Der_Buchdrache

  • Mitglied seit 30.03.2018
  • 5 Freunde
  • 220 Bücher
  • 190 Rezensionen
  • 211 Bewertungen (Ø 3.58)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne32
  • 4 Sterne91
  • 3 Sterne60
  • 2 Sterne23
  • 1 Stern5
  • Sortieren:
    Cover des Buches Kurtai der Amazonen: Die Crew der Sirius 7, Band 4 (ISBN: 9781976989926)

    Bewertung zu "Kurtai der Amazonen: Die Crew der Sirius 7, Band 4" von Thorsten Hoß

    Kurtai der Amazonen: Die Crew der Sirius 7, Band 4
    Der_Buchdrachevor 3 Monaten
    Kurzweilige Unterhaltung

    Die Crew der Sirius 7 bestreitet in »Kurtai der Amazonen« mittlerweile ihr viertes Abenteuer. Erneut schickt Autor Thorsten Hoß seine Protagonist*innen auf zahlreiche Abenteuer, in denen der Clan der Astronauten versucht, seinen Platz in der Welt Lunaria zu finden.



    Sehr angenehm war, dass ich mich auch nach längerer Pause wieder gut in die Welt einfinden konnte. Es gibt immer wieder elegant eingebundene Gedankenstützen, die daran erinnern, was in den vorigen Bänden passiert ist.


    Thorstens Romane sind für mich schöne, kurzweilige Unterhaltung. Zugegeben nicht das beste, was ich jemals gelesen habe, aber doch auf ihre Art durchaus nett zu lesen. Worin auch der vierte Band der Reihe wieder in meinen Augen punkten konnte, waren die kreativen Ansätze zu einigen gängigen Tropes des Genres. Da gibt es zum Beispiel eine Katzenwer, also eine Katze, die sich bei Vollmond in einen Menschen verwandelt; wer- ist das althochdeutsche Wort für Mann bzw. Mensch.


    Auch akzeptieren die Amazonen keine Männer bzw. männliche Geschöpfe als Anführer. Trotzdem wird einer der Amazonen-Clans von einem Drachen regiert, der sich selbst als männlich bezeichnet. Er gilt der Einfachheit halber als Königin. Ich mag dieses Detail sehr, weil ich mich frage, ob der Drache dann nicht vielleicht sogar genderfluid ist.


    Das Kurtai selbst ist übrigens eine nette kleine Anspielung auf deutsche Behörden. Nun ja, eigentlich nicht so nett, denn das Kurtai redet ewig um den heißen Brei herum, ignoriert, was ihm auf den Tisch gelegt wird und kommt einfach nicht zu einem Ergebnis. Klingt in der Tat danach, wie deutsche Behörden arbeiten, oder?


    Mir ist aufgefallen, dass mir Hiriko in diesem Band nicht mehr so sehr auf die Nerven fiel. Ich nehme mal an, das liegt daran, dass es auch für sie dieses mal ernstere Themen gab und sie nicht immer alles auf die leichte Schulter nimmt.


    Die Zwischenspiele haben mir stets gut gefallen. In ihnen geht es an Schauplätze, an denen die eigentlichen Protagonisten gerade nicht wirken. In diesem Band waren es hauptsächlich mehrere Magister, die auf der Suche nach Ingbold sind, sowie ein Schamane, der einen Dämon beschwört und diesen dann auf seine Feinde loslässt. So erleben wir, wie es mit der Welt außerhalb der Reichweite der Astronauten aussieht. Mir ist nur eines nicht klar: was diese Zwischenspiele zur eigentlichen Handlung beitragen. Warum stehen die da? Welchen Zweck erfüllen diese Zwischenspiele neben Worldbuilding? Vielleicht wird das ja in den Folgebänden geklärt, noch ist es mir jedoch ein Rätsel.


    Wie schon bei den Folgebänden muss ich auch hier die extrem kurzen Kapitel erwähnen. Dadurch, dass sie oft nur wenige Seiten haben, bringt das sehr viel Unruhe ins Lesen hinein. Kaum passiert in dem Kapitel etwas, wird schon zum nächsten gesprungen und es gibt wieder einen neuen Fokus, der dann wieder unterbrochen wird und so weiter.


    Auch stilistisch gibt es noch Möglichkeiten zu feilen. Es wurde so zum Beispiel einige Male zu oft »die Blonde« oder »der Grüne« geschrieben, als würden sich die Protagonist*innen durch nichts anderes als ihre Haar- oder Hautfarbe auszeichnen.


    Insgesamt ist und bleibt auch der vierte Band der Reihe eine kurzweilige Unterhaltung, mit ihren Stärken, aber eben auch Schwächen. Wieder einmal spielt Hoß kreativ mit den Tropes des Genres und interpretiert sie angenehm neu. Jedoch habe ich nach wie vor die kurzen Kapitel zu bemängeln und auch am Stil lässt sich durchaus noch etwas arbeiten.



    Ich durfte den Roman im Zuge einer Leserunde auf Lovelybooks lesen und bedanke mich sehr dafür!



    Mögliche Trigger

    - Gewalt gegen Menschen

    - Tod/Mord

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Cover des Buches Schwarzmondlicht (ISBN: B0818LV489)

    Bewertung zu "Schwarzmondlicht" von Melanie Vogltanz

    Schwarzmondlicht
    Der_Buchdrachevor 6 Monaten
    Erfrischende Interpretation gängiger Tropes

    Was sich zu Beginn als harmlose Jugenschmonzette tarnt, entpuppt sich bald zu einem rasanten Abenteuer voller dunkler Magie. Mit »Schwarzmondlicht« hat Autorin Melanie Vogltanz ihren einstigen Urban Fantasy Roman »Luna Atra« neu aufgelegt und ihm ein neues Kleid verliehen. Denn kein Charakter erzählt zweimal dieselbe Geschichte, so ihre Worte.


    »Die Mitglieder einer Vereinigung von Menschen mit magischen Fähigkeiten, die sich selbst »Der Zirkel« nennt, werden der Reihe nach grausam ermordet. Dann hört das Töten ganz plötzlich auf.

    Knapp zwanzig Jahre später sterben erneut Magier. Während Seher und IT-Techniker Hiroshi Taoyama einen Tod nach dem anderen vorhersagt, ohne Einfluss auf das Schicksal nehmen zu können, wird die Beinahe-Studentin Laura Seibach unfreiwillig in Ereignisse hineingezogen, deren Ausmaße sie nicht erahnen kann.

    Welches wahre Ziel verfolgt der Mörder, und worauf hat er all die Jahre gewartet?«

    (Quelle: Autor*innen Webseite)


    Ein Geständnis: Ich fand es wirklich sehr erheiternd, dass dieser Roman zunächst andeutet, eine typische Teenie Schmonzette zu sein, und dann kommt doch alles anders als erwartet. Daher ein Hinweis an alle, die Young Adult Romanzen nicht viel abgewinnen können: Lasst euch nicht von den ersten Seiten abschrecken. Es ist nicht alles das, wonach es aussieht. Und das, was dann tatsächlich kommt, ist ein schöner Twist und eine willkommene Abwechslung zu den obligatorisch erscheinenden Liebesbeziehungen selbst in Romanen, in denen die Liebe zwischen den Protagonist*innen eigentlich nicht der Mittelpunkt ist.


    Doktor Hansen gehört definitiv zu meinen Lieblingscharakteren. Er tarnt sich zwar als Nebencharakter, aber im Laufe der Story erfahren wir immer mehr über ihn, sodass er sich ganz klammheimlich und im Hintergrund doch zu einer sehr wichtigen Person mausert. Er selbst wollte diese Rolle nie so wirklich und überspielt das mit seiner abweisenden kratzigen Art. Manchmal (na gut, sehr oft) kann er ein richtiges Ekel sein. Und doch hat er einen weichen, mitfühlenden Kern, der ihn tun lässt, was er tut.


    Alle Charaktere sind Individuen mit ihren eigenen Geschichten und Schicksalen, die zudem nicht immer aus der bereits tausendmal wiedergekauten Tropekiste stammen. Zusammen mit Melanies kreativer Tarnung einer YA Romanze gibt das dem Roman einen eigenen Charakter, der ihn herausstechen lässt aus der Flut an Romanen.


    Die Protagonisten entstammen überwiegend dysfunktionalen Familienverhältnissen. Nicht jede davon ist so extrem wie Kiros extrem religiösen Eltern, die nicht davor zurückschrecken, ihre Kinder im Namen ihrer Religion zu misshandeln. Lauras Familiengeschichte ist da weitaus alltäglicher, wenn auch nicht weniger schlimm: Ihre Großeltern haben nicht wirklich das Wohl ihrer verwaisen Enkelin im Sinn und übergehen sie und ihre Bedürfnisse in ihrer Trauer völlig. Die Protagonisten leiden jede*r auf seine/ihre Art unter ihren kaputten Familien und da es nun einmal nicht die perfekte Familie gibt, ist das etwas, das die Figuren sehr greifbar macht.


    Bei all dem Lob zur Individualität des Romans tue ich mich dennoch mit einer bestimmten Stelle recht zu Anfang des Romans schwer. Laura und ihr Vater gehen im Streit auseinander und da passiert das Unglück und ihr Vater kommt in einem Feuer ums Leben. Es ist der Klassiker unter den Tragödien und daher nicht wirklich mitreißend, wie ich finde. Das wird jedoch wieder ein wenig aufgewogen, indem die Autorin das Trope im Kontext ihres Romans sinnvoll einbettet und ihm eine ganz bestimmte Funktion zuweist. Ich frage mich dennoch, ob sich dieses Trope nicht vielleicht doch hätte vermeiden lassen.


    Wiederum gelungen ist jedoch ihre Beschreibung von Lauras Trauerreaktion auf das Unglück. Das hat sie sehr gut getroffen, da sie sich abseits der gängigen »Warum musste ausgerechnet mir das passieren? Oh nein, jetzt haben wir uns gestritten und meine letzten Worte an ihn waren was Böses»-Sprüche bewegt. Was nicht heißen soll, dass solche Aussagen bei Trauernden unüblich seien (aus Erfahrung weiß ich, dass sie es nicht sind), es ist nur etwas ermüdend, immer wieder dasselbe Schema zu lesen, wenn Trauer doch so individuell ist wie die trauernden Personen.


    Der Einzelband »Schwarzmondlicht« besticht durch individuelle Protagonisten mit Ecken und Kanten, guten wie schlechten Seiten. Zudem gibt es immer wieder überraschende Plottwists und erfrischende Neuinterpretationen von bekannten Tropes. Definitiv ein lesenswerter Urban Fantasy Roman!




    Mögliche Trigger 

    - Gewalt gegen Menschen und Tiere

    - Mord

    - Tod eines Angehörigen

    - dysfunktionale Familie

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Wandernde Himmel (ISBN: 9783499274183)

    Bewertung zu "Wandernde Himmel" von Hao Jingfang

    Wandernde Himmel
    Der_Buchdrachevor einem Jahr
    3,5 Sterne

    3.5*

    Science Fiction aus China ist im Kommen. Eine aufstrebende junge Frau ist ebenfalls unter den zahlreichen neuen Namen, die auch im europäischen Buchmarkt ihre Fans finden: Hao Jingfang schrieb mit »Wandernde Himmel« einen wunderbar zarten und einfühlsamen Roman über die Frage »Wie wollen wir leben?«

    »Zwei Gesellschaften und eine große Frage: 
    Wie wollen wir leben?
    2096: Die Erde hat eine Kolonie auf dem Mars gegründet, um neuen Lebensraum zu erschließen. Doch die will unabhängig sein: Während die Mars-Bewohner den Raubtierkapitalismus der Erde verdammen, halten die Erdenmenschen den roten Planeten für ein System unkontrollierter Alleinherrschaft. Zur Verständigung zwischen den Völkern sendet der Mars hundert Jahre später einige Jugendliche auf die Erde – darunter auch die kürzlich verwaiste Luoying, eine Enkelin des Mars-Machthabers. Ihr Bruder bleibt zurück. Fünf lange Jahre dauert es, bis die nun erwachsene Frau den loyalen und erfolgreichen Rudy in der roten Heimat wiedersieht. Die Weltenwanderin Luoying muss sich entscheiden: Für oder gegen das starre System - mit möglicherweise tödlichen Konsequenzen nicht nur für sie selbst.«
    (Quelle: Verlag)

    Ich schreibe diese Rezension mit einigem Abstand zum Buch und ich muss gestehen, dass nicht allzu viele Eindrücke hängen geblieben sind. Das liegt aber daran, dass ich persönlich eher für die großen Wow-Momente zu haben bin und »Wandernde Himmel« im Gegenzug dazu sehr ruhig erzählt ist. Es empfiehlt sich definitiv, sich Zeit und Ruhe für diesen Roman zu suchen, um ihn dann bestmöglich in all seinen Facetten genießen zu können.

    Die Autorin hat einen wunderbar zarten Blick für die Details, die ihre Welt lebendig werden lassen. Luoying wirkt dadurch wie ein sehr zerbrechliches Geschöpf – jedoch wissen wir alle, dass stille Wasser tief sind. So auch Luoying, die, vielleicht beabsichtig, vielleicht unbeabsichtigt, ein großes Umdenken in ihrer Gesellschaft und besonders unter den jungen Leuten anstößt.

    In der Ruhe des Romans liegt seine Eindrücklichkeit. Wir verfolgen einen eher langsamen Spannungsaufbau, jedoch ist stets zu merken, dass unterschwellig etwas im Argen ist. Allerdings hat mich der zweite Teil des Romans leider etwas verloren. Für mich war es dann doch etwas zu ruhig.

    Dem ganzen Roman liegt Platons Höhlengleichnis zugrunde. Derjenige, der seinen Platz in den Schatten nie verlässt, wird nie erfahren, dass die Schatten nicht echt sind. Luoying war eine jener Personen, die die Schatten verließ und auf der Erde eine völlig andere Art und Weise kennen lernte zu leben. Sie kennt nun die Vor- und Nachteile beider Welten und beider Lebenskonzepte, hängt aber selber als Weltenwanderin dazwischen und weiß nicht so recht, welchem Konzept sie sich eher verbunden fühlt. Der Erde? Dem Mars? Etwas Neuem?

    Leider muss ich das sehr konservative Welt- und Rollenbild, das in diesem Roman präsentiert wird, kritisieren. Ob da wohl der chinesische Hintergrund durchkommt?

    »Wandernde Himmel« von Hao Jingfang ist ein sehr ruhiger, aber dafür umso eindrücklicherer Roman über die Frage, wie wir leben wollen. Für manche mitunter jedoch zu ruhig. Nichtsdestotrotz ist er auf jeden Fall eine Empfehlung. 


    Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.


    Mögliche Trigger
    - Suizid

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Orbs (ISBN: 9783453319530)

    Bewertung zu "Orbs" von Nicholas Sansbury Smith

    Orbs
    Der_Buchdrachevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Independence Day als Buch. Und nein, das ist kein Lob
    Wenn Independence Day ein Buch wäre

    Wenn es den Film »Independence Day« als Buch gibt, dann ist es wohl »Orbs« von Nicholas Sansbury Smith. Und ich hätte darauf verzichten können.

    Der Roman ist definitiv sehr amerikanisch und der Vergleich mit »Independence Day« kommt ebenfalls nicht von ungefähr. Es gibt eine Menge Geballer und toughe, coole Sprüche. (An »Yipie yah yei, Schweinebacke!« kommt aber keiner heran.) Eben genau das, was man aus einem amerikanischen Hollywood Action-Blockbuster so kennt. Hinzu kommt eine sehr U.S.-amerikanische Einstellung zum Militär und zu Waffen. Für eine Alieninvasion besteht die Erde nun mal grundsätzlich nur aus Nordamerika.

    Kurzum: Das ist Popcornkino in Buchform. So etwas schaue ich mir nicht wegen der tiefgründigen Storys an, sondern wegen der coolen Actionszenen. In diesem Fall also wegen der Aliens.

    Leider waren die mal so gar nicht cool. Oder zumindest nicht genug, um diesen Roman in irgendeiner Weise über die fehlende Story hinweg zu tragen.

    Die Hauptfrage, die sich mir stellte, lautet: Wie stellen die sich vor, das zu überleben? Das sind ne Handvoll Marines und Wissenschaftler und zwei nervige Kinder obendrauf! Wie?! Die Invasion umfasst die gesamte Erde, es gibt so gut wie keine Überlebenden schon wenige Tage nach dem Angriff. Das ganze Setting wirkt für mich ehrlich gesagt ziemlich lächerlich.

    Der erste Band, um den es sich hier handelt, ist eher ein Setup, der zur eigentlichen Handlung hinzuführen scheint. Mir wird hier aber nichts gegeben, anhand dessen ich sehen kann, dass die Protagonisten auch nur einen Hauch von Chance haben, auch nur noch eine weitere Woche zu überleben. Früher oder später werden sie überrannt, zumal immer wieder angedeutet wurde, dass sie bisher nur die Vorhut der Alienarmee gesehen haben. Und schon gegen die waren sie hoffnungslos unterlegen.

    Hinzu kommen einzelne Szenen, von denen ich vermute, dass sie Horrorelemente und billige Jumpscares sein sollen. Nur dass Jumpscares auf literarischer Ebene nicht so funktionieren können wie in einem Film. Allerdings ist hier sehr vieles eher filmisch aufgezogen. Hat sich da jemand im Medium geirrt? Jedenfalls konnte ich bei diesen Szenen nur müde gähnen.

    Augenfällig sind des Weiteren die häufigen Erzählerwechsel, teilweise noch auf derselben Seite und kurz hintereinander. Wir haben keinen wirklichen allwissenden Erzähler, sondern durchaus einen personellen, der jedoch sehr schnell zwischen den Figuren hin und her springt. Mich hat das häufig sehr irritiert, wenn ich plötzlich die Szenerie schon wieder aus einem anderen Blickwinkel betrachtete. Etwas mehr Konsistenz und damit Ruhe hätte der Erzählung hier gut getan.

    Die Aliens selbst hätten noch einmal einen spannenden Aspekt hinzufügen können. Allerdings hat mich das Setting, dass sie auf die Erde kommen und alles Wasser auf dem Planeten aufsaugen, überhaupt nicht gepackt. Wenn schon Erstkontakt-Geschichten, dann doch eher Cixin Lius »Remembrance of Earth’s Past«-Reihe, das ist wesentlich faszinierender aufgezogen.

    Des Weiteren fand ich bereits den Ausgangspunkt der Erzählung unlogisch. Den Forschern wurde erzählt, dass sie sich in den völlig autarken Untergrund-Bunker begeben, um dort die isolierten Bedingungen auf der Reise zum Mars zu simulieren. Was ich mich jedoch frage: Macht das überhaupt Sinn? Stehen Raummissionen nicht grundsätzlich im Kontakt zur Erde? Klar, der Übertragungsweg von Mars zu Erde ist weit und nicht unmittelbar. Somit wäre eine völlige Isolation von der Erde aber dennoch nur ein Extremfall. Wäre gesagt worden, dass hier ein solcher Extremfall geprobt werden sollte, hätte ich es glaubhafter gefunden. Am Ende steckt eh mehr dahinter, aber die Erklärung für den Bunker erscheint mir dennoch ungenügend.

    Der Vergleich mit dem Film »Independence Day« liegt bei »Orbs« sehr nahe. Wer den Film mochte, findet vielleicht seine Popcorn-Freuden an diesem Buch. Für mich schwächelt der Roman jedoch inhaltlich zu sehr und bietet mir auch auf der Action-Seite zu wenig, als das ich mich unterhalten gefühlt hätte.


    Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.


    Mögliche Trigger
    - Gewalt gegen Menschen
    - Blut und Wunden
    - Tod und Leichen

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Wolfswahn (ISBN: 9783959623377)

    Bewertung zu "Wolfswahn" von Melanie Vogltanz

    Wolfswahn
    Der_Buchdrachevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein gelungener Reihenabschluss!
    Der Kreis schließt sich

    Alles muss ein Ende haben (leider) und so auch die »Schwarzes Blut«-Reihe von Melanie Vogltanz und mit ihr auch Alfios Geschichte. Ein bisschen wehmütig stimmt es mich ja schon, aber was bleibt, ist die Erinnerung an viele tolle Lesestunden.

    Es endet, wo es begann: in Wien. Melanie spannt damit einen wunderbaren Bogen über alle sechs Bände der Reihe hinweg und bringt die Duologie der Trilogien damit zu einem runden Abschluss.

    Bis zum Schluss bleibt sie kreativ und fügt immer neue Details ihrer Welt hinzu. Dieses Mal war es zum Beispiel eine Kneipe, die von Unsterblichen für Unsterbliche geführt wird. Für alle. Hier finden sowohl Hemykinen als auch Strigoi unter einem Dach Zuflucht, Obhut und manchmal sogar enge Beziehungen. Etwas, das der ausgesprochene Einzelgänger Alfio für unmöglich hielt.

    Der Anfang des Romans zog sich ein wenig, ohne dabei direkt langweilig gewesen zu sein. Dann jedoch kam relativ schnell der Punkt, an dem ich das Buch einfach nicht mehr zur Seite legen konnte und es schneller zu Ende war, als mir lieb gewesen wäre.

    Mich hatte es ein wenig verwundert, dass wir nicht mit der Konfrontation mit Djavol einsteigen, womit ich fest gerechnet hätte, sondern da, wo eigentlich schon alles vorbei ist. Aber Melanie zieht das durch Rückblenden so geschickt auf, dass wir quasi die Spannungsbögen von zwei parallel verlaufenden Geschichten miterleben. Quasi doppelte Spannung also!

    Das Ende ist … nun, es ist auf jeden Fall ein stimmiges Ende. Vielleicht nicht 100% das Ende, das ich mir für Alfio, der schon genug gelitten hat, gewünscht hätte, aber wohl definitiv das beste Ende, das er nach all dem bekommen konnte. Ich knuddel ihn in Gedanken dennoch durch und will ihm eine Kuscheldecke häkeln.

    Und dann das mit Dante. Ich sag nicht was, aber: Nicht ok, Melanie! Gar nicht ok! Orr! Du weißt Bescheid!

    Auch hier sei wieder gesagt, dass es nicht unbedingt sanft zugeht. Es werden teils detailliert Folter und deren Auswirkungen auf Körper und Psyche beschrieben. Nie so sehr, dass ich sagen würde, es sei zu viel des Guten, doch genug, dass Leser*innen, die so etwas nicht gut vertragen, es sich vielleicht zweimal überlegen sollten.

    Alles in allem also ein absolut gelungener Reihenabschluss! Ein wenig Wehmut bleibt, dass wir von diesen Charakteren nun Abschied nehmen müssen. Aber wenn wir noch etwas aus der Welt lesen dürfen, werde ich auf jeden Fall dabei sein!


    Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.


    Mögliche Trigger
    - Suizid
    - Folter und deren Folgen
    - Gewalt gegen Mensch und Tier
    - Blut und Wunden
    - Tod und Leichen

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Drúdir (ISBN: 9783946425618)

    Bewertung zu "Drúdir" von Swantje Niemann

    Drúdir
    Der_Buchdrachevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Was passiert, wenn in einer High Fantasy Welt wie der Tolkiens eine Industrielle Revolution von statten geht? Toller Steampunkroman!
    Eine kreative Idee und tolle Umsetzung

    Wer nach deutschsprachigem Steampunk sucht, ist bei Swantje Niemann auf jeden Fall gut beraten. »Masken und Spiegel« ist mittlerweile der zweite Band um den magiebegabten Zwerg Drúdir, welche ursprünglich im Selbstverlag erschien und mittlerweile ein zauberhaftes Heim in der Edition Roter Drache gefunden hat.

    »Nach einem teuer erkauften Triumph versucht Drúdir vergeblich, wieder in seinem alten Leben heimisch zu werden. Als sich auch noch herausstellt, dass er bei seinen zwergischen Landsleuten im Norden nicht länger sicher ist, reist er ins Herz des Kontinents, um dort Jathrades Elytti zu finden – den Mann, von dem er Kontrolle über seine nekromantischen Fähigkeiten zu lernen hofft. Doch in Ch’Ashvaenta, der Stadt, in der die Menschen ihre Gesichter hinter prachtvollen Masken und ihre Vergangenheit hinter Lügen und Auslassungen verbergen, ist nichts wie erwartet.

    Als Drúdir ankommt, ist Jathrades Elytti tot – womöglich ermordet. Auf der Suche nach dem Mörder lässt sich Jathrades‘ Tochter, die junge Maskenmacherin Nodia, mit gefährlichen Verbündeten ein. Ehe die beiden es sich versehen, haben Nodia und Drúdir sich in ein Netz aus Lügen, Rache und Verdächtigungen verstrickt, aus dem sie sich nur befreien können, wenn sie herausfinden, welches Geheimnis Jathrades fünfzehn Jahre lang so sorgsam gehütet hat.«

    Um Band 2 zu verstehen, muss man nicht unbedingt Band 1 gelesen haben. Man kann, wenn einem kleinere Spoiler nichts ausmachen, also durchaus auch hier einsteigen.

    Ich liebe noch immer die Idee, eine klassische Fantasywelt wie die Tolkiens eine industrielle Revolution durchleben zu lassen. Because why not? Vieles ist technisiert (besonders die Zwerge sind da natürlich ganz vorn dabei) und alles, was mit der alten Zeit zu tun hat, wird verpönt. So auch die Magie, die nun aber wieder zurückkehrt.

    Die verschiedenen Völker reagieren unterschiedlich darauf. Während die Menschen, wenn auch vielleicht handwerklich nicht so geschickt wie die Zwerge, sich gut an die neuen Begebenheiten anpassen können, bleiben insbesondere die Elben, die noch sehr in der alten Welt voller Magie verwurzelt sind, förmlich in der Zeit stehen und verlieren mit einem Mal quasi ihre gesamte Macht im Weltgefüge.

    Ich liebe diese Aspekte des Romans und hätte so gern noch viel mehr davon! Wie die verschiedenen Gesellschaften und deren Individuen auf die veränderten Bedingungen reagieren, habe ich so gern gelesen!

    Auch die Charaktere selbst sind sehr spannend dargestellt. Keiner von ihnen ist ein Stereotyp und jeder von ihnen hat seine guten und schlechten Seiten, wie auch im echten Leben nichts immer nur gut oder böse ist. Das gibt den Figuren den Anschein-, dass sie real sind, echte Menschen (und Zwerge) eben. Übrigens ist das auch einer der Aspekte, die ich auch an A Song of Ice and Fire so mag. Auch die, die eigentlich die Guten sind, haben ein wenig Dreck am Stecken – und vielleicht auch die eine oder andere Leiche im Keller. Das lässt uns die Figuren hinterfragen, sie reflektieren, auch durch andere Charaktere, und (fiktiv-)historische Ereignisse unter einem neuen Licht betrachten. Ich würde mich jetzt einfach mal ganz weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass hier Swantjes Studium der Kulturwissenschaften teils durchblitzte, was ich persönlich sehr positiv aufnehme.

    Die Drúdir-Reihe ist und bleibt eine wunderbare Empfehlung für alle, die zwar gern von den klassischen Fantasy-Völkern lesen, diese aber gern einmal in einem erfrischend neuen Kontext sehen. Die Reihe baut historisch, sowohl inhaltlich als auch literarisch, auf der Tradition der High Fantasy auf, entwickelt sich daraus aber weiter. Eine tolle Idee und gelungene Umsetzung!


    Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Weil du mir gut tust (ISBN: 9781973439202)

    Bewertung zu "Weil du mir gut tust" von David Schwamborn

    Weil du mir gut tust
    Der_Buchdrachevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Roman voller Probleme, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit und Ableismus gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen.
    Sehr problematisch

    Dies ist die Kurzversion. Die Langversion findet sich auf meinem Blog.

    Allein den Inhalt zusammenzufassen fällt schwer, weil er einfach so unglaublich wirr ist. Ich hörte, der Text sei überarbeitet worden. In der ersten Fassung spielte das alles noch in der bayrischen Pampa, in der eine örtliche Mafia mafiöse Dinge tut. Stirnrunzeln ist angebracht. Des Weiteren etabliert sich der cishet white dude Hauptcharakter darüber, dass er Leuten des LGBTQIA+ Spektrums dabei hilft, deren Probleme zu lösen. An sich schon arg problematisch, dass sich hier erneut Heteronormativität somit als überlegen darstellt. Wäre das nur der einzige Punkt, der an sich schon schmerzhaft genug ist. 

    Nein, leider findet sich hier auch eine riesige Portion Sexismus. Die „starke Frauenfigur“ des Romans ist als wortwörtlich stark zu verstehen, denn sie kann sich nur durchsetzen, indem sie anderen, nun, auf die Fresse gibt. Ein weiblicher Charakter, der sich nur dadurch durchsetzen kann, indem ihm männlich konnotierte Eigenschaften zugeschrieben werden, uff.

    Des Weiteren gibt es unsensiblen Umgang mit sensiblen Themen wie unter anderem Suizid und SVV. Beides wird verharmlost, klein gespielt und thematisiert, als würden zwei Leute darüber reden, was sie gerade im Konsum eingekauft haben. Das bildet definitiv keinen gesunden und respektvollen Umgang mit solchen Themen ab. Abgesehen davon, dass es keine Triggerwarnung gibt. Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, dass dies Menschen gefährdet.

    Auch auf der handwerklichen Ebene versagt der Roman auf ganzer Strecke. Nahezu jede Seite ist übersäht mit Fehlern, die teils sogar das Verständnis erheblich erschweren. Die Charaktere selbst sind einfach eine Katastrophe. Langweilig, völlig unlogisch handelnd und extrem unsympathisch. Und zwar alle. Selbst der Hauptcharakter, welcher hier als Held inszeniert wird, der unfehlbar ist, ist unausstehlich, da er sich wie der letzte Vollhorst benehmen kann und dennoch am Ende alle ihm recht geben, egal wie mieserabel er sie behandelt hat. Die Handlung bietet einfach keinerlei Spannungspunkte, weil alles voller Logiklücken ist. Wie kann es sein, dass ein Mordverdacht genau in der Ferienzeit behandelt wird und der Hauptverdächtige just zu Ferienende freigesprochen wird, obwohl es dafür keine eindeutigen Indizien gibt? Weil es der Plot so will? Wo bekommt man nackt unter der Dusche ein Messer her? Und warum muss es ein cishet white dude sein, der Sexismus und Rassismus sowie eine Mafia im Alleingang besiegt und am Ende die Frau seiner Träume abbekommt?

    Fragen über Fragen und keine Antworten. Nur die: Dieser Roman ist eine Zumutung.

    Kommentare: 1
    2
    Teilen
    Cover des Buches Berg der Macht (ISBN: 9783492281720)

    Bewertung zu "Berg der Macht" von Robert Corvus

    Berg der Macht
    Der_Buchdrachevor einem Jahr
    Holpriger Beginn

    »Berg der Macht«, so lautet der Titel des neuen Reihenauftakts von Robert Corvus. Dass es ein Reihentitel war, erschloss sich mir zwar erst während des Lesens, aber das sei zunächst dahin gestellt.

    Der Roman ist in jeglicher Hinsicht ein Auftakt. Das ganze liest sich eher als Setup für die eigentliche Geschichte und die wirklich spannenden Ereignisse gibt es erst am Ende des Romans. Entsprechend schwer hatte ich mich getan, mit der Welt warm zu werden. Ich hatte eine ganze Weile gebraucht, um halbwegs zu verstehen, wie das Magiesystem des titelgebenden Berges funktioniert, und so wirklich sicher bin ich mir immer noch nicht, ob ich es ganz verstanden habe.

    Ich persönlich kann Quilûn nicht ausstehen. Er hat eine furchtbare victim blaming Attitüde ausgerechnet seinem Sohn gegenüber. Jener ist ein Mobbingopfer, da er dank der Gunst, die der Fürst seinem Vater gewährt, als Bürgerlicher auf eine Schule für Adlige gehen kann. Das sehen die anderen Schüler dort natürlich nicht gern. Quilûn ist nun der Meinung, dass sein elfjähriger Sohn sich selbst der stärkeren Mitschüler erwehren soll und »zum Mann« werden muss. Da schwillt mir der Hals an. Immerhin bekommt Quilûn die Rechnung dafür. Leider auf Kosten seines Sohnes.

    Was mir allgemein jedoch gut gefiel, ist die Darstellung von Quilûn als Künstler. Er hat den künstlerischen Blick und betrachtet die Welt durch seine Kunst. Er lebt für das, was er tut, und das kommt auf jeden Fall beim Leser an.

    Auch so können auch die anderen Charaktere von sich überzeugen und nach und nach schält sich dann doch das Bild einer interessant klingenden Welt aus der anfänglichen Verwirrung heraus. Den Intrigen, denen Semire auf der Ferse ist, konnte ich allerdings nicht ganz folgen. Dann bleiben wohl nur die Folgebände abzuwarten, wie sich das ganze entwickelt.

    Ein kleines nettes Schmankerl war eine versteckte Anspielung auf eine gewisse andere Reihe des Autors. Ich verrate hier nicht, welche, selbst suchen ;) Jedenfalls regte das in mir ein paar spannende Gedankengänge an, ob die beiden Romane nicht vielleicht in derselben Welt spielen oder sich sonstige Parallelen ergeben. Oder vielleicht war es ja auch nur ein lustiges Easter Egg.

    Alles in allem also ein guter Roman, der leider am Anfang sehr lange braucht, um in Schwung zu kommen. Dann konnte er mich jedoch gut genug fesseln, dass ich wissen möchte, wie es weiter gehen wird.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    Cover des Buches Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (ISBN: 9783942396127)

    Bewertung zu "Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes" von Ted Chiang

    Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes
    Der_Buchdrachevor einem Jahr
    Anspruchsvolle SciFi

    Aufmerksam wurde ich auf »Arrival – Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes« von Ted Chiang durch, man ahnt es bereits, die Verfilmung der titelgebenden Geschichte des Kurzgeschichtenbandes (welche ironischerweise eigentlich mit »Geschichte deines Lebens« betitelt ist). Nachdem der Film zu einen meiner absoluten Lieblinge zählt, war für mich klar, dass ich auch die literarische Vorlage dazu lesen musste. Umso mehr freue ich mich, dass der Golkonda-Verlag mir nun die Möglichkeit dazu bot.

    Diesen Kurzgeschichtenband zu rezensieren, fällt mir schwer. Nicht etwa, weil er mich so sehr enttäuschte. Ganz im Gegenteil! Er ist so umwerfend, dass ich einfach keine passenden Worte dafür finde, wie sehr mich »Arrival« beeindruckt hat. Ich zitiere einmal Denis Scheck, der wiederum auf dem Klappentext aus »Druckfrisch« zitiert wurde: »Ein Buch, das zum erzählerisch Erstaunlichsten, intellektuell Aufregendsten und ästhetisch Innovativsten zählt, was mir in den letzten Jahren unter die Augen gekommen ist.« Besser kann man es eigentlich nicht sagen.

    Jede der Novellen trägt auf ihre Weise zum Nachdenken ein und bietet große Emotionen. Geschichten, die mitten aus dem Leben gegriffen sind, und doch in sich eine ganz eigene Welt tragen. So sucht »Der Kaufmann am Portal des Alchemisten« durch Zeitreisen Vergebung für seine Liebste oder berichtet eine Mutter in »Geschichte deines Lebens« ihrer Tochter von ihrer Geschichte. Viele der Novellen wirken im ersten Augenblick alltäglich, und dann gibt es doch ein bestimmtes Element, das dem Text das Phantastische verleiht.

    Die Novellen wirken nach und sind nicht so leicht vergessen. Manchmal bedarf es jedoch auch einiges an Fachwissen. »Geschichte deines Lebens« ist von einer Linguistin erzählt, die von ihrer Arbeit mit der Sprache der Aliens berichtet, die auf der Erde gelandet sind. Vieles davon, wovon sie spricht, ist nicht unbedingt Allgemeinwissen und ich kann mir vorstellen, dass das für Nicht-Linguisten mitunter etwas schwer nachzuvollziehen ist. (Als Germanistik allerdings hatte mich gerade diese Geschichte deswegen nur umso mehr begeistert.)

    »Arrival« ist anspruchsvolle Science Fiction, die neue Welten eröffnet, die auf skurrile Weise seltsam vertraut wirken. Besonders »Geschichte deines Lebens« hat es mir angetan, doch auch die anderen Novellen des Bandes sind ausgesprochen lesenswert und eine Empfehlung.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Vom einsamen Emoeinhorn Erna, das wie alle sein wollte (ISBN: 9783947106066)

    Bewertung zu "Vom einsamen Emoeinhorn Erna, das wie alle sein wollte" von Alex Simm

    Vom einsamen Emoeinhorn Erna, das wie alle sein wollte
    Der_Buchdrachevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Zjm Schreien komisch und mit bitterbösen Humor gewürzt
    Zum Schreien

    Mit Gedichten verbindet mich eine seltsame Hassliebe. In der Schule (und eigentlich auch im Studium) habe ich Gedichtinterpretationen auf Note gehasst und dennoch habe ich immer ziemlich gut dabei abgesahnt. Privat lese ich sie aber durchaus gerne, besonders, weil ich finde, dass gerade in Gedichten die Schönheit und Kunstfertigkeit der Sprache zur Geltung kommt. Und wenn dann noch eine humoristische Komponente dazu kommt … Long story short: Ich konnte zu den traurigen Balladen »Vom Einsamen Emoeinhorn Erna, das wie alle sein wollte« von Alex Simm einfach nicht nein sagen.

    In der Tat: Simm spielt wunderbar mit der Sprache. Da wird dann auch mal eben der Schnee von gestern zur Flut von morgen. Auf ausgesprochen erfrischende Weise greift er altbekannte Sprichwörter und Motive auf und betrachtet mit ihrer Hilfe und auf urkomische Weise moderne Phänomene wie den Klimawandel, die Entmenschlichung in der Arbeitswelt oder den Schönheitswahn, dem sich alle zu unterwerfen scheinen.

    Der Autor arbeitet stark antithetisch, was ein deutliches Spannungsfeld aufbaut. Das soll seine Aussage unterstreichen, dass wir alle uns nicht in vorgefertigte Rollenbilder pressen lassen sollen, sondern es oft besser ist, einfach man selbst zu sein. Mit bitterbösem Humor legt Simm den Finger genau da hin, wo es weh tut, zeigt gesellschaftliche Probleme und schädliche Strukturen auf  und übt somit an ihnen Kritik und mahnt.

    Ich habe mich so einige Male vor Lachen gekringelt beim Lesen, so böse der Humor auch manchmal war. Und als ich mir einige der Audioaufnahmen anhörte, die hinten im Buch verlinkt sind, so hat es mich förmlich zerfetzt. Das Ganze noch einmal rezitiert zu hören, gibt dem noch ein gewisses Extra, das zumindest bei mir noch einmal deutlich mehr die Lachmuskeln anstrengt.

    Einige der Balladen wirken jedoch stellenweise mehr nach »Reim dich oder ich fress‘ dich«. Klar, in der modernen Lyrik kein Ding, meinen persönlichen Geschmack trifft es jedoch nicht zu 100%, zumal sich Simm hier in die Tradition der hochgeschätzten Balladen begibt.

    Illustriert ist jede Ballade von Cora Otté mit detaillierten und sehr schönen Zeichnungen.

    Die Gedichte sind als Schullektüre vorgeschlagen. Gerade in Zeiten von Fridays For Future halte ich das für eine sehr gute Sache, mal nicht nur die altbekannten, trockenen Klassiker zu behandeln, sondern auch Stoff, der die Schüler direkt tangiert. Ich denke, dass man ihnen so besser zeigen kann, dass die deutsche Sprache eine ganz wunderbare sein kann. Alles in allem also eine wirklich erheiternde und zum Nachdenken anregende Lektüre, die ich herzlich weiterempfehlen kann.

    Kommentieren0
    2
    Teilen

    Über mich

    Halb Hobbit, halb Drache
    • 30.03.2018

    Lieblingsgenres

    Science-Fiction, Fantasy

    Mitgliedschaft

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks