EmiliAna

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    Cover des Buches Das geheime Leben der Kühe9783442757923

    Bewertung zu "Das geheime Leben der Kühe" von Rosamund Young

    Das geheime Leben der Kühe
    EmiliAnavor 11 Tagen
    Kurzmeinung: So bezaubernde wie nachdenklich stimmende Lektüre über das wahre Wesen der Kühe, nach der man diese in einem anderen Licht sehen wird.
    Dem Wohle der Kreatur verpflichtet

    Als die Engländerin Rosamund Young ihr Büchlein mit dem an den Peter Wohlleben – Bestseller erinnernden, aber ganz und gar nichts mit jenem zu tun habenden Titel „The Secret Life of Cows“ ( deutsch: „Das geheime Leben der Kühe“ ) 2003 in einem kleinen Landwirtschaftsverlag erstmals veröffentlichte, blieb es weitgehend unbeachtet – um erst einige Jahre später mit umwerfendem Erfolg neu aufgelegt zu werden! Aber dazu kam es erst, nachdem die Sammlung kleiner, mehr oder minder zusammenhängender Geschichten, gleichsam Anekdoten, in denen die Autorin, ihre Erlebnisse mit den unzähligen Kühen zusammenfasst, die sie auf der Kite's Nest Farm in den Cotswolds, mitten im grünen Herzen Englands, Gelegenheit hatte zu beobachten, in den Tagebüchern des Schriftstellers Alan Bennett in den höchsten Tönen gelobt worden war! Plötzlich war die Engländerin, die sich selbst ganz unprätentiös und selbstkritisch keineswegs als Schriftstellerin sieht, sondern nur auf ihrer Musterfarm für artgerechte Tierhaltung in ihrem Element ist – und dies, nebenbei gesagt, bereits seit allerfrühester Kindheit -, in aller Munde!

    Da muss man sich schon neugierig fragen, was so besonders ist an diesem schmalen Buch, das einen solchen Erfolg rechtfertigt, das vom Spiegel zum Tierbuch des Jahres 2018 gekürt wurde und von ihm in einem Artikel aus demselben Jahr folgendermaßen beschrieben wurde: „ Es ist ein friedliches, unspektakuläres Buch. Eines, das seine Leser für die Zeit der Lektüre ohne viel Aufhebens in eine bessere Welt mitzunehmen vermag“. In der Tat! Genau diese Gefühle kamen auch mir beim Lesen. Und wenn der Guardian schreibt „niemand, der dieses Buch gelesen hat, wird Kühe so sehen, wie zuvor“, so ist auch dieser Aussage zuzustimmen!

    Eindringlich macht Rosamund Young mit ihren Geschichten klar, dass Kühe nicht einfach nur eine Ware sind, sondern vielmehr Individuen mit ganz eigenem Charakter, die miteinander kommunizieren, Beziehungen, ja regelrechte Freundschaften eingehen, die sich liebevoll um ihren Nachwuchs kümmern – lässt man sie denn! -, ihn erziehen, die, wie wir Menschen auch, ihre Launen haben, ihre Vorlieben und Abneigungen. Kurz gesagt, sie sind Persönlichkeiten, die mit Respekt und Achtsamkeit zu behandeln sind!

    Kite's Nest Farm ist ein Begriff in der ökologischen Landwirtschaft Englands, ein vorbildlicher Betrieb, der in den Fünfzigern von den Eltern der heutigen Besitzer, Rosamund Young und ihrem Bruder Richard, sorgfältig aufgebaut wurde, die sich bereits damals, als diese Art von Landwirtschaft noch kaum bekannt war, vor allem dem Tierwohl verpflichtet fühlten und niemals intensive Tierhaltung betrieben haben, die die Ausbeutung von Nutztieren kategorisch ablehnten. Die ihnen anbefohlenen Tiere – denn so sehen sie sie -, vor allem Kühe, aber auch Schafe, Schweine und Hühner, die auch ihre Auftritte haben in Youngs Buch, dürfen sich auf dem weitläufigen Terrain der Farm frei bewegen, dürfen sich ihre Nahrung ( und wer da meint, Kühe wären keine Feinschmecker, der wird bald eines besseren belehrt! ) ebenso aussuchen wie ihre Schlafplätze, und die Kälber dürfen so lange bei ihren Müttern bleiben, wie sie mögen.

    Aber Rosamund Youngs Buch ist nicht nur ein Plädoyer für artgerechte Tierhaltung in England, was im Übrigen niemals anklagend, niemals mit erhobenem Zeigefinger vorgetragen wird, sondern es ist viel mehr! Es ist eine herzerwärmende Lektüre, denn aus jeder Zeile spürt man die Liebe Youngs zu all den Kuh-Persönlichkeiten auf Kite's Nest, die samt und sonders Namen tragen, sie als einzigartig kennzeichnend, und an die sie sich mit untrüglichem Gedächtnis auch nach vielen Jahren erinnert. Es ist, um es auf den Punkt zu bringen, die Summe eines Lebens mit Tieren, der Verantwortung für sie und ihr Wohlergehen, die geradezu eine Verpflichtung ist, hat eine Laune der Evolution den Menschen doch in eine Position erhoben, für das Wohl und Wehe der ihm anbefohlenen Geschöpfe Sorge zu tragen und Leid von ihnen abzuwenden. Dass sie, Rosamund, diesen Auftrag ernst nimmt, ganz selbstverständlich, ist die Quintessenz ihrer Anekdotensammlung, der allzu kritische Stimmen einen ausgeprägten Anthropomorphismus vorwerfen, ebenso wie das Aussparen der Tatsache, dass Kite's Nest als wirtschaftlicher Betrieb vorwiegend vom Verkauf des Fleisches der geliebten, gehegten Rinder lebt, dass also deren Lebensspanne begrenzt ist. Nun, das muss man so stehen lassen – wobei ich keinesfalls glaube, dass die Autorin irgendetwas beschönigen wollte, indem sie das, was offensichtlich ist, nicht thematisierte. Ihr Anliegen war ganz sicher nicht, das Leben der Kühe von der Geburt bis zu ihrem Tod zu beschreiben, sondern vielmehr Ausschnitte zu zeigen, Dinge niederzuschreiben, die ihr im Gedächtnis geblieben sind – und damit ihre Leser zu erfreuen und ihnen gleichzeitig vielleicht eine andere Sichtweise zu ermöglichen auf alle Tiere und ihre geliebten Kühe im besonderen. Auf dass die Welt eine bessere werde!

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    Cover des Buches Ponts de Paris9783954514380

    Bewertung zu "Ponts de Paris" von Mara Ferr

    Ponts de Paris
    EmiliAnavor 11 Tagen
    Kurzmeinung: Sehr spannender, psychologisch ausgefeilter, ganz und gar ungewöhnlicher Roman um eine ganz besondere Frau auf der Schattenseite des Lebens
    Maries Ausweg

    Marie lebt seit acht Jahren als Obdachlose unter den Brücken von Paris. Ihr Mann, ein Schönheitschirurg, hatte ihr nach seinem Tod einen Berg Schulden hinterlassen und Marie verlor buchstäblich alles, was ihr Leben bis dahin ausgemacht hatte und sah sich zu guter letzt mittellos mit einem Leben auf der Straße konfrontiert, ohne Aussicht, dem je wieder entfliehen zu können. Doch eines Tages erhält sie ein Angebot, dessen Tragweite sie erst langsam begreift. Sie soll dem Bordell eines reichen Geschäftsmannes vorstehen, der ihr sehr bald klarmacht, dass nicht nur ihr eigenes Leben keinen Pfifferling mehr wert ist, wenn sie sich nicht seinen Anordnungen beugt, sondern dass auch ihr Sohn und dessen Familie sterben müssen. So fügt sich Marie vorerst; doch ersinnt sie allmählich Wege, ihrem Gefängnis und den tödlichen Machenschaften ihres Auftraggebers zu entkommen....


    Man könnte meinen, nicht viel Neues mehr zu erfahren, wenn man einen Kriminalroman aufschlägt. Unzählige sind geschrieben worden, die Themen scheinen erschöpft und wiederholen sich in den unterschiedlichsten Variationen. "Ponts de Paris" jedoch wartet mit einem Stoff auf, der überraschend neu und in eine Handlung verwoben ist, die aufmerken lässt ob ihrer Originalität! Dieser Stoff ist ein grausamer, beschäftigt sich mit den, im wahrsten Sinne des Wortes, Niederungen und Abartigkeiten, mit der die Spezies Mensch ihre vermeintliche Vorrangstellung als "Krone der Schöpfung" ad absurdum führt und starke Zweifel an das Gute aufkommen lässt.


    Wäre da nicht Marie, die alleinige Hauptfigur des gewandt geschriebenen, sehr spannenden und psychologisch ausgefeilten Kriminalromans, der in einem den meisten Touristen unbekannten Paris angesiedelt ist, dem Paris der Armen, der von einer satten, gutbürgerlichen Gesellschaft Ausgestoßenen. Marie, die ohne Verschulden auf der niedrigsten Stufe der sozialen Skala gelandet ist, bemüht sich darum, dennoch ihre Würde zu bewahren und anständig zu bleiben. Weder verfällt sie dem Alkohol oder den Drogen noch verkauft sie ihre Seele dem Teufel. Sie bleibt mitleidend und mitfühlend - und als sie gar nicht mehr weiterweiß, stellen sich ihr zwei imaginäre "Helfer" zur Seite, deren Stimmen nur sie alleine hören kann, mit denen sie lebhafte Diskussionen führt und die sie davor bewahren, den Verstand zu verlieren und dazu ermutigen, ihre logischen Fähigkeiten und ihren Einfallsreichtum zu reaktivieren und schließlich eigenständig zu gebrauchen. Marie überlebt dank dieser Helfer, die in Wirklichkeit Teil ihrer selbst sind, die tief aus ihr heraus kommen, aus dem Menschen, der sie vielleicht einmal war oder eigentlich ist, und zu dem sie wieder zurückzufinden lernen muss.


    Mara Ferr ist in der Tat ein außergewöhnlicher Kriminalroman gelungen!Sie hat Marie so liebevoll und feinfühlig und doch so realistisch gezeichnet, dass ihr mein Herz sofort zuflog, dass ich ihren beschwerlichen und mutigen Weg, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen, nicht nur als Zuschauer verfolgte, sondern bis zum Ende des Buches mit ihr ging, - um die Hoffnung auf das kleine Glück bangend, die Marie während der ganzen Zeit, die sie für ihren Arbeitgeber, diesen Teufel in Menschengestalt, tätig sein musste, aufrecht hielt, die ihr half, nicht aufzugeben.


    Möge sich ihr Traum von einem Häuschen auf dem Land, weitab von Paris, das ihr nie zur Heimat wurde, nicht werden konnte, schließlich erfüllen!

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    Cover des Buches Verliebt... Verlobt ... Verdächtig!9783945372531

    Bewertung zu "Verliebt... Verlobt ... Verdächtig!" von Moa Graven

    Verliebt... Verlobt ... Verdächtig!
    EmiliAnavor 11 Tagen
    Kurzmeinung: Spannender, präziser, wortkarger Krimi, der eine neue Ermittlerin einführt mit Tätigkeitsfeld auf der ostfriesischen Insel Langeoog.
    Von der Großstadtkommissarin zur Inselpolizistin

    Mit Eva Sturm lässt die Krimischriftstellerin Moa Graven aus dem hohen Norden unsres Landes, deren Ostfrieslandkrimis mit den unterschiedlichsten Kommissaren so spannend geschrieben, wie sprachlich knapp und präzise abgefasst sind, nun eine neue Ermittlerin ihre verzwickten Fälle lösen!


    Im ersten Band dieser Reihe begleiten wir die sympathische Endvierzigerin auf die ostfriesische Insel Langeoog, wo das Leben noch in beschaulichen Bahnen verläuft. Diesen Eindruck hat Eva zumindest nach ihren ersten sechs Monaten auf der autofreien Insel - bis sie eines Tages eines Besseren belehrt wird!


    Bei einem Strandspaziergang findet sie im Sand einen offensichtlich teuren Ring, in dem ein Name und ein Datum eingraviert sind. Dieser Ring lässt sie nicht mehr los, sie spürt, dass mehr dahinter steckt als zu vermuten ist, und gemeinsam mit Jürgen, der im örtlichen Tourismusbüro arbeitet und ein Faible für die spröde Kommissarin hat, begibt sie sich auf eine mühsame Spurensuche - und stößt schließlich, wie kann es bei Moa Graven auch anders sein, auf einen spannend-gruseligen Fall, hinter dem ein psychopathischer Mörder steckt...


    Eva Sturm, die "Neue", ist eine ungewöhnliche, eine erfrischende Polizistin! Auf Langeoog ist sie nicht freiwillig, aber längst weiß sie die Annehmlichkeiten der Insel, das ruhigere Leben dort zu schätzen. Sie sieht sich als eine selbstbewusste Frau, dennoch hadert sie mit ihrem Alter und kämpft ständig mit ihrem Gewicht. Ein erfolgloses Unterfangen, denn Eva isst leidenschaftlich gerne! Ihre Angst vor Nähe, Angst, sich zu binden, ihr Freiheitsdrang stehen im Widerspruch zu der Einsamkeit, die ihre ständige Begleiterin ist und unter der sie leidet.


    Kurz und gut - auch die neue Protagonistin von Moa Gravens gewiss nicht alltäglichen Ostfrieslandkrimis ist keineswegs eine Superheldin! Vielmehr ist sie jemand, mit dem sich die Leserinnen identifizieren können, denn ihre Unsicherheiten sind den meisten Frauen durchaus vertraut. Wie beharrlich und professionell sie aber auch ist, beweist sie, als sie ihrem Gespür nachgeht und die Herkunft des zunächst unbedeutend erscheinenden Fundstücks ergründen will. Viel Kleinarbeit ist dabei von Nöten, aber so wie ein Terrier, der sich in etwas verbissen hat, gibt Eva nicht auf.


    Ja, die Ermittlerin aus Langeoog ist die eigentliche Hauptperson in diesem ihrem ersten Fall! Jener kommt erst an zweiter Stelle, die ihn betreffenden Handlungsstränge sind knapp gehalten und dennoch in ihrer Eindringlichkeit aussagekräftig. Wie das bei Moa Graven auch nicht anders zu erwarten ist! Wieder gelingt es ihr, mit wenigen Worten, fast skizzenhaft, dem Leser ein Gefühl der Beklemmung zu vermitteln, wenn sie ihm Einblick in die kranken Hirnwindungen des Ringbesitzers gewährt oder ihm die Ängste seines Opfers spürbar macht. Parallel dazu überträgt sie aber auch das Gefühl von Leichtigkeit, Sonnenschein und Unbeschwertheit des Insellebens auf uns, wenn sie uns etwa mit Eva am Strand sitzen und aufs Meer schauen lässt...


    Insgesamt ist der erste Band aus der "Eva Sturm"-Reihe ein eher ruhiger Krimi, der beinahe ohne Brutalitäten oder blutige Details auskommt. Spannend ist er dennoch - und ganz gewiss ein gelungenes Debut für die neue Inselkommissarin, auf deren weitere Abenteuer auf beruflicher wie aber auch auf privater Ebene man sich freuen darf!                                            

                    


                   

                                


                   

               


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    Cover des Buches Ein Schweinebär im Schlafanzug9783749485161

    Bewertung zu "Ein Schweinebär im Schlafanzug" von Andreas Langer

    Ein Schweinebär im Schlafanzug
    EmiliAnavor 11 Tagen
    Kurzmeinung: Erheiternde, skurrile, aber auch zum Nachdenken anregende Geschichte über die Wichtigkeit, angenommen zu werden, so, wie man nun einmal ist.
    Lektion für Eltern

    „Schweinebär“ nennen seine Eltern den kleinen Sascha – und sind verständlicherweise ungehalten darüber, dass es ihm einfach nicht gelingen will, manierlich zu essen. Schließlich ist er beinahe sieben Jahre alt, und da kann man doch wohl erwarten, dass er nicht bei jeder Mahlzeit sowohl seinen Platz bekleckert, sondern auch sich selbst, oder? Das denken die Eltern und das denkt auch Jule, Saschas große Schwester, die es allerdings ein wenig ungerecht findet, dass Sascha wegen seiner unorthodoxen Essmanieren immer so angepflaumt wird. Überhaupt sieht sie die Schweinereien, die ihr Bruder da anrichtet, viel milder, denn sie mag ihn, findet ihn lustig und liebenswürdig. Aber wie denkt Sascha über die ewigen Ermahnungen seiner Eltern? Was macht das mit ihm, wenn er immerzu spüren muss, dass er, so wie er ist, nicht akzeptiert wird?

    Nun, eines schönen Sonntags bekommt Jule ihre Antwort, denn als Papa des Morgens einem seltsamen Geräusch nachgeht, das aus dem Zimmer seines Sohnes kommt, findet er an dessen Stelle – einen Schweinebär! Ein klassischer Fall von Self- fulfilling Prophecy, möchte man sofort denken. Sascha wurde folgerichtig zu dem, was er in den Augen seiner Eltern sowieso war – eine seltsame Mischung aus Bär und Schwein, im blau-weiß gestreiften Schlafanzug! Die Eltern sind fassungslos und machen sich Vorwürfe wegen der Verwandlung des Kleinen, während Jule, aus deren Blickwinkel die Geschichte im Übrigen auch erzählt wird, eher amüsiert ist, dabei aber sehr mitfühlend, und schnell die Zügel übernimmt und versucht, den veränderten Bedürfnissen des verwandelten Bruders gerecht zu werden. Sie denkt praktisch, denn bei der Menge, die der sehr hungrige Schweinebär-Sascha vertilgt und den Geräuschen, die danach zu hören sind, muss er ganz sicher bald mal einem dringenden Bedürfnis nachgehen....

    Ja, aber wie ist es anzustellen, dass dies nicht an Ort und Stelle, also in der elterlichen Wohnung geschieht? Sie beschließt, was zuerst mal naheliegend erscheint, mit dem Bruder nach draußen zu gehen, was aber wohl doch keine so gute Idee ist, denn man soll ihn schließlich keinesfalls sehen. Wenn Hausmeister Hartenstein von seiner Anwesenheit Wind bekäme – und das auch im wahrsten Sinn des Wortes, denn Sascha beginnt sehr unfein riechende Duftwolken auszustoßen -, gibt es Ärger! Aber der missmutige Mann erfährt es natürlich doch, denkt, Jules Familie würde einen Hund verborgen halten, was er im Mietshaus strengstens untersagt hat und macht gehörig Stress....

    So beginnt ein erheiterndes Versteckspiel, in dessen Verlauf Saschas Eltern lernen und endlich auch begreifen, dass die Schweinereien ihres Knaben am Esstisch ein Klacks sind im Vergleich zu dem, was der Schweinebär in ihrer Wohnung anrichtet – und was sie mit erstaunlicher Gelassenheit, und endlich einmal voll hinter ihrem Sohn stehend, der im Moment ein grunzendes Phantasietier mit stürmischer Verdauung ist, hinnehmen. Und als Sascha, der Schweinebär, zu guter letzt auch noch ausbüxt und von der tatkräftigen Jule in einer Baugrube gefunden wird, wo er sich nach Herzenslust im Dreck suhlt, sind die Eltern so froh, ihn wiederzuhaben, dass die verwüstete und zum Himmel stinkende Wohnung überhaupt nicht mehr ins Gewicht fällt!

    Ja, Vater und Mutter haben ihre Lektion gelernt, sind nach all der Aufregung nun sogar bereit, den verwandelten Sohn nicht mehr länger zu verstecken sondern sich ganz offen und vor aller Welt zu ihm zu bekennen! Und genau das hat denn auch der Schweinebär gebraucht, um wieder zu Sascha werden zu können – der von nun an so unsauber essen darf, wie er möchte oder wie er es nicht anders kann. Schweinebär übrigens nennen ihn seine Eltern niemals wieder....

    Wie wichtig es ist, so angenommen zu werden, wie man nun einmal ist, vor allem, wenn man noch ein Kind ist und gar nicht verstehen kann, warum die Erwachsenen an einem herummäkeln, weil man eben so ist, wie man ist und es auch beim besten Willen nicht ändern kann, scheint mir die Botschaft dieses erheiternden, gleichzeitig aber auch nachdenklich stimmenden Buches des Autors Andreas Langer zu sein. Und diese Botschaft kommt an, weil sie so nett in eine parabelhafte Geschichte verpackt wurde, die zwar mit einer Reihe von Verwicklungen aufwartet und in der ein gehöriges Durcheinander herrscht – vom „Schweinebären“ verursacht! -, die aber sehr verständlich und anschaulich geschrieben wurde. Gerade weil der Autor sie von einem zehnjährigen Mädchen erzählen lässt, dessen Sprache sehr authentisch wirkt! Sie sieht ihren Bruder und die Schwierigkeiten, die die Erwachsenen, sprich die Eltern, mit ihm haben, mit anderen Augen, viel entspannter nämlich, akzeptiert Saschas Eigenarten ganz selbstverständlich, so wie Kinder das nun einmal tun, bevor sie ( zum Glück nicht alle! ) von der Gesellschaft und ihren Normvorstellungen verbogen werden. Wollte Herr Langer das vermitteln, so ist es ihm gut gelungen – und es bleibt zu hoffen, dass das Buch auch von recht vielen Erwachsenen gelesen wird, gemeinsam mit ihren Kindern oder als Vorlesende.

    Die gleichen Erwachsenen aber mögen ein wenig Anstoß nehmen an der Ausführlichkeit, mit der vor allem die Verdauung des Schweinebären und deren Endresultat thematisiert werden. Das war mir denn doch ein wenig zu viel des Guten und es verlor mit jeder Wiederholung an Lustigkeit. Das aber ist der Blick des Erwachsenen denn Kinder empfinden das ganz anders wie ich erleben durfte – und amüsieren sich köstlich! Und für Kinder ist der Roman schließlich geschrieben – so wie auch die Illustrationen auf Kinder wirken sollen und nicht auf kritische Erwachsene, denen sie eher zu unproportioniert, zu steif und einförmig erscheinen mögen. Also lassen wir hier die Kinder sprechen oder diejenigen unter uns Erwachsenen, die im Herzen Kind geblieben sind, ganz so wie Erich Kästner, der Meister der Kinderliteratur und geistiger Vater unvergesslicher Klassiker dieses Genres sich das von den erwachsenen Lesern seiner Kinderbücher wünschte – und der selber zeitlebens Kind geblieben war!

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    Cover des Buches Abenteuer im Land der Wikinger9783942428620

    Bewertung zu "Abenteuer im Land der Wikinger" von Nicole Grom

    Abenteuer im Land der Wikinger
    EmiliAnavor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Unterhaltsame und informative Reise in den hohen Norden Deutschlands, die ganz im Zeichen der Wikinger steht.
    Lilly und Nikolas auf den Spuren der Wikinger

    Wer die Reiseführer für Kinder und Jugendliche aus dem Verlag Biber & Butzemann, der sich auf regionale Abenteuer und Feriengeschichten vor allem für ein junges Publikum spezialisiert hat, kennt, weiß, dass sie nicht nur sehr liebevoll gestaltet und mit hübschen Illustrationen versehen sind, sondern vor allem auf unterhaltsame Weise Sehens- und Erlebenswertes in den unterschiedlichsten Gegenden Deutschlands vorstellen und das ganze mit zum Teil sehr ausführlichen Hintergrundinformationen würzen, die so recht Lust darauf machen, mehr davon zu lesen. Als besonders erfreulich empfinde ich es, dass die vorgestellten Reiseziele eben vorwiegend in heimischen Gefilden angesiedelt sind, die so viel zu bieten haben, dass man sich beim Lesen unwillkürlich fragt, warum man im Urlaub unbedingt danach trachtet, in möglichst weite Fernen zu schweifen. Schönere, erlebnisreichere, von den sehr engagierten Eltern liebevollst geplante Urlaube als die, die die in bereits zahlreichen Ferienabenteuern zuvor aufgetretenen Protagonisten Lilly und Nikolas innerhalb Deutschlands erleben, kann man sich kaum vorstellen!

    Auch in „Abenteuer im Land der Wikinger“ begegnet der Leser den neugierigen Geschwistern wieder – Kinder, wie sie sich Eltern nur wünschen können! Nie nörgeln sie herum, nie klagen sie über Langeweile, stets sind sie bereit, die Vorschläge ihrer Eltern anzunehmen, selbst wenn sie mehrere Tage hintereinander mit ihnen Museen besichtigen sollen, an denen sie weniger interessiert sind als Vater und Mutter. Sie wissen, dass sie dennoch stets auf ihre Kosten kommen, denn zwischendurch gibt es immer wieder die eine oder andere kleine Überraschung, ganz auf ihre Vorlieben zugeschnitten, die denn auch die Highlights der jeweiligen Reisen sind!

    Die neueste Feriengeschichte um Lilly und Nikolas stellt die beiden zunächst einmal vor ein Rätsel: im Gegensatz zu den sonstigen Reisen wissen sie diesmal nicht, welches Ziel sich die Eltern ausgedacht haben, das sollen sie anhand von vielen kleinen Hinweisen, die ihr Vater mit offensichtlichem Genuss für sie ausgedacht hat, selber herausfinden. Für die beiden klugen Kinder stellt das keine Schwierigkeit dar und sehr bald schlussfolgern sie, dass es ins Wikingerland geht! Aber nicht, wie sie zunächst vermuten, nach Skandinavien oder gar nach Island, sondern hoch in den Norden Deutschlands, in die Gegend zwischen Flensburg, Schleswig und Kiel. Wikingerland? Das assoziiert man landläufig nicht gerade mit Deutschland – und doch gab es eine florierende Wikingersiedlung nahe Schleswig, nämlich Haithabu. Fasziniert lassen sich die Kinder ein auf die Geschichte des kriegerischen Volkes, das allerdings noch ganz andere Seiten hatte, können gar nicht genug bekommen von der Sagenwelt, die so starken Einfluss hatte auf das Leben der rauflustigen, immens neugierigen, wissensdurstigen und als Händler und Kaufleute ebenso erfolgreichen Wikinger.

    Wenn letztere selbstredend die Hauptrolle im vorliegenden Buch spielen und immer wieder auf sie zurückgekommen wird, so bietet die Geschichte doch noch unendlich viel mehr! Interessante Ziele werden angesteuert – ob es nun das Ostsee-Info-Center in Eckernförde ist, der Besuch im Freizeitpark Tolk oder der im Tierpark Gettorf, die Fahrt nach Schloss Gottorf, in dessen Landesmuseum echte Moorleichen zu sehen sind, oder diejenige zum Schloss Glücksburg an der dänischen Grenze, einem der bedeutendsten und schönsten Renaissance-Schlösser Nordeuropas, die Besichtigung des Danewerk, des größten archäologischen Denkmals im Norden des europäischen Kontinents oder der Abstecher zur die Kinder stark beeindruckenden Eichhörnchenschutzstation Eckernförde, um nur eine kleine Auswahl der vielen Orte zu erwähnen, die alle auf ihre Weise Glanzlichter dieser an besonderen Erlebnissen reichen Ferienreise sind – wobei der eigentliche, der wirklich unvergessliche Höhepunkt erst ganz zuletzt kommt...

    Und wieder auch gibt es ein Rätsel aufzulösen, wie im Zuge der meisten Abenteuer, die die Geschwister erleben und über das an dieser Stelle nicht viel verraten werden soll – außer, dass es dabei um einen geheimnisvollen Jungen geht, der Nikolas immer wieder begegnet, und um Träume, in denen die Geschwister sich unabhängig voneinander plötzlich in der Wikingerzeit wiederfinden. Dass beide Vorfälle miteinander zu tun haben, ergibt sich im Laufe der Geschichte wie von selbst...

    Fazit: ein typischer Biber & Butzemann Reiseführer für die junge Generation ( aber nicht nur für diese! ), in eine unterhaltsame Geschichte verpackt – und ganz gewiss Lust machend, wie alle seine Vorgänger auch, auf den Spuren von Nikolas und seiner Schwester zu wandeln! Und wenn dann die Reiseroute noch obendrein so perfekt und abwechslungsreich ausgearbeitet wurde, wie das die beiden Autorinnen die Eltern des Geschwisterpaares haben tun lassen, stellen die Reisevorbereitungen keine große Herausforderung mehr dar! Eigentlich kann man sofort loslegen – mit „Abenteuer im Land der Wikinger“ in der Tasche selbstverständlich!

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    Cover des Buches Maimorde9783940627261

    Bewertung zu "Maimorde" von Angelika Godau

    Maimorde
    EmiliAnavor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Ungewöhnlicher Krimi mit ansprechendem, auf sympathische Weise tölpelhaften Detektiv - zum Nachdenken!
    Aufschrei einer Gequälten

    Wir alle kennen sie, diese Menschen, die allzu ungeschickt sind, die sich immerzu in prekäre Situationen bringen, ohne das zu wollen, die stolpern und sich dabei wehtun, die einfach rechte Tolpatsche sind! Und als solchen hat Angelika Godau ihren, in vorliegendem Band bereits zum vierten Mal ermittelnden, Privatdetektiv Detlev Menke angelegt. „Deti“ wird er genannt – und der Spitzname beziehungsweise die Verniedlichung seines eigentlichen Vornamens, passt wie die Faust aufs Auge! Mir jedenfalls fällt bei „Deti“ genau der Typ Mann ein, den ich hier kennen lerne: ein nettes, harmloses, liebenswürdiges Wesen, bar jeden Args, voller menschlicher Schwächen und Unzulänglichkeiten, so frei jeglicher, nerviger Supermannqualitäten, dass man ihm auf Augenhöhe begegnen kann. Dass er dennoch über nicht unbeträchtliche Ermittlerqualitäten verfügt, stellt er in „Maimorde“ durchaus unter Beweis, wenn auch auf seine eigene, skurrile Weise und nicht ohne die eine oder andere Blessur davonzutragen. Zunächst einmal stolpert er – und das scheint ihm öfter zuzustoßen – über die Leiche des Gynäkologen Brandt, eines gar unsympathischen Zeitgenossen, der sein offensichtlich mangelndes Selbstwertgefühl durch ständige Affären mit seinem weiblichen Personal aufpolieren möchte um sie, wenn die Frauen Forderungen zu stellen beginnen, mit einer netten Summe loszuwerden und vor allem zum Schweigen zu bringen.


    Julia, die Angetraute dieses Widerlings – übrigens nicht seine erste! - macht sich über den Charakter ihres Mannes keine Illusionen, schließlich kennt sie seine Masche, war sie doch dereinst selber bei ihm angestellt, hat ihn aber, cleverer als all die vielen Nebenbuhlerinnen, die sich geradezu anstellen, um von dem weder physisch noch charakterlich anziehenden Doktor vernascht zu werden, festgenagelt, wie man so schön sagt. Seltsam, wie attraktiv seine Profession respektive das Geld, das man damit verdient, doch immer noch für viele Angehörige des weiblichen Geschlechts zu sein scheint...


    Aber bleiben wir bei der schönen Julia, Liebhaberin von Luxus, Botox und Silikon, denn von ihr führt der Weg direkt in medias res, in anderen Worten, zu der Frau, die im Mittelpunkt der gar erschröcklichen Geschichte steht und deren Psychogramm Frau Godau vor dem mitfühlenden, gelegentlich auch unverständig staunenden Leser entwickelt. Melanie heißt sie, ist Julias Freundin, wie man lesen kann – aber da scheint es gravierende Missinterpretationen des Begriffs Freundschaft zu geben, was sogar Menke auffällt, der Julia, mit der er in der Vergangenheit einmal eine Nacht verbracht hat ( wer nicht, fragt man sich, nachdem man die Gynäkologenwitwe etwas näher kennengelernt hat...), passenderweise ins Gesicht sagt, dass wer so eine Freundin hat, keine Feinde braucht! Wie wahr! Melanie ist, wie sich herausstellt, selbst ihre eigene größte Feindin...


    Wir lernen besagte Frau, inzwischen um die 40, zu einem Zeitpunkt kennen, an dem sie nach langen Jahren des Psychoterrors, den sie sich, einst erfolgreiche Juristin und auf dem besten Wege Karriere zu machen, von ihrem Ehemann Roger, ebenfalls Jurist, wobei es treffender ist zu sagen, dass er von Beruf rückgratloser Sohn ist, und dessen bösartiger Mutter gefallen ließ, als sie schon längst nicht mehr rational zu denken imstande ist. Der Alkohol, in den sie sich aufgrund des Drucks von Seiten Rogers und der Schwiegermutter, doch endlich „den Erben“ zur Welt zu bringen, geflüchtet hatte, hat sein Übriges getan. Der Kreislauf von Verzweiflung, Versagen und Alkohol war nicht mehr zu durchbrechen. Wehret den Anfängen? Ja, das ist sicherlich richtig, genauso wie es unverständlich ist, wie eine junge, vermutlich kluge und erfolgreiche Frau unsrer Tage sich auf eine solche Art erniedrigen lassen konnte, wie sie zum willfährigen Instrument in den Händen von zwei krassen Egoisten ohne Mitgefühl hatte werden können. Doch wer weiß schon, welche – unbewusst – erlernten Mechanismen uns antreiben....


    Wie auch immer, Melanie hätte allen Grund gehabt, den Doktor ohne Ethik und Moral zu beseitigen, nachdem der eine – oh Wunder nach all den Jahren der vergeblichen Mühen und Strapazen! - Schwangerschaft Melanies bestätigt, sie gleichzeitig aber warnt, dass das Kind, dessen Vater, wie er sich leicht ausrechnen kann, bestimmt nicht Roger ist, aufgrund des jahrelangen Alkoholmissbrauchs behindert sein könnte. Sie weiß, dass sie sich auf die Diskretion des Mannes ihrer „besten Freundin“ Julia keinesfalls verlassen kann – was läge also näher, als ihm das unwerte Lebenslicht auszublasen? Zumal sie längst ihre Rachepläne, Roger und dem Schwiegermonster zugedacht, geschmiedet hat. Finstere Pläne, einem kranken, nicht mehr logisch denkendem Geist zuzuschreiben.


    Nun, jetzt kommen erst einmal die Ermittler ins Spiel, sprich die Kripo Ludwigshafen, in Person von Menkes Freundin Tabea und deren Kollegen Sandmann, letzterer einer der wenigen sympathischen Charaktere in der garstigen Geschichte! Menke selbstverständlich schwirrt auch herum, hat ihn doch Julia kurzerhand auf dem folgenschweren Geburtstagsempfang des Melanie-Ehemannes Roger rekrutiert, um Beweise für die Untreue des Gatten zu sammeln, der ihr den aufwändigen Lebensstil ermöglicht, in dem sie ihre Erfüllung sieht!


    Und von nun an wird es turbulent, immer wieder aufs Neue überraschend, gar skurril und komödienhaft, was allein Menke geschuldet ist, der tapsig gemeinsam mit Dackel Alli, seinem ständigen Begleiter, nach allen Seiten ermittelt, misstrauisch und unwillig beäugt von der ihm gegenüber sehr nörgelig auftretenden Tabea, der eigentlichen Ermittlerin im Falle Brandt.


    Als dann noch kurz hintereinander zwei weitere Morde geschehen, denn sowohl die böse Schwiegermutter als auch deren nicht ganz so böser, aber leider Gottes stark dünkelbehafteter Ehemann dürfen endlich ihrem Schöpfer gegenüberstehen, scheint die Sache klar für den Leser, der ja schließlich die Geschichte wechselweise aus Menkes und aus Melanies Sicht verfolgt: Melanie war's! Ist Amok gelaufen – wer kann es ihr verdenken? Einen Helfer hatte sie auch: den sehr simpel gestrickten Krankenpfleger und Kindsvater Björn, der für Melanie, die er zur Märtyrerin hochstilisiert, einfach alles tun würde!


    Doch so einfach ist die Sache nicht, denn wir haben es hier ganz sicher nicht mit einem Standardkrimi zu tun! Wie ich ihn aber einordnen soll, weiß ich nicht, ob als Provokation, als rabenschwarze Krimikomödie oder als ernstgemeinte, wenn auch überspitzte Kritik an Angehörigen eines gewissen Standes – oder etwas ganz anderes. Ich denke, das sollte jeder für sich selbst definieren. Habe ich mich amüsiert? Nicht wirklich! Vielmehr habe ich mich, voller Unverständnis für die Handlungsweise der Protagonistin und somit nicht fähig, Empathie zu empfinden, über Melanie geärgert, die nicht nur ihr selbstbestimmtes Leben – freilich durch die Mitwirkung der Familie, in die sie blauäugig hineingeheiratet hat – sondern auch ihren Willen aufgegeben und sich auf eine Weise hat degradieren lassen, für die ich mich als ihre Geschlechtsgenossin schäme. Darüber hinaus kann ich mich nicht anfreunden mit einem Ende, das gar keines ist, das offen gelassen wurde, so wie ich den Roman gelesen habe, beziehungsweise das mit einem sehr unwahrscheinlichen Geständnis aufwartet, das der Wahrheit nicht entsprechen kann. Unverständlich, dass die Polizei sich damit zufrieden gibt oder es einfach hinnimmt, obwohl sie weiß, dass es so nicht gewesen sein kann – einfach, um den nervigen Fall, in dem gelogen wurde, dass sich die Balken bogen, ad acta legen zu können. Nun ja, man kann eben nicht alles haben. Dennoch – ein wenig mehr Menke und viel weniger Melanie, Julia, Roger und Co. hätte dem Krimi sicherlich nicht zum Nachteil gereicht....

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    Cover des Buches Die Schwestern vom Ku'damm: Tage der Hoffnung9783805203333

    Bewertung zu "Die Schwestern vom Ku'damm: Tage der Hoffnung" von Brigitte Riebe

    Die Schwestern vom Ku'damm: Tage der Hoffnung
    EmiliAnavor einem Monat
    Kurzmeinung: Zu Herzen gehender Abschlussband einer herausragenden Triologie, mit dem sich der Kreis auf geniale Weise schließt!
    Wandlung einer Rebellin

    Florentine Thalheim, die Protagonistin des Abschlussbandes der „Ku'damm“-Trilogie, macht es sich und ihrer Familie nicht leicht! Als Jüngste der Thalheim-Schwestern fühlte sie sich stets als Randfigur in einer Familie starker und eigenwilliger Charaktere, zeichnete sich in den beiden ersten Bänden vor allem durch Sprunghaftigkeit, Kapriziosität und wilde Aufmüpfigkeit aus, was darin gipfelte, dass sie sich mit ihrem französischen Freund in dessen Heimatland flüchtete – aus dem sie zu Beginn der hier zu besprechenden Geschichte um einige Illusionen ärmer, dafür um nicht unbeträchtliche Erfahrungen reicher in ihre Heimatstadt Berlin zurückkehrte, entschlossen, sich nicht nur endlich einen Platz in ihrer Familie, sondern auch einen Weg in ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu erkämpfen. Mit ausgeprägter künstlerischer Begabung gesegnet, die sich schon in sehr jungen Jahren manifestierte, steht für Flori fest, dass sie ihrer Berufung folgt und die Kunst zu ihrem Beruf machen wird, ja machen muss, denn nur in ihr kann sie sich ausdrücken, ist sie ganz bei sich, ganz sie selbst. Zielstrebig und entschlossen erobert sie sich die Aufnahme an der renommierten Kunstakademie, ein erster Erfolg, der sie in Hochstimmung versetzt, die aber schon bald der Ernüchterung weicht und der Erkenntnis Platz macht, dass man nicht über Nacht zur gefeierten Künstlerin wird, dass mehr dazu gehört als ihre unzweifelhafte Begabung. Doch siehe da, die jüngste Thalheim-Schwester, die ehemalige Rebellin, nimmt die Herausforderung an, zieht Lehren aus den schmerzvollen Erfahrungen, die zu machen ihr nicht erspart bleibt, an denen sie menschlich wie künstlerisch wächst – um ihre wahre Berufung schließlich zu finden. Und ihre Wandlung ist so folgerichtig, so nachvollziehbar und gleichzeitig mit liebevoller Behutsamkeit geschildert, wie es eben nur Brigitte Riebe zustande bringt! Von der unreifen, verwöhnten Rebellin also zur geläuterten, mitfühlenden Erwachsenen, deren Ungestüm Beherrschung und kluger Zurückhaltung Platz gemacht hat – und dann endlich kann auch die Liebe zu einem ganz besonderen Menschen ihre Erfüllung finden!


    So begegnen wir der Protagonistin am Ende dieses großartigen Romans, dessen Handlung in den späten 50er und frühen 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angesiedelt ist, zu einer Zeit also, in der sich der Konflikt zwischen Ost und West zuspitzte, in der Berlin nach vorausgehenden, immer unerträglicher werdenden, Repressalien von Seiten des DDR-Regimes schließlich durch den Mauerbau zur geteilten Stadt wurde, ein „Leuchtturm im roten Meer“, wie die heutige Hauptstadt der Republik seinerzeit von der auflagenstärksten deutschen Tageszeitung so treffend betitelt wurde.


    Wie gewohnt gelingt es der Autorin auch in „Tage der Hoffnung“ Zeitgeschichte so in Romanform zu bringen, dass sie erfahrbar wird, dass jene so hoffnungsvollen wie bangen Jahre, die den Hintergrund der Handlung um Flori und die Ihren bilden, gegenwärtig werden, fühl- und erfahrbar. Die Leser dieses so genialen wie sprachlich perfekten Romans werden unwiderstehlich hineingezogen in eine spannende, weichenstellende Epoche, die die Mehrzahl von ihnen vermutlich nicht durch eigenes, bewusstes Erleben, sondern nur noch aus Erzählungen oder aus Geschichtsbüchern kennen – und die sich nicht mehr loslassen wird!


    Denn dieses grandiose Buch mit seinen vielen eingestreuten Begebenheiten – kleineren und größeren, unbedeutenden und bedeutenden - , Randnotizen gleichsam, die mit der Zeit, in der die Geschichte spielt, untrennbar verbunden sind, ihr zugehörig wie etwa die vielen elektronischen Spielzeuge samt Netflix & Co. der heutigen Zeit, und die ihm seine überzeugende Authentizität verleihen, wirkt nach, lässt Anteil nehmen nicht nur am mit vielen Stolpersteinen versehenen Werdegang Floris sondern natürlich auch an dem weiteren Lebensweg der gesamten, aus den beiden ersten Bänden der Trilogie sehr vertrauten, Familie Thalheim. Es läd zum Reflektieren ein, ist daher eine Geschichte, die nicht verschlungen sondern vielmehr mit der ihr gebührenden Achtsamkeit gelesen werden möchte, Seite für Seite.


    Und wenn Brigitte Riebe ihre Trilogie so gewaltig und eindrucksvoll enden lässt wie hier mit der berühmten Kennedy-Rede - vor jubelnder Menschenmasse, die diese seine aus ganzer Seele kommenden Worte so dringend gebraucht haben -, die wie nichts sonst ein Bekenntnis zur Demokratie und zur Freiheit ist und die beispiellose Solidarität bekundet mit den Bewohnern der Stadt Berlin, dann geht das tief ins Herz, um darin Wohnung zu nehmen, dann bleiben wahrlich keine Wünsche offen – und es werden solche erfüllt, von denen man gar nicht wusste, dass man sie jemals hegte.


    Und so ist der Abschied von den längst liebgewonnenen Exzentrikern und nicht immer einfachen Individualisten der Familie Thalheim und allen, die ihnen zugehörig sind und denen der Leser hier wie in den beiden Bänden zuvor das Vergnügen hatte zu begegnen, wohl mit ein wenig Wehmut verbunden, gleichzeitig aber lässt er ein Gefühl der Befriedigung zurück, fügt sich doch in diesem Abschlussband auch das letzte Teilchen in das bunte Mosaik ein, das die Autorin mit ihren wunderbaren Jahren des Aufbaus und der Hoffnung ihren Lesern zum Geschenk gemacht hat!

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    Cover des Buches Stumm vor Angst9783842522466

    Bewertung zu "Stumm vor Angst" von Ingrid Zellner

    Stumm vor Angst
    EmiliAnavor einem Monat
    Kurzmeinung: So spannender wie berührender Kriminalroman vor schöner Landschaft und mit einem unwiderstehlichen und starken Protagonisten
    Wiedersehen mit einem besonderen Ermittler

    In der inzwischen kaum noch überschaubaren Krimilandschaft unsres Landes tummeln sich gar viele Kommissare – und man hat manchmal den Eindruck, dass sie – vermeintlich, um dem Leserpublikum einprägsamer zu sein – möglichst exotisch, zumindest ungewöhnlich zu sein haben und folglich auch mit den seltsamsten Charaktereigenschaften nebst sehr individueller kleinerer und größerer Marotten ausgestattet werden müssen. Leider aber geht diese Art der Überzeichnung, anstatt durch Individualität zu bestechen, nur allzu oft auf Kosten der Glaubwürdigkeit, der Authentizität, die für mich unbedingt zu den Kriterien gehören, nach denen ich einen Roman, und dabei muss es sich nicht einmal um einen Spannungsroman im eigentlichen Sinne handeln, beurteile.

    Nun, auch Ingrid Zellners Ermittler, der in Deutschland geborene Inder Surendra Sinha, dem wir in vorliegender Geschichte bereits zum vierten Mal begegnen, ist gewiss kein alltäglicher Kommissar. Doch was ihn von der Mehrheit seiner fiktiven Kollegen abhebt, sind nicht etwa auffällig absonderliche Verhaltensweisen oder an den Haaren herbeigezogene Exzentrizitäten, sondern es ist vielmehr seine bescheidene, nachdenkliche, äußerst empathische Persönlichkeit, sein lauterer Charakter, ist die ihm innewohnende Freundlichkeit und Höflichkeit denen gegenüber, die ihm begegnen. Er ist eine starke Hauptfigur, ein im positiven Sinne unvergesslicher Kommissar, ein wahrer Glücksgriff, einer, der die Leser auf seine Seite zieht, der Sympathie erweckt, genauso wie Respekt, von dem man immer öfter das Gefühl hat, dass er nicht mehr zeitgemäß ist.

    Doch bei nicht wenigen Zeitgenossen, die Ingrid Zellner ihn hier wie auch in den Vorgängerbänden begegnen lässt, ist dieser Respekt nicht selbstverständlich – im Gegenteil! Nicht nur ist Surendra seit einiger Zeit und leider noch immer vom Polizeidienst vorläufig suspendiert, sondern auch noch ständig konfrontiert mit Ablehnung aufgrund seines fremdländischen Aussehens, ja mit regelrechtem, starkes Unwohlsein verursachendem Fremdenhass, mit ungerechtfertigten Anschuldigungen und verwerflichem Denunziantentum, das scheinbar nicht auszurotten ist und dem er in geballter Form begegnet, als er seinen Freund, einen pensionierten Kollegen, in Hechingen in der Schwäbischen Alb besucht, in der Hoffnung, dass dieser lebenserfahrene, ihm wohlgesinnte Mann ihm mit Rat und Tat hinsichtlich seiner beruflichen Zukunft zur Seite stehen und bei seiner Entscheidungsfindung hilfreich sein könne.

    Dass aber der Urlaub ganz anders verlaufen würde als geplant, zeichnet sich schon sehr bald ab, denn wieder geschieht das, was so typisch ist für Surendra: durch die Begegnung mit dem stummen Mädchen Linnea, mit dem er sich während eines Ausflugs zur Hohenzollern-Burg anfreundet, erfährt er nicht nur von einem drei Jahre zurückliegenden Mordfall, der ihn aufmerken und ganz privat eigene, vorsichtige Nachforschungen anstellen lässt, sondern findet darüber hinaus auch noch eine weitere Leiche. Bei der es allerdings nicht bleibt...

    Zum Bedauern vieler Leser darf Surendra aber, natürlich, nicht ermitteln! Ganz abgesehen von seiner Suspendierung liegt die Zuständigkeit bei dem örtlichen Polizeiapparat – und dessen Vertreter beäugen den Sohn indischer Eltern nicht nur mit Misstrauen, sondern setzen sich auch noch mit einer unverständlichen Schwerfälligkeit in Bewegung, denn zunächst, ein altes Leiden in diesem unserem Lande, muss der Bürokratie Genüge getan werden, muß der vorgeschriebene Weg buchstabengetreu befolgt werden. So ist es nicht überraschend, dass Surendra Sinha letztendlich derjenige ist, der in einem so atemberaubenden wie für ihn selber brandgefährlichen Finale die Hintergründe von am Ende fünf Morden aufdeckt und nur mit viel Glück, gepaart mit der ihm innewohnenden Pfiffigkeit ( wie gesagt, Surendra hat viele Facetten! ) einen völlig aus dem Ruder gelaufenen Killer dingfest machen kann. Also Ende gut, alles gut? Wohl kaum, denn wie im wahren Leben bleibt die eine oder andere Frage offen, zumal der menschenfreundliche Kommissar noch immer nicht rehabilitiert ist. Das wiederum aber gibt berechtigten Grund zu der Hoffnung, dass wir Surendra nicht zum letzten Mal begegnet sind, denn schließlich wünschen sich seine Anhänger nichts sehnlicher, als dass das Leben nach der langen Talsohle, die Surendra durchschreiten musste, nun freundlicher mit ihm umgehen möge....

    Summa summarum - „Stumm vor Angst“ gehört in die exklusive kleine Kategorie der Kriminalromane, die mich durchweg überzeugt haben! Hervorragend geschrieben und spannend von Anfang bis Ende, mit Möglichkeiten zum Mitraten, aber auch Mitfühlen, Mitleiden und sich Empören über all die Ungerechtigkeiten und Anfeindungen, mit denen Surendra Sinha ( der „Löwe“ ) geplagt wird, eine starke Hauptfigur, viele emotional berührende Szenen, ein so interessanter wie schöner Schauplatz, genau die richtige Dosis landeskundlicher Informationen, dazu noch mit den Auswüchsen des mit Besorgnis zu beobachtenden Zeitgeistes gespickt – Krimileserherz mit Präferenz des psychologischen anstelle des blutrünstigen Faktors, was willst du mehr?! 

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    Cover des Buches Emily Pferdeflüsterin9783791501468

    Bewertung zu "Emily Pferdeflüsterin" von Mila Sternberg

    Emily Pferdeflüsterin
    EmiliAnavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Wundersame Geschichte um ein Mädchen, das anders ist als die anderen und seine innige Freundschaft zu einem traurigen Pferd.
    Alles für Runa

    Kleine Mädchen und Pferde – eine gewiss nicht ungewöhnliche Konstellation, und nicht umsonst gibt es unzählige Bücher, ja ganze Buchreihen, die die Freundschaft zwischen einem Mädchen – meist ist das um die zehn Jahre alt – und einem Pferd, einem Pony oder gar einem Einhorn zum Thema haben. Die meisten dieser Geschichten sind nett, ansprechend, durchaus auch anrührend, unterscheiden sich aber im Grunde nicht wesentlich voneinander. Kennt man eines, kennt man alle, möchte man fast sagen, ohne besagte Bücher freilich abwerten zu wollen. Sie erfüllen ihren Zweck, ihre jungen – pferdelieben – Leserinnen können sich darin wiederfinden, sich sogar mit den Protagonistinnen einigermaßen identifizieren und sind nach dem Lesen dieser harmlosen Geschichten befriedigt und kehren wieder zum Tagesgeschehen zurück.


    Auch nach „Emily Pferdeflüsterin“ haben sie vielleicht neugierig gegriffen, nicht ahnend aber, dass sie hier dieses eine, dieses herausragende, dieses ganz besondere Buch vor sich haben, das rein gar nichts zu tun hat mit dem Lesestoff, den sie zur Genüge kennen und ob seines hohen Wiedererkennungswertes lieben. Auch der Covertext deutet nicht auf den Zauber hin, der sich entfaltet, wenn man das Buch aufschlägt und zu lesen beginnt. Und doch – nimmt man es in die Hand, streicht man über das fein illustrierte, auf unscharfe Konturen setzende, sich gar seidig anfühlende Cover, schaut man sich das Mädchen an, das seine Hand ganz leicht auf das samtige Pferdemaul gelegt hat, sieht den in einiger Entfernung im Gras liegenden Esel, dessen zufriedener und doch aufmerksamer Blick auf Mädchen und Pferd ruht, dann kann man schon eine Ahnung, ja sogar eine nicht greif- sondern nur fühlbare Sicherheit bekommen, dass zwischen den Buchdeckeln etwas wartet, von dem man berührt werden wird, das zu Herzen geht und im Herzen bleibt!


    „Emily Pferdeflüsterin“ ist fürwahr ein Juwel unter den Kinderbüchern, die den Markt jährlich, so hat es den Anschein, stärker fluten, so dass es nicht einfach ist, ein solches herauszufischen, gar das große Glück zu haben, ihm zu begegnen. Kurz und gut, es ist einer der schönsten, liebenswertesten und anrührendsten Romane, die ich jemals gelesen habe!


    Ein Pferdebuch? Ja und nein! Es thematisiert vor allem Anderssein, etwas, das viel Leiden verursachen kann, auf eine besondere Art und Weise, geht unendlich zart damit um, lässt hineinblicken in die Seele und die Gedanken seiner Protagonistin, der kleinen Emily, die eben „anders“ ist, vor Berührungen zurückschreckt, sich nicht verstellen kann, mit Menschen wenig im Sinn hat, aber Begabungen in sich vereint, die nicht alltäglich sind: tiefstes Verständnis für alles Technische, alles Mathematische und, so ungewöhnlich diese Kombination auch ist, für Tiere.


    Es scheint ganz so, als spräche sie deren Sprache, wobei sie sich dabei selten gesprochener Worte bedient. Worte sind nicht nötig, denn da gibt es ein unsichtbares Band, das dem Mädchen Emily ermöglicht, genau zu spüren, was in den Tieren vor sich geht, ihre Traurigkeiten, ihr Leiden unter ihren zwar wohlmeinenden, aber nicht mit der nötigen Sensibilität ausgestatteten Besitzer zu erkennen.


    Und dass mit Runa, dem heiß ersehnten Pferd, das sie sich dank des Hauptgewinns in einer Quizshow endlich zulegen kann, etwas ganz und gar nicht stimmt, weiß Emily sofort – und setzt alles daran, dem Tier das zurückzugeben, wonach es sich sehnt. Nicht leicht ist das für das Mädchen, dem die für andere Kinder alltäglichsten Dinge eine ihre Kräfte übersteigende Überwindung abverlangen; doch sie besiegt sich selbst und ihre Ängste, nicht nur einmal und auch nicht ganz alleine, denn sie hat an ihrem neuen Wohnort in ihrer Mitschülerin Lea zum ersten Mal in ihrem jungen Leben eine Freundin gefunden, eine, wie sie sie braucht, eine, die spürt, was Emily guttut und was nicht, die die Grenzen wahrt, die Emily um sich gezogen hat. Auf ihre Art ist Lea genauso besonders wie Emily. Ja, ein Glück, ein wahrer Segen war dieser Umzug, denn hier ist sie plötzlich von Menschen umgeben, die ihr ihr Anderssein nicht ankreiden, sondern einfach Rücksicht darauf nehmen, etwas, das sie bisher nur von Paulus, ihrem Vater, ach was, ihrem Goldstück von Vater, kannte, der nach dem Tod der Mutter, die im Übrigen eine ganz besondere Rolle in der Geschichte hat, sein Leben ganz auf die Tochter und deren spezielle Bedürfnisse ausgerichtet hat, sie behütet ohne sie einzuengen, ermuntert ohne Zwang auszuüben oder sie unter Erwartungsdruck zu setzen.


    Und dann schließlich, als der Photograph Paulus einen Auftrag in Italien annimmt, setzt seine Tochter, gemeinsam mit Freundin Lea ihren Plan, Runa das zurückzugeben, was ihr genommen wurde und ohne das sie nicht froh sein kann, in die Tat um – und auch dazu gehört eine ganze Portion Mut. Aber - „Audentis fortuna iuvat“ oder „Den Tapferen hilft das Glück“, wie schon Vergil in der „Aeneis“ verlauten ließ! Denn hätte Emily sich nicht selbst überwunden, wer weiß, wie die Geschichte ausgegangen wäre – und ob sie zu jenem herzzerreißenden und für alle glücklichen Ende gefunden hätte, das dennoch der einzig richtige, der einzig logische Schluss dieses in jeder Hinsicht bemerkenswerten, mit großer Empathie und Warmherzigkeit geschriebenen Romans ist, der dazu beitragen mag, seinen jungen Lesern die Einsicht zu vermitteln, dass es nicht schlimm ist, anders zu sein und dass auch der seltenste Vogel unter den Milliarden von Menschen, die unsren Planeten bevölkern, ein achtenswertes Mitglied der großen Völkerfamilie ist!

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    Cover des Buches Die Komplizin9783947538027

    Bewertung zu "Die Komplizin" von Ellen Puffpaff

    Die Komplizin
    EmiliAnavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: An ein Road-Movie erinnernder Thriller voller Action, Spannung und Überraschungen.
    Wer aussteigt, ist tot

    Der jungen Krankenschwester Anna stößt das zu, was niemand brauchen kann in seinem Leben: sie ist zur falschen Zeit am falschen Ort! Und damit gerät eine Lawine ins Rollen, die sie aus ihrem bisherigen, reichlich unspektakulären, gar ein wenig langweiligen Alltag herauskatapultiert und hineinwirft in ein gefährliches Abenteuer wider Willen, in dem sie sich in ständiger Lebensgefahr befindet und dessen Ausgang höchst ungewiss ist!

    Alles beginnt damit, dass sie auf dem Heimweg vom Nachtdienst vor einer roten Ampel unverhofft Besuch bekommt: zwei junge Männer dringen in ihr Auto ein und entführen die junge Frau kurzerhand – wobei es ihnen allein um das Fahrzeug geht, denn sie befinden sich auf der Flucht! Die beiden gefährlichen Gesellen sind ein mexikanisches Brüderpaar, das bis dato einer dubiosen Organisation angehörte, die sich Streetsurfer nennt und hinter der sich, wie der Leser allmählich erfährt, eine Bruderschaft verbirgt, eine Art Sekte, auf jeden Fall aber eine höchst gefährliche und skrupellose Verbrecherbande, die ihre schmutzigen Hände in jedem nur denkbaren kriminellen Geschäft hat und bei der eine Mitgliedschaft „lebenslänglich“ bedeutet. Bis der jüngere der Brüder, der psychisch instabile, von unbändigem Hass auf alles und jeden, vor allen Dingen aber auf sich selbst, besessene Diego nach einem vereitelten Selbstmordversuch einfach aussteigt! Und wer aussteigt, ist tot! Das weiß Diego – und vielleicht noch besser weiß es sein Bruder Rafael, der unfreiwillig Abtrünnige, der alles daransetzt, Diego zur Rückkehr zu bewegen. Da die mörderischen Handlanger der Bruderschaft aber bereits die Verfolgung aufgenommen haben, ist es für eine Umkehr zu spät! Also bleibt nichts anderes als die Flucht, die – in Annas Auto und mit ihr als Geisel, die, wenn es nach Rafael gegangen wäre, längst nicht mehr am Leben wäre – über Freiburg nach Spanien und von dort heim nach Mexiko führen soll.

    Im Verlauf der Handlung, die von schnellen und unerwarteten Wendungen lebt, bei der die Überraschungen immer im Hintergrund lauern, die den Leser durchweg und, so wiedersprüchlich das auch klingen mag, trotz ihrer generellen Langatmigkeit dauerhaft in Atem hält und die keineswegs linear verläuft sondern von ebenso abrupten Perspektivwechseln geprägt ist, denn Anna und die beiden „Aussteiger“ sind keineswegs die einzigen Protagonisten, ergibt sich allmählich eine Art Psychogramm der Geisel Anna als auch ihrer Entführer – ohne freilich, was meines Erachtens wichtig gewesen wäre, allzu viel preiszugeben über die Umstände, die letztere dazu brachten, ihr Leben in Mexiko hinter sich zu lassen und zu gewissenlosen Killern zu werden, gefangen in einer Organisation, die sie zu eben jenen gemacht hat.

    Auch von den Streetsurfern selbst, deren Treiben den zweiten Handlungsstrang bedient, bekommt man nicht viel mehr als ein vages Bild, ihre Struktur ist am Ende des Thrillers kaum verständlicher als zu Anfang. Dieses Nicht- oder Halbwissen allerdings ist nichts, was ich unbedingt als unzureichend betrachte, denn verfolgt man das Interagieren der Mitglieder der Organisation, darf man darauf schließen, dass sich Abgründe auftun, in die man eher nicht schauen möchte! Selbst diejenigen, die ihnen Informationen zubringen, sind zum Tode verurteilt, wie man an dem Freiburger Ehepaar sehen kann, bei dem die Brüder samt Anna auf ihrer Flucht Halt gemacht hatten – und deren Ermordung die Polizei sogar auf Annas Spuren bringt, die, was das Ganze noch komplizierter macht, sehr bald steckbrieflich gesucht wird....

    Und das wiederum führt uns zum dritten Handlungsstrang, dem nämlich, in dem Annas Verlobter aus Hamburg, der ehrgeizige, karrierebesessene Nico, dem sich Anna vor ihrer Entführung immer mehr entfremdet hatte, herumtaumelt und -stolpert und zu einem wahren Ärgernis wird. Ja, er sucht nach Anna, nachdem er ihr freilich zuerst bösen Willen und absichtliches Verschwinden unterstellt hatte und konstant schwankt zwischen kontinuierlich abnehmender Sorge um und Wut auf sie. Bis zum Ende des vorliegenden Bandes ist Nicos Rolle nicht ersichtlich, denn er trägt nichts zu der sich entwickelnden und schließlich kulminierenden Handlung bei. Nichts jedenfalls, das hier, in diesem ersten Teil der auf mehrere Bände konzipierten „Alles“-Reihe, zu erkennen wäre. Er ist ein Schwachpunkt der Geschichte, ein flacher Charakter ohne Tiefgang – was freilich weder von Diego noch von Anna behauptet werden kann! Sie sind beide komplexe Figuren – das Mädchen, zu Anfang verständlichermaßen völlig verängstigt, ist unerwartet zäh und erweist sich als resistent und äußerst mutig, während die Zerrissenheit und der sich verschlechternde psychische Zustand des jungen Mexikaners Diego sehr authentisch geschildert wird. Dass er sich in Anna verliebt, scheint folgerichtig; er sieht in ihr zunehmend stärker seine Retterin, diejenige, die ihn aus seinem inneren Gefängnis voller Selbstekel und Hass herausholen, mit der er gar ein neues Leben beginnen kann.

    Folgerichtig ist auch, dass Anna seine Gefühle allmählich erwidert, dabei aber immer, ihrem standfesten Charakter treu bleibend, auf dem Boden bleibt und trotz aller unerwarteter Sehnsüchte, die Diego in ihr erweckt, weiß, dass es kaum eine gemeinsame Zukunft geben kann.

    Damit ist aber schon beinahe zu viel gesagt über den recht umfangreichen, fesselnden, sehr abwechslungsreichen, weitgehend unvorhersehbaren und, trotz einiger Längen nie langweiligen Thriller, der ganz gewiss, obwohl oder vielleicht auch gerade weil so viele Fragen offen geblieben sind, ein gelungener Auftakt der „Alles“-Serie ist, auf deren zweiten Band man gespannt sein darf!

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