Elmar Huber

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    Cover des Buches Sherlock Holmes und die Sabberhexe (Baker Street Tales 9) (ISBN: B08259MXZF)

    Bewertung zu "Sherlock Holmes und die Sabberhexe (Baker Street Tales 9)" von Florian Hilleberg

    Sherlock Holmes und die Sabberhexe (Baker Street Tales 9)
    Elmar Hubervor 12 Stunden
    Kurzmeinung: Ein lockeres und knackiges Sherlock Holmes Abenteuer mit Verweis auf einige Klassiker.
    Sherlock Holmes und die Sabberhexe

    „Ihre Augen waren so schwarz wie Kohlestücke, ihr Gesicht grau wie alte Asche. Eine schwarze Hakennase ragte aus der Fratze. Sie kauerte zusammengekrümmt im Geäst, ein schwarz-verkohltes Geschöpf, das aussah, als sei es bei lebendigem Leib verbrannt. Anstelle ihrer Finger besaß sie gekrümmte, schwarzglänzende Klauen, mit denen sie ein junges Reh festhielt und ihm vor meinen Augen das Blut aussoff.”

    STORY
    Ein hilfesuchender Brief der Geschwister Roger und Imogen Gwyn – Familienhund Billy wird vermisst – veranlasst Sherlock Holmes, den Weg in die abgelegenen Brecon Beacons in Wales anzutreten. Zwei Dinge machen den Detektiv neugierig: Der Brief wurde von einer anderen Person als dem Verfasser adressiert und es ist von einer Sabberhexe die Rede, dem walisischen Äquivalent einer Banshee, die mit ihren Schreien den nahen Tod ankündigt.

    Vor Ort finden Holmes und Watson einen Augenzeugen, der nicht nur die vermeintliche Hexe gesehen hat, sondern auch Interessantes über Sir Emrys Gwynn, den Vater von Roger und Imogen, zu berichten weiß.

    „Ohne mir dessen bewusst geworden zu sein, fand ich mich plötzlich am Rand des Dorfes wieder, genau auf jener Straße, auf der wir heute Mittag von unserem Ausflug zurückgekehrt waren. Sie fitte geradewegs zum Anwesen der Familie Gwyn. Und mit einem Mal war es mir, als würde ich in der Ferne mehrere spitze Schreie vernehmen, die sich fast wie das kreischende Lachen einer Wahnsinnigen anhörten. Oder einer Hexe!“

    MEINUNG
    Das Wörtchen „Sabberhexe“ im Titel klingt zunächst etwas albern, tatsächlich werden damit aber die Wesen bezeichnet, deren Aussehen man bei der Bezeichnung „Hexe“ als erstes im Kopf hat: alte Vetteln mit Umhang, Hakennase und Warzen. Sabberhexen sind auch fester, schmückender Bestandteil des Harry Potter-Universums.

    Florian Hilleberg hat sich für diese Novelle an dem Sherlock Holmes-Klassiker „Der Hund von Baskerville“ orientiert. Das Abenteuer führt die Freunde in einen abgelegenen Landstrich Großbritanniens, wo eine unheimliche Gestalt ihr mörderisches Unwesen treibt. Holmes will zunächst sogar Watson allein losschicken. Hilleberg kennt also seinen Holmes und liefert unaufdringlich einige schöne Kanon-Verweise für das eingeweihte Publikum.

    Auch die Atmosphäre ist in aller Kürze gut gelungen, eine Kirchenruine und ein unterirdisches Labyrinth sorgen für zusätzliche Stimmung. Dazu gefällt der lockere Stil des Autors, der den Freunden auch gerne mal einige Sticheleien auf den Leib schreibt. Das Zusammenspiel von Holmes und Watson scheint von dem Film-Duo Basil Rathbone / Nigel Bruce inspiriert.

    Viele Schritte und Schlüsse bleiben jedoch in den Gedanken des Detektivs verborgen, so dass der Leser keine Möglichkeit hat, eine eigene Theorie zu den Vorgängen zu entwickeln.

    FAZIT
    Ein lockeres und knackiges Sherlock Holmes Abenteuer mit Verweis auf einige Klassiker. Im Rahmen der Kürze Top-gelungen.

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    Cover des Buches 13 Licks of Nici Hope (ISBN: 9798669176839)

    Bewertung zu "13 Licks of Nici Hope" von Nici Hope

    13 Licks of Nici Hope
    Elmar Hubervor 12 Stunden
    Kurzmeinung: Mehr als eine reine Best-of-Werkschau
    13 Licks of Nici Hope

    Demjenigen, der sich mit aktueller phantastischer Literatur aus Deutschland beschäftigt, ist Nici Hope („Samael Rising“, „Meph“) bestimmt keine Unbekannte. „13 Licks of Nici Hope“ sammelt nun 13 Texte der Autorin aus den letzten drei Jahre und bildet gleichzeitig die erste Storysammlung in Hammer Boox‘ „13“-Reihe.

    Einige Geschichten kennt man bereits aus „Abartige Geschichten – Baker Street“, „13 Brains of Zombies“ und „13 Gifts of Lady Santa“ (alle Hammer Boox).

    „Ich weiß nicht, wie oft ich zittrig vor der Kloschüssel gesessen habe. Bei jedem Würgen krampft der ganze Körper, die Säure brennt in der Speiseröhre und der Prozess wringt mich aus, macht mich fertig. Rohes Fleisch ist das einzige, was ich drin behalte. Normalerweise müsste mich das anwidern, aber ich finde es auf eine gruselige Art und Weise geil. Sobald ich Fleisch esse, spüre ich Kraft. Sie durchströmt meinen ganzen Körper, ja, sogar mein Wesen. Es fühlt sich gut und richtig an. Während meine Zähne rohes Fleisch zermahlen, reagiert noch eine ganz andere Körperstelle.“
    (Hunger)

    „Dieses Buch liest sich wie eine Sex and the City Horror-Kolumne!“ sagt eine Werbezeile. Eigentlich sogar wie mehrere derartige Kolumnen und da liegt auch der Knackpunkt. Während Hope-Stories als Anthologiebeiträge, in lockerer Atmosphäre, diese stets bereichern, stellen sich in dieser geballten Form doch einige Wiederholungserscheinungen ein.

    Ob das nun ein geiles VR-Abenteuer mit Jack the Ripper ist oder eine Disco mit Blutdusche á la „Blade“ und anschließendem Sex; das frischgebissene Zombie-Mädchen, bei der der Anblick von rohem Fleisch nicht nur Hungergefühle auslöst oder das heiße Krampus-Girl, das böse Jungs auf ihre Art bestraft … natürlich erst, nachdem sie auf ihre Kosten gekommen ist. Das Muster „sexy, düster, blutig“ ist überdeutlich, auch wenn der Rahmen sich ändert.

    Mutig und nachdenkenswert sind die autobiografischen Texte, in denen Frau Hope freimütig aus dem Nähkästchen ihres Lebens plaudert. Da kann man sich durchaus ein Beispiel nehmen. Und zwar nicht, weil die Autorin ein Fitness-Junkie ist, sondern weil sie nach einigen lehrreichen Erfahrungen eine Balance in ihrem Leben gefunden hat, die ihr guttut und sie das Selbstbewusstsein entwickelt hat, sich nicht (mehr) verbiegen zu lassen. Auf jeden Fall eine originelle Idee, die den Band sehr persönlich und sympathisch macht und „13 Licks“ über eine reine Best-of-Werkschau hinaushebt.

    „Als ob ihr Finger etwas gesucht und gefunden hätte, bleibt er plötzlich stehen. Eingeklemmt zwischen einem Buch über olympische Gewichthebetechniken und dem Horrorkracher »Nightwhere«, lugt ein Zettel hervor. Sie zieht ihn heraus und grinst beim Studieren der alten Einkaufsliste: Roter Lippenstift, Ladekabel für Laptop, Pinot Grigio. Drei Stunden, einen Einkauf und eine Trainingseinheit später, sitzt sie im Esszimmer hinter dem Laptop. Sie trinkt ihren Pinot »on the rocks« und hinterlässt rote Lippenabdrücke am Glas. Tastengeklapper erfüllt den Raum. Während am Fenster ihre Gewichtheberschuhe ausdünsten, trägt sie offene Haare.“
    (Körper & Geist)


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    Cover des Buches 13 Brains of Zombies (ISBN: B08JD3MKMD)

    Bewertung zu "13 Brains of Zombies" von Markus Kastenholz

    13 Brains of Zombies
    Elmar Hubervor 12 Stunden
    Kurzmeinung: Auf jeden Fall kann man der Anthologie aus dem Hause Hammer Boox keine Eintönigkeit vorwerfen.
    13 Brains of Zombies

    „Als das begonnen hatte, was sie gemeinhin als die Wandlung bezeichnete, hatte sie Plastikplanen vor den Balkon gespannt, um sich vor den Blicken derer zu verbergen, die seither die Straßen bevölkerten und nur darauf warteten, dass sie sich zeigte. Die schwarzhaarige Frau erschrak, weil die Plane träge dem Druck des lauen Windes nachgab und für einen kurzen Moment den Eindruck erweckte, als würde jemand von der anderen Seite dagegen drücken.“
    (Mario Steinmetz: Headphones)


    Nici Hope: Hunger
    Bissspuren an ihrem Körper deuten auf eine wilde Nacht, an die sich allerdings nicht mehr erinnern kann. Drängender wird jedoch ihr unerklärlicher Appetit auf Fleisch … als Vegetarierin. Nach einer unschönen Szene im nahen Metzgerladen drückt ihr ein Fremder ein Kärtchen in die Hand. Eine Einladung zur nächste Gourmet Party der RAW Society.

    Mario Steinmetz: Headphones
    Nur die Kopfhörer auf ihren Ohren machen es ihr möglich, die infernalischen Geräusche, das andauernde Brüllen der Verwandelten, den Wahnsinn auszublenden. Die alten Dinger, die sie nur zufällig gefunden hat, packen alles um sie herum in betäubende Stille. Doch was ist, wenn sie die Kopfhörer jetzt abnähme und tatsächlich überall nur noch Stille herrschte?

    Lothar Nietsch: Deathpoint
    Statt sich wie alle anderen Überlebenden in den Kellern zu verkriechen, haben Mike und seine Jungs das Spiel „Deathpoint“ ersonnen. Unfreiwillige Kandidaten müssen in einem Kampf auf Leben und Tod und unter den wachsamen Augen (und Waffen) der Crew gegen Untote antreten. Heute hat ihnen das Schicksal einen ganz besonderen Kandidaten in die Hände gespielt.

    Alexander Grun – (De-)Generation-Z: Erlösung
    Nicht nur, dass der Mangel an brauchbarem Menschenhirn inzwischen eklatante Ausmaße angenommen hat und damit für das langsame Aussterben der Untoten sorgt, jetzt hat sich auch noch eine Gruppe Menschen zusammengerottet, die mit primitiven Waffen gnadenlos Jagd auf die Zombies machen. Darunter sogar jemand, den Ted aus seinem früheren Leben kennt. Schmerzhaft brechen die Erinnerungen über ihn herein.

    Marcel Hill: Pamela
    Entgegen der landläufigen Meinung sterben Zombies nicht, wenn man sie enthauptet oder ihr Gehirn zerstört wird. Auch die Verwesung geht viel langsamer vonstatten als immer angenommen. Zwei Umstände, die sich fantasiebegabte Chirurgen zunutze machen und Untote zu Sexspielzeug für jegliche perverse Neigung umbauen.

    Markus Kastenholz: Zombie-Night
    Die ersten Krankheitszeichen zeigen sich natürlich am Samstag, gerade als die Apotheken geschlossen haben. So schleppt man sich zur Notfallsprechstunde, und danach mit schlurfenden Schritten durch die Innenstadt zur Notapotheke, wo man mit benebeltem Gehirn noch einige merkwürdige Beobachtungen macht.

    Azrael ap Cwanderay: Schrödingers Zombie
    „Man ist, was man isst“, muss der untote Ebenezer Hickory erkennen, nachdem der das Gehirn seines alten Volksschullehrers verspeist hat. Dank seines neu erwachten Intellekts rührt der ehemalige Fleischwarenfachverkäufer in der nahegelegenen Apotheke kurzerhand ein Mittel zusammen, um seine Artgenossen in Menschen zurück zu verwandeln. Doch nur ein kleiner Snack zwischendurch kann die geplante Weltenrettung zunichtemachen.

    Torsten Scheib: Bester Freund
    Ein Mann und sein Hund, beste Freunde. Und um sie herum eine Welt, die in rasendem Tempo dem Wahnsinn anheimfällt. Die Umstände machen en notwendig, sich zu trennen. Wird es jedem für sich gelingen, in dieser neuen Welt zu überleben? Und werden die Freunde wieder zusammenfinden.

    Doris E. M. Bulenda: Erwachen im Wald
    Ein Fuchsbiss löst eine unerklärliche Gier nach Blut und Fleisch aus. Doch wenn man sich nur von Blut, statt von Fleisch ernährt, scheint dies die Verwandlung zu verlangsamen. Man bleibt noch halbwegs Herr seiner Sinne, um so etwas wie rationale Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel, sich in ein Auto zu setzen, um noch schnell genug die nächste Stadt voller Menschen zu erreichen.

    Jean Rises: The Splattering
    Fieberhaft wird an einem Impfstoff gegen die Covid-19-Pandemie geforscht. Hoffnung bringt ein Serum, das aus einem Bärtierchen gewonnen wird und sich die nahezu unendliche Widerstandskraft dieser Spezies zunutze machen soll. Doch der Impfstoff wirkt anders als er soll und in einem Hochhaus in London nimmt eine weit schlimmere Todeswelle ihren Anfang.

    Alida Gersonde: Alex
    Einige Zeit nach dem Ausbruch hat man sich geeinigt, dass Menschen und Zombies doch eigentlich ganz normal untereinander leben können. Es gibt sogar „Chamäleons“ unter den Untoten. Solche die von Menschen kaum zu unterscheiden sind. Eine davon wird Alex zum Verhängnis, als er sich, randvoll mit Alkohol, im Treppenhaus schockverliebt und die hübsche, aber etwas blasse Anna knutscht.

    Fabienna Seven: Kein Schwanz ist so hart wie das Leben
    Von seinem einsamen Gefechtsstand aus soll Theo wenigstens 20.000 Zombies abknallen, bevor er wieder in die Zivilisation zurückdarf. Dann erblicken seine Augen plötzlich eine dralle und vor allem lebendige Blondine, die sich zwischen den Untoten auf seinen Bunker zubewegt. Für ihre Rettung würde sie sich sicher erkenntlich zeigen.

    Erik R. Andara: Was Freundschaft am Ende bedeutet
    Nach neun Monaten im Bunker kommen Vlad und Sergeij wieder an die Oberfläche. Seitdem versuchen sie nur, am Leben zu bleiben. Auf ihrem Weg finden ein kleines Mädchen auf der verzweifelten Suche nach ihrer Familie, das sie fortan begleitet. Doch die Kleine und die Begierden, die sie weckt, werden zur Zerreißprobe für die Freundschaft der Männer.


    „Ich muss meinen BH verloren haben, denn unter dem Blusenstoff ist nur meine nackte Haut. Frech strecken sich meine Nippel dem Spiegelbild entgegen. Frech, verkrustet und … blau? Noch einmal wandert mein Blick auf die Bissspuren an der Schulter, dann zurück zu meiner rechten Brust.  Tatsächlich. Ein Kreis aus Zahnabdrücken, getrocknetem Blut und der Schatten eines blauen Fleckes rahmen meine Brustwarze ein. Der Typ hat mich gebissen. Zweimal. Und nicht gerade zaghaft.“
    (Nici Hope – Hunger)


    MEINUNG
    Auch wenn man nicht gerade verzweifelt auf den nächsten Beitrag von Zombieliteratur gewartet hat muss man attestieren, dass „13 Brains of Zombies“ insgesamt gelungene Überzeugungsarbeit in Sachen Untoter liefert. Auf jeden Fall kann man der Anthologie aus dem Hause Hammer Boox keine Eintönigkeit vorwerfen. Ganz im Gegenteil.

    Wie es bei einer Kurzgeschichtensammlung allgemein der Fall ist, gibt es Beiträge, die den persönlichen Geschmack besser treffen und Andere, die damit weniger Glück haben. „13 Brains“ bietet auf jeden Fall eine gute Mischung, die das Thema auf verschiedenste Arten angeht. Eine weitestgehend härtere Gangart wird schon durch das Thema vorgegeben.

    Natürlich wird die Gore- und Actionschiene bedient; Menschen kämpfen gegen Übermächte Untoter um ihr Überleben oder Zombies dienen als gefühllose Spielfiguren, an denen man sich bedenkenlos abreagieren kann; wahlweise dienen sie auch als Sexspielzeug für die besonderen Ansprüche.

    Seit „Die Nacht der lebenden Toten“ und „Zombie“ („Dawn of the Dead“) schreibt man dem Zombiefilm Gesellschafts- und Konsumkritik zu. „13 Brains“ macht hier weiter: Zuchtmenschen, deren Gehirne als Nahrung für die Untoten herhalten müssen, könnte man durchaus als Kommentar auf das menschliche Verbrauchsverhalten lesen. Und auch ein beliebtes Staatsoberhaupt bekommt – in Gestalt eines gewissen Ronald Bump – sein Fett weg.

    Mario Steinmetz und Erik Andara arbeiten aus der Situation kleine Dramen heraus, bei denen das Zombie-Geschehen mehr Hintergrundkulisse als Story-Driver ist. Auch Torsten Scheib liefert eine unerwartet zu Tränen rührende Erzählung aus der Zombie Zone Ludwigshafen ab.

    Der humorige Gegenpol kommt ebenfalls nicht zu kurz. Bei Verlagschef Markus Kastenholz‘ „Zombie-Night“ bleibt kein Auge trocken Geschichte und auch „Schrödingers Zombie“ zaubert ein Grinsen ins Gesicht.

    Alles in Allem hat Hammers „13“-Anthologiereihe mit „13 Brains“ ein weiteres Mitglied in seinen Reihen, das seine Leser mit knackigen Beiträgen und einer gelungenen Stilmischung überzeugen kann. Leerlauf kommt da garantiert nicht auf.

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    Cover des Buches Cinema Purgatorio präsentiert: Code Pru (ISBN: 9783946952565)

    Bewertung zu "Cinema Purgatorio präsentiert: Code Pru" von Garth Ennis

    Cinema Purgatorio präsentiert: Code Pru
    Elmar Hubervor 25 Tagen
    Kurzmeinung: Ein extrem erfrischendes Fest für Phantastik-Fans im allgemeinen und Film-Freaks im besonderen.
    Code Pru

    STORY
    Prudence „Pru“ Slapweather tritt ihren Job bei den New Yorker Rettungskräften an, ohne zu wissen, auf was sie sich dabei einlässt. Bei ihren Einsätzen mit ihrem Kollegen Eric ist ein Vampir mit Selbstmordabsichten noch das Harmloseste. Autor Garth Ennis plündert für seine Ersthelfer-Horror-Filmfreak-Serie alles, was im Kino der Phantastik Rang und Namen hat: „Frankenstein“, „Alien“, „Terminator“, „Jurassic Park“, „Predator“, „King Kong“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, usw. Einsätze also, die nicht nur das medizinische Wissen der Ersthelfer herausfordern, sondern auch nach unkonventionellen Maßnahmen verlangen.

    MEINUNG
    „Code Pru“ erschien im Original als Teil der Anthologieserie „Alan Moores Cinema Purgatorio“, die sich vom phantastischen Kino inspirieren lässt und in der pro Band mehrere Einzelepisoden verschiedener Serien gesammelt sind. Vergleichbar mit „Americas Best Comics“ (ebenfalls von Alan Moore). Beim Dantes Verlag erscheint jede Serie zusammengefasst in einem eigenen Band.

    „Code Pru“ ist bestimmt kein schlechter Anfang, so wie sich Starautor Garth Ennis („Preacher“, „The Boys“) durch die phantastische Kinolandschaft vergangener Jahrzehnte fräst. Dabei schafft er das Kunststück, dass die Figuren und Motive mehr als deutlich erkennbar bleiben und sich doch in die große „Code Pru“-Story einfügt. Alles in einer begnadeten Mischung aus spürbarer Verehrung und schnoddriger Respektlosigkeit. Die Episoden habe je eine knackige Länge von 8 Seiten und damit kaum Fett auf den Rippen.

    Um nicht eine reine Nummernrevue abzuliefern, hat Ennis auch eine Backstory ersonnen, in der er z.B. das gerne verwendete Motiv des überstrengen, frommen Elternhauses auf den Kopf stellt. Ihre Kindheit verbrachte Pru im Haus zweier militant alternativer Hardcore-Goths, die jegliche bürgerliche Anwandlungen ihrer Tochter im Keim zu ersticken suchten. Auch Prus Rettungsdienst-Vorgesetzter benimmt sich reichlich undurchsichtig und spielt gerne mal im Keller mit einem Tentakel-Monster Monopoly, während im Käfig nebenan eine Alien-Königin unaufhörlich Eier legt.

    Die künstlerische Umsetzung wurde von Raulo Cáceres („Crécy“, „Captain Swing“, beide Dantes Verlag“) übernommen, der hier mehr als beeindruckt und mit den harten schwarz weiß-(Tusche-)Zeichnungen eine extrem dichte Atmosphäre schafft. Wer sich noch an „Faust“ oder „Gothic Nights“ (dt. um das Jahr 2000 bei Extrem Erfolgreich Enterprises) von Zeichner Tim Vigil erinnern kann, der hat damit eine Vorstellung, was ihn optisch erwartet.

    Zu guter Letzt liefert Jens R. Nielsen noch einen Leserservice, den es viel öfter geben sollte: Auf 1-2 Extraseiten (zu jeder Story!) geht der Übersetzer sehr informativ auf die Insider-Anspielungen ein, die Ennis in die Texte gepackt hat, auf die sprachlichen Feinheiten des Originals und wie er bei der Übersetzung damit umgegangen ist.

    Die letzten Seiten zeigen noch einige Covermotive, die wiederum auf geniale Weise Genremotive „parodieren“: „Alarm im Weltall“, „Sleepy Hollow“, Cthulhu, etc.

    Auch was die Haptik und Verarbeitung muss sich „Code Pru“ keinesfalls verstecken. Hochwertiges Papier, stabiler Hardcoverbindung, schwarzes Vorsatzblatt. Ein sehr schmucker Band.

    FAZIT
    Ein extrem erfrischendes Fest für Phantastik-Fans im allgemeinen und Film-Freaks im besonderen. Gleichzeitig Huldigung und Parodie des Genre-Kinos im Garth Ennis-Stil.

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    Cover des Buches Ein diabolischer Auftrag (ISBN: 9798662695139)

    Bewertung zu "Ein diabolischer Auftrag" von Doris E. M. Bulenda

    Ein diabolischer Auftrag
    Elmar Hubervor einem Monat
    Kurzmeinung: Überzeugt mit schrägem Humor und unvorhersehbaren Storyentwicklungen. Evas zweiter Feldzug gegen die Scheinheiligkeit macht einfach Spaß.
    Ein diabolischer Auftrag

    "Dabei hatte ich mich schon so darauf gefreut, Mathilde in die Finger zu bekommen. Sogar einen hübschen, eigenen, kleinen Höllen-Bereich hatte ich für sie ins Auge gefasst und sicherheitshalber auch schon reserviert. Das kostete mich nur ein paar heftige Peitschenhiebe und ein paar erotische Spielchen von Zeit zu Zeit als Bezahlung für den Verteilerteufel. Kein zu hoher Preis für ein gutes Verlies für die liebe Mathilde.“

    STORY

    Gerade steckt Eva-Devliana-dreihunderteinundneunzig noch in einer herzerwärmenden Privatfehde mit dem Großinquisitor Petrus, da zitiert Satan persönlich ihren „roten, knackigen Höllenarsch“ zu sich. Mathilde, Evas verhasste Patentante ist ins Visier des Höllenherrschers geraten. Da Geiz eine der sieben Todsünden ist, war sich Satan der Seele der „sparsamen“ Mathilde schon sicher. Nun plötzlich wirkt Iris, die neue Frau von Evas Vater, auf ihre Schwägerin ein und droht, sie zu einer frommen und nächstenliebenden Christin umzudrehen. Ein Plan muss her, der der Hölle weiterhin Mathildes Seele sichert. Eine interessante Information findet Eva in den Akten ihrer Familie; eine kleine Affäre, die Onkel Eberhard kurz nach seiner Hochzeit hatte, soll zum Ansatzpunkt werden, um Mathilde und ihren Mann ins Verderben zu stürzen.

    „Sehr gut, das wäre geklärt, der Grundplan steht. Dann wollen wir weitermachen. Wir besuchen den Körperbastel-Teufel, Baliot viertausendzweihundertdreiundneunzig heißt er glaube ich, der muss uns einen wunderschönen Sukkubus zaubern. Er soll einen echt heißen Weiberkörper fabrizieren. Den werde ich dann übernehmen und einsetzen, wie die Schlange den Apfel. Mathilde wird vor Hass und Neid und Geiz im Sechseck springen, und Eberhard wird die Zunge bis zum Hals herunterhängen vor lauter Gier.“

    MEINUNG

    Eva war schon zu Lebzeiten ein rechtes Früchtchen, das schließlich ihren Vater soweit gebracht hat, sie zu erschlagen (siehe „Ein diabolischer Plan“). Kein Beinbruch für die frühreife Göre, die in der Hölle erst ihr wahres Potenzial entfalten konnte. Nun schickt ihr oberster Dienstherr die gelehrige Schülerin auf eine Mission in ihr altes Leben. Ein Plan, ihre Tante wieder zur Sünderin zu machen, ist schnell gefasst. Eva lässt sich einen höllisch heißen Sukkubus-Körper basteln, in dem sie als uneheliche Tochter ihres Onkels auftritt, um diesen 1) zu einer Blutschande zu verführen und 2) ihren Erbanteil einzustreichen. Wenn ihre vom Geiz zerfressene Tante da keine Mordgedanken fasst …

    „Ein diabolischer Auftrag“ legt von Anfang an ein höheres Tempo vor als der Vorgänger und vor allem einen ausgeprägten roten Faden, wo „Ein diabolischer Plan“ doch deutlich sprunghafter war. Außerdem ist es eine Freude zu lesen, wie die „kleine“ Eva die gedanklich etwas trägen Teufelchen im Griff hat und nur mit der Peitsche locken muss, um ihren Willen zu bekommen.

    Um nicht alles zu glatt laufen zu lassen, kommt ein geheimnisvoller Joker in Gestalt von Kaplan Jehannes, der Seelsorger ihrer Stiefmutter Iris und ihrer Tante Mathilde ins Spiel. Dieser bringt die Höllendame gehörig aus dem Takt, scheint er doch nicht nur eine verführerische Macht auszustrahlen, sondern auch über Evas wahres Wesen Bescheid zu wissen. Ein Gegner also, der weder leicht zu durchschauen noch zu unterschätzen ist.

    Damit hat Doris Bulenda ein überraschendes Gegengewicht zu dem respektlosen und derben Humor in den Roman eingebracht, das die Handlung unvorhersehbar macht und für unerwartete Spannung sorgt. Sehr gut gelungen.

    Das Coverdesign greift die höllischen Elemente von „Ein diabolischer Plan“ wieder auf, rückt aber Eva in ihrem Sukkubus-Körper in den Mittelpunkt.

    FAZIT

    Überzeugt mit schrägem Humor und unvorhersehbaren Storyentwicklungen. Evas zweiter Feldzug gegen die Scheinheiligkeit macht einfach Spaß.

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    Cover des Buches Die Morde von Wickenham (Marsh & Daughter ermitteln-Reihe 1) (ISBN: B08CHK7TXJ)

    Bewertung zu "Die Morde von Wickenham (Marsh & Daughter ermitteln-Reihe 1)" von Amy Myers

    Die Morde von Wickenham (Marsh & Daughter ermitteln-Reihe 1)
    Elmar Hubervor einem Monat
    Kurzmeinung: Fade Charaktere und der ermüdend eintönige Schreibstil konterkarieren die vielversprechende Prämisse.
    Die Morde von Wickenham

    „Die Sonne versank jetzt schnell hinter dem Horizont, und bald brach die Jahreszeit an, in der Ada Proctor gestorben war. Hatte sie Angst empfunden oder freudige Aufregung? Nur fünfundsiebzig Jahre lagen zwischen ihnen. Wenn Ada jetzt neben ihr stünde, würde sie ihr sympathisch sein, oder nicht? Es war kein abwegiger Gedanke, dass man eine Hand ins Dunkel strecken und die Vergangenheit streifen konnte.“

    STORY
    Eine unscheinbare Zeitungsmeldung – „Skelett in Kalkhöhle entdeckt“ – erinnert den Privatdetektiv Peter Marsh an seinen einige Jahre zurückliegenden Besuch im nahegelegenen Örtchen Wickenham in der Grafschaft Kent. Und an einen Mordfall, der sich eben dort im Jahre 1929 ereignet hat. Damals wurde die Arzttochter Ada Proctor ermordet. Verdächtig war der jüngere Davy Todd, der für die Tat auch zum Tode verurteilt wurde. Als Autor von Sachbüchern über unaufgeklärte Verbrechen spürt Peter, dass dieser Fall eine erneute Begutachtung durch Marsh & Daughter wert ist.

    Tatsächlich findet Georgia vor Ort heraus, dass Ada Proctor möglicherweise nicht die ehrenhafte Frau war, als die sie gemeinhin gilt und dass die schnelle Verurteilung Davy Todds hauptsächlich den Streitigkeiten zwischen den Familien Todd und Elgin geschuldet ist. Eine Fehde, die noch heute schwelt und durch Georgias Nachforschungen wieder aufzuflammen droht. Ein weiterer Toter lässt nicht lange auf sich warten.

    „Woran es auch lag – hier, zurück in Wickenham, fand sie es wesentlich schwieriger, sich einen Weg durch das Dickicht zu Ada Proctor und den Randolphs zu bahnen. In Frankreich hatte alles so unkompliziert gewirkt, aber jetzt hatte sie das Gefühl, wieder im Sumpf von Wickenhams Intrigen zu versinken.“

    MEINUNG
    „Die Morde von Wickenham“ bietet eine ungewöhnliche und vielversprechende Prämisse. Ausgangspunkt ist ein Cold Case, der plötzlich, durch die Nachforschungen einer Fremden in einem gärenden Mikrokosmos, wieder heiß wird.

    Dabei wird der Leser recht unvermittelt in das Geschehen gestoßen und es fällt schwer, mit den Hauptfiguren, Peter und Georgia Marsh, etwas warm zu werden. Über den kompletten Handlungsverlauf will sich keine Sympathie einstellen. Die Marshs wirken ungewöhnlich hölzern und nichtssagend und damit auch uninteressant. Eher das Gegenteil der launigen, charmanten und gewitzten Protagonisten, von denen ein Cozy Crime normalerweise lebt.

    Nicht anders verhält es sich mit dem Sammelsurium an Wickenhams Einwohnern, das Georgia vor Ort mühsam aufdröseln muss. Bei der Frage, wer wie mit wem verwandt ist, kann man schnell den Überblick verlieren. Zumal auch diese Nebenfiguren reichlich konturlos gezeichnet sind und auf diese Weise zu einer unübersichtlichen Masse werden.

    Auch was den Schreibstil angeht, kommt der Roman äußerst schwunglos und schwerfällig daher. Die immer wieder eingeschobenen Abschweifungen und Erklärungen sind größtenteils unnötig und machen das Buch zu einer zähen und spannungslosen Angelegenheit, an der man schnell das Interesse verliert.

    FAZIT
    Fade Charaktere und der ermüdend eintönige Schreibstil konterkarieren die vielversprechende Prämisse.

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    Cover des Buches Outlaw Nation 1 - Das Ende (ISBN: 9783946952435)

    Bewertung zu "Outlaw Nation 1 - Das Ende" von Jamie Delano

    Outlaw Nation 1 - Das Ende
    Elmar Hubervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Reichlich abgedrehte Familiensaga, grandios erzählt aber ungeeignet für zarte Gemüter.
    Outlaw Nation 1: Das Ende

    STORY
    William „Story“ Johnson, Groschenheftschreiber, Charmeur und Familienmitglied der beinahe unsterblichen Johnsons, gilt seit dem Vietnamkrieg, nach einem Sturz aus einem Hubschrauber, als tot. In Wahrheit hat ihn ein vietnamesisches Mädchen gerettet und 25 Jahre in der Abgeschiedenheit mit ihm gelebt. Nachdem „War-Baby“ Opfer einer Tretmine wurde, kehrt Story nach Amerika zurück. Gerade angekommen wird er in Miami überfallen und verliert sein Gedächtnis. Zuerst kann er sich nur noch an seine halb-autobiografischen Westernromane um „Bad News“ Johnson erinnern, doch nach und nach, während er sich auf einem aberwitzigen Road-Trip befindet, kehrt seine Erinnerung zurück.

    Ohne, dass sich Story dessen bewusst ist, ist ihm sein Halbbruder Evelyn „Kid Gloves“ schon längst auf den Fersen, um den Totgeglaubten endgültig das Licht auszublasen.

     

    Zur gleichen Zeit befindet sich auch Storys Sohn Sundance „Sonny“ Johnson auf die Suche nach „The Place“, dem beinahe mystischen Heimatort aller Johnsons. Auch dort hat man bereits von Storys „Wiederauferstehung“ erfahren. Doch nicht alle Johnsons sind darüber erfreut, den verlorenen Sohn bald wieder in die Arme schließen zu können, da sein Vater als „Verräter“ innerhalb der Familie gilt.

    MEINUNG
    Mit „Outlaw Nation“ hat der kleine Dantes Verlag eine Serie nach Deutschland geholt, die vielleicht um den Jahrtausendwechsel bei Speed Comics erschienen wäre. Überhaupt ist der Dantes Verlag dabei, diese Nische nicht-massenauglicher Erwachsenencomics sehr gut zu füllen (Stichworte: Warren Ellis, Avatar Press). Einiges aus dem früheren Speed-Programm hat hier bereits seine Wiedergeburt und sogar Fortsetzung erlebt. 

    „Outlaw Nation 1: Das Ende“ enthält einen Prolog und die Ausgaben 1 – 7 der Serie. Zunächst fällt es zugegebenermaßen nicht leicht, in diese abgefahrene Story hineinzukommen, die noch dazu ständig den Schauplatz und die Zeit wechselt. Ab Nummer 2 allerdings, wenn man die Personen kennt und die grundlegenden Zusammenhänge begriffen hat, 

    Außerdem legt die Erzählung ab hier auch einen treibenden Rhythmus, gepaart mit skurrilen Storyentwicklungen vor, die einen förmlich zum Weiterlesen zwingen. Immer vorausgesetzt, dass man mit den abgedrehten Elementen und den reichlich unkonventionellen Figuren klarkommt, die die Seiten dieser speziellen Familiensaga bevölkern. Ganz allgemein hat man es mit einigen ziemlich abgefuckten Typen zu tun, die speziellen sexuellen Vorlieben frönen oder ihr Leben auf unappetitliche Art verlängern, so dass die Altersempfehlung ab 18 durchaus gerechtfertigt ist. Warren Ellis-Fans werden daran ihren Spaß haben.

    Dennoch wäre es ein Fehler, „Outlaw Nation“ nur auf Provokation zu reduzieren. Dazu ist die Geschichte viel zu planvoll und in sich stringent erzählt. Autor Jamie Delano (u.a. „Hellblazer“) hat hier wirklich ein außergewöhnliches Werk geschaffen, roh erzählt und bis in die Kleinigkeiten durchdacht.

    Große Anerkennung gebührt auch dem Übersetzer, der keine leichte Aufgabe hatte, diese mit Mehrdeutigkeiten gespickte Story ins Deutsche zu übertragen. In zahlreichen Fußnoten und einem Anhang geht er auf einige Besonderheiten ein, die dem Leser die Komplexität von „Outlaw Nation“ noch einmal vor Augen führen und auch auf die popkulturellen Anspielungen eingeht.

    FAZIT
    Reichlich abgedrehte Familiensaga, grandios erzählt aber ungeeignet für zarte Gemüter.

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    Cover des Buches Tödlicher Einsatz (Ein Jake Longly Thriller 1) (ISBN: B08FXKW3D6)

    Bewertung zu "Tödlicher Einsatz (Ein Jake Longly Thriller 1)" von D.P. Lyle

    Tödlicher Einsatz (Ein Jake Longly Thriller 1)
    Elmar Hubervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Smart und kernig geschriebener Krimi.
    Tödlicher Einsatz

    „Exekution? Was für ein hässliches Wort. Aber genau das war es gewesen. Er konnte diese schöne Frau immer noch da liegen sehen. Ihr Haar floss über das Kopfkissen und sie schlief entspannt. Sicher und warm. Bis Darrell die Waffe auf ihren Kopf richtete und den Abzug drückte. Die Plötzlichkeit, mit der das geschehen war, hatte ihn schockiert. In einer Sekunde war sie noch am Leben, in der nächsten war sie tot.“

    STORY
    Nur widerwillig übernimmt der Barbesitzer und ehemalige Baseballprofi Jake Longly einen Auftrag für seinen Vater Ray, Besitzer der Privatdetektei Longly Investigations. Jake soll Barbara Clammer im Auge behalten und im Auftrag von Mr. Clammer, während dessen Geschäftsreise, eine eventuelle außereheliche Liebschaft aufdecken. Das einzig aufregende ist jedoch, dass Jake bei seiner Observation die junge Strandschönheit Nicole kennenlernt. Ganz pragmatisch verbindet er das Notwendige mit dem Angenehmen und richtet sich am nächsten Abend mit Nicole auf einem gemütlichen nächtlichen Beobachtungsposten ein. Tatsächlich erwischen sie Barbaras Liebhaber auf Film, bei dem es sich um den aktuellen Ehemann von Jakes Ex-Frau handelt. Die Detektive ziehen nach erfülltem Auftrag ab und erfahren am nächsten Morgen, dass die untreue Ehefrau in ihrer Villa ermordet wurde. 

    Wegen seiner wiederholten Anwesenheit in der Nähe des Clammer-Hauses gerät auch Jake ins Visier der Polizei. Er deckt seine Karten auf und beginnt gemeinsam mit Detective Bob Morgan in der Sache zu ermitteln. Die Spur führt zu dem russischen Geschäftsmann Victor Borkov, dem Henry Clammer bei einem Grundstücksdeal in die Quere gekommen ist und der für seine Ziele über Leichen geht.

    „Das wurde langsam merkwürdig. Oder merkwürdiger. Erst Walter, der Barbara bumste. Nun ein Mordermittler in ihrem Haus. Ich fühlte, wie meine Nackenhaare sich aufstellten. Ich hasste dieses Gefühl. Das, das besagte, dass die Dinge vermutlich schlimmer lagen als es den Anschein hatte. Und sie erschienen schon schlimm.“

    MEINUNG
    D. P. Lyle ist in Deutschland vor einigen Jahren mit seinen Dub Walker-Thrillern („Januskiller“, „Mädchenkiller“) bei Bastei Lübbe aufgetaucht, mit denen man dort auf der Serienkiller-Schiene mitgefahren ist. Bei Digital Publishers startet nun seine Reihe um des Ex-Baseballprofi Jake Longley, der vor der sonnigen Golf-von-Mexiko-Kulisse von Orange Beach, Alabama als „zufälliger Ermittler“ tätig ist. Dies ist der zweite Anlauf der Reihe; eer Roman ist bereits im Oktober 2019 unter dem Titel „Untergetaucht“ erschienen.

    Fast wie um den Leser in Sicherheit zu wiegen ist der Beginn des Romans in einem eher entspannten Ton gehalten, die skurrilen Verbindungen der vorkommenden Personen muten fast komödienhaft an. Ein Bild, das sich spätestens in der zweiten Hälfte der des Romans wandelt, in der sich unsere Sympathieträger Schritt für Schritt auf den gewissenlosen Borkov zu arbeiten. Die Zahl der Leichen steigt, die Sache wird ernst und es gibt keinen Zweifel mehr, dass Borkov ein kaltblütiger Killer ist, der nicht viel von lebenden Zeugen hält und noch weniger von Schnüfflern, die ihn verarschen.

    Der Aufbau des Romans ist sehr gut gelungen, die Spannungskurve präsentiert sich zu Beginn noch eher gemächlich und zieht im Verlauf der Handlung immer mehr an. D. P. Lyle nutzt auch den Trick, den Leser mehr wissen zu lassen, als die Figuren, so dass sich damit einige wirkungsvolle Suspense-Momente ergeben. Last but not least lebt der Roman von seinen klar definierten Figuren, die zwar nicht wahnsinnig tiefgründig gezeichnet sind, die sich aber die saloppen Dialoge nur so um die Ohren pfeffern. Hier auch ein Kompliment an Dorothee Scheuch als Übersetzerin, der auch im Deutschen ein angenehm lässiger Tonfall gelungen ist.

    Außer „Deep Six“ gibt bislang noch zwei weitere Jake Longley-Thriller, die gerne ebenfalls auf Deutsch kommen dürfen. 

    FAZIT

    Smart und kernig geschriebener Krimi, geradlinig, mit einigen wirkungsvollen Wendungen und stetig steigender Spannungskurve.

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    Cover des Buches The forests have eyes (ISBN: 9798667104575)

    Bewertung zu "The forests have eyes" von Jean Rises

    The forests have eyes
    Elmar Hubervor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Im Schweinsgalopp präsentierter und reichlich kruder Splatter-Mystery-SF-Mix.
    The Forests have Eyes

    „Tagsüber ist der Wald nicht gefährlich. Doch wenn man sich dort nach der Dämmerung aufhält oder die Nacht dort verbringt, dann verschwinden manchmal einige der Leute. Einfach so. Immer wieder hören wir von Bekloppten, die dort wegen einer Mutprobe die Nacht über verbracht haben, dass sie das beklemmende Gefühl hatten, beobachtet zu werden. Seltsame Geräusche, die überall zu hören waren, unheimliche Lichter, die durch die Bäume geisterten und der schwerfällige Geruch von Verwesung hing in der Luft, so erzählten sie.“

    STORY
    Bode, Billie, Jon und Kinsey sind auf einem Rucksacktrip durch Osteuropa. In Rumänien erfahren Sie von den zwei Einheimischen Matei und Nicu vom legendenumwobenen Hoia Baciu-Wald, dem „osteuropäischen Bermuda-Dreieck“, in dem immer wieder Menschen spurlos verschwinden. 

    Tatsächlich haben Matei und Nicu noch einen anderen Grund, das Waldstück aufzusuchen. Sie wollen nach ihrem verschollenen Freund Petre suchen, den sie im Rahmen einer Wette zu einer Übernachtung dort genötigt hatten. 

    „Der Hoia-Baciu ist in modernen Medien und Subkulturen als „Hotspot“ für angebliche Ufo-Sichtungen und Spukerscheinungen bekannt, häufig unter dem Spitznamen „Bermuda-Dreieck von Europa“. Immer wieder kursieren Gerüchte und urbane Legenden um Begegnungen mit unbekannten Flugobjekten und/oder Geister- und Monstererscheinungen.“

    MEINUNG
    Bereits die Titelnähe zum Terror-Klassiker „The Hills have Eyes“ gibt die Marschrichtung vor. Dazu mixt Jean Rises eine ordentliche Portion Hinterwäldlerterror Marke „Wrong Turn“. Hier werden also keine Gefangenen gemacht, schon allein, da Menschenfleisch die Hauptnahrungsquelle der zweibeinigen Waldbewohner darstellt.

    Dass der Autor das Ganze in einen tatsächlich mystisch aufgeladenen Landstrich spielen lässt, verleiht „Forests“ noch eine geheimnisvolle Ebene. Immerhin gehört der Hoia Baciu-Wald zu den Top-Grusel-Reisezielen in Europa. Doch auch damit nicht genug: Der Kannibalenstamm huldigt auch noch einem grausamen Gott, der gerne mal Menschenopfer verspeist und überhaupt fanden nach dem 2. Weltkrieg in der Gegend auch noch zweifelhafte Militärexperimente von Mütterchen Russland statt, die ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen. Und die angeblichen vampirhaften Launen von Nicolae Ceausescu werden auch nicht ausgespart.

    Das klingt nach einem Fest für jeden Exploitation-Aficionado mit Sinn für schräge Ideen. Tatsächlich wirkt das Ganze aber auf knapp 100 Seiten reichlich gehetzt, so dass keine der Ideen in ausreichendem Maß zum Tragen kommt. Das komplette Geschehen bleibt an der Oberfläche, nichts will richtig zusammenpassen und die beabsichtigte Wirkung verpufft relativ wirkungslos. Weniger wäre hier mehr gewesen.

    Auch den Schreibstil kann man nicht gerade als geschliffen bezeichnen. Dazu stolpert man wiederholt über merkwürdige Ausdrücke wie „ums Eck“ oder „kurzrasierte Frisur“, die den Lesefluss stocken lassen.

    Pluspunkte kann dagegen das treffend gestaltete Cover von Hammer-Hausgrafiker Azrael ap Cwanderay für sich verbuchen. Da weiß man gleich, wo es langgeht.

    FAZIT
    Im Schweinsgalopp präsentierter und reichlich kruder Splatter-Mystery-SF-Mix.

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    Cover des Buches Abartige Geschichten - Baker Street (ISBN: B086GGCW6W)

    Bewertung zu "Abartige Geschichten - Baker Street" von Markus Lawo

    Abartige Geschichten - Baker Street
    Elmar Hubervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Insgesamt sehr gelungene und überraschend abwechslungsreiche Anthologie mit einigen alten Londoner Bekannten.
    Abartige Geschichten - Baker Street

    „Etwas geht vor sich in der Stadt“, flüstert sie. „Es gärt geradezu, wird sich bald schon Bahn brechen. Der Rauch aus den Fabrikschloten liegt wie ein Schleier über der Wirklichkeit und macht die Menschen blind für das, was um sie herum passiert. Es ist furchtbar und wunderschön zugleich. Sie wissen genau, wovon ich rede, nicht wahr?“
    (Sascha Dinse: Post Mortem)

     

    Wolfgang Brunner: Das ewige Leben des John Smith

    Ein laut geführter Disput aus dem Nebenzimmer in der Baker Street 221b weckt das Interesse des angehenden Schriftstellers Arthur Conan Doyle. Er beschließt die Räume seines Nachbarn aufzusuchen, wo ihn John Smith und Sherlock Holmes bereits erwarten; nichts anderes war das Ziel ihres arrangierten Gesprächs. Dort wird Doyle überraschend Zeuge einer bizarren Operation, mit der John Smith gedenkt, sich von seiner Krankheit zu heilen und sein Leben zu verlängern

    Emely Meiou: Vermisst

    Anna Cleaver ist in ihrer Ehe mit dem brutalen Trunkenbold Jonathan gefangen. Nur ihre Arbeit als Näherin und die gelegentlichen Stunden, die sie sich um das Nachbarsmädchen Matilda kümmert, bieten ihr einige Glücksmomente. Doch jetzt ist Matilda seit einigen Tagen spurlos verschwunden und ein unfreundlicher Privatdetektiv lässt Anna keine Ruhe mehr.

    Jutta Wölk: Todsünden

    Ein selbsternannter Moralwächter lässt sich von der Figur des Killers aus dem Film „Sieben“ inspirieren und geht in London auf einen Feldzug gegen die sieben Todsünden.

    Ralf Kor: 221 A

    Jahre nachdem Jack the Ripper von der Bildfläche verschwunden ist, geht erneut ein Killer in den Straßen von Whitechapel um. Jemand, der ebenso neugierig auf die Körper seiner Opfer ist. Und ausgerechnet in der Nachbarwohnung von Sherlock Holmes geht Merkwürdiges vor sich.

    Marvin Buchecker: Sherlock Holmes und der verrückte Araber

    Morgan Pikes, Kurator des Natural History Museum, spricht im Zustand höchster Erregung bei dem Sherlock Holmes und Dr. Watson in der Baker Street vor. Einige merkwürdige Ereignisse könnten die geplante Öffnung des Museums verhindern. Auf unerklärliche Weise ist ein Buch aus den Ausstellungsräumen verschwunden, das angeblich magische Kräfte hat.

    Moe Teratos: Das Restaurant an der Baker Street

    Dank der stetig steigenden Bevölkerung und der Lebensmittelverknappung ist es im Jahr 2099 legal, Menschenfleisch zu essen. Um für genügend Nachschub auf den Tellern zu sorgen wurde schon für leichte Vergehen die Todesstrafe eingeführt. Trotzdem ist die Versorgung knapp und es hat sich ein illegaler Schwarzmarkt um das kostbare Gut entwickelt.

    Markus Kastenholz: Darkham: Black

    Gerade ist Totengott Anubis dabei, Bastet über den Dächern von Darkham den Rest zu geben, da erhält die Katzengöttin unerwartete Hilfe. Der legendäre Darkman, ein maskierter Vigilant, ermöglicht ihr die Flucht. In seinem Versteck, Baker Manor, enthüllt er ihr seine wahre Identität und seinen Plan, Anubis endgültig zu vernichten.

    Jean Rises: Dragfoot

    Ein Besuch des Chillingham Castle ist der neuste Streich der Lost Places-YouTuber „Lost Boys of Baker Street“ Jeffrey Holmes und Stephen Watson. Neben einigen anderen soll hier auch der Geist des Folterknechts John Sage, genannt „Dragfoot“ umgehen.

    Doris E. M. Bulenda: Ein Detektiv tut …

    Die kleinen Flittchen, die ständig in der Wohnung ihres Mieters Sherlock Holmes ein- und ausgehen – angeblich brauchen die „Damen“ die Hilfe des Detektivs – sind Mrs. Hudson schon lange ein Dorn im Auge. Die Eifersucht treibt sie in die dunklen Gassen Londons, wo sie ihren Gefühlen freien Lauf lässt. 

    Sascha Dinse: Post Mortem

    Der Stadtteil Whitechapel wird von einer grausamen Mordserie heimgesucht. Die toten Frauen scheinen von einer unbekannten Krankheit befallen zu sein. Doch auch im Leichenschauhaus von Dr. Malcolm Clarke gehen merkwürdige Dinge vor sich.

    Thomas Tippner: Nur nicht Sherlock Holmes

    Henry Potter leidet unter den Eskapaden seiner Ehefrau. Mit Familie, Nachbarn und Händlern liegt die streitsüchtige Wilma im Zwist und macht damit ihrem friedliebenden Mann das Leben unerträglich. Nach einem Gespräch mit seinem Nachbarn John Watson reift in Henry ein perfider Plan.

    Raven Roxx: Blood-Ripper

    Nachdem die atomaren Explosionen des dritten Weltkriegs die Erde aufgerissen haben ist New London von einer Menge fremdartiger Kreaturen bevölkert, Vampire, Elfen, Oger, Werwölfe, usw. Als Polizisten ermitteln der Halb-Elf Setrakian Holmes und der Oger Granak Taz im Fall von mehreren verschwundenen Personen. Eine Spur führt die beiden Außenseiter in höchste politische Kreise.

    Jacqueline Pawlowski: Die Last

    Die einstmals schöne Eleonore Summers ist heute nur noch ein unförmiger Berg aus Fett. Von ihrem Sohn James lässt sie sich nicht nur ständig neues Essen herbeischaffen, auch neue Kleider soll ihr der gelernte Schneider nähen. Und neue Haare benötigt sie auch.

    Nici Hope: Ebene Null

    Liz ist neugierig und bucht eines der Baker Street VR-Erlebnisse. In der Künstlichen Realität kann man Sherlock Holmes, Doktor Watson oder die Queen treffen, oder sich als Prostituierte von Jack the Ripper umbringen lassen.

    Timo Koch: Im Bann der grünen Fee

    Geschäftliche Rückschläge und die damit verbundene nervliche Belastung treiben Robert Blythe regelmäßig ins Absinth-Haus von Mr. Chang. Wie er von dort nach Hause kommt weiß er nicht mehr. Meist müssen der Diener Boroughs und das neue Hausmädchen Pendant ihren mit Blut besudelten Hausherren auflesen und in sein Bett tragen, wo er seinen Rausch und seine Alpträume ausschlafen kann.

    Nicole Renner: Jason, Jacks Erbe

    Im Jahr 2188, nach dem dritten Weltkrieg, leben in London Arm und Reich strikt getrennt. Durch Zufall stößt Jason, der mit unzähligen anderen Menschen unter unwürdigen Umständen in der Gosse lebt und dich von Ratten ernähren muss, auf seine Verwandtschaft mit dem legendären Serienkiller Jack the Ripper. Er beschließt sein Erbe anzutreten und damit auch das Versorgungsproblem zu lösen.

    Markus Lawo: I hold your Hand in mine

    Über ganz London verteilte Leichenteile halten Scotland Yard in Atem. Nun hat die Polizei einen Brief des Mörders erhalten. Dort schildert dieser, was er mit all den Mädchen getan hat und wo er jetzt zu finden ist.

    Elli Wintersun: Zwischenwelt

    Ein Meteoriteneinschlag öffnet ein Portal, durch das Sherlock Holmes, John Watson und einige weitere Personen in eine bizarre Zwischenwelt gezogen werden. Dort müssen merkwürdige Kreaturen in Zweikämpfen gegeneinander antreten.

    „Der Mann hielt inne und musterte die Person. Sie war weiblich, das konnte er an der schlanken Silhouette erkennen. Sie trat unter das kränkliche Licht einer Gaslaterne und stützte die Hände in die Hüften, stellte sich zur Schau. Jetzt erkannte er mehr. Sein Blick musterte sie. Ein Kleid in einem Purpurton. Schick, aber häufig getragen. Blasse Haut, rote Lippen. Dürr. Ein Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus. Den Gehstock umklammerte er wie einen Rettungsanker.“
    (Ralf Kor: 221 A)

    MEINUNG

    Mit „Baker Street“ liegt die zweite Anthologie der „Abartige Geschichten“-Reihe von Herausgeber Markus Lawo vor. Schien das Thema des Vorgängers „Asylum“ doch deutlich besser geeignet, um abartige Geschichten zu erzählen, überrascht „Baker Street“ doch mehr als einmal, wenn es darum geht, den berühmten Wohnsitz des Meisterdetektivs Sherlock Holmes mit phantastischem Leben zu füllen. Auch wenn es nicht immer zimperlich zugeht, wirkt „Baker Street“ zurückhaltender, was den Blutgehalt betrifft, und erstaunlich abwechslungsreich, was die Ideen angeht.

    Auch wenn das keine Vorgabe war ließ sich der überwiegende Teil der Autorinnen und Autoren von der offensichtlichen Assoziation zu Sherlock Holmes leiten. Interessant wird das Ganze dadurch, dass Holmes und Watson meist nur Nebenrollen in den betreffenden Erzählungen spielen, so dass sich daraus sehr unterhaltsame und reizvolle Konzepte ergeben, nicht zuletzt, wenn diese berühmten Figuren amüsant gegen den Strich gebürstet werden.

    Verlagschef Markus Kastenholz steuert beispielsweise ein weiteres Kapitel seines „Darkham“-Zyklus bei, das diesmal ein famoses Elseworlds DC/Marvel-Crossover mit Sherlock Holmes und im Stil der „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ geworden ist. Die Pointe erschließt sich allerdings nur dem, der in den Marvel Comics wirklich „zuhause“ ist.

    Der zweite „Wiederholungstäter“ dieser Geschichtensammlung ist Jack the Ripper; zu den ohnehin mannigfachen Theorien über die Identität und das Motiv des berühmten Dirnenmörders werden hier noch einige neue hinzugefügt. Doris E. M. Bulenda schildert sogar ein Zusammentreffen von Jack und Holmes, in einer Version, die garantiert noch niemand auf dem Schirm hatte.

    Dazwischen lockern die Erzählungen ohne Sherlock Holmes- oder Jack the Ripper-Bezug die Sammlung auf angenehme Weise auf. Unglücklicherweise muss man feststellen, dass das Qualitätslevel zum Ende hin nochmal deutlich verbreitert wird. Ausgerechnet der Abschlussbeitrag wirkt doch reichlich dürftig und lieblos heruntergeschrieben.

    Als Bonbon konnte Markus Lawo noch die Rechte für einen „Soundtrack zum Buch“ der Instrumental-Band „Erdenstern“ (bekannt u.a. für ihre Begleitmusik zu Rollenspielen) ergattern; jeder Story ist ein QR-Code/Link vornagestellt, über den ein Track der Band abgerufen werden kann. 

    „Abartige Geschichten – Gamma“ ist bereits in Arbeit.

    FAZIT

    Insgesamt sehr gelungene und überraschend abwechslungsreiche Anthologie mit einigen alten Londoner Bekannten.

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