Ambermoon

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    Cover des Buches Suleika öffnet die Augen9783746634517

    Bewertung zu "Suleika öffnet die Augen" von Gusel Jachina

    Suleika öffnet die Augen
    Ambermoonvor 25 Tagen
    Kurzmeinung: Bildgewaltig, mitreißend, atmosphärisch und ans Herz gehend.
    Urbares Sibirien

    Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch die Hölle, das Sibirien der von Stalin Ausgesiedelten. Ein anrührendes und meisterhaftes Debüt, das in 21 Sprachen übersetzt ist... (Klappentext) 

    ☭☭☭☭☭


    "Hunderte, Tausende Familien fuhren in endlosen Schlittenzügen durch die Weiten des Roten Tatariens. Vor ihnen lag ein noch viel längerer Weg. Wohin er führte, wussten weder sie noch ihre Begleiter. Klar war nur eines. Es ging sehr weit fort."
    (S. 157)


    Suleika ist eine junge Frau, welche im Russland der 30er Jahre ein karges Leben führt. Mit fünfzehn wurde sie an einen viel älteren Mann verheiratet, ist nun mit einer bösartigen Schwiegermutter "gesegnet" und schuftet sie von Früh bis Spät und trotzdem ist es nie gut genug. Ihre vier Kinder musste sie alle bereits im Säuglingsalter begraben und daran ist sie selbst schuld, wenn es nach ihrer Schwiegermutter geht. Sie leidet still und kämpft sich durch dieses Leben.
    Man könnte meinen es könne für Suleika nicht noch schlimmer werden, als der Rote Terror über sie hereinbricht. Dieser führt schließlich zur Enteignung ihres Hofes und ihr Mann wird getötet. Suleika wird mit anderen in das unwirtliche Sibirien deportiert, um dieses Gebiet für Stalin urbar zu machen.

    Dieser historische Roman erstreckt sich über zwei Jahrzehnte und erzählt von dem entbehrungsreichen Leben tatarischer Bauern, den Verbrechen Stalins an diesen Bauern und somit der Entkulakisierung und Urbarmachung der Taiga. Dies alles aus der Sicht einer Betroffenen - Suleika, welche ich von der ersten Seite an ins Herz schloß.


    "Der Schnee fährt ihr schmerzhaft ins Gesicht, dringt in Nase und Mund. Suleika hebt den Kopf und schüttelt ihn ab. Da liegt sie am Boden, sieht das Schlittenende davonfahren und das Schneegestöber ringsum dichter werden."
    (S. 25)


    Wie erwähnt umfasst die Story zwei Jahrzehnte und ist in vier große Kapitel unterteilt.
    Es beginnt mit dem Einblick in das Leben einer Bäuerin und man ist dabei, als Suleika bis zur Erschöpfung arbeitet, von ihrer Schwiegermutter tagein und tagaus drangsaliert und von ihrem Mann geschlagen wird. Trotzdem bezeichnet sie ihn als "guten Mann". Doch schon hier erkennt man wie stark sie eigentlich ist.

    Der 2. Teil behandelt die Deportation und die lange Reise, welche ein halbes Jahr dauert. Hier erhält man auch Einblick in die Sicht von Ignatow - Rotarmist der roten Arbeiter- und Bauernarmee und Mörder von Suleikas Mann. Dieser wird abkommandiert, um den Zug mit der menschlichen Fracht nach Sibirien zu begleiten und schließlich mit diesen in der Einöde zurückgelassen wird.
    Hier beginnt dann das dritte Kapitel, welches das Überleben im Nordosten Sibiriens beleuchtet. Der Überlebenskampf mit dem harten Winter und wie im Nichts der Einöde eine Siedlung entsteht.
    Im vierten Teil ist aus der Siedlung mit windigen Baracken bereits ein kleines Dorf entstanden. Das Leben ist hart und entbehrungsreich aber die Menschen haben sich damit arrangiert. Doch nun reichen die Krallen des 2. Weltkrieges auch in das abgelegene sibirische Dorf. Am Ende öffnet Suleika wie so oft ihre Augen und beginnt endlich zu sehen. 


    "Der frische Geruch der großen Wasserfläche und der herbe Duft der Taiga von Fichten, Kiefern, Lärchen und aromatischen Kräutern steigen ihm in die Nase. Es ist also wahr: Er, Iwan Ignatow, sitzt hier in Sibirien."
    (S. 256)


    Die russischen Schriftsteller haben eine ganz spezielle Art zu erzählen - ruhig, kämpferisch und dennoch immer mit dieser leisen Melancholie.
    Dostojewski, Tolstoi und Gogol, um nur drei meiner Favoriten zu erwähnen, schafften es mich für russische Literatur und somit auch für russische Geschichte zu begeistern. In diese Liste reiht sich nun auch die junge Schriftstellerin Gusel Jachina.
    Auch sie lässt das Leben russischer Bauern lebendig werden. Auch sie thematisiert ein Unrecht, was an diesen begangen wurde und auch sie hat diese ruhige, melancholisch-russische Erzählweise inne.
    Doch während die oben genannten Herrschaften oft ausufernd und langatmig erzählen, sich teilweise in Nebensächlichkeiten verlieren und es dadurch zu der ein oder anderen Länge kommt (welche ich jedoch auch durchaus genießen kann), schreibt Jachina zwar ebenso mit Liebe zum Detail, jedoch in schlichter Sprache, fesselnd und vor allem atmosphärisch.


    "Der gesägte Kalender an dem Stamm neben dem Ausgang ist eine Erfindung von Konstantin Arnoldowitsch. Mitte August begonnen, sind September, Oktober, November, Dezember, Januar und sogar Februar mit fester Hand in das Holz eingeritzt. Ab März werden die Schnitte unregelmäßig und sind kaum noch zu erkennen. Der April ist gar nicht mehr vermerkt. Das ist inzwischen auch gleichgültig, wahrscheinlich ist er bereits zu Ende."
    (S. 340)


    Begleitet von unglaublicher Sprachgewalt, Atmosphäre und viel Gefühl, taucht man in eine Welt ein, die so anders als die unsrige ist. In eine Zeit, welche bereits lange in der Vergangenheit liegt und eine historische Begebenheit aufleben lässt, die schon vergessen zu sein schien.Fiktion verwoben mit der Geschichte der Großmutter der Autorin.

    Fazit:
    Bildgewaltig, mitreißend, atmosphärisch und ans Herz gehend, sind die ersten Worte, die mir nach dem Zuklappen des Buches durch den Kopf gehen.
    Innerhalb kürzester Zeit habe ich diesen Roman verschlungen, der mir Einblick in die russische Geschichte und in eine Zeit ermöglichte, welche ich nie bewusst verfolgte.
    Ich habe mit Suleika gelitten, gefroren und gehungert und trotzdem hätte ich noch ewig darin versinken können.

    Am Ende möchte ich Euch ein Zitat der Autorin nicht vorenthalten, welche in diesem Buch die Geschichte ihrer Großmutter niedergeschrieben hat.


    ">>Wir alle wissen viel zu wenig über unsere Großmütter und Urgroßmütter, über diese >schweigende Generation<. Sie haben etwas verschwiegen und vor uns verheimlicht, haben im Gefängnis gesessen oder waren in der Verbannung, oder sie selbst haben andere ins Lager gesteckt, in die Verbannung geschickt oder erschossen ... Unsere Verbindung zu den früheren Generationen ist durchbrochen, sie ist abgerissen.<<"
    (Gusel Jachina)


    © Pink Anemone (inkl. Book-Soundtrack, Leseprobe und Autoren-Info)


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    Cover des Buches Gefesselt9783744885645

    Bewertung zu "Gefesselt" von Elenor Avelle

    Gefesselt
    Ambermoonvor einem Monat
    Kurzmeinung: Fesselnder und actiongeladener 2. Band der "Verfallenen Welt"-Reihe. Science-Dystopie vom Feinsten!
    Berlin vs. London

    Auf den Straßen herrscht Chaos. Menschen verwandeln sich in blutrünstige Bestien. Während Gill und sein Team in Berlin ums Überleben kämpfen, lehnt sich Rebecca in London, gemeinsam mit den Gefangenen, gegen Genetics auf. Ein blutiger Krieg zwischen den genetisch veränderten Invitros und den Hightech-Söldnern der Firma beginnt. Um für das Überleben ihrer Leute zu sorgen, müssen Gill und Rebecca bis an ihre Grenzen gehen - und weit darüber hinaus... (Klappentext)

    ☢☢☢☢☢


    "Die Luft flirrte, als würde die Sonne von einem klaren Sommerhimmel brennen. Es war heiß wie in der Hölle. Doch nirgendwo war ein Feuer zu sehen. In dieser Welt gab es keine Farbe. Alles war grau. Alles war leer. Das Leben hatte geendet."
    (S. 73)


    Dies ist der 2. Band der Prequel-Reihe "Die Verfallene Welt".
    Während "Infiziert - Geheime Sehnsucht" acht Jahre nach dem Ausbruch der Zombieapokalypse angesiedelt ist, ist man bei der Prequel-Reihe von Anfang an dabei und erfährt auch den Grund für den Ausbruch dieser Krankheit.

    Diese Reihe sollte man unbedingt chronologisch lesen, da man sonst keinerlei Bezug zu den Figuren hat und auch deren Handlungen und allgemeine Zusammenhänge nicht nachvollziehen kann.
    Ich versuche in dieser Rezension so wenig wie möglich zu spoilern und am Ende findet Ihr die von mir empfohlene Reihenfolge.

    "Gefesselt - Der Aufstand" schließt fast nahtlos an den 1. Band "Gefesselt - Der Anfang" an.

    Vor 20 Stunden haben sich die ersten Menschen in geifernde und hungrige Bestien verwandelt. In deren Gehirnen scheinen die Synapsen durchgeknallt zu sein, denn sie werden nur noch durch die Gier nach Menschenfleisch und die Jagd danach angetrieben. Wird man von ihnen gekratzt oder angeknabbert dauert es nicht lange und man wird selbst zu so einem sabbernden Monstrum, welches nur noch aus animalischen Überlebensinstinkt und großem Hunger besteht.
    Die Bevölkerung und die Regierung sind damit völlig überfordert, Chaos bricht aus und eine neue, jedoch gefährliche, Welt entsteht.


    "Doch die innere Kälte ließ sich nicht durch warme Kleidung bezwingen. Stunde für Stunde krochen sie durch die leeren Ruinen der einstmals belebten Stadt, immer auf der Hut vor den wild gewordenen Kreaturen, die kaum mehr etwas mit Menschen gemein hatten. FRESSER."
    (S. 23)


    Man verfolgt auch hier wieder die zwei Handlungsstränge der beiden Protagonisten Rebecca und Gill.
    Gill kämpft mit ein paar Kameraden in Berlin ums Überleben. Die Gruppe wird langsam größer und zu dem starken Kern, dem man schließlich in "Infiziert - Geheime Sehnsucht" (3. Band) begegnet. Sie versuchen sich mit dieser neuen Welt zu arrangieren, in der sie um Nahrung und Unterschlupf kämpfen müssen und sich nur mit Vorsicht bewegen dürfen.
    Rebecca befindet sich hingegen in London und führt dort einen Kampf gegen das Pharmaunternehmen "Genetics", bzw. gegen das, was davon übrig ist.
    Auf beiden Seiten toben blutige Schlachten, auf beiden Seiten wird es Opfer geben und auf beiden Seiten werden Entscheidungen getroffen, welche die Zukunft verändern.


    "Gill blickte auf die Karte hinter dem Mann. Schwarzer Marker kennzeichnete Stellungen, grün schraffierte Flächen sichere Zonen. Fast alle waren rot durchgestrichen, die Zeichnungen immer fahriger geworden. Irgendwann hatte jemand unkontrolliert und voller Frust drübergekrakelt. Aber wenn er es richtig entzifferte, gab es in dieser Stadt keine einzige andere gesicherte Stellung mehr."
    (S. 17)


    Während der 1. Band eher ruhig verläuft, kommt es hier zu einigen nervenaufreibenden Actionszenen und spannenden Begebenheiten.
    Die Story verläuft bis knapp zehn Jahre nach dem Ausbruch und daher verwebt sich diese mit der Story aus "Infiziert - Geheime Sehnsucht", betreffend des Handlungsstrangs in Berlin. Man liest die Geschehnisse jedoch diesmal aus Gills Perspektive.
    Dies fand ich genial, gleichzeitig habe ich es aber auch verteufelt.

    Diejenigen, welche den letzt genannten Band schon gelesen haben, treffen auf alte Bekannte, wird diese mit Begeisterung empfangen und willkommen heißen. So auch ich ... zu Beginn, denn während auch ich dieses Aufeinandertreffen anfangs regelrecht gefeiert habe, empfand ich es im Verlauf doch langatmig. Man liest nämlich die gleiche Handlung wie schon in "Infiziert", nur eben, wie schon erwähnt, aus Gills Perspektive. Ergo - die selben Dialoge, die selben Szenen, etc.

    Der Handlungsstrang Gill betreffend, konnte mich diesmal jedoch allgemein nicht völlig mitreißen und begeistern. Mir wird hier nämlich auch zusätzlich etwas zu viel rumgeschmalzt.
    Dies ist jedoch Geschmackssache und ich gehöre zu dieser Sorte, die mit so etwas überhaupt nichts anfangen kann und stattdessen Action und Kämpfe bevorzuge. Während andere LeserInnen dies also durchaus als abwechslungsreich empfinden und feiern, wirkt es auf mich eher störend.

    Den Handlungsstrang rund um Rebecca fand ich im Gegenzug umso gelungener.
    Hier kämpft man an der Seite der Invitros, den "Versuchskaninchen" des ehemaligen Pharmakonzerns "Genetics". Diese sind Tierwandler, wie z.B. eine Tigerlady, ein Phoenix oder ein Taure. Wer jetzt denkt dies klinge zu sehr nach Fantasy, der täuscht sich gewaltig. Eher taucht man hier in eine Science-Apokalypse ein, in der es auch mal actiongeladen zur Sache geht. Der Gegner ist nämlich niemand Geringeres als die Hightech-Söldner des restlichen Genetic-Bestandes mit einem überaus gelungenen Antagonisten als Anführer.


    "Der Boden des Geschäfts war klitschig von Blut und Gedärmen. In der Mitte des Raums hatte jemand abgenagte Knochen zu einem Haufen aufgestapelt. Ob sie von verwesten Toten, unvorsichtigen Überlebender oder gefressenen Artgenossen stammten, konnte Rebecca nicht sagen. Sie wollte es auch gar nicht wissen."
    (S. 229)


    Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt flüssig. Sie weiß Atmosphäre und vor allem spannende Szenen zu erschaffen.
    Hier gibt es, wie schon erwähnt, wieder reichlich Action, deren Darstellung mich schon in "Infiziert - Geheime Sehnsucht" begeistern konnte. Plastischer Erzählstil liegt der Autorin also ebenso und dies bezieht sich nicht nur auf die Actionszenen, sondern vor allem auch auf das Setting.
    Die überraschenden Wendungen, zumindest in Rebeccas Handlungsstrang, sind auch nicht zu verachten.

    Fazit:
    Wenn ich diesen Band nicht in einer interaktiven Leserunde gelesen hätte, hätte ich das Buch wohl in einem Rutsch weggesuchtet.
    Das Einzige, was ich zu beanstanden habe sind die schon erwähnten schnulzigen Szenen und vor allem, dass Gills Handlungsstrang für mich allgemein etwas langweilig war und keine Überraschungen bereit hielt.
    Für LeserInnen, welche aber den Band "Infiziert - Geheime Sehnsucht" nicht kennen, ist der vorliegende Band jedoch sicher auf jeder einzelnen Seite spannend und mit überraschenden Wendungen gespickt.
    Ich für meinen Teil freue mich trotzdem schon wie ein Schnitzel auf die Fortsetzung, wenn es wieder heißt: Mensch vs. Zombies & Genetics.

    © Pink Anemone (inkl. Book-Soundtrack, Leseprobe, Autoren-Info und Link zur interaktiven Leserunde)

    Reihenfolge

    Prequel Spin-Off:

    1. "Gefesselt - Der Anfang" (2018)
    2. "Gefesselt - Der Aufstand" (2019)
    •  "Infiziert - Geheime Sehnsucht" (2018)


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    Cover des Buches Schwarzer Leopard, roter Wolf9783453272224

    Bewertung zu "Schwarzer Leopard, roter Wolf" von Marlon James

    Schwarzer Leopard, roter Wolf
    Ambermoonvor einem Monat
    Kurzmeinung: High Fantasy mit afrikanischer Atmosphäre - poetisch und derb zugleich.
    Die Rettung der Königslinie

    Sucher, der Jäger mit dem besonderen Sinn, wird vor seine schwierigste Aufgabe gestellt. Er muss einen Jungen aufspüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand. Seine Fährte führt ihn durch Wälder und Städte, zu Gestaltwandlern, Ausgestoßenen und Hexen. Aber kann er den Jungen retten und die Welten wieder in Einklang bringen?... (Klappentext)

    Triggerwarnung: Sexuelle und körperliche Gewalt, Missbrauch, Zirkumzision (Beschneidung)

    ❋❋❋❋❋

    ">>Dies wird keine einfache Reise. Es sind Mächte im Spiel, Sucher. Es sind Mächte im Spiel, Leopard. Sie kommen morgens mit dem Wind oder manchmal auch in der höchsten Sonne, der Stunde des blendenden Lichts der Hexen. So wie ich wünsche, dass er gefunden wird, gibt es gewiss solche, die wollen, dass er verborgen bleibt...<<"
    (S. 181)



    Er hat keinen Namen und wird von allen nur "Der Sucher" oder "Roter Wolf" genannt. Dieser sitzt einem Inquisitor gegenüber - angeklagt für den Tod eines Jungen. Diesem Inquisitor erzählt er seine Geschichte - wie er zu dem wurde was er ist, wie es zu dem kam was passierte und weshalb es so enden musste wie es endete.
    Als LeserIn sitzt man mit dem Inquisitor am Tisch und lauscht dieser Geschichte. Eine Geschichte, die einem jungen Mann begleitet, welcher eine besondere Gabe besitzt, nämlich wie ein Wolf Gerüche aufzunehmen und diesen zu folgen, bis er den Besitzer dieses Geruchs gefunden hat. Diese Gabe führt dazu, dass er mit anderen angeheuert wird einen Jungen zu finden, welcher einst entführt wurde und nun schon seit drei Jahren vermisst wird. Ein Junge, welcher von großer Bedeutung zu sein scheint und den nicht nur er und seine Gefährten suchen. Während seine Truppe den Auftrag hat den Jungen lebend zurückzubringen, scheinen die Anderen nur seinen Tod zu wollen ... und die Zeit läuft.

    Hier betritt man eine völlig neue Welt des Fantasy, wobei das Worldbuilding selbst eher in den Hintergrund rückt, während die Atmosphäre afrikanischen Flair versprüht, jedoch dunkel und düster.
    Es ist als würde man in eine ferne Welt eintauchen, sich dabei durch das tiefste Afrika bewegen und dabei einer noch älteren Sage lauschen. Einer Sage über uralten Glauben, Riten und Legenden, in der einem Schattenteufel, Hexen, Gestaltenwandler und noch viele anderen Kreaturen begegnen. Man wandert durch Traumlande, Sümpfe und Steppen, Geisterwälder und Orte, die fast schon eine psychedelische Atmosphäre versprühen und man das Gefühl hat auf einem unheimlichen und bedrückenden Trip zu sein.

    "Ich wusste, dass ich die Nase hatte, wie Kava sagte, aber ich hatte nicht gewusst, dass ich einem Geruch folgen konnte. Selbst wenn der Leopard weit entfernt war, hatte ich ihn noch immer unmittelbar vor der Nase. Und Kava und seine Gerüche und die kleine Frau und die Rose, die sie in die Falten ihres Fleisches rieb, und den Mann und den Nektar, den er trank, und die Käfer, die er aß, zu viel Bitteres, wo er doch die Süße brauchte, und die Wasserschläuche und das Wasser darin, dass noch nach Büffel roch, und den Bach. Und mehr, mehr noch als das, und immer mehr, genug, um mich in eine Art Irrsinn zu treiben."
    (S. 70)


    Die Geschichte ist in sechs Hauptkapitel unterteilt:

    1. Teil: Wie alles begann - Hier lernt man den Protagonisten kennen und so manch andere relevante Figur, wie z.B. den Leoparden. Man erhält ebenso Einblick in das Worldbuilding.

    2. Teil: Die Suche beginnt - Der Auftrag wird angenommen, die Reisegefährten treffen auf aufeinander und die Reise zu dem Ort, an dem der Junge entführt wurde, beginnt.

    3. Teil: Kongor - Die Stadt wo alles begann und endete. Reisegefährten verschwinden und ein neuer Gefährte betritt die Bühne, Geheimnisse werden gelüftet und doch bleibt so manches weiterhin im Dunkeln.

    4. Teil: Vom Regen in die Traufe - Die Suche geht weiter, es kommt zu neuen Erkenntnissen aber auch zu neuerlichem Verrat und somit wieder zu überraschenden Wendungen. Man trifft auf alte Bekannte, während so manche Figur das Zeitliche segnet. Der Autor macht auch vor liebgewonnenen Figuren nicht Halt. Und schließlich endet die Suche.

    5. Teil: Ein Lied eines Griot (vergleichbar mit Minnesängern aus dem Mittelalter), erzählt wie eine Geschichte, welche von der Rückkehr des Suchers in ein altes Dorf handelt.

    6. Teil:
    Die Suche beginnt erneut - Fünf Jahr sind inzwischen vergangen und der Junge muss ein weiteres Mal gesucht werden. Diesmal jedoch aus einem anderen Grund und der Sucher hat sich dafür Hilfe von jemand völlig unerwarteten geholt. Dabei erhält man Einblick in die Vergangenheit und so manche Lücke wird geschlossen.


    "Nur einige hundert Schritte von uns entfernt erhoben sich aus einem Nebel, der so schwer war, dass er auf dem Boden ruhte, mit Bäumen so hoch wie Berge und langen Ästen, gespreizt wie gebrochene Finger. Sie kauerten zusammen, tauschten Geheimnisse aus. Ein Grün, so dunkel, dass es blau war.
    Die Dunkellande."
    (S. 309)


    In dieser Story ist der Protagonist umgeben von Intrigen, Geheimnissen und wilden Geschichten rund um den Jungen. Während er durch das Königreich reist wird er in blutige Kämpfe verwickelt, muss Gefahren bestehen und verliert so manchen Vertrauten. Zwischendurch wird geflucht, gevögelt und es werden viele Schädel gespalten.
    Der Protagonist selbst ist nicht unbedingt ein Sympathieträger, zumindest war er es für mich nicht. Er ist ein sturer Klugscheißer, der immer nörgelt und sich in Selbstmitleid suhlt. Gleichzeitig erkennt man daran jedoch seine innere Zerrissenheit und das er nicht nur auf der Suche nach dem Jungen, sondern auch nach sich selbst ist und nach einer Konstante in seinem Leben sucht.


    "Doch ich verbringe die meisten meiner Tage alleine und die Nächte mit Leuten, die ich am Morgen nicht sehen will. Ich gestehe, wenigstens meiner dunkelsten Seele gegenüber, dass es nichts Schlimmeres gab, als unter vielen Seelen zu sein, selbst Seelen, die man vielleicht kennt, und dennoch einsam zu sein.
    Ich habe zuvor schon darüber gesprochen. Männer und auch Frauen habe ich getroffen, die umgeben sind von dem, was sie für Liebe halten, und doch sind sie die einsamsten Menschen in allen zehn und drei Welten."
    (S. 281)



    Die Story beinhaltet jedoch nicht nur die Thematik der Selbstfindung, sondern auch Homosexualität, die Frau im Manne, das Ritual der Beschneidung und der Glaube dahinter, allgemein das Erwachsenwerden und die Entdeckung der Sexualität (vor allem im 1. Teil des Buches) und der Kampf zwischen Matriarchat und Patriarchat.

    Was mich jedoch völlig begeistern konnte war der Schreibstil des Autors, denn dieser ist für mich unvergleichbar.
    Der Stil ist nahezu poetisch und kommt gleichzeitig derb daher. Eine Sprachgewalt, deren Direktheit mich abstieß und zugleich einen Sog auf mich ausübte, welcher mich bis zum Ende hin nicht mehr losließ.
    Als hätten sich Lew Tolstoi und Irvine Welsh zusammengetan und aus einer Feder geschreiben. Atmosphärisch, bildhaft und auch detailverliebt wie Tolstoi und derb und unverblümt wie Welsh.

    Doch genau dieser Schreibstil spaltet die Leserschaft. Zu derb, zu brutal und ekelhaft, um nur einige Bezeichnungen wiederzugeben.
    Ja, es wird viel geflucht und das F-Wort benutzt. Ja, es fließt Blut und das in rauen Mengen, Ja, es wird manchmal gevögelt und vor allem Gaysex ist hier vorhanden. Doch die Szenen werden nie explizit beschrieben, manchmal sogar nur angedeutet und manchmal nahezu poetisch.
    Da finde ich so manchen "Erotik"-Roman wesentlich schlimmer und abwertender, was die Beschreibung von sexuellen Handlungen betrifft.


    "Ich durchwühlte ihre fünf Gewänder, fand ihre Koo, teilte ihre Lippen nach West und Ost und ließ meine Zunge über die kleine Seele tief in der Frau zucken, die die Ku für einen verborgenen Jungen halten, der herausgeschnitten werden muss, obgleich sie in Wahrheit jenseits von Junge und Mädchen ist."
    (S. 146)



    Alle schreien sie nach Diversity, doch sobald diese etwas derber daherkommt und nicht so weichgespült wie in so mancher Romantacy, ist die Empörung groß.
    Ja, es ist definitiv Geschmackssache und natürlich sind Geschmäcker verschieden, was auch aus den meisten Rezensionen durchaus hervorgeht. Das ist auch gut so!
    Doch gerade deshalb verstehe ich es nicht, wenn dann LeserInnen ein Buch schlecht machen, es für "abartig" halten und man sich anhören muss, dass man nicht normal ist, wenn man auf derbe Ausdrucksweise, Blut und Gemetzel in Büchern steht. Wo bleibt da die Toleranz und Liebe zur Vielfalt in der Literatur und auch untereinander, wenn man schon befürchten muss von anderen LeserInnen als "abartig und krank" betitelt zu werden, wenn man blutigen Thrillern, derben Dialogen und härteren Szenen etwas abgewinnen kann?

    Des Weiteren sollte einem klar sein, wenn man ein Buch aus einem Verlag wie Heyne Hardcore liest, dass hier kein Kuschelkurs gefahren wird.
    So manche LeserInnen hatten beim Kauf wohl nur das wunderschöne und bunte Cover vor Augen, ohne auf Verlag zu achten und/oder sich eine Leseprobe zu gönnen. Dies wird dann vor allem klar, wenn man deren bevorzugtes Genre betrachtet, welches meist im YA- oder Romantacy-Bereich angesiedelt ist.
    Ich muss jedoch auch zugeben, dass der Klappentext und die nähere Inhaltsangabe eine etwas weichere Fantasystory suggerieren und dies von manchen Lesern und Leserinnen falsch interpretiert werden kann.
    Wer also klassische Fantasy und Romantacy bevorzug, sollte die Hände von diesem Buch lassen und gönnt Euch vor Kauf unbedingt eine Leseprobe.

    Fazit:
    Mich persönlich konnte das Buch begeistern und mit sich reißen. Jedoch nicht aufgrund des Plots, sondern vor allem durch den für mich völlig neue Schreibstil, welcher eine Sprachgewalt besitzt, die mich die Luft anhalten ließ. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gelesen.
    Die Atmosphäre, welche beim Lesen allgegenwärtig ist, ist dicht gewebt und entführte mich in eine afrikanische Fantasywelt und in eine Story mit tiefgründiger Thematik die ebenso mit Action und Wendungen punkten kann.
    Das Einzige was ich zu beanstanden habe ist, dass sich der Autor manchmal von seiner Detailverliebtheit allzu sehr mitreißen lässt und auch die Kampfszenen waren für mich langatmig, obwohl diese nicht mehrere Seiten füllen, wie bei manch anderen Büchern in diesem Genre.


    Dies ist übrigens der 1. Band einer Trilogie und ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Bände. Bis dahin werde ich mir noch weitere Bücher des Autors gönnen, denn dieser hat es mit diesem Buch ganz nach oben meiner Favoriten-Liste geschafft.


    © Pink Anemone (inkl. Leseprobe und Autoren-Info)

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    Cover des Buches Tod eines Gentleman9783453439917

    Bewertung zu "Tod eines Gentleman" von Christopher Huang

    Tod eines Gentleman
    Ambermoonvor einem Monat
    Kurzmeinung: Ein Krimi. der auch Kriegstraumata thematisiert und einem am Ende gerade dadurch im Gedächnis bleibt.
    Manche Narben sind unsichtbar

    London, 1924. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs liegt über den Straßen der Metropole Aufbruchsstimmung. Wissenschaft, Frieden und Wirtschatsaufschwung scheinen wieder möglich zu sein. Doch in den finsteren Gassen Londons regiert nach wie vor das Verbrechen – und der Schrecken der immer noch traumatisierten Soldaten. Als Eric Peterkin, seines Zeichens Gentleman und Kriminallektor, an einem nebligen Morgen die heiligen Hallen des ehrwürdigen Britannia Clubs betritt, ahnt er nicht, dass er bald in einen handfesten Mord aus Fleisch und Blut verwickelt sein wird. Ein Clubmitglied wird erstochen und flüstert Peterkin ein letztes Vermächtnis ins Ohr: „Rächen Sie die Vergangenheit!“ Peterkin macht sich auf in die nebligen Gassen Londons und kommt einem Verbrechen auf die Spur, das von finsteren Opiumhöhlen zu den eleganten Zimmern hoher Politiker führt … (Klappentext) 

    ♛♛♛♛♛


    "Das Blut war weit aus Bensons Halswunde herausgespritzt, quer über den Mosaik-Sinnspruch auf dem Boden. Es war in den Fugenkitt gesickert, und die Worte 'decorum est' waren nun von Bensons Blut umrahmt. 'Es ist ehrenhaft!'"
    (S. 48)


    Man befindet sich in London und schreibt das Jahr 1924. Der Erste Weltkrieg liegt noch nicht allzu lange zurück, doch langsam ist wieder die Hoffnung auf eine schöne Zukunft spürbar und der Alltag findet Einzug.
    Auch im ehrwürdigen Gentlemen's Club namens "Britannia", dessen Mitglieder nur aus Männern der Upper Class Londons besteht, welche für das Britische Reich auf dem Schlachtfeld gekämpft haben. Dazu zählt auch der 26-jährige Eric Peterkin, dessen Vorfahre sogar Gründungsmitglied dieses Clubs war.
    Doch dieser ruhige Cluballtag wird empfindlich gestört, als ein Mord in den ehrwürdigen Hallen geschieht. Ein neues Clubmitglied wird im Tresorraum ermordet aufgefunden. Alles begann mit einer Wette und endete für den armen Tropf mit dem Tod ... und Peterkin ist mitten drin, statt nur dabei, denn er zählt zu den Verdächtigen. Doch davon lässt sich der Hobbyermittler nicht aufhalten und stellt selbst Nachforschungen an. Dabei stößt er auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit, welches den Club bis in seinen Grundfesten erschüttert.

    Verdächtige gibt es von Anfang an zur Genüge. Ist es Wolf, der gegen den Ermordeten große Abneigung hegte und gegen dessen Club-Aufnahme stimmte? Ist es einer der fünf Clubpräsidenten, der das Opfer aus unerfindlichen Gründen unbedingt aufnehmen wollte? Ist es gar der leitende Inspector, welcher sich äußerst verdächtig bei den Ermittlungen verhält? Oder ist der Täter etwa ein völlig anderer, der die Bühne erst später betritt?


    "Mayfair war ein wohlhabendes Viertel, und als Eric am frühen Abend eingetroffen war, hatten die imposanten Backsteinfassaden um ihn herum aufgeragt wie die Wände einer Schlucht. Jetzt war nichts mehr davon zu sehen. Die Häuser waren kaum erkennbar, dunkle Konturen jenseits der Nebelschleier, und in der Luft hing der penetrante Geruch nach Schwefel. 'Erbsensuppen-Nebel', sagten die Londoner zu diesem beklemmenden Phänomen, bei dem man kaum noch die Hand vor Augen sah."
    (S. 197)


    Die Story braucht etwas bis sie in Fahrt kommt und ich tat mir anfangs schwer in die Geschichte hineinzufinden und am Ball zu bleiben.
    Dies lag für mich an der langatmigen Beschreibung von Nebensächlichkeiten und dem Herumspringen zwischen diesen. Doch nach den ersten 100 Seiten steigert sich das Tempo und die Nebensächlichkeiten, welche mir Anfangs um die Ohren geschmissen wurden, sind plötzlich alles andere als nebensächlich.
    Wie schon erwähnt gibt es einige Verdächtige. Anfangs scheint sich jeder auf irgendeine Weise verdächtig zu verhalten und jeder scheint bei dem Mord seine Finger im Spiel zu haben.
    Gemeinsam mit dem Protagonisten beobachet man, stellt Fragen und geht Hinweisen nach. Man deckt so einige Geheimnisse auf, welche die Vergangenheit betreffen und alle scheinen mit dem Mord in der Gegenwart zu tun zu haben. Dabei steigt das Tempo stetig an und es ist spannend den Entwicklungen zu folgen, denn kaum kann man einen Verdächtigen von der Liste streichen, kommt ein neuer hinzu, um am Ende mit einer überaschenden Wendung aufzuwarten.


    "Die Sonne ging nun, da der November vor der Tür stand, merklich früher unter, und in London herrschte die neblige Jahreszeit. Gelblich-graue Schlieren schlängelten sich aus den feuchten Abflussgittern empor, kletterten die eisernen Laternenpfähle hinauf und ließen steif gestärkte Kragen erschlaffen. Im Inneren des Salons vertieften sich die Schatten in den Ecken, und der Lampenschein verwandelte die Sesselgrüppchen in Inseln der Diskretion."
    (S. 20)


    Der Schreibstil ist flüssig und klar, die Erzählweise mitreißend (zumindest nach den ersten hundert Seiten) und die Story enthält auch äußerst atmosphärische Settingbeschreibungen, welche einen in die damalige Zeit eintauchen lassen.
    Der Autor weiß durchaus Spannung zu erzeugen, auch wenn diese eher ruhig daherkommt, die LeserInnen hinters Licht zu führen und zu überraschen. Kaum zu glauben, dass dies ein Debüt ist.

    Doch der Roman kann nicht nur mit der ruhigen Spannung punkten, sondern auch durch den Protagonisten.
    Peterkin ist ein Mann von ruhigem Gemüt, durch und durch Gentleman, gesegnet mit einer Beobachtungsgabe à la Sherlock Holmes, Kriminallektor und seine Mutter ist Chinesin. Letzteres führt dazu, dass er mit vielen Vorurteilen und Klischees zu kämpfen hat, denn Asiaten hatten zu dieser Zeit keinen guten Stand in der Londoner Gesellschaft. Auf diese Art wird das Problem des Rassenklischees thematisiert, mit dem der Protagonist zu kämpfen hat, doch es wir noch ein anderes Thema behandelt, welches in historischen Romanen/Krimis oftmals vernachlässigt wird und doch so wichtig ist. Nämlich das Thema Kriegstrauma, damals "Granatenschock" genannt und heute als posttraumatische Belastungsstörung bekannt.


    "Leiche.
    Dieses Wort gehörte nach draußen auf die Schlachtfelder von Flandern, nicht ins Innere des von dicken, beruhigenden Mauern umgebenen Britannia Clubs.
    Eine Leiche war etwas, das vor dem Schützengraben lag und verweste, halb im Matsch versunkenzu zu nah, um es zu ignorieren, und zu weit entfernt, um es zu bergen.
    Eine Leiche war ein schlaffer, im Chlorgas etrunkener Körper, der nicht mehr mit dem Kameraden zu tun hatte, der er noch fünf Minuten zuvor gewesen war. Eine Leiche war nichts, was man in den auf Hochglanz polierten heiligen Hallen des Britannia Clubs fand."
    (S. 54)


    Mit dem Protagonisten erlebt man Kriegs-Flashbacks, welchen einen plötzlich in den Schützengraben von Flandern katapultieren - ausgelöst durch eine falsche Berührung oder eine Autofehlzündung. Man kämpft sich mit Peterkin zurück in die Gegenwart, versucht es abzutun, um anschließend darüber zu schweigen.
    Diese Art von Trauma war damals schon ein Tabuthema und ist es auch noch heute und hat daher nichts an Aktualität verloren. Zudem macht gerade die Einflechtung dieses Themas die Story und die Figuren authentisch.


    "Was sie gerade erzählt hatte, ähnelte auf unangenehme Weise seinen eigenen Bildern im Kopf, die in Stresssituationen ungewollt in ihm aufstiegen. Aber eine Neurose war es deshalb noch lange nicht, redete er sich erneut ein, wenn auch mit weniger Überzeugung als zuvor."
    (S. 273)


    Fazit:
    Anfangs hatte ich mit diesem Roman wirklich meine Probleme, doch das Durchhalten hat sich für mich gelohnt, denn danach konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
    Ich ermittelte und rätselte mit, hatte die ein oder andere Figur im Fokus, um dann doch alles wieder über Bord zu schmeißen und von vorne zu beginnen. Die Themen, welche in die Story eingebettet sind, vor allem das Thema der posttraumatischen Belastungsstörung, konnten mich begeistern und haben mich gleichzeitig zum Nachdenken gebracht. Dieser Kriminalroman enthält somit auch Tiefgang.
    Das Ende, bzw. die Auflösung, war für mich durchaus nachvollziehbar und es blieben keinerlei Fragen offen.
    Der Schluß lässt zudem auf eine Fortsetzung hoffen und wenn dieser Fall eintreten sollte, bin ich wohl eine, die sich darauf stürzen wird.

    © Pink Anemone (inkl. Leseprobe und Autoren-Info)


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    Cover des Buches Reiter der schwarzen Sonne9783961880805

    Bewertung zu "Reiter der schwarzen Sonne" von Swen Harder

    Reiter der schwarzen Sonne
    Ambermoonvor einem Monat
    Kurzmeinung: Nach Jahren immer noch mein absoluter Favorit unter den Spielbüchern. Achtung - hohe Suchtgefahr!
    Es wird gekämpft, es wird geflogen, es wird gestorben und wieder auferstanden

    Du bist ein Ugarith, ein Meister der Nacht, der ohne Erinnerung an Herkunft und Vergangenheit nach der Ausübung einer verhängnisvollen Bluttat erwacht. Geächtet und verfolgt musst du dir fortan den Weg in die Freiheit erkämpfen, deine übermenschlichen Kräfte ergründen, um schließlich deine heilige Pflicht - die Begradigung des Weltenflusses - zu erfüllen ... Ob das Schicksal des Ugarith zu einem glücklichen, neutralen oder düsteren Ende gelangt, hängt jedoch einzig von deinen Entscheidungen ab - denn dies ist kein gewöhnlicher Roman, sondern ein Fantasy-Spielbuch! Reiter der schwarzen Sonne ist mit mehr als 1.350 Sektionen das größte jemals veröffentlichte Spielbuch und setzt durch seinen innovativen Umgang mit Sektionsverweisen und hohen Wiederspielwert neue Maßstäbe für das Genre. Besonders charakteristisch sind das Finden versteckter Bonussektionen, Endgegnerkämpfe im eigenen, ausführlichen Kampfkapitel und das Lösen komplexer Rätsel... (Klappentext)


    ♖♖♖♖♖




    "Deine Abstammung ist zugleich dein Schicksal. Eine göttliche Bürde, die du niemals leugnen darfst!"
    (S. 701)




    Mit der Erstausgabe von "Reiter der Schwarzen Sonne" betrat ich bereits vor 5 Jahren das erste Mal die Welt der Spielbücher. Bis dahin war ich ausschließlich PC- und Konsolen-Zockerin, doch mit diesem Buch hat sich dies geändert.


    Zu meiner damaligen Rezension gelangt Ihr HIER.


    Mittlerweile besitze ich, Dank des Autors Swen Harder, die Special Edition und somit die 8. Auflage dieses Spielbuchs. Inzwischen habe ich zahlreiche andere Spielbücher gedaddelt und bin inzwischen begeisterte Spielbuch-Gamerin. 


    Meine Begeisterung für dieses Spielbuch hat sich in diesen 5 Jahren nicht geändert, denn ich finde, dass dieses Buch immer noch eines der fantastischsten und komplexesten Spielbücher ist, die ich bisher gespielt habe.




    "DAS ORAKEL VON KABETH! Licht und Dunkelheit, Leben und Tod - die gegenteiligen Facetten der Schöpfung. Sie scheinen unvereinbar, doch ohne das eine wäre das andere nichts..."
    (S. 65)


    Diese Mischung aus klassischer Fantasy und Sword & Sorcery besticht noch immer durch geniales Worldlbuilding, spannende Story und noch spannenderem Spieleerlebnis, welches einen in Kämpfe mit unklarem Ausgang verwickelt, Abenteuer erleben und auch hin und wieder über die Klinge springen lässt. Auch die Rätsel sind nicht ganz ohne und lassen das Gehirn rauchen. Hier kommt es also nicht nur auf die richtige Kampftechnik an, sondern auch auf Köpfchen. 




    "Es ist nunmehr Mitternacht und ein erhabener Anblick breitet sich vor dir aus: Abertausende Sterne umrahmen den Mond am kristallklaren Himmel. Fast hättest du die bittere Kälte, die sich als eisiger Frost über das Land legt, nicht bemerkt."
    (S. 319)




    Was mich jedoch immer noch vollends begeistern kann ist die Drachengefährtin, welche einem zur Seite steht. Mit ihr fliegt man über den Himmel und stürzt sich auch in den hohen Lüften ins Kampfgetümmel.


    Das Kampfsystem, ob auf dem Boden gegen Bestien, Ungeheuer und humanoide Gegnern, oder hoch in den Lüften auf dem Rücken unserer Drachendame, ist immer noch das Einzigartigste unter den Spielbüchern und ließ mich nicht nur einmal den Atem anhalten. 




    "Der Koloss besteht jedoch nicht aus Fleisch, Haut und Haaren, vielmehr aus Granit, Basalt und Obsidian. In seinen Adern, die sich auf seinen steinharten Muskeln abzeichnen, pulsiert kein Blut - sondern Quecksilber! Wer auch immer dieses Ungeheuer erschuf, er verstand sein diabolisches Handwerk."
    (S. 304)




    Die Illustrationen von Fufu Frauenwahl sind grandios, unterstützen das eigene Kopfkino und geben dem Spielbuch den letzten Schliff. Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar, welcher einem Orte, Figuren und Begriffe dieser Welt erklärt, falls man sich noch ein näheres Bild machen möchte.


    Die Specialedition der 8. Auflage beinhaltet nicht nur eine qualitativ hochwertige HC-Ausgabe mit zwei Lesebändchen, sondern auch Würfel, ein Medaillon, eine Karte in Klein-Posterformat, eine Blueray-Disc mit Soundtrack, welcher einen stimmungsvoll in die Story eintauchen lässt und ein Heftchen, das einem in so manches Geheimnis und Rätsel blicken lässt.
    Der hohe Wiederspielwert ist also weiterhin unumstritten. 


    Mittlerweile gibt es sogar schon die 9. Auflage. In dieser wurden der Schwierigkeitsgrad und die Rätsel etwas entschärft.
    Wenn man das Zeitliche segnet, muss man z.B. nicht wieder an den Anfang, sondern es wird eine Sektion genannt, bei der man unkompliziert wieder einsteigen kann.
    Mich persönlich störten jedoch weder die Schwierigkeit der Rätsel, noch das ich des Öfteren wieder zum Anfang musste. Somit konnte ich nämlich neue Entscheidungen treffen und lernte neue Wege und einen neuen Storyverlauf kennen. 


    Um nicht im Buch herumkritzeln zu müssen, gibt es das Abenteuer-, Kampf-Blatt etc. zum Downloaden, was ich immer besonders schätze.


    Fazit:
    Mein Fazit und somit auch meine Begeisterung haben sich in den fünf Jahren absolut nicht geändert. Im Gegenteil!
    Da ich inzwischen Vergleiche zu anderen Spielbüchern ziehen kann, bin ich noch begeisterter und kann behaupten, dass dies eines der besten Spielbücher ist, welches ich je gelesen und gedaddelt habe.
    Ich hoffe ja, dass der Autor Swen Harder ein weiteres Fantasy-Spielbuch veröffentlicht und nicht "nur" an "Reiter der schwarzen Sonne" feilt. Bis dahin habe ich jedoch noch "Metal Heroes" von ihm im Regal stehen. Auch ein Spielbuch fern von 08/15 und welches in eine komplett andere Richtung als der Reiter geht.


    © Pink Anemone (mit Buchtrailer, Autoren- & Illustratoren-Info, vielen Bildern aus dem Buch und Link zum Metal-Soundtrack, der mich während des Lesens begleitete)


     



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    Cover des Buches Im Bann der Fledermausinsel9783442488872

    Bewertung zu "Im Bann der Fledermausinsel" von Oscar de Muriel

    Im Bann der Fledermausinsel
    Ambermoonvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Nicht der beste Teil dieser Reihe, doch das Ende ist einfach nur Wow!!
    Die Fledermäuse sind los

    Die Highlands 1889. Als der junge Erbe der betuchten Familie Koloman eine Todesdrohung erhält, reisen Inspector Frey und sein Kollege McGray unverzüglich zum nebelverhangenen nördlichen Zipfel des Landes. Dort, am abgelegenen Loch Maree, kommen sie im unheimlichen Herrenhaus der Kolomans unter. Die nahegelegene Insel ist von Fledermäusen befallen, und jeder der Bewohner scheint etwas zu verbergen. Als kurz darauf ein grausamer Mord im Wald geschieht, ist den Ermittlern klar: Um die Geheimnisse des mysteriösen Loch Maree zu wahren, geht jemand über Leichen … (Klappentext) 

    ♞♞♞♞♞


    "Ich betrachtete das Herrenhaus. Dabei rief ich mir vor Augen, wie prachtvoll und herrlich ich es empfunden hatte, als ich es zum ersten Mal erblickt hatte. Das war erst drei Tage her, fühlte sich jedoch bereits so an, als wäre es in einem anderen Zeitalter gewesen. Wie hätte ich ahnen können, dass ein so luxuriöser Wohnsitz derart schreckliche Geheimnisse bergen würde? Und wir sollten bald noch viele andere entdecken."
    (S. 413)


    Dies ist der 4. Band der Frey & McGray-Reihe. Man muss diese Reihe nicht zwingend chronologisch lesen, denn der Autor geht im Storyverlauf auf vergangene Geschehnisse ein und dies keineswegs ausufernd, sodass es auch für Frey & McGray-Kenner keineswegs langweilig wird. Zudem ist jeder Fall in sich abgeschlossen.
    Um jedoch in den vollen Lesegenuss dieser Reihe zu gelangen, empfehle ich die gesamte Reihe zu lesen, um eventuelle Wissenslücken bezüglich der beiden Ermittler zu füllen. Es lohnt sich definitiv!

    Nun aber zu meiner Rezension zum 4. Band meiner Lieblingsbuchreihe...


    "Sie reichte mir ein zerknülltes Stück Packpapier. Ich entfaltete es und erblickte ein Gekritzel in dicker schwarzer Tinte. Die Worte waren verschmiert, als wären sie hastig geschrieben worden:
    HALTEN SIE IHREN BASTARD FERN
    SONST BRINGE ICH IHN UM."
    (S. 45)


    Diejenige, welche bei Inspector Frey mit dieser Nachricht ins Büro stürmt, ist eine junge Frau namens Miss Fletcher. Sie wurde von einem der hochangesehenen Koloman-Brüder als 16-jährige geschwängert und musste das Baby nach der Geburt in die Obhut eines Pfarrers geben, um den Ruf der Koloman-Familie nicht zu beschmutzen. Die Vereinbarung lautete, die Kolomans würden so lange für das Baby aufkommen, solange sie für sie arbeitet und den Mund hält.
    Dies war vor sechzehn Jahren und man möchte meinen das wäre in Vergessenheit geraten. Doch vor drei Monaten starb der leibliche Vater des Kindes und dies führt wohl dazu, dass hier jemand äußerst nervös wird.
    Miss Fletcher möchte ihren Jungen in Sicherheit wissen und beauftragt die beiden Inspectors mit dieser Aufgabe. Frey, der gesittete Londoner Gentleman und McGray, der unbehobelte Schotte. Miss Fletcher würde dafür McGray zu einer Heilquelle führen, welche seine Schwester von ihrer Erkrankung erlösen kann. Während Frey diese Heilquelle für Humbug hält, gibt es für McGray keinen Zweifel, ist er doch dem Okkulten sehr zugetan. Nicht umsonst heisst ihre Abteilung "Kommission zur Aufklärung ungelöster Fälle mit mutmaßlichem Bezug zu Sonderbaren und Geisterhaftem". Und so machen sich die beiden auf die Reise in die nördlichsten Highlands Schottlands, zum Loch Maree.

    Es dauert nicht lange und es passiert der erste Mord und wo der erste ist, ist der zweite nicht fern.
    Die Ermittlungen gestalten sich äußerst schwierig, denn dort oben im Loch Maree scheint jeder Leichen im Keller zu haben.
    Mit dabei ist diesmal auch der Onkel von Inspector Fry, Onkel Maurice, für den das alles ein furchtbar aufregendes Abenteuer zu sein scheint. 



    "Die Leiche rutschte knapp einen Meter tiefer, bevor Nine-Nails das Seil wieder zu fassen bekam, und als ihr Fall abrupt gestoppt wurde, spritzte Blut in alle Richtungen. Mit stoischer Resignation wischte ich mir die Tropfen aus dem Gesicht. Doch Onkel Maurice, der gegen diese Art von Herausforderung nicht abgehärtet war, kreischte wie ein Kind.
    Nine-Nails lachte. >>Och, der ist ja noch schlimmer als Sie Frey! Ist er die Königin in Ihrem Bienenstock?<<"
    (S. 192)


    Bei dem ungleichen Ermittlerpaar, welches ich auch gerne als Bud Spencer und Terence Hill der Victorianischen Krimis bezeichne, geht es wieder hoch her.
    Natürlich hat wieder jeder seine eigenen Beweggründe diesen Fall lösen zu wollen, doch wie immer führen beide zusammen zum erwünschten Erfolg - der Lösung des Falls.
    Doch bis dies geschieht erwarten einem als Leser viele überraschende Wendungen, sodass man nie sicher sein kann, was einem auf der nächsten Seite erwartet. Das Ende hält eine tolle Auflösung parat, die diesmal den medizinischen und wissenschaftlichen Sektor betrifft und einem so den Wissensstand der damaligen Zeit diesbezüglich näher bringt.
    Allzu sehr möchte ich nicht darauf eingehen, da ich sonst spoilern würde. Es sei nur so viel gesagt - Diejenigen, welche sich für Medizin und Chemie interessieren, werden am Ende begeistert sein. Diesbezüglich sollte man sich auch unbedingt die "Anmerkungen des Autors" am Ende gönnen.

    Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und klar. Der Erzählstil wie immer packend, voller überraschender Wendungen und enthält auch die ein oder andere wunderbare Settingbeschreibungen, welche die Natur Schottlands betreffen. Dabei liest man aus der Sicht von Frey und man hat das Gefühl seinem persönlichen Fallbericht zu lauschen.

    An dieser Reihe liebe ich vor allem die beiden Protagonisten, welche sich immer einen äusserst amüsanten verbalen Schlagabtausch liefern. Diesmal muss sich der Schotte McGray jedoch nicht nur mit der Londoner "Prinzessin" Inspector Frey herumschlagen, sonder auch noch mit dessen Onkel Maurice. Dieser reagiert völlig anders auf McGrays derbe Sprüche als sein Enkel und somit hat diesmal McGray nicht immer das letzte Wort. Ich habe also wieder viel geschmunzelt und gelacht.


    ">>Ich kann mich vage daran erinnern, vor Jahren einmal gelesen zu haben, dass blutsaugende Fledermäuse ausschließlich in tropischen Breiten vorkommen. Mexiko und Südamerika.<<
    >>Wie kann Ihr Kopf nur so voller nutzloser Scheiße sein?<<
    >>Sagt der Mann, der die Namen sämtlicher Kobolde auswendig aufzählen kann, die im Wicca-Kult heilig sind!<<
    (S. 310)


    Leider kamen diesmal jedoch die amüsanten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ermittlern viel zu kurz. Die beiden wirkten manchmal nahezu handzahm. Da bin ich aus den anderen Bänden dieser Reihe Besseres gewohnt.

    Auch hält sich diesmal die Spannung in Grenzen. Es war natürlich stellenweise äußerst mitreißend, dramatisch und faszinierend. Doch in diesem Band betraf dies nur kurze Strecken und hier gibt es auch die ein oder andere Länge, welche mich manchmal seufzen ließ. Dies ist jedoch Meckern auf hohem Niveau.


    "Kein Wunder, dass ich das Gefühl hatte, etwas schnüre mir die Brust ein. Unter diesem Dach befanden sich, Meilen und abermals Meilen entfernt in der schottischen Wildnis, ein Sterbender, eine verwesende Leiche, drei Mordverdächtige, eine Handvoll verstörter Frauen und Männer sowie zwei argwöhnische CID-Inspectors, die schlichtweg darauf warteten, dass endlich ihre Kollegen kommen und den Fall übernehmen würden."
    (S. 401)


    Fazit:
    Aufgrund der oben genannten Mankos ist dies für mich nicht der beste Band der Frey & McGray-Reihe. Trotzdem habe ich auch diesen weggesuchtet und das Ende und die Atmosphäre der damaligen Zeit, die mich während des Lesens begleitete, entschädigte mich für so manche Länge und spannungslose Seite.
    Die beiden Protagonisten sind einfach zwei originelle und amüsante Typen. Ich hoffe, dass die beiden im nächsten Band wieder zu ihrer alten Form finden was den verbalen Schlagabtausch betrifft.
    Die Fälle waren ja bisher immer spektakulär und fern des 08/15, daher auch eine meiner absoluten Lieblingsreihe was historische Krimis/Thriller betrifft. Ich für meinen Teil freue mich jedenfalls schon jetzt wieder auf den nächsten Band.

    © Pink Anemone (inkl. Leseprobe, Bilder und Autoren-Info)

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    Cover des Buches Alice im Düsterland - Ein Fantasy-Spielbuch9783961880126

    Bewertung zu "Alice im Düsterland - Ein Fantasy-Spielbuch" von Jonathan Green

    Alice im Düsterland - Ein Fantasy-Spielbuch
    Ambermoonvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Lewis Carroll's Wonderland mit düsteren Steampunk-Elementen und kniffligen Rätseln
    Bist Du bereit wieder hinab in den Kaninchenbau zu steigen?

    Es sind viele Jahre vergangen, seit Alice das Wunderland besucht hat. Wieder treiben dort finstere Mächte ihr Unwesen und erneut rufen die Bewohner Alice um Hilfe. Doch an dem magischen Ort hat sich vieles verändert …
    In diesem interaktiven Roman schlüpfst du in die Rolle der berühmten Hauptfigur aus Alice im Wunderland. Begib dich auf eine magische Reise und triff alte Gefährten, wie den verrückten Hutmacher und die Grinsekatze. Aber hüte dich vor der Herzkönigin und ihrem Jabberwocky!
    Welchen Weg du auch wählst,
    von welchem Fläschchen du auch trinkst,
    durch welche Tür du auch gehst: sei wachsam!
    Nicht jede deiner früheren Entscheidungen wäre dieses Mal klug …
    (Klappentext)

     

                                                     ♕♕♕♕♕


    ">>Die verrückte Herrscherin muss abgesetzt werden oder der Wahnsinn wird das Reich verschlingen und nichts außer einer Wildnis aus fleischgewordenen Ängsten und lähmenden Sorgen zurücklassen.<<
    Alice spürt, wie die kalte Hand der Angst ihr Herz packt.
    >>Aber wie soll ich das Wunderland retten?<<"
    (S. 283)


    Jeder kennt den Klassiker "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll, ob durch das Lesen des Klassikers selbst oder durch unzählige Adaptionen.
    Schon als Kind liebte ich die Geschichte und wäre nur zu gern mit Alice in den Kaninchenbau geschlüpft, um mit dem Verrückten Hutmacher Tee zu trinken oder der bösen Herzkönigin eines auszuwischen. Mit diesem interaktiven Spielbuch ist das nun endlich möglich.

    Hier schlüpft man in die Rolle von Alice und versucht das einstige Wunderland zu retten. Dieses ist zum Düsterland verkommen und nichts erinnert an das funkelnde und kunterbunte Wunderland von damals.
    Dabei trifft man auf alte Bekannte, wie z.b. auf die paffende Raupe, die Grinsekatze und natürlich auf das Kaninchen und viele mehr. Doch selbst die sind nicht mehr die Selben und dies liegt nicht nur an ihrem fürchterlichen Aussehen.
    Hier treiben sich nun auch gefährliche Geschöpfe herum und die böse Herzkönigin ist böser als jemals zuvor.


    "Wo der Bauch des Kaninchens sein sollte, tickt eine riesige Uhr - eine Uhr, die groß genug ist, um das Loch vom Brustkorb bis zur Hüfte auszufüllen - und rohe, fasrige Fleischfetzen stehen zwischen den Nähfäden hervor, die die Uhr mit dem Kaninchen verbinden."
    (S. 26)


    Dieses Spielbuch kann auf zwei Arten gespielt werden, welche man mit Schwierigkeitsgraden vergleichen kann.
    Entweder man spielt nach den Regeln und würfelt oder zieht Karten aus einem normalen 52er Kartenspiel. Man kann aber auch jedem Kampf aus dem Weg gehen, um nur durch das Treffen von Entscheidungen voranzukommen.
    Ich hätte mich gern für das Spiel mit den Karten entschieden, da dies so herrlich passend gewesen wäre, doch leider besitze ich kein Kartenset, ergo wurden es die Würfel.

    Wie auch bei den meisten anderen Spielbüchern aus dem Mantikore-Verlag, kann man sich auch hier das Abenteuerblatt downloaden und ausdrucken. Wer nicht in das Buch kritzeln möchte sollte das unbedingt machen.
    Danach muss man die Attribute von Alice bestimmen und sich mit den Regeln vertraut machen. Diese sind leicht verständlich und nicht allzu kompliziert. Dann nur noch Bleistift anspitzen und dann kann es auch schon losgehen. 

    Als Alice kann man sich nicht mehr an das Wunderland und die damaligen Abenteuer erinnern und daher lernt man gemeinsam mit Alice das Wunderland erstmals kennen.
    Während man mit dem Spiel vertraut gemacht wird, fühlt man sich in die Story des Klassikers versetzt. Man fällt durch das Kaninchenloch, gelangt in die Halle der vielen Türen, trinkt und isst eventuell von den Dingen auf dem Glastischchen und wächst und/oder schrumpft.
    Anfangs scheint es, als ob sich das Wunderland nicht verändert hätte, doch das wandelt sich rasch und man erkennt, dass man sich wirklich in einem wahren Düsterland befindet. In diesem geht es nicht nur skurril, sondern auch durchaus brutal und blutig zur Sache. 


    "TICKTACK, TICKTACK machen die Uhrmechanismen, als die Metallmenschen mit boshaft funkelnden Gehäuseaugen auf Alice zustelzen.
    TICKTACK, TICKTACK.
    Der schreckliche Anblick dieser Zeitmesser-Kreaturen und ihre kupfernen Körperteile, die im Lampenlicht schimmern, erfüllt Alice mit Grauen."
    (S. 107)


    Ich gehöre zu diesen Gamern, welche keinem Kampf aus dem Weg gehen und war mir sicher, dass ich im Kampf sterben würde, doch dem war nicht so. Hier gibt es nämlich auch einige knifflige Rätsel, welche mich schließlich in den Abgrund stürzten und mich wieder an den Anfang katapultierten.
    Bei den Rätseln steckt der Teufel im Detail, ergo immer aufmerksam lesen. Doch auch das Lösen der Rätsel ist keine Garantie weiterzukommen. Einmal eine falsche Entscheidung, einmal falsch abgebogen und schon nützt einem ein gelöstes Rätsel oder ein überstandener Kampf rein gar nichts.

    Einfach so locker-flockig durchspielen ist hier also nicht und bei den Rätseln ist schummeln unmöglich.
    Für Manche mag das frustierend oder abschreckend sein, doch ich fand gerade das erfrischend und spannend, da man auf diese Art unheimlich viel entdecken kann und es ist niemals das gleiche Ergebnis.
    Das Buch hat also einen sehr hohen Wiederspielwert.

    Der Schreibstil ist flüssig und Jonathan Green schafft es die skurrile und leicht psychedelisch anmutende Atmosphäre, welche Lewis Carroll im Klassiker entstehen ließ, aufzunehmen, weiterzuspinnen und sie durch düstere Steampunk-Elemente zu ergänzen. Vor allem diese wunderliche Atmosphäre, welche einem während des Lesens und Spielens umgibt, konnte mich begeistern.
    Dies wurde durch entsprechend stimmungsvolle Illustrationen von Kev Crossley, an denen ich mich manchmal nicht satt sehen konnte, unterstützt und somit wird das Kopfkino noch zusätzlich angefeuert. 


    "Im Wunderland ganz ohne Zwang,
    Träumend und das tagelang
    In des Sommers Untergang:
    Den Fluss hinab durch Zeit und Raum -
    Auf einem goldenen Lichterflaum -
    Ist nicht das Leben nur ein Traum?"
    (S. 392)


    Fazit:
    Dieses Spielbuch besticht vor allem durch die ganz eigene düstere und skurrile Steampunk-Atmosphäre und die kniffligen Rätsel.
    Obwohl ich mehrmals das Zeitliche segnete, hatte ich großen Spaß und versank gerne in diesem Düsterland, in welchem man furchteinflößenden und irren Figuren begegnet. Hier ist nichts wie es scheint.
    An all diejenigen, welche sich gerne kniffligen Rätsel stellen und vor Herausforderungen nicht zurückschrecken: Rafft Eure Röcke und hüpft in den Kaninchenbau, denn das Wunderland braucht Euch!

    © Pink Anemone (mit vielen Bildern, Leseprobe und Autoren-Info)


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    Cover des Buches Violet9783455007473

    Bewertung zu "Violet" von Tracy Chevalier

    Violet
    Ambermoonvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Einer der stillen und atmosphärischen Romane mit Tiefgang und einer tollen Protagonistin.
    Die Kunst ist lang, das Leben kurz

    England, dreißiger Jahre. Die Abende, an denen Violet mit einer Gruppe ungewöhnlicher Frauen wunderschöne Stickereien für die Kathedrale in Winchester anfertigt, sind der Aufbruch in eine neue Welt. Sie zeigen Violet, dass sie mit ihrem Auszug aus dem mütterlichen Zuhause die richtige Entscheidung getroffen hat. Schnell lernt und schätzt sie die Kunst des Stickens und lässt sich von Arthur in die des Läutens der Kirchturmglocken einweihen. Violet gewinnt durch das starke Band der Freundschaft zwischen den Frauen und die wachsende Nähe zu Arthur an Lebensmut und überwindet die Lebenskrise infolge des Ersten Weltkriegs. Und die Kirchturmglocken könnten wahrhaftig ihr neues Leben in Winchester einläuten… (Klappentext) 

    ღღღღღ


    ">>Wissen Sie, es ist immer dasselbe Problem mit meinen Schreibkräften. Nach einer Weile gehen sie alle - entweder um zu heiraten oder weil sie sich um ihre Eltern kümmern müssen. Da frage ich mich, warum die Mädchen überhaupt erst arbeiten gehen wollen.<<
    Nur weil sie ihre Anstellung nicht aufs Spiel setzen wollte, verkniff sich Violet die Antwort >>Weil ich keine Sklavin mehr sein möchte!<<"
    (S. 271)


    Man schreibt das Jahr 1932, der 1. Weltkrieg ist zwar schon zwölf Jahre vorbei, doch sind die Nachwirkungen immer noch spürbar. Vor allem, wenn man, wie Violet, eine Frau von 38 Jahren und unverheiratet ist, hat man es nicht leicht, denn nur als verheiratete Frau hat man ausgesorgt oder man lebt weiterhin bei seinen Eltern.
    Violet hat ihren Verlobten im 1. Weltkrieg verloren und hat den Männern abgeschworen und auch bei ihrer nörgelnden und einnehmenden Mutter wollte sie nicht länger bleiben. Sie beschließt sich den verstaubten gesellschaftlichen Konventionen hinwegzusetzen, packt ihren Koffer, zieht von Southampton nach Winchester und arbeitet als Sekräterin einer Versicherungskanzlei.
    Mit ihrem kleinen Gehalt kommt sie zwar nur schwer über die Runden, doch dafür ist sie frei. Die Einsamkeit ist das Einzige was ihr zu schaffen macht. Die beiden jungen Kolleginnen in der Kanzlei sehen sie als alte Jungfer an, alle anderen Frauen sind verheiratet oder zumindest auf der Jagd nach einem Ehemann und haben daher nur dieses eine Thema im Kopf. Violet pendelt also zwischen Arbeit und ihrem kleinen Zimmer hin und her, ohne Abwechslung und erfrischender Gespräche. Tagein, tagaus.
    Bis sie eines Tages in der Kirche von Winchester in einen besonderen Gottesdienst stolpert und auf eine Gruppe von Frauen trifft, welche sich die Broderinnen nennen. Diese besticken farbenfrohe Kniekissen für die Kirche und sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Obwohl Violet keine Ahnung von Sticken hat, fühlt sie sich von dieser Gruppe angezogen und Violet wäre nicht Violet, wenn sie nicht hartnäckig versuchen würde von dieser Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Dies führt schließlich zu einer großen Wende in Violets Leben.


    "Statt Formulare für Menschen zu tippen, die sie niemals kennenlernen würde, entstanden unter ihren Fingern bunte Muster. Sie begann vom Sticken zu träumen, von den winzigen quadratischen Löchern im Stramin, von gelben Farbfeldern, roten Reisstichen und gleichmäßigen Reihen mit rosafarbenen Gobelinstichen."
    (S. 88)


    Wer hier einen Liebesroman erwartet wird wohl enttäuscht sein. Am Rande wird zwar eine kleine Liebesgeschichte erzählt, jedoch nur leise und unaufdringlich.
    Das Hauptaugenmerk liegt hier auf der Protagonistin. Man begleitet Violet auf ihrem Weg zu einer freien, selbstbewussten und unabhängigen Frau, welche auf ihre eigene Art gegen die damaligen Gesellschaftsnormen rebelliert - anfangs nur still, doch im Verlauf immer lauter.

    Man taucht hier in die frühen 30er Jahre Englands ein, in denen die Nachwirkungen des 1. Weltkriegs noch spürbar sind - Frauenüberschuß, Männer, die sich wieder ihren Platz erkämpfen und mit den teils selbstbewussten Frauen, die der Krieg hervorbrachte, nicht umgehen können. Es werden Themen behandelt wie Verlust und Trauer, das Zusammentreffen von alten und neuen Sichtweisen, der Kampf der Frauen um Selbständigkeit und Freiheit und auch Homosexualität.


    "Sie hatte schon von Frauenbeziehungen gehört und kannte die Kommentare über ungesunde Frauenfreundschaften, die man für eine Folge des Männermangels hielt, ein verzweifeltes Aufbegehren dagegen, als alte Jungfer zu gelten. Doch wenn sie Gilda und Dorothy sah, spürte sie nichts von alldem. Die beiden sahen einfach so aus, als gehörten sie zusammen."
    (S. 210)


    Dies alles eingebettet in eine Story, welche vor allem diejenigen begeistern wird, welche gerne handarbeiten und sticken, denn diese Stickgruppe von Frauen ist der rote Faden in dieser Geschichte, im wahrsten Sinne.
    Ein kleines Schmankerl ist, dass diese Gruppe und deren Schirmherrin Louisa Pesel wirklich existierten und man diese Knie- und Sitzkissen immer noch in der Kathedrale von Winchester bewundern kann. Man sollte sich also auch unbedingt die Nachbemerkung, Quellen und Danksagung der Autorin zu Gemüte führen.

    Der Schreibstil ist klar und flüssig und die Erzählweise ruhig und unaufgeregt.
    Obwohl man das Gefühl hat der Roman würde einfach nur so dahinplätschern, wird man mit einem Sog in die Geschichte hineingezogen aus der man nicht mehr auftauchen möchte. Man ist von der Atmosphäre der 30er Jahre umgeben und begleitet Violet bei ihrer Entwicklung zu einer starken und unabhängigen Frau. Die Themen, welche behandelt werden, werden zwar ohne viel Drama erzählt, sie bleiben jedoch spürbar im Kopf und hallen lange nach. Manche Autorinnen/Autoren schaffen es eben auch ohne viel Pomp und Trara einen mitzureißen.


    ">>Man hat es nicht immer leicht als alleinstehende Frau<<, erklärte Violet nach kurzem Schweigen. >>Darüber scheint sich niemand Gedanken zu machen, obwohl es viele von uns gibt. Sie wissen schon, der 'Frauenüberschuß'. Eigentlich sollte es normal sein, dass eine Frau allein durch ein Feld geht oder ohne Mann in einem Pub einen Tee trinkt.<<"
    (S. 143)


    Das einzig trügerische ist der Klappentext, denn in diesem wird suggeriert, dass auch der 2. Weltkrieg eine wichtige Rolle in der Geschichte spielt, doch dem ist nicht so. Dieser wird nur am Rande erwähnt und das war es auch schon, ergo kein großer Einfluss, weder auf die Geschichte noch auf die Protagonistin.

    Fazit:
    Es gibt hier kein Liebesgedöns und kein Drama, denn dies ist einer der stillen Romane. Doch gerade deshalb konnte mich diese Geschichte begeistern, denn still heißt nicht unbedingt leise.
    Es ist ein locker-leichter und vor allem atmosphärischer Roman, der mich in die frühen 30er Jahre versetzte, der mich die Umgebung vergessen ließ und in dem ich noch ewig hätte lesen mögen. Ein Roman über eine starke Frau, die für ihre Unabhängigkeit und Freiheit kämpft und der wichtige Themen, wie Emanzipation und Homosexualität in den 30er Jahren, behandelt und welche nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
    Selten, dass bei mir ein historischer Roman es schafft zu einem Highlight zu werden, doch dieser tat dies und dieses Buch wird eines der wenigen sein, welches ich noch zwei oder drei Mal lesen werde.

    © Pink Anemone (inkl. Book-Soundtrack, Leseprobe und zwei Rezepten zum Buch)

     


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    Cover des Buches Die Welt der 1000 Abenteuer - Der Schatz der Oger: Ein Fantasy-Spielbuch9783945493892

    Bewertung zu "Die Welt der 1000 Abenteuer - Der Schatz der Oger: Ein Fantasy-Spielbuch" von Jens Schumacher

    Die Welt der 1000 Abenteuer - Der Schatz der Oger: Ein Fantasy-Spielbuch
    Ambermoonvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein interaktives Fantasy-Spielbuch - witzig, abenteuerlich und auch lehrreich.
    Jede Entscheidung hat auch Konsequenzen - mal gut, mal schlecht

    Aufregung im Dörfchen Roog: Bolko ist verschwunden! Dein Vetter ist ausgezogen, um im finsteren Forst von Yorrok nach dem verschollenen Goldschatz der Oger zu suchen. Dabei steckt dieser Wald voller Gefahren – und möglicherweise hausen dort sogar noch letzte Überlebende der schrecklichen Menschenfresser. Das Schlimmste befürchtend, begibst du dich auf die Suche nach Bolko … Kannst du den Gefahren der Wildnis trotzen und deinen Vetter lebendig zurückbringen?
    Ein interaktives Fantasy-Abenteuer: DU entscheidest, welchen Weg du einschlägst, welche Gegner du bekämpfst. Doch Vorsicht, hinter jeder Ecke kann das Verderben lauern! Nur mit Mut, Grips und einer Portion Glück bestehst du alle Prüfungen!... (Klappentext) 

    ♙♙♙♙♙


    "Als du wenig später aufbrichst, ahnst du, dass dir eine Reise ins Ungewisse bevorsteht. Was wird dich im Forst von Yorrok erwarten? Welche Gefahren mögen dort lauern? Und, am allerwichtigsten: Wird es dir gelingen, deinen Vetter in den Tiefen des Waldes aufzuspüren - lebendig?"
    (S. 15)


    Im Herzen Monravias liegt das kleine Königreich Konduula. In diesem Reich liegen dichte und verwunschene Wälder, sternklare Flüsse und uralte Städte und Dörfer. Das kleine Dorf Roog liegt hoch oben im Norden und in diesem lebt man als fleißiger Schmiedegehilfe.
    In dem sonst so ruhigen Dörfchen herrscht nun jedoch helle Aufregung. Bolko, unser Vetter, hat sich aufgemacht, um den Goldschatz der Oger zu suchen. Wie kam er nur plötzlich auf diese hirnrissige Idee? Weiß er denn nicht wie gefährlich diese Wälder sein können?
    Man überlegt nicht lange und begibt sich auf die Suche nach Bolko.

    Dies ist kein normales Buch, sondern ein interaktives Fantasy-Spielbuch. Man liest hier nicht Seite für Seite, was doch viel zu einfach und langweilig wäre. Man springt von Abschnitt zu Abschnitt, je nachdem wie man sich entscheidet, wie die Runen fallen oder wohin man geführt wird. Man entscheidet welchen Weg man einschlägt, wie man auf gewisse Hindernisse reagiert und somit wie diese Geschichte verläuft und vor allem wie sie endet.
    Dabei erlebt man allerhand spannende Abenteuer und begegnet so manchen Tieren und Kreaturen, welche einem nicht immer freundlich gesinnt sind.

    Die Regeln sind einfach und auch für Kinder leicht verständlich erklärt. Man benötigt hier keine Würfel, sondern einfach nur einen weichen Bleistift und guten Radiergummi.
    Leider kann man das Abenteuerblatt nicht downloaden und ausdrucken. Man muss daher in das Buch kritzeln oder das Abenteuerblatt aus dem Buch kopieren. Danach wählt man einfach aus fünf Talenten eines aus und dann kann das Abenteuer auch schon beginnen.


    "Nur einen Augenblick später erscheint eine riesige Gestalt auf dem Pfad. Sie ist mindestens drei Meter groß, von grobschlächtigem Körperbau und erinnert mit ihren weit herabhängenden, muskulösen Armen an einen Höhlenmenschen. Das Ungetüm trägt eine mächtige, mit Steinsplitter gespickte Keule über der Schulter, und sein pfannkuchenartiges Gesicht mit dem einfältigen Grinsen voller spitz zugefeilter Zähne lässt keinen Zweifel,w omit du es zu tun hast. Dieses Geschöpf ist ein leibhaftiger Oger!"
    (S. 47)


    Es wird also der Rucksack gepackt und schon macht man sich daran Bolko zu finden.
    Man folgt Hinweisen und Spuren, trifft auf streitsüchtige Gnome, niedliche sprechende Waldäffchen udn auch auf andere Kreaturen, die nicht immer so niedlich sind wie sie erscheinen.
    Die Entscheidungen sollten immer wohl überlegt sein, denn ein falscher Schritt kann auch durchaus zum Tod führen (ich bin z.B. im Sumpf ertrunken, von einem Tempeldach zerquetscht worden und ich landete in einem Ogerkochtopf).
    Man sollte auch die Abschnitte aufmerksam durchlesen, denn es ist möglich, dass sich darin ein Hinweis versteckt, welcher für die Entscheidung wichtig ist. Ebenso sollte man nicht immer gleich in den Kampfmodus gehen, sondern versuchen den Gegner auszutricksen.
    Tja, und manchmal entscheidet das Schicksal, indem man die Runen sprechen lässt.
    Es ist auch möglich einen Begleiter zu finden, welcher aktiv in die Handlung eingreift, indem er einem die Entscheidung abnimmt und einem so vor Gefahren schützt.

    Es ist nicht einfach sich immer richtig zu entscheiden oder hin und wieder die Neugierde niederzuringen, um auf dem sicheren Pfad zu bleiben. Wie bereits erwähnt, bin ich mehrmals den Weg des Todes gegangen. Da es jedoch ebenso spannend war neue Entscheidungen zu treffen und somit immer wieder neue Abenteuer zu erleben, störte mich das nicht wirklich. Dadurch begegnete ich immer wieder neuen Figuren und Kreaturen, entdeckte versteckte Pfade und sah magische Phänomene.
    Es gibt hier aslo unheimlich viel zu entdecken. Dieses Spielbuch hat daher auch einen hohen Wiederspielwert.

    Der Schreibstil ist einfach und flüssig, die Erzählweise atmosphärisch, die Story selbst spannend und man hat auch hin und wieder etwas zu lachen.
    Kinder können dabei auch durchaus etwas lernen, wie z. B., dass jede Entscheidung Konsequenzen nach sich zieht, sie werden angehalten genauer zu lesen, sie lernen ebenso, dass es manchmal besser ist Konfrontationen zu meiden oder das sich Neugierde manchmal auszahlt, manchmal aber auch nicht. Zudem haben selbst Lesemuffel Spaß beim Lesen, da es interaktiv gestaltet ist


    ">>Auffressen? MICH?<<
    Er überlegt kurz, dann schauderte es ihn sichtlich.
    >>Das würde erklären, wieso die Kerle mir immer wieder prüfend in die Backen und den Allerwertesten gekniffen haben. AUFFRESSEN ... nein, also wirklich! Unmögliche Bande!<<"
    (S. 54)


    Weiters sind auch Illustrationen enthalten, welche die Geschichte hin und wieder begleiten. Diese stammen vom Illustrator Wolf Schröder.

    Fazit:
    Es erwartet einem hier eine fantastische und abenteuerliche Reise in tiefe und dichte Wälder voller Tiere und Kreaturen.
    Trotzdem ich mehrmals gestorben bin, hatte ich unheimlich viel Spaß. Falls man also mal eine etwas andere Beschäftigung für seine Kinder sucht, bei der sie auch noch animiert werden zu lesen, dann könnte dieses Spielbuch genau das Richtige sein.
    Mein Neffe liebt Spielbücher und soblad er dieses gelesen hat, werde ich auch seine Meinung dazu hier anhängen.

    © Pink Anemone (mit vielen Bildern, Leseprobe, Lese-Soundtrack und Autoren-Info)

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    Cover des Buches Spiele-Comic Noir: Captive9783957891730

    Bewertung zu "Spiele-Comic Noir: Captive" von MC & Manuro

    Spiele-Comic Noir: Captive
    Ambermoonvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein spannender "Read & Jump"-Spielbuch-Comic und somit einmal etwas anderes.
    Spannend, witzig und tödlich

    Deine halbwüchsige Tochter wurde auf offener Straße verschleppt! Die Entführer kontaktieren dich und fordern dich auf, dich in einem verlassenen Herrensitz mitten im Wald einzufinden, wo sie deine Tochter gefangen halten! Ohne zu zögern begibst du dich dorthin und musst bald erkennen, was in Wahrheit hinter der Entführung steckt und wen die Entführer wirklich wollen - dich! Aber zum Glück bist du hier der Held und kannst im Wettstreit gegen die Zeit mit den passenden Entscheidungen und auch dem nötigen Maß an Feuerkraft alles zu einem guten Ende bringen... (Klappentext) 

    ♙♙♙♙♙

    "Übergib mir dort 10.000€ in kleinen Scheinen und du bekommst sie lebend und unversehrt zurück. Wenn du auch nur ein wenig zu spät kommst, wird sie sterben. Wenn du nicht alleine kommst und irgendwelche Tricks versuchst, wird sie ebenfalls sterben" 

    Als begeisterte Gamebook-Daddlerin und Comicleserin dachte ich mir ich greife einmal zu einer Kombination aus beidem. Dies ist also meine erste Erfahrug mit einem Spiele-Comic und dementsprechend neugierig war ich auch.

    Hier schlüpft man in die Rolle eines Vaters, dessen Tochter am hellichten Tag entführt wurde. Es dauert auch nicht lange und die Entführer melden sich und stellen Forderungen - Keine Polizei, keine Hilfe von außen und 10.000€, die man in ein weit abgelegenens und verlassenes Herrenhaus bringen soll. Im Austausch dafür bekommt man die Tochter wieder zurück.
    Selbstverständlich zögert man da nicht lange und schon macht man sich mit dem Geld auf dem Weg. Ebenso selbstverständlich ist, dass sich alles einfacher und unkomplizierter anhört als es schlußendlich ist. Die Entführer wollten einem von Anfang an in eine Falle locken. Man selbst ist derjenige den sie haben wollen.
    Wieso, weshalb, warum? Genau das sind die Fragen, die man sich stellt, wärhend man die Tochter und seinen eigenen Arsch retten muss.

    Das Regelwerk ist denkbar einfach und schnell erklärt. Man hat drei Eigenschaften, deren Werte man selbst bestimmen kann. Die Vitalität fällt durch Verletzungen, falls man nicht vorher stirbt. Also alles genau so, wie bei anderen Gamebooks auch, nur wesentlich unkomplizierter. Hier spielt man aber auch auf Zeit und das macht das Ganze schon etwas interessanter. Man hat also nur eine gewisse Zeitressource, um seine Tochter zu finden und aus dieser Misere zu entkommen.
    Alle Werte und deren Veränderungen werden in den Charakterbogen eingetragen.
    Auf der Verlagsseite kann man sich den Charakterbogen downloaden und ausdrucken, um nicht in das Buch kritzeln zu müssen.

    Und dann kann es auch schon losgehen ... Also Pistole und die 10.000 Mücken einstecken, Jacke überwerfen und sich auf das Motorrad schwingen - mögen die Spiele beginnen. 

    Die Story beginnt mit der Ankunft beim Herrenhaus und ab dem Zeitpunkt geht es auch gleich ordentlich zur Sache. Schnell wird klar, dass man es selbst auch faustdick hinter den Ohren hat - Erster Schuss gleich ein Treffer, von Angst, die einem die Beine erzittern lässt, keine Spur. Doch auch im Haus selbst ist vieles anders als es scheint und es geht hier nicht mit rechten Dingen zu. Während man Lili sucht, begegnen einem nämlich nicht nur Okkultisten und Bösewichte, sondern auch so manche Kreaturen.

    "Der Verwesungsgestank in diesem Zimmer ist unerträglich, als ob du einen gefüllten Kühlschrank geöffnet hättest, der seit Wochen keinen Strom mehr hatte. Brechreizerregend ..." 

    Es ist also durchaus spannend sich durch dieses Haus zu bewegen. Rätsel gibt es hier jedoch nicht wirklich zu lösen. Es ist im Grunde ein "Read & Jump"-Spielbuch, bei dem man sich die Panels gut ansehen sollte, da möglicherweise Zahlen darin versteckt sind zu denen man springen kann, um wieder etwas zu entdecken. Man sammelt also einfach nur Informationen und Gegenstände, sofern man Platz in den Taschen hat. 

    Ich bin ja eher durch diesen Spiele-Comic hindurchgestorben, denn die Vitalität verliert man hierbei äußerst rasant, wobei der Grad der Verletzung nicht immer logisch erscheint (Biss durch ein Getier - Minus 5 Gesundheit; Von Holzsplitter verletzt - Minus 4 Gesundheit). Medikamente oder ähnliches, um die Vitalität wieder etwas aufzufüllen sind sehr rar, daher auch meine Herumsterberei.

    "Die Temperatur ist urplötzlich gefallen. Dein Herz erträgt das nicht und bleibt stehen, so als ob es erbarmungslos von einer eiskalten, tödlichen Hand gequetscht wird. Lili wird das Gesicht ihres Vaters nie wieder sehen." 

    Weiters ist es ratsam sich den Wegverlauf, sprich die Zahlen der Sektionen/Panels, zu notieren, da man hier schnell den Überblick verlieren kann welche Räume man schon durchsucht hat.

    Die Illustrationen sind im Old-School-Comic-Stil, eher düster gehalten und daher sehr passend.
    Wenn man nichts übersehen will muss man die Panels genau betrachten, genauer als man das sonst bei Comics macht. So wird das Lesen und Spielen jedoch auch gleichzeitig zu einem visuellen Genuss und erinnert mich daran, wie Comics wirklich gelesen werden sollten - mit viel Aufmerksamkeit für die Liebe zum Detail.

    Fazit:
    Obwohl ich mich durch diese Story eher hindurchgestorben habe, fand ich es doch äußerst witzig und spannend. Es war einfach mal etwas anderes und eine angenehme Abwechslung zu den anderen Spielbüchern. Ich hätte mir nur etwas mehr Rätsel gewünscht, denn eine wirkliche Herausforderung war es für mich somit nicht ... bis auf die, so wenig wie möglich zu verrecken.
    Trotzdem möchte ich mir noch weitere Comic-Spielbücher aus dieser Reihe gönnen, auch wenn es für mich dann wieder heißt: "Gestorben wird immer!" ;-)

    © Pink Anemone (inkl. vieler Bilder und Charakterbogen-Download)



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