Anka2010

  • Mitglied seit 10.09.2010
  • 46 Freunde
  • 370 Bücher
  • 199 Rezensionen
  • 309 Bewertungen (Ø 4.17)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne120
  • 4 Sterne133
  • 3 Sterne45
  • 2 Sterne10
  • 1 Stern1
  • Sortieren:
    Cover des Buches Nordsee-Nacht (ISBN: 9783442205813)

    Bewertung zu "Nordsee-Nacht" von Hannah Häffner

    Nordsee-Nacht
    Anka2010vor 11 Tagen
    Kurzmeinung: Die Autorin beweist ab Seite 1, dass sie einen tollen Blick für Situationen und an ihnen beteiligten Personen hat.
    Ein beeindruckendes Debüt – ich freue mich auf mehr!

    Es ist der wahrgewordene Albtraum aller Eltern. Ihr 6-jähriges Kind verschwindet spurlos aus einem Zeltlager und wird auch nach tagelanger intensiver Suche nicht aufgefunden. Dass solch ein grausames Ereignis jedoch nicht nur die Eltern traumatisiert, durfte ich in Hannah Häffners Debütroman „Nordsee-Nacht“ lesen.


    Die Autorin beweist ab Seite 1, dass sie einen tollen Blick für Situationen und an ihnen beteiligten Personen hat. Ganz einfühlsam versetzt sie sich in die Lage der quirligen Betreuerin, des an seine Grenzen kommenden Kommissars und eines jungen Einwohners der Kleinstadt Hulthave an der Nordsee, wo das Zeltlager stattgefunden hat. Die gelöste Stimmung im Camp und schließlich die angespannte Atmosphäre nach Friederikes Verschwinden fängt Hannah Häffner feinfühlig ein und macht sie spürbar. Insbesondere Kommissar Wedeland wurde für mich sehr schnell greifbar.


    Während der erste Teil des Buches im Jahr 1987 spielt, machen wir im zweiten Teil einen Zeitsprung in die Gegenwart. Friederikes Verschwinden konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Presse sofort auf der Matte steht, als am Strand in Hulthave eine bewusstlose Frau aufgefunden wird. Handelt es sich etwa um Friederike? Tatsächlich sind die Ähnlichkeiten frappierend und dass sich die Frau, als sie im Krankenhaus zu sich kommt, an nichts erinnern kann, nicht mal an ihren Namen, befeuert die Journalisten in ihren Schlagzeilen.


    Doch welche Auswirkungen hat das mysteriöse Auftauchen der „Nixe“, wie die junge Frau ohne Gedächtnis genannt wird, auf die Beteiligten von damals? Hannah Häffner lässt sowohl den pensionierten Kommissar als auch die gebeutete Betreuerin Sascha an den Ort des Geschehens zurückkehren und konfrontiert sie mit ihrer Vergangenheit.


    Ich bin wirklich sehr angetan von diesem starken Debüt. Nicht nur die Idee zu der Geschichte, sondern auch die Art, wie die Autorin an die Erzählung herangegangen ist, konnte mich in Windeseile fesseln. Ihr flüssiger Schreibstil trug ebenfalls dazu bei, dass die Seiten nur so flogen, auch wenn schnell klar war, dass ich hier keinen reißerischen Thriller las. Natürlich ist Friederikes Verschwinden der Aufhänger dieser Geschichte und bleibt Thema bis zum Schluss, jedoch liegt der Fokus auf den Figuren, ihren Entwicklungen und den Auswirkungen, die solch eine Ausnahmesituation auf sie hat. Trotzdem beinhaltet die Geschichte eine gut abgestimmte Portion Spannung, die mich beim Lesen immer weiter vorantrieb.


    Mir gefiel es sehr, dass mir die Geschichte chronologisch erzählt wird. Wir starten im Jahr 1987 und springen dann in die Gegenwart, anders als in Geschichten, die in der Gegenwart starten und in denen mit Rückblenden gearbeitet wird. Auch im zweiten Erzähl-Teil stehen weiter die Figuren im Fokus und nicht das Auftauchen der „Nixe“.

    Ich kann mir vorstellen, dass einige Leserinnen und Leser am Ende des Buches etwas enttäuscht sein werden, rechnet man beim Lesen der Kurzbeschreibung doch mit einer spektakulären Auflösung. Ja, schlussendlich beantwortet die Autorin alle Fragen und löst sowohl das Geheimnis um Friederikes Verschwinden als auch das Geheimnis um das plötzliche Auftauchen der mysteriösen Frau am Strand. Was die beiden Fälle miteinander zu tun haben, solltet ihr natürlich selbst herausfinden.


    Ich bin sehr zufrieden und werde definitiv den weiteren Schreib-Werdegang der Autorin im Auge behalten. Auch wenn ich nicht zu 100% glücklich mit der gesamten Geschichte bin, konnte sie mich absolut überzeugen. Zum Einen hätte ich mir ein bisschen lebendigeres Setting gewünscht. Die Küste gibt so viel her. Dass es dort windig ist, versteht sich von selbst, aber das Meer sehen, schmecken oder hören konnte ich nicht. Zum Anderen fand ich es im zweiten Teil unnötig, so ausführlich in das Privatleben des jungen Polizisten Erik Harms einzutauchen. Diese Passagen haben, meiner Meinung nach, zur Geschichte an sich nicht viel beigetragen. Ein Punkt, der mich beim Lesen etwas irritiert hat, war das fehlende Einbinden von Friederikes Familie. Wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke, kann ich verstehen, dass sich die Autorin auf andere Figuren konzentriert hat, was ich auch spannend und richtig finde, jedoch erschien mir dann die Erklärung zum fehlenden Einbinden der Familie als ein bisschen plump und zu einfach gelöst.


    Diese drei kleinen Kritikpunkte fallen, im Vergleich zu all den positiven Aspekten des Buches, nicht so sehr ins Gewicht. Ich bin nach wie vor sehr angetan und empfehle diesen Roman uneingeschränkt weiter, natürlich verbunden mit dem Hinweis, dass eventuelle Sensationsgier nicht befriedigt wird. „Nordsee-Nacht“ ist ein Roman mit Spannungselementen, aber kein Krimi oder Thriller. Es geht um einen ungelösten Kriminalfall bzw. das bisher unaufgeklärte Verschwinden eines kleinen Kindes, trotzdem steht nicht der Fall im Mittelpunkt, sondern die Frage, was solch ein Ereignis mit den Personen macht, die direkt oder indirekt mit hineingezogen werden.


    Ein beeindruckendes Debüt – ich freue mich auf mehr!

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Das Gegenteil von Hasen (ISBN: 9783453272804)

    Bewertung zu "Das Gegenteil von Hasen" von Anne Freytag

    Das Gegenteil von Hasen
    Anka2010vor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Anne Freytag ist, in meinen Augen, eine der wichtigsten Stimmen der aktuellen Gegenwartsliteratur in Deutschland.
    Kein schwarz oder weiß, kein gut oder böse...

    Wie werde ich in meiner Rezension einem Roman wie diesem gerecht?

    Generell liebe ich es, über Bücher zu sprechen, die mir besonders gut gefallen haben. Es fällt mir leicht, meine Begeisterung zu transportieren. Ich erzähle, warum mir das Buch so gut gefallen hat und oft auch, was es in mir ausgelöst, was es mit mir gemacht hat.
    Doch manchmal gibt es Bücher, bei denen mir bereits beim Lesen klar wird, dass ich niemals die richtigen Worte für meine Rezension finden werde, um dem gerecht zu werden, was die Autorin bzw. der Autor geschaffen hat. „Das Gegenteil von Hasen“ von Anne Freytag ist so ein Buch.

    Also, wie beginne ich jetzt? Vielleicht mit einer groben Vorstellung des Inhalts – wobei ich denke, dass es besser ist, so wenig wie möglich über dieses Buch zu wissen, bevor man es aufschlägt.

    Es sind Tagebucheinträge, die in „Das Gegenteil von Hasen“ eine wichtige Rolle spielen und die, wie es die Autorin beschreibt, zum Brandbeschleuniger werden. Genauer gesagt sind es die Tagebucheinträge einer jungen Frau. Julia ist 17 Jahre alt und schreibt sich alles von der Seele, was sie aktuell beschäftigt. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund – wieso auch? Schließlich rechnet sie im Traum nicht damit, dass ihre persönlichen/privaten Gedanken je von jemand anderem gelesen werden, als von ihr. Doch genau das passiert. Ihre Tagebucheinträge finden einen Weg in die Öffentlichkeit und plötzlich werden bloße Worte zu einer gefährlichen Waffe.

    Anne Freytag ist, in meinen Augen, eine der wichtigsten Stimmen der aktuellen Gegenwartsliteratur in Deutschland. Auch, wenn ihre Romanheldinnen und –helden meist unter 18 Jahre alt sind, lassen sich Freytags Bücher nicht so einfach in die Regale der Jugendbuchabteilung einsortieren. Sie haben ebenso eine Daseinsberechtigung in der Romanabteilung für alle Altersklassen – sie sind „All Age“- Titel, die sowohl von Jung als auch von Alt (und allen dazwischen) gelesen werden können… und sollten!

    Direkt aber sanft und gerade deshalb so authentisch, gelingt es der Münchener Autorin, selbst unbequeme und stets aktuelle Themen anzusprechen, mit denen sich ihre Protagonistinnen und Protagonisten auseinandersetzen müssen. Sie nimmt ihre Charaktere ernst, lässt ihre Leserinnen und Leser Figuren, die anfangs stereotyp wirken möchten, hinter die Fassade blicken. Hier gibt es kein schwarz und weiß. Jede Figur hat Gründe für ihr Handeln, macht Fehler und kann nicht einfach als „gut“ oder „böse“ abgestempelt werden. Eine tolle Lehre, die wir aus ihren Büchern mitnehmen können.

    Auch sprachlich sind Freytags Romane ein echtes Schmankerl. So zeichnet sie bunte Bilder, macht Gefühle spürbar und erreicht dabei, trotz der teils unbequemen Themen, eine wunderbare Leichtigkeit. Ihre Geschichten sind wuchtig, jedoch nie zu schwer. Hier die genau richtige Schnittmenge zwischen Leichtigkeit und Schwere zu finden und dabei kein Deut an Authentizität einzubüßen, ist mit Sicherheit nicht leicht – Anne Freytag schafft es aber immer wieder.

    Mir hat es sehr gefallen, dass man beim Lesen stets aufmerksam sein muss. Die Autorin nutzt sowohl unterschiedliche Stilmittel, so z.B. Protokolle und Tagebucheinträge, als auch ständige Perspektivwechsel, um ihren Leserinnen und Lesern ein gutes Bild über ihre Geschichte zu geben. Wir schlüpfen in verschiedene Köpfe, erleben die Ereignisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln und können so neue Erkenntnisse sammeln und Verständnis für manches Handeln entwickeln. Insbesondere zu Beginn sollte man aufmerksam lesen, um einen Überblick zu gewinnen. Ist man aber erstmal in der Geschichte drin, möchte man sie so schnell nicht mehr verlassen. Ab circa der Hälfte des Buches war ich mir sicher: ich lese eines der besten Bücher, die mir je in die Finger gekommen sind. Leider konnte ich diese Euphorie auf den letzten 50-100 Seiten nicht mehr aufrechterhalten. Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin meine Aufmerksamkeit auf den letzten Seiten doch noch ein Stück weit verloren hat. Die Geschichte wird sehr ruhig erzählt – vielleicht wurde mir das zum Verhängnis? Mir persönlich hätte ein bisschen mehr Pfeffer am Ende gut gefallen.

    Schlussendlich kann ich aber gar nicht anders, als eine absolute Leseempfehlung für „Das Gegenteil von Hasen“ auszusprechen. Ein großartiger Roman, der gleichzeitig so vieles ist: ein Abbild unserer heutigen Zeit, ein Denkanstoß was die unbedachte Nutzung der Sozialen Medien angeht, ein Megafon für die leisen Stimmen, die gern mal untergehen, ein Appell an uns alle, Menschen nicht in Schubladen zu stecken, sondern sich die Zeit zu nehmen, ihnen zuzuhören und hinter ihre Fassaden zu schauen, eine Aufforderung dazu die Wahrheit zu sagen, auch wenn es sehr viel Mut und Überwindung kosten kann. Das ist eine Menge, oder? Jeder sollte herausfinden, was diese Geschichte noch ist, jeder nimmt sie schließlich unterschiedlich auf – und das ist auch gut so. Ja, sie will viel, mag vielleicht auch etwas überladen erscheinen, weil wirklich viele Themen einen Platz in ihr finden. Mich hat das aber nicht gestört, ganz im Gegenteil, mir hat es nur zusätzlich noch mal bewusst gemacht, dass jede/r ihr/sein Päckchen zu tragen hat. Jeder Mensch hat Sorgen, jeder Mensch muss sich mit Ereignissen und Emotionen auseinandersetzen, jeder Mensch steht von Zeit zu Zeit Hürden gegenüber, die unüberwindbar erscheinen.

    Ich wünsche mir mehr Verständnis füreinander, weniger Instagram-Filter, mehr offene Gespräche, weniger Vorurteile, mehr Wahrhaftigkeit, weniger Ignoranz, mehr Empathie. Diese Gedanken hat das Buch in mir ausgelöst – und welche in dir?

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Morbus (ISBN: 9783596704101)

    Bewertung zu "Morbus" von Mark Roderick

    Morbus
    Anka2010vor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Ein wirklich toller Thriller in perfekter (Grusel-)Atmosphäre – kurzweilig, unterhaltsam und spannend erzählt!
    Kurzweilig, unterhaltsam und spannend!

    Das alte, urige Gutshaus inmitten der Weinberge strahlt auf Mara sofort Behaglichkeit aus. Sie ist sich sicher, dass sie hier zur Ruhe kommen und dem städtischen Trubel entfliehen kann. Zusammen mit ihrer kleinen Tochter verlässt sie kurzerhand die laute Großstadt Frankfurt und zieht aufs Land. Angekommen in Naunheim bemerkt sie, wie die Leute hinter vorgehaltener Hand tuscheln. Sie reden vom „Unglückshaus“. Ist damit etwa IHR neuer Rückzugsort gemeint? Liegt es vielleicht daran, dass vor einigen Jahren eine junge Frau im direkten Umfeld des Gutshauses spurlos verschwunden ist? Mara ist Journalistin – klar, dass sie sich sofort in die Recherchen stürzt. Je mehr sie herausfindet, desto unbehaglicher fühlt sie sich. Wird sie beobachtet? Ist sie etwa nicht allein im „Unglückshaus“?

    Der neue Thriller von Mark Roderick, erstmals übrigens ein Standalone, klang genau nach meinem Geschmack. Ich liebe es, wenn mich Thriller auf der psychischen Ebene pieksen. Ich brauche kein Blutbad, keine actionreichen Verfolgungsjagden, keine besonders abscheulichen & perfiden Verbrechen. Solch ein leiser Thriller mit der richtigen Portionierung von Grusel- und Spannungsmomenten, im Wechsel mit Phasen zum Durchschnaufen, löst bei mir deutlich mehr aus. Genau zu diesen Büchern zählt MORBUS. Wer einen Schocker erwartet, in dem das Blut nur so spritzt und durch den man atemlos hindurchhetzt, der wird enttäuscht. Wer jedoch nach einem Thriller in leicht unheimlicher Atmosphäre, mit vielen Verdächtigen, unzähligen Fährten und dem ein oder anderen Kribbeln im Nacken sucht, der könnte hier auf ein Lesehighlight stoßen. Aber versteht mich bitte nicht falsch – auch in diesem Thriller passieren grausame Verbrechen. Diese werden beschrieben – ja, aber Mark Roderick lässt seine Leserinnen und Leser nicht „live“ dabei sein. Die etwas zarter Besaiteten unter uns brauchen also nicht mit halb-zugekniffenen Augen lesen...

    Auch wenn nicht an jedem Kapitelende ein Cliffhanger lauert, entwickelte sich MORBUS für mich sehr schnell zum Pageturner. Die Handlung steht nie still. Mark Roderick gönnt seinen Leserinnen und Lesern zwar die ein oder andere Verschnaufpause und lässt auch seine Protagonistin in Ruhe ihre Umzugskisten auspacken, dennoch findet er immer wieder den richtigen Punkt, an dem er neue Erkenntnisse einstreut, für Plot-Twists sorgt und neue Charaktere ins Rennen schickt, die sich alle ganz wunderbar als neue Verdächtige eignen. Mit einem großen Fragezeichen im Kopf habe ich zu Beginn versucht, die Zusammenhänge zwischen den verschiedensten Ereignissen zu finden. Das Deuten der unterschiedlichsten Hinweise und das Aufstellen von neuen Theorien hat mir besonders viel Spaß gemacht, insbesondere, da ich dieses Buch in einer dreiköpfigen Leserunde gelesen habe und der Austausch sehr intensiv, vielseitig und bereichernd war.

    Je näher wir dem Ende kamen, desto aufgeregter wurde ich. Einerseits aufgrund der ansteigenden Spannung, andererseits in Erwartung der Auflösung. Oftmals geht es mir nämlich so, dass ich unheimlich begeistert von einem Thriller bin, der Aufbau stimmt, der Spannungsbogen ist großartig und die Autorin bzw. der Autor weiß zu fesseln. Doch dann kommt die Auflösung, die entweder zu plump und schnell präsentiert wird oder gar total an den Haaren herbeigezogen ist, sodass eine Herleitung durch die Leserin bzw. den Leser im Vorfeld gar nicht möglich gewesen wäre. So drückte ich mir selbst die Daumen, dass ich mit Mark Rodericks Ende zufrieden sein würde – und tatsächlich! Dem Autor ist es hervorragend gelungen, alle Fäden am Ende nachvollziehbar zusammenzuführen, aber nicht nur das. Er hat auch noch mal für ordentlich Nervenkitzel und einen tollen Spannungshöhepunkt gesorgt. Am Ende blieben für mich keine Fragen offen und ich habe das Buch mit einem leicht sadistischen Grinsen zugeschlagen.

    Ein wirklich toller Thriller in perfekter (Grusel-)Atmosphäre – kurzweilig, unterhaltsam und spannend erzählt!

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Ein Wort, um dich zu retten (ISBN: 9783866124837)

    Bewertung zu "Ein Wort, um dich zu retten" von Guillaume Musso

    Ein Wort, um dich zu retten
    Anka2010vor einem Monat
    Kurzmeinung: Der neue Musso „Ein Wort, um dich zu retten“ ist für mich kein Must-Read, aber doch nicht gänzlich uninteressant.
    Kein Must-Read, aber doch nicht gänzlich uninteressant

    Nathan Fawles, ein erfolgreicher Autor, der vor 20 Jahren von der Bildfläche verschwunden ist und seitdem kein Buch mehr veröffentlicht hat.

    Mathilde Monney, eine Journalistin auf der Suche nach der Wahrheit. 

    Beide treffen auf der französischen Mittelmeerinsel Île Beaumont aufeinander. Nathan, der dafür bekannt ist, aufdringliche Fans und Journalisten mit der Pumpgun von seinem Grundstück zu verjagen, ist merkwürdig angetan von Mathildes direkter und beharrlicher Art. Dennoch möchte er sie schnellstmöglich wieder loswerden, denn niemand soll erfahren, warum er seine Schriftstellerkarriere von heut auf morgen an den Nagel gehängt hat.

    Als die Insel wegen eines Mordes abgeriegelt wird, bleibt Nathan jedoch keine Wahl. So einfach wird er die junge Frau nicht mehr los und so kommt es, dass er sich nicht nur mit Mathilde, sondern auch mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen muss.

    Dies sind nur zwei Charaktere, die Musso auf der kleinen 1.500 Einwohner zählenden Insel aussetzt, aber nicht die einzigen, auf die wir treffen. Ein alter, in der Vergangenheit hängengebliebener, brummiger Buchhändler sowie ein junger, passionierter Schreiberling spielen ebenso eine Rolle wie ein Verbrecherpaar à la Bonnie & Clyde und ein überforderter Gemeindepolizist, der mit seinen kleinen Kindern im Schlepptau zum nächsten Tatort eilt.

    Spannende Figuren und eine ziemlich undurchsichtige Handlung. Was haben die Charaktere miteinander zu tun? Welches Geheimnis trägt Nathan seit 20 Jahren mit sich? Was hat dazu geführt, dass er seine Karriere beendet und Hals über Kopf auf die kleine Insel geflohen ist?

    "Ich war süchtig nach diesen Momenten, in denen die Fiktion das Leben infiziert. Das war einer der Gründe, warum ich so gern las. Nicht, um dem realen Leben zugunsten eines imaginären Universums zu entfliehen, sondern um - durch meine Lektüre verändert - in die Welt zurückzukehren. Bereichert durch meine Reisen in die Welt der Fiktion und durch meine Begegnungen dort, mit dem Wunsch, sie in die reale Welt hinüberzubringen."

    (S. 224)


    Zu Beginn tat ich mich etwas schwer damit, den Einstieg in die Geschichte zu finden. Musso bedient sich verschiedener Stilmittel, um seinen Leserinnen und Lesern seinen Protagonisten vorzustellen. Ich bekam Interviews, Briefe und einen Zeitungsartikel zu lesen, im ständigen Wechsel mit unterschiedlichen Erzählperspektiven. Denn nicht nur das Mysterium Nathan Fawles bekommt viel Raum in der Geschichte, sondern auch eine andere Figur, von der in der Kurzbeschreibung gar keine Rede ist.

    Als ich mich dann aber in der Geschichte zurechtgefunden und mich an den Schreibstil gewöhnt hatte, begann ich das Lesen zu genießen. Alles andere als verklärt, gewährt Musso teils kritische Einblicke in die Welt der Literatur. Welche Pflichten hat ein Autor bzw. eine Autorin? Welchen Weg muss er/sie gehen, um bei einem Verlag ernst genommen zu werden? Wie nah darf er/sie den Leserinnen und Lesern stehen, welche Erwartungen müssen erfüllt werden? Da ich gern Bücher über Bücher bzw. Autorinnen & Autoren lese, war es für mich besonders spannend, das Ganze auch mal aus einer anderen, kritischeren Perspektive zu betrachten, die romantisierte Idee einer kometenhaften Schriftstellerkarriere abzulegen und mich mal mit den Schattenseiten zu beschäftigen. Welche Maschinerie steckt hinter einem Buch? Welche Rolle spielen die Verlage? Welchen Einfluss haben sie auf den Inhalt der Bücher? Und wie geht es dem Autor / der Autorin dabei?

    "Ich habe es nicht sofort verstanden, aber Bücher sind nicht immer ein Weg zur Befreiung. Bücher sind auch der Grund für Trennungen. Bücher reißen nicht nur Mauern ein, sie errichten auch welche. Öfter, als man glaubt, verletzen, zerbrechen und töten Bücher."

    (S. 238)

    Auch das Setting hat mir gut gefallen. Eine Insel mit ihren ziemlich eigenen Einwohnern zu wählen, die am liebsten unter sich sind und ihr eigenes Süppchen kochen, fand ich super! Die Darstellung der Lockdown-Situation war mir jedoch ein bisschen zu lasch. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Brisanz und mehr Konflikte gewünscht.

    Die Geschichte an sich und das Zusammenfügen der einzelnen Fäden fand ich interessant, aber intensiv mitgefiebert habe ich nicht. Neue Erkenntnisse, die man ca. ab der Hälfte des Buches gewinnt, konnten mich dann doch etwas mehr fesseln und den Lesefluss antreiben. Besonders gespannt war ich auf den Showdown, da mir dieser in meinem ersten Musso vor vielen Jahren nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Dass Musso gern aus den Vollen schöpft, war mir also bewusst, als es zur finalen Auflösung kam. Somit quittierte ich den Ausflug in ein ganz neues Themengebiet nur mit einem müden Lächeln, konnte aber mit den letzten Seiten noch mal ins Boot zurückgeholt werden, auch wenn ich es schade fand, die Aufklärug letztendlich mit zu vielen neuen Informationen verbunden war, die vorher keine Rolle gespielt haben.

    "Ob es dir nun passt oder nicht, die Menschheit ist nicht schwarz oder weiß, sondern wir entwickeln uns in einer instabilen Grauzone, in der das Beste im Menschen jederzeit das Schlimmste begehen kann."

    (S. 257)


    Der neue Musso „Ein Wort, um dich zu retten“ ist für mich kein Must-Read, aber doch nicht gänzlich uninteressant. Der schriftstellerische Aspekt hat mir gefallen, ebenso der Schreibstil und das vereinzelte Einbinden unterschiedlicher Stilmittel und Zitate anderer Autoren. Nach einem interessanten Spannungsaufbau und der etwas aufgeblasenen Auflösung, fungierte der Epilog abschließend als kleines, versöhnliches Schmankerl. 

    Kommentare: 1
    1
    Teilen
    Cover des Buches When We Dream (ISBN: 9783736313040)

    Bewertung zu "When We Dream" von Anne Pätzold

    When We Dream
    Anka2010vor einem Monat
    Kurzmeinung: Ruhig und bedacht, ohne übertriebenes Drama und dennoch fesselnd ab Seite 1. Ich liebe Anne Pätzolds junge, frische und süße Erzählstimme!
    Eine Einladung zum Träumen, Schmachten und Wohlfühlen

    Mittlerweile sind ein paar Tage ins Land gezogen, seit ich „When We Dream“, den Debütroman der Autorin Anne Pätzold, zugeschlagen habe. Noch immer geht das Beenden dieses Wohlfühlromans mit einer spürbaren Leere einher. Ich vermisse Ella, ihre heimelige WG mit ihren zwei Schwestern und das süße Knistern zwischen ihr und dem K-Pop-Star Jae-yong.

    Dieser nicht nur optisch sondern auch inhaltlich wunderschöne YA-Roman lässt uns am Leben der 19-jährigen Studentin Ella teilhaben. Ella hat vor einigen Jahren ihre Eltern verloren und lebt seitdem, zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Liv, bei ihrer älteren Schwester Mel. Auch wenn es die 3 Geschwister nicht leicht hatten, haben sie sich ganz gut arrangiert und waren füreinander da, als sie den Zusammenhalt am nötigsten hatten. Doch so richtig gewöhnen kann sich Ella an das Leben in der Großstadt Chicago nicht. Lieber geht sie dem Trubel, dem Lärm und den Menschenmassen aus dem Weg, indem sie es sich in ihrem Zimmer gemütlich macht und ihre Freizeit mit lesen und zeichnen verbringt.

    Wie es da sein kann, dass sie eines Tages auf Jae-yong trifft, müsst ihr selbst herausfinden. Natürlich ahnt Ella nicht, dass sich hinter dem charismatischen jungen Mann ein Weltstar verbirgt, denn die schillernde Welt des K-Pops ist ihr bis dato fremd.

    Anne Pätzold hat mich mit ihrer Geschichte und mit ihrer Art, diese zu erzählen, absolut verzaubert. Ruhig und bedacht, ohne übertriebenes Drama und dennoch fesselnd ab Seite 1. Ich liebe ihre junge, frische und süße Erzählstimme! Sie kombiniert Leichtigkeit mit Tiefgründigkeit, humorvolle Szenen mit ernsten Themen. In ihren Figuren steckt gleichviel Liebe wie Leben, es scheint so, als würden sie wirklich existieren.

    Ella ist eine Protagonistin, mit der sich sicherlich viele Leserinnen identifizieren können und die man sofort ins Herz schließt. Sie ist eher ruhig und zurückhaltend, dennoch in den richtigen Momenten schlagfertig. Ihre Liebe zu Büchern hat mich absolut erreicht und es hat mir Spaß gemacht zu beobachten, wie sie in ferne Welten eintaucht und doch ganz bei sich ist, während sie zeichnet.

    Mit dem Thema K-Pop hatte ich bisher gar keine Berührungspunkte und fand es deshalb unheimlich spannend, Einblicke in diese ganz eigene Welt zu bekommen. Das Musikbusiness in Südkorea ist mit unserem oder dem amerikanischen nicht wirklich zu vergleichen und es war interessant, hier einmal einen Blick hinter die bunten Kulissen zu werfen. Ich kann es kaum erwarten, in den zwei Folgebänden mehr über die Band NXT, ihre Mitglieder, ihren Alltag und ihre Hintergründe zu erfahren.

    Ganz besonders doll hat mir der Alltag in der Geschwister-WG gefallen. Die drei Schwestern sind so verschieden und doch ziehen sie an einem Strang. Natürlich gibt es auch hier Streit und Probleme, die Ella, Mel und Liv auf unterschiedliche Weise angehen. Die Dynamik war großartig, mir fehlen die drei sehr. Die Autorin hat insbesondere einer von Ellas Schwestern ausreichend Potenzial für Band 2 und 3 gelassen. Am liebsten würde ich sofort in die Folgebände hineinkriechen, die glücklicherweise auch noch für dieses Jahr angekündigt sind – die Wartezeit ist also nicht allzu lang (doch auch nur wenige Monate können sich wie eine Ewigkeit anfühlen, wenn man liebgewonnene Charaktere vermisst.).

    Beim Stichwort „liebgewonnene Charaktere“ sollte ich auch noch zwei-drei Sätze über Jae-yong verlieren. Sein Ehrgeiz und seine Liebe zur Musik sind bemerkenswert. Und obwohl er hart arbeitet, viel mit Oberflächlichkeit zu tun hat, wie eine Marionette funktionieren muss und dabei von tausenden Fans auf der ganzen Welt beobachtet wird, wirkte er auf mich die ganze Zeit nahbar und sympathisch. Anne Pätzold verzichtet auf das typische Bad-Boy-Rockstar-Image und drückt ihrem jungen Koreaner lieber Harry Potter Bücher in die Hand. Wie kann man ihm da nicht nach nur wenigen Augenblicken verfallen?

    Ja, ihr habt hier jetzt eine Lobeshymne gelesen – aber zu Recht. Anne Pätzolds Debüt lädt zum Träumen, Schmachten und Wohlfühlen ein. Die junge Autorin hat mich zu 100% überzeugt und mit mir definitiv einen neuen Fan hinzugewonnen. Sie bringt frischen Wind in die deutsche Literatur für junge Erwachsene und hebt sich von anderen Romanen dieses Genres ab. Eine dicke Empfehlung für alle Fans von Kelly Oram und Laura Kneidl. 


    P.S. Ich kann euch auch den Griff zum Hörbuch empfehlen, in das ich ebenfalls reingehört habe. Mit Leonie Landa ("Liebes Kind", "To all the boys I've loved before") wurde die perfekte Stimme für dieses Buch ausgewählt - fast so, als hätte man Ella selbst im Ohr.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Promised (ISBN: 9783737350976)

    Bewertung zu "Promised" von Kiera Cass

    Promised
    Anka2010vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: PROMISED reiht sich als weiterer Pageturner in die bisherigen Romane der Autorin ein.
    Es ist nicht alles GOLD was glänzt

    Hollis führt ein Leben, von dem viele junge Frauen träumen. Sie ist sowohl auf dem großen Anwesen ihrer Eltern zu Hause als auch im königlichen Palast. Zusammen mit anderen Mädchen in ihrem Alter, buhlt sie um die Aufmerksamkeit des jungen König Jameson, der schon früh gekrönt wurde und viel Verantwortung übernehmen musste. Nun steht er unter strengster Beobachtung, denn sein Volk erwartet von ihm, dass er sich kurz über lang mit der künftigen Königin des Landes verlobt. Auswahl hat er am Hofe genug und er übt sich fleißig im Daten. Doch keine der jungen, wohlerzogenen Frauen beeindruckt ihn so wie Hollis. Sie ist anders, als die anderen, sie tanzt gern aus der Reihe, ist keiner Beerenschlacht abgeneigt und bringt ihn immerzu zum Lachen.

    Als Hollis merkt, dass sie die Auserwählte des Königs ist, kann sie ihr Glück gar nicht fassen, denn das ist doch das Größte, was sie in ihrem Leben erreichen kann. Oder? Sie wird in Kürze die mächtigste und reichste Frau des Landes sein, ihr Konterfei wird auf Münzen geprägt, ihr Antlitz in Stein gemeißelt. Doch ist es wirklich das was sie will?

    Von nun an steht auch sie unter ständiger Beobachtung und darf sich keinen Fehler erlauben. Alle Augen sind auf sie gerichtet, doch nur ein Augenpaar interessiert Hollis tatsächlich. Die strahlend blauen Augen von Silas. Der junge Mann geht ihr seit ihrer ersten Begegnung nicht mehr aus dem Kopf. Während sie von König Jameson mit Geschenken überhäuft wird und in den königlichen Trakt des Palastes umziehen darf, beginnt ein Sturm in ihr zu toben...

    Der neue Roman der SELECTION-Autorin Kiera Cass wurde von ihren Fans in den letzten Wochen und Monaten heiß herbeigesehnt. Auch mich hat die Selection-Trilogie rund um America, Aspen und Maxon damals sehr gut unterhalten. In kürzester Zeit hatte ich die Hörbücher verschlungen und war in die royale Geschichte eingetaucht. Als nun PROMISED bei mir eintraf, hielt ich mich nicht lange mit der Bewunderung der wunderschönen Gestaltung auf, sondern begann direkt zu lesen.

    Nach den ersten 50 Seiten hatte ich das Gefühl, dass nicht Hollis diejenige war, die ins kalte Wasser gefallen ist, sondern ich. Es fühlte sich so an, als schaltete ich zu spät den Fernseher an und sah einen Film, der eigentlich schon eine Stunde lief. Ich wurde weder langsam in die Welt eingeführt noch hatte ich die Möglichkeit, gemächlich die Protagonisten kennenzulernen. Sofort war ich Teil von Hollis Gefolge und hechtete teilweise atemlos hinterher. Mir blieb nur wenig Zeit mich in Ruhe umzusehen und es dauerte etwas, bis ich mich am Hofe zurechtfand.

    Kaum hatte ich das Buch aufgeschlagen, waren die ersten 100 Seiten bereits inhaliert. Kiera Cass weiß genau, wie sie ihre Geschichte rasant vorantreiben und ihre Leserinnen und Leser einfangen kann. Mir gefiel die etwas geschwollene Sprache am Hof, die sich vom restlichen Schreibstil abhebt. Die Autorin hält sich nicht an Kleinigkeiten, Beschreibungen und zusätzlichen Informationen auf, die mir jedoch an der ein oder anderen Stelle gut getan hätten.

    Dennoch war auch ich gefangen im sich ständig drehenden Strudel der Geschichte und ließ mich Seite für Seite mitreißen. Nach einiger Zeit wurde mir klar, worauf die Autorin hinauswollte und ich beobachtete Hollis Entwicklung genau. Die strahlende rote Farbe begann zu bröckeln und nicht nur ich musste feststellen: Es ist nicht alles gold, was glänzt.

    Ganz besonders spannend fand ich den Charakter der Königin Valentina aus dem Königreich Isolte. Eine interessante Schlüsselfigur, über die ich gern im nächsten Band mehr erfahren würde. Im Vergleich zu ihr blieb der junge Silas eher blass und ich konnte nicht sofort verstehen, warum Hollis sich ihm so schnell anvertraut. Die Storyline entwickelte sich so wie erwartet, bis es, im letzten Viertel, zu einem Ereignis kam, das ich so niemals vorhergesehen hätte. Mit offenem Mund starrte ich auf die Seiten. Noch immer kann ich nicht sagen, ob ich diesen Twist gut heißen soll oder nicht. Dass er die Geschichte noch mal in eine ganz andere Richtung lenkt, finde ich natürlich spannend, ob er gerechtfertigt und glaubhaft ist, weiß ich wohl erst, wenn ich den zweiten Band gelesen habe, der für das Frühjahr 2021 angekündigt ist.

    Ja, PROMISED reiht sich als weiterer Pageturner in die bisherigen Romane der Autorin ein. Ja, auch mich konnte er wieder mitreißen... aber nein, so begeistert zurückgelassen wie SELECTION hat er mich definitiv nicht. Mir fehlte der Zugang zu den Protagonisten, ich wäre ihnen gern noch näher gewesen. Sie und die Handlung blieben eher oberflächlich und erreichten mein Herz leider nicht. Dennoch konnte mich Kiera Cass fesseln und sogar überraschen - ich bin gespannt auf Band 2!

    Ein kleiner Hinweis am Ende: PROMISED hat nichts mit SELECTION zu tun. Die Geschichte von Hollis spielt im Königreich Coroa, nicht in Illéa. Anspielungen oder gar Wiedersehen mit lieb gewonnenen Charakteren sucht man vergebens. Etwas traurig für eingefleischte Fans, jedoch prima zu lesen für alle, die SELECTION nicht kennen.

    Kommentare: 1
    1
    Teilen
    Cover des Buches Die Sehnsucht des Vorlesers (ISBN: 9783423253932)

    Bewertung zu "Die Sehnsucht des Vorlesers" von Jean-Paul Didierlaurent

    Die Sehnsucht des Vorlesers
    Anka2010vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Skurril, schwarz-humorig, poetisch und doch unheimlich liebevoll.
    Skurril, schwarz-humorig, poetisch und doch unheimlich liebevoll

    Guylain ist auf den ersten Blick ein Eigenbrötler, jedoch keinesfalls unsympathisch. Er lebt in einem kleinen Einzimmerappartement, das er sich mit seinem Goldfisch teilt, geht einer Arbeit nach, die er abgrundtief verabscheut, unterstützt seinen Freund bei der Suche nach seinen Beinen und liest täglich wildfremden Menschen in der Straßenbahn unzusammenhängende Seiten aus den unterschiedlichsten Büchern vor. Klingt skurril? Ist es auch!

    Anfangs war ich doch etwas verunsichert, als ich des Autors detaillierte Beschreibungen von Guylains Arbeitsplatz las. Er erschafft sehr viele Bilder und Metaphern, was mich einerseits abgeschreckt und andererseits fasziniert hat. Didierlaurents locker-leichte, poetisch und zugleich humorvolle Art Guylains Geschichte zu erzählen, empfand ich als außergewöhnlich und sehr unterhaltend. Obwohl der Einschnitt in Guylains sehr geregeltes Leben, der auf dem Klappentext bereits angekündigt wird, erst ca. zu Beginn der zweiten Romanhälfte passiert, konnte mich der sympathische Held von Seite zu Seite mehr für sich gewinnen – und der Autor gleichzeitig für seine Geschichte.

    Eines Tages findet Guylain nämlich einen USB Stick, dessen Inhalt seinem eintönigen Leben eine überraschende Wendung gibt. Welche Dateien sich auf diesem USB Stick befinden, verrate ich an dieser Stelle nicht. Das solltet ihr nämlich dringend selbst herausfinden – es lohnt sich.

    Auch, wenn man anfangs etwas Zeit braucht, um sich auf diese sonderbar-erzählte Geschichte einzulassen, entwickelt sie bald einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Skurril, schwarz-humorig, poetisch und doch unheimlich liebevoll. Ich bin ziemlich angetan von Jean-Paul Didierlaurents Romandebüt und werde Guylain und Julie tatsächlich ein bisschen vermissen.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Ruby Fairygale. Der Ruf der Fabelwesen [1] (ISBN: 9783833741234)

    Bewertung zu "Ruby Fairygale. Der Ruf der Fabelwesen [1]" von Kira Gembri

    Ruby Fairygale. Der Ruf der Fabelwesen [1]
    Anka2010vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Kurzurlaub für die Seele, gespickt mit leckerem Kuchen, fantastischen Elementen und einer guten Prise Abenteuer & Spannung.
    Atmosphärisch, süß, kindlich und fantasievoll!

    Dass ich mit einem ganz wohligen Gefühl im Bauch in diese Geschichte gestartet bin, lag definitiv an den irischen folkloristischen Klängen, die mich bereits im 1. Track dieses Hörbuches abgeholt haben. Ich war sofort dort - auf einer kleinen Insel an der irischen Küste.


    Rubys Großmutter ist Tierärztin und kümmert sich, zusammen mit ihrer 13-jährigen Enkelin, liebevoll um alle hilfsbedürftigen Wesen. Da wir in Irland sind, dem Land der Mythen, Sagen und Legenden, zählen zu ihren Patienten nicht nur Hunde, Katzen und Pferde, sondern auch Fabelwesen wie Banchees, Kobolde und Selkies.


    Ruby liebt es, von ihrer Großmutter zur Tierärztin ausgebildet zu werden. Insbesondere für die Fabelwesen hat sie ein gutes Gespür und hilft einfühlsam, wo sie nur kann. Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen sie traurig ist. Ja, natürlich kann sie mit ihrer Oma über alles sprechen, was sie beschäftigt, doch auf der Insel gibt es weit und breit niemanden in ihrem Alter. Ihr fehlt eine beste Freundin. Als eines Tages zwei Unbekannte auf die Insel kommen, verwandelt sich Rubys anfängliche Euphorie schnell in Ernüchterung. Noah ist zwar ungefähr in ihrem Alter, jedoch ist er 1. ein Junge und 2. rüpelhaft, unnahbar und gefährlich. Ruby spürt, dass ihr Geheimnis in Gefahr ist. Kann sie die Fabelwesen vor Noah verstecken?


    Was für eine schöne Geschichte! Ein Kurzurlaub für die Seele, gespickt mit leckerem Kuchen, fantastischen Elementen und einer guten Prise Abenteuer & Spannung. Julia Nachtmann hat nicht nur der jungen Protagonistin, sondern auch den Fabelwesen eine tolle Stimme verliehen. Ruhig und dennoch fesselnd erzählt sie Rubys Geschichte und passt perfekt zu der geheimnisumwobenen Stimmung.
    Ich habe mich immer wieder in meine Kindheit bzw. frühe Jugend zurückversetzt gefühlt, denn der jungen Anka hätte dieses Hörabenteuer sicher auch viel Freude bereitet. Ich mochte das atmosphärische Setting, die raue irische Küste, die kleine Insel mit ihren teils skurrilen aber dennoch liebevollen Bewohnern, die Idee, die Mythen, Legenden und Sagen wahr werden zu lassen und natürlich Rubys Begegnung mit Noah sehr. Was hat es wohl mit diesem Jungen vom Festland auf sich?
    Besonders neugierig gemacht hat mich Rubys Geschichte, über die ganz am Anfang und am Ende etwas erzählt wird, es bleiben jedoch viele Fragen offen, die hoffentlich in genauso vielen Folgebänden aufgeklärt werden.
    Atmosphärisch, süß, kindlich und fantasievoll! Schon jetzt freue ich mich auf die Rückkehr nach Irland, zu Ruby, ihrer Großmutter und den anderen Inselbewohnern.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Verity (ISBN: B084QQK9Y7)

    Bewertung zu "Verity" von Colleen Hoover

    Verity
    Anka2010vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Die Geschichte hat mich aufgewühlt und verstört, die Art, WIE Hoover sie erzählt, jedoch begeistert.
    Nichts für schwache Nerven

    Die junge Autorin Lowen Ashleigh erhält ein unheimlich lukratives und erfolgversprechendes Angebot: Sie soll die Thrillerreihe der Bestsellerautorin Verity Crawford weiterschreiben, weil Verity nach einem schweren Autounfall im Koma liegt. Da Lowen das Geld bitter nötig hat, willigt sie ein, ohne zu ahnen, welch tiefe, düstere Abgründe sich kurze Zeit später vor ihr auftun werden.

    Um in Veritys Unterlagen zu recherchieren, darf sich Lowen vorübergehend in dem großzügigen Haus der Crawfords einquartieren und nimmt unweigerlich am Familienleben teil. Veritys Ehemann Jeremy umsorgt nicht nur seine im Koma liegende Frau und seinen aufgeweckten kleinen Sohn, sondern versucht auch Lowen ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Als Lowen beim Sichten von Veritys Aufschrieben auf das bisher unveröffentlichte Manuskript ihrer Autobiografie stößt, ist ihre Neugierde sofort geweckt. Sie möchte die Frau, die so erschreckende Thriller schreibt, näher kennenlernen und stößt dabei auf ihr größtes Geheimnis, welches auch Lowens Leben für immer verändern wird…

    Seid gewarnt – dieses Buch ist nichts für schwache Nerven und hätte – in meinen Augen – tatsächlich themenbedingt eine Trigger-Warnung verdient.

    Schon mit ihren ersten Worten, vorgelesen von Marlene Rauch und Lisa Stark, konnte mich Colleen Hoover sogartig in ihre Geschichte hineinziehen. Sie ließen erahnen, dass ich in den nun folgenden 566 Hör-Minuten keinen kitschigen Liebesroman präsentiert bekommen würde. Vielmehr möchte ich Hoovers neuen, perfiden Streich als Psychothriller betiteln.

    Gefesselt und berauscht wurde ich immer tiefer in die hässlichen Abgründe von Veritys Seele gezogen, die sich mir offenbarten, als ich Lowen beim Lesen der Autobiografie über die Schulter schaute. Zwischendurch gönnt Hoover ihren Leserinnen und Lesern die eine oder andere (nötige) Verschnaufpause, in dem sie zarte Bande zwischen Lowen und Jeremy entstehen lässt, Gefühle, die eigentlich verboten sind. In Jeremy hätte ich mich an Lowens Stelle aber auch sofort verguckt – was für ein toller, aufmerksamer und liebenswürdiger Mann, der in den letzten Jahren durch die Hölle gegangen sein muss. Ich genoss es zu sehen, wie rührend er sich um seinen kleinen Sohn kümmert und habe mich sehr auf die gemeinsamen Momente mit Lowen gefreut… auch wenn ich mich immer wieder beobachtet fühlte. Aber nicht nur ich, auch Lowen merkt, dass im Haus der Crawfords irgendetwas ganz und gar nicht zu stimmen scheint. Colleen Hoover gelingt es unglaublich gut, den heimeligen und süßen Momenten zwischen Jeremy, Lowen und dem kleinen Crew im Nu einen gruseligen Touch zu geben. Nicht nur 1x musste ich vor Schreck und Grusel aufstöhnen – ich habe sogar kurzzeitig das Hörbuch pausiert, weil sich mein Herzschlag erstmal wieder beruhigen musste. Natürlich hielt die Pause nicht lange an – ich MUSSTE, trotz schlotternder Knie, wissen, wie es weitergeht.

    Ziemlich schnell bastelte ich mir meine Theorien zurecht und fieberte der Auflösung entgegen. Zum Einen, um herauszufinden, ob ich recht behalten würde, zum anderen, um schnellstmöglich Abstand zwischen mich und Veritys verstörende Gedanken zu bringen. Der Inhalt ihrer Autobiografie hat mich an meine Grenzen gebracht. Es fiel mir schwer, das Vorgelesene zu ertragen.

    Fast alle Rezensionen zu diesem Buch loben das überraschende Ende. Niemals hätten sie mit dieser Auflösung gerechnet. Und auch meine Theorien haben sich alle als falsch entpuppt. Normalerweise liebe ich es, wenn es Autorinnen und Autoren gelingt, mich gänzlich an der Nase herumzuführen. Doch in diesem Fall bin ich mit diesem Twist am Ende ganz und gar nicht glücklich. Ja, er schmerzt wie ein Faustschlag in die Magengrube, aber wirklich plausibel bzw. glaubwürdig war er für mich persönlich nicht.

    Noch immer wird mir schlecht, wenn ich an VERITY zurückdenke und ich bin mir meiner Gefühle auch Tage nach dem Beenden des Hörbuches noch nicht sicher.

    Hut ab vor so viel Mut, den Colleen Hoover mit dem Schreiben dieses Buches (und des Buches im Buch) bewiesen hat. Die Geschichte hat mich aufgewühlt und verstört, die Art, WIE Hoover sie erzählt, jedoch begeistert.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Happy Ever After – Wo das Glück zu Hause ist (Happy-Ever-After-Reihe 1) (ISBN: 9783844924138)

    Bewertung zu "Happy Ever After – Wo das Glück zu Hause ist (Happy-Ever-After-Reihe 1)" von Jenny Colgan

    Happy Ever After – Wo das Glück zu Hause ist (Happy-Ever-After-Reihe 1)
    Anka2010vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Dieser Roman ist eine Umarmung für alle Buchliebhaberinnen und Buchliebhaber, ein Wohlfühlroman durch und durch.
    Eine Umarmung für alle Buchliebhaber/innen

    Nina ist eine von uns. Ein Bücherwurm wie er – im wahrsten Sinne des Wortes – im Buche steht. Nicht selten stellt sie sich im Alltag die Frage, wie ihre liebsten Romanheldinnen und –helden wohl in einer Situation reagieren würden, die sie gerade herausfordert. Was würde Jane Austen an ihrer Stelle machen? Wie würde Pipi Langstrumpf reagieren?

    Somit ist ihre Arbeit für Nina nicht nur ihr Brotjob, sondern auch Leidenschaft pur. Sie arbeitet in einer Bibliothek und darf ihren Kundinnen und Kunden für jede Lebenslage das passende Buch empfehlen. Bis zu dem Tag, an dem ihr geliebter Arbeitsplatz der Digitalisierung zum Opfer fällt und die Bibliothek schließen muss.

    Nina steht von heut auf morgen ohne Job da, aber alleine ist sie natürlich nicht, schließlich hat sie jede Menge Bibliotheksbücher gerettet – zum Leidwesen ihrer Freundin & Mitbewohnerin, die keinen Schritt mehr in der gemeinsamen Wohnung tun kann, ohne über einen Bücherstapel zu stolpern. Mehr aus Trotz als aus Mut macht sich Nina kurzerhand auf den Weg in die schottischen Highlands, wo ein kleiner Bus für wenig Geld zum Kauf angeboten wird. Schon lang träumt Nina von einem eigenen Bücherbus, doch bereits auf der langen Fahrt in den Norden beschließt sie, dass es eine Schnapsidee war und sie den Bus nicht kaufen wird. Ja, Nina liebt Abenteuer, aber nur in ihren Büchern, während sie eingekuschelt und mit einer guten Tasse Tee, auf der heimischen Couch sitzt. Ein eigener Bücherbus ist eindeutig mehr als eine Nummer zu groß für sie… oder?

    Warum sie ihre Meinung doch noch ändert und was sie mit ihrem neuen Bücherbus in den schottischen Highlands alles erlebt – das müsst ihr selbst herausfinden.

    Für mich zählt „Wo das Glück zu Hause ist“ von Jenny Colgan schon jetzt zu meinen Lesehighlights 2020. Ich habe mir die Geschichte zwar von der Hörbuchsprecherin Vanida Karun vorlesen lassen, gehe aber davon aus, dass mich das Buch auch von mir selbst gelesen zu 100% überzeugt hätte.

    Dieser Roman über das Lesen und die Leidenschaft fürs geschriebene Wort ist nicht nur eine Liebeserklärung an das Lesen an sich, sondern auch an alle Buchliebhaberinnen und Buchliebhaber, Leseratten, Bücherwürmer und Booknerds, die sich gern in einer guten Geschichte verlieren. Selten habe ich mich beim Lesen so verstanden gefühlt, selten habe ich so viel zustimmend genickt. Es hat mich so glücklich gemacht, noch mal vor Augen geführt zu bekommen, welch wunderbares Hobby das Eintauchen in fiktive Welten ist. Gebannt habe ich Ninas neuen Lebensabschnitt mitverfolgt. Ich habe mit ihr gebangt, gelitten, gehofft, gefeiert, geliebt, geweint und gelacht. Eine sympathische Frau, die zur Heldin ihrer ganz eigenen Geschichte wird.

    Aber nicht nur Bücher spielen eine große Rolle auf diesen 448 Seiten, sondern auch Ninas mutiger Neuanfang und ihre Begegnung mit einem interessanten Mann. Gefühlvoll und unheimlich atmosphärisch wurde ich von der Autorin Jenny Colgan in die schottischen Highlands entführt. Für mich als große Naturliebhaberin war der Abstecher aufs Land – mitten ins Nirgendwo – absolut traumhaft. Mir hat das Dorfleben mit seinen (mürrischen) Jungbauern und lustigen Tanzfesten sehr gefallen.

    Dieser Roman ist eine Umarmung für alle Buchliebhaberinnen und Buchliebhaber, ein Wohlfühlroman durch und durch. Er bildet übrigens den Auftakt der „Happy Ever After“ Reihe, deren Bände jedoch nicht direkt miteinander zusammenhängen und unabhängig voneinander gelesen werden können. Band 2 wird den Titel „Wo dich das Leben anlächelt“ tragen und voraussichtlich am 3. August 2020 erscheinen.

    Kommentieren0
    0
    Teilen

    Über mich

    Lieblingsgenres

    Liebesromane, Jugendbücher, Romane, Krimis und Thriller

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks