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Babajaga

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    Cover des Buches Der Freiheit Kraft (ISBN: 9783754334508)

    Bewertung zu "Der Freiheit Kraft" von Heike Wolf

    Der Freiheit Kraft
    Babajagavor 6 Stunden
    Kurzmeinung: Eine wunderbar erzählte Geschichte in einer nicht ganz so bekannten politischen Zeit. Authentisch, bildgewaltig, großartig!
    Packender Auftakt der neuen Trilogie von Heike Wolf

    Die Geschichte beginnt in Frankfurt an einem Tag im Jahr 1805. Es hätte wohl ein schöner Tag sein können, wenn er nicht der Beginn von Magdalenes Martyrium an Theodor Wallenfels Seite wäre. Genauso habe ich die ersten Zeilen des Romans wahrgenommen und mit ihnen hat mich Heike Wolf sofort eingefangen. Die ersten Dialoge lassen bereits auf viele spannende Konflikte zwischen den Charakteren schließen und der Leser kann nicht anders, als neugierig weiterzulesen um heraus zu finden, was passiert. 

    Magdalene ist eine junge, hübsche Frau, die ich mir gut an der Seite eines ebenso jungen und erfolgreichen Mannes hätte vorstellen wollen. Statt dessen wird sie von ihrer Familie an den zwar reichen, aber überaus hartherzigen Theodor Wallenfels verheiratet. Zunächst empfand ich Theodor gar nicht als so grausam, vielmehr hatte ich das Gefühl, er würde einfach nur nicht zu Magdalene passen und ihr eine Welt zu Füßen legen, in der sie sich unwohl fühlt. Im Laufe der Zeit jedoch bemerkt man sehr deutlich, wie grausam Theodor tatsächlich ist. Aus einer wagen Sympathie entwickelt sich so eine wirkliche Abneigung gegen ihn. Er wird immer mehr zu dem Charakter, den man einfach nicht mögen will. Trotzdem hat Theodor auch eine andere Seite, die seine Figur vielschichtig und nicht vorhersehbar sein lässt. 

    Ganz anders dagegen ist sein Sohn Leopold. Dieser ist im etwa gleichen Alter wie Magdalene und wäre der deutlich passendere Heiratskandidat gewesen. Die Anziehung zwischen den beiden ist auch sehr deutlich fühlbar und ich wünschte mir so sehr, dass es einen Weg für sie geben möge, dass sie zusammenfinden würden. Leopold ist ein eher weicher Typ, der sich dafür begeistern kann, mit Magdalene im Garten zu sitzen, wenn sie malt. Gerade dieser krasse Gegensatz zum eigenen Vater macht ihn mir dann auch so überaus sympathisch. Verweichlicht ist er jedoch überhaupt nicht. Im Verlauf der Geschichte wird klar, dass Leopold ein Gespür für Diplomatie hat und die Menschen nicht verurteilt. Mit dieser Eigenschaft habe ich Leopold immer wie einen ruhenden Pol der Geschichte empfunden. 

    Am Beispiel von Johanna, Theodors Tochter, zeigt die Autorin ein grausames, für Frauen überaus demütigendes Kapitel dieser Zeit. Dabei führt ihre gründliche Recherche zu einem wahren Strom von Gänsehaut auf dem Rücken des Lesers. Zunächst ist Johanna ein fröhliches, aufgeschlossenes Kind und später eine lebensfrohe junge Frau. Bei den jungen Männern ist sie begehrt – nur leider trifft sie eine falsche Wahl und damit ändert sich alles. Auch Johanna! Sie ist nach wie vor eine starke Frau – ohne jede Frage – aber ihr Lebensinhalt verändert sich. Mit dieser Figur wandert die Autorin durch die Armenviertel Frankfurts und zeigt, dass es neben Reichtum auch sehr viel Armut gab. So lernt der Leser auf leichte Art und Weise ganz nebenbei das Frankfurt dieser Zeit besser kennen und sie zeigt wie schnell ein sozialer Abstieg erfolgen konnte.

    Konstanze und Carl, Leopolds Kinder, sind die nächste Generation Wallenfels. Auf ihnen und ihrem besten Freund Justus liegt der Fokus in der zweiten Romanhälfte. Die 3 jungen Leute sind recht unterschiedliche Charaktere und gehören dennoch zusammen. Jeder von ihnen ist mir ans Herz gewachsen – auf seine eigene Weise. Ich mag Carl, der eher zurückhaltend bleibt, ebenso wie Justus, der eindeutig der Rebell ist. Da der Roman politisch geprägt ist, bleibt es natürlich auch nicht aus, dass Justus mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Und Konstanze gehört wie selbstverständlich in ihre Mitte. Sie ist eine recht emanzipierte junge Frau, die die Demütigungen durch das andere Geschlecht nicht ohne weiteres hinnimmt. Am Beispiel dieser 3 Figuren zeigt Heike Wolf die Veränderungen der Zeit sehr prägnant. Es ist eine Freude mit ihnen einen Streifzug durch die Zeit zu machen. Und sie berühren den Leser durch ihre Schicksale. 

    Wie immer ist Heike Wolf keineswegs zimperlich mit ihren Figuren. Sie zeigt das Leben, wie es eben ist – authentisch und sauber recherchiert, zu viel verklärende Romantik ist einfach nicht ihr Ding. Die Stadt Frankfurt in dieser Zeit erwacht zu seiner vollen Blüte. Besonders gefiel mir hierbei z.B., dass die einfachen Leute in ihrer Mundart sprechen. Beim Lesen musste ich zwar manchmal die Sätze ein zweites Mal und sehr langsam lesen, aber es macht Spaß, sich darauf einzulassen und ihnen dabei zuzuhören.

    Heike Wolf schreibt bildgewaltig, verliert sich aber nicht in Details. Sie schreibt lebendig und authentisch, kreiert glaubwürdige, vielschichtige Charaktere, die man lieben oder verabscheuen kann, mit denen man mitfiebert und hofft, dass es gut gehen möge. Heike Wolf schürt Hoffnungen stilsicher, obwohl – wie jedem, der ihre Geschichten kennt, klar sein dürfte - sie bisher noch jede Hoffnung wieder zerstört hat. So schickt sie den Leser durch ein Meer aus Emotionen, aus dem er erst wieder auftaucht, wenn die letzte Seite gelesen ist. Und als sei das noch nicht genug, liefert sie einen Cliffhanger, der eine weitere Hoffnung schürt: Der 2. Teil möge nicht zu lange auf sich warten lassen. 

    Die Geschichte der Autorin ist ein Pageturner. Ihr Schreibstil ist leicht zu lesen, obwohl sie sich eines großen Wortschatzes bedient. Und auch wenn die politische Zeit nicht so bekannt ist wie das dritte Reich, erfährt der Leser wie nebenbei Geschichte, spannende Geschichte. Der Roman ist damit nicht überfrachtet, aber eben diese politische Geschichte beeinflusst das Leben und das Verhalten ihrer Charaktere maßgeblich. Diese Verbindung von Historie und fiktiven Personen ist einmal mehr wunderbar gelungen. 

    In einem sehr spannenden Nachwort erklärt die Autorin noch so einiges über das Frankfurt jener Zeit, erzählt aus Recherchen und sogar 2 historische Bilder finden sich hier. Es lohnt sich auf jeden Fall das Nachwort zu lesen und wem dies noch nicht reicht, der kann auf der Internetseite von Heike Wolf weitere Informationen finden. All dies zeigt, wie gründlich die Autorin recherchiert - mit dem Resultat, dass sie einen weiteren absolut authentischen Roman vorlegt, der einen einfach in seinen Bann schlägt. 

    Fazit: Eine andere Zeit, eine andere Stadt und dennoch ein typischer Roman von Heike Wolf. Lesenswert von der ersten bis zur letzten Seite. Must read für Fans historischer Romane, die von ihrer Lebendigkeit und gut recherchierter Geschichte leben. 5 von 5 Sternen.

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    Cover des Buches Die Hafenschwester (3) (ISBN: 9783453292468)

    Bewertung zu "Die Hafenschwester (3)" von Melanie Metzenthin

    Die Hafenschwester (3)
    Babajagavor 10 Stunden
    Kurzmeinung: Bildgewaltig, emotional und temporeich - Ich konnte es kaum aus der Hand legen!
    Überaus gelungener Abschluss einer tollen Buchreihe

    Das Buch: 

    Es handelt sich beim vorliegenden Buch um den dritten und letzten Teil der Hafenschwester-Trilogie. Das Buch kann zwar ohne Weiteres unabhängig von seinen Vorgängern gelesen werden, allerdings macht es deutlich mehr Freude, wenn man die Vorgeschichten kennt und mit Martha bereits die Gängeviertel und das schwere Leben der Ärmsten kennengelernt hat.


    Worum geht’s?

    Martha und Paul führen inzwischen ein gutes Leben, selbst wenn sie durch die Hyperinflation Anfang des 20. Jahrhunderts sämtliche Ersparnisse verloren haben. Ihre Kinder können trotz allem ihre Wege gehen. Am Ende der 20er Jahre wird Hitler immer populärer und die Sorge vor einem weiteren Krieg nimmt deutlich zu, die Lebenssituation wird angespannter, der Ton rauher. Aber trotz aller Widrigkeiten finden Martha und ihre Familie immer einen Weg, ihr Leben lebenswert zu halten und ihre Lieben vor dem Tod zu bewahren.


    Charaktere: 

    Diesmal stehen Marthas Kinder Rudi, Fredi und Ella im Vordergrund. Es geht hauptsächlich um deren Entwicklung am Ende der Schulzeit bis hin zu einem eigenständigen Leben, welches durch die Wirren des 2. Weltkrieges alles andere als vorhersehbar sein kann. 


    Fredi ist hierbei mein absoluter Favorit, was nicht bedeutet, dass ich Rudi und Ella nicht mag. Vielmehr ist es so, dass Fredi einfach eine beeindruckende Figur ist. Als Sandwichkind der Familie war er bisher eher ruhig und unauffällig, ging aber eben seinen Weg. In diesem Teil bekommt er den Raum, der ihm zusteht und den füllt er zur Gänze aus. War es früher Rudi, der stets die große Klappe hatte, ist es heute Fredi, der seinem großen Bruder aus der Patsche hilft – und diese Patsche ist gewaltig und vor allem lebensbedrohlich. Fredi ist einfallsreich und mutig. Während des Krieges bewahrt er die Nerven und durch seine besonnene Art, einige hilfreiche Kontakte – durchaus auch in die zwielichtige Welt Hamburgs – und jede Menge Courage rettet er viele Leben. Dabei scheut er sich nicht, sich selbst in Gefahr zu begeben, nicht zuletzt dadurch, dass ihm sein vermeintlicher Freund Werner Rohrbeck eigentlich jeden Moment auf die Schliche kommen könnte – wenn er intelligent genug wäre. Melanie Metzenthin schreibt Fredi in die Herzen ihrer Leser. Dabei bleibt die Figur absolut glaubwürdig. Zeugnisse dieser Zeit belegen, dass es Menschen wie Fredi wirklich gab, die vorbehaltlos geholfen haben. 


    Am Anfang des Romans ist Rudi ein Frauenheld, der das Nachtleben liebt und sehr zum Unmut seiner Eltern einen Lebenswandel lebt, der so gar nicht zur Familie Studt passen will. Auch wenn er sich verändert hat, jetzt aufmüpfig ist und beinahe rebellisch, ist Rudi überhaupt nicht unsympathisch. Vielmehr lässt die Autorin ihren Leser beide Seiten – sowohl die des „Kindes“ als auch die der Eltern – betrachten, sodass sich jeder selbst seine Gedanken machen kann, wie er mit den unterschiedlichen Situationen umgehen würde. Ich sah mich oftmals hin- und hergerissen, denn natürlich kann ich mich noch gut daran erinnern, wie ich in diesem Alter war und gleichzeitig bin ich heute selbst Mutter. Die Autorin bewertet hierbei nicht, sondern zeigt die Situationen, sodass man selbst die Freiheit hat, sich ein Urteil zu bilden. 

    Bei Rudi hat der Leser hin und wieder das Gefühl, dass er nicht die Gemeinschaft der Familie sondern ausschließlich sein eigenes Leben im Blick hat. Da er jedoch häufiger Unterstützung von der Familie braucht und auch bekommt um überhaupt weiterzukommen, ist diese selbstverständlich überaus enttäuscht, was zeitweise auch deutlich zutage kommt. Trotz allem halte ich Rudi nicht für wirklich egoistisch; er ist unbedacht, denke ich, und handelt erst, bevor er die Konsequenzen überdenkt. Die Figur des Rudi ist die Figur, die sich im Laufe des Romans am deutlichsten wandelt und damit lange Zeit unberechenbar bleibt. So überrascht Rudi auch am Ende des Romans, als er endlich die Chance bekommt, Fredi seinen Einsatz am Anfang des dritten Reiches zu danken.


    Mit Ella geht der Leser oft durch viele Emotionen, was darin begründet ist, dass sie stets und ständig hinter Rudi zurück zu stehen scheint und darüber hinaus eine Frau ist. Während Fredi mit einer Kommissarslaufbahn zufrieden ist, möchte Ella unbedingt Medizin studieren. Diesen Wunsch hatte sie bereits als kleines Mädchen und ihre Eltern haben sie immer darin bestärkt. Bedingt durch Rudis Leben und Entscheidungen scheint diese Möglichkeit jedoch mehr als einmal auf der Kippe zu stehen. Hier kommt der Moment, in dem Leser wieder zwischen zwei Figuren steht, die im Grunde liebenswert sind und deren Beweggründe man verstehen kann. Und trotzdem wird sich der eine Leser in die eine Richtung und der andere in die andere Richtung gezogen fühlen, schätze ich. Ich glaube, ich war häufiger wütend wie Ella, als dass ich Rudis Unverständnis für die Gefühle seiner Schwester geteilt hätte. 


    An Ella zeigt Melanie Metzenthin außerdem eindrucksvoll wie weit und wie schnell die Emanzipation der Frau fortschreitet. War es am Ende des 19. Jahrhunderts nicht vorstellbar, dass eine unverheiratete Frau eine Affäre hatte, lebt Ella ihre unverheiratete Beziehung zum Franzosen Phillippe Morel sehr offen. Andererseits zeigt sie aber auch die alten, durchaus noch vorhandenen Strukturen an der Verbindung zwischen Henny und Fredi. Während Ella es sich nicht vorstellen kann, nicht selbst zu arbeiten, richtet sich Henny, mit noch nicht einmal 20 Jahren, ganz darauf ein Hausfrau und Mutter zu sein. Dass sich hinter dieser Frau ein wirklich intelligenter Kopf verbirgt, auf den Fredi ganz sicher nicht verzichten möchte, würzt diese Verbindung zusätzlich. 


    Auf diese Art und Weise und gepaart mit historischen Hintergründen zeichnet die Autorin ein wunderbar authentisches Bild der Menschen und deren Leben in Hamburg bevor der 2. Weltkrieg ausbricht und danach im Krieg. Dass sie selbst Hamburgerin ist, die ihre Stadt liebt, dürfte kaum zu übersehen sein. Auch zeigt sie eindrucksvoll auf, wie schleichend der Prozess war, als Hitler die Macht in Deutschland übernahm. Insbesondere der Unglaube der Menschen und das Vertrauen darauf, dass die Politik alles richten würde, ließen diesen Prozess überhaupt erst zu. Damit wird der Roman, obwohl er über eine Zeit vor 100 Jahren berichtet, überaus aktuell. 


    Schreibstil: 

    Metzenthins Schreibstil ist bildgewaltig, temporeich und emotional. Die Autorin erlaubt sich keinerlei Längen; im Gegenteil, es geht zeitweise Schlag auf Schlag - eben so, wie zumindest ich mir diese Zeit vorstelle - und man kommt kaum zu Atem. Trotz der Länge des Buches wird der Leser es kaum einmal aus der Hand legen wollen.


    Das historische Hamburg entsteht beim Lesen so selbstverständlich vor dem inneren Auge, dass der Leser sich in den Straßen von Rothenburgsort wiederfindet und aus einem der Schrebergärten die Bombennächte mit den Protagonisten beobachten wird. Die Geschichte, die die Autorin zu erzählen hat, entwickelt sich in einer furchtbaren Zeit und sie verschont den Leser nicht vor den Grausamkeiten. Der Leser sollte sich also darauf einstellen, dass hier nicht die heile Welt einer vergangenen Zeit präsentiert wird und sie verschont auch die sympatischen Figuren nicht!


    Historische Hintergründe:

    Wie stets ist der Roman sauber recherchiert. Dadurch erhält er seine Lebendigkeit und Authentizität. Insbesondere die Zeit während des 3. Reiches ist überaus bedrückend, da die Autorin die wahren historischen Fakten mit den Schicksalen ihrer Protagonisten verknüpft. Dabei ist sie sehr eindringlich in ihrem Schreiben. Man kann sich der Stimmung nicht entziehen, man fühlt einfach. Im ersten Teil des Buches gewinnt der Leser den einen oder andren Charakter lieb und muss ihn dann durch den wirklich schweren zweiten Teil des Buches begleiten. So bangt der Leser mit seinem Liebling mit. Und wie bereits in den vorangegangenen Teilen der Reihe ist Melanie Metzenthin nicht zimperlich, ihren Figuren zu Gunsten der Authentizität der Geschichte auch böse Schicksale zu geben. Denn niemand blieb in dieser Zeit verschont! 

    In einem sehr interessanten Nachwort erzählt sie dann auch, was wahr ist und was Fiktion. Man sollte es unbedingt lesen, denn genau hier wird spätestens klar, wie grausam diese Zeit wirklich war.


    Fazit:

    Mit diesem Buch gelingt der Autorin der würdige Abschluss einer überaus lesenswerten Familiensaga, das sich durchaus auch ein zweites Mal zu lesen lohnt. Einmal angefangen, lässt einen die Geschichte nicht wieder los. 5 von 5 Sternen. 


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    Cover des Buches Die Teehändlerin (ISBN: 9783596706037)

    Bewertung zu "Die Teehändlerin" von Susanne Popp

    Die Teehändlerin
    Babajagavor einem Monat
    Kurzmeinung: Sehr detailreich, wenig Tempo und recht konfliktarm
    Auftakt im Frankfurt des 19. Jahrhunderts

    Als erstes, als ich das Buch in der Hand hielt, fiel mir sehr positiv auf, dass es hier viel Ausstattung fürs Geld gibt. Über 500 Seiten Roman, geklappter Einband innen bedruckt mit einer Karte des historischen Frankfurt vorn und einem möglicherweise originalen Foto von Friederike Ronnefeldt hinten. Der Titel des Buches ist etwas erhaben und glänzend. Solche Bücher kosten normalerweise 15,00 Euro, dieses gibt es für 10,99. Einzig das Cover, welches sich in die Riege der momentan beliebten Cover für historische Romane einreiht und sich somit nicht abhebt, schmälert diesen ersten positiven Eindruck.

    Der Auftakt der Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, ist gut gelungen. Mir gefiel die Leseprobe, während der die Autorin bereits die wichtigsten Figuren einführt und auch einen ersten Eindruck ihrer Charaktere hinterlässt. Am neugierigsten war ich auf Julius Mertens, denn ihn umfing bereits von Anfang an ein Hauch des Verruchten. 

    Friederike Ronnefeldt habe ich als eine kluge Frau wahrgenommen. Ich glaube, sie hätte es in der heutigen Zeit mit ihrem kaufmännischem Geschick und ihrer Eloquenz weit bringen können. Im Frankfurt des 19. Jahrhunderts allerdings ist das nicht ganz so einfach. Da ihr Mann Tobias schon bald zu einer langen Reise aufbrechen wird und sich die Dinge in seinem Geschäft ganz anders entwickeln, als von ihm geplant, bleibt Friederike nichts anderes übrig, als die Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Sie behauptet sich darin auch gut, allerdings fand ich es zuweilen einfach zu leicht. Es hatte den Anschein, dass es keine Hürden, keine Probleme, keine Konflikte gäbe. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Frauen als Geschäftspartner in dieser Zeit gar nicht in Betracht gezogen wurden, gehen ihr die Verhandlungen - ausschließlich mit Männern - überaus leicht von der Hand. Mir fehlte bei dieser Figur das Rebellische und das Durchsetzungsvermögen, welches aus meiner Sicht dringend erforderlich gewesen wäre. Im Nachwort schreibt Popp, dass sie über die Jugendzeit der Protagonistin nur wenig in Erfahrung bringen konnte und so wäre es ja durchaus möglich gewesen, Friederike Ronnefeldt etwas mehr Biss zu verleihen. Viel mehr hinterlässt Friederike bei mir den Eindruck, als sei sie nur allzu brav. 

    Julius Mertens ist ein Schlitzohr, ein Betrüger und hat meinen ersten Eindruck dahingehend bestätigt. Er wickelt Tobias Ronnefeldt mittels einer Lüge um den Finger und wird sein Prokurist - sehr zum Leidwesen von Friederike, die ihn nämlich nicht leiden kann. Schon recht bald hat Friederike Mertens im Verdacht unlautere Geschäfte im Kontor ihres Mannes abzuwickeln und kommt ihm recht schnell - und leider auch wieder ohne Probleme - auf die Schliche. Hier hätte ich mir gewünscht, dass es zwischen den beiden Kontrahenten ordentlich knallt, sich die Situation über eine Weile zuspitzt, aber bis auf ein Aufeinandertreffen, dass für Friederike einmal mehr sehr glimpflich und ohne wirkliche Schwierigkeiten abläuft, passiert nicht viel in diese Richtung. Überhaupt ist mir Friederike in dieser Situation viel zu ruhig. Zwar wird dem Leser vermittelt, dass sie ob des Betruges wütend ist und Mertens aus dem Laden haben will, aber diese Wut transportiert die Figur selbst nicht. Julius Mertens selbst lernt der Leser nicht wirklich kennen, da seine Auftritte relativ rar sind. Dennoch mochte ich ihn als Bösewicht. 

    Tobias Ronnefeldt lernt der Leser zunächst eher als Randfigur kennen, da er zunächst mit Reisevorbereitungen beschäftigt ist und dann für ein Jahr verreist. Zwar gewährt die Autorin dem Leser kleine Einblicke in die Geschichte des Tees in China, aber für meine Begriffe passiert dies eher oberflächlich und am Rande. Auch das Friederike mit der Reise eigentlich überhaupt nicht einverstanden ist, kommt nur sehr blass zum Ausdruck. Mit ihrer lieben, netten Art geht sie jeder Diskussion darüber aus dem Weg. Dabei dürfte allein die Vorstellung mit 4 Kindern allein zurückzubleiben und einen Prokuristen im Laden zu haben, dem sie nicht vertraut, jede Menge Konfliktpotential liefern. 

    Zurück von seiner Reise stellt Tobias fest, dass sich Friederike verändert hat. Mich hat es ziemlich gestört, dass er, anstatt die Leistungen seiner Frau anzuerkennen und ihr Potential zum Fortkommen zu nutzen, eigentlich nur damit beschäftigt war, ihr Vorhaltungen darüber zu machen, was die anderen denken könnten und eifersüchtig zu sein. Insbesondere die ständige Eifersucht war irgendwann nervig. Insofern mochte ich die Figur des Tobias immer weniger. Er hat sich so ein bisschen in die Opferrolle geflüchtet. Am Ende des Romans hatte ich den Eindruck, dass Friederike der deutlich stärkere Charakter ist. 

    Susanne Popp schafft es ein Gefühl für die Zeit in Frankfurt entstehen zu lassen. Man kann sich im Laufe der Romans gut vorstellen, wie die etwas betuchteren Bürger Frankfurts gelebt haben. Manchmal erzählt die Autorin von diesem Lebensgefühl zwar etwas zu detailreich, aber das ist nicht allzu störend. Insgesamt ist mir der Roman aber zu konfliktarm. Der Weg scheint vorgezeichnet und ohne Schwierigkeiten gegangen zu werden. Da die ganze Situation jedoch im Grunde nach vielen, vielen Konflikten ruft, wirkt die Geschichte für meine Begriffe nicht authentisch genug und hat zu wenig Tempo. Auch ist es schade, wenn Spannungsbögen aufgebaut werden, dann aber abrupt abbrechen, weil ein Zeitsprung die Auflösung des Spannungsbogens unmöglich macht oder die Figur entscheidet Dinge eben doch nicht auszusprechen.

    Der Schreibstil der Autorin lässt sich weitgehend gut lesen, hin und wieder empfand ich allerdings stark verschachtelte Sätze als anstrengend, die ich dann noch ein weiteres Mal gelesen habe. Das unterbricht den Lesefluss. Ebenfalls als störend habe ich diverse Rechtschreibfehler empfunden. 

    Ich bedanke mich an dieser Stelle beim Verlag für das Rezensionsexemplar.

    Fazit:

    Die Geschichten des Tees und der Stadt Frankfurt im 19. Jahrhundert sind ganz gewiss zwei spannende Geschichten. Die Details mit denen die Autorin “ihr” Frankfurt beschreibt sind vielfältig und sie lässt diese Zeit auferstehen. Mir hat es insgesamt jedoch an Konflikten und Schwierigkeiten gefehlt. Wer gemächliche Geschichten mag, die viel vom Leben zu einer früheren Zeit berichten, der ist hier genau richtig. Wer jedoch den Kampf einer Frau mit viel Einsatz an der Spitze eines Teehandels erwartet, wird bestimmt enttäuscht. Von mir gibt es deshalb 3 Sterne. 

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    Cover des Buches Der Engel mit den schwarzen Flügeln (ISBN: 9783404144440)

    Bewertung zu "Der Engel mit den schwarzen Flügeln" von Petra Hammesfahr

    Der Engel mit den schwarzen Flügeln
    Babajagavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Etwas wirre, aber dennoch recht spannende Handlung. Weniger Krimi als Gruselroman.
    Welchen Einfluss hat Leben im Quartier auf Menschen?

    Angela und Martin Lagerhoff wohnen im scheinbar perfekten Kronbusch. Heute würde man solche Siedlungen, die so ausgelegt sind, dass man sie eigentlich nicht mehr verlassen muss, wohl als Quartiere bezeichnen. So wird Kronbusch auch als Zitat S 5. “Das Paradies vor den Toren der Stadt” bezeichnet. Während Martin in der Verwaltung des Quartiers arbeitet, hat Angela keine wirkliche Beschäftigung, da selbst die täglichen Aufgaben im Haushalt von einer Angestellten übernommen werden. 

    Zu Beginn des Romans tat mir Angela eher leid, da ich annahm, dass sie sich eingesperrt fühlen müsse, denn so schön die Umgebung auch sein mag, das Quartier selbst hat für mich eher einschränkenden Charakter. Und so erwartete ich, dass sich Angela alsbald irgendwie aus dieser Enge befreien würde. Stattdessen jedoch scheint sie mehr und mehr genau dort hinein zu fallen. Im Verlauf der Geschichte lernt der Leser Angela zwar besser kennen, allerdings hatte ich den Eindruck, dass es lediglich eine Seite von Angela sein kann. Unwillkürlich stellte ich irgendwann fest, dass ich Angela nicht besonders mag, obgleich sie als Kind ein schweres Schicksal erfahren hat. Jedoch bleibt bis zum Ende des Romans unklar, ob sie unter schweren Depressionen leidet, von Rachegedanken zerfressen oder vielleicht doch eher schizophren ist. 

    Ihr Ehemann Martin ist ein unscheinbarer Charakter, jedoch verändert auch er sich spürbar. Er leidet unter den Vorkommnissen in Kronbusch und fragt immer häufiger, warum ausgerechnet er zu Rate gezogen werden müsse, wenn wieder etwas passiert ist. Anfänglich glaubt er noch an Zufälle, später jedoch nicht mehr. Trotzdem verschließt er die Augen davor, dass Angela mit all dem etwas zu tun haben könnte. Und nicht nur das, man bekommt mehr und mehr den Eindruck, dass er viele Dinge nicht weiß und auch gar nicht wissen will. Er will an seiner heilen Welt festhalten, nur gelingt ihm das immer weniger. Auch dieser Charakter konnte mich nicht überzeugen. So sehr ich Martin auch bedauern wollte, es gelang mir einfach nicht. Sympathie konnte ich für ihn ebenfalls nicht entwickeln, einfach weil er für meine Begriffe zu sehr als ein Opfer der Situation dargestellt wurde. 

    Zusammen mit Martin arbeitet Friedhelm Bergner in der Verwaltung von Kronbusch - von Berufswegen Psychologe, der eigens dafür engagiert wurde, das psychologische Konzept des Quartiers zu entwerfen und weiterzuentwickeln. Außerdem ist er Martins Freund, der immer wieder versucht, Martin zu erklären, was seiner Ansicht nach in Kronbusch passiert. Bergner mochte ich noch am liebsten, wenngleich auch er mich nicht durchgehend berühren konnte. Aber er versuchte zumindest die Dinge zu erklären - selbst wenn ihm einfach niemand glauben will.

    Sein Verhältnis zu Anna - einer Bewohnerin von Kronbusch, die die beiden Kinder ihres Ehemannes aus erster Ehe unter ihre Fittiche genommen hatte - ist etwas undurchsichtig. Einerseits scheint er sich in sie zu verlieben, andererseits hält sie ihn jedoch ganz klar auf Abstand. Dennoch sucht er immer wieder ihre Nähe und versucht ihr auch bei ihren Problemen zu helfen. Wie bei so vielen Bewohnern im Quartier, will aber auch sie nicht wahrhaben, dass etwas ganz und gar nicht richtig läuft. Andererseits könnte es jedoch auch sein, dass Bergner sich verrannt hat und Anna die Dinge doch etwas klarer sieht. 

    Insgesamt ist die Geschichte reichlich verworren. Zwar erkennt man den roten Faden vom perfekten Wohnensemble zum reinsten Chaos unter den Bewohnern, allerdings erinnert dies eher an Romane von Stephen King und nicht an einen gut konstruierten Krimi oder Roman, der seine Leser mit Glaubwürdigkeit überzeugt. Das ist ein bisschen schade, denn irgendwie mochte ich die Idee der Geschichte. Auch der leicht mystische Touch war nicht störend, jedoch fehlte mir die Auflösung am Ende, was genau der Grund für die Vorfälle im Quartier war. Selbst auf der letzten Seite bleibt völlig unklar, was wirklich passiert ist. Möglicherweise ist dies von der Autorin so gewollt, damit der Leser sich auch im Nachhinein Gedanken darüber machen kann, ob die angebotenen Lösungen möglich sein können oder nicht. Ich bevorzuge jedoch Romane, an deren Ende eine plausible Lösung steht - jedenfalls wenn ich einen Roman oder Krimi lese. 

    Hammesfahrs Art zu schreiben ist überdies nicht ganz leicht zu lesen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sie eine Aneinanderreihung von Beobachtungen schreibt, die in keinem wirklichen Zusammenhang zur Geschichte stehen. Es fühlt sich ein bisschen wie Füllmaterial an um den Roman künstlich zu verlängern. Bisweilen hatte ich auch das Gefühl Halbsätze zu lesen, was den Lesefluss stört. 

    Die gesamte Geschichte ist in 6 Kapitel aufgeteilt, jedoch scheinen diese Kapitel-Abschnitte eher willkürlich gewählt zu sein. Andererseits fehlen mir innerhalb der Kapitel manchmal die Absätze. Gelegentlich wird die Geschichte ohne Absatz an einer anderen Stelle einfach weiter erzählt, was zu Verwirrung beim Lesen führt. Somit musste ich einige Passagen mehrfach lesen, was ich als ärgerlich empfand. Allerdings kann das natürlich auch ein Problem beim Druck des Buches gewesen sein.

    Bemerkenswert ist allerdings die Aktualität des Themas Quartier. Immer häufiger werden eben solche Quartiere, wie hier beschrieben, in den Medien diskutiert und immer häufiger habe ich meine Zweifel, ob dies wirklich die neue, moderne Art des Wohnens sein sollte. Das vorliegende Buch wurde im Jahr 2000 veröffentlicht und es ist erstaunlich, wie präzise Petra Hammesfahr schon damals die heute diskutierten Eigenschaften eines Quartiers beschreibt.

    Fazit:

    Die Grundidee der Geschichte mit einem etwas mystischen Touch hat durchaus ihren Charme. Allerdings verleiden der etwas komplizierte Schreibstil und die - im Ganzen betrachtet - wirre Geschichte den Lesespaß. Zudem fehlt es mir an einer klaren Auflösung am Ende des Buches. Ich würde diesem Buch sicher andere vorziehen. 2 Sterne

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    Cover des Buches Ein Sommer mit Percy und Buffalo Bill (ISBN: 9783825152833)

    Bewertung zu "Ein Sommer mit Percy und Buffalo Bill" von Ulf Stark

    Ein Sommer mit Percy und Buffalo Bill
    Babajagavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft mit einigen nicht ganz kindgerechten Szenen.
    Interessante Geschichte mit einigen Schwächen

    Bei dem hier vorliegenden Buch handelt es sich um ein schwedisches Kinderbuch von Ulf Stark, einem sehr beliebten und hoch dekorierten Kinderbuchautoren, der bereits 1944 geboren wurde. Aus anderen Rezensionen ist abzuleiten, dass das Buch ursprünglich für die Altersklasse ab 6 Jahren empfohlen war. Heute liegt diese Empfehlung bei 9 Jahren. Ich würde sie beinahe noch höher ansetzen, da einige Szenen in diesem Buch aus meiner Sicht nicht für jüngere Kinder zu empfehlen sind. 

    Ulf und Percy werden Blutsbrüder und pflegen im weiteren Verlauf des Buches eine wirklich erstaunlich innige Freundschaft, obwohl diese nicht immer geradlinig verläuft. Beide Charaktere sind überaus unterschiedlicher Natur. Während Ulf eher der zurückhaltende Typ ist, ist Percy jemand, der vor Selbstvertrauen strotzt und sich durch niemanden einschüchtern lässt - auch nicht durch Ulfs Großvater. Der nämlich ist als knurriger alter Herr bekannt, der Kinder so gar nicht leiden kann und irgendwie auch mit dem Rest seines Lebens alles andere als zufrieden ist. Doch Percy schafft es bereits am Beginn der Geschichte, dem Großvater ein Lächeln zu entlocken. Im Verlauf der Geschichte lernt der Leser alle 3 Figuren gut kennen. So erfährt der Leser nach und nach, warum der Großvater so knurrig ist, weshalb sich eine solche Unzufriedenheit manifestiert hat. Auch hier sorgt Percy unter anderem dafür, dass sich die Lage etwas entspannt. 

    Ich mochte sie alle drei auf ihre Art und Weise - insbesondere aber Percy, der es mit seiner fröhlichen und offenen Art immer wieder schafft, dass auch andere in seinem Umfeld fröhlicher zu sein scheinen. 

    So hat es Klas auch nicht unbedingt leicht mit seinem Vater, denn jedes Jahr in den Sommerferien muss er einmal etwas nützliches tun, bevor er Freizeit machen kann. Über die Nützlichkeit dessen, was er tun soll, kann man jedoch geteilter Meinung sein. Dieses Jahr soll er über 30 unterschiedliche Käfer sammeln, diese auf Nadeln aufpieken und beschriften. Das halte ich für die Zielgruppe nicht unbedingt geeignet, ebenso wenig wie die Hilfe, die Percy ihm dann zuteil werden lässt. Und wirklich zurück gezuckt bin ich, als die 3 Jungs begannen mit den übrig gebliebenen Käfern Krieg zu spielen. 

    Ganz wie im wahren Leben, hat natürlich auch Percy so seine Sorgen und Schwächen. Diese allerdings kann der Leser eigentlich nur erahnen, da sie nie wirklich zum Thema werden. Dafür hat Percy jede Menge Talente, die man einem 10jährigen vielleicht gar nicht so zutrauen würde. Er ist eindeutig der Sympathieträger der Geschichte. Er schafft es nicht nur aus dem grummeligen, fluchenden Großvater einen lieben Opa zu machen, sondern dieser findet sogar zurück zu seinen Träumen. 

    Ebenso erstaunlich ist es, dass ein Beinahe-Unglück die Großeltern wieder zusammenführt. Es ist eine Kombination, die viel Herzenswärme ausstrahlt, die nicht nur Kinder erreicht. Ganz genau ist es zwar nicht auszumachen, womit Percy den Großvater genau berührt, aber es scheint unter anderem seine freundliche Frechheit zu sein, die niemals wirklich respektlos ist. 

    Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Form aus Ulfs Sicht, was ich für Kinderbücher gut finde, da so die Distanz zum Leser verkürzt wird. Der junge Leser kann sich so besser mit den Figuren identifizieren, ist weniger Zuschauer. 

    Die behandelten Themen sind vielfältig. So geht es um Freundschaft, erste Liebe, Eifersucht, aber auch darum, warum Menschen so werden wie sie sind. Darüber hinaus gefallen mir die bildlichen Vergleiche, die der Autor benutzt. So ist das Kleid der Lehrerin gelb wie ein Kornfeld oder Zitat S. 43 “... Wo die Spinnen Spitzenvorhänge vor die Fenster gewoben hatten". Diese Bilder kann sich wohl jeder genau vorstellen.

    Der Autor legt seinen Protagonisten viele wahre Worte in den Mund, sodass diese Mitteilungen beim jungen Leser sicherlich ankommen, ohne dass es oberlehrerhaft klingt. So sagt z.B. Ulf zu Klas Zitat S. S. 21 "Eltern sind halt verschieden, und wahrscheinlich auf  verschiedene Art gut oder schlecht" oder Percy weist Ulf darauf hin, dass er keineswegs abreisen wird, nur weil er gerade sauer auf ihn ist - so funktioniert Freundschaft nicht. Diese Freundschaft funktioniert übrigens in beide Richtungen - ganz wie es sein soll - und beinhaltet eine wirklich gute Botschaft für die Leserschaft, wie ich finde.

    Die zentrale Frage, die Percy immer wieder stellt, lautet “Was hast Du gemacht, als Du noch klein warst?”. Und was immer Ulf ihm antwortet, will Percy dann auch ausprobieren. Aus dieser Frage habe ich geschlussfolgert, dass Percy vielleicht Defizite haben könnte, dass er nicht die Kindheit hatte, die er gern gehabt hätte und dies jetzt nachholt. 

    Die Gleichheit der Namen zwischen Autor und Protagonist - Ulf Stark - lässt den Schluss zu, dass das Buch autobiographische Züge hat und so nehme ich an, dass der Autor vielleicht aus seiner eigenen Kindheit erzählt. In diesem Zusammenhang habe ich mich allerdings auch gefragt, ob es zu jener Zeit üblich war, dass 10jährige Kinder bereits rauchen. Für die heutige Zeit halte ich dies in einem Kinderbuch für überaus fragwürdig, insbesondere weil es nicht nur einmal passiert, weil die Jungs etwas Verbotenes ausprobieren wollten, sondern es mehrfach vorkam und sich beinahe normal anfühlte. Auch die teilweise recht abfälligen Worte gefielen mir nicht.

    Die kleinen Illustrationen mitten im Text gefallen mir sehr. Sie sehen sehr liebevoll und kindlich aus und passen zur Zielgruppe. Immer wiederkehrend hierbei sind unterschiedliche Käfer, die zu Klas’ Aufgabe passen. Aber auch andere Situationen werden schön eingefangen. Da macht es Freude einmal mehr hinzuschauen.

    Alles in allem mag ich das Buch. Die Geschichte passt in den Sommer und die sympathischen Charaktere nehmen einen mit in ihre Welt, welche durch kleine Illustrationen visualisiert wird. Aber die teilweise recht ungehobelte Aussprache, das Rauchen und Käfermetzeln sind für mich eher abschreckend. Eventuell sollte man hier aber doch mal ein Kind in dem Alter befragen. Es könnte ja sein, dass die Sicht eines Erwachsenen schon zu eingeschränkt ist. Lesenswert ist die Geschichte ganz sicher, jedoch muss sich jeder Leser selbst sein Urteil zu den nicht gänzlich kindgerechten Themen machen. 

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    Cover des Buches Land of Stories: Das magische Land 4 – Ein Königreich in Gefahr (ISBN: 9783737357210)

    Bewertung zu "Land of Stories: Das magische Land 4 – Ein Königreich in Gefahr" von Chris Colfer

    Land of Stories: Das magische Land 4 – Ein Königreich in Gefahr
    Babajagavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Colfer kann mehr als nur Grimms’s Märchen! Schöne Fortsetzung der Geschichte, aber gemeiner Cliffhanger!
    Tiefgründiger als seine Vorgänger!

    Nachdem der 3. Teil der Reihe mit einem wirklich gemeinen Cliffhanger endete, startet dieser 4. Teil relativ früh mit dessen Auflösung, aber nur um quasi sofort neue Rätsel zu offenbaren, die es diesmal zu lösen gilt. Es bietet sich deshalb an, die Vorgänger gelesen zu haben, da die einzelnen Teile aufeinander aufbauen und sich die immer wiederkehrenden Figuren weiterentwickeln.

    Nachdem Connor und Alex, die inzwischen fast 15jährigen Zwillinge, das Geheimnis um den Maskenmann gelüftet haben und dessen Pläne kennen, bleibt ihnen einmal mehr nichts anderes übrig, als alles dafür zu tun, dass er nicht zum Ziel kommt. Dabei bewegen sie sich erstmals nicht ausschließlich im magischen Land sondern tauchen auch in andere Geschichten ein. Das ist ziemlich reizvoll, denn es beweist, dass Colfer sich nicht nur auf die bekannten Grimm-Märchen versteht, sondern sich vielmehr wie selbstverständlich durch alle möglichen Welten von Märchen bewegt. Er definiert hiermit die komplette Welt der Märchen und Helden-Epen neu und stellt die Möglichkeit in den Raum, dass unterschiedlichste Figuren durchaus in seiner Welt miteinander agieren können. 

    Aber auch wenn der Autor sich weiterhin in seiner erfundenen Welt bewegt, bekommt man den Eindruck, dass seine Aussagen mit jedem Teil tiefgründiger werden. Es mag vielleicht daran liegen, dass Leser der ersten Stunde ebenfalls älter geworden sind oder aber auch daran, dass sich die ganz reale Welt weiterentwickelt. So erwähnt er auf S. 78 "Allerdings ist die Anderswelt ein elender Ort, dazu verdammt sich selbst zu vernichten..." Diese Aussage ist zwar eindeutig interpretierbar, lässt aber durchaus den Schluss zu, dass Colfers Anderswelt eben wirklich der realen Welt entspricht. 

    Colfer bringt außerdem Themen wie das Älterwerden, partnerschaftliche Beziehungen, Politik, Respekt und vor allem Toleranz ein. Ein Aspekt, der mir sehr gut gefällt und der dem Buch weiteren Tiefgang verleiht und es so von einem “normalen” Märchen deutlich abhebt. Als nämlich Alex, ob ihrer veränderten Verhaltensweisen, zur Außenseiterin wird, ist nur Mutter Gans bereit ihr zu glauben und Alex’ Meinung und Überzeugung als eben diese anzunehmen. Niemand sonst hinterfragt Alex’ Verhalten. Vielmehr wird sie pauschal verurteilt, weil sie nicht mehr in das Bild passt, welches von ihr erwartet wird. Und so ist es auch Mutter Gans, die Alex dazu bringt ihre Ziele weiterhin zu verfolgen, anstatt sich zu verstecken.

    Liebgewonnene Figuren aus den Vorgängerteilen sind natürlich auch wieder mit dabei, haben diesmal aber nicht den Stellenwert wie in den Teilen davor. Der Fokus liegt weiterhin auf Alex und Conner. Aber wir lernen z.B. an Rotkäppchen eine gänzlich neue Seite kennen. Zwar ist Rot nach wie vor einfach egoistisch und nervig, aber diesmal auch mutig. Das erste Mal ist sie wirklich bereit für etwas zu kämpfen, das ihr wichtig ist. Darüber hinaus übernimmt sie Verantwortung - auch nicht gerade ihre Paradestrecke. Ich bin sehr gespannt, ob sie diese neuen Eigenschaften dann auch im nächsten Teil beibehält oder ob dies am Ende doch nur auf ihren Egoismus zurückzuführen sein wird. 

    Bei den neu eingeführten Figuren musste ich besonders über Robin Hood lachen. Colfer räumt an dieser Stelle so gründlich mit dem Helden auf, dass es absolut erheiternd ist. Darüber hinaus ist seine Wortwahl in diesem Zusammenhang einfach nur herrlich. Völlig unpassend für ein Märchen, aber so treffend in der Situation. Zitat S. 276: "... gegen Robin Hood wirkte selbst Rotkäppchen wie eine Havard-Absolventin." Und eben diese Gegensätze verfolgt er häufiger. Sie regen manchmal zum Nachdenken an und manchmal sorgen sie einfach nur für einen wundervollen Lacher während des Lesens. 

    Auch in der Anderswelt geht das Leben weiter, werden aus meiner Sicht Grundsteine für den nächsten Teil gelegt. Bree Campbell stellt Nachforschungen über ihre Herkunft an und findet erstaunliche Dinge heraus. Ich finde die Erklärungen wirklich gelungen und glaubwürdig und darüber hinaus wundervoll spannend erzählt. So könnte es sein. Mir waren die Abschnitte, die diese Welt und Bree betreffen, allerdings etwas zu knapp gehalten. Immerhin ist dies ein recht großes Thema und ich erhoffe mir für den nächsten Teil, dass dies etwas ausführlicher betrachtet wird, vielleicht noch weitere spannende Aspekte hervorkommen.

    Ich mag Colfers Art zu erzählen! Man kann seiner Geschichte gut folgen. Er bringt Wendungen ein, die nicht vorhersehbar sind, spinnt rote Fäden, die mehrere Enden haben und somit Situationen an unterschiedlichen Orten zulassen. Dies ist alles wohldurchdacht und auch, dass alle losen Enden - bis auf den einen, der letztlich in dem bösen Cliffhanger endet - am Ende wieder zusammen laufen. 

    Allerdings hat es mich diesmal etwas gestört, dass der Mittelteil sehr lang war. Die Wanderung durch die unterschiedlichen Geschichten gestaltete sich irgendwann als recht zäh und ich hatte nicht den Eindruck, dass Connor und Alex ihrem Ziel dadurch näher kommen würden. Natürlich brauchte Colfer diesen Mittelteil um Einblick in die anderen Geschichten zu verleihen, dennoch war mir dies etwas zu langatmig gestaltet. Das wirklich spannende und temporeiche Finale war mir dann wiederum etwas zu kurz. Man hatte den Eindruck, dass Colfer nun alles etwas fixer herunter erzählt hat. Insbesondere die Auftaktstory wurde sehr schnell und sehr kurz aufgelöst und hätte vielleicht mehr Potential gehabt. 

    Alles in Allem ist dieser 4. Teil eine gelungene Fortsetzung, die mich diesmal jedoch nicht 100%ig überzeugt hat. Ich mag den Ansatz, weitere Figuren in die Geschichte zu involvieren, Colfers Märchenwelt so vielfältiger zu machen und Möglichkeiten zu schaffen, die es so vorher nicht gab. Darüber hinaus nutzt er seine Möglichkeiten, Botschaften an seine Leserschaft zu senden, die sicherlich nachhaltig sein dürften. Ich kann das Buch empfehlen, allerdings sollte man leidensfähig sein, wenn es um den Cliffhanger geht und der nächste Teil nicht sofort zur Verfügung steht. 

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    Cover des Buches Die Verlorenen (ISBN: 9783839818503)

    Bewertung zu "Die Verlorenen" von Simon Beckett

    Die Verlorenen
    Babajagavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Spannende Story, der man einfach bis zum Schluss folgen muss. Großartig gelesen von einer zur Geschichte passenden Stimme.
    Insgesamt ein stimmiges Hörerlebnis!

    Ich habe bisher geglaubt, Hörbücher seien nichts für mich, ich hätte keine Zeit sie zu hören oder würde vielleicht der Geschichte nicht so folgen können, als wenn ich ein Buch lese. Da Hörbücher aber mehr und mehr Einzug in die Welt der Bücher halten, wurde es für mich Zeit mich diesem Medium einmal zu nähern. Und so habe ich die Chance im Zuge der #NetGalleyDEChallenge genutzt um mir eine Meinung zu bilden. 

    Ich habe in der Vergangenheit bereits Bücher von Simon Beckett gelesen und bin von seiner Schreibweise angetan. Seine Geschichten sind zumeist spannend und wenig blutig und vorhersehbar. Es sind Geschichten, die ihre Auflösung erst sehr spät offenbaren. So war dieses Buch meine erste Wahl um ein Hörbuch zu probieren.

    Gelesen wird die - leider gekürzte - Geschichte von Johannes Steck. Von ihm hatte ich bisher noch nichts gehört, fand seine Stimme aber bereits in der Hörprobe überaus ansprechend. Ich mag tiefe Männerstimmen sehr und in diesem Fall kommt eine Rauheit hinzu, die nach meinem Dafürhalten perfekt zur Geschichte passt. Darüber hinaus versteht es Steck, das Tempo seines Vorlesens an den Inhalt der Geschichte anzupassen. Ist es spannend, liest er deutlich schneller, als wenn einfach nur ein Stück Geschichte zu erzählen ist. So erreicht er als Vorleser eine zusätzliche Spannung; man hört automatisch genauer hin. Das gefällt mir sehr. 

    Ebenfalls sehr gut gefällt mir, dass Johannes Steck den Figuren eigene Stimmen verleiht. So bekommt der überaus unsympathische DI Fletcher eine derart schnarrige Stimme, dass man ihn sich sehr deutlich vor dem inneren Auge vorstellen kann, denn auch die Beschreibung von Simon Beckett ist alles andere als ein sympathischer Charakter. Hinzu kommt, dass Fletcher ein absolut sarkastischer Mensch ist. Das glaubt man dem Vorleser aufs Wort! In Dialogen kann man so die unterschiedlichen Figuren immer wunderbar unterscheiden und es gibt nie einen Zweifel daran, wer wann spricht.

    Auch die unterschiedlichen Gefühlslagen der Sprechenden kommen ausgesprochen gut heraus und so wird die Geschichte - im Gegensatz zum Gelesenen - lebendiger. 

    Absätze kommen durch gezielte Pausen sehr gut zum Tragen. Beim Zuhören hat man nicht das Gefühl, dass Beck durch die Geschichte rennt. Allerdings hatte ich manchmal das Gefühl, dass man anhand des Erzählten merkt, wo ein Stück der Geschichte fehlt. Der Umstand, dass viele Hörbücher nicht die gesamte Geschichte beinhalten, hat mich eben auch davon abgehalten, mich bisher mit diesem Medium vertraut zu machen, selbst wenn der Inhalt der Geschichte nicht unbedingt darunter leidet. 

    Mit der Geschichte “Die Verlorenen” führt Simon Beckett einen neuen Ermittler ein - Jonah Colley. Dieser wird an einem heiteren Abend mit Kollegen von seinem ehemals besten Freund Gavin angerufen und gebeten zum Slaughter Kay zu kommen. Jonah hat dabei ein ungutes Gefühl, fährt aber dennoch hin - nur um dort in einer alten Lagerhalle einen Haufen Leichen und den toten Gavin zu finden. Als DI Fletcher auf den Plan kommt, scheint nichts mehr so klar zu sein, wie es sich für Jonah darstellte und schneller als er gucken kann, ist er der Mittelpunkt eines Verbrechens, in dem nichts offensichtlich zu sein scheint und in dem er sich mehr und mehr verstrickt.

    Jonah ist ein sympathischer Typ, der sicherlich - wie jeder andere auch - seine Stärken und Schwächen hat. Immer wieder bekommt man das Gefühl, dass ihm Ungerechtigkeit widerfährt, jedoch kann man sich nur schwer einem gewissen Zwiespalt entziehen, der zielgerichtet erzeugt wird, indem DI Fletcher immer und immer wieder Fakten gegen Jonah verwendet. 

    Überhaupt ist DI Fletcher ein sarkastischer, bisweilen arroganter Ermittler, der überhaupt keinen Zweifel daran lässt, wen er für den Täter hält. Dabei ist er überaus uneinsichtig und muss so manches Mal von seiner Assistentin “zurück gepfiffen” werden. Wobei das allerdings auch ihr einziger Job zu sein scheint. DS Bennett hat nämlich ansonsten kaum Wortmeldungen und bis zum Schluss war mir die Figur absolut fremd. Damit verteilt der Autor die Sympathien und Antipathien sehr gezielt auf seine Figuren.

    Die Geschichte wird auf 2 Zeitebenen erzählt, sodass der Leser auch die Möglichkeit hat, Gavin besser kennenzulernen. Der verändert sich spürbar je weiter die Geschichte fortschreitet und je mehr der Leser über ihn erfährt. Das ist aus meiner Sicht am Anfang so nicht zu erwarten und gibt der Story u.a. die Spannung. Mir gefällt es, dass man sich hin und wieder die Frage stellen muss, ob bestimmte Dinge wirklich so gewesen sein können oder ob hier nur wieder DI Fletcher Fakten für sich auslegt. Die Auflösung erfolgt sehr spät, wie es sich aus meiner Sicht für einen guten Thriller gehört. 

    Simon Beckett bleibt seiner Art zu Erzählen treu. Die Erzählung ist wenig verschnörkelt und nicht detailverliebt. Man kann sich sehr gut vorstellen, in welchem Rahmen seine Geschichte spielt. Dennoch bleibt der Rahmen eben der Rahmen und die Geschichte selbst ist der Mittelpunkt. Das gefällt mir gut. 

    Der hier vorliegende Roman ist ein solider Thriller, dessen Spannung bis zum Ende gehalten wird. Das große Finale, welches ich so nicht unbedingt erwartet hätte, startet spät und bietet alles auf um jeden begonnenen Faden aufzulösen. Am Ende bleibt nichts ungeklärt. Es lohnt sich also, diesen Roman zu lesen - oder in diesem Fall zu hören. Mir hat die Geschichte gefallen ebenso wie das Hörerlebnis und so kann ich das Buch deshalb empfehlen.

    Die Erfahrung Hörbuch werde ich sicherlich vertiefen, denn gerade bei Tätigkeiten wie Malen, ist es eine wunderbare Möglichkeit, das Eine mit dem Anderen zu verbinden. Auf jeden Fall empfinde ich den Versuch als gelungen.

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    Cover des Buches Tokyo Ghoul 01 (ISBN: 9782889212057)

    Bewertung zu "Tokyo Ghoul 01" von Sui Ishida

    Tokyo Ghoul 01
    Babajagavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Klassische „Vampir-Story“, teilweise schwer zu lesende Schrift, Bilder sind nicht meins.
    Mein erstes Manga

    Wie rezensiert man ein Manga? Genau vor dieser Frage stehe ich nun, nachdem ich mich einfach mal in dieses Abenteuer gestürzt habe. Auslöser hierfür war ein Krimi von Henrik Siebold, in dem er sehr viel von eben diesem Manga erzählt hat. Zwar hatte ich jetzt nichts Übermäßiges erwartet, zumal ich ohnehin nicht der Comic-Fan bin, aber wirklich vom Hocker gerissen hat mich dieser erste Teil dann tatsächlich nicht. Da ich aber auch keine Vergleichsmöglichkeiten habe, weil ich noch nie vorher ein Manga gelesen habe, kann ich mir kein Urteil darüber erlauben, ob es besser geht oder nicht.

    Zunächst die Story: Ken Kaneki ist Student im 1. Semester und ziemlich verknallt in dieses hübsche Mädchen, von dem er glaubt, eh keine Chance zu haben. Und doch hat er kurz darauf ein Date mit ihr. Nach einigem Geplänkel will Ken sie – ganz Gentleman – nach Hause begleiten und wird hier dann gewahr, dass sie mehr als nur diese Schönheit ist. 

    Am nächsten Morgen wacht er im Krankenhaus auf, in welches er nach einem Unfall gebracht wurde und im Laufe der Zeit bemerkt er Veränderungen an sich. Er hat keinen Hunger mehr, findet Essen sogar widerlich, stattdessen ziehen ihn nun andere Gerüche magisch an. 

    Für Ken heißt es nun, sein Geheimnis zu bewahren und vor allem gegen diese neue Gier anzukämpfen, denn Ghoul-Hunger ist ganz furchtbar. Zum Glück trifft er Menschen, die ihm dabei helfen wollen. 

    Alles in Allem erinnert einen die Geschichte an eine klassische Vamir-Story finde ich, nur dass hier nicht das Blut getrunken wird, sondern das Menschenfleisch verzehrt werden muss. Ebenso gleich sind die Zwänge dahinter. Ken kann seine Gier nach Menschenfleisch nicht abstellen und es gibt auch keine wirklichen Alternativen. Allerdings ist er eben doch mehr Mensch als Ghoul und will nicht einfach der Gier nachgeben. Entsprechend vorhersehbar ist diese Geschichte vielleicht auch – zumindest in diesem ersten Teil. 

    Da dieser Manga recht kurz ist, war es mir nicht möglich, tatsächlich eine Verbindung zu den Figuren herzustellen, wie das in einem herkömmlichen Roman passiert. Wirklich kennenlernen tut man die Figuren möglicherweise erst, wenn man die Reihe weiter verfolgt. Ken ist ein eher ruhiger Zeitgenosse und ein Büchernarr, während sein bester Freund Hide das genaue Gegenteil ist. Viel mehr erfährt der Leser jedoch nicht über die beiden. Im Vergleich zu einem Roman empfinde ich das als eher störend, denn so bleibt die Geschichte oberflächlich. 

    Gekauft habe ich mir das Manga, weil ich einfach einmal diese Art des Geschichtenlesens ausprobieren wollte. Ein Buch von hinten nach vorn und auch die Dialoge auf den Seiten von rechts nach links zu lesen ist etwas gewöhnungsbedürftig. Aber irgendwie macht es für mich auch die Andersartigkeit aus. Vor allem merkt man recht schnell, wie konditioniert man eigentlich ist, wenn man ständig in die falsche Richtung blättert. 

    Wichtig aus meiner Sicht ist aber, dass man die Bilder gut erkennen kann, diese zur Geschichte und dem „gesprochenen“ Wort passen und dass man vor allem trotz aller Bilder die Schrift lesen kann. Gerade bei Letzterem hatte ich teilweise so meine Schwierigkeiten. Häufig stehen die Buchstaben sehr dicht zusammen sind schwarz mit weißer Umrandung auf schwarzem Hintergrund gedruckt, was das Lesen doch erheblich erschwert. Vielleicht mag dies dem kleinen Format des Buches geschuldet sein und hebt sich ggf. auf, wenn man größere Formate liest. Im hier vorliegenden Exemplar empfand ich das Lesen jedoch teilweise als sehr anstrengend.  Zwar ergibt sich vieles einfach aus dem Zusammenhang, aber insbesondere die kleinen Erklärungen zur japanischen Kultur möchte man ja doch lesen können. 

    Die Bilder waren mir zu abstrakt, vielleicht zu unruhig und bei den Gesichtsausdrücken hatte ich hin und wieder das Gefühl, dass der Sprechende gerade schreit, dabei hat er – laut Dialog oder Situation – relativ normal gesprochen. Die Bilder sind in schwarz-weiß gezeichnet, vielleicht würde es mehr her machen, wenn sie farbig wären. 

    Fazit: Diese Reihe werde ich sicherlich nicht weiterlesen, aber ich werde einen weiteren Versuch mit einem anderen Autoren und einem anderen Thema wagen. Noch gebe ich die Lesart Manga nicht auf. 

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    Cover des Buches Das Lied der Störche (ISBN: 9783746632469)

    Bewertung zu "Das Lied der Störche" von Ulrike Renk

    Das Lied der Störche
    Babajagavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Recht kurzweiliger Roman, bei dem mir die historischen Aspekte zu oberflächlich beleuchtet werden und die Charaktere zu glatt erscheinen
    Auftakt zur Ostpreußen-Saga

    Das Buch:

    Es handelt sich bei diesem Buch um den ersten Teil der Ostpreußen-Saga von Ulrike Renk. Die Geschichte basiert zum Teil auf wahren Begebenheiten, wie die Autorin im Nachwort berichtet. Da mir der Name der Autorin im Buchladen häufiger begegnete, habe ich meiner Neugier nachgegeben und mir diesen ersten Teil gekauft. Meine Erwartungen waren relativ hoch, da Renks Bücher zumeist auf den Bestseller-Listen auftauchen. 

    Worum geht’s?

    Die 11jährige Frederike zieht mit ihrer Mutter und ihren beiden jüngeren Halbgeschwistern 1920 zu ihrem Stiefvater nach Gut Fennhusen, ein recht beachtliches Gut in der Nähe von Graudenz. Hier verbringt sie eine glückliche Kindheit, die geprägt ist vom Leben auf dem Gut. Nach erfolgreicher Ausbildung für höhere Gutstöchter kehrt sie 1928 zurück und übernimmt neben ihrer Mutter mehr und mehr Verantwortung bei der Führung des Gutes. Bereits als Mädchen schwärmt sie für den deutlich älteren Ax von Stieglitz. Und obwohl Frederike ihn auch als junge Frau überaus anziehend findet, wird sie das Gefühl nicht los, dass er ein Geheimnis hat. 

    Charaktere: 

    Im Mittelpunkt des Romans steht die junge Frederike von Weidenfels, die älteste Tochter von Stefanie von Fennhusen. Zwar mag ich diese Figur, weil ich sie im Laufe der Zeit recht gut kennenlernt habe, aber trotz allem ist sie mir stets zu brav und verursacht für meine Begriffe zu wenig Konflikte. Im Vergleich zu ihren Freundinnen, die in Berlin ihr Leben in vollen Zügen genießen, lässt sich Frederike auch bei Besuchen nicht wirklich mitreißen. Sie wirkt auf mich über die gesamte Länge des Romans hinweg eigenartig beschnitten. Natürlich hat sie nicht so viele Möglichkeiten das Leben wirklich zu probieren, aber auch wenn sie die Möglichkeit hat, nutzt sie diese nicht. 

    Obwohl Frederike bereits mit 11 Jahren für den deutlich älteren Ax von Stieglitz schwärmt und er sich ihr später, als sie zurück aufs Gut kommt, auch zuwendet, bleibt die Beziehung der beiden kühl. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass Ax aus persönlichen Gründen Hemmungen hat um Frederike zu werben, aber auch von ihrer Seite kann man nicht wirklich von Leidenschaft sprechen. Auch hier wirkt alles etwas gebremst. 

    Zu ihren inzwischen 6 Halbgeschwistern führt Frederike liebevolle Beziehungen und obwohl die Geschwister doch sehr unterschiedlich in ihren Charakteren sind, bevorzugt sie keines. Diese Eigenschaft gefällt mir gut, überdeckt jedoch die mangelnde Leidenschaft keineswegs.

    Stefanie von Fennhusen ist in dritter Eher mit Erik von Fennhusen verheiratet. Auch wenn diese Ehe von Respekt getragen wird, fehlt es mir auch hier an Leidenschaft. Da es aber ihre dritte Ehe ist, ist es für mich durchaus nachvollziehbar, dass es sich vielleicht um eine Vernunftehe handelt, denn immerhin muss Stefanie zum Zeitpunkt der Eheschließung 3 Kinder versorgen.

    Bedingt dadurch, dass von Frederikes Erbe nichts übrig geblieben ist, versucht Stefanie für sie eine gute Partie zu finden und ist sehr froh über die Verbindung zu Ax von Stieglitz – so froh, dass sie Frederike das Wissen um dessen Geheimnis vorenthält. Das macht sie mir etwas unsympathisch, wenngleich ich sie in gewisser Weise auch verstehen kann. 

    Auch in Bezug auf diese Figur fehlt es mir an Konflikten und Temperament. Stefanie ist – genau wie ihre Kinder – neu auf dem Gut, es wird angedeutet, dass nicht jeder froh darüber ist, aber dennoch sind aufkeimende Konflikte relativ schnell beigelegt und plötzlich ist Friede auf dem Hof. Das ist nicht unbedingt glaubwürdig und geht mir einfach zu glatt. Darüber hinaus hätte ich mehr Streitpunkte mit Frederike erwartet. Immerhin plant Stefanie deren Leben, ohne wirklich intensiv mit ihr zu sprechen. Da wäre mehr Aufbäumen von Frederikes Seite authentischer gewesen.

    Ax von Stieglitz ist eigentlich ein interessanter Charakter, eben weil nicht alles sofort erzählt wird und er so gewissermaßen geheimnisvoll wirkt. Nach und nach erfährt der Leser etwas mehr über ihn und sein Leben, über das Verhältnis zu seiner eigenen Familie. Leider – aus meiner Sicht – ein bisschen zu wenig. Diese Figur hätte deutlich mehr Potential gehabt. Und auch er ist ein sehr zurückhaltender Mensch, der am liebsten nicht auffallen möchte – so jedenfalls mein Gefühl. 

    Die Figuren, die rundherum agieren, auf dem Gut arbeiten, das Leben dort maßgeblich mitbestimmen, kommen glaubwürdig bei mir an – gerade wegen ihrer ostpreußischen Mundart, die mich sehr an die Gespräche mit meiner Oma erinnerten. Das gefiel mir gut, denn gerade diese Dialoge haben der Geschichte Leben eingehaucht. 

    Schreibstil: 

    Insgesamt lässt sich der Roman gut lesen, manchmal berichtet die Autorin vielleicht etwas zu ausführlich und hin und wieder hatte ich das Gefühl, dass sich Dinge wiederholen. Dies mag aber dem Umstand geschuldet sein, dass hier ein Portrait des Ostpreußen der 1920er Jahre gezeichnet werden sollte. Den Charme des Gutes stellt Ulrike Renk für meine Begriffe gut dar. Hin und wieder war ich an Szenen aus Downtown Abbey erinnert, aber während es dort bisweilen ordentliche Kräche gab, scheint das Leben auf Gut Fennhusen eher beschaulich zu sein. 

    Außerdem hätte ich mir mehr historische Hintergründe gewünscht. Z.B. wird immer wieder vom polnischen Korridor berichtet, durch den der Zug fährt, wenn man nach Berlin reisen möchte. Was es damit auf sich hat, berichtet die Autorin nicht. Ebenso lässt sie anklingen, dass sich zumindest die Männer Gedanken über Politik machen und die Entwicklung in Deutschland mit Sorge betrachten, aber auch hierauf geht sie nicht weiter ein. Das ist sehr schade, da wir aus der Geschichte wissen, dass gerade Ostpreußen schwer betroffen sein wird, wenn der Krieg seinen Lauf nimmt und die Anfänge hätten sicherlich sehr interessant sein können. 

    Am Ende des Buches bleibt der Leser damit zurück, dass Frederike das Geheimnis von Ax herausfindet und ihrer Mutter zürnt, dass sie ihr nichts davon gesagt hat. Ob das Wissen darum tatsächlich Auswirkungen auf Frederikes Entscheidungen gehabt hätte, bleibt offen. Somit ist der Weg geebnet für Teil 2. 

    Fazit: 

    Meine Erwartungen an das Buch wurden nicht erfüllt. Der Roman ist alles in allem nicht schlecht, aber ich denke, es gibt bessere Geschichten, die in dieser Zeit angesiedelt sind. Wer sich für beschauliches Landleben auf einem großen Gut begeistern kann, kommt auf seine Kosten, wer jedoch konfliktreiche, emotionale Bücher liebt, sollte hier nicht unbedingt zugreifen. 3 von 5 Sternen. 

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    Cover des Buches Inspektor Takeda und das doppelte Spiel (ISBN: 9783841217110)

    Bewertung zu "Inspektor Takeda und das doppelte Spiel" von Henrik Siebold

    Inspektor Takeda und das doppelte Spiel
    Babajagavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Der wohl japanischste Roman der Reihe (bisher). Zeitweise recht gemächlich erzählt, dann aber mit temporeichem Showdown.
    So japanisch wie kein Roman der Reihe vorher

    Das Buch:

    Es handelt sich beim vorliegenden Roman um den 4. Teil aus der Krimireihe um den japanischen Inspektor Ken Takeda und wie immer kann der Roman ohne Kenntnisse der anderen Teile gelesen werden. 

    Worum geht's?

    In Hamburg-Stellingen wird die Leiche des japanischen Fußballstars Matsumoto gefunden. Dies bringt nicht nur die deutschen sondern auch die japanischen Behörden auf den Plan, die den Ermittlern Takeda und Harms ordentlich Druck machen. Der Mörder ist schnell gefunden, das Motiv bleibt jedoch absolut fragwürdig. Während für alle Behörden der Fall zu Akten kann, beginnt für Ken Takeda und Claudia Harms nun die eigentliche Arbeit und dabei brechen Sie so ziemlich jede Regel...

    Charaktere:

    Claudia Harms und Ken Takeda bleiben ihren Charakterzügen einmal mehr absolut treu. Sie laut und polterig, er japanisch zurückhaltend und leise. Auch diesmal bleiben sie eines der gegensätzlichsten Ermittlerduos, die ich kenne. Allerdings bewegen sie sich dieses Mal für Claudia auf ungewohntem Terrain. Sie sind in japanischen Gangsterkreisen unterwegs und Claudia beeindruckt  selbst hier eher mit ihrer großen Klappe und ihrer mangelnden Zurückhaltung, als dass sie einen Nachteil davon hätte. Mein Eindruck war sogar der, dass gerade ihre Andersartigkeit - im Vergleich zu japanischen Frauen - gut ankam.

    Es ist spannend, den Japaner Ken Takeda einmal in seiner Heimat zu erleben und der erfahrene Takeda-Leser wird feststellen, dass Ken durchaus bereit und in der Lage ist, Regeln zu brechen. Seine höfliche, japanische Art behält er dabei stets bei, sodass es teilweise schon ulkig anmutet, wenn er sich mit Yakuza Größen unterhält und diese ihn dann auf ähnlich höfliche Weise mit dem Tod bedrohen. Ich mag das irgendwie und gefällt mir beinahe besser, als wenn Gegner sich nur plump anschreien. Es hat Stil, möchte ich sagen, selbst wenn dieses Wort in dem Zusammenhang möglicherweise unpassend erscheint.

    Zwischenmenschlich findet das ständige Pritzeln zwischen Ken und Claudia endlich zum Höhepunkt. Siebold gönnt ihnen eine gemeinsame Nacht, die beide sehr genießen. Beide träumen von einer gemeinsamen Zukunft und es wäre wünschenswert, wenn gerade der ruhige Ken es schaffen würde, die beziehungsunfähige Claudia zu halten. Ein schönes Paar sind sie allemal und an echten Gefühlen mangelt es keinem von beiden. Mir gefiel auch der Weg zur gemeinsamen Nacht sehr gut. In den Vorgängerromanen merkte der Leser sehr wohl, dass mehr zwischen den beiden ist, diesmal haben sie jedoch sehr deutlich und offensiv miteinander geflirtet. Da sie in Japan unterwegs sind, hat es etwas von Urlaubsromanze.

    Während der Leser zwei total sympathische und wie immer authentische Ermittler begleitet, hatte ich das Gefühl, dass alle anderen Charaktere eher in der unsympathischen Ecke zu finden sind. Einerseits sämtliche Behörden - japanische wie deutsche - denen es nur darum geht, nicht zu viel Staub aufzuwirbeln, andererseits die Anführer und Mitglieder der Tozaikai Sekte in Hamburg und die Yakuza in Japan. Man bekommt das Gefühl, dass sich Ken und Claudia durch einen Sumpf der Gewalt und des Verbrechens wühlen müssen und dabei eine deutsch-japanische Vergangenheit finden, die schier unglaublich zu sein scheint.

    Zwar sind auch die Unsympathen glaubwürdig und gut beschrieben, aber sie bilden diesmal eine wirkliche Wand und zum ersten Mal werden Ken und Claudia ganz offensiv und immer wieder mit dem Tod bedroht.

    Spannend finde ich, dass Ken in Japan durchaus schon früher Kontakte in die Unterwelt hatte, dass er zwar als Bulle bekannt, aber offenbar respektiert ist - auch in der Unterwelt.

    Schreibstil:

    In diesem Teil weicht der Autor von seiner üblichen Aufteilung in Prolog und Kapitel ab. Statt dessen teilt er den Roman in 3 Teile und startet diesmal ohne Prolog. So ist der Leser auch prompt mitten im Geschehen. 

    Während der erste und der dritte Teil recht temporeich daher kommen und der Showdown am Ende den Leser wirklich mitfiebern lässt, ist der zweite Teil fast gemächlich erzählt. Obwohl im zweiten Teil viel passiert und viel berichtet wird, hätte es für meinen Geschmack etwas schneller gehen können. Andererseits passt eben dieser Teil irgendwie sehr gut zu Ken und Japan. Ich habe mich schon gefragt, ob der Autor hier dem deutschen Leser japanische Ruhe zeigen wollte. Falls ja, ist es ihm gelungen. Und er zeigt auch die Vereinbarkeit von wunderschöner, ruhiger Landschaft und brutaler Gewalt. 

    In diesem Roman wird die Gegensätzlichkeit auf allen Ebenen unglaublich deutlich. 

    Im angeführten zweiten Teil wird es diesmal auch wirklich sehr japanisch. Der Autor lässt den Leser in die Quirligkeit Tokios eintauchen und zeigt ihm den krassen Gegensatz in der ländlichen Gegend. Siebold erzählt über das Altern und Aussterben der japanischen Gesellschaft und Kultur, darüber dass es beinahe nur noch in den Ballungszentren Menschen gibt. Er vollführt mit dem Leser eine wirkliche Reise durch Japan. Außerdem zeigt er dem Leser, dass die Mafia - die Yakuza - in Japan durchaus präsent ist, er erklärt Kamikaze und unweigerlich zieht der Leser so seine Vergleiche zur Realität.

    In seinem Nachwort erklärt Siebold, was Fiktion und was Tatsache ist. Das ist auch unbedingt nötig, denn die fiktionalen Anteile des Romans sind so glaubwürdig, dass der Leser nicht an ihnen zweifeln würde.

    Siebolds Art zu schreiben ist nach wie vor leicht und locker, schnörkellos, sodass sich der Leser ganz auf die Geschichte einlassen kann. Diesmal jedoch lässt er seiner eigenen Liebe zu Japan viel Raum. Mir hat es gefallen, auch wenn es an mancher Stelle etwas zu sehr wie ein Reisebericht anmutete. Wer wie gewöhnlich einen von vorn bis hinten spannenden Krimi erwartet, könnte von diesem Mittelteil enttäuscht sein.

    Dafür wird der Leser mit Tempo und Spannung im dritten Teil überrollt. Im Grunde wird der Showdown bereits am Ende des zweiten Teils eingeläutet, als Ken und Claudia klar wird, wo genau sie in Deutschland suchen müssen. Insbesondere der Zeitfaktor - Siebold lässt seinen Ermittlern diesmal sehr wenig davon - zieht das Tempo rasant an. Ich konnte dann jedenfalls nicht mehr aufhören zu lesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es zu Ende geht.

    Fazit:

    Alles in allem ein guter Roman, im Vergleich zum dritten Band kann er aber nicht mithalten. Der Mittelteil war mir etwas zu langsam, auch wenn das Erzählte durchaus spannend ist. Deshalb gibt es für diesen Takeda 4 von 5 Sternen.

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