Cappuccino-Mama

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    Cover des Buches Blut und Seide9783426517178

    Bewertung zu "Blut und Seide" von Marita Spang

    Blut und Seide
    Cappuccino-Mamavor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Früher war nicht alles besser! Das zeigt uns Marita Spangs neuer Roman. Brutal, sadistisch und doch zugleich voll Liebe und Zuneigung...
    Unglückliche Liebschaften, Mord und eine starke Frau...

    Nachdem mich Marita Spangs Erstlingswerk HEXENLIEBE bereits vollkommen begeistern konnte, war ich nun gespannt, was mich bei ihrem neuen Roman erwarten würde. Mit BLUT UND SEIDE präsentiert die HOMER-Preisträgerin nun ihr neuestes Werk.


    Das Cover:

    Von der Gestaltung her, ist hier ein Wiedererkennungswert klar erkennbar. Wieder befindet sich eine Frau auf dem Buchcover, wieder besteht der Buchtitel aus goldenen, verschnörkelten Buchstaben und letztendlich erinnert auch der gemusterte Hintergrund an den ersten historischen Roman der Autorin.

    Die Frau auf dem Cover wirkt recht ansehnlich – das Schönheitsideal der damaligen Zeit ist eben ein anderes, als das der heutigen Zeit. Die junge Frau trägt die Haare offen und ihre Kleidung wirkt edel, sei es durch den Brokatstoff oder den Pelzbesatz an der Kleidung.


    Die Handlung:

    Das Deutsche reich um 1260 – Nachdem seine Eltern bei einem Überfall äußerst brutal ermordet wurden, wächst der Waisenjunge Simon von Montfort bei Johann von Sponheim auf. Für diesen ist der Junge, der Sohn seines besten Freundes, wie ein eigener Sohn. Doch Johanns Bruder Heinrich schikaniert den Jungen wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet.

    Aber dann verliebt sich Simon in Christina, die Verlobte von Heinrich. Die beiden beginnen eine Liebschaft. Doch leider ist diese Liebe nicht von Erfolg gekrönt, denn die junge Frau wird zur Ehe mit dem ungeliebten und äußerst brutalen Heinrich gezwungen. Simon und Christina geben jedoch die Hoffnung nicht auf, doch noch ein Paar zu werden...


    Meine Meinung:

    Ich liebe historische Romane, die im Mittelalter spielen, so wie es in Marita Spangs neuestem Werk der Fall ist. Dennoch konnten mich auch zwischenzeitlich andere Zeitepochen überzeugen.

    Simon hat sich zwei Dinge vorgenommen: Zum einen will er die Mörder seiner Eltern finden, zum anderen möchte er eine gemeinsame Zukunft mit seiner geliebten Christina haben. Doch ausgerechnet sein Erzfeind Heinrich ist der Ehemann seiner Geliebten.

    Christina ist eine typische Heldin. Sie lernt kämpfen, möchte sich von ihrem Mann befreien, den sie aus tiefstem Herzen verachtet und hasst. Man wünscht sich natürlich während des Lesens, dass sich Christina aus den Fängen ihres Mannes befreien kann, um mit ihrem Simon das große Glück zu finden. Doch eine Trennung war in dieser Zeit überaus kompliziert, da Ehen oft auch aus politischen Gründen geschlossen wurden, oder um Besitztümer zu mehren. Zwar liebt Christinas Vater seine Tochter aus tiefstem Herzen, doch vor der Realität verschließt er dann doch regelrecht die Augen, will nicht wahrhaben, dass seine Tochter unglücklich in ihrer Ehe ist.

    Heinrich ist ein äußerst brutaler Unmensch, der vor keiner Gräueltat Halt macht. Es wird ohne mit der Wimper zu zucken, geschändet und gemordet. Man wünscht ihm während des Lesens buchstäblich die Pest an den Hals. Doch leider sind Bösewichte immer recht zäh.

    Johann von Sponheim war mir sofort sehr sympathisch. Nach dem Tod der Eltern nimmt er das Kind seines besten Freundes als Ziehsohn bei sich auf. Johann selbst leidet unter den Folgen der Kinderlähmung, denn er ist gehbehindert. Von seinem eigenen Bruder Heinrich hält er (verständlicherweise) wenig, während ihm Simons Wohlergehen am Herzen liegt.

    Früher war nicht alles besser, das wird auch diesmal wieder deutlich. Da wird gekämpft, gemordet und vergewaltigt. Die Schilderungen sind recht detailliert, aber das ist durchaus vertretbar, denn so schonungslos beschrieben, wird deutlich, wie brutal diese Handlungen waren, und dadurch wirkt alles sehr authentisch und glaubhaft. Kampfhandlungen sind nicht unbedingt meine Lieblingsszenen, aber dennoch unverzichtbar.

    Ich liebe es, wenn in historischen Romanen Personen vorkommen, die wirklich gelebt haben. Auch in BLUT UND SEIDE ist dies wieder der Fall.

    Zwar gefiel mir letztendlich HEXENLIEBE etwas besser, allerdings war das auch eine andere Thematik, und man kann schlecht Äpfel mit Birnen vergleichen, wie man so schön sagt. Aber auszusetzen hatte ich auch an diesem Roman nichts, insofern besteht kein Grund zur Kritik.

    Der Aufbau des Buches gefiel mir sehr gut. Hier fehlte nichts, angefangen von einigen Karten, die verschiedene Grafschaften und Herzogtümer der damaligen Zeit zeigten, über die Liste der im Buch vorkommenden Personen (Dramatis Personae), samt der Kennzeichnung der Personen, die wirklich gelebt haben, bis hin zum Glossar, in dem die altertümlichen Begriffe erklärt werden – nützlich für Neueinsteiger in dieses Genre, aber auch Leser historischer Romane lernen hier immer wieder das ein oder andere dazu, auch ich.

    Der Anhang, in dem es um Fiktion und Wirklichkeit geht, ist in meinen Augen unverzichtbar. Hier erfährt man allerlei interessante Dinge zu den Hintergründen und der Handlung. Welches Buch Marita Spang uns wohl als nächstes präsentiert? Man darf gespannt sein, denn sicherlich habe ich nicht das letzte Mal einen historischen Roman dieser Autorin gelesen.


    Fazit:

    Auch mit ihrem zweiten Roman konnte die Autorin mich wieder voll und ganz überzeugen. Freunden historischer Romane kann ich das Buch ans Herz legen. Ich empfehle es gerne weiter und gebe diesem Buch 5 Sterne.

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    Cover des Buches Problemzonen9781517039745

    Bewertung zu "Problemzonen" von Carin Müller

    Problemzonen
    Cappuccino-Mamavor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine bunte Mischung an Themen, die Autorin Carin Müller auf ihrem Blog veröffentlicht hat, und als Kommentator fungiert ein Gorilla - toll.
    Alles was nervt...

    Carin Müller, die Frau der tausend Gesichter! Von mir sehr geschätzte Autorin ungewöhnlicher Bücher, mitteilungsfreudige Bloggerin, Hundefrauchen und eingefleischter Fußballfan. Ich mag ihre Texte, ich schätze ihre gnadenlose Kritik und ihre unverschleierte Ehrlichkeit, sowie ihren bisweilen bissigen Humor.

    Weshalb ich das alles erwähne? Wie Carin Müller selbst von sich sagt: Sie kann nicht schweigen, muss ihre Meinung kundtun. Und genau deshalb gibt es auch das Buch PROBLEMZONEN – EINSICHTEN AUS DEM KIOSK.


    Das Cover:

    Das Buchcover ist diesmal glänzend gestaltet, der Hintergrund ist in Blau- und Grüntönen gehalten und das Hintergrundmuster besteht aus einer „gestrickten“ Fläche. Darauf befindet sich die Abbildung eines Gehirns, auf dem verschiedene Areale durch verschiedenfarbige Fähnchen in unterschiedlichen Größen gekennzeichnet sind.


    Inhalt / meine Meinung:

    Wie der Hinweis auf dem Cover bereits verkündet, besteht dieses Buch aus 70 Kolumnen. Diese hat Carin Müller auf ihren Blogs veröffentlicht. Und nun wurden ausgewählte Texte in diesem Buch zusammengestellt. Dabei wurden diese 70 Texte in sieben Kategorien unterteilt, die dann aus jeweils 10 Beiträgen bestehen:


    Hassobjekte und Lieblingsfeinde:

    Die Tücken der „Schummelunterwäsche“, auch Shape Wear genannt, beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Ebenso wie die Begegnung mit Fahrdienstmüttern, die ihre Kinder stets zur Schule chauffieren. Und die Post – ja, die ist ein Kapitel für sich – im wahrsten Sinne des Wortes. Des weiteren behandelt dieses Kapitel u. a. Themen wie: Apotheker, die alles besser wissen, Handtaschen (ohne die frau sich ja fast nackt fühlt), Veganer, sowie ungewöhnliche Deko, wie ein lederhosetragendes Einhorn...


    Hunde und andere … äh … Tiere:

    Hund habe ich keinen. Dafür besitze ich aber eine Katze (oder sie besitzt mich – so richtig klar ist das ja mitunter nicht). Wie der geneigte Leser aber weiß, spätestens seit Erscheinen dieses Buches, ist Carin Müller das Hundefrauchen des Airedale-(Terror)-Terriers Toni. Und der hat seinen eigenen Kopf, den er auch gerne und oft durchsetzt. Beim Gassigehen mit Toni hat Autorin Carin Müller immer wieder Begegnungen der dritten Art – angefangen bei ungewöhnlichem Hundespielzeug, über Hundeherrchen und -frauchen, oder anderen Vierbeinern. Und der Versuch, Toni eine Urinprobe zu entlocken, stellt sich als äußerst schwierig heraus, und darauf zu warten, dass der Hund sein „Geschäft“ erledigt, das kann mitunter schon etwas länger dauern.


    Schreiben in Theorie und Praxis:

    Klar, dass bei einer Autorin auch das Thema Schreiben nicht fehlen darf. Dabei fehlen weder Tücken der deutschen Sprache, noch fehlen unveröffentlichte Kurzgeschichten, die bislang in der Autorenschublade schlummerten. Dass auch Lehrer und Autoren nicht vor diesen Tücken der deutschen Sprache sicher sind, das erzählt die Autorin auf ihre humorvolle Art.


    Musik und sonstige Nebengeräusche:

    Autorin Carin Müller tanzt! Ich dagegen bin eine bekennende Nichttänzerin, und habe im Gegensatz zur Autorin nie einen Tanzkurs besucht. Doch es gibt auch Ausnahmen – ich liebe syrische Tänze sehr, und bin begeistert von diesem Tanzstil. Des weiteren berichtet die Autorin über ihren Musikgeschmack, sowie über Konzerte, die sie besucht hat. Natürlich dürfen hier in dieser Kategorie ABBA und die Stones nicht fehlen, aber auch andere Musiker, die den Musikgeschmack der Autorin geprägt haben.


    Fußball ist auch keine Lösung:

    Bei uns ist keiner in der Familie Fußballfan, daher gehörte diese Rubrik nicht zu meiner Lieblingskategorie, und so habe ich sie kurzerhand erst einmal beim Lesen hinten angestellt. Die Befürchtungen waren jedoch ziemlich unbegründet, spielte doch bereits in Carin Müllers Roman GEFÜHLTE WAHRHEIT dieser Ballsport eine wichtige Rolle. Und so habe ich auch diese Kategorie unbeschadet überstanden, nicht zuletzt durch den originellen Schreibstil. Und ein bestimmter Fußballer, nämlich Marco Reus, hat es sogar geschafft, zur Problemzone der Autorin zu werden.


    Politik und Kirche:

    Ohhh ja! Dass wir beide diese Plage der Menschheit namens PEGIDA nicht nur nicht mögen, sondern hassen, darüber waren die Autorin (wir tauschen uns schon länger über Facebook aus) und ich uns schon vor Erscheinen des Buches einig. Daher hätte diese sogenannte Organisation auch in die Sparte „Hassobjekte und Lieblingsfeinde“ gepasst. Und nun, da ich viele sehr nette, sehr höfliche, sehr liebenswerte Syrer persönlich kenne, verachte ich die PEGIDA und ihre Sympathisanten noch mehr. Man möchte sich fremdschämen dafür, dass es solche menschenverachtende Menschen, oder besser gesagt Unmenschen, geben kann. Daher ist dieses Kapitel auch eines meiner Lieblingskapitel – obwohl ich mich über diese braune „Organisation“ so sehr aufrege.

    Aber auch die Kirche hat sich nicht unbedingt immer mit Ruhm bekleckert. Vor allem die katholische Kirche ist mir mitunter doch sehr ein Dorn im Auge, sei es durch ihre Verschwendungssucht oder sonstige Einstellungen zum Thema Partnerschaft und Familie.


    Reisen und andere Fluchten:

    Eine Reise in die USA – ein Teil der Autorin würde sie sich wünschen: Der angetraute Ehemann! Doch ihre Zunge kann die Autorin nicht zügeln – wobei sie sich beherrschen würde, und das Wort „Bombe“ vermeiden würde. Wer will schon mit einer entsicherten Waffe am Kopf auf dem Boden des Flughafens liegen!?

    Ich selbst bin eher ein Reisemuffel, bin auch noch nie geflogen. Dennoch reise ich gerne via Buch in andere Gefilde. Daher habe ich diese Kategorie mit Interesse gelesen. Und natürlich hatte auch hier Terrier Toni seinen Auftritt. Und natürlich fanden auch die mehr oder weniger kulinarischen Spezialitäten der Reiseziele Erwähnung.


    Allgemeines:

    PROBLEMZONEN wie Bauch, Beine, Po kamen auch in diesem Buch vor – der Bauch, der von „Schummelwäsche“ verborgen bleiben soll, die Beine, die Toni seinem Frauchen während der gemeinsamen Gassirunden macht, sowie der Po, auf den man im Leben so manchmal fällt, wenn auch nur verbal.

    Nachdem ich bereits Bücher von Carin Müller gelesen habe, waren die PROBLEMZONEN für mich eine erneute Begegnung mit „alten Bekannten“. Zum einen gab es ein Wiederlesen mit dem Geister-Gorilla aus GEFÜHLTE WAHRHEIT, der zu jeder Kolumne unter „Anmerkung Gorilla“ seine Meinung abgab, sowie Informationen zur Entstehung, den Hintergründen,... . Nur ab und an konnte er wenig an eigener Meinung beisteuern, so z.B. zum Thema Handtaschen, was allerdings in der Natur der Sache lag – oder hat schon jemand einen Gorilla mit Handtasche gesehen? Zusammengefasst kann man sagen, dass Gorilla die Funktion eines Moderators übernahm.

    Und natürlich durfte auch Toni nicht fehlen, Carins vierbeiniges Familienmitglied, Covermodel für HUNDSTAGE und Inspiration für den tierischen Protagonisten Tobi im Roman HUNDSTAGE.

    Für wen ist dieses Buch geeignet? Ich denke, dass das Buch sich für all diejenigen eignet, die in der Inhaltsangabe eine oder mehrere seiner persönlichen PROBLEMZONEN entdeckt, sowie für alle, die Kolumnen verschlingen, oder die gerne zu Kurzgeschichten greifen, weil ihnen ein Roman zu umfangreich ist. Eigentlich sollte hier jeder Leser sein Lieblingsthema finden, denn PROBLEMZONEN hat mit Sicherheit jeder von uns.


    Fazit:

    Viele Kolumnen in diesem Sammelwerk gefielen mir sehr gut, einige weniger. Aber selbst diese unterhielten mich einigermaßen. Ich habe mich amüsiert, habe mich geärgert, wurde gut unterhalten. Und habe festgestellt, dass die „Problemzone Mann“ gefehlt hat – und PC, Internet, Handy, und, und, und...

    Doch eines steht damit fest: Es muss unbedingt einen zweiten Teil der PROBLEMZONEN geben, in dem dieses und weitere Themen zur Sprache kommen. Und Carin Müller ist so produktiv, dass es sicherlich noch eine Fortsetzung geben wird. Von mir erhält dieses ungewöhnliche Buch 4 Sterne.

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    Cover des Buches Tote Hippe an der Strippe9783770015252

    Bewertung zu "Tote Hippe an der Strippe" von Lotte Minck

    Tote Hippe an der Strippe
    Cappuccino-Mamavor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Mit Herz, Hirn und Ruhrpottschnauze. Loretta und ihre schrille Truppe ermitteln wieder.
    Sex sells – Ein schrille Truppe ermittelt

    Endlich ist er da, der 5. Fall für Loretta Luchs, die Ermittlerin wider Willen – dass sie immer wieder über Leichen „stolpert“ ist für Loretta alles andere als erfreulich. Die ersten vier Bücher konnten mich stets voll und ganz überzeugen, und so war ich auch diesmal „guter Hoffnung“, dass meine Erwartungen erfüllt werden würden.


    Das Cover:

    Es hat schon Tradition, dass Illustrator Ommo Wille die Buchcover zu den Ruhrpott-Krimödien entwerfen darf. Und das gelingt ihm immer sehr gut, denn es gibt auf diesen Rundum-Panorama-Covern, die sich von der Vorderseite bis auf die Buchrückseite erstrecken, sehr viel zu entdecken, so auch diesmal.

    So zeigt das Titelbild diesmal Lorettas Arbeitsplatz, samt zahlreicher Details. Es ist klar ersichtlich, in was für einer Art Callcenter die Telefondamen tätig sind, denn an den Wänden der Kabinen hängen „Arbeitsanweisungen“. Auf der Vorderseite des Buches sieht man drei Telefonkabinen. In der mittleren lümmelt Loretta in ihrem Schreibtischsessel, das Headset auf dem Kopf, mit roten Pumps an den Füßen – oder besser gesagt am einen Fuß, den der andere Schuh liegt am Boden. Von rechts ragt eine Hand ins Bild, aus der ein weißes Pulver in eine leere Getränkeflasche rieselt.

    Auf der Rückseite des Buches sieht man Chef Dennis, den Kaffeebecher in der Hand. Dennis wie er leibt und lebt, denn sein Faible für die Siebziger ist unverkennbar, sei es anhand der Kleidung, als auch an seiner Brille und der Frisur. Rechts von ihm sieht man eine rothaarige Dame, die während des Telefonierens strickt (ich vermute, dass das Doris ist). Unverkennbar ist auch der „Glaskasten“, das Büro von Dennis. Schmuddelig sieht es aus, überall liegen Wollknäuel, Zettel und sonstiger Müll auf dem Fußboden, die Abfalleimer quellen über und die Pflanzen sehen nicht mehr besonders fit aus. - Ein Cover mit viel Liebe zum Detail!


    Die Handlung:

    Love is in the air – Das Leben könnte so schön sein – Loretta Luchs ist glücklich mit ihrem neuen Freund Pascal, Freundin und Ex-Mitbewohnerin Diana ist schon einen Schritt weiter, denn sie und der junge Anwalt Okko wollen heiraten.

    Doch lange hält diese ungetrübte Freude nicht an, denn Dennis, der Betreiber des Callcenters bittet Loretta und den pensionierten Polizisten Erwin um Hilfe. Seine Scheune ging in Flammen auf, und fünf seiner geliebten Zwergseidenhühner wurden brutal dahingemeuchelt – lediglich eines von Dennis' Lieblingen kam mit dem Leben davon.

    Um ihrem Chef zu helfen, wird Loretta zur Ermittlerin wider Willen. Dennis wurde bedroht und zusammengeschlagen, seine Scheune in Brand gesetzt und fünf von Dennis geliebten Zwergseidenhühnern mussten ihr Leben lassen, und letztendlich sind die Arbeitsplätze von Loretta und ihren Kolleginnen bedroht. Doch wer steckt hinter den Anschlägen?...


    Meine Meinung:

    Endlich ein Wiederlesen mit Loretta Luchs und ihren Freunden: Mit Frank (der ein Faible für grellbunte Klamotten hat und durch seinen Ruhrpott-Slang besticht) und seiner Freundin Bärbel, mit Erwin, dem Kommissar im Unruhestand und seiner besseren Hälfte Doris und natürlich mit Loretta und ihrem neuen Freund Pascal, sowie deren Stubentiger Baghira.

    Diesmal machen die beiden neuen Telefonistinnen von Dennis' Sexhotline, die „Domina-Hippe“ Jeanette und „Porno Gnom“ Belinda ihrem Chef das Leben zur Hölle. Erstmals tritt Dennis in diesem Band in den Vordergrund – wenn auch ganz und gar nicht freiwillig. Denn der Grund dafür ist äußerst unerfreulich: Dennis wird bedroht, und er sorgt sich um seine geliebten Mitbewohner, seine Zwergseidenhühner. Und um Sandra, seine neue Freundin, in die er bis über beide Ohren verknallt ist.

    Dennis ist ja eine schillernde Person, der wirkt, als hätte er eine Zeitreise aus den wilden Siebzigern hinter sich – sei es in Sachen Styling, oder bei seinen Fahrzeugen. Schön, dass man als Leser nun auch Dennis mal näher kennenlernen darf – eine Hauptrolle hat Dennis sich längst verdient. Und so lernt man Lorettas Chef nun von einer vollkommen neuen Seite kennen. Und wer ist die Frau an der Seite des unsterblich verliebten Dennis? Ist Sandra, die so plötzlich auf der Bildfläche erschien, eine skrupellose Betrügerin, oder liebt sie Dennis ebenso sehr, wie er sie? Dennis ist für Argumente seiner Freunde jedenfalls recht unzugänglich – Liebe macht ja bekanntlich blind.

    Diana, die ehemalige Mitbewohnerin von Loretta, spielt hingegen eher eine Nebenrolle, denn sie lebt inzwischen mit ihrem Traummann, einen Anwalt, zusammen. Nichtsdestotrotz hat sie hin und wieder einen Gastauftritt, und sei es auch nur in Form von Telefonaten. Der unvergessliche Heiratsantrag, den Diana erhielt, verlief alles andere als planmäßig, und brachte mich doch sehr zum Lachen.

    Jeanette und Belinda erschienen am Ende des vorherigen Bandes bereits als Cliffhanger auf der Bildfläche. Ich liebe diese Cliffhanger, die Raum für Spekulationen gibt, wie es wohl im nächsten Band weitergehen wird. Jeanette und Belinda wirken stets überheblich und benehmen sich alles andere als kollegial.

    Bärbel und Frank im Undercover-Einsatz als „Babsi“ und „Fränkie“ waren einfach wunderbar – sie gaben ein wunderbares Paar ab: Sie aufreizend gekleidet, er hingegen konnte sich modisch ebenfalls voll und ganz austoben – endlich darf er quietschbunt durch die Gegend laufen.

    Wieder einmal konnten mich Loretta Luchs und ihre Freunde begeistern – erstmals erhielt auch Lorettas Chef Dennis, der bislang stets etwas im Hintergrund stand, eine tragende Rolle auf den Leib geschneidert. So erhielt man als Leser einen Einblick in das Privatleben dieser schillernden Persönlichkeit, und selbst Loretta war überrascht. Dass Dennis Zwergseidenhühner als Haustiere hält, das hätte sie nie vermutet. Aber auch sonst kam die tierische Besetzung nicht zu kurz – Hündchen Heini sorgt für Aufregung, und natürlich ist auch Lorettas Mitbewohner Kater Baghira wieder mit an Bord. Tiere empfinde ich in Büchern stets für eine Bereicherung, und im ein oder anderen tierischen Darsteller erkennt man mitunter auch das eigene Haustier wieder.

    Ich liebe diese humorvollen Ruhrpott-Krimödien von Lotte Minck. Jeden dieser Krimis kann man unabhängig voneinander lesen, denn jeder Band ist in sich abgeschlossen. Dennoch empfiehlt es sich, jeden der Krimis zu lesen, denn sonst würde dem Leser ja viel Lesevergnügen entgehen. Wieder einmal setzte Lotte Minck, die an der Nordsee lebt, mit diesem humorvollen Krimi ihrer alten Heimat ein schönes Denkmal.

    Schön ist es, dass man immer wieder der Stammbesetzung begegnet, denn sonst würde etwas fehlen. Glücklicherweise bleibt Loretta uns noch eine Weile erhalten – die Verträge für neun Bände wurden von der Autorin unterschrieben – es wird also noch viel geschehen, und ich bin gespannt, welche Abenteuer Loretta Luchs und ihre Freunde noch erwartet.


    Fazit:

    Auch diesmal wurden meine Erwartungen wieder voll und ganz erfüllt. Loretta Luchs und ihre Freunde haben wieder mit Herz, Hirn und „Ruhrpottschnauze“ ermittelt, und so manch heikle Situation gekonnt gemeistert. Wobei natürlich nie alles nach Plan verlief, denn das wäre ja auch langweilig gewesen. Ich empfehle auch diese Ruhrpott-Krimödie gerne weiter und gebe diesem Buch mit seinen originellen und ungewöhnlichen Protagonisten daher 5 Sterne.


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    Cover des Buches Penny Pepper - Chaos in der Schule9783423761291

    Bewertung zu "Penny Pepper - Chaos in der Schule" von Ulrike Rylance

    Penny Pepper - Chaos in der Schule
    Cappuccino-Mamavor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein hervorragend im Comic-Stil gestaltetes Kinderbuch. Penny Pepper und ihre drei Freundinnen ermitteln wieder...
    Ein Talentwettbewerb, Sabotage und jede Menge Aufregung...

    Als Mama (auch wenn meine Kinder bereit erwachsen sind), Tante und Fan von Kinder- und Jugendbüchern, bin ich stets auf der Suche nach tollen Büchern. Ulrike Rylance, die auch unter anderen Namen schreibt, wie z.B. Ulrike Herwig, konnte mich bereits mit ihrem Schreibstil begeistern, so dass ich auch auf dieses Buch neugierig war.


    Das Cover / die Gestaltung:

    Schon alleine die Farbe des Covers „sticht“ ins Auge: Der Hintergrund ist in einem knalligen Orange gehalten. Im Lichtkegel eines Scheinwerfers kniet Penny Pepper, auf deren Oberschenkel Hündchen Dschastin einen „einbeinigen Handstand“ präsentiert. Um dieses Hauptmotiv herum wurden verschiedene Dinge platziert, die ebenfalls in diesem Buch eine Rolle spielen, wie die Ratte, eine Kamera, ein Kaninchen im Zylinder, einige Cupcakes, sowie weitere Gegenstände.

    Während das Cover größtenteils matt gestaltet ist, wurden Penny und Hund Dschastin glänzend hervorgehoben, ebenso die Ratte und der Buchtitel. Auffallend an diesem Buch sind aber vor allem die „runden Ecken“. Das Buch besitzt ein Softcover, also einen Buchdeckel, der dicker als bei einem Taschenbuch ist, und wie bei einem Hardcover verarbeitet ist. Allerdings ist der Buchdeckel nicht ganz starr, sondern flexibel und lässt sich daher auch etwas biegen. Sehr gut gefällt mir das pinkfarbene Vorsatzpapier, das mit Motiven eines Kunststücke machenden Dschastin bedruckt ist – sieht sehr witzig aus.

    Außerordentlich gut gefällt mir, dass auf der Buchrückseite die beiden Buchcover der Vorgängerbücher abgebildet sind – ich bin ein Befürworter dieser Gestaltung und habe mitunter schon ungenutzte, leere Flächen auf Buchserien kritisiert, und angeregt, dort Buchcover abzubilden – hier wurde dies nun tatsächlich so gehandhabt.


    Die Handlung:

    Penny Pepper und ihre Freunde sind aufgeregt, denn an ihrer Schule soll ein Talentwettbewerb stattfinden. Wie aufregend! - Selbst das Fernsehen soll dabei sein. Und so haben die Freundinnen Floras Hund Dschastin Kunststücke beigebracht. Ob sie damit wohl bei diesem Wettbewerb gewinnen werden?

    Dann ist er da, der große Tag. Doch plötzlich geht alles schief und es herrscht das reinste Chaos. Rudi, die rechnende Ratte ist spurlos aus ihrem Käfig verschwunden. Und als Rockmusik ertönen soll, hört man nur bayrische Volksmusik.Und dann ist endlich Dschastin an der Reihe. Der Hund soll seine Qualitäten als Spürhund unter Beweis stellen, doch dazu kommt es nicht, denn eine schwarze Katze rennt genau jetzt über die Bühne. Für die Freundinnen steht eines fest: Hier hat jemand seine Finger im Spiel, und derjenige sabotiert den Wettbewerb. Werden Penny, Flora, den Täter ermitten und überführen können?...


    Meine Meinung:

    Es ist der dritte Band, in dem Penny Pepper und ihre drei Freundinnen Marie, Flora und Ida ermitteln. Mit dabei ist auch Dschastin, Floras Hund, der die Attraktion des Talentwettbewerbs werden soll, der in der Schule stattfindet. Bislang kannte ich noch keines der Bücher aus dieser Serie, aber das ist kein Problem, denn jeder Band ist, so wie es sein sollte, in sich abgeschlossen.

    Dieses Kinderbuch hat einen ganz eigenen Charme, denn es besticht durch seinen Comic-Style, der jung und frisch wirkt. So wird auch bei ungeübten oder wenig lesebegeisterten Kindern das Interesse geweckt. Die Handlung ist jung, frisch, altersgerecht, manchmal auch frech, mitunter auch etwas respektlos (z.B. dann, wenn es um Omas Freundin Wilma und ihre ganz offensichtlich erfolglose Bikinidiät geht).

    Die Eigenschaften der einzelnen Protagonisten wurde hervorragend in Szene gesetzt, ob es nun Wilmas Schwerhörigkeit ist, oder aber die lockere Art des beliebten Englischlehrers. Aber auch die esoterisch angehauchte Doppelnamen-Kunstlehrerin mit ihrer Haremshose, oder die Parallelklassen-Superstarmädels, sowie auch die Mutter mit den „Sauerkrauthaaren“ fand ich äußerst amüsant und unterhaltsam. Und dann ist da noch Pennys Diktiergerät, das ganz offensichtlich ein Eigenleben führt – schlimm genug, dass es Sätze falsch wiedergibt (als eine Art Schüttelreim), nein, es meldet sich auch dann zu Wort, wenn Penny glaubt, sie hätte es ausgeschaltet.

    Zum Erfolg des Buches tragen natürlich auch die Illustrationen von Lisa Hänsch bei – selbst bei der Schrift wurde da mit verschiedenen Schriftgrößen und Schriftarten experimentiert – ein echter Hingucker. Die ins Buch eingearbeitete Worterklärungen („Sternchenverweise“) fand ich übrigens witzig, so z.B. die Definition eines Augenzeugen.

    Für Verwirrung hingegen sorgte bei mir der mehrfach erwähnte Kameramann, der stets mit seinem Klemmbrett hinter einer Frau mit Kamera stand. Für mich war der besagte Mann eher ein Aufnahmeleiter und die Frau eben die Kamerafrau. Besonders gefielen mir die beiden Lehrer - Herr Robinski, der als Zauberkünstler seinen Auftritt hatte, sowie die Kunstlehrerin Frau Kreuzwald-Klappenberg. Solche verständnisvolle Lehrer wünscht sich wohl jedes Kind. Wilma fand ich ebenfalls toll, allerdings sammelte sie nicht Sympathiepunkte, sondern war einfach nur witzig, aufgrund ihrer eingeschränkten Hörfähigkeit. So verstand sie vieles falsch, und reagierte auf das Klopfen ans Mikrofon mit einem „Herein“.

    Im Buch befinden sich zwei Doppelseiten. Weiß auf Schwarz findet man hier zum einen Hinweise auf die Körpersprache, wodurch man beispielsweise Lügner entlarven kann. Zum anderen wird gezeigt, wie man Fußspuren abnimmt, um so das Schuhprofil zu konservieren, um kriminelle Straftäter anhand dieser Spuren überführen zu können. Als ich selbst noch ein Kind war, habe ich Detektivbücher geliebt, und scheinbar hat sich auch in unserer hochtechnisierten Welt nichts daran geändert. Durch die schwarz unterlegten Seiten erkennt man sofort, dass diese nicht zur eigentlichen Handlung gehören, aber ein Extra beinhalten. Und durch diese Farbgebung findet man auch die entsprechenden Seiten beim Durchblättern schnell wieder.

    Schade fand ich, dass die beiden vorherigen Bücher dieser Serie nicht in einem Anhang vorgestellt wurden. Da ich die beiden vorherigen Bücher nicht kannte, wusste ich anfangs so gut wie nichts über Penny und ihre Freundinnen. Hier hätte ich mir zu Beginn des Buches einen kurzen Steckbrief mit Namen, Alter, Eigenschaften und Hobbies gewünscht, um den Mädels sozusagen ein „Gesícht“ zu geben.

    Für mich ist dieses Kinderbuch ein echtes Gute-Laune-Buch, denn es hat alles, was ein Buch lesenswert macht: Es ist witzig, frech, unterhaltsam, dazu gibt es die passenden Illustrationen und die Leser können versuchen, den Täter ausfindig zu machen, der diesen Talentwettbewerb an Penny Peppers Schule manipuliert. Unterteilt ist das 144 Seiten umfassende handliche Buch in neun Kapitel, wobei jedes Kapitel die passende Überschrift trägt, und mit einem passenden Satz zur Handlung ergänzt wurde. Für mich stimmt hier die gesamte Umsetzung und Gestaltung.


    Fazit:

    Dieses Kinderbuch für Leser ab etwa 7 Jahren, ist genau so, wie es sein sollte, nämlich witzig, frech und unterhaltsam – Kurz gesagt: Einfach kindgerecht. Durch den verwendeten Comic-Style, die bunt zusammengewürfelte Schrift, die die Blicke auf sich zieht, und die tolle Handlung, eignet sich dieses Buch auch für weniger begeisterte Leser, vermutlich sogar für Leseverweigerer, denn die gesamte Gestaltung weckt das Interesse und die Neugier. Die Textmenge hält sich durch die vielen Illustrationen und die Schriftgröße in Grenzen, was wiederum ungeübte Leser nicht entmutigt. Gerne empfehle ich dieses mit Liebe zum Detail gestaltete Buch weiter, und gebe ihm 5 Sterne.



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    Cover des Buches Pikkolo und Panettone - Famiglia Maiotti tischt auf9783455650662

    Bewertung zu "Pikkolo und Panettone - Famiglia Maiotti tischt auf" von Astrida Wallat

    Pikkolo und Panettone - Famiglia Maiotti tischt auf
    Cappuccino-Mamavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Turbulente und kulinarische Weihnachten mit der deutsch-italienischen Familie Maiotti erwarten den Leser in dieser Weihnachtskomödie...
    Amore, Chaos und dazu die liebe Verwandtschaft unterm Weihnachtsbaum

    Ich liebe Bücher, die entweder in Italien spielen, oder aber italienische Protagonisten haben – das italienische Flair dieser Bücher ist einfach wundervoll. Temperamentvoll, impulsiv und stets steht „la famiglia“ im Mittelpunkt.


    Das Cover / Die Gestaltung:

    Das Buchcover dieser Klappenbroschur (ich liebe diese Variante des Taschenbuchs) ist matt gehalten. Der Hintergrund ist mintgrün, der Buchtitel PIKKOLO UND PANETTONE, wie könnte es anders sein, in den italienischen Farben rot, weiß, grün geschrieben. Die italienische Familie versammelt sich zur Weihnachtszeit, weshalb der Untertitel des Romans FAMIGIA MAIOTTI TISCHT AUF lautet. Und dementsprechend zieren allerlei leckere Speisen das Buchcover – ob Geflügel, Pizza, Spaghetti, Kaffee oder auch Wein – vertreten ist hier für jeden Geschmack etwas. Und die Herzen signalisieren, dass auch Amore eine Rolle spielt. Inmitten dieser zahlreichen Speisen befindet sich eine junge Frau auf einer Vespa - zwar im kurzen Kleid und mit Sonnenbrille, doch zugleich auch mit Mütze und Schal bekleidet.

    In der vorderen Buchklappe befindet sich eine schöne Buchbeschreibung, in der Protagonistin Anna über ihre „la famiglia“ erzählt. In der hinteren Buchklappe findet man eine Autorenvorstellung mit einem Foto von Autorin Astrida Wallat.


    Die Handlung:

    Weihnachten steht vor der Tür, und damit jede Menge Besuch ins Haus. Bei der deutsch-italienischen Familie Maiotti wird geputzt und gebacken, Geschenke werden gekauft – kurzum: Es herrscht das reinste Chaos im neopolitanisch-fränkischen Haushalt der Maiottis. Und natürlich läuft einiges schief, denn prompt vergisst Großmutter Liselotte die Weihnachtsgans im Zug, was die Laune keineswegs verbessert.

    Und dann hat Maura auch noch zu allem Übel Liebeskummer und ist deshalbb unausstehlich. Als dann aber auch noch kurz vor der Bescherung Annas kleiner Patensohn Ugolino wie vom Erdboden verschluckt ist, steht die Welt der Maiottis endgültig Kopf...


    Meine Meinung:

    Was für eine (meist liebenswert) verrückte Familie! Stets ist bei Famiglia Maiotti Leben in der Bude, denn im Mehrgenerationen-Haushalt der Maiottis treffen die verschiedensten Charaktere, sowie italienisches Temperament aufeinander.

    Da ist zum einen Anna, aus deren Sicht die Handlung erzählt wird. Anna lebt mit ihren inzwischen 23 Jahren noch immer bei ihren Eltern, ist im Gegensatz zu ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Maura, noch immer Single. In ihrem prinzessinnenrosa Zimmer wartet sie auf das Erscheinen ihres Traumprinzen. Die beiden ungleichen Schwestern Maura und Anna sind das Ergebnis einer italienisch-deutschen Liebesbeziehung zwischen Dino und Silke. Anna, die als Zahnarzthelferin arbeitet, sieht sich schon als alte Jungfer. Anna sieht zwar bedeutend besser aus als ihre jüngere, etwas pummelige, Schwester, dennoch mangelte es der hübschen jungen Frau an Selbstbewusstsein. Doch wie heißt es so schön? Für jeden Topf gibt es den passenden Deckel.

    Maura war schon ganz schön zickig. Und überhaupt waren die beiden Schwestern wie Feuer und Wasser – ständig gab es Reibereien zwischen ihnen. Doch seit Maura und ihr Freund Sammy sich (wieder einmal) getrennt haben, ist Maura noch unausstehlicher. Und diese Trennung könnte noch weitreichendere Folgen haben, denn Sammys Freund Massimo spielt alljährlich den Weihnachtsmann für die Familie.

    Nonna (Oma) Elsa möchte auch noch im größten Trubel den Christkindlmarkt besuchen, was Anna jede Menge Nerven kostet – es ist wohl leider offensichtlich leichter einen Sack Flöhe zu hüten, als darauf zu achten, dass Oma Elsa nicht in der Menschenmenge verlorengeht. Nonno (Opa) Corrado studiert ausgiebig verschiedene Horoskope, legt Karten und vertraut hierbei dem Übersinnlichen – er prophezeit der Familie so manch ungeheuerliche Dinge. Oder werden seine Weissagungen etwa eintreffen?

    Gäste sind unter anderem die streitlustige Arianna und ihr Mann Angelo mit ihren beiden Kindern Ugolino und Savia. Die beiden betreiben, ebenso wie ihre Eltern Franco und Gina, die ebenfalls (aber leider vorzeitig) anreisen, ein Restaurant.

    Die Pfaffenlehners, Silkes Eltern, leben glücklicherweise nicht in der näheren Umgebung, und das ist gut so! Diese italienische Familie, zu der auch Tochter Silke nunmehr seit über zwanzig Jahren gehört, ist ihnen noch immer suspekt. Eine schwere Zeit bricht für die Maiottis an, denn an Weihnachten trifft eine traditionell bayrische Kultur auf eine südländische - „saure Zipfel“ im Zwiebelsud treffen auf opulente italienische Speisen. Oma Liselotte fand ich sehr anstrengend in Bezug auf ein harmonisches Miteinander. So erhebt sie Anspruch auf „ihr“ Gästezimmer, denn im Kellergeschoss zu übernachten liegt ihrer Meinung nach unter ihrer Würde. Und dass die Gans, die eigentlich auf dem Tisch stehen sollte, stattdessen Zug fährt, ist selbstverständlich auch nicht ihre Schuld. Dagegen wirkt Opa Franz geradezu tiefenentspannt – er nimmt die ganze Situation eher gelassen hin.

    Die Schäberles sind (Exil-)Schwaben und würden gerne das Frankenland missionieren – mit Kehrwoche und Kittelschürze sind sie der Inbegriff des schwäbischen Spießerlebens. Doch auch sie sind für die ein oder andere Überraschung gut.

    Und dann ist da noch Medizinstudent Peter, ein sympathischer junger Mann, der in dem Schwimmbad jobbt, das Anna mit ihrem achtjährigen Patenkind Ugolino besucht. Und mitunter erweist sich Peter, der Anna beim Kennenlernen erst einmal mit Senf beschmiert hatte, als Retter in der Not. Doch da gibt es ja noch einen Wunsch-Schwiegersohn, auf den die Familie alle Hoffnungen setzt. Wird Anna etwa als Single Weihnachten feiern?

    Ich liebe fantasievolle Kapitelüberschriften, die ich der simplen Durchnummerierung stets vorziehe. Hier besteht die Überschrift des jeweiligen Kapitels aus dem Fragment einer Redensart oder einem Sprichwort – entweder in deutsch oder auch in italienisch, wie beispielsweise „Was man nicht im Kopf hat...“, Besuch ist wie Fisch...“ oder „Wer zu spät kommt...“. Und natürlich passt dieser Satz auch wunderbar zur Handlung des entsprechenden Kapitels, und dient als Einleitung für das, was den Leser erwartet.

    Unterteilt ist das Buch in 22 Kapitel, auf der Buchrückseite passenderweise auch ein Menü mit 22 Gängen bezeichnet. Das trifft den Kern der Sache sehr gut, denn zur Weihnachtszeit dreht sich bei Famiglia Maiotti alles ums Essen. Fast hätte ich mir einen kleinen Hinweis auf dem Cover gewünscht, dass es sih um einen „Weihnachtsroman“ handelt. Und wer weiß, sicherlich tischt Familie Maiotti auch zur Osterzeit wieder auf – mich zumindest würde es freuen.

    Aufgewachsen ist Autorin Astrida Wallat im fränkischen Nürnberg, wo auch ihr Roman spielt. Inzwischen lebt sie jedoch in Stuttgart, weshalb es auch nicht weiter verwunderlich ist, dass die Maiottis schwäbische Nachbarn haben. Lokalkolorit ist natürlich auch im Buch enthalten – wie könnte es anders sein – so darf in einem Buch, das zur Weihnachtszeit in Nürnberg spielt, auch der berühmte Christkindlmarkt fehlen. Und natürlich ebensowenig das blondgelockte Christkindl, das auch prompt versehentlich „dekoriert“ wird. Wunderbar fand ich den Dialekt von Opa Franz - italienisch meets bairisch. Und letztendlich wird sogar noch etwas „geschwäbelt“ - so soll es sein, wenn verschiedene Kulturkreise aufeinandertreffen.

    Ich liebe die Verwendung der italienischen Sprache in Romanen, obwohl ich diese Sprache selbst nicht spreche – mein Wortschatz reicht lediglich von Speisen und Getränken (Cappuccino, Spaghetti,...) über einzelne Worte (Ciao, Amore,...) bis hin zu irgendwelchen Ausrufen (Mamma mia, porca miseria). Wie in den anderen von mir gelesenen Büchern auch, wurden auch hier die italienischen Begriffe immer kursiv hervorgehoben. Ein Glossar ist im Buch zwar nicht enthalten (wobei ich mir eines mit den gängigsten Worten gewünscht hätte), aber man verstand die vorhandenen Worte und Redewendungen dennoch fast immer problemlos, weil die Übersetzung gekonnt eingebaut wurde – lediglich einmal fehlte mir die Erklärung. Dieses italienische Flair wurde wunderbar vermittelt, denn schließlich lässt sich auch in Deutschland die ursprüngliche Herkunft nicht verleugnen. So treffen hier Nonno und Nonna (Opa und Oma) auf Zio und Zia (Onkel und Tante), Babbo und Mama und weitere Verwandtschaft aufeinander.

    Im Anhang erhält der Leser dann noch einen Einblick in das Kochbuch der Famiglia Maiotti – verschiedene Gerichte werden vorgestellt, und es findet sich auch das ein oder andere passende Rezept dazu – sei es der im Buch vorgestellte Orakelpudding, eine Minestra maritata, unnd natürlich darf auch Panettone nicht fehlen, denn dieses Hefeteiggebäck ist ja bereits im Buchtitel vorhanden, und Nonna Elsa bangt stets, ob der Hefeteig auch aufgeht, und genehmigt sich hierbei auch den ein oder anderen Pikkolo.


    Fazit:

    Alle unter einem Dach, dazu jede Menge Besuch und natürlich verläuft nicht alles nach Plan. Von Frieden, Freude, Pfefferkuchen kann wahrlich nicht die Rede sein, denn längst ist die scheinbar so heile Welt nicht so perfekt, wie sie nach außen wirkt. Und so zerplatzt so manche Traumwelt wie eine Seifenblase, und den Leser erwartet so manche Überraschung.

    Was für ein tolles und humorvolles Buch – statt Besinnlichkeit geht es bei der deutsch-italienischen Familie Maiotti zur Weihnachtszeit turbulent und chaotisch zu. Der Roman spiegelt gekonnt die italienische Lebensart wieder. Die manchmal gar nicht mal so liebenswerte Verwandtschaft, Amore und das aufgetischte Essen – all das konnte mich voll und ganz überzeugen. Gerne habe ich mit „Famiglia Maiotti“ Weihnachten gefeiert, und ich empfehle diesen herrlich herzerfrischenden Roman gerne weiter. Daher erhält dieses Buch von mir natürlich 5 (Weihnachts-)Sterne.

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    Cover des Buches Mich sollst du fürchten9783839217283

    Bewertung zu "Mich sollst du fürchten" von Katrin Rodeit

    Mich sollst du fürchten
    Cappuccino-Mamavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Der dritte Fall für Privatdetektivin Jule - ihr wohl persönlichster Fall. Und diesmal wird endlich ein großes Geheimnis gelüftet...
    Eine verschwundene Frau, ein geheimnisvoller Mann und eine Stimme aus der Vergangenheit...

    Endlich – der heißersehnte dritte Fall für Privatdetektivin Jule Flemming ist erschienen. Wie ich finde ein ganz persönlicher Fall, denn eine Stimme aus der Vergangenheit verfolgt Jule bis in ihre (Alb-)Träume.


    Das Cover:

    Durch den matten schwarzen Hintergrund wirken die Cover dieser Krimiserie immer etwas düster und zugleich geheimnisvoll. Doch durch die Gestaltung des Buchcovers besitzen die Krimis auch einen Wiedererkennungswert, denn stets ziert eine andere Pflanze das Titelbild – diesmal ist es eine Distel, deren Blüte in einem Magenta-Farbton gestaltet ist. Wie immer bei Büchern des Verlags, sind auch hier die Textfelder (diesmal in Schwarz) mit Autorennamen und Buchtitel, glänzend hervorgehoben, ebenso wie die Distel.


    Die Handlung:

    Völlig unverhofft vernimmt Privatdetektivin Jule Flemming eine Stimme, die sich in ihr Gehirn eingebrannt hat: Die Stimme des Mannes, der ihren Vater Fritz vor vierzehn Jahren kaltblütig ermordet hat. Doch ganz sicher ist Jule sich doch nicht – spielt ihr etwa ihre Fantasie einen bösen Streich?

    Aber lange hat Jule keine Zeit zum Grübeln, denn ein neuer Auftrag wartet auf sie: Karolina, ein junges Mädchen aus Polen ist spurlos verschwunden, und Jule soll sie in Ulm ausfindig machen. Die Spur führt Jule zu einem Menschenhändlerring. Doch bei ihrer Suche gerät Jule zwischen die Fronten, und auch ihre Gefühle spielen verrückt. Als Jule dann feststellt, in welcher Gefahr sie sich befindet, steckt sie bereits in einer tödlichen Falle. Wird es Jule gelingen, den Mörder ihres Vaters zu überführen. Und was geschah mit der verschwundenen jungen Frau?...


    Meine Meinung:

    Wie ich bereits erwähnte, habe ich das Erscheinen dieses Krimis herbeigesehnt – und das gleich aus zwei Gründen: Der letzte Krimi endete mit einem sehr gemeinen Cliffhanger, der den Leser dazu zwingt, auch diesen Band lesen zu wollen. Denn Jules Vater wurde vor vierzehn Jahren ermordet, und Jule war damals Ohrenzeugin des Verbrechens. Die Stimme des Mörders, da war sie sich sicher, würde sie sofort wiedererkennen – und dann hört sie diese Stimme und fühlt sich ihrem toten Vater verpflichtet, den Täter zur Rechenschaft zu ziehen, denn der soll seine gerechte Strafe erhalten. Und der zweite Grund ist, dass in diesem dritten Band endlich das Geheimnis um einen mysteriösen Protagonisten gelüftet wird.

    Dieser Band beginnt da, wo der vorherige endet – es geht also lückenlos weiter. Die Stimme des Mörders verfolgt Jule bis in den Schlaf – die damals 14jährige wurde damals Ohrenzeugin des Mordes an ihrem Vater. So etwas hinterlässt seine Spuren.

    Jule wurde von dem einschneidenden Erlebnis in ihrer Kindheit verständlicherweise sehr geprägt – sowohl beruflich als auch privat. So war Jule erst Polizistin, bevor sie als Privatdetektivin arbeitete. Durch ihre Berufswahl hoffte sie nicht zuletzt auch, den Mörder ihres Vaters dingfest zu machen. Schade finde ich immer das problematische Verhältnis, das Jule zu ihrer Mutter Elisabeth hat, denn die beiden Frauen sind grundverschieden. Dabei haben beide eine künstlerische Ader – während die Mutter gestalterisch tätig ist, ist Jule eine begabte Sängerin, die gelegentlich im Jazzkeller einen Auftritt hat.

    Immer wieder reagiert sie gereizt, ja fast schon aggressiv, auf ihre Mutter, die ihren Lebensunterhalt als Künstlerin verdient. Jules Mutter Elisabeth ist eine etwas extravagante Künstlerin, und zugegebenermaßen mitunter auch etwas anstrengend, oder gar nervtötend. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist sehr problematisch, und Jules Tonfall ihrer Mutter gegenüber meist gereizt. Dies liegt wohl auch daran, dass die Beziehung zwischen Jules Eltern nicht gerade liebevoll war – das Ehepaar hatte sich längst auseinandergelebt.

    Jule selbst ist nach einer kurzen Ehe seit einiger Zeit Single, und im zweiten Band schien es fast so, als würde aus ihr und dem Polizisten Mark, einem ehemaligen Kollegen, ein Paar werden. Doch da ist noch Andreas, und der übt auf Jule ebenfalls eine Anziehungskraft aus.

    Wie schon im letzten Band fragt sich der Leser, wer eigentlich der mysteriöse Andreas ist, der sich seit einiger Zeit häufig im Jazzkeller aufhält. Andreas wirkt mit seiner schwarzen Kleidung und den zum Pferdeschwanz gebundenen Haaren sehr geheimnisvoll – vielleicht ein Grund, weshalb sich Jule auf seltsame Art und Weise von ihm angezogen fühlt. Doch in diesem Band wird endlich die Identität von Andreas gelüftet – wer Andreas ist, versetzt nicht nur Jule in Erstaunen, sondern auch den Leser. Ist er ein verdeckter Ermittler? Ein Krimineller? Oder doch ein ganz normaler Mann, der sich nur etwas sonderbar verhält? Jedenfalls war ich erstaunt und „enttäuscht“. Wobei - ich eigentlich natürlich weniger enttäuscht, sondern vielmehr sehr überrascht war, denn ich hatte da ein vollkommen anderes „Outing“ erwartet.

    Leon ist der kleine Nachbarsjunge, der sich gerne bei Jule aufhält, denn deren Arbeit fasziniert ihn. Und so eifert er ihr nach, was ja nicht so schlimm wäre, würde er dadurch nicht in Gefahr geraten können. Doch er hört mit Jules Wissen auch den Polizeifunk ab (technisch übrigens inzwischen nicht mehr möglich) – heiligt hier der Zweck die Mittel? Normalerweise sollte Jule solche Aktionen unterbinden, denn wer weiß, auf welche Ideen ein achtjähriger Junge so kommen kann. Aber auch sonst fühlt sich Leon bei Jule wie daheim, mitunter zu sehr, wie ich fand, als er sich am Inhalt der Schränke bediente. Aber zweifellos – Leon ist eine Bereicherung für die Handlung – ein intelligenter Junge, und kleiner Neunmalklug.

    Karolina ist eine junge Polin, die vermisst wird. Jule macht sich in Ulm und in der Umgebung von Ulm auf die Suche nach ihr. Doch dann verliert sich ihre Spur. Jule forscht nach, und stößt dabei auf Dinge, die nicht ans Tageslicht kommen sollten, und die seit einiger Zeit immer wieder in der Presse thematisiert werden. Eigentlich kam die junge Osteuropäerin ja offiziell als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland, doch dann... - aber das verrate ich natürlich nicht.

    Jule ist eine leidenschaftliche Köchin, genauso wie ihre „geistige Mutter“ die Autorin Katrin Rodeit. Daher ist es schon fast Tradition geworden, dass sich im Anhang einige erprobte Rezepte befinden. Auch diesmal verwöhnt Jule (bzw. Katrin Rodeit) unseren Gaumen wieder mit kulinarischen Köstlichkeiten – auf der (virtuellen) Speisekarte stehen Straußensteaks in Rotweinsoße mit Kartoffeln, Sour Cream und Blattsalat, sowie Creme Brûlée und einen Drink namens Kettensägenmassaker – letzterer spielt im Roman eine bedeutende Rolle.

    Lokalkolorit ist in diesem Buch reichlich vorhanden, denn Dank ihrer umfangreichen Ermittlungsarbeiten nimmt Jule Flemming die Leser mit in verschiedene Orte. Mitunter hätte ich mir da schon fast einen Lageplan gewünscht. Unterteilt ist die Handlung in Kapitel, deren Überschriften aus den jeweiligen Wochentagen, an denen die Geschehnisse stattfinden. So weiß man immer, wieviel Zeit vergangen ist. Dass die Örtlichkeiten so „greifbar“ sind, liegt nicht zuletzt daran, dass Autorin Katrin Rodeit in dieser Gegend lebt, und dort auch aufgewachsen ist.

    Besonders bei (Krimi-)Serien mag ich es immer sehr, wenn die Protagonisten anhand eines Personenverzeichnisses vorgestellt werden, da man sich dann auch als „Neueinsteiger“ schon ein bisschen ein Bild von den einzelnen Personen machen kann. Schade nur, dass sich ein solches Verzeichnis (Glossar) im Anhang befindet, anstatt dass es der Handlung vorangestellt ist – hier besteht beim Blättern immer die Gefahr, dass man unfreiwillig etwas liest, das man zu Beginn noch nicht wissen möchte – schlimmstenfalls wer der Mörder ist. Hier hätte ich mir zumindest auf einer der ersten Seiten (z.B. unter der Vorbemerkung) einen kleinen, aber gut sichtbaren Hinweis gewünscht, der darauf verweist. Aber ich mag die übersichtliche Gestaltung sehr, vor allem auch, dass der Leser hier auch das Alter der Protagonisten erfährt, sowie Persönliches.

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals darauf hinweisen muss, aber im Anhang werden die bisher erschienenen Bände vorgestellt (oder je nach Menge einen Teil davon). Für mich war dies bislang eine Selbstverständlichkeit, denn wenn einem Leser das vorliegende Buch gefallen hat, möchte er vermutlich auch gerne weitere Bände der Serie lesen, oder auch weitere Bücher der Autorin. Scheinbar hat sich inzwischen die, ich möchte es mal eine Unsitte nennen, verbreitet, dass manche Verlage darauf verzichten, so dass man mitunter gar nicht erfährt, dass es weitere Bücher der Serie gibt, ohne sich selbst via Internet oder anderer Quellen zu bedienen. Ich hoffe, dass Gmeiner weiterhin im Anhang Bücher seines Programms vorstellt, denn hier findet man oft weitere Schätzchen.

    Auch dieser dritte Band dieser Regionalkrimi-Serie gefiel mir sehr gut, und die recht „unblutige“, aber dennoch spannende Handlung überzeugte mich auch diesmal. Den zweiten Band hatte ich bereits gelesen, doch auch ohne die vorherigen Bände zu kennen, sollte man diesen Krimi lesen können, da wichtige Infos, die vonnöten sind, gekonnt, und ohne dass zuviel verraten wird, in die Handlung eingestreut wurden. Ich freue mich jedenfalls auf das Erscheinen des vierten Bandes, der nächstes Jahr erscheinen soll.


    Fazit:

    Endlich wurde im dritten Band das Geheimnis um Andreas gelüftet, doch spannend bleibt es dennoch, denn Jule gerät wieder in große Gefahr. Wieder einmal gelang es Autorin Katrin Rodeit, einen Krimi zu erschaffen, der in ihrer Heimat um Ulm herum spielt, und die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten. Und Dank des Cliffhangers wartet man nach dem Lesen bereits auf Band 4 der Serie. Von mir erhält der Krimi eine Leseempfehlung, und somit 5 Sterne.

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    Cover des Buches Die magischen Augen von Stonehill9783789140594

    Bewertung zu "Die magischen Augen von Stonehill" von Juma Kliebenstein

    Die magischen Augen von Stonehill
    Cappuccino-Mamavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Ein spannendes, wunderschön gestaltetes Kinderbuch für Leser ab ca. 10 Jahren, das das Thema Freundschaft und Zusammenhalt behandelt.
    Edelsteine, Freundschaft und Geheimnisse...

    Bücher waren schon seit Kindheitstagen meine Welt, und daran hat sich bis zum heutigen Tagen nichts geändert. Doch Kinderbücher machten im Laufe der Jahre eine enorme Wandlung durch – sie wurden frecher, lebendiger und das Genre Fantasy wurde zusehens präsenter. Und so lese ich auch im Erwachsenenalter noch immer gerne Kinder- und Jugendbücher – für mich ein Stück lebendig gewordene Kindheit.


    Das Cover:

    Mir gefällt dieses kindgerechte Cover sehr gut, denn es wirkt zwar geheimnisvoll und vermittelt Spannung, wirkt aber dennoch nicht so düster dass jüngere Leser sich ängstigen. Man merkt, dass Illustratorin Monika Parciak sich offenbar mit dem Inhalt des Buches auseinandergesetzt hat, denn selbst Details entsprechen den Beschreibungen aus der Handlung.

    Das glänzende Buchcover zeigt eine nächtliche Szenerie: Auf der rechten Seite sieht man eine altertümliche Villa, die mit Holz verkleidet ist. Durch die beleuchteten Sprossenfenster fällt ein gelber, warmer Lichterschein. Die kahlen Bäume strecken ihre Äste in den nächtlichen Himmel, wo ein überdimensional großer Vollmond silbern leuchtet. Umgeben ist der Garten von einem schmiedeeisernen Zaun.

    Vor der Mondscheibe sieht man eine Katze auf dem dicken Ast eines Baumes sitzen. Sofort aufgefallen sind mir hier die violetten Augen der Katze – ein Detail, das im Buch eine Rolle spielt. Unter dem Baum steht ein Mädchen mit einem etwas ängstlichen Blick, gekleidet in einen Regenmantel, wie ihn viele in Stonehill tragen.

    Die Gestaltung des Buchtitels ist ebenfalls gut umgesetzt. Während die Worte DIE MAGISCHEN AUGEN in einem Gelb geschrieben wurden, und das Wort VON in einem Dunkelblau, ist das Wort STONEHILL sehr auffällig gestaltet. Die Buchstaben sind verschnörkelt, das Innere des O ist von einem violetten, geschliffenen Edelstein ausgefüllt, was mir sehr gefällt, da Edelsteine eine wichtige Rolle in diesem Kinderbuch haben.


    Die Handlung:

    Stonehill ist ein kleiner beschaulicher Ort, dem nur wenige Bewohner fehlen, um als Stadt zu gelten – 4995 Einwohner zählt der Ort, nur fünf Einwohner fehlen, damit Stonehill zur Stadt ernannt wird. Doch dann ziehen die Burrows in eine alte Villa ein. Lucy Anderson, die mit ihrer Familie in Stonehill lebt, freundet sich schnell mit ihrer neuen Mitschülerin Viola an. Aber bereits nach Violas erstem Besuch bei den Andersons, ist der Smaragdring von Lucys Mutter spurlos verschwunden.

    Schnell hat Lucy den Verdacht, dass mit Viola und ihrer Familie irgendetwas nicht stimmt, denn die Burrows verhalten sich sehr sonderbar. Selbst Cleopatra, die Katze der Burrows, die Viola nicht einmal in der Schule nicht von der Seite weicht, wirkt sehr mysteriös und geradezu unheimlich. Und immer wieder hat Lucy das Gefühl, dass jemand heimlich beobachtet.

    Doch seit die fünfköpfige Familie Burrow eingezogen sind, ist nichts mehr wie es war – vorbei ist es mit der Langeweile in Stonehill. Doch dann geschehen seltsame Dinge, und Lucy und ihre Freunde beschließen, das Geheimnis der Burrows zu lösen. Dabei kommen sie einem Geheimnis auf die Spur. Aber die Burrows sind schlau, und es scheint, als würden sie über magische Fähigkeiten verfügen. Und dann kommt ein großer Moment für Stonehill – die Nacht der Entscheidungen, die über das Schicksal von Stonehill entscheidet...


    Meine Meinung:

    Nachdem ich bereits vor längerer Zeit zwei sehr unterschiedliche Bücher von Juma Kliebenstein gelesen hatte (eines davon zusammen mit meinem Sohn, der begeistert war), war ich gespannt, mit welcher Handlung das neue Buch mich überraschen würde. Nachdem die Autorin bereits das Cover im Internet präsentiert hatte, wartete ich gespannt auf das Erscheinen des Kinderbuchs. Bei mir war die Neugier insofern bereits im Vorfeld geweckt...

    Lucy, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, lebt in einem Ort, in dem die Leute von den Edelsteinen leben – sie werden in Minen abgebaut, geschliffen und zu Schmuckstücken verarbeitet. Lucy besitzt, so wie die anderen Kinder auch, eine Sammlung verschiedenster Edelsteine. Die Mutter ist Goldschmiedin, der Vater arbeitet in der Edelsteinmine. Lucy hat einen jüngeren Bruder namens David, einen Zwillingsbruder, der Tim heißt, und einen älteren Bruder, der sechzehn Jahre alt ist und Jeremy heißt. Ich finde das Haus der Andersons, obwohl es stets etwas chaotisch wirkt, sehr gemütlich und heimelig.

    Viola Burrow wirkt stets sehr nett und höflich, aber erzählt sehr wenig über ihr Leben. Zu wenig, für meinen Geschmack, da drängt sich mir förmlich der Verdacht auf, dass sie etwas verheimlicht. Die Eltern sind Edelstein-Händler, und Viola erzählt, sie hätten zuvor in Virginia gelebt . Optisch fällt Viola bereits auf den ersten Blick auf, sei es durch ihre langen schwarzen Haare, oder durch ihre lila Kleidung – passend zum Namen.Viola ist Einzelkind und freut sich, eine Freundin gefunden zu haben, die eine große Familie hat. Sie genießt es, sich bei Lucy aufzuhalten. Die Familie von Viola fand ich sehr unheimlich, ganz besonders jedoch die Mutter, da fand ich den Vater anfangs viel sympathischer.

    Cleopatra, die Katze der Familie Burrow, wirkt sehr geheimnisvoll und etwas mysteriös. Eine Katze mit violetten Augen. Und die Lehrerin erlaubt Viola, die Katze mitzubringen, obwohl das sonst keiner darf, da seit einem Vorfall in der Schule ein striktes Tierverbot herrscht. Verfügt die Katze oder das Mädchen darüber, Leute beeinflussen zu können? Ich liebe Katzen, aber Cleopatra fand ich weder niedlich, noch sonderlich liebenswert – viel mehr wirkte sie auf mich recht unheimlich. Ich hatte gar den Verdacht, sie wäre eine Spionin, oder

    Dr. Watson ist ja ein witziger Goldfisch (der auch schon mal in der Kindergartentasche von David landet). Ich mag die Zwiegespräche, die Lucy mit ihm führt, sehr gerne. Wunderbar, das diese Szenen durch eine andere Schrift hervorgehoben wurde. Man hat den Eindruck, dass Dr. Watson auf das reagiert, was Lucy ihm erzählt – mal wirkt er eher unbeteiligt, dann wieder scheint er sehr aufgeregt zu sein.

    Jenny, die Lucys beste Freundin und zugleich auch ihre Cousine ist, ist eifersüchtig auf die neue Klassenkameradin Viola, und lehnt sie wohl vor allem deshalb ab. Auf mich wirkte das Mädchen zwar etwas zickig, doch wenn es darauf ankommt, halten die Kinder der Maple Street zusammen wie Pech und Schwefel.

    Wo ist der Ring von Lucys Mutter? So recht mag die Mutter wohl Viola nicht verdächtigen, dazu mag sie das freundliche Mädchen zu sehr. Statt Viola vorzuverurteilen, hofft sie, der Ring würde wieder auftauchen. Oder hat Cleo etwas mit dem Verschwinden des Ringes zu tun? Schließlich interessierte die Katze sich für das Schmuckstück. Mir gefällt die Familie Anderson sehr gut, und sie ist so ganz anders alsViolas Familie.

    Die strenge Klassenlehrerin Mrs Hersham, heimlich Marshie genannt (weil sie schon bei der ersten Begegnung an einen Marshmallow erinnerte), mochte ich gar nicht, ich fand sie regelrecht unsympathisch. Zwar konnte „Marshie“ sich gut durchsetzen, aber sie wirkte auf mich sehr humorlos und war in meinen Augen keine Vertrauensperson für ihre Schüler.

    Sehr gut gefällt mir die Länge der Kapitel – das Buch mit den 271 Seiten ist unterteilt in 30 Kapitel, die zudem noch mit Illustrationen versehen sind. Das bedeutet, dass die einzelnen Kapitel eine angenehme Länge haben, sich auch für weniger geübte Leser eignen, was ich sehr wichtig finde. So kann man auch vor dem Schlafengehen gemeinsam ein oder mehrere Kapitel lesen. Sehr schön finde ich übrigens die Gestaltung der Kapitel: Die Kapitel wurden durchnummeriert, tragen aber auch immer eine passende Überschrift, zudem gibt es immer eine kleine Illustration dazu. Die Schwarz-Weiß-Illustrationen sind fast immer ganzseitig und wieder mit viel Liebe zum Detail. Überhaupt finde ich es wichtig, dass sich Illustrationen in einem Kinderbuch befinden, denn diese bieten einen zusätzlichen Anreiz, um zu einem Buch zu greifen. Denn leider besteht nicht die ganze Welt aus Leseratten und Bücherwürmern.

    Sehr ansprechend fand ich, dass Zeitungsberichte, die im Buch vorkamen, auch wie solche gestaltet waren. Ebenso waren Lucys „Gespräche“ mit Goldfisch Dr. Watson optisch hervorgehoben – die Schrift dieser Textpassagen wirkt kleiner und auch zierlicher. Die Schriftgröße (bezogen auf den Haupttext) gefiel mir ebenfalls, sie ist nicht zu klein, allerdings auch nicht so groß, dass das Buch den Eindruck hinterlässt, es würde es sich um ein Buch für Leseanfänger handeln.

    Die Einleitung in Form eines Vorworts weckt die Neugier bereits auf den ersten Seiten. Hier erhält die Autorin eine Mail von ihrer Freundin Christine, die mit ihrer Familie im Osten Amerikas lebt. Einige Tage später trifft ein Brief von Christines Tochter Lucy ein. Neben diesem Brief von Lucy, liegt dem Päckchen ein vollgeschriebenes Heft bei, das die Geschichte der magischen Augen von Stonehill erzählt. Und man sieht im Laufe der Handlung, wie unterschiedlich Erwachsene und Kinder ein und das selbe Ereignis wahrnehmen - so manches bleibt den Augen der Erwachsenen dabei verborgen.

    Natürlich sollte in einem Kinderbuch auch der Humor nicht zu kurz kommen, auch in diesem Buch gibt es kleine Episoden, die mich beim Lesen zum Schmunzeln brachten. So brachten einige Jungs beim Haustiertag in der Schule, als man Käfigtiere mitbringen durften, einen großen Hund im Käfig mit. Seither sind Tiere in der Schule ein Tabu – bis zu jenem Tag, als Viola in Begleitung von Cleo auftauchte.

    Eine kleine Kritik habe ich dennoch – allerdings richtet sich diese an den Verlag. Ich habe am Ende des Buches die Buchempfehlungen vermisst. Leider bürgert sich diese Unsitte in Zeiten des Internets scheinbar immer mehr ein. Ich hätte mir gewünscht, dass in einem Anhang weitere Bücher der Autorin vorgestellt werden, die bereits in diesem Verlag erschienen sind. Und dass sich auf dem Buch eine Altersempfehlung findet, ist leider inzwischen üblich.

    Das Buchformat des gebundenen Buches gefiel mir sehr gut, denn es ist etwas größer als ein Taschenbuch und hat zudem eine angenehme Papierstärke – die Seiten sind, wie bei Kinderbüchern üblich, relativ dick. Auch daher finde ich den Preis von 12,99 Euro als angemessen. Das empfohlene Lesealter wurde vom Verlag mit 10 bis 12 Jahren angegeben, wobei man sicherlich auch auch dem ein oder anderen Leser ab acht Jahren das Buch geben kann, dann allerdings sollte man das Buch besser zusammen lesen, sonst könnten den ein oder anderen jungen Leser vielleicht doch DIE MAGISCHEN AUGEN VON STONEHILL mit ihren unheimlichen Blicken im Schlaf verfolgen.

    Wieder einmal ist es Juma Kliebenstein, gelungen, ein weiteres spannendes Buch für Kinder zu schreiben. Die ehemalige Lehrerin, die seit einigen Jahren erfolgreich als Autorin für Kinder- und Jugendbücher tätig ist, wurde 1972 im Saarland geboren. Hierbei zeigt sie ein facettenreiches Können – während DER TAG, AN DEM ICH COOL WURDE eher ein Buch für Jungs ist, hat sie mit BETTYS ULTIMATIVER BERATER-BLOG ein Buch mit Themen verfasst, die Mädchen interessiert. Mit DIE MAGISCHEN AUGEN VON STONEHILL hat sie eine weitere Seite ihres Könnens gezeigt – dieses abenteuerliche Buch würde ich dem Genre Fantasy zuordnen. Auch wenn das Buch aus der Perspektive eines Mädchens erzählt wird, eignet sich das Buch gleichermaßen auch für Jungs. Mal sehen, was die jungen (und älteren) Leser als nächstes erwartet.


    Fazit:

    Spannend, mysteriös, fantasievoll und durch wundervolle Illustrationen ergänzt – so präsentiert sich das neueste Buch von Juma Kliebenstein. DIE MAGISCHEN AUGEN VON STONEHILL ist nicht nur abenteuerlich, sondern behandelt auch die Themen wie Freundschaft und Zusammenhalt. Von mir erhält dieses Mystery-Kinderbuch eine absolute Leseempfehlung, und erhält von mir deshalb die Höchstwertung von 5 Sternen.

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    Cover des Buches Null-Null-Siebzig - Truthahn, Mord und Christmas Pudding9783423216074

    Bewertung zu "Null-Null-Siebzig - Truthahn, Mord und Christmas Pudding" von Marlies Ferber

    Null-Null-Siebzig - Truthahn, Mord und Christmas Pudding
    Cappuccino-Mamavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Britischer Humor aus Deutschland - Zum ermitteln ist man nie zu alt - James und Sheila ermitteln wieder. Leider ist der 4. Fall der letzte.
    Oh, du besinnliche, mörderische Weihnachtszeit...

    „Mein Name ist Gerald – James Gerald!“ - So, oder so ähnlich könnte sich die Hauptperson dieses Krimis den Lesern vorstellen. Schon länger liebäugle ich mit der Buchserie 0070 von Marlies Ferber. Hier ermitteln nicht junge, sportliche Kommissare, sondern alte Leute im Rentenalter.


    Das Cover:

    Was für ein tolles, stimmungsvolles Cover. Ich liebe diese weihnachtliche Szenerie mit dem warmen Farbton. Das Cover ist matt gehalten, jedoch wurde die hellgrüne Schrift des Buchtitels glänzend hervorgehoben.

    Zu sehen ist auf dem Cover ein weihnachtliches Zimmer, das abgedunkelt ist. Links ragt ein beleuchteter Weihnachtsbaum ins Bild, rechts sieht man eine angeschaltete Lichterkette am Boden liegen. Im Mittelpunkt stehen jedoch eindeutig die zwei Personen, von denen aufgrund der schummrigen Beleuchtung nur wenige Details zu sehen sind. Eine attraktiv wirkende Frau mit verschränkten Armen blickt dem Betrachter entgegen, während ein alter Mann in Anzug und mit Hut, dem Betrachter den Rücken zuwendet. In seiner rechten Hand hält er eine Waffe, die er mit dem Lauf zur Decke gerichtet hat. Sehr gut gefällt mir der angedeutete Stempel, auf dem eine Krone und eine Waffe abgebildet ist, sowie der Hinweis: „Ein neuer Fall für Agent 0070“.

    Schade, dass auf der Rückseite des Buches nicht wenigstens ein oder mehrere Cover dieser Serie abgebildet sind, denn das mag ich immer sehr gerne.


    Die Handlung:

    Der ehemalige Agent James Gerald und seine Freundin und Nachbarin Sheila Humphrey wollten eigentlich die Vorweihnachtszeit im winterlich verschneiten London genießen. Doch da schlägt das Schicksal in Form eines heimtückischen Mörders zu – Sheilas Freundin Rosalind, eine ehemalige Jugendrichterin, wird auf dem Friedhof brutal ermordet. Aber bald schon stellt James sich die Frage, ob dieser Mordanschlag in Wirklichkeit nicht doch seiner Freundin Sheila galt, denn eigentlich wollte Sheila just zu diesem Zeitpunkt ebenfalls auf dem Friedhof sein. Und schnell hat er einen Verdächtigen: Trachtet Sheilas Freund Bruce Rigsby, der sich bei ihr eingenistet hat, ihr nach dem Leben?

    Doch viel Zeit hat James nicht, um lange nachzudenken, denn gemeinsam mit Sheila nimmt er an einem Theaterprojekt zur Integration entlassener Straftäter teil. Und Sheila steckt zudem bis über beide Ohren in den Weihnachtsvorbereitungen, und nimmt James' Sorgen einfach nicht ernst...


    Meine Meinung:

    Nein, James Bond mag ich nicht, ebensowenig wie andere Agentenfilme, lediglich Parodien solcher Filme gefallen mir oft, so wie Rowan Atkinson in der Rolle des Johnny English. Dafür mag ich aber sehr gerne humorvolle Krimis, gerne auch mit originellen Ermittlern, sowie den englischen Humor – auch wenn dieser bisweilen einer deutschen Tastatur entstammt. Insofern entspricht wohl auch diese Buchserie meinem Beuteschema.

    Auch wenn ich die ersten drei Teile dieser Krimiserie noch nicht gelesen habe, so gelang mir der „Einstieg“ in diesen vierten Band sehr gut – Dank der kurzen Erklärungen, die in die Handlung eingearbeitet wurden. Da dieser Roman wunderbar als Lesestoff für die Weihnachtszeit geeignet ist, kann man getrost auch mit diesem Band beginnen, wobei einem dadurch natürlich etwas an Lesefreude entgeht, denn nichts ist schöner, als eine hervorragend geschriebene Serie komplett zu lesen. Die vierteilige Krimiserie umfasst übrigens ein Jahr im Leben von James und Sheila, die beide beim britischen Geheimdienst SIS gearbeitet haben.

    Das Buch beginnt bereits turbulent. Viel Zeit zum Durchatmen lässt Marlies Ferber den Lesern nicht, denn schon auf den ersten Seiten schlägt der Mörder gnadenlos zu. Und schon befindet man sich mittendrin in einer „kriminellen Handlung“, bei der auch der Humor nicht zu kurz kommt. Und die Protagonisten sind einfach nur toll.

    James Gerald hat in seinem Leben schon viel erlebt – er kämpfte gegen feindliche Agenten und Attentäter, doch nun, da er siebzig Jahre alt ist, hat er es mit einem „Feind“ zu tun, der für ihn eine große Herausforderung darstellt: Der dreijährige Jamie. James, der vor seiner Beziehung mit Sheila alleinstehend war, ist im Umgang mit Kindern ganz offensichtlich sehr unbeholfen und verunsichert, und schon alleine die Aussicht, sich um den Jungen kümmern zu müssen, treibt ihm fast den Angstschweiß auf die Stirn.

    Und auch wenn James offiziell bereits im Ruhestand ist, so gilt doch eines: Einmal Agent, immer Agent. So begegnet James seinen Mitmenschen stets mit Skepsis. Selbst Sheilas Jugendfreund Bruce bleibt davon nicht verschont, sehr zu Sheilas Ärger. James ist ein alter Brummbär, aber wie heißt es immer? Harte Schale, weicher Kern!

    Sheila Humphrey ist nicht nur die Freundin von James, sondern wohnt zudem Tür an Tür mit ihm. Sheila ist seit einigen Jahren verwitwet – ein Schicksal, das sie mit ihrer Freundin Rosalind teilt. Zwar arbeitete auch Sheila beim Geheimdienst, doch im Gegensatz zu James war sie „nur“ als Sekretärin im Innendienst tätig. Doch auch die flotte Endsechzigerin hat so ihre kleinen Geheimnisse – so weiß James nach all den Jahren noch immer nicht, wann sie Geburtstag hat, denn dies konnte sie ihren Kollegen und somit auch James immer erfolgreich verheimlichen.

    Während James der geborene Einzelgänger ist, liebt Sheila es sehr, viele Menschen um sich zu haben – je mehr, desto besser. Wie schön wäre es, Weihnachten im Kreis all ihrer Lieben zu feiern – für James ist dies jedoch eher ein Albtraum. Der etwas brummelige „Kopfmensch“ James und die sanfte, liebenswerte Sheila mit ihrer herzlichen Art, die lieber auf ihr Bauchgefühl vertraut, wirken zwar recht unterschiedlich, jedoch verbindet sie das Allerwichtigste: Die Liebe zueinander! Und angeblich ziehen Gegensätze sich ja an...

    Jamie ist drei Jahre alt und ein wahrer Satansbraten. Sheila, die nun im Ruhestand ist, hat sich nicht nur Hund Higgins ins Haus geholt, sondern kümmert sich, zu James' Missfallen um den Urenkel eines Exmannes ihrer betagten, steinreichen Mutter. Während Sheila sich immer darüber freut, wenn sie auf den lebhaften Jungen aufpassen darf (und ihn bei dieser Gelegenheit auch gerne verwöhnt), hält sich die Freude bei James doch sehr in Grenzen – und das ist noch stark untertrieben – James fügt sich nur Sheila zuliebe seinem Schicksal, als Babysitter zu fungieren.

    Kinder und Tiere stellen in Büchern doch stets eine Bereicherung dar. Hier hat man, zu meiner Erheiterung, gleich beides. Und selbst tote Tiere (in diesem Fall ein Kaninchen) können für so manche heitere Episode sorgen. Ich liebe die Szenen mit Jamie, der den „kampferprobten“ James mitunter an seine Grenzen bringt – und sogar aufs Polizeirevier. Ich habe mich köstlich amüsiert, denn man merkte schnell, dass James über mangelhafte Erfahrung und Fähigkeiten im Umgang mir Kindern hat.

    Bruce Rigsby ist ein Jugendfreund von Sheila. Nachdem die beiden sich ganze fünfzig Jahre nicht gesehen haben, taucht er eines Tages bei Sheila auf. Doch James ist davon alles andere als begeistert – ist er nur eifersüchtig auf Bruce, oder ist seine Sorge um seine Freundin berechtigt? - Schließlich wurde Bruce verdächtigt, seine Frau ermordet zu haben. Ist es nur eine Berufskrankheit, allem zu misstrauen in Verbindung mit Eifersucht, die dazu führt, dass James die Flöhe husten hört? Ich jedenfalls vermochte es nicht, Bruce einzuschätzen, wobei er auf mich mitunter schon etwas suspekt wirkte. Dass er nach Jahrzehnten einfach so auftauchte, war schon sehr verdächtig – oder war es doch nur die Sentimentalität eines alten Mannes, der auf sein Leben zurückblickt? Dass sich Bruce jedoch bereits in Pantoffeln (!) „breitgemacht“ und sich bei Sheila wie zu Hause fühlt, kratzt doch schon sehr an James' Ego.

    Sheilas betagte und steinreiche Mutter Phyllis sitzt zwar im Rollstuhl, aber dennoch ist die schrullige alte Dame keineswegs zu unterschätzen, vielmehr hat sie es faustdick hinter den Ohren. Freunde werden sie und James wohl in diesem Leben nicht mehr werden. Ich fand die neunzigjährige Phyllis einfach nur toll. Als Mann ist man nicht nur mit seiner Freundin zusammen, sondern mitunter auch unfreiwillig mit deren Mutter.

    Margaret ist eine Bekannte von Sheila. Die Ehe der sehr dominanten Frau, die seit über vierzig Jahren mit einem ebenso dominanten Mann verheiratet ist, gleicht einem Drama. So musste Sheila Margaret bereits mehrmals bei sich aufnehmen, wenn diese wieder einmal mit ihrem Mann zerstritten war. Doch nun wohnt ja bereits Bruce bei Sheila. Ausgerechnet jetzt benötigt Margaret Obdach, und obwohl James Margaret nicht besonders mag, hat er eine Idee.

    Die Theatergruppe spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, denn Sheila und James gehen unter die Schauspieler. Sie treten einem Laientheaterprojekt zur Integration entlassener Strafgefangener bei. Doch welcher der Darsteller hat etwas auf dem Kerbholz? James und Sheila spekulieren, doch werden sie das Rätsel lösen können? Natürlich soll in der Weihnachtszeit ein thematisch passendes Theaterstück aufgeführt werden, und passenderweise geht es in „The Christmas Pudding“ um einen hinterhältigen Mord.

    Ich liebe den feinen, unaufdringlichen Humor der Autorin, sowie den tollen Erzählstil. Während des Lesens hatte ich oft ein Lächeln auf den Lippen, und manches Mal musste ich angesichts der Ereignisse lauthals loslachen. Schon zu Beginn fällt der Satz: „Ich gehe mich entrosten!“, und die Vorstellung, wie Sheila mit Kleinkind und Hund vor der Tür steht, und alle drei Regenmäntel tragen, ist einfach köstlich. Während Phyllis unter dem Sterbenden-Schwan-Syndrom leidet, hat Bruce für sein Alter schon ein „bemerkenswert ausdrucksloses Gesicht“. - Ein echt gelungenes Jonglieren mit Worten.

    Aber auch der „schwarze Humor“ darf natürlich nicht fehlen. Und so diskutieren James und Sheila wer im Familiengrab, in dem bereits Sheilas Mann beigesetzt ist, in der Mitte liegen darf. Und welches Lied könnte besser zu einer Beerdigung passen, als der Song „If you leave me now“!?

    Die Agenten-Methoden von James fand ich sehr unterhaltsam – sei es das Versteck seiner Waffe, seine Überwachungsmethoden (die sollten unbemerkt bleiben, stellen aber James dadurch vor so manches Hindernis), oder seine Hilfsmittel, wie den Rollator, der nicht nur als Transporthilfe dient, sondern auch noch mit Extras versehen wurde. Dass James heimlich hinter dem Rücken seiner Freundin Sheila ermittelt, bringt ihn in so manche unangenehme Situation, denn keinesfalls darf Sheila Verdacht schöpfen, dass ihr Freund sie und ihren Jugendfreund Bruce bespitzelt. Dabei benötigt er allerdings immer wieder die Hilfe und Unterstützung seines Freundes und ehemaligen Kollegen David.

    Was mir ebenso gefiel, war die kleine britische Weihnachtsgeschichte über „Robin Redbreast“. Diese Rotkehlchen-Geschichte, die der Handlung vorangestellt ist, ist ganz bezaubernd und passt wunderbar zur Handlung, denn Sheila liebt das kleine zutrauliche Rotkehlchen sehr, das sie immer besucht.

    Der 320 Seiten starke Krimi ist in 32 Kapitel + Prolog und Epilog unterteilt. Abgerundet wird das Buch durch einige Dankesworte der Autorin, in denen sie etwas über die Entstehungsgeschichte verrät. Vermisst habe ich jedoch am Ende des Buches die Seiten, auf denen die anderen Teile dieser Serie vorgestellt werden. Ein schönes Extra wären übrigens noch die passenden Rezepte aus der Handlung gewesen. Lobend möchte ich erwähnen, dass sich auf der Rückseite des Buches ein deutlich hervorgehobener Hinweis darauf findet, dass es sich um den vierten Fall für Ex-Agent James Gerald handelt – mitunter ist es bei Serien oft nicht klar ersichtlich, dass es sich um eine Serie handelt, und um welchen Teil.

    Ich hätte mich zwar über einen weiteren Teil gefreut, doch leider beendet dieser vierte Teil die 0070-Serie um Sheila und James. Doch um es mit einem James-Bond-Filmtitel zu sagen (auch wenn ich kein Fan von ihm bin): Sag niemals nie! Und bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Aber mir bleiben immerhin noch die drei Vorgängerbände, die ich, sollte es sich ergeben, bei Gelegenheit auch noch lesen werde.


    Fazit:

    Wer ist schon James Bond, Agent 007?! James Gerald, Agent 0070 ist doch tausendmal witziger und origineller! Ich habe mich sehr beim Lesen amüsiert, und Dank der lebendigen, oft humorvollen Handlung, des kurzweiligen Schreibstils und der Charaktere flogen die Seiten nur so dahin – ein wunderbarer deutscher Krimi mit „englischem Humor“. Es muss nicht immer viel Blut fließen, damit ein Krimi spannend ist. Wer einen eher unblutigen Krimi bevorzugt, demjenigen sei diese Krimiserie wärmstens empfohlen. Von mir erhält dieser wundervolle, weihnachtliche Roman von Englandfan Marlies Ferber die Höchstwertung von 5 (Weihnachts-)Sternen.

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    Cover des Buches Morgen ist ein neues Leben9783548286563

    Bewertung zu "Morgen ist ein neues Leben" von Kerstin Hohlfeld

    Morgen ist ein neues Leben
    Cappuccino-Mamavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Erinnerungen an ein Kinderlied, Geheimnisse, die Macht der Liebe, schicksalhafte Begegnungen und drei Frauen auf der Suche nach sich selbst
    Drei Frauen auf dem Weg zu sich selbst und die Macht der Liebe

    Ein neues Buch von Kerstin Hohlfeld – das konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen! Ich liebe den Schreibstil dieser sympathischen Autorin, von der ich bereits einige Bücher gelesen habe. Kerstin Hohlfeld schreibt sehr einfühlsam, hat auch keine Scheu, sensible Themen in Angriff zu nehmen, wie es auch in diesem Buch der Fall war. Eine Mutter, die ihr Kind zurücklässt, ist für die meisten Leser wohl nur sehr schwer vorstellbar.


    Das Cover:

    Das Buchcover ist matt gehalten und als Motiv wurde das Meer gewählt, das trotz seiner verschiedenen Farbschattierungen sehr ruhig wirkt und Ruhe ausstrahlt. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch den Hintergrund. Hier sind Berge zu sehen, die offensichtlich mit Bäumen dicht bewachsen sind – ein grüner, naturbelassener Dschungel, darüber der Himmel mit einigen Wolken – ein Idyll in Blau und Grün.

    Doch es wurde ein zweites Motiv hinzugefügt – ein glänzendes, größtenteils gelbes Muster, das ich als Mandala bezeichnen würde, und das mittig geteilt wurde. Die beiden Halbkreise rahmen die Landschaft geradezu ein. Der Buchtitel ist ebenfalls in Gelb geschrieben, so dass das gesamte Cover sehr harmonisch wirkt.


    Die Handlung:

    Tanja Wellenstein ist mit Ende zwanzig alles andere als zufrieden mit ihrem Leben: Sie hat Übergewicht, hat keinen Partner, und würde gerne beruflich umsatteln. Zudem vermisst sie ihre Mutter, an die sie sich kaum noch erinnert. Geblieben sind ihr lediglich ein Foto, sowie die Erinnerung an ein Kinderlied - „Backe, backe Kuchen...“. Doch ihre Mutter kam vor zwanzig Jahren während einer Reise ums Leben, und Tanja wuchs deshalb bei ihren strengen Großeltern auf. Doch deren Ansprüche genügte Tanja nie, sie konnte die Anforderungen, die an sie gestellt wurden, nie erfüllen.

    Aber dann erfährt Tanja eines Tages zufällig, dass ihre Mutter noch lebt, und sie macht sich auf den Weg nach Langkawi, der Insel, die nun das Zuhause ihrer Mutter Valentina ist. Doch diese kämpft nach einem schweren Unfall um ihr Leben. Werden die beiden Frauen sich jemals wiedersehen?...


    Die Protagonisten:

    Die Ärztin Helena Sander, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Star eines TV-Reality-Formats, fühlt sich in letzter Zeit völlig überarbeitet – sie kann sich nicht konzentrieren, leidet unter Schwindelanfällen und ist ständig müde. Völlig unverhofft begegnet sie nach fast zwanzig Jahren ihrem ehemaligen Freund Michael wieder, der als Kameramann arbeitet. Selbst die Gegenwart ihres attraktiven Ehemanns Martin ist ihr manchmal zuviel – wie sehr sehnt sie sich bisweilen nach einem Moment der Ruhe. Doch nun ist sie 40. Ihr Mann verdient als Steuerberater hervorragend, liebt Kinder, Tiere und klassische Musik, und zudem liest er seiner Frau jeden Wunsch von den Augen ab. Viele Frauen beneiden Helena um ihren aufmerksamen und liebevollen Mann. Aber alles wissen selbst ihre Freundinnen nicht über Martin.

    Anfangs mochte ich Helena gar nicht, ich fand sie egoistisch, hatte sie doch vor allem ihren beruflichen Erfolg im Fokus. Für die Bemühungen ihres Mannes schien sie wenig empfänglich, wirkte ihm gegenüber (fast schon) kühl. Nun, im Urlaub in West-Malaysia, fern des Alltags, hat sie endlich die Zeit und Gelegenheit über ihr Leben und vor allem auch ihre Beziehung nachzudenken.

    Martin fand ich nett und freundlich – eigentlich ein Traummann, wie frau ihn sich wünscht: Zuvorkommend, aufmerksam und er liest seiner Frau stets die Wünsche von den Augen ab, zumindest hat es den Anschein. Doch Helena bemängelte an ihm, dass er zu perfekt war, so z.B. friedliebend und Konflikten stets aus dem Wege gehend. Mir tat Martin leid, während ich Helena einfach unmöglich fand – er will Kinder, sie hält ihn in Sachen Familienplanung hin – und das noch nach mittlerweile zehn Jahren Ehe. Statt Klartext zu reden, lässt sie ihn hoffen. An erster Stelle scheint immer ihre eigene Klinik zu stehen. Doch dann bekommt Helena zu ihrem runden Geburtstag eine Reise nach Malaysia geschenkt, die sie alleine antreten darf. Doch weshalb ist Martin plötzlich nicht mehr für seine Frau erreichbar? War es doch bislang immer so, dass er ihr kaum Luft zum Atmen ließ – so der Eindruck von Helena.

    Tanja ist 29 Jahre alt, übergewichtig (jedoch bildhübsch), und arbeitet als Kassiererin. Doch gerne würde sie eine Ausbildung beginnen – entweder möchte sie etwas mit Kosmetik oder mit Tieren erlernen. Tanja hat nur ihre äußerst selbstbewusste Freundin Melanie, die zu ihr hält, bei ihren Großeltern findet sie kein offenes Ohr. Ihre gertenschlanke, disziplinierte Großmutter Uta arbeitet mit ihren 69 Jahren noch immer in Vollzeit als Chefärztin. Uta und Lutz nahmen ihre Enkelin vor mehr als zwanzig Jahren bei sich auf, als ihre Tochter tödlich verunglückte, und nach all den Jahren vermisst Tanja ihre Mutter noch immer. Doch Liebe findet Tanja bei den kaltherzigen Großeltern nicht, und Trost findet sie nur, indem sie sich mit Essen vollstopft. Doch dann erfährt Tanja durch einen Zufall, dass ihre Mutter noch lebt.

    Mir tat Tanja leid, denn sie hat stets die „perfekten“ Großeltern Lutz und Uta vor sich, denen sie es nie recht machen kann. Sie fühlt sich ungeliebt - kein Wunder, dass die junge Frau am Leben verzweifelt und es ihr an Selbstbewusstsein mangelt. Der Kummer hat das einst schlanke Mädchen dick werden lassen, denn sie frisst den Kummer sprichwörtlich in sich hinein, legt sich eine Art Schutzpanzer in Form von Kummerspeck zu. Das Verhalten der dominanten, selbstherrlichen Großeltern, vor allem der Großmutter Uta, machte mich geradezu wütend.

    Valentina „Tina“ Williams ist eine Tierärztin. Seit fünf Jahren ist die Endvierzigerin von ihrer großen Liebe, den vermögenden Jonathan “Jo“ geschieden. Der 52jährige Millionär ist mit der 24jährigen Kendra verheiratet, mit der er zwei süße Töchter hat. Doch die Ehe mit der so viel jüngeren Frau ist nicht sehr glücklich, und da Kendra das Klima nicht verträgt, sind beide oft für einige Monate getrennt. Doch Valentina und Jonathan haben eine Affäre miteinander begonnen.

    Die tierliebe Valentina gefiel mir gut. Sie opfert sich für ihren Beruf regelrecht auf, das Schicksal meint es nicht gut mit ihr. Schade, dass ihr Liebesglück nie ganz ungetrübt war, denn das Leben hatte Valentina nur all zu oft übel mitgespielt.

    Uta, Tanjas Großmutter, ist die Disziplin in Person – die gertenschlanke Chefärztin arbeitet trotz ihrer 69 Jahre noch immer. Eine warmherzige Oma war sie ihrer Enkelin, die sie vor mehr als zwanzig Jahren bei sich aufgenommen hatte, nie. Sie verlangt Gehorsam und Dankbarkeit, stellt hohe Erwartungen an Tanja und bestimmt noch immer über das Leben der inzwischen erwachsenen Frau. Gegenüber den ach so perfekten Großeltern zu bestehen ist fast unmöglich. Die bestimmende Art von Lutz und Uta machte mich geradezu wütend.


    Meine Meinung:

    Nachdem ich von Kerstin Hohlfeld die Rosa-Redlich-Serie verschlungen habe, war ich nun gespannt auf ihr neuestes Buch MORGEN IST EIN NEUES LEBEN. Vom Schreibstil her ist dieser Roman ein vollkommen anderer – ernsthafter, vielleicht „erwachsener“ - im positiven Sinne. Wo die vorherigen Romane jung, beschwingt und humorvoll sind, ist die Handlung hier eher nachdenklich – vergleichen kann man die Romane nicht wirklich miteinander, was aber auch gut ist.

    Dieser (Schicksals-)Roman beschäftigt sich mit dem Leben von drei Frauen, und spricht als Leser daher wohl auch eher Frauen an. Die Thematik ist eine eher ernste – Helena, im Beruf äußerst erfolgreich, hat sich innerlich von ihrem Mann Martin entfernt. Tanja wächst nach dem (angeblichen) Tod der Mutter bei ihren Großeltern auf, fühlt sich ungeliebt und frisst im wahrsten Sinne des Wortes ihren Kummer in sich hinein, und sie scheint bislang noch nicht „angekommen“ zu sein in ihrem Leben. Und Valentina liebt noch immer ihren geschiedenen Mann Jonathan, doch der ist inzwischen wieder verheiratet, scheint für sie endgültig verloren zu sein.

    Die Handlungsorte des Romans sind zum einen Deutschland (Valentina wuchs in der ehemaligen DDR auf), aber auch Malaysia im fernen Südostasien. Kannte ich bislang die Andamanensee (die übrigens ein Teil des Indischen Ozeans ist) noch gar nicht, so habe ich seit diesem Sommer bereits den dritten Roman gelesen, der an diesem Gewässer spielt. Das Leben auf der Insel ist sehr gut beschrieben, sei es das dortige tropische Klima, die Tier- und die Pflanzenwelt, oder auch das bezaubernde Haus, in dem Jo und Valentina ihre gemeinsamen Jahre verbrachten. Dass die Insel so lebendig in Szene gesetzt wurde, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass die Autorin den Handlungsort bereits selbst bereist hat.

    MORGEN IST EIN NEUES LEBEN ist ein sehr herzberührender Roman, der mich innerlich sehr aufgewühlt hat, und der mich manchmal richtig wütend machte - aber das ist ja nicht schlecht für einen Roman, wenn er Emotionen erzeugt - ob negativ, oder positiv. Ein Leser, der beim Lesen die Handlung miterlebt, ist wohl der beste Beweis dafür, dass ein Buch authentisch wirkt.

    Unterteilt ist das ca. 363 starke Lesevergnügen in 23 Kapitel, die sehr „lesefreundlich“ sind, also in angenehm zu lesender Länge. So kann man kurz mal zwischendurch eines oder mehrere Kapitel lesen. Der flüssige Schreibstil von Kerstin Hohlfeld und die fesselnde Handlung trugen dazu bei, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte – zu viele Fragen stellte ich mir, so z.B. weshalb Tanja nicht bei ihrer Mutter aufgewachsen ist, oder ob die Ehe von Helena und Martin eine Zukunft haben würde, oder weshalb Uta und Lutz behaupteten, Valentina sei tot.

    Der Schluss war etwas anders als ich es mir ausgemalt hatte, jedoch wären Bücher nicht mehr sonderlich überraschend, würde sich alles immer nach den Wünschen der Leser entwickeln. Und schließlich soll sich kein Autor verbiegen, um die Erwartungen der Leser zu erfüllen, sondern seinen eigenen Weg gehen.


    Fazit:

    Die Erinnerung an ein altes Kinderlied, Geheimnisse, die Macht der Liebe, schicksalhafte Begegnungen und drei Frauen, die auf der Suche nach sich selbst sind – diese Bestandteile erwecken diesen tiefgründigen und gefühlvollen Roman zum Leben. Man bangt mit den Frauen um die Liebe und das Glück, hofft auf ein Happy End.

    Wie es bislang immer der Fall war, konnte mich auch diesmal der Roman von Kerstin Hohlfeld voll und ganz überzeugen. Gekonnt und feinfühlig setzte sie das Leben der drei so unterschiedlichen Frauen gekonnt in Szene. Die Handlung vermochte es, mich zu fesseln – vor Spannung konnte ich das Buch kaum beiseite legen. Natürlich möchte ich dieses Herzensbuch sehr gerne weiterempfehlen und gebe ihm daher aus vollem Herzen auch 5 Sterne.

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    Cover des Buches Törtchen-Mördchen9783954412600

    Bewertung zu "Törtchen-Mördchen" von Mischa Bach

    Törtchen-Mördchen
    Cappuccino-Mamavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Eine bunte Platte an verschiedenen Leckereien – jedoch nicht ganz gefahrlos zu genießen. Mir hat es jedoch hervorragend geschmeckt.
    Eine bunte Platte an verschiedenen Leckereien – jedoch nicht ganz gefahrlos zu genießen...

    Ich liebe Kuchen und Torten. Und ich lese für mein Leben gerne, unter anderem auch Krimis, gerne auch Kurzkrimis – ob humorvoll oder todernst. Schön, dass man bei dieser Anthologie beide Leidenschaften miteinander verbinden kann – und das auch noch vollkommen kalorienfrei! Zumindest solange man die im Buch enthaltenen Rezepte nicht zubereitet...


    Das Cover / Die Gestaltung:

    Ich liebe dieses Buchcover. Den Hintergrund bildet eine rosafarbene Tapete mit bravem Rosenmuster. Davor steht eine lecker aussehende Torte mit Biskuitboden und rosafarbener Cremefüllung, die mit Himbeeren dekoriert ist. Die Torte ist bereits angeschnitten und mitten in der Torte steckt ein sehr gefährlich aussehendes Messer – passend zum Buchtitel TÖRTCHEN-MÖRDCHEN. Und dort wo das Messer in der Torte steckt, sieht man sogar echtes (Beeren-)Blut. Das Cover ist matt gehalten, lediglich die Torte mit dem Messer, sowie der Buchtitel sind durch einen leichten Glanz hervorgehoben. Dass es sich um eine Anthologie handelt, erkennt man am Hinweis, dass es sich um KÖSTLICHE KURZKRIMIS handelt (hier hätte ich allerdings noch gerne die Anzahl vorgefunden, doch dazu später mehr).

    Ich hätte es toll gefunden, wenn auf dem Cover vermerkt gewesen wäre, dass auch Rezepte im Buch enthalten sind, auch wenn sich ein Hinweis dazu auf der Buchrückseite findet. Aber letztendlich verleitet so ein Extra manchmal erst dazu, das Buch in die Hand zu nehmen.

    Schade fand ich, dass nicht alle Autoren auf der Buchrückseite erwähnt wurden, denn verdient hätte dies jeder einzelne Autor. Und mitunter wählen manche Leser ihre Bücher anhand eines bestimmten Autors aus – gestalterisch wäre dies durchaus möglich gewesen, wie ich schon bei Anthologien anderer Verlage gesehen habe.


    Die Krimis – Inhalt und meine Anmerkungen dazu:

    Peter Godazgar - WILLI WILL'S ESSEN:

    Willi ist eine Maus, die nichts mehr als Kuchen, Torten und Backwaren liebt. Wie gerne würde Willi von den Leckereien der Bäckerei Neubauer naschen. Doch dies bleibt ein Traum – solange bis es Willi eines Abends gelingt, in die Bäckerei zu kommen. Willi fühlt sich wie im Schlaraffenland...

    Mir gefiel diese Geschichte als Einstieg sehr gut. Eine Geschichte aus Sicht einer kleinen Maus – die das Verhalten der Menschen auch mal etwas falsch versteht. Ich musste schmunzeln, als Willi die orange gekleideten Menschen beneidete, die den Inhalt der Tonnen mit nach Hause nehmen dürfen.


    Regina Schleheck – MUUTZEKOPP (Rezept: Muutzemandeln):

    Zwei Zwillingsbrüder, wie sie unterschiedlich nicht sein könnten – während Andi eine Bäckerei betreibt, schlägt sein Bruder Kai einen vollkommen anderen Weg ein. Doch eines Tages eskaliert die Situation...

    Eine Mutter liebt ihre Kinder – egal was auch geschieht. Ein spannender Krimi, der gut vermittelt, wie eine Mutter zwischen ihren beiden Söhnen hin- und hergerissen ist, die um ihre Gunst kämpfen. Das Ende war eine kleine Überraschung.


    Tatjana Kruse: SUMMSUMMSESUMM! (Rezept: Bienenstich):

    Ein Dealer sucht im beschaulichen Schwäbisch Hall nach Tom, der ihm bei seinen Geschäften in die Quere kommt. Dabei trifft er auf drei alte Damen – sind diese harmlos oder führen sie etwas im Schilde?...

    Ich liebe Tatjana Kruses unverwechselbaren schwarzen Humor sehr, weshalb ich mich auf diese Geschichte besonders gefreut habe. Natürlich wurde ich auch diesmal nicht enttäuscht, und die Handlung ließ mich schmunzeln – zu witzig die Vorstellung, wie Kampfhund Destroyer „Desi“ (also Zerstörer) sich von den alten Damen den Bauch kraulen ließ und dabei „schnurrte“.


    Uta-Maria Heim – TORTENSCHLACHT (Rezept: Tante Hildes Schwarzwälder Kirschtorte):

    Ein altes Ehepaar trifft auf einer Zugreise einen Mann, der sich sonderbar verhält. Doch plötzlich ist der junge Mann verschwunden – zurück bleibt eine Schwarzwälder Kirschtorte...

    Die Handlung dieses sehr ruhigen und teilweise vorhersehbaren Krimis ist sehr geprägt vom Lokalkolorit und Gedankengängen, sowie der Geschichte der Schwarzwälder Kirschtorte. Lobenswert erwähnen möchte ich noch die Hinweise im Rezept zu den Besonderheiten und Merkmalen der original Schwarzwälder Kirschtorte).


    Günther Thömmes – LUTHERS BRÖTCHEN (Rezept: Lutherbrötchen):

    Balke besitzt etwas, das er gut gesichert in einem Hochsicherheitsgebäude / -tresor, einem Freeport, verwahrt – keine Chance für Diebe, an seinen wertvollen Besitz zu gelangen...

    Ein wertvolles, historisches Rezept, ein Kunstfälscher und eine aufsehenerregende Veranstaltung mit großem Presserummel – eine interessante und informative Geschichte, die mir recht gut gefiel. Konrad Kujau lässt grüßen.


    Mischa Bach - NACHTANGST (Rezept: Buchweizenpfannkuchen):

    Eines Nachts erwacht eine Frau dort, wo sie es nie erwartet hätte – in einem Hochhaus, dem letzten Auftrag ihres Ex-Mannes, einem einst erfolgreichen Architekten. Alte Erinnerungen an den Ex-Ehemann, den längst verstorbenen Sohn, dessen Tag der Geburt sie noch heute verflucht, und das Leben nach der Trennung...

    Ein Leben auf der Sonnenseite des Lebens, das mehr Schein als Sein ist - eine recht bedrückende, traurige Geschichte.


    Britt Reissmann – DER KUCHENRÄUBER VON RADEBEUL (Rezept: Tante Ännes Bäbe):

    Statt des ersehnten Zuschusses zur Karibikreise erwartet eine junge Frau die Fahrt in einem historischen Zug – inklusive Raubüberfall...

    Ein eher ruhiger Krimi, samt sächsischem Dialekt, passend zum Schauplatz. Nicht besonders realitätsnah, aber dennoch recht unterhaltsam und mit Lokalkolorit.


    Elke Pistor – SYBILLE (Rezept: Prinzesstorte):

    Onkel Gustav war ein guter Bäcker und bei seinen Kunden beliebt. Doch nun ist er alt und krank. Jedoch wurde er nicht vergessen, und so bekommt er an seinem 90.Geburtstag unerwarteten Besuch...

    Zwar ein Krimi, der mich persönlich nicht besonders überrascht hat, allerdings in einem tollen, kurzweiligen Schreibstil, der mir sehr gut gefiel.


    Thomas Kastura – TRUFFLE ROYALE (Rezept: Rumtrüffel):

    Ein russischer Oligarch verweilt im fränkischen Bamberg. Dort will er die wertvollste Praline der Welt abholen, die er seiner Verlobten schenken will...

    Einfach nur köstlich, diese Handlung! Skurril, übertrieben und amüsant. Der Hund namens Gorbatschow, ein sparsamer Chef eines oberfränkischen Backsteinkäseimperiums, ein betrügerischer Hersteller von schwedischen Möbeln, dem Emir von Angina mit Faible für ausgefallene Dinge, sowie die teuerste Praline der Welt, hergestellt aus den seltensten Rohstoffen, waren die Zutaten zu diesem abgefahrenen Krimi, der eine Satire auf das Leben wohlhabender Russen sein könnte. Einer meiner absoluten Lieblingskrimis in diesem Buch – ich wurde positiv überrascht, denn nicht immer traf dieser Autor, wenn ich mich recht erinnere, mit seinen Kurzkrimis meinen Geschmack.


    Ulrike Bliefert – RITAS FLUCH (Rezept: Friesische Teewaffeln):

    Axel Wullenschläger und seine Freundin Rita haben sich getrennt. Geblieben ist dem jungen Mann lediglich ein Tattoo mit dem Namen seiner Ex. Doch nun ist Axel frisch verliebt. Aber wie soll er seiner Freundin die Sache mit der Tätowierung erklären? Zum Glück hat Axel eine richtig geniale Idee...

    Ulrike Bliefert kenne ich bereits seit Kindertagen als Schauspielerin, seit einigen Jahren nun auch als Autorin diverser Jugendthriller. Gelesen habe ich allerdings noch keines ihrer Bücher. So hatte ich nun die Gelegenheit, endlich eines ihrer Werke zu lesen – und ich muss sagen, dass mir sowohl die Handlung, als auch der Erzählstil sehr gut gefielen.


    Ralf Kramp – DAS AUGE DES GESETZES (Rezept: Dotty Fowler's Carrot Cake):

    Hoher Besuch steht an – in einem Dorf erwartet man die Queen nebst ihrem Gemahl. Dotty Fowler ist ganz in ihrem Element – sie darf ihren preisgekrönten Kuchen für das Kuchenbüffet backen, und dabei sollte ihr keiner in die Quere kommen. Doch dann kommt es zu einem unvorhergesehenen Zwischenfall...

    Das ist wohl der bekannte englische Humor, auch wenn er der Phantasie eines deutschen Autors entsprungen ist – wunderbar humorvoll und mit Schmunzelgarantie, die diese Geschichte zu einem meiner Lieblinge des Buches machte.


    Nadine Buranaseda – DIE LEIDEN DES JUNGEN D. (Rezept: Veganer Blaubeer-Quark-Kuchen):

    Während der Besichtigung eines Hauses werden bei einem Kaufinteressenten alte Erinnerungen wach: Hier wurde vor Jahren eine junge Frau tot aufgefunden. Hat sie sich selbst umgebracht, oder wurde sie zum Mordopfer?...

    Eine spannende Handlung, die unterteilt in zwei Handlungsstränge ist – Gegenwart und Vergangenheit. Durch kursive Textstellen wird die Handlung in der Vergangenheit kenntlich gemacht.


    Lisa Graf-Riemann – AMORS BOGEN (Rezept: Mozartkugeln):

    Mozartkugeln werden in Salzburg in Handarbeit hergestellt – ist doch Ehrensache! Doch eines Tages taucht ein Fabrikant auf, der die Leckereien maschinell fabrizieren will...

    Ein Maskenball, eine heimliche Liebschaft und die Ermordung von Franz Ferdinand, dem österreichischen Thronfolger, sind die Bestandteile des historischen Krimis, der den Leser in die „guten alten Zeiten“ entführt.


    Martina Schmoock – OCHSENAUGEN (Rezept: Ochsenaugen):

    Omas Häuschen wurde bereits verkauft – samt der altertümlichen, aber so gemütlichen Einrichtung, wie dem alten Holzherd. Doch plötzlich sind die neuen Besitzer verschwunden...

    Eine charmante Geschichte mit Kindheitserinnerungen, stimmungsvoll beschrieben – das Zubereiten der Speisen auf dem Emailleherd, das alte Geschirr,... - wunderbar geschildert. Doch natürlich ist nicht alles so idyllisch wie es erst scheint.


    Beate Maxian – A FREMDE UNTERM STEFFL (Rezept: Fiakerkrapfen):

    Fiaker-Mitzi ist in ihrem Beruf erfolgreich, nicht zuletzt durch ihre leckeren Krapfen. Doch unter ihren männlichen Kollegen gibt es auch einige Neider...

    Alles andere als beschaulich – ein Machtkampf unter Kollegen, bei dem mit harten Bandagen gekämpft wird, ob mit Beleidigungen, Drohungen – oder vielleicht noch mehr?


    Christina Striewski – HAGELZUCKER (Rezept: Zimtschnecken / Kanelbullar):

    Vor Jahrzehnten war Greta in Schweden als Kindermädchen tätig. Dann kehrte sie in ihre Heimat nach Deutschland zurück. Doch sie war nicht mehr die, die sie einst war...

    Wieder ein Krimi, der sich sehr flüssig lesen lässt, und bei dem mir die Handlung sehr gut gefiel. Die Vergangenheit lässt Greta auch nach Jahrzehnten nicht los.


    Petra Plaum – WELCOME TO THE HEARTATTACK HOTEL (Rezept: Cupcakes „Best of Ireland“):

    Das Heartattack Hotel ist eine Zuflucht für unglücklich verheiratete Frauen. Hier können sie ihr Herz ausschütten und es wird nach einer Lösung gesucht...

    Hilfe zur Selbsthilfe – auf die besondere Art. Männer können grausam sein, Frauen aber auch - ein schwarzhumoriger Krimi, der mir gefiel.


    Amelie Kirsch – MANDEL-MANNE (Rezept: Mannes Mandeln):

    Manfred lebt in seinem Wohnmobil und hat viele Bekannte. Er kümmert sich um die zwölfjährige Chantalle, die bei ihrer Mutter und dem Stiefvater lebt. Doch eines Tages verschwindet das Mädchen spurlos...

    Ein Krimi über Außenseiter - schockierend, sehr bedrückend, aber gut durchdacht.


    Eva Klingler – ALI ODER SO ÄHNLICH (Rezept: Nazukner aus Armenien):

    Irmhild ist das schwarze Schaf in ihrer Familie. Im Gegensatz zu ihren beiden Schwestern hat sie keine Familie gegründet, sondern hat eine Beziehung zu einem Ausländer. Doch jedes Jahr zu Weihnachten trifft sich die Familie...

    Eine Situation wie man sie (leider) kennt: Vorurteile gegen fremde Kulturen, das Nicht-Akzeptieren anderer Lebensweisen, sowie scheinheiliges Verhalten. Schade, wenn sich die Angehörigen gegen ein Familienmitglied verbünden.


    Sunil Mann – AUF DÜNNEM EIS (Rezept: Vermicelles-Törtchen):

    Zwei Geschwister treffen sich auf einer Beerdigung wieder, und erinnern sich an ihre Kindheit zurück – die Samstage mit ihrem Vater, die unglückliche Ehe der Eltern und an einen verhängnisvollen Tag...

    Erstens kommt es anders, als man zweitens denkt. Eine unerwartete Wendung überrascht den Leser.


    Angela Eßer – LADY IN BLUE (Rezept: Glückskekse):

    Eines Tages taucht in einem Hochhaus eine in Blau gekleidete Dame auf. Zurück bleibt ein Paket mit einem geheimnisvollen Inhalt...

    Mich ließ die Geschichte etwas ratlos zurück – das Ende ließ in meinen Augen Platz für eigene Interpretationen.


    Daniel Holbe & Ivonne Keller – BITTER & ZART (Rezept: Muffin-Versuchung – mit geschmolzenem Kern):

    Heike liebt Ralf, und beide verbindet die Leidenschaft für handgefertigte Pralinen – Heike liebt eher Pralinen mit Bitterschokolade und Marzipan, während Ralfs Leidenschaft den Toffees gilt. Nichts wünscht sich Heike mehr, als dass ihr Freund ihr endlich den langersehnten Heiratsantrag macht. Doch der hat ein streng gehütetes Geheimnis...

    Oh ja, eine richtig tolle, etwas pikante Handlung. Zwei Naschkatzen, die nicht unbedingt den gleichen Geschmack hatten, in so mancher Hinsicht. Ich jedenfalls habe mich amüsiert.


    Petra Busch – MAMAS ACHTZIGSTER GEBURTSTAG (Rezept: Windbeutel):

    Der stark übergewichtige Holger lebt mit seinen inzwischen 53 Jahren noch immer bei seiner wohlhabenden Mutter. In deren Augen ist ihr „Püppi“ ein Versager. Doch dann verbringen Mutter und Sohn den achtzigsten Geburtstag der alten Dame in einem kleinen Windbeutel-Hotel...

    Eine bitterböse Geschichte mit jeder Menge schwarzem Humor, die mir sehr gut gefiel – sowohl vom Schreibstil, als auch von der humorvollen Handlung. Hier hat die Herausgeberin eine Geschichte nach meinem Geschmack geschrieben – eines der Highlights dieser Krimisammlung.


    Ralf Kramp – BACKE, BACKE KUCHEN, DER MÖRDER HAT GERUFEN!

    ...als krönenden Abschluss gibt es ein Gedicht, voll mit schwarzem Humor. Eine wunderbar umgedichtete Variante eines bekannten Kinderliedes.


    Allgemein-Meinung:

    Es sind die üblichen Verdächtigen, die hier mit ihren Törtchen, Kuchen, Muffins, Pralinen,... morden, ebenso wie Autoren, die ich bisher nicht kannte. Und es ist geradezu unglaublich, dass in dieser Krimi-Sammlung alle (!) Krimis meinen Lesegeschmack trafen, denn dies ist nur höchst selten der Fall – meist gibt es doch den ein oder anderen „Ausreißer“, der so überhaupt nicht meinem Geschmack entspricht. Ohne einen Namen nennen zu wollen – selbst ein Autor, der es bisher nicht geschafft hatte, mein Leserherz zu erobern, konnte mich diesmal mit seinem Kurzkrimi voll und ganz (!) begeistern.

    Neu ist die Idee nicht, Krimis mit den passenden Rezepten zu kombinieren – ich mag diese Kombination sehr gerne. Mitunter macht das Lesen ja durchaus Appetit auf die erwähnte Leckerei. Hier finden sich 23 Kurzkrimis, sowie ein Gedicht zusammen, 24 Autoren zeigten sich von ihrer mörderischen und zugleich kulinarischen Seite. Wer die anstehende Adventszeit also kalorienfrei genießen möchte, könnte dieses ca. 350 Seiten starke Buch auch hervorragend als Adventskalender benützen.

    Im Anhang befinden sich die Porträts zu den Autoren und Autorinnen, was meiner Meinung nach auch wirklich dazugehört, denn man will ja etwas über die einzelnen Verfasser erfahren – zumindest bei mir ist dies der Fall. Schade, dass es zu den einzelnen Autoren keine Fotos gibt, aber dank der angegebenen Homepages kann man sich ja dann doch noch ein Bild zu jedem einzelnen machen.

    Wo sich die Infos zu den Autoren befinden sollten, ist ja immer etwas Geschmacksache – alle Autoren im Anhang (so wie es hier der Fall ist), oder doch direkt im Anschluss an den Krimi? Gewünscht hätte ich mir allerdings, dass der Titel des Kurzkrimis jeweils erwähnt worden wäre, denn so muss man erst den Autor dem Krimi zuordnen.

    Vermisst habe ich ein Rezeptverzeichnis, dies hätte meiner Meinung nach ins Inhaltsverzeichnis gehört, oder alternativ dazu in ein extra Verzeichnis. Da weder das eine, noch das andere vorhanden ist, hilft da wohl nur das Suchen nach dem gewünschten Rezept.

    Dennoch – wer gerne Kurzkrimis liest, dem bietet sich hier eine bunte Mischung unterschiedlichster Krimis – von humorvoll, über bitterböse, bis zu Krimis, bei denen man schwer schlucken muss – hier findet sich für jeden Geschmack etwas. Das Cover gefällt mir sehr gut – sowohl von der Farbgebung, als auch vom Motiv her, und die Rezepte sind eine tolle Ergänzung.


    Fazit:

    Wie es in Anthologien üblich ist, gibt es hier Leckereien für jeden Geschmack – ob leicht bekömmlich oder schwer verdaulich. Hier haben eine Vielzahl Autoren ihre Köstlichkeiten gebacken – ob mit List und Tücke garniert, mit Rachegedanken zusammengeknetet, - Herausgeberin Petra Busch präsentierte in TÖRTCHEN-MÖRDCHEN ein buntes Kuchenbüffet, das mir literarisch hervorragend mundete. Die Zusammenstellung der Kurzkrimis gefiel mir sehr gut, und ich freute mich über das Treffen mit „alten Bekannten“ unter den Autoren, aber auch mit mir unbekannten Autoren.

    Bei dieser Anthologie hatte ich das Glück, auf Geschichten zu treffen, die mir gefielen, was leider nicht immer der Fall ist – so ansprechend wie bereits das Cover war, so waren auch die Kurzkrimis. Und die passenden Rezepte sind eine Bereicherung – da werde ich sicherlich das ein oder andere nachbacken. Daher kann ich diese köstlichen Kurzkrimis weiterempfehlen und vergebe 5 Sterne.



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    • weiblich
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