Misstrauen wächst.

    Als Rot-Kreuz-Mitarbeiterin war es für mich besonders faszinierend, einen russischen Blick auf die Arbeit des IKRK (Internationales Komitee des Roten Kreuzes) vor und zu Beginn des zweiten Weltkrieges werfen zu dürfen. Denn Filipenko zitiert oft und ausführlich Originaldokumente, deren Kopien er im Archiv des Roten Kreuzes in Genf einsehen durfte. (Der Zutritt zu den russischen Archiven blieb dem Autor verwehrt.)

    Auch sprachlich hat der Roman einiges zu bieten. Er ist stilistisch gelungen, bietet viele Perspektivwechsel und zitiert zahlreiche russische Gedichte und Lieder, deren Übersetzung Ruth Altenhofer äußerst gelungen ist.

    Fazit: Ein großartiger Roman, der in nicht einmal 300 Seiten dafür sorgt, dass Vergangenes nicht vergessen wird. Eine berührende, eindringliche Geschichte, die an menschliches Leid erinnert, länder- und generationsübergreifend.

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    Cover des Buches Einfach essen – leichter leben Ernährung bei Histaminunverträglichkeit9783708807768

    Bewertung zu "Einfach essen – leichter leben Ernährung bei Histaminunverträglichkeit" von Claudia Nichterl

    Einfach essen – leichter leben Ernährung bei Histaminunverträglichkeit
    Aischavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: informativ, übersichtlich und fundiert
    Alltagstaugliche Tipps zur Linderung der Beschwerden

    Autorin Dr. Claudia Nichterl ist Ernährungswissenschaftlerin und Ernährungsberaterin nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Sie verfügt folglich sowohl über ausreichend theoretisches Wissen als auch reichen praktischen Erfahrungsschatz im Hinblick auf die passende Ernährung bei Histaminunverträglichkeit. Und das merkt man diesem handlichen Ratgeber auch an.

    Der erste Teil des Buches - gut ein Drittel - führt detailliert und dennoch auch für medizinische Laien gut verständlich ins Thema ein. Claudia Nichterl erklärt ohne zu belehren, sie informiert und gibt praktische Tipps. Dabei ermuntert sie den Betroffenen vor allem, auszuprobieren und die Reaktion des eigenen Körpers auf verschiedene Lebensmittel zu beobachten und in einem Ernährungstagebuch festzuhalten. Aber auch die verschiedenen Untersuchungsmethoden bei Histaminintoleranz und deren Interpretation werden behandelt. Schließlich legt die Autorin noch besonderes Augenmerk auf ihr Fachgebiet, die TCM, und erläutert deren Sichtweise auf die Histaminunverträglichkeit.

    Der ausführliche Rezeptteil bietet Kochideen für ein Vier-Wochen-Programm, das einen Start in ein möglichst beschwerdearmes Leben bieten soll. Die Rezepte sind einfach, kommen meist ohne ausgefallene Zutaten aus und sind auch für Ungeübte leicht zuzubereiten. Jedoch ist die Zahl der Rezepte etwas knapp bemessen. Für die zweite und dritte Woche werden zusammengenommen nur acht Frühstücke und sieben weitere Rezepte (wahlweise für Mittag- oder Abendessen) aufgeführt. Zwar lässt sich manches durch die Wahl anderer Obst- oder Gemüsesorten variieren, aber hier hätte ich mir doch etwas mehr Rezepte gewünscht, um mehr Abwechslung auf den Speiseplan zu bringen.

    Außerdem enthalten viele Rezepte Fisch oder Fleisch, hier vermisse ich Hinweise, durch welche Zutaten Vegetarier dies ersetzen können.

    Optisch ist das Buch sehr ansprechen, es gibt viele Farbfotos (wenn auch nicht zu jedem Gericht), und die Klappen an Cover und Rückseite können als praktische Lesezeichen fungieren.

    Fazit: Ein praxistauglicher Ratgeber mit guten Tipps vom Profi.

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