DerMedienblogger

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    Cover des Buches Mein Bruder heißt Jessica (ISBN: 9783737342193)

    Bewertung zu "Mein Bruder heißt Jessica" von John Boyne

    Mein Bruder heißt Jessica
    DerMedienbloggervor 4 Tagen
    Kurzmeinung: Wichtiges Buch, das junge Leser*innen für Transsexualität sensibilisiert.
    Wichtiges Buch, das junge Leser*innen für Transsexualität sensibilisiert.

    Eigentlich ist der Begriff "Transsexualität" missverständlich: Er ist weniger Ausdruck von Liebe und sexuellen Verlangens, sondern beschreibt vielmehr die Kluft zwischen dem äußerlich feststellbaren körperlichen und dem eigentlichen identitären Geschlecht. Transsexuelle Menschen fühlen sich oftmals, als seien sie im falschen Körper geboren und nehmen Vorkehrungen vor, um das Aussehen ihrer Identität anzupassen. "Mein Bruder heißt Jessica" ist der Versuch, jungen Leser*innen die Thematik und den damit verbundenen inneren Zwiespalt bewusst zu machen. 


     

    Der weltweit vor allem durch "Der Junge im gestreiften Pyjama" bekannte Autor John Boyne erzählt hierbei aus einer interessanten Perspektive. Hauptfigur ist der 13-jährige Junge Sam Waver. Sein großer Bruder Jason ist für ihn ein Fundament im Alltag: jemand, der für ihn da ist, wo ihn die Eltern aufgrund der Karriere vernachlässigen und wo er wegen seiner Leseschwäche verlacht wird. Umso größer ist daher seine Erschütterung über das plötzliche Outing der Person, die ihm im Leben am nächsten steht. 


     

    Der Prozess, der hier eigentlich im Vordergrund steht, ist hier also weniger Jasons öffentliche Bekundung seines wirklichen Geschlechts und die Jahre intensiven Selbsterkundens zuvor. Das Buch fokussiert sich stark auf sein Umfeld und den Umgang mit der Transsexualität: Sams Schwierigkeiten, mit der wahren Identität seiner Schwester Jessica umzugehen, wirken in Anbetracht seiner behüteten Kindheit, in denen er nur selten Kontakt zu Ungewohntem, Fremdem und Buntem pflegte, erschreckend authentisch. Dieses Betrachten der ernsten Thematik aus kindlichen Augen erzielt eine lobenswerte Sensibilisierung des jungen Zielpublikums. 


     

    Die übrigen Figuren sind allesamt gut ausgearbeitet, gehen jedoch teilweise hinter der Funktion, verschiedene Standpunkte zu verdeutlichen, unter. Die sehr karrierefokussierten Eltern beispielsweise reagieren zunächst geschockt und wenig verständnisvoll, müssen sich aber im weiteren Handlungsverlauf zwangsläufig mit der wahren Identität ihres Kindes auseinandersetzen. Dabei wirken sie wenig souverän und fahrig. 


     

    Die Szenen, in denen sie sich mit Jessica auseinandersetzen, stechen besonders stark hervor. Sie tritt hier als eine authentische und innerlich reife Person auf, die ihren Eltern mit einem bewundernswerten Maße an Selbstbeherrschung die Augen zu öffnen versucht. Leider werden einige fundamentale Konfliktszenen und ehrliche Auseinandersetzungen vor allem mit dem jüngeren Bruder Sam zu Leiden der Handlung herausgekürzt: Hier hätte man mehr emotionale Tiefe erreichen können, um den langsamen Weg zur Akzeptanz deutlicher herauszuarbeiten. 


     

    Der Autor verliert sich in einem unglaubwürdigen, mit zu viel Kitsch hingeschusterten Ende, das sich zu deutlich von dem realistischen Handlungskorsett entfernt und einfach nicht schmecken möchte. Ein wenig mehr erzählerische Geduld, die einzelnen Stränge zu einem versöhnlichen Schlussbogen zu schlagen, wäre hier wünschenswert gewesen. 


     

    Der Titel mit dem falsch verwendeten Pronomen lässt zunächst stutzen und weckt so geschickt Neugier auf das Buch. John Boynes angenehm zu lesender Schreibstil nimmt die jungen Leser*innen ab der ersten Seite an die Hand. Aufgrund des gut zu meisternden Leseniveaus möchte ich "Mein Bruder heißt Jessica" unbedingt als Schullektüre mit Aufklärungsauftrag empfehlen, da sie eine wichtige Hilfestellung für den Umgang mit Transsexualität darstellt und eine interessante Perspektive einnimmt. Beispielsweise der anregende Austausch im Unterricht und die dadurch geschaffene Identifikationsfläche sind positive Folgen. 


     

     

    «Mein Bruder heißt Jessica»   

    ist ein wichtiges Buch, das junge Leser*innen für Transsexualität sensibilisiert. Es eignet sich durch seine Perspektive gut als Schullektüre.

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    Cover des Buches Cryptos (ISBN: 9783743200500)

    Bewertung zu "Cryptos" von Ursula Poznanski

    Cryptos
    DerMedienbloggervor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Eindringlicher Thriller, der sein Potenzial nicht ausschöpft.
    Eindringlicher Thriller, der sein Potenzial nicht ganz ausschöpft.

    Würde ich gefragt werden, welche Bücher mich zum Lesen bewegt haben, so würden mir sofort die Werke der österreichischen Schriftstellerin Ursula Poznanski in den Sinn kommen. Seit ihrem Debüt "Erebos" fiebere ich jedes Jahr im August begeistert ihrer Jugendthriller-Neuerscheinung entgegen. Unter ihren sehr temporeichen Handlungen verborgen konstruiert die Autorin scharfsinnig gesellschaftliche Zukunftsvisionen: Mit ihren brandaktuellen Szenarien sorgt sie hierbei für großen Abwechlsungsreichtum innerhalb ihrer Bibliographie.


    In dem neu erschienenen Roman "Cryptos" widmet sie sich den Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Zivilisation in einer ungewiss weit entfernten Zukunft: Das alltägliche Leben findet größtenteils nur noch in Kapseln statt, die dich in eine alternative Realität führen. Du erhältst die Illusion, zu essen, zu trinken, zu gehen: Währenddessen liegt du aber regungslos in einer Maschine, die dir die nötigen Lebensgrundlagen automatisch zuführt. Nur für deine Ausscheidungen musst du diese verlassen und selbst das ist für viele Menschen ein sehr unbequemer und unangenehmer Schritt – sie sind die eigene Umgebung nicht mehr gewohnt. 


    Die Idee einer in fremde, digitale Welten fliehenden Bevölkerung ist nicht sonderlich neu. Zu Beginn des Buchs benötigt die Autorin sehr lange, um ihre Leser*innen in das Szenario einzuführen. Ich fühlte mich teilweise von den ganzen Erklärungen erschlagen und brauchte erstaunlich lange, bis ich mich in die Handlung involviert fühlte: Bei ihren Vorgängern schaffte Poznanski dies deutlich zügiger. 


    Dennoch bietet die Grundidee hinter "Cryptos" einige interessante Ansätze, die mir gut gefielen: Der Klimawandel und seine Folgen sind hier äußerst realistische und greifbare Grundaspekte innerhalb dieser sonst doch recht utopischen Geschichte. Einige Fragen blieben für mich bis zum Ende offen. Mehr Hintergrundinformationen hätte ich mir etwa über die genaue Funktionsweise der Kapseln oder die zeitliche Entwicklung von unserer Gegenwart bis hin zum Status quo des Buchanfangs gewünscht, um den Konflikt etwas besser nachvollziehen zu können. 


    Recht angenehm und unkompliziert: So tritt die Hauptfigur Jana in dem vorliegenden Roman auf. Sie sticht weder besonders positiv durch ein inspirierendes Profil noch negativ durch etwaiges unlogisches Verhalten heraus. Sie bleibt ein etwas blasser Charakter, der zwar nicht nervt, mit dem ich persönlich mich aber nicht so gut identifizieren konnte. 


    Leider erreicht "Cryptos" während seines Verlaufs nicht das Tempo, das man von Poznanski-Büchern gewohnt ist. Es ist per se nie langweilig, lädt aber eher zum Schmökern als zum Verschlingen ein. Einige Schlenker in der Handlung weniger hätten das erzählerische Korsett angenehm gestrafft und nicht den Eindruck unterstützt, die Autorin würde teils etwas den Faden verlieren. 


    Das Ende konnte mich zunächst überhaupt nicht überzeugen: Fast alle der aufgeworfenen Fragen blieben offen; für die angesprochenen Problemstellungen blieb sogar der Versuch komplett aus, eine anständige Lösung zu finden. So hatte ich nach Beendigung der Lektüre einen faden Beigeschmack, da sich die Handlung nicht rund und abgeschlossen anfühlte. 


    Es ist nun aber schon eine Weile her, seit ich "Cryptos" beendet habe, und ich gebe zu: Je länger ich es wirken ließ, desto mehr überzeugte das Ende mich. Die Autorin konfrontiert ihr Lesepublikum geschickt mit den klimatischen Herausforderungen, die uns alle betreffen. Es gibt keine perfekte Lösung, die uns aus dieser Katastrophe herausführt. Genau zu diesem resignierenden Schluss kam ich, als ich das Buch noch einmal Revue passieren ließ. 


    Letztendlich ist für mich das vorliegende Werk leider das bisher schwächste der Autorin. Zu lange fühlte ich mich nicht richtig wohl in der Geschichte, die Charaktere waren allesamt recht eindimensional und die Handlung nahm nicht so richtig Fahrt auf. Trotzdem spreche ich hier eine Leseempfehlung aus, da der Roman einige interessante gedankliche Ansätze bietet und die Notwendigkeit betont, Initiative zu ergreifen, bevor wir die Situation erreichen, die hier geschildert wird. 


    Ich vergebe daher drei von fünf möglichen Sternen.



    «Cryptos»   

    ist ein Jugendthriller, der sich eindringlich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Zivilisation beschäftigt. Schade, dass die Autorin ihr Potenzial dieses Mal nicht ganz ausschöpft. 


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    Cover des Buches Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln (ISBN: 9783570313374)

    Bewertung zu "Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln" von Adriana Popescu

    Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln
    DerMedienbloggervor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Sehr einfühlsame Lektüre.
    Inspirierend.

    Die Münchner Autorin Adriana Popescu bereitete mir mit ihren letzten zwei Erscheinungen aus der jugendlichen Belletristik einige unter die Haut gehende Lesemomente. Ihr Erfolgsrezept: vielschichtige Charaktere und ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und den inneren Kämpfen. Diesen Monat erscheint ihr neuestes Werk "Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln" im cbt-Verlag. 

     

    Samuel, Marie und Theo: So heißen die drei Hauptfiguren des vorliegenden Romans. Jede von ihnen besitzt persönliche Probleme, Hoffnungen und Ängste, mit denen sie sich auseinandersetzen. Das macht sie besonders authentisch und greifbar, denn die Sorgen und die daraus resultierende Verletzlichkeit sind jederzeit nachvollziehbar. Wer bin ich; was ist meine Position im Leben; wie wird es durch meine Entscheidungen beeinflusst; wie soll ich weitermachen, wenn tief in mir etwas verletzt wurde – all das sind Fragen, die zum Alltag der jungen Generation dazugehören und die den Leser*innen große Identifikationsfläche bieten. 

     

    Die Kapitel sind kurz, der Schreibstil von der ersten Seite an mitreißend: Adriana Popescu weiß genau, wie sie ihr Lesepublikum in den Bann schlagen kann. Sie ermöglicht jederzeit einen Perspektivwechsel und somit den steten Einblick in die innere Handlung der Protagonisten. Somit fühlte ich mich rasch in die Geschichte involviert und konnte mich gut mit dem Figurenensemble sympathisieren. 

     

    Zudem hält die Autorin den Leser*innen geschickt Hintergrundinformationen vor, um sie am Ball zu behalten und die Aufmerksamkeit auf sich zu richten: Das wirkt, man*frau möchte das Buch überhaupt nicht mehr loslassen, ehe man hinter die Geheimnisse der Figuren gekommen ist. Im weiteren Verlauf wird die Bedeutsamkeit von Entscheidungen deutlich, die oftmals den Menschen und sein Umfeld langfristig prägen. Die vielen Orts- und Personenwechsel machen die Handlung zusätzlich kurzweilig. 

     

     

    Durch genau beobachtete Details verdeutlicht Popescu in ihrem neu erschienenen Roman die Liebe und Fürsorglichkeit unter den einzelnen Figuren. Die drei Hauptfiguren machen einen großen inneren Prozess durch, dessen Verlauf oft sehr glaubwürdig erscheint. Es gibt starke Fortschritte, ja, aber auch viel Scheitern, viele Rückfälle und resignierende Momente. Für mich stach Theo trotz seines geistig instabilen Zustands durch seine bewundernswerte Selbstreflektion heraus: Ihm sei bewusst, dass sich seine Familie manchmal wie Sisyphos fühlen muss, wenn sich seine Panikattacken mal wieder, zu oft wiederholten. 

     

    Genau hier gerät die Handlung jedoch teilweise in eine spannungsarme Flaute: Sie dreht sich einige Male zu oft im Kreis und bremst somit das Erzähltempo aus. Ja, diese Repititivität kann auch stilistisch das eigene Scheitern darstellen. Dann hätte ich mir aber gewünscht, dass die Autorin etwas aus der üblichen Struktur ausbricht und auch mal den recht vorhersehbaren Pfad überraschend verlässt. Viele Entwicklungen und Verbindungen sind dann doch zu berechenbar: Fünfzig bis hundert Seiten weniger hätten dem Buch gut getan.

     

    Letztendlich kann ich euch das Buch trotz der Schwächen im letzten Drittel uneingeschränkt ans Herz legen: "Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln" ist ein warmherziges Plädoyer für menschlichen Zusammenhalt und Rücksichtnahme. Es ist okay, Fehler zu begehen, Hilfe zu brauchen und zu scheitern – und mit genau dieser inspirierenden Botschaft legitimiert Adriana Popescu mit erzählerischer Leichtigkeit die persönliche Unvollkommenheit. Wichtig ist es, sich mitzuteilen, um nicht von der Schwere der eigenen Sorgen erdrückt zu werden. 

     

     

    «Ein Lächeln sieht man auch im Dunkeln»  

    zeigt einfühlsam, dass es okay ist, sich Hilfe zu holen und nicht weiter weiß. Dass es auch okay ist, mal falsche Entscheidungen zu treffen. Eine sehr inspirirerende Lektüre! 

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    Cover des Buches Malamander - Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea (ISBN: 9783446268210)

    Bewertung zu "Malamander - Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea" von Thomas Taylor

    Malamander - Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea
    DerMedienbloggervor 25 Tagen
    Kurzmeinung: Ein atmosphärisches und skurriles Kinderabenteuer!
    Ein atmosphärisches und skurriles Kinderabenteuer!

    Es gibt diese Geschichten, die dich von Klein auf begeistern, in ihren Bann ziehen und in eine magische Welt entführen. Du möchtest dich mit den Figuren befreunden und mit ihnen lachen, Geheimnisse flüstern, Abenteuer erleben. An diese magischen Bücher denkst du noch viele Jahre später zurück, weil sie dich in diesem Moment geprägt und eine Kerbe in deinem Leben hinterlassen haben. Genau hier merke ich die Kraft, die mit Literatur einhergeht: Wenn ich mich Jahre später noch daran erinnere, wie sehr mich die Geschichte damals packte. 



    Ich wünschte, ich hätte schon damals "Malamander" lesen können. Und ich wünsche im selben Atemzug, dass dieser Roman noch ganz vielen jungen Leser*innen spannende Stunden bereiten wird. Denn das, was uns Thomas Taylor mit diesem Buch bietet, ist in meinen Augen all das, was ich mir von einem spannenden Kinderabenteuer erhoffe. 



    Die Stadt mit dem seltsamen Namen, Eerie-on-Sea, hat eine einzigartige Atmosphäre, die mich ab der ersten Seite überzeugen konnte: Der eisige Wind, die schneidend kalte Luft, die schäumenden Wellen. Der Autor beweist in vielen kleinen witzigen Ideen seinen Fantasiereichtum und lädt zum Ausharren in dieser skurrilen Umgebung ein. Ich erwischte mich mehrfach während der Lektüre dabei, dass sich bei der ein oder anderen urkomischen Erfindung ein Lächeln auf meinen Lippen bahnte. 



    Violet und Herbert sind zwei knuffige und sofort liebenswerte Charaktere, die sich mit ihrer kindlichen Naivität sofort in die nächste temporeiche Situation stürzen. Die Suche nach sich selbst und der eigenen Identität ist hierbei ein geeignetes Korsett für die Handlung und gibt beiden Figuren eine glaubwürdige emotionale Basis. Aber ich amüsierte mich auch herrlich über die schrillen Nebenfiguren und ihren grotesken Eigenheiten. 



    Der Malamander eignet sich gut als bedrohliches, nie ganz greifbares Mysterium, das die Neugier der Leser*innen durchweg auf sich zieht. Etwas langsamere und eher hektische Szenen halten hier einen guten Ausgleich, um eine kurzweilige und mitreißende Geschichte zu konstruieren, deren Erzähltempo niemals abbricht. Vor allem in Anbetracht der recht kurzen Buchlänge (von nicht einmal 300 Seiten) kann ich das Buch sowohl jüngeren als auch älteren Leser*innen dringend ans Herz legen. Einige Fragen bleiben am Ende des Romans offen und machen bereits jetzt große Lust auf die Fortsetzung, die im Englischen bereits erschienen ist... ich kann es kaum noch erwarten, sie endlich in Händen zu halten!



    «Malamander: Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea»  

    ist ein atmosphärisches und skurriles Kinderabenteuer à la "Eine Reihe betrüblicher Ereignisse". Ich freue mich bereits jetzt auf Band zwei!

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    Cover des Buches Nominiert für den Jugendliteraturpreis: Wer ist Edward Moon? (ISBN: 9783958541405)

    Bewertung zu "Nominiert für den Jugendliteraturpreis: Wer ist Edward Moon?" von Sarah Crossan

    Nominiert für den Jugendliteraturpreis: Wer ist Edward Moon?
    DerMedienbloggervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Aufrüttelndes, schockierendes Buch, das unter die Haut geht.
    Aufrüttelndes, schockierendes Buch, das unter die Haut geht

    Kennt ihr diese Bücher, die euch ganz unerwartet treffen und nicht mehr loslassen? Die euch schockieren, fesseln und zu Tränen rühren und ihr könnt Wochen, Monate danach noch immer nicht aufhören, an sie zu denken? Für mich ist "Wer ist Edward Moon?" so ein Buch: ich hatte während des Lesens Gänsehaut, spürte eine tiefe Traurigkeit in mir und fühlte mich von der Macht der Worte überwältigt. So möchte ich im Folgenden weniger den Anspruch einer Rezension erheben, sondern vielmehr dem Roman meine Liebe bekunden. 



    Einen ehemals vertrauten Bruder, der seit einem Jahrzehnt im Gefängnis sitzt und dessen Todesdatum bereits festgelegt ist, zum ersten Mal wieder zu besuchen, ist ein Grundszenario, das mich seit der ersten Seite gepackt hat. Dieser innere Zwang, jeden Moment maximal zu genießen, weil Zeit das einzige ist, worauf es jetzt noch ankommt, die sogar Konflikte und Uneinigkeiten überwindet, da sie für Ed bald abläuft, erzeugt im Lesepublikum eine derart klaustrophobische Wirkung, dass mir bei dem bloßen Gedanken an die geplante Hinrichtung das Herz höher schlug. 



    Joe tritt hier als äußerst glaubwürdiger Charakter auf, dessen Gefühlslage und düsteren Gedanken jederzeit verständlich sind. Seine Furcht, etwas falsch zu machen, vor der Wahrheit, vor dem Tag X, die daraus resultierende Wut und Resignation sind nahezu greifbar. Seine ehemalige starke brüderliche Verbindung zu Ed ist ein rührendes zentrales Motiv, das voller so viel Liebe steckt und zunehmend bitter in der Kehle stecken bleibt, wenn man realisiert, dass jede gemeinsame Sekunde gezählt ist. Das erzeugt eine beklemmende Atmosphäre, die sehr ungemütlich werden kann. 



    Geschickt verwebt die Autorin die Handlungsstränge der Gegenwart mit der Vergangenheit, um durch das persönliche Leben langsam das Mysterium um Edward Moon aufzuschlüsseln. Die Nebencharaktere, häufig aus dem engeren Familienkreis, sind ebenfalls gut ausgearbeitet und haben eigene Ecken und Kanten, eigene Fehler und eigene Hoffnungen, Träume. 



    Der vorliegende Roman wird in Versform wiedergegeben. Mit dieser geringen Wortanzahl reduziert sich die Autorin auf das Nötigste und schafft es, mich mit einem Satz, mit einem Wort derart ins Mark zu treffen, dass ich während der Lektüre im Bus Tränen vergießen musste. "Wer ist Edward Moon?" ist ein Musterbeispiel für die Kraft von Sprache, selbst mit wenigen Worten so viel auszulösen. 



    In diesem Buch wird dein Gerechtigkeitssinn vollkommen auf den Kopf gestellt und die zunehmende, langsam herankriechende Aussichtslosigkeit greift wie eine Klaue um dich, der du nicht entkommen kannst: Mit kritischer Bissigkeit hinterfragt die Autorin die Selbstlegitimation der texanischen Judikative. Der triste Schauort zeugt von einem Hoffnungsdefizit; ich werde so wütend wegen dieser befremdlichen Sinnlosigkeit, Menschen des stumpfen Rachegedankens und des Abschreckungswillens wegen das Leben zu nehmen.



    «Wer ist Edward Moon?»  

    ist ein aufrüttelndes, schockierendes Buch, das unter die Haut geht und nicht mehr loslässt. Ich möchte eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. 

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    Cover des Buches Save the Date (ISBN: 9783570313022)

    Bewertung zu "Save the Date" von Morgan Matson

    Save the Date
    DerMedienbloggervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Sympathischer Roman mit liebevollen Figuren und nettem Sitcom-Charakter für Zwischendurch!
    Sympathischer Roman mit liebevollen Figuren und nettem Sitcom-Charakter für Zwischendurch!


    Der Sommer eignet sich für leichte Geschichten. Am Strand, der Sand kitzelt auf deiner Haut, die Sonne spiegelt auf der Sonnenbrille wider. Es ist heiß, dein Körper ist von einer dünnen Schicht Schweiß bedeckt. Und du möchtest in ein Buch fliehen, das sich gut anfühlt, das ein gelungenes Pendant zu den lauen Nächten, den lockenden Möglichkeiten ist, die diese Jahreszeit mit sich bringt. Möchtest mit einigen Figuren eine gute Zeit verbringen. Darf ich vorstellen? Hier ist so ein Roman. 

    Autorin Morgan Matson hat einen flüssig lesbaren Schreibstil, der einen zügigen Einstieg in die Handlung ermöglicht und trotz knapp 600 Seiten Umfang keinen Platz für Langeweile lässt. Sie kreiert gelungen eine behütete und gemütliche Atmosphäre innerhalb der Familie, in der man einfach nicht anders kann, als sich wohlzufühlen. 

    Das liegt vor allem an dem hervorragend ausgearbeiteten Figurenensemble. Als Leser*in lernt man zahlreiche sympathische Charaktere kennen, die eigenen Charme, aber auch genug Ecken und Kanten besitzen, um jederzeit realistisch zu bleiben. Die Chemie untereinander ist so stimmig, dass man das Gefühl bekommt, sie seien seit Jahrzehnten ein eingespieltes Team und man würde sie bereits von klein auf kennen. 

    Ausnahme von dieser Tatsache ist ausgerechnet die Hauptfigur: Charlie tritt oftmals als sturer und störrischer Charakter auf, der die Familie oft nicht des Familien Willens, sondern aus Eigennutz zusammenhält. Ihre Handlungsweise ist nicht immer ganz nachvollziehbar, ihre bockige Denkweise stößt leider mehrfach negativ auf.

    Der vorliegende Roman hat einen ausgeprägten Sitcom-Charakter, der Spaß macht und mich oft zum Schmunzeln bringen konnte. Die Handlung ist teilweise so herrlich absurd, dass man sich unwillkürlich an "Modern Family" erinnert fühlt. Diese Überdrehtheit kann bei diesem Seitenumfang jedoch nicht immer überzeugen: die Figuren sind zu überzeichnet, sie verhalten sich teils unrealistisch und die Handlung dreht sich letztendlich zu oft im Kreise. Diese Repetition ist zwar ein humoristisches Mittel, das zunächst funktioniert, dann aber zu schnell ausgereizt wird und die Leser*innen ermüdet. 

    Das Ende lässt sich für meinen Geschmack etwas zu viel Zeit; hier hätte man die Handlung etwas zügiger anführen können, um nicht so einen Bruch im Erzähltempo in Kauf nehmen zu müssen. Ich hätte mir weniger Zucker und Kitschkleber gewünscht, sondern Ernsthaftigkeit und den Willen, seine Figuren und ihre Wünsche, Hoffnungen und Ängste ernst zu nehmen, um der Handlung eine emotional tiefer greifende Ebene hinzuzufügen.  

    Insgesamt ist das vorliegende Werk aber eine amüsante Lektüre für Zwischendurch, die gut tut und entspannen lässt. Die abgedruckten Comics sind ein nettes Gimmick, die dich noch tiefer in die Handlung eintauchen lassen. Daher vergebe ich hier eine Leseempfehlung. Trotz dessen wird mir das Buch wahrscheinlich nicht mehr lange im Gedächtnis bleiben. 


    «Save The Date»  ist ein sympathischer Roman mit liebevollen Figuren und nettem Sitcom-Charakter für Zwischendurch.


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    Cover des Buches Und jetzt bin ich hier (ISBN: 9783455008210)

    Bewertung zu "Und jetzt bin ich hier" von Jessica Andrews

    Und jetzt bin ich hier
    DerMedienbloggervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Fantastisch geschriebenes Werk voller feinfühlig formulierter Beobachtungen über die Suche nach sich selbst.
    Fantastisch geschriebenes Werk voller feinfühlig formulierter Beobachtungen über die Suche nach sich selbst.

    Selbstfindung ist ein populärer Zentralgedanke der zeitgenössischen Belletristik. Viele Autor*innen haben sich daran versucht, das Wort "ich" in seine Bestandteile auseinanderzunehmen, die eigene Identität zu entdecken und an ihr festzuhalten. Ist Persönlichkeit an Bedürfnisse, Verlangen und Ängste geknüpft? Wie stark prägen uns Mitmenschen im Handeln, Denken und Fühlen? Wer bin ich und was möchte ich erreichen? Dieser leicht umgewandelten Frage nach dem Sinn des Lebens widmet sich auch Jessica Andrews in ihrem Debütroman "Und jetzt bin ich hier". 


    Die englische Schriftstellerin hat einen charakterstarken, unvergleichlichen Schreibstil, durch den sie ihre große Beobachtungsgabe und ihr Fingerspitzengefühl für Nuancen und Details unter Beweis stellt. Die Stimme der Protagonistin klingt ehrlich, authentisch und ungefiltert. Sie nutzt geschickt grammatikalische Strukturen als Ausdruck für Zuneigung und dem Grad der persönlichen Nähe zu Figuren. 


    Der Text ist in zahlreiche, bruchstückhafte Mosaikteilchen gegliedert; die Kapitel beschäftigen sich mit je einer Assoziation, einem sinnlichen Eindruck oder einem bestimmten Verlangen. So gleicht das Buch teilweise mehr einer losen Aneinanderreihung epischer Anekdoten als einer konsequent fortlaufenden Handlung; es lädt zunächst eher zum Schmökern ein, als einen angenehmen Lesefluss zu ermöglichen. Es packte mich recht lange nicht und ich brauchte eine Weile, um mit dieser Struktur zurecht zu kommen. 


    Die Autorin zieht einen geschickten Kontrast zwischen der stets pulsierenden und hektischen Stadt London und der trägen Natur Irlands. Zudem laufen mehrere verschiedene Handlungsstränge parallel nebeneinander, sodass hier räumliche und zeitliche Ebenen aufeinanderprallen. Das ist sehr klug gemacht.


    Lucys Suche nach sich selbst ist ein authentischer Ausgangspunkt für den Roman, und durch den ruhigen, bedachten Erzählstil fühlte ich mich als Leser, der gerade in einer ähnlichen Lebenssituation steckt, ernstgenommen. Die liebevolle Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist ein rührender Dreh- und Angelpunkt des Werks, der eine der wenigen Konstanten sowohl in der Handlung als auch im Handeln der Protagonistin ist. 


    Ich finde, dass das Buch teilweise ein wenig stringenter auf ein Ziel hätte hinarbeiten können. Teilweise treibt die Protagonistin zu lange nur im Strudel des Lebens, und durchgeht keinen persönlichen Fortschritt. Dadurch bleibt sie dem Lesepublikum lange befremdlich fern. Hier hätte ich mir mehr Mut zum Ausbrechen aus gewohnten Parametern gewünscht, um uns mehr mit auf den Weg zu geben. "Und jetzt bin ich hier" ist oftmals weniger tiefgründig, als es hätte sein können. 


    Insgesamt ist es aber ein schönes, angenehm zu lesendes Buch, das in mir ein bestimmtes Gefühl in der Brust ausgelöst hat. Der Schreibstil ist sehr inspirierend, die Landschaften lösen in mir Kopfkino-Effekt aus. Ja, es wird nicht das gesamte Potenzial ausgeschöpft, aber für mich reicht es hier dennoch für eine kleine Leseempfehlung. 


    «Und jetzt bin ich hier»
    ist ein fantastisch geschriebenes Werk voller feinfühlig formulierter Beobachtungen über die Suche nach sich selbst. 

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    Cover des Buches Find Me, Finde mich (ISBN: 9783423282307)

    Bewertung zu "Find Me, Finde mich" von André Aciman

    Find Me, Finde mich
    DerMedienbloggervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Selbstständige und überzeugende Fortsetzung zum Sommerbuch des Jahres!
    Selbstständige und überzeugende Fortsetzung!

    Begeben wir uns auf die Reise in das Italien der 1980er-Jahre. Frisches Obst, kühles Meerwasser, selbstgepresster Aprikosensaft, warme Eier zum Frühstück, idyllische Plätze in der Natur, Worte auf Pergament, Noten auf Linien, Kunst im Kopf und im Herzen, Liebe in der Brust, Sommer im Nacken. Der Jugendliche Elio genießt tagtäglich die Trägheit des Sommers, die Anwesenheit seiner Familie, die Musik in seinen Adern. Aber er weiß nicht, wer er selbst ist. Was er möchte, was nicht. 


    Er trifft auf Oliver, der die Begeisterung für Kunst teilt, und denkt, in ihm das verborgene Teil seiner selbst gefunden zu haben, das letzte Puzzlestück, das letzte Buchkapitel, die letzte Abzweigung auf dem Pfad zu sich selbst. Zunächst stößt er aber auf Abweisung, Distanziertheit, Kühle. 


     „Find me“. Sie finden sich, vereinigen sich, eng umschlungen, ineinander, füreinander, miteinander, gegeneinander, übereinander, aber einander. Sie finden sich, denn Gleiches zieht sich an, die Sehnsucht ist gestillt, wie ein knurrender Magen nach einer Schale Obstsalat. Was gesehnt, ist neben, über, in dir, was gesucht, gefunden. Und doch ist es ein ewiges Spiel des Festhaltens, Nichtloslassenkönnens und der ewigen Suche. Und der Bedeutungslosigkeit der Gegenwart, wenn man selbst Zeuge einer größeren Magie, einer größeren Leidenschaft war und ich selbst mehr ich selbst bin als alleine. Man muss sich nicht nur finden, sondern festhalten und nicht loslassen. 



    Die Erwartungshaltung gegenüber dem vorliegenden Werk ist unwahrscheinlich hoch, erreicht sein Vorgänger "Call Me By Your Name" für mich fast schon den Status eines zeitgenössischen Klassikers. Das Buch und der dazugehörige Film erweckt mit seinen poetischen Tönen eine Uremotion ganz tief in meiner selbst, die sonst im Verborgenen bleibt. Es ermutigt mich, homosexuelle Erotik zu lesen, die nicht billig, sondern mit jedem seiner Worte sinnlich und ehrlich ist. 


    Mit "Find Me" kann das Lesepublikum wieder in die Grundhandlung eintauchen und die Fortsetzung ist dabei glücklicherweise eigenständig genug, um nicht überflüssig zu erscheinen. Wir treffen wieder auf bekannte Figuren und vertraute Orte, wechseln aber häufiger die Perspektive und können so über den Tellerrand eines "Call Me By Your Name" hinweg schauen. 


    Der Schreibstil ist nach wie vor atemberaubend und transportiert authentisch die Liebe für die Musik, die Kunst, den Menschen, den Körper und den Moment. Oft trifft das Werk den zeitlosen Ton, die spannenden philosophischen Ansätze und die erzählerische Ruhe, die für Aciman so charakteristisch sind. Dem Ende wohnt ebenfalls diese Intensität, die Stimmung und süße Melancholie inne, die diese Geschichte so magisch machen. 


    Mit seinen gerade einmal knapp dreihundert Seiten ist "Find Me" erstaunlich kurzweilig. Durch den novellen- bzw. kurzgeschichtartigen Charakter wird das erzähltechnisch flotte Tempo noch befeuert. Das Buch ist in vier Teile aufgesplittet, die sich einer vertrauten Figur widmen, die neue Menschen kennenlernen, neue Beziehungen eingehen, neue Orte für sich entdecken, innerlich aber noch immer ähnliche Sehnsüchte, Hoffnungen und Verlangen wie all die Jahre zuvor besitzen. Immer wieder entstehen dabei anregende und besondere Dialoge zwischen Personen, die ungleicher nicht sein könnten. Somit sympathisiert sich der Autor mit allen "Liebe ist Liebe"-Slogans, entgegen aller gesellschaftlichen Vorstellungen und Konfessionen.


    Insgesamt ist der Handlungsverlauf jedoch über weite Strecken nur wenig überraschend. Die Entwicklung der Familie wird etwas vernachlässigt; die Frage, wieso genau sie auseinanderbricht, bleibt ungeklärt. Die Möglichkeit, zum ersten Mal auch aus der Ich-Perspektive von Oliver zu berichten, lässt leider ungenutztes Potenzial liegen. Somit erreicht das vorliegende Werk oftmals nicht die emotionale Tiefe von "Call Me By Your Name". 



    «Find Me» 

    ist eine selbstständige und überzeugende Fortsetzung zum Sommerbuchs des Jahres – wer Elio und Oliver liebt, wird mit diesem Buch seine helle Freude haben!

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    Cover des Buches Call Me by Your Name, Ruf mich bei deinem Namen (ISBN: 9783423086561)

    Bewertung zu "Call Me by Your Name, Ruf mich bei deinem Namen" von André Aciman

    Call Me by Your Name, Ruf mich bei deinem Namen
    DerMedienbloggervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Melancholischer Roman, der Sommer in meiner Brust auslöst und mich an die wahre Liebe glauben lässt.
    Melancholischer Roman, der Sommer in meiner Brust auslöst!

    Gibt es die eine wahre Liebe? Viele halten diese Vorstellung längst für überholt, kein Mensch binde sich ein Leben lang ohne Reue an einen anderen. Die Scheidungsrate ist über die letzten Jahrzehnte stark angestiegen; einige Liebespaare heiraten heutzutage nicht mal mehr, da sie eine Partnerschaft ohne steuerliche Vorteile als den größeren Beweis der Aufopferung füreinander erachten. Der US-amerikanische Schriftsteller André Aciman legt mit «Call Me By Your Name» ein beeindruckendes Plädoyer vor, in dem er das genaue Gegenteil beweist: Zwischen Elio und Oliver entwickelt sich eine besondere Beziehung, die die die beiden noch über ihren gemeinsamen Sommer in Italien hinaus fesseln wird. 


    Der Roman ist in einem herausragenden, wunderschönen Schreibstil wiedergegeben, der wahrhaftig romanisch ist, ohne zugleich kitschig zu sein. Über poetisch anmutende Formulierungen transportiert er die Liebe zur Musik, zur Literatur, der Kunst, aber auch zu sich selbst und anderen gegenüber; er stellt erholsame Sinnlichkeit und erzählerische Ruhe über klischeebehaftete Motive und Ideen. Es finden sich so tiefgründige Ansätze zwischen den Zeilen, dass man das Buch zwei-, drei-, viermal lesen müsste, um den vollständigen Umfang des Werkes zu erfassen. 


    Das Italien der 1980er ist ein atemberaubendes Szenario, das einen Kopfkino-Effekt auslöst und zum Träumen einlädt. Aciman erzählt so langsam und bedächtig, dass er sich wirklich Zeit für seine Charaktere nehmen und ihnen Profil geben kann. In der Ausarbeitung der Feinheiten beweist er, wie filigran er Beobachtungen darstellt. Er präsentiert zwei authentische Hauptfiguren, deren Verlangen nacheinander spürbar ist und die schnell einen Platz in meinem Herzen erobern konnten. 


    Dabei ist «Ruf mich bei deinem Namen» in jeder Faser ein progressiver Schritt in die richtige Richtung: Dieser homosexueller erotischer Roman kann als notwendiges Pendant zu dem ganzen heteronormativen New-Adult-Einheitsbrei gesehen werden, der zurzeit den Büchermarkt überschwemmt. Der Umgang von Elio mit seiner eigenen Sexualität ist inspirierend; er legt sich selbst kein Label auf, denn Liebe ist Liebe, und sexuelles Verlangen ist seit jeher unabhängig von Geschlechtern nur eins: ein von Grund auf menschliches Bedürfnis.


    Die allmähliche Handlung verläuft in ein melancholisches, qualvoll langsames Ende, das wahrlich unter die Haut geht und die Leserschaft bedrückt und herzzerrissen zurücklässt. Durch die fehlenden Ortsbezeichnungen, nur eine Handvoll Bezüge zur technisch fortentwickelten Gesellschaft von heute und treffende Rückbezüge auf antike Werke erhält der vorliegende Roman einen zeitlosen Charakter. Ich möchte diesen Roman wirklich jedem ans Herz legen; es ist ein langsames, meditatives Buch, das sich als tiefgreifende und besondere Sommerlektüre begreifen und dich in emotionalem Chaos zurück lässt. 



    «Call Me By Your Name» 

    ist ein melancholischer Roman, der Sommer in meiner Brust auslöst und mich an die wahre Liebe glauben lässt. Ich kann mir gut vorstellen und wünsche mir, dass er in nur wenigen Jahren bereits als Literaturklassiker gilt. 

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    Cover des Buches Verity (ISBN: 9783423230124)

    Bewertung zu "Verity" von Colleen Hoover

    Verity
    DerMedienbloggervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Atmosphärischer Roman, der mich bis zum Ende fesseln konnte - oder, besser gesagt, bis auf das Ende.
    Atmosphärischer Roman - BIS AUF DIESES ENDE!

    Die US-amerikanische Autorin Colleen Hoover löst mit ihren New Adult-Romanen regelmäßig ein Ticket für die weltweiten Bestsellerlisten. Ihre Wohlfühlromane mit ihrem gewohnt lockeren Schreibstil, authentischen Protagonisten und wichtigen zentralen Thematiken erfreuen sich auch hierzulande großer Beliebtheit. Mit dem neu erschienenen "Verity" schlägt sie für sich selbst einen ganz neuen Weg ein, denn obwohl man es hinter dem Cover nicht vermuten würde, verbirgt sich zwischen den Buchdeckeln ein Psychothriller. Wie gut ihr dieser genretechnische Exkurs meiner Meinung nach gelingt, das erfährst du in der folgenden Rezension. 



    Mit ihrem gewohnt gut zu lesenden, flotten Schreibstil ermöglicht Hoover ihren Leser*innen einen rasanten Einstieg in die Geschichte. Sie kreiert bereits ab der ersten Seite ein mitreißendes Erzähltempo, sodass für mich dieser Roman seit Langem mal wieder einen richtigen Suchtfaktor auslösen konnte. Das klassische "Ok, nur noch ein Kapitel"-Phänomen trat hier häufig auf; nicht selten beschäftigte ich mich auch in meiner Freizeit geistig mit der Handlung und rätselriet über mögliche Zusammenhänge. 



    Durch die reduzierte Figurenanzahl, die Begrenzung auf einen Standort und wenige Ausbrüche in Nebenhandlungen tritt ein kammerspielartiger Charme auf, der mich ein wenig an Theaterstücke von Agatha Christie erinnerte. Durch einige düstere, erschreckende Szenen und die dichte, teils leicht gruselige Atmosphäre schlug mein Herz oftmals  erwartungsvoll höher. Dieser starke Kopfkino- und Miträtsel-Effekt gewährleistet ein tiefgründiges Eintauchen in die Handlung, aus deren Fängen man sich nicht so schnell befreien kann. 



    Die Geschichte wird aus der Sicht der Protagonistin Lowen wiedergegeben, die ihre glaubwürdige Sicht schildert und oftmals authentisch auf die bizarrsten Situationen reagiert. Mit ihrer wenig hysterischen, zunächst etwas sozial distanzierten Art war sie eine durchweg angenehme Figur, mit der ich mich gut identifizieren konnte. Ihre persönlichen Ängste und Traumata werden nur kurz angerissen – hier hätten gerne noch mehr Hintergrundinformationen über ihre Vergangenheit sein können und dürfen, um eine noch engere emotionale Verknüpfung mit ihr zu ermöglichen. 



    Die Geschehnisse verdichten sich langsam, aber stetig zu einem Finale, von dem die gesamte Glaubwürdigkeit der Handlung abhängt. Leider ließ das Ende mich als Leser völlig unbefriedigt zurück und begründet den faden Beigeschmack, der sich auf meiner Zunge ausbreitet, wenn ich an "Verity" zurückdenke. Die letztendliche Wendung fühlt sich unnatürlich, zu gewollt und zu konstruiert an. Sie möchte einschlagen wie eine Bombe, aber hinterlässt bei diesem Versuch nur ein Trümmerfeld voller Logiklöcher und ungeklärten offenen Fragen. Die Autorin möchte ihre Leserschaft spürbar spalten und zu verschiedenen Theorien über den Ausgang der Geschichte anheizen; ich hingegen empfand dabei plötzlich nur noch Belanglosigkeit und Desinteresse gegenüber dem Roman, und das obwohl er mich zuvor so in seinen Bann geschlagen konnte. 



    Ich möchte aufgrund der dichten Atmosphäre, des großen Suchtfaktors und der glaubwürdigen Charaktere an dieser Stelle dennoch eine Leseempfehlung aussprechen. Das Ende spaltet, und das konnte ich im direkten Austausch mit einigen Bloggern am eigenen Leib erfahren, die Gemüter und wird sicherlich nicht jedem gefallen. Daher würde ich die Erwartungshaltung etwas senken. 




    "Verity"
    ist ein atmosphärisch dichter Roman, der mich bis zum Ende packen konnte – oder, besser gesagt, bis auf das Ende. 

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