Babajaga

  • Mitglied seit 28.02.2019
  • 8 Freunde
  • 155 Bücher
  • 78 Rezensionen
  • 85 Bewertungen (Ø 4.16)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne47
  • 4 Sterne19
  • 3 Sterne8
  • 2 Sterne8
  • 1 Stern3
  • Sortieren:
    Cover des Buches Wie viele willst du töten9783423219204

    Bewertung zu "Wie viele willst du töten" von Joanna Schaffhausen

    Wie viele willst du töten
    Babajagavor einem Monat
    Kurzmeinung: Am Anfang etwas langatmig, kommt dann aber gut in Fahrt mit einem nicht vorhersehbaren Finale.
    Geburtstagsgeschenk

    Das Buch:

    Ich habe das Buch im Rahmen eines Thriller-Wochenendes gewonnen, wofür ich mich beim Verlag herzlich bedanke. Der äußere Eindruck des Buches ist durchaus giftig – mit dem grünen Schnitt und dem schwarz-grünen Cover. Die ersten Seiten „klebten“ allerdings etwas sehr zusammen, sodass man man beim Blättern bisweilen aufpassen musste, dass man die Seiten nicht zerreißt. Später ging es dann aber gut. Das Cover mag ich, man erkennt seine Bedeutung aber erst am Ende der Geschichte. Den deutschen Titel halte ich allerdings nicht für gelungen.

    Für einen solchen Roman ist die Geschichte in 11 recht lange Kapitel eingeteilt, ich empfand das aber nicht als störend. Durch den Klappentext und die Leseprobe war ich ziemlich neugierig auf die ganze Geschichte.

    Worum geht’s?

    Ellery Hathaway ist Polizistin in einer kleinen Stadt, in der nie etwas Aufregendes passiert. Sogar die Polizisten träumen davon, was sie täten, wenn endlich einmal etwas geschehen würde. Eigentlich führt Ellery ein ganz normales Leben, wenn sie nicht seit mehreren Jahren jedes Jahr zum Geburtstag eine Karte bekäme, deren Absender sie nicht kennt und nach der immer jemand verschwindet. Einen Zusammenhang zwischen den Opfern scheint es nicht zu geben, aber dennoch muss er da sein. Da niemand Ellerys dunkelstes Geheimnis kennt, kann sie sich auch niemandem anvertrauen. Deshalb holt sie sich Hilfe von jemandem, der ihr bereits schon einmal das Leben rettete.

    Die Charaktere:

    Am Anfang des Buches erscheint mir Ellery etwas... kleinstadtmäßig, piefig... mit Ausnahme ihrer Affäre mit dem Chef vielleicht sogar ein bisschen langweilig. Wahrscheinlich ist das von der Autorin so gewollt. Im weiteren Verlauf der Geschichte entwickelt sich der Charakter aber angenehm weiter. Ellery bleibt nicht mehr nur Befehlsempfängerin, sondern beginnt ihren Standpunkt auch gegen ihren Chef zu vertreten. Anfänglich erscheint sie eher wie eine Bittstellerin, die immer wieder versucht ihren Chef dazu zu bewegen, die Vermisstenfälle genauer zu untersuchen. Der glaubt ihr allerdings nicht und wiegelt Ellerys Beweggründe ab. Als der FBI-Agent Reed Markham auftaucht, wendet sich das Blatt jedoch – vielleicht nicht sofort, aber doch zusehends und Ellery beginnt zu handeln.

    Reed Markham stand ich etwas skeptisch gegenüber. Irgendwie machte er nicht den soliden Eindruck, den ich erwartet hatte, nachdem ich ja wusste, woher er und Ellery sich kennen. Irgendwie wirkte er verlebt und nicht sonderlich souverän, fast ein bisschen so, als hätte ihn etwas aus der Bahn geworfen. Später hatte ich dann erwartet, dass sich zwischen Ellery und ihm eine Affäre entwickeln würde – was ausblieb und mir sehr gut gefiel. Außerdem erfährt man nach und nach tatsächlich so einiges über Reeds Hintergrund, was ihn für den Leser verständlicher – menschlicher und authentischer – macht.

    Diese beiden Figuren führt die Autorin mit einem völlig anderen Eindruck ein, als sie ihn am Ende der Geschichte vermitteln. Das hat mir gefallen, denn sie weckt damit beim Leser Erwartungen in Bezug auf deren Handlungsweisen, die dann so nicht eintreten. Außerdem hat man wirklich das Gefühl, die beiden nach und nach kennenzulernen. Damit bleibt es spannend. Auch versteht es die Autorin wundervoll, den Leser misstrauisch werden zu lassen – mal gegen ihn, dann wieder gegen sie. Dazu bedient sie sich diverser Kleinigkeiten, bei denen man einfach stutzt und sich fragt, was daraus noch wird. Nur eines ist von Anfang an klar und bleibt es bis zum Schluss: Reed und Ellery arbeiten zusammen.

    Sam – Ellerys Chef – ist zwar eigentlich nur eine Nebenrolle, aber er war mir total unsympathisch. Vermutlich ist auch das genauso gewollt. Man wird das Gefühl nicht los, dass er sich ein junges Ding angelacht hat, um sich aus seiner langweiligen Ehe zu schleichen. Beruflich jedoch nimmt er Ellery erst für voll, als er ganz persönlich betroffen ist. Ich mag solche Menschen nicht, vielleicht ist mir Sam auch deshalb so unsympathisch.

    Alles in allem zeichnet die Autorin ihre Figuren recht vielschichtig, zeigt unterschiedliche Seiten und versteht es, zu begründen, weshalb ein Charakter agiert, wie er es tut. Dies zwar nicht immer und sofort, aber am Ende der Geschichte kann ich sagen, dass die Figuren durchaus authentisch sind.

    Schreibstil:

    Der Schreibstil von Joanna Schaffhausen ist angenehm und leicht zu lesen. Man kann sich in die Geschichte fallen lassen und sich auf sie einlassen, ohne über merkwürdig schwierige Formulierungen zu stolpern. Auch – und das halte ich für wichtig bei einem Thriller – liefert sie immer wieder Wendungen, die man so vielleicht nicht erwartet hatte. Insbesondere was den Täter angeht, lässt sie sich viel Zeit, ihn zu outen und auf dem Weg dorthin legt sie viele falsche Indizien aus. So kann der Leser mitraten. Ich habe den Täter erst in dem Moment, als er auch im Buch entlarvt wurde, auf dem Schirm gehabt und mit seinem Motiv hatte ich erst recht nicht gerechnet. Bis dahin habe ich im Dunkeln getappt. Das mag ich an guten Thrillern. Wenn die Lösung zu früh zu offensichtlich ist, macht es keinen Spaß weiter zu lesen.

    Was mich gestört hat, sind die recht vielen Rechtschreibfehler. Das erwarte ich so nicht in einem Buch, das im Paperback 11,00 Euro kostet.

    Wie viel reale Ermittlungsarbeit in diesem Buch steckt, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber für mich war es stimmig. Erwähnte Ermittlungstätigkeiten konnte ich nachvollziehen.

    Insgesamt war mir die erste Hälfte des Buches etwas zu langatmig. Das Kleinstadtfeeling wurde sehr deutlich zum Ausdruck gebracht und irgendwann kam dann der Moment, in dem ich dachte, dass es langsam losgehen könnte. Die zweite Hälfte enttäuscht aber nicht. Möglicherweise habe ich in der langen ersten Hälfte aber eben dadurch auch den einen oder anderen Hinweis überlesen, was schade wäre. Aber die Story als Gesamtheit ist durchdacht und macht Spaß.

    Fazit:

    Ein guter Thriller für Zwischendurch. Er macht nicht die enorme Gänsehaut, kann den Leser aber durchaus einfangen. 3 von 5 Sternen.


    Kommentieren0
    0
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Des Lebens labyrinthisch irrer Lauf9783748189879

    Bewertung zu "Des Lebens labyrinthisch irrer Lauf" von Heike Wolf

    Des Lebens labyrinthisch irrer Lauf
    Babajagavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Nervenaufreibend, lebendig und perfekt recherchiert. Die Autorin lässt die schreckliche Zeit gnadenlos wieder auferstehen. Must read!
    Ein Wechselbad der Gefühle – in einer furchtbaren Zeit.

    Das Buch:

    Bei diesem Buch handelt es sich um den 2. Teil der Schönau-Dilogie. Er umfasst den Zeitrahmen 1935 bis 1957 im Leben der Familie Schönau. Den ersten Teil sollte man vorher gelesen haben, da der 2. Teil direkt an dessen Ende ansetzt. Das Buch ist Kapitel aufgeteilt, die über die meiste Zeit jeweils ein Jahr umfassen.

    Worum geht’s?

    1935 – das Naziregime gewinnt zusehends an Macht und das Leben der Familie Schönau ändert sich ein weiteres Mal drastisch. Alle Familienmitglieder müssen sich in dieser dunklen Zeit arrangieren und tun es auf die unterschiedlichsten Weisen. Dabei müssen alle schwerste Verluste hinnehmen und mit dem größer werdenden menschlichen Zwiespalt innerhalb der Familie klar kommen. Auch nach dem Krieg können nicht alle Schönau-Kinder ein gutes Leben führen. Gerade Lotte geht einen sehr schweren Weg, der – als sie vermeintlich am Ziel ist – wieder nur einen schmerzlichen Verlust für sie bereit hält. Erst an ihrem 90. Geburtstag am 09.11.1989 darf sie sich endlich über ein Geschenk freuen, mit dem sie nicht mehr gerechnet hatte.

    Die Charaktere:

    Lotte ist auch in diesem 2. Teil die Sympathieträgerin für die ich zu jeder Zeit Wohlwollen empfunden habe. Mehr als einmal habe ich gedacht, dass sie kaum noch mehr Rückschläge ertragen kann. Eine lange Zeit muss sie das Leben mit ihren beiden Kindern Agnes und Irene allein meistern, weil Richard entweder im Krieg ist oder im Gefängnis einsitzt. Oftmals weiß Lotte noch nicht einmal, wo genau Richard sich gerade befindet. Diese ständige Unsicherheit macht einen schon als Leser nervös und es ist kaum vorstellbar, was genau Lotte empfunden haben muss. Der Autorin gelingt es zu jeder Zeit absolut glaubwürdig diesen bedrückenden Umstand zu beschreiben. Lottes Verhaltensweisen und Entscheidungen kann ich oftmals sehr  gut nachvollziehen, insbesondere vor dem Hintergrund, da ich selbst nicht sagen könnte, wie ich in diesen Situationen reagiert hätte.

    Dorchen ist wohl der Charakter, der sich am radikalsten verändert. War sie am Anfang lebenslustig, direkt und extrem gegen das Naziregime, entwickelt sie sich nach dem Krieg zu einer Fanatikerin, die den Sozialismus bejubelt, obwohl offensichtlich ist, dass die Russen nicht wirklich etwas anders machen als die Nazis vor ihnen. Die Diktatur unter Hitler hat sie rigoros abgelehnt, hat sogar Lotte und Richard verurteilt, weil sie ihrer Meinung nach zu wenig dagegen unternahmen; stets hat sie Heinrich verurteilt, wegen seiner Besessenheit in der NS Zeit. Und nun? Macht sie es genauso! Dorchen war mir immer sehr sympathisch, ich mochte sie wegen ihrer leichten Art zu leben, mir gefiel mit wie viel Enthusiasmus sie sich für ihre Arbeit eingesetzt hatte und natürlich ihre tiefen Gefühle für Levin. Nachdem sowohl Levin als auch ihre Tochter Margrit von ihrer Seite gerissen wurden, arbeitet Dorchen intensiv im Widerstand und verurteilt beinahe jeden, der etwas dezenter ist. Ich kann ihre Verluste nur all zu gut verstehen, ebenso wie den Umstand, dass sie etwas tun will. Dass sie jedoch sogar die eigene Familie verbal beginnt anzugreifen, bringt meine Sympathie ins Wanken. Bereits hier zeigen sich die ersten Züge von Fanatismus, die sich nach dem Krieg ganz extrem ausprägen. Zwar hilft sie Lotte in den wirklich schlechten Zeiten und zeigt hier dann das Dorchen, wie ich es kenne, aber kurz darauf ist sie wieder hart und ungerecht. Es ist mir durchaus bewusst, dass der Krieg Dorchen verändert und hart gemacht hat, aber diese bedingungslose Besessenheit von einer anderen Diktatur hat sie mir am Ende beinahe unsympathisch werden lassen. Doch trotz aller Antipathie am Ende des Buches ist auch dieser Charakter authentisch, er gehört dazu und in gewisser Weise tut mir Dorchen sogar leid.

    Heinrich taucht nicht ganz so oft auf wie Lotte und Dorchen, aber wenn, dann möchte man ihn schütteln und ihn fragen, ob er blind ist. Ich empfinde es als furchtbar, wie er alte Freunde und sogar die eigene Familie ans Messer liefert ohne mit der Wimper zu zucken. Und trotzdem ist Heinrich eine Figur, die von Ambivalenz strotzt. Einerseits diese Härte und blinder Fanatismus – allerdings zum NS Regime – und andererseits kümmert er sich beinahe rührend um Lotte, sowohl direkt nach dem Krieg und auch später. Seine Verhaltens- und Denkweisen scheinen nicht zusammenpassen zu wollen, aber trotzdem ist er eine Figur, die man sich lebhaft vorstellen kann.

    Sämtliche Charaktere, auch Nebenfiguren, zeichnet die Autorin vielschichtig. Man kann eigentlich bei keiner Figur einfach sagen, dass man sie mag oder eben nicht. Und genau das ist der Grund, weshalb sie mit all ihren Sorgen und Nöten, mit den schönen und schlechten Dingen ihres Lebens absolut glaubwürdig sind. Es kommt einem immer ein bisschen so vor, als könnte man sie greifen, wenn man nur die Hand ausstreckte. Je länger man in der Geschichte liest, desto mehr wachsen einem die Figuren ans Herz und desto mehr glaubt man, einen Freund der Familie zu verlieren, wann immer jemand stirbt – und es sterben viele! Heike Wolf macht es einem wirklich schwer Figuren gehen zu lassen. Dies wird besonders deutlich, als nach einem Bombenangriff 3 wichtige Figuren auf einmal sterben.

    Schreibstil:

    Heike Wolf schreibt einfach großartig! Bildgewaltig ohne sich in Details zu verlieren. Sie beschreibt die Welt in ihrer Geschichte so, dass der Leser in sie abtauchen kann, so als wäre sie selbst dabei gewesen. Und auch wenn die Zeit furchtbar war, wenn man auf überhaupt gar keinen Fall in dieser Zeit gelebt haben möchte, so ist diese Zeit für die Zeit des Lesens so echt und so greifbar – mit all ihren schrecklichen Momenten, aber gerade auch mit den schönen Momenten.

    Die Autorin wirft den Leser durch alle Emotionen. Immer wieder möchte der Leser hoffen und tut es auch, dass sie diesem oder jenem Charakter dies oder jenes nicht antun möge. Man hofft und bangt und doch kommt das Unvermeidliche. Wer mehr als ein Buch von Heike Wolf gelesen hat, der weiß, dass sie nicht zimperlich mit ihren Figuren ist, aber trotzdem schafft sie es immer wieder, dass man zu ihren Figuren ein Verhältnis aufbauen muss. Man kommt nicht umhin, eben weil sie so lebendig sind. Der Satz „Das kann sie jetzt nicht wirklich tun!“ war mein ständiger Begleiter, aber sie tut es trotzdem – erbarmungslos. Erbarmungslos ist hier ein Kompliment, denn die Zeit war genau das. Alles andere wäre nicht authentisch.

    Historischer Hintergrund:

    Es gibt sicherlich viele Bücher, die sich mit dem 3. Reich befassen. Es gibt sicherlich auch viele gute Bücher über diese Zeit. Aber dieses hier vereint einfach alles. Es liefert einerseits sauber recherchiertes Hintergrundwissen sowohl über den Krieg als auch die Anfänge der DDR – ich habe mehr als einmal ungläubig gesagt „Das glaube ich jetzt nicht“ und doch ist es wahr. Andererseits lässt es diese Zeit so lebendig werden, als würde man selbst dabei sein. Hin und wieder musste ich beim Lesen unterbrechen um aus dem Fenster zu schauen, bevor die nächsten Bomben fielen.

    Fazit:

    Dieses Buch ist alles, aber keine leichte Unterhaltung! Wer sich auf dieses Buch einlässt, braucht mindestens ein Paket Taschentücher – besser zwei! Er sollte sich darauf einstellen, dass zwischen Liebe und Hass jedes Gefühl hochkommen wird – außer Gleichgültigkeit! Diese kann und wird sich der Leser nicht erlauben. Für Fans von wirklich realistischen, historischen Romanen ein absolutes Must read! 5 von 5 Sternen.


    Danke Heike!

    Kommentare: 2
    3
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Tafiti und die Reise ans Ende der Welt9783785581780

    Bewertung zu "Tafiti und die Reise ans Ende der Welt" von Julia Boehme

    Tafiti und die Reise ans Ende der Welt
    Babajagavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Süße Geschichte um die Kleinsten an das Medium Buch heranzuführen.
    Neugierig sein ist immer gut!

    Das Buch:

    Es handelt sich bei diesem Buch um den ersten Teil der Reihe um das kleine Erdmännchen Tafiti. Es ist auf die Altersklasse ab 5 Jahren ausgelegt und zum Vorlesen oder auch zum ersten Selbstlesen in der Schule geeignet. Im hinteren Teil gibt es ein paar Fragen zu den einzelnen Kapiteln, mit denen der Vor- oder Mitlesende prüfen kann, ob der kleine Zuhörer oder Leser den Inhalt des Buches erfasst hat.

    Worum geht’s?

    Tafiti ist eigentlich mit seinem Leben zufrieden, aber er ist auch furchtbar neugierig. Der Opapa erzählt immer die tollsten Geschichten vom Ur-ur-ur-ur-ur-Opapa, die in Tafiti das Reisefieber wecken. Und nicht zuletzt will er unbedingt wissen, wie das Ende der Welt dort hinter dem großen Hügel wohl aussieht. Also macht er sich auf den Weg...

    Charaktere:

    Tafiti ist ein kleines, neugieriges und vor allem gewitztes und kluges Erdmännchen. Er ist unerschrocken und auch wenn er nicht weiß, was ihn erwartet, ist seine Neugier groß genug, um wenigstens loszulaufen und zu schauen. Für ein Kinderbuch aus meiner Sicht genau der passende Charakter, denn auch Erdmännchen sind klein und können furchtbare Angst vor allen möglichen Gefahren haben. Dahinein kann sich ein Kinder sicherlich gut versetzen, weshalb der kleine Leser oder Zuhörer Tafiti einfach mögen muss.

    Auf seiner Reise lernt Tafiti Pinsel kennen, ein Pinselohrschwein, das ebenso wie er einfach loslief, weil es mal schauen wollte, wie es im Süden so ist. Die beiden werden zu dicken Freunden, die sich gegenseitig helfen und so das Abenteuer bestehen können. Auch in Pinsel wird der kleine Leser einen Charakter haben, mit dem er sich identifizieren kann. Wer wünscht sich nicht einen großen Freund?

    Ich glaube, in dem Alter ist es wichtig, dass der kleine Leser oder Zuhörer in der Geschichte einen (oder mehrere) Helden hat. Das ist hier absolut gegeben. Hinzu kommt, dass selbst „die Bösen“ eine Schwäche haben, die sie schon nicht mehr ganz so böse erscheinen lassen. Das gefällt mir sehr gut.

    Eignung für Kinder:

    Der Schreibstil ist dem Alter entsprechend. Die Schrift ist groß und einfach, weshalb Erstleser mit dem Buch sicherlich gut zurecht kommen dürften. Der Umfang von 80 Seiten mit vielen Bildern, auf denen die Geschichte quasi ein zweites Mal erzählt wird, wird die Lesemotiviation hoch halten, denke ich.

    Die vielen farbigen Illustrationen sind liebevoll gestaltet. Beim Vorlesen kann man so mit dem zuhörenden Kind über das Gehörte sprechen und die Fragen am Ende des Buches ganz unauffällig einfließen lassen. Die Figuren sind mit ihren großen Augen und niedlichen Gesichtern perfekt für die Altersklasse.

    Fazit:

    Eine niedliche Geschichte zum Vor- und Selbstlesen, eine Geschichte um einen kleinen Helden und seinen Freund, in der das Gute natürlich siegt. 5 von 5 Sternen.



    Kommentieren0
    0
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Die Alster-Detektive9783789113550

    Bewertung zu "Die Alster-Detektive" von Katrin Wiegand

    Die Alster-Detektive
    Babajagavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Kurzweiliger Kinderkrimi mit Lerneffekt. Tolle Idee.
    8 Klässler ermitteln

    Das Buch:

    Es handelt sich bei diesem Buch bereits um den 6. Teil der Alsterdetektive. Man kann ihn jedoch unabhängig von seinen Vorgängern lesen. Eigentlich soll das Projekt „Die Alsterdetektive“ den Schülern der 4. Klassen in Hamburg ihre Stadt näher bringen, ihnen die Stadtbezirke, die Hamburgische Bürgerschaft und ihre Arbeitsweise erklären, zeigen, wie Politik funktioniert, wie sie selbst etwas tun können usw. Dies alles wird jeweils in einem altersgerechten Kinderkrimi amüsant und aufschlussreich mit vielen Aha-Effekten umgesetzt. Die Idee hinter dem Projekt finde ich großartig – einerseits lesen, andererseits etwas lernen, das wirklich vor der Haustür nachzuvollziehen ist. Mein Sohn bekam das Buch von seiner Schule geschenkt und liest es im Rahmen der Hausaufgaben. Mir gefiel die Geschichte um Koko, Johanna, Lukas und Marek selbst so gut, dass ich das Buch eben auch einfach durchlas. Für Lehrer wird innerhalb des Projektes Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt, sodass mithilfe der Bücher diese wunderschöne Stadt wirklich unter die Lupe genommen werden kann.

    Ein weiteres Schmankerl für Hörbuchfans dürfte sein, dass es die Hörbücher zur Serie auf bei Spotify und anderen Plattformen gibt.

    Worum geht’s?

    Die vier Alsterdetektive – Koko, Johanna, Lukas und Marek – wollen sich auf dem jährlichen Hafengeburtstag amüsieren. Als sie einer Darbietung von Straßenkünstlern folgen, werden sie bestohlen und wie das bei Detektiven üblich ist, haben sie ihren neuen Fall und lassen erst locker, als der Diebstahl aufgeklärt ist. Um ihren Diebstahl aufzuklären, holen sie sich u.a. Hilfe im Rathaus und bei der Hamburger Polizei.

    Die Charaktere:

    Die 4 Detektive sind Schüler einer 8. Klasse, die einen unterschiedlichen familiären Background und unterschiedliche Herkünfte haben – eben absolut typisch für Hamburger Schulen. Eines verbindet die 4 ganz sicher – ihr Sinn für Gerechtigkeit. Dazu sind sie klug und mutig, vielleicht auch ein bisschen draufgängerisch. Wenn man die Geschichte liest, kann man sich die 4 gut vorstellen. Sie wirken authentisch und ich denke, man könnte sie sich gut als Nachbarskinder denken. Mein Sohn kann sich gut mit ihnen identifizieren und dadurch, dass sie etwas älter als er selbst sind, dienen sie vielleicht sogar ein bisschen als Vorbild.

    Sehr gefallen hat mir in diesem Zusammenhang auch, dass zwischenmenschliche Aspekte angesprochen werden – zwar nur am Rande, aber doch so, dass man sie bemerkt. Johanna, die etwas andere Schülerin mit der Ratte, scheint nämlich in Kokos großen Bruder Konstantin verschossen zu sein und auch Lukas wirft ein Auge auf ein Mädchen. Und nicht nur er...

    Zudem sind die 4 Schüler neugierig und stellen die richtigen Fragen an den richtigen Stellen. Auf diese Art und Weise wird dem jungen Leser häufig erklärt, wie was funktioniert. So erklärt der Polizeibeamte, warum es nicht mehr Personal bei der Polizei gibt, was passieren müsste, damit sich das ändert; der Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft erklärt in einer Randhandlung, warum es wichtig ist, wählen zu gehen und kann für die 4 Detektive stets die richtigen Kontakte herstellen und Opa Jost erklärt dem Leser das Hamburg von damals und heute – z.B. wie lange es den Hafengeburtstag gibt, woher so manche Redewendung kommt usw.

    Es wird aber auch erklärt, warum manche Idee der jungen Detektive nicht so gut und vielleicht sogar verboten ist. Insofern werden auch die Nebenfiguren wirklich gut gezeichnet, wenngleich ich so manches Mal grinsen musste, wenn der Polizeibeamte etwas zu freundlich dargestellt wurde. Meistens schauen sie ja doch eher grimmig.

    Lerneffekte:

    In der heutigen Zeit habe ich oft das Gefühl, dass gerade das Regionale in der Schule zu kurz kommt. Insofern freue ich mich sehr über dieses Projekt, das aus meiner Sicht viel zu wenig publik gemacht wird. Nach einem Besuch im Rathaus bekam mein Sohn das Buch geschenkt, aber ich finde, an den Hamburger Schulen sollte deutlich früher auf diese spielerische Möglichkeit hingewiesen werden, die eigene Stadt zu erkunden.

    Hier ist mir Opa Jost besonders wichtig. Der alte Seebär, der auf einem Hausboot mitten in Hamburg lebt, bekommt immer wieder eigene Absätze, die auch mit seinem Konterfei gekennzeichnet sind. Nicht nur, dass er Zeitsprünge innerhalb der Geschichte geschickt überbrückt, er erzählt immer auch etwas, das ganz sicher nicht jeder weiß – manchmal über die Detektive, meistens aber über die Stadt.

    Schreibstil:

    Der Schreibstil ist dem Alter der jungen Leser angemessen. Die Sprache ist zeitgemäß und lässt sich leicht lesen. Gerade die Dialoge mit den Erwachsenen sind so geschrieben, dass sie verständlich sind. Und obwohl es sich hierbei ja um ein Buch voller Wissen über die Stadt handelt, kommt die Spannung nicht zu kurz. Diese Mischung gefällt mir sehr gut.

    Eignung für Kinder:

    Das Buch ist m.M. nach der Zielgruppe „10 Jahre“ angepasst. Den Umfang der Geschichte halte ich für gut. Mit knapp 130 Seiten, einigen ganzseitigen Bilder,n und kurzen Kapiteln dürfte die Lesemotiviation aufrecht erhalten werden um die komplette Geschichte zu lesen. Da sich der junge Leser sicherlich in mindestens einem der Detektive wieder finden kann, gehe ich davon aus, dass der Reiz der Geschichte und der Charaktere ausreichend hoch ist.

    Fazit:

    Eine tolle Idee, super umgesetzt – lesen, erfahren, verstehen. Lesenswert, vielleicht nicht nur für Hamburger Schüler, sondern auch für alle, die sich für Kinderkrimis und diese schöne Stadt interessieren. Ich würde mir mehr Werbung für das Projekt „Die Alsterdetektive“ wünschen und werde das Buch demnach auf jeden Fall weiterempfehlen. 5 von 5 Sternen.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Das Rätsel von Ainsley Castle9783499217470

    Bewertung zu "Das Rätsel von Ainsley Castle" von Holly-Jane Rahlens

    Das Rätsel von Ainsley Castle
    Babajagavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Spannende Geschichte vor der rauen Kulisse Schottlands mit jeder Menge „Stimmt, könnte so sein“ - Effekten. Lesenswert!
    Wie genau kennen Autoren eigentlich ihre Charaktere?

    Das Buch:

    Nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, war ich unbedingt der Meinung, auch den Rest des Buches lesen zu müssen. Ich bedanke mich herzlich beim Verlag und der Autorin für das Rezensionsexemplar.

    Worum geht’s?

    Die vierzehnjährige Lizzy ist mit ihrem Vater in ein Hotel auf einer rauen schottischen Insel gezogen – zu ihrer Noch-nicht-Stiefmutter. Begeistert ist sie davon ganz sicher nicht – weder vom Umzug, weg aus ihrer gewohnten Umgebung und weg von ihren Freunden, noch von der Tatsache, dass ihr Vater diese Frau auch noch heiraten will - diese Frau mit den ochsenblutroten Fingernägeln. Lizzy plagt sich mit Albträumen und Schwindelanfällen herum, die sie sich nicht erklären kann. Und eines Tages geschehen seltsame Dinge. Sie bekommt e-Mails von einer Adresse, die keine Adresse zu sein scheint und der Inhalt dieser Mails ist so wahr wie erschreckend. Gemeinsam mit ihrem Freund Mack macht sie sich auf die Suche nach dem Absender der Mails, trifft dabei ein Mädchen, das aussieht wie sie selbst und findet heraus, dass tatsächlich Ungeheuerliches vorgeht.

    Charaktere:

    Mir haben die Charaktere alle sehr gut gefallen. Sie kommen glaubwürdig daher und je nachdem, wer das Buch liest, wird sich der Leser sicher zu dem einen oder anderen Charakter mehr hingezogen fühlen. Der Autorin gelingt es schon nach sehr kurzer Zeit, gewisse Bilder vor dem inneren Auge zu formen. Allein die Distanz zwischen Lizzy und ihrer Stiefmutter, die sie konsequent nur Stiefmutter nennt, ist bereits in den ersten Kapiteln zu spüren. Ebenso wird Lizzys Abneigung gegen die neue Situation perfekt eingefangen und ich gehe davon aus, dass Leser der Zielgruppe sich quasi sofort mit ihr verbünden würden.

    Ich mochte die doch recht unterschiedlichen Eigenschaften der Jugendlichen sehr. Während Lizzy eher ruppig und fast ein bisschen jungenhaft gezeichnet wird, ist Betty – die optisch ja ein Abbild von Lizzy ist – das genaue Gegenteil. Etwas schüchtern vielleicht und ziemlich naiv, aber nicht so nervig naiv. Sie wirkt einfach nur weicher und jünger als Lizzy. Anfänglich hielt ich sie eher für einen Eindringling, im weiteren Verlauf der Geschichte wurde sie mir jedoch immer sympathischer. Auch Mack nimmt den Leser für sich ein. Er ist der Nerd, der Computerspezialist, aber keineswegs ein Stubenhocker. Er ist so eine herrliche Mischung zwischen einem Lausbuben und eben besagtem Nerd. Was mir sowohl an ihm als auch an Lizzy besonders gefallen hat, ist der Umstand, dass sie beide klug sind – pfiffig, war das Wort, das mir als erstes eingefallen ist. Im Verlauf der Geschichte entwickelt sich zwischen den drei Jugendlichen eine wirkliche Freundschaft, von der man am Ende des Buches wohl behaupten würde, dass diese durch kaum etwas zu erschüttern ist. Aber ist das auch tatsächlich so?

    Für Lizzys Stiefmutter hatte ein sehr konkretes Bild im Kopf – ich verglich sie mit Cruella. Allerdings entwickelt sich das Verhältnis der beiden im Verlauf und zwar so ganz anders, als man am Anfang vermuten möchte. Da es auch im wahren Leben so ist, dass sich Verhältnisse zwischen Menschen verändern können, wenn sie mit bestimmten Ereignissen konfrontiert werden, ist diese Entwicklung aus meiner Sicht absolut glaubwürdig.

    Schreibstil:

    Die Autorin schreibt in der Ich-Form aus Lizzys Sicht und im Präsens – eine Art und Weise, die dem Leser das Gefühl gibt, als wäre er mitten im Geschehen. Darüber hinaus wendet die Autorin die Geschichte geschickt in eine Richtung, die ich überhaupt nicht erwartet hätte. Ich war davon ausgegangen, dass am Ende des Buches das Geheimnis einer alten Burgruine gelüftet werden würde, was zu Schottland gepasst hätte, aber es kommt alles ganz anders. Auf dem Weg zum Finale wollte und konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht – wohl nicht zuletzt deshalb, weil die beschriebene Antagonistin möglicherweise höchst selbst an der Schreibmaschine saß.

    Zitat S. 190 "Ich glaube nicht, dass alle Autoren ihre Figuren in- und auswendig kennen, bevor sie anfangen, ihre Geschichte zu schreiben. Wahrscheinlich lernen sie die Figuren erst während der Arbeit richtig kennen." - Ob das immer so ist, können Autoren sicherlich deutlich besser beurteilen als ich, in diesem Fall ist es aber ganz bestimmt so gewesen.

    Die Wortwahl der Autorin passt zur Zielgruppe. Der Text ist nicht zu umständlich geschrieben und die Dialoge passen nach meiner Einschätzung definitiv zu einem Teenager. Aber auch für Erwachsene ist das Buch leicht und locker zu lesen. Man kann sich darauf einlassen und ein Stück mit den 3 Freunden gehen. Es gibt immer wieder Wendungen, die einfach spannend sind und die große Auflösung hebt sich Holly-Jane Rahlens bis zum Ende auf.

    Fazit:

    Spannende Geschichte mit einer absolut unerwarteten Wendung und einem dramatischen Finale, nach dem sich so manche Dinge ins Gegenteil verändern. Mir hat das Buch Spaß gemacht und wer Lust auf eine Geschichte zwischen Realität und Fiktion hat, ist hier genau richtig. 5 von 5 Sternen.


    Kommentieren0
    0
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Englische Grammatik. Regeln, Beispiele, Übungen für ein fehlerfreies Englisch9783730603178

    Bewertung zu "Englische Grammatik. Regeln, Beispiele, Übungen für ein fehlerfreies Englisch" von Birgit Kasimirski

    Englische Grammatik. Regeln, Beispiele, Übungen für ein fehlerfreies Englisch
    Babajagavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Kurz, knackig, abwechslungsreich – Englische Grammatik leicht erklärt
    Kurz, knackig, abwechslungsreich – Englische Grammatik leicht erklärt

    … mit diesen Worten startet die Autorin das vorliegende, kleine Büchlein, das in kurzen, knackigen Abschnitten die englische Grammatik erklärt. Sicher, es gibt bereits reichlich Bücher über diese Sprache, aber wer noch gar keins hat – vielleicht weil er gerade erst beginnt, diese Sprache zu lernen – oder, so wie ich, einfach immer wieder Schwierigkeiten hat, ist mit diesem Buch gut bedient. Auch für Schüler ist dieses Buch durchaus gut geeignet.

    Birgit Kasimirski orientiert sich bei ihren Beispielen am Alltagsgeschehen, lockert Erklärungen, wo immer es geht, mit kleinen Grafiken auf und bringt dem Leser mithilfe einer leicht verständlichen Sprache das Thema Grammatik näher. Ihre englischen Beispiele übersetzt sie nicht. Ein kleiner Wortschatz englischer Vokabeln ist also gut, um den Inhalt der Beispielsätze zu erfassen. Oder man legt sich ein Wörterbuch an die Seite.

    Das Buch ist in ein Vorwort, 3 Teile und einen Anhang gegliedert. Während sich der erste Teil mit den Grundlagen der Grammatik und dem Aufbau des Buches befasst und zudem wertvolle Tipps liefert, wo man erlerntes Wissen anwenden und verbessern kann, geht es in Teil 2 und 3 ins Eingemachte. Teil 2 erklärt die englischen Zeiten, Teil 3 befasst sich mit vielen anderen Stolpersteinen der englischen Grammatik. Hier habe ich so einige Aha-Erlebnisse gehabt, wann immer ich eine Antwort auf eine meiner vielen Fragen fand.

    Jeder Abschnitt innerhalb der Teile wird mit einer kurzen deutschen Erklärung eingeleitet und gleich danach geht’s auch schon los mit englischen Beispielen anhand derer klar wird, was gemeint ist. Am Ende jedes Abschnitts stehen etwas Platz für eigene Notizen und recht umfangreiche Übungen zur Verfügung. It's your turn heißt es dann. Die Lösungen bleibt die Autorin selbstverständlich nicht schuldig, man findet sie im Anhang. Hat man sich durch die Übungen durchgearbeitet, ist mit Sicherheit etwas hängen geblieben.

    Mir gefällt besonders, dass die Autorin ohne ausschweifende Erklärungen auskommt, sondern das Wichtigste auf den Punkt bringt. Die Zeit von der ersten Erklärung eines neues Themas bis hin zu den eigenen Übungen ist relativ kurz. So kann der Leser das Durcharbeiten des Buches gut und gerne in den Alltag integrieren, ohne dafür allzu viel Zeit aufwenden zu müssen. Dies ist aus meiner Sicht nämlich zumeist das Problem bei zu umfangreichen Werken, die mit zu viel Theorie daher kommen.

    Auch in der Farbwahl besticht die Autorin des vorliegenden Werkes. Oftmals werden wichtige und noch wichtigere Informationen in Rot und knallrot geliefert. In diesem Buch wird mit den Farben Grau und Orange gearbeitet, was mir sehr gut gefällt. Besonders wichtige Informationen werden in Form von Merksätzen in Kästen dargestellt und fallen somit ebenfalls gut ins Auge. Die Schriftgröße ist angenehm zu lesen.

    Fazit:

    Noch ein Englisch-Grammtikbuch, ja! Aber ein sehr kompaktes, mit kurzen Erklärungen und vielen Übungen, die Leser jeder Altersstufe verstehen können. Es kann als Einstieg dienen, wenn man es von vorn nach hinten liest oder als Nachschlagewerk, da durch die klare Struktur das notwendige Kapitel schnell gefunden werden kann. Gelungen, finde ich! Und ich werde es meinem Sohn, wenn er sich die Zähne an englischer Grammatik ausbeißen wird, wärmstens empfehlen. 5 Sterne!


    Kommentieren0
    0
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Das Gerücht9783423262422

    Bewertung zu "Das Gerücht" von Lesley Kara

    Das Gerücht
    Babajagavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Spannend bis zur letzten Seite. Ein Buch, das (auch) nachdenklich stimmt.
    Was, wenn plötzlich ein Gerücht Dein Leben bestimmt?

    Das Buch:

    Mir gefiel auf Anhieb die Grundidee der Geschichte, die hier erzählt werden soll. Ein Gerücht macht in einer kleinen Stadt die Runde. Wie werden sich jetzt deren Einwohner verhalten? Da jeder von uns schon einmal mit einem (oder mehreren) Gerüchten in Berührung kam und davon mehr oder weniger selbst betroffen war, interessierte mich einfach, wie die Geschichte hier ihren Lauf nehmen würde.

    Worum geht’s?

    Joanna zieht mit ihrem Sohn Alfie zurück in ihre Heimatstadt Flinstead– eine kleine Stadt am Ufer des Meeres – weil sie hofft, dass Alfie sich hier besser zurecht findet, als im großen und wühligen London. Dafür gibt sie einen guten Job auf und gibt sich mit einer Stelle als Maklerin zufrieden. Eines Tages hört sie auf dem Schulhof von Alfies Schule ein schier unglaubliches Gerücht über eine Kindermörderin. Auch durch Joannas Schuld nimmt dieses Gerücht bald eine ungeahnte Größe an und die Einwohner der kleinen Stadt reagieren...

    Die Charaktere:

    Joanna ist eine liebenswerte, junge Frau, die sich um ihren Sohn Alfie sorgt. Manchmal erscheint sie vielleicht etwas übervorsichtig, aber im Großen und Ganzen kann ich sie schon verstehen. Damit Alfie glücklich sein kann, arrangiert sie sich mit dem Leben in der kleinen Stadt und ist immer wieder froh und dankbar dafür, dass sie nun wenigstens ihre Mutter in der Nähe weiß. Auch Alfie schätzt die Nähe zur Oma sehr.

    Unglücklicherweise ist es für Alfie gar nicht so leicht, Freunde in der Schule zu finden und Joanna tut alles dafür, dass sich dies ändert. Dazu gehört auch, sich unterschiedlichen Gruppen wie z.B. der Babysitter-Gruppe oder dem ansässigen Buchclub anzuschließen. Die Mütter in der Babysitter-Gruppe haben ihre eigenen Regeln und wirken auf mich einigermaßen spießig und selbstverliebt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich Joanna dort besonders wohl fühlt, aber Alfie hat nun Freunde in der Schule...

    In diesen Gruppen berichtet Joanna – aus unterschiedlichen Gründen – über das gehörte Gerücht und ziemlich schnell bereut sie dies, da es sich relativ schnell verbreitet und jeder, der es weiter erzählt, offenbar etwas hinzudichtet – ob es nun wahr ist oder nicht. Joanna ist im Grunde keine Klatschtante, weshalb ihr bald klar wird, dass es ein Fehler war, das Gerücht weiter zu tragen. Viel schlimmer finde ich aber zu sehen, wie schnell die Menschen in der kleinen Stadt bereit waren, mit dem Finger auf eine Person zu zeigen, nur weil sie sich anders benimmt als die anderen Einwohner der Stadt. Interessant fand ich auf jeden Fall, wie sehr Joanna darauf aus ist, mehr Informationen zu bekommen. Stundenlang sitzt sie vor dem Rechner und sucht.

    Ich kann nicht sagen, dass mir besonders viele der Einwohner von Flinstead sympathisch wären. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass die meisten Fremden – und Joanna ist ja noch nicht einmal wirklich fremd – einfach nur ablehnend gegenüber stehen. Und so liegt meine Sympathie ganz eindeutig bei Joanna, die mit ihrem schwarzen Sohn ganz sicher eine Außenseiterin ist.

    Michael – Alfies Vater – ist Journalist und als Joanna ihm von dem Gerücht erzählt, ist er sofort Feuer und Flamme. Er versucht heraus zu finden, was dahinter steckt, wie viel Wahrheit in diesem Gerücht steckt und es dauert gar nicht all zu lange, bis er und Joanna die doch ziemlich haarsträubende Wahrheit heraus finden. Michael ist ein recht sympathischer Typ, er kümmert sich um seinen Sohn und war nie wirklich weit weg, wenn Joanna ihn brauchte. Dass er im Laufe der Zeit beginnt Geheimnisse vor Joanna zu haben, hat ihn mir etwas zwielichtig erscheinen lassen, aber das legt sich bis zum Ende des Buches auch wieder. Dann nämlich behält er die Nerven.

    Schreibstil:

    Der Text ist in der ich-Form geschrieben und lässt sich angenehm leicht lesen. Die Autorin schreibt sehr anschaulich, sodass man sich die kleine Stadt und die Menschen darin gut vorstellen kann. Durch die gewählte Perspektive in der ich-Form fühlt man sich irgendwie näher in der Geschichte.

    Es gelingt Kara immer wieder falsche Fährten zu legen, den Leser ins Grübeln zu bringen. Mehr als einmal habe ich mich dabei ertappt, wie ich mir die Frage stellte: „Könnte sie es sein?“ und versucht habe, zu ergründen, ob ich mit den gelieferten Informationen ein sinniges Bild zusammen bringen könnte. Es macht Spaß, der Geschichte zu folgen und sich eben diese Fragen zu stellen.

    Lässt man sich darauf ein, muss man sich allerdings auch beinahe zwangsläufig die Frage stellen, wie man selbst in einer solchen Situation reagieren würde. Als Mutter eines schulpflichtigen Sohnes das Gerücht zu hören, dass in der Heimatstadt eine Kindermörderin leben soll, ist ja schon erst mal ein ziemlicher Schock. Aber würde ich mich wohl darauf verlassen, dass die Justiz ihren Job richtig gemacht hat oder würde ich fortan jeden verdächtigen, der auch nur im Ansatz ins Bild passen würde?

    Mit den falschen Fährten gelingt es der Autorin also, dass der Leser auch über sein eigenes Verhalten nachdenken kann. Das gefällt mir ausgesprochen gut. Nicht zuletzt deswegen, weil einem die Geschichte so doch deutlich realer erscheint, es viel wahrscheinlicher erscheint, dass man selbst auch einmal in eine solche Situation geraten könnte.

    Die Spannung im Roman hält die Autorin stets hoch, lediglich am Ende erscheint es so, dass die Autorin vielleicht etwas zu viel wollte. Mir war es nicht glaubwürdig genug, dass eben diese Charaktere, die sie auswählte, solche Abschlussaktionen hätten liefern können.

    Zwischen den Kapiteln erfährt der Leser von der wirklichen Täterin hin und wieder kleine Berichte aus ihrem Leben, die vielleicht (kennt man die Auflösung, ist es ganz sicher so) auch Hinweise auf sie liefern. Diese Einschübe haben mir sehr gut gefallen und hätten aus meiner Sicht deutlich öfter kommen können. Ebenso die Zeitungsausschnitte, derer sich die Autorin bedient. Denn eben diese Elemente sind es, die die Täterin sehr gut beschreiben.

    Die Auflösung erfolgt erst am Schluss in einer ziemlich emotionalen Szene, die mir gut gefallen hat. Bis dahin mag der Leser seine Verdachtsmomente haben, aber mit dieser Lösung hätte ich auf gar keinen Fall gerechnet. Nun sollte man glauben, alles ist klar. Aber der allerletzte Satz des Buches brachte mich dann doch wieder ins Grübeln. Ich glaube, die Autorin überlässt es hier dem Leser selbst, wem er was glauben möchte. Ein großartiger Abschluss des Buches!

    Fazit:

    Ein lesenswertes Buch für Zwischendurch, das sich die Auflösung bis zum Schluss aufspart, in dem der Leser miträtseln kann und über das er im Nachgang sicherlich auch noch nachdenkt. Eine sympathische Protagonistin mit einem leichten Hang zur Dramatik runden die Geschichte ab. 4 von 5 Sternen.


    Kommentieren0
    1
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Die Glasschwestern9783847900450

    Bewertung zu "Die Glasschwestern" von Franziska Hauser

    Die Glasschwestern
    Babajagavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Eine Geschichte, die Potential hätte haben können, deren spannungsbildende Themen, aber leider im Sande verlaufen.
    Schöne Formulierungen, die zu wenig Geschichte erzählen

    Das Buch:

    Ich habe das Buch in einer Leserunde gelesen und bedanke mich für diese Möglichkeit bei der Autorin und dem Verlag. Das Cover zeigt ein diffuses Bild und erzeugt gewissermaßen Spannung und Interesse. Zusammen mit dem, was der Klappentext verspricht und einer doch sehr anregenden Leseprobe, habe ich eine gewisse Erwartung an das Buch entwickelt.  

    Worum geht’s?

    Dunja und Saphie – Zwillinge – werden am gleichen Tag zu Witwen. Ein makabrer Zufall, der die beiden sehr unterschiedlichen Frauen wieder zueinander führt. Während Dunja bisher ein klassisches Familienleben mit Mann und Kindern in der Großstadt führte, lebte Saphie nur für das Hotel und ihren alkoholkranken Mann. Da Dunja in der Großstadt nichts mehr hält, bleibt sie bei Saphie im Hotel – eigentlich um ihr etwas unter die Arme zu greifen. Doch dann entwickeln sich die beiden Frauen – unerwartet und vielleicht auch ungewollt.  

    Die Charaktere:

    Obwohl die Idee des Buches wirklich toll ist (makabrer Zufall, Wiederannäherung in der Familie, Geheimnisse aus der Vergangenheit usw.), konnte mich keiner der Charaktere wirklich berühren, was ich ausgesprochen schade finde. Es mag daran gelegen haben, dass die Charaktere außergewöhnlich extrem agieren. Augusta ist extrem laut, Jules extrem introvertiert, Dunja extrem dienstleistungsorientiert – in Bezug auf ihre Familie und Kinder; sie ordnet sich und ihre Bedürfnisse über die Maßen unter – Saphie ist extrem extrovertiert und lässt ihre Gefühle überhaupt nicht zu, Lenka – die jüngere Schwester der Zwillinge – ist extrem egoistisch. 

    So war es mir nahezu unmöglich einen wirklichen Zugang zu einer oder mehreren Figuren zu finden. Durch die extremen Verhaltensweisen erschienen sie mir etwas fern ab der Realität. Dass in einer Familie ein, höchstens zwei auffällige Charaktere vorkommen, ist nachvollziehbar – aber alle?  

    Was ich sehr interessant in Bezug auf die Charaktere finde, sind ihre sehr ungewöhnlichen Namen. Hier hat sich die Autorin viel Mühe gemacht, Vor- und Nachnamen zu finden, die nicht alltäglich sind. Und obwohl sie so ungewöhnlich sind, sind sie dennoch einprägsam.  

    Schreibstil:

    Der Schreibstil der Autorin ist wundervoll. Sie findet eine herrlich bildliche Art Dinge zu beschreiben, ihnen bisweilen sogar menschliche Züge überzustreifen, sodass der Leser sich gut vorstellen kann, was sie meint. Auch dass sie Vergangenheit und Gegenwart einfach ineinander überfließen lässt, gefiel mir gut. Anfangs mag es ungewohnt sein, die Vermischung von Präsens und Präteritum zu lesen, aber im Laufe der Zeit machte eben diese Vermischung den Charme des Stils aus. 

    Jedes Kapitel ist mit einem Sprichwort überschrieben, für dessen Findung die Autorin sicherlich einiges an Zeit aufwenden musste. Diese Sprichworte passen inhaltlich zum Text des nachfolgenden Kapitels. Manche gefielen mir, andere nicht, aber die Idee hebt sich so wunderbar von anderen Büchern ab, die ich bisher gelesen habe.  

    Was mir fehlte:

    Es gibt zwei wirklich gute Aufhänger, aus denen ich mir eine gewisse Spannung erhofft hatte. Zum einen der Tunnelbau und zum anderen der gläserne Mensch. Beide Themen verlaufen aber mehr oder weniger im Sand, ohne dass es eine tatsächliche Auflösung gibt. Das Geheimnis um die Geschichte des Tunnels wird für meine Begriffe recht plump einfach hingeworfen und der gläserne Mensch taucht irgendwann einfach nicht mehr auf. 

    Im letzten Drittel der Geschichte hatte ich immer öfter den Eindruck, dass sie länger geschrieben wurde, als sie hätte wirklich sein müssen. Auch die wundervollen Formulierungen wurden weniger, was ich sehr schade fand. Ich hätte mir mehr Tempo in der Geschichte gewünscht und eine spannendere Auflösung der Geschichte des Tunnels. 

    Fazit: 

    Die Idee der Geschichte hätte Potential gehabt. Leider liegt das Augenmerk der Autorin vornehmlich auf wundervollen Beschreibungen. So bleiben die Spannung der Geschichte und die Sympathie der Charaktere für mich zu sehr auf der Strecke. Wer Bücher mag, die beschreiben, wird hier seine wahre Freude haben, wer aber eine Geschichte an der deutsch-deutschen Grenze erwartet, sollte lieber nicht zugreifen. 2,5 Sterne.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    )}
    Cover des Buches 1989. Alles auf Anfang.9781517712945

    Bewertung zu "1989. Alles auf Anfang." von Rainer Schneider

    1989. Alles auf Anfang.
    Babajagavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Die Wende steckt nicht nur im Datum - der Autor lässt den Leser fühlen, dass sich etwas bewegt! - must read!
    Das Leben kommt in Bewegung!

    Das Buch:

    Bei diesem Buch handelt es sich um den 4. Teil der Lebenswege, das, wie alle anderen Teile auch, unabhängig gelesen werden kann. Der große Unterschied zu den Vorgängern besteht darin, dass es diesmal nicht um ein Schicksal geht, das im Mittelpunkt steht, sondern um eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, die im Zuge der Wende auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sind. Bedingt durch die großartigen Vorgänger war meine Erwartungshaltung wieder einmal hoch und wurde auch diesmal nicht enttäuscht. 

    Worum geht's?

    Direkt nach der Wende verändert sich der Arbeitsmarkt in Berlin radikal. Firmen werden geschlossen, Mitarbeiter entlassen, die vor dem Nichts stehen und sich in einem ihnen völlig fremden System zurecht finden müssen. Scholle - angesehener Kollege im Wohnungsbaukombinat - und seinen Kumpel Hotte - Klempner - trifft es unter anderem. Während Hotte recht schnell absteigt und auf die schiefe Bahn gerät, sieht es bei Scholle zunächst so aus, als ginge es steil bergauf, nachdem ihn seine Frau verlässt und in den Westen geht.

    Gleichzeitig entwickelt sich die Treuhandgesellschaft, deren Aufgabe die Sanierung ostdeutscher Unternehmen ist, zunehmend zu der Institution, die die Unternehmen abwickelt, da sich eine Sanierung nicht lohnt. Die bayrischen Professoren Haffner und Mommsen mischen hier mit wenig menschlichem Feingefühl mit und werden zum Ziel von Anfeindungen und – wie in Haffners Fall – müssen feststellen, dass auch sie irgendwann ausgedient haben. 

    Die Charaktere:

    In diesem Fall könnten die Protagonisten nicht unterschiedlicher sein. Während Hotte und Scholle in der DDR ein gutes Auskommen hatten und nun nicht nur ihre Frauen sondern auch eben dieses Auskommen verlieren, verfügen die Professoren Haffner und Mommsen über ansehnliche Güter und manchmal hatte ich den Eindruck, dass zumindest für Haffner die Arbeit für die Treuhand mehr einem langen Monopoly-Spiel gleicht. 

    Ausgestattet mit einer enormen Überheblichkeit nimmt Haffner die Ossis kaum für voll. So sagt er auch irgendwann Zitat S.73: "So warns, die Ossis. Erst preschen sie ahnungslos vor, aber wenn man ihnen kräftig genug auf die Finger haute, fielen sie in sich zusammen und trabten voller Anerkenntnis fremder Überlegenheit folgsam hinter einem her." Diese Aussage charakterisiert ihn über lange Zeit perfekt. Ich konnte mich nur allzu oft über ihn und seine Aussagen aufregen, hielt ihn für total selbstverliebt und empathielos. Als er eine Fehlinvestition tätigt, fühlte ich sogar Schadenfreude und dachte, da hat es den Richtigen erwischt. Zum Ende der Geschichte beeindruckt er mich dann aber doch, als er beweist, dass er nicht umsonst den Job bei der Treuhand inne hatte. Darüber hinaus fand ich ihn herrlich dargestellt mit seinem wirklich schrägen Dialekt und seinem Alkoholproblem. Er nötigte mir in Gänze sowohl Abscheu als auch einen gewissen Respekt ab. 

    Hotte und Scholle erscheinen mir von Anfang an sehr naiv, wobei Hotte wohl noch naiver ist als Scholle. Beide witterten das große, vor allem aber schnelle Geld. Während Hotte sich anfänglich ganz gut schlägt und sicherlich auch gute Ideen hat, schielt Scholle recht bald nach den ganz großen Fischen. Dabei scheitert Hotte auf recht bodenständige Art und Weise indem seine Firma pleitegeht, Scholle jedoch bewegt sich noch nicht einmal mehr in einer (halb-)legalen Grauzone ohne es zu bemerken. Verschlossene Augen und nicht gestellte Fragen lassen Scholle letztlich hart auf dem Boden der Realität aufschlagen. Beide verbindet, dass sie am Ende der Geschichte genau wie an deren Anfang nichts mehr oder noch weniger haben.

    Diese beiden Charaktere haben mich durch alle Facetten an Emotionen geschickt, die man beim Lesen eines Buches haben kann. So fühlte ich mit ihnen, als sie zunächst alles verloren, feststellen mussten, dass sie im Westen nicht mithalten können und hätte sie am liebsten geschüttelt, als ich von ihren Geschäften las. Hin und wieder hätte ich gern geschrien, schaut doch mal hin, was ihr da macht. Aus heutiger Sicht - 30 Jahre nach dem Mauerfall - ist das aber sicher auch einfach zu sagen. Damals wussten die Menschen nicht, was sie erwartet und es gab genügend Menschen, die das auszunutzen verstanden. Insofern konnte ich sie wohl verstehen und dann auch wieder nicht - Ambivalenz pur. 

    Hotte ist, ebenso wie Haffner, durch seinen Dialekt, perfekt skizziert. Er hatte ein ganz klares Gesicht vor meinem inneren Auge. Und Scholle... Wer kennt sie nicht, die Drückerbanden, die Anfang der 90er Jahre durch die Lande zogen, gekleidet in Anzüge, die mehr Schein als Sein waren, und Zeitungen, Versicherungen oder Mitgliedschaften bei sozialen Verbänden verkauften? So habe ich mir Scholle auch vorgestellt, nur dass er nebenher auch noch Kohle einstrich. 

    Wie das Studentenpärchen Jens und Jenny in diese Riege gehörte, war mir nicht so ganz klar. Sie ist ambitioniert, glaubt dass sie zu Größerem bestimmt ist, kommt aber grundsätzlich nicht wirklich voran. Jenny hatte etwas von einem Hamster in seinem Rad. Jens, der Jenny bei einem Versuch der Flucht über Prag kennenlernt, ist einer jener, die sich selbst nichts zutrauen und so kommt auch er nicht so recht weiter. Bei ihm hatte ich immer das Gefühl, dass er nicht verstünde, dass die Zeiten sich geändert haben, dass Verhaltensweisen, die gestern noch richtig waren, heute grundverkehrt sein können. 

    Bis auf den Umstand, dass sie die Wohnung über der „Bärenklause“, die Kneipe die als örtlicher Mittelpunkt der Geschichte gesehen werden kann, bewohnen, haben sie zu allen anderen Protagonisten kaum eine Verbindung und so fand auch ich diese nur wenig. 

    Insgesamt kann ich sagen, dass die die Geschichte tragenden Charaktere so bildhaft geschrieben sind, dass sie sich einen Platz auf der inneren Kinoleinwand sichern. Je nachdem, wie die eigenen Erfahrungen mit dem Thema Wende sind, dürften die Sympathien für die Figuren sehr unterschiedlich sein. Auf jeden Fall bringen sie den Leser durch ihre Verhaltensweisen jedoch zum Nachdenken und sie zwingen ihn, ein Urteil über mag ich oder mag ich nicht zu fällen. So sind die Figuren für mich von Anfang bis Ende sehr lebendig gewesen. 

    Schreibstil:

    Rainer Schneider überzeugt auch dieses Mal wieder durch seinen tollen, durchweg flüssigen Schreibstil. Man kann in die Geschichte eintauchen, sich auf sie einlassen ohne sich Gedanken über komplizierte oder undurchsichtige Satzgebilde machen zu müssen.

     Die beiden unterschiedlichen Dialekte, die er über den gesamten Verlauf der Geschichte nutzt, um Hotte und Prof Haffner Persönlichkeit zu geben, mochte ich sehr, selbst wenn ich den bayrischen Dialekt als solchen nicht so toll finde. Zu Haffner passte er aber perfekt.

    Über zwei Worte habe ich herzlich gelacht. Urst (Jens fand etwas urst schau) und das Adjektiv ostgrau. Urst ist eine Wortkreation, die auch ich in meiner Jugend beinahe inflationär benutzte. Es war alles urst... Positiv wie negativ. Heute würde man wohl ein Wort wie mega benutzen. Damit war ich im Buch quasi sofort zu Hause.

    Während Rainer Schneider in allen Vorgängern das Wort grau nicht erwähnt, die Farbe aber dennoch perfekt zu transportieren versteht, hat er es hier einmal getan. Scholles Anzug sollte nicht ostgrau sein und ich wusste genau welche Farbe gemeint war. Überhaupt ist auffällig, dass die vorherrschenden Gefühle in Bezug auf diese Geschichte nicht so grau sind wie sonst. Auch wenn wir uns nach wie vor in Ostberlin bewegen, so hat sich die Grundstimmung geändert - es fühlt sich nicht mehr ganz so grau und beengend an. Das Leben kommt in Bewegung und das fühlt man beim Lesen dieses Buches.

    Fazit:

    Ein Buch, das sich von den anderen unterscheidet und mehrere Geschichten gleichzeitig erzählt. Geschichten von Menschen die hoch hinauf wollen und am Ende tief fallen und jenen, die ihr Glück plötzlich dort finden, wo sie doch nie sein wollten. Absolutes must read für Leser, die sich für DDR Geschichte interessieren. 5 von 5 Sternen.

     

    Danke Rainer!

    Kommentare: 2
    2
    Teilen
    )}
    Cover des Buches Eine Farbe zwischen Liebe und Hass9783518469965

    Bewertung zu "Eine Farbe zwischen Liebe und Hass" von Alexi Zentner

    Eine Farbe zwischen Liebe und Hass
    Babajagavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Berührender Roman über den man nach der letzten Seite noch lange nachdenken muss – er wird polarisieren!
    Wie sehr beeinflusst die Hautfarbe unsere Denkweise wirklich?

    Das Buch: 

    Nach der Leseprobe und dem Klappentext habe ich dieses Buch recht spontan in einer Riege mit dem Film „American History X“ gesehen. Und tatsächlich lassen sich hier gewisse Parallelen erkennen. In jedem Fall ist dieses Buch absolut lesenswert und man stellt sich unweigerlich selbst viele Fragen. Selbst längere Zeit nachdem ich das Buch beendet hatte, denke ich noch darüber nach und reflektiere das Gelesene. Das schaffen nicht viele Bücher. 

    Worum geht’s?

    Der 17jährige Jessup ist ein begnadeter Footballspieler, hat eine Freundin und ist ein guter Schüler. Er träumt davon zu studieren und eine Football-Karriere zu machen. Nach einem wichtigen Play-off-Spiel, welches Jessups Mannschaft gewann, weil er einen klugen Spielzug tat, greift ihn ein Spieler der gegnerischen Mannschaft an. Und dann passiert ein Unfall… Was daraus wird, ist zunächst kaum zu erahnen und doch passiert es. 

    Meine Meinung:

    Oberflächlich betrachtet könnte alles ganz einfach sein. Jessup entstammt einer Familie, die Mitglied in der Heiligen Kirche des weißen Amerika ist, Vater und Bruder haben eindeutige Tattoos und sitzen im Knast, weil sie zwei schwarze Studenten töteten. Also gehört Jessup eindeutig in diese Schublade. Aber ist das wirklich so? Und ist es wirklich so, dass Menschen ihre Einstellungen niemals ändern?
    Die Situation, die Vater und Bruder in den Knast brachte, wurde mit den Worten kommentiert Zitat S. 45 „… wenn die Studenten weiß gewesen wären, hätte man die Sache als Notwehr betrachten können, …“
    Muss man sich dann nicht die Frage stellen, warum es das nicht wurde, weil die Studenten schwarz waren? 

    Ich habe über die Länge des Buches mit Jessup und David John, Jessups Stiefvater, gebangt, ich fühlte die Ungerechtigkeit, die Jessup fühlen musste, als er von Corson provoziert und angegriffen wurde. Jessup hat sich noch nicht einmal provozieren lassen und trotzdem geschieht dieser furchtbare Unfall. Das Gefühl, das ich beim Lesen hatte lautete: Es ist einfach nicht richtig! Und so schreibt der Autor auch Zitat S. 120 „Er weiß, er hat nichts Unrechtes getan, aber darum geht es nicht…“ – Aber worum dann? 

    Der Autor bringt den Leser dazu nachzudenken, die anfänglichen Vorurteile abzulegen und hinter die Kulissen zu schauen, das Ganze zu betrachten. Ich habe mich irgendwann gefragt, wie würde es sich eigentlich anfühlen, wenn die Geschichte bliebe, wie sie ist und sich nur die Hautfarben änderten. Jessup wäre schwarz und Corson weiß. Wie würde man die Geschichte dann wahrnehmen und wäre es dann immer noch so einfach zu sagen, Jessups Familie besteht aus Rassisten? 

    Die Art zu Schreiben wie es Alexi Zentner tut, ist großartig. Kurze Kapitel, teilweise kurze, sehr einfache Sätze, manchmal sogar nur Halbsätze. Dadurch entstehen ein irres Tempo in der Geschichte und eine enorme Eindringlichkeit mit der er die Geschehnisse darlegt. An keiner Stelle wird die Handlung der Figuren bewertet – er als Autor überlässt es dem Leser zu 100% sich eine Meinung zu bilden, wen er mag und wen nicht. Diesen Umstand habe ich sehr zu schätzen gewusst.  

    Mit seinem Text hat Zentner bei mir eine enorme Ambivalenz in Bezug auf die Charaktere ausgelöst. Es ist nicht ganz so einfach, wie man noch am Anfang der Geschichte annehmen möchte. Es gehört einfach zu viel dazu. Es gab nur eine Figur, die ich wirklich von Anfang bis Ende verabscheut habe – Brandon Rogers. Er tat das, was all die Aufrührer, Anstifter, Diktatoren vor ihm taten: Er zeigte mit dem Finger auf jemanden und versuchte eine Situation zu seinem Vorteil zu nutzen. Und es gab genügend Menschen, die ihm folgten, weil sie nicht selbst überlegten.  

    Der Autor legt hier ein Buch vor, dessen Aussage auf so viele Situationen in der heutigen Zeit übertragbar ist. Er zeigt einerseits, wie wichtig es ist selbst zu denken und andererseits, wie einfach es auch heute noch ist, Menschen zu beeinflussen. In seiner Geschichte liefert er nicht unbedingt etwas furchtbar Neues – ich schätze jeder hat schon eine dieser Geschichten gelesen oder im Fernsehen gesehen – aber er verpackt es in ein beeindruckendes Gewand!  

    Fazit:

    Ich glaube, dieses Buch wird polarisieren. Ich hoffe, dass viele Menschen es lesen und darüber nachdenken, vielleicht miteinander diskutieren. Ich werde es definitiv weiter empfehlen und ich bin dankbar, dass ich es lesen durfte! Die 5 Sterne sind mehr als verdient!

    Kommentare: 2
    4
    Teilen
    )}

    Über mich

    • weiblich

    Lieblingsgenres

    Romane, Krimis und Thriller, Jugendbücher, Historische Romane, Fantasy, Kinderbücher

    Mitgliedschaft

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks