Antek

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    Cover des Buches Healthy Meal Prep9783965840171

    Bewertung zu "Healthy Meal Prep" von Sally O'Neil

    Healthy Meal Prep
    Antekvor 8 Minuten
    Wenn´s schnell gehen und dabei gesund sein soll.

    Nach einem kurz gehaltenen Vorwort, in dem sich Sally O’ Neil vorstellt, geht es erst mal mit den Basics los. Hier bekommt man auch gleich zu Beginn schon die Vorwarnung, „Wer raffinierte Rezepte sucht, um anspruchsvolle Gäste zu beeindrucken, sollte lieber das Buch einer Promi-Kochs zur Hand nehmen.“. Die Autorin hat meiner Meinung nach auch eindeutig die Zielgruppe junger bzw. junggebliebener Leser im Blick, die ihre Fertiggerichte zur Seite legen und mehr auf gesunde Ernährung achten wollen. Klar, dass man deshalb hier auch neben der Vorstellung ihres Konzepts und dessen Planung Grundlegendes wie Küchenausstattung, Nährstoffzusammensetzung von  Lebensmitteln und ähnliches, noch einmal erklärt bekommt. Außerdem werden in diesem ersten Kapitel, „Das Einmaleins der Vorbereitung“ zahlreiche Lebensmittel vorgestellt, die bei der Autorin auf der Lieblingsliste stehen, und man erfährt auch, dass es ihr wichtig ist, auf eine zuckerarme/freie und „gesunde“ Küche zu achten. 


    Dann folgt der in der Beschreibung beworbene „genialen 3-Schritte-Plan parat, wie du mit wenig Aufwand einen Vorrat für die ganze Woche zubereitest:“


    Auf knapp 40 Seiten bekommt man hier im ersten Schritt 18 proteinhaltaltige Grundlagen vorgestellt. Hier fand ich vor allem die Idee, Hühnchen vom Blech gleich in einem Aufwasch in drei unterschiedlichen Marinaden zuzubereiten, gut und viel zum Aufbewahren für die nächsten Tage ist da bei mir nicht übriggeblieben. Lange wollte ich auch schon mal Eier einlegen, was ich mit dem Rezept im Buch jetzt endlich einmal probiert habe, und ich mag´s. Eine willkommene Abwechslung für mich war auch der Pizzaboden aus Hühnerfleisch, da kannte ich bisher nur eine Variante mit Tunfisch. Der Hühnerhackbraten ist lecker, simpel und schnell gemacht und auch Pikantes Hackfleisch war ein Gericht für mich, weil ich es gerne scharf mag. Einige weitere Rezepte, wie Fisch vom Grill oder aus dem Ofen, mache ich selbst schon lange so ähnlich, aber eine Anregung zum Testen des einen oder anderen Gewürzes konnte ich mir hier sicher holen. 


     


    Dann geht es mit dem Kapitel „Auf Vorrat kochen“ weiter. Hier bekommt mal ganz viele Rezepte, Anleitungen und Baukästen für Beilagen, Salatsoßen, Brot, kleine gesunde Süßigkeiten und alles, was nicht in die Proteinsparte passt und sich gut lagern bzw. einfrieren lässt. Die Rezepte zu zählen macht keinen Sinn, denn oft sind z.B. in einer Baukastenanleitung so viele Variationsmöglichkeiten angegeben, dass man die verschiedenen Gerichte nur schwer zählen kann. Ganz oft kamen mir diese Anleitungen entgegen. Konnte ich mir doch so z.B. die leckeren Energiekugeln aus genau den Zutaten herstellen, die mir auch schmecken, oder bin bisher noch nie selbst auf die geniale Idee gekommen, Linsen zu Hummus zu verarbeiten. Richtig begeistert war ich auch von den karamellisierten Zwiebeln, das klappt tatsächlich ohne Zucker. Ich mag´s lieber deftig, zu Testzwecken habe ich aber auch „Chocolate-Chip Cockies mit vier Zutaten“ ausprobiert. Die waren nicht so ganz meines, aber auch kein Totalversager in meinen Augen. Klar, hier wird oft nicht die große Küche geboten. Eine Anleitung für einen süßen Snack, der aus Joghurt und Proteinpulver besteht, als Zwischenmahlzeit hätte ich z.B. nicht gebraucht, vor allem weil solch ein Pulverzeug keinen Platz in meiner Ernährung hat. Aber es finden sich hier durchaus auch etwas aufwendigere Rezepte, wie z.B. zuckerreduziertes Bananenbrot oder ein Quiche mit Äpfeln, Ziegenkäse und Rosmarin in gesunder Ausführung. Alles in allem habe ich in diesem Abschnitt wirklich einige gute Inspirationen erhalten, die es auf die Liste meiner Lieblingsrezepte geschafft haben. 


     


    Im letzten Abschnitt bekommt man noch einmal 27 Menübaukästen präsentiert. Es wird jeweils eine Hauptzutat in drei verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten zu einer vollständigen Mahlzeit zusammengesetzt. „Gemüsenudeln und …“, „Gebeizter Lachs und …“ oder eben mein Highlight „Gefrorene Banane und …“. Miso als eine Geheimzutat in ein Dessert aus den gefrorenen Scheibchen, da werde sogar ich noch zum Liebhaber von Süßem. Zu der Hauptzutat gesellen sich meist vier bis fünf andere Dinge, für die man in den vorherigen Kapiteln eine Anleitung erhalten hat, oder eben einfach zusätzliche Zutaten zum Aufpeppen, die keiner Vorbereitung, außer vielleicht waschen bedürfen. In dem Abschnitt wird deutlich, dass man mit den Basic Gerichten aus den vorangegangen sicher eine Weile lang nicht dasselbe auf den Tisch stellen muss. Wer selbst oft kreativ in der Küche zusammenstellt, wird diesen Teil vielleicht missen können. Aber auch solche könnten sich hier noch die eine oder andere Inspiration holen, wie ich mit meinem Eis eben. Anfänger in der Küche werden sind sicher dankbar darum sein. Außerdem sind sie einfach optisch ein Highlight. 


     


    Toll finde ich, dass kein Rezept viel Zeit in Anspruch nimmt, das Versprechen einer schnellen, gesunden Küche kann die Autorin auf jeden Fall halten. Zudem ist die Zutatenliste oft so übersichtlich oder durch so viele Variationsmöglichkeiten so gehalten, dass sich das meiste Benötigte im Vorratsschrank findet, frische Zutaten natürlich außen vor. Alle Rezepte sind leicht verständlich formuliert und man muss keinesfalls versiert sein, um hier von Erfolg gekrönt zu werden. Nährwertangaben fehlen völlig. Gesunde Zutaten, das ist mir wichtig, da kann ich auf diese Angaben gut verzichten. Oftmals wäre das aufgrund der vielen möglichen Varianten wohl auch gar nicht möglich, solche zuverlässig zu machen. 


     


    Ich wollte ein paar neue Anregungen für meine tägliche Küche, wurde von der tollen Aufmachung des Buches und sicher auch etwas von der Werbung für gesunde Küche, die mir auch am Herzen liegt, angelockt. Ich wollte nie Essen für eine ganze Woche vorbereiten, das ist einfach nicht mein Ding. Ich würde nie aufgeschnittenes Gemüse in der Tupperbox im Kühlschrank lagern, so z.B. schon gar keine Tomaten, die meiner Meinung nach gar nie in den Kühlschrank gehören. Wie tauglich das Konzept für eine Wochenvorbereitung ist, kann ich daher nicht beurteilen. Nicht ganz so glücklich war ich vielleicht auch mit dem einen oder anderen Tipp, weil der einfach nicht meinen Essgewohnheiten entspricht. Stevia finde ich z.B. schrecklich. Aber mit meinem Verzicht gleiche ich vielleicht aus, dass für die Autorin gilt, „Wenn ich in einem Café Stevia Portionsbeutelchen finde, stecke ich mir manchmal klammheimlich ein paar in die Tasche.“, eine Empfehlung, die etwas befremdlich für mich war. Aber welches Kochbuch überzeugt schon zu 100 Prozent? Wohl eher keines. 


     


    Wirklich äußerst gelungen empfinde ich das Layout des Buches. Schon der erste Blick macht so richtig Laune und lädt zum Blättern ein. Ganzseitige, toll in Szene gesetzte Fotos von den Gerichten, machen schon beim Betrachten einen wässrigen Mund. Die Autorin ist Verfechterin von einer guten Planung, von Listen und die Struktur findet sich auch hier. Immer wieder gibt es Listen, es finden sich übersichtlich gegliederte Anleitungen, optisch wirklich äußerst ansprechend wird das Ganze mit ganz vielen Fotos aufgepeppt. 


     


    Alles in allem konnte ich hier einige tolle Ideen für meine tägliche Küche finden. Auch wenn mir das Gesamtkonzept fern liegen mag, mich die Autorin auch nicht davon überzeugen konnte, schätze ich den Mehrwert für meinen ganz persönlichen Menüplan doch so hoch ein, dass ich hier noch 5 Sterne vergeben kann. 

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    Cover des Buches Auszeit bei den Abendrots9783596700202

    Bewertung zu "Auszeit bei den Abendrots" von Alexandra Holenstein

    Auszeit bei den Abendrots
    Antekvor einem Tag
    Die entschwundene Helene und ihr verlustig gegangener Josef

    Schon mit ihrem „Heinrich-Problem“ hat mir die Autorin ganz großes Kino geboten, ich habe mich daher wie irre auf den neuen Roman gefreut und wieder einmal konnte Alexandra Hohenstein mich von Anfang bis Ende nur begeistern. 

     

    Helene begegnet man hier zunächst einmal als „Zurückgelassene Fracht am Rande einer kleinen, wenig frequentierten Autobahnmautstelle. Bei 29 Grad im Schatten, die Sonne im Zenit. Sechzig Kilometer südöstlich von Mailand.“ Und erfährt dann, dass ihr Ehemann Josef auf dem Weg in die in Venedig geplante Urlaubswoche den Abflug gemacht hat. An der Mautstelle einfach mit Sack und Pack ausgestiegen und von dannen gezogen. Ein schlechter Scherz? Nein, nicht wirklich! Josef geht weder an sein Handy, noch taucht er mit dem Zug oder Taxi wenig später noch in der bezahlten Ferienwohnung auf. Einziges Überlebenszeichen ist nach Tage eine lächerliche Email.
     „Liebe Helene Es tut mir leid, dass ich dich im Auto zurückgelassen habe. Das ist kaum entschuldbar und lässt sich auch für mich nur als Kurzschlusshandlung erklären. Aber du bist eine tatkräftige, starke Frau, die auch mit solchen Momenten umzugehen weiß. Das beruhigt mich und gibt mir das Gefühl, nichts wirklich Schlimmes getan zu haben.“, und der damit versehenen Ansage, dass er eine Auszeit bräuchte. 

     

    Als Leser darf muss man sich nun mit Helene den Tatsachen stellen. Zunächst gilt es zu rätseln, was Josef dazu angetrieben hat. „Wenn das etwas mit Midlife-Crisis zu tun hätte, dann müsste Josef 104 Jahre alt werden. Und das glaube ich nicht, dazu ist er nicht entspannt genug.“, und eine Affäre, doch nicht ihr Josef, oder doch? Leider ja, denn Professor Doktor Josef Abendrot hat es die junge Assistenzärztin angetan, was natürlich nicht lange ein Geheimnis bleiben kann. Galt für seine Ehe „…war ihr Liebesleben, in den ersten Jahren ihrer Ehe ein brodelnder und reichlich gepfefferter Husarentopf, zu einer nur spärlich gewürzten Souce blanche eingedampft.“, erlebt er mit Nathalie wahre Höhenflüge. Ganz klar, dass für ihn trotzdem gilt, „Er, der sich keinen Weg hatte verbauen wollen und den Platz an Helenes Seite im Jägerweg gerne mit einem Reserviert-Kärtchen freigehalten hätte. Für wie lange eigentlich.“. Aber nicht mit Helene. So sehr sie es auch trifft, jetzt heißt es erst einmal, ich bin dann mal „experimentierend unterwegs“. Viel mehr mag ich gar nicht verraten. Hier bekommt man ein tolles Gesamtpaket aus einer mehr als authentischen Ehegeschichte, bei wem kriselt es nicht mal nach so vielen Jahren, jede Menge an mehr als verständlicher „Ein Stimmungsumschwung aller erster Güte.“, die einen richtig mitfühlen, mitleben und mitfiebern lassen und ganz viel Humor, der aber nie aufgesetzt oder schräg komisch wirkt, geboten. 

     

    Mitreißend, spannend, humorvoll, das sind wohl treffende Adjektive für den Erzählstil, die allesamt gesteigert gehören. Die Autorin beschreibt mit solch vielen, treffenden originellen Bildern, dass man die Szenen regelrecht vor einem inneren Auge laufen hat. Ich sehe z.B. jetzt noch Wollsocken Willi aus dem Aquarellkurs vor mir, wie er Helene stolz den selbstbestrickten Fuß hinreckt oder Josef wutentbrannt die nervende Kuckucksuhr im Teich versenkt.  Bei Gefühlen, die mit „Ärger meldete sich. Er begann sein Wirken im Bauch, trommelte dann in der Brust und stieg, zu Hitze verwandelt, in meine Wangen.“,  beschrieben werden, oder einem „In Celsiusgraden hätte ihr Ton bei minus zehn gelegen.“, weiß man zudem einfach sofort, was hier geboten ist und auch die ehrliche, tiefe Liebe konnte ich ganz oft spüren. Viele der Szenen an sich geben Anlass zum Schmunzeln. Diebisch freuen konnte ich mich z.B., wenn Josef in seiner jugendlich geglaubten Selbstüberschätzung einen der unzähligen Dämpfer bekommt, und es heißt „Da er sich bereits ungeschönt die Blöße eines Hausierers in Sachen Gunstbezeugung gegeben hatte, brauchte er keinen weiteren Gesichtsverlust zu befürchten.“ Mein Highlight unter seinen Pleiten, Pech und Pannen war sicherlich, „Auf der Schwelle zu seinem Heim stand nicht Helene, sondern sein rot-blau gestreifter Bademantel. Dies jedoch nicht ganz aus eigener Kraft. Was seiner weichen, nicht mehr ganz auf modischer Höhe befindlichen Frotteerobe Standfestigkeit verlieh, war ein männliches Wesen.“ Pointierte Dialoge und Ansagen, wie z.B. >>Nur weil du das Klischee des krisengeschüttelten alternden Mannes vollumfänglich bestätigst, heißt das nicht, dass sich die Menschen um dich herum ähnliche Entgleisungen leisten.“, machen das Lesen hier zum ganz großen Vergnügen. Alexandra Hohenstein vermag sich auszudrücken und spielt geradezu mit Sprache. Da wird Mann nicht nur einfach eifersüchtig, sondern da heißt es „Dazu kam, dass sich noch ein anderes Nagetier an die Arbeit gemacht hatte. Der Baumstamm hieß Eifersucht, wurde in Sanduhrtechnik benagt, und drohte, Josef aus den Kopf zu fallen.“ Dass sie wirklich etwas vom Schreiben versteht, zeigen mir auch die unzähligen kleinen Details und Spitzen, die sie gekonnt einbaut, die die Geschichte zu etwas Besonderem machen und die oft auch noch Seiten später wieder aufgenommen werden. Da wird einem als Leser schon mal erst am Ende des Romans klar, warum Lego, der Familienhund unter Nathalies Sofa auf Schatzsuche geht. 

     

    Erwähnen muss ich auch noch unbedingt die vielen tollen Botschaften und Denkanregungen fürs Leben, die sich in dieser herrlichen Geschichte verbergen. „Der Lebenshase schlägt manchmal unerwartete Haken“, „Das Leben ist Veränderung.“ oder der Ratschlag, „Ich will damit auch nur sagen, dass es und allen hin und wieder guttun würde, unseren Blick zu weiten. Nicht immer gleich: Dies darf man nicht, jenes darf man nicht. Du weißt schon der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtungen wechseln kann.“, sind nur drei Beispiele dafür.

     

    Die Autorin ist Meisterin darin, authentische Charaktere zu erschaffen und zwar nicht nur die Hauptprotagonisten, wie Helene, die so echt erscheint, dass man meinen könnte, eine solche im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft zu haben, und einen Josef, der zwar in viele Klischees eines abtrünnigen Ehemanns schlappt, aber dennoch nie aus der Welt gefallen zu sein scheint, von seinen hormonell gesteuerten Irrungen einmal abgesehen. Dieses Echte gelingt ihr auch bei allen noch so kleinen Rollen, Sohnemann „Nein Tobi war nicht nur ein heller Kopf, er hatte manchmal auch etwas von einem Terrier, der sich an einem Hosenbein festbiss. Das wiederum erinnerte an seinen Mutter.“, oder vor allem auch Susanne und Rüdiger, des befreundete Pärchen, das so deutlich zeigt, dass sich ein mancher nur gut fühlen kann, wenn er andere kleinmacht, und sich wohl gesucht und gefunden haben, sind z.B. auch einfach nur grandios erschaffen. So richtig real ist auch Adrienne die Yogafreundin, die mir so imponiert hat, mit ihrer Fähigkeit ein halb leeres Glas schnell wieder zu einem halb vollen zu machen und den Titel Freundin mehr als zurecht trägt. 

     

    Alles in allem kann ich hier nur völlig begeisterte fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung vergeben. Das große Kino sollte man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen. 

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    Cover des Buches Die Liebe fällt nicht weit vom Strand9783548062624

    Bewertung zu "Die Liebe fällt nicht weit vom Strand" von Franziska Jebens

    Die Liebe fällt nicht weit vom Strand
    Antekvor 27 Minuten
    ... sondern dieser Roman ist geradezu für den Strand gemacht

    „Ich starre mein Spiegelbild an. Was hat die Yogalehrerin gestern Abend noch gesagt? Ich soll mit meiner Niere lächeln? Beim besten Willen. Das ist ein bisschen viel verlangt. Heute Morgen finde ich es schon anstrengend genug, überhaupt die Augen aufzuhalten. Von einem Lächeln, in welcher Gegend meines Körpers auch immer, kann vor zehn Uhr auf keinen Fall die Rede sein.“ Mit dieser Beschreibung wird man als Leser von der Ich-Erzählerin Sophie begrüßt und eilt mit ihr schon wenig später zu einem Job, der sie wenig glücklich macht. >>Ich wollte eigentlich Köchin werden und irgendwann mein eigenes Catering-Unternehmen haben. Aber die Vorstellung, dass seine Tochter nur eine Ausbildung zur Köchin macht, und das mit einem Abitur, hat meinen Vater unglaublich traurig gemacht. Und deshalb habe ich BWL studiert,…«. Etwas ziel- und lustlos durchs Leben gestolpert, hat sie daher als Zwischenlösung erst einmal einen Job als Empfangsdame angenommen. „Denn eine solche Einstiegsposition bei einem Unternehmen wie Triversal bot einem ja diverse Möglichkeiten. Meine Antwort auf alles. Ich war erst mal aus dem Schneider. Und mein Vater war sehr zufrieden damit, seinen Freunden am Samstag im Tennis Club erzählen zu können, dass seine Tochter bei Triversal in Hamburg arbeitete. Was genau sie da machte, musste ja keiner wissen. Tim war da zwar nicht ganz so genügsam, aber aktuell hatten wir diesbezüglich Waffenstillstand vereinbart.“ Dass sich tatsächlich ein solcher Einstieg bieten würde, hätte sie wohl selbst am allerwenigsten gedacht. Denn,  »Ich hätte das ganz anders gemacht und finde diese Marketing-Ideen ehrlich gesagt extrem langweilig und beliebig, und ich halte überhaupt nichts von Kooperationen mit Fast-Food-Ketten, wenn es darum geht, eine romantische Liebeskomödie zu bewerben.«, einer frech, ehrlichen Meinung herausposaunt sei Dank, startet die große Karriere, nur was wird aus den Träumen? 


     


    Das wird auf keinen Fall verraten, vielleicht noch so viel: Man darf mit Sophie einen beruflichen Aufstieg erleben, der sie mir nicht unbedingt sympathischer gemacht hat, und dabei nicht nur in Hamburg, sondern auch beim Dreh in Dänemark jede Menge Filmluft schnuppern, muss sich mit ihr entscheiden, ob es mit Freund Tim eine gemeinsame Zukunft gibt oder ob vielleicht ein anderer den Platz in ihrem Herzen einnehmen darf und natürlich auch überlegen, ob die Träume vom Foodtruck nun wie Seifenplatzen geplatzt sind.


     


    „Während meine Klassenkameraden sich nach der Schule cool und lässig rauchend in den dunklen Ecken unserer Kleinstadtparks herumdrückten, verbrachte ich jede freie Minute im Haushaltswarenladen von Frau Düsen und ließ mir jedes Messer, jede Rührmaschine, jede Backform und jedes Sieb erklären.“, schon früh hat sich der Traum von der Köchin bei Sophie eingenistet und deshalb wird in ihrer Geschichte auch viel geschlemmt. Man sollte also besser nicht hungrig essen. Ich hatte nicht nur einmal einen wässrigen Mund, wenn Dinge wie „Vier Gänge voller Herrlichkeiten. Spargelschaum mit Avocadosahne und kleinen karamellisierten Nüssen, eine kalte Melonentomatensuppe mit Sojasesamöl, dann in knusprigem Erdnuss-Teig gebackener Dorsch auf Gemüsepfanne und als Nachtisch Schokoladenmousse.“, oder „Dieses Essen! Ein Gedicht! Brathering mit Feta– wie kommt man auf so etwas! Und dann ist es natürlich ein würziger, weicher Feta, der einfach so auf der Zunge zergeht und der perfekt zu dem herzhaften, leicht süßlichen Geschmack des Bratherings passt.“, aufgetischt werden.


     


    Der witzig, kurzweilige Sprachstil der Autorin macht diesen Roman zum idealen Buch für den Liegestuhl. Kopf ausschalten, entspannen und mit Schmunzeln einige romantische Stunden verbringen und dabei auch jede Menge schlemmen. Auch wenn beste Freundin Sasha meint, >>Doppelquadruppelromantisch!« und es auch einmal heißt,  „… hatte ich mit noch mehr Strand gerechnet. Aber bestimmt nicht mit einem bärtigen, blauäugigen Traumhausbesitzer, einem braun-schwarz-weiß gescheckten Schlittenhund und einem Abendessen wie aus einem Kitschroman.“, wird die Romanze zum Glück nie zu kitschig und durch Sophies Innehalten ab und an,  z.B. wenn ihr die Mutter so abgeht, »Die Zeit heilt alle Wunden« einfach nicht stimmen kann. Denn der Schlag in die Magengrube ist auch jetzt noch fast genauso heftig wie vor einem Jahr, immer wenn ich spontan zum Telefon greife, um ihr zu erzählen, dass mir das Vanille-Soufflé gelungen ist, um sie zu fragen, ob sie mit mir einen Kaffee trinken gehen will, oder um zu erfahren, welches neue Projekt sie an Land gezogen hat, und ich dann realisiere, dass ich sie nie mehr auf diesem Weg erreichen kann.“, oder es generell um Lebensträume geht, »seit deine Mutter gestorben ist, ist mir klar geworden, dass das Leben zu kurz ist, um immer nur Dinge zu tun, die einen eigentlich nicht glücklich machen. Diese Erkenntnis schien mir wichtig. Das wollte ich dir nur sagen.<<, sind auch ab und an ein paar Denkanstöße zu finden. Große Literatur darf man sich natürlich nicht erwarten.  


     


    Sophie, die eigentlich bodenständig ist, keine große Karriereambitionen hat und von ihrem Foodtruck träumt, mochte ich eigentlich gern. Dass sie sich zum Negativen entwickelt, als sie der Erfolg verwöhnt, hat mir zwar nicht so gut gefallen, vor allem dass dabei Claudio, der Kollege, der ihr zu Beginn noch so wichtig war, auf der Strecke bleibt, aber ich will ihr zu Gute halten, dass sie nicht blind dafür ist. Ihr Freund Tim ist zum Abgewöhnen, wer braucht schon jemanden, der einen ständig klein macht, aber vielleicht habe ich ja wirklich seine guten Seiten verpasst. Die Filmleute sind natürlich alle teils schrill und besonders, aber passen so gut zum Setting. Sehr gut hat mir auch die kleine Nebenrolle von Claudette, die Freundin von Sophies Mutter, die ihr so schrecklich fehlt, gefallen. Eine tolle warmherzige Frau. 


     


    Alles in allem fällt man mit diesem kurzweiligen Roman nicht vom Strand, sondern er eignet sich optimal für ein paar kurzweilige Stunden dort. Mit den richtigen Erwartungen ran gegangen, kann ich fünf Sterne schon noch vergeben. 

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    Cover des Buches Signora Sommer tanzt den Blues9783462051360

    Bewertung zu "Signora Sommer tanzt den Blues" von Kirsten Wulf

    Signora Sommer tanzt den Blues
    Antekvor 5 Tagen
    mit ganz viel Blues Glückskekse-Sammeln in Rom

    „In diesem schlaflosen Sommer 1945 wurde ich 16 Jahre alt. Aus Rom waren die deutschen Soldaten schon im Jahr zuvor verschwunden. Einfach so, still und heimlich, plötzlich waren sie weg. Wir rieben uns noch die Augen, da kurvten schon amerikanische Jeeps, Panzer und Militärfahrzeuge zwischen Forum Romanum, Kolosseum und Piazza Venezia herum.“. Mit einem Prolog, in dem man von einem Mädchen erfährt, das in der Wohnung über ihm einem tanzenden Liebespaar, einer Affäre der beiden, auf die Spur kommt, wird man erst einmal ins Jetzt katapultiert und die reichlich betrunkene Fra verwechselt die Tür der neuen Wohnung und fällt einer Laura entgegen, für die gilt, „War diese Dalmatiner-Lady aus einem Sack der Kleiderspende gekrabbelt? Wie auch immer, die glotzte, als ob ihr eine Außerirdische vor die Füße gefallen wäre. Okay, es war mitten in der Nacht– oder schon früher Morgen?“ Letztendlich doch noch die richtige Tür gefunden, erwartet Fra eine böse Überraschung, denn alles steht unter Wasser, einzige Option für die restliche Nacht, Laura: „Wo war das Wohnzimmer? Fra blieb stehen, drehte sich um und hörte plötzlich eine dünne Stimme: »Was wollen Sie…?« »Schlafen, Schätzchen«, Fra mühte sich um Geduld und ein Lächeln, »aber mein Schlafzimmer steht unter Wasser, und das Wasser kommt von oben. Hier, bei dir, ist also die Quelle, sozusagen.«

     

    Als Leser zieht man so mit Fra in Lauras Wohnung ein, dieselbe im Übrigen wie im Prolog,  und lernt die beiden Damen näher kennen, denn so schnell wird so ein Wasserrohrbruch nicht beseitigt. Laura, die am geplanten Hochzeitstermin ihre große Liebe zu Grabe tragen musste, steckt in einem tiefen Loch und mag für Fra zwar gelten, „Für normal gestrickte Seelen mit normalen Jobs, in normalen Wohnungen, mit normalem Fernsehprogramm war Fras buntes Ganzkörper-Design ein schriller Anschlag auf den gewöhnlich guten Geschmack.“, und ihr flippiges Auftreten auch einen falschen ersten Eindruck hinterlassen, weiß die zum Glück sehr schnell „stand für Fra fest: Laura brauchte Gesellschaft in ihrer Wohnung, sie hatte sich in ihrem depressiven Einerlei irgendwie eingerichtet, aber Fra würde ihr so charmant wie möglich auf die Nerven gehen. Laura sollte sich noch wundern, wie belebend Fras Anwesenheit sein konnte.“, und als sie wenig später noch Samantha, ihre Untermieterin mit bei Laura einquartiert, ist das Chaos perfekt. Viel mehr will ich gar nicht verraten. Ein schweres Zurück ins Leben, einiges an Gefühlschaos und jede Menge Blues zwischen berührend, teils tragischen Liebesgeschichten im Heute und in der Vergangenheit machen das Gesamtpaket perfekt. 

     

    »Du sollst dich drehen und durch den Blues gleiten, wie durch dein Leben. Sind beide nie perfekt, es gibt immer schiefe Töne, aber darin liegt die wahre Schönheit, im Leben wie im Blues.« Ich interessiere mich nicht besonders für Musik, höre, das was mir gefällt ohne besondere Vorlieben. Hier schwappt beim Lesen aber regelrecht die Euphorie über, Tanzen, Blues Songs trällern, damit steckt Fra nicht nur Laura an. Ich denke richtige Fans werden noch mehr Lesevergnügen haben, wenn sie viele Textausschnitte oder auch Liedtitel, die im Text gelungen eingebunden sind, wiedererkennen. Mir hat gut gefallen, hier einiges über die Musikrichtung zu erfahren, »Blues wurde immer auch getanzt, nicht in feinen Tanzsalons, sondern in Kaschemmen, in verrauchten Bars. Blues ist nicht die choreografierte Vorstellung vom Leben.“, oder „Ihr »Downhearted Blues« dagegen erzählte von Misshandlungen und wurde in den 1920er-Jahren ein Superhit mit 800000 verkauften Platten– in einem Amerika, das säuberlich Schwarz und Weiß trennte, aber diese schwarzen Sängerinnen in den größten Konzerthäusern feierte, vor ausschließlich weißem Publikum.“, sind nur zwei Beispiele dafür.

     

    Kirsten Wulf nimmt einen mit auf eine Italienreise. Man darf sich besonders mit Sam einige, auch eher unbekannte, Sehenswürdigkeiten ansehen, denn sie „besichtigte die Basilika San Giovanni in Laterano, die »Mutter aller Kirchen«, von vielen Rombesuchern wurde sie übersehen, obwohl die Basilika und das angrenzende Kloster einst das waren, was heute der Vatikan ist: der Sitz des Papstes.“, man spürt das pulsierende Leben in Rom, darf mit Rolf dort den teuersten Cappuccino seines Lebens trinken und ganz besonders gut hat mir der Ausflug auf die entschleunigende Fischerinsel gefallen. „Zwischen Palmen, Olivenbäumen und meterhohen Agaven leuchteten goldgelbe Ginsterbüsche und rote Hibiskus. Eine violette Bougainvillea kletterte meterhoch an dem weißen arabisch anmutenden Gebäude hinauf. Die untergehende Sonne blinkte in einem der Fenster im ersten Stock, garantiert Meerblick– fünf Sterne allein dafür.“

     

    Der mitreißende, kurzweilige Schreibstil der Autorin macht einfach Spaß und die Seiten flogen nur so dahin. Ich konnte unheimlich viel schmunzeln, wofür vor allem Fra gesorgt hat. Die kann schon mal die unerwünschte Schwiegermutter mit den Worten, »aber ich denke, Sie gehen nun besser. Unsere Orgie ist erst am Anfang, wir würden uns ungern stören lassen.« aus dem Flur schieben und auch sonst geizt sie nicht mit deutlichen Ansagen, »Carlino könnte endlich die grundsätzliche Renovierung deiner Haartracht in Angriff nehmen, Schätzchen. Ist ja eher überfällig, wenn ich das mal freundlich ausdrücken darf. Guckst du nie in den Spiegel?«. Aber auch die vielen anderen pointierten Beschreibungen, die einem teilweise zusätzlich so richtig das Herz erwärmen, wie „Laura sah aus wie immer. Fader Strickpulli, zu weite Wollhose, Filzpantoffeln und sowieso ungeschminkt, aber Antoine strahlte sie an, als sei sie Königin Kleopatra, und ließ ihre Hand nicht los.“, haben mir das Lesen zum großen Vergnügen gemacht. Zudem konnte mich die Autorin auch emotional total einfangen. Die abgrundtiefe Trauer Lauras, die sie nach dem Tod verspürt, das langsame Aufleben, aber auch Fras verletzlichen Seiten, Edos tolle Art eine Frau zu umwerben, all die Gefühle sind so dargestellt, dass ich richtig mitfühlen, mitleiden und mitleben konnte. Ein wenig gewöhnungsbedürftig für mich waren die Zeitsprünge, da man die Geschichte immer wieder abwechselnd aus anderen Perspektiven erzählt bekommt. Ab und an kommt es dann dazu, dass z.B. eine Samantha schon bei ihrer Joggingrunde an Laura vorbeigelaufen ist und die dann ein paar Seiten weiter erst aufsteht und sich auf einen Spaziergang dorthin begibt. Für einen ganzen Stern Abzug genügt das aber längst nicht.

    Das größte Augenmerk widmet die Autorin sicher Laura und ihrer Trauer, die man hier so richtig miterleben kann. Sie ist grandios gezeichnet. Aber auch, die mit ihrer guten Laune ansteckende, Fra hatte ich zuerst besonders mit ihrem Äußeren „Die bunten Tattoos an Armen und Beinen, der pralle Busen, ihre auch sonst üppige Körperfülle und natürlich die Haare,“ ganz deutlich vor Augen. Je mehr ich über sie erfahren habe, desto mehr ist sie mir ans Herz gewachsen. Samantha habe ich als tolle Ergänzung zu den beiden empfunden. Sich ständig optimieren, Aufmerksamkeit erzielen, vielleicht auch Problemen davonlaufen wollen, wird von ihr perfekt demonstriert. Unter den Nebendarstellern hat es mir vor allem Edo, der „Maurer“ mit den Pratzenhänden und dem vielen Gefühl angetan.
     

    Alles in allem auch für jeden, der mit Blues nichts am Hut hat, eine Leseempfehlung, für Liebhaber davon eigentlich fast ein Muss. 

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    Cover des Buches Das Buch der Blumen9783716027882

    Bewertung zu "Das Buch der Blumen" von Beate Rygiert

    Das Buch der Blumen
    Antekvor 9 Tagen
    4,5 Sterne - dem Richtigen geschenkt, ersetzt es sicher einen Blumenstrauß

    Ich liebe meinen Garten über alles und es gibt nichts Schöneres für mich, als dort dem Wachsen und Gedeihen zusehen zu können. Da mir die Autorin erst kürzlich mit ihrem Roman Schäfchensommer einen ganz wunderbaren Aufenthalt in der Natur bereitet hat, war ich sehr gespannt auf ihr Buch der Blumen und so gab es keinen Weg vorbei an diesem Geschenkbüchlein, dessen schönes Cover mich magisch angezogen hat. 

     

    Als Leser findet man hier auf knapp 160 Seiten zwölf Kapitel, von denen sich die allermeisten einer Blume widmen. Das vorletzte kombiniert Zinnie und Kapuzinerkresse. Ob das der Tatsache geschuldet ist, dass beide aus Peru stammen, vermag ich nicht zu beurteilen, empfand das jedoch auch nicht als störend und richtig gelungen fand ich, dass sich das letzte Kapitel „Gänseblümchen und Co“ nach ausführlichen Blumenporträts von Rosen, Nelken oder Orchideen auch noch den schlichten Pflänzchen widmet. „Denn es müssen nicht immer die Königinnen sein, an denen wir uns möglicherweise schon sattgesehen haben.“ Dies passt sowohl perfekt zu dem Umstand, dass wir uns wohl viel zu selten die Tatsache bewusst machen, dass in der Natur alles miteinander verbunden ist, und außerdem bildet es mit dem Blick auf die Wiesenblümchen die Grundlage für den schönen Wunsch, mit dem die Autorin ihre Leser entlässt. „Viele solcher kurz aus der Zeit getreten Augenblicke in der Begegnung mit der uns umgehenden Blumenwelt wünsche ich Ihnen von Herzen.“ 

     

    Die ausführlichen Pflanzenporträts bieten jede Menge Wissen rund um die vorgestellten Pflanzen. Geschichtliches, wie z.B., dass es im antiken Rom bereits 312 v. Chr. 800 Opium Apotheken gab, im Abschnitt über den Mohn, ein „Johann Wolfgang von Goethe amüsierte sich nicht schlecht über die Nelkenmanie, die seine Zeitgenossen ergriffen hatte, und doch erlag er ihr auch selbst. An die hundert Sorten sollen in seinem Garten geblüht haben.“ oder dass schon Hildegard von Bingen die Heilkraft von Veilchen zu schätzen wusste, wird gelungen kombiniert mit zahlreichem Nischenwissen. „Um einen Liter Rosenöl zu gewinnen, braucht man vier Tonnen handgepflückter Blüten. Sieben Mal wird das Öl destilliert, bis er die gewünschte Reinheit besitzt. Wen wundert es da, dass das Rosenöl das teuerste  Aromaöl überhaupt ist? Gehandelt wird der ölgewordene Duft in Millilitern, und für einen solchen Tropfen bezahlt man gut und gern 10 bis 20 Euro.“, oder auch die Erklärung, dass die Nädlein mit denen im bekannten Schlaflied Guten Abend, gute Nacht bedacht wird eigentlich von den Gewürznelken herrühren, sind nur zwei Beispiele dafür. Auch zahlreiche Tipps zur Pflege, wie z.B. eine Anleitung, wie man einen Ritterstern, der oft fälschlicherweise Amaryllis bezeichnet wird, was ich nun weiß, im zweiten Jahr wieder zum Blühen bringt, sind zu finden. Ganz oft habe ich baff erstaunt gelesen, welcher Wunder der Natur sich doch so manche Pflanze zu bedienen weiß. Denke ich nur an die pfiffigen Arten, wie Orchideen ihre Bestäuber anlocken, bin ich jetzt noch fasziniert. Amüsiert habe ich mich auch über Anmerkungen darüber, welcher Quatsch in so manchem Poesiealbumsprüchlein steht, „Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken. Nur eine welket nicht, welche heißt Vergissmeinnicht.“ Warum ist mir, die ich den Spruch bestimmt schon ganz oft gelesen habe, das bisher noch nie selbst aufgefallen, dass natürlich auch die welken? „Wie kann es nur sein, dass in einem winzigen Samenkorn, in einer Wurzel oder einer Zwiebel dein derart komplexes   >>Programm<< hinterlegt ist und nur darauf wartet, bei entsprechenden Bedingungen in Gang zu kommen und abzulaufen wie nach einem inneren Uhrwerk.“ Das habe ich mir beim Ritterstern im Winter, selbst schon oft gedacht. Toll finde ich aber, dass Beate Rygiert auch stets auf diese Wunder aufmerksam macht. 

     

    Der lockere Sprachstil der Autorin liest sich flüssig und sie vermag mit ihren Schilderungen schnell einzunehmen. Sie verwendet viele Bilder und Vergleiche, sodass man auch ohne Abbildungen alles deutlich vor Augen hat. Gut gefallen haben mir auch ihre persönlichen Anmerkungen, die mich teilweise schmunzeln haben lassen. Ich bin z.B. überzeugt, dass auch mir die kandierten Veilchen, die die legendäre Sissi so geliebt haben muss, nicht schmecken würden und auch ich kann mich mit Schrecken daran erinnern, dass meine Mutter meinte meine Löwenzähne im Garten ausstechen zu müssen. 

     

    Ich habe mir das Buch bestellt und war beim ersten Blick ins Innere etwas erstaunt, dass sich hier „nur“ Text findet. Ein Buch über Blumen und nicht eine Zeichnung oder Abbildung? Das hat mich verwundert. Einmal angefangen zu lesen habe ich aber schnell gemerkt, dass mir Bilder, die zwar sicher die Zeilen optisch aufgelockert und ansprechend gewirkt hätten, eigentlich gar nicht wirklich gefehlt haben. Die allermeisten von der Autorin beschriebenen Blumen hatte ich ganz deutlich vor Augen, konnte teilweise deren Duft in der Nase riechen, ohne dass es eines Bildes bedurft hätte. Erstmalig googeln musste ich dann aber bei den Kamelien, weil sich da bei mir kein Bild vor meinem inneren Auge gezeigt hat und sicher auch die Beschreibungen nicht dazu ausgereicht hätten. Bei den Zinnien habe ich vorschnell nachgeforscht, denn spätestens nach dem Vergleich mit den Dahlien und den Ausführungen zu deren Aussehen, hätte ich gewusst, dass das genau die Blümchen sind, die sich beim Gemüsegärtner um die Ecke auch immer in den angebotenen Sommersträußchen finden. Eine jede im Buch erwähnte Art abzubilden wäre im Übrigen sowieso unmöglich gewesen. 

     

    Alles in allem habe ich mit diesem Büchlein viel Erstaunliches und Interessantes über die vorgestellten Pflanzen erfahren, konnte mich beim Lesen an der Natur erfreuen und dank des flotten Sprachstils machte es auch richtig Spaß ein „Sachbuch“ zu lesen. Wenn jemand die Wunder der Natur zu schätzen weiß, Leidenschaft für Blühen, Wachsen und Blumen hat, wird er hier sicher glücklich. Sonst könnte sich vielleicht vor allem auch aufgrund der fehlenden Bilder ein bisschen Enttäuschung breit machen. 4,5 Sterne und eine eingeschränkte Leseempfehlung für die richtige Zielgruppe. 

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    Cover des Buches Dahoam is Dahoam - Das Kochduell9783967470079

    Bewertung zu "Dahoam is Dahoam - Das Kochduell" von

    Dahoam is Dahoam - Das Kochduell
    Antekvor 10 Tagen
    „narrisch guad“

    Ich bin niemand, der unter keinen Umständen ein Folge von Dahoam is Dahoam verpassen darf, aber ich schau mir die Lanzinger Truppe durchaus gern an, wenn sie gerade im Fernseher läuft, zudem liebe ich Kochduells, und daher musste das Kochbuch einfach in meinen Einkaufskorb. 


      „In Runde 1 gibt es gschmackige Eintöpfe, wunderbar nach der Arbeit oder wenn es kalt ist draußen. Kapitel 2 ist meinen absoluten Leibspeisen gewidmet – Soulfood sagt man jetzt, wenn man Schnitzel, Gulasch oder Pflanzerl meint. In der 3. Runde müssen meine beiden Lieblings-Landfrauen sich ganz den Bauernhof-Erzeugnissen widmen, denn da geht es um die regionale Küche. Weil auch ich als gstandenes Mannsbild weiß, dass gesunde Ernährung wichtig ist und außerdem gscheid guad schmeckt, gibt es in Runde 4 nur vegetarische Sachen. Als Ausgleich nach dieser Fastenrunde, und weil wir außerdem gerne mal feiern, habe ich mir für Runde 5 festliche Braten und Gerichte bestellt. In Kapitel 6 schließlich dürfen sich Kathi und Moni dann meiner persönlichen Lieblingsdisziplin widmen: den Mehlspeisen.“, das Zitat aus dem von Benedikt verfassten Vorwort, gibt eigentlich den perfekten Überblick, was einen als Leser hier erwartet. 

     

    »I koch mit Herzblut und a bisserl kreativem Wahnsinn! Aber wenn die Moni deswegen glaubt, dass i die Klassiker ned beherrsch, täuscht sie sich sauber!«, ist Kathis klare Ansage und deshalb bekommt man hier 50 Rezepte präsentiert, die zum Teil altbekannte Hausmannskost präsentieren, wenn gilt, »Des Rezept is so oid, dass es für die meisten Leut scho wieder neu is.«, aber Traditionelles auch ganz oft mit neuen Ideen kombinieren. 

     

    Aber bevor man die 50 versammelten Rezepte geboten bekommt, heißt es erst einmal, „Hier kommt ein kleiner Überblick, was in der Voglhof-Küche selbstverständlich ist:“ Allgemeine Infos zu Eiergrößen, Ölen, Gemüse waschen, Küchenhygiene oder ähnlichem bekommt man von den beiden äußerst kurzweilig, auf auch über dem Weißwurstäquator verständlichen Bayrisch gleich zu Beginn mitgeteilt und dann geht´s in die Runden, die allesamt mit einem kurzen sprachlichen Duell der beiden Damen beginnen. Einem, „Den meisten Leuten heutzutage pressierts immer so, und sie unterschätzen Eintöpfe auch noch als einfache und fade Alltagsgerichte. Und dann »erfindens« so einen One-Pot-Schmarrn und kochen die Spaghetti direkt in einer greislichen dünnen Tomatensoß.“, einer Moni kann da schon mal ein, „Kathis One-Pot-Philosophie Des is doch mir wurscht, ob des Eintopf oder One Pot heißt. Schmecken muss es, und wenn es einen einfachen Weg zum Glück gibt, wär ich ja deppert, wenn ich den nicht nehmen würd!“ kommen. 

     

    Nach dem Rezeptnamen, z.B. „„Bunte Gemüsenudeln mit Linsenbolognese“, die wirklich zum Niederknien lecker sind, gibt es meist ein paar amüsante Worte der Köchin, die mit ihrem Rezept ins Rennen geht. Hier z.B.“… hinterm Mond hat die Moni auch noch nie gwohnt, und außerdem hat sie seit der letzten Dult einen Spiralschneider: Mit dem zaubert sie Gemüsenudeln samt einer vegetarischen Bolognese.“, darauf folgen die Zutaten. Meist sind diese für vier Personen angegeben, ab und an auch nur für zwei, was mir besonders gut gefallen hat. Gut finde ich auch, dass die Zutaten so gut wie immer überschaubar und auch nicht so ausgefallen sind, dass sie sich nicht in den meisten Vorratsschränken finden lassen würden. 

     

    Dann folgen immer leicht verständliche und sicher auch von jedem, der nicht so geübt ist, umsetzbare Schritt-für Schritt-Anleitungen. Bei vielen Rezepten findet sich auch immer noch ein Geheimtipp der jeweiligen Köchin. Wie z.B. von einer Moni, »Meine Geheimzutaten? Oide Apfelsorten aus unserm Garten und frischer Rahm vo glückliche Kiah!« Ganz klar wird ein jedes Gericht auch mit einem tollen Foto perfekt in Szene gesetzt, auch die beiden Frauen sind immer wieder auf Bildern zu finden. Angaben zu Zubereitungszeit oder zu Nährwerten fehlen. Aber bei einem Blick auf die Anleitungen ist die Zeit ja zumindest grob selbst abschätzbar und dass hier keine Diätküche ins Battle geht, ist ja sowieso klar, wenn auch durchaus nicht nur Schwergewichte zu finden sind. Da würden Kalorienzahlen vielleicht auch eher den Genuss schmälern.

     

    Ich habe noch längst nicht alle der 50 Rezepte ausprobiert, aber bei den Gerichten, die bereits auf den Tisch kamen, war ich wirklich begeistert. Teilweise habe ich auch richtig tolle Beilagen entdeckt, die leicht mit anderen Gerichten kombinierbar sind und die daher ab jetzt ohne Zweifel zu meinen Lieblingsrezepten zählen dürfen. Blaukraut gibt es bei mir von nun an sicher öfters in der Kirsch, statt Apfelvariante, und den Ziegenrahm mit Bestimmtheit nicht nur zu der superleckeren „Ofenkartoffel mit Rote-Bete-Füllung“. Obwohl ich kein Fan von Panade bin, konnten mich Kathis Ofenschnitzel vollends überzeugen, einfach zu lecker. Für Fisch bin ich immer zu haben, und da Erdbeeren gerade in meinem Garten und der Spargel erntefrisch am Markt angeboten wird, konnte ich mit der „Liebesforelle aus dem Ofen mit Spargel-Erdbeer-Salat“ ein weiteres Highlight mithilfe dieses Buchs auf den Tisch stellen. Ich liebe Rouladen, daher haben mich auch die beiden Rezeptvarianten dafür besonders gefreut. Die italienische Variante konnte schon voll punkten. Aber ich bin sicher, dass Monis „Rouladen Maisacher Art mit gebackenem Butternut-Topinambur-Püree“, zwar ein anderes Geschmackserlebnis bieten, sicher aber nicht weniger gut schmecken werden. 

     

    »Brutal lokal« – Vom Foodtrend reden die Leut jetzt alle. Ja mei, da kann ich als Bäuerin nur lachen … Weils ein bisserl komisch ist, und weil es mich natürlich freut: Da haben wir schon immer so wunderbare Zutaten direkt vor der Haustür, und dann brauchts so lang, bis des wieder geschätzt wird, weils erst wieder modern werden muss.<< Ganz auf meiner Linie liegt das Kochbuch vor allem auch, weil nicht nur Moni sondern auch Kathi auf regionale, saisonale Produkte achten. 

     

    Alles in allem gibt es von mir begeisterte fünf Sterne. Wer nicht strikt Diät halten will, wird sicher glücklich mit den neuen Inspirationen und der Erinnerung an die gute traditionelle Hausmannsküche. Für Fans der Reihe führt aufgrund des amüsant, kurzweiligen Schreibstils eigentlich gar kein Weg vorbei.  

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    Cover des Buches Die Schwestern von Marienfehn9783352009204

    Bewertung zu "Die Schwestern von Marienfehn" von Jan Steinbach

    Die Schwestern von Marienfehn
    Antekvor 11 Tagen
    Erneut eine bewegend, fesselnde Familiengeschichte aus der Feder von Jan Steinbach

    Ganz besonders mit „Willems letzter Reise“ aber auch mit seinen Weihnachtsgeschichten hat mich Jan Steinbach bisher bewegend, berührend und einnehmend unterhalten. Deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut, die Schwestern kennenlernen zu dürfen, und auch das war ein Vergnügen.

     

    „Sonst rissen sie gern derbe Witze und schlugen sich lachend auf die Schultern, jedoch niemals, wenn Hanna Brook im Raum war, ihre Eiserne Lady, wie sie sie bisweilen scherzhaft nannten.“. Die Geschichte beginnt mit einem Prolog aus dem Jahr 1985. Die Schnapsbrennerei Brook ist bedroht von Firmen, die mit billigem Alkohol produzieren und den Markt überschwemmen. „Alle rieten ihr, die Brennrechte an eine große Brennerei zu verkaufen und ihre Landwirtschaft zu modernisieren. Sich auf Kühe oder auf Schweine zu konzentrieren.“ Doch eine Hoffnung hat Hanna noch, „Zwar waren es nur die Mitarbeiter vom Brennereihof, denen sie ihren neuen Brand vorstellte. Keine Branchenkenner oder Gourmets. Trotzdem wusste sie, wenn sie diese Männer nicht überzeugen konnte, würde es ihr auch woanders nicht gelingen. Hier entschied sich, ob das jahrelange Experimentieren umsonst gewesen wäre.“ Ein edler Brand, ob der die Brennerei retten kann? 

     

    Dann lernt man als Leser allerdings die damals so Eiserne Lady Hanna mit dem angeblich so großen Kampfgeist ganz anders kennen. Denn mithilfe von Großneffen Benedikt zieht sie gerade ins betreute Wohnen in die Seniorenresidenz von Marienfehn. Auch wenn sie tapfer behauptet, es sei ihre Entscheidung, merkt man als Leser sofort, dass sie den Hof nicht gern verlassen hat und auch Benedikt will ihre Entscheidung so gar nicht wahr haben. Was ist dort geschehen, warum kann sie ihren Lebensabend nicht dort verbringen? Das wird ebenso wenig verraten wie, welcher große Streit sie und ihre Schwester Rosie entzweit hat. Nur so viel, die Seniorenresidenz ist nicht nur Hannas neues Zuhause, sondern es gilt, „Ein Wiedersehen nach über vierzig Jahren, dachte Hanna, auch noch im Seniorenheim. Es war ein schlechter Witz.“, denn nur einst galt, „Rosie, ihre älteste Freundin. Ihre Schwester, ihre Weggefährtin. Wir schwören, für immer Freundinnen zu sein, ja, Hanna? Wir wollen unser Leben lang zusammenhalten, auf ewig.“ 

     

    Der Autor spielt mit verschiedenen Zeitebenen. Während man im Jetzt mit Rosie und Hanna Waffenstillstand feiern und sich dann mit den beiden Damen fast schon vergnügen kann, >>Möchtest du ein Glas Wasser?« Rosie ließ sich mit einem schweren Seufzer sinken. »Wasser? Ich dachte, hier gibt’s Schnaps«, meinte sie gut gelaunt.“, aber auch noch einmal richtig um den Hof zu kämpfen beginnt, bekommt man in der Vergangenheit, vom zweiten Weltkrieg an beginnend, die Geschichte von Hanna und auch Rosie sowie Carl, und die Liebe um ihn erzählt. Die geschickten Perspektivwechsel haben mich ans Buch gefesselt, nicht nur, weil das Geheimnis, was die beiden Schwestern, denn nun letztendlich entzweit hat, so auch erst relativ spät enthüllt wird, einige Überraschungen und Wendungen, die ich vorher nicht so erwartet habe, inbegriffen. 

     

    Es geht hauptsächlich um die Schnapsbrennerei, das politische Geschehen bekommt man aber dennoch am Rande mit, was mir gut gefallen   hat. Anfangs, erlebt man so mit der Familie z.B. Fliegeralarme, die es im Schutzkeller zu verbringen gilt, es gibt einen Onkel, der unter den Spätfolgen der Fronterlebnisse schrecklich leidet, und später hört man auch die eine oder andere Radiomeldung, bzw. sieht einen Fernsehbericht, was stets einen zeitlichen Rahmen setzt. Besonders interessant fand ich da natürlich Dinge, die ich bisher nicht wusste, wie z.B. „Die Mädchen lauschten gebannt einem Bericht über die Elefantendame Tuffi, die mit der Wuppertaler Schwebebahn gefahren und in Panik durchs Fenster gesprungen war, zehn Meter tief in die Wupper.“, Auch die Atmosphäre der Zeit, „Weshalb die Menschen in Holland keine Deutschen mochten, blieb wie immer nur angedeutet. Denn über alles, was vor dem Wirtschaftswunder war, redete niemand. Als hätte es Deutschland in der Zeit davor gar nicht gegeben“, sowie die Entwicklung der Frauenrolle, >> Brauchen wir immer einen Mann, um zu tun, was wir wollen? Einen, der uns erlaubt, so zu leben, wie wir möchten? Warum können wir das nicht selber entscheiden?« »Hanna, jetzt redest du wirklich Unsinn. Wie stellst du dir das denn vor?«, ist stets gelungen eingefangen. 

     

    Der Autor hat mich mit seinem ergreifend, bewegenden Schreibstil sofort wieder in die Geschichte gezogen. Liebenswerte Hauptdarsteller, mit denen man leiden, fiebern und mitfühlen kann, sind neben bewegende Szenen, wie wenn eine kleine Hanna z.B. mithören muss, wie ihr Vater zur schwangeren Mutter sagt, »Noch eine Hanna verzeih ich dir nicht. Wir müssen sie alle durchfüttern, unsere Mädchen, aber bringen tun sie nichts.«, oder Jahre später dann >>Das mit der Schule ist keine schlechte Idee. Wenn sie Lehrerin ist, kann sie für sich selbst sorgen. Dann sind wir nicht für sie verantwortlich, wenn sie eine alte Jungfer wird.« , sind seine Hauptzutaten dafür. Jan Steinbach verwendet viele Bilder, ich hatte die Brennerei, die besonderen Weinfässer, aber auch das Moor, in dem die heimlichen Treffen mit Carl in Kindertagen stattfanden, so z.B. deutlich vor Augen. Richtig toll finde ich auch, dass man immer wieder schmunzeln kann, wofür hier ganz besonders Rosie sorgt. Da kann auf ein »Nein, das haben Sie toll gemacht. Es sieht aus wie eine Narzisse.«, der blutjungen Leiterin im Malkurs, von einer Rosie schon mal ein » »Eher wie eine krepierte Sau auf einer grünen Forke«, kommen. 

     

    Hanna habe ich von Anfang an in mein Herz geschlossen und Rosie hat es mit ihrer ansteckend guten Laune ganz schnell auch dahin geschafft. Richtig toll fand ich auch den Großneffen Benedikt. Der hat mich mit seinem rücksichtsvollen Verhalten z.B. ganz besonders oft gerührt. Von ihm wird ein Zittern seiner geliebten Tante Hanna, welches ihr ein Aufschließen der Tür unmöglich macht, schon mal gekonnt mit einem
     »Lass mich mal probieren«, »Ich glaub, das Schloss klemmt.«, überspielen. Die Darsteller sind wirklich allesamt toll dargestellt, die wichtigen auch alle mit viel Profil ausgestattet. 

     

    Alles in allem konnte mich der Autor mit seiner einnehmenden Geschichten wieder einmal mehr als gelungen unterhalten und fünf Sterne gibt es da von mir gerne. 

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    Cover des Buches Ein Sommer auf Sylt9783958626409

    Bewertung zu "Ein Sommer auf Sylt" von Lena Wolf

    Ein Sommer auf Sylt
    Antekvor 12 Tagen
    Strandkorbtauglicher Kurztrip nach Sylt

    Ich liebe die Nordsee, war leider noch nie selbst auf Sylt und daher kam mir dieses Hörbuch gerade auch in Corona Zeiten, in der Verreisen keine Option ist, mehr als gelegen für eine kleine Auszeit auf der nordfriesischen Insel und ich habe diese genossen. 

     

    Jahrelang hatte Julia keinen Kontakt zu ihren Eltern. Da bei einem Brand deren Haus zerstört wird und ihr Vater kurz drauf stirbt, hat ihre Mutter vorübergehend Unterschlupf in ihrem Loft gefunden, sehr zum Missfallen von Freund Jo, der sich kurzerhand ins Büro ausquartiert hat deswegen. In der Hoffnung, dass ihre beiden Tanten ihr die Mutter abnehmen könnten, hat sie diese über den Tod des Vaters informiert und beide sind unverzüglich angereist. Ob um sich um die Mutter zu kümmern, oder deshalb, weil sie beim Verkauf des Häuschens auf Sylt, das der Vater Julia überraschend vererbt hat, ein Wörtchen mitreden wollen, sei dahingestellt. Jedoch sitzen sie nun alle vier im Autozug in Richtung der nordfriesischen Insel. 

     

    Und da darf man als Leser bzw. Hörer mit Platz nehmen und gemeinsam mit Julia und den drei Damen, die sich scheinbar spinnefeind sind, anreisen. Auf Sylt gilt es nun nicht nur das Haus loszuwerden, was gar nicht so einfach ist, denn es ist bewohnt, sondern auch so manches Familiengeheimnis aufzudecken. Während man sich mit allen in der „Weißen Villa“ einquartiert, Sylt kennen und lieben lernen darf, gilt es für Julia zudem sich Gedanken darüber zu machen, wo sie in ihrem Leben hinwill und ob das dem entspricht, was Jo will. Mehr will ich gar nicht verraten. 

     

    Vielleicht noch, dass mir das Regionalkolorit sehr gut gefallen hat. Mit Mats, dem Pensionschef, schickt die Autorin einen Mitspieler ins Rennen, der für die Insel brennt. Seinem Schwärmen, seinem Bemühen, Julia die Insel ins Herz zu schmuggeln, konnte ich mich nicht entziehen. Man muss sich sogar beim Hören regelrecht verlieben. Ich habe die Spaziergänge am Strand genossen, konnte die salzige Brise spüren oder hatte die Schafe vor Augen. Gelungen fand ich, dass nicht nur die schönen Seiten aufgezeigt werden, sondern auch auf Probleme aufmerksam gemacht wird. Plastikmüll, Touristen, die sich nicht von Dünen fernhalten können, der Ausverkauf der Insel und die steigenden Immobilienpreise, die es Einheimischen unmöglich macht, dort zu wohnen, sind nur einige Beispiele. 

     

    Der locker, leichte Erzählstil macht es leicht, der Geschichte auch als Hörbuch zu folgen und der Aufenthalt in Sylt ist fast schon zu schnell wieder zu Ende. Eine nicht kitschige Liebesgeschichte, einige Geheimnisse, die neugierig machen und gefesselt hören lassen, ab und an auch Szenen, die berühren können, mir hat die Mischung gut gefallen. Ideal für den Liegestuhl, zum Abschalten und in die Ferne träumen. Dass man auch immer wieder mal lachen kann, hat mir das Zuhören zudem zum äußerst kurzweiligen Vergnügen gemacht. Da habe ich doch auch kein Problem damit, wenn das eine oder andere auch ein wenig vorhersehbar ist. Das darf es für mich dann in einem sommerlichen Urlaubsroman schon auch sein. 

     

    Julia hat ein gutes Herz, auch wenn sie anfänglich und auch gerade in Bezug auf ihren Freund Jo etwas naiv erscheint, mochte ich sie gern. Sehr amüsiert habe ich mich über ihre Tanten, wobei ich mich besonders mit der anspruchsvollen Christiane sicher selbst ganz oft in Grund und Erdboden geschämt hätte, konnte ich in der Geschichte viel über sie schmunzeln. Tante Annegret steht der nicht viel nach. Toll fand ich hier, dass man bei beiden seine Meinung revidieren muss, wenn man mehr über die Familiengeheimnisse erfährt. Sich langsam eine Meinung bilden darf man auch bei Mutter Bärbel und Charlotte, der Mieterin. Mats war mir von Anfang an sympathisch, daran hat sich nie etwas geändert, ein Traummann eigentlich mit seiner natürlichen, aufmerksamen Art. Richtig zum Abgewöhnen, zum Aufregen ist Jo, der mir von der ersten Sekunde an zuwider war und was sich kontinuierlich gesteigert hat. 

     

    Zu der jugendlich wirkenden Julia als Hauptprotagonistin passt die Sprecherin Sandra Voss gut. Sie versteht es, deren Emotionen gekonnt zu transportieren, auch die Allüren der Tanten werden gelungen von ihr in Szene gesetzt. Sicher wird sie wohl nie zu meinen absoluten Lieblingssprecherinnen zählen, nach zwei Hörbüchern habe ich mich aber gut bei ihr eingehört und ihr daher auch gerne gelauscht. 

     

    Alles in allem ein unterhaltsam, kurzweiliges Hörbuch, das einen gekonnt nach Sylt entführt. Ein leichter Roman, der mit den richtigen Erwartungen rangegangen für mich schon noch für fünf Sterne taugt. 

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    Cover des Buches Und sonst nichts9783750480513

    Bewertung zu "Und sonst nichts" von Irmgard Rosina Bauer

    Und sonst nichts
    Antekvor 14 Tagen
    Die Suche nach den eigenen Bedürfnissen und sonst nichts

    „…,hoppla, mein Gefühl wollte ich auf dieser Reise sprechen lassen, was sagt mir nun mein Gefühl, nichts, es hat keine Ahnung.“

     

    Der 52-jährigen Rosi ist das Gefühl abhanden gekommen, denn in den letzten Jahrzehnten, nein vielmehr ihr ganzes Leben lang schon, kamen ihre Bedürfnisse zu kurz. Kranke Eltern, auf die sie stets Rücksicht nehmen musste, ein Ehemann, der es für selbstverständlich hielt, dass sie ihr Studium an den Nagel hängt, ihm stattdessen in seinem Delikatessenladen kräftig unter die Arme greift und sich dabei nebenbei auch noch um die drei Kinder kümmert, all das hat gezehrt, bis schließlich ein Burn Out eine deutliche Sprache sprach. Einiges läuft nun in ihrem Leben schon in anderen, vielleicht besseren Bahnen, aber ein geplatzter Auftrag schafft ihr die nötige Zeit einen lang gehegten Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Eine Auszeit in Südfrankreich soll es sein, Merkür, der Mini Van steht dazu schon abfahrbereit vor der Haustür, einziges Problem ist nur noch das nötige Kleingeld für die Reise. Aber auch dafür ist schnell eine Lösung gefunden, „Ich habe es mir ausgerechnet: Täglich zehn Euro, mehr darf in den ersten fünf Wochen, in denen ich allein unterwegs bin, nicht ausgeben. Doch wozu Geld? In meinem Inneren ist schon seit Längerem der Wunsch entstanden, den häufigen Neukauf schicker Klamotten zu reduzieren. Einfach nur Zeit für mich zu haben, will ich lernen, weniger Zeit für den Alltag verwenden. Doch natürlich brauche ich trotzdem Geld. Für Benzin und für Essen. Aber hallo, ich fahre in die Cevennen, in die französische Wildniseinsamkeit. Was brauche ich da Geld.“ 

     

    Und daher befindet man sich als Leser schon bald mit Rosi auf ihre Tour. Man bereist mit ihr den Cevennen Gebirgszug, lässt sich mit ihr weiter in die Provence treiben und genießt letztendlich auch das Meeresrauschen an der Côte d’ Azur. Aber man ist mit ihr nicht nur auf einer Reise durch die Landschaft, sondern auf einer ins Innere Ich unterwegs. Erinnerungen werden wach, die Fragen nach dem was sie geprägt hat und nach dem was sie eigentlich will, suchen nach Antworten und diese bekommt man nach und nach von ihr präsentiert. 

     

    Der flüssige Sprachstil der Autorin liest sich locker, leicht und ganz besonders zu Beginn sind die Seiten geradezu geflogen. Irmgard Rosina Bauer gliedert ihr Buch in drei Abschnitte, in drei Berge, die es wohl für Rosi zu besteigen gilt. Der erste Berg hat mir wirklich gut gefallen. Ich konnte ab und an schmunzeln, so hatte ich es mir erhofft. Bemerkungen wie „Ungeschminkt, sehe ich aus wie meine Mutter. Was kein Fehler ist. Aber sie ist zweiundachtzig!“, die mit einem Augenzwinkern auf die eigene missliche Lage blicken, den Leser so trotz aller Probleme, die sie mit sich herumschleppen muss, auch noch amüsiert lesen lassen, fand ich gelungen. Leider bleiben solche jedoch die Ausnahme. Die Landschaftsbeschreibungen haben mich zunächst auch angesprochen, ich habe mitgezittert, wenn es enge Serpentinen ohne Leitplanken zu befahren galt, habe den herrlichen Ausblick am Gipfel genossen und mich ab und an sicher auch mit ihr über den einen oder anderen Stacheldrahtzaun geärgert. Allerdings verliert alles seinen Reiz, wenn es zu oft allzu ähnlich wiederkehrt. Leer stehende Bauernhäuser verlieren ihre betroffen machende Aura auf mich, wenn ich sie in vielen Dörfern hintereinander lesend wiederfinde. Vor Ort mag das noch einmal anders wirken. Ähnlich erging es mir auch mit dem, was Rosi wohl geprägt hat. Anfangs konnte und wollte ich mich gern in sie hineinversetzen, konnte auch mitfühlen. Sätze wie „Ich hab so viel für dich getan. Jetzt kannst du auch was für mich tun.“, die sie von ihren Eltern hört, Einstellungen wie, „Nur mit Arbeit bringt man´s zu was.“, bzw. „Wer´s zu was bringen will, kann sich nicht rumtreiben.“, sind mir selbst nicht unbekannt. Ich war betroffen, wenn sie davon erzählt, wie ihr Mann ihr ein „Du willst faul sein, das ist alles, immer schon warst du faul!“, an den Kopf wirft, aber auch hier macht die Dosis die Wirkung. Mir war die Dosis zunehmend zu hoch. Einzelne Erlebnisse hätten mir als Beispiele, dafür, dass ihr Ehemann keine Rücksicht auf sie genommen hat, genügt, derer hätte es nicht so vieler bedurft, auch eine Zusammenfassung, die Rosie ihrer Bekannten gibt, hätte es für mich im   dritten Teil nicht mehr über Seiten bedurft, ich hatte ja bereits alles von ihr selbst erfahren, wenn ich ihre Erinnerungen teilen durfte. So sind für mich leider nicht nur Längen entstanden, sondern mir fehlte auch zunehmend das Verständnis für Rosie. 

     

    Hinterfragen, was man tut, sollte man sicherlich. Aber Rosie tut mir das eine Spur zu viel, bzw. zu viel um mein Verständnis zu bekommen. Solche profanen Dinge, auf die ich nie verzichten könnte, weil ich mich unwohl fühlen würde ohne, wie. „Warum putze ich mir hier in der Wildnis die Zähne, morgens und abends?“, ist in meinen Augen die Gedankenkreisel doch nicht wirklich wert. Zunehmend stellte sich bei mir auch der Eindruck ein, dass sich Rosie ganz gut in der Sünderrolle gefällt und vielleicht auch das eine oder andere nicht ganz reell sieht. So erzählt sie z.B. davon, dass ihr jetziger zweiter Ehemann vorgeschlagen hat, beim Essen getrennt zu zahlen, sie dann völlig am Boden ist, obwohl gilt, „Du hast doch vorhin gesagt, dass du getrennte Kassen möchtest!“, er also nur ihren Wunsch respektiert hat, und sie dann reflektiert, „Aus seinem Munde klang das ganz anderes als aus meinem.“ Auch die Reaktion ihrer Mutter, als sie endlich ehrlich zu ihr ist, hat mir gezeigt, dass sie sich vielleicht einiges auch hausgemacht ist und die anderen vielleicht gar nicht so viel für ihre missliche Lage können, wie sie denkt. Ein weiteres Beispiel, das mir da spontan einfällt, ist, dass sie eine alte Bekannte besucht, sich der nicht frühzeitig ankündigt um selbst keinen Termindruck zu haben, dann obwohl diese gerade am für den Urlaub packen ist eingeladen und bewirtet wird, den leisen Vorwurf macht, dass diese herzlicher sein hätte sollen, um es ihr einfacher zu machen. Da sind die Erwartungen meiner Meinung nach recht hoch. Gar nichts anfangen konnte ich mit ihren Gedanken zum Thema Geld. „Geld nervt mich. Geld macht mit mir Negatives.“, ja so kann man leben mögen. Ich bin sicher nicht materiell eingestellt, aber das ging mir eine Spur zu weit. Arbeit muss mich insgesamt zufrieden machen, aber nur noch die Rosinen herauspicken wollen? Das alles zusammen hat mich beim Lesen zunehmend von Rosie entfremdet und mir dabei leider auch den Spaß genommen. Ein wenig fragend hat mich auch das Ende zurückgelassen, denn ich habe es noch längst nicht so empfunden, dass Rosie den Weg zu ihrer eigenen Mitte schon vollständig zurückgelegt hat. 

     

    Schade eigentlich, denn die Autorin vermag sich durchaus toller Bilder und Beschreibungen zu bedienen. Ich konnte mich so gut in sie hinein fühlen, wenn ich lese. „Was ich für meine Zufriedenheit vermisse: Ruhe. Nicht die äußere Ruhe, die habe ich gefunden. Aber innen? Immer noch spüre ich den Druck, dies und das und jenes landschaftlich faszinierende Fleckchen keinesfalls auslassen zu dürfen. Dafür muss ich stundenlang von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten im Auto sitzen und Kilometer fressen.“, diese innere Unruhe verspüre ich doch selbst immer wieder. Auch der Vergleich von unterdrückten Gefühlen mit einer Packung gärendem Fruchtsaft, ist ein weiteres Beispiel, das mir gut gefallen hat. 

     

    Alles in allem konnte mich die Autorin leider mit Rosies Reise leider nur zu Beginn einfangen, 3,5 Sterne, die ich auf vier aufrunde.

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    Cover des Buches Die Unausstehlichen & ich - Freunde halten das Universum zusammen9783785589519

    Bewertung zu "Die Unausstehlichen & ich - Freunde halten das Universum zusammen" von Vanessa Walder

    Die Unausstehlichen & ich - Freunde halten das Universum zusammen
    Antekvor 16 Tagen
    auch am zweiten Teil führt kein Weg vorbei

    Hat sich im ersten Teil bei Enni die Einsicht gebildet, dass für das Saakser Internat nicht gilt, „Das ist ne´ Alpen-Klapse, n´Psychoschuppen, n´ Knast für xxXXxx“, denn „als ich dann hier war hat nichts mehr gestimmt.“ Nicht nur, dass das Internat früher Mal ein ganz nobles Hotel war, perfekt ausgestattet ist, die Lehrer eigentlich ganz nett sind und auch richtig was drauf haben, obendrein der Eliteschuppen pro Monat die schwindelerregende Summe von 2800 Euro Schulgeld kostet, ist es hier dank Dante, Lucky, Mattis oder Omar mehr als erträglich. Vom Acker machen ist also nicht mehr der angesagte Plan. Aber wie gewohnt, ist das Leben kein Wunschkonzert und kaum will Enni  bleiben, scheint ein anderer genau dagegen zu arbeiten. 

     

    Als Leser findet man sich mit Enni und den altbekannten Mitschülern im Internat wieder und wird sofort Zeuge davon, wie die eiskalte Internatsleiterin Frau Hallbach droht, dass der Dieb, der Mo, den aufgemotzten Aufsitzrasenmäher, gestohlen hat, von der Schule fliegt. Klar Enni hat sich den schon mal ausgeliehen, zudem gestern noch Strafdienst mit ihm abgeleistet, was liegt näher, als ihr das in die Schuhe zu schieben? Mo muss wieder her. Aber das bleibt nicht das einzige Problem. Das Zimmer von Lilith, mit der Enni auch schon im Clinch lag, wird verwüstet, in der Küche kommt der Wein weg,… und überall scheint es Spuren zu Enni zu geben. Wer will ihr da an den Kragen, wer will, dass sie von der Schule fliegt? Das wird natürlich nicht verraten, da darf jeder beim Lesen so wie Enni und ich selber miträtseln. Neugierig soll aber noch machen, dass Noah von zuhause abgehauen, und auf der Suche nach Enni ist. Doppeltes Problem, was wenn sie aus rausfliegt und wie soll er sie überhaupt finden, wenn das Saakser Internat keine Homepage hat und gilt „Was du nicht weißt, ist, dass ich in einer xxXXxx Diktatur gefangen bin.“, die Hausordnung dick wie Herr der Ringe ist, und Seite 32 regelt, dass Social Media Accounts nicht erlaubt sind. Auf geht´s zur Suche nach demjenigen, der Enni von der Schule haben will und einer Idee, wie man Noah irgendwie auf sich aufmerksam machen kann. 

     

    Enni berichtet aus der Ich-Perspektive, sie schreibt Noah eine Art Brief, und als Leser ist man ihr daher super nah. Zudem weiß Vanessa Valder mehr als gut, welcher Bilder sie sich bedienen muss, damit der Leser ganz genau dasselbe fühlt und durchleidet wie Enni. Wer weiß nicht sofort, wie es ihr gehen muss, wenn es heißt „wundere ich mich, dass ich nicht anfange zu leuchten wie eine Glühbirne. Alles steht unter Strom. Fühlt sich an, als würde ich Blitze atmen.“, oder wie es sich unter Wasser anfühlen muss, wenn die Luft ausgeht, „Die Gedanken sind weg, der Druck auch. Ich bin schwerelos. […]  Ich treibe in Zeitlupe zwischen den Sternen.“. Spannende Rätsel, die es zu lösen gilt, gefährliche Momente, denn Lucky hätte eigentlich Grund öfters ein „Bin scho froh, dasch du nisch tot bisch.“, zu nuscheln und jede Menge bewegende Momente, fesseln so richtig ans Buch und einmal angefangen, mag man die Geschichte gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich mag Mathe, teile die Leidenschaft mit Enni und ihrem Opa, und daher haben mir auch die zahlreichen Vergleiche mit Mathematik gut gefallen. Man kann sogar die Funde in Pompeji in Bezug setzen. „Eine Zahl hat immer einen Wert, manchmal einen negativen, wenn ein Minus davor steht. Aber sie hört nie auf zu existieren. Die Hohlräume sind Menschen mit einem Minus davor. „Schablonen“, sage ich. „Die Löcher sind wie Schablonen.“ Besonders wertvoll halte ich die Geschichten der Autorin auch vor allem deshalb, weil sie immer viele wichtige Themen anspricht und tolle Botschaften vermittelt, ohne diese aber mit einem erhobenen Zeigefinger zu präsentieren, sondern indem sie sie geschickt einbaut. „Sie haben nicht gelernt, was ich weiß: Vertrauen ist xxXXxx.“, aber es gilt ja zum Glück, Vertrauen kann man sich erarbeiten. Das, Freundschaften, Zusammenhalt oder Vorurteile sind nur einige Beispiele dafür, von was sich in der Geschichte zahlreiche Anknüpfungspunkte finden. 

     

    Da in Saaks immer noch Schimpfworte mit 50 Cent oder einer halben Stunde Strafdienst geahndet werden, dürfen die natürlich auch nicht Schwarz auf Weiß auftauchen, oder eben nur so, dass sie keiner mehr lesen kann. „Ohne xxXXxx. Wir waren´s, die dauernd xxXXxx gebaut haben, Noah.“, liest man hier nur und das ist der Hit schlechthin. Jedes Kind kann jetzt ganz individuell genau das draus machen, was zu ihm und seiner Ausdrucksweise passt. Ein harmloses, Ohne Spaß. Wir waren´s, die dauernd Mist gebaut haben, wird sicher nicht nur Eltern erfreuen, andere Varianten hingegen vielleicht eher dem entsprechen, was Kinder und Jugendliche so zumindest heimlich denken. Die Autorin wird damit auf grandios gute Weise der Tatsache gerecht, dass Kinder und Jugendliche nicht alle über einen Kamm zu scheren sind, jeder individuell ist und alle ihren eigen Slang haben, zu dem egal ob offen herausposaunt, oder nur leise gedacht, Schimpfwörter und Kraftausdrücke eben auch einfach dazu gehören. „Du hast seit zehn Minuten nicht geflucht. Alles okay bei dir?“, kann es im zweiten Teil schon mal heißen und deshalb ist auch weniger geschwärzt wie noch im ersten. 

     

    Jeder ist individuell, der Tatsache wird die Autorin auch mit ihren Mitspielern, die sie hier ins Rennen schickt, gerecht. Blind, Gehbehindert, Schüchtern, Herzkrank, alles ganz egal, denn jeder darf hier auch sein, wie er ist, und zudem demonstrieren, was in ihm steckt und wie trotz Handicaps, oder gerade wegen dieses, Großes leisten kann, oft auch noch mehr, wenn man sich zusammentut. Enni ist einfach ein tolles Mädel, die ganz tief in meinem Herzen einen ganz festen Platz hat, und den hat sie nicht nur, weil ich anfangs so viel Mitleid mit ihr haben musste. Sie macht eine tolle Entwicklung durch, wie z.B. eine Lilith oder auch ein Omar auch. Die Charaktere sind mit ihren Besonderheiten wirklich alle grandios dargestellt. War ich im letzten Teil ja so begeistert von „Eha ist Frau Edmund-Horbarth, unsere Mathelehrerin, für mich eine der großartigsten Menschen überhaupt. Nix gegen Mutter Teresa und Ghandi,…“, hat sich im zweiten Teil mit ihrem höchst spannenden Unterricht über Pompeji ganz besonders Frau Piastra hervorgetan. . „Die Liebenden von Pompeji […] Wir kennen die Namen der beiden Männer nicht. […] Aber dieses Bild erzählt, dass sie sich in den letzten Momenten ihres Lebens innig geliebt haben.“ Ein Fan von Psycho Onkel Dr. Dr. Marvin Mergen, war ich ja schon immer, auch der läuft im wahrsten Sinne der Wortes zur Hochform bergauf und richtig gut hat mir gefallen, dass man in dem Teil auch etwas über Ennis Opa erfährt, was mich zudem sehr gerührt hat. „Und wir haben beide gewusst, dass wir zusammengehören, auch ohne dass wir eine menschliche Wurstkette aus unseren Armen gemacht haben. Geredet haben wir fast nur über Mathe. Mein Opa hat Mathe geliebt.“ Erwähnen muss ich auch noch einen, den ich ganz groß fand, allerdings ohne den Namen zu verraten, damit ich nichts von der Spannung nehme. Für den gilt,  >>Ich fand das einleuchtend, also hab ich den Rat befolgt.<< und bei dem es nicht nur Enni so geht, „Ich kann nicht anders. Ich muss das bewundern. Wie er´s am Ende doch nicht abwälzen kann. Wie er sich den Schuh anzieht,“

     

    Die gut 250 Seiten sind auf übersichtlich lange Kapitel unterteilt, die sicher keinen Leser aus der Zielgruppe ab zehn überfordern werden, da sie ja auch zahlreiche gelungene Schwarz-Weiß Zeichnungen enthalten. Die Illustratorin Barbara Korthues ist hier mit viel Liebe fürs Detail ist am Werk gewesen, um so perfekte Bilder entstehen zu lassen, die besser gar nicht passen könnten und so das Geschriebene noch lebendiger machen. 

     

    „Jetzt zu gehen, das wäre, als würde ich aufgeben, bevor ich die Lösung hab. Und das kann ich nicht. Die Gleichung muss immer aufgehen. Und das ganze Rumgerechne ist nichts ohne den Schluss.“ Das ist ein Zitat vom Ende des Buches und damit ende ich auch, denn hat die Aussage mir doch die traurige Tatsache, dass das Abenteuer viel zu schnell gelesen war, zumindest mit der Aussicht auf einen nächsten Teil versüßt. Ich fiebre dem jetzt schon entgegen. Völlig begeisterte fünf Sterne, an dem Buch darf man eigentlich gar nicht vorbeigehen. 

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    )}

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