Alais

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    Cover des Buches Schwestern im Tod9783426282380

    Bewertung zu "Schwestern im Tod" von Bernard Minier

    Schwestern im Tod
    Alaisvor 15 Tagen
    Kurzmeinung: Dunkel und verstörend
    Spiel mit dem Feuer

    Dieser Thriller aus der Feder des französischen Schriftstellers Bernard Minier hat einen leicht verruchten Charakter und blickt in tiefe Abgründe der menschlichen Seele. Er entstammt der Buchreihe um den Ermittler Servaz, der in diesem Band mit einem Verbrechen konfrontiert wird, das ihn an den ersten großen Fall seiner Laufbahn erinnert – einen Fall, dessen Aufklärung nun nicht mehr ganz so sicher erscheint …

    Zu Beginn eilen zwei junge Mädchen in weißen Kommunionskleidern durch einen Wald und Minier gelingt es, mit diesem Handlungsort und einer bildhaften Schilderung diesem Einstieg einen fast schon märchenhaft-verzauberten Charakter zu verleihen – natürlich inklusive der Ahnung einer finsteren Gefahr ... Ich fühlte mich sofort in den Bann gezogen, auch von dem ansprechenden Schreibstil, den ich als sehr viel künstlerischer als bei so vielen anderen Büchern dieses Genres empfand.

    Später treten die Handlungsfiguren ganz in den Vordergrund. Und sowohl auf der Zeitebene des ersten Verbrechens als auch bei dem Verbrechen in der Gegenwart scheint sich alles vor allem um eine Person zu drehen: den Schriftsteller Erik Lang. Dieser Narzisst von dunklem Charisma ist einer jener Menschen, die auf manche verführerisch, auf andere hingegen unerträglich und widerwärtig wirken, immer jedoch einen starken Eindruck hinterlassen. 

    Ähnlich erging es mir so auch mit der Erzählung, die mich stets fesselte, manchmal aber auch abstieß. Zwar badet Miniers Thriller nicht so tief im Blut wie andere Werke dieses Genres, er enthält aber einige grauenvolle Details und handelt von beunruhigenden Gefühlswelten und Abhängigkeiten. Überblättern musste ich die für mich schier unerträgliche Leidensgeschichte einer gequälten Katze.

    An einigen wenigen Stellen wird spürbar, dass dieses Buch Teil einer Reihe ist, aber es steht für sich und lässt sich ohne Kenntnisse der vorherigen Bände lesen. Mir hat dieser dunkle und verstörende Thriller sehr gut gefallen!

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    Cover des Buches Tutto Bene - Ein Lago-Maggiore-Krimi9783651000681

    Bewertung zu "Tutto Bene - Ein Lago-Maggiore-Krimi" von Andrea Di Stefano

    Tutto Bene - Ein Lago-Maggiore-Krimi
    Alaisvor einem Monat
    Kurzmeinung: Bei diesem Krimi fühlte ich mich tatsächlich wie am Lago Maggiore - angenehmer Schreibstil und eine etwas ungewöhnliche Handlung
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    Cover des Buches Der Eispalast9783833300608

    Bewertung zu "Der Eispalast" von Serena Vitale

    Der Eispalast
    Alaisvor einem Monat
    Kurzmeinung: Eine so unglaublich wie ungeheuerlich wirkende Zusammenstellung wahrer Geschichten aus dem Russland der Zaren
    Geschichte(n) zum Staunen

    Dieses Buch, in dem von Ereignissen aus dem untergegangenen Zarenreich Russlands berichtet wird, war für mich zunächst eine positive Überraschung. Lange musste es in meinem Regal ungelesener Bücher aufs Gelesenwerden warten, denn ich erwartete eher sperrige Texte, zwar lehrreich und mit altmodischem Charme, aber eben schwer zu lesen. Und all dies war auch ein wenig der Fall, dennoch zogen mich die allermeisten Erzählungen, die beunruhigenderweise auf wahren Geschichten basieren zu scheinen, aufgrund ihres zum Teil völlig grotesken und manchmal auch burlesken Charakters und der farbenfrohen Schilderungen in ihren Bann.

    Fast fühlte ich mich auch wie in einem düsteren Fantasyroman, so verrückt erschienen mir die Grausamkeiten, die sich die Menschen in manchen dieser Erzählungen für andere einfallen lassen – abgeschnittene Nasenflügel als Strafmaßnahme, ein aufgrund seiner Liebesheirat in Unehren gefallener Adliger, der sich künftig als Hofnarr verspotten und demütigen lassen muss, etc. etc. Die Autorin zeichnet ein ziemlich beunruhigendes Bild der Zarenzeit, an einigen Stellen könnte man meinen, es hätte dort statt Menschen Vampirwesen und andere merkwürdige Gestalten gegeben, für die Grenzüberschreitungen, die wir heute auf schwere psychische Störungen zurückführen würden, Normalität sind.

    Umso erschreckender, wenn man dann im hinteren Teil des Buches auf die zahlreichen Quellen stößt und sich verdeutlicht, dass diese Geschichten keineswegs auf der Fantasie der Autorin gründen … Was ich mir in dieser Hinsicht im Übrigen gewünscht hätte: zum Schluss eine kurze Erklärung, wie weit an der Wirklichkeit das Geschilderte ist, denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass dies alles gesicherte Fakten und nicht etwa zum Teil auch Legenden oder Spekulationen sind. (Wobei natürlich Geschichte auch nur eine von Menschen berichtete und dadurch von ihnen mehr oder weniger interpretierte und veränderte Erzählung ist …)

    Wer das Buch wie ich während der Coronakrise oder danach liest, wird aber auch staunen, wie sehr im Kapitel über die Pest der Umgang mit dieser Erkrankung an den Umgang mit dem Coronavirus erinnert – und auch die Pestzeit kannte offensichtlich Gestalten, die sehr an die heutigen Covidioten erinnern ...

    Leider ließ die Faszination dieser Texte für mich gegen Ende des Buches etwas nach und die Vielzahl der genannten Personen und der geschilderten Ereignisse begann aus irgendeinem Grund allmählich, mich zu ermüden. Dennoch: eine ungewöhnliche und interessante Lektüre!

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    Cover des Buches Neapel9783737407533

    Bewertung zu "Neapel" von Marc Buhl

    Neapel
    Alaisvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Neapel zum Eintauchen, Staunen und Genießen – ein außergewöhnlicher Reiseroman
    Jede Zeile ein Genuss

    Mit diesem Reiseroman beschreitet Marc Buhl für mich ungewohnte Wege. Ein Mann reist mit einem Reiseführer aus dem Jahr 1911 im Gepäck außerhalb der Touristensaison nach und durch Neapel. Was sich auf den ersten Blick als schlichter Reisebericht präsentiert, wird nach und nach mit Betrachtungen, Gedanken und Erlebnissen, welche zum Teil die Grenze der Wirklichkeit zu überschreiten scheinen, angereichert. Dieses Spiel mit Wirklichkeit und Fantasie ist sehr geschickt gestaltet, da sich immer auch eine natürliche Erklärung bietet. Ich hatte das Glück, vor ein paar Jahren einmal einen kurzen Aufenthalt in Neapel verbringen zu können, und dieses ungewöhnliche Eintauchen in die faszinierende Welt Neapels spiegelt sehr schön den Charakter dieser Stadt mit dem erstaunlichen Nebeneinander von Vergangenheit und Gegenwart, wie ich sie erlebt habe, wider und bot mir gleichzeitig eine Fülle neuer Informationen zum Staunen und Träumen. 

    Der Autor zeichnet ein Bild Neapels, das voller farbenfroher Lebendigkeit und von einer bodenständigen Schönheit ist, aber auch gleichzeitig geprägt von der Vorstellungskraft der Menschen, die auch bei der Entstehung dieser Stadt eine große Rolle gespielt hat: Parthenope, so lautete einst der Name einer kleinen Siedlung an dieser Stelle, benannt nach der griechischen Sirene, deren lebloser Körper dort an Land gespült worden sei, und später der dichterische Name Neapels, das Parthenope zur Stadtgöttin erhob. Und Parthenope ist es auch, der wir Leser in diesem Reiseroman immer wieder begegnen, ob als lebende Statue oder Exponat im archäologischen Museum.

    Dieses Eintauchen in das neapolitanische Kulturerbe und in die Mythen der Vergangenheit, vor allem aber auch die Einblicke in das Lebensumfeld einiger Bewohner des modernen Neapels bieten eine Fülle von kleinen Wissensperlen. Dabei wirkt das Buch keineswegs überladen und es wird trotz einiger aufregender Erlebnisse sehr entspannt erzählt, sodass ich mich beim Lesen wie im Urlaub fühlte. 

    Der Autor schöpft aus einem reichen Wortschatz und bildet wohlgeformte, elegante Sätze, die das bunte Kaleidoskop Neapels treffend darstellen und gleichzeitig eine wohltuende Ruhe ausstrahlen.

    Begeistert haben mich neben dem Text auch die großformatigen, künstlerischen Fotos von Christian Seeling, die Neapel in all seinen Facetten zeigen und mich an Bölls Beschreibung von Wuppertal als einer Stadt, "die sich nicht schminkt" erinnern - solche Städte mochte ich immer schon besonders gerne.

    Ein einfach wunderbares Buch, um auch in Coronazeiten wenigstens "lesend" auf Reisen gehen zu können!

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    Cover des Buches Kindertotenlied9783839813126

    Bewertung zu "Kindertotenlied" von Bernard Minier

    Kindertotenlied
    Alaisvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Hochspannend, mit charismatischen Figuren und einigen packenden Szenen
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    Cover des Buches Die Kunst des stilvollen Wanderns - Ein philosophischer Wegweiser9783959674829

    Bewertung zu "Die Kunst des stilvollen Wanderns - Ein philosophischer Wegweiser" von Stephen Graham

    Die Kunst des stilvollen Wanderns - Ein philosophischer Wegweiser
    Alaisvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: So voller Begeisterung geschrieben, dass die Lektüre dieses Buches, eine skurrile Zeitreise mit überraschend modernen Aspekten, Freude macht
    Durch Wandern zum Lebenskünstler werden

    „An Stiefel gerichtete Gedichte sind schwer zu finden; man muss wohl davon ausgehen, dass Dichter zum größten Teil nicht wandern“, S. 23

    Vor fast hundert Jahren geschrieben überrascht dieses Buch mit modernen Tönen und einer auch heute noch inspirierenden Wander- und Lebensphilosophie – was sicher auch der frischen und wohlklingenden Übersetzung von Andrea Kunstmann zu verdanken ist. Graham bietet seinen Lesern in diesem hübschen Büchlein auch keinen trockenen Ratgeber, sondern eine oft humorvoll verfasste Liebeserklärung an seine große Leidenschaft, das Wandern – eine Begeisterung, die in jeder Zeile zu spüren und definitiv ansteckend ist!

    Praktische Tipps kommen deshalb nicht zu kurz – beispielsweise zur Reisekasse, zur Garderobe, zu Wandergefährten oder auch zu mitzunehmenden Büchern. Vieles davon lässt sich auch auf Wandertouren in heutigen Zeiten anwenden. Wobei der Autor weniger an die heute üblichen kürzeren Wanderungen oder Wanderurlaube mit Übernachtung in diversen Hotels denkt, sondern eher an sehr lange Wanderungen mit spontan ausgewählten Stellen in der Natur für die Übernachtung im Freien. Und so, wie er vom Erleben von Tag und Nacht im Freien schwärmt, fange selbst ich als überängstlicher Mensch an, davon zu träumen ...

    Durch Wandern wird der Mensch zum Lebenskünstler – so lautet seine Überzeugung und gleichzeitig möchte er das Wandern vom Zwang jeglicher Nützlichkeit befreit sehen. Statt sorgfältiger Planung empfiehlt er, sich einfach treiben zu lassen und den Augenblick zu genießen, was ich sehr sympathisch finde. Ganz besonders liebt er am Wandern eben gerade die Überraschung und die Entdeckungsfreude und hat dafür sogar eine eigene Technik, den sogenannten Zickzack-Marsch (siehe Kapitel 25), entwickelt.

    Manchmal sind seine Ansichten aus heutiger Sicht schon etwas erstaunlich – so seine Ausführungen zum Schnorren, unbefugtem Betreten oder auch zum Rauchen („Das Rauchen in Gesellschaft gehört jedoch zweifellos zu den guten Umgangsformen“ (S. 141) (fürs Wandern empfiehlt er es dennoch nicht)). Und ein kleiner Aufreger war für mich seine Aussage, dass Blumen zum Pflücken da wäre … Erstaunlich ist aber auch, wie viele Regionen der Welt der Autor zu damaliger Zeit durchwandern konnte und auf jeden Fall auch in heutiger Zeit nachahmenswert sind sein Bemühen um Toleranz und seine Offenheit gegenüber anderen Traditionen und Kulturen und ganz allgemein die verständnisvolle Haltung, die er gegenüber seinen Mitmenschen einnimmt.

    Der hintere Teil umfasst viele nützliche Anmerkungen der Übersetzerin, die auch einen kleinen Einblick in die mit dieser Übersetzung sicherlich verbundene umfangreiche Recherchearbeit geben, denn Graham war offenbar sehr belesen und zitierte gerne. Diese Anmerkungen wären allerdings meiner Ansicht nach als Fußnoten statt gebündelt am Ende geschickter eingebaut gewesen. Außerdem umfasst das kleine Buch noch ein Foto und eine kurze Vorstellung von Graham, den vom Autor in seinem Kapitel über Bücher gepriesenen Raum für Notizen und ein hübsches baumgrünes Lesebändchen.

    Eine Lektüre, die mir sehr viel Freude bereitet hat!

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    Cover des Buches Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe9783785780152

    Bewertung zu "Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe" von Laini Taylor

    Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe
    Alaisvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Die Autorin verzichtet auf Schwarz-Weiß-Denken und erzählt voller Poesie und Fantasie - berückend schön!
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    Cover des Buches Agatha Raisin und der tote Friseur9783942748896

    Bewertung zu "Agatha Raisin und der tote Friseur" von M. C. Beaton

    Agatha Raisin und der tote Friseur
    Alaisvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein netter Häkelkrimi, der in tiefe Abgründe blickt. Agatha ist so herrlich unperfekt und liebenswert, dass ich ihn sehr genossen habe.
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    Cover des Buches Gerecht ist nur der Tod9783423262521

    Bewertung zu "Gerecht ist nur der Tod" von Judith Bergmann

    Gerecht ist nur der Tod
    Alaisvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ungewöhnlicher Thriller, sehr spannend, aber ich fühlte als Leserin zuviel Distanz zu den Handlungsfiguren, um ihn genießen zu können
    Auf Distanz

    „Der gerechte Tod des einen war der Tod der Gerechtigkeit für andere“, S. 176

    Trotz eines ansprechenden Schreibstils und einer eigentlich spannenden Handlung mit einem geheimnisvollen Serientäter konnte mich dieser Roman leider nicht so fesseln, wie ich es in solchen Fällen erwarten würde.

    Zur Hauptfigur Ina, einer Journalistin und Psychologin, die das Ermittlerteam beobachtend begleitet, um einen Artikel über die psychologischen Auswirkungen auf die Ermittler zu schreiben, fand ich leider überhaupt keinen Zugang. Und das ist leider ein heikler Punkt, da aus ihrer Perspektive die Geschichte erzählt wird … 

    Zum einen ist es für mich absolut unverzeihlich, dass sie einen armen Fisch, der nur noch sie hat, so vernachlässigt. Schließlich ist dieses kleine Wesen völlig von ihr abhängig – warum versucht sie nicht wenigstens, ihn bei tierlieben Menschen unterzubringen, die mit dieser Verantwortung besser umgehen können? Zum anderen betrachtet sie andere Menschen stets durch die analysierende Brille einer Psychologin. Das ist natürlich beruflich bedingt, bringt dem Leser aber wenig lesenswerte Erkenntnisse und schafft eine kühle Distanz, die ich sehr gewöhnungsbedürftig fand, zumal mir bei Ina, so absurd das angesichts ihrer Ausbildung klingt, ein tieferes Verständnis für andere Menschen zu fehlen scheint.

    Ein bisschen unheimlich war für mich, dass, wenn Ina endlich einmal Gefühle zuließ (als Therapeutin musste sie lernen, sich zu distanzieren), dies mich nicht mehr berührte. Somit hat diese Distanz der Erzählweise für mich durchaus auch interessante, wenn auch sehr beunruhigende (offenbar ansteckende) Aspekte.

    Dadurch rückten auch die anderen Figuren zunächst etwas in den Hintergrund, auch wenn dieser oberflächliche Blick ihrer Bedeutung für die Handlung nicht gerecht wird. Und das ist sehr schade, denn die Autorin hat einige interessante Charaktere geschaffen.

    Aber dieser Roman hat auch einige gute Seiten! Obwohl die Auflösung für mich vorhersehbar war, haben mich doch der genaue Verlauf und das Ende sehr überrascht … Es werden darüber hinaus einige wichtige Themen verarbeitet – so der Umgang mit Schuld und Verletzungen, die einem von anderen Menschen zugefügt werden – und das Buch enthält einige tiefsinnige Stellen, die für gewöhnlich nicht bei Thrillern zu finden sind.

    Dennoch überschatteten meine Probleme mit der Erzählerin Ina für mich leider etwas mein Leseerlebnis.

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    Cover des Buches Die unglaubliche Reise der Pflanzen9783608981926

    Bewertung zu "Die unglaubliche Reise der Pflanzen" von Stefano Mancuso

    Die unglaubliche Reise der Pflanzen
    Alaisvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein allgemein verständlicher Wissensschatz zu den Wundern der Pflanzenwelt, mit erstaunlichen Erkenntnissen und wunderschönen Bildern
    Eine Reise durch Raum und Zeit auf den Spuren der Pflanzen

    In dieses Buch habe ich mich aufgrund seiner liebevollen und hochwertigen Gestaltung sogar schon vor dem Lesen verliebt. So ist es mit einem grünen Lesebändchen und traumhaft schönen Aquarellbildern von Grisha Fisher ausgestattet, die Landkarten ähneln, nur dass auf ihnen Blätter als Kontinente fungieren … Manchmal hätte ich mir, wenn im Text von fernen Ländern, ausgefallenen Pflanzen und ausgestorbenen Tierarten die Rede war, auch hierzu Bilder zur Veranschaulichung gewünscht, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Die Illustrationen dieses Buches sind etwas ganz Besonderes, sehr künstlerisch und doch zugänglich, farbenfroh und dabei sehr zart und zum Träumen einladend, einfach zauberhaft.


    Aber auch der Inhalt begeisterte mich: Was für unterschätzte Wesen Pflanzen doch sind! Ich staunte immer wieder über die wissenschaftlichen Erkenntnisse über sie – elterliche Fürsorge, jahrtausendealte Samen, die noch keimen können ... Dieses Buch ist eine wahre Schatztruhe für solche Wissensperlen, nie langweilig oder zu akademisch, immer allgemein verständlich und ganz offensichtlich mit einer leidenschaftlichen Liebe für die Pflanzen verfasst. Und wie bei allen richtig guten Sachbuchautoren hatte ich auch hier das Gefühl, einem Universalgelehrten zu lauschen, der auf unterhaltsame Art einen großen Bogen schlägt, sowohl auf die neuere als auch auf die weit zurückliegende Geschichte unseres Planeten eingeht und größere Zusammenhänge aufzeigt. So erfährt man nebenbei Wissenswertes aus aller Welt und verschiedenen Zeiten – beispielsweise über die ausgestorbene Megafauna Amerikas oder die grausige Geschichte der Festung Masada ...


    Der Autor räumt mit etablierten Vorstellungen von invasiven Pflanzen auf und zeigt, dass beispielsweise typische Pflanzen der italienischen Küche genau auf diese Weise in Italien eingewandert sind (die Tomate aus Mittelamerika, Basilikum aus Indien), erst invasiv, dann heiß geliebt ... Es handelt sich also eine Entwicklung, die nicht per se schlecht ist und in die der Mensch sich auch nicht unbedingt einmischen muss ...


    Besonders berührt aber haben mich die Geschichten der einsamen und unglaublichen alten Bäume und der respektvolle Umgang der Japaner mit jenen Bäumen, die den Atombombenangriff auf Hiroshima überlebt haben ("Hibaku jumoku" genannt).


    Zum Schluss möchte ich auch den Übersetzer Andreas Thomsen lobend erwähnen, denn auch sprachlich ist dieses Buch ein Genuss! 


    Für mich ein Lieblingsbuch!

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    "Das Universum scheitert für gewöhnlich daran, ein Märchen zu sein. Aber da kommen wir ins Spiel ..." (aus dem Doctor-Who-Special "Aus der Zeit gefallen", Drehbuch von Steven Moffat)

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